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Full text of "Ornis Caucasica. Die Vogelwelt des Kaukasus : systematisch und biologisch-geographisch beschrieben"

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ORNIS CAUCASICA. 


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DAUCK VON FR. EUGEN KÜHLER, GERA-UNTERMHAUS, 


Die Vogelwelt des Kaukasus 


systematisch und biologisch-geographisch beschrieben 


von 


Dr. Gustav Radde, 


Direktor des Kaukasischen Museums und der öffentlichen Bibliothek 


in Tiflis. 


Mit 26 Tafeln und 1 Karte. 


Kassel. 
Verlag von Theodor Fischer. 


1884. 


»Aber soviel bleibt gewiss: der Vogel ist in der aufsteigenden 
»Reihe der Wesen das erste warmblütige Geschöpf, welches die dem 
»menschlichen Gemüthe so angenehmen Gefühle der Freude und 
»der Liebe empfindet und sie aus voller Brust von oft schwindeinder 
»Höhe herab in tief ergreifenden Melodien verkündet; und alle diese 
»Beobachtungen gewähren erst dann den hohen und reinen Genuss, 
»wenn wir ihnen in ihrem Zusammenhange mit allen anderen Er- 
»scheinungen des schönen Naturlebens folgen.« 


L. Reichenbach, Ueber den Begriff der Art. 


‚Wollte man nach den Grössenverhältnissen neue Arten schaffen, 
»so hätten noch mehr Ornithologen, besonders Museums- und Samm- 
»lungsgelehrte, die ihnen so erwünschte Gelegenheit, Arten zu 
trennen, neue Namen zu geben und sich einzubilden, sie hätten 
»eine neue Spezies entdeckt. Man muss hinaus ins Freie, den Vogel 
in seinem Thun und Treiben beobachten; dann wird man sich erst 
»ein richtiges Bild über ihn schaffen können, und gar bald lernt 
»man erkennen, wie sehr die Grösse und das Gefieder 
»wechseln, aber die Lebensweise dieselbe bleibt.« 

Kronprinz Rudolf von Oestreich, 


Allerlei gesammelte ornithologische Beobachtungen. 
1880. pag. 30. 


Druck von L, Döll in Kassel. 


Seiner Kaiserlichen Hoheit 
dem Grossfürsten 


NIGOLAI MICHAILOWITSCH 


in unbegrenzter Dankbarkeit 
gewidmet 


vom Verfasser. 


Ew. Kaiserliche Hoheit! 


Erlauehtester Grossfürst! 


Die Grossen der Erde — auch die Mächtigsten — sind von Ver- 
hältnissen und oft auch von Personen in hohem Grade abhängig. Sie finden 
die Musse nicht, der Natur und ihren Wissenschaften zu leben, denn sie 
sind gezwungen, ununterbrochen mit jenen Verhältnissen und Personen zu 
rechnen, um die geheiliste Aufgabe ihres Lebens zu lösen. 

Es ist ein hohes Glück und eine seltene Ausnahme von der Regel 
zu nennen, wenn Prinzen, fern vom Lärm der Welt und ihren zahllosen 
Versuchungen, heranwachsen und im reinen Gemüthe die Liebe zur Natur 
pflegen, welche der klare Geist nach und nach mit Forscherblick betrachten 
lernte. Dieses seltene Glück ist Ihnen zu Theil geworden. Unter den 
Augen Ihrer Erlauchtesten Eltern, mit ebenso grosser Liebe, als 
auch mit weiser Strenge ‘behandelt, erwuchsen Sie im Kaukasus, dessen 
majestätische Naturbilder sich schon in frühester Jugend in Ihre empfäng- 
liche Seele prägten. Einsichtsvolle Fürsorge Ihres Frziehers gab dem 


Studium die Richtung und pflegte den Geschmack an der Arbeit. 


Der Antheil, den Sie an diesem Werke haben, ist gross. Ihnen 
gebührt die letzte, entscheidende Anregung dazu; Ihnen auch die Ermög- 
lichung der Ausführung. Dankbar lege ich es Ihnen zu Füssen nieder 
mit dem innigen Gebete, dass Sie stets der Wissenschaft ein mächtiger 
Protector verbleiben und in der Liebe zur Natur den unerschöpflichen Born 


reinsten Genusses finden mögen. 


Ich bin 


Ew. Kaiserlichen Hoheit 


ERGEBENSTER UND TREUESTER DIENER 


Dr. GUSTAV RADDE. 


Vorwort. 


ige: kann mich kurz fassen bei diesem Vorworte. Da der geneigte 
Leser in der Einleitung Alles findet, was ihm die Entstehung dieses Werkes 
und meinen Standpunkt der modernen Systematik gegenüber klar auseinander- 
setzt, so habe ich hier nur weniges zu sagen. Aber ich erlaube mir dem 
Kritiker meiner Arbeit ins Gedächtniss zu rufen, dass sie in Tiflis geschrieben 
werden musste. Zwar ist unsere georgische Hauptstadt eine uralte, auch ist 
sie gross und zählt über hunderttausend Einwohner; sie ist das Centrum der 
Administration, sowohl der militärischen als auch der civilen, sie besitzt also 
viele Beamte und Offiziere. Mächtige und schöne Häuser zieren ihren euro- 
päischen Theil, grosse Karawansareien den orientalischen. Sie hat viele Ver- 
gnügungsorte, Hötels, feine Clubs, gesellige Vereine, Oper und Tingel-Tangel, 
Equipagen und Karabagher Vollblutpferde — — aber mit dem Platze für 
die Wissenschaft und ihren Hülfsmitteln, sowie mit den Jüngern derselben 
ist es nicht so reich bestellt. Es kann mir nicht in den Sinn kommen, 
Details darüber hier mitzutheilen. An gutem Willen hat es im Verlaufe 
der Jahre auch hier nicht gefehlt. Es gab sogar eine Periode, in welcher 
die „gelehrten Gesellschaften“ und alle möglichen anderen, wie die Pilze aus 
dem Boden aufschossen. Es sind das zum Theile todtgeborene Kinder der 
Eitelkeit gewesen, zum Theile auch hektische Kreaturen mit mehr oder 


weniger freundlichem Aeusseren, aber ohne innere Lebenskraft. Einiges davon 


DR VORWORT. 


hat sich entwickelt, weil es spezielle Richtung und einschlagende Vertretung 
derselben besass, so die Vereine der Mediziner und Techniker. Anderes musste 
umkommen, aus dem einfachen Grunde, weil geistige Armuth und Mangel 
an Spezialisten obwaltete Das einzig Richtige für so schwache, aber gut- 
willige Kräfte, wäre darin zu finden, wenn sie sich an die Kaukasische Ab- 
theilung der Kais. Russischen Geographischen Gesellschaft anschliessen wollten, 
welche als garantirtes und gediegenes Centrum den gesunden Krystallisations- 
knoten für fernere allmähliche Bildungen solcher Art gewähren würde. 

Doch ich will nur von dieser Arbeit sprechen und sagen, dass es 
sicherlich nicht leicht ist, diese und jede andere, speziell systematische, den 
Anforderungen der Wissenschaft entsprechend, hier in Tiflis zu schreiben. 
Auch ist meines Wissens niemals ein grosses systematisches Werk hier ge- 
schrieben worden. Selbst zu den tüchtigen Reisewerken, die wir über unser 
Land besitzen, wurde das Material nicht hier verarbeitet, sondern da, wo 
literarischer und persönlicher Rath zugegen waren, oder leicht gefunden 
werden konnten. Beschränkt man sich auf ein kleines Feld, schreibt man 
z. B. eine Monographie eines nicht gar zu umfangreichen Genus, so kann 
man zur Noth erschöpfende Literatur beschaffen und bezahlen. Das ist aber 
nicht immer möglich, wenn man einen überreichen Stoff eingehend bear- 
beiten will. 

Ich gebe es daher auch a priori zu, dass in meiner Arbeit gewiss 
manche Lücke, mancher Mangel sich finden wird. Dieses kommt daher, dass 
‚ich zunächst keineswegs erschöpfende Literatur, nur wenig vergleichbares, den 
Nachbarfaunen entnommenes Material, und namentlich gar keinen persön- 
lichen Rath von erfahreneren Fachgenossen hier zu Lande besass. 

Dennoch glaube ich, dass die Ornıs cavcasıca eine wesentliche Lücke 
in der Kenntniss der europäisch-asiatischen Vogelwelt ausfüllt und dass sie 
namentlich dazu beitragen wird, zu zeigen, wie hier, der geographischen Lage 
des Landes und seiner Konfiguration entsprechend, die Uebergangszone euro- 
päischer und asiatischer Formen gelegen, die, sei es num als selbstständige 
Arten, oder nur als Varietäten betrachtet, einestheils noch ganz europäische, 


andererseits central- und sogar süd-asiatische sind. 


VORWORT. EXT! 


Während eines langen Reiselebens habe ich stets ein besonderes In- 
teresse daran gefunden, sei es nun an Pflanze oder Thier, die Art im geo- 
graphischen Sinne zu verfolgen, und bin dabei mit Vorliebe der Idee nach- 
gegangen, die Veränderlichkeit derselben zu constatiren. Ich gebe es zu, dass 
man auch bei dieser Richtung, wie bei jeder anderen, zu weit gehen kann, 
aber ich halte sie wenigstens für ebenso berechtigt, wie die andere, welche 
ohne Rücksicht auf weite Verbreitung, abändernde Naturverhältnisse, Einfluss 
derselben auf das Individuum etc. gerne scharf das trennt, was in der Natur 
in nuancenreichen Uebergängen sicherlich zusammengehört, und dabei, das 
Ganze artlich zerstückelnd, den geographischen Standpunkt verlassen muss, 
da es nicht mehr möglich ist, die nahestehenden und zusammenlebenden 
Formen in ihrer Verbreitung auseinander zu halten. Für mich bietet der 
gemeine Sperling, wenn ich ihn im Sinne seiner geographischen Verbreitung, 
seiner Abänderungsfähiskeit, in seinen allgemein biologischen Verhältnissen 
betrachte, ein viel grösseres Interesse als eine „neue Art“. Dies ist mein 
Standpunkt. Der geneigte Kritiker möge ihn als ebenfalls berechtigt aner- 
kennen, wenngleich er vielleicht einen anderen einnimmt. 

Noch muss ich in diesem Vorworte erwähnen, dass ich, nach Er- 
scheinen dieses Werkes, alljährlich Ergänzungen im Centralorgan der deutschen 
Fachgenossen geben werde. 

Auch will ich an dieser Stelle denen meinen Dank sagen, welche mir 
sei es in Correspondenzen oder mündlich, Rath ertheilten. Namentlich bin 
ich Eugen von Homeyer und Prof. Cabanis, sowie den beiden Brüdern 
Dr. Rudolph Blasius und Prof. Wilhelm Blasius in Braunschweig 


zu solchem Danke verpflichtet. 


Tırrıs, August 1884. 
Dr. @. Radde. 


Erklärung der Titel-Tafel, 


Vogelleben im Talyscher Tieflande, photographirt und gemalt nach der Gruppe 
im Kaukasischen Museum. 


Die im Texte oft angeführten Süsswasserniederungen von Talysch (Lenkoran) 
dehnen sich als mehr oder weniger breite und tiefe, kaum fluthende Gewässer hin, 
deren Ufer flach und sumpfig von Binsen und hohen, dichten Rohrbeständen bewachsen 
sind. Ihr Lokalname ist: Morzi. Vom Meere werden diese stagnirenden Süsswasser 
durch schmale und nur wenig hohe Zwergdünen getrennt, die den Abfluss verhindern 
und deren älteren Boden dichte Jongeln, vornehmlich aus Rubus und Smiax gebildet, 
decken, während der jüngere den Bivalven-Auswurf und Sand des Meeres aufweist. 
Landeinwärts hebt sich bis zum Fusse des Gebirges das Terrain nur sehr allmählich, 
ist oft noch sumpfig und trägt hier einen überall verrotteten Urwald, der sich nur aus 
Laubhölzern zusammensetzt, unter denen die eigenthümliche Parrotia, Pterocarya, vor 
allem aber Qxereus castaneaefolia und Acer insigne durch fremdartigen Habitus auffallen. 
Auch dieses Waldgebiet ist vielerorts nass, ausserordentlich üppig und verwildert. 
Unser Bild eröffnet in der Perspektive einen Blick auf die Talyscher Gebirge. Im 
Hintergrunde sieht man den über 8000' hohen Küs-jurdi, d. h. die Mädchen-Sommer- 
frischen, welcher Platz ebenfalls oft im Texte erwähnt wird. Hier liegt die persische 
Grenze. — Im Winter werden die Morzi von einer unglaublichen Menge verschiedener 
Wasservögel bewohnt, im Sommer bedeckt sich ihr ruhiger Spiegel auf weite Strecken 
hin mit den Blättern von Trapa natans so dicht, dass ein Boot nur mit grosser Mühe 
vorwärts zu bringen ist. Ueberall her erschallt dann aus dem dichten Rohr der lär- 
mende Gesang der grossen Rohrsänger, namentlich von der unermüdlichen Salcaria 
turdordes. 

Die Meeresformen wurden vorne gruppirt, die Süsswasserformen stehen dahinter. 
Die Gruppe wurde 1881 in Tiflis aufgestellt und die naturgetreue dekorative Malerei 
ebenfalls hier ausgeführt. 


Inhalts-Uebersicht. 


Seite 


Einleitung. — Die Entstehung dieses Werkes. — Meine Materialien dazu. — Mein Standpunkt der 
modernenySystematikegerenüberr re EB ea 1 
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Verzeichniss aller bis jetzt in den Kaukasusländern und auf den angrenzenden Meeren gesammelten 
. und beobachteten Vogelarten, nebst kurzen Bemerkungen über ihre horizontale und vertikale 
Verbreitung und über die Zeiten des Zuges und Brütens. - 21 
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Zur Geographie der Kaukasusländer, eine physiko-geographische Skizze. . . 2 2 2.2... 493 
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Zusammenstellung der in den Kaukasusländern bis jetzt ermittelten Zugdaten, mit Hinzuziehung der 
Beobachtungen, welche über den Zug aus den nördlicheren südrussischen Breiten vorliegen, . 558 
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IBEIHEr KUNGEN SV zu d ET KL ee 590: 


Einleitung. 


Die Entstehung dieses Werkes. — Meine Materialien dazu. — 
Mein Standpunkt der modernen Systematik gegenüber. 


Abends, an einem der letzten Tage des Novembers 1877, war es. Die herrlichen 
Tage, welche gewöhnlich zu dieser Jahreszeit in Tiflis statthaben, hatten ihr Ende 
gefunden. Schon seit geraumer Zeit lagerte schweres Gewölk im Norden der kaukasischen 
Capitale über den Saguram’schen Gebirgen. Auf der Stadt lastete dunkle, stürmische 
Nacht. Es war mehr als kühl. Behäbig sass ich im orientalischen Cabinette, wo über 
bequemer Tachta*), rechts an der Wand die so charakteristischen Landseer’s in vor- 
züglichen Kupferstichen hingen und links Kaulbach’s unvergleichliche Iphigenie in 
grosser münchener Photographie auf mich herabschaute. Neun Uhr schlug es. Der Thee 
war bereits genommen, die Habanna glimmte und ihr angenehmer Duft übte den wohl- 
bekannten, günstigen Einfluss auf die Gedanken aus. Sie liefen so geschmeidig und 
rasch hintereinander. Ich dachte an meine Reise nach Paris, die ich im Auftrage der 
Regierung im kommenden Jahre machen sollte. Da erschallte die Glocke. Es wurde 
die Thüre geöffnet. Der stramme Kosak richtete pflichtmässig den Auftrag aus. $e. 
Kaiser. Hoheit der junge Grossfürst Nicolai Michailowitsch bescheidet Sie zu sich, sagte 
er. In wenigen Augenblicken war die nöthige Toilette gemacht und der blankbeknöpfte 
Vice-Frack an die Stelle des warmen Negligerockes getreten. Ich schritt durch den 
Palais-Garten, um in die Gemächer $r. Kaiserl. Hoheit zu gelangen. In den hohen alten 
Bäumen sauste es unheimlich und hie und da schlug das Geäste der schlanken Stangen- 
hölzer, vom Winde gerüttelt, aneinander. Ab und zu vernahm ich den krächzenden 
Ruf einer Rabenkrähe, welche, im Schlafe gestört, die ganze Colonie ihres Geschlechtes, 
die hier allabendlich zum Nächtigen erscheint, aufmerksam machte. Bald wurde es 
wieder still. Ich trat in das Arbeitszimmer des Generals von Peters, dem die Er- 
ziehung des jungen Grossfürsten seit Jahren anvertraut war. Weiches, angenehmes 
Licht ergoss die Moderateur-Lampe, in ampelförmiger Urne hängend, über den Raum: 
an seinen Wänden Horschelt’s Charakter-Zeichnungen kaukasischer Kriegsscenen und 
eine Auswahl prachtvoller persischer Metallgefässe, die Meubel im orientalischen Style. 


*) Im ganzen ÖOriente ersetzt die Tachta das unbequeme Sopha oder Canape des Westens. 


Badde, Ornis caucasica. 1 


D) Einleitung. 


In einem der niedrigen, tiefen und breiten Sessel, mit dicken, seidenen Dshidshim- 
Stoffen *) bezogen, ruhete der junge Grossfürst, damals neunzehn Jahre alt. 

Er hatte soeben die allabendlich angeordneten gymnastischen Uebungen vollbracht 
und wollte vor der Nachtruhe noch Einiges plaudern. 

Es ist Zeit, sagte der Prinz im Verlaufe des Gespräches zu mir, — es ist 
Zeit, dass Sie sich endlich an eine Spezial-Arbeit in Ihrem Fache machen. Ihre Reise- 
berichte, Ihre Schilderungen Swaniens, Ihre im Auslande gehaltenen Vorträge, Ihre Mono- 
graphie der Chewsuren sind nicht allein das, was wir erwarten. Sie können und müssen 
uns noch mehr geben. — 

Um speziell zu schreiben, so lautete meine Antwort, und zwar entsprechend 
den Anforderungen der Gegenwart an systematische Arbeiten, muss man vor allen 
Dingen möglichst erschöpfende Literatur und vergleichbares Material besitzen. Aus 
welcher Branche ich mir auch den Stoff wähle; sobald ich die Materie zunächst im 
systematisch beschreibenden Sinne behandeln will, um daran anderweitige Betrachtungen 
zu knüpfen, sind jene beiden Forderungen die conditio sine qua non. Es giebt einen 
Stofi, den ich auch 'hier im Kaukasus bewältigen kann; aber er erfordert noch sehr 
bedeutende Ergänzungen. Seit der Begründung des RKaukasischen Museums (1867) 
habe ich an Beobachtungen emsig über diesen Gegenstand zusammengetragen; aber ich 
habe der Vogelwelt des Kaukasus — denn von dieser spreche ich hier — nicht aus- 
schliesslich mein Interesse widmen dürfen. Dies hiesse sündigen an dem jungen Insti- 
tute. Erlauben Ew. Kaiserl. Hoheit in einem längeren Expos& diese Angelegenheit näher 
zu beleuchten. Sie werden dadurch in den Stand gesetzt: werden, zu beurtheilen, warum 
ich bis jetzt noch keine Spezialia über die Ornis des Kaukasus lieferte. i 

Als nach dem Willen des Erlauchtesten Statthalters, das Kaukasische Museum 
zu gründen, mir befohlen wurde, war so gut wie gar nichts an Objekten vorhanden, 
was als Basis für die Sammlungen hätte dienen können. Nur die Abtheilung für Ethno- 
graphie erhielt durch die kaukasische Abtheilung der Kaiserlichen Geograpkischen 
Gesellschaft eine kleine Anzahl von Gegenständen. Weder Pflanze noch Thier, weder 
Stem noch Mineral des Landes waren da, und das Alles wollte und musste doch nicht 
allein beschaftt, sondern auch möglichst gewissenhaft bestimmt und geordnet vorliegen. 
Das Programm des Kaukasischen Museums ist ein breites. Es soll Alles in sich auf- 
nehmen und bewahren, was die Natur und was der Mensch im Kaukasus schaffte. 
Keineswegs verfolgt es nur naturhistorische Zwecke. Schon jetzt (1877) wird es ganz 
unmöglich für mich allein, allen den Anforderungen des Institutes zu genügen, und früher 
oder später wird die Regierung in die Lage kommen, Gehülfen, Konservatoren, Spezia- 
listen zu ernennen, um die Arbeit zu theilen und die Möglichkeit zu geben, das Ge- 
sammelte im strengen, wissenschaftlichen Sinne zu bearbeiten **). So lange solche Dis- 
positionen nicht getroffen werden, ist es für den Gründer dieses Institutes ganz un- 


*) Schöne, ungemein dauerhafte Gewebe, welche namentlich in Karabagh von den Weibern 
der Tataren gemacht werden. 

**) Seit jener Zeit hat das Kaukasische Museum grosse Erfolge zu verzeichnen. Im Jahre 1879 
wurde der Umbau des Gebäudes beschlossen. Schon 1880 war derselbe vollendet und zum September- 
1881, als in Tiflis der 5. Kongress der Archäologen tagte, konnte das Institut vollständig geordnet und 
wesentlich erweitert eröffnet werden. Das neue Etatproject harrt der Bestätigung seitens des hohen Mini- 
steriums der Volksaufklärung in St. Petersburg. Nach diesem sollen die Arbeitskräfte des Museums zweck- 


entsprechend verstärkt werden. DS 


Einleitung. 3 


möglich alle, stets wachsenden, Materialien allein zu bewältigen. So lebhaft auch die 
Korrespondenzen mit dem In- und Auslande geführt werden und so sehr dadurch 
wenigstens auf manchen Gebieten Sicherheit in den Bestimmungen erreicht wurde, so 
wenig erschöpfend bleibt dennoch für die gesammte Sache dieser, bis dahin einzig 
gebotene, Weg. 

Handelte es sich für's Erste nur darum, massenhaft Stoff aus der Natur und 
Stoff aus den Werken der Menschen der Vergangenheit und Gegenwart der Raukasus- 
länder im Museum aufzuhäufen, so wäre die Sache einfacher und leichter. Dann könnte 
ich alles Andere bei Seite lassen und Spezialia treiben, und dann wäre eine Ormis cau- 
casica gewiss schon druckfertis hergestellt worden. Wenn man aber heute z. B. eine 
ganze Suite von Münzen der Sassaniden, morgen solche der Römischen Kaiser oder der 
Pontischen Könige zugestellt erhält, mit dem ofüziellen Gesuche, sie zu taxiren; wenn 
man, sage ich, heute wenigstens in der Numismatik soweit bewandert sein soll, dass 
man nicht die gröbsten Fehler begeht, und morgen schon über die Verwüstungen am 
Getreide durch Insekten, oder am Luzern, über den Schaden durch Mäusefrass, über die 
Gründe des Abtrocknens ganzer Coniferen-Reviere im Walde berichten soll, und über- 
dies alljährlich die durch den Dienst gebotenen Expeditionen ausführt; so wird man 
wohl schwerlich genügende Zeit finden, um in einer Branche der Wissenschaften aus- 
schliesslich und eingehend zu arbeiten. In den gemachten Andeutungen habe ich aber 
bei Weitem nicht alle Hindernisse erwähnt, welche in Tiflis in meiner Stellung die 
Spezialarbeit so sehr erschweren. Da treffen wöchentlich im Durchschnitte 5—6 Briefe 
aus allen Enden der Welt, von mir ganz unbekannten Persönlichkeiten, und oft recht 
aufdringliche, ein. Jeder der Schreiber will Etwas aus dem Kaukasus für seine Spe- 
zialität haben. Der eine schreibt eine Monographie der Unionen, ihm fehlen die Kau- 
kasier. Der andere wünscht Chenopodiaceen, er wendet sich an mich. Papa und Olau- 
silia werden von diesem, Spinnen und Schlangen von Jenem begehrt. Die Zahl der 
begehrenden Entomologen, namentlich der Carabus-Jäger, ist Legion. Auch die Anthre- 
pologen wünschen viel. Den Ethnographen interessiren die Gebräuche bei der Ernte, 
er schreibt mir einen Brief; der Zoologe wünscht die seltensten Nager des Landes zu 
besitzen, er schreibt mir auch einen Brief; endlich kommt der Alterthumsforscher, er 
will eine treue Copie einer Inschrift, einen Abklatsch von ihr — er schreibt also auch 
einen Brief. Mit einem Worte: seitdem im Kaukasus ein Museum existirt, wünscht die 
ganze Welt von ihm irgend ein Objekt zur wissenschaftlichen Spezialarbeit zu haben. 
So ehrend dies Begehren für das Institut auch ist, so unmöglich bleibt es, Allen zu 
‚genügen. Der Höflichkeit trage ich stets Rechnung. Antwortschreiben erfolgen, aber 
der Austausch an Materialien wird nur mit Wenigen gepflest. Ueberdies giebt es noch 
eine grosse Anzahl von Störungen, die unabweisbar mit dem Direktorate eines Museums 
zusammenhängen. Da kommen die administrativen, dienstlichen Angelegenheiten; da 
sind es die Verpflichtungen, die der Direktor des Museums dem besuchenden Publikum 
gegenüber hat; da kommen allerlei unvorhergesehene Störungen vor, und es fehlt absolut 
an der ersten Grundbedingung zur Arbeit — an der Ruhe. Wer sich sein kleines Feld 
wissenschaftlicher Arbeit abgesteckt hat und unbeeinflusst von aussen;her darin fort- 
schafft, der kann von Erfolgen gewiss sprechen. Wem die Aufgabe zu Theil wurde, 
an den äussersten Grenzen des Russischen Reiches ein grosses Museum zu gründen, zu 


welchem er Alles — angefangen vom Ziegelsteine zum Gebäude bis zur Jason-Statue, 
. 105 


4 Einleitung. 


welche den Giebel desselben krönen soll, angefangen von der unscheinbaren Muschel 
vom Grunde des Caspi bis zum Riesenhuhn von den Gletschern des Kasbek — nach 
und nach erkämpfen musste; wem heute die Aufgabe obliegt, von den Brunnenwänden 
Lenkorans die schlüpfrige Marchantia zu lösen, und morgen, in 12000° Meereshöhe am 
Azunta-Passe in Chewsurien die zarten Alsineen und Draba-Arten einzusammeln; von 
dem kann man gerechter Weise nicht sobald eingehende systematische Arbeiten erwarten. 
Alles das will doch gesammelt und geordnet, mit Hülfe fernwohnender Freunde, oder 
auch am Orte, bestimmt werden, und das nimmt den besten Theil der Zeit-in Anspruch. 
Für mich selbst lag in dieser vielseitigen Beschäftigung nicht allein ein immer erneuter 
Reiz, sondern auch der Zwang, mich auf Gebieten zu orientiren, die mir ohne diesen 
ganz fremd geblieben wären. Ich heimste ein. Ich vervollständigste meine Kenntnisse 
und rundete sie ab. Dies sind die grossen Vortheile gewesen, welche mir persönlich 
aus meiner Stellung erwuchsen. 

Mit der steten Entwickelung und dem raschen Aufblühen des Museums häufte 
sich das Material auf allen Seiten so mächtig, dass von einer gründlichen Beherrschung 
desselben nicht mehr die Rede sein konnte. Und so harıt denn auch gegenwärtig noch 
Vieles der Erlösung, d. h. der richtigen Bestimmung und Placirung auf den Gebieten 
menschlichen Wissens. Ich habe mich über diesen Gegenstand hier eingehender ausge- 
sprochen, um zunächst meinen Freunden und Kollegen auf dem Felde der Ornithologie 
die Gründe klar zu machen, welche das Erscheinen einer Ornis der Kaukasusländer bis 
dahin verhinderten. Denen auch, die in nächster Nähe leben und denen es Bedürfniss 
ist, scheel auf das Streben und auf die Erfolge Anderer zu sehen, mag das Gesagte 
genügen, um ihnen die Schwierigkeiten, mit denen das Museum zu kämpfen hat, klar 
zu legen. 

So eingehend unterhielt ich mich nun freilich über diese Dinge am November- 
Abend mit dem jungen Grossfürsten nicht. Ich nannte zunächst die beiden Hauptwerke 
über europäische Vögel, Naumann’s Vögel Deutschlands und Dresser’s Birds of 
Europe, und schon am nächsten Tage wurde aus dem Palais ein Telegramm an Quaritch 
nach London gesendet, welches die kostbare Bestellung dem ersten Antiquare der 
Erde übermittelte. 

Nach einem Monate kamen die Werke an. Ihnen konnte ich manche andere, 
werthvolle Bücher zur Seite legen. 

Es waren dies: 

Pallas, Zoographia rosso-asiatica. 

Middendorff, Sibirische Reise. 

Schrenk, Reisen und Forschungen im Amurlande. 

Mein Werk über die Festlands-Ornis von Ost-Sibirien. 

Temminck, Manuel d’ornithologie. N 

Degland, Ornithologie europeenne. 

Gray, Handlist of Genera and species of birds. 

Bonaparte, Conspectus generum avium. 

Blasius und Keyserling, Die Wirbelthiere Europas. 

Brehm (Vater), Beiträge zur Vogelkunde etc. 

Brehm (Sohn), Thierleben, beide Auflagen. 

Gloger, Naturgeschichte der Vögel Europas. 


Einleitung. 5) 


Gloger, Das Abändeın der Vögel durch Einfluss des Klimas. 

Riesenthal, Die Raubvögel Deutschlands. 

Girtanner, Beitrag zur Naturgeschichte des Bartgeiers. 

Die ganze Soil des Bulletin de la Societe Imperiale des Naturalistes de Moscou. 

Das vollständige Journal für Ormithologie. 

Ornithologisches Centralblatt von 1876 bis Jetzt. 

Demidow, Voyage dans la Russie meridionale et la Crimmee, mit den Bei- 

trägen von Nordmann. 

Die Editionen der Kaiser. Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg. 

Blanford, Eastern Persia. 

M&ändätries, Catalogue raisonne des objets de Zoologie etc. 

Eichwald, Fauna caspio-caucasica. 

Tschichatschew, Asie mineure. 

Heuglin, Ornithologie Nordost- Afrika’s. 

Cabanis und Heine, Museum Heineanum. 

Tschudi, Das Thierleben der Alpenwelt. 

Finsch, Reise nach Westsibirien. 

Homeyer (E. F. v.), Ormithologische Briefe. 

Die Wanderungen der Vögel. 
Reise nach Helgoland. 
> Deutschlands Säugethiere und Vögel etc. 
» Viele kleinere Broschüren ornithol. Inhaltes. 

Russow, Die Ornis Esth-, Liv- und Curlands. 

Palm&n, Ueber die Zugstrassen der Vögel. 

Antwort an E. v. Homeyer über die Zugstrassen der Vögel. 

Dresser, A list of European birds. 

Wright (Magnus von), Finlands Foglar. 

Severzow, Periodische Erscheinungen im Leben der Säugethiere, Vögel und 

Amphibien im Woronesh’schen Gouvernement, russisch. 
> Vertikal- und Horizontal-Verbreitung der turkestanischen Thiere, 
russisch. 

Kessler, Die Vögel des Kiewschen Lehrbezirkes, russisch. 

Bogdanow, Vögel und Säugethiere des schwarzerdigen Wolga-Gebietes, der 

mittlern und untern Wolga, russisch. 
Die Vögel des Kaukasus, russisch. 
Die Würger der russischen Fauna, russisch. 

Kessler, Reise in Transkaukasien 1875, russisch. 

Mensbir, Ormithologische Geographie des europäischen Russlands, russisch. 

Prjewalski, Die Mongolei, russisch. 

Kronprinz Rudolf, Allerlei gesammelte ornithologische Beobachtungen. 

So bildete sich denn eine Literatur, die, wenn auch nicht erschöpfend, doch 
fast ausreichend für mein Gebiet genannt werden darf. Ich ging nun, 1878 aus dem 
Auslande zurückgekehrt, an die Sichtung des vorhandenen Materials und trug alles 
darauf Bezügliche zusammen. Ich arbeitete, wie weiter ersichtlich, nach einem Schema. 
Zunächst folgten bei systematischer Aufzählung der Species die im Volke gebräuchlichen 


6 Einleitung. 


Benennungen der Art in russischer, persischer, türkischer, grusinischer und armenischer 
Sprache. Bisweilen fügte ich zu diesen auch noch andere, z. B. die der Suanen, der 
Talyscher, Kurden etc. Ich vermied es aber, einfach die lateinischen Namen in die be- 
treffenden Sprachen zu übersetzen. Das Volk unterscheidet die Spezies nur selten und 
weiss nichts von der Trennung. nicht allein ähnlicher Arten, sondern oft sogar auch der 
Genera. Ich gab daher nur wenige, aber wirklich volksthümliche Namen. Sodann kam 
die Besprechung meiner kaukasischen Exemplare im strengen systematischen Sinne. 
Alter und Geschlecht wurden erwähnt, die verschiedenen Kleider der Spezies wurden bis in 
die letzten Details, sobald sie Abweichungen von typischen Exemplaren darboten, be- 
sprochen und überall die Citate notirt. Endlich folgte der Abschnitt über die Lebensweise 
in der Freiheit und Gefangenschaft und die Verbreitung. In Bezug auf die letztere 
bieten die Kaukasusländer ein ganz besonderes Interesse dar. Das liegt in ihrer geo- 
graphischen Lage. Der Isthmus, obwohl zwei Erdtheile verbindend, trennt ihre Faunen 
und Floren doch sehr viel schärfer, als es z. B. der lang von N. nach S. ausgezogene 
Ural thut. Die Formen Europas beherrschen noch sehr entschieden. sein westliches 
Gebiet. Im Osten machen sich Asiaten und Nordost-Afrikaner bemerkbar. Das silt 
nicht allein in der Vogelwelt, das gilt überhaupt für das Pflanzen- und Thierreich. In 
erster Reihe drängt sich bei diesen Erörterungen die Frage auf: Wieweit betheilist sich 
die Ornis des Isthmus an europäischen und wie weit an asiatischen Formen? Wo liegen 
hier die Grenzen? Wo schliessen die Steppentypen nach Süden und wo die Wüsten- 
typen nach Westen ab? Blanford’s Arbeiten ermöglichen es sicherer, als es bis dahin 
möglich war, gegen S. O. zur Beantwortung dieser Fragen zu blicken. Die gutgekannte 
Ornis der Westküste Kleinasiens und Griechenlands gestatten die Vergleiche auch mit 
den Vögeln der Mittelmeerfauna. 

Schon Anfang August 1879 hatte ich Alles zusammengetragen und bearbeitet. 
was ich von den Vögeln des Kaukasus wusste. Es war zwar leidlich viel, aber nach 
meinem Ermessen doch nicht genug. Eine Ergänzungs-Expedition, welche die Aufgabe 
haben sollte, recht viel neues Material zu beschaffen, erschien sehr wünschenswerth. 
Freigebig bewilliste Se. Kaiserl. Hoheit der Grossfürst Nicolai Michailowitsch dazu eine 
namhafte Summe und so konnte ich denn in Begleitung von Jäger und Präparant 
Anfang November die Reise nach Lenkoran antreten, wo die grosse Winterstation des 
Geflügels gelegen und überdies sich auch manche Vögel Persiens aufhalten. Diese Ex- 
pedition währte mit kurzer zweimaliger Unterbrechung bis Ende Juli 1880 und hat das 
vorliegende Werk nicht allein zum Abschlusse gereift, sondern auch noch ein zweites, 
zweibändiges unter dem Titel »Talysch und seine Bewohner« entstehen lassen. Unsere 
Ernte an Geflügel dort war gross. Die Zahl der Bälge wuchs von circa 1000, welche 
mir in Tiflis vorlagen, auf 4106 kaukasische Vögel. Täglich füllten sich die Abschnitte 
in meinem Manuscripte über Lebensweise und Verbreitung mehr und mehr. Fern von 
den alltäglichen Geschäften, die das Museum in Tiflis erheischt, hatte ich das Glück, 
am Caspi ruhig meiner Arbeit obzuliegen, welche dadurch gedeihen konnte. 

Dieses Material nun, welches die Ornis des Kaukasus behandelt, will ich zunächst 

näher besprechen. Schon im Jahre 1863, gleich nach meiner Ankunft im Kaukasus, 
fand ich Gelegenheit, Einiges zu sammeln und namentlich in dem damals ausnahmsweise 
sehr strengen Winter (1863—64) meine Beobachtungen über das Thalabwärtssteigen 
alpiner Arten im Winter zu machen. Während der Reisen in den drei Colchischen 


Einleitung. 7 


Hochthälern notirte ich fleissig, zumal über das Leben hochalpiner Arten. Hier wurde 
zum ersten Male Megaloperdix caucasica beobachtet und die Brutplätze vom schön 
singenden Anthus spinolelta ermittelt. Aus dieser Zeit schon stammen meine Mit- 
theilungen über das kaukasische Birkhuhn; doch gelang es mir damals nicht, den Vogel 
za erstehen. Mit der Bestätigung und Gründung des Kaukasischen Museums (1867) 
wurden die mir gestellten Aufgaben komplizirter. Ich musste danach streben, dem Ver- 
trauen der Regierung in jeder Hinsicht gerecht zu werden und durfte meiner Lieblings- 
beschäftigung nicht folgen. Ich begab mich 1866 im Frühlinge für 2 Monate an den 
Caspi und, obgleich damals noch unbekannt mit den Lokalitäten, brachte ich doch 
ausser vielen anderen Objekten und Materialien an 700 Vogelbälge aus den Umgegenden 
von Lenkoran mit. Diese bilden den Stamm der im Museum aufgestellten Sammlung. 
Im Verlaufe der folgenden Jahre wurde während der Reisen stets beobachtet und 
notirt, aber nur gelegentlich und nur wenig gesammelt. Es gab Anderes zu viel zu 
thun.. Die Umgegenden von Tidis, welche ich nur arm in Bezug auf die Vogelwelt 
nennen kann, lieferten in den nächsten zehn Jahren etwa 400 Exemplare. Seltenheiten 
ersten Ranges trugen mir meine Reisen im Winter zum Kasbek und zum Ararat (1868 
und 1869) ein. Dort wurde mehrfach ebensowohl Megaloperdix earwcasica, als auch 
Rutieilla erythrogastra und Carpodacus caucasicus erlegt; hier stellte endlich ein Exemplar 
der Megaloperdie vom Ararat die Identität der Meg. Raddei mit der Gmelin’schen 
Meg. caspia fest. Kleinere Reisen ins Oolchische Tiefland ergaben namhaften Zuwachs 
und so wurde bis zum August 1880 das Material in nachstehenden Werthen beschafft: 


Talysch und die angrenzenden Tielande . . . . . 3300 Exemplare 
Tidis und Umgegend, mittleres Kurathal . . . . . 460 5 
Hochgebirge, am Kasbek, bei Kobi und im Suant-gau 300 2 
Golehisnunterer Krone a RO Bi 


Total 1066 


Diese bedeutende Zahl kaukasischer . Vogelbälge wuchs noch nach Abschluss 
des Manuscriptes um etliche hundert Exemplare, so dass in runder Ziffer sich der 
gesammte Vorrath auf 4400 Exemplare beläuft. Von diesen erhielt Se. Kaiserl. Hoheit 
der Grossfürst Nicolai Michailowiisch 1200 Exemplare; kleinere Collectionen gab ich an 
die Herren Eugen v. Homeyer, Graf Berlepsch, Dr. Rudolf Blasius und Tancre, 
welche mich stets mit Rath und That bei meiner Arbeit bereitwilligst unterstützten. 
Eine Auswahl der schönsten und interessantesten Stücke dieser Sammlung soll ferner 
für Se. Kaiserl. Königl. Hoheit den Erzherzog Kronprinzen Rudolf getroffen 
werden. Dem zoologischen Museum der Kaiser. Akademie der Wissenschaften in 
St. Petersburg sind die Repräsentanten aller kaukasischen Arten zugesagt worden. 
Eine gute Zahl von Exemplaren weniger werthvoller aber schöner Arten wurden endlich 
an Liebhaber, Jäger, Freunde verschenkt und vertauscht. 

Zum Vergleiche mit dieser Sammlung lagen 700 Vogelbälge Europas vor, welche 
zum Theile aus den Vorräthen der Herren Schlüter in Halle und Rey in Leipzig, zum 
Theile bei Herrn Mewes in Stockholm gewählt wurden und denen sich kleinere Suiten 
central-europäischer Vögel von Eugen von Homeyer und Graf Berlepsch anschlossen. 
Bei der Wahl dieser Objekte nahm ich ausser den selteneren, zum Vergleiche unbedingt 
nöthigen Arten, auch oft die allergemeinsten, weil es für mich besonderes Interesse hat, 


8 Einleitung. 


die vollständige Identität der Europäer mit den entsprechenden Spezies des fernen Ostens 
nachzuweisen, oder auf Differenzen, wenn auch nur auf geringe, aufmerksam zu machen. 

Bevor ich aber an die Besprechung dieser Materialien gehe, muss ich meinen 
Standpunkt der modernen Systematik gegenüber klar stellen. Fast alle neueren 
Ormithologen folgen dem Beispiele der englischen und deutschen Koryphäen dieser 
Wissenschaft und trennen als „Arten“ da, wo oft nur sehr geringfügige und überdies 
nicht einmal stichhaltige Unterscheidungsmerkmale vorliegen: weder stichhaltige, sage 
ich, was die Farbenvertheilung und ihre Intensität anbelangt, noch auch unabänderliche 
in den plastischen Verhältnissen der Individuen. Oft genügen schon ganz geringfügige 
Abänderungen, z. B. an der Spitze des Schnabels, und ein kaum merklich abweichendes 
Colorit, eine etwas lebhaftere Nüance im Gefieder an irgend einem Körpertheile dazu: 
und die neue „Art“ ist schon fertig — selbst dann, wenn der Vogel zu seiner Ernährung 
(gedenken wir z. B. der Spechte) im Holze arbeiten muss und dieses nicht immer der- 
selben Spezies angehört, mithin auch, abgesehen von dem verschiedenen Grade .der 
Fäulniss, verschiedene Härten an und für sich darbietet. Ueberdies kommt es nicht 
selten vor, dass eine neue Art nach einem einzigen Exemplare aufgestellt wird, selbst 
dann, wenn die ihr nächststehende bekanntermassen gewissen Variationen unterworfen 
ist. Andererseits werden die Vertheilung von Schwarz und Weiss und die Umgrenzungen 
der Fleckung durch diese Pigmente oftmals zur Gründung neuer Arten benutzt, oder, 
zumal bei den aus Südosten stammenden Vögeln, genügt das lebhaftere Braun- oder 
Fuchsroth schon, um artlich zu unterscheiden. Es liegen ja gerade für die Ornis der 
Kaukasusländer und der angrenzenden Gebiete Beispiele der Art genug vor. Ich 
darf nur an die grossen Würger und an die Häher, nur an das Rothkehlchen und an 
die Buteonen erinnern. Die Gesetze sind uns freilich nicht bekannt, nach denen die 
Farbstoff-Ablagerungen in der Feder oder im Haare vor sich gehen. Wir wissen nicht 
einmal bei unseren alltäglich zu beobachtenden Hausthieren, woher es kommt, dass 
z. B. der weisse Blässenstern der braunen Stute gerade immer mitten auf der Stirn 
sitzt, oder weshalb gerade die vier Fesselgelenke des Rappen weiss bleiben und alles 
Andere tief schwarz an dem Pferde ist. Wir müssen nur eine gewisse Erblichkeit, 
aber gleichzeitig auch ein Schwanken in Grösse und Form dieser Fleckenzeichnung 
zugeben und eingestehen, dass, trotz anfänglich typischer Uebertragung auf die Nach- 
kommenschaft, dennoch später die erwähnten Abzeichen oft ganz verschwinden können. 
Freilich wird im Freileben des wilden Thieres eine so stark ausgebildete Variation in 
der Umgrenzung von verschieden gefärbten Stellen des Kleides nur höchst selten in 
dem Umfange beobachtet, wie bei den Hausthieren, dagegen um so öfter grosse Ver- 
änderungen und Abweichungen in der Farbe des gesammten Kleides. Die Suiten des 
gewöhnlichen Fuchses, die der Wölfe, thun das deutlich genug dar, und der weitver- 
breitete Bär, alle möglichen Uebergänge im Skelett- und Schädelbaue bis fast zum 
Höhlenbären aufweisend, und vom hellen, fast semmelgelben Ursus isabellinus Horsf. 
und Ursus syriacus Ehrb. bis zum fast pechschwarzen des Moskauer Gouvernements 
in allen Farbennüancen, die zwischen diesen Extremen liegen, vorkommend, liefert ein 
weiteres Beispiel dafür, dass Klima, Aufenthalt, Nahrung und individuelle Befähigung 
gar sehr das äussere Habit eines Thieres beeinflussen. Wollen wir in dieser Hinsicht 
Beispiele aus der Vogelwelt aufführen, so dürfen wir nur an die Abänderungen des 
gemeinen Bussards und seiner nahen Verwandten erinnern. Zumal bei Buteo tachardus, 


Einleitung. 9 


dessen artliche Selbstständigkeit immerhin noch angezweifelt werden dürfte, wechselt 
das Kleid ungemein, und wir finden, bei dem gemeinen Bussard dasselbe von fast rein 
weiss bis fast rein dunkel-erdbraun; so kann ich für den Burleo tachardus die Varie- 
täten vom Kleide eines fuchsigen, gefleckten Bussards bis zu denen des sepienbraunen 
ebenfalls aufweisen. Viele Fleischfresser, sowohl Säugethiere, als Vögel, varliıren unge- 
mein in dem Kolorite ihres Rleides und sind dazu, wie es scheint, mehr befähigt, als 
die von Pflanzennahrung lebenden. Auch sind es immer die am weitesten verbreiteten 
Arten, die so sehr variiren, und man darf daher wohl mit Recht annehmen, dass den 
verschiedenartigen Lebensbedingunger, denen sie unterworfen sind, zum Theile auch 
das äussere, variable Kleid entspricht. Wollte man in solchen Fällen consequent 
nach dem Vorbilde der jetzt massgebenden Ornithologen unterscheiden, so käme man 
am Ende dahin, aus jedem Individuum eine Art zu machen. Brehm, Vater, gewiss 
einer der besten Vogelkenner, die jemals gelebt, hatte bekanntlich diese Richtung ein- 
geschlagen. Was sollten wir z. B. wohl mit den Panthern (wenigstens mit den 
asiatischen) beginnen? Fast jedes Individuum hat etwas andere Zeichnung der Ringe 
und etwas abweichendes Kolorit der gelblichen Grundfarbe; dazu kommt, dass die 
‚Schwanzlängen, also auch die Grösse der einzelnen Schwanzwirbel ungemein variiren. 
Das oben Gesagte wird auch auf manche Vogelspezies zutreffen. Es giebt unter ihnen 
solche Arten, welche ungemein in der Färbung bei sehr festen plastischen Verhältnissen 
abändern. Es giebt andere, die bei unabänderlichem Colorit doch ziemlich bedeutende 
Schwankungen in Schnabel- und Tarsenlängen aufweisen. Man wird nicht leicht zwei 
Weibchen der Harelda glacialis finden, welche absolut gleich gefärbt sind. Auch in der 
Vertheilung von Schwarz und Weiss auf den Schwanzfedern kommen sehr bedeutende 
Varianten bei einer und derselben Spezies vor. Ich darf in dieser Hinsicht nur an die 
Sazricola-Arten erinnern. Sogar der sonst in seinem Gefieder so unwandelbar da- 
stehende gemeine Steinschmätzer (,S. oenanthe) fügt sich in dieser Hinsicht nicht immer 
genau der Diagnose. Man wird ferner schwerlich Ende April zwei Kampfhähne: finden, 
deren Halsfedern ganz entsprechendes Kolorit besitzen. Hier haben wir also plastisch 
durchaus in feste- Normen gebannte Arten, unter durchaus gleichen Lebensbedingungen 
und aus derselben Gesellschaft, welche in der Färbung bei der einen Art im weiblichen 
Geschlechte weniger, bei der anderen aber im männlichen Geschlechte so enorm variiren, 
dass wir diese Erscheinung doch nur rein individueller Befähigung zuschreiben müssen. 
Tritt nun auch eine solche Befähigung bei Machetes nur zu einer bestimmten Zeit des 
Lebens ein, in welcher, in Folge erregten Geschlechtstriebes, die Prozesse im Körper 
ganz besonders lebhaft vor sich gehen mögen; so dürfte Aehnliches doch auch ohne 
geschlechtliche Erregung in viel geringerem Grade bei manchen anderen Vögeln statt- 
haben. Um aber Beispiele für die grosse Variation in den Grössenverhältnissen fester 
Körpertheile beizubringen, so darf ich nur an die Stelzer und Krähen erinnern, deren 
Schnäbel in Länge und Stärke sehr variiren und zwar bei einer und derselben Art. 
Ich kann dem Individuum, ob Thier, ob Pflanze, das Recht einer ‘gewissen 
Modifikationsfähigkeit seines Aeusseren nicht absprechen. Wo ich auch immer hinschaue 
in die belebte Schöpfung und mein Auge prüfe an den Formen; ich muss die Varietät 
anerkennen und kaun den Ausspruch Cabanis’: „Uebergänge von einer Art zur 
„anderen giebt es, beiläufig bemerkt, in der Natur nicht, es wären denn 
„Bastarde!“ (Journal für Ornithologie 1873 pag. 76) unter keiner Bedingung zugeben. 


Badde, Ornis caucasica. 2 


10 Einleitung. 


Im Gegentheile, ich bezeichne so nahestehende Formen als nur eine, mehr oder weniger 
stark variirende, Spezies. »Wir leben, sagt Professor L. Reichenbach an einer anderen 
Stelle des Journals für Ornithologie (1853 pag. 8), überall, beobachtend oder beschreibend, 
im eignen relativen Gesetze der Natur; dies Gesetz ist eben das feste und unver- 
änderliche Gesetz der ewigen Veränderlichkeit: und nur diese Veränderlichkeit 
und ihre Bahn zu erkennen, ist und bleibt unser ganzes Studium in der Natur.« 
Und wenig weiter (Seite 11) heisst es: »Die ganze Literatur aber ruft uns ein- 
stimmig entgegen: Die Spezies ist ein Kind ihrer Zeit, die verschiedenen Zeiten 
haben verschiedene Begriffe von Arten gehabt, und die Arten sind die eigenen Kinder 
der Schriftsteller, die sie getauft, sie sind der subjektive Ausdruck der Beschreiber 
selber geworden. « 

Oftmals hat man es aber nicht einmal mit Varietäten einer Art zu thun, 
sondern nur mit Rleidern verschiedenen Alters in verschiedenen Jahreszeiten, aus denen 
Spezies gemacht wurden. Hunderte von Staaren haben mich darüber belehrt, dass es 
weder mit La Marmora’s Sturnus unicolor, noch mit Hume’s Sturnus nitens als ver- 
schiedenen Spezies richtig sich verhalte.e Vom November bis in den Juli habe ich ab- 
sichtlich viele Staare geschossen und, wie gesagt, zu Hunderten in Bezug auf die 
Fleckung ihres Kleides und die Form der Halsfedern beschaut. Recht alte Männchen, 
die immer etwas kleiner als die Weibchen sind, Ende April und im Mai erlegt, reprä- 
sentiren den Sturnmus nitens Hume. Sie fliegen dann auch noch mit den jüngeren, 
gefleckten, obschon der grössere Theil der letzteren sich zeitiger ans Brutgeschäft 
macht, als die alten Vögel, von denen viele gar nicht mehr in die Ehe treten. Vögel 
im zweiten Jahre zeigen trotz des abgetragenen Kleides die Fleckung sehr stark, sie 
tragen noch das erste Herbstkleid, ob sie gleich sich zur Brut anschicken. Den Sturnus 
unicolor, mit matterem Schwarz und kräftigerem Wuchse findet man schon vereinzelt 
im Herbste in den nach vielen Tausenden zählenden Staarenflügen und im Frühlinge 
sind es vornehmlich die nicht sehr alten Weibchen, welche als Sturnus wunieolor er- 
scheinen. Ich kann hier nicht artlich trennen. 

In den Spezialabschnitten dieses Werkes findet der geneigte Leser bei den- 
jenigen Spezies, die ich von meinem Standpunkte aus als variirende behandele, stets 
alle Gründe in extenso für meine Ueberzeugungen beigebracht. Ganz abgesehen davon, 
dass ich mir eine schöpferische Natur nicht denken kann, in welcher dem Einzelwesen 
die Befähigung fehlt, in einem gewissen Grade, obgleich nach ewigen Gesetzen sich 
bildend, seine Individualität zur Geltung zu bringen und diese unter günstigen Ver- 
hältnissen weiter zu vererben, zerstöre ich mir überdies durch unhaltbare, artliche 
Zersplitterung die Möglichkeit, im geographischen Sinne eine Spezies richtig zu beur- 
theilen. Es ist etwas ganz Anderes, wenn ich mir sage, dass z. B. der gemeine Eichel- 
häher ein Vogel ist, der über das gesammte Europa und Asien mit Ausschluss des 
hohen Nordens und des tiefen Südens vorkommt und auf diesem grossen Gebiete 
seiner Verbreitung in 6—7 nahestehenden Formen variüirt, als wenn ich diese Formen 
artlich trennen und nun eines schönen Tages neben dem Garrulus melanocephalus Gene 
auch den typischen glandarius Europas finde und nur wenig weiter gegen Südosten ein 
schon dem Garrulus hyrcanus Blanford recht nahe stehendes Individuum abermals mit 
dieser oder jener der genannten Formen beisammen lebt. Von einer sicheren Abgrenzung 
solcher sogenannter Arten im geographischen Sinne kann eben deshalb nicht die Rede 


Einleitung. 11 


sein, weil sie, als zusammengehörend, auch zusammen leben, was nicht ausschliesst, dass 
die eine der Formen z. B. mehr im Westen, die andere mehr im Osten, oder im Norden 
und Süden vorwaltet; ja, dass in den äussersten Revieren des Vorkommens’ die 
charakteristischen Formen nur allein existiren. 

Dass wir alle recht genau hinsehen auf die Naturobjekte, die unserem Spezial- 
studium dienen, ist gewiss nöthig, und dass wir bis in die geringfügigsten Details 
unsere Objekte unterscheiden lernen, ist die Folge davon. Auch das ist gut, Namen 
zu geben dem, was sich, sei eg selbst wenig, von einander unterscheidet. Aber ich 
halte es nicht für gut, auf geringe Differenzen hin, von denen überdies Jeder wissen 
kann, dass sie’ nicht konstant sind (Farbe, Zeichnung und im beschränkteren Grade 
auch Form und Grösse der festen Körpertheile), Spezies zu kreiren. Diese bereichern 
zwar die Nomenklatur, häufen aber die ohnedies schon kaum zu bewältigende Synonymie 
noch mehr an und bringen anstatt der erzielten Klarheit nicht selten nur Verwirrung 
in den Gegenstand. 

Ich weiss ja, dass die meisten der jetzt lebenden Ornithologen, nach dem Bei- 
spiele der massgebenden Autoritäten, meinen Standpunkt nicht einnehmen. Ich weiss 
auch, dass Manche, welche früher entschieden zu den „Konservativen“ zählten, jetzt, 
der grossen Strömung folgend, ebenso entschieden „radikal“ wurden; allein das hindert 
mich gar nicht, bei meiner Ueberzeugung zu bleiben, und zwar in der festen Zuversicht 
dass es an Reformatoren auch auf dem Gebiete der Ornithologie, wie auf allen anderen 
der systematisch beschreibenden Naturwissenschaften, nicht fehlen wird. Nachdem mit 
bewunderungswürdigem Fleisse Alles auseinandergerissen wurde, wird mit ebenso grosser 
Anstrengung auch wieder summirt und der Art eine gewisse Rlastizität zuerkannt 
werden, welche sie befähigt, in bestimmten Grenzen zu schwanken, mögen nun dazu 
die Bedingungen von Aussen her geboten, oder im Individuum begründet sein. Widrigen- 
falls müsste man zugeben, dass in der Natur nur schematisch und zwar mit mathe- 
matischer Schärfe geschafft würde. 

Es wird vielleicht auch eine scharfe Kritik erfolgen über den von mir auch 
jetzt noch verfochtenen und beibehaltenen Standpunkt, und es könnte sich ereignen, 
wie es ja schon mir und Anderen passirte, dass die Form dieser Kritik vielleicht ver- 
letzend wäre: allein das kann mich nicht irre und furchtsam machen. Vor meinem 
Geiste stehen viele, grosse Meister der Wissenschaft, die ebenso gross in ihrem 
Arbeitszimmer, wie auch in der freien Natur waren, welche sie von einem Oceane bis 
zum anderen während langer Jahre studirten. Und diese Männer haben gewiss ebenso 
gut und vielleicht oft noch besser gesehen, als viele der jetzigen Gelehrten, und haben 
sich immer bemüht, die gesammte Natur als ein grosses, harmonisches Ganzes zu 
betrachten. Diese Meister begründeten auf geringfügige, schwankende Difterenzen keine 
Arten. Diejenigen aber, welche sie kreirten, sind fast ausnahmslos für alle Ewigkeit 
gemacht und haltbar. An ihrer Spitze steht für die von mir bereisten Gebiete Europas 
und Asiens P. S. Pallas, der unsterbliche Begründer der Kenntnisse vom Russischen 
Reiche. Ihm eifere ich mit meiner schwachen Kraft nach, auch auf dem Gebiete 
beschreibender Systematik. 

Es ist aber doch eine merkwürdige Erscheinung unserer Zeit, dass gerade in 
ihr, gleichzeitig mit der weitverbreiteten Schule der Darwinisten, der zufolge gerade 


die erbliche Umbildungsfähigkeit der Organismen eine so ausserordentlich grosse sein 
2* 


12 Einleitung. 


soll und es ohne Zweifel auch ist, dass gerade zu dieser Zeit viele der namhaftesten 
Systematiker nicht einmal.die Varietät gelten lassen wollen, sondern jede womöglich 
als selbstständige Art hinstellen. Die Einen leiten alle Formen aus einem oder aus 
wenigen Urtypen ab; die Anderen behaupten, dass die unverkennbar ganz nahestehenden 
und verwandten Formen durchaus Recht auf artliche Selbstständigkeit haben. Ob nicht 
auch in diesem Falle der Mittelweg der richtige sein dürfte ? 

Es scheint mir an dieser Stelle die Gelegenheit geboten an den kurzen Vortrag 
zu erinnern, welchen Prinz Charles Lucien Bonapaxte*) am 4. Juni 1854 in der 
Jahresversammlung der Deutschen Ormnithologischen Gesellschaft in Cöthen hielt. Da 
heisst es: 

»So wollen wir denn mit einem der klarsten Köpfe unseres Jahrhunderts, mit 
Professor Isidore Geoffroy St. Hilaire, als Grundsatz aufstellen, dass die Merkmale 
der Spezies keine unbedingt feste, aber noch viel weniger unbegrenzt 
veränderliche sind. Fest sind sie für jede Spezies, so lange diese unter 
denselben Umständen sich fortpflanzt. Sie verändern sich, wenn die sie 
umgebenden Umstände sich verändern.« 

Und zum Schlusse desselben Vortrages heisst es als ein Ausspruch desselben 
grossen französischen Gelehrten: 

»Die Spezies ist eine Gesammtheit oder eine Reihe von Indi- 
viduen, welche sich durch eine Vereinigung von unterscheidenden 
Eigenthümlichkeiten charakterisiren, deren Debertragung natürlich 
und regelmässig, unter den gegenwärtigen Verhältnissen aber un- 
bestimmt ist.« 

Die Umgrenzung einer Spezies wird demnach durch die beiden extremen 
Formen solcher Individuen-Reihe bestimmt, deren Mitglieder in Uebergängen, sei es 
der Grösse oder Färbung nach, die Extreme verbinden. Dieses ist für mich stets der 
Gesichtspunkt bei systematischen zoologischen oder botanischen Arbeiten gewesen. 

Wo ich, diesem Grundsatze getreu, im Gefieder bei einer möglichst grossen Suite 
mir vorliegender Exemplare einer Art die Differenzirungen der Färbung und Zeichnung 
durch Uebergänge nachweisen kann, trenne ich artlich nicht, sondern beschreibe die 
Abänderungen als Varietäten. Ist dies nicht der Fall, wie z. B. bei den Budytes-Arten, 
die ich auf drei beschränke, so halte ich die Vögel artlich selbst dann auseinander, 
wenn sie Manche und wohl die Mehrzahl der Fachgenossen vereint wissen wollen. 
Hunderte von untersuchten Exemplaren liessen mich in dem erwähnten Falle keine 
Uebergänge von B. flava zu melanocephala finden und obschon alle vier, B. melanocephala, 
flava, campestris und vöridis, nicht weit von einander getrennt leben und auch bisweilen 
reisen**), so erscheinen sie mir doch mit Ausnahme der D. viridis Gml. als gute 
Arten. Typische B. flava und typische B. melanocephala habe ich niemals miteinander 
vereint gefunden; aber B. vöridis lebt mit der schwarzköpfigen Stelze zusammen. Wo 
ich ferner Schwankungen in den entscheidenden Grössenverhältnissen, namentlich am 
Schnabel und Tarsus, ebenfalls aus längeren Suiten nachweisen kann, trenne ich 
darauf hin allein ebenfalls nicht, sondern gebe tabellarisch angeordnete Maximal- und 
Minimalwerthe und die sie vermittelnden Uebergänge an. - 


*) Journal für Ornith., 1856, pag. 257. 
=) BD. campestris zieht stets gesondert. 


Einleitung. 13 


Mustere ich nun die kaukasischen Vögel von diesem Gesichtspunkte aus, so 
gebietet mir zunächst die Gruppe der Buteonen Halt zu machen, und ich überzeuge 
mich, dass fast alle Arten derselben erstens weitverbreitete sind und zweitens ungemein 
variabel, sowohl, was das Kleid, als auch, was die Grössenverhältnisse anbelangt. Die 
Vögel, welche ich als Varietät von der Stammform des Buteo tachardus”) erkannte, 
bilden dem B. vulgaris gegenüber eine ebenso bunte Parallelreihe im Gefieder; ja, ich 
würde (und mit mir stimmen namhafte Autoren, wie ich solches aus Briefen und 
mündlichen Unterhaltungen weiss, überein) geneigt sein, sogar Buteo vulgaris mit Buteo 
tachardus zu vereinigen. 

Unter den Eulen ist Athene noctua Retx. im südöstlichen Gebiete ihres Vor- 
kommens abändernd, aber sie kommt zugleich auch typisch vor. 

Von den Rabenarten weist ©. corone Schwankungen in den Grössenverhältnissen 
des Schnabels auf. Garrulus glandarius kommt in meinem Gebiete am seltensten in 
typisch central-europäischer Form vor; am häufigsten ist @. Krynickü, dann folgt 
@. melanocephahts und endlich gegen Südosten am Caspi herrscht @. hyrcanus vor — 
diese Formen leben alle beisammen! Von den Meisen halte ich die Bogdanow’sche 
Art P. Michalowskii für kaum abweichend von P. phaenotus Blanf., und die persische 
kleine Blaumeise ist für mich nur eine wenig abgeänderte und im Kolorit nicht beständige 
Varietät von Cyanistes coerwleus L. Ich erkenne ferner nur eine Staarenart an und 
muss, die Spezialia geben darüber Auskunft, sowohl wmicolor La Marmora, als auch 
purpurascens Gould und nitens Hume mit ihm vereinigen, da ihre Habite nur vom 
Alter und von der Jahreszeit bestimmt werden. 

Eingehende Untersuchungen über den gewöhnlichen Dompfaffen haben mir die 
Ueberzeugung gegeben, dass die von Manchen artlich anerkannten vier Formen: 
P. major Brehm, P. rubieilla Pall. var. minor, P. coccinea Selys und P. Cassini Baird 
durch Uebergänge in Grösse, Färbung und Zeichnung vereinigt werden, weshalb ich 
sie nicht trenne. Bei dem gemeinen Spatzen sehen wir ausser den immerhin noch 
vorwaltenden europäisch typischen Kleidern ebensowohl die Mittelmeerform (P. eisalpinus), 
als auch die Uebergänge zum P. öndicus, welche durch die Varietät caucasicus verbunden 
werden. Aus.der Gruppe der Ammern kann ich nur die lange schon bekannte Varietät 
von schoenielus (inlermedia Michl,) und eine kleinwüchsige, rostige von miliaria nam- 
haft machen. 

Unter den Lerchen finde ich mich veranlasst, die neuerdings vielfach als artlich 
fest vertheidigte Calandrella pispoletta mit brachydactyla zusammenzuziehen; es giebt 
Exemplare, die zur Hälfte das eine, zur anderen Hälfte das andere sind. Nicht anders 
verhält es sich mit der Alpenlerche, von welcher hier die de Filippi’sche Form O. larvata 
dominirt, obschon typische albigula Brdt. und penieillata Gould mit ihr zusammen 
gefunden werden. Auch die Haubenlerche kommt mit stärkerem Schnabel (@. macro- 
rhyncha Trst.) und isabellgelber Abänderung (@G. isabellina Bp.) vor. 

Die gelben Bachstelzen trenne ich, wie oben schon gesagt; die Formen der 
weissen Bachstelze vereinige ich, weil mir vermittelnde Uebergänge für alle vorliegen. 

Die Rohrsänger, obschon im Kolorite nahestehend, sind dem Flügelbaue nach 
feste Spezies und machten mir keine Schwierigkeiten. Unter den Laubsängern scheint 


*) Ich halte an der Vereinigung von B. desertorum mit B. tachardus fest und theile Herın Mens- 
birs Ansicht in dieser Hinsicht nicht. 


14 Einleitung. 


es mir geboten, mit der caligata Lichst. die indische rama Sykes zu vereinigen. Ich 
kenne nur eine Art Blaukehlchen mit den Varietäten caerulecula Pall. und Wolfi ©. L. 
Brehm. Das hyrcanische Rothkehlchen, welches Blanford als Spezies aufstellt, ist ein 
etwas intensiver gefärbtes gewöhnliches, und lebt mit diesem im Kaukasus beisammen. 

Die Wasseramsel wird im Kaukasus ebensowohl in der Form melanogaster Temm. 
wie auch in der Varietät cashmeeriensis gefunden. Lanius Homeyeri Cab. ziehe ich 
zweifellos zu exeubitor und kann, nachdem zugegeben wird, dass die Flügelspiegel als 
Art-Charaktere nicht stichhaltig sind, die Grössenverhältnisse schwankend, allein auf 
die Nuancirung der Farbentöne selbst den vielfach diskutirten Z. major nicht artlich 
anerkennen. 

Solche Coloritnuancen weise ich auch für Z. minor nach. Der Mauersegler 
kommt in meinem Gebiete in zwei Farben-Varietäten vor. Die Blanford’sche Sitia 
rupieola betrachte ich als eine Varietät von S. syraca. Der von Taczanowski artlich 
kreirte Gecimus Saundersi ist kaum eine Varietät, weder im Kolorit, noch in der Schnabel- 
form. Die Buntspechte weichen im südöstlichen Theile ihres Vorkommens bedeutend 
von den typisch europäischen Arten ab. Ich habe mich nicht entschliessen können, 
den von Blanford aufgestellten P. St. Johannis von P. medius zu trennen. Ob 
P. syriacus und P. numidieus in Zukunft vielleicht nur als Varietäten von P. major 
erklärt werden könnten, bleibt für mich noch eine offene Frage. Im Spezialtexte 
spreche ich darüber eingehender. Der kleine Buntspecht bietet mir im Kaukasus eine 
Varietät dar, die bei sonst übereinstimmendem Kleide nur 4 Flügelbinden besitzt. 

Meine Ansichten über Alcedo ispida und A. bengalensis habe ich nicht ändern 
können: ich halte letzteren nur für eine Varietät des ersteren; im Kaukasus leben 
beide zusammen. 

Unter den hühnerartigen Vögeln diskutire ich eingehend Caccabis saxatilis 
M. wu. W. und chukar Gr. Letzterer ist eine Race, d. h. eine sehr beständige Varietät, die 
sich eigentlich nur durch geringeren Wuchs von (. saxalilis unterscheidet. 

Die Stelzer haben mir keine Gelegenheit geboten, varlirende Formen zu ver- 
einigen. Nur die Gruppe der Möwen von den Schwimmvögeln bietet in Zarus argen- 
latus eine „schwankende Gestalt.“ Ich habe, wie das auch bereits anderweitig geschah, 
L. leucophaeus Lichst. und L. cachinnans Pall. damit vereinigen müssen. 

Nach diesen Erklärungen über meinen Standpunkt der modernen Systematik 
gegenüber darf ich aber noch keinesweges direkt an die systematische Behandlung 
meines Materials gehen. Auch der flüchtige Vogel ist in seiner Gesammtexistenz so 
ausserordentlich abhängig von den ihn umgebenden Naturverhältnissen, und wird sehr 
oft gezwungen, dieselben in bestimmter Weise zu benutzen und auszubeuten, dass 
es geboten scheint, für die Vogelwelt des Kaukasus eine, wenn auch nur knapp zuge- 
schnittene, allgemeine Schilderung des Landes in seinen geographisch-physikalischen 
Verhältnissen voranzuschicken. Indem ich darauf hinweise, dass eine Schilderung der 
physiko-geographischen Verhältnisse der Kaukasusländer am Ende der systematischen 
Abtheilung dieses Werkes sich befindet und daran meine Beobachtungen über den Zug 
sich reihen, beschränke ich mich hier darauf, des durchgreifenden geologisch-orographischen 
Momentes auf dem Isthmus zu erwähnen, von welchem die Gestaltung des gesammten 
organischen Lebens auf das Mächtigste beeinflusst wurde und dem sich selbst die 
bewegliche Vogelwelt nicht entziehen konnte. Es ist das die Erhebungsaxe des Grossen 


Einleitung. 15 


Kaukasus. Auf eine Distanz von nahezu 150 geographischen Meilen wird der 
Winkel von 28°, in der Richtung NW.—SO., unter welchem der Kaukasus seine 
Hauptrichtung einschlägt, diktatorisch bestimmend nicht allein für das gesammte 
organische Leben im Norden und Süden davon, sondern sogar tiefeingreifend in die 
historischen Schicksale der Menschen, welche die Gebiete bewohnten und jetzt dort 
noch leben. Mit dem Grossen Kaukasus kommt plötzlich ein eigenthümlicher, weit- 
verbreiteter, asiatischer Naturtypus gegen Süden hin zum Abschlusse, indem das Gebirge 
in verhältnissmässig geringer Breite, aber in eminenter Länge und in einer bestimmten 
Hauptrichtung plötzlich gegen Süden scharf jene ungeheuren flachen Steppengebiete 
begrenzt und förmlich abschneidet, welche im Niveau des Meeres gelegen sind, oder 
sich doch nur wenig über dasselbe erheben. Sein rapides Ansteigen in der Vertikalen 
bis in die Zone des ewigen Eises, die geringe Entwickelung vermittelnder Vorketten 
an der Nordseite, die wenigen, dort überall hochgelegenen Passübergänge, Alles das 
vereint, macht den Grossen Kaukasus zu einem mächtigen Scheider, nicht allein für 
Wasser und Klima, sondern auch für viele Pflanzen und Thiere, für: den Menschen 
und seine Kulturen. Er ist im seinem grösseren Centraltheile schwer zu übersteigen, 
aber er kann an seinem Nordwest- und Südostende umgangen werden. Ich theile die 
Ansicht nicht, dass jemals in der Vergangenheit Massenwanderungen der Völker über 
den Grossen Kaukasus gegangen sind, denn ich sehe heute noch — und der letzte 
orientalische Krieg hat es bestätigt —, dass, trotz der Errungenschaften unserer Zeit 
in Bezug auf Kommunikation, trotz gebahnter Wege und energischer, vorbereitender 
Fürsorge, die gebotenen Massenbewegungen sehr schwierig sind. Was Transkaukasien 
von Thier und Pflanze gemeinschaftlich hat mit den südrussischen Steppen, was sich 
z. B. auf dem Hochplateau Armeniens als identisch erweist mit den charakteristischen 
Formen der ponto-caspischen Tiefsteppe, ist gewandert: nicht über den Grossen 
Kaukasus, sondern um ihn herum und zwar vornehmlich an seinem Südostende Es 
ist dabei gleichgültig, ob wir sagen, diese Wanderung sei von Süden nach Norden, 
oder umgekehrt von Norden nach Süden vor sich gegangen. Wo die ursprünglichen 
Sitze z. B. der charakteristischen Doragineen der Steppe gewesen sind, lässt sich, 
glaube ich, schwer nachweisen. 

Wahrscheinlich existirten die Hochplateaus Armeniens schon zur Zeit, als die 
Tertiärmeere und die Quaternärwasser der Steppen noch wogten. Aber, wenn wir 
heute z. B. die Anchusa-, Cerinthe-, Nonnea-, Rochelia- und Echinospermum-Spezies auf 
dem Goktschai-Plateau in 6300° Meereshöhe beobachten und dieselben Arten bei 
Wladikawkas sammeln, so steht ein Faktum dabei unumstösslich fest: den Grossen 
Kaukasus hat keine von ihnen überstiegen, ebenso wie das auch nicht der 
Stechapfel oder das Bilsenkraut that, die wir als Schuttpflanzen, der grossen Grusinischen 
Heerstrasse folgend, noch in nahe 6000‘ Meereshöhe sowohl an der Nord- als auch an 
der Südseite des Gebirges beobachteten. Die basalalpine Vegetationszone und die ihr 
folgende hochalpine, mit einem Worte, die Höhen über 7500‘ setzten den erwähnten 
Pflanzen die unübersteigbare Schranke für ihr weiteres Vordringen. 

Dagegen können wir heute noch im östlichen Theile der Kaukasusländer im 
geographischen Sinne den direkten Zusammenhang der Verbreitungsgebiete der oben 
erwähnten und vieler anderen Pflanzenarten, die beiden Gegenden gemeinschaftlich 
sind, nachweisen. Selbst bei der begründeten Voraussetzung, dass die Fluthen des 


16 Einleitung. 


Caspi einstens tiefer ins Land einschnitten und den gesammten jetzigen unteren Lauf 
der Kura und des Aras mit den anliegenden Flachländern als breiten Busen bedeckten, 
sogar sich bis zum Ostfusse des Karabagher Meridianstockes hindehnten: selbst dann 
stellt es sich heraus, dass die den kleinasiatischen Hochländern und den Tiefsteppen 
an der Nordseite des Grossen Kaukasus gemeinsamen Pflanzenarten in kontinuirlichem 
Anschlusse vom Kleinen Kaukasus beginnend, die schmale Araxesfurth am Ostfusse 
jenes erwähnten Gebirges überspringend und ihm gegen Norden folgend, endlich über 
das mittlere Kurathal zum Südfusse des Grossen Kaukasus gelangten, wo ihrer weiteren 
Verbreitung zunächst gegen Osten und dann gegen Norden zur Nordseite des Gebirges 
kein Hinderniss entgegentrat. In diesen Gebieten finden wir jetzt noch die Dokumente 
der Natur, welche die oben ausgesprochene Behauptung rechtfertigen. 

Anders aber verhält sich die Sache westwärts, nämlich am Ostufer des Pontus, 
wenn wir, an das dort jetzt Vorhandene anknüpfend, Rückschlüsse auf eine längstent- 
schwundene Vergangenheit machen wollen. Auch hier fanden, aber in weit beschränk- 
terem Umfange, Wanderungen statt und zwar waren es andere Arten, die in dieser 
Richtung sich verbreiteten. Nicht deshalb wurde diese Strasse weniger frequentirt, weil 
sie an und für sich schwieriger war, sondern, weil die Naturverhältnisse, zumal die 
klimatischen, ihr emen, nur bestimmten Formen günstigen Charakter verliehen. Um 
das klar zu machen, will ich Beispiele anführen. Erinnern wir uns zunächst daran, 
dass am Ostgestade des Pontus nur ein ganz schmaler, freier Küstenweg frei bleibt und 
dass alles Uebrige, mit Ausnahme des Rion-Deltas und der Mündungs-Anschwemmungen 
einiger grösserer Gebirgsbäche, von dichten Laubho!zwäldern bedeckt ist. Diese nun 
besitzt in noch grösserer Ueppigkeit und auf den Höhen der Gebirge reichlich gemischt 
mit den Tannen des Landes (Ab. Nordmanniana und Ab. orientakis), auch das südlich 
gelegene pontische Küstengebirge, die anatolische Uferkette. Sobald man diese Wälder 
dort hinter sich hat und in den Meereshöhen von 6—7000‘ das Armenische Hochland 
besteigt, trifft man in der sehr mannichfaltig gestalteten Flora doch auch wieder viele 
Formen der pontischen Tiefsteppen. Niemals aber hat eine oder die andere derselben 
die Wälder im Tschoroch-Systeme forciren, d. h. passiren können, und die schwachen 
Versuche, welche wir einzelne Steppenpflanzen in der Küstenzone des Ostufers vom 
Schwarzen Meere machen sehen, zumal im nördlichen Theile derselben, finden in den 
Sümpfen des Abchasischen Tieflandes, des Kodor und Ingur, und namentlich im Rion- 
delta ihren Abschluss. Hier hat niemals eine Vermittelung der Tief- und Hochsteppen 
in ihren vegetätiven Elementen stattgefunden. Es sind vorwaltend Strandpflanzen, 
Heliotropium, Glaueium und Euphorbia, die wir hier bemerken. Was an Steppen- 
pflanzen sich in diesen Gebieten in allmählicher Wanderung bewegte, fand die geeigneten 
Existenzverhältnisse viel weiter westwärts, an der Stelle, wo sich Europa und Asien am 
nächsten treten: an den Dardanellen. Dagegen steht hier im Küstengebiete des west- 
lichen Kaukasus den ächten Waldformen kein Hinderniss der Verbreitung entgegen. 
Ich erinnere in dieser Hinsicht z. B. an Salvia glutinosa, welche, sonnenscheu, von allen 
ihren Geschlechtsgenossen der treueste Bewohner des Hochwaldes ist und am liebsten 
und üppigsten in seinem Schatten wächst, niemals heraustritt über seine Grenzen und 
selbst augenfällig den Buschwald und das frei daliegende Jungholz vermeidet. 

Ich habe mich bei diesen einleitenden Betrachtungen absichtlich länger aufge- 
halten und könnte meine botanischen Beobachtungen dieser Art noch viel weiter aus- 


Einleitung. 17 


führen. Was nämlich die wenig bewegliche Pflanze im Verlaufe langer Zeiträume that, 
indem sie bei ihrer allmählichen Wanderung den Grossen Kaukasus vermeiden musste und 
nur in bestimmten Arten iin entweder westlich, oder öfters östlich umging; das thut 
der leichtbeschwingte Zugvogel jetzt noch jedes Jahr zweimal. Wenigstens gilt das 
für die meisten der wandernden Arten, zumal für die schlechten Flieger, für die 
schwächeren kleineren Vögel und für die lange Reihe, welche die Stelzer und die 
Schwimmvögel bilden. Fast allen ihnen liegt auf ihren Reisen nach S. oder nach N. 
die grösste Parthie des Grossen Kaukasus, sein gesammter, zum grossen Theile verglet- 
scherter Centralstock, das mehr in die Breite entwickelte Dagestan’sche Alpenland, wie 
ein Riegel im Wege, und sie suchen, verständiger Weise, sich lieber die gefahrloseren Wege 
auf, um die verflachten Enden des Gebirges herum, als dass sie sich im September zu 
12—14000° Meereshöhe erheben sollten, um aus den Tiefländern Osteuropas nach Vorder- 
asien zu gelangen, und ihre Reisen über Hochländer fortzusetzen, welche zu dieser Zeit, 
wenn nicht winterlich daliegen, so doch ein so rauhes Klima besitzen, dass selbst der 
Mensch ihm bisweilen zum Opfer fällt*). Nicht anders verhält es sich im Frühjahre. 
Die wandernde Schwalbe würde Anfang April, wenn sie über die Schneeflächen 
Kurdistans und Hocharmeniens zöge, umkommen; sie findet dort noch rauhen Winter 
und keine Insekten. Aber in den Tiefländern des Caspi und an der syrisch-kleinasiatischen 
Küste ist zu eben der Zeit oft schon voller Sommer; dort blühen die Akazien, während 
oben auf dem Plateau sich das vegetative Leben kaum regt. Die Wanderwege der 
Schwalbe und vieler anderer Vögel liegen daher dort unten, und in der That steigen 
sie später erst thalaufwärts und bevölkern die höhern Gebiete erst, wenn Alles grünt 
und blüht. Dass das Leben der Schwalbe und aller kleinen Insektenfresser sehr hin- 
ällig und nicht dazu geeignet ist, Strapazen längerer Dauer zu ertragen, dafür giebt 
es selbst in den Tiefländern des Caspi mannigfache Beweise. Wenn dort die aus 
Nordost kommenden Unwetter verspätet im April bisweilen einsetzen und mit aller 
Vehemenz sich in die frühlingsgrüne Natur stürzen, so genügen 36—48 Stunden dazu, 
um Tausende von Schwalben und zeitig eintreffenden Zugvögeln (Museicapa, Pratincola) 
zu tödten. Am allerdeutlichsten aber werden uns die periodischen Bewegungen vieler 
Vögel im Kaukasus durch das Beispiel der Wachtel gemächt. Sie ist ein schlechter 
Flieger, der, wenn er es riskirt, zumal im Herbste, wenn er unglaublich fett wird, von 
der Krimm aus über den Pontus zu fliegen, um die anatolische Küste zu erreichen, in 
Menge umkommt. Was, thut nun die Wachtel, um diese Gefahr zu vermeiden? Sie 
führt in dicht gedrängten Haufen eine weite littorale Wanderung, deren Zeit bisweilen 
3—4 Wochen beansprucht, aus, und deren Distanz die direkte über das Meer gemessene 
um das Zehnfache übertrifft. Sie zieht per Etappe am schmalen Ostufer des Schwarzen 
Meeres hin, passirt Abchasien, Mingrelien, und nun sollte man denken, dass sie direkt 
gegen Süden weiter ziehen würde. Nein! Die dichten, dunklen, schweigsamen Wälder, 
welche die breitgespreizten Tschoroch-Quellen bestehen, meidet der Vogel. Wer hätte 
da jemals eine Wachtel angetroffen? Die Wanderung geht weiter dem Südufer des 
Schwarzen Meeres entlang, in den Vorbergen, wo Lichtungen und Kulturboden, Wein- 


*) Ist nieht übertrieben: mir sind Fälle bekaunt, wo, sowohl bei der foreirten Passage des Nachar- 
Passes, von Abchasien nach Karatschai, am Westfusse des Elbrus, als auch einmal im Kzia-Thale zum 
Tabizkur-See im Kleinen Kaukasus im September und October viele Menschen und Rinder umkamen. 


Badde, Ornis caucasica. 


18 Einleitung. 


berge und Obstgärten sind, und nahe am Meeresufer immer westlich bis etwa Trapezunt, 
wo das Gebirge geringer und die Gegend offener wird und sich dem ziehenden Vogel 
kein Hinderniss zur Weiterreise gegen Süden darbietet. Gänz ebenso verhält es sich 
am Caspi. Mit Bestimmtheit darf ich behaupten, dass keine Wachtel im Herbste es 
wagt, über den Grossen Kaukasus zu wandern, obwohl sie in ihm noch in über 7000‘ 
Meereshöhe brütet. Diese verhältnissmässig spät brütenden Wachteln mögen sich 
immerhin im Herbste sammeln; sie werden dort noch Anfang September angetroffen, 
doch steigen sie dann thalabwärts und nicht aufwärts. Es liegt mir wenigstens kein 
einziges sicher verbürgtes Faktum darüber vor, dass die Wachteln über den Grossen 
Kaukasus regelmässig zögen. Dagegen steigen sie an der Nordseite des Gebirges im 
Herbste, wenn sie sich an der so hoch im Gebirge erst spät statthabenden Gexstenernte 
semästet haben, thalabwärts, wandern dem Fusse des Gebirges entlang, umgehen die 
Vorberge des Dagestan und erscheinen in Menge am Westufer des Caspi. In gleicher 
Weise steigen sie auch von den Gebirgshöhen des östlichen Theiles der Südseite des 
Grossen Kaukasus herab, durchwandern die gesegneten Thäler des Jora und des Alasan 
in ihren Unterläufen, ziehen dem Hauptthale der Kura entlang, schlagen aber nicht 
die Richtung direkt südlich über das Armenische Hochland und die Euphrat-Araxes- 
Scheide ein. Für meine Beobachtungen über den weiteren littoralen Zug der Wachteln 
am Caspi fehlt mir der Schlussstein. Es handelt sich darum, zu wissen, wo sie Ost- 
persien übersteigen, um nach Beludshistan zu gelangen. Es liegen aus jenen Gegenden 
keine einschlagenden Beobachtungen vor. Dass sie je nach der Günstigkeit des Terrains 
in der Uferzone des Caspi sowohl im .Frühlinge, wie auch im Herbste längere oder 
kürzere Zeit rasten, dass sie die Halophyten-Gebiete Bakus rasch durchziehen, bei 
Lenkoran Dünenvögel werden, bei Enseli in Gilan und in Massenderan bei Rescht sorg- 
fältig die Sumpfgebiete meiden und nicht die geschlossenen Laubholzwälder gegen 
Süden im rasch zu 7000‘ Höhe ansteigenden Gebirge durchwandern, ist beobachtet, und 
glaube ich, dass sie erst im südöstlichen Winkel des Caspi von der westöstlichen Richtung 
ablenken und gegen Süden ziehen. Spezieller darüber aber und über vieles Andere 
will ich im Kapitel über den Zug sprechen. Hier nur soviel, dass wir es im Kaukasus 
in der That mit grossen maritimen Wanderstrassen an den Ufern beider Binnen- 
becken zu thun haben und mit kleineren fiuvialen, d. h. den Thälern folgenden, 
auf- und abwärts steigenden, je nach den Jahreszeiten, und dass dies Alles bedingt 
wird durch ein einziges orographisches Faktum, welches wir später bei dem Entwurfe 
eines physiko-geographischen Gesammtbildes vom Kaukasus zum Ausgangspunkte 
unserer speziellern Betrachtung machen wollen, nämlich durch die Richtung der 
Erhebungsaxe des Grossen Kaukasus. Durch sie erhielten die vier Flusssysteme 
des Isthmus ihre Richtung, und diese steht fast rechtwinkelig zu den grossen süd- 
russischen Stromläufen. Dies wird entscheidend für die Wanderstrassen der Vögel und 
für viele andere Erscheinungen in der Natur. Auch dafür wird es entscheidend, dass 
im Centraltheile Transkaukasiens überhaupt verhältnissmässig wenige Vögel leben und 
namentlich das Heer der kleinen lieblichen Sänger nur spärlich an Arten und Individuen 
vertreten ist. 


Titeltafel. 


AmE IL 
AS JIE 


Taf. II. 


Taf. IV u. V. 


Erklärung der Tafeln. 19 


Erklärung der Tafeln. 


Vogelleben im Talyscher Tieflande, nach einer Gruppe im Kaukasischen 
Museum photographirt. 

Hohe Rohrwälder umstehen in weiter Ausdehnung die tiefen, stag- 
nirenden Süsswasser des Tieflandes, welche vom nahen Meere durch niedrige 
Muschel- und Sanddünen getrennt sind. Im Hintergrunde sieht man das 
persische Grenzgebirge, mit dem über 8000' hohen Küs-jurdi (Mädchen- 
Sommerfrischen). Im Vordergrunde dieser grossen Gruppe, die zum vor- 
züglichsten Schmucke der zoologischen Abtheilung des Kaukasischen 
Museums dient, sind die Meeresformen: Flamingos, Pelikane, die grossen 
Möwen-Arten und solche Stelzer aufgestellt, welche häufiger am salzigen, 
als am süssen Wasser angetroffen werden. Tiefer hin wurden an und auf 
dem künstlich nachgebildeten Sumpfterrain, an Lachen und zwischen Binsen- 
und Carex-Gruppen Süsswasserenten, Sultanshühner, die kleineren Reiher- 
Arten, die Nurmenius- und Limosa-Spezies placirt. Mit dem sich im 
Hintergrunde mehr und mehr hebenden Sumpfterrain und den sich daran 
schliessenden Rohrbeständen wachsen auch die dort lebenden Vogelarten. 
Hier sehen wir Störche, die grossen Reiher, die Cormorane und Kraniche. 
Das Bild der Wand wurde von Herın Helwig (Tiflis) in Leimfarben 
durchaus meisterhaft gemalt. 

Budteo tachardus, var. rufus und var. fusco-ater R. 

Die Köpfe der vornehmlichen Varietäten von Buteo tachardus. Der erste 

ist besonders stark fuchsig, die anderen Kleider nähern sich mehr dem 

typischen Habite der Art. 

Circus aeruginosus L. var. unicolor R. ist im Texte unter h aufgeführt; 

jede Spur von Gelb fehlt dem Vogel. 

Die Abänderungen’in der Färbung des Eichelhähers, Garrulus glandarius, 

an Kopf und Hals. 

Taf. IV. 1) Deutscher Vogel, typisch. 2) Var. hyrcamaıs, kleinwnchsig 
und dunkel. 3) Vom Südufer des Caspi, dunkel und mit wenig 
Schwarz auf dem Kopfe. 

Taf. V. 4) Var. Krynickii, doch etwas dunkler im Kolorit. 5) Var. mela- 
nocephahıs, sehr hell am Kopfe und mit schmalem Bartstreifen. 
6) Typisch-deutscher Vogel von Talysch, fast noch heller als 
der deutsche Vogel. 


3 


20 


Taf. VI. 


Taf. VI. 
Taf. VI. 


Taf. IX. 


ES IC 
19 DIE 


Taf. XH. 


Taf. XIH. 


Taf. XIV. 


Taf. XV. 
Taf. XVi. 
Taf. XVIE. 

Taf. XVII. 


Taf. XIX. 


Taf. XX. 


Taf. XXI 


Taf. XXH. 


Taf. XXM. 


Taf. XXIV. 
Taf. XXV. 


Erklärung der Tafeln. 


4credula tephronota Günth., jung und var. major. 1) Die abweichende, 
langschwänzige var. major R. 2) Typisch. 3) Junger Vogel. 
Carpodacus rubieillus Güld., altes M. 

Montifringilla nivicola Pall. 2) Sommerkleid des alten Männchens. 
1) M. nivalis, schweizer Vogel. 

1), 2), 3) u. 4) Die Varietäten des Haussperlings, Passer domesticus, im 
Kaukasus, vorwaltend den typischen Spatzen repräsentir&nd, dann aber 
auch bald mehr, bald weniger sich an die Formen &salpinus und indieus 
schliessend. 5) Passer salicicolus WVieill. altes M. 6) u. 7) Metoponia 
pusilla Pall., altes M. und W. im Frühlinge. 
Orithophaga miliaria L. 1) Var. minor R. 2) Typisch. 
Budytes melanocephala Lichst. Albino. 

Die Varietäten der weissen Bachstelze, Motaeilla alba. 
und 2 gehören zusammen, 4 und 5 ebenfalls. 

1) Sylvia mystacea Mentr., altes M. 2) Phylloscopus vufus Lath. var. 
obscurus R. Weibchen. 

Accentor ocularıs R. n. sp. 

Daulias Hafixi Severx., am Neste. 

Rutieilla ochruros 8. @. Gml., altes M. 

Pratincola rubieola L. var. Hemprichi Ehrb., Männchen und Weibchen. 
1) Zanius exeubilor L. var. Homeyeri Cab. 2) Lan. minor Gml. var. 
obscurior R. 

1) Pieus major L. 2) Pic. syriacus Hempr. et Ehrb. 3) Pie. St. Johannis 
Blfd. 4) Pic. medius L. 5) Pic. minor L. var. quadrifasciatus R. 
Picus Poelxami Bogd. Männchen und Weibchen. 

1) u. 2) Eier von Megaloperdix caucasica, 3) u. 4) Eier von Porphyrio veterum, 
5) u. 6) Eier von Daulias Hafixi, 7) Ei von Saxiecola leucomela. 
Megaloperdix caspia, S. G. Gml. = Meg. Raddei, Br. et Bolle. 

Tetrao Mlokosiwiexi Tacx. = T. acatoptrieus R., erstes Herbstkleid des 
jungen Vogels, Jugendkleid des Küchels. 

Porphyrio veterum S. G. Gmil., Männchen. 

Bastard von Anas boschas fera & und Cairina moschata 2 domest. 


Die Figuren 1 


Die Erklärung der Karte ist dem Abschnitte über den Zug angefügt und wird 
dort auch über die Verbreitung der Gallinaceen im Kaukasus alles Nöthige gesagt. 


Verzeichniss der Vogelarten. ; 21 


Verzeichniss 


aller bis jetzt in den Kaukasusländern und auf den angrenzenden Meeren gesammelten 
und beobachteten Vogelarten, nebst kurzen Bemerkungen über ihre horizontale und 
vertikale Verbreitung und über die Zeiten des Zuges und Brütens. 


Vorbemerkung: Ich folge in Bezug auf System im Wesentlichen der Anordnung Sever- 
zow’s in seiner „Systematischen Tabelle der turkestanischen Ornis mit Angabe der horizontalen 
und vertikalen Verbreitung“, wie diese im Journal für Ornithologie 1875, pag. 169 u. fi. abge- 
druckt ist, halte aber oftmals auch die Reihenfolge, welche Blasius und Keyserling in den 
„Wirbelthieren Europas“ beobachteten, bei. Dieses thut auch vielerorts in seinem Werke Blan- 
ford. In diesem Verzeichnisse führe ich die Spezies unter dem modernen Namen der Genera 
gleich Severzow an. Ich vermeide aber dasvon ihm erwählte erklärende Zahlen- und Buchstaben- 
system, weil es mir unbequem für die Benutzung erscheint, da wenigstens demjenigen, welcher 
nicht beständig sich mit dieser Zeichensprache beschäftigt, die augenblickliche Erklärung derselben 
nicht geläufig sein kann. Die Zeitangaben sind nach altem Style oberhalb der Trennungslinie, 
nach neuem unterhalb derselben angegeben. 


| B . 

B N Verbrei- | Bestand | S Ba "Win- 

Artennamen een Brad tungszone| der an aa a tert im 
; Veanllums: inder Ver- Samm-| 1% ln : o| Tief- 

DELL tikalen. | lung. vogel? | Frühling. | Herbste. |vogel? anal 


Ordo I. Rapaces. 


1 Vıltur cinereus Vornehmlich in der heissen) 0—10000‘|5 Bälge, Stand- _ = ja. ja. 
Gml , Zone, in Persien und Tur-| (Persien). |3lebend.| vogel. 
= kestan bis zur Schneelinie 
beobachtet, 
2. Gyps fulvus Briss. |Wintervogel in der heissen 0—-12000‘.6 Bälge, Stand- a = Ja luejas 
Zone; im Sommer bis zur 4 lebend.| vogel, 
Schneelinieund dort auch! zum Win- 
brütend; die Waldzone ter thal- 
meidend. wärts. 
3. Neophron percno- Staudvogel in der heissen 0—12000'.| 3 Bälge,|Standvogl.|Ende März| Mitte Au-, ja. ja. 
Dierus L Zone; im Sommer bis zu Slebend.in.d. heiss.) in den | gust aus 
BEE ; 9000‘ Höhe, sowohl im Zone, zum| Vorbergen. demHoch- 
Grossen, wie auch im Theile aus gebirge 
Kleinen Kaukasus, beoh- dem Ge- thalwärts. 
achtet. birge thal- 
wärts 
2 ziehend. N 
4, Gypaelos barba- Häufiger im Kleinen als 0—6000° 3 Bälge, Stand- — — Ja. ja. 
tus L. im Grossen Kaukasus; im| (fliegt na- |3lebend.| vogel. 


Hochgebirge seltener, als türlich 
in der mittleren Zone von) weit 
2000—6000‘ Meereshöhe.| höher). 
Fehlt der Wüste nicht, 
wohl aber der Tieflands- 
Steppe. In allen Zonen Tur- 
kestans nach Severzow, 


Verzeichniss der Arten. 


22 
| "brei- in- 
Bemerkungen über die Ne en Ob Ankunft | Abzug Ru 
Artennamen. Weheslus in der Ver-! Samm- | Stand- Im. un Brut- Tief- 
ELDzSllmS: tikalen. | lung. vogel? | Frühling. | Herbste. | vogel?|]nde? 
5. Fnlco peregrinus Seltener Brutvogel in der) 0—4000‘ 140 Expl.sehrselten fehlt. fehlt. |selten.| von 
‚Briss. *) Waldzone der Vorberge Mitte 
E (3—4000%). Im Winter | Novbr. 
auf den sehr stark be- bis 
setzten Südost- u. Südwest- Anfan 
Winkeln des Schwarzen April 
undnamentlich Caspischen 
Meeres jagend. 

6. Falco subbuteo L. Vom Niveau des Meeres bis} 0—8000'. 110 Expl.| nein. | 22. März |Mitte Sep-; ja. ein- 
zur Baumgrenze, welche | 3. April. | tember zelne 
von 6—8000° Meereshöhe, ä Ir. 
schwankt. Bevorzugt die 1. Tief- 
Waldzone; brütet. lande 

7. Falco aesalon Gml. Ist von keinem derfrüheren — [15 Expl.| nein. fehlt. fehlt. | nein. | Wie 
Reisenden bis jetzt nach- Nr5% 
gewiesen; doch wird er auf mit d 
dem Zuge und im Winter er zus 
sicherich im nordwest- kommt 
lichen Gebiete zu finden u.zieht 
sein, wie das ja auch in “Jia De. 
der Krimm der Fall ist. bis ®/aı 

'*: April. 

8. Falco saker Briss. |Scheint vornehmlich auf) 0—7000°. | 5 Expl. ja. — — ja, jeinzeln 
dem Zuge vorzukommen. selten. im 
Als Brutvogelin der oberen Winter 
Waldzone selten. zur En- 

 ten- 
Jagd. 
9. Erythropus vesper- |Nur Sommervogel im Step-| 0—2000*. _ nein. ? ? ja. | nein. 
linus L. pengebiete; in Transkau- 
Da kasien sehr selten ; brütet. 
10. Cerchneis tinmun- |Bis in die hochalpine Zone 0—10000'.118Bälge, ab und zu 10. __ Mitte Sep-) ja. | ja. 
culus L. (über 10000’) vereinzelt im 5lebend.| im Tief- 55, März. |tember bis 
Sommer, gemein in den lande und Mitte Oct. 
Tiefländern und waldarmen bis 2000". 
Vorbergen, hier auch nicht | 
E . | selten winternd; brütet. 
11. Cerchneis cenchris Vowmehmlich der heissen) 0—3000°. ]10 Expl.) nein. EndeMärz Anfang | ja. | nein 
Naum. Zone angehörend, da, wo | etwas spä- Septemb. 
sie den Steppencharakter ter als tin- 
besitzt; fehlt dem Walde; nunculus. 
bis höchstens3000‘ Meeres- | 
2 Ber höhe beobachtet. | | 
12. Pandion haliae- |Gemein im bewaldetenTheile, 0-6300°. 20 Expl.| mur De Mitte | ja. | ver- 
los L. des Caspischen Tieflandes, einzeln im 7, März. November. ein- 
die Flussläufe bis 4000‘ |Tieflande. zelt, 
verfolgend, doch nur da, | 
a us wo Wälder sind. 
13. Haliaetos albieilla \Hinig bis zu 4000‘ Höhe,| 0—-6300°. 15 Bälge, nur im 2 ? ja. in 
Briss. seltener höher im Gebirge, 10 le- | Tieflande Menge 
da wo Wald und Wasser | bend. |. und bis 
ist. Im Winter fluviale ca. 3000". 
Einwanderungen vom Lit- 
toral des Caspi. Sommer- 
gast an den Seen Hoch- 
armeniens. In Turkestan 
nur als Wintervogel er- 
mittelt. I 5 k 
14. Haliaetos leucory- \jm SüdwestwinkeldesCaspiliim Niveau) 1 Exp.| ? ? 2 ie: 
phus Pall. selten. desMeeres. 


”) Die drei von Blanford aufgeführten Arten: Falco barbarus L. (commumnis Schlg.), F. peregrinator Sund. 
und F. babyloniceus Gurney sind im Kaukasus bis jetzt nicht nachgewiesen; von ihnen kommt der letztere in Turkestan vor. 


Rapaces. 23 
$; n Verbrei- | Bestand / Win- 
Ar ni | Bemerkungen über die |tungszone| der Er a ge 2 tert im 
suuauner: Verbreitung. in der Ver-| Samm- | Yogel? | Frühline.| Herbste. I 15 Tief- 
= tikalen. | lung. San Sl ls länder 
15. Circaetos sp. Interer Aras. : ® — ? ? ? ? ja. 
16. Aguila imperialis Bewohnt vornehmlich die) 0—4000’ 5 Bälge,| ja. —_ _ ja. ja. 
Beehst Ebenen u. waldarmen Vor-/höher flie- 3 lebend. 
% ketten; brütet. gend. 
17. AgwilachrysaetosL. Die Waldzone ist sein Re-| 0—4000‘|2 Bälge,| ja, —_ _ ja. ja. 
vier; im Allgemeinen ist|y, höher |21lebend.| wechselt 
der Steinadler nicht häufig] ‘kreisend. aber oft 
und kommt nur in der weit aus, 
: Form des Goldadlers hier 
vor. 
18. Agınla clanga Pall. Im Massenderan’schen Tief-) 0--5000'. 118 Expl.| ja, theil- —_ Anfang | ja. in 
lande Standvogel, in der weise. Septembr. Menge 
Waldzone bis circa 4000’ 
Meereshöhe (Colchis) brü- 
3 N ea llEtend: 
19. Agula orientalis | xusschliesslicher Steppen-, nur im — ja. _ _ ii» | am 
Cab. vogel. Tieflande. 
20. Agınla naevia M.\In den bewaldeten Vor-ı 0—3000..|1 Balg,|) ja. _ — ja. ? 
et W. bergen bisjetzt nur im Cen- 3lebend, 
traltheile Trankaukasiens 3 beiPri- 
nachgewiesen. vatleut. 
: gesehen. 
21. Agula pennata Nur auf dem Zuge in den) 0—2000.. | 3Expl.| nein. Mitte | Anfang | nein, | nein 
Gml. bewaldeten Vorbergen. r April. |Septembr.| , 
22. Archibuteo lagopus Seltener Wintervogel in| bis 3000”. |1 Explı.| nein. — kommt im| nein. | nein. 
Brünn. Transkaukasien, nur im Novbr. an. 
"Waldgebiete. 
23. Buteo ferox. Gml. |Kein Waldvogel, aber so-) 0—- 7000, | 3 Expl.| nein. ? Ende ? | nein. 
| wohl in den Steppen, die August. 
ı im Niveau des Meeres ge- 
legen, wie, auch in denen 
Hocharmeniens, zumal auf 
dem Herbstzuge häufig. { 
24. Buteo vulgaris Nur auf dem Zuge beo- bis 3000’, 2 Expl. nein. 2itl, März. ? nein. nein. 
Bechst. | bachtet. S. Apnil. 
25. Buteo tachardus \Nw:in der Waldzone Trans-ı 0—6000'. 120 Bälge, zum [EndeMärz| ? ja | ja 
Bree. (B. deserto- kaukasiens beobachtet; brü- 4lebend.) Theile. [pis Anfang 
rum Daud.) typ. et tet; ıst nirgends häufig. April, na- 
var. rufus R. — B. weich 
Menetriesi Bogd. — 24 Apr, 
B. vulpinus Lichst. 14-16 
et var. fuscoater R. 
26. Pernis apivorus L. Selten; in den Vorbergen| 0- 3000*. Sal Kal r ne © | mein 
Transkaukasiens bis etwa|, October. 
3000‘ Meereshöhe brütend. 
27. MilvusregalisBriss. Selten im Südwestwinkelim Niveaul Explr.) nein. |©g. März. ? nein. | nein. 
des Caspi. ıd. Meeres. 9. Apnil. 
28. Milvus ater Gmi. Die breite Zone vom Meere )—11000'.112Expl.| nein 23, März ı Anfang | ja. | nein. 
bis 11000° Meereshöhe an 2 lebend. ———-| Septembr. 
passenden Localitäten be- 4. April 
wohnend und brütend. Hauptzug. 
29. Astur nisus L. .|Ueber das ganze Gebiet ver-| 07000’. 19Bälge,| ja. — = ja. | ja. 
breitet und vom Meeres- 1 lebend. 
ufer bis in die alpine Zone 
vorkommend; nur geschlos- 
senen Hochwald meiden 
die Sperber. 


24 


Verzeichniss der Arten. 


Artennamen. 


Bemerkungen über die 
Verbreitung. 


Verbrei- 
tungszone 
inder Ver- 

tikalen. 


Bestand 
der 
Samım- 
lung. 


Ob 
Stand- 
vogel ? 


Abzug 
im 
Herbste. 


Ob 
Brut- 


vogel? 


Win- 
tert im 
Tief- 
lande? 


S0. 


al. 


32. 


33. 


a 


34. 


38. 


39. 


40. 


41. Glaucidium passe- Seltener Waldvogel: nur) 


Astur brevipes 
Severx. 
Astur palumba- 
rius L. 


Circus  aerugino- 
sus L. typ. et var. 
wmicolor R. 


Strigiceps cinera- 
ceus Mont. 


Sirigiceps eyaneus 
L. 


Sirigiceps Swain- 
sont Smith. 


. Bubo maximus L. 


7. Aegolius otus L. 


Aegolns  brachy- 
otus Forst. 


Syrndum aluco L. 


Athene noctua Retx. 
typ. et var. meridi- 
onalis Risso. 


rinum L. 


Ich kenne diesen Sperber 
nur vom Südwestwinkel 
des Caspi. 

Brütet in der Waldzone des 
Kleinen Kaukasus; im 
Winter häufig, meistens 
jüngere Vögel. 

Gehört zu den seltenern 
Vögeln im Centraltheile 
von Transkaukasien; am 
Littoral des Caspi gemein. 

Bis zu den Höhen von 6000‘ 
verbreitet und angebautes 
Gebiet suchend. 


Wo convenirendes Terrain 
vorhanden, d. h. nackte 
Hügelländer und grössere 
Flächen, da findet sich 
diese Weihe bis zu 9000° 
Meereshöhe. Zum Theile 
in denTiefländern winternd. 


In den Steppen der Tief- 
länder vornehmlich woh- 
nend ; meidet feuchte Ge- 
biete. 

Steppen-, Wüsten- u. Wald- 
vogel im Gebirge bis circa 
7000° Meereshöhe. 


AlsZugvogelin den Steppen; 
im Winter bisweilen in 
grosser Menge auf kurze 
Zeit erscheinend. 

Sehr weit verbreitet, bis 

in die Höhen von 7500’ 

vorkommend; wintert in 

grosser Zahlin den Steppen 
der Tiefländer. 

Häufig; brütet in den Laub- 

| holzwäldern in den Höhen 

von 2—5000‘, im Winter 
| Strichvogel. 

Häufig in den arriden Step- 
pen mit niedrigen, zer- 

| klüfteten Hügelketten. Ich 
habe den Vogel niemals 

im Hochgebirge gefunden. 
Die ihr nahe stehende A. 

glaux Sav. ist nach Blan- 


Bewohner des persischen 
| Hochlandes (bis 7000‘) im 
Sommer. 


c 
einmal bei Borshom von 
| mir Anfang April gesehen. 


ford’sAngaben ein häufiger! 


unbe- 
stimmt. 


0 -6000'. 


0 - 6300'. 


0—6000'. 


0 -9000'. 


0—3000'. 


0—7000'. 


0—6300*. 


|0-—7500'. 


10-5000". 
| 


0—6300'. 


3000. 


# 


1 lebend. 


S Expl. 


S Expl. 


25 Expl.nur theil- 


9 Expl. 


22 Expl. 


27 Expl. 


7 Bälge, 

mehr als 

20lebend 
beob- 
achtet. 


4 Expl.| 


12 Expl. | 


2 Expl. 


S Expl. | 


| 
i 


ja. 


ja. 


weise, 


nein. 


nein. 


nein, 


ja. 


selten. 


ja. 


Ja. 


Ja. 


Anfang 
Apnil. 


Ende März 
namentl. 


- 8 
IDEE 
19-20 2 


EndeMärz. 


22 März. 


3 April. 


Mitte 
Septembr. 


Mitte 
Septembr. 


Mitte 
Septembr. 


im Winter 
unregel- 
mässige 
Zugzeit. 


streicht 
im Winter. 


ja. 


Ja. 


Ja. 


Ja. 


ja. 


Ja. 


Ja. 


ja. 


Ja. 


nein. 


Ja. 


ja. 


fehlt 
im Ta- 
Iyscher 
Tief- 
lande. 
J%, 
selten. 


ja: 


ja. 


ja. 


der Elster die Vertikalver- 
breitungszone bestimmt. — 
Severzow kennt sie in 
Turkestan aus der hoch- 
alpinen Zone als Sommer- 
vogel. Auch sie hat Spo- 
radısche Verbreitung. 


Rapaces. — Omnivorae, 35 

"brei- |B Yin- 

Bemerkungen über die Ne Ob Ankunft | Abzug Ob en 

Artennamen. erettune ndesvailis | Stand- im im Brut- | mier- 
erbreitung. tikalen. | lung. vogel? | Frühling. | Herbste. | vogel? lande? 

42. Ephialtes Scops |Im bewaldeten Tieflande 0— 3000‘. 4 Expl. ja. — _ _ ja. 

1) häufig; verbleibt derheissen 
z | Zone auch in den Vor- 
bergen des Gebirges bis an 
3000‘ Meereshöhe. 
Ordo HI. Omni- 
vorae. 

43. Corvus corax L. |Vom Meeresufer bis in die[0—10000'.| 4 Bälge,| ja und _ —_ Ja. ja- 
hochalpine Zone; im Win- 3lebend.| auch 
ter zahlreich thalwärts Strich- 
wandernd, zum Theile aber vogel. 
auch im Gebirge als Stand- 
vogel zurückbleibend. 

44, Corvus corone L. \Brütender Sommervogel bis nach |4 Expl. Inur in den _ _ ja. | nicht 
etwa5000‘ Meereshöhe. Im/meinerEr- tieferen im 
Winter geschaart häufig|fahrungbis Gebieten Osten. 
im Tieflande, doch nur| höchstens und hier 
sporadisch. 5000*, spora- 

nach Bog- disch. 
danowbis 
10000' (?) 
als Som- 
mervogel. 

45. Corvus cornic L. |Dem ganzen Gebiete ohne) O—8000'. |8 Expl. | ja, zum — —_ ala 
Rücksicht auf Terrainvari- Theile im spora- 
ationen eigen; vereinzelte Winter disch. 
Paare leben bis über 3000‘ thalwärts. 
hoch im öden Gebirge. 

46. Corvus frugilegus \Ich kenne die Saatkrähe nur) 04000’. 8 Expl. |in, den tie- —_ — ja. ja. 

Ib, aus den Höhen bis zu 4000°; feren Ge- 
sporadisch. bieten; 
zumTheile 
1 ’ wandernd. 
. 47. Corvus monedula |Ist als Sommervogel in) 0--2500°.|5 Expl. | selten. — —  |selten.| vom 
I Transkaukasien selten, im Novbr. 
Winter in den Tiefländern bis 
erst spät erscheinend. In Febr. 
strengen Wintern hier und 
da, aber nicht häufig, schon 
im November. 

48. Pyrrhocorax alpi- |Selten; Zone von 6--12000°/6— 12000." — ja. _ _ ja. | nein. 

mus Briss. und darüber einhaltend. 

49. Fregilus graculus \Ausnahmsweise im Winter| 1300 im |6 Expl. |ja, steigt _ _ ja. | nein. 

IL; bis in die warme Zone Winter,bis thal- 
herabsteigend.. Bei nor-) 12000‘ im abwärts. 
malem Wetter Alpenvogel;| Sommer. 
im Gebiete von 6—12000' 
E $ Meereshöhe lebend; brütet. 
50. Pica caudata L. |\Im Kaukasus ist mit 6300‘) 0-6300.. \10Expl.| ja. _ _ ja. ja. 


*) Ich nehme Strix flammea L., die nach der Versicherung von Moritz Wagner hier vorkommen soll, nicht 
in die Omis caucasica auf. Ich habe niemals etwas von ihr gesehen oder gehört, trotz meiner besonders darauf 


gerichteten Bemühungen. 
Badde, Ornis caucasica. 


4 


26 Verzeichniss der Arten. 
Verbrei- |Bestand Win- 
hai Bemerkungen über die Kinesione der ss b a Ankunft | Abzug ob Kr 
rtennamen. ß BB eg “ and- im im ai ne 
Verbreitung. ade ae vogel? | Frühling. | Herbste. |\vogel ? 
51. Garrulhıs glanda- Die Varietät Krynickii ist| 0—6000. |65 Expl.\ja u. auch _ _ ja. ja. 
rius L. typ. et var. die häufigste. Mit 6000’ 2lebend.| Strich- 
106 5 15 len EI Meereshöhe ist dem Eichel- vogel, 
= ER a Eee nalals häher seine Vertikal- Ver- wandert 
en Rn breitungsgrenze bestimmt. thalab- 
Biamford. Bau IUNe In den Vorbergen mit ge- wärts im 
ehe mischtem Laubwalde, in Winter. 
welchem “die Eiche und 
Haselnuss vertreten sind,! 
ist er am häufigsten *). 
52. Parus major L. |\Bis zur Baumgrenze, doch) 0— 7000‘. 30 Expl. ja. _ —_ Ja. Ja. 
7 gr 
; am häufigsten in der Garten- 
und Waldzone (lichte Laub- 
wälder von 2—4000°). 
53. Parus phaenotus |Dem bewaldeten Gebirge) 0—7000. 30 Expl. ja. -- _ Pal ae 
1 bi RB 8 J 
Blanf. typ. et var.| PS zur Baumgrenze an- 
5 as “| gehörend, theilweise im 
AUGERENEEISIEOD IBag Winter und namentlich im 
Frühlinge tief thalwärts 
steigend. 
54. Poecile palustris L. Gleiche Verbreitung wie) 0—-7000'. | 5 Expl. ja. — _ ja. ja- 
P. phaenotus. 
55. Poecile Brandti |Mir unbekannt. ? = Ja. = =g Ja Cm 
Bogd. 
56. Poecile lugubris |Nur nach dem Zeugnisse 2 — ja. _ _ Ja. 2 
Nattr. Nordmanns. 
57. Oyanistes coeruleus Im Waldgebiete bis zur] O--7300. 26 Expl. ja. —_ —_ ja. ja- 
L. typ. et var. persi- Baumgrenze, d. h. bis zu 
cus Blanf. 6—7300°, 
58. Lophophanes cri- \Coniferenwälder in 3—4000'| 3000‘. | 1 Expl. Ja. — = ja. _ 
status L. Meereshöhe selten. 
59. Acredula  caudata Kwa-Ufer bei Borshom. 2600‘. | 3 Expl.jjau. strei- 2 — = ja. = 
JB; | chend. 
60. Acredula tephro- \Jungholz in der Nähe von) 0—5000'. 32 Expl.ja u. strei-r — —_ ja. | ja 
nota Günth. ae: Wasser, am liebsten Wei- chend. 
var, major Radde. dengebüsch. 
61. Aegithalus pendu- Kenne ich nur aus der) 0—-3500'. — jau.stti- — —_ ja- Ja. 
limus L. var. casta.| Meissen und gemässigten| chend. 
neus Sevx. — caspüus | Zone. 
Poelx. | | 
62. Calamophilus bar- Nw: im Tieflande. im Niveau 1 Expl. ja. = _ ja- ja. 
] ) 
balus Briss. | ne 
| eeres. 


Imeretien oder Mingrelien angetroffen habe. 


*) In Bezug auf das Vorkommen von Nueifraga caryocatactes L. in den Kaukasusländern giebt es nur eine 
Angabe, welche meiner Ansichtnach keinen Glauben verdient. Seite 39 der Fauna caspio-caucasia zählt Eichwald den 
Vogel auf, ohne irgend welche Angaben über den Fundort zu geben. Niemand hat ihn bis jetzt im 'Waldgebiete des 
Kaukasus gefunden; Nordmann sagt ausdrücklich pag. 122, dass er 1836 den Vogel weder in Abchasien noch in 


Eichwald’s Angabe, so scheint es mir, ist auf das von Pallas (Zoogr. r. 


as. T. I. pag. 398) mitgetheilte Faktum basirt, dass 1780 bei Astrachan grosse Mengen dieser Vögel erschienen; aber 
Pallas endet den betreffenden Abschnitt mit den Worten: An e Caucasi altioribus? (mit einem Fragezeichen!) Ich kann 
daher den Nusshäher nicht der Omis caucasica einverleiben. 


Omnivorae, — Oscines. DM 
Verbrei- | Bestand : Win- 
na Bemerkungen über die | tungszone En on a als en im 
ennamen. } a _ tert 
In der Ver-| Samm- a En. | Tief- 
Verbreitung. Deals ann vogel? | Frühling. | Herbste. | vogel? ma? 
63. Stwrmus vulgaris |Im, Tieflande zum Theile 0-7000‘. 30 Expl.'nurin den 2 | von Mitte] ja. in 
3 N J . | winternd. — In bewohnten tiefsten | 14 März | Septemb. grosser 
1. =; u. Nase Gegenden des Gebirges be- Gebieten. | pei Tiflis; an thal- Menge. 
en eng en “| obachtete ich- die Staare hängt vom, wärs. 
ans een voran wu Sales Wetter ab. 
ar ae eide bis cirea : 
Poltaratskyt Finsch. \ AR oem nen Aumas 
niens namentlich ist der 
Vogel häufiger als im 
Grossen Kaukasus, wo ich 
ihn beiKobi undam Kasbek 
nicht mehr sah. ! | 
64. Pastor roseus L. |Vereinzelt bis in die basal-|0—7500'. 115 Expl.' nein. kommt *) ja. | nein, 
alpinen Wiesen (7500°); so spät und 
noch oberhalb Gudaur ge- meistens 
sehen. Sporadisch u. zeit- nur dann, 
weise sehr gemein. wenn es 
Heu- 
schrecken 
giebt (Mit- 
& \ \ te Mai). 
65. Oriohıs galbula L.\Vornehmlich Gartenvogel! 0—-6000°. |15 Expl.| nein. 24 Apil. ? ja. | nein. 
in dem Culturgebiete bis ‘6 Mai. 
zu 6000° Meereshöhe, doch 
auch der heissen Zone an- 
gehörend. 
Ordo III. Oscines. 
1. Subordo Granivorae. 
66. Loxia curvirostraL.|Das Vorkommen ist an die 2—6000°. | 2 Expl.. ja. = —_ ja. | nein. 
geographische Verbreitung 
von Abies orientalis und 
Pimus sylvestris geknüpft 
und deshalb mit dem 62. 
Meridian begrenzt. Ver- 
tikalhöhe von 2- 6000’. R Ü 
67. Loxia pityopsitia- Nw nach dem Zeugnisse 2 = ja. — = ja | nem, 
cus Bechst Namen) Mu Eur 
5 rischen Küstengebirge. 
68. Carpodacus ery- |\on 3000‘ 7500‘, nament-| 3—7500'. 30 Expl.| nein. 115. ,. 2 ja. | nein. 
eins Pal, lich im Buschwalde und 27, Din 
2 ; am häufigsten in circa 
5000’ in licht bewaldeten 
Gebirgen des gesammten 
Gebietes. 
69. Carpodacus rubi- \Selten im Hochgebirge. Im] im | 4 Expl.\. fraglich; | — vw ja. | nein. 
alhıs Gäüld. — Winter, namentlich hei Sommer steigt 
en DAN schlechtem Wetter, bis zu) hochalpin. thalwärts 
Br : 6000‘ abwärts. x im Winter. ; 
70. Bucanetes gilhagi- |Ist-Caspiufer. ? = ? 7 vor ? ? 
neus Lichst. k \ 
71. Erythrospiza rho- Seltener Wintergast bei Len-im Os " 1 Expl.| nein, nur En —_ neim. | ja, w. 
doptera Lichst. —| rn. = ee Er 
ne Gould. as an ne 
12. Linola camnabina Baend Bu DE. bis a 0-8000'. 142 Expl.! zieht = = ja 
3 ‘, ım Winter geschaar im Winter 
L. typ. et var. bella a alwäre) en 


Hemp. et Ehrb. 


“) Nach vollendeter Brut führen die Schaaren ein vagabundirendes Leben und wechseln oft weithin aus, je nach 
dem Nahrungsreichthum der Localitäten. 


4* 


28 


76. 


7. 


83. 


84. 


Artennamen. 


Verzeichniss der Arten. 


Bi rn Ir 2 


. Linota brevirostris 


Gould. 


. Acanthis 


BR 


. Linota flawirostris 
L 


linaria 


Carduelis elegans 


Montifringilla ni- 
vieola Pall. 


. Fringilla 


monti- 


Fringilla L. 


. Fröngilla 


L. 


Pall. 


coelebs 


. Metoponia pusilla 


. Chrysomitris spi- 


nus L. 


. Chlorospixa  chlo- 


TiS L. 
Pyrgita  petronia 
L. 


Coceothraustes 
vulgaris Pall. 


. Pyrrhula 
Pall. var. 


rubieilla 
P. major 


Brehm, var. P. rubi- 


eilla Pall., 


Schlg., var. 


var. minor 
P. cocei- 


nea Selys, var. P. cas- 


sind Baird. 


Verbrei- | Bestand Win- 
Bemerkungen über die A der „ob a AbzuE vn tert im 
Verbreitung. a on vogel? | Frühling. | Herbste. |vogel? en ö 

Bei Erzerum nachgewiesen.) 0— 7000.) — 2 _ _ ja. | nein 

Nur im Hochgebirge. im Hoch-\21lebend.| thalwärts 2 2 ja. | nein 

gebirge. im Winter. 

Selten, doch neuerdings mit| vielleicht} — ö 3 3 2 2 
Sicherheit nachgewiesen. |im Winter 

a. unteren 
Terek und 
Kuban,soll| 
am Gokt- 

schai vork. 

Vereinzelte Paare bis über! 0—6300‘. 130 Expl.|ziehtthal- — — Ja. in 
6000‘; vornehmlich den wärts aus Menge. 
Vorbergen und heissen d. höheren 
Ebenen angehörend. Gegenden; 

in den 
tieferen 
; Standvogl. 

Die Zone von 6—9000' fre-) 6—9000°. |10 Expl. ja. — = ja. | nein. 
quentirt der kaukasische 
Schneefink am häufigsten, 
brütet an steilen Fels- 
wänden, steigt nie thal- 
wärts im Winter. f 

In harten Wintern gemeineriim Winter/10 Expl.| nein. _ — nein. | Ja. 
Vogel der Tiefländer, ich! noch in \ 
kenne ihn nicht als Brut-| 5—6000'. ! 
vogel im Gebirge. 

Die gesammte Waldzone| 0--7300. 116 Expl.|nur unten; — — ja. ja. 
von 0—7300° bewohnend, steigtthal- 
brütend ;im Winter massen- wärts ab 
haft thalwärts. | zum Wint. 

Von 5—8000° brütend; im| 5—8000° |20 Expl.|steigt thal- _ — ja. .d.ge- 
‚Winter tief thalwärts. i. Sommer. wärts ab. ne 

one. 

In der oberen Waldregion,) 0— 7200’. 114 Expl.| zieht thal- _ = ja- in 
auch im Nadelwalde, brü- mehrere| wärts auf Menge. 
tend. Im Winter tief thal- lebende.| und ab, 
wärts. nach der 

> Jahreszeit. 

Gemeiner Brutvogel in der! 0—4000'. |20 Expl.|zum Thei- _ = Ja. in 
heissen und gemässigten le, steigt Menge. 
Zone. thalwänts. | 

An passenden, sterilen Lo-| 0—6000°. 116 Expl.) nein. 17 März e ja. | nein 
calitäten bis zu 6000’ 99° 
Meereshöhe Sommervogel. 

Zum Theile in den Vor- 0—6000'. 125 Expl.) zum _ = Ja. Ja. 
bergen winternd, in der! Theile, 

Waldzone regelmässig brü- zieht 
tend. Im Frühlinge nament- thalwärts. 
lich Gartenvogel. x \ : 

Im systematischen Theile] 0—7200’. 129 Expl| zum — = ja. Ja- 

begründe ich in extenso Theile, 
die Vereinigung dieser Va- ‚zieht thal- 
rietäten zu einer Art. Die wärts. 
grosse Vart.: Wintervogel; 
die kleine Vart.: brütend. 
Stets nur in der Wald- 
zone bis zur Baumgrenze. 
Gleich nach der Brut thal- 
abwärts. 


86. 


87. 
88. 


89. 


90. 


91. 


92. 


=B: 


minor R. 


vogel. 


Oseines. 29 
i Verbrei- | Bestand "Win- 
Bemerkungen über die |tuneszone| der Abzug | Ob \kertim 
Artennamen. Verkretune in der Ver-| Samm- Au EN | naE 
rbreitung. en] In, Herbste. vogel? | nde ? 
Passer domesticeus |Einzene Localitäten ganz| 0—-8000. |24 Expl. ja. ja. \Stand- 
L. typ. et var. eisal- | meidend. Zum Theile sich vogel 
pinus Temm., var. cau-| au P. eisalpinus anschlies- da- 
easicus Bogd., var. indi-| send, doch in der Mehr- selbst. 
eus. Jard. zahl typisch. Im Grossen 
f Kaukasus nur auf der brei- 
ten Heerstrasse bis zuS000° 
Meereshöhe. In den schma- 
len Quer- und Längenhoch- 
‚ thälern oft ganz fehlend. 
| In Hocharmenien nament- 
| lich der streckenweise sehr 
, entwickelten Gerstencultur 
ı folgend (5 — 6000'). 
| 
nee montanus Seltener als der Hausspatz.| 0—6300‘. |10 Expl. — ja. nein. 
Passer salieicolus |Bis jetzt nur vom südwest-, 0—1200*. 125 Expl. 2 ja. | nein. 
Vieill. — kispanio- lichen Ufer des Caspi be- 
lensis Temm. — salica- nl Nur ein Exem; 
ars NER plar aus dem Centraltheile 
Transkaukasiens. 
Euspixa melano- In den Steppen der Nord-! 0—6000'. 127 Expl. ? ja. | nein. 
cephala Scop. seite seltener, die be- 
: buschten Vorberge und 
Hügelflächen bis 5000‘ be- 
sonders liebend und brü- 
4 J tend. N 5 
Emberixa cirlhıs Sehr seltenim Kleinen Kau-| 3300‘. u ? Ja. | nem. 
155 kasus. 
| 
Ermberixa_ citrinel- Seltener Brutvogelim Rand-| 4000'im |22 Expl. kommt, je ja. | ja. 
Ih3J5, gebirge des Kleinen Kau-| Sommer. nach dem 
kasus. Im Sommer im Winter, 
ı Grossen Kaukasus nicht vonNovbhr. 
nachgewiesen. Im Winter bis Januar. 
der grusinischen Heer- 
| strasse folgend und auch 
ı bei Tiflis manchmal häufig. 
Emberiza _hortu- Bewohnt die bebuschten! 0—-6000.. 21 Expl. = jaja. 
lana L. Vorberge. 
Emberiza cia L. Die gemeinste Ammerart| 0—-7000., 19 Expl. _ ja. | ja 
im ganzen Gebiete mit 
Ausnahme der Steppen ; 
die temperirte Zone bis 
zu 5000° bewohnt er am 
h häufigsten. 
. Emberiza Huttoni \Im mittleren Araxes-Thale| 2000. _ ? 2 & 
Blyth. (de Filippi). 
. Emberiza caesia \Selten. Tiflis. 1300‘. | 2 Expl. ? ja. | mein. 
Oretschm. 
. Orithophaga mili- ‘In den bebuschten Vor-) 0—-8000..18 Expl. = Ja. Ja. 
aria L. typ. et var. | bergen, meistens Stand- 


*), Journal für Omithologie, 1875. pag. 175 Nr. 135. 


30 Verzeichniss der Arten. 
RR, h S Verbrei- Bestand \ Win- 
Artennamen Pen Anne zong) Wanda Stand a Br 2 Brut. En 
Verbreitung. inderVer- | Samm- vogel? | Frühling. | Herbste. | vogel? Tief- 
tikalen. | lung. & | VS": Jande? 
97. Oynchramus schoe- |Wintervogel bei Tiflis. Brü-/ 0—6300'. 40 Expl.| zum — en ja. in 
nichus L. typ. et var. | tet im Goktschai. grössten Menge. 
intermedius Michl. Theile. 
98. Oynchramus pyr- im Niveul — ja. an A ja | ja 
rhuloides Pall. desMeeres. 
99. Plectrophanes ni- |Uebersteigt im Winter die, 5000*. — nein, RR an man, || mein. 
vals L. grusinische Heerstrasse 
von N. nach,S. nie. Bei 
Alexandropol einmal im 
Winter gefunden. 
II. Subordo .Corides. 
100. Melanocorypha ca- Die typische Form in den) 01000‘. [19 Expl.| in den — — 2 aranıdılekm 
Dagalrer Ib: Steppen an der Nordseite Steppen an Nord- |Menge. 
; i des Grossen Kaukasus. der Nord- seite d. 
seite theil- Ge- 
Selt R 1 nl o-2000..| o 1 weise. birges 

i la; rypha bi- |Seltener Sommervogel ın] 01 1 2 | nein. = ur ia. nein. 
zu ee ae Transkaukasien (östl-Theil). Dar i 
102. Melanocorypha ta- |Nach Güldenstaedt s 0-1000°. 112 Expl.| nein. — — nein. | ja. 

en Tran) Angabe für Georgien ac- ® 
UNE 1 ceptirt. In den Steppen des 
Caspi-Gebietes im Winter. 
2007 Yan ;_ ‚Wintersteppenvogelim Pon-| 0—1000‘. | 6 Expl., nein = gr i : 

: ; da St DANCE i h nein. | ja. 
12 es ne ER tus- und Caspi-Gebiete. 2 j 
104, (Galandrella,\ brachy | Wen LudiStenpens| 020002 LoFHzpl. (nein _ — a Mn 

dactyla Leisl. va.| Menge. 
pispoletta Pall. RR 3 REN 
105. Otocorys alpestris Brütet in Höhen von 7 bisiim Niveau 24 Expl.| nein. er ER ja. in 
55, ee 12000‘; in strengen Win-|desMeeres Menge, 
B vn et WOSICH En 5 tern in die Vorberge thal-im Winter; 
and, Val. DENLCIKORT | wärts ziehend. Das Vor-| von 3000 
Gould, var. larvata de| kommen in 4000‘ Meeres-| —12000° 
Fälippi. höhe im Araxes-Thale als im 
Sommervogel ist sehr auf-) Sommer. 
fallend. Vielleicht gehören 
die betreffenden Vögel zu | 
O. petrophila ‚Severx. ”). | 
106. Galerida crisiala L. But a en en le, 11 Expl.| theil- — _ ja a: 
typ. et var. isabellina,| „Ua der Yorberge. Zum! weise; 
Br var. or ienn Theile Standvogel. ImWin- zieht thal- 
Trst ter der grusinischen Heer- wärts. 
at strasse folgend, selbst in 
5000‘ Meereshöhe. 
107. Lullula arborea L. |Wintervogel in den Vor- im pl. zi BEE! Er ia. | ja 
} / bergen des Centraltheiles) Sommer > en LE 2a a 
am Südabhange. bis 5000. j 3 
108. Alauda arvensis L. Namentlich auf dem Ar- 0—-8000'. 132 Expl.| zum — 2 Ja- in 
menischen Hochplateau bis Theile Menge 
zu 5000‘ Meereshöhe brü- aA. ; 
tend. Zieht zum Theile fort. | an 
109. Anthus campestris Im Massenderan'schen Tief-, 06000. | 8 Expl.| nein. ? 3 ja. | ja. 
VE lande und im Elburs-Ge- 
; birge, von der Nordseite 
und in Transkaukasien. | 


Öseines. 31 
W 2 Verbrei- | Bestand R Win- 
Bi Bemerkungen über die |tungszone| der area Abzug I tertim 
* Verbreitung. in der Ver-, Samm-| Vogel? | Frühli Herbst a el? Tief- 
tikalen. | lung. Sn 5 [908% "ande? 
” 
110. Anthus Richardi |lIm Suant-Gau von Mene-| 0—3000‘. 18 Expl.| nein. | 6-12 ja. | nein. 
Vieill tries gefunden; bei Tiflis, i6 Apıil. g-04Sert. 
: Derbent. bei Tiflis. |von Tiflis 
111. Anthus spinoletta m der "Schneelinie (10000 D a 12 Expl.| nein. Fi — ja | ja. 
> is 12000‘) brütend ; win-|desMeeres 
L. (aquaticus Bechst.) tert im Tieflande und an|i. Winter, 
den Flussläufen der Vor-| 10-12000‘ 
berge. i. Sommer. 
112. Anthus pratensis L. Seltener als der Baum- ? [12 Expl.) nein. | 29 März — ja | ja 
pieper. 10 April. 
113. Anthus arboreus |\In den basalalpinen Wiesen] 0—8000’. 30 Expl.| nein. bei Tiflis | bei Tiflis | ja. Ja. 
Bechst oberhalb der Baumgrenze zuerst zuletzt 
: brütend, doch auch die 20 März. | 25 Sept. 
stark bewaldeten tieferen 1 Apnl 
Gebiete des Rion-Systems 2 Do 
bewohnend. \ 
114. Anthuscervinus Pall. \Sehr selten im Frühjahr| 1300‘. | 1 Expl.| nein. _ = ? nein. 
bei Tiflis. 
115. Anthus obscurus an selten im Winter beil 1300‘. | 1 Expl.| nein. = — nein. | nein. 
Lath. h 
116. Budytes eitreola Pall. Ein Paar von Derbent. 2 Expl. nein. un ? ja. nein, 
. Meeres. ai. 
117. Budhytes Rayi Bopt. |Im Talyscher Tieflande auf Niveau [22 Expl.| nein. DR ? nein. | nein. 
= 9 1% dem Zuge. d. Meeres. 57 März 
9 bis . 
jaApnil. 
118. Budhytes flava L. Im Tieflande des Rion, im| 0—3000‘, 122 Expl.| nein. |15__. 27 Aug. | ja. | ver- 
Bas I Talyscher Tieflande. 37 März; 9 Sept. einzelt. 
25Mrz.| bei Tiflis. 
Niue 7 Apr. 
ir 28Mrz. 
W 10 Apr. 
\ Hauptzug 
119. Budyltes ‚melanoce- \\m Caspischen Tieflande die 0—6300'. 124 Expl.| nein. | 4 März. ? ja. sehr 
phala Lichst. typ. et | Mufste Art. ae et 
var. viridis Gml., var. een ! 
cinereocapilla Savı. 15-18 M 
97.90 Mız. 
120. Motacilla boarula |\Einzeln an den Wildbächen 0—8000. 112 Expl. nein. 15 N ? ja dan 
VE des Hochgebirges bis 8000. 7 
{ Borshom. 
121. Motacilla alba L. typ. Zum Theile in den Tief-| 0—8000'.|20 Expl.| nein. in 2000° — ja. | häufig. 
et var. persomata per-| \ändern winternd ; gleiche ‚noch 
sica Gould et Blanford, Vertikal-Verbreitung mit winternd. 
var. lugubris Temm., var. | der vorigen Art. 
luxoniensis Scop.?, var. 
dukhumensis Sykes. 
III. Subordo Insectivorae. 
| 
122. Aerocephalhıs schoe- \Nach Menötries im Caspi-) 0—2090°.|30 Expl.| nein. | 22 April. ? ja. | nein. 
nobaenus L. (phrag- Tieflande, doch fraglich in 4. Mai 
der Bestimmung. Von mir bei Tiflis. 


mitis Bechst.) 


dort in Menge gefunden. 
Im Centraltheile Trans- 
kaukasiens seltener. 


32 Verzeichniss der Arten. 

Verbrei- | Bestand Win- 

Bemerkungen über die none FE Ob | Ankunft | Abzug Ob Nn= 

Artennamen. 5 Ealasavaalle _. | ‚Stand- im im Tub- | et 
Verbreitung. tikalen. | lung. vogel? | Frühling. | Herbste. Ne mad 

123. Acrocephahıs stre- \VonLenkoran, Tiflis und von, 0—6300°.| 5 Expl.| nein. TREO: ? ja. | nein 
‚perus Vieill. — arum- | den armenischen Alpen- | ge 
dinaceus Gml. seen (63002) | | 

124. Acrocephalus Turdo- |Tieland von Massenderan,| 0—1300'.|15 Expl., nein. Re all 2 ja. | nein. 
Sie pr 
ides' Meyer — arum- | Talysch. a 
dinaceus Briss. typ. en 
et var. minor R. — nn 

- 8 Mai 
> | R beiBorshom. - a 

125. Acrocephalus palu- |Tifis, Ostküste d. Schwarzen) 0—1300. | 5 Expl.| nein. ? ? ja. | nein, 

stris Bechst. Meeres, Lenkoran, Derbent. 

126. Lusciniola melano- Am unteren Laufe des) 0—1300..| 3 Expl.| nein. |14 28 Sept. | ja. | nein. 

pogon Temm. Chramflusses. 2% März. 70 Oct. 

127. Locustella fluwviatilis |Selten bei Tiflis. 0—1300°. , 2 Expl.) nein. 127 April. 119 , 2 | nein. 

M. et W. 9 Mai. |31 "8: 
128. Cettia Cettii La Selten in Talysch. lim Niveau| 1 Expl.| nein. 2 ? 2 Ja. 
Marm. ‚desMeeres 
i. Winter; 
ı 3000‘ im 
n Sommer: ; £ 2 in 
129. Acdonm galactodes Caspi-Tiefland. im Niveau] 2 Expl.| nein. ? ® Ja. | nein, 
Temm. d. Meeres. 
130. Phylloscopus sibila- |Ander Nordseite des Grossen) 0—4000. | — nein. 2 5 ja. | nein. 
trix Beehst. Kaukasus. Nach Mene- 
: tries im Caspischen Tief- 
lande. Bei Manglis selten. £ ö k 

131. Phylloscopus rufus |Buschwald bis4000‘Meeres-| 0—4000'. 155 Expl.| nein. |22 Febr. | October. | ja. | ein- 
Laith. typ. et var. ob- | höhe. 5 März zelne 
scurus R. ‚ersterVogel. Exem- 

S-15 plare. 
50.27 Mrz. 
0 n Hauptzug. 5 r 
132. Phylioscopu trochi- Bei Lenkoran. 06300. 27 Expl.| nein. | 23 März |15- 15-1, | 3a [man 
lus L. 4 April |27-29 
BR) b.Lenkoran. v.Goktschai. 

133. Phylloscopus Tristis |Nur 2 Exemplare vom| 1300 bis | 2 Expl. nein. 114.16 2 ja. | nein 

blyth. | Herhstzuge bei Tiflis. 6300°. 368 Oct. | 

134. En eeonus plum- 2) April EI la aan B ? ? | nein 

beitarsus Swinh. | Mai us. 5 i 3 

135. Hypolais pallida Mittleres Araxes-Thal. Len-| 0—3000'. | 2 Expl.) nein. | ? ? > | Ten 

Hemp. et Ehrb. | koran. Gartenvogel. 

136. Hypolais caligata Malyscher Tiefland. Talyscher|12 Expl.| nein. ? 5 ja. | nein. 
Lichst. — H. sali- Tiefland. | 
caria Pall. nee L. Dt. 

137. Regulus eristalus |Zum Theile winternd in den! 0—3000‘. |112 Expl. zum Thei- — = Ja Ja. 

Koch, Vorbergen der Südseite des, | le, steigt 
Grossen Kaukasus. thalwärts. 
138. Sylıwa nisoria [Ziemlich häufig im Kura-|Im Kau- 14 Expl| nein |5  . 2 ja. | nein. 
Bechst. und Aragwa-Thale. kasusnicht! 37 April 
jüber 200° 
nach- | 
EN TR | gewiesen. i 
139. Sylıra curruca Untere Waldzone, vom) 0--5000°. 112 Expl.| nein. 2 2 ja. | nein. 
Lath. Meeresufer bis 5000’. | 14 April. 

140. Sylvia cinerea Briss. DemWaldgebiete desganzen| 0—6000'. 40 Expl. nein. |10 \ 2 ja. | nein. 
typ. et var. (Curruca | Isthmus angehörend bis! | bp} April. 
einerea) persica de Fi-| circa 6000‘ Meereshöhe. 
lippi. 


Öseines. 33 

Verbrei- | Bestand Win- 

Bemerkungen über die Iinseione de or Alain | Alan || U En 

ernamen! < Masern Sammel Stand, im im Brut- | miet- 
Verbreitung. tikalen. | lung. | Yogel? | Frühling. Herbste. |\vogel? ande? 

141. Sylvia hortensis Nur selten bei Tiflis. 0—1300‘. ,3 Expl.| nein. [Ende Apr./Ende Aug.) ja. | nein. 
Gml.—salicaria L. bei Tiflis. [von Tiflis. 

142. Sylvia  atricapille |Dem Waldgebiete (untere) 0—6000'. 32 Expl.| nein. |30. März.| 24. Sept. | ja. | nein. 
Brass. Zone) des gesammten Isth- 11. April. | 6. Okt. 

mus zukommend, für den  [b.Lenkoran;|yon Tiflis. 
Centraltheil der beste I 
Sänger. 18:15 7 
Hauptzug. 
el Apr. 
15-16 
bei Tiflis. 

143. Sylvia mystacea \Untere Kura, Lenkoran. jim Niveau) 5 Expl! nen. | 2. _ ? ja. | nein. 
Mentr. d. Meeres. 74, Ami. 

144. Accentor alpinus _\Gebirgsvogel von 6—9000'| 69000’. | 7 Expl. Ja. - —_ ja. | nein. 
Gml. Meereshöhe. 

145. Accentor modu- Im Sommer bis 7000‘, im| 0-7000'. 118 Expl.|zum Thei- _ — ja. ja. 
larıs L. Winter in den Vorbergen le, steigt 

bleibend. Heckenvogel. thalwärts 
E im Winter. 

146. Accenlor ocularıs Küsjurdi, persische Grenze,| 8000. , 1 Expl. ? _ — ja. nein, 
Radde n. sp. 

147. Daulias philomela \Die einzige Nachtigall, wel- 1300 bis | 8 Expl.| nein. |erste Tage! 27. Sept.| ja. | nein. 
Bechst. che, wenn auch nur ver-) 2600. des April. 9. Okt. 

einzelt, hie und da den von Tiflis. 
| Vorbergen des Central- 

theiles vom Grossen Kau- 

kasus angehört. 

148. Daulhas Hafixi Massenderan’sches Tiefland| 0—5000’. 115 Expl.| nein. |Ende März ? ja. nein. 
Severz. und bis 5000‘ im Gebirge. bei Tiflis. 

149. Oyanecula suecica \Brütend in der gemässigten| 0— 3000’. 20 Expl.| nein. 10. |. Ende ja. | nein. 
L. var. eaerulecula| Waldzone, wintert nicht. 95, März | Septemhr. 

Pall., var. Wolfi C. bei Tiflis. 
L. Brehm. 

150. Erythacus rubecula In der unteren Waldzonel 0—4700'. 131 Expl.. nein. |10. _. = ja. in 
L. typ.etvar.hyrea-| des gesammten Isthmus, ou Mlirz Menge. 
mus Blanford. wintert im Tieflande. | bei Tiflis. 

151. Cossypha gutturalis Massenderan’sches Küsten- 0—-6500.) — ? ® 2 ? | nein. 
Guerin. | gebirge. 

152. Rutieilla phoenicura Seltener als die R. mesoleu- 08000. 20 Expl.| nein. |14. ır.. ? ja. | nein. 

= E : == März 
BI ca und höher im Gebirge 26. bei 
lebend ; his 8000° die Bur- Lenkoran. 
gen der Bergvölker be- 28. März 
| wohnend. 9. Apnil 
L 2fe | bei Tiflis. 

153. Rutieilla mesoleuca |Die zerrissenen, tiefer ge- 05000’, 110 Expl.) nein. 17. yon, ? ja. | nein. 

Ehrb. legenen Gebırgsparthien , Oo 
bevorzugend. Lenkoran, 
8. 
>. April 
2 na bei Tiflis. 
154. Rutieilla ochruros Kommt auch in geringeren 0—8000. | 9 Expl.| nein. |14. März ? ja | nein. 
Ss. G. Gml. Höhen vor. Von Mleti Ba 
bis zum Kashek ist diese Lenkoran. 
Art häufig. 27. März 
S. April 
bei Tiflis. 
Badde, Ornis caucasica. 5 


34 Verzeichniss der Arten. 
a Verbrei- | Bestand 
Bemerkungen über die |tungszone| der „Ob Ankunft | Abzug Ob 
Artennamen. 1 inder Ver-| Samm- | Qtand- im im Brut- 
Verbreitung. kn | a | vogel? | Frühling. | Herbste. |vogel? 
155. Ruticilla erythro- |Ich kenne den schönen, 6000° 12Expl.| ja. — — ja. 
gastra Güld. grossen Vogel, nur aus der,im Winter. 
"Winterzeit und dem Hoch- 
gebirge. 
156. Petrocincla saxatilis |Weit über die Baumgrenze) 1300 bis |14Expl.. nein. . ? ? ja. 
br hinaus verbreitet. Die un- 9000. 
teın Gletscherränder gerne) 
besuchend. Brütet bei 
Kobi. | 
157. Petrocossyphus eya- Nicht so hoch, wie die 1000 bis |3 Expl., nein. Ende ? ja. 
nus L. Steindrossel. 5000° Ver- 5000‘. März. 
tikalhöhe. 
158. Saxicola sallator \Vomehmlich der heissen 0—4000'. 32 Expl.' nein. 16. Fehr ? Ja. 
Mentr. Zone mit Wüstentypus) | Pos 
angehörend. Im Araxes- Lenkoran, 
Thale über 4000‘ hoch. 27. Febr. 
11. März 
bei Tiflis. 
159. Saxicola oenanthe \Zum Theile im Tieflande|0—10000‘.40 Expl.| nein. | 14. März Ende ja. 
m winternd. Im Sommer bis 36. nei | Septembr. 
i 9000‘ hoch, am häufigsten Lenkoran, 
aber in einer Höhe von und bei 
2—4000' in den Vorbergen. Tiflis. 
160. Sazieola deserli Nur von Baku in einem — 1 Expl. nein. ? ? ? 
Rüpp. Exemplar. 
161. Saxicola melanoleu- |Bei Tiflis. 1300. \6 Expl. | nein. | 7. Hr ? ja. 
ca Güld. | | IE 
162. Saxicola leucomela |Bei Tiflis. 1300 bis |3 Expl., nein. | 29. März| ? ja. 
Pall. | | .6000°. | | | 10. April. 
163. Saxicola leucura Untere Rion bei Marannach) 200. ie nein ? ? 2 
Gnml. | Nordmann. | 
S . | | 
164. Saxıcola amphileuca |Petvowsk (Bogdanow). IE u = = — 
Hemp. el Ehrb. | | | | 
165. Saxicola  erylhraea |Umgegend von Schemacha. | 1000. | 2Expl.| ja. _ — ja. 
Hemp. et Ehrb. | | 
166. Praiincola rubieola ut dem Zuge im Frühjahr 0—6000°. 162 Expl.| nein. |10. N ? ? 
L. typ. et var. Hem- | häufig. Als Sommervogel| | | 55, März 
prichi Ehrb. | selten. | | | Hauptzug, 
| | 14. Marz 
| | | 26. bis 
| 23. März 
| 4. April 
’ | | a \b.Lenkoran. 4 
167. Pratincola rubetra Biszu 5000‘, auf bebuschten 05000‘. 10 Expl.) nein. 24. März 19. noust| J& 
JE: | Hügeln in den Vorketten. | | 5. April.| 31. Dis 
| | | | 23. Aug, 
X ! 4. Sept. | _ 
168. Turdus musicus L. Im Laubholzwalde von! 0—-7000°. |20 Expl.'zum Thei- = — ja. 
ı 2500— 7000‘ brütend. le, zieht 
thalwärts 
ER im Winter. 
169. Teurdus iacus L. Kenne ichnichtals Sommer- ? 10 Expl.| nein. —_ — ? 
vogel. Vom Dez. bis März. . 
Im März bei Tiflis erlegt. 
170. Turdus atrigularis \Ein Expl. durch Tancre| Tiefland. | 1 Expl. nein. | 7. ? nein. 
Nattr. von Lenkoran erhalten. 19. Apr. 


= 
i 


Win- 
tert im 
Tief- 
lande? 


nein. 


nein. 


nein. 


nein, 


nein. 


nein, 


nein. 


Ja- 


ja. 


Oseines. 35° 
Bemerkungen über die a an Ob Ankunft | Abzug | Ob Au: 
a unanen. Verbreitung Hast Ver-| Samm- Stand- ner an Brut- Te 
erbreitung. tikalen. | Tune. vogel ? | Frühling. | Herbste. vogel ?nde? 
171. Turdus viseivorus \Zum Theile winternd, na-) 0—-8000°. 112 Expl.zum Thei- — - ja. in den 
72 mentlich im Bereiche der le, zieht Vor- 
Baumgrenze brütend; aber thal- bergen 
auch schon a 2500° ge- abwärts. und im 
un | paart angetroffen. - Tiefld. 
172. Turdus pelaris L. Fehlt im Sommer. Sehr _ 10 Expl.. nein. > = nein. | zahlr. 
zeitiger Frühjahrszug. in den 
Vrbrg. 
u. Tief- 
173. Turdus torquatus \Brütet in der Zone von) Winter 10 Expl.izum Thei- — — ja, al- Ba 
I: Rhododendron eaucasiceum| 1000', le, steigt | piner. |mMrz 
(bis 10000‘) und in den, Sommer thai- en 
Kiefernbeständen der obe-bis 10000’. abwärts. Ge- 
ren Waldzone. Im Win- birge 
= ter thalwärts. x \ } al 
174. Turdus merula L.|\Die heisse und gemässigte, O-7000*. 112 Expl. zum Thei-) — — aa a8 
Zone bevorzugend, wo sie le, steigt 
waldtragend ist; selten im thal- 
are: : Bereiche der Baumgrenze. abwärts. x 
175. Oinclus aquaticus L. |Bis zu 7000° an den Wild-| 07000‘. | 8 Expl. zum _ _ ja. | nein. 
typ. et var. melano-| hächen, im Winter thal- Theile; 
gaster Temm., vax.| wärts. zieht thal- 
cashmiriensis Gould. abwärts. 
176. Troglodytes parvulıs \In der gemässigten Region) 0—-6300'. 110 Expl.| zum. -- _ ja ja: 
Koch. der Waldzone bis circa Theile; 
6300‘. Im strengen Win- zieht thal- 
ter gesellschaftlich thal- abwärts. 
abwärts ziehend, Hecken- | 
n vogel. 
177. Bombyeilla garrula |Seltener Wintervogel in) 0—2000°. | 3 Expl.! nein. — nein. | ja. 
IE Transkaukasien, Derbent, 
A z 5 Lenkoran, Tiflis. 
178. Lanius exeubitor L. Im Winter in den Vorbergen| 2000. | 5 Expl.| nein. _ = nein. in den 
typ- et var. Homeyeri | der Südseite des Grossen Vor- 
Cab. Kaukasus — selten. bergn. 
179. Lanius lahtora Sykes. Einmal bei Lenkoran. = 1 Expl.| nein. —_ —_ nein. | ja. 
180. Lanius minor Gml. Gemein in den jongelartigen, 0—5000'. 115 Expl.| nein. | 6 nl ? ja. | nein 
typ. et var. obsceu- Dikkichten der heissen 18 12 © 
rior. R. Zone, doch auch bis 5000’ Lenkoran, 
Meereshöhe beobachtet. 
181. Lanius colhırio L. Häufig in der heissen und) 0—6300°. 125 Expl.. nein. | Anfang Ende ja. | nein. 
gemässigten Zone im Ge- April. | Septembr. 
büsche bis 4000‘, höher 
selten, an der Baumgrenze 
A nicht beobachtet. : 
182. Lanius ruficeps Nach meinen Erfahrungen) 0—-3000‘. | 3 Expl.) nein. n ? ja. | nein. 
Bechst. selten in den Vorbergen 
der Südseite des Grossen 
f { Kaukasus. 
183. Butalis grisola L. |Brütet in den bestrauchten| 0—-5000°. | 5 Expl.| nein. 5 % ja. | nein. 
Vorbergen des Grossen 1 
Kaukasus. Talysch. 
184. Erythrosterna parva Ostufer des Pontus. Tiflis.) 0—4000. 19 Expl. nein. jexster Vgl. ? ja. | nein, 
Beehst. Lenkoran. 29. März 
11. April. 
\b.Lenkoran. 
u2 April. 
un EB 
5- 6. 
Te N 
bei Tiflis. 


5* 


36 


Verzeichniss der Arten. 


Verbrei- | Bestand Win- 
Bemerkungen über die an der Ob Ankunft | Abzug | Ob a 
Artennamen. Verbreit ven Stand. ‚im im Brut- | eg. 
erbreitung. tikalen. | hung. | vogel ? ling, Herbste. | vogel? lande? 
185. Muscicapa atrica- \Bis zur Höhe von 4000° im! 0—-4000°. 30 Expl.‘ nein. |11. Mär 2 ja. | nein. 
pilla L. Buschwalde. | Ba 
‚erster Vogel 
\b. Lenkoran, 
a 
13-17." 
, x Hauptzug. 
186. Museicapa  collaris |Menötries führt ihn für)  ? _ = — — nein. | nein. 
Bechst. Baku an. 
Ordo IV. Cheli- 
dones. 
187. Hirundo rustica L. Nicht so häufig als in Eu- 0—4000‘. 12 Expl.. nein. 22. März |24-26Aug.| ja. | nein, 
opa, nicht hoch i : n 
ropa, nicht so hoch im } 3. April 5-7 Sent. 
Gebirge als Ch. urbica. en a: 
ER April 
b. Borshom, 
54, März 
- { b. Lenkoran. r £ 
188. Chelidon urbiea L. \Sporadisch; anmanchen Or-| Derbent |10 Expl.| nein. ih, ae ja. | nein. 
ten häufiger als H. rustica 0—9000'. PER 
| und bis 9000‘ Meereshöhe Manglis 
lebend und brütend. 
189. Cotyle rupestris |Im Kleinen- und Grossen 1500 bis | 2 Expl. nein. ? ? ja. | nein. 
Scop. | Kaukasus, in 1500—8000°| 8000'. 
Meereshöhe im Felsen- 
| reiche. 
190. Cotyle riparia L. Namentlich im Tieflande in) 0—6300'. 12 Expl.. nein. | 6. _,. ? ja. | nein. 
| grossen Kolonien brütend. | 18. März 
| | b. Lenkoran. ‘ 
191. Oypselus apus L. |Bis eirca 6500‘, die heisse, 0—6500'. |10 Expl.‘ nein. B% i Ende ja. | nein. 
typ. et var. pallidus | Zone aber vorziehend. | 7, Apıl | August. 
Shelley, var. umicolor \b. Lenkoran, 
Jardine. & Re Apr 
bei Tiflis. 
192. Oypselus melba L. \Bis zu 10000° im Grossen 2000 bis | 1 Expl.| nein. ? 2 ja. | nein, 
Kaukasus, nirgend häufig.) 10000°. 
193. Oypselus affinis Schwärmt bis zur Eiszone 14500' _ nein. ? ? ?2 | nein. 
Gray. . des Grossen Caspi. | Ararat. 
194. Caprimulgus euro- |Bis zu 5000° beobachtet. |, 0—5000'. 110 Expl.) nein. Ende ? ja. | nein. 
paeus L. mil 
195. Caprimulgus inor- Ein Exemplar von Tiflis. | 1300. | 1 Expl.! nein. ? 2 ja. | nein. 


natus Heugl. 


Scansores. 37 
Verbrei- | Bestand Win- 
B k n über di 2 Ob Ankunft Abzug b * 
en. emer eat über die mo i a3 | Stand- m Brut- ‚tert nr 
Verbreitung. tikslen || une vogel? | Frühling. | Herbste. |vogel? 1 e 
Ordo V. Scansores. 
196. Upupa epops L. Nicht über 6500 hoch an-| 0—6500'.120 Expl.| nein. 6. |bis Ende | ja. | nein 
getroffen, bevorzugt die 18. März |November 
heisse Zone mit Steppen- | 1866 | bei Len- 
charakter. b.Lenkoran,| Koran, 
15. __.  |Ende Sep- 
197. März | tember 
| ' 1870 |bei Tiflis. 
bei Tiflis, 
29. Febr. 
12. März 
1880 
erster Vogel 
bei Tiflis, 
50, März 
re > = | Te & ER A Hauptzug. 
197. Sitta eaesia M. et W. \Nichtsehr häufig, die tiefere] 0—6000’. 20 Expl. eb. = == — ja. ja. 
Laubholz-Waldregion lie- 
bend. aber bis nahe zu 
6000‘ im  Birkenwalde 
2 nachgewiesen. 
198. Sitta syriaca Ehrb. \Seltenim Grossen Kaukasus,| 0—7000'. |12 Expl.. zum en N ja. ja. 
typ. et var. rupicola | gemein im Kleinen, dort Theile, 
Blanf. namentlich in der heissen zieht thal- 
Zone im wildesten Felsen- abwärts. 
reiche. Wird mit 6000° 
schon selten, fehlt der al- 
E RUEÄG., inen Zone. 
199. Certhia familiaris L. Nicht häufig in den Wald- 06000. |12 Expl.. ja. 2 bin Ben 
gebieten, mit 6000’ in der ? j 
{ Vertikalen begrenzt. 
200. Tichodroma muraria Nirgend häufig, aber dem| 0—8000..|10 Expl.| zum > — a ja: 
ganzen Gebiete an passen- Theile, 
den Localitäten als Stand- zieht thal- 
vogel bis zu 4500’ ange- abwärts. 
hörend. Im Winter manch- 
{ mal thalabwärts. i 
201. Gecinus viridis L. Die heisse und gemässigte 0-5000°. |%6 Expl.| ja, zieht == = aa 
typ. etvar. Saundersi Zone x bevorzugend, na- thal- 
Taex. mentlich den lichten Ei- ee 
chenwald bewohnend. 
202. Gecinus canus Gml. In der heissen Littoralzone'im Niveau — ja. Be a ja | ja 
beider Meere. d. Meeres. S 
203. Drryocopus martius |Bis nahe zur Baumgrenze 07000. \10 Expl.| ja. = _ jaja: 
IL: | im ganzen Waldgebiete. 
204. Picus major L. Bis zur Baumgrenze, im! 06000‘ ; Ya! RN ; : 
7 Winter thalwärts. en Jz - 2; 
205. Picus Poelzami \Nwim Talyscher und Mas-| 06000’. 60 Expl.| zum —_ —_ ja. in 
Bogd. senderan’schen Gebiete, im Theile, Menge 
Winter im Tieflande da- zieht thal- 
selbst häufig. wärts. 
206. Picus syriacus \\ebt an denselben Oertlich-, 0—3000. | 2 Expl. ja. — — ja. ? 
Hempy. et Ehrb keiten, wie P. major, aber 
; nur in den tieferen Ge- 
bieten. 
207. Picus medius L. Nur in den wärmeren Ge-| 1500. | 5 Expl.. ja. = _ ja. ? 
typ. et var. Saneti | genden der waldbedeckten 
Johannis Blanford. Vorberge. 


[2 

38 Verzeichniss der Arten. 

a l Verbrei- | Bestand Win- 

N Bemerkungen über die tuneszone | der obs Ankunft | Abzug | Ob |, im 
Arte ; Verbreitung. in der Ver-, Samm- Den ) Frühli Herb: k En) Tief- 
tikalen. | lung Sn: 5 TDste. [VOBEL: ande? 

208. Picus leucomotus |Einmal bei Manglis, jung. | 4000’. _ ja. — — ja. | nein. 

Bechst. 

209. Picus minor L. var. Selten in der gemässigten) 3000. | 6 Expl. ja. = — ja. ja. 

quadrifaseiatus R. Waldzone. 

210. Jynxz torguilla L. \In der heissen und gemäs-ı 0—5000°. | 7 Expl.| nein. |31. März ? ja. | nein. 
sigten Zone. 12. Apıil® 

Aiben 
Lenkoran. 
Ordo VI. Levi- 
rostres. 

911. Oueuluıs CANOTUS Ib Bis zur Baumgrenze (7200°), 0—7200° 8 Exp!. nein, 15: 2 16. ja. nein, 
doch die Buschwälder der 57, April 38, Sept. J 
gemässigten Zone hevor- bei Son Tirlie 
zugend, nicht zu häufig. Tenkoran. i 

212. Ooracias garrula L.|Der heissen Zone im Som-| 0—4000'. 125 Expl.| nein. — 7120. Aug. | ja. | nein, 
mer, überall wo sie jongel- T. Sept. 
artigen Buschbestand in von Tiflis. 
den Thälern trägt, angehö- 
rend, über circa 4000’ Mee- 
reshöhe fehlend. 

213. Merops apiaster L. Mit 6000‘ schliesst sich die) 06000‘, 40 Expl.| nein. 115. Aynil. 22. Aug. | ja. | nein, 
Grenze für die Vertikal-- Hoch- Dre "| 3. Sept. 
verbreitung als Brutvogel persien Tonkoranı| anni 
ab. Gemein in der ge-| bis 7000. normal 
sammten heissen Zone. | >. M 
Oft im Spätsommer weit 1d= April 
fortschwärmend in sehr an 
bedeutende Höhen zum) | Keshahm 
Fange des Wespen. | | 5. Sea 

| D . 
17. Mai 
hei Tiflis 
Re L Ber NR 1 | h | verspätet. E 3 ’ 
214. Merops persica Pall. Littoral des Caspi; untereim Niveau 25 Exp.) nein. 18. | nl Mitte Ja. | nein. 
Wolga. \d. Meeres. | 30. August. 
Nor. A | BR | Lenkoran. 
215. Alcedo ispida L. typ. ‚Höher als 6300‘ habe ich) 0—6300°. 24 Expl.| zum _ — | 
et var. bengalensis | den Eisvogel an den Was-) ‚ Theile, 
Gml. serläufen des Gebirges| zieht thal-ı 
| nicht angetroffen. | abwärts. 
Ordo VE. Colum- | | 
bae. | 
216. Columba livia Briss. Bis 9000 in Hocharmenien, 0—9000. | 4 Expl. ja. en _ a ea 
| im Grossen Kaukasus eben- | | 
| falls in den Burgen der) | | 
Bergvölker bis zur Baum- | 
| grenze lebend. | 
217. Colımba oenas Gml. \Wintert in grosser Zahl in] 0—6000‘. 112 Expl.| zum = — ja. in 
| der warmen Zone, zumal | Theile, Menge. 
wo sie cultivirten Boden ‚zieht thal- 
bietet. Sommervogel in] abwärts. 
den Wäldern Borshoms 
und in Suant bis 6000 
brütend. 


Columbae — Gallinacea. 39 
= Verbrei- | Bestand ? Win- 
Bemerkungen über die ER der „Ob Ankunft | Abzug Ob tertim 
Artennamen. BER ee nn Stand- | im - im Brut- Tief- 
Verbreitung. | ans vogel? | Frühling. Herbste. |vogel ?ı,.nge > 
218. Columba palumbus Mit der vorigen an gleichen 0—6000. | 6 Expl.|z. Theile, — _ ja. in 
Brutplätzen und auch im zieht thal- Menge. 
Winter geschaart. abwärts. 
219. Peristera turtur L. |Namentlich in der heissen,| 0—7000'. 12 Expl.| nein. |10 al ? ja. | nein. 
bestrauchten Zone. Ver- 95 Apri 
einzelt auch noch an der bei h 
Baumgrenze in 7000. Lenkoran 
2 Aal 
1. Mai 
, bei Tiflis. 
Ordo VIH. Galli- 
naceae. 
220. Pierocles arenarius Im Kura-Thale, soweit es| 0—-5000. | 4 Expl. z. Theile,| — _ ja | ja. 
Pall. Steppencharakter im mitt- zieht thal- 
s leren Theile besitzt (un- \ abwärts. 
terhalb Tiflis). Im Araxes- 
Thale, soweit sich dessen 
Wüstentypus lokal gegen 
Westen erstreckt (west- 
| licher Arpatschai). 

221. Pterocles alchata L. |Westlittoral des Caspi. im Niveau/25 Expl.| zieht im |22-23März % ja ja 
(caspius Mentr.) d. Meeres. Tieflande. 3-4 April 

hei 
: 5 Lenkoran. 

222. Syrrhaptes para- Ostlittoral des Caspi. im Niveau| 1 Expl.| zieht im — — ja. Ja. 
dozus Pall. d. Meeres. Tieflande. : 

223. Megaloperdix cauea- Hochalpin im Grossen Kau- 7000 bis | 8 Expl.| z. Theile, _ _ ja. | nein. 
20P pP 2 
sica Pall. kasus. Im Winter bis in) 16000‘. zieht thal- 

die basalalpinen Gebiete. wärts in 
der hoch- 
alpinen 
K Zone. i 

224. Megaloperdix _cas- Hochalpin im Kleinen Kau-8—16000. 2 Expl.| ebenso. _ _ ja. | nein. 
pia S. G. Gml. kasus, Persien, Taurus. 
(M. Raddei Brehm et 
‚Bolle.) 

225. Caccabis saxatilis Bis zu 6000‘ Meereshöhe. |0-6000'. 50 Expl.| ja. — _ ja. es 
Meyer typ. et var. | elsig, 
chukar Gr. Um- 

gegend 
von 
Baku. 
226. Ammoperdix griseo- |\om Ostufer des Caspi und 0—7000°. | 2 Expl. ja. — _ ja. ja. 
3 den turkomenischen Wü- 
gularis  Brandt.| sen bis 7000: in Nord- 
Gray.) 7 #% | persien. 

227. Starna cinerea Nicht leicht über 6000, 0—6000”. 112 Expl. Ja. _ = ja. Ja. 
Briss. | Meereshöhe. 

228. Ortygion _ coturni« |Brütend bis in 8000‘ Meeres-| 0—-8000'. 130 Expl.| nein. | 3 | ., | während | ja. | zum 
IA z höhe, soweitsich die Kultur 1 April \desganzen Theile. 

2 der Gerste (in Dagestan) bei Sep- 
erstreckt. Zum Theile in Lenkoran.| tembers. 
den Tiefländern winternd. 12 L 
— April 
24 
bei Tiflis. 


40 Verzeichniss der Arten. 
hrei- an 
Bemerkungen über die ee ee Ob Ankunft | Abzug | Ob A 
Artennamen. ee Kkeerihn. Stand- ‚im im Brut- Tief- 
erbreitung. | tikalen. | lung, vogel? | Frühling. | Herbste. |vogel? lande? 
| 
229. Tetrao Mlokosiewiczi Dem gesammten Baum-, 6—8000°. | 6 Expl. ja. - _ ja. | nein 
Tacı. De grenzengebiete von 6 bis 
R.) en 5000‘ Meereshöhe angehö- 
rend. Brütet auch in den 
niederliegenden Beständen! 
von Rhododendron cauea-| 
e stem. 
230. Altagen framcolinus Im Kurathale liest die West- 0—1000°. '30 Expl.. ja. = — ja era 
II | grenze des Vogels gegen-| 
| wärtig, wenig westlich von| 
{ 3 Elisabethpol. 
231. Phasianus colchicus |Mit höchstens 2500‘ Meeres- 0—2500°. 120 Expl.. ja. _ _ BB | ® 
1b; höhe ist dem Fasanen die, 
Grenze seines Vorkommens 
in der Vertikalen gezogen. 
| Erreicht Stawropol in “der, | 
Richtung gegen Norden! 
nicht mehr. | | 
| 
Ordo IX. Grallae. 
Subordo I. Gallinograllae. | | | 
232. Orex pratensis Bis über 7000‘ in den Ger-, 0—7200°. 110 Espl.. nein. | Mit den |, Mit den | ja. | nein, 
Bechst. stenfeldern ab und zu, häu- Wachteln. Wachteln, 
® fig schon in 4600‘. Brü- | 
tet auch im Tieflande. 
233. Ortygomelra porxa- Im Tieflande und in der) 0—6300. 10 Expl.. nein. | 5. Marz ? ‘ja. | bis- 
na L. gemässigten Zone häufig. [172 N weilen. 
bei 
j | | Lenkoran. I 
234. Ortygometra minuta ImTieflandeseltengefunden.|0—6500‘. | 3 Expl.| nein. | 4. April 2 ja. | nein. 
Pal. | | Tas 
| | Iebeign| 
| | ‚ Lenkoran. 
| | | 25. April 
| | | | 7. Mai 
| | | bei Tiflis. 
235. Ortygometra Bail- |Im Tieflande selten. im Niveau| 1 Expl. nein. | 7. ai ? ja. | nein. 
loni Vieill. | Id. Meeres. | To 
| bei 
n & | | | Lenkoran. 
236. Stagnicola chloropus In den Sümpfen des Tief-\ 0—6300‘.| 6 Expl.) nein. |21. März ? ja. | nein. 
landes häufig, wahrschein-| 2. April 
lich auch an den Ufern | bei Tiflis. 
der armenischen Alpen-ı | 
’ seen. | 
237. Fulica atra L. An passenden Localitäten) 0—7000°. | 6 Expl. z. Theile,)| | — — ja: in 
bis zu 7000‘, vornehmlich | zieht thal-ı grosser 
aber im Tieflande des) | wärts. |] Menge. 
{ | Caspi. y | | 
238. Porphyrio  veterum |Massenderan’sches Tiefland.\im Niveau 45 Expl. ja. _ — jasala: 
Ss. @. Gml. d. Meeres. 
239. Rallus aquaticus. L. Im Tieflande winternd, ein-| 0—2000‘. 12 Expl.|z. Theile, — — ja. in 
zeln im Winter auch in | zieht thal- Menge 
N : der gemässigten Zone. wärts. i i 
240. Phrlolimmos galli- |Zum Theile in’ den Tief- 0—6300‘. 10 Expl.) nein. 2 ? nein. | ja. 


nula L. 


ländern winternd. Aufl 
dem Zuge am Goktschai. 


Grallae, 41 
Bestand Win- 
Bemerkungen über die |tungszone) der Ob Ankunft | Abzug | Ob |,.tim 
en Verbreitung. un Glas Vene] Shin a Frühling Here a Or 
lung. En =; a a ander 
241. Telmatias gallinago In grosser Zahl an warmen 0—7000'. 125 Expl.| nein, Ende | 6-7. go 3 in 
Br Quellen winternd. Brü- zieht thal-| März bei |18-19 Bl: grosser 
tet in den Wiesen über wärts. |Lenkoran,| von Menge. 
7000° hoch im Kleinen bis zum |Lenkoran. 
Kaukasus. 23. April 
5. Mai 
dauert 
der Zug 
gegen 
R a Norden. 
242. Telmatias major J.\Brütet in der basalalpinen 10 Expl.| nein. |26. März |2-14.,, | ja | nein. 
Fr. Gnl. Zone des Kleinen Kau- 7. Apııl |id26, b 
kasus. bis, von 
55 April Lenkoran, 
akoran 20. Aug, 
1878, 1. Sept. 
24. März. en A 
San een 
bie 4. Okt. 
2 ale: von 
Do Lenkoran, 
Lenkoran 
1879, 
IS: 
— März 
30. His 
= 
5: Apıil 
7 bei 
Lenkoran 
243. Seolopax rustieola L.\In den Hochwäldern, na- 0—4000‘, 25 Expl.| nein, 21. Noy.| ja. in 
: mentlich in Höhen von zieht thal-| 5 Febr. |°3, Dee. grosser 
2—4000° brütend. wärts, |: u RS Mens: 
5. bis von enge. 
7, März Te keran, 
Ir u 7a, Nov. 
51.27. N. von 
b. Tiflis, Lenkoran. 
16. vi 
A Lenkoran 
1878, 
Aalen 
— März 
23 Mi 
Subordo II, Herodiones. a 
244, Grus leucogeramus Nord-Caspi. im Niveau — nein. ee ? nein. | nein. 
Pall. d. Meeres. 16. 
bei Astara. 
245. Grus ontigone L. \Westuferdes Caspi, Derbent. im Niveau — nein, — — nein. | nein, 
d. Meeres. 
246. Grus eineren Bechst, Steppen im Niveau des) 0—-6300%,| 1 Expl.| nein. |_1-März | Mitte | ja. Jin den 
en DEERSE | Wosres und Hochplateau 3. bei Oktober. Vor- 
bis über 6000‘ brütend. Tiflis 1867 bergen 
zuerst, und in 
OS He 
DO E 
Hauptzüge, Mu 
12-13. San. 
24.25 Mız. 
1880 Lenkor. 
Hauptzüge. 
6 


Badde, Ornis caucasica. 


Verzeichniss der Arten. 


42 
Verbrei- | Bestand Win- 
Bemerkungen über die ne der Ob Ankunft | Abzug Ob ARE. 
Artennamen. verhrdie Iinder Ver-! Samm- | Stand- ‚im im Brut- | Meg. 
erbreitung. tikalen. | lung. vogel? | Frühling. | Herbste. | vogel?|]nde? 

247. Grus virgo L. In der heissen Zone bis) 0—6300. |2 Expl. _ — _ _ _ 
circa 2000° Meereshöhe 
vorwaltend, kommt am 
Goktschai auf dem Zuge 

) & vor. 

248. Ciconia alba Briss. Bis über 6000° brütend, im) 0—6500. \8 Expl.| nein. .|29. Febr. ? ja. | nein. 

Tieflande sporadisch. 12. März 
1880 erstes 

Exemplar 

bei 

Lenkoran, 

2218. 
as 

- : en, 

249. Oicomia nigra L. |Vom Tieflande bis zur] 0—7000'.|12 Expl.| nein. 27. Febr. ? ja. | ein- 
Baumgrenze den Fluss- 10. März zeln. 
läufen und Wäldern fol- erstes 
gend. Exemplar, 

Tr Apnil 
£ : ? . .\d. meisten. 

250. Ardea cinerea L. Vom Meeresufer bis nahe 0- 6500‘. 115 Expl.itheilweise,| 6. __. ? Es | 
an 7000. zieht thal-| jg, März 

wärts. durch- 
3 : ziehend. 
251. Ardea purpurea L. |Nur ausnahmsweise bis eir-, 0—6300'.\15 Expl.|z. Theile, |15. _ —_ ja. ja. 
: ca 6300‘ Höhe beobachtet, zieht thal-| 57, März 
gewöhnlich von 0—2300'. wärts. |yei Tiflis. 

252. Herodias alba L. \In der heissen Zone. Ein-| 0—2000'. 125 Expl.|z. Theile, — _ ja. in 
zelne wintend bis zu zieht thal- Menge.. 

| 1200° Meereshöhe. wänts. 

253. Garxetla garxetta L. |Im Avaxesthale Sommer-, 0—3000'. 20 Expl.'z. Theile, | 1. Al ? ja. ab und 
vogel bis über 3000. zieht thal-ı 13, „er zu. 

$ wärts. |TLenkoran. 

254. Ardeola comata Pall. Heisse Tiefländer, nament-| 0—6300‘.\ 6 Expl. |z. Theile, | 3-5. 12. ja. ab und 
lich Massenderan. zieht thal-115-17. Apr 34. Aug zu. 

wärs. bei von Tiflis. 
1 \ / Lenkoran. 2 

255. Ardeola minuta L. \Caspisches Tiefland. Auf} 0--2000°. |10 Expl. nein. |15. en ? ja. | nein. 
dem Zuge bei Tiflis. 7. 

Lenkoran. 
27. Apuil 
9. Mai 
= RS . bei Tiflis. 

256. Bubuleus ibis Has- Nach de Filippi bei En-imNiveau|1 Expl.| zum ? 2 ja. ab und 
selg. (Ardeola Ve- seli sehr gemein. d. Meeres. | Theile. ZU. 
ranyi Roux). 

257. Botaurus stellaris L. \Ebendaselbst. 0—6300°. 20 Expl.|z. Theile, | 5. , . 2 ja. häufig. 

zieht thal-ı 77, April 

AR ? wälts. | bei Tiflis. 
258. Scotaeus nyelicorasx \Ebendaselbst. 0—6300‘. 20 Expl.|z. Theile, | 4. ? ja. | häufig. 

zieht thal-| 16, April 

R wärts. | bei Tiflis. 
259. Platalea Tleucorodia \Küstengebiet beider Meere.) 0—6300‘ |3 Expl.| nein. |Ende März 2 ja. |selt.,u. 
IB3 zeitweise. bei nurauf 
Lenkoran. Salz- 
Ka . wasser. 

260. Tantalıs ibis L. Nördliches Caspi - Gebiet.\im Niveau — ? ? ? ? 
Gekannt von den Talyscher\d. Meeres. 


| 


Mohamedanem. 


N 


Grallae. 43 

TEE a ans 
Bemerkungen über die Ar a “| 0 Ankunft | Abzug | Ob en 

Artennamen, A Rn a Ste Stand- | im im Brut- Tief- 
Verbreitung. Hikalanı | lung. vogel? | Frühling. | Herbste. vogel?.nde? 

261. Plegadis falcinellus Süd-Littoral des Caspi. 0—6300‘ 116 Expl| in 2. Annil ? ja. in 
Ihe zeitweise, manchen |14, 2 man- 
Jahren. | Lenkoran. chen 

Jah- 

ren, 

Subordo III. Grallae. 

262. Olis tarda L. Nicht über 6300° über dem) 0—6300‘ | 3 Expl.\z. Theile. _ — ja. ja 
Meere als Sommervogel. im 
Auf dem armenischen| Sommer. 

Hochlande nur auf dem 
Zuge beobachtet. 

263. Olis houbara Gml. Im Araxesthale soweit es] 0—3000‘. _ = — -- ja. ja. 
lokalen Wüstentypus be-|, 
sitzt bis Kulpi. 

264. Olis tetrax L. Steppen an der Nordseite) 0—3000°. |6 Expl.| nein — = ja. |in un- 
des Gebirges, in Transkau- geheu- 
kasien bis zu 2000‘ Meeres- rer 
höhe an passenden Lokali- Menge 
täten, wintert in Unzahl jahr- 
im Caspischen Tieflande. weise, 

265. Oedienemus crepi- |Im Wüsten- und Steppen-| 0—3000°. 12 Expl.\ nein. 14. pi, ? ja. | nein. 

tans Temm. terrain bis zu 3000° Mee- 26. bei 
reshöhe. ü Lenkoran. 
266. Charadrius pluvialis |Zum Theile im Caspischen| 06300‘ 122 Expl.| nein. |passirt den ? nein. | ja, 
IB. - Tieflande winternd, doch zur Goktschai häufig. 
selten. Zugzeit. schon 
* |Ende März 
und April 
2- 8. 
1a-20.AD": 
in Menge 
5 b. Lenkoran- 
267. Oharadrius fulvus \ImTieflande winternd,selten.\im Niveau] 2 Expl.| nein. _ _ nein. | ja, 
Gml. d. Meeres. selten. 
268. Squatarola helvetica Selten, im Tieflande win-) dito. | 2 Expl.| nein. |4 nl — nein. | ja, 
: AT: 
Briss. ternd. Ban selten. 
, A Lenkoran. 
269. Budromias mori- \Littoral des Caspi. dito. |21 Expl.| nein, ori nein. | ja, 
= Apnil. R, 
nelhıs L. TolGer häufig. 
= ; Mi Lenkoran., 
270. Eudromias asiaticus |Ebendaselhst. dito. [50 Expl.| nein. | 3-7. — nein. | nein. 
Pall. 15-19.AP! 
bei 
e Lenkoran. 
271. Eudromias Geof- Ebendaselbst. dito. |12 Expl.| nein. | 4-14. — nein. | nein. 
froyi Wagl. Tea 
bei 
Re { Lenkoran. 
272. Aegialites curomicus Trockene breite Bachge- 0—-3000'. 20 Expl.| nein. |28. Febr. _ ja. | nein, 
Besel:e. rinne der heissen Zone. 12 Mus. 
bei 
” ae 5 Lenkoran. 
273. Aegialites eantianus Meerufer, Salzsee. im Niveau/12 Expl.| nein. 6. Mir — ja. | nein. 
Lath. d. Meeres. IE 
Be Lenkoran. 
274. Aegialites  hioticula \Seltener als euronieus, bis) 6300’. — nein. ? ? ja. | nein. 
JE: über 6300° an den Ufern 


der armenischen Seeen. 


6* 


44 Verzeichniss der Arten, 
Verbrei- | Bestand ; Win- 
Rn Bemerkungen über die tungszone| der os a aan Anus N tert im 
Salanen: rei inder Ver-, Samm- 5 une >| Tief- 
Verbreitung. Be lung vogel? | Frühling. | Herbste. |vogel? 9 
275. Cheltusia leucura \Caspi im Winter. im Niveau) 1 Expl.| nein. — — nein. | ja, 
Lichst. d. Meeres. selten. 
276. Chettusia gregaria |In den Ponto-caspischen! 02000‘, 12 Expl.| nein. (18. jr, _ nein. | nein. 
Pall. Steppen,namentlicham Ma-| auf dem 30. nis 
nytsch. In Transkaukasien| Zuge bis A z 
selten (Chramfluss, - Alget-, 6300. 75. ml 
ka). Lenkoran. Lenkoran, 
23. März 
4. April 
3 bei Tiflis. 
.277. Vanellıs cristatus |Nicht selten bis 2000, im!0-6300°. 115 Expl.| zum — _ ja. | häufig. 
M. et W. Arrarat bis 3500‘, und auf Theile, 
dem armenischen Hoch- zieht ins 
{ 1 lande selten brütend. - Tiefland. 
278. Strepsilas interpres |Littoral beider Meere. im Niveau 2 Expl. nein. Mitte = nein. | nein. 
: d. Meeres. April, bei 
; Lenkoran. 
279. Glareola pratincola \In den Küstenzonen beider] “dito. | 4 Expl.| nein. Ns = Ja. Ja 
ü — Apnil DR 
| Meere. . bei sehr 
E { Lenkoran. selten. 
280. Glareola Nordmanni |Im Frühlinge tief landein-| 0—2000,| 4 Expl.| nein. |17. Aarıil — ja. | nein. 
Fisch. wäts. auf dem 29, D 
Zur oe bei Tiflis. 
300”. 
281. Oursorius europaeus |Littoral beider Meere. im Niven — nein. ? ? nein. | nein. 
Lath. d. Meeres. 
282. Haematopus ostra- \Südwestwinkel des Caspi, 0—6300°. | 4 Expl.| nein. il — ja. | nein. 
S Goktschai. ee 
legus L. 16. bei 
i ? Lenkoran 
283. Recurvirostra awo- \Littoral beider Meere, tiefl 0—6300°. |20 Expl.| nein. Ende = ja. | 3% 
cetta L. landeinwärts den Fluss- Januar. wenige- 
läufen folgend, im Araxes- Expl. 
| thale bis über 3000‘ und 
F e selten am Goktschai. 
284. Hypsibates himan- Ebenso, fehlt am Goktschai.| 0—3000'. 120 Expl.| nein. 12. März ZRE ja. | nein. 
topus L. |24. ei 
Lenkoran. 
> April 
2 ? bei Tiflis. 
285. Phalaropus cinereus Im Sommer bei Lenkoran.| Auf dem 110 Expl.| nein. 8-11. , 19% Aus | ja. | ja. 
Briss. Zuge bis 50-23. ° |1. Sept. | - 
6300°. bei von Tiflis. 
ar: Lenkoran. j 
286. Machetes pugnax E.\Im Küstengebiete beider] 06300 [25 Expl. nein. 115. Fehr —_ ? | nein. 
Meere, berührt auf dem| auf dem Dr: 
Zuge den Centraltheil des; Zuge. Ende März 
En ; Isthmus. b.Lenkoran. A 
287. Calidris arenaria L.\Salzseen hei Baku, Uferim Niveau]18 Expl.| nein. _ _ nein. | Ja. 
aa : < des Caspi. d. Meeres. f 
288. Tringa alpina L. |\Wintert in Menge am Caspi., 0—6300‘ |30 Expl.| nein. — — nein. | J&- 
auch im 
Winter. 
289. Tringa  subarquata Caspi (Pallas), Terek (Mö-im Niveau — nein, = _ nein. | ® 
Güld. netries). d. Meeres. 4 
290. Tringa minuta \Küstenzone beider Meere. dito. | 2 Expl.| nein. _ — nein. | Ja. 
Leisl. 
291. Tringa Temminckti \Ebenso. dito. — nein. .— — nein. | ja. 
Leisl. 


Grallae — Palmipedes. 


45 


Verbrei- | Bestand . Win- 
Bemerkungen über die ne en Ob Ankunft | Abzug | Ob BR 
Artennamen. Be Nasen |Samms Stand- im im Brut- Tief- 
Verbreitung. fikalen. | lung. vogel? | Frühling. | Herbste. |vogel ? Ikn® 
292. Aectitis hypoleucos Bis zu 7000‘ Meereshöhe, 0—7000°. 12 Expl.| nein. | 4-6. \n. ? ja. | nein. 
a1 häufig im Tieflande Massen- 16-18. I 
a derans. b. Lenkoran. 2 
293. Totanus glottis L. Seltener Wintervogel. 0—2000°.) 5 Expl.| nein. | 22. März | 8. nein. | ja. 
oe eo NONIDT 
3. April |20. 
7. b. Lenkoran. 2 e 
294. Totanus  stagnatilis Berührt Tiflis auf dem 0—6300°. 112 Expl.| nein. 12. pi, = ja. | nein. 
Bechst. Frühjahrszuge. 24. dis 
April 
» bei 
5 k Lenkoran. 
295. Totanus fuscus \Caspi, auf dem Zuge. 0—6300'. | 5 Expl.| nein. 13. 17; : nein. | ja. 
SS anzu Sept 
Briss. De bei 19. 
Nr > k Lenkoran. von Tiflis. } 
296. Totanus cahidris L. \Brütet an den anmenischen 0—6300°. 20 Expl., -nein. ? ? ja | ja 
Seen. 
297. Totanus ochropus \Bis zu den alpinen Mooren) 0—8000’. 20 Expl.| nein. _ — ja- ja- 
E bis S000”. 
298. Totanus glareola L. |Gleich der vorigen Art, 0—7000°. |10 Expl. nein. — = ja. | nein 
: auch an den Sümpfen in 
pe der heissen Zone (Araxes). ? 
299. Terekia cinerea Güld. Süd-Caspi. im Niveau — nein, — = ? | nein 
E d. Meeres. 
300. Limosa melanura \Littoral beider Meere, vom 0—6300°. 23 Expl.| nein. | 6. März er ja. ja. 
Leisl. Goktschai auf dem Zuge. I 
27. März 
Ss. April 
301. Limosa rufa Briss. \Caspi. 06300. — De —_..| men, 
auf dem 
er : Zuge. 1 
302. Nirmenius phaeopus Berührt Tiflis auf dem 0—6300° 24 Expl.| nein. | 8. ır., — ja. | nein, 
Pnaeo} März | 
ICE Herbstzuge. auf dem >00 
Zuge. 25. März 
2 # - 6. Apnil. 
- 303. Numenius arguata Auf dem Zuge tief land-, 0—6300’. |14 Expl. Vielleicht kbz as ja 
einwärts; im Sommer am wenige 
'Westufer des Caspi, am Paare. 
Goktschai. 
Ordo X. Palmi- 
pedes. 
Subordo I. Lamellirostres, 
304. Phoenicopterus ro- Caspisches Tiefland. im Niveau 16 Expl. nein. — — nein. | ja. 
5 seus Pall. d. Meeres. 
305. Berniela ruficollis \Wintervogel aufdem Caspi.| dito. |12 Expl.| nein. — — nein. | in 
Pall. Ne 
chen 
Jahren 
in un- 
geheu- 
rer 
r Menge. 
306. Anser minutus Wintervogel im Tieflande, dito. [12 Expl.| nein. == = nein. | häufig. 
Namum. 
307. Anser albifrons Die häufigste Wildgans im) 0—6300°. | 5 Expl.| nein. = — nein. | selte- 
Penn. Centraltheile Transkauka- ner. 
siens im Winter. 


Win- 
Abzug Ob : 
im Brut- ee 
Herbste. |vogel? ande 
Far Ja. Ja. 
= nein. | ja. 
= nein. | ja. 
= ja. _ 
= ja. |ja, in 
Menge 
u. auch 
in6300° 
auf d. 
Gok- 
tschai. 
— nein. \ja,trifft 
Ende 
Januar 
ein. 
_ Ja. Ja- 
— ja. ja. 
= Ja. in 
Menge. 
_ ja. Ja. 
_ ja- Ja. 
_ Ja- Ja. 
_ nein. | ja. 


46 Verzeichniss der Arten. 
u TUI en Tu nn 
Verbrei- | Bestand 
Bemerkungen über die ne a Ob Ankunft 
Artennamen. Verbreitun inder Ver-| Samm- Stand- ‚m 
S- tikalen. | lung. vogel? | Frühling. 
308. Anser cinereus M. 0—6300.. | 6 Expl.| ja. — 
et W. 
309. Anser segelum J. |Zieht im Oktober bei Tiflis. im Niveau) — nein - 
Fr. Gml. d. Meeres. 
310. Anser  hyperboreus Selten im strengen Winter, dito. — nein _ 
Pall. auf dem Busen von Kisil- 
j z agatsch. 
311. Oygnopsis cygnoides Seltner Hausvogel, nament- 0—6300. | — ja. u 
Pall. und Bastar- | lich Bastarde. 
de mit Anser ci- u 
nereus domestieus. 
312. Oygnus musicus |\Littoral beider Meere, sehr, 0—6300'. | 8 Expl.|- nein. — 
Beehst. gemeim am Westufer des 
Caspi. 
313. Cygnus olor Gmil. |Poti, Lenkoran. lim Niveau 10 Expl.| nein. — 
Id. Meeres. 
314. Vulpanser tadorna \Littoral beider Meere, in 0—6300°. | 8 Expl.|z. Theile. = 
ip: strengen Wintern tiefland- 
’ | einwärts ziehend. 
315. Velpanser rutilaPall. Brütet bis 7000. |0--7000'. | 8 Expl.| z. Theile.| — 
316. Cnirina moschata |Häufiger Hausvogel. Pal- ei ui> = 
yE las inte. wenn er diese! 
r Art als wild an der Sarpa, 
i aufführt. | 
317. Anas boschas L. Brütet an den Seen Hoch-, 0—7000‘.\16 Expl.'z. Theile, _ 
| armeniens und gemein in | zieht thal- 
| den Tieflanden. | wärts. 
318. Anas, Bastard von ‚Am Chvamflusse erlegt. 1100. \ 1 Expl.| nein. — 
Anas boschas d\ 
und Cairina mo- | 
schata ?. | 
319. Chauliodes strepera Im Tieflande winternd. | 06300”. 16 Expl.itheilweise|  — 
| 
320. Chauliodes angusti- Im Caspischen Tieflande. im Niveau 18 Expl.| nein. — 
rostris Menetr. |d. Meeres. 
321. Dafila acuıta L. |Ebendaselbst, in den Süss-| 0—6300'. 114 Expl.theilweise.| — 
| wasserniederungen brü-) 
tend. | | e 
322. Mareca penelope L. Im März bei Tiflis. | 0-6300'. 118 Expl| nein. an vom 
- 7. 
| Bon 
gegen Nor- 
| | den fort. 
323. Cyanopterus quer- Mitte März bei Tiflis auf 0—6300'. 20 Expl| nein. |24. Fehr. 
 quedulus L. demuzuge. 7. März 
en 
- 5. 
| a 
_ viele 
15. Marz 
al 


bei Tiflis. 


Palmipedes. 47 
rhrei- | Bestand : Win- 
Bemerkungen über die Nenn der Ob Ankunft | Abzug Ob tert im 
Artennamen. ? masse Shmme Stand- im im Brut- Tief- 
Verbreitung. tikalen. | lung. vogel? | Frühling. | Herbste. | vogel? ana 
324. Querquedula crecca |Sammt A. boschas bis über) 0—6300'. 118 Expl.|theilweise, _ _ Jja- Ja. 
6300° brütend. zieht thal- 
x wärts. 
325. Rhynchaspis clype- \Brütet in den Gewässern] 0-6300' 18 Expl.itheilweise| — _ ja. in 
ata L. der Vorberge Transkauka-| auf dem zieht thal- Menge. 
N 3 siens und ım Tieflande. Zuge. wärts. BR! 
326. Oidemia fusca Ihr |Wintervogel auf dem Gok-| 0—6300'. _ nein. —_ — nein. ja, sel- 
tschai und ebensowohl ten auf 
neuerdings bei Baku, als dem 
auch bei der Insel Sarij Meere. 
2 2 3 beobachtet. \ \ 
327. Oidemia nigra L. Nach Pallas aufdem Caspi, _ —_ nein. = _ nein. ‚ebenso, 
neuerdings bei Sari, doch 
immer nur auf offenem 
BG. Meere. 4 2 5 R 
328. Undina mersa Pall. Bei Tiflis einmal erlegt, 0—1300.. 22 Expl.| nein. = == nein. | häufig. 
Bl: 5 am Caspi im Winter häufig. e s R 
329. Adthyia ferina L. |Bei Tiflis im Sommer, Gok- 0—6300’. |18 Expl.| nein. = — nein. | häufig, 
DR: tschai, Tiefland im Winter. j i Mi 
330. Adthyia nyroca \Nicht häufig im Central- 0—-6300°. 112 Expl.| nein. — — ja. häufig. 
Güäld. theile Transkaukasiens, 

E 5 ; Goktschai. ER ! e 
331. Fulix eristata Steph. Im Winter häufig, brütet) 06300. 22 Expl.itheilweise| — _ ja. | häufig. 
E & auf den armenischen Seen. : \ 

332. Fulix maria L. Ueberwintert auf dem Gok- 0—6300‘. | 1 Expl.| nein. _ = nein, | selten. 
5 tschai-See und Pontus. 
333. Glaueion clangulaL. Ebenfalls dort im Winter, 0—6300.. 25 Expl.| nein, — — nein. | häufig. 
: und auf beiden Meeren. 5 ; 
334. hen rufinus Auf dem Caspi Standvogel.| 0—-6300°. 130 Expl.| ja. = ine Ja. or 
all. “ 
339. Harelda glacialis |Caspi im Winter. im Niveau — nein — _ nein. | jahr- 
: ‘ d. Meeres. weise, 
336. Mergus serrator L. Seltener als merganser, brü-|0—6300%, | 1 Expl.. nein, — _ ja. | nein, 
tet in 3—4000° an grös- 
seren Gebirgsbächen und 
am Goktschai. : 
331. Mergus merganser Im Küstengebiete beider) 0—-2000..| 8 Exp. — — = ? Ja. 
: Meere im Winter häufig; 
auch bei Tiflis, . 3 
338. Mergellus albellus \Wintert, auch alte Männ-' 0—-6300’. 20 Expl.| nein. _ — ja. | a 
16% | chen. 
Subordo II. Totipalmae. 
339. Phalacrocorax carbo Einzeln bis hoch im Ge-| 06500. 18 Expl.| zum u - ja. in 
15% birge.. Grosse Brutcolo- grössten grosser 
nien im Südwestwinkel Theile, Menge. 
des Caspi. zieht thal- 
wärts. h 
340. Phalacrocorax pyg- Nicht selten im Küsten-| 01300. |14 Expl.| zum = = ja. | 
moeus Pall. gebiete des Caspı. grössten 
Theile. 
341. Pelecanus crispus \Die gemeinste Art auf dem 0--6400'. \14 Expl.! zum _ — ja. | in 
Bruch. Caspi, oft tief landeinwärts grössten Menge. 
wandernd. Theile, 
zieht thal- 
o wärts. ö 9 
342. Pelecamus onocrota- |Auf dem Schwarzen Meere! 0—3000%. | 2 Expl.| ebenso. _ = Ja. Ja. 
lus L. prädommirend. 
343. Pelecanus minor Sechs Exemplare vom mitt-! 0—-3000%. | 6 Expl.| ebenso. _ —_ ja. | 3a. 


Riüpp. 


leren Alasan und Caspi. 


48 Verzeichniss der Arten. 

Verbrei- | Bestand Vin- 

Br Bemerkungen über die Kinesznl en u Ankunft | Abzug Er Rn, 
'tennamen. E 5 Ar & and- im im rut- me 
Verbreitung. yet en vogel? | Frühling. | Herbste: ne En 

Subordo III. Longipennae. 

344. Larus argentatus |\Grosse Brutcolonie auf der, 0—6300‘. 131 Expl.'zum Thei- — — ja. in 
Brünn. typ. et var. Insel Sari. le, zieht Menge. 
minor. — leucophae- thalwärts. 
us Lichst., var. ca- 
chinnans Pall. 

345. Larus camus L. Littoral beider Meere. 0—7400°.|15 Expl.zum Thei-) — _ | 

le, zieht 
thalwärts. 

346. Larus Iridactylus L. Seltener Wintervogel aufimNiveau — ? _ — ? ? 

beiden Meeren. ‚d. Meeres. 

347. Larus marinus L. |Nach Pallas auf dem dito. — ? _ — ? ? 

: Caspi. 

348. Ohroicocephahıs ich- \Caspi, im strengen Winter 0-1300'. 133 Expl.| ja. _ _ ja | ja 
Ihyaötus Pall. tief Jandeinwärts. 

349. Chroicocephahıs ri- Nicht sehr häufig auf dem 0—6300‘. 116 Expl. zum Thei- —_ _ ja. Ja. 
dibundus L Caspı, auf den armenischen | le, zieht 

Sr Seen. thalwärts. 

350. Ohroicocephalus mi- Im Frühjahre bei Lenkoran. im Niveau — nein. Mitte _ nein. | nein 
nulus Pall. ‚4. Meeres. April. 

351. Chroicocephalus ge- |Viel seltener als die Lach-|) dito. | 1 Expl. ? - _ ? ja. 
lastes Lichst. move. 

352. Sylochelidon caspia |Littoral beider Meere, häu-) dito. [12 Expl.|z. Theile.) -— — ja. | ja. 
Pall. figer am Caspi. 

353. Gelichelidon anglica Selten am Caspi. dit. |1Espl.| ? _ _ ? 2 
Mont. 

354. Actochelidon canti- Häufig bei Lenkoran. dit. | 8 Expl. ? _ = ja. | nein. 
aca Gml. 

355. Sierna hirundo L. |Nicht sehr gemein bei Len- 0—6300'. “24 Expl.|. nein. nl _ ja. | nein. 

koran. Am Goktschai. GH nn i 
Lenkoran. 
356. Sterma minuta L. \Ebendaselbst, häufig amjim Niveau 6 Expl.- ? = _ ja. | nein 
Meere. |d. Meeres. 

357. Hydrochelidon hy- Nicht selten bei Lenkoran.| dito. |IEp.l ? | — _ ? | nein 
brida Pall. 

358. Hydrochelidon nigra |Ebenso. 0—6300°.| 3 Expl. nein. — 23.August.| ja. | nein. 
Briss. | 4. Septbr. 

359. Hydrochelidon fis- Ebenso, oft. tief landein- 0—2000‘.| 2 Expl.| nein. ? 2 2 | nein. 
sipes Pall. wärts mit der vorigen] 

ziehend. 

360. Puffinmus anglorum |Nach v. Nordmann aufim Niveau) — ? — — ? | nein, 
Temm.. dem Pontus. d. Meeres. 

Subordo IV. Urinatores. 

361. Podiceps cristatus L. Schr gemein im Winter auf) 06300. 22 Expl.z. Theile.) — _ ja. | j% 

beiden Meeren. häufig. 

362. Podiceps rubricollis \Bei Baku im Sommer. 0—2000.. | 1 Expl.| nein. — —_ ? | nein. 
Lath. 

363. Podiceps cornutus \Caspi. im Niveau — 2 — — = ? 
Lath. d. Meeres. - 


* Palmipedes. 49 
Verbrei- | Bestand 2 Win- 
Bemerkungen über die one ae Q Ob Ankunft) Abzug Ob an 
Artennamen, a in.der Ver-| Samm- | Ptand- er our ER ne 
Verbreitung. i tikalen. | lung. vogel? | Frühling. | Herbste. |vogel? lande? 
364. Podiceps aunitus |Bei Tiflis im November, 0—6300‘. 21 Exp. ? _ _ ? ? 
Lath. am Goktschai. 
365. Podiceps minor Auch oft auf Süsswasser. |0—2000°. 20 Expl.| nein. _ _ ja. in 
Lath. Menge. 
366. Colymbus arcticus Einmal als Sommervogelim Niveau) 3 Expl.| wahr- _ _ 2% 
IB auf dem Caspi erlest. d. Meeres. scheinlich, 
: wenig- 
stens ein- 
zelne 
367. Colymbus septentri im Wi NL 
. Dorymous Septenirv- Häufig im Winter auf dem| dito. = ? _ —_ ? ja- 


onalis L. 


Schwarzen Meere. 


Gesammtzahl 4106 Exemplare in 367 Species mit 66 Varietäten. 


Badde, Ornis eaucasica, 


Rapaces. 51 


Ordo 1. 


hapaces. 


Allgemeine Vorbemerkungen. 


Die kaukasische Vogelwelt weist nach meinen Untersuchungen auf: 
42 Raubvögel-Arten mit 4 Varietäten, 
von denen 
35 zu den Tagraubvögeln und 7 zu den Eulen gehören. 


Bei speziellerer Betrachtung der Liste, welche die Arten mit Angabe ihres Vor- 
kommens und ihrer Verbreitung in der Vertikal-Richtung aufführt, wird man sich bald 
davon überzeugen, dass dem kaukasischen Isthmus mit Einschluss der weiten Steppen, 
die sich im Norden des Grossen Kaukasus hindehnen, nicht nur keine einzige eigen- 
thümliche Raubvogelart angehört, sondern ihm auch die wenigen charakteristischen 
mediterranen Formen, wie sie unter den Adlern durch Aguila rapax und Ag. Adalbert, 
unter den Falken durch Fulco concolor, F. Feldeggi und Elamus melamopterus veprä- 
sentirt werden, fehlen. Wir haben es also in diesem Theile des südöstlichen Europas 
und Vorderasiens mit einer, im Wesentlichen, centraleuropäischen Raubvogel-Ornis zu 
thun, in welcher die den Osten so gut charakterisirenden Valturiden in den vier euro- 
päischen Formen stark vertreten sind und von den ächten Edelfalken, namentlich als 
heranziehende Räuber aus hohem Norden, Wander- und Würgfalke und der kleine Merlin 
für die Wintersaison erscheinen. Hochpersien gegenüber stellt sich diese Raubvogelzahl 
immerhin als bedeutend heraus: denn, wenn wir aus den durch Blanford in seinem Werke 
„Eastern Persia“ aufgeführten 42 Rapaces die nur in Beludshistan beobachteten Species, 
d. h. die Nordafrikaner und die Südasiaten (Indier), ausschliessen, so bleiben uns dort 
für Hochiran von den Fulconiden nur 23 Arten und für die Eulen 6, während die Vxl- 
Zuriden mit Einschluss von Gypaetos barbatus, beiden Faunengebieten in ihren 4 Arten 
gemeinsam zukommen. Die Tagraubvögel sind demnach im -Kaukasus artlich reich ver- 
treten, und was die Anzahl der Individuen anbelangt, so darf man Gleiches, wenigstens 
für viele Lokalitäten, behaupten. Zunächst ist das Heer der drei Varltur-Arten, bis in 
Meereshöhen von 10—12000‘ lebend und oft weit ausschweifend Pen Nahrungs- 


52 Rapaces. 


wanderungen, fast allen Zonen eigen. Nur vom dichten Hochwalde bleiben diese Vögel 
ausgeschlossen, da ihr scharfes Gesicht auf der Suche hier kein freies Feld findet. Aber, 
begonnen von der hochalpinen Wiese, selbst da, wo in 11000° über dem Meere der zu- 
sammenhängende Vegetationsrasen nicht mehr möglich ist, und das Schaf des Kurden 
nur die zarten, aromatischen Zwergkräuter abnagt, bis zur caspischen Wüste, welche 
noch 80° unter dem Niveau des Meeres liegt, beherrschen diese Vögel überall das 
Gebiet, wo es vor ihren Blicken frei liest. Der Lämmergeier, in seiner Lebensweise ein 
ächter Valturide und an vielen Lokalitäten, namentlich im Kleinen Kaukasus, ein 
häufiger Vogel, begiebt sich in die hochalpine Region nur, wenn er sucht und dann 
hoch in der Luft seine Spiralen schraubt, darf aber nicht als ein beständiger Bewohner 
der höchsten Gebirgszone betrachtet werden. Er hat mehr Neigung, die Waldzone zu 
besuchen, doch fehlt er keinesweges der sonnenverbrannten Wüste, sobald diese nur 
von ansehnlichen, kahlen und zerklüfteten Gebirgszügen bestanden ist. 

Im Hinblicke auf die Falconiden im engeren Sinne bleibt es für die Kaukasus- 
Länder eine interessante Thatsache, dass die grossen Edelfalken (mit Ausnahme der 
arktischen) den ziehenden Gänsen und Enten folgen und dass die Vögel, welche im 
Sommer die Tundern an den Mündungen des Ob und Jenisei bewohnen, im Winter 
unter dem 39° n. B. sich an den Anatiden mästen, die in ungeheuren Schaaren 
das Talyscher Tiefland mit seinen nahrungsreichen Süsswasserniederungen besuchen und 
hier gemeinsame Winterrast halten. Selbst der kleine aber verhältnissmässig stärkste 
und verwegenste Merlin-Falke legt die Winterreise von N.O. nach S.W. zum Winkel 
des Caspi zurück und schlägt selbst die Kriekente im Fluge, nicht selten vor dem Ge- 
wehre des Jägers. Dieser wunderbare Reichthum an Wassergeflügel, dem die starken 
Räuber folgen, verschwindet oft schon im März, wenn das Gras der Triften zu spriessen 
beginnt und die Knospen der Weiden zum Bersten schwellen; wenn der Sperling seine 
eifersüchtigen Kämpfe um die Weibchen führt und lustige Staarenschaaren im vollen 
Sonnenscheine hoch in den Pyramiden-Pappeln von Lenkoran sitzen und mit halbge- 
spreizten Flügeln ihr Plappern beginnen. 

Nur einer der kleineren Falken dieser Gruppe ist, wenigstens zum Theile, sess- 
haft und zwar ebensogut in den Ebenen im Niveau des Meeres, wie auch auf den Hoch- 
steppen Armeniens, ebensogut in der Stadt, als auch in den grössten Einsamkeiten 
menschenleerer Landschaft. Dies ist der Thurmfalke, der von allen seinen Geschlechts- 
genossen am allerwenigsten wählerisch in-Bezug auf seinen Aufenthaltsort ist. 

Unserem Verzeichnisse folgend mache ich zunächst über den Fisch-Aar und See- 
adler einige allgemeine Mittheilungen. Auch sie repräsentiren vorwaltend die beiden 
europäischen Formen und dominiren vollständig über die eine östliche, nämlich über 
Haliaetos leucoryphus, welcher am Westufer des Caspi, soweit ich dasselbe kenne, ein 
seltener Vogel ist. Sein naher Verwandter, der Seeadler, ist dagegen um so gemeiner, 
bald Standvogel in der heissen Zone, bald Sommervogel an den Seeen Hocharmeniens» 
hier die Flüsse aufwärts wandernd und im schattigen Hochwalde nahe von ihnen 
das Nest bauend; dort hoch auf abgetrockneter Spitze der riesigen Quercus castameae- 
folia am Rande des Talyscher Urwaldes es anlegend und von dort weitausschauend über 
die Ebene zum Meere; hier den angeschossenen Hasen, der dem Jäger entkam, fort- 
schleppend auf die unbewohnte Insel im Caspi, dort nahe unterhalb der Stadt an der 
Kura sitzend und auf Auswurf wartend, den die Fluthen reichlich bringen. Ihm ähnlich 


Rapaces. 53 


lebt der Fisch-Aar, allein die beschränkte Wahl seiner Nahrung, die er sich stets 
selbst lebendig holt, verleiht ihm einen bei weitem edleren, an die Adler erinnernden, 
Charakter. 

Die ächten Adler sind in einigen Arten im Kaukasus reichlich vertreten und 
zwar gilt das namentlich vom Schölladler, Ag. clanga, während der Winterzeit in den 
Tiefländern. Die grossen Edeladler sind überall selten und so auch hier. Von ihnen 
ist Ag. chrysaötos am schwersten zu beschaffen. Ag. üÜmperialis ist ungleich häufiger; 
er, der lebhafteste und muthigste von allen, jener ernst, still, träge, wenigstens in der 
Gefangenschaft. Als wirklichen Zugvogel kenne ich von den Adlerın im Kaukasus nur 
den Zwergadler, Ag. pennata; alle anderen Arten brüten im Lande, zum grössten Theile 
in den bewaldeten Vorbergen des Hauptgebirges. 

An den Bussarden unseres Landes wird gewiss noch manch’ speciesbedürftiger 
Jünger der Ornithologie seinen Schöpfungstrieb befriedigen können. Auch ich hätte 
das gekonnt, aber jener Trieb fehlt mir dazu. Will man consequent sein, so muss man 
ebensogut von Buteo vulgaris wie auch von B. tachardus aus den Vögeln eines Nestes 
zwei, im günstigen Falle drei Arten machen, denn die Farbenvarietäten finden sich 
nicht selten in ein und demselben Gelege. Will man andererseits gerecht sein und in 
diesem Chaos von Variation in Zeichnung und Färbung sich orientiren, so sorgt man 
zuerst für möglichst grosse Suiten von Exemplaren der betreffenden Art, womöglich aus 
allen Jahreszeiten und verschiedenen Altern in beiden Geschlechtern. Die lest man 
nebeneinander, fängt mit dem hellsten an und baut sich die Reihe auf bis zum 
dunkelsten, so findet man dann ganz von selbst die verbindenden Uebergänge. Ist dies 
geschehen, so wird es im Kopfe klarer und man kommt gewöhnlich zu einem befrie- 
digenden Resultate, welches freilich nicht Jedermann behagt und wofür man gelegentlich 
mehr oder weniger höflich kritisirt wird. Das thut nichts. Wenn man nach gewissen- 
hafter Arbeit sich eine feste Ueberzeugung erstrebt, so liegt hierin der Werth für die 
Mühe, und wenn dieses Resultat den Betreffenden in den Stand setzt, sich vom Einzelnen, 
Geringfügigen, oft Kleinlichen zu erheben und den Blick dem Ganzen zuzuwenden, 
und sich, wenn auch nur in der Ahnung, einer gewissen Gesetzlichkeit in den variirenden 
Erscheinungen zu erfreuen, so ist das mehr werth (nach meiner Ueberzeugung), als 
der Taufvater einer neuen Species geworden zu sein, die, wenn sie sprechen könnte, 
gewiss über ihre Herkunft Mittheilungen machen würde, welche den Taufactus zurück- 
weisen müssten. s 

Mit Buteo tachardus ist es mir also ergangen. Bis jetzt hat wohl Niemand so 
viele kaukasische Exemplare dieser sehr variirenden Art vor sich gehabt. Sie läuft in 
ihrer Veränderlichkeit dem gemeinen Bussarde ganz parallel. Dieser ist hier zu Lande 
selten und kenne ich ihn nur als Zugvogel; noch seltener als Wintergast erscheint der 
Rauhfussbussard in Transkaukasien, während im grossen B. ferox wieder ein östliches 
asiatisches Element der kaukasischen Ornis sich zugesellt, freilich auch nur zeitweise. 

Diesen im Systeme sich anschliessend, ist der Wespenbussard hier zu Lande 
aur selten anzutreffen, und von den Milanen bleibt die Gabelweihe (Melvus regalis), die 
ich nur als Zugvogel kennen lernte, eine grosse Rarität in den östlichen Gebieten. 
Dagegen ist der schwarze Milan ein immerhin hier noch häufiger Sommervogel, dessen 
Hauptmassen sich indessen nördlicher von West nach Ost etwa in den Breiten von 
Moskau bis Charkow durch Osteuropa und ganz Asien verbreiten. 


54 Rapaces. — Vultur cinereus. 


Das unedle Raubzeug der Hühnerhabichte uud namentlich der Sperber ist über 
das ganze Land verbreitet und erstrebt in der Vertikalen die Höhe von 6—7000'. Aus 
ihnen wird für die Falkenjagd, welche im Lande, namentlich bei den Muselmännern, 
noch sehr im Schwunge ist, alljährlich eine bedeutende Anzahl von Vögeln gewählt 
und die jungen Weibchen zum Abrichten bevorzugt. 

Endlich sind die vier europäischen Weihenarten an geeigueten Lokalitäten 
gemeine Vögel, aber vergebens sucht man, selbst in den südöstlichen Gegenden des 
Kaukasus, den indischen Strrgiceps melanoleucos Gml. 

An Eulen sind die Kaukasusländer arm. Alle nordischen Elemente dieser 
Gruppe fehlen. Wir suchen vergebens nach den stattlichen Syrnium-Arten, wie sie der 
Osten und Norden Russlands besitzt. Bei einer Aıt, dem Waldkauze, Syrmium alıco, 
bringt sich wieder auf's Deutlichste die Thatsache zur Geltung, dass die braunen Farben 
gegen Südosten hin an Intensität und stark rostiger Beimischung gewinnen. Den 
Massenderan’schen Waldkauz könnte man etwa als S. fulgens artlich trennen, wenn 
nicht auch hier vermittelnde Uebergänge im Kolorit vorlägen. Auch der Zahl nach 
treten die Eulen entschieden im gesammten Raubzeugvolke sehr zurück. Am allge- 
meinsten und am weitesten verbreitet ist im Kaukasus der Uhu. 

Der Vollständigkeit halber gebe ich hier übersichtlich die numerischen Werthe der 
Raubvögel-Species für die drei Nachbarfaunen, die Kaukasische, die Persische und die 
Turkestansche: 


Rapaces. 
Kaukasus. Persien. Turkestan. 
Vltunidae (mit Gypaätos) 4 4 7, 
davon 2 neue eigene 
Arten. 
Falconidae (mit Pandion) Sl 30, 334 
davon 6nichtim Kau- davon ein Adler fraglich 
kasus, zum Theile als Art. 
südasiatische. 
Strigidae 7 Ü 9) 
S. meridionalis getrennt. 
42 41 49 Arten. 


1. Vultur einereus Gml. 


Russisch: 7sehernobury Grif d. h. Schwarzbrauner Geier. 
ersisch: Ohusgun, Kusgun. " 

Tatarisch (= Gyps fulvus): Kütschälä Kerges und Chusgun. 

sch: Swawi, welcher Name für alle Geier gilt. 

Armenisch: Kortsch, oder auch wie Gyps fuleus: Baskuisch. 


Systematisches. 
Vom grauen Geier wurden fünf Exemplare aufgestellt und drei lebendig gehalten. 
Ueber die Kleider dieser Vögel habe ich keine Mittheilungen zu machen. Einer der- 
selben ist nicht älter als zwei Jahre und durchweg etwas heller und fahler braun 
gefärbt als die übrigen. Die anderen sind alte Exemplare, M. und W. Sie stammen 
alle aus den Umgegenden von Tiflis, namentlich thalabwärts am rechten Kura-Ufer und 
aus dem Karagas-Gebiete. 


Vultur einereus. — Gyps fulvas. 55 


Lebensweise und Verbreitung. 


Ungleich seltener als die folgende Art und nie in grösserer Zahl beisammen, 
ist der Kuttengeier im Kaukasus. Ueberdies kenne ich ihn nur aus den tiefer gelegenen 
Gebieten und habe ihn auf dem westlichen Armenischen Hochlande nicht gesehen, wo 
der Gänsegeier, wie wir wissen, durchaus nicht selten ist. Blanford*) weist ihn mit 
Sicherheit für die Elburskette nach und vermuthet, ihn noch bei Schiras gesehen zu 
haben. Im Sommer lebt er auch im Suant-gau und steigt namentlich im Frühlinge 
sammt dem Gänsegeier thalabwärts in die Mugan-Steppe. In den Talyscher Niederungen 
erscheint er nur gelegentlich und selten im Winter. Dagegen beobachtete ich ihn in 
der Uferkette des Caspı bei Derbent und im Kubaschen Kreise im Frühlinge ab und zu. 
Häufig ist er im Karabagher Meridianstocke und zielit von dort ab und zu zum Gok- 
tschai-See. Bogdanow **) führt ihn für die gesammte Hochgebirgszone des Grossen 
Kaukasus an, womit meine Erfahrungen nicht- übereinstimmen. Dass er bäumt und 
namentlich auf Bäumen nistet, kann ich bestätigen. Vierzig Werste flussabwärts von 
Tiflis im Rura-Thale sind Horste in den Hochwäldern von Karagas und von dorther 
stammen auch zwei Exemplare des Museums. Der Vogel ist dort entschieden Stand- 
vogel, macht aber, wie alle Geier, oft weite Ausflüge, um Nahrung zu suchen. Er 
gehört also der heissen Zone im Sommer an. Im November 1878 wurde abwärts der 
Kura von Tiflis, an dem ergiebigsten Geierplatze bei der Poststation S’aganlug, ein 
junger, noch nicht ganz ausgewachsener Vogel vom Fürsten Woronzow-Daschkow 
erlegt. Bei dieser Station überwintern stets mehrere Paare dieser Geierart. Am Morgen, 
wenn sie satt sind, ruhen sie dann, je zu zweien, auf den nahen Felsen des rechten 
Kura-Ufers. Seit dreizehn Jahren lebt bei mir ein Mönchsgeier in der grossen Adler-Voliere. 
Er hat sich seit der Aufnahme in das geräumige Gefängniss durchaus in keiner. Weise 
geändert. Mit Niemandem, selbst nicht mit den ihm so nahe verwandten Gänsegeiern, 
schloss er Freundschaft, wohl aber mag er den alten Lämmergeier nicht leiden und diese 
Abneigung wird von Jenem erwidert. Der Kuttengeier ist phlegmatisch, bleibt meistens 
am Boden, hockt stundenlang auf den Läufen, lässt sich durch nichts beirren und bleibt 
in der sonst so lebhaften Gesellschaft meiner grossen Tagraubvögel ganz uninteressirt 
und theilnahmlos. An beiden Fusswurzeln ist das in Rede stehende Exemplar leidend; 
wahrscheinlich, weil es in der ersten Zeit seiner Gefangenschaft auf breiten, flachen 
Dielen nächtigen musste. Es bildeten sich an den Zehenwurzeln eiternde Geschwülste, 
die jetzt verhärtet sind, den Vogel aber doch geniren. Nächst dem Bartgeier liebt der 
Kuttengeier von allen meinen Gefangenen das Wasser am meisten und sitzt nach dem 
Bade, am ganzen Leibe zitternd, mit halbgesperrten Flügeln zum Abtrocknen stille. 


2. Gyps fulvus Briss. 
Russisch: Bjelogolowy Grif — Weissköpfiger Geier. 
Persisch: Lash-Khor. 
Tatarisch: Kätschälä Kerges — Kahlköpfiger Geier. 
Grusinisch: wie die vorstehende Art. 
Armenisch: Baskutsch. 


*) Eastern Persia, Vol. D. pag. 99. 
**) Die Vögel des Kaukasus (russisch), pag. 34. 


56 Gyps fulvus. 


Systematisches. 


Sechs ausgestopfte und vier lebende Exemplare besitze ich, sie stammen alle 
aus den Umgegenden von Tiflis; einen Vogel erhielt ich aus Elisabethpol. Es ist seit 
Gloger’s Zeiten über die Formenveränderungen der Federn in den verschiedenen Altern 
dieser Art genug geschrieben worden, so dass ich in dieser Hinsicht nichts Neues mit- 
theilen kann. In Bezug auf die Farbenvarietäten muss ich bemerken, dass die trans- 
kaukasischen Exemplare gewöhnlich auf der oberen Körperseite im gesammten Klein- 
gefieder, zumal auf den Flügeln, mehr in’s Graue, als in’s Hellbraune ziehen. Auf der 
unteren Seite sind sie stets dunkler gefärbt. Doch ist mir niemals ein Vogel von dem 
Kolorit der Tafel 338 Naumann’s vorgekommen. Die in der Gefangenschaft seit 4 
Jahren bei mir lebenden Gänsegeier tragen noch die langen, schmalen flatternden 
Federn hinten an der Halshasis. Länger als 4 Jahre konnte ich die Vögel nicht er- 
halten, habe aber im Verlaufe von 18 Jahren ein Dutzend Exemplare dieser Art 
gehabt. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Gleich dem aegyptischen Aasgeier verlässt auch diese Art zum Winter die 
höher gelegenen Gebirge und begiebt sich in die Vorberge und Ebenen. In der Kamm- 
region des Grossen Kaukasus sah ich diesen Geier ebensowenig, als die vorige und die 
folgende Art. Diese Zone gehört, wenigstens besuchsweise, mehr den grossen Adlern 
an, denn auch der Lämmergeier ist hier zu Lande dort jedenfalls selten. Bogdanow*) 
hat ihn aber im Grossen Kaukasus ungemein hoch über dem 7000° hoch gelegenen 
Esen-am-See beobachtet. Schon Ende Februar, aber sicherlich im März beobachtet 
man bei Tiflis fast alltäglich, zumal bei klarem Wetter, grosse Gesellschaften brauner 
Gänsegeier, hoch in der Luft die bekannten Schraubenlinien ziehend und dabei allmählich 
die Richtung gegen Norden zum Gebirge verfolgend. Lange tummeln sich am Vor- 
mittage diese Gesellschaften, nicht selten so hoch in der Luft, dass man sie kaum 
sehen kann, über der Ebene von Digom. An vielen Stellen des gesammten unteren 
Kuralaufes, welcher mit dem Eintritt in die Ebenen schon unterhalb von Tiflis beginnt, 
ist der Gänsegeier zeitweise gemein. Man kann am Aase 20—30 Exemplare antreffen. 
Doch hängt das wesentlich vom Wetter und oft vom Zufall ab. Liegt irgendwo Aas, 
so erscheinen die Geier sehr bald und verschwinden wieder, nachdem es verzehrt wurde. 
Ist der Winter warm, so sind die Geier in den Tiefländern seltener. Im November 
1879 sah ich am unteren Kuralaufe keine und selbst in der Küstenzone des Caspi, im 
Talyscher Gebiete, welches um diese Zeit ausserordentlich reich an jedwedem Geflügel- 
Aase ist, fehlten die drei Geierarten gänzlich. Sie halten sich vornehmlich in der 
Nähe der Nomaden-Niederlassungen auf, wohl wissend, dass ihnen hier ab und zu 
grosses Aas zur Beute wird. Am Goktschai-See gehört diese Art zu den Seltenheiten, 
die nur ab und zu erscheinen, dafür aber ist sie im heissen tiefgelegenen Araxes-Thale 
häufig anzutreffen. Am 5/17. August 1874, als ich am Kraterrande des 12000‘ hoch 
gelegenen Bin-göl-dagh arbeitete, wurden viele Gänsegeier und auch einige Lämmer- 
geier von den hohen Lava-Steilabstürzen der inneren Kraterwand aufgescheucht, strichen 


*) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 35. Nr. 3. 


Gyps fulvus, — Neophron perenopterus. 57 


gegen Osten ab und placirten sich ohne jegliche Scheu nahe von einem Kurden, der 
hier in den alpinen, menschenleeren Einöden im Quelllande des Aras seine Heerden 
weiden liess. De Filippi*) führt den Gänsegeier als häufig am Demavend auf und 
Blanford **) erzählt von seinem Vorkommen auf grossen Höhen, wenn auch nur um 
dort seine Beute zu fressen. Ebenso spricht Bogdanow ***) von dieser Art, die er im 
Hochgebirge des Grossen Kaukasus beobachtete. Im Suant-Gau habe ich ihn ermittelt. 
Er ist dort stationär und zieht weit in die Mugan-Steppe auf Beute aus. Es ist auf- 
fallend, dass M&ndtries in seinem Catalogue raisonn& den Vogel gar nicht erwähnt, 
doch findet dies darin seine Erklärung, dass jener Reisende vornehmlich im caspischen 
Tieflande arbeitete. Kahle, steinige Gegenden, bisweilen auch offene Steppen sind für 
diese Art die geeignetsten Plätze; dass sie die waldbedeckten Gegenden des Rionsystems 
häufig frequentirt, glaube ich nicht. Dagegen sind die Gänsegeier in den Vorbergen 
des östlichen Dagestan von Chassaw-Jurt bis Derbent häufig. 

Sehr zahm sind meine Gänsegeier in der Gefangenschaft, auch leben sie friedlich 
mit allen ihren Genossen, was man vom Kuttengeier nicht sagen kann. Sie sind sehr 
neugierig, kennen mich genau, kommen herangeflogen, wenn ich zum Gitter trete, und 
spielen mit Allem, was man ihnen vorhält. Was irgendwie von den Pilanzungen bei 
der Voliere erreichbar ist, wird von diesen Geiern abgerissen. Nordmannf) erzählt 
über die Zähmung des Gänsegeiers einen interessanten Fall von der Stadt Taganıog aus 
den dreissiger Jahren. Unsere Erfahrungen an diesem Vogel im Gefangenleben wider- 
sprechen also wenigstens theilweise denen Brehm’s jr), welcher nur wenige Beispiele 
zahmer Gänsegeier kennt. Oft fressen meine vier Exemplare von einem Stücke Lunge 
oder Fleisch und, kommen sie dann an die Luftröhre, so beginnt sicherlich der Streit, 
doch in wirklich merkwürdig gutmüthiger Weise. Man zieht und zaust so gut es geht, 
ab und zu erschallt ein heiseres kurzes Krächzen, ein Sträuben der Halsfedern, und 
endlich bleibt emem von den vieren die Beute. Nicht selten pflegen diese Vögel, ge- 
müthlich nebeneinander sitzend, gegenseitig ihr Gefieder, was ihnen sehr zu behagen 
scheint. Während des heissen Sommers schwellen den in der Gefangenschaft lebenden 
Geiern die Füsse stark an. Gewöhnlich fallen die Geschwülste zum Herbste wieder 
etwas ab. Die meisten meiner Geier gingen indessen an dergleichen zu Grunde, in 
Folge von Entzündungen und Vereiterungen. 


3. Neophron percnopterus L. 
Russisch: Sterwjatnik. 
Tatarisch: Kusyum, eine eigentlich dem Kuttengeier »zukommende Benennung. 
Systematisches. 
Acht junge und alte Vögel lebten im Verlaufe von 15 Jahren in den Volieren. 
Drei andere wurden für das Museum aufgestellt. Ich habe in der grossen Raubvogel- 
voliere stets einige Exemplare dieser Art gehalten. Sie wurden mir immer als junge 


*) De Filippi, Viaggio in Persia, s. Bericht von Hermann Schalow im Journal für Ormitho- 
logie, 1876, pag. 175. 
**) Eastern Persia, 1. c. pag. 100. 
**”) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 35. 
7) Demidow, Voyage dans la Russie meridionale. Tome III, pag. 77. 
r) Thierleben, neue Auflage Bd. V, pag. 39. 


Badde, Ornis caucasica. 8 


58 Neophron perenopterus. 


Vögel gebracht. Sie vermausern sich in der Gefangenschaft vom Jugend- in das aus-- 
gefärbte Alterskleid erst nach Verlauf von 4—5 Jahren; tragen im zweiten Jahre ein 
braungeschecktes, mit vielen Federn des verblichenen Jugendkleides bestandenes, Ge- 
fieder; werden im dritten stark weissfleckig und dann immer reiner und weisser. Doch 
bringt erst hohes Alter die reine weisse Farbe des kleinen Gefieders zu Stande. 
Vierjährige, jetzt in der Gefangenschaft bei mir lebende, Exemplare haben zwar kein 
Braun mehr, aber die Gesammtfarbe des Gefieders ist immer noch schmutzig getrübt. 
Wie bei allen grösseren Raubvögeln, so ist auch bei dieser Art die Mauser eine par- 
tielle, aber fast beständige. Bei ganz alten Vögeln wird das zerschlissene Kleid des- 
Kopfes und Halses licht gelbweiss. Die Farbe der Tarsen und Zehen ist in- der That 
bei alten Vögeln, wie Pallas richtig angiebt, schmutzig fleischfarben und nicht gelb. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Ueber das Vorkommen des aegyptischen Schmutzgeiers an der Nordseite des- 
Grossen Kaukasus liegen erst aus neuester Zeit bestimmte Facta vor. Bogdanow (|. c. 
“ pag. 36) führt ihn vom Terek an. Ich fand ihn in den kahlen, zerrissenen Vorbergen 
des östlichen Dagestan im April und Mai; schon 100 Werste nördlich von Baku lebte 
er in den Ufergebirgen des Caspi. Von Derbent her ist er durch den General Ko- 
marow mir namhaft gemacht worden, aus Baku führt ihn Mänätries*) an. Es ist 
wohl mit Sicherheit anzunehmen, dass, da er schon von Pallas**), von Nordmann***), 
von mir und von Schmidt in der Krimm, wenn auch als Seltenheit, nachgewiesen wurde, 
er dem Kuban-Gebiete ebenfalls nicht fehle. Doch meidet er entschieden die offenen, 
weit gedehnten Steppen und zieht hochhügelige, trockene, wo möglich stark zerklüftete, 
kahle Gegenden zum Aufenthalte vor. In Transkaukasien wird er um so häufiger, je 
weiter man dort gegen Süden kommt, und ist im Thale des Aras an einzelnen Lokali- 
täten gemein. So traf ich ihn gesellschäftlich lebend bei der Stadt Nachitschewan, 
unweit von der persischen Grenze, wo er auf den Schlachtplätzen, gleich südlich von 
der Stadt, mitten unter den tatarischen Fleischern und Hunden, ohne jegliche Furcht: 
sein Handwerk betrieb und die Eingeweide der Schafe wahrhaft zutraulich aus den 
Bauchhöhlen zog, während man die Thiere noch enthäutete. Bekanntlich wurde diese 
Art im grauesten Alterthum in Aegypten hoch verehrt und es muss sich ein Rest dieser 
Verehrung in der gesammten mohamedanischen Bevölkerung des Orientes bis auf den 
heutigen Tag erhalten haben, da die Muselmänner dem Vogel nichts thun. Nur in Ge- 
genden mit exclusiv mohamedanischer Bevölkerung fand ich den Vogel so zahm; ander- 
weitig war er scheu. De Filippif) und Blanfordjr) weisen ihn beide für Persien 
nach, Letzterer zumal für den südlichen Theil. Im Talyscher Tieflande gehört er zu den 
Seltenheiten, im benachbarten bergigen Suant-Gau aber ist er häufig und wechselt, 
nach Beute suchend, namentlich weit in die Mugan aus. Die Mittheilungen Mens-- 


*) Catalogue raisonne, pag. 27. 
**) Zoographia r. as. T. I, pag. 377. 
==) Demidow, Voyage dans la Russie meridionale etc. Tome III, pag. 74. 
7) De Filippi, Viaggio etc. Journ. für Ornithol., 1876, Heft II, pag. 175. 
r) Easteın Persia, an account of the journeys of the Persian boundary commission, by W. T.. 
Blanford. = 


Neophron perenopterus. — Gypa&tos barbatus. 59 


birs*) über das Vorkommen dieser Art am Caspi, welche auf Eversmann’s Angaben 
basirt sind, werden durch meine Facta rectificirtt. Meine Beobachtungen über das 
Fortziehen der Aasgeier im Kaukasus stellen sich zwischen die, welche Brehm in 
‚Spanien und Krüper**) in Griechenland machten; denn im Kaukasus verlässt diese 
Art zum Winter die höheren Gebirgsgegenden, bleibt aber, wenn auch nur in vereinzelten 
Paaren, in den Tiefländern und natürlich am liebsten nahe den Winterweiden der grossen 
Schafheerden. Jedenfalls ziehen viele aber auch ganz fort. Genau wie Krüper (l. c.) 
es angiebt, findet die Rückkehr auch bei uns Ende März statt. Was die Vertikal-Ver- 
breitung dieser Art anbelangt, so können wir sie zuversichtlich vom Niveau des Meeres 
bis zu 12000‘ Höhe angeben. Als ich Mitte Juli 1874 den nördlichen Taurus im Osten 
von Erzerum passirte, wurden Neophron, Oircus cyaneus und Milvus ater auf den Höhen 
dieses Gebirges im Gebiete der Festuca- und Stipa-Hochsteppen angetroffen (über 10000‘) 
und am Fusse des Bin-göl-dash-Kraters, wo wir über 11000‘ hoch nächtigten, lebte der 
Vogel ebenfalls. Bei Chnis-Kala beobachtete ich ihn auch. Bei Tiflis wird man kaum 
fehl gehen, wenn man sich abwärts der Kura entlang bis zur ersten Poststation (S’aganlug) 
begiebt, um diese und die beiden vorhergehenden Geierarten zum Schusse zu bekommen, 
denn hier wirft der Fluss vielen Unrath der Stadt aus, so dass die Geier dort allesammt 
zu Standvögeln geworden sind. Im Grossen Kaukasus ist der Vogel nicht häufig; am 
10. Juni sah ich ein Paar unterhalb von Gudaur über dem Thale der weissen Aragwa 
schweben (circa 7000‘). Am 6300 hoch gelegenen Goktschai-See wurde der Aasgeier 
nur selten beobachtet, häufig dagegen ist er überall im tiefer gelegenen Araxesthale. 


4. Gypaötos barbatus L. 
Russisch: Jagnjatnik oder Borodatsch, d.h. Lämmerfänger und der Bärtige. Der 
Name Sihp, welchen Pallas anführt, ist hier nicht gekannt. 
Bei den Bewohnern von Talysch: Humai ? ***) 
Tatarisch: Tochligöturän, d. h. Lämmerräuber. 
Grusinisch: wird von den Adlern (Orbi) nicht unterschieden. 
Armenisch: Garnangk, d. h. Lämmerräuber. 
Systematisches. 

Im Ganzen habe ich acht kaukasische Lämmergeier erhalten; fünf wurden auf- 
gestellt, einer (an Herın Mewes nach Stockholm gesendet) gebalgt, zwei lebten in der 
Voliöre, davon kam der eine im Sommer 1871 um, der andere lebt seit 12 Jahren. 
Die Vögel stammten her: 

1 8, Winter, von Mamutly, einem Gute des Barons von Kutschzenbach, 5000‘, 

1 8, Winter, von Borshom, Domaine Sr. Kaiserl. Hoheit des Grossfürsten Michail 

Nicolajewitsch im Gebiete der mittleren Kura, 2600’, 
Exemplare, davon 4 9 und 1, von Kodshori im Zkneti bei Tiflis im Vor- 
sprunge des Trialeti-Gebirges, welcher die Stadt dominirt, 3500’, 
1 2 Sommer, von Krasnowodsk, Ostufer des Caspi aus dem Wüstengebiete, 80‘ 
unter dem Spiegel des Oceans gelegen. 


[or 1 


*) Ormithologische Geographie des europäischen Russlands, von Michail Mensbir, in den ge- 
lehrten Abhandlungen der Kaiserl. Universität za Moskau (russisch), pag. 241. 
=) Brehm’s Thierleben, erste Auflage, II, pag. 575. 
***) Vielleicht liegt hier ein Missverständniss vor. Humdi gilt eigentlich grossen Edeladlern. 


60 Gypaötos barbatus. 


Flügel, Köpfe und Fänge habe ich oftmals während meiner Reisen bei den Jägern 
gesehen, so im Goktschai und Suant-Gau und auf der Grusinischen Heerstrasse. Alle 
meine Exemplare haben die Befiederung der Tarsen bis zur Fusswurzel. Ein jüngerer 
Vogel von den Höhen von Kodshori stimmt im Wesentlichen mit Naumann’s Taf. 5 
gut überein. Es ist ein grosswüchsiges Weibchen. Auf die tief dunkelbraunen spitzigen 
Federn der oberen Halsseite und des Nackens folgt dann das helle, in einzelnen Federn 
fast weisse Gefieder des Unterhalses, welches einen förmlichen, breiten, hellen Keilfleck 
auf den Rücken legt. Vorne am Halse, zumal vom Schnabel über die gesammte Kehle 
fort, sind die Federn zweifacher Art. Die einen, vorwaltenden, haben einen merkwürdig 
weichen Habitus, eine breitabgerundete Form und weiche Bärte. Sie fühlen sich fast wie 
Sammet an, besitzen eine lebhafte Sepienfarbe und sind überall von doppelt so langen 
und ganz anders gebauten Federn durchsetzt. Diese letzteren haben eine langgezogene 
Rhombusform, mit scharf und fein ausgezogener, elastischer Hornspitze. Sie werden 
von der Basis zur Spitze hin immer dunkler und sind vorne tief schwarz. Der Vogel 
wurde Ende Oktober beim Aase erlegt, trägt durchweg ein frisches Kleid, in welchem 
nur einzelne, sehr verriebene Schulterfedern und dito solche der oberen Flügeldecken 
stehen blieben. Das Brust- und Bauchkleid ist melirt in Fahlgelbgrau und Graubraun. 
Ich gebe diesem Vogel drei Lebensjahre. . 

Ein anderes Exemplar stammt aus den turkomanischen Wüsten bei Krasno- 
wodsk und ist ebenfalls ein grosswüchsiges Weibchen, aber in hohem Alter. Bei diesem 
ist das Mittelfeld der Stirn, von der Schnabelwurzel an bis fast zum Scheitel, in Weiss 
und Schwarz melirt und zwar so, dass die straffen, schwarzen, spitzen Federn nament- 
lich die oberen Augenbögen breit einfassen, dann nach hinten hin dünner gestellt sind 
und erst wieder auf der Scheitelhöhe sich mehren. Die gesammte obere Halsseite zeigt 
ein in Gelb getrübtes Weiss. Fast rein weiss sind die unteren Schwanzdecken. Hell- 
gelblich, nicht rostig, sehe ich das Bauchgefieder, die Tarsen und Hosen. An den Schulter- 
seiten steht noch viel Dunkelbraun, schliesst aber den Ring auf der Brust nicht. In- 
tensiver ist das rostige Gelb nur an der Kehle und der unteren Halsseite. Das dunkle, 
zum Theile glänzende, kleine Gefieder der Oberseite zeigt überall die stark prononcirten, 
hellen, fast: weissen Schafte mit schmalen Parallel-Einfassungen, die an der Spitze kolben- 
förmig erweitert sind. Bei beiden erwähnten Exemplaren ist die Bindehaut zwischen 
Mittel- und Aussenzehe sehr breit: ich messe 138 mm. als grösste Breite. 

Meine anderen alten Vögel, von denen das Männchen aus Mamutly ein starker 
und grosswüchsiger, das zweite Männchen von Borshom dagegen ein verhältnissmässig 
kleiner Vogel ist, tragen ein ähnliches Kleid, wie das oben besprochene Weibchen 
von Krasnowodsk ; nur ist bei beiden die Bauchseite noch heller, schon fast weisslich 
und die bräunliche Farbe der langen unteren Halsfedern etwas intensiver, auch die 
schwarzbraunen Federflecken auf der Brust sind stärker bei diesen Männchen prononeirt 
als bei jenem Weibchen. Das im Nachstehenden näher erwähnte Männchen, oben im 
kaukasischen Hochgebirge im November 1868 beobachtet, war der kleinste Vogel dieser 
oft von mir gesehenen Art, kaum hatte er °/, der Normalgrösse, und dabei war seine 
ganze untere Körperseite recht intensiv rostig. Möglich, dass dies die Varietät meridio- 
nalis gewesen ist. In der Nähe dieser Beobachtungsstelle (die Baidarkaserne an der 
grusinischen Heerstrasse, schon an der Nordseite des Gebirges gelegen) sind eisen- 
haltige Quellen an vielen Orten vorhanden und ich trete aus Ueberzeugung der von 


Gypa&tos barbatus. 61 


Mewes*) und Nordenskiöld begründeten Lehre zu, nach welcher das rostige Kolorit 
mechanisch, meiner Meinung nach durch das Baden, verliehen wird. In der Gefangen- 
schaft sind meine Lämmergeier, obwohl sie sich täglich baden, aber dazu das eisenfreie 
Kurawasser brauchen, stets fast rein weiss auf der unteren Hals- und Bauchseite ge- 
worden. Ein solches Individuum lebt auch jetzt wieder (August 1882) in der grossen 
Voliere. Wo Eisen im Wasser fehlt, aber irgend andere Stoffe, sei es gelöst oder suspen- 
dirt sich darin befinden, nimmt das Kleid des sich oft darin badenden Lämmergeiers 
davon ebenfalls an. Das bewiesen mir die beiden Exemplare des zoologischen Gartens 
von Berlin, welche ich im Januar dieses Jahres (1833) sah und welche beide, obwohl 
alte Vögel, das alte Gefieder sehr sichtbar von Russ und Kohlenstaub in Schwarz ge- 
trübt trugen. Die Nachricht von Allan Hume (Scrap Book. Calcutta 1869. S. 45), 
dass der Lämmergeier ein sehr schmutziger Vogel sei, in dem Grade mit Ungeziefer 
bedeckt, dass Katzen und dergleichen Thiere ihn selten, wenn er todt ist, berühren 
wollen, und nie badet, ist nach meinen Erfahrungen ganz falsch. Von allen Raubvögeln, 
die ich in der Gefangenschaft zu beobachten Gelegenheit hatte, ist der Lämmergeier der 
reinlichste und nimmt täglich sein Bad, auch im Winter, Das geschieht in der Zeit 
von 10—12 Uhr Vormittags, ganz wie bei den sauberen, reichen englischen Ladys. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Nach Girtanner’s *) und Brehm’s ***) umfangreichen Erörterungen über den 
Bartgeier dürfte es schwer sein, viel Neues hier mitzutheilen. Doch werden meine 
Notizen über die Verbreitung des Vogels und sein Gefangenleben immerhin Beachtung 
verdienen; um so mehr, als meine Beobachtungen doch hie und da abweichen von denen 
jener berühmten Ornithologen. Zunächst darf ich behaupten, und zwar gegen Nord- 
mann’sj) Mittheilungen, dass im Kaukasus der Lämmergeier durchaus nicht die hoch- 
alpine Zone des Gebirges exclusiv bewohnt. In dieser Hinsicht muss ich auch Bog- 
danowyyr) widersprechen. Gerade das Gegentheil findet hier statt und aus meiner fast 
zwanzigjährigen Reisepraxis im Lande liegen mir nur sehr wenige Beispiele vor, welche 
das Vorkommen des Lämmergeiers als Brutvogel in den kaukasischen Hochalpen con- 
statiren, und nur eines für seine Existenz im tiefsten Winter an der Nordseite des Grossen 
Kaukasus nahe der Kammlinie. Ich sah nämlich im November 1868, als ich mich zur 
Steinbockjagd (Aegoceros Pallasii Rouil.) nach dem Kasbek begab, das oben schon er- 
wähnte Exemplar wenig tiefer, als die Passage über den sogenannten Kreuzberg (8000‘) 
gelegen. Damals hauste hier entsetzlicher Winter, und der Vogel muss sehr müde und 
hungrig gewesen sein, denn er liess nahe ankommen. Er sass im tiefen Schnee 
unweit einer Gruppe von Arbeitern, welche emsig einen Lawinensturz abräumten. Ich 
habe die Kammzone des Grossen Kaukasus westlich nahe vom Elbrus-Meridian bis 
zum Bogos-Stocke im Dagestan, d.h. in einer Ausdehnung von 70 bis 80 geogr. Meilen, 


*) Journal für Ornithologie, 1862, X. Jahrg., pag. 128 u. folg. und auch 1875, pag. 434 u. folg. 
**) Beitrag zur Naturgeschichte des Bartgeiers der Centralalpenkette von Dr. A. Girtanner. 
St. Gallen. 
*=) Thierleben, neue Auflage, Bd. V, pag. 7 et sq. 
+) Demidow, Voyage dans Ja Russie möridionale. T. III, pag. 80. 
rr) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 33, Nr. 1. 


62 - Gypaötos barbatus. 


kennen gelernt und bin Monate lang im Hochgebirge des Freien-Swanien, sowie in den 
Alpen der Chewsuren und Tuschen gewesen, habe aber den Lämmergeier dort nur sehr 
selten zu Gesicht bekommen. Wo dies im besagten Gebiete der Fall war, da bewohnte 
er die basal alpine Region, unweit menschlicher Ansiedelungen (Dorf Guro im Lande 
der Chewsuren). Hierzu passen die Nachrichten Blanford’s*) aus Persien nicht ganz, 
da er den Vogel nie über 4000° wahrnahm. Dies ist nun aber gerade die gültige mitt- 
lere Höhe für das Vorkommen des Lämmergeiers im gesammten Kleinen Kaukasus. In 
der Schweiz liegen ja aber für diesen Vogel nicht mehr normale Fxistenzverhältnisse 
vor. Ueberall beeinflusst, gestört durch das Treiben der Menschen, haben sich die 
wenigen, überhaupt noch gebliebenen Bartgeier in die entlegensten, unzugänglichsten 
Hochgebirge zurückgezogen; wie ein Gleiches ja auch der Steinbock und, im geringeren 
Grade, wohl auch die Gemse gethan haben. — Der Hochwaldzone, wenigstens überall 
da, wo sie weite, zusammenhängende Ausdehnung besitzt, ist der Lämmergeier ebenfalls 
abhold. Sie gehört dem Stein-Goldadler an. Dagegen ist G@ypaetos barbatus im ge- 
sammten Kaukasus und namentlich im sogenannten Kleinen oder Anti-Kaukasus in den 
Höhen von 2500—7000° keine Seltenheit und an einzelnen Lokalitäten sogar ein häu- 
figer Vogel. Dieser Anti-Kaukasus bildet das, am Südlittoral des Pontus, noch westlich 
von Trapezunt beginnende, nur einmal gegliederte nördliche Randgebirge des gesammten 
Armenischen Hochlandes. Es vereinigt sich ostwärts mit dem Karabagher Gebirge und 
verflacht sich allendlich, immer in weiterem Abstande dem rechten Kuraufer folgend, 
mit seinen letzten Ausläufern zur Mugansteppe, um jenseits des Aras im Süden durch 
das System der Elburskette abgelöst zu werden. Wo in diesem weitausgedehnten Ge- 
birge die Höhen die hochalpine Zone erreichen, oder, wo die auf dem Armenischen Hoch- 
lande meistens in regelmässiger Kegelform aufgesetzten Vulkane zur eminenten Höhe von ° 
12000— 16000’ Meereshöhe hinaufgehen, bin ich unserem Vogel als ständigem Bewohner 
nur äusserst selten begegnet, habe ihn aber hie und da, z. B. im Süden des Grossen 
Ararat, kreisen sehen. Auch in den nordwestlichen Ausläufern der Elburskette, im 
Suantischen Grenzgebirge, kommt er vor. Die Talyscher erzählten mir, dass es seine 
Gewohnheit sei, grosse Knochen von hoch aus der Luft fallen zu lassen, um sie dadurch 
zum Zerbrechen zu bringen, und dann die Stücke zu verschlingen. Vom Kinderraube 
wussten die Gebirgsbewohner nichts; der Vogel ginge gerne an frisches Aas, meinten sie. 
Andere erzählten mir, dass im Suant-Gau der Lämmergeier in Höhen von 6—7000‘ lebe 
und oft zur Ebene abstreiche; das geschieht namentlich vom Februar bis zum Mai, da er 
dann gerne Lämmer und auch die Jungen von Antilope subgutturosa in der Mugansteppe 
jagt. Diese Jäger wussten sehr gut, dass es schon Ende März Junge im Neste der 
Lämmergeier giebt. Häufiger und bisweilen sogar in Gesellschaft lebend, traf ich die 
Bartgeier in 6— 7000‘ Meereshöhe in der Randzone des erwähnten Kleinen Kaukasus. 
Als ich mit Dr. Sievers Mitte Juli 1874, von Ardagan kommend, den nördlichen Taurus 
in dem Quelllande der Kura (den sogenannten Gölü-Wassern) passirte und wir etwa in 
6000‘ Meereshöhe in ein schmales, arides Querthal des Olti-tschai traten, sausten an 
uns nicht weniger als elf herrliche Bartgeier vorbei. Es war ein hoher Genuss diese 
Vögel zu sehen. Sie kamen von höher gelegener Jaila (Sommerweiden), wo ihnen am 
Morgen wohl ein Aas gelegen haben mag. Oben auf der Thalhöhe standen hohe, starke 


*) Eastern Persia, 1. c. pag. 101. 


Gypaötos barbatus. 63 


Kiefernbäume vereinzelt mit breiten schirmförmigen Kronen. Zwischen diesen weg 
strichen nach einander thalwärts die Bartgeier ab, und zwar so accurat eine Linie ein- 
haltend, dass man von mathematischer Genauigkeit dabei sprechen durfte. Diesmal 
schossen sie förmlich hin, einer nach dem andern, ohne irgend welchen Flügelschlag 
oder erkennbare Schwingbewegung, mit stark angezogenen Flügeln; so ging es, genau 
in einer Richtung, mit gleichmässiger Neigung thalabwärts. Ein zweiter Fall, der mir 
erwähnenswerth scheint, betrifft eine Lokalität am mittleren Kuralaufe. In jener rei- 
zenden und zum Theile auch grossartigen Gebirgsgegend, wo das Armenische Rand- 
gebirge nahe zu dem Achalzicho-imeritinischen Stocke tritt und von dem reissenden 
Cyrus in enger Schlucht durchbrochen wird, giebt es, sechszehn Werste oberhalb des 
Grossfürstlichen Sommerschlosses in Borshom gelegen, ein wildes Queerthal. Es mündet 
von links her in die Kura und hat seine Höhe auf der erwähnten Wasserscheide, welche 
Rion von Kura trennt und eine mittlere Kammhöhe von 7000‘ besitzt. Im Allgemeinen 
ist dieses Gebiet ausserordentlich stark mit gemischtem Hochwalde bestanden und auf 
den Thalhöhen prädominirt die Nordmann’s-Tanne im Verein mit Abves orientalis. Im 
erwähnten Thale ist das aber anders. Eine geraume Zeit wandert man, aufwärts von 
der Mündung schreitend, zwischen himmelhoch anstrebenden, zerrissenen und zerklüfteten, 
nahe zu einander tretenden Felsen-Steilwänden. Zu vielen Stellen kommt der Sonnen- 
strahl in dieses abschreckende, unbewohnte Gebiet niemals. Sie liegen im ewigen 
Schatten. Zu beiden Seiten des hinstürzenden Baches folgen sich so die Fronten des 
hochwandigen Gebirges. Aber im Hintergrunde öffnet und erweitert sich das Thal und 
wird, zwar ansteigend, dennoch breiter und tiefer, nimmt eine Circus-Gestalt an, bietet 
sonnige Schroffungen verwitterten, trachytischen Gesteines und ist hier und da mit 
Laubholz bestanden. Dieses Circus-Thal ist stark von Gemsen bewohnt und besitzt 
auch Rothwild. Hier lebten bis Ende der sechziger Jahre vier Paare Lämmergeier, die 
sich das eigentlich verhältnissmässig kleine Gebiet durchaus nicht streitig machten. Ich 
habe die Vögel dort im Juni und August zu wiederholten Malen gesehen und von einem 
Jäger erfahren, dass ihre Horste auf einer der jähesten Felsenpartien nicht weit von 
der Mündung des Thales linkerseits stehen sollen, und dass die Vögel schon Ende 
Februar brüten. Hier befinden sich die in Rede stehenden Horste in circa 3000’ Meeres- 
höhe. Auch östlicher auf dem hohen Rücken der Wasserscheide zwischen Kura und 
Algetka, bei Manglis, bewohnen mehrere Lämmergeier die sogenannten Kartalini-Höhen. 
Diese Vögel kann man dort täglich kreisen sehen. Sie müssen sehr alt sein, denn die 
unteren Leibseiten erscheinen bei allen fast rein weiss. In den Umgegenden von - 
Tiflis ist der Lämmergeier kein seltener Vogel. Fürst Nicolai Bebutow schenkte mir 
einen ausgewachsenen, aber noch jungen Vogel, welcher im Frühjahre 1865 bei dem 
Dorfe Zkneti, nahe von Tiflis, am Rande des Trialeti-Gebirges gefangen worden war. 
Derselbe lebte bis 1871 in der grossen Voliere und wurde sehr bald vollkommen zahm. 
Er erhielt den Namen Waska und hörte auf denselben. Er kannte nicht allein seinen 
Wärter und Fütterer, sondern auch mich und kam zutraulich zu mir, wenn ich erschien; 
er liess sich streicheln und war durchaus gutmüthigster Natur. Je älter er wurde, desto 
heller wurde auch das Gefieder der unteren Seite, doch blieb ihm die Rostfarbe fremd. 
Baden war sein Hauptvergnügen und er kroch nicht selten ganz in den aus Zinkblech 
gefertigten Wasserbehälter. Nach dem Bade wurde regelmässig die Felsengruppe in der 
Voliere aufgesucht und Ruhe gehalten, wobei die Flügel, halb gespreizt, nachlässig 


64 Gypaötos barbatus. 


herunterhingen. Im Sommer 1871 verschluckte dieser schöne zahme Vogel einen grossen 
Knochen und erstickte daran. Seit jener Zeit erhielt ich abermals einen lebenden 
Lämmergeier, der zwar nicht so zutraulich mit den Menschen ist, aber doch kein bös- 
artiges Naturell hat. Er zankt sich nur mit dem mürrischen Kuttengeier in der Voliere 
und lässt dann den schrillen, klagenden Pfeifton rasch aufeinander folgen, versucht auch 
Hiebe mit dem Schnabel seinem Gegner zu versetzen, denen jener aber immer geschickt 
ausweicht. Bisweilen stürzt er sich auf den ihm Verhassten von den Felsen der Voliere 
und es beginnt dann ein förmlicher Kampf, bei welchem beide Vögel namentlich die 
Flügel gebrauchen. Der feige Geier flieht stets und der Sieger ruft dann den fast in 
Trillermanier (jedenfalls ein deutliches tremulando) ausgestossenen Pfiff. Ich kenne aus 
dem Gefangenleben der Lämmergeier keinen einzigen Zug, welcher auf jene Wildheit 
und Raublust hindeutete, die dem Vogel in der Schweiz beigelegt wird. Im Gegentheile, 
ich finde ihn sehr liebenswürdig, leicht zähmbar und nicht besonders intelligent; 
wenigstens verhält er sich meistens ruhig und gleichgültig gegen seine Mitgefangenen. 
Den Kaiseradler, selbst den jungen, respectirt er, alle anderen Miteinsassen ignorirt er. 
Wie in Bezug auf den Aufenthalt, so glaube ich auch, dass die Lebensweise des Vogels 
in der Schweiz jetzt keine ganz normale ist. Dort mag er, getrieben vom Hunger, bis- 
weilen jene verwegenen Raubanfälle selbst auf Kinder gethan haben. Hier, wo er leicht 
seine Nahrung findet, hat er nicht nöthig das zu thun. Die Hirten, sowohl Kurden als 
Tataren und Tuschen, erzählten, dass wohl bisweilen Lämmer von ihnen geraubt würden, 
seine Lieblingsnahrung aber in Knochen und Aas bestände. Dass das Naturell dieses 
herrlichen Vogels hier im Oriente in der That ein weiches ist und er keineswegs der 
Mordgier verfallen, kann ich aus eigenen Beobachtungen vielfach versichern. Ein ekla- 
tanter Fall darüber liegt mir vom Juni 1880 bei der Besteigung des Savalan vor. 
Damals schwebte in nur vier Faden Höhe ein alter Lämmergeier über einer Schafheerde, 
ohne uns und den Hirten mit seinen Hunden zu fürchten. Alles blieb still, die Schafe 
bekundeten nicht die geringste Furcht, ebensowenig der Hirt. Wir hatten leider die 
Gewehre nicht mit. Der Vogel zog gemächlich hin und her, so wenig muthig, als ob 
er dem Geschlechte der Milane angehöre, er machte weder Miene zum Stossen, noch 
bewegte er die Flügel, er schwamm, liess die Flügel nachlässig halb hängen und zog 
unverrichteter Sache ruhig davon. In der Gefangenschaft bäumt der Lämmergeier gerne, 
was ich im Freileben niemals beobachtete. Nur in diesem Falle sah ich ihn dann so 
aufrecht sich halten, wie ihn Mützel*) zeichnet. Auf den Felsen und zumal auf dem 
Boden trägt er den Körper fast horizontal. Nicht selten setzt er sich ganz auf den 
Boden und scharrt und wühlt sich gerne nach Art der Hühner in die trockene Frde. 
Bei dieser Gelegenheit muss ich auch noch erwähnen, dass meine Bartgeier niemals den 
Bart so stark nach vorne richten, wie dies Naumann’s**), Dresser’s***) und neuer- 
dings auch Riesenthal’sf) Abbildungen darstellen. 

Im Allgemeinen schliessen sich die hier zu Lande gemachten Beobachtungen 
am besten an die von Krüper aus Griechenland mitgetheilten. An diese anknüpfend 


*) Brehm, neue Auflage, 1. c. Bd. V, pag. S. 

‘) Naturgeschichte der Vögel Deutschlands, Taf. 4 und 5. 
=) The birds ete., 1872. XV. 

7) Die Raubvögel Deutschlands, Taf. XLVI. 


Gypaötos barbatus — Falco peregrinus. 65 


muss ich noch des verhältnissmässig häufigen Vorkommens unseres Vogels in den heissen 
Wüstengegenden des Aralo-Caspischen Depressionsgebietes erwähnen. Im Herbst 1870 
wurde mir aus dem Lager von Krasnowodsk der grosse, alte, lebendige Lämmergeier 
zugesendet. Im Sommer desselben Jahres habe ich ihn dort wiederholentlich kreisen 
gesehen, der lange Keilschwanz lässt ihn stets mit Sicherheit erkennen. Dem erwähnten 
Weibchen hatte man leider in jener holzlosen Gegend nur ein sehr beschränktes Ge- 
bauer anfertigen können und namentlich war dasselbe viel zu niedrig, so dass der Vogel 
immer sich wagrecht halten musste. Nichtsdestoweniger hatte er den weiten Transport 
über das Meer und von Baku nach Tiflis im Wagen ertragen. Er lebte nur kurze Zeit. 
In jenen Gegenden dürften dem Lämmergeier kaum lebendige, junge Arkal-Schafe (nicht 
O. Argali, sondern O. Arkal Brandt) zur Beute werden, doch aber liefern die Kameel- 
und Dromedar-Heerden der Tekinzen Aas und vor allen Dingen muss die Menge ver- 
schiedener Schildkröten dem Vogel leicht zu erstehen sein, die, wie bekannt, im Süden 
Europas und in Asien gerne von ihm verzehrt werden. 


5. Falco peregrinus Briss. 


Russisch: Sokol. 

Persisch: Dhairi und Basi, der allgemeine Name für Jagdfalken. 

Tatarisch: Bägrä mas, Kisil-gusch fem.*), auch Laatschen, welcher Name den 
Jagdfalken höchster Qualität heigelegt wird. 

Arabisch: Tschakyr. 

Armenisch: Schahen. 

Grusinisch: Memino, womit alle grossen Jagdfalken benannt werden, auch Astur 
palumbarius. 


Systematisches. 
Die Kollektion meiner kaukasischen Wanderfalken enthält: 
alte Männchen 10 Exemplare, 
junge Männchen 2 2 ; 
alte Weibchen 12 > ; 
junge Weibchen 16 a ; 
zusammen 40 n 


Alle diese Vögel wurden im Winter in den Umgegenden von Lenkoran, namentlich bei 
Kumbaschinsk, und mehrere während der Jagd auf dem offenen Meere erlegt. Sie waren 
alle übermässig gemästet. 

Wie man aus der Sammelliste ersieht, so sind an erwähnter Lokalität die jungen 
Weibchen im Winter am häufigsten. Es giebt für sie nur ein untrügliches Erkennungs- 
zeichen, wenn man sie von jungen Vögeln gleichen Geschlechtes von Falco saker = F. 
lanartıus **) unterscheiden will; dieses ist die lange Mittelzehe und ihr Grössenverhältniss 
zum Laufe. Die jungen Weibchen beider Arten sind sich in der That recht ähnlich 


*) Die Weiber werden von denen des Astur palumbarius nicht unterschieden. 

**) Ich folge bereitwilligst Riesenthal’s Beispiel, welches er in seinem schon citirten Werke 
über die Raubvögel Deutschlands giebt, indem er die Namen: lanarius und laniarius ganz verwirft und 
dafür den alten Namen: sager oder saker setzt. Auch Dresser und andere namhafte Ornithologen der 
Neuzeit thun dasselbe. 

Badde, Ornis caucasica. 9 


66 Falco peregrinus. 


und haben beide auch blaugraue Füsse. Bei allen meinen jungen Weibchen ist der 
Tarsus 48--50 mm. lang, die Mittelzehe ohne Kralle 56-60 mm. Bei meinen 
Weibchen von Falco saker messe ich: Tarsus 58—60 mm., Mittelzehe ohne Kralle 
45—47 mm. Das Rückengefieder aller jungen Weibchen ist vollkommen gleich, die 
dunkelschiefergrauen, bisweilen leicht schwärzlich überflogenen Federn haben alle die 
schmale röthlich-braune Kantung. Das Gefieder ist ganz frisch, nirgends bemerke ich 
Mauserspuren. Den hellen Genickfleck haben fast alle Exemplare. Bei einem meiner 
Vögel zieht an dieser Stelle das Kolorit stark ins Rostrothe und bei eben diesem ist 
auch die untere Körperseite im Grundton mehr lehmgelb als weisslich. Ich habe es 
aber in diesem Falle nicht mit f. Feldeggi zu thun. Das Kolorit der unteren Körper- 
seite ist bei allen den anderen jungen Weibchen ebenfalls sehr constant, der Bartstreifen 
breit und schwarz, am hinteren Rande nicht so scharf umgrenzt, als am vorderen. Die 
Grundfarbe ist ein leicht getrübtes Weissgelb, auf dem die, nach unten hin breiter wer- 
denden Schaftflecken in Grauschwarz stehen. An den Seiten werden diese Flecken breit, 
stumpf, dreieckig, mit der Basis, die doppelt concav ausgebuchtet ist, nach oben stehend. 

Die alten Männchen und alten Weibchen sind sich im Gefieder recht ähnlich, 
aber in der Grösse sehr verschieden. Es giebt auffallend kleine Männchen, worüber die 
Tabelle Auskunft ertheilt. Die jungen Männchen unterscheiden sich von den erörterten 
jungen Weibchen ebenfalls nur durch die Grösse und einen helleren, reineren Grundton 
auf der unteren Körperseite. Eines meiner alten Männchen zeichnet sich durch das fast 
vollkommene Fehlen der schwarzen Zeichnungen auf der unteren Körperseite aus. Auf 
dem klaren, rein weiss-gelblichen Fond stehen seitlich an den Bauchflächen ganz schmale, 
kurze Schaftpünktchen und Fleckchen und nach unten seitlich die ganz schmalen, 
kaum nur angedeuteten Querbinden. Wie im Wuchse, so sind auch in der Zeichnung 
die alten Weibchen den Männchen gegenüber viel kräftiger. Am 18./30. November 
wurde der erste Wanderfalke, am 9./21. April der letzte (junges Männchen) bei Lenkoran 
erlegt. Die Hauptausbeute fiel auf den December und Januar. 

Ich gebe nun die extremen Maasse beider Geschlechter in Millimetern: 


| Falco peregrinus 

| Lenkoran 

| WENjung jPreMEBalt 
Totallänge . . . (NEE! 400 
Flügellänge vom Bas zur Sata . 370 | 29 
Schwanzlänge. Ash 210 | 155 
Schnabellänge (Sa). |. 29 | 24 
Marsusenen || 51 47 
Mittelzehe Ohne Kralle- et | 58 | 54 


Lebensweise und Verbreitung. 

Der Wanderfalke gehört hier zu Lande im Sommer zu den seltensten Raub- 
vögeln. Ohne Zweifel brütet er hier und da im gebirgigen Theile des Landes in ein- 
zelnen Paaren. Der caspischen Uferzone fehlt er zu dieser Jahreszeit vollkommen und 
kommt dorthin nur im Winter, den grossen Wasservögeln auf ihrem Zuge folgend. In 
dem schon öfters erwähnten Borshom lebte ein Paar bis 1868 und brütete alljährlich 
an steiler Felsenwand am rechten Kuraufer unterhalb von meiner Villa, gleich dem 
Baumfalken gerne auf das südlich gelegene Plateau zu den hohen, schirmförmigen 


Falco peregrinus — Falco subbuteo. 67 


Kiefern abfliegend, von wo dann das bekannte „Kia, Kia“ sich hören liess. Am 10./22. 
September 1868 erlegte ich dort das Männchen und das erwähnte Nest blieb für die 
Folge unbesetzt. Auf den grossartigen Winterstationen der Wasser- und Sumpfvögel 
in den südlichen Niederungen Massenderans und ebenso im Mündungslande des Phasis, 
auf dem Paläostom, macht der Wanderfalke Station für die kältere Zeit und mästet sich 
an den zahllosen Süsswasserenten daselbst. Alle meine oben erwähnten Exemplare 
stammen aus den Umgegenden Lenkorans, hier ist aber der Wanderfalke ungleich häu- 
figer, als der Würgfalke. In der geräumigen Bucht von Kisil-agatsch und bei Kum- 
baschinsk leben beide Arten im Winter der Enten halber und kommt man ihnen gele- 
'gentlich auf dem Wasser im Kahne am besten bei, wenn sie zum Stossen bereit durch 
die Luft jagen; dann sind sie dem Jäger gegenüber fast blind und werden im Fluge 
leicht erlegt. Schon Anfangs März werden die Vögel seltener. Vom 5./17. bis 10. /22. 
März habe ich keine mehr bei Kisil-agatsch und in der Mugan gesehen. Sie bäumen 
zur Nacht gleich den grossen Schreiadlern in den Sturmweiden. Auch am Goktschai-See 
erscheint der Wanderfalke Ende September, den Wildgänsen folgend, mit denen er erst 
im Frühjahre wieder fortzieht. Exemplare von dort besitzt Herr Grosmani. De Fi- 
lippi*) führt beide Arten (Wander- und Würgfalke) als in Persien zur Jagd abgerichtet 
auf. Dieses kann ich für die Talyscher Falkenjäger nicht bestätigen; sie jagen alle 
auch hier mit dem Hühnerhabichte. 

Damit wäre denn die Lücke, welche bis jetzt über das Vorkommen dieser Art 
im Kaukasus existirte und die von Bogdanow und Mensbir besonders erwähnt wird, 
für's Erste einigermaassen gefüllt. 


6. Falco subbuteo L. 


Russisch: Sokol-bjelogorlik, weisskehliger Sokol (wohl nur den Jägern besser bekannt, 
beim Volke fand ich gewöhnlich nur eine Benennung für alle kleinen 
Falken, nämlich: Kobtschik) ; nach Pallas heisst F\ subbuteo auch: Tsekoglok. 
Tatarisch: Kögar. 
Systematisches. 
Von meinen zehn Lerchenfalken, die alle bei Lenkoran und einige sogar in der 
Stadt geschossen wurden, sind acht Weibchen und zwei Männchen. Die Vögel stehen 
in verschiedenen Altern. Bei einigen Weibchen ist der Grundton der unteren Körper- 
seite sehr intensiv gelbröthlich und die Schaftflecken sind sehr breit, so dass sie mehr 
Platz einnehmen als die Grundfarbe des Gefieders. Der Nackenflecken ist nicht ent- 
schieden Zeichen der Jugend. Ein ganz altes Männchen mit rein weisser Kehle besitzt 
ihn auch. Ueberhaupt fehlt dieser Nackenflecken keinem meiner Vögel ganz. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Der Baum- oder Lerchenfalke und der Thurmfalke sind es, die im Kaukasus 
von den kleinen Edelfalken die weiteste Vertikal-Verbreitung haben, denn sie kommen 
vom Meeresufer an bis zur Baumgrenze vor und bewohnen also eine Breitenzone von 
circa 7500‘. Doch ist das Vorkommen von Falco subbuteo, wenn auch nicht durch zu- 


*) l. ce. pag. 175. g* 


68 Falco subbuteo — Falco aesalon. 


sammenhängenden Hochwald, so doch durch Bäume bedingt, jenes des Thurmfalken 
nicht. Ueberdies ist der Baumfalke vorwaltend Sommervogel, während die Thurmfalken 
in den tieferen Gebieten auch häufig überwintern. Die am 18./30.-April 1866 in Len- 
koran am Neste geschossenen Weibchen sassen damals noch nicht brutfest. Sie hatten 
auf Pyramiden-Pappeln im Städtchen gebaut und zwar mehrere Paare nachbarlich, doch 
nicht auf einem Stamm. In Borshom brütet der Vogel alljährlich in den Wäldern auf 
rechter Kura-Seite und zwar auf einem licht bestandenen Plateau zwischen den beiden 
seitlich einfallenden Bächen, der Tschernaja retschka und der Borshomka. Hier waren 
es schirmförmige, gekrönte Kiefern, die er zur Mittagszeit namentlich gern aufsuchte 
und von denen her das bekannte „Kät-Kät-Kät“ in kurzen Intervallen ausgestossen, er- 
schallte. Ich habe den Vogel dort mehrmals beschlichen und erlegt. Auch bei Tiflis 
brütet diese Art. Se. Kaiserl. Hoheit der Grossfürst Nicolai Michailowitsch erhielt im 
Herbst 1878 zwei junge Exemplare, welche aufgeäzt waren und die ganz zahm wurden. 
Die aufwärts stossende und regelmässig ruckende Kopfbewegung dieser hübschen Vögel 
habe ich bei den anderen kleinen Edelfalken nicht beobachtet. Leider hatten sich beide 
Vögel die Schwanzfedern total verstossen. Ich brachte den einen von ihnen in die 
Voliere mit den Thurmfalken, Buteonen und Elsterh, doch hatten die Gesunden den 
fluglahmen Vogel schon am ersten Tage getödtet. Ueberhaupt ist der im Freien so 
muthige und geschickte Räuber in der Gefangenschaft furchtsam und zart. Sehr 
empfindlich ist diese Art auch gegen den Frost. Ein neuerdings durch den jungen 
Grossfürsten aufgezogenes und den Volieren des Museums zugestelltes Exemplar über- 
stand die Kälte von 6° R. nicht. Einer solchen Empfindlichkeit gegen den Frost muss 
ich es auch zuschreiben, dass die Baumfalken im Winter in dem Talyscher Tieflande 
fehlen; an reichlicher Nahrung würden sie hier jederzeit genug haben. Auch kommt 
diese Art von allen anderen kleinen Falken im Frühjahre am spätesten an, bei Len- 
koran wurde das erste Exemplar am 22. März / 3. April erlegt. Mehrmals sah ich 
Baumfalken, aber immer nur im Sommer, im Gebiete der Baumgrenze, welche wir im 
Kaukasus in den Höhen zwischen 6000—7500° markirt finden. Im Kleinen Kaukasus 
bildet die Rothbuche als Hochstamm an den meisten Lokalitäten die Baumgrenze und 
zwar meistens’ schon in 6000‘ Meereshöhe bei einer Exposition gegen Norden. Hier ist 
der Vogel seltener. Den Goktschai-See berührt der Lerchenfalke namentlich auf dem 
Herbstzuge, soll aber im Sommer an ihm fehlen. Im Grossen Kaukasus wird die Baum- 
grenze fast überall durch die Weissbirke, bei einer Exposition gegen Süden in einer 
Höhe von 6800—7200' gebildet und hier ist Falco subbuteo häufiger anzutreffen, obschon 
immer nur vereinzelt. So beobachtete ich ihn z. B. bei dem Dorfe Blo im Lande der 
Chewsuren am 27. Juni 1876, immer und überall nur als Sommervogel. Ich komme 
hier auf die schon früher citirte, mit grossem Fleisse hergestellte Arbeit des Herrn 
Mensbir zu sprechen. Derselbe hat vollkommen Recht, wenn er pag. 260 seines um- 
fangreichen Werkes Falco subbuteo für den Kaukasus nur als Sommervogel aufführt. 


‘. Falco aesalon Gml. 


Russisch: Derbnik. Im Kaukasus kennen die wenigsten Jäger den Vogel mit seinem 
Namen; ich citire nach Bogdanow und Pallas. 
Alle kleinen Falken, sammt dem Sperber, nennen die Tataren: Küörghe, Kürghai. 


Ben | 


Falco aesalon. 69 


Systematisches. 


Die Kollektion besteht aus acht Männchen und sieben Weibchen, sie wurden 
alle bei Lenkoran vom 7. /19. December bis 9./ 21. April geschossen, namentlich aber 
im Januar zahlreich angetroffen. Aus der Sommerzeit besitze ich keine kaukasischen 
Exemplare. Unter den jungen Männchen meiner Suite befinden sich zwei auffallende 
Vögel. Der eine, welcher im gefleckten und gebänderten Rückengefieder nur sehr ver- 
einzelte schiefergraue frische Federn zeigt, also ein junger Vogel ist, der das erste Kleid 
wechselt, ist untenher rein weiss, an Kehle und Hals sogar schneeweiss, an Brust und 
Bauch kaum leicht gelblich angeflogen und hier stehen nun überall nur äusserst schmale, 
licht bräunliche Schaftflecken. Diese ungemein helle Färbung scheint hier zu Lande 
den jungen Männchen eigen zu sein. Ich besitze nur ein junges Männchen (ohne Grau 
im Rückengefieder), welches das normale Jugendkleid trägt und die breiten, etwas ver- 
waschenen Schaftflecken auf gelbrostig getrübtem Fond zeigt. Aeltere Männchen, deren 
graue Farbe auf dem Rücken überall röthlichen Anflug zeigt und schmale, schwarze 
Schaftflecken besitzt, tragen unten das eben erwähnte, sehr elegante, helle Kleid. Es 
giebt eben, nach dem mir vorliegenden Material zwei Formen des Merlins, die unab- 
hängig vom Alter sind. Die eine derselben finde ich normal, bei ihr ist das Grau obenher 
dunkler, bläulicher und alle Schaftstriche sind breiter. Bei der anderen Form sehe ich 
das Grau oben bedeutend heller, die Schaftstriche scharf und schmal, unten das Ge- 
fieder weiss, kaum auf Brust und Bauch etwas in Gelb getrübt und die Schaftstriche 
auch hier scharf und schmal. Die Suite meiner weiblichen Vögel ist in Zeichnung und 
Farbe normal. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Im Jahre 1878, bei dem ersten Entwurfe dieses Werkes, schrieb ich Folgendes 
nieder: „Kaum wäre es denkbar, dass der Merlin-Falke allen reisenden Ornithologen im 
Kaukasus entgangen sei. Dennoch fehlen, wenigstens aus den transkaukasischen Ge- 
genden, die sicheren Nachweise über sein Vorkommen. Bei Pallas”) finden wir nur die 
allgemeine Angabe: in temperatioribus Rossiae atque citerioris Sibiriae. Die Mitthei- 
lungen Nordmann’s”“*) beziehen sich ebenfalls nur auf die südrussischen Gebiete und 
stehen überdies noch im Widerspruche mit denen Schatilow’s***), da Letzterer den Vogel 
nur als Strichvogel im Winter beobachtete, während er nach Ersterem gerade im Winter, 
wenn auch nur für kurze Zeit, verschwindet. Im Catalogue raisonng von M&n6tries 
(pag. 27) fehlt er ebenfalls und endlich wird er auch von Eichwaldf) nicht erwähnt. 
Doch führt ihn Blasius (Vater) für Kleinasien auf, wogegen er der persischen Ornis nicht 
anzugehören scheint, daihn de Filippiff) nicht namhaft macht. Blanfordttf) kennt 
ebenfalls keine sicheren Nachweise für das Vorkommen des Merlins in Persien. Es 
scheint mir unzweifelhaft, dass wir den Merlin wenigstens für die der Halbinsel Taurien 
nahe gelegenen kaukasischen Gegenden, also dem unteren Kuban-Gebiete, angehörend 


*) ]. c. pag. 337. 
AN ET 
***) Bulletin de Moscou. 1860. Nr. 4. Katalog meines ornithologischen Museums, von J. Schatilow. 
7) Fauna caspio-caucasica, pag. 40. 
r) Note di un viaggio in Persia nel 1862 di T. de Filippi, Bericht von Hermann Schalow 
im Journal für Ornithologie. 1876. Heft II. pag. 173 sqq. 
tr) 1. e. pag. 105. 


709 Falco aesalon — Falco saker. 


betrachten können. In Transkaukasien aber und auf dem Armenischen Hochlande wird 
er jedenfalls, wenn überhaupt vorkommend, ein seltener Vogel sein.“ 

Das Vorstehende war niedergeschrieben, als ich im November 1879 meine Expe- 
dition antrat, welche den speziellen Zweck hatte, das ornithologische Material der Art 
zu vervollständigen, damit meine Ornis caucasica ihren Abschluss finden könne. Ich 
fahndete unausgesetzt auf Falco aesalon. Endlich am 7./19. Dechr. wurde ein starkes 
Weibchen erlegt, das erste Exemplar, ‚welches in Transkaukasien überhaupt geschossen 
wurde. Im Verlaufe der Zeit wurde bei Lenkoran der Merlin-Falke um so häufiger, je 
strenger der Winter einsetzte und wir brachten schon bis Ende Februar ein gutes 
Dutzend Exemplare zusammen. Der Merlin bleibt von allen Edelfalken am längsten im 
Winter hier. Am 15./27. März wurde noch ein prächtiges, altes Weibchen bei Lenkoran 
erlegt und sogar am 9./21. April fiel uns ein Steinfalke noch zur Beute. Jedenfalls 
aber ist der Merlin ein sehr seltener Sommervogel in diesen Gegenden, falls er über- 
haupt hier im Süden brüten sollte, viel seltener noch als F\ peregrinus und F\ saker. 
Das soeben erwähnte Weibchen verfolgte — es klingt unwahrscheinlich und ist doch wahr 
— einen Flug Kriekenten und schoss eben, einer Kugel gleich, den Vögeln nach, als der 
geschickte Jäger es erlegte. Gleich dem Wanderfalken ercheint zum Winter der Merlin 
auf der grossen Station für Wasservögel, bei Lenkoran. Die Vögel kommen aus hohem 
Norden, sie folgen den Gänsen und Enten, und je kälter es im Wolga-Delta wird und 
je mehr sich Alles von dort in den S.W. Winkel des Caspi drängt, um so häufiger 
werden auch die Räuber. Der kleine Merlin schlägt mit Leichtigkeit Kriek- und Knäk- 
enten; dass er Becassinen und grössere Schnepfen im Fluge fängt, ist bekannt. Uns 
hat er wiederholentlich bei Lenkoran vor dem Schusse Kriekenten geschlagen, wobei 
er erlegt wurde. 


8. Falko saker Briss. 
(F. lanarius, L. Pall., Naum., F. laniarius Gloger). 


Russisch : Baloban. 
Persisch: Alle grossen Edelfalken haben den Allgemeinnamen: Bas. Den Würgfalken nennt 
man auch: Chark. 
Tatarisch: Uetälgi, oder auch wie das Weib von Astur palumbardus:: Kisil-qusch. 
Systematisches. 
Ich besitze nur fünf Exemplare dieser Art aus dem Kaukasus. Ein am 4./16. 

März 1868 bei Tiflis erlegtes prachtvolles Männchen steht zunächst vor mir. Es ist in 
mannichfacher Hinsicht interessant und muss deshalb besprochen werden. Bei einem 
normalen Wuchse (45 cm. Totallänge) besitzt dieser Vogel eine merkwürdig helle 
Färbung der gesammten unteren Körperseite, nämlich vom Unterschnabel an ein blen- 
dendes Weiss, welches sich nur unter dem Schwanze, an den Weichen und den ver- 
längerten seitlichen Hosenfedern ein wenig in lichtgelblich trübt. Die braungrauen 
Flecken auf diesem sehr hellen Fond sind ganz scharf umgrenzt und haben auf der 
Brust Thränenform, tiefer hin werden sie breiter und länger ausgezogen. Dass ich es 
mit einem alten Vogel zu thun habe, geht aus der Farbe der Tarsen und Zehen hervor, 
dennoch weist der Schwanz anstatt der hellen Fleckung durchgehende Binden auf, die 
nur vom dunklen Schaft und den seitlich an ihm stehenden, schmalen, grauen Bändchen 
unterbrochen werden und bei den beiden mittleren Federn auf das normale Maass 
beschränkt sind. Mein Exemplar würde also ebensowohl Charaktere des typischen 


Falco saker. 71 


Würgfalken, als auch einige von F. Feldeggi Schlg. besitzen und somit dazu beitragen, 
die Identität beider zu bekräftigen. Am 12.724. Januar wurde bei Lenkoran ein noch 
viel helleres altes Männchen erlegt. Bei diesem ist der seitliche Bart nur durch wenige 
schwarze, feine Linien angedeutet, der ganze Hals und die Brust bis auf die Mitte des 
Bauches sind ebenfalls rein weiss mit ganz leichtem, gelblichem Anfluge und stehen 
hier nur sehr wenige, ganz schmale kurze Schaftflecken. Dem entsprechend sind auch 
die dunkeln Partieen weiterhin unten am Leibe und auf den Weichen, sowie auf den 
Hosen, sehr reducirt. Obenher zeigt der Scheitel und das Genick einen röthlich weissen 
Fond mit schmalen, schwarzen, scharfumrandeten Längsstreifen. In Folge der breiten, 
rostigen Umrandungen der Rückenfedern erscheint selbiger mehr braunroth als Bleeaa 
oder graubraun. Die beiden mittleren Schwanzfedern haben röthliche Flecken, die sich 
fast bis zum Schafte ziehen, aber doch nicht ganz zusammenlaufen. Ein drittes Exemplar, 
am 21. Oktober 1870 bei Tiflis erlegt, ist ein junges Weibchen. Es besitzt die obere 
Körperseite, namentlich die Federn des Unterrückens und der Flügel, ebenfalls mehr 
-rostroth als bleigrau. Letztere Farbe bleibt nur den Mittelfeldern der Federn. Die 
untere Körperseite zeigt in der hellen Grundfarbe eine schmutzige, gelbliche Trübung. 
Auch dieses Exemplar steht dem neuerdings wieder artlich getrennten F\ Feldeggi ‚Schlg. 
schon nahe. Hierzu gesellen sich noch zwei alte Weibchen in normaler Tracht, welche 
im Januar bei Lenkoran geschossen wurden. 
Die Maasse meiner Vögel in Millimetern sind: 


Falco saker 
| Lenkoran 
| Männchen Weibchen 
Totallängen, 440 530 
Flügellänge vom Bucz zur Spitze 345 390 
Schwanzlänge. . . . . 200 250 
Schnabel@(Sehne) 2 26 28 
Marsusaege: | 57 67 
Mittelzehe ohae Kralle, | 44 49 


Lebensweise und Verbreitung. 


Der Würgfalke ist im gesammten Kaukasus kein häufiger Vogel. Es geht dies 
nicht allein daraus hervor, dass ich ihn nur selten selbst beobachtete, sondern nament- 
lich bestätigt es sich dadurch, dass ich bei den Falkenjägern ihn niemals sah. Die 
Falkenjagd aber ist, sowohl bei der christlichen als namentlich bei der mohamedanischen 
Landbevölkerung, noch sehr im Schwunge, worüber ich bei Besprechung des Hühner- 
habichts und Sperbers Ausführlicheres mittheilen werde. Nichtsdestoweniger muss ich 
unseren Vogel doch als brütend bezeichnen. Zum Brutgeschäft verlässt er die Nie- 
derungen von Talysch und zieht sich in die Wälder des Gebirges zurück. Ich habe 
auch, weit westlicher, so lange ich auf meiner Villa in Borshom im Sommer wohnte 
(13 Jahre lang). oft ein Paar dieser Art auf den Thalhöhen des Rwelbaches hoch in 
der Luft jene eleganten Schraubenlinien ziehen sehen, mit denen der Würgfalke in Art 
der Adler kreist. Der verhältnissmässig lange Sehmanz und die nicht weit ausgelesten 
Flügel beim Kreisen lassen ihn, meines Erachtens, leicht und sicher erkennen. Das 
Gebirge weist dort Höhen bis zu 8000’ auf, liegt mit seinem Rücken zwar noch in basal- 


72 Falco saker — Erythropus vespertinus — Cerchneis tinnunculus. 


alpiner Vegetationszone, bietet aber in den „Köpfen“ (Ausdruck der Eingeborenen: tawi) 
wilde Felspartieen und an der Baumgrenze geschlossene Hochwaldbestände beider Abses- 
Arten. Bogdanow*) erwähnt diese Art als besonders häufig an der Nordseite des 
Grossen Kaukasus in den Gebieten des Kuban und Terek. Etwas häufiger als im Innern 
Transkaukasiens fand ich ihn auf einer Winterstation am südlichen Caspi. Bei Lenkoran 
wurden indessen doch nur auf circa 45 F\ peregrinus 3 von F\ saker erlegt. Er führt 
dort im Winter, ganz wie der Wanderfalke, sein räuberisches Leben. Er ist Bewohner 
der flachen Meeresbuchten und der ausgedehnten Süsswasser, um vornehmlich auf Enten 
zu jagen. Obgleich hier jedenfalls lebendig zu erstehen, so richten ihn die Mohamedaner 
doch nicht zur Jagd ab. Er soll sich nicht so leicht an den Menschen gewöhnen, wie 
der Hühnerhabicht. . Ich glaube, dass die Fälle, in denen ich von weissen Jagdfalken 
hörte, sich auf helle Varietäten von Falco saker deuten lassen. Die Tataren von Elisa- 
bethpol sprachen mir mehrmals von solchen „edlen“ Vögeln. 


9. Erythropus vespertinus L. 
Russisch: Kobtschik, eine Benennung, die allen kleinen Falken, welche das Volk artlich nicht 
trennt, zu Theil wird. Ebenso nennen die Tataren alle kleinen Falken: Körghe. 
Das Museum besitzt aus Transkaukasien kein Exemplar dieser Art, und kann 
ich nur die Angaben Menetries’ und Nordmann’s in Bezug auf ihre Seltenheit hier 
zu Lande bestätigen. Ein Weibchen befindet sich in Tiflis im Besitz des Herrn Schultz Jun. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Gleich dem* Merline ist der Abend- oder Rothfuss-Falke in Transkaukasien als 
Sommervogel gewiss sehr selten. Ich kenne ihn nur aus den Caspischen Niederungen 
als Rarität auf dem Zuge und aus den Steppen im Norden des Kaukasus, im mittleren 
Terekgebiete, an der Sundsha und westlich in den Ebenen des Kuban, wo er aber auch 
nicht häufig ist. Wenn man im Mai von Wladikawkas nach Rostow auf der Eisenbahn 
fährt, wird man diese Art gewiss hie und da sammt dem Thurmfalken antreffen. So 
gemein aber, wie der Rothfuss-Falke in den taurischen Steppen, z. B. nördlich von 
Simferopol, oder in den Niederungen der östlichen Krimm’schen Gebiete ist, zumal da, 
wo esan Baumgruppen nicht fehlt, habe ich ihn nirgends angetroffen. Die Erzählungen 
Nordmann’s **) über die Häufigkeit dieses eleganten Vogels in Südrussland sind 
durchaus wahrheitsgetreu. Von allen kleinen Rüttelfalken steht der Abendfalke am 
festesten und senkrechtesten in der Luft. Es scheint, dass er, obwohl im Massenderan- 
Tieflande vorkommend, nicht über die Elburskette steigt, da ihn de Filippi und 
Blanford aus Persien nicht erwähnen und er weiter hin gegen Südosten ebenfalls nie 
gefunden wurde. Seine Wanderstrasse liegt zweifelsohne im Küstengebiete Kleinasiens. 


10. Cerchneis tinnunculus L. 
Russisch: Pastelga. Selbst die meisten russischen Jäger in Transkaukasien nennen den Thurm- 
falken schlechtweg: Kobtschik. 
Systematisches. 
Zu den achtzehn kaukasischen Thurmfalken, die gestopft und gebalgt wurden, 
gesellen sich fünf in der Voliere, von denen zwei alte und drei junge Vögel sind. Ein 


Slrcap Al: 
=) Voyage dans la Russie möridionale T. III, pag. 85 sq. 


Ar: 


Cerchneis tinnuneulus. 03 


altes Männchen vom März 1868 (Tiflis) besitzt, bei einer mehr ins Gelbe ziehenden 
Grundfarbe der Unterseite, zugleich die Schaftstriche auf der Brust etwas breiter, als 
es an deutschen, mir vorliegenden Exemplaren der Fall ist. Dem entsprechend finde 
ich an diesem Vogel die Grundfarbe des Mantels sehr viel intensiver zimmetbraun und 
die dreieckigen schwarzen Flecken grösser, als es gewöhnlich der Fall ist. Dasselbe 
sehe ich auch an lebenden Vögeln in meiner Voliere. Die Weiber sind hier im Süden 
ebenfalls im Allgemeinen etwas lebhafter und dunkler gefärbt. Es giebt Exemplare, 
alte Vögel, in deren Mantel hie und da einzelne schneeweisse Federn stehen. Viele 
Eier, im April bei Tiflis gesammelt, liegen vor; die mittleren Grössenverhältnisse sind: 
1. Längere, schmälere Form: grösste Höhe 42 mm. 
grösste Breite 30 mm. 
2. Kürzere, breitere Form: grösste Höhe 38 mm. 
grösste Breite 31 mm. 
Beide Formen kommen in einem Neste vor. Das Gelege enthält stets vier Eier, es 
giebt fast rein weisse Eier, aber selten. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Der Thurmfalke ist über die gesammten kaukasischen Lande mit Ausschluss der 
hochalpinen Zone über 11000’ und der grossen, geschlossenen Waldbestände verbreitet. 
Wir finden ihn ebensowohl in den entlegensten Einsamkeiten mit Wüstencharakter, 
(mittlerer Aras) wie auch als ausdauernden Stadtbewohner (Tiflis, Baku), ebensowohl 
in der Uferzone des östlichen Pontus-Gestades, wie auch in den offenen, unabsehbaren 
Steppen, die sich im Norden des Gebirges hindehnen;; endlich ebensowohl in der heissen 
Zone, wo er am liebsten brütet, als auch noch oberhalb der Baumgrenze. Eine ziemlich 
bedeutende Anzahl von Thurmfalken wintert im Kaukasus, aber die meisten ziehen 
fort. Es geschieht das Ueberwintern natürlich vorzugsweise in den wärmeren Gebieten, 
doch trifft man den Vogel im tiefen Winter auch vereinzelt auf dem Armenischen Hoch- 
lande an (Goktschai-See). Ein theilweises Ueberwintern dieser Art ist ja auch in. 
Deutschland erwiesen und ihrer weiten Verbreitung gegen Norden (71° n. B. in Sibirien 
nach Middendorf) entspricht im kaukasischen Gebirge das Vorkommen in Höhen noch 
über 10000' (Ararat, Swanische Alpen). Wenn man Ende September über die zwischen 
5—7000' hohen Hügellande Hocharmeniens reitet, z. B. den Weg vom Städtchen Achal- 
kalaki nach Borshom zurücklegt und dabei die Höhe des Dshichi-dshwari-Passes zu 
überschreiten hat, wird man gewiss mehrere vereinzelt lebende Thurmfalken aufscheuchen. 
Diese hohen Gegenden mit ihrem kontinentalen Klima haben dann schon ein durchaus 
herbstliches Ansehen und ich bin überzeugt, dass jene Thurmfalken in ihnen überwintern. 
Der viel stärkere Buteo ferox thut es ihnen nicht gleich, obschon er dort zur angeführten 
Zeit sich auch noch aufhält. Immer waren es Thurmfalken, welche auf der weiten 
Strecke von Tiflis bis Lenkoran im November 1879 beobachtet wurden. Bald sassen 
sie auf den Telegraphenstangen oder den Drähten, bald hielten sie sich in der Steppe, 
oder im Buschwalde auf. Nichtsdestoweniger zieht die Hauptmasse der Vögel schon 
Anfang September fort. Die Niederungen von Lenkoran meidet der Thurmfalke im 
Winter sichtlich. Wir schossen im November und Dezember nur zwei alte Männchen 
daselbst. Diesen Mangel an Thurmfalken am südlichen Caspi erkläre ich dadurch, dass 


hier sehr umfangreiche Ueberschwemmungen stattfinden, weshalb es fast gar keine Mäuse 
Badde, Ornis caucasica. 10 


74 Cerchneis tinnunculus. — Cerchneis cenchris. 


giebt. Dieselben liefern die vornehmlichste Nahrung dem Vogel, weshalb er auch häu- 
figer in den trockenen Ebenen und auf Kulturboden vorkommt, als in Wäldern und 
feuchten Niederungen. So ist er z. B. im Waldgebiete des Trialetischen Gebirges selten. 
In Tiflis erscheinen die ziehenden Thurmfalken sehr regelmässig in der Zeit vom 10./22. 
bis 15. / 27. März, sie treffen meistens am 12./24. ein und wurden so in den Jahren von 
1864—69 beobachtet. Diese Daten fallen gut mit denen in der Krimm beobachteten 
zusammen; dort erscheinen die Frühlingswanderer um den 7./19. März und entfernen 
sich in der letzten Hälfte des Septembers. Gleiches findet im Talyscher Tieflande statt. 
Anfang März erschienen dort mehr und mehr Thurmfalken, es waren das rastende 
Zugvögel. Auf dem Wege von Tiflis nach Nucha vom 24.—26. März /5.—7. April 1866 
traf ich viele Thurmfalken und zwar schon gepaart an. Sie rüttelten und ver- 
schmäheten Insektennahrung nicht. Ausser dieser Art sah ich keinen kleinen sonstigen 
Falken auf der ganzen Strecke. Einzelne Vorzügler, sowohl des Thurmfalken, als auch 
des Röthelfalken erscheinen in besonders warmen Wintern schon viel zeitiger. So 
notirte ich 1864 in Tiflis schon den 3./15. Februar für die ersten Anzügler beider 
Spezies und am 9./21. Februar 1879 sah ich sie ebenfalls. Im Herbste rotten sich die- 
fortziehenden Thurmfalken in grosser Zahl zusammen und kreisen hoch in den Lüften, bevor 
sie sich auf die Reise begeben. Solche Thurmfalken beobachtete ich am 24. August /D. 
September 1879 über der Ebene von Zilkani an der unteren Aragwa. Am 6./18. Sep-- 
tember 1880 zogen auf der Strecke von Gori bis zum mittleren Rion viele Thurmfalken 
am frühen Morgen alle westwärts. Die Vögel folgten einander zu 5 bis 10 beisammen 
und ruheten nicht, ebensowenig sah ich sie trotz der frühen Stunde rütteln und nach 
Nahrung suchen. In Tiflis brüten die Thurmfalken nicht allein an den Karniesen einiger 
Häuser, sondern auch an der grossen steinernen Brücke, welche über die Kura führt, 
und bäumten früher oft auf den hohen Schwarzpappeln in der Nähe, welche jetzt ver-- 
nichtet sind. Seit vielen Jahren halte ich etliche Thurmfalken mit Buteonen und Elstern 
zusammen in einer Voliere. Sie leben allesammt in guter Freundschaft. Die Bussarde 
sind theilnahmlos, Elstern und Falken jagen beständig herum. Einen gesunden Baum- 
falken respektirten die Thurmfalken, dagegen fiel ein Schwächling ihnen sofort zum 
Opfer. Zwischen den Elstern und den Thurmfalken entspann sich mit der Zeit eine 
intime Freundschaft. Ich sah z. B. oft, dass während einer der Falken sich auf den 
Rand des Gefässes setzte, um zu trinken, eine Elster herbeisprang und ihm auf's Zärt- 
lichste die Füsse schnäbelte. Ganz anders aber benahmen sich die Elstern als ihnen 
-ein Weibchen mit drei flüggen Thurmfalken in die Voliere zu ihren alten Freunden ge- 
setzt wurde. Diese neuen Insassen verfolgten sie auf’s Aeusserste und nöthigten uns, 
sie wieder zu trennen. 


11. Cerchneis cenchris Naum. *). 
Russisch: von dem vorigen im Volke nicht unterschieden. Bogdanow führt für ihn den 
Namen: Krasnaja Pustelga an, d. h. Rothe Pustelga. 
Systematisches. 
Von dieser Art liegen zehn Exemplare aus dem Kaukasus, meistens alte Männchen 
vor. Je älter die Männchen, um so reiner das schöne Aschgrau des Kopfes und Nackens 


*) Ich berichtige hier die von mir 1867 in Petermann’s Geograph. Mittheilungen 1868. pag._ 
156 gegebene Nachricht dahin, dass sich das dort Gesagte auf Cerchneis tinnunculus bezieht. 


Cerchneis cenchris. — Pandion haliaötos. 75 


und um so umfangreicher diese Farbe auf den oberen Flügeldecken. Ebenso werden 
bei recht alten Männchen die rundlichen, schwarzen Flecken auf der Bauchseite immer 
seltener und kleiner. Sie fehlen einem meiner Vögel ganz. Ein jüngeres Männchen 
besitzt an den Spitzen der Scheitelfedern leicht rostrothe Umrandungen, die grossen 
Flügeldecken sind an diesem Exemplare sehr abgetragen und in Roth und Mattschwarz 
gebändert; der Mantel ist frisch vermausert. Einzelne Randfedern von ihm zeigen 
breite aschgraue Randflecken, die miteinander zusammenhängen. Die vier mittleren 
Schwanzfedern sind normal, wie bei dem alten Vogel, die seitlichen, sehr verstossenen 
gehören noch dem Jugendkleide an. Meine Exemplare dieser Art stammen vom Dorfe 
Awtschala (12 Werste nördlich von Tiflis), wo der Vogel brütet und wurden Mitte Mai 
erlest. Schon am 2./14. Mai 1867 gab es Eier im Neste. 


Lebensweise und Verbreitung. 

De Filippi führt den Vogel nicht für Persien an, erwähnt aber seines häufigen 
Vorkommens an der rothen Brücke, einem imponirenden alten persischen Baue da, wo 
der Chramfluss von rechts her der Kura, circa 50 Werste unterhalb von Tiflis, zufällt. 
Ich kann diese Angabe aus eigener Erfahrung bestätigen. .Der Röthelfalk gehört im 
Kaukasus nur der heissen, sehr selten der gemässisten Zone an, meidet Wald- und 
sogar Buschbestände und wählt germe arides Terrain, auf welchem ihm das Absuchen 
der Kerfthiere nicht schwer fällt. Bei Tiflis lebt er mit dem Thurmfalken zusammen, 
ist aber nicht so häutig. Bei dem Dorfe Awtschala sind seine nächsten Brutnachbarn 
Merops apiaster und Pyrgila petronia. Er baut auch in hohlen Bäumen, so am östlichen 
Ende der Suram-Ebene. Niemals traf ich ihn hoch im Gebirge an, auch nicht auf dem Ar- 
menischen Plateau, wohl aber ebensowohl im Araxes- wie auch im mittleren und unteren 
Kurathale. Bei Derbent kommt er ebenfalls häufig vor. Nirgends habe ich diese Art. 
und auch den Erythropus vespertinus so häufig gefunden, als seiner Zeit in der Krimm und 
zwar auf den letzten, wellenförmig auslaufenden Verflachungen der Nordseite des Tau- 
rischen Gebirges.. Hier kann man im Frühlinge, bevor die Paare sich zum Nisten 
trennen, Hunderte dieser zierlichen Rüttelfalken nahe bei einander sehen. (. cenchris 
baut dort auch häufig in den Dachsparren bewohnter Häuser; steile Felsenwände mit 
Löchern sind ihm indessen am liebsten für sein Familienleben. 


12. Pandion haliaötos L.*). 
. Russisch: Skopa. 
Tatarisch: Tschekesch oder Balyk-tschekesch; vichtiger: Tschekün. 
Armenisch: Get-arziw, d. h. Fluss-Adler. 
Systematisches. 
Ich brachte aus Lenkoran, wo ich zum ersten Male im März und April 1866 
Jagte, um die Basis für die omithologischen Sammlungen des Museums zu legen, nicht 
weniger als zwölf und neuerdings (1879—-80) wieder acht. Exemplare dieser Art mit. 
Merkwürdigerweise ist nur eines davon ein grosswüchsiges Weibchen, alle anderen 


*) Nach den Beobachtungen des Herrn Grosmani erscheint im Winter bisweilen am Goktschai 
ein grosser dunkel gefärbter Raubvogel mit weisslichem Keilschwanz, der sich am Ufer des Seees aufhält und, 
wenn dieser zugefroren ist, an die Zuflüsse desselben begiebt und fischt. Ob das vielleicht H. leucoryphus 
ist? Der Vogel soll bedeutend grösser als Pandion, doch auch kleiner als H. albieilla sein. 


10* 


76 Pandion haliaötos. 


aber Männchen. Wahrscheinlich waren die Weiber 1866 zur erwähnten Zeit schon 
alle brutfest. Alle meine Exemplare stimmen in der Färbung fast ganz überein. Bei 
einem Vogel ist fast die ganze untere Leibseite schmutzig gelbgrau getrübt. Stets hebt 
sich das schildförmige Band der Brust deutlich ab, solange die Vögel noch jung sind. 
Ich besitze aber auch mehrere alte Fischaare, bei denen auf der Brust gar keine Fleckung, 
andere, bei denen sie nur ganz gering ist. Die meistens im März geschossenen Vögel 
tragen alle ein schönes frisches Kleid, welches auf der Rückenseite ziemlich starken 
Glanz besitzt. Ich brachte drei Gelege, zwei mit je drei, eines ‚mit zwei Eiern mit 
(von Lenkoran). In einem Horste lag ein rein weisses Ei neben dem typisch gefärbten. 
In einem zweiten lag ein trüb graues, mit verwaschener Zeichnung geflecktes neben 
zwei typischen. Diese besitzen die grossen, oft eckig umrandeten braunen Flecken, 
welche an einem oder dem anderen Ende des Eies zu grösseren Flächen vereint sind. 
Ich messe: Längendurchmesser 62 mm., Breitendurchmesser 47 mm. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Hochwald und fischreiches Wasser sind die beiden Hauptbedingungen für die 
Existenz des Fischaars. Wo der Wald fehlt, da lebt dieser Vogel nicht, weil er nur 
auf hohen, alten Bäumen horstet. Ich habe ihn nirgends an denjenigen Seeen Hochar- 
meniens gesehen, deren Ufer waldlos sind, obwohl sie alle viele Fische besitzen. Aber 
die Mittheilung de Filippis*), den Vogel am Goktschai-See angetroffen zu haben, 
darf nicht in Zweifel gezogen werden, da die gesammte Südseite des Ufers reich mit 
Wald bestanden ist und der Vogel hier ebensowohl bequem Nahrung als auch Brutplatz 
findet. Grosmani will den Fischadler nur im Sommer am Goktschai-See beobachtet 
haben. Er gehört allen vier Stromsystemen des Kaukasus an, vornehmlich ihren Haupt- 
thälern. In den Niederungen des Phasis ist er häufiger Brutvogel, zieht aber spät im 
Herbste fort; ebenso kommt er an den Unterläufen der Kura, des Terek und des Kuban 
häufig vor, wie Bogdanow **) berichtet. Wo diese vier kaukasischen Ströme durch 
waldbedecktes Gebirge fliessen, selbst in bedeutenden Höhen, ist er vorhanden. So habe 
ich ihn alljährlich in mehreren Paaren an der Kura bei Borshom und höher noch am 
Koblian-tschai (dem Adsharischen Grenzgebirge) beobachtet, wo er namentlich am Vormit- 
tage fischte. Für die Kura kann ich 4000‘ Meereshöhe als die Grenze seiner Verbreitung in 
der Vertikalrichtung angeben. Er bevorzugt die ruhigeren Wasserläufe, welche tiefer 
sind; fehlt den steileren Querthälern, deren Bäche rasch hinstürzen und wo für ihn 
das Stossen gefährlich wird. Ganz gemein war der Fischaar in den nächsten Umgegenden 
von Lenkoran. Hier fällt der fischreiche Bach, die Lenkoranka in’s Meer und hat am 
rechten Ufer, kurz vor der Mündung eine tiefe Stillung. Nun aber zieht im Frühlinge 
eine Karpfenart in grosser Zahl in dieses Gewässer aufwärts zum Laichen. Es ist der 
Fisch (Cyprinus cephalus Pall.), den die Perser Kutum nennen, und dieser liefert unserem 
Vogel, wohlgemerkt, wenn er nicht zu gross ist, die sicherste Nahrung. Wenigstens 
ist das im April der Fall. Man wird um diese Zeit kaum vergebens an die erwähnte 
Lokalität gehen, wenn man die hinstreichenden, scharf nach unten blickenden Fischaare 
sehen will. Mit dem Erlegen derselben hat es aber dennoch gute Zeit. Kein einziger 


*) Blanford, East. Pers. ]. c. pag. 114, Nr. 35. 
=") 1 c. pag. 87, Nr. 7. 


203 


a 


Pandion haliaötos,. — Haliaötos albicilla. det: 


Raubvogel hat eine so dicke Haut wie der Fischaar und eine gute Ladung Hagel 
schüttelt er sich ohne Schaden ab. Alle meine Exemplare wurden am Horste geschossen, 
welcher auf Rüstern oder Eichen im entlegenen Waldesdickicht gebaut wird. Während 
des Suchens nach Beute ist der Vogel scheu, am ehesten kommt man Nachmittags zum 
Schusse, wenn für die Abendmahlzeit geraubt wird. Keinesweges verlässt der Fischaar 
mit Sonnenaufgang seinen Horst. Die Sonne stand immer schon recht hoch, wenn ich 
ihn aus den Wäldern im Süden langsamen Fluges heranziehen sah. Nur der Unterlauf 
der Lenkoranka wird von vielen dieser Vögel emsig besucht, weiter aufwärts fehlt er 
ganz. Der Fischaar ist in den Tiefländern von Talysch in milden Wintern wenigstens zum 
Theile Standvogel und rückt nur für kurze Zeit aus den höheren Revieren thalabwärts 
in dem Falle, wenn ausnahmsweise kalte Winter ihn dazu zwingen. Er wechselt aber 
im Winter seinen Aufenthaltsort je nach dem Vorkommen und Wandern der Fischarten. 
So gemein er im März und April bei Lenkoran war, so selten wurde er dort vom No- 
vember bis Ende Februar bemerkt. Vom 13./25. November bis 5./17. Februar kam uns 
dort kein Fischaar zu Schusse, und wurde er überhaupt nur zweimal in dieser Zeit ge- 
sehen. Zu dieser Jahreszeit steigen aber eben nur grosse Lachse den dann seichten 
Fluss aufwärts, diese sind für den Vogel unbezwingbar. Fast scheint es, dass er das 
rauhe, stürmische Winterwetter auch fürchtet. Am 5./17. März wurde der erste Vogel 
erlegt. Die Jäger vertrösteten mich auf wärmeres Wetter und das davon abhängende 
häufigere Erscheinen des Fischaars. Bis zum 20. März/1. April blieb er an der ganzen 
Küste selten, dann aber sah man ihn oft. Zur Zeit der Fischereien am Meere wird er 
Standvogel, so bei Kumbaschinsk im April. Er zieht dann am Caspi-Ufer hin und her. 
Auffallend ist es, dass er die von hohen Rohrwäldern umsäumten Süsswasserlachen 
(Morzi) des Tieflandes nie bejagt, obschon sie reich an Cyprinus-Arten, namentlich an 
Karpfen sind. 


13. Haliaetos albieilla Briss. 


Russisch: Bjelochwost, d. h. Weissschwanz. 

Tatarisch: Kara-gusch, wie alle anderen grossen Adler, und Keisch. 

Bei den Talyschern: Labehör. 

Armenisch: Arxiw, gleich allen grossen Adlern, bei denen man die edlen von den unedlen 
nicht unterscheidet. 


Systematisches. 

Zehn alte und fünf junge Vögel wurden präparirt; ausserdem lebten im Verlaufe 
von 15 Jahren zehn Seeadler in den Volieren. Je jünger der Vogel, um so lebhafter 
das Braun und um so ausgeprägter die Fleckung auf der unteren Körperseite; je älter 
der Vogel, um so gleichmässiger die eintönige Erdfarbe des Vogels, namentlich auf der 
unteren Körperseite, um so heller der einfarbige Hals und Kopf, um so heller der 
mächtige Schnabel und um so reiner weiss der Schwanz. Dies ist die Regel. Obgleich 
der eine meiner lebenden Seeadler sich mindestens eines Alters von 13--14 Jahren 
erfreut, vielleicht aber auch noch älter ist, so hat er doch das Kolorit, wie solches die 
Tafel XLII Riesenthal’s giebt, noch nicht erreicht. Die meisten meiner ganz alten 
Seeadler haben Kopf und Hals licht gelblich grau, die Schwanzfedern stets rein weiss. 
Das dunkle Gefieder des Körpers wird mit zunehmendem Alter ungemein gleichmässig 
fah]l erdbraun und ermangelt jedweder helleren Fleckung. Meine Vögel im grossen 


78 Haliaötos albicilla. 


Adlerhause besitzen alle die Schnäbel licht gelbweisslich bis zur Spitze, und da diese 
Waffe in der Gefangenschaft wenig abgenutzt wird, so erreicht sie in der That eine 
imponirende Grösse, wie ich solche an geschossenen Exemplaren nicht gesehen. Kein 
anderer der grossen Räuber besitzt sie in gleicher Stärke. Dresser*) giebt in seiner 
Anmerkung über den alten Vogel, den er abbildet, die nöthige Erklärung über den aus- 
nahmsweise dunkeln Schnabel. Was die Iris anbelangt, so haben meine alten Vögel 
sie alle schön gelb. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Ueberall da, wo Wald und Wasser im Kaukasus ist, zumal bis in die Höhen 
von 4000° über dem Meere, ist der Seeadler sicherlich anzutreffen, ja an manchen Orten 
gemein, so am gesammten Unter- und Mittellaufe der Kura bis zu deren Quellbächen, 
dem Potschow-tschai und Koblian-tschai. Auf dem Armenischen Hochlande beobachtete 
ich den Vogel nur am Goktschai-See, also noch in 6300°. Besuchsweise mag er aber 
auch als ausdauernder und ausgezeichneter Flieger in die waldlosen Gebiete der Plateau- 
landschaften an die anderen grossen Seeen sich begeben. Im Suantischen Grenzgebirge 
fehlt er nicht, liebt aber die Nähe der Bäche. Dass.dieser Vogel Stand- und Brutvogel 
in den Wäldern von Borshom ist, beweisen in jedem Herbste eine Anzahl noch schlecht 
fiiegender, in Braun und Weiss gefleckter junger Vögel, die gerne nahe von den Land- 
häusern dieser reizenden Sommerfrische auf trockenen Aesten alter Bäume ruhen. Ueber- 
dies wird man wohl jedesmal, wenn die Strecke Weges von Suram bis Azkur zurückgelegt 
wird, dem Fischaar sowohl, als auch dem Seeadler begegnen. Bei Tiflis ist letzterer 
besonders im Winter häufig. Setzen ausnahmsweise kalte Winter ein, welche die Kura 
auf weite Strecken zum Stehen bringen, so erscheint der Seeadler in noch grösserer 
Anzahl an den offenen Stellen des Flusses. So kam er im Februar 1875 zur grossen, 
mechanischen Werkanstalt, gleich unterhalb der Stadt, und zwar diesmal in Gesellschaft 
von Kormoranen und von Ohroteocephalus ichthyaötos. Das sind winterliche Einwanderungen 
von Ost nach West, thalaufwärts, bedingt durch exceptionelles Unwetter in den caspischen 
Gebieten. Man wird kaum fehlgehen, um den Seeadler anzutreffen, wenn man sich, sei 
es wann es wolle, an den bei Gelegenheit der Geier schon erwähnten Platz, 12 Werste 
unterhalb von Tiflis, zur Kura begiebt (Saganlu). Nicht weniger häufig traf ich den 
Seeadler bei Lenkoran an, wo sein naher Verwandter, H. leucoryphus, welcher überdies 
entschieden die Steppen dem Waldgebiete vorzieht, zu den sehr seltenen Vögeln gehört. 
Im Winter lebten die Seeadler namentlich in der Nähe der Fischereien. Sie schrauben 
selten und schlecht, heben sich nur schwerfällig und viel mit den Flügeln schlagend. 
Bei Kumbaschinsk kann man stets mehrere antreffen. Ihren dort gemachten Raub ver- 
zehren sie gerne auf der nahe gelegenen Gruppe der unbewohnten Burani-Inseln. Mehr- 
mals sah ich sie dort um die Mittagszeit gesellschaftlich kreisen, doch nie sehr hoch 
und nie mit schwimmendem Fluge. Die oben besprochenen Exemplare brachte ich alle 
vom Caspi mit; die lebenden in der Voliere stammen alle aus der Umgegend von Tiflis. 
An der Ostküste des Schwarzen Meeres ist diese Art ebenfalls nicht selten, bewohnt 
aber vornehmlich die schmalen Tiefländer und den unteren Rionlauf, weil die engen 
Steilthäler mit ihren rapiden Wassern ihm nicht behagen. Die in der Gefangenschaft 


®) 1. c. Heft XXX VI. 


Haliaötos albieilla. — Halia&tos leucoryphus. — Uirca&tos hypoleucus? 79 


gehaltenen Vögel, von denen einer schon 14 Jahre bei mir lebt, befinden sich vortrefflich. 
Auch sie erhalten Lunge, Leber, Herz, selten Knochen vom Rinde zur Nahrung. Die 
Vögel sind die saubersten von allen in dem Adlerhause und halten das Gefieder stramm 
und glatt. Im Frühjahr und zwar schon Anfang Februar, wenn es anfängt warm zu 
werden, sind sie sehr erregt und machen viel Lärm. Beständig erschallt der bekannte 
Ruf in rascher Aufeinanderfolge, der vom nahe sitzenden Nachbar sogleich erwiedert 
wird. Ich finde diesen Ruf zwar schreiend, aber doch einigermassen klangvoll, gewisser- 
massen bellend. Erst im April werden die Vögel wieder ruhiger, da dann der Trieb 
zum Nestbau wohl überstanden ist. Bisweilen hört zwischen den Seeadlern die gute 
Kameraderie auf. Gesträubten Gefieders sitzen sie dann einander gegenüber und schreien 
sich an mit zurückgebogenem Halse und die furchtbare Schnabelwaffe von Zeit zu Zeit 
vorschnellend. Es wird aber nie Ernst mit dem Angriffe. Der eine Vogel räumt das 
Feld und der andere beruhigt sich. Mit ihren sonstigen Mit-Insassen halten die Seeadler 
gute Freundschaft. Zwei meiner alten, gefangenen Seeadler hörten auf zu mausern, 
nahmen ein äusserst struppiges Aeussere an und starben bald. Sie hatten 12 und 15 
Jahre lang in der Gefangenschaft gelebt. In letzter Zeit, als sie unbehülflich wurden, 
fiel alles andere Raubzeug über sie her und kaum waren sie verendet, als auch schon 
die Geier sie rupften und verzehrten. 


14. Halia&tos leucoryphus Pall. 


Systematisches. 


Ich besitze nur ein altes, grosswüchsiges Weibchen, welches am 20. Apnil/2. 
Mai 1866 nicht weit von der Fischerei (Watäga) Kumbaschinsk erlegt wurde. Dasselbe 
trägt ein ungemein abgeriebenes und verblichenes Kleid, zumal auf der unteren Körper- 
seite. Den Bauchfedern sieht man es an, dass sie im frischen Zustande lichte Erd- 
farbe besessen haben; jetzt sind die meisten schmutzig weissgrau, die subcaudalen 
etwas dunkler, die seitlichen Hosen gemischt mit dunkelen und hellen Federn. An 
diesem Vogel bemerke ich nirgends, trotz des abgetragenen Kleides, den Beginn einer 
Mauser. Der Schwanz ist grösstentheils einfarbig erdfarben; die grobgesprenkelte 
Zeichnung der Innenfahne an den Steuerfedern reicht nicht bis zum Ende derselben. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Der Vogel’ ist im stark bewaldeten Theile des Süd-Caspi, also Gilan, Massen- 
deran und Talysch gewiss sehr selten. Ich selbst habe dort nur seinen europäischen 
Genossen, den Seeadler gesehen. Er bevorzugt die Steppen, wie das ja auch ans den 
durch Eversmann und Severzow gegebenen Nachrichten hervorgeht. Ich glaube 
unweit von Salian diese Art mehrmals beobachtet zu haben. Die Vögel sassen nahe 
vom Flusse an der Erde und waren sehr hell erdgrau. 


I5. Circa&tos hypoleucus Pall.? 


Dass eine Schlangenadler-Art bei Lenkoran im Sommer vorkommt, steht unum- 
stösslich fest. Die Mittheilungen von verschiedenen glaubwürdigen Jägern lauten 
alle darauf hin, den Vogel, welcher grösser als Paundion ist, mit sich windenden 
Schlangen in den Fängen in der Luft beobachtet zu haben. Es gelang mir indessen 


80 Circa&tos hypoleucus? — Aquila imperialis. 


nicht, selbst trotz hoher Schussprämien, ein Exemplar zu erstehen. Die Unterläufe des 
Aras und der Kura mit der schlangenreichen Mugan-Steppe dürften dem Vogel besonders 
behagen. Aller Wahrscheinlichkeit nach haben wir es in diesem Falle mit ©. hypoleu- 
cus Pall. zu thun, dessen artliche Selbstständigkeit neuerdings durch Mensbir*) auf- 
recht gehalten wird. Auch im Dagestan kommt, zumal in der fachern Uferzone und in 
den Vorbergen, der Schlangenadler vor, wie mir dies vielfach mitgetheilt wurde. 


16. Aquila imperialis Bechst. 

Russisch: nach Bogdanow: Karagush (tatarischen Ursprung's). 

Tatarisch: Schah-Schungar. 

Persisch: Die Adler werden Ukab im Allgemeinen genannt, auch Ungd hört man. 

Armenisch: Wie alle Adler: Arziw. 

Systematisches. 
Ich bespreche vier junge Vögel, zwei alte in der Voliere in Zeit von 5—6 

Jahren in’s alte Kleid vermauserte und zwei im Uebergangskleide des 3. Jahres im Frei- 
leben: im Ganzen 8 Kaiseradler aus dem Kaukasus. Es ist ein sonderbarer Zufall, dass 
ich im Verlaufe der Zeit fast immer nur junge Kaiseradler erhielt. Einen derselben hatte 
ich in der Gefangenschaft bis zum dunkeln Gefieder des 5. Jahres gebracht; doch starb 
er vor vollendeter Mauser. Ein zweiter in der Gefangenschaft acht Jahre lang lebender 
Kaiseradler trug das schöne dunkle Kleid mit den weissen Scapularfedern und entkam 
leider, da der Wärter die Thüre des Hauses nicht schloss. Ich erwähne dies besonders, 
weil die Raiseradler unserer Gegend weder im Freileben, noch namentlich in der Ge- 
fangenschaft, schon im 2. Jahre das von Naumann jun. **) als „mittleres Kleid“ be- 
schriebene und auf Taf. 340 abgebildete Gefieder tragen. Ein noch nicht ganz erwachsener 
Kaiseradler wurde mir im Oktober 1877 Hügellahm gebracht. Er hatte das erste Jugend- 
kleid an, welches noch heller und in der Zeichnung verwaschener war, als das nach 
der ersten Mauser. Ein jetzt bei mir seit drei Jahren lebender, ganz zahmer Kaiser- 
adler besitzt immer noch die Zeichnung des Jugendkleides, aber an den Mundwinkeln, 
an dem Flügelbug und auf den Tarsen setzt viel dunkles Gefieder ein. Die ganze 
obere Seite ist schon viel intensiver, aber immer noch in der Grundfarbe und Zeichnung 
des Jugendhabites gefärbt und keinesweges einfarbig. Dieses einfarbige Mittelkleid mit 
rostigem Occipitallecke ist mir aus dem Oriente erst in neuester Zeit bekannt ge- 
worden, keiner meiner gefangenen Vögel legte es an. Es kommt, so. scheint es, auch 
im Freileben nur selten vor und wird es vielleicht auch in der Freiheit nicht immer 
angelegt. In den ersten Tagen des März 1382 wurde ein Päärchen in diesem Ueber- 
gangskleide bei Tiflis erlegt. Die beiden Vögel tragen ein fast durchweg frisches, 
schönes, intensiv dunkel sepienbraunes Gefieder. Auf dem Rücken des Männchens 
stehen noch ein Paar Federn des lehmgelben Jugerdkleides und ist sein gelber Ocei- 
pitallleck sehr gross. Er reicht bis auf den Scheitel hinauf. Von Weiss in der Schulter- 
gegend ist noch keine Rede. Der Nackenflecken des Weibchens ist nicht so scharf 
umgrenzt und nicht so klar im Kolorit. Acht schwarze, Hammig in stumpfer Keilform 
auf jeder Schwanzteder gezeichnete Binden stehen auf grauem Fond. Die Endbinde 


S)Elzes para 339! 
==) 


Nachträge etc. zu J. A. Naumann’s Naturgeschichte der Vögel Deutschlands, Bd. XII. pag 24. 


Aquila imperialis. — Aquila chrysaötos. s1 


ist breiter. Alle jungen Vögel, die ich erhielt, zeigten die bekannte semmelgelbe und 
braune, bald lichter, bald dunkler gefärbte Tracht und wechselten diese in der Ge- 
fangenschaft erst im 4—5. Jahre, direkt dann in das Habit des alten Vogels mausernd. 
Im 4. Jahre ist von den weissen Scapularflecken noch keine Spur. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Nach meinen Erfahrungen zieht der Kaiseradler die nackten, spärlich bewaldeten 
Vorketten grosser Gebirge den mit geschlossenen Hochwäldern bestandenen Hauptstöcken 
entschieden vor, ist in den Ebenen, welche sich zu Füssen jener Gebirge hindehnen, 
ein durchaus nicht seltener Vogel, vollführt aber das Brutgeschäft in guten Verstecken 
der Vorketten. So ist diese Art auch in den Vorbergen des Dagestan nachgewiesen. 
Herr Nikolsky in Derbent zeigte mir ein von dort stammendes, junges, ausgewachsenes, 
aber ebenfalls sehr helles Exemplar. Aus den Steppen kenne ich nur junge Vögel. 
Gerne bäumt der Kaiseradler und baut seinen Horst auch auf alte Weiss- und Schwarz- 
Pappeln und ich: möchte jetzt meine im Jahre 1854 an der Alma in der Krimm ge- 
machten Beobachtungen auf diese Art und nicht auf Ag. chrysaötos beziehen. In der 
Gefangenschaft ist Ag. imperialis einer der dankbarsten, intelligentesten und zahmsten 
Raubvögel. Von allen Adlern ist er mir der liebste. Sowohl das verendete Exemplar, 
als auch das jetzt im 4. Jahre bei mir lebende, waren ausserordentlich zutrauliche Vögel 
mit lebhaftem Temperamente. Nicht allein dem Futtermeister kommt unser Kaiseradler 
jeden Morgen freudig entgegen, auch wenn ich mich zeige, ist er da, kommt an das 
Gitter, beliebt zu spielen, schreit mehrmals das hohlklingende, krächzende, rauhe: Kä, 
Kä, oder Krä (ä kurz), ist ungemein beweglich, mit immer elegant angelegtem Gefieder, 
verfängt sich leicht an einem der herumliegenden Fleischstücke und schleppt selbiges 
dann hüpfend mit sich herum, bäumt zur Abwechselung, kommt wieder zu mir und ist, 
wie schon gesagt, ein ebenso heiterer, freundlicher, als eleganter Vogel. Alles das kann 
man vom Königsadler nicht sagen, worauf ich bei Besprechung desselben zurückkomme. 


17. Aquila chrysa&tos L. 
— Ag. juhaıD. 


Russisch: Berkut ist gleich der Benennung Bjürkut, wie man sie bei den Tataren hört, des- 
selben Ursprunges. ; 

Bei den Talyschern: Scehalü. 

Armenisch: Woskesots-arzw. 


»Der Steinadler wechselt sein Kleid ungemein; das Alter spielt dabei eine grosse 
Rolle. Doch nebst dem lassen sich je nach den Gegenden, in welchen der Horst stand, aus 
dem der Vogel ausgeflogen, drei Haupttypen und ein Uebergangstypus von Steinadler-Gefieder 
und selbst Gestalt deutlich erkennen. An die in allen Typen sehr wechselnde Grösse darf man 
sich nicht halten, sie stammt von den Ernährungsverhältnissen in der Jugend des Vogels.« 

‚Man kann somit den südwest-, nordwest- und mitteleuropäischen Steinadler in 
eine Gruppe rechnen, den südosteuropäischen in die zweite und den nordost- und nordeuro- 
päischen in die dritte. Zwischen der zweiten und dritten Gruppe kann man einen Mitteltypus, 
ich möchte sagen, einen Uebergang finden.« 

»Die dritte Gruppe ist der Goldadler des alten Naumann und des alten Brehm; 
so klar und deutlich, wie diese grossen Forscher ihn beschrieben, kann man ihn leicht er- 
kennen. Er besteht; doch um den Namen, wie ihn bezeichnen, ob zu einer eigenen Gattung*) 


*) Anstatt »Gattung« ınuss es hier heissen »Art«, 


Badde, Ornis caucasica. 11 


82 Aquila chrysaötos. 


erheben, oder nicht, dazu spitzt sich die ganze Frage zu. Ich glaube, die eigene Gattung 
kann nicht fortbestehen, ausser man würde noch zwei nene Gattungen gründen und dann 
hätten wir drei Gattungen der Familie Steinadler, und dazu sind die Unterschiede doch zu 
gering; sie sind ja nicht so bedeutend, wie zwischen dem Ag. ümperialis und seinem spa- 
nischen Verwandten, dem Ag. Adalberti. Darum rede man nicht von Gattungen, sondern 
von Typen; es giebt nur einen Steinadler, doch er zerfällt nach den Gebieten, in denen er 
lebt, in drei Typen, wie ja dies bei so vielen Vögeln der Fall ist, ich erlaube mir nur auf 
Haliaötos albieilla hinzuweisen. Der nordeuropäische Seeadler und der südeuropäische sind 
in der Grösse so verschieden und doch wird es Niemandem in den Sinn kommen, daraus zwei 
Arten zu machen.« etc. etc. 
Kronprinz Rudolph, 


Allerlei gesammelte ornithologische Beobachtungen, pag. 21—22. Wien 1880. 


Systematisches. 

Vier Exemplare sind mir bis jetzt aus dem Kaukasus bekannt geworden. Immer 
noch giebt es Zweifler und zwar in den ersten Reihen der ornithologischen Fachgenossen, 
welche die Identität von Aguzla fulva L. und Ag. chrysaetos L. nicht anerkennen und 
Brehm’s*) neuester Ausspruch ist nicht geeignet, Gewissheit in die Sache zu bringen. 
Mensbir **) führt neuerdings drei Edeladlerspecies getrennt auf, nämlich: Agila ehry- 
saetos L., Ag. nobilis Pall. und Ag. fulva var. alpina Sev. Es stelit ja aber bevor, in 
nicht gar zu langer Zeit das Resultat von Brehm’s und E. v. Homeyer’s Untersuchungen, 
die auf Anregung des Kreonprinzen Rudolph von Oesterreich gemacht werden, zu erfahren. 
Die persönliche Ansicht des Erlauchtesten Protektors unserer Wissenschaft haben wir 
aus dem Obenstehenden kennen gelernt. Ich schliesse mich derselben aus voller Ueber- 
zeugung an. Auch ich sendete zu der in Aussicht genommenen Arbeit meinem ver- 
ehrten, alten Freunde E. v. Homeyer einen Steinadlevr aus dem Kaukasus und will 
hier nur ein zweites bei mir schon seit 6 Jahren lebendes Exemplar zunächst besprechen. 
Der Vogel muss recht alt sein. Er gehört zu fulva und besitzt eben die für diesen 
charakteristische Schwanzfärbung. Vor der breiten, gleichmässig schwarzen Endbinde 
des Schwanzes, deren oberer Rand etwas zackig ist, beginnt der aschgraue Fond der 
mittleren Partie, auf welchem schwarze Zackenbinden und Flecken stehen. Die Basis 
ist weiss. Ich halte den Vogel für ein grosswüchsiges Weibchen. Ein eben solches 
junges starb sehr bald in der Gefangenschaft. Noch steht ein altes Weibchen, im 
Februar bei Tiflis erlegt, vor mir. Ein schön ausgefärbter, dunkler Vogel mit leicht 
goldigbraunen, verlängerten Nackenfedern. Im frischen dunklen Kleide stehen namentlich 
auf dem Flügel und weniger auf der Brust ältere, hellere, vertragene Federn eines frü- 
heren Kleides. Auch dieser Vogel ist in Bezug auf Schwanzfärbung alter Ag. fulva, 
die Schwanzbasis ist im Fond weiss und überall leicht in Grauschwarz gesprenkelt. 
Ebenso stellt die Abstufung der Schwanzfedern direkt den Vogel zu Ag. fulva. Die 
breite schwarze Endbinde auf dem Schwanze nimmt über zwei Zoll ein, die äusseren 
Hosenfedern sind dunkel sepienbraun und nach oben hin etwas rostig überflogen. 


Lebensweise und Verbreitung. 
Als ich Ende August 1864 aus den Swanischen Hochalpen (Längenhochthälern 
des Ingur, Tskenis-Tskali und des Rion) in’s Colchische Tieland kam, schrieb ich in 


*) Neue Auflage des Thierlebens, 4. Bd. pag. 611. 
**) Omithol. Geographie des europäischen Russlands, 1882 (russisch) pag. 370 ff. 


Aquila chrysaötos. — Aquila clanga. 83 


mein Tagebuch: „Im Kaukasischen Hochgebirge der drei Längenhochthäler sah ich 
bis jetzt noch nie einen Adler oder Lämmergeier, auch nicht kreisen. Die Geierarten 
bevorzugen die heissen Tiefländer, die Edeladler, so scheint es, bewohnen vorzugsweise 
die waldbestandenen Mittelgebirge und deren Vorberge.“ Dies ist im Wesentlichsten 
nach nunmehr fast zwanzigjähriger Erfahrung im Kaukasus wahr, wenn schon man, wie 
ich ja oben bei den betreffenden Species bereits erwähnte, von einem absoluten Mangel 
des grossen Raubzeuges in der basal- und hochalpinen Zone nicht sprechen darf. Im 
Trialetischen Gebirge ist: der Steinadler nicht gerade selten und die Zweifel Bogdanow’s*) 
sind nun wohl beseitigt. Angefangen von dem Adsharischen Grenzgebirge, in dem jetzt 
russisch gewordenen Tschoroch-Systeme, dann ostwärts in den Wäldern, welche die 
Wasserscheide zwischen Kura und Rion (Achalzicho-Imeretinisches Grenzgebirge) bilden, 
namentlich auch bei Abas-tuman, Achalzich und Azkur, habe ich Steinadler mehrfach 
beobachtet. Ebenso traf ich diese Art stets auf den Höhen des Akstafa-Thales und in 
der Waldzone von Karabagh. Von hier aus besucht er zeitweise das Südufer des Gok- 
tschai-Sees, wo er bei Nowo-Bajaset mehrfach beobachtet wurde. Zweifelsohne lebt 
er auch in den Talyscher Gebirgen und in Massenderan, obschon ich von dort nur 
mehrere grosse Schreiadler mitbrachte. Im grossen Kaukasus ist er mit dem Eintritte 
des Alasan in die Ebene von Kachetien anzutreffen, aber nirgend häufig. Dagegen sah 
ich den Steinadler nicht auf den waldlosen, Armenischen Hochländern. In der Gefangen- 
schaft sind meine alten Steinadler die ernstesten aller ihrer Mitinsassen. Gewöhnlich 
sitzen sie hoch oben in der Ecke auf dem Gemäuer und sind theilnahmlos gegen Alles, 
was sie umgiebt, halten aber Frieden mit Allen. Den Mangel an Zutraulichkeit und 
Zahmheit glaube ich bei ihnen darin begründet, dass die Vögel schon im vorgerückten 
Alter standen, als sie eingefangen wurden. Der Steinadler geräth bisweilen in die 
Fuchsfallen beim frischen Aase, ein Beweis, dass er selbiges, zumal im Winter, nicht 
verschmäht. 


18. Aquila celanga Pall. 


Russisch: Podorlik bolschot. 
Tatarisch: Karagusch oder Karachusch. 
Grusinisch: Alle grossen Adler heissen: Orbi, auch die See- und Edeladler. 


Systematisches. 

Von den achtzehn kaukasischen grossen Schreiadlern sind sechs alte Vögel 
ohne irgendwelche gelbweisse Fleckung und zwölf jüngere, sowohl Männchen als auch 
Weibchen. Ich habe meine Ansichten über die drei Schreiadler Russlands seit dem 
Jahre 1863 geändert. Damals vereinigte ich sie**), jetzt bin ich von der artlichen 
Selbstständigkeit überzeugt. Vor mir stehen vom Schölladler zunächst 4 ausgestopfte 
Exemplare, die andern sind nur gebalgt. Drei von den aufgestellten stammen aus den 
Lenkoran’schen Wäldern, eines wurde mir durch Herrn Dr. Koch schon ım Oktober 
1868 aus Wladikawkas zugesendet. Dieses junge, schöne Männchen prangt im frischen 
Jugendkleide, wie es der Vogel im 2. und 3. Jahre trägt. Auch an diesem Vogel ist 
ein Hinneigen zum Rostroth in der Färbung überall da, wo sonst weissliche Flecken 


*, Bogdanow;l. c. pag. 38, Nr. 8. 
**) Reisen im Süden von Ost-Sibirien Bd. II, pag. 85 sq. 


11% 


54 Aquila clanga. 


stehen, sehr auffällig. Schon auf der Brust beginnen bei ihm die breiten, hellkaffee- 
braunen Schaftflecken, nehmen auf der Bauchseite an Umfang und Intensität zu und 
bleiben selbst auf den langen seitlichen, äusseren Hosenfedern rostgelb. So klar weiss- 
grau, wie Tafel 343 bei Naumann sie malt, sind weder an meinem kaukasischen, 
noch an einem mir zur Hand liegenden, vom Baikalsee stammenden Herbstvogel die 
Fleckungen. Dasselbe muss ich auch von den grossen Flügeldecken sagen. Hier- 
wachsen die elliptischen Endflecken in Breite und Länge ansehnlichst und lassen die 
deutlichen zwei Binden, nur hie und da von den dunkeln Rändern unterbrochen, er- 
scheinen. An dem Sibirier sind sie schmäler, aber noch dunkler. Bei meinem Vogel 
stehen nur die unteren Schwanzdecken in reinem Weissgelb da. An dieses Exemplar 
aus Wladikawkas schliessen sich alle jungen Vögel aus dem Talyscher Tiefande. Varia- 
tion kommt bei ihnen nur in Bezug auf Nuancirung des Kaffebrauns und in Bezug 
auf die grössere oder kleinere Form der Flecken vor. Alle solche jungen Vögel haben auf 
den seitlichen Hosenfedern hell lehmgelbe, schmale Schaftllecken. Die jungen Vögel 
wurden bei Lenkoran von Mitte Dezember bis Ende Januar erlegt. Die älteren 5 Vögel, 
in der Zeit vom 10. / 22. April — 25. April/7. Mai 1866, im Dezember 1879 und ein Weibchen 
noch im Mäız erlest, tragen ein gemischtes, zum Theile abgeblichenes und verschlissenes 
Gefieder von der bekannten Erdfarbe und erscheinen mehr oder weniger unregelmässig 
gescheckt. Die Bandzeichnungen des Schwanzes fehlen, wie es eigentlich stets sein 
sollte, bei dreien Weibchen, sind aber, obwohl getrübt, so doch ganz deutlich bei den 
beiden andern Exemplaren zu erkennen. Auch muss ich der Wahrheit gemäss sagen, 
dass die Tarsenlänge variabel ist, obwohl der Vogel doch auf den ersten Blick durch 
die hohen Ständer auffällt. Ich finde endlich, was die allgemeine Form der Federn an- 
belangt, bei den jungen Vögeln alles Kleingefieder viel spitziger gestaltet, als bei den 
alten Individuen. Im Alter bleiben nur die Kopf- und Nackenfedern spitziger gestaltet, 
aber die Bauchseite trägt die vollgerundeten Federn. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Ich bin nunmehr davon überzeugt, dass in den südcaspischen Niederungen der 
Schöliadler Standvogel ist und sich im Winter auch dorthin angezogene Vögel aufhalten. 
So wie wir im November uns den Ausläufern des Talyscher Gebirges naheten, war: 
diese Art nicht selten. Sie ist überhaupt die häufigste ihres Geschlechtes, aber freilich 
nicht überall zu finden. Die ausserordentliche Häufigkeit dieser Species Anfangs Sep- 
tembers im Terek-Gebiete, welche neuerdings Bogdanow *) bekundet, muss man als 
eine Zugerscheinung auffassen. Ag. celanga ist Waldvogel, Ag. orientalis vornehmlich 
Steppenbewohner. Die beiden von Bogdanow auf einen Schuss getödteten Adler 
dieser bis 400 Stück zählenden Gesellschaft erwiesen sich aber als Ag. clanga. Es ist 
sehr möglich, dass diese Vögel eben dem Gebirge entlang zu dem Meeresufer wandern 
und an diesem, zumal im bewaldeten südlichen Winkel, überwintern. Bei Lenkoran 
war das entschieden mit vielen Schölladlern der Fall. Bei Tiflis und im Centraltheile 
Transkaukasiens habe ich diese Art nie beobachtet. Ende August traf ich sie auf dem 
kleinen Plateau bei dem Dorfe Nikorzminda (4000°) bei dem Eintritte in den Radscha- 
Gau, wo sich die dunkelgefärbten, hellgefleckten Vögel an sumpfigen Stellen zu schaffen 


*) Bogdanow, 1. c. pag. 40, Nr. 10. 


Aquila elanga. — Aquila orientalis. 85 


machten. gar nicht scheu waren und oft ausruheten. Während des Winters lebten die 
Schölladler im Talyscher Tieflande immer in der Nähe der hohen Rohrbestände und am 
Rande des Urhochwaldes. Sie hatten dort die reichlichste Nahrung, weil ihnen viele 
angeschossene Wasservögel zur Beute wurden. Sie bäumten zur Nacht auf den hohen 
Sturmweiden von Kumbaschinsk in Gesellschaft von Falco peregrinus, doch nicht mit 
ihm auf einem Baume. Am Tage traf ich sie oft auf niedrigen Gledütschia-Bäumen im 
Jongelgebiete ruhen und zwar auch in kleinen Gesellschaften von 4—6 Exemplaren. 
Am Meeresufer sah ich sie hier nicht, dort wirthschaftete ausschliesslich der Seeadler. 
Die Horste werden auf den hohen Bäumen am Rande der Urwälder in der Niederung 
errichtet. 


19. Aquila orientalis Cab. 


Wird vom vorigen nicht unterschieden. 


Systematisches. 

Die Suite der grossen Schreiadler ist in neuester Zeit durch Mensbir*), welcher 
mit Severzow gleicher Ansicht über ihre artliche Selbstständigkeit ist, abermals um 
noch zwei Species vermehrt worden, so dass wir jetzt haben: Ag. elanga Pall., Aq. ori- 
entalis Cab., Ag. bifasciata Gray und Ag. Glitschüi Sev. Die drei letztgenannten sind 
Steppen- oder Wüstenvögel, ersterer von ihnen den Stöpasteppen, zweiter den Saxaul- 
(Halodendron-) Wüsten und der letzte den Wermuthsteppen angehörend. Im erklärenden 
Texte über die geographische Verbreitung dieser Steppenadler schreibt mir (Mensbir) 
N. A. Severzow Folgendes: „Die geographische Verbreitung dieser drei ausser- 
ordentlich nahestehenden Arten ist eine solche, dass sie sich gegenseitig 
vertreten. Ihre Brutplätze ziehen sich in Zonen hin, die von N. nach $. nicht breit, 
aber lang ausgezogen von WSW. nach ONO. und zwar so, dass man sie in gleicher 
Reihenfolge durchschneiden würde, wenn man z. B. von Rustschuk nach Perowsk, d. 
h. durch die Tiefländer der Donau, des Dniepr, Don, der Wolga und des Syr reisen 
wollte, oder von N. nach S., wenn man sich direkt von Troizk nach Taschkent begäbe, 
In beiden Richtungen begegnet man zuerst Aq. orientalis, dann Ag. Glitschü, und endlich 
Ag. bifasciata“ etc. etc. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Es ist mir bis jetzt nicht gelungen, den Vogel aus Transkaukasien zu erstehen. 
Im Mündungslande der Kura kommt der grosse Steppen-Schrei-Adler entschieden vor. 
Die in den Umgegenden von Salian wiederholt beobachteten zum Theile hell ge- 
färbten grossen Schreiadler glaube ich für junge Vögel dieser Art halten zu dürfen. 
Die gesehenen Vögel hatten namentlich die Flanken rein ockergelb, und auch viele der 
oberen Flügeldecken besassen diese Farbe. Wolga-Exemplare, die mir vorliegen, tragen 
den grössten Theil des Mantels und der Flanken in eben dieser Färbung. Während 
meiner Reise im Jahre 1867 in Hocharmenien beobachtete ich in Höhen von 6000‘ im 
Gebiete von Kars dunkle grosswüchsige Adler, welche ich geneigt bin, der in Rede 
stehenden Species zuzuzählen. 


*) Mensbir, Omith, Geographie des europ. Russl. (russ.) pag. 385. 1882, 


86 Aquila naevia. 


20. Aquila naevia M. et W. 
Russisch: Podorkik maly. 
Systematisches. 

Ich kenne im Ganzen nur sieben Exemplare des kleinen Schreiadlers aus dem 
Kaukasus. Alle stammen vom unteren Joralaufe, wo der Vogel in den Wäldern brütet 
und von wo man mir drei junge Vögel lebendig brachte: zwei davon gingen zu Grunde, 
zwei alte Vögel besitzt Herr Klotz in Tiflis. In den Wäldern von Gambori erlegte im 
August 1872 Herr O. Struwe ein junges Männchen, dem ich das dritte Lebensjahr 
beilege. Dieses war der erste Vogel dieser Art, den ich im Kaukasus sah. Bei diesem 
Exemplare besitzen sämmtliche Schwingen zweiter Ordnung am Ende einen fast zoll- 
langen, mattzimmetfarbenen Flecken. Solche Abzeichen tragen auch die meisten 
langen, oberen Flügeldecken. Der braune Nackenfleck ist da, aber die hellen zur Spitze 
hin etwas verbreiterten Schaftstriche einzelner Federn am Halse und am Flügelbug 
sind sehr sparsam vertreten. Die oberen, längsten Bürzelfedern sind schmutzig weiss. 
Das gesammte obere und untere Kleingefieder ist einfarbig, lebhaft erdbraun und besitzt 
einen brongenen Schimmer. Ich nehme folgende Maasse in Millimetern an dem Exemplare: 


iotallan eve re 5lEmmE 
Flügelbug bis zur Spitze . . .45 „. 
Sch wanzlangese een 
arsusıy® a 1er Ar we 
Mittelzehe ohne Kralle 54 


and 

Kralle der Mittelzehe in der Sehne 22 

Schnabelspitze bis Stirnbasis grade 43 ,„. 
57 


Mundspalte 


Lebensweise und Verbreitung. 

Bis 1878 war mir der kleine Schreiadler nur zweimal in die Hände gekommen, 
so lange ich im Kaukasus lebe. Beidemale stellten ihn die Gebirge des mittleren Kura 
und unteren Jora, beidemale waren es junge Vögel, die ich erhielt. Ein zierliches 
Weibchen lebte im Herbste 1867 zwei Monate lang in der Voliere und entkam durch 
Unvorsichtigkeit der Bedienung. Der Vogel hatte ebensowohl den rostigen Nacken- 
flecken, als auch die vielen, schönen, hellen Schaftstriche im kleinen Gefieder der Brust, 
wie auch namentlich auf den Flügeldecken. Anfangs September 1879 erhielt ich aber- 
mals drei lebende, junge kleine Schreiadler. Sie entstammten aus einem Neste von der 
unteren Jora, das eine Individuum musste anfangs noch gekröpft werden. Die kleinen 
Adler lebten mit den anderen ihres Geschlechtes, den Geiern und Bussarden in der 
grossen Voliere in gutem Frieden. Zwei davon gingen aber bald zu Grunde, das dritte 
mauserte fast beständig, lebte zwei Jahre und trug immer noch ein ausnehmend helles 
Jugendkleid, in welchem die hellen Schaftflecken an Brust und Bauch und auf den 
oberen Flügeldecken an Umfang dermassen zunahmen. dass der Vogel ausserordentlich 
bunt in Braun und Öckergelb erschien. Leider gelang es auch diesem Vogel, beim 
Füttern der anderen Insassen der Volire zu entkommen. Von Bogdanow *) neuer- 
dings für die Nordseite des Grossen Kaukasus nachgewiesen und von Menetries”*) 

Al Sc passA ren llE 

”*) Catalogue, ete., pag. 27, Nr. 34. 


Aquila naevia. — Aquila pennata. 87 


in dem Talyscher Gebiete entdeckt, hat Kessler auch noch den kleinen Schreiadler 
in der Nähe meiner Fundplätze, nämlich am Alasan, gesehen. 


21. Aquila pennata Gml. 
— Ag. minula Brehm. 

»Wird hier nicht besonders benannt, von den meisten Jägern gar nicht gekannt und 
schlechtweg als »kleiner Adler« von denen benannt, die ihn erlegen. Brehm bekannte sich 
lange zur Ansicht der Theilung beider Arten, und viele Forscher schlossen sich ihm an. In 
Brehm’s Thierleben, erste Auflage, kann man noch von zwei Arten lesen; in der zweiten 
Auflage findet man nur mehr einen Zwergadler; die beiden Arten sind in eine einzige zu- 
sammengeschmolzen. Noch vor Kurzem war auch ich von der Trennung der beiden Arten 
durchdrungen und hielt fest daran. Beobachtungen, die ich heuer im Frühjahre anzustellen 
Gelegenheit hatte, haben mich eines Bessern belehrt«. 

Kronprinz Rudolph, 
Allerlei gesammelte ornithologische Beobachtungen, pag. 30. Wien 1880. 


Systematisches. 

Severzow und Mensbir*) trennen auch jetzt noch Ag. pennata Gml. von 
Ag. minuta Brehm. In neuerer Zeit hat Ludwig Holtz im Journal für Ornithologie 
1872, pag. 286 und folg., die Angelegenheit sehr eingehend besprochen und sich für 
Vereinigung erklärt. Ich habe die Zwergadler stets nur als einer Art angehörend be- 
trachtet. So lange ich im Kaukasus sammle, habe ich dort nur vier Exemplare vom 
schönen Zwergadler erstanden. Drei davon sind junge, dunkle Männchen, mit stark 
prononcirtem, weissen Schuiterblatte. Das eine Exemplar hat die Stirnfedern weiss und 
ist überhaupt heller als die anderen, besitzt namentlich an den Rückenfedern breite, 
graubräunliche Ränder, welche gleich stark auch auf den oberen Flügeldecken zu sehen 
sind. Solche Vögel würden also zu Ag. minuta Brehm gehören. Ein anderes Männchen 
repräsentirt den hellen Typus des Zwergadlers, also Ag. pennata Gml. Der Rücken 
dieses Vogels (19. August / 1. September) zeigt im alten Gefieder einzelne frische, 
dunkle Federn. Der weisse Schulterfleck fehlt, aber der gesammte Flügelrand, dem 
Unterarme entlang, ist schneeweiss. Die gesammte untere Körperseite zeigt nur wenig 
Rostgelb, so an den Seiten des Halses und der Brust, wie an den Flanken; die schmalen, 
braunen Schaftflecken sind stark entwickelt, die Hosen weiss mit rostigen, verwaschenen, 
unterbrochenen Bindenflecken. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Die vier erwähnten Zwergadler warden am 28. April/10. Mai, am 19. August/ 
1. September und am 6./18. September bei Mszchet, zwanzig Werste nördlich von Tiflis, 
geschossen. Ich glaube sie waren auf dem Zuge. Niemals bin ich dieser Art im Sommer 
begegnet und sie ist meines Wissens von anderen Reisenden und Forschern im Kaukasus 
überhaupt noch nicht nachgewiesen worden. O. St. John **) fand die Zwergadler nicht 
selten in den Gärten Süd-Persiens. 


*) ]. ec. pag. 407 et sqq. 
**) Blanford, East. Pers. ]. ce. pag. 112. 


88 Archibuteo lagopus. — Buteo ferox. 


22. Archibuteo lagopus Brünn. 
Russisch: schlechtweg Sarytsch, wie alle anderen Bussarde. 
Tatarisch: Torbala. 
Systematisches. 

Ein jüngeres grosswüchsiges Weibchen erhielt ich Ende Oktober 1864 aus den 
Gebirgen bei Muchrawan, die gegen NO. von Tiflis gelegen und stark bewaldet sind. 
Der Vogel hält die sonst dominirende Färbung des Gefieders gut ein und stimmt zum 
Bilde Naumanns*) auf Tafel 34. Es lässt sich daher nichts Auffallendes über ihn 
berichten. Dieses ist das einzige Exemplar vom Rauhfussbussard, welches ich im Verlaufe 
von bald zwanzig Jahren in Transkaukasien erstand. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Das häufige Vorkommen des Rauhfussbussard’s als Wintervogel in Südrussland 
wurde bereits non Nordmann“*) für Odessa, von mir***) und Schatilow7) nach- 
gewiesen. Doch scheint eben für den Zug aus Norden die Rastzone zum Winter im 
südlichen Russland zu endigen. Aus den transkaukasischen Gegenden war der Rauh- 
fussbussard bis dato noch nicht bekannt, erreicht also hier den 41° nördlicher Breite. 
Einstweilen bleibt für Vorderasien dies sein südlichstes Wintergebiet. Ich kenne ihn nicht 
als Steppenvogel: lebt er im Winter reichlicher Nahrung wegen in ihr (der Steppe), so 
sucht er immer wenigstens die Nähe von Bäumen, Gärten, alten Plantagen und bäumt 
dort gerne. Ob der Cuvier'sche Archibuteo penmatus, den Grayf) als synonym mit 
unserem Vogel aus Südafrika aulzahls in der That identisch mit ihm ist, muss noch 
dahin gestellt bleiben. Brehmry) wenigstens in der neuen Auflage seines Thierlebens 
schweigt darüber. 


23. Buteo ferox Gml. 
Russisch: ‚Stepnoi Sarytsch — Steppenbussard. 
Tatarisch: Zard oder Kossah; gewöhnlich aber, wenigstens in Transkaukasien, Tschetschatutun, 
d. h. der Müusefänger. 
Systematisches. 

Seit einem Jahre lebt in meiner grossen Voliere dieser Bussard, welcher in den 
Umgegenden von Tiflis ergriffen wurde Es ist ein jüngeres Exemplar, welches viel 
Rostroth auf dem Rücken sowohl, wie an der unteren Seite des Körpers zeigt. Der 
Schwanz ist stark mit Gelb angeflogen, welcher Ton zum Ende hin bleicher wird. Es 
scheint mir, dass auch bei diesem Vogel, wie bei den folgenden Bussard-Arten, die kau- 
kasischen Exemplare das Extrem rostrother, sogar fuchsiger Färbung erreichen. Im 
Vergleiche mit Exemplaren von der Wolga, welche vor mir liegen, bestätigt dies mein 
lebender Vogel. Jene helle Grundfarbe der unteren Vorderseite, die, von der Kehle be- 
ginnend, sich bis auf die halbe Brust hin verbreitet, und bei alten Vögeln beiden Ge- 


*) Bei Riesenthal l. c. Taf. II wird das Männchen in diesem Kleide abgebildet. 
Voyage dans la Russie mer. T. HI, page. 103 et sg. 
***) Beiträge zur Ornithologie Südrusslands, Bulletin de Moscou 1854. 
r) Katalog meines ornith. Museums, Bulletin de Moscou 1860. Nr. 4. 
ir) Handlist of birds pag. 9. 
tr) L e. 4 Bd. pag. 725. 


Buteo ferox. sg 


schlechtern zukommt, fehlt meinem Vogel, der dagegen auf erwähnter Zone einen intensiv 
gelb-roströthlichen Fond besitzt, auf dem die dunkleren, langen Schaftflecken stehen. 
Ende September 1879 erhielt ich ein zweites Exemplar dieses grosswüchsigen Bussards, 
welches eine hellgelbe, wunderschöne Varietät repräsentirt und ebenfalls in der grossen 
Voliere lebt. Die ganze vordere Hals- und Bauchseite dieses Vogels ist hell chamoisgelb,_ 
der Schwanz zieht wieder stark in’s Rostrothe. Also auch bei dieser Buteo-Art macht 
sich das Hinneigen vom typischen Erdbraun zum Rostroth sehr bemerkbar. Das darf 
doch aber allein nicht genügen, um eine Art zu creiren. Ein drittes Exemplar, Weibchen, 
erhielt ich im Frühjahr 1850, es hat das grösstmöglichste Maass von rostrothen Tinten 
in seinem Gefieder. Wenn man sich an der Dresser’schen*) Abbildung (der grösseren) 
alle eelblichen Farbentöne lebhaft zimmetbraunroth vorstellt, die Schwanzfedern von 
obenher ebenfalls in dieser Farbe und zur Basis in Graubraun gesprenkelt, von unten 
her schmutzig weiss, das gesammte Gefieder der unteren Körperseite im lebhaftesten 
hell Rothbraun, mit dunkleren, verwaschenen Centralflecken auf der Brust, so steht der 
Vogel naturgetreu vor uns. Keiner der mir vorliegenden Vögel dieser Art von der 
Wolga zeigt etwas Aehnliches, sie sind alle am Halse und auf der Brust hellgelblich mit 
dunklen Schaftfleeken. Ich halte darauf hin die Behauptung für begründet, dass am 
Buteo ferox das duxchgreifende Gesetz, welches das Rostbraun und Rostroth im Kolorit 
im Gefieder vieler Vögel aus dem Südosten Europas prävalirend erkennen lässt, ebenfalls 
statt hat und zwar als eine Parallelerscheinung zum B. tachardus — desertorum Daud. 
Endlich erhielt ich in letzter Zeit von Herrn Grosmani einen jüngeren Vogel, dessen 
Schwanzfedern leicht, aber deutlich gebändert sind und der ein frisches, schönes Herbst- 
kleid trägt. Er wurde bei Nowo-Bajaset am Goktschai im September geschossen. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Diesem Bussarde ist es gleichgültig, ob er in den Steppen im Niveau des 
Meeres lebt, oder 6--7000° hoch über demselben, wenn dort nur die Natur den Cha- 
rakter waldloser Hügelsteppen besitzt und es viele Nager giebt. Vom Walde hält er 
sich entschieden fern. Ich habe ihn überall in Hocharmenien bis im den nördlichen 
Taurus angetroffen, so auch im Kars-Gebiete, im Sommer selten, aber häufig schon 
von Mitte August an. Es scheint mir aber, dass er dann bereits auf dem Zuge sich 
befindet. Am Goktschai-See ist er vom August bis Anfang November häufig und maust 
auf den Hochsteppen, so lange sie schneefrei sind. Als Wintervogel im Freien kenne 
ich ihn aus dem höher gelegenen Centraltheile Transkaukasiens nicht. Anfang November 
sah ich das erste Exemplar oberhalb von Aksu, seitwärts vom linken Kura-Ufer. Am 
Unterlaufe des Flusses, bei Salian, gab es damals mehrere Exemplare. In der Gefangen- 
schaft zeigt er sich durchaus zahm, gleichgültig, stupid und lebt mit allen Mitinsassen 
in Frieden. Die Angriffe der Geier beachtet er gar nicht, gegen den jungen Kaiser- 
adier nahm er vertheidigende Stellung ein. Meine lebendigen Vögel hielten sich nicht 
lange gut in der Voliere. Das eine Exemplar ging während der Mauser und an Läusen 
zu Grunde. 


*) The birds. ete. 1975. XXXVII. 


Badde, Ornis caucasica. 12 


00 Buteo vulgaris. — Buteo tachardus. 


24. Buteo vulgaris Bechst. 
Russisch: Sarytsch, welcher Name dem Volke in Transkaukasien durchaus nicht geläufig ist. Ge- 
wöhnlich hört man: Korschum. 


Systematisches. 


Ich besitze vom gemeinen Mäusebussard nur zwei grosswüchsige Exemplare, 
beide auf dem Zuge geschossen und beide ohne Beimischung von rostigen Farben im 
Kleide. Nur die reich und deutlich gebänderten Schwänze zeigen hellbraunen Fond. 
Das sehe ich aber auch an manchen Mäusebussarden Deutschlands, die mir zum Ver- 
gleiche vorliegen, namentlich bei den hellgefärbten. Die dunklen Exemplare besitzen 
an besagter Stelle einen mehr grauschwärzlichen Fond. 


Lebensweise und Verbreitung. 
Ich kenne den Mäusebussard im Kaukasus nur auf dem Durchzuge. Beide er- 
wähnten Vögel wurden Ende März (27. März / 8. April — 29. März /10. April), der eine bei 
Tiflis, der andere bei Borshom erlegt. Die Angabe von 1867 bezieht sich auf die folgende Art. 


25. Buteo tachardus Bree, typ. 
var.: rufus Radde, 
var.: fusco-ater Radde, 
— 5. desertorum Daud. — B. vulpinus Lichst. — B. Menetriesi Bogd. 
Tafel I und II. (Siehe Erklärung der Tafeln Seite 19). 


Systematisches. 
Die Ansichten der Ornithologen werden in Bezug auf die typische Form von 

Buteo tachardus wohl stets verschieden bleiben, die Einen halten den Vogel für eine 

gute, festbegründete, die Anderen für eine schlechte Species. Die Einen behaupten, sie 

habe mit dem Mäusebussard, der doch bekanntlich in Farbe und Grösse sehr variirt, 
nichts zu thun, die Anderen lassen sie als kleinwüchsige, stark rostrothe Varietät vom 
gemeinen Mäusebussard mit vornehmlich südlichem und östlichem Verbreitungsgebiete 
passiren. Ich möchte mich ohne Weiteres auf die Seite der Letzteren stellen, und trage 
vielleicht dazu bei, durch die eingehende Besprechung der mir vorliegenden, kaukasischen 

Exemplare auch Andere für meine Ansicht zu gewinnen. Das mir aus dem Kaukasus 

vorliegende Material über diesen schwierigen Stoff ist ein sehr bedeutendes. Zwanzig 

Exemplare stehen mir aus unserem Gebiete zur Disposition. Zum Vergleiche damit 

liegen für Buteo vulgaris acht Farbenvarietäten aus Europa vor, für Buleo tachardus 

zwei typische Vögel von der Wolga. 
Ich besitze aus dem Kaukasus: 

a. 1 Budeo vulgaris, fem., unzweifelhaft, grosswüchsig, starkschnäbelig, nur Hosen und 
Schwanz zum Rothbraun schwach geneigt. Zugzeit im Frühlinge. (Ich besprach den 
Vogel unter Buteo vulgarzs.) 

b. 1 Buteo vulgaris, mas. Wuchs normal, Schnabel etwas schwächer, wenig rostfarben 
im Gefieder. Tiflis, Zugzeit im Frühlinge. 

c. 3 Budeo tachardus var. rufus R., 2 m., 1 f., halten die Maximalgrösse von fachardus 
ein, Schnäbel schwächer als bei B. vulgaris, untenher einfarbig rostrothbraun, mit 
kaum dunkleren Centralfeldern der Federn, obenher mehr erdbraun und nur geringe 
rostige Rantung der Federn. Borshom, Frühlingszugzeit;; Betanien bei Tiflis, Sommer. 


ee 


Buteo tachardus. 91 


d. 4 Buteo tachardus typ. 2 m., 2 f., wie von der Wolga vorliegend, wenig rostbraun, 
namentlich untenher, auf dem Rücken variabel, nur Längsflecken unten, Hosen aussen 
braun, innen braun und rostig grob gewässert. Lenkoran, Januar, März; Tiflis, Sept. 

e. 1 Budteo tachardus var. rufus, grosses Weibchen, dem B. vulgaris gleichkommend 
auch in der Schnabelgrösse, nur Längsfleckung, aber oben und unten viel Rostroth. 
Lenkoran, Winter. 

f. 2 Buteo tachardus typ., 1 m., 1 f.,, grosswüchsig typisch, wie von der Wolga vor- 
liegend, wenig rostbraun unten, oben gar nicht, Längsflecken an Hals und Brust, 
Querflecken am Leibe, Hosen rothbraun. Tiflis, Anfang April. 


ee) 


unten, am Bauche einfarbig rostroth, oben weniger, nur Längsflecken und diese 
schwach prononcirt. Tiflis, April, mit den beiden vorhergehenden aus einem Zuge 
geschossen. 

h. 1 Biteo tachardus var. rufus, m., alter Vogel, klein, deutliche Schwanzbinden oben, 
unten nicht, untenher hell rothbraun mit wenigen gelblichen Federspitzen. Hosen 
einfarbig in der Körperfarbe, oben viel Rostroth. 

1. 1 Burteo tachardus var. rufus, m., klein, in voller Mauser und zwar vom hellen, rothen 
vertragenen Kleide in ein dunkel erdfarbenes, oben und unten in Rostroth. 

k. 3 Burteo tachardus var. rufus, 1 m., 2 lebendige, junge, ausgewachsene Vögel, weiches 
Gefieder, erstes Herhstkleid, oben und unten viel Rostroth als breite Kantung, 
Schwänze untenher hell weissbräunlich mit schwacher, aber deutlicher Binden- 
zeichnung. Manglıs. 

l. 1 Buteo tachardus var. fusco-ater, m., sehr klein, am ganzen Körper einfarbig dunkel 
sepienbraun, nur unten wenige, schmale rostrothe Umsäumungen, Schwanz ohne 
Binden. 

Ich gehe jetzt zur spezielleren Besprechung dieser Reihenfolge meiner kauka- 
sischen Exemplare über. Ende März 1868 erlegte ich bei starkem Schneefall in Borshom 
2 Exemplare (Tab. ec), ein grosswüchsiges Weibchen und ein kleineres, schlankeres 
Männchen. Ersteres stimmt im Kolorit ziemlich gut mit einem Weibchen von der 
mittleren Wolga, welches ebenfalls im März geschossen wurde, hat aber auf dem Rücken 
fast gar kein Rostroth. Das Männchen aber ist durchweg, selbst an den unteren 
Schwanzdecken, lebhaft rostroth, ja in den Umrandungen der Rückenfedern fast fuchsig. 
Mit Ausnahme des Basaltheiles der grossen Schwingen ist an dem ganzen Vogel gar 
nichts Weisses und nur die untere Schwanzseite erscheint hell graugelblich, einfarbig, 
ohne Binden-Andeutung. Am 2./14. Juni desselben Jahres wurde auf dem Gute des 
Herrn Baron Nicolai, Betanien, westlich von Tiflis im Thrialetischen Gebirge, ein 
gleichgefärbtes Männchen geschossen (c), dessen braune Färbung fast noch lebhafter 
in's Rostrothe zieht, als bei dem Borshomer Manne. Seit einem Jahre leben überdies 
noch zwei Exemplare in einer Voliere des Museums-Gartens, ich halte sie für ein Paar 
(g), der Mann stimmt genau zu den oben besprochenen Individuen gleichen Geschlechtes, 
das Weib zum Borshomer Vogel, bis auf die Grösse, welche normal und dem typischen 
B. tachardus entspricht. Ich darf diese Vögel nicht für junge halten, da ihr Gefieder 


nicht die Weichheit und Zerschlissenheit des Jugendkleides besitzt und weil sie im’ 


Kolorit total von dem eines jungen Wolgavogels abweichen. Das unter h erwähnte 
Männchen giebt mir zu folgender Spezialbeschreibung Veranlassung: Nichts Weisses, 
12:7 


4 Buteo tachardus var. rufus, 2 fem., 2 lebendig, grosswüchsig, sehr viel Rostroth ' 


92 Buteo tachardus. 


oder auch nur Helles, in Gelb oder Bräunlich Ziehendes ist am Gefieder dieses Vogels 
zu bemerken, aber die weichen, versteckt liegenden Basaldrittheile des kleinen Gefieders 
sind auf dem Kopfe, bis in den Nacken, blendend weiss, auf dem Rücken und der un- 
teren Körperseite graubräunlich. Die Grundfarbe der Oberseite ist ein intensives, auf 
Scheitel und Nacken fast fuchsiges Rostbraun, die Schafte der Federn sind schwarz 
und haben auf Stirn und Scheitel schmale, dunkelbraune Längsflecken, die zum Rande 
hin abbleichen. Schon auf dem unteren Halse werden diese Schaftflecken breiter und 
breiter, nehmen rhomboidale Form mit verwaschener Umrandung an und folgen im 
ihrer Gestalt im Kleingefieder des Rückens und der oberen Flügeldecken der Feder- 
Kontur bis auf einen breiten Rand, welcher heller und mächtiger auf der Innenfahne 
der Federn bleibt, als auf der Aussenfahne. Die dunkeln, grossen Flecken haben am 
in Rede stehenden Vogel eine mehr oder weniger intensive Sepienfarbe, sind aber fast 
glanzlos. In eben diesem Sepienbraun erscheinen die Schwingen zweiter Ordnung und 
die Schulterfedern, deren Ränder zwar heller, aber nicht rostig gefärbt sind. Die ge- 
sammte untere Seite unseres Vogels, inclusive Hosen, seitlichen Tragfedern und unteren 
Schwanzdecken, ist kastanienrothbraun, welche Farbe von der Unterbrust an und na- 
mentlich auf den Hosen sehr intensiv wird und stark in’s Hellrost- bis Fuchsroth zieht. 
Auf der Oberbrust, Kehle, Gurgel, den seitlichen Halspartien ist der Grundton des Ge- 
fieders kaum etwas matter. Auch hier die Schafte alle schwarz und die grossen Cen- 
tralfelder der Federn dunkler, bräunlich, allmählich gegen die Ränder hin heller und 
röther werdend. Nur wenige dieser Federn besitzen gelbliche, schmale Kantung. Die 
unteren Schwanzdecken sind ebenfalls einfarbig fuchrostroth und zeigen nur die 
schwarzen Schafte auf diesem Fond. 

Verglichen mit den Flügeln des dunkel gefärbten, typischen Mäusebussard sind 
die meines Vogels in der Gestalt total übereinstimmend; auch die Vertheilung der 
Farben des Gefieders ist congruent zu nennen, aber Alles, was am typischen Bussard 
weiss oder hellgelblich ist, brennt bei unserem förmlich in Fuchs-, Rost- und Kastanien- 
braun. So namentlich am Flügelbug, sowohl auf der unteren, als auch auf der oberen 
Seite. Diese Neigung, -anstatt weisse, überall rothe oder röthliche Färbung zu zeigen, 
lässt sich sogar noch an den Innenfahnen der grossen Schwingen constatiren, denn 
auch hier sehe ich eine Trübung in Graubraun mit röthlichem Anfluge. Viel. auffal- 
lender ist das .aber noch bei den Schwanzfedern. Von oben betrachtet erinnert der 
Schwanz an typischen B. tachardus, der Zeichnung nach an den des Thurmfalken. 
Nur gehen bei dem Bussarde die Binden durch und sind in ihren beiderseitigen Hälften 
nicht wechselständig. Die Grundfarbe ist wieder ein lebhaftes, helles Rothbraun, die 
Binden sind matt schwarzgrau. Die Aussenfahnen der drei äusseren Schwanzfedern be- 
sitzen wenig braun, lassen aber die Bindenzeichnung doch auf grauschwarzem Fond 
erkennen. Von unten betrachtet macht sich am Schwanze die Bänderung kaum be- 
merkbar. Ein in Grau getrübtes, lichtes Rostgelb giebt den Grundton der unteren 
Seite der Schwanzfedern. : 

Durchaus ähnlich diesem Vogel sind 2 lebende Exemplare in der Voliere (k), 
welche nach der Mauser immer etwas intensivere und frischere Farben des rostbraunen 
'Kleides zeigen. 

Das unter k erwähnte Männchen vom Orte Manglis, im April erlegt, liefert mir 
zunächst den Beweis, dass ich es entschieden mit einem alten Vogel zu thun habe, 


Buteo tachardus. [053 


denn obschon im Allgemeinen sein Gefieder frisch und wenig abgenutzt erscheint, wenn- 
gleich es beinahe ein Jahr lang getragen wurde, so steben doch auch an der Brust und 
aut den oberen Flügeldecken einzelne dermaassen verstossene, reducirte und abge- 
blichene Federn, dass ich diese unbedingt einem früheren Kleide zuzählen muss. Diese 
abgetragenen Reste sind aber nur in ihrem freiliegenden Theile verblichen. Sie zeigen 
hier eine schmutzig gelblichgraue Färbung; hebt man aber das darüber lagernde, frische 
Gefieder auf, so kommt der geschützte Theil zur Geltung und dieser ist wieder hell- 
rostroth oder an anderen Stellen kastanienbraun. Angenommen nun, es sei dieser Vogel 
auch nur ein zweijähriger, so würde sein Jugendkleid doch auch schon rostroth ge- 
wesen sein, was mit den mir vorliegenden jungen Vögeln von der Wolsa nicht der 
Fall ist. Diese sind untenher schmutzig gelbweiss und zeigen grauröthliche Schaft- 
lecken, bald breiter, bald schmäler, bald thränenförmig, bald lanzettförmig gestaltet. 
Unser in Rede stehendes Männchen stimmt im Wesentlichen ganz zu den oben schon 
speziell erörterten der Varietät rufzs, besitzt aber auf dem frischen Rückengefieder bereits 
den Glanz der dunklen Felder, die merklich in’s Violette ziehen, zumal wenn man sie 
unter kleinem Winkel abwärts oder aufwärts betrachtet. Ausserdem macht sich vom 
Unterschnabel an, der Halsseite entlang laufend, ein abwärts breiter werdender Streifen 
bemerkbar, da hier die kleinen Federchen fast schwarz sind und nur ganz schmale 
rostige Ränder besitzen. Am lebenden alten Männchen ist die Iris schön hellgrau-gelb- 
lich. Dem Kolorit nach schliesst sich an diese alten Männchen das unter l als var. 
fuseo-ater aufgeführte, sehr kleine Männchen. Es wurde am 2./14. December erlegt. 
Die bedeutend dunkle und gleichförmige Vertheilung der erdbraunen Färbung und das 
merkwürdige Zurückweichen der rostigen Töne am ganzen Vogel, sammt dem geringen 
Wuchse, worüber die später folgende Tabelle Auskunft giebt, verleihen dem Exemplare 
grosse Eigenthümlichkeit und zweifelsohne würden ihn viele ormithologische Autoren 
als Art getauft haben. Ich kann mich dazu nicht bequemen. Die Kleinheit wird durch 
das Geschlecht, obgleich sie sehr auffallend ist, doch noch erklärt und, eingedenk der 
grossen Varlation im Kolorite der Buteonen überhaupt, halte ich auch den vorliegenden 
und überdies nur in einem Exemplare aufgefundenen Vogel als in die Grenzen der var. 
rufus von B. tachardıs gehörend. An diesen Vogel schliesst sich das sub i erwähnte, 
aber am 2./14. Juni bei Lenkoran geschossene, ebenfalls kleinwüchsige Männchen, und 
dieses Exemplar wird, wenn es auch ein äusserst unansehnliches und verbrauchtes Ge- 
fieder besitzt, für uns sehr Jehrreich, weil es oben und unten mauseıt. 


Da sehe ich denn im zerschlissenen, schmutzig gelbgrauen Gefieder der Brust, 
grosse, intensiv braune, frische, fertige Federn, wie sie das alte Männchen im neuen 
Habite trägt und ebenso stehen auf dem Rücken die längeren Schulterfedern schon, um- 
geben von breiten, rostigen Kanten, mit schwarzen Centralfeldern fertig da; die dunkeln, 
neuen Flügeldecken schieben sich hervor. Ein Gleiches geschieht hinten am Halse auf 
den. Schultern und im Genicke. Kehle und Kopf tragen aber das, freilich sehr ahge- 
blichene, aber deutlich qualificirte, Kleid vom typischen Bateo tachardus. Die Hosen 
sind einfarbig braun. Dieser Vogel wechselt auch die grossen Schwingen und die 
Schwanzfedern. Die letzteren neuen sind nur am Ende etwas fuchsig und deutlich ge- 
bändert, die alten stark fuchsig und von obenher deutlich gebändert, von unten trübe 
graubräunlich. 


94 Buteo tachardus. 


Die vier sub d bezeichneten jüngeren Vögel stimmen vollständig zu einem 
Astrachaner. Das grössere Weibchen besitzt ein rothbraunes Kolorit nur auf den Bändern 
des Schwanzes und an der inneren Hosenseite. Obenher ist es matt erdbraungrau, unten 
sehe ich nur Längsflecken, die an der Brust breiter sind und im schmutzig, gelbweiss- 
lichen, breiten Federrande stehen. Das am 7. /19. September bei Tifiis erlegte Männchen 
dieser Kategorie besitzt schon mehr rothbraune Umrandungen auf dem Rücken, unten- 
her ist es D. fachardus typ. in der Jugend. Ihm schliesst sich genau ein Männchen 
vom 4./16. März von Lenkoran an. 

Von den noch restirenden Exemplaren leuchten förmlich drei grosswüchsige 
Weibchen, die dem gewöhnlichen Mäusebussard sehr wenig an Schnabelstärke und in 
der Grösse nachgeben, durch die fuchsrothen Unterseiten Bei einem dieser Vögel 
(4./16. April, Tiflis) ist das, die Federn umgebende, hellschmutzige Gelb fast ganz ver- 
schwunden. Diesen Vogel halte ich für recht alt: er kommt im Gefieder den alten 
Männchen am nächsten, besitzt aber auf der oberen Körperseite verhältnissmässig wenig 
Rothbraun. Die beiden anderen haben dagegen davon sehr viel und untenher sind die 
breiten Federränder lebhaft gelb (in's Guttigelb ziehend). 

Die letzten meiner Vögel, M. und W. (f) auf dem Zuge am 2./14. und 4. /16. 
April bei Tiflis geschossen, schliessen sich direkt sowohl in der Farbe, als auch durch 
die Zeichnung an alte Exemplare von D. tachardus von der Wolga. Bei diesen Vögeln, 
ebenso wie bei dem von der Wolga mir vorliegenden, ist die dunkle Fleckenzeichnung 
auf der Brust und die breite Querbänderung auf dem Bauche stark prononcirt ; sie steht 
an letzterem auf fast weissem, kaum licht gelblich angeflogenem Grunde, welcher bei 
dem Brustgefieder mehr Gelb, aber kein Rostroth zeigt, jedoch an der Kehle wieder rein 
weiss wird. Nur die dicht gebänderten Hosen zeigen die bekannte intensive rostige 
Farbe zwischen den braunschwarzen Binden und Flecken. Auf der gesammten oberen 
Körperseite kann ich meine Vögel gar nicht von Pommeranern des gemeinen Mäusehussards 
unterscheiden, sie stimmen vollkommen zum Wolga-Weibchen des BD. Zachardıs, und 
wenn auch an beiden hie und da ein Federrand etwas mehr rostbraun ist, so sind der- 
gleichen Ränder auch im Gefieder des grossen pommer’schen Vogels zu sehen. Auch 
diese Weibchen besitzen an frischen Federn den violetten Metallglanz. Die rostrothe 
Färbung bei diesen weiblichen Exemplaren, mit Einschluss des von der Wolga stam- 
menden D. tachardus, tritt so merklich zurück, dass summa summarum die Vögel dem 
Pommeraner und auch einem Exemplare, welches ich vom Grafen Berlepsch erhielt *), 
ganz nahe zu stehen kommen. Ich habe sie auch, ohne eine ornithologische Kapital- 
sünde begangen zu haben, seiner Zeit ruhig als Buteo vulgaris signirt und bin kaum 
geneigt, diesen Namen zu wechseln. Denn es bleibt mir unklar, wo die sicheren Grenzen 
zwischen B. tachardus und B. vulgaris, wenigstens in vielen Fällen, liegen, und gerne 
stimme ich Brehm und Riesenthal bei, die ja als erste. Autoritäten im Fache eben- 
falls im Zweifel über Art oder „Unart“ bleiben. Ich führte deshalb oben bei der Auf- 
zählung meiner Budeonen auch nur zwei Exemplare als B. vadgaris typ. an, weil ich 


*) Mein verehrter Freund, Graf Hans von Berlepsch, schenkte mir eine bedeutende Anzahl 
gewöhnlicher europäischer Vogelarten in vorzüglich präparirten Bälgen, die meistens auf seinem Stammgute 
Witzenhausen unweit von Kassel erlest wurden. Dieses Material kommt mir als vergleichbares hier sehr 
zu Statten und sage ich ihm deshalb hiermit meinen Dank. 


Buteo tachardus. 95 


bei ihnen keine Annäherung zum B. tachardus typ. oder zu seinen zwei Varietäten 
nachweisen konnte. 
Ich lasse nun noch die Maasse von zwölfen meiner Vögel folgen. 


Buteo tachardus 


Im Fleische: 


: 
Wolga Lenk. | Lenk. Tiflis | Lenk. | Bet. | Borsh.| Tiflis | Tiflis | Lenk. | Lenk. 


| 
Wolga 


typ. | Sn typ. | typ- | typ. | fuseo- rufus | rufus | rufus | rufus | rufus | rufus 
[BORN] IE Se BEE 330 Er Ks SO ERS BES Rem re ze 


L ansaeon d er mm | mm mm mm mm mm 1 mm mm mm mm mm mm 
Schnabel- bisz. | | 
Schwanzspitze. 410 | 440 | 440 | 480 | 440 | 410 | 440 | 410 | 460 | 460 | 420 | 520 

Länge des zu- | 
sammengeleg- 
ten Flügels ...| 340 | 335 | 350 380 | 365 | 340 | 355 | 340 | 370 | 375 | 350 | 410 

Länged.Schwan- i 
LES ee 190 | 200 | 210 | 220 | 200 | 205 | 200 | 200 | 205 | 205 | 210 | 230 

Länge desLaufes| 73 | w| 71 | 7a | TO | 70 | 7A 67 | 73 | 74| 70 | 74 

Länge der Mittel- | 
zeheohneKralle | 38 | 35 | 35 | 37 | 32 | 35 | 35 | 35 | 37,| 36 | 35, 45 

Länge der Kralle 
derMittelzehein | | | | 
der Sehne ge- 
gemessen@p 122 12132 05122 a Nenner Nes 


Halbwüchsige, noch nicht flügge Junge, welche ich in 'Manglis am 1./13. Juli 
erhielt, haben unten das typische Kleid des jungen D. tachardus und oben mehr Rost- 
roth in Folge der breiten Kantungen der Federn. 

Nach allem Vorhergesagten und in Hinsicht darauf, dass unter meinen zwanzig 
Exemplaren alle vermittelnden Übergänge vom typischen B. tachardus zum B. Menetriesi 
vorhanden sind, namentlich auch die Differenzen in Färbung und Zeichnung des 
Schwanzes grossen Schwankungen unterworfen bleiben, und in Erinnerung an die grosse 
Veränderlichkeit im Gefieder des BDuteo vulgaris, kann ich B. Menetriesi nicht als 
Spezies anerkennen, sondern betrachte ihn als var. rufus von B. tachardus, welcher 
wiederum in einzelnen Individuen dem Buteo vulgaris sehr nahe kommt. 

Die vorstehenden Mittheilungen waren schon vor Jahr und Tag niedergeschrieben, 
als ich das neueste ausgezeichnete Werk des Herrn Mensbir erhielt, nämlich „Die 
ornithologische Geographie des europäischen Russlands“ (in russ. Sprache, Moskau 1882). 
Dieses verdienstvolle Werk hätte mir bei der Erörterung über die Bussarde grossen 
Nutzen gebracht, es erschien aber später, als mein Manuscript geschrieben wurde und 
ich habe nun die befriedigende Genugthuung. dass wir im Wesentlichen, bei durchaus 
selbstständiger Arbeit, zu demselben Resultate kamen. Ich lasse meinen Text unver- 
ändert stehen, denn ich stimme in Bezug auf die in Rede stehende Art mit Herrn 
Mensbir vollkommen überein. Es handelt sich nur um die Synonymie von B. tachardus 
und desertorum. Ich stütze mich bei der Identificirung dieser beiden ebensowohl auf 
G. R. Gray (Handlist T. I, pag. 6, Nr. 39), wo Buteo desertorum — B. eirtensis Dev. 
— vulpinus Lichst. — tachardus Bree gesetzt wird; wie auch auf Dresser (The birds etc. 


96 Buteo tachardus. 


1875, XXXVID), und auf Riesenthal (Die Raubvögel Deutschlands pag. 132), welcher 
folgende Synonymie erwähnt: B. deserlorum Daud. — rufiventris Jerdon — tachardus 
Bp. — cirtensis Lev. — capensis Temm. et Schl. — vulpimus Lichst. — minor Heugl. — 
Delalandei Des Murs — desertorum Vieill. — anceps A. E. Brehm — desertorum Sharpe — 
tachardus Baedeker. Herın Mensbir lagen keine Exemplare vom Buteo desertorum, wie er 
selbst angiebt, vor, er war also nicht in der Lage kritisch zu vergleichen. Zeitweise 
wird sich unsere Art, welche in der That zu den Waldbussarden gehört, doch“auch in 
den Steppen und Wüsten aufhalten, nämlich während des Zuges, und es lässt sich 
denken, dass die überhaupt schlecht gewählte Bezeichnung B. desertorum solchen Zug- 
vögeln gegeben wurde. Ich selbst kenne den Vogel aus der Zugzeit als Bewohner grosser 
Ebenen, die zwar einzelne grosse Bäume besassen, aber vom Walde immerhin ziemlich 
weit entfernt lagen, und aus Kriegers*) Mittheilungen ersehen wir, dass B. desertorum 
auf dem Zuge auch auf der Krähenhütte bei Sondershausen im Schwarzburgischen erlegt 
wurde. Noch muss ich bemerken, dass die Weibchen nicht selten recht stark sind und 
ganz gut die Grösse des gewöhnlichen Bussards erreichen. In allem Übrigen theile ich 
vollständig die Ansichten des Herrn Verfassers. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Ich kenne den Vogel im Kaukasus vornehmlich aus der unteren Waldzone, wo 
er auch brütet. Er bewohnt in Borshom nicht den Hochwald, sondern das Jungholz 
unweit der Kura-Ufer und ebenso im Queerthale der Akstafa (zum Goktschai). Im Tria- 
letischen Gebirge bei Manglis beobachtete ich während des Juli und August täglich 
drei Exemplare, welche namentlich die hohen Kiefern häufig besuchten. Hier brütet 
die Art alljährlich; meine Jungen Vögel stammen von Manglis. Hoch im Gebirge ist er 
viel seltener und verlässt dasselbe zum Winter. Am Rüsjurdi-Gebirge, nahe der per- 
sischen Grenze, kreisten mehrere dieser Bussarde über den jähen Abstürzen und 
Schluchten gegen Osten. Hier lebten sie an der Baumgrenze und auf basal-alpiner 
Wiese in 7000° Meereshöhe. Auf den Hochsteppen Armeniens sah ich diesen Bussard 
nicht, ebensowenig in den waldlosen Tiefländern des Caspi-Gebietes. In den Talyscher 
Wäldern war dagegen diese Art nicht selten. Menetries’ Angaben über Bireo vulgaris 
(l. ec. pag. 28) beziehen sich auf unseren Vogel. In Meereshöhen über 6--7500° habe 
ich ihn nur selten gesehen. Als ich im August 1864 aus der Engschlucht des Ingur, 
von Pari im Freien-Swanien kommend, trat, begegnete ich diesen Bussarden ebenso 
häufig, als am unteren Hipposlaufe in Mingrelien und Imeretien; so namentlich auch 
in den lichten Eichenwäldern, welche man bei der Reise von Sugdidi nach Kutais 
passirt. Meistentheils lebten diese Vögel in Paaren; so sah ich sie auch Ende August 
in den Buschwäldern von Kodshori. Den Hochwald meidet D. tachardus, bevorzugt 
sonniges, mit einzelnen Stämmen und Jungholz bestandenes Hügelterrain und bäumt 
auf den in den Kronen hier zu Lande fast immer verhackten Eichen am liebsten. 
Wenige Paare, die ich vom 2./14.—4./16. April in Borshom beobachtete, gehörten 
nicht den Zugvögeln an. Ein grosser Theil der Vögel überwintert in der unteren Wald- 
zone. Nicht selten sind sie im December und Januar bei Lenkoran, der grösste Theil 
aber zieht fort. Vom 1./13.—6./18. April findet der Zug bei Tiflis statt, und zwar 


*) Journal für Omithologie 1875. pag. 226. 


Buteo tachardus. — Pernis apivorus, 97 


in manchen Jahren ausserordentlich stark. Am 4./16. April 1880 fiel eine Schaar von 
5—600 Individuen in die Ebene von Digom, eine Meile nordwestlich von Tiflis, und 
vertheilte sich zum Ruhen auf ein Paar alte, hohe Bäume. Im Aragwa-Thale ist dieser 
fuchsige Bussard bei Mleti nicht selten und es fiel mir stets auf, dass gerade hier auf 
der Strecke von Passanaur bis Mleti die Vögel ausserordentlich hellrothbraun gefärbt 
waren. Sie hielten sich vornehmlich auf den kleinen Geröllinseln des reissenden 
Flusses auf. < 

Sowohl im Freileben, wie in der Gefangenschaft, finde ich im Benehmen dieses 
Vogels nichts, was vom Mäusebussarde abweicht. Er ist, wie jener, träge, lauert ge- 
duldig auf Beute, kreist bisweilen paarweise. Niemals habe ich die Beobachtungen 
All&eon’s und Vian’s über den schwalbenartigen Flug dieser Vögel machen können. 
Riesenthal*) hat diesen gerechter Weise auch in Zweifel gezogen. 


26. Pernis apivorus L. 
Russisch: Osojed — Wespenfresser. 
Systematisches. 

Ein Weibchen, welches im Oktober 1872 bei Tiflis erlegt wurde, trägt das 
erste Jugendkleid. Der Vogel, so scheint es mir, ist noch nicht ganz ausgewachsen, er 
besitzt nur eine Totallänge von 23 cm. An seinem gesammten Kleide ist nichts 
Weisses zu bemerken. Er ist noch dunkler gefärbt als die Naumann’sche Tafel 36 
ihn darstellt. Auch fehlt auf der Kopfplatte oben jedweder Anflug in Grau. Es stehen 
hier auf rostbraunem Grunde die an der Basis breiten, spitz dreieckigen, schwarzen 
Schaftflecken. Dieselben sind auch am Rückengefieder stark prononcirt. Die Schwanz- 
federn zeigen von obenher gar keine Flecken- oder Bandzeichnungen; von untenher 
sind die Innenfahnen im Basaltheile ein Drittheil leicht in Grau marmorirt. Das Klein- 
gefieder der unteren Seite ist durchweg lebhaft hell rostroth, vom Unterschnabel zur 
Kehle heller. Die schmalen, schwarzen Schaftlinien sind überall stark prononcirt. Ein 
zweiter Vogel, ein altes Weibchen, bei Tiflis am 1./13. Oktober erlegt, ist ebenfalls 
auf der gesammten unteren Körperseite, vom Schnabel bis zum Ende der Subcaudales 
einfarbig, matt braungelblich gefärbt. Die schmalen, schwarzen Schaftflecken sind 
schwach, nur auf der Brust deutlich; die Hosen heller, nach unten hin gelblichweiss. 
Auch das Gefieder des Rückens ist in der Grundfarbe matt braun und haben die Federn 
das dunklere, schwärzliche, verwaschene Centralfeld. Fast hat es den Anschein, dass 
auch bei dem Wespenbussarde hier im S.O. das braune Kolorit vorwaltet, doch besitze 
ich zu wenig Exemplare, um endgültig darüber zu sprechen. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Im Kaukasus habe ich diesen Vogel auf dem Herbstzuge nicht beobachtet, wohl 
aber in der Krimm und zwar im östlichen Steppentheile derselben, in den Niederungen 
der Karasu, dort auch mehrere Exemplare erlegt, unter denen namentlich ein fast ganz 
weisses zu erwähnen wäre. Mitte September erscheint dort der Wespenbussard in 
Familien und kleinen Rudeln, meidet vollständig die Salzsteppen und bleibt in den 
Wiesen, dem Flüsschen entlang, in der Nähe von Gärten und verwilderten Plantagen. _ 


*) 1. c. pag. 137. 


Badde, Ormis caucasica. 13 


98 ; Pernis apivorus. — Milvus regalis. 


Es ist auffallend, dass sein Zug im Frühlinge von W. nach O., im Herbste aber von 
OÖ. nach W. angegeben wird. Autoritäten wie Naumann*) und neuerdings Riesen- 
thal**) nach Wiepken und Greve behaupten dies. Hierüber bei Brehm ***) mehr. 
Für Persien ist der Vogel bis jetzt nicht erwiesen. In Transkaukasien gehört er zu 
den Seltenheiten. Von der Nordseite des Grossen Kaukasus kennen wir ihn durch 
Bogdanow y). 


27. Milvus regalis Briss. 
Russisch: heisst wie der schwarze Milan: Korschun, welcher Name überhaupt gewöhnlich 
allen grösseren unedlen Raubvögeln beigelegt wird. 
Systematisches. 

Das am 28. März/9. April 1866 bei Lenkoran erlegte Männchen ist ein alter, 
ausgefärbter Vogel, welcher zwar nicht so intensiv rostroth in der Grundfarbe der 
unteren Körperseite ist, wie dies die Dresser’sche Abbildung giebt, aber auch nicht so 
hell, wie wir es bei Riesenthal Taf. VII sehen. Dies ist das einzige Exemplar, 
welches ich bis dahin im Kaukasus erbeutete. ? 


Lebensweise und Verbreitung. 


Der Königsweihe bin ich im östlichen Theile Transkaukasiens nur ein einziges 
Mal begegnet und erlegte das betreffende Exemplar. Es ist dies das oben erwähnte 
Männchen. Der Vogel suchte das Mündungsgebiet des Lenkoran-Flüsschens ab und 
liess sich weder durch die schreienden Seeschwalben und Möwen, noch durch Pandion 
dabei stören. Auch an der unteren Wolga gehört die Königsweihe nach dem Zeugnisse 
Bosdanow’sfy) zu den Seltenheiten. Wenn dort selten, so ist dagegen der Vogel 
im Sommer am unteren Rion ziemlich häufig, so dass man früher, als noch die Dampfer 
von Poti bis Maran stromaufwärts gingen, bei der langsamen Fahrt, wohl 4—-5 im 
Verlaufe von einer Stunde sehen konnte. Dies war Mitte September 1864 der Fall; 
wahrscheinlich befanden sich die Königsweihen damals auf dem Zuge. Gerne bäumen 
sie dort auf den alten, todten Stämmen, aber immer möglichst hoch. Im Centraltheile 
des Kaukasus, weder an Flüssen, deren Nähe der Vogel liebt, noch in den Steppen- 
gebieten, weder im Walde, noch im kahlen Gebirgsterrain, habe ich M. regalis gesehen ; 
ebensowenig auf dem Armenischen Hochlande. Überall vertritt ihn an den erwähnten 
Lokalitäten der schwarze Milan. Das Auffinden der Königsweihe im Südwestwinkel 
des Caspi erweitert die bis jetzt ermittelten Grenzen ihrer Verbreitung um ein Beträcht- 
liches. Zwar wissen wir durch Dresser’s fjj) fleissige Arbeit, dass dieser Vogel in 
Griechenland und Kleinasien auf dem Zuge vorkommt, aber weiterhin ostwärts wurde 
er bis jetzt nicht nachgewiesen. De Filippi führt ihn nicht an und auch Blanford kennt. 
ihn aus Persien nicht. Pallas*7) aber giebt ihn als Standvogel für die untere Wolga an. 


*) Naumann, 1. c. T. I, pag. 3%. 
*) Die Raubvögel Deutschlands etc. pag. 35. 
SELL cH Bd. VE pa2}7.716: 
r) le. pag. 44. 

“r) Vögel und Säugethiere des schwarzerdigen Wolga-Gebietes, der mittleren und unteren Wolga 
(russisch) pag. 41. 

tm) e. part. XI, Juni 1875. pag. 5. 

*7) Zoogr. rosso-asiatica. Vol. I, pag. 359. 


Milvus ater. 99 


28. Milvus ater Gml. 


Russisch: Korschun, Kleinrussisch: Schulpiea. 
Tatarisch: 7schalagan? Ich bin nicht ganz sicher. 
Armenisch: Urur. 

Systematisches. 


Die vorhandenen zwölf Exemplare wurden grösstentheils bei Lenkoran und 
einige auch unweit von Tiflis erlest. Die Kleider dieser im Frühjahre geschossenen 
Milane sind, untereinander verglichen, fast ganz übereinstimmend. Die Nuancen des 
Rothbrauns der unteren Körperseite schwanken ein wenig. Der graue Fond am Kopfe 
und Halse ist überall derselbe, ebenso die prononcirten dunklen Schaftflecken. Es lässt 
sich in dieser Suite keine erwähnenswerthe Abänderung finden. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Es ist auffallend, dass in der neuen Ausgabe von Brehm’s*) Thierleben das 
Verbreitungsgebiet des schwarzen Milans nach Osten mit den Worten: „in einem 
grossen Theile von Russland“ angegeben und später von Melvus govinda Sykes — M. 
melanotis Temm. gar nicht gesprochen wird. Die ältere Ausgabe hält im 3. Bande 
pag. 492 beide Vögel noch scharf auseinander. Ich kann mir das nur erklären, indem 
ich voraussetze, dass mit der Zeit selbst einem so vorzüglichen Kenner der Vogelwelt, 
wie Brehm einer ist, Zweifel, und zwar sehr gewichtige Zweifel, über den artlichen 
Werth der südasiatischen und japanischen Milane aufgestiegen sind. Die russischen Orni- 
thologen, nur mit Ausnahme einiger jüngerer, haben seit des Altmeisters Pallas Zeiten nur 
eine Schmarotzer-Milanart anerkannt und in den Werken Middendorff’s, Schrenk’s, 
sowie in meiner Ornis von Ostsibiren finden sich dafür die Gründe in extenso angegeben. 
Durch seine eigenen Reisen, wenigstens in einem Theile von Westsibirien, wird Brehm 
in die Lage gekommen sein, mehr als den todten Cadaver von beliebig vielen Milanen 
gesehen und untersucht zu haben, und ich denke es wird damit enden, dass er, wie 
die meisten seiner Freunde in Russland es gethan haben, den Temminck’schen M. 
melamotis nur als eine prägnante Varietät des Ostens und Südens Asiens anerkennt. 
Hat doch selbst Heuglin**), obwohl er in seiner Ornithologie Nordost-Afrikas T. 1, 
pag. 98 beide Arten noch aufrecht erhält, sich später geneigt gezeigt, sie nur als eine 
anzuerkennen. Wie dem aber auch sei, im Kaukasus haben wir es mit dem typischen 
Meilvus ater zu thun, dies bestätigen nicht allein die von mir oben besprochenen Vögel, 
sondern alle, die ich sah, und damit stimmt auch de Filippi’s***) Zeugniss, nicht 
allein für unser Gebiet, sondern auch für Persien. Der Schmarotzermilan hat sich im 
Oriente in seiner Lebensweise, zumal in den Städten, doch, dem Westen gegenüber, 
verändert. Dass einzelne, unverschämte Milane gelegentlich auch in Deutschland den 
Wohnungen, Gehöften ete. sehr nahe kommen und frech einfallen, ist bekannt; dass sie 
aber beständig in grossen Gesellschaften, wie die Tauben und Sperlinge, Städte aus- 


ce. IV. Band, pag. 690 et sq. 
iesenthall. c. pag. 84. 
**“) Journal für Ormnithologie, 1876. pag. 176; 


JE 


13 * 


100 Milvus ater. 


schliesslich bewohnen, kenne ich nur aus dem Osten. In den fünfziger Jahren stand 
in dieser Hinsicht Moskau oben an als Beispiel. Die Mauern des Kreml waren be- 
ständig von Milanen umschwärmt. Alle Städte gegen Osten bis zum Amur wiesen 
Aehnliches auf. Hier im Süden findet das nicht in dem Maasse statt und die Zahl der: 
Milane ist überhaupt geringer. Im August 1864 sah ich im alten Colchis, in Mingrelien 
den Vogel nur vereinzelt und nicht häufig. Auf dem Riondelta lebt er. Gegen Osten 
wird er auch im Kaukasus häufiger. Gemein war er schon Ende März 1866 am mitt- 
leren Alasan-Laufe (Kachetien), namentlich auch im Agritschai-Thale. Damals war aber 
die Zugzeit. Im gesammten unteren Kura- und Aras-Laufe, besonders bei den grossen. 
Fischereien am Caspi, ist er überall häufig und dem öden Ostufer des Binnenmeeres bei 
dem (1870) neu gegründeten Lager von Krasnowodsk fehlte er nicht. Bei Tiflis und 
in der Stadt selbst ist der Vogel selten. Im Winter fehlt er hier ganz und auf dem 
Wege nach Lenkoran habe ich ihn zu dieser Zeit erst in den Niederungen des Caspi 
angetroffen. Dort bleibt er, wenigstens zum grossen Theile, Standvogel. Auch bei der 
Stadt Lenkoran überwintern einige: oberhalb von Salian wurde er von mir im Winter 
nie bemerkt. Anfang März erscheinen die Milane häufiger und sind in den Gesell- 
schaften der Möwen meistens bei den Fischereien auf Abfall angewiesen. Das erste 
Exemplar wurde am 11./23. März erlegt, bis zum 17./29. wurden dann die Milane 
recht häufig, am 23. und 24. März zogen dann grosse Schaaren in ungeregelter An- 
ordnung durch die Ebenen nördlich von Lenkoran, aber nicht direkt nach Norden, 
sondern der Kura folgend nach Westen abbiegend, ein Beweis mit dafür, dass auch dem 
grossen Raubzeuge der Kaukasus die Passage verlegt. Die Milane treten sogar, über 
den Suram-Pass ziehend, in’s Rion-Gebiet. Im mittleren Araxes-Thale brütet Milvus- 
ater häufig. 

Interessanter aber als sein Vorkommen in der horizontalen Richtung ist seine 
Verbreitung und das zeitweise Abschweifen in der vertikalen. Jerdon (vergl. Brehm’s 
alte Ausgabe pag. 492) bietet mir hier die einzigen Anknüpfungspunkte für meine 
Beobachtungen. Nicht allein in 8000‘ Meereshöhe, wie Jener erwähnt, sondern noch 
über 11000° habe ich den Vogel auf dem Armenischen Hochlande beobachtet und zwar 
nicht vereinzelt. Unser Lagerplatz an der Nordseite des 12000‘ hohen Bin-göl-dagh 
(Quellgebirge des Aras), welcher nicht unter 11000‘ Meereshöhe hatte, wurde vom 
4. /16.—6./18. August 1574 von mehreren Milanen umschwärmt, und die hochalpinen 
Kurdenlager am Alagös, am Aschich-dade, am Tschaldyr und auf dem Göduk-Passe, 
westlich vom Grossen Ararat, besitzen den Vogel ebensogut, wie die sonnenverbrannte 
Steppe und die Wüste der Caspi-Niederungen. Es kommt aber doch darauf an, dass 
die betreffenden, hochgelegenen Gebiete Steppencharakter besitzen. In der alpinen 
Zone des Grossen Kaukasus habe ich niemals Milvus ater beobachtet, wohl aber auf 
den erweiterten Ebenen der Mittelläufe der Bergwasser, so in den Flächen von Tioneti 
und Erzo. Für diejenigen Leser aber, welche mit den Vegetationszonen im Kaukasus 
nicht bekannt sind, sei gesagt, dass im lufttrockenen Hocharmenien die Schneelinie- 
und mit ihr alle Vegetationsgürtel im Vergleiche zum Grossen Kaukasus um ganze 
2—3000' höher steigen und dass in 10—11000° vieler Orts noch ein fester, zusammen-- 
hängender Festuca-Rasen die Flächen deckt. 


Astur nisus. 101 


29, Astur nisus L. 


Russisch : Jastreb-perepeljatnik — W achtel-Habicht. 
Persisch: Basha. 
Tatarisch: Körghe, Kirghai, wie alle kleinen Falken. 
Armenisch: Allall. 
Grusinisch : Köri. 

Systematisches. 

Soll ich mich dazu bequemen Astur nisus L. von 4. brevipes Severx. artlich zu 
trennen, so thue ich das, aufrichtig gesagt, nicht gerne. Was bleibt, so könnte man 
fragen, ausser dem etwas kräftigeren und kürzeren Tarsus übrig, um beide Vögel sicher 
zu unterscheiden? Ist die breitere und dichtere Bänderung der alten, kurzfüssigen 
Finkenhabichte konstant? Die braunrothen Tinten schwanken doch auch bei dem 
Sperber sehr bedeutend. Nur dem Beispiele der meisten und namhaftesten Ornithologen 
der Neuzeit folgend führe ich die beiden nahestehenden Vögel hier gesondert auf. ’ 

Aus dem Centraltheile der Transkaukasischen Lande kenne ich vornehmlich nur 
den typischen Sperber, von A. brevipes erstand ich bis jetzt nur zwei Exemplare aus 
den Umgegenden von Tiflis. Vom typischen Sperber besitze ich aus dem Kaukasus: 

Alte Männchen, davon zwei stark rostig, 6 Exemplare, 


Jungen Männchen er ro N ; 
INitenWeibchenteg ze se an en en 4 2 
Junges Weibchen, ganz rostig,. . . . 1 Exemplar. 


Von diesen Vögeln schliessen sich drei vortrefflich an die mustergültigen Abbil- 
dungen Dresser’s*) an, wie er sie von Exemplaren aus der Türkei und Palästina giebt. 
Das in Rede stehende, junge Weibchen, welches ich als ein im ersten Herbstkleide 
stehendes betrachte, zeigt die gesammte untere Körperseite stark mit Rostgelb überflogen, 
welcher Grundton namentlich auf der Brust recht intensiv ist. Das alte Weibchen ist 
stärker gesperbert, hat auf der Brust vor den schwarzgrauen Binden der Federn mehr 
oder weniger breite, rostrothe Flecken, die etwas heller zur Federspitze hin werden. Die 
verdeckten dunklen Binden des Gefieders sind alle einfarbig licht grauschwarz. Das 
junge Männchen finde ich dem türkischen Vogel vollkommen gleich. Ein vierter Vogel, 
ebenfalls bei Tiflis geschossen, besitzt durchaus die normale Tracht des alten, deutschen 
Weibchens und stimmt mit dem auf der ersten Tafel von Dresser abgebildeten genau 
überein. Die schmalen, dichtgestellten grauschwärzlichen Binden der gesammten unteren 
Körperseite, incl. Hosen, weisen kaum noch einen geringen röthlichen Anflug auf. Das 
Aschgrau der oberen Körperseite ist matt und viel heller, als bei dem vorherbesprochenen 
Männchen. Ich gebe die Maasse meiner Vögel bei Astur brevipes Severx. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Aus Nordmann’s**) Mittheilungen können wir nur vermuthen, dass auch ihm 
im Süden Russlands die kleinasiatische Farbenvarietät des Sperbers öfters zu Gesichte 


*)]. c. Vol. V, pag. 599, Taf. 356. 
**) 1. c. T. III, pag. 91 et sg. 


1023 Astur nisus. 


kam, als die typische, centraleuropäische. Ob er den jetzigen Asiur brevipes (badius 
G ml.) *) kannte, ihn unterschied, bleibt eine offene Frage. Wir können daher über 
die Sperber des Rionbassins nichts Näheres berichten. Als ich Ende August aus den 
Colchischen drei Längenhochthälern in’s Tieland kam, traf ich den Sperber dort eben- 
falls überall häufig an. Der damals (1864) von mir notirte, höchstgelegene Fundort 
war Uzeri im oberen Rionthale, wo der Phasis bereits in enger, bewaldeter Schlucht 
hinschiesst und bald in die erweiterte Ebene von Oni tritt. Hier walten Zapfenbäume 
im Walde vor. In dieser Gegend können wir also sein Vorkommen in 5000’ Meereshöhe 
verbürgen. Als Sommervogel traf ich ihn an der Baumgrenze ebensowohl im Lande 
der Chewsuren, wie auch im Akstafa-Thale, und bei den Kurden an der türkischen 
Grenze (7000‘) sass er sammt dem Hühnerhabichte, als wohl abgerichteter Jagdfalke, 
in etlichen Exemplaren vor dem Zelte des Chefs dieser Horden, des jetzt verstorbenen 
Dshafar-aga.. Im November 1868 traf ich ihn am oberen Terek, unweit von der Post- 
station Kasbek an, wo er die Alpenlerchen namentlich beunruhigte. Doch ist es sicher, 
dass er bei scharf einsetzendem Winter diese hohe Region zeitweise verlässt und thal- 
abwärts der Aragwa gegen Süden folgt, wo ihm die grosse Heerstrasse an Fringilliden 
und Emberixa-Arten reiche Beute bietet. Er ist denn auch bei Tiflis selbst im Winter 
keine Seltenheit, aber im Herbste recht gemein, bleibt hier, wie in allen tiefer gelegenen 
Gebieten, zum grössten Theile Standvogel, besucht die Stadt und namentlich den Garten 
des Palais oft und jagt dort die kleinen Vögel. Auch in den südrussischen Steppen 
lebt er im Winter. In den Waldgebieten von Borshom ist der Sperber Brutvogel. Im 
Sommer vom Juni-Monate an, wenn die Bachstelzen Hügge, aber noch unerfahrene 
Junge haben, wird man bei Sonnenuntergang und während der Dämmerung den Sperber 
stets in eiligstem Fluge den Kura-Ufern entlang hinschiessen sehen. Er hält sich dann 
ganz dicht am Boden und ist pfeilschnell in seinen Bewegungen. Er holt sich seine 
Abendmahlzeit sicher. Entweder ist es ein Zippammer oder eine der hier brütenden 
Bachstelzen (M. alba, boarula). Bis fast zur Dunkelheit habe ich ihn oft so jagend 
beobachtet. Fast noch häufiger als der Thurmfalke ist im Winter der Sperber am ge- 
sammten unteren Kuralaufe. Was von kleinen Vögeln zu dieser Zeit nicht ganz fort- 
zieht, das begiebt sich in die warmen, zum Theile mit Buschwerk bestandenen Kura- 
Ebenen, so z. B. sehr viele Edelfinken und Haubenlerchen. Diese bieten dem Sperber 
reichliche Nahrung und man kann ihn zu jeder Tageszeit, namentlich aber gegen Abend, 
sein freches Handwerk dort treiben sehen. Noch gemeiner ist er im Talyscher Tieflande 
zur Winterzeit. Jeder Sperber hat sein bestimmtes Jagdrevier und in diesem gewisse 
besonders häufig frequentirte Wege. Solche kundschaften die Jäger, welche ihn fangen 
wollen, aus und stellen dort an passenden Plätzen die Netze. Einzeln dastehende 
Bäume werden dazu am besten erwählt, weil sie der Sperber oft bestreicht und nach 
kleinen Vögeln schlägt. Das Netz wird schlaff zwischen dem Gezweige des Baumes an 
zwei Querstöcken befestigt und oft genug fängt sich der hungrige Sperber auf seinem 
Jagdwege darin, ohne dabei von einem Lockvogel noch besonders angezogen zu 


werden. 


*) G. R. Gray, Handlist etc., hält selbst diese beiden artlich noch gesondert und Blanford 
stimmt ihm bei, während Dresser sie vereinigt. 


Astur brevipes. 103 


30. Astur brevipes Severz. 
Heisst wie der gewöhnliche Sperber. 


Systematisches. 


Acht Exemplare des kurzfüssigen Sperbers sammelte ich bis jetzt, davon sind 
sechs bei Lenkoran, zwei bei Tiflis geschossen. Von diesen Vögeln sind zwei junge 
Weibchen, das eine in bräunlicher, das andere in grauer Färbung, einer ein altes, matt- 
rostiges Männchen mit breiten Binden, zwei junge Männchen und drei alte Weibchen. 
Ich beginne mit den Maassen meiner Vögel und setze ihnen die zur Seite, welche 
ich an vier typischen Sperbern von Tiflis ermittelte. 


Astur brevipes. Astur nisus. 
Lenkoran Tiflis 
fem. | fem. | fem. | fem. ? mas. 


| alt alt alt | jung | jung | jung 
mm | mm | mm | mm | mm | mm 


Motallänge \ .. 2.1340 | 334 || 344 | 360 | 340 | 292 
Länge des Flügels vom Bus Diet zur es hilze ....) 216 | 212 || 224 | 228 | 220 | 190 
Länge des Schwanzes . . . 2. .2.2.2.2..2...)165 | 183 || 180 | 185 | 188 | 166 
Länge des Laufess . . A EN une 48 | 52 | 60 | 60| 6&2| 56 
Länge der Mittelzehe ahne elle EEE NRRNERER 27 | 26 39 | 40 | 38 | 33 
Länge der Kralle in der Sehne gemessen . . 6) fe) mal? 9 8 


Länge des Schnabels von der Stirne bis zur Spitze 20,0 22.19. 16 | 18 | 14 
gerade gemessen 


Breite des Schnabels an der Be 2 12 KO ala] 1K0) 9 


Am 15. / 27. und 18. / 30. April 1866 wurden bei Lenkoran die beiden oben ge- 
messenen Weibchen erlegt. Sie besitzen alle dem Astur brevipes zukommenden Quali- 
täten. Die obere Körperseite ist dunkler und bräunlicher im blaugrauen Farbentone, 
als bei dem gewöhnlichen Sperber. Die unteren dunkeln Schwanzbinden, besonders auf 
den äusseren Federn, sind merklich schmäler, die gesammte Sperberung der unteren 
Körperseite ist dichter gestellt, kräftiger und durchweg mehr in’s Rothbraun ziehend. 
Diese Weibchen stimmen im Kolorit mit einem im Federwechsel begriffenen, jungen 
Männchen aus Beirut vortrefflich überein. Bei dem alten Männchen meiner Sammlung 
fällt es besonders auf, dass die Wangen grau sind; die rostrothen Bänder stehen auf der 
Brust so dicht, dass diese fast einfarbig erscheint. Das Grau des Rückens ist kaum 
dunkler, als bei alten Männchen von A. nisus typ. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Mir scheint es besonders interessant zu sein, dass Astur brevipes von mir bis 
jetzt vorwaltend im Südwestwinkel des Caspi gefunden wurde. Bei noch mehr wach- 
sendem kaukasischem Material, glaube ich aber, werden auch die anderen Gebiete des 
Landes ihn ab und zu liefern, und ich denke, es wird auch eine Zeit kommen, in der 
man nicht allein, wie es jetzt schon meistentheils geschieht, Ast. badius mit Ast. brevipes 
vereinigt, sondern auch diesen nur als Varietät von Ast. nisus betrachten wird. Blan- 


104 Astur brevipes. — Astur palumbarius. 


ford*) spricht zwar neuerdings, im Gegensatze zu Finsch und Hartlaub, von der 
artlichen Selbstständigkeit des Ast. badius und beschenkt uns in Nr. 18 noch mit einem 
Astur, bevor er den Micromisus brevipes bespricht; jedoch scheint dieser, zum Glücke 
unbenannte, Vogel gerade dazu geeignet, für's Erste Ast. brevipes und Ast. badius zu 
vereinigen, da er von beiden Manches besitzt. De Filippi**) führt Ast. brevipes eben- 
falls für Persien auf. Wie sich nun aber auch immer die Fragen der Systematik über 
die dem Sperber so nahe stehenden Formen stellen mögen und ihrer endlichen Lösung 
entgegensehen, in ihrer Lebensweise sind alle diese verschieden benannten Vögel gewiss 
ganz gleich. Unsere Weibchen von Ast. brevripes und andere bei Lenkoran lebende 
stellten vornehmlich den Bachstelzen nach, schossen auch gelegentlich dem Strande des 
Meeres entlang über eine Tringa-Schaar, sassen in der Mugansteppe in der Krone einer 


gekappten Weide und hatten nicht übel Lust sich unversehens in die fröhliche Schaar - 


von Staaren zu werfen, die am Boden nach Insekten suchten; kurz sie lebten genau 
so, wie andere gewöhnliche Sperber. 


31. Astur palumbarius L. 


Russisch: Jastreb-utjatni; — Enten-Habicht. 

Persisch und Tatarisch: Das Männchen alt: Tarlan, namentlich die helle, bisweilen fast weisse 
Varietät, welche sehr hoch geschätzt, und sogar mit 100 Ducaten im Dagestan 
bezahlt wird. Junger Vogel: Käsil-gusch. 

Armenisch: Zin. Alle zur Jagd verwendeten Falken nennen auch die Armenier mit dem 
persischen Namen „Base“ und gab es früher bei den armenischen Königen die 
„Basnumü“, d.h. die Beamten, welchen die Pflege der Falkenjagd officialiter an- 
vertraut war. 

Grusinisch: wie alle anderen grossen Jagdfalken: Mimino. 

Systematisches. 

Von den acht Exemplaren meiner Kollektion ist nur ein Männchen recht alt 
und deshalb prachtvoll gefärbt. Die feine Sperberung auf der unteren Seite des Körpers 
steht auf weissem Grunde und die zahllosen Bindchen sind ausserordentlich fein. Zwei 
andere Exemplare sind mittelalt und tragen das grobgebänderte Kleid; die übrigen Hühner- 
habichte sind junge Exemplare beider Geschlechter. Bei den Falkenjägern sah ich auch 
nur sehr wenige alte Vögel. Dies Letztere mag darin seinen Grund haben, dass sowohl 
Sperber, als auch Hühnerhabicht in der Gefangenschaft nicht lange aushalten, die 
Falkenjäger daher stets frisch eingefangene Vögel abrichten müssen und die alten, klugen 
gewiss nicht leicht auf den Lockvogel stossen und sich mit dem Netze dabei decken 
lassen. Meine Exemplare stammen aus der Umgegend von Tiflis, ein junges Männchen 
wurde im December 1868, ein anderes im März desselben Jahres erlegt. Ein gross- 
wüchsiges, ebenfalls junges Weibchen tödtete man im November. Diese Vögel geben 
mir in Bezug auf Färbung und Plastik keinen Stoff zu Bemerkungen. An zweien von 
ihnen tritt die Querbänderung des 2. und 3. Jahres unten an der inneren Seite der 
Hosen auf. Alles andere im Gefieder ist jung, nur eine einzige Brustfeder des grossen 
Weibchens zeigt ebenfalls die Binden des Gefieders vom 2. Jahre. Die Angabe Feisula- 
Bey’s aus Achalzich, dass es dort weisse Jagdfalken gäbe, freilich nur als grosse 


*) Eastern Persia, ete. Vol. II, pag. 107 et sg. 
”=*) Journal für Ornithologie, 1876 1. e. pag. 177. 


Astur palumbarius. 105 


Seltenheit, deute ich auf die schon von Pallas*) und neuerdings auch von Blanford **) 
besprochene weisse Varietät des Hühnerhabichts, oder auf einen hellen Fulco saker, 
da ich nicht annehmen darf, dass einer der hellen, oder gar weissen Edelfalken des 
hohen Nordens im Kaukasus lebe. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Aus eigener Anschauung in freier Natur kenne ich den Hühnerhabicht nur im 
Winter, habe ihn aber auf allen meinen Touren im Sommer nur als gefangenen Vogel, 
sowohl, in den von christlichen, wie auch von mohamedanischen Völkern bewohnten 
Gebieten angetroffen und zwar meistens nur als jungen 2—3jährigen Vogel. Doch 
brütet der Hühnerhabicht, wenn auch selten, in den Hochwäldern von Zagweri (Borshom), 
welche Wälder namentlich im September jeden Jahres auch vielfach vom Hühnerhabicht 
‘während der Zugzeit frequentirt werden. Es sind das zwar noch gemischte Laubwälder, 
die der Räuber bewohnt, aber es finden sich in ihnen hie und da ungemein dichte und 
recht alte Bestände von Abves orientalis. In den Wäldern Lenkorans lebt der Hühner- 
habicht ebenfalls im Sommer und brütet. Hier fehlen ihm die Coniferen vollständig. 
Man nimmt ihm dort gerne die Jungen fort und kröpft sie auf. Er soll das Revier, in 
welchem das Nest steht, sehr eigensinnig behaupten und nicht leicht ein anderes Paar 
zum Brüten in seine Nähe kommen lassen. Die Nachrichten Nordmann’s "**) über 
die Ausübung der Falkenjagd fand ich im unteren Colchis ebenfalls bestätigt. In 
Dshwari, in den Vorbergen Mingreliens, unweit der Ingur-Engschlucht gelegen, be- 
schäftigten sich die Fürsten Dadian Ende August mit dem Einfangen junger Sperber. 
Sie hatten als Lockvogel einen Neuntödter an der Leine, welche wie eine Peitsche an 
einen Stock gebunden war und begaben sich namentlich gegen Abend damit in die 
dicht bewaldeten Gebiete. Stösst ein Sperber, so wird er geschickt mit dem Netze 
gedeckt und nun abgerichtet. Es kann dies unter Umständen und in barbarischer 
Weise sehr rasch geschehen. Um den Vogel schnell an die Lockstimme des Herrn zu 
gewöhnen, werden ihm beide Augenlieder, nach der Versicherung der Dshwarischen 
Fürsten, zusammengenäht und ihm dann das Futter vom Herın mit dem Lockrufe _ 
gereicht und entzogen, gereicht und wieder entzogen. Die Vögel sollen auf diese Weise 
im Verlaufe von vier Tagen vollständig zahm und veıständig zur Jagd geworden sein, 
indem sie die Stimme ihres Herrn kennen und ihr folgen. . Man schlägt im unteren 
Rion-Gebiete mit dem Sperber vornehmlich die Wachtel und sah ich dort nur als Beiz- 
vogel diesen Räuber; der ist aber im August und September, wenn die fetten Wachteln , 
auf dem Zuge hier rasten, sehr im Gebrauche. So namentlich auch an der Kwirila 
(Imeretien) und in Gurien. Im gebirgigen Theile dagegen, begonnen mit der Radscha 
(obere Rion), und in den beiden Swanischen Längenhochthälern (Tskenis-Tskali und 
Ingur) wird die Falkenjagd nicht geübt, dieweil die Wachteln nicht in diese Höhen ein- 
fallen, oder doch nur in geringer Zahl brütend dort vorkommen. Die starken Weibchen 
sind sowohl vom Hühnerhabichte, wie auch vom Sperber als Beizvögel bevorzugt. im Elısa- 
bethpolschen Gebiete, abwärts die Kura bis zum Caspi und in Talysch ist der Hühnerhabicht 


*) Pallas, Zoogr. rosso-asiatica 1. c. pag. 369, leider fehlt die citirte Tafel XI. 
**) Blanford, ]l. c. pag. 107. 
**#) Voyage etc. 1. c. pag. 91. 
14 


Badde, Ornis caucasica. 


106 Astur palumbarius — Circus aeruginosus. 


bei den Mohamedanern besonders geschätzt und schlägt man damit, leider unbarmherzig, 
die Frankolin-Hühner und Phasanen. Alte, schlecht dressirte Vögel zerreissen das ge- 
fangene Frankolinhuhn dermaassen, bevor der Jäger Zeit hat, es ihnen abzunehmen, 
dass es meistens für den Balg unbrauchbar wird. Jüngere Vögel sind nicht so heiss, 
ihnen nimmt man die Beute oft unversehrt und sogar lebendig ab. Bei den Kurden, 
oben an der türkischen Grenze, unweit des 12000° hohen Aschich-dade sah ich beide 
Beizvögel und einen Sperber, dem man in Ermangelung seines eigenen Schwanzes den 
eines Thurmfalken derart eingesetzt hatte, dass einzelne der neuen Federn in die Spulen 
des verstossenen und zurückgeschnittenen Schwanzes mit verdicktem Zuckersyrup ein- 
geklebt waren, welch’ letzterer durch die Körperwärme nicht so rasch austrocknet und 
fest wird wie Gummi und den eingesetzten Federn doch einen guten Halt sicherte *). 
Den dritten Beizvogel, von welchem die Falkenjäger hier im Lande sprechen, muss ich 
als Falco saker deuten, habe denselben aber nur einmal bei den Tataren in den Caspi-« 
schen Niederungen abgerichtet gesehen. Für einen gut abgerichteten Hühnerhabicht 
zahlt man von 20—25 Rubel und er kann bei erfolgreicher Jagd in wenigen Stunden 
15—20 Feldhühner, Frankolins, Zwergtrappen oder Phasanen schlagen. Die weissen 
Varietäten des Würgfalken und Hühnerhabichts stehen sehr hoch im Preise. Schir- 
Ali-Chan erwähnte eines solchen Falken, den einer seiner befreundeten Begs in Elisabeth- 

l besass. Der Vogel wurde auf 60 Rubel geschätzt. Gleich hohe Preise hatten früher 
je Hühnerhabichte bei den Kalmücken, östlich von der mittlern Wolga, wohin sie nach. 
dem Zeugnisse Bogdanow’s”*) durch die Tataren gebracht wurden und wo man im 
Tauschhandel gegen Pferde ihren Werth bestimmte. Im Talyscher Tieflande trägt man 
die zu erziehenden Hühnerhabichte namentlich in der Nacht auf der Hand umher, damit 
sie sich an den Herrn gewöhnen. Man gönnt ihnen in der ersten Zeit sehr wenig Ruhe 
und macht sie auf diese Weise durch Ermüdung zahm. Alt eingefangenen Vögeln 
werden auch bier die Augenlieder zugenäht, und lässt man den Faden solange in der 
Naht, bis er verfault und herausfällt. Dies geschieht sehr allmählich, so dass der Vogel 
nach und nach mehr sehen kann und sich auf diese Weise vollkommen an seinen Herrn 
gewöhnt. Hier in Talysch und in Persien zahlt man für gutabgerichtete Vögel 10—30 
Dukaten. Kein Hühnerhabicht ist im Stande, Enten zu schlagen. Vornehmlich verwendet 
man ihn für Phasanen und Frankolin. Alte Sperberweibchen schlagen auch junge. 
Phasanen und kosten 2—5 Rubel. 


32. Circus aeruginosus L. typ. 


Di Taf. III. var.: unzcolor Radde. 


Russisch: Alle Weihen nennt man: Zur. Das Volk unterscheidet auch bei ihnen die Species 
nicht. Kenner fügen der in Rede stehenden Art das Prädikat: Kamyschewy 
(Rohr) hinzu. 
Tatarisch: Kamysch-Kara. 
Systematisches. 
Die fünfundzwanzig Exemplare der Rohrweihe gruppiren sich nach Geschlecht 
und Kleid folgendermaassen: 


*) Brehm, neue Auflage, 1878, T. IV, pag. 590, hat diese originelle Geschichte bereits mitgetheilt. 
**) Vögel und Säugethiere der mittleren und unteren Wolga (russ.), pag. 44. 


Circus aeruginosus. 107 


a. Drei alte Männchen; die Schwingen zweiter Ordnung und der Schwanz obenher 
dunkel aschgrau. Ein recht altes Weibchen den Männchen ähnlich, das Grau etwas 
in Bräunlich ziehend. 

b. Ein jüngeres Männchen bereits zum Theile mit (irau auf den Flügeln und dem Schwanze. 

c. Sechs nicht sehr alte Weibchen mit Gelb auf der Brust und auf dem Flügel; Kehle 
gelb: Kopfplatte gross, hellgelb; gelb auf der hinteren Halsseite. 

d. Sechs junge Weibchen, den jungen Männchen unter f gleich, aber grösser und das 
Gelb im Nacken tiefer herunter. ) 

e. Ein junges Weibchen; an der Kehle kein Gelb, sepienbraun wie die ganze Unterseite 
des Körpers. Auf dem Kopfe wenig und nicht zusammenhängendes Gelb. 

. Fünf junge Männchen typisch; gelbe Kehle und Kopf; hinten am Halse das Gelb nicht 

tief herabreichend. 

. Ein junges Männchen; Kehle sehr wenig gelb; auf dem Kopfe die Federn nur gelb 

umsäumt. 

h. Ein junges Männchen, ganz braunschwarz, ohne eine Spur von Gelb auf Kehle und 
Kopf, var.: unicolor. 

Ein frisch vermausertes, im dritten, höchstens vierten Lebensjahre stehendes 
Männchen wurde im Herbste 1876 bei Tiflis erlegt. Dieser Vogel trägt das schöne Kleid 
alter Männchen, welches am Halse und Kopfe noch nicht so licht ist, an der unteren 
Körperseite sepienbraun und weiter nach hinten kastanienbraun erscheint, an den Hosen 
diese Farbe sehr rein und lebhaft besitzt und auch die Subcaudales in demselben Tone 
zeigt. Die Schwanzfedern sind, von untenher betrachtet, hell gelbweiss, ohne jegliche 
Bindenandeutung, von obenher aber gesättigt tief aschgrau. Ganz ebenso erscheinen 
fast alle Schwingen zweiter Ordnung und die grossen Federn der Handwurzel. Bei 
jenen werden die innersten mehr braun, bei diesen sind die Schaftpartien, zumal an 
der Basis, etwas dunkler getrübt. Das gesammte Kleingefieder der oberen Körperseite 
ist sepienbraun, ohne weisse Fleckung, an den Rändern der einzelnen Federn leicht 
rostroth aufgehellt. Dergleichen alte Männchen erhielt ich mehrere im April, ebenfalls 
bei Tiflis erlegt, aber nie schossen wir im Winter einen solchen Vogel bei Lenkoran, 
wo doch diese Weihe ungemein häufig war, uns aber immer nur ältere Weibchen und 
jüngere Männchen zu Schusse kamen. Das ist um so auffallender, als im Verlaufe der Zeit 
(8 Monate) dort wohl nahe an 100 Rohrweihen getödtet wurden, Da sie die grössten 
Räuber in den Rohrgebieten sind, so liessen wir keine Gelegenheit unbenutzt, sie 
möglichst fortzuschiessen, ohne ihrer für die Sammlung zu bedürfen. Die alten Männchen, 
so scheint es, ziehen weit fort. Ueber die jüngeren Männchen und älteren Weibchen 
habe ich keine Mittheilungen zu machen, wohl aber über die ungemein dunkeln Vögel, 
welche oben sub e, g und h angeführt wurden. Ich finde in den so erschöpfenden 
Arbeiten Naumanns, Riesenthals, Dressers nichts erwähnt von einfarbigen, fast 
rein schwarzen Rohrweihen, die als seltene Varietät in den so sehr variablen Kleidern 
dieser Art sich fänden. Und dennoch benutze ich diese Gelegenheit nicht, nach einem 
Exemplare eine Species zu kreiren, die nach den jetzt dominirenden Ansichten vieler 
Ornithologen eine solche sein müsste. Ich thue das deshalb nicht, weil ich das kleine, 
ganz dunkle Männchen nur als eine individuelle Abänderung von Circus aeruginosus 
betrachte und mir die beiden anderen dunklen Individuen sofort die Brücke zum ab- 
ändernden Circus rufus bauen. Dies verhält sich so: Am 28. rn 10. December 


leur) 


[vle} 


168 Circus aeruginosus, 


1879 wurde bei Lenkoran ein Weibchen von Circus aeruginosus geschossen. Dies ist 
ein junger Vogel mit dominirend brauner (Chocoladen-) Farbe. Das Braun waltet der 
Art vor, dass die Schaftflecken der Kopf- und Halsfedern nur breite, intensiv ockergelbe 
Ränder zeigen. Alles Uebrige, oben und unten, die Kehle, der Hals miteingeschlossen, 
ist gleichförmig chocoladenbraun. Neben diesem Balge liegt vor mir ein junges Männchen, 
am 17./29. November ebenfalls bei Lenkoran erlegt. Auch bei diesem waltet Choco- 
ladenbraun vor, aber in geringerem Grade. Es stehen an den Aesten des Unterschnabels 
und zwischen ihnen gelbliche, nur leicht in Braun getrübte Federn und sie ziehen sich 
abwärts, namentlich seitlich, bis zum Kopfende hin. Oben .auf dem Kopfe trägt dies 
Männchen genau das Kleid, wie jenes eben erwähnte Weibchen und ein Gleiches der 
Länge nach auf dem Unterarme. Alles Uebrige ist an dem Vogel dunkel braun, auch 
der Schwanz, auf dem sich der Wurzel zu nur ein geringer Anflug in Grau erkennen 
lässt. Das dritte Exemplar der so auffallend dunklen Männchen erreicht nun in seinem 
Gefieder das Extrem der dunklen Färbung. Sein ganzer Körper, oben und untenher, 
ist braunschwarz ohne irgend die geringste Beimischung von Gelb. Die Schwanzfedern 
sind grau in Braun getrübt (Tafel IM.). 

Vier Eier, am 12./24. April bei Lenkoran gesammelt und dieser Art angehörend, 
besitzen ein ziemlich derbes Korn und hie und da helle, röthliche, kleine Fleckchen. 
Ich messe: Höhendurchmesser 50 mm., Breitendurchmesser 40 mm. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Von allen Weihen ist die in Rede stehende Art in Transkaukasien im Sommer die 
bei weitem seltenere, so lange der Beobachter sich ferne von den rohrbestandenen Unter- 
läufen der Flüsse befindet. Sie bewohnt die Mündungsländer des Kuban und Terek 
(Bogdanow, 1. c. pag. 49), und in den ausgedehnten Südwasser-Niederungen (Morzi), 
welche zwischen dem Meeresufer und dem Fusse der Talyscher-Gebirge im Südwest- 
winkel des Caspi sich meilenweit hinziehen, war der Vogel im Sommer zwar nicht sehr 
häufig, dagegen traf ich ihn dort im Winter sehr oft an und es scheint, dass die Kau- 
kasischen Vögel dieser Art dort während der kalten Zeit rasten, namentlich die Jüngeren. 
M e&nötries*) fübrt ihn nichtsdestoweniger in seinem Kataloge gar nicht auf. Blanford **) 
liefert keine direkte Bestätigung des Vorkommens in Persien. In der Suram-Ebene, be- 
sonders an den sumpfigen Stellen derselben, nahe der Kura lebt die Sumpfweihe Am 
1./13. August flogen dort junge Vögel in dem so auffallenden Kleide mit &elber Kopf- 
platte und tiefbraunem Körpergefieder. Es unterliegt keinem Zweifel, dass diese Art 
dort brütet (2400°). Von den Armenischen Alpenseen, in den Höhen von 6—7600' ge- 
legen, ist diese Art bis jetzt vom Goktschai und Tschaldyr als Sommervogel nachgewiesen. 
Seine Ankunft dort hängt vom Wetter ab, bisweilen erscheint er erst im Mai, gewöhnlich 
Ende April, und brütet auch in diesen Höhen. Hier, wie in den Tiefländern richtet er 
grossen Schaden an den Brutplätzen der Wasservögel an. Die Rohrweihe zeigt, wenn 
sie über die hohen Rohrbestände hinschwebt, dem Jäger sehr oft die ihm im Dickicht 
verloren gegangene Beute an. Es giebt Leute bei Lenkoran, welche, dem Vogel folgend, 
die verendeten Enten etc., welche er findet, ihm abnehmen. Die mich begleitenden 
Jäger gaben der Rohrweihe niemals Pardon und hatten es im Februar schon soweit 


*) Catalogue p. p. 8. 5. 
’=*) Blanford, Eastern Persia. 


Circus aeruginosus. — Strigiceps ceineraceus. 109 


mit der Vertilgung gebracht, dass fast gar keine mehr da waren. Am allerfrühesten 
Morgen schon beginnt die Rohrweihe ihre Arbeit, und ich habe sie auch Abends noch 
im Zwielicht über die Gewässer schweben sehen, oft plötzlich einbiegend, stossend, rasch 
sich wieder hebend, wenn keine Beute da lag, und immer auf und ab, links und rechts 
abweichend, dicht über dem Rohr hinschwimmend. 


33. Strigiceps cineraceus Mont. 


Russisch: Lugowoi Lun — Wiesenweihe. 
Tatarisch: Alle Weihen nennt man: Allabatach d. h. Bunter Sumpfvogel. 


Systematisches. 


Sechs alte Männchen, zwei junge Vögel, Mann und Weib, ein altes Weibchen, 
bilden meine Suite dieser Weihe aus dem Kaukasus. In allen Altern und Kleidern ist 
diese Weihe stets durch die Distanz zu unterscheiden, welche zwischen dem Einschnitte 
der Innenfahne der ersten Schwinge und dem Ende der Flügeldecken obwaltet und die 
bis zu drei Centimetern beträgt. Dies hat Riesenthal*) vortrefflich als Artenkenn- 
zeichen aufgeführt. Ich besitze die Wiesenweihe ebensowohl von Tiflis, als auch von 
Lenkoran her. Ein junges Männchen, am 16./28. März 1876 bei Tiflis erlegt, trägt ein 
aufiallend frisches Gefieder, und ich glaube fast, dass es eben neu angelegt wurde, denn 
dass die (ircus-Arten bisweilen im Frühlinge mausern, beweist mir ein Weibchen von 
C. Swainsoni, welches ich in Lenkoran Anfang April erlegte und welches in voller Mauser 
steht. An der in Rede stehenden Wiesenweihe ist sie an der unteren Körperseite fast 
beendet, am Halse noch nicht. Im Rückengefieder steht altes und neues Kleid, frisches 
und verstossenes, nebeneinander, so namentlich auf den Schwingen. Es ist merkwürdig, 
wie hinfällig das weiche Gefieder der Oireus-Species überhaupt ist; an besagtem Exem- 
plare von ©. Swainsoni sind die kleinen, alten Federn der Oberseite zu fast, unkennbaren 
Rudimenten abgenutzt und vollständig abgeblichen. Zurückkommend auf das Männchen 
von (. cineraceus, so ist es, mit einem mir zur Hand liegenden, spanischen, jungen - 
Vogel verglichen, sehr viel intensiver in licht Rostroth gefärbt, was namentlich für das 
gesammte Kleid der unteren Körperseite gilt. Doch halte ich den spanischen Vogel für 
einen im ersten Jugendkleide stehenden (Sept. geschossen), während mein Exemplar 
ein im 2. Jahre lebendes, sehr zeitig vermausertes Männchen mir zu sein scheint. Ein 
ebenfalls junges, untenher rostgelbes Weibehen wurde am 15. / 27. April bei Tiflis erlegt. 
An eben demselben Tage erbeuteten wir auch das einzige alte Weibchen der Sammlung. 
Ein am 12. /24. August bei Tiflis erlegtes Männchen befindet,sich noch in der Mauser, 
es legt das erste graue Kleid an, besitzt namentlich auf dem Flügel noch viel verblichenes 
und verstossenes, rostiges Jugendkleid und desgleichen auch auf der Brust einige alte 
Federn. Erst im vorgeschrittenen Alter erscheint bei den Männchen die schwarze, nicht 
ganz scharf umgrenzte, schmale Flügelbinde. Das Grau der Rückenseite meiner alten 
Männchen ist bei keinem Vogel ganz gleichmässig. Es stehen überall dazwischen dunkle, 
etwas in’s Schwarze ziehende Federn, und sie erweisen sich, mit der Loupe betrachtet, 
gleich alt mit den grauen; auch sieht man nicht, dass junge Federn sich vor- 
schieben. 


*) Die Raubvögel etc. pag. 100. 


110 Strigiceps eineraceus. — Strigiceps cyaneus. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Diese Weihe bewohnt von Ende März bis in den Oktober die feuchteren, kleineren 
Ebenen, zumal in den Vorbergen der Hauptkette des Grossen Kaukasus. Oberhalb 
(nördlich) von Tiflis, in der Digom-Ebene, bin ich ihr immer begegnet. Gewöhnlich 
kommt sie erst in den ersten Tagen des April an. Am 7./19. und 8./20. April wurden 
mehrere alte Männchen geschossen. Aus dem Talyscher Tieflande besitze ich sie nicht. 
Sie fliegt gerne Wiesen und Saatfelder ab. Gelegentlich tritt sie auch in die Engungen der 
Hauptthäler. Zweimal wurde sie in Borshom, also mitten im gebirgigen, mit Hochwald 
bestandenem, Terrain erlegt und zwar in den Park- und Gemüsegarten-Anlagen, welche 
auf schmaler Ebene dem linken Kura-Ufer entlang laufen. Häufiger als diese Weihe 
erschien dort Circus cyaneus. Auch auf dem Armenischen Hochlande, in den unabsehbar 
weit mit Gerstenfeldern bedeckten Hochebenen von Achalkalaki und bei Rars trieb sich 
die Wiesenweihe umher. Doch ist auch dort O©. eyaneus häufiger. Im Allgemeinen darf 
man behaupten, dass in Transkaukasien (©. cineraceus von den vier Weihen die seltenere 
ist. In den Ebenen und Steppen nördlich vom Kaukasus soll sie nach Bogdanow’s 
Zeugniss (]. c. pag. 50 Nr. 29) die gemeinste sein. 


34. Strigiceps eyaneus L. 
Russisch: Polewoi Lun — Feldweihe. 
Tatarisch: Ach-tsalagan, die Männchen. j 
Armenisch: Dsera für alle Cireus-Arten, wahrscheinlich grusinischen Ursprungs. 


Systematisches. 


Zehn Weibchen und zwölf Männchen liegen mir aus dem Kaukasus vor. Die 
dritte und vierte Schwinge sind nicht selten gleich lang. Constant ist der von Riesen- 
thal gegebene Charakter: Die fünfte Schwinge auf der Aussenfahne eingebuchtet, der 
Einschnitt auf der Innenfahne der ersten Schwinge liegt unter dem Ende der oberen 
Flügeldecken. (Bei Riesenthal steht hier Flügelspitze, was ein Druckfehler ist. *) 
Zehn, schön ausgefärbte Männchen im frischesten Kleide stehen zunächst vor mir. Die 
wurden im November und December bei Lenkoran und zwei im September bei Tiflis 
geschossen. Einzelne der weissen Federn unter der grauen Brust besitzen dem Schafte 
entlang helleraue, verwaschene Fleckung, zumal auf den inneren Fahnen. Alle diese 
Individuen besitzen noch den hellern in Röthlichbraun und Schwarzgrau gezeichneten 
Nackenflecken, und das Kolorit des Rückengefieders geht aus dem Blaugrau in das ge- 
trübte Bleigrau über. Zwei andere alte Männchen zeigen den Nackenflecken nicht mehr. 
Die Weibchen der Kornweihe sind die am stärksten gebauten Vögel von den drei hellen 
Weihen-Arten. Die mir vorliegenden sind alle im Winter bei Lenkoran geschossen 
und stimmen untereinander gut überein. Mehrere Gelege von Tiflis und Lenkoran liegen 
mir vor. In den ersten Tagen des Mai waren die Eier noch frisch. Das Korn der 
Schalen ist gröber als bei €. Swainsoni und das Ei grösser. Ich messe: Höhendurch- 
messer: 44 mm., Breitendurchmesser: 35 mm. Leichte Fleckung kommt vor, die meisten 
Eier sind rein weiss. 


*) Die Raubvögel Deutschlands, 1. c. pag. 109. 


Strigiceps eyaneus. — Strigiceps Swainsoni. 111 


Lebensweise und Verbreitung. 


Die Kornweihe besitzt von allen ihren Geschlechtsgenossen die breiteste Vertikal- 
Verbreitung, da sie als Sommervogel : vom Meeressspiegel bis über 9000‘ Höhe von mir 
gefunden wurde. Jene äusserste Höhe beobachtete ich bei der Passage des nördlichen 
Taurus, vom Dorfe It kommend, um Erzerum zu ‘erreichen. Es muss aber erwähnt wer- 
den, dass im Grossen Kaukasus der Vogel niemals so hoch über dem Meere gefunden 
wird, weil dort, zumal an der Südseite, die Schneelinie schon in 10000‘ gelegen und 
ausserdem keine Weihenart die stark zerrissenen Gebirge lieb hat. Dem geschlossenen 
Hochwalde fehlt sie, besucht aber gerne und nur zeitweise, als Strichvogel, die klei- 
neren, wo möglich angebauten Uferebenen und selbst die für den Mais- und Getreidebau 
durch Waldbrand und Roden hergestellten, oft nur sehr beschränkten Lichtungen. In 
dieser Weise geht sie aus der geräumigen Ebene von Suram die schmale Kuraschlucht 
aufwärts, immer streichend. Mit der Erweiterung des Thales oberhalb Azkur und in 
den Hochhügellandschaften des Potschow-tschai, die gut angebaut sind, ist die Korn- 
weihe brütender Sommervogel, der aber zum Winter fortzieht (3—4000%). Auch vom 
Achalkalaki-Plateau, aus Duchoborien und vom Goktschai-Gebiete kann ich die Korn- 
weihe als Sommervogel nennen. In den Tiefländern überwintert ein Theil derselben, 
wie das auch in der Krimm der Fall ist. Die bei weitem grössere Anzahl meiner 
Exemplare wurde im Winter bei Lenkoran erlegt. Dort stellen sich die Weihen Anfangs 
November häufig ein und ich glaube, es ziehen die aus den Wolgasteppen auch hierher. 
Sie jagen dann im Talyscher Tieflande während des Winters und erscheinen um so 
häufiger, je kälter es wird. Während Anfang November die breiten Flächen der Kura- 
Ebenen keine Weihen besassen, traf ich sie südlich von Salian in der Mugan und später 
in den Niederungen Lenkorans recht häufig an. 


35. Strigiceps Swainsoni Smith 
— St. pallidus Sykes. 
Russisch: Stepnoi Lun — Steppen-Weihe. 
Tatarisch ebenso wie Sfr. eyaneus. 
Systematisches. 

Es stellt sich bei der genauen Sichtung meiner vielen Weihen heraus, dass ich 
von dieser Art die meisten Exemplare habe; das kommt daher, weil durch Zufall gerade 
die Zugzeit derselben im Frühlinge zu wiederholten Malen bei Tiflis und Lenkoran 
benutzt wurde, um sie zu jagen. Es liegen vor: 

Zehn alte Männchen im ausgefärbten hellen Kleide, sieben jüngere Männchen 
im Uebergangskleide, zehn Weibchen, von denen zwei blass, acht mehr röth- 
lich gefärbt sind. 

Auch für diese Weihenart ist die von Riesenthal gegebene Schwingen-Plastik 
durchaus stichhaltig. Der Einschnitt auf der Innenfahne der ersten Schwinge liegt 
unmittelbar bei der Spitze der oberen Decken, oder tritt bis höchstens einen Centimeter 
vor. So sehe ich das an allen Exemplaren meiner kaukasischen Vögel. Ferner erstreckt 
sich die Einbuchtung auf der Aussenfahne nur noch auf die vierte Schwinge, auf der 
Innenfahne findet das schon an der dritten statt. 


112 Strigiceps Swainsoni. — Bubo maximus. 


Man hat sich neuerdings allgemein für den älteren Namen dieses Vogels, der 
vom Jahre 1830 datirt, entschieden und den Sykes’'schen verworfen. Ein am 13. / 25. 
April von mir bei Lenkoran erlegtes, junges Männchen ist in der Mauser und legt das 
Kleid des zweiten Jahres an. Das kleine Gefieder der Rückenseite ist frisch, hat aber 
im Grundtone mehr Braun als Grau. Die Federn des Unterarmes und zum Theile auch 
die der Handwurzel weisen schon Grau, wenn auch bräunlich getrübt, auf. An der 
unteren Körperseite, zumal auf dem Bauche und den Flanken macht sich schon viel 
reines Weiss bemerkbar, die Schaftstriche, welche höher aufwärts sammt den kleinen 
Dreieckflecken überall deutlich gelblichbraun hervortreten, fehlen der unteren Leibpartie 
fast ganz. Der Schleier setzt sich sehr deutlich ab, ebenso der breite Augenring, der 
sich nach unten hin fast zu einem schmutzig weissen Wangenflecken erweitert. Auch 
die anderen jungen Männchen in diesem Uebergangskleide, welche ebenfalls Ende März 
bei Lenkoran und Tiflis erlegt wurden, tragen noch nicht reines Grau auf der oberen 
Körperseite und unten stets, wenn auch nur andeutungsweise, rostige, schmale Schaft- 
flecken. Die Schwanzfedern dieser Männchen sind noch deutlich, wenn auch trübe 
gebändert. Das alte Weibchen ist am Kopfe entprechend dem jüngeren Männchen 
gezeichnet, besitzt aber im gesammten Rückengefieder keine Spur von Grau. Die meisten 
alten Weibchen sind viel rostgelber im Kolorit als die von C. pygargus. Ich habe in 
meiner Suite zwei hellere, matter gefärbte Exemplare, welche den typischen Weibchen 
von C. pygargus gleichkommen, aber die Schwingen von (. Swainsoni besitzen. Das alte 
Männchen gibt mir zu keinen Bemerkungen Veranlassung. Die Schwingenverhältnisse 
finde ich an allen meinen Vögeln durchaus konstant. Mehrere Gelege von Lenkoran 
besitze ich. Die Eier sind stets glatt, etwas mehr gelblich weiss, als bei cyaneus, ganz 
leicht gefleckt. Ich messe: Grösstes Ei: Höhendurchmesser 39 mm., Breitendurchmesser 
31 mm.; kleinstes Ei: Höhendurchmesser 35 mm., Breitendurchmesser 30 mm. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Im gesammten Steppengebiete, welches sich von dem Nordfusse des Grossen 
Kaukasus bis weit über den Don hinaus dehnt, ist diese Weihe im Sommer häufig und 
überwintert auch in einzelnen Exemplaren. Selten aber sieht man dort im Winter alte 
Männchen. Die Hügellandschaften an der Südseite des Gebirges, wo sie steppenartiges 
Terrain, wenn auch mit zurücktretender, seitlicher Gebirgseinfassung, aufweisen, bewohnt 
diese Art ebenfalls. Ich kann ihr Vorkommen auf dem Armenischen Hochlande nicht 
verbürgen. Im Tieflande des Caspi wies ich sie für den Winter häufiger als für den 
Sommer nach. Vornehmlich aber zieht sie dort durch. Am 22. März /3. April wurden 
acht Exemplare erlegt. Bis zum 4. / 16. April war der Vogel gemein. Bei Tiflis wurde 
das erste Exemplar am 27. März /8. April geschossen und dann während der ersten 
Apriltage die anderen. 


36. Bubo maximus L.”) 

Russisch: Filin, Pugatsch. 

Tatarisch. Jaebalak, auch Baikusch, welcher Name auch für Circus gebräuchlich ist. 

Armenisch: Buwelsch. 

Grusinisch: Bu. 

*) Strix flammea L., welche Moritz Wagner als häufig in Colchis und Grusien nennt (Reise 
nach Colehis etc., ete., pag. 325), kommt im Kaukasus nicht vor. Es muss da ein Irrthum obwalten; ich 
schliesse sie ohne Bedenken aus. 


Bubo masimus. — Aegolius otus. 113 


Systematisches. 

Sieben Exemplare im Museum und im Verlaufe von 18 Jahren wohl an zwanzig 
Exemplare in der Voliere wurden beobachtet. Zwar sind die meisten meiner kaukasischen 
Uhu’s grosswüchsig und hellfarbig, doch giebt es hier zu Lande auch schwächere und 
dunklere Exemplare. Während ein Männchen 620 mm. Totallänge besitzt, messe ich 
ein zweites Exemplar, aus der deutschen Kolonie Helenendorf stammend, nur zu 540 mm. 
Die gelbrostigen Tinten schwinden bei allen meinen Vögeln am ehesten auf den oberen, 
mittleren Flügeldecken. Vorne am Flügelbug sind die meisten Federn matt schwarzbraun. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Bis in die Meereshöhen von 7000’ ist der Uhu im gesammten Kaukasus ein 
häufiger Standvogel, der ebensowohl die bewaldeten Gebirge, zumal, wo sie viele nackte 
Felsen bieten, wie auch die Steppen, ja sogar die tief gelegenen Salzsteppen und Wüsten 
bewohnt und in ihnen an der Erde brütet. Nur im Talyscher Tieflande, so scheint es, 
fehlt er gänzlich, während er den Jägern aus dem Gebirge bekannt ist. Unterhalb von 
Tiflis in den Wäldern von Karagas ist er gemein, an der unteren Liachwa und 
in den Umgegenden von Gori habe ich ihn oft angetroffen und erlegt. An der 
grossen Poststrasse und an den Eisenbahnen besteht er Abends gerne die Tele- 
graphenpfosten und lässt sich nicht leicht aufschrecken. Ich habe ihn oftmals so, 
bei kaum beginnender Dämmerung, angetroffen. In den öden, waldlosen Gebirgen, 
unterhalb Mingetschaur, auf linker Kuraseite, ist er ebenfalls nicht selten, Vom Arme- 
nischen Hochlande liegen mir Nachrichten über sein Vorkommen am Goktschai-See vor 
und Blanford führt ihn für Hochpersien ebenfalls auf. Vier in der Gefangenschaft 
jetzt schon seit Jahren bei mir lebende Vögel halten gute Freundschaft in der Voliere, 
dulden aber nichts anderes Lebendes um sich, selbst andere Eulen, so z. B. Ath. noctua, 
die ich nicht anders placiren konnte, wurde über Nacht gewürgt. Ich rechnete darauf, 
als ich den Vogel zu den Uhu’s setzte, dass er sich Nachts auf den oberen Gesimsrand 
des Hauses oder unter das zugespitzte Dach begeben würde, wohin die grossen Uhu’s 
durchaus nicht kommen können. Gerne bäumt der gefangene Uhu, sitzt aber auch oft 
im Winkel auf dem Boden. Während des ganzen Jahres rufen die Uhu’s Nachts, beson- 
ders stark aber im März. Nestjunge bringt man mir fast in jedem Jahre. Schon Ende 
Mai sind diese fast ganz ausgewachsen, tragen dann aber noch mehr Flaumfedern als 
eigentliches Gefieder. Es macht gar keine Mühe, solche Vögel gross zu ziehen. 


37. Aegolius otus L. 
Russisch: Uschastaja Sowa — Ohreule. 
Tatarisch: Ssörgegean. 
Armenisch: Bu. 
Systematisches. 

Auch bei der Waldohreule variiren die gelblichen und bräunlichen Farben des 
Gefieders, sind bald heller, bald dunkler. Ein Weibchen, am 12. / 24. März 1867 bei 
Tiflis erlegt, besitzt sie sehr intensiv. Ein anderes Weibchen, im December 1868 eben- 
falls bei Tiflis erlegt, ist ungleich heller gefärbt. Mein Exemplar aus den Talyscher 
Niederungen (14. / 26. November geschossen) trägt das Gefieder genau wie die normale 


europäische Ohreule. 
Badde, Ornis caucasica. 15 


114 Aegolius otus. — Aegolius brachyotus. — Syrnium aluco. 


Lebensweise und Verbreitung. 

In manchen Jahren im Oktober und November ist die kleine Ohreule sehr gemein 
und bestreicht gerne sogar die Gärten der Städte. Es erscheinen nicht selten ganze 
Gesellschaften, die sich dicht gedrängt in ein Gebüsch placiren und auch am hellen 
Tage nicht gerne den Ort verlassen. So traf ich sie auch 1868 im März während des 
Schneefalls im Palaisgarten von Borshom an. Zum Theile ist diese Art ein Standvogel, 
streicht aber namentlich im Herbste in grösseren Banden gesellschaftlich. Bis zu den 
Höhen von 6300‘ (Goktschai-See) kann ich sie nachweisen. 


38. Aegolius brachyotus Forst. 
Russisch: Balotnaja Sowa — Sumpfeule. 
Systematisches. 

Ich besitze ein Dutzend Sumpfohreulen aus dem Kaukasus. Mehrere Exemplare, 
Männchen und Weibchen, stehen vor mir, die aus den Umgegenden von Tiflis, von 
Kodshori im nahen Gebirge im November 1868 erlest wurden. Bis auf eine etwas 
häufigere und breitere Fleckung auf der unteren Körperseite finde ich die Vögel voll- 
ständig mit nordischen Exemplaren übereinstimmend. Ebenso verhält es sich mit den 
Sumpfohreulen, welche vom November bis April bei Lenkoran geschossen wurden. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Sowohl Sommervogel, als Zug- und Strichvogel ist diese Art bei uns. Sie 
findet sich noch in den Festzca-Steppen der Armenischen“ Hochländer am Balyk-göl, 
7400‘ (Oberlauf des Murad-tschai), ebensowohl als Brutvogel, wie auch in den Ebenen 
der Vorberge des Südabhanges und in den ausgedehnten Steppen am Nordfusse des 
Grossen Kaukasus. Hier überwintert sie namentlich im Norden von Wladikawkas, wo 
man ihrer besonders an trüben Wintertagen (December) in der That bisweilen Hunderte 
sehen kann. Die auf ein solches Vorkommen bezügliche Mittheilung des Forstmeisters 
Wiese, wie sie Riesenthal*) uns mittheilt, ist buchstäblich zu nehmen. Dieser Ge- 
währsmann fand einen Lagerplatz, von dem er über 100 Stück hob. In den Geröhren 
und Sümpien ist diese Eule gar nicht selten. 


39. Syrnium aluco L. 

Russisch: einfach : Sowa — Eule. 

Tatarisch: Bajagusch, ein für alle Eulen und auch manchmal für Milvus gebräuchlicher Name. 

Armenisch: Botspetur. 

Systematisches. 
Zweiundzwanzig kaukasische Waldkäuze bilden den Bestand der Sammlung. 

Dass der Waldkauz im Kaukasus die Behauptung von Pallas**), es gäbe in Russland, 
wo der Vogel überhaupt nicht häufig sein soll, nur die graue Varietät, — nicht bestätigt, 
beweisen meine vier bei Tiflis erlegten Vögel und eine grosse Anzahl von Exemplaren 
aus den Talyscher Wäldern. Freilich erreicht ein am 20. Oktober 1868 erlegtes Weibchen 
in seinem Gesammt-Kolorit noch nicht die Intensität vieler deutschen Vögel der braunen 
Varietät, doch wissen wir ja aus Riesenthal’s Arbeiten ***), dass die alten Weibchen 


*) Die Raubvögel etc. pag. 486. 
==) Zoogr. rosso-asiat. T. I. pag. 321. 
=), lire. par.ı503: 


Syrnium aluco. — Athene noctua. 115 


niemals das leuchtende rostbraune Gefieder der jungen Vögel ihres Geschlechtes tragen, 
und ich halte den in Rede stehenden Vogel für ein älteres Weibchen. Ein anderes 
Paar dieser Eulenart, von welchem das Weib am 19./31. Januar, der Mann am 
17./29. Februar erlegt wurde, zeigt grosse Uebereinstimmung im Kleide trotz der 
geschlechtlichen Unterschiede. Beide Vögel sind vorwaltend grau, besitzen aber nicht 
allein auf der oberen Flügelseite, sondern auch im lockeren Kleingefieder gelblichen 
Anflug. Dagegen weichen die meisten Exemplare aus Talysch dadurch von den euro- 
päischen Vögeln ab, dass sie oft ganz fuchsig, fast brennend rostrothes Gefieder haben 
und solches findet ganz besonders bei jungen Weibchen statt. Ich kann mich mit 
Severzow's Meinung, welche Bogdanow *) anführt, dass nämlich der Aufenthaltsort 
dieser Art das Kolorit wesentlich bestimmt, nicht einverstanden erklären. Die Lenkora- 
nischen Wälder sind gewiss ebenso schattig, wie irgendwelche des Nordens und doch 
finden wir hier neben den grauen Kleidern die ausserordentlich rostig-rothbraunen. 
Naumann wird, wie auch Bogdanow zugiebt, Recht haben, wenn er als Regel das 
Kolorit vom Alter und Geschlechte abhängig macht. 


Lebensweise und Verbreitung. 

In den Wäldern von Borshom ist der Waldkauz Sommer- und Brutvogel. Im 
Oktober 1876 traf ich ihn in den Buchenhochwäldern des Sabadur-Passes (zur Jora, 
über 5000). Die Exemplare des Museums stammen alle aus der Umgegend von Tiflis 
und von Lenkoran, wo diese Eule im Winter die Gärten besucht. Im Talyscher Tief- 
lande war dies die häufigste Art ihres Geschlechtes. 


40. Athene noctua Retz. typ. 
et var.: meridionalis Risso. 
Russisch: Sytsch domowoi — Hauskauz. 
Systematisches. 

Von den acht kaukasischen Steinkäuzen sind zwei kleinere Männchen typisch, 
und 5 grössere, merklich heller, repräsentiren die Varietät meridionahs. Ein Weibchen 
endlich, hoch im Talyscher Gebirge erlest (6000° im Ambarani-Thale auf dem Wege 
nach Ardebil), mit sehr vertragenem Gefieder (25. Juni/7. Juli), weicht durch das vor- 
waltende, schmutzige Weiss auf der oberen Körperseite, namentlich den Schulterfedern, ab. 

Während die Engländer, an ihrer Spitze G.R. Gray **), Dresser und Blan- 
ford***) die südliche Varietät des Steinkauzes als gute Art betrachten und in ihren 
Werken als solche behandeln, hat sich der grösste Theil der deutschen Ornithologen 
doch dazu bequemt, Surmia moctua Retx. als Stammart festzuhalten und ihr Surnia 
glauz Sav. — 5. meridionalis Risso, Schlegl nur als Varietät zuzuzählen. 
Namentlich tritt auch Heuglinf), seeligen Andenkens, für die Vereinigung beider 
Vögel ein. Ein Theil meiner Exemplare schliesst sich, wenn alt, ganz gut an sächsische 
Vögel. Etwas mehr Braun im Grundtone der oberen Körperseite, eine geringere Fleckung 
in Weiss, eine etwas geringere Grösse, das ist Alles, was ich sehen kann. Ein im 


*) Vögel und Säugethiere der mittlern und unteren Wolga (russisch) pag. 56. 
**) Handlist of genera and species of birds, P. I, pag. 39. 
=) Eastern Persia, P. II, pag. 117. 

+) Omithologie Nord-Ost-Afrikas, Bd. I, pag. 118. 15* 


116 Athene noctua. — Glauceidium passerinum. 


August bei Tiflis erlegtes Weibchen ist offenbar noch nicht ganz ausgewachsen und 
trägt das Jugendkleid. Selbiges hat sehr viel mehr Weiss an den Halsseiten, unter dem 
Schleier und auf der Brust. Auch die Vögel aus dem Talyscher Tieflande, fünf an der 
Zahl, geben mir keine Veranlassung zu Bemerkungen systematischer Natur. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Mönetries’ Mittheilungen über Si. passerina Gml.: „elle est tr&s commune au 
Caucase et A Lenkoran“ bezieht sich auf diese Eule. Er hat Recht, namentlich für alle 
ariden und in der heissen Zone gelegenen Gegenden. Hoch im Gebirge, d. h. in Höhen 
über 6500‘, bin ich dem Steinkauz niemals begegnet. Bei Nowo-Bajaset am Südufer 
des Goktschai-Sees kommt er noch vor und ist Standvogel. Häufig ist dieser Vogel 
selbst in den wüstenartigen Einöden, die auf weite Strecken hin das Araxes- und Kura- 
Thal einnehmen. Oft trifft man ihn auch an der Poststrasse an; nicht selten hält er 
Tagesruhe unter den Brücken, dann wieder sitzt er auf einem Werstpfahle oder in der 
Nähe menschlicher Ansiedelungen. In nassen Gegenden ist er selten. In Hochpersien 
lebt er immer in der Nähe der Dörfer: alte, verlassene Erdbauten, leere Häuser sucht 
er auf. 


41. Glaueidium passerinum L. 


russisch: Sytsch maljutka. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Ich beobachtete den Zwergkauz nur einmal in den Laubwäldern von Borshom,, 
wo er am Tage Anfang April hoch in der Krone einer alten Rüster fusste. Bis zu 
dieser Zeit (1880) konnte ich gleich Blanford *) nur nach dem Zeugnisse von M&ne- 
tries**) diese Art der Vogelfauna des Kaukasus zuzählen. Er will sie sogar in den 
„Alpen des Kaukasus“ erlegt haben. Jedenfalls glaube ich, dass hier-ein Irıthum vor- 
liegt. Der Zwergkauz ist nach meinen Erfahrungen ein Waldvogel und zwar liebt er 
hohe Bäume, in deren Krone er am liebsten recht hoch fusst, weshalb ihm oft schwer: 
beizukommen ist. Aus der basal-alpinen Zone im Kaukasus kenne ich nur die Sumpf- 
ohreule, aus der alpinen und hochalpinen ist mir keine Eulenart bekannt. Eichwald ***) 
führt den Zwergkauz ebenfalls aus dem Caspi-Gebiete auf, doch kommen mir leise 
Zweifel über die Richtigkeit dieser Angabe, um so mehr, als der Autor andere Arten 
in seinem Verzeichnisse namhaft macht, welche bis dato im Kaukasus nicht nach- 
gewiesen wurden. So z. B. Nucifraga caryocatacles. Ist das nach Pallas’f) Notizen ge- 
schehen, so durfte man das grosse Fragezeichen, welches hinter: „an e Caucasi altiori- 
bus?“ steht, nicht übersehen. Der Fall vom Jahre 1780 bei Astrachan wird ja als Aus-- 
nahme erwähnt. 


*) Eastern Persia, T. II, pag. 118. 

”*) Catalogue etc. pag. 28 als Strix acadica L. 
==) Fauna caspio-caucasica, pag. 40. 

) Zoogr. rosso-asiat. T. I, pag. 398. 


Ephialtes scops. 117 


42. Ephialtes scops L. 

Russisch: Sytsch Kanjuk, auch Splu nach dem Rufe. 

Persisch: Buf. 

Tatarisch: Ssögergan. 

Systematisches. 
Ich kann an dem Gefieder meiner Exemplare nichts Abweichendes finden und 

auch Blanford*) giebt keine Bemerkungen über die etwaige Variation der persischen 
Individuen. 


Lebensweise und Verbreitung. 


In der heissen Zone überall, wo junger Wald steht, kommt die Zwergohreule 
vor. Im Sommer hört man allabendlich den melancholischen „Schlaf, schlaf“-Ruf, „spliu, 
spliu“ (was zu deutsch aus dem Russischen „ich schlafe, ich schlafe“ bedeutet und die 
Stimme des Vogels recht treu wiedergiebt). Meine Exemplare wurden Anfang April bei 
Lenkoran erlest, wo sie Abends im Städtchen selbst hockten und von Hunderten des 
Vesperugo pipistrellus Daub. umschwärmt wurden. In den Wäldern Borshoms brütet 
diese Art. Im Mai 1879 brachte man dem jungen Grossfürsten ein Weibchen mit drei 
Jungen. Diese wurden sorgsamst aufgeäzt und eines davon ganz zahm. Es trieb in 
den Zimmern der Prinzen sein possirliches Wesen. Ungemein aufmerksam war der Vogel 
am Abend, wenn die Räume hell erleuchtet waren und er auf dem Schreibtische sich 
frei bewegen durfte und mit fein zerschnittenem Fleische gefüttert wurde. Er war 
namentlich der Liebling des vierten Sohnes vom Grossfürsten-Statthalter, Alexander 
Michailowitsch, und kannte seinen Herrn. 


*) Eastern Persia, P. II, pag. 116. 


118 Omnivorae. 


Ordo II. 


Omnivorae, 


Allgemeine Vorbemerkungen. 


Diese Ordnung setzt sich in der Ornis des Kaukasus aus 23 festen Arten mit 
11. Varietäten zusammen, würde also, wenn wir den letzteren artliche Selbständigkeit 
beilegen könnten, aus 34 Spezies bestehen. Von diesen Varietäten gehören 3 zum 
Eichelhäher, nämlich @. Krynickii Kalxk., G. melanocephalus Gene, und G. hyrcanus Blanf.; 
vier fallen den Meisen zu, nämlich: Parus Mechalowskdi Bogd. zu »P. phaenolus Blanf., 
Oyanistes persicus Blanf. zu ©. coeruleus L. und var. major Radde zu Acred. tephronota 
Günth., sowie von der Beutelmeise (4degithahıs) die var. caspius Poelx. Vier Varietäten ver- 
einige ich mit dem gewöhnlichen Staar, es sind das: ‚St. unieolor La Marm., St. purpurascens 
Gould, Si. nitens Hume und St. Poltaratikyi Finsch. Die speziellen Abhandlungen über 
die Stammarten dieser Varietäten geben genauen Ausweis über die Beweggründe, welche 
mich bestimmten, sie zu vereinigen. Auch hier lagen meistens lange Suiten kauka- 
sischer Exemplare vor, welche auf’s Deutlichste die Uebergänge konstatirten und die 
extremen Formen vereinigen halfen. Was nun zunächst die Familie der Corwiden an- 
belangt, so setzt sie sich vorzugsweise aus centraleuropäischen Arten zusammen. Auch 
hier fehlen uns zunächst die nordischen Waldformen (wie bei den Eulen), wie sie im 
Nusshäher und Unglückshäher dort vorhanden sind, vollkommen, und andererseits besitzt 
der Kaukasus noch nicht die Nordost-Afrikaner, die nächsten Verwandten von (. corone, 
wie sie durch ©. umbrinus Hedb. und ©. kingitanus und C. affinis Rüppl. dort reprä- 
sentirt werden. Eine ihm eigenthümliche Krähenart besitzt das Kaukasusgebiet nicht 
und. was an Varietäten des Eichelhähers oft bei einander lebt und nur höchst selten sich 
genau dem typisch gezeichneten centraleuropäischen Vogel anschliesst. gehört den süd- 
östlichen, schon bekannten Abänderungen an. Von ihnen ist @. Äryniküi die weitestver- 
breitete und gemeinste. Wir kommen also zu der Ueberzeugung, dass im Vergleiche 
zur europäischen Ornis der Kaukasus aus der Familie der Corızden nicht viele und nur 
mitteleuropäische Arten besitzt. Persien gegenüber ist aber diese bei uns an sich 
artenarme Familie immerhin noch reich zu nennen und es scheint, dass sowohl C. 


Omnivorae. 119 


monedula, als auch (©. corone in Transkaukasien in der Richtung gegen SO. ihre 
äusserste Grenze erreichen und in Persien fehlen, obwohl sie Caschmir und Nord-Indien 
noch angehören. Wenn wir nämlich aus Blanford’s Artenzahl den, nur im heissen 
Beludshistan gefundenen, (€. umbrinus ausschliessen, so bleiben für das gesammte Hoch- 
persien und das Südufer des Caspi nur drei Corvus-Spezies, nämlich (©. Corax, ©. cormix 
und (©. frugilegus, von denen die letztere nur von de Filippi und St. John bei 
Kaswin und Teheran beobachtet wurde. 

Die beiden Alpenkrähen kommen im Hochgebirge und zum Winter auch in den 
höher gelegenen Vorbergen des Kaukasus und auf dem Armenischen Hochlande vor; 
aber es muss bemerkt werden, dass Pyrrhocorax alpinus eine grosse Seltenheit ist. 
Neuerdings will man den Vogel im Dagestan mehrfach beobachtet haben. Die Familie 
der Meisen wird durch 9 Arten und 4 Varietäten vertreten. Sie besitzt zwei speziell 
dem Oriente angehörende Spezies, da sowohl die zierliche vorderasiatische Acred. tephro- 
nota Günth., als auch die persische P. phaenotus Blanf. in Transkaukasien häufig vor- 
kommen und beide noch eine Abänderung besitzen, welche, als P. Michalowskü von 
Bogdanow beschrieben, zu P. phaenotus gehört und als var. major von Aered. tephro- 
nota meinerseits erörtert wurde. Ob Poecile Brandti Bogd. zur P. palustris in ähnlicher 
Beziehung steht, wie P. Michalowsküi zu P. phaenotus, bleibt einstweilen noch eine offene 
Frage; ich glaube aber, dass es sich so herausstellen wird. Die dritte meinerseits nur als 
Varietät behandelte Meisenform gehört der Blaumeise an. Es ist das die von Blanford 
kreirte persische Blaumeise, Oyan. persicus. Bei dieser handelt es sich nur um ganz geringe 
Farbennuancen und um Grössenunterschiede, die nicht konstant und sich in den Grenzen 
von 1—2 Linien bewegen. Den östlichen Farbenvarietäten der Beutelmeise endlich 
kann ich artliche Selbstständigkeit nicht beilegen, obwohl das mir darüber vorliegende 
Material aus dem Kaukasus nicht reich ist. Ich stütze mich in dieser Hinsicht vor- 
nehmlich auf E. v. Homeyer’s gewichtiges Urtheil. Was sonst an Meisen sich bei 
uns findet, sind typisch centraleuropäische Arten; die hochnordischen sind ausgeschlossen. 
Diejenigen Meisenarten, welche in Ermangelung von Wäldern am ehesten Gartenbewohner 
werden, ja sogar den Garten dem Hochwalde vorziehen, also P. major und Oyan. coeruleus 
sind die häufigsten und weitverbreitesten. Die ächten Waldmeisen nehmen von West 
nach Ost im Kaukasus sichtlich an Zahl ab und Persien, das waldarme Land, besitzt 
von den eigentlichen Meisen nur vier Arten, darunter aber noch P. lugubris. Wie für 
die Spechte, die so sehr vom Walde abhängig sind, bleibt auch für die auf ihn ebenfalls 
angewiesenen Meisen die Frage interessant, wie einstens die Vermittelung der Talyscher 
Waldgebiete mit denen Transkaukasiens statthatte? Unter den heutigen Bedingungen 
und Verhältnissen wäre es einer Waldmeisen-Art nicht möglich, z. B. aus den Wäldern 
von Schemacha zu denen von Talysch zu gelangen. Diese Vögelchen vermeiden auf 
das Entschiedenste die Steppe und sicherlich noch mehr die trennende Wüste. Jetzt 
giebt es beiderseits am unteren Araxes bis zu den Vorbergen von Karabagh keinen 
Wald und doch müssen in dieser Gegend früher die Beziehungen zwischen den Wald- 
vögeln Karabagh’s und denen von Talysch stattgefunden haben; denn der Unterlauf der 
Kura und des Araxes bildeten in jener Zeit eine grosse Wasserfläche, welche die Mugan 
bedeckte. Dass die Wanderungen von ächten Steppenpflanzen des ponto-caspischen 
Gebietes im Norden des Grossen Kaukasus hier statthatten und von hier die charakte- 
ristischen Anchusa-, Salvia-, Phlomis- ete. Spezies nach Hocharmenien kamen, kann ich 


120 ÖOmnivorae. — Corvus corax. 


darthun, und es scheint mir, dass auch der Vogel bei seiner allmählichen Verbreitung 
denselben Weg einschlug, sei es nun, dass wir uns denselben von N. nach S. oder 
umgekehrt vorstellen wollen. 

Wenige Worte habe ich diesen Vorbemerkungen noch in Bezug auf die Familie 
der Staare hinzuzufügen. Die Spezialia über den gemeinen Staar werden dem unbefan- 
genen Forscher sicherlich den theilweise acceptirten Artenwerth der vier Varietäten klar 
machen. Ich wäre bereit, eine Wette darauf einzugehen, dass alte Staare von Ende 
April an während des Sommers bis zur Mauser entweder ganz einfarbig sind oder doch 
nur äusserst wenige Fleckung besitzen, dass man dann bunte typisch gefleckte Vögel 
nur schwer findet und, wenn es geschieht, man es mit jüngeren Individuen zu thun 
hat. Andererseits wird man im September und Oktober schwerlich einen ganz rein- 
schwarzen Staar finden. 

Es folgt nun die Uebersicht der Artenzahl in den drei Nachbargebieten: 


s Ömnivorae. 
Kaukasus. Persien. Turkestan. 


Corvidae 9 Arten, 3 Varietäten. 9 Arten, 1 Varietät. 12 Arten, 3 Varietäten. 
. , (Davon eine specifisch-central- 
asiatische Art: Podoces.) 


Paridae 11 Arten, 4 Varietäten. 6 Arten, 1 Varietät. 14 Arten, 1 Varietät. 


(Davon 8 neue Severzow'sche 


Arten.) 
Sturnidae 2 Arten, 4 Varietäten. 3 Arten, 1 Varietät. 2 Arten, 1 Varietät. 
(Davon 1 südasiatische Art.) 
Oriokdae 1 Art. IATE (SAT 


23 Arten, 11 Varietäten. 19 Arten, 3 Varietäten. 29 Arten, 5 Varietäten. 


43. Corvus corax L. 
Russisch: Woron. 
Persisch: Sag, auch Kalah. 
Tatarisch: Karga, auch Kosgon. 
Grusinisch: Choranz. 
Armenisch: IVorz. 
Systematisches. 

Der kleine Wuchs der Raben im Kaukasus fällt auf. Solche Riesen, wie sie in 
Finnmarken vorkommen, kennt man hier nicht. Mit 530—540 mm. ist die Normal- 
grösse der kaukasischen Raben gegeben, auf die Flügellänge kommen 380—390 mm.., 
auf die des Schwanzes 110—120. Auch ein wenig kurzschnäbeliger sind einige meiner 
kaukasischen Kolkraben im Vergleiche zu deutschen und schwedischen Vögeln; der 
Unterschied schwankt von 4—10 mm. In allem Uebrigen stimmen sie vollkommen zu 
den Europäern. Aufgefütterte Nestvögel (Tiflis) legten schon im zweiten Jahre das 


brillante Gefieder an. 


Corvus corax. 121 


Lebensweise und Verbreitung. 

Der Kolkrabe ist einer der wenigen Vögel, welche alle Zonen in der Vertikal- 
richtung im Kaukasus bewohnen, wenigstens gilt das auch sogar für die höchstalpinen 
Gebiete (über 11000) im Sommer. Doch glaube ich, dass er hier nur besuchsweise 
aus den tieferen Waldgebieten erscheint, gleichsam in Paaren auf die Suche geht, wie 
es die Raubvögel ebenfalls thun. Dann kreist er auch und fällt manchmal aus der 
ruhigsten schwimmenden Bewegung wild und rasch in die Schluchten ein, ebenso jäh 
sich wieder hebend. Bei solchen Fällen legt er sich oft seitwärts, zieht die Flügel an, 
bricht plötzlich die Richtung im Winkel ab; kurz er thut das so, wie es, angefangen 
von F. graculus, N. caryocatactes und auch Garrulus, die Krähen fast alle mehr oder minder 
beim Fliegen zur Gewohnheit haben. Nicht selten aber stösst der Rabe auch schräg 
direkt in die Tiefe, wie ein Raubvogel. In den alpinen Einsamkeiten am Tschitcharo, 
(Swanien) über der Rhododendron-Grenze, hörte ich das hohle „Klong-Klong“ der Raben. 
Am Azunta-Passe (12000‘) in Chewsurien kreiste ein Paar. Am Kwawlos-mta in Tuschetien 
gab es auch ein Paar. Aber im Sommer sah ich die Raben immer nur zu zweien. In 
den bewaldeten Vorbergen liegen die Brutplätze. So brüteten mehrere Paare am steilen 
Nakerala-Gebirge mehr als 4000’ über dem Meere, und oberhalb Lentechi’s im Dadian’schen 
Swanien beobachtete ich sie abermals in mehreren Paaren. Ein Gleiches geschah in 
Chewsurien, oft in den grossartigsten Waldeinsamkeiten. Im Kleinen Kaukasus traf ich 
ihn im Winter auch recht hoch im Gebirge, so im November in den Wäldern an den 
Schamchor-Quellen. Aber zu derselben Zeit ist er bei Tiflis schon häufig in kleinen 
Gesellschaften beisammen und meidet dann auch nicht die Gesellschaft der Raben- und 
Nebelkrähen. Oberhalb der Poststation Saganlug beobachtete ich am 2. / 14. November 
1879 acht Raben in solcher Gesellschaft. Ebenso bewohnen Kolkraben die ausgedehnten 
Wälder von Borshom, wo man sie bei Zagweri und Bukuriani beobachten kann. Am 
Goktschai-See ist der Rabe ebenfalls häufig und bewohnt namentlich den Karabagher 
Meridianstock im SO. Auch hier leben die Vögel im Winter gesellschaftlich in kleinen 
Banden. Ich habe die Beobachtung gemacht, dass in den wärmeren Gegenden der Rahe 
hier zu Lande überhaupt nicht so strenge in einzelnen Paaren sein Gebiet beherrscht 
und andere seines Gleichen neben sich duldet. Im Winter ist das ganz gewöhnlich; 
nicht allein eine ganze Familie lebt friedlich zusammen, sondern auch mehrere, denn 
man kann 10—12 Raben beisammen sehen. Für kurze Zeit ziehen auch die Kolkraben 
im Winter thalabwärts. Sie fehlen aber auch im Sommer keineswegs den Flachländern 
ganz. In den hochhügeligen Landschaften, südlich von Schemacha, mitten in einer 
gebüschlosen, reinen Steppenflora, wo die Lerchen ihre Lieder schmetterten, gab es ein- 
zelne Raben. So häufig, wie ihn M&ne6tries*) bei Baku fand, habe ich ihn freilich 
im Sommer in der heissen Zone nicht bemerkt. Auch fiel es mir sehr auf, dass im 
Winter, je weiter man die Kura abwärts von Tiflis nach Osten und Süden kommt, die 
Kolkraben um so seltener werden. Auf der ganzen Strecke durch die Mugan nach 
Lenkoran, wo doch Nebelkrähen und Saatkrähen zu dieser Jahreszeit recht häufig sind, 
sah ich keinen einzigen Raben. Die Gebirgsbewohner aber von Talysch kennen den 
Raben. Im Tieflande daselbst habe ich ihn niemals gesehen, trotz der reichlichen 
Nahrung, die er dort finden würde. Ueber das Leben in der Gefangenschaft meiner 


*) Catalogue cte. pag. 44. Nr. 113. 
RBadde, Ornis caucasica. 16 


1a Corvus corax. — Corvus corone. 


Raben kann ich nichts Neues mittheilen. Die Vögel werden sehr bald vollständig zahm, 
verbergen sorgsamst den Rest ihres Futters und überhaupt alles, was ihnen in die 
Voliere gereicht wird, wenn es nicht gar zu schwer ist, im Winkel unter einem Ziegel- 
stein, den sie sehr geschickt mit dem Schnabel zu heben wissen, baden sich täglich und 
sind fast in beständiger Bewegung; sie leben in bester Freundschaft miteinander. 


44, Corvus corone L. 


Russisch: Tschernaja Worona. 

Tatarisch: Kara-Karga. 

Grusinisch: Tsehel-Ohwawi, ebenso die Dohle. 
Armenisch : Sew-Agraw, d. h. die schwarze Krähe. 


Systematisches. 

Die Schnäbel meiner kaukasischen Vögel variiren bedeutend in der Länge, aber 
nicht in der Höhe an der Stirnbasis, und erscheinen dadurch bisweilen schlanker. 
Namentlich fällt mir dies bei einem Tiflis’er Männchen vom Januar 1869 auf. Die 
Schnabelfirstlinie dieses Vogels ist auch nicht so stark gekrümmt, wie bei den kurz- 
schnäbeligen, deutschen Vögeln und das Gefieder dieser alten Krähe zieht leicht in’s 
Purpurne, was ich eben auch nicht an den alten, deutschen Exemplaren (vom Grafen 
Berlepsch stammend) bemerke. Am besten stimmt der in Rede stehende Vogel zu einem 
von der Kaiserlichen Akademie in St. Petersburg erhaltenen, am Aral-See erlesten. 
Dieser steht in der Schnabelform den typisch deutschen schon näher. Die Schwingen- 
verhältnisse finde ich an allen meinen Exemplaren übereinstimmend, aber die Schwanz- 
längen nicht. Doch muss ich bemerken, dass die Schwanzfedern an dem in Rede 
stehenden Exemplare von Tiflis sehr verstossen sind. Hier die Maasse in mm.: 


h | Tiflis Kassel | Aral-See 
Corvus corone. | 

|  M. M. W. 

Potallängen.. Are nl 4308704000 
Länge des Flügels vom Bug bis zur Spitze . . || 300 330 350 
Länge des Schnabels auf der Firste . . . . . | 60 | 52 55 
Höhe des Schnabels von der Stirnbasis abwärts . | 22 | 23 23 
Mundspaltenlane es | Ga Ba BR 
Parsusı) : Mena es ee a || ee ed) 


Vergleiche ich nun diese Maasse mit den von Dresser*) gegebenen und reduzire 
die Millimeter auf englische Zoll, so schliesst sich, zumal in den Schnabelgrössen- 
Verhältnissen, der Aralische und der Tiflis’er Vogel am ehesten an Corvus lingitanus und 
besser noch an Ü. uembrinus, doch hat er nichts mit dem kurz- und starkschnäbeligen 
C. affinis zu thun. Mit den Zeichnungen verglichen stellt sich der Schnabel des Tiflis’er 
Vogels noch schlanker und namentlich nicht so scharf abwärts in der Firstlinie gebogen 
dar, als das Fig. 1 für CO. umbrinus zeigt. Ob sich in der Folge die erwähnte Plastik 
des Schnabels an grösseren Suiten bewährt und auch die etwas abweichende Färbung 
des umbrinus an Hals und Steiss für die kaukasischen Vögel nachweisbar ist, bleibt 


*) The birds of Europe, part. XXXVII. April 1875. 


Corvus corone. 123 


noch zu entscheiden. Das erwähnte Exemplar trägt das Gefieder von C. corone, den 
Schnabel von C. umbrinus. Den Vogel zum ©. orientalis Eversm. zu ziehen, kann ich 
mich nicht entschliessen. Von dieser Rabenart liest mir ein Exemplar vom Baikal-See 
vor, welches die kritische Revue von Cabanis passirte und sich gerade durch einen sehr 
derben Schnabel auszeichnet. Dieser misst: Firstlänge 51, Höhe von der Stirne abwärts 
gemessen 22, grösseste Breite 22, Mundspalte 55 mm. So passt denn die Rabenkrähe 
Transkaukasiens, wenigstens soweit bis jetzt ermittelt wurde, nicht in allen Exemplaren 
zur typischen oder zu einer der ihr nahestehenden Arten ganz und liefert auf’s Neue 
den Beweis, in wie hohem Grade selbst plastische Kennzeichen variiren und zwischen 
den extremen Formen sich verbindende Uebergänge nachweisen lassen. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Ich kenne die Rabenkrähe vornehmlich als Wintervogel, sie erscheint in manchen 
Jahren in grosser Zahl bei Tiflis schon im Oktober und zieht Mitte Februar bis Anfang 
März grösstentheils fort. In manchen Wintern fehlt sie fast gänzlich. Allabendlich zu . 
der erwähnten Zeit rotten sich einige Hundert unter dem David-Berge zusammen und 
Hiegen lange herum, auch nachdem es schon dunkel geworden, um dann gemeinschaft- 
lich im Grossfürstlichen Garten zu übernächtigen. Schon Ende August wird die Raben- 
krähe in Tiflis zur Nacht Stadtvogel; am Tage findet man sie nicht, aber später 
nimmt ihre Zahl sehr bedeutend zu. Hier im Palais-Garten haben sie, da es gewünscht 
wurde, sie nicht zu stören, einen ihrer immer wieder aufgesuchten Ruheplätze arg ver- 
unreinigt. Am Tage ziehen sie auf die Aecker in der Umgegend der Stadt, zerstreuen 
sich in kleinere Tribus, nehmen den Auswurf der Kura auf und rotten sich erst wieder 
Abends zusammen. Ungleich seltener ist die Rabenkrähe im Sommer. Sie brütet in den 
alten gekappten Eichen der unteren Suram-Ebene, ist sehr selten im Sommer in Borshom 
und dringt nicht tief in’s bewaldete Gebirge. Niemals sah man 'sie bei Zagweri. Im 
Thale der Aragwa beobachtete ich sie im Sommer vereinzelt bei Ananur. Höher im Gebirge 
kenne ich zur die Nebelkrähe als brütenden Sommervogel. Doch hat Bogdanow‘) 
sie am Nordabhange des Grossen Kaukasus im Sommer bis zu 3000 Meter Meereshöhe 
beobachtet! Vielleicht soll das Maass in Fussen und nicht in Metern angegeben sein ? 
In so enormen Höhen habe ich die Rabenkrähe niemals gesehen. Die Verbreitung im 
Kurathale abwärts bietet einiges Interesse. Im November ist Corvus corone bei Tiflis 
die vorwaltende Art, dagegen Corvus frugilegus selten, oft ganz fehlend. Im Mündungs- 
lande des Flusses (Kura) und aufwärts im breiten Thale, selbst bis Elisabethpol, traf ich 
dagegen die Saatkrähe viel häufiger an, als die Rabenkrähe. Auch später, als ıch zu‘ 
wiederbolten Malen dieselbe Route im December und Januar machte, bestätigte sich 
das. Beide Krähenarten werden in den kulturarmen Steppen der breiten Thalebenen 
selten. Im Talyscher Tielande habe ich während des ganzen Winters keine einzige 
Rabenkrähe gesehen. Es lebt dort ausser der Dohle und Nebelkrähe nur noch (. frugslegus. 
Dieses Faktum schliesst sich gut an das von Bogdanow**) mitgetheilte, dass nämlich 
die Rabenkrähe auch der mittleren und unteren Wolga-Gegend ganz fehlt, wogegen die 
Saatkrähe überwintert, zumal im Mündungslande des grossen Stromes. 


*) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 53. 
**) Vögel*und Säugethiere der mittleren und unteren Wolga (russ.), pag. 117. 


16 * 


124 Corvus cornix. 


45. Corvus cornix L. 
Russisch: Seraja Worona, 
Tatarisch: Bos-Karga. 
Grusinisch: Chwazwi. 
Armenisch: Agraw. 
Systematisches. 


Die im Kaukasus gemeine Nebelkrähe weicht in keiner Hinsicht von europäischen 
Vögeln ab. Sie ist um ein Geringes heller und gilt das von allen Vögeln, welcher 
Lokalität sie auch angehören mögen, und auch von allen Kleidern, selbst von den ganz 
frischen. Ein Ende März 1866 bei Schemacha getödtetes Männchen ist sehr stark ab- 
geblichen. Noch heller als dieses fand ich die Sommervögel am Südabhange des Grossen 
Kaukasus in bedeutenden Meereshöhen, so z. B. bei Mleti im Juni. Das Hellgrau solcher 
Vögel war fast schmutzig weiss zu nennen. Am 1./13. April wurden die Gelege bei 
Lenkoran nur schwach bebrütet gefunden. 


Lebensweise und Verbreitung. 
{>} 


Im gesammten Gebiete, von der heissen Zone im Niveau des Meeres, wo die 
Krähe auch brütet, bis hinauf in die basalalpine, oberhalb der Baumgrenze, sowohl im 
Kleinen, wie auch im Grossen Kaukasus als Sommer- und Wintervogel angetroffen. Sie 
ist die verbreitetste aller Krähenarten, aber nie in grossen Massen miteinander hier lebend 
und nirgends, wie in den Städten des Nordens im Winter mit der Doble, Strassenvogel. 
Erst im März rotten sich, namentlich in langdauernden Wintern, allabendlich die Nebel- 
krähen, Dohlen und Rabenkrähen (später auch Saatkrähen) zum Nächtigen zusammen 
und machen die bekannten Flugübungen hoch in der Luft am Fusse des David-Berges, 
um sich dann im Palais-Garten niederzulassen. Am Tage besammeln sie die Kehricht- 
haufen und Ackerfelder in der Nähe der Stadt. Fällt ausnahmsweise tiefer Schnee, so 
treiben Nahrungssorgen sie auch in die Strassen. Im Städtchen Lenkoran sind sie 
besonders frech; aber dort sind auch die Strassen so weitläufig gebaut und wenig belebt, 
dass den Krähen wenig Störung geboten wird. Im Gebirge bin ich im Sommer der 
Nebelkrähe in einzelnen Paaren überall begegnet, so im Radscha- und Letschehum-Gau, 
so auch auf der Strecke von Muri bis Lentechi (Hippos). In den Colchischen Tiefändern 
am Rion und Ingur ist sie im Sommer gemein, bei Dshwari (Mingrelien) und bei dem 
Dorfe Choni (Imeretien) traf ich sie ebenfalls sehr häufig an. Bei Borshom (2600) 
weise ich sie als Brutvogel nach, am 13. / 25. Juni 1865 waren daselbst die Jungen 
noch nicht flügge, ein sehr später Termin, der nicht normal ist; die Kura aufwärts im 
Gebirge fand ich sie bei Achalzich, im Koblian-tschai-Thale, bei Abas-tuman und ver- 
einzelt am S’ekar-Passe. Nur die Nebelkrähe und einzelne Rabenpaare sind es, die bei 
Zagweri mitten im Hochwalde leben. Dort giebt es weder Saat- noch Rabenkrähen, 
keine Elstern noch Dohlen (wenigstens bis 1879 war dies der Fall). Wie im Kleinen, so 
kommt die Nebelkrähe auch im Grossen Kaukasus in bedeutenden Höhen vor. Bei dem 
Dorfe Blo und bei Guro im wilden Chewsurien gab es einzelne Paare der Nebelkrähe. 
Auf der grusinischen Heerstrasse übersteigt sie den Pass am Kreuzberge, findet sich, 
aber immer nur vereinzelt, sowohl südlich, als auch nördlich von Gudaur, also in circa 


Corvus cornix. — Corvus frugilegus. 125 


8000‘ Meereshöhe. Dem entsprechend hat sie auch Blanford*) in Persien bis in 7000‘ 
Meereshöhe beobachtet. Es ist auffallend, dass weder Menetries, noch de Filippi den 
Vogel in ihren Verzeichnissen erwähnen. Er ist sowohl im Kura-, als auch im Araxes- 
Thale abwärts durchaus nicht selten und im Winter sogar streckenweise massig. Höher 
im Gebirge (Borshom) bei Bukuriani reparirten Nebelkrähen in den ersten Apriltagen 
die Nester, waren aber nicht häufig. Einzelne ruheten gegen 8 Uhr Morgens in den 
Spitzen riesiger Kiefern und wurden von Zeisigen und Kreuzschnäbeln umschwärmt. Sie 
verhielten sich dabei sehr ruhig und die kleinen Vögel verliessen sie bald. Von den 
Krähenarten ist die Nebelkrähe im Winter am gleichmässigsten über das gesammte Kura- 
Thal von Tiflis abwärts gegen Osten verbreitet und fehlt selbst den entlegensten, wüstesten 
Artemisien-Steppen nicht. So z.B. sah ich sie oberhalb und unterhalb von Elisabethpol, 
wo in den steinigen Ebenen mit dürftigstem Steppentypus sich keine andere Krähenart 
aufhielt. Sie schliesst sich von keiner anderen Art ihres Geschlechtes aus, wie dies bei 
Corvus corone und C. frugilegus der Fall ist. Am Ufer des Caspi lebt sie sowohl 
Sommers, als auch Winters und besammelt den Auswurf des Meeres. In Lenkoran 
wurde sie umso häufiger, je kälter und schneereicher es wurde. Anfang Februar lebte 
sie dort in allen Strassen und Gärten. Mit dem 10. / 22. März waren die meisten 
Nebelkrähen gepaart und ihre Anzahl nahm sehr ab. Ein Theil derselben verliess die 
Gegend zum Sommer. Dieses werden die Vögel wohl sein, welche man hoch im Gebirge 
zur Sommerzeit findet. Bei der Station Arabskaja (östlich von Mingetschaur am unteren 
Kuralaufe) zogen früh am Morgen des 9. / 21. Novembers Nebelkrähen und Dohlen aus 
der Kura-Ebene auf die Ackerfelder, welche gegen Norden in der Nähe der Höhen 
gelegen waren. Sie machten dabei viel Spektakel und waren diesmal keine anderen 
Krähenarten mit ihnen beisammen. Die Dohlen hielten sich in den Flügen gesondert. 
Grosse Staarenschwärme folgten ihnen. Schon Mitte Juni gab es bei Tiflis kleinere, 
geschaarte Krähenhaufen ; die Familien hatten sich bereits vereinigt, die jungen Vögel 
lärmten viel an der Kura. 


46. Corvus frugilegus L. 
Russisch: Gratsch. 
Tatarisch : Karakarga. 
Grusinisch: Tschulehwawi. 
Armenisch: Ipupup. 
Systematisches. 


Kleine Variationen in der Schnabellänge und Höhe kommen auch bei der Saat- 
krähe vor, im Gefieder stimmen die Kaukasier ganz zu den deutschen Vögeln. Die 
Schnabellängen, auf der Firste gemessen, schwanken von 53—60 mm. an meinen Exem- 
plaren. Am 6./18. April wurden Gelege bei Lenkoran gesammelt. In Form und Farbe 
sind sie normal, aber sehr rauhschalig. Die Eier waren nur wenig bebrütet. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Die Saatkrähe ist zeitweise vieler Orts in Transkaukasien nicht selten. Man 
findet sie alljährlich bei Tiflis im März und auf der Strecke bis Schemacha über Nucha 


*) Eastern Persia, P. II, pag. 262. 


196 Corvus frugilegus — Corvus monedula. 


war sie es und die Nebelkrähe, welche die Aecker und Brachen belebten (25.—28. März 
1866). Weder C. corone noch Ü. monedula wurden damals in jenem Gebiete angetroffen. 
Immer häufiger wurden die Saatkrähen im Kurathale zur Winterzeit je mehr wir von 
Mingetschaur ostwärts reisten. Auf den fetten Aeckern der Molokaner, welche in grossen 
Ansiedelungen das Ostende der Mugan im Süden von Salian und ebenfalls das Talyscher 
Tiefland bewohnen, war die Saatkrähe im November die vorwaltende Art ihres Geschlechtes 
und blieb während des ganzen Winters im Lenkoran’schen Tieflande. Die Vögel paaren 
sich dort noch zeitiger als die Nebelkrähen und werden mit dem Beginne des März 
weniger häufig. Bei Tiflis habe ich im Winter niemals Saatkrähen gesehen; in manchen 
Jahren erscheinen sie aber zeitig und in grosser Anzahl, sie betheiligen sich dann auch 
am grossen Nachtlager im Palaisgarten. Mit dem 12. / 24.—15. / 27. März verlassen sie 
und auch die anderen Krähen die Stadt. Alle beginnen dann das Brutgeschäft. 


47. Corvus monedula L. 

Russisch: Galka. 

Tatarisch: Tschauka. 

Grusinisch: wie (. corone. 

Armenisch : Dischar. 

Systematisches. 
Seiner Zeit habe ich *) auf das helle, oft rein weisse Halsband der Taurischen 

Dohlen aufmerksam gemacht und Nordmann**) hat solche Vögel bei Odessa ge- 
schossen. In der Krimm brüten solche Dohlen häufig und sind die alten Vögel stets 
so gezeichnet, während die Jungen das Abzeichen gar nicht, oder nur sehr schwach 
besitzen. Im Kaukasus, wo ich die Dohle vornehmlich als Wintervogel kenne, habe ich 
nur die typisch-europäische Form gefunden. Meine Exemplare stimmen im Gefieder 
vollständig mit deutschen und schwedischen überein, nur sind 'sie merklich kleiner. Ich 
gebe deshalb die Maasse von zwei solchen kleinwüchsigen Dohlen : 


Y | Deutschland. | Kaukasus. 

Corvus monedrula. IL \ 
| M | W | W | W 
Totallängen a eds E23 305 305 
Vom Flügelbug bis zur Spitze . | 235 225 | 228 228 
Schwanzlänge ee 1149 126 | 129 118 
Schnabel auf der Firste. . . . | 32 31 | 29 29 
MarsussanL A. 43 43 | 42 42 


| 
ll 
Es sind also die Schwanzlängen vornehmlich, welche so wesentlich variiren. 
Bei Lenkoran brüten wenige Dohlenpaare, bei Tiflis ebenfalls. Das Nest steht auf 
Kopfweiden, am 1./15. April war das Gelege bei Lenkoran (aus 6 Eiern bestehend) 
noch unbebrütet. 
Lebensweise und Verbreitung. 


Wie sich für das Geschlecht der Meisen vom Kaukasus her in der Richtung 
gegen SO. zum Iranischen Hochlande sehr wohl eine Abnahme, weniger an Arten, als 


*) Bulletin de la Soc. d. Nat. de Moscou 1854. Nr. 3. Finsch (Reise nach West-Sibirien 1876, 
wissenschaftliche Ergebnisse, pag. S3) trennt diese Form als Corvus eollaris Drummond artlich von der Dohle. 
**) Voyage etc. P. I, pag. 121. 


Corvus monedula. — Pyrrhocorax alpinus. 127 


namentlich an Individuenzahl nachweisen lässt, so findet ein Gleiches auch mit den 
Vertretern des Krähengeschlechtes statt. Blanford*) und St. John, die eifrigsten 
Sammler in Persien, kennen die Dohle von dort her nicht; de Filippi führt sie als 
seltenen Vogel auf. Aber auch im Kaukasus ist dieser Vogel bei weitem nicht mehr so 
häufig, als in Russland, zumal in der Richtung über Taurien gegen NNW. hin. Als 
Sommervogel ist er mir nur sehr selten in Transkaukasien vorgekommen, als Winter- 
vogel kenne ich ihn nur aus der wärmeren Zone; doch scheint es, dass seine Ankunft 
meistens erst in strengen Wintern erfolgt und er dann hier nur kurze Zeit rastet. 
Denn im November 1863 habe ich ihn während meiner häufigen Jagden bei Tiflis 
nicht angetroffen, und auf der ganzen Strecke Weges von Tiflis über Nucha nach 
Schemacha, Ende März 1866, wurde keine Dohle gesehen. Die Exemplare des Museums 
wurden im Januar 1873 und 1874 erlegt. Setzen sehr kalte Winter ein, so erscheinen 
ungleich mehr Dohlen und halten sich dann bei schlechtem Wetter bis in die Mitte des 
März bei Tiflis auf. In den Wäldern Borshoms weiss Niemand etwas von den Dohlen. 
Nur Kolkrabe und Nebelkrähe leben dort. Die Kura abwärts dagegen ist die Dohle, 
zumal in strengen Wintern, stellenweise recht gemein, nämlich östlich von Mingetschaur 
auf linker Kuraseite. Hier erinnerten mich die Dohlenschaaren früh am Morgen an ihr 
Leben im Norden. Sie zogen im raschen Fluge und in enge geschlossenen Haufen auf 
die Saatfelder (namentlich auf die Reisfelder) und schrieen dabei beständig. Oestlicher 
wurde diese Art wieder seltener und nur wenige Male auf dem Wege von Salian nach 
Lenkoran beobachtet. Bei letzterem Orte erschienen erst Mitte Februar grosse, nach 
Hunderten zählende, Dohlenschaaren und blieben dann während des Winterrestes dort. 
Sie waren ungemein scheu und besuchten auch hier vornehmlich die durchweichten 
Reisfelder. Anfang März wurden sie seltener. Gleich den Nebelkrähen wählten sich 
bei dem Hochwasser in der Lenkoranka die Dohlen ‚kleine Inseln zum Ruhen und 
lauerten auf angeschwemmten Auswurf. Vom 6./18.—10./22. März beobachtete ich 
einzelne Dohlen ebensowohl bei Kisil-agatsch, wie auch auf dem Wege nach Belosuwar. 


48. Pyrrhocorax alpinus Briss. 
Wird von den Eingebormen dem Namen nach nicht von Fregilus graculus unterschieden. 
Lebensweise und Verbreitung. 

Ich habe diesen Vogel nie geschossen und nur einmal gesehen. De Filippi**) 
weist ihn für die Elburskette in Persien nach und Blanford***), obschon ebenfalls 
ihn nicht selbst beobachtend, erwähnt eines Exemplares aus Süd-Persien. Bogdanowf) 
sah .diese Art in der Darial-Schlucht. Als ich am 9./21. Juni 1880 eine Reise zum 
Kasbek machte und überall hinschaute, um ergänzende Beobachtungen für meine Ormis 
zu sammeln, sah ich diese Alpenkrähe. Die schweren Nebel, welche auf dem Gebirge 
lagerten, hatten die Vögel, nämlich F. gracukıs, in Menge thalabwärts getrieben, wo 
sie in der oberen Terek-Ebene nach ihrer Manier lärmten und im Fluge spielten. Unter 
diesen spielenden gewöhnlichen Alpenkrähen befanden sich zwei gelbschnäbelige, die 


*) Eastern Persia, P. II, pag. 263. 
**) Journal für Ornithologie 1876, pag. 185. 
***) Eastern Persia, P. ]I, pag. 263. 
r) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 56, Nr. 45. 


128 Pyrrhocorax alpinus. — Fregilus graculus. 


ich natürlich für Pyrrhocorax halten muss. In den Sitten und namentlich im Fluge 
konnte ich nichts Abweichendes von der gemeinen Alpenkrähe erkennen. Auch im 
Kleinen Kaukasus lebt diese Art, da Michalowski*) sie auf dem S’ekar-Passe (Rion- 
Kura-Wasserscheide) erlegte. 


49. Fregilus graculus L. 
Russisch: Kluschixa. 
Tatarisch: Paramtasch und Sugluk. 
Systematisches. 

Meine Vögel vom Kasbek (Nov. 1868) und zwei Exemplare vom Februar 1867, 
sowie ein Exemplar von den Schamchor-Quellen stimmen vollkommen untereinander 
und mit Schweizer Vögeln überein. Wodurch sich Graculus himalayanus Gould von 
der europäischen Alpenkrähe unterscheiden soll, wird mir beim Vergleiche dieser Vögel 
(Balg von Rey) nicht klar. Es handelt sich hier wieder um Grössendifferenzen von 
2 mm. im Tarsus und in der Schnabellänge. Flügelschnitt, Grösse und Färbung sind 
absolut wie bei dem Kaukasier und Europäer. 


Lebensweise und Verbreitung. 


In der gesammten alpinen Zone im Grossen, wie auch im Kleinen Kaukasus 
bin ich der Alpenkrähe begegnet und traf sie bisweilen in ungeheuren Mengen an. So 
namentlich am Nordfusse des Elbrus, an den Quellzuläufen des Kuban bei dem Dorfe 
Chursuk. Hier waren wohl Tausende von Alpenkrähen auf den Gerstenfeldern, wo man 
eben erntete, und mästeten sich am Ausfalle. Doch sind sie so dreist nur, wenn dicker 
Nebel lagert, dieser macht sie furchtlos und ruhiger, als sie es gewöhnlich sind. Ich 
kenne kaum einen zweiten Vogel, der so unruhig, ewig schwatzend und lebhaft ist, wie 
die Alpenkrähen bei schönem Wetter es sind. Dann wird man ihrer schwer habhaft. 
Doch ist das anders während des schlechten Wetters im Hochgebirge. Ja, diese Vögel 
empfinden das Nahen des Hochwetters vorher schon und steigen dann zusammengerottet thal- 
abwärts. Dieses beobachtete ich sowohl im Kaukasus, als auch in Sibirien, und die Alpen- 
jäger richten sich in ihren Unternehmungen nach dem Betragen der Vögel. Sie kommen 
z. B., wenn das Wetter noch recht schön ist, in die Nähe der Kasbek-Station und lärmen 
beständig und fliegen hin und her, machen kurze Rast auf den Feldern, schnalzen und 
plappern förmlich und es kommen immer mehr. Aber der Himmel wird immer grauer 
und einfarbiger, und am nächsten Tage wird wohl sicherlich das Unwetter beginnen, 
welches nicht selten 2—3 Tage anhält. Wird es wieder sonnig und still, dann lösen 
sich die grösseren Schwärme in kleine Banden und fliegen wieder an ihre Felsenwände 
und Gletscherschründe. Ich habe die Alpenkrähen im Sommer auf allen Hochalpen 
angetroffen, so am Dadiasch, am Tschitcharo (im Dadian’schen Swanien), am Nuamquam, 
Adisch und Lakmalde an der Südseite des Grossen Kaukasus im Freien-Swanien, am 
Elbrus, Kasbek, bei der Passage des Kapudshich im Karabagher-Gebirge, endlich auf 
den hohen Kegelvulkanen Hocharmeniens, dem Alagös, Kleinen und Grossen Ararat (hier 
namentlich an den Steilfronten von Achuri) und auf dem Aschichdade. Vom Kleinen 
Kaukasus besitze ich ein Exemplar, welches unweit der Hütten vom Kedabeg erlegt 


*) Bogdanow, Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 56, Nr. 45. 


Fregilus graculus. — Pica caudata, 129 


wurde. Gemein ist die Alpenkrähe auch am Südufer des Goktschai-See’s, bei Nowo- 
Bajaset brütet sie alljährlich in den nahegelegenen Kirchenruinen und sind dort zum 
15. /27. Juni die Jungen meistens flüggee Im Winter besucht sie das Städtchen in 
grossen Rudeln. Nur sehr strenge Winter zwingen den Vogel, bis in die tieferen Vor- 
berge, und immer nur besuchsweise für kurze Zeit, zu steigen. Dies geschah z. B. im 
Februar 1867 bei Tiflis, wo unweit von der Stadt nach tiefem Schneefall drei Vögel 
erlegt und den Sammlungen des Museums einverleibt wurden. 


50. Pica caudata L. 
Russisch: Soroka. 
Persisch: Sag: und Zagi. 
Tatarisch: Soüskan und Sagsagan. 
Grusinisch: Katschkatschi. 
Armenisch: Katschagak. 
Systematisches. 

Von Piea leucoptera Gould, die ich in Folge der stark entwickelten Färbung auf 
den Schwingen, den Schulter- und Bürzelfedern für eine gute, speziell sibirische und 
central-asiatische Varietät der Elster halte, ist im Kaukasus noch nicht die Rede. 
Wenigstens repräsentiren meine Exemplare genau den europäischen Vogel. Auch das 
alte Weibchen, am 2. / 14. April bei Lenkoran geschossen, ist in jeder Hinsicht genau 
die europäische Elster. Ebenso haben de Filippi*) und Blanford**) in Persien nur 
die typische, europäische Form gefunden und auch Dresser***) erwähnt nur diese von 
den verschiedenen Lokalitäten Kleinasiens nach seinen Quellen als gemein. Nun besitze 
ich aber auch ein transcaspisches Exemplar, welches die Kaiserliche Akademie der 
Wissenschaften dem Museum zum Geschenke machte und welches die Pica leucoptera in 
prägnantester Weise repräsentirt. Dasselbe stammt aus dem Aral-Gebiete und es käme 
nun darauf an, über die Elstern zwischen Aral und Caspi mehr zu ermitteln. Der 
Turkestanischen Ornis gehört Piea leucoptera nach Severzow) an. Sollte der Caspi 
die beiden Varietäten geographisch trennen? Die Gelege enthalten bald die stumpfe, 
zundere, bald die spitze, schmälere Eiform. Ich messe: 

Stumpfe, ımndere Form, Höhendurchmesser: 32 mm. 
Breitendurchmesser: 25 „ 
Spitze, schmälere Form, Höhendurchmesser: 37 ,„ 
Breitendurchmesser: 26 „ 
Auch im Farbentone giebt es zwei Varietäten: die eine hat hellmeergrünen Fond 
und geringe Fleckung, die andere gelb-bräunlichen Fond und dichtere Fleckung. Die 
Eier waren Anfang April schon ziemlich stark bebrütet. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Die Meereshöhe von 5000-6500’ dürfte die Elster nach meinen Beobachtungen im 
Kaukasus nicht übersteigen. Ich habe sie weder in den beiden Längenhochthälern, 


*, Journal für Omithologie, 1876, pag. 185. 
**) Eastern Persia, P. II, pag. 264. 
*#*) The birds. etc. P. XXII Oktbr. 1873. 
r) Vertikal- und Horizontalverbreitung der turkestanischen Thiere (russ.), DaB, 64. Nr. 54. 


Badde, Ornis caucasica. 


130 Pica caudata. 


Mingreliens, noch in den hochgelegenen Dörfern Chewsuriens und Tuschetiens gesehen. 
Im Radscha-Gau (oberer Rion) traf ich sie bis Oni, aber nur selten an. In dem davon 
westlich gelegenen Letschehum-Gau (Hippos und Ladjianuri) habe ich sie auch nicht 
gesehen, obgleich diese bewaldeten Gebirgsgegenden in ihren Thalsohlen noch keine 
2000‘ Meereshöhe besitzen. Den breiteren Flussläufen entlang, so schon gleich, wenn 
man von Westen aus dem Rion-Gebiete kommt und den Suram-Pass hinter sich hat, 
mit dem Eintritte in die mittlere Kurastufe wird die Elster häufig, fehlt aber doch ganz, 
oder doch theilweise, vielen bewohnten Lokalitäten der Waldgebiete. Nie sah man sie 


z. B. bei Zaeweri in den Wäldern von Borshom. In ‚Borshom selbst kennt man die- 


Elster nur als Wintervogel. Im Gebirge daselbst bei Bukuriani fand ich sie im Früh-- 
jahre nicht. Gemein ist sie im unteren Dritttheile der Suram-Ebene, namentlich in den 
Niederungen bei Gorigoreb. Dagegen kann ich sie im östlicheren Trialeti, z. B. im 
Quellgebiete der Algetka, nur als Seltenheit namhaft machen. Sie bevorzugt die dichten 
Dorngesträuche der heissen Zone, wo sie auch brütet, geht im Kura-Thale aufwärts, 
mit Ueberspringung der Engschlucht von Borshom zur Sommerzeit, bis zum Quelllaufe 
des Koblian-tschai, brütet bei Achalzich und ist bei Tiflis nicht häufig. Im November 
1863 und 64 schrieb ich, von den Jagden an der unteren Aragwa heimkehrend, in mein 
Tagebuch: „13. / 25. Novbr. Heute nur während des ganzen Tages drei Elstern bemerkt, 
bei Tiflis gar keine gesehen.“ Westwärts am Rande des Trialeti-Gebirges bei Nitschbis- 
tskali war die Elster schon häufiger, am gemeinsten aber oberhalb Gori beim Beginne 
der Suram-Ebene. Neuerdings erst haben sich Elstern bei Tiflis sesshaft gemacht, 
nämlich wirklich unmittelbar bei der Stadt. Im Kura-Thale abwärts lebt die Elster 
überall, aber nicht in gleicher Häufigkeit. Am gemeinsten, zu 10—15 beisammen lebend 
und in solchen Gesellschaften auch Hiegend, fand ich sie auf der Strecke von der 
Station Göktschaiskaja bis nach Achsu. Vornehmlich sucht sie das verwilderte Garten- 
terrain in der Nähe der Bewässerungskanäle auf, immer auch menschliche Ansiedelungen. 
Oberhalb sowohl, wie auch unterhalb der erwähnten Gegend wird die Elster viel seltener. 
Abwärts von Tiflis besucht sie die isolirt in der Steppe gelegene Alget-Station nur zeit- 
weise, wird bei Akstafa wieder häufiger und schweift ausnahmsweise auch in die 
menschenleere Steppe für kurze Zeit ab. Auch in den östlichen, zum Theile gut ange- 
bauten, Mugan-Ebenen, in deren Randzone, schon jenseits der Vereinigung des Aras mit 
der Kura, ist die Elster nicht häufig, wird es aber, je mehr man sich, südlich wendend, 
Lenkoran nähert. Am Goktschai-See, und zwar an dessen südlichem Ufer, hat sich die 
Elster bequemen müssen, ihr Nest im Felsenreiche zu bauen. Es giebt dort keine Bäume, 
und macht mir Herr Grosmani die Mittheilung, dass sie im Frühjahre die Stadt, wo 
sie überwinterte, verlässt und weithin fortzieht, um auf entlegenen Felsenpartien zu 
brüten. Zum Herbste sammeln sich dann wieder die Familien und werden Stadtbe- 
wohner. Am mittleren Jora- und Alasan-Laufe bemerkte ich die Elstern immer nur in 
der Nähe der Gewässer, nie auf den quellenlosen, trockenen Hügelländern. Diese Beo- 
bachtung machte ich auch weiter hin nach Osten im gesammten Transkaukasien. Ende 
März sind die Elstern alle schon gepaart. Mitte Juni giebt es Hügge Junge. Bei der 
Poststation Ananur im Aragwa-Thale sah ich am 8. / 20. Juni schon Hügge Junge. 

Die bei mir in der Gefangenschaft schon seit Jahren lebenden Elstern haben 
mannigfache Beweise von Klugheit und geistiger Spekulation an den Tag gelegt. Sie 


leben mit etlichen Thurmfalken zusammen und zwar in grosser gegenseitiger Freund-- 


Pica caudata. — Garrulus glandarius, 131 


schaft. Ihre Lieblingsbewegung bestand in einer Art Turnübung. Sie flogen von den 
frei schwebenden Sitzstangen hin und her und zwar immer zu gleicher Zeit, so dass 
die Stangen eine schaukelnde Bewegung annahmen, welche den Elstern offenbar behagte. 
Dieses Spiel trieben sie nicht selten stundenlang. Eine andere Flugmanier, die zum 
Endzwecke die Befreiung der Vögel aus der Gefangenschaft hatte, wurde mit ebenso 
‚grossem Eifer als Erfolge ausgeführt. Von ihrer Flugstange schwangen sich die Elstern 
mit grosser Wucht zum gegenüberliegenden Karniese der Voliere, an welchem das unterste 
dünne Brett des Daches nur schwach befestigt war. Dieses Brett war zusammenge- 
trocknet und geplatzt. Die Elstern mussten bemerkt haben, dass es lose war und flogen 
nun unausgesetzt dagegen an, sich immer mit der ganzen Seite des Körpers, wenn sie 
fussten, andrückend. Ihr Zweck wurde im Verlaufe eines Tages erreicht, sie hatten so 
eifrig und anhaltend gearbeitet, dass das Brett der ganzen Länge nach im Spalte platzte 
und der untere Theil abfiel. Jetzt sahen die Elstern in’s Freie, konnten aber noch nicht 
hinaus. Sie setzten ihre Arbeit Tags darauf fort und brachten den Rest des Dachbrettes 
in's Wanken. Sicherlich wäre es ihnen gelungen, mit vereinten Kräften es zu bewältigen 
und zu entkommen, wenn die nöthige Reparatur unsererseits nicht vorgenommen 
worden wäre. 


51. Garrulus glandarius L. typ. 

et var.: Krynicküi Kaleniexenko ; 

var.: melanocephalus Gene, nee Bp., nec Mahl. ; 

var.: hyrcanus Blanford. 

 TAEINSOV. 

Russisch: Sorka. 
Persisch: Balut-Khor. 
Tatarisch: Urman-Kargasse und Kukeschle. 
Grusinisch: Tschehrkıei. 
Armenisch: Kagno-Agraw, d. h. Eichelkrähe. 


Systematisches. 


Ich habe, um gewissenhaft untersuchen und urtheilen zu können, aus den 
hyrcanischen Wäldern 40 Eichelhäher und aus anderen Lokalitäten des Kaukasus, 
namentlich von den Umgegenden von Tiflis, im Gebirge von Betanien und Borshom 
weitere 25 Exemplare beschafft. Diesen 65 Kaukasiern kann ich 6 Europäer zur Seite 
stellen. Mit dem Eichelhäher ergeht es mir, nach peinlichster Musterung dieses reichen 
Materials, wie mit manchen anderen, variirenden Species. Ich finde die vermittelnden 
Uebergänge von einer zur anderen Varietät in Farbe und Grösse und muss daher ver- 
einigen, was Andere spezifisch trennen. Die Engländer, G. R. Gray an der Spitze, 
Sharpe, Dresser, Blanford, halten die erwähnten Arten und den @. japonicus Schlg. 
und @. cervicalis Bp. als getrennte Arten aufrecht, ein Theil der deutschen Forscher 
thut dasselbe, einige russische Ornithologen schliessen sich ihnen an. Die älteren ver- 
einigen und sprechen von guten Lokal-Varietäten. Bogdanow trennt sehr entschieden, 
weist aber in seiner früheren Arbeit über die Vögel und Säugethiere der mittleren und unteren 
Wolga darauf hin, dass sein Garrulhis Severzowi von der mittleren Wolga den Ueber- 


gang vom @. glandarius typ. zum @. Brandti vermittelt, und handelt es sich auch in 
Ian 


132 Garrulus glandarius. 


diesem Falle nur um Farbennuancen. Blasius, Vater, kennt vom typischen Garrulus 
glandarius nur zwei Varietäten, indem er japonicus und Krynickii unter 8, Brandtii und 
melanocephalus unter y vereinigt. Nun kommt zu allen diesen Arten noch das jüngste 
Rind: Blanford’s @. hyrcanus aus Massenderan. Liest man die fleissigen Beschrei- 
bungen der Taufväter dieser Vogelarten nach, so findet man, bis auf gewissen Schwan- 
kungen unterworfene Maasse und verhältnissmässig geringe Variationen in der 
Färbung, nichts dauernd Konstantes und sich stereotyp Wiederholendes, welches die 
Eichelhäher aus den verschiedenen Gebieten ihres Vorkommens wirklich artlich trennen 


könnte. Ja, man darf nach den aus dem Kaukasus mir vorliegenden Exemplaren - 


behaupten, dass, wenn auch nicht alle, so doch einige der betreffenden Varietäten oder 
unhaltbaren Arten miteinander leben. Dies kann ich wenigstens für @. melanocephalus- 
Gene und Krynickii Kalx. aus der Suite meiner Häher, welche bei Tiflis erlegt wurden, 
behaupten. Aus den Wäldern von Talysch besitze ich, wie oben schon erwähnt, 
40 Exemplare und darunter eines, welches vollständig zum europäischen, speziell 
deutschen Vogel stimmt. Wie nahe sich einerseits @. Krynickii und melanocephalus 
Gene — atricapillus Geoffr. stehen, das ersieht man aus Dresser’s Diagnose”*) des 
letzteren. Wie nahe zum Theile andererseits beide dem typischen @. glandarius Europas 
stehen, ersieht man abermals aus den Dresser’schen Diagnosen der Vögel. Was bleibt 
allein dem @. Krynickii als „Artenzeichen“ übrig, wenn wir die Diagnose am Vogel 
prüfen? Lediglich die einfarbig schwarzen Nackenfedern und ein klein wenig längerer, 
schwarzer Bartstreifen. Dieses finde ich nun auch namentlich an zweien meiner Tiflis’er 
Vögel, zumal dem Männchen, im November erlegt, bestätigt. Diese sind normalwüchsig 
wie die europäischen Exemplare. Bei einem dieser Vögel beginnt das reine Schwarz 
des Kopfes unmittelbar auf der Stirn, bei dem anderen erst auf der Mitte des Kopfes; 
dieses würde den Uebergang zum melanocephalus Gene machen, aber dazu hat der 
Vogel, will man strenge der Diagnose folgen, den Bartstreifen gar zu breit. Alles 
Sonstige aber an diesen beiden Hähern stimmt genau mit den deutschen Kameraden 
des typischen @. glandarius. Diese letzteren leuchten wohl im Rückengefieder manchmal 
etwas mehr, sind heller, röther, namentlich hinten am Halse, aber das ist nicht bei 
allen der Fall und auch unter den schwarzköpfigen Hähern des Kaukasus, die gewöhn- 
lich etwas dunkler auf der Rückenseite sind, giebt es solche, welche helleres Rückenkleid 
tragen. Doch aber darf man behaupten, dass die Form @. glandarius Krynicki ganz 
entschieden die häufigst vorkommende im Kaukasus ist. Ein drittes Männchen 
meiner Suite vermittelt noch besser den Uebergang zum typischen glandarius, hat zwar 
das Schwarz noch auf dem Hinterkopfe, doch sind von der Stirne an aufwärts die 
Federchen bis über die Augen hin röthlich, zur Stirnbasis hin aber weisslich gerandet, 
so dass man hier nicht anders kann, als Blanford’s“*) „pilei plumis nigris anguste- 
rufescenti, vel rufo-schistaceo marginatis, haud albido“ zu konstatiren. An diesem Vogel 
ist nun der Bartstreifen kurz und breit, fast oval. Im Uebrigen gleicht das Gefieder 
mehr dem @. Krynickü, als dem @. glandarius typ., mit welchem letzteren dagegen die 
Maasse stimmen. Anschliessend an Blanford’s Messungen in englischen Zollen gebe 
ich die meinigen weiter unten. Das eben besprochene Exemplar wäre also nach meiner- 


*) The birds etc. P. XX. August 1873. 
**) Bastern Persia, P. II. pag. 265. 


A 


Garrulus glandarius. 133 


Auffassung ein grosswüchsiger @. hyrcanus mit der oberen Kopfzeichnung von Ärynicki 
(zum Theile) und einem ganz auffallend kurzen Bartflecken, wie ich solchen bei keinem 
anderen meiner Häher sehe. Soll ich nun daraus noch eine Garrulus-„Art“ machen ? 
Nun liegen noch zwei Männchen, grosswüchsige, vor mir, welche im März und Oktober 
bei Tiflis erlegt wurden und welche sich am besten dem melanocephalus Gene — atrica- 
pillus Geoffr. fügen. Bei einem ist das Weiss der Stirn, Kehle und Wange fast ebenso 
umfangreich, als es das Dresser’sche Bild zeigt. bei dem anderen schon viel weniger. 
Aber der schwarze Bartstreifen erscheint wenigstens sehr schmal, weil seine untere 
Kante ziemlich breit durch die längeren, weissen, seitlichen Kehlfedern zugedeckt wird. 
Dieses findet mehr oder weniger bei allen Hähern statt, zumal, wenn sie ein frisches 
Kleid tragen und diese seitlichen Kehlfedern bei alten Vögeln etwas- steif und borstig 
sind. Bei dem zweiten Vogel ist das Stirngefieder noch normal, wie es @. melanocephalus 
tragen soll, geht aber nicht bis auf die Mitte des Kopfes und es schliesst sich daran 
die schwarze Kappe im Umfange, wie sie dem @. Krynickii zukommt. Der erste dieser 
Vögel ist auf dem Rücken heller als der zweite, welcher die Farbentöne des typischen 
@. Krynickii besitzt. So sieht man denn, dass auch in diesem Falle von scharfen, 
scheidenden Grenzen in Zeichnung und Farbe nicht die Rede ist. Diese Varietät 
(melanocephalus) ist im Kaukasus seltener und von mir nur bei Tiflis auf dem Gute des 
Herrn Baron Nicolai gefunden worden, wo sie mit @. Krynickii zusammen lebt. 

Der oben erwähnte Vogel aus Lenkoran, einer Suite von 40 Exemplaren ange- 
hörend, endlich ist ein durchaus treues Abbild des centraleuropäischen Hähers, etwas röth- 
licher im Nacken und kaum etwas intensiver auf der unteren Körperseite gefärbt, doch mit 
weisser Kehle. Mein Vogel stammt aus dem Tielande, was ich erwähnen muss, weil 
Blanford ausdrücklich sagt, er habe dort den Häher nicht gesehen. Bevor ich nun 
die grosse Suite meiner Talyscher Vögel bespreche, lasse ich hier die wortgetreue Ueber- 
setzung der Beschreibung Blanford’s folgen, um so mehr, als sein Werk eine Seltenheit 
ist und die Anschaffung desselben nicht billig zu stehen kommt. Wie der geehrte Autor 
selbst bei Eingang dieser Beschreibung sagt, so steht sein @. hyrcanus dem sibirischen 
Brandti nahe. Ueber diese Varietät aber haben v. Middendorff*), L. v. Schrenk **) 
und ich selbst***) seiner Zeit ausführlich berichtet und zwar im Einklange mit 
Forschern, die nicht abgeneigt sind, neue Spezies zu creiren, nämlich mit Schlegel 
und Temminck. 


Garrulus hyrcanus Blanford. 


„Der Kopf oben schwarz, die Federn mit schmalen, rothen Rändern, die zum 
„Vorderkopfe hin isabellfarben, hinten roth-schiefrig sind, niemals weiss wie bei @. glan- 
„darius und @. japonicus, sondern mehr gleichend denen von @. Brandti, die Seiten 
„des Kopfes blassroth, die Ohrdecken entschieden (deutlich) blasser als der Rücken. Es 
„ist ein schwarzer Fleck vorhanden am Grunde des unteren Kiefers, der sich auf eine 
„kurze Distanz zur Kehle hinunter, aber nicht hinauf zu den Wangen ausbreitet. Der 
„bintere Hals und Rücken weinfarben mit grauem Anfluge, obere Schwanzdecken weiss. 
„Der Schwanz bräunlich schwarz, die inneren Federn und die äusseren Fahnen von 


*) Sibirische Reise, Bd. II, pag. 158. 
**) Reisen und Forschungen im Amurlande, Bd. I, pag. 316. 
**) Reisen im Süden von Ost-Sibirien, Bd. II, pag. 204. 


134 Garrulus glandarius. 


„einigen der anderen mit unvollständigen, schmalen, blaugrauen Querstreifen an der 
„Basis. Schwungfedern bräunlich schwarz, die Primärschwingen, mit Ausnahme der 
„ersten, mit breiten, weissen Rändern; die Basal-Partie der äusseren Fahne der Secun- 
„därschwingen mit Ausnahme der vier nächsten vom Körper weiss mit einem blauen 
„Flecken an dem unteren Ende des weissen Theiles und blauen Streifen an der Basis; 
„die drittletzte (oder 4.) der Secundärschwingen mit blauen, schwarzen und weissen 
„Bändern an der Basis der äusseren Fahne *); die letzten drei mit einem zunehmenden 
„Gehalt (Menge) von Rostbraun, beschränkt auf die äussere Fahne bei allen, mit Aus- 
„nahme der letzten, auf welcher er sich über beide Fahnen ausdehnt und nur die 
„Spitze der Federn schwarz ist. Die Flügeldecken sind, wie bei @. glandarius, für die 
„Primärschwingen blau und schwarz gebändert. Kinn und Hals röthlich weiss, allmählich 
„übergehend in das Roth der Brust und des Leibes, die nahezu von gleicher Farbe mit 
„dem Rücken sind. Unterleib und untere Schwanzdecken weiss. 

„Dieser Häher ist gemein in den Wäldern der Gebirge nördlich vom Elburs, wo 
„Exemplare sowohl vom Major St. John als von mir erbeutet wurden. (Dieser neue 
„Häher wurde von meinem Sammler im Winter in den Wäldern von Massenderan erlegt. 
„Ich habe ihn selbst gesehen in den Eichenwäldern derselben Provinz in einer Höhe 
„von 5000—6000° und in der benachbarten Provinz von Ghilan auf den niedrigeren Hügeln, 
„beobachtete ihn aber nicht in den Wäldern des Flachlandes zwischen den Bergen und 
„dem Meere.)“ 


Ich ordne nun meine 40 Exemplare von Talysch nach ihren Kleidern und Grössen. 
Sammelplatz: Lenkoran im Winter 1866—67, 1879— 1880. 


Nunmer 2 3 a 
a a Zeit. Kopfgefieder. Kolonit. Ban Grösse. 
Exempl. glandarius. schlecht. streifen. 
il; typ. | mas nE April 1866 normal normal schmal |mittelgross 
2— 7.| hyreanus mas | au wie bei glan- dunkler | schmal |kleiner als 
| | & “= nn darius typ. glandarius 
| | Im anne tn 
| | 15: Febr. 1880 
| | 26. Jan. & et Henne | ! Re 
8. | hyrcanus | fem. 7. Bei 1580 | wie bei glan- | viel dunkler breit klein 
| ; Ba |  darius typ. 
9—10., Ayrcanus fem. 1 = “ Febr. 1880 | wie bei glan- | namentlich schmal klein 
N | | N | darius typ. | unten Soli | 
11—12.| Ayreanus fem. 2. Febr. 1850 | wie bei glan- | wenig dunkler lang, gross 
| | 12. .r |  darius typ. als typ. glandar.\ breit 
13—14.| Ayrcanus | ? 54 Dec. 1879 | das Schwarz sehr dunkel oben) kurz, klein 
| nr | nimmt zu und unten, die breit 
| | |Kehle schmutzig) 
| | roth-grau 


„Bei einem Exemplare ist dies der Fall an der 5. Secundärschwinge vom Ende des Flügels, 
„während ai 4. durchaus schwarzbraun ist, und dieses Exemplar wurde im Ibis beschrieben. Diese 
„Anordnung scheint Ausnahme zu sein, die gewöhnliche ist die jetzt beschriebene.“ 


Garrulus glandarius. 135 
N 5 nn } g e 
; es > Gera 35 Zeit. Kopfgefieder. Kolorit. S Grösse. 
Exempl. | glandarius. schlecht. streifen. 
15—17.) hyrcanus fem. Dr elan., das Schwarz dunkel breit, mittel 
22. 2.Febr . ; 
1 nimmt zu kurz 
13 Febr. 1880 
2 B 
18.| Ayrcanus mas ne. 1850 | Scheitel ganz |sehr dunkel, auf] breit, gross 
I schwarz der Brust in’s kurz 
Schwärzlichgrau 
5 ziehend 
19—24.| Ayrcanus | 3 mas 1. Dec. 1879, noch nicht sehr dunkel breit, 3 gross, 
3 fem. 06, Fehr geschlossene, kurz 3 klein 
A 1880 schwarze 
iger Kopfplatte 
25—26.! hyrcanus mas ee en 1880 | noch nicht ge- | sehr dunkel breit, sehr gross 
rs schloss. schwarze lang 
Kopfplatte 
2 . . 
27.| Ahyrcanıs fem. ja Tan - 1880 Kopfplatte sehr dunkel breit, klein 
re schwarz, kurz 
geschlossen 
2_1/ 
28—30.| hyrcanus mas ag Dee.1879 Kopfplatte sehr dunkel sehr gross 
Fre schwarz, prononeirt 
geschlossen 
31—39.| hyreanus | 3 mas | Dec. bis Febr. [sehr entwickelte! sehr dunkel |sehr stark, | gross 
3 6 fem. schwarze lang und 
S s Kopfplatte breit 
40, | hyrcanıs, fem — 1880 | Kopfplatte wie [Genick, Hals und| schr lang, klein 
im Gebirge en bei Krynickii | Oberrücken wie | am Halse 
bei Lyrik in | bei cervicalis, lang 
5000‘ Höhe. Unterseite fast herab 


„ 


grau 


Aus dieser Tabelle kann man ersehen, dass am Südufer des Caspi der dort im 
Winter ungemein häufige Eichelhäher nach Grösse und Kolorit sehr variirt. Am seltensten 
erscheint er in der normalen europäischen Tracht und Grösse. Die meisten Individuen sind 
dunkler im Allgemeinen gefärbt und zugleich kleiner, doch giebt es auch viele grosse 
und dunkel gefärbte und endlich manche, welche @. Krynickii in Grösse und Zeichnung, 
aber in dunklerem Kleide darstellen. Der sub 40 aufgeführte Vogel erreicht im Kolorit 
das äusserste Extrem, im Wuchse schliesst er sich den kleinen Vögeln direct an. Dies 
ist das Endresultat meiner Untersuchungen über die Eichelhäher des Kaukasus und 
meiner Ueberzeugung treu bleibend: nur da artlich zu trennen, wo keine vermittelnden 
Uebergänge vorliegen, vereinige ich die abweichenden Formen der Eichelhäher, indem 
ich sie nur als Varietäten aufführe von @. glandarius L. 


Ich lasse nun noch eine Reihe von Maassen meiner Vögel folgen. 


136 Garrulus glandarius. 
538 2285 'Lenkoran 
es|& 8/8 . 
3= = Sa = eu 
(= u - 
ls Mandarin E91 1 &S hy hyrcanus. 
7 MUS. ’p rynıckir. I S) Typ. = 
a el ne SR ” mittlere. minimale. | Uebergänge zu Äryniekit. 
Serena Te Ts 
mm | mm | mm mm | mm | mm mm | mm mm | mm mm |mm |mm | mm |mm |mm | mm 
Totallänger m 385 | 365 | 355 | 330 | 340 | 315 | 305 | 310 | 305 | 295 | 295 | 290 | 315 | 310 | 305 | 310 | 335 
Vom Flügelbug bis 
ZU SpILZEr EN: 188 | 190 | 186 | 184 | 193 | 168 | 152 155 | 165 | 164 | 164 | 165 | 174 | 177 | 174 | 165 | 185 
Schwanzlänge ....... 170166 |163 | 153 | 167 | 141 | 144 | 156 | 145 | 136 | 137 | 130 | 148 | 145 | 134 | 140 | 157 
Schnabel auf der | 
Firste gemessen . | 30| 28| 28| 28| 28| 27| 27| 26| 24| 26| 26| 25 27| 28| 28] 29 30 
Tatsusuny a ee | 47| 47| 45| A4| 44| A2| 40| 39| 38| 39| 39| 36| A0| A2| Aa2|-a2| ag 
| 
Einige Maasse meiner Vögel in englischen Zollen zum Vergleiche mit den 
englischen Angaben: 
Kaukasus. 
N | var. var. var. 
Ga unnglandane.z= | melanocephal. | Krynicküi. Sp. | hyrcanus. 
| mas mas mas mas mas mas | fem. mas 
Er aD ger: as RS —— TEE | ae I 
Totallänge . . . 14,3 14,3 113 \147 13,5) 1422 Slam 2) 
Länge des Flügels as oT | 0,2. | 57,8 175. | 0) Weraals or 
Länge des Schwanzes at 67| 63|63|65| 6 | 65) 6 | 54 
Länge des Schnabels auf der Firste | 1,3! 13 1,15) ala a Al ll 
Länge des Tarsus 1,2 1,6| 1,5) 3,2| 16) 1,0019 0.165 
| | 


Das Endergebniss aller dieser Untersuchungen an den kaukasischen Eichelhähern 
fasse ich nun folgendermaassen zusammen :! 
1) Im Kaukasus, besonders im Centraltheile desselben, und in den Waldgebieten Trans- 

kaukasiens prädominirt die unter dem Namen Garrulus Krynickii Kalx. bezeichnete 
Varietät des gewöhnlichen Garrulus glandarüus. 
2) Ebendaselbst kommt, und zwar mit jenem zusammenlebend, die unter dem Namen 
G. melanocephalus Gene bekannte Varietät vor, aber sehr viel seltener. 
3) In den hyreanischen Wäldern sind die Häher durchweg dunkler gefärbt und oft viel 


kleiner von Wuchs. 


Es giebt dort aber einen Häher, welcher durch die Zeichnung 


des Kopfes dem typischen @. glandarius näher steht als allen anderen Varietäten ; 
an solche Vögel schliessen sich kleinwüchsige, dunkel gefärbte, welche den @. hyr- 
camus Blanf. vepräsentiren und welche, durch vermittelnde Grössen- und Färbungs- 
verhältnisse mit den extremen Formen verbunden, sich zuletzt als dunkle Exemplare 
von @. Krynickii erweisen. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Vornehmlich wählen die Häher im Kaukasus die mit Eichenwald licht bestan- 
So traf ich sie im colchischen Gebiete überall, im Winter auch im 


denen Vorberge. 


Garrulus glandarius. — Parus major. 137 


Buschwalde, und bis circa 6000‘ Meereshöhe im Sommer heransteigend, doch in der 
oberen Zone viel seltener werdend. Schon bei Glola (Radscha-Gau) 4600‘ hoch waren die 
Eichelhäher selten. In den dunklen Wäldern der Ingurschlucht traf ich den Vogel nur 
zweimal am Nacisquil-Bache (rechts zum Ingur). An der Südseite des Centraltheiles 
der kaukasischen Hauptkette leben die Häher im Winter in kleinen Gesellschaften in 
den Vorbergen, oft gemeinschaftlich mit Turdus viscivorus und T. merula und den dann 
geschaarten Ammern und Hänflingen. Sie ziehen thalabwärts im Winter und bewohnen 
dann gerne die Obstwildling-Bestände. So erscheinen sie auch bei dem mitten im 
Walde gelegenen Dörfchen Zagweri (Borshom), wo sie im Sommer selten sind, recht 
häufig. In grosser Menge traf ich im November die Häher im unteren Kurathale 
überall da, wo in ihm an flachen Böschungen einzelne Eichen und Platanen standen. 
So tummelten sich bei Schir-Ali-Chan, östlich von der Kuraktschai-Station viele Häher 
in den Baumgruppen. Mit dem Verschwinden der Eiche, weiter ostwärts im Kurathale, 
wird der Häher ein seltener Bewohner der Gärten, bleibt vom Mündungslande des 
Flusses ganz ausgeschlossen, überspringt die breite Mugansteppe und belebt erst wieder 
die Talyscher Flachländer, soweit sie von Eichen bestanden sind. Hier sind sie nicht 
selten. M&n6tries’*) Angabe von dort her: „mais guere plus haut que deux mille 
pieds“ lässt sich nur dadurch erklären, dass der Reisende sich in den dichten Buchens 
hochwäldern bewegte, bevor er in den Suant-Gau trat. Hier traf ich den Häher eben- 
falls nicht an, doch meidet er überhaupt Hochwald. Oben an den Waldrändern des 
erwähnten Gaues war der Häher im Sommer nicht selten und Blanford **) kennt ihn aus 
-den Nachbargebieten bis zu 6500' Meereshöhe. 

Ein in der Gefangenschaft bei mir lebender, noch nicht zweijähriger Vogel, 
tödtete eine der Turteltauben, mit denen er in Gesellschaft von Steinhühnern zusammen 
eine Voliere bewohnte. 


52. Parus major L. 

Russisch: Alle Meisen werden mit dem Namen Sinixa bezeichnet, die kleineren Arten hört 
man auch Sinitschka oder Gaitschka nennen. Nur die Beutelmeise hat ihren 
eigenen Namen. Die von Bogdanow den Arten beigelesten Namen sind hier 
nicht volksthümlich unter den Russen. 

Tatarisch: Pslaek. 

Grusinisch: alle Meissen Bse-tswya. 

Systematisches. 

Aus dem Kaukasus liegen mir dreissig Exemplare vor. Die Kohlmeise ist in 
ihrem Gefieder so ausserordentlich konstant, dass selbst die Vertheilung von Schwarz 
und Weiss am Kopfe gar keinen erwähnenswerthen Schwankungen unterworfen ist, was 
ja bei der Gruppe der Sumpf- und Tannenmeisen nicht statt hat. Das weisse Wangen- 
und Öhrenfeld eines alten Männchens, am 30. März / 11. April bei Lenkoran erlegt, ist 
unbedeutend kleiner, als an den Tiflis’er Vögeln (Dec. 1868). Das Schwarz der Brust 
reicht bei einem Vogel (Tiflis) ein wenig tiefer abwärts, als bei den europäischen Exem- 
plaren. Ebenso schwankt die Grösse des schwarzen, schmalen Mittelfeldes auf dem 


*) Catalogue ete. pag. 4, Nr. 117. 
=“) Eastern Persia, P. II. pag. 265. 
Radde, Ornis caucasica. 18 


138 Parus major. 


Bauche. Der Ton des Olivengrünes auf dem Rücken differirt ebenfalls um ein Geringes. 
Wuchs und Schnabelgrösse sind sehr konstant. Der weisse Keillleck am Schafte der 
Ecksteuerfeder am Ende auf der Innenfahne ist bald stumpf, kurz dreieckig, bald zieht 
er sich, lang ausgezogen, dem Schafte entlang aufwärts, bisweilen fehlt er ganz. Die 
am 15. /27. Mai bei Lenkoran gesammelten Nester sind sehr zart gebaut. Aussenher 
und in der ganzen Unterlage bestehen sie aus feinem Moose, auf welchem viel Wollhaar 
lagert; selbiges erscheint leicht verfilzt. Die innere Wandung und die Basis des Nestes 
wurde mit feinem Langhaar gepolstert. Die 7 Eier in jedem Neste waren nur wenig 
bebrütet. 


Lebensweise und Verbreitung. 


De Filippi*) führt die Kohlmeise als selten in den Gärten Persiens auf. An 
solchen Lokalitäten ist sie auch bei Tiflis nicht häufig. Im Dezember 1864 fiel es mir 
sehr auf, dass in dem grossen Mudtschehid-Garten bei Tiflis die Kohlmeisen so rar 
und vereinzelt lebten, dass ich nur wenige erbeuten konnte. Häufiger aber lebt die 
Kohlmeise in den lichten Laubholzwaldungen der Vorberge, so im Aragwathale und im 
Unterholze der Borshomer Ufergebirge. Mitte August waren die Kohlmeisen in den Wäldern 
von Manglis schon in kleine Banden zusammengerottet und tummelten sich gerne in den 
hohen Kiefern umher. Ich traf sie gleich der Blaumeise vieler Orts bis zur Baumgrenze 
als Sommervogel, doch wurde sie mit zunehmender Höhe auch seltener. Im Talyscher 
Tieflande ist die Kohlmeise ein gemeiner Vogel, der namentlich die Randzone der Ur- 
wälder bewohnt und sich bei schlechtem Wetter in die Jongeln begiebt. Aus den 
Wäldern an den Schamchorquellen brachte ich ihn zur Winterzeit aus Höhen von über 
5000° mit. 

Die Lockweise der Kohlmeisen im Kaukasus ist nach meinen Beobachtungen 
nicht so rhythmisch und im Tonfalle nicht so charakteristisch, als die der europäischen 
Vögel. Die Kohlmeise lockt in verschiedener Weise, oft nur zweisilbig, oft ohne Tonfall 
dreisilbig. Aber unter den verschiedenen Lockweisen ist eine, die ich in Europa häufiger 
hörte, als hier zu Lande. Dort denke ich immer, wenn im April die Kohlmeisen- 
männchen recht eifrig rufen, an Marcell’s schönes Lied in den Hugenotten. 


5 ! Feen N ne ee 
Dieser singt: He 23 E: «ag Si = Eee 


+4 #*#- 


Die Kohlmeise singt: Bien > Sn en = 


Ich erwähnte schon, dass der Lockton der Kohlmeise nicht immer gerade in 
dieser Melodie gesungen wird. Sie ist die bei weitem seltenere. Oft hört man die Meise nur 
abgesetzt zweisilbig rufen: ti-ti—ti-ti ete. 5 bis 6 Mal wiederholt, bisweilen auch nur 
eine Note dreimal hintereinander. 


*) Journal für Ornithologie, 1876, pag. 177. 


Parus phaeonotus. 139 


58. Parus phaeonotus Blanf. typ. 
et var.: Mechalowskii Bogd. 
Russisch nach Bogdanow: Buraja Gaitschka. 
Systematisches. 

Wo ich keine Uebergänge nachweisen kann, da will ich gerne artliche Selbst- 
ständigkeit zugeben, wenn es sich auch nur um Nuancen im Kolorite und um geringe, 
aber doch, wie es scheint, konstante Grössenverhältnisse handelt. Die in Rede stehende 
neue Blanford'sche Art muss ich darauf hin anerkennen, denn von meinen dreissig 
Exemplaren repräsentirt kein einziges P. aler, sondern alle genau P. phaeonotus und die 
Schnabelstärken dieser Vögel sind dabei recht konstant. Diese Vögel wurden ebenso- 
wohl bei Tiflis, Betanien, in den Wäldern am oberen Schamchor, als auch endlich eine 
grosse Anzahl im Lenkoran’schen Tieflande erlegt. Ausserdem liegen mir noch zwei 
Exemplare aus den Wäldern von Borshom vor, welche die neue Bogdanow’sche Art *) 
Parus Michalowsixi repräsentiren und die ich gleich eingehender besprechen werde. 

Was nun zunächst die grosse Suite von P. phaeonotus anbelangt, so weichen die 
Vögel untereinander sehr wenig ab, wie das ja auch bei der P. ater Europa’s der Fall 
ist. Im Kolorite der Rückenfarbe stehen sie der Parus brüannieus sehr nahe, doch ist 
P. phaeonotus stets grösser. Den Grundton der Rückenfarbe sehe ich bei allen fast ganz 
gleich; es ist das ein mattes helles Braungrau, ganz leicht in Olivengrün angeflogen. 
Zumal bei den Herbstvögeln im frischen Kleide ist dieser olivengrüne Ton recht deut- 
lich; die im Februar bei Lenkoran geschossenen Exemplare erscheinen mehr graubraun, 
die Bürzelfedern und oberen Schwanzdecken sind etwas heller. Die beiden Meisen- 
Männchen von Borshom haben nun diese Rückenfärbung mehr grau, zwar nicht wie 
typische P. ater, aber auch nicht wie P. phaeonotus, und dabei etwas olivengrünen 
Schimmer. Ich würde sie ohne Weiteres als P. ater bestimmt haben, wenn nicht, 
wenigstens an dem einen Vogel, der Schnabel ausserordentlich stark wäre. Der andere 
bahnt den Uebergang zu P. alter schon besser an. Was nun die Kopfzeichnungen an- 
belangt, so muss ich zuerst bemerken, dass auch hier das Schwarz und Weiss ganz so 
variabel in seiner Vertheilung beobachtet wird, wie bei den typischen P. ater. Der 
weisse Nackenfleck ist auch bei P. phaeonotus bisweilen auf ein Minimum reduzirt. Mitte 
Oktober wurden mehrere solche Individuen bei Tiflis erlegt. Bei anderen erstreckt er 
sich dagegen bis auf den Rücken; ihm links und rechts entlang laufen dann die Streifen, 
welche sich nur selten auf dem Rücken vereinigen. Die beiden Vögel aus Borshom, im 
frischen Herbstkleide stehend, haben nur eine schmale, weisse Mittelzone, die aber weit 
herunter geht. Auch stehen zwischen den weissen Federchen überall mehr schwarze, 
so dass zum Frühjahre, bei verbrauchtem Kleide, hier nur eine Spur von Weiss zurück- 
bleiben dürfte. Was aber den seitlichen weissen Wangen- und Halsstreifen anbelangt, 
auf welchen Professor Bogdanow seine Spezies mit begründet, so muss ich erstens 
sagen, dass sehr viele typische P. phaeonolus meiner Suite auch das Weiss, schmal zu- 
laufend und bis über die ganze Oberarmgegend reichend, besitzen. Am Balge hängt 
die Form dieser weissen Partie sehr wesentlich vom Präpariren ab. Meine beiden 
P. Michalowsküi besitzen diese Bandflecken nicht so stark ausgebildet, wie manche 


*) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 87, Nr. 107. 
18* 


140 Parus phaeonotus. 


P. phaeonotus, und auch nicht anders verlaufend. Die geringen Nuangen der Bauch- 
flächenfärbung scheinen mir nicht wesentlich. Bei P. phaeonotus zieht das Kolorit etwas 
mehr in’s Bräunliche, bei P. Michalowskii ist es mehr weisslich und nur seitlich grau- 
bräunlich. Ueber die anderen Kennzeichen dieser neuen Art, Länge des Schwanzes, 
Schnabellänge und sonstige plastische Verhältnisse giebt die nachstehende Tabelle 
genügende Auskunft: 


| 


| iz Parus phaeonotus. Er Bee = 
| typ. var. Möchalowskü. 
| M. M. Ye | N M. M. 
| mm mm mm mm mm mm 
otallangewprmer ee Pr 107 120 110 | 112 | 113 115 
Flügelbug bis Spitze. . . ... 61 66 65 64 65 67 
Schwanzlangee se er 48 55 48 45 54 54 
Schnabel auf der Firste. . . . | 9 11 9 10 11 10 
Schnabelhöhe an der Basis . . | 4 5 5 5 5 5 
Tarsusk Er | 20 19 18 18 20 


Nach den eben gemachten Erörterungen dart ich behaupten, dass P. Michalowskis 
eine vermittelnde Zwischenstufe von P. phaeonotus zu P. alter typ. bildet. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Ich kenne diese Tannenmeise nur aus den Ebenen und dem Gebirge des cen- 
tralen und östlichen kaukasischen Gebietes. Leider fehlen mir Exemplare aus dem 
westlichen, die vielleicht noch näher zur typischen P. ater sich neigen, als die Borshomer 
Vögel. Am 29. Juni 1864, als uns Angesichts des Lapuri-Gletschers m 7000’ Meeres- 
höhe anhaltender Regen zum Rasten zwang, tummelten sich einzelne Tannenmeisen 
auch in dieser Höhe noch herum. Wir hatten sie früher schon bemerkt und zwar da, 
wo die Rothbuche und Acer Trautvetteri die Baumgrenze stellenweise bestimmen. Dem 
entsprechend beobachtete ich diese Art auch in 6000‘ Meereshöhe im Kleinen Kaukasus, 
wo einzelne Abies orientalis sich noch im Birkenwalde finden. In den Wäldern von 
Bukuriani und höher hinauf lebte sie, soweit es Bäume gab, mit P. palustris ziemlich 
häufig. Menetries’*) kurze Angabe: „commune au Caucase“ ist zu unbestimmt und 
muss, wie auch bei Nordmann**), mit Sicherheit auf P. phaeonotus gedeutet werden. 
Letzterer erwähnt sie als in Mingrelien und Abchasien gewöhnlich. Ob auch im Tief- 
lande daselbst? hier dürfte man P. ater typ. vielleicht finden. Zum Winter sucht diese 
und auch P. palustris die tiefer gelegenen Waldgebiete auf; so fand ich sie in den 
Wäldern Borshom’s zu dieser Jahreszeit häufiger, als im Sommer. Im Talyscher Tief- 
lande ist sie zu eben dieser Zeit recht gemein. 


*) Catalogue etc. pag. 40, Nr. 92. 
=) Demidow: Voyage etc. Tome III, pag. 189. 


Poecile palustris. — Poecile Brandti. — Poecile lugubris. 141 


54. Poecile palustris L. 
Russisch, nach Bogdanow: Balotnaja Sinitschka, d. h. Sumpfmeise. 
Tatarisch: Kara-Tschlwidsehi (Pallas, Kolenati). 
Systematisches. 


Meine Exemplare wurden im frischen Winterkleide bei Tiflis und einige Ende 
April ebendaselbst erlegt. Sie stimmen in Grössenverhältnissen und im Kolorit voll- 
kommen zu deutschen und schwedischen Vögeln. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Diese Art, so scheint es, gehört dem gesammten Waldgebiete der Kaukasus- 
länder an, mit Ausnahme der östlichen Gebiete, die ja nicht in continuirlichem Zusam- 
menhange mit jenen stehen, sondern durch weite Ebenen und nackte Gebirge von ihm 
getrennt sind. Die persischen Reisenden, sowohl de Filippi, wie auch Blanford 
erwähnen ihrer nicht und auch M&n&tries*) spricht nicht von ihrem Vorkommen bei 
Lenkoran, sondern nur im Allgemeinen, als im Kaukasus sich findend. Als Sommer- 
vogel lebt sie bis zur Baumgrenze. Im Colchischen Tieflande beobachtete sie Nord- 
mann*“*) schon 1836. Die Meise, welche er in Gurien sah und nahestehend der 
Sumpfmeise erwähnt, darf nicht als P. lugubris Nattr. gedeutet werden, weil diese vom 
Autor unter Nr. 7, pag. 191 extra genannt wird. Im Frühlinge, Ende März und April, 
traf ich sowohl in der unteren Laubholzzone, wie auch höher im Gebirge, in den 
Kiefernwäldern von Bukuriani die Sumpfmeise häufig und schon gepaart an. 


55. Poecile Brandti Bogd. 

Die von Bogdanow ***) beschriebene neue Art ist mir niemals zu Gesichte 
gekommen. Sie wurde nach einem Exemplare, und zwar nach einem schlecht erhal- 
tenen, aufgestellt. Sie soll der P. palustris am nächsten stehen, sich aber durch 
stärkeren Schnabel, schwarzbraune Kappe, welche sich nicht bis zum Halse ausdehnt, 
und durch die Abwesenheit des schwarzen Kehlfleckes unterscheiden. Ueber das in 
Rede stehende Exemplar kann ich nur so viel mit Sicherheit sagen (Akademiker 
v. Brandt lebte bei mir in Borshom), dass es Ende Juni oder Anfang Juli erlegt 
wurde und kein junger Vogel sein kann. 


56. Poecile lugubris Nattr. 
Ich kann nur nach dem Zeugnisse Nordmann’s*) diese Art der kaukasischen 
Ornis zuzählen. Exemplare aus dem Taurus liegen mir vor. Blanford+}) weist sie 
zwar bei Schiras und auch aus Massenderan nach, hegt aber leise Zweifel über die 
Identität mit typischer P. Tugubris. Im Centraltheile Transkaukasiens muss der Vogel 
entweder ganz fehlen, oder zu den grössten Seltenheiten gehören, da er weder mir, 
noch den für mich sammelnden Jägern jemals vorkam. 


*) Catalogue etc. pag. 40, Nr. 92. 
“) Demidow: Voyage etc. Tome III, pag. 189. 
=) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 89, Nr. 110. 
7) Demidow: Voyage etc. Tome III, pag. 191. 
ir) Eastern Persia, P. II, pag. 229. 


142 Cyanistes coeruleus. 


57. Cyanistes coeruleus L. typ. 
et var.: persicus Blanf. 
Russisch: Lasorewka. 
Tatarisch: Kuuk-Tsehiwidschi. 
Systematisches. 
Um über die neue Blanford’sche Art in's Reine zu kommen, beschaffte ich 
eine grössere Suite von der Blaumeise aus dem Kaukasus. Diese besteht aus: 
8 Exemplaren, Oktober, November, Tiflis 1350‘, 


3 n November, Kedabeg im Kleinen Kaukasus 5000‘, 
14 " Januar, Februar, Lenkoraner Tiefland, 
1 Mai, Lyrik im Talyscher Gebirge 5000. 


n 
Die meisten dieser kaukasischen Blaumeisen lassen sich in keiner Weise von den euro- 


päischen unterscheiden. Auch in Bezug auf die Intensität des Kolorits fügen sie sich 
fast alle vollständig den deutschen und schwedischen Exemplaren, die mir zur Seite 
liegen. Andeutungen von Lasurblau der Kopfplatte, wie es die Südwest-Europäer und 
Nordafrikaner besitzen und das bei der Ultramarin-Meise den höchsten Ausdruck findet, 
liegen mir hier bei einem Männchen, welches im Mai im Talyscher Gebirge geschossen 
wurde, vor. Ebenso finde ich auch Uebergänge zu Blanford’s*) Parus (Oyanistes) 
persicus. Diese letztere wird wohl nur eine haltbare Varietät, aber keine Spezies sein. 
Es handelt sich ja bei dergleichen neuen Arten um ein Minimum in den Farbennuancen 
und um ein Geringes und überdies noch Schwankendes in den Grössenverhältnissen. 
So sehen wir ein Schwanken. oft nur von 1—3 Linien im Wuchse und dann auch in 
der Tarsuslänge. Aber diese Maasse sind auch bei der neuen Art nicht konstant, so 
dass z. B. der kürzeste Tarsus von CO. persicus und der längste einen Unterschied von 
0,06 Linien aufweisen, während der grösste Tarsus von C. persicus im Vergleiche zu dem 
von (. coeruleus nur 0,03 Linien Differenz bietet, wie dies die Tabelle Blanford’s 
beweist. Von den bei Lenkoran erlegten Blaumeisen sind bei Weitem nicht alle heller 
gefärbt. Einige aber, die zugleich etwas kleiner sind, schliessen sich an Oyanistes persicus 
blanf. gut an. Ich ermittelte folgende Maasse an meinen Exemplaren : 


| Deutschl. | Kaukasus. Lat, 
| var. persıcus. 
Oyamisies eoeruleus. typ M|ypM|tmw| Mm | w 
| mm mm I mm I 5 mm a | Z mm 
Botallange or 119 | 107% 1.100 25180 
Flügelbug zur Spitze. | 65: 64 62 61 61 
| r | r r - 
Schwanzlänge e 92.10.2542 52:50 50 51 
Schnabel auf der Kir gemessen 6 6 | 5 5 5 
Tarsus . 18 18 | 15 16 15 


*) Eastern Persia, P. I, pag. 230, Tab. XVI. 


Cyanistes eoeruleus. — Lophophanes cristatus. — Acredula caudata. 143 


Lebensweise und Verbreitung. 


Eine merkliche Abnahme der Meisenarten der Zahl und Häufigkeit nach in den 
Kaukasusländern darf ich im Allgemeinen behaupten. Es scheint, dass die grossen 
Steppengebiete im Norden des Gebirges einerseits und die waldlosen Central-Hochländer 
Kleinasiens in ihrem Anschlusse an Hochiran andererseits, sowie endlich die öden 
Caspischen Tiefländer doch für die geringe Häufigkeit mancher Waldvögel, und auch 
für die der Meisen, sehr entscheidend gewesen sind. Zwar hält die Blaumeise die breite 
Zone von über 7000° im Kaukasischen Waldgebiete besetzt, doch ist sie keineswegs sehr 
gemein. Am häufigsten trifft man sie als Wintervogel in den Vorbergen und in den 
Gartenanlagen der Tiefländer. Im Gebiete der Baumgrenze traf ich sie als Sommervogel 
ebensowohl im Kleinen, wie auch im Grossen Kaukasus in Birkengehölzen an; doch war 
sie nirgends häufig und an manchen Lokalitäten ganz fehlend, so z. B. in den heiligen 
Hainen, die hier und da im Grossen Kaukasus in der Nähe der Grusinischen Heer- 
strasse stehen (Kasbek). An den Quellen des Hippos und auf dem Wege zum Tabizkur- 
See sah ich diese Meise hoch an der Baumgrenze im Juni-Monate. 


58. Lophophanes cristatus L. 
Russisch: Cholataja Sinitschka (Bogdanow), d. h. Haubenmeise. 

Die Haubenmeise ist in Transkaukasien nur als Seltenheit zu nennen. Ich 
kenne sie nur von einer Lokalität als Herbstvogel und zwar aus den lichteren Coniferen- 
Wäldern (Abies orientalis) auf dem Plateau, welches sich in Borshom zwischen den 
beiden Hauptbächen der rechten Kuraseite erhebt. Anderweitig bin ich ihr auf dem 
Isthmus nirgends begegnet. Nordmann*) erwähnt sie ebenfalls. 


59. Acredula caudata L. 


Russisch: Dolgschwostaja Sinixa, d. h. Schwanzmeise. (Bogdanow.) 
Tatarisch: Usun-Kuiruk (Kolenati). 
Systematisches. 

Mir ist aus dem Kaukasus niemals eine Schwanzmeise mit ganz weissem Kopfe 
zu Gesichte gekommen. Ich muss meine drei Exemplare, welche bei Tiflis und Borshom 
erlegt wurden, als jüngere Vögel ansprechen. Bei ihnen stimmt Alles recht gut zur 
typischen A. ceaudata, namentlich die schwarze Rückenseite, der Umfang der grauweissen 
Kopf- und Nackenfläche, die breite, weissliche Einkantung der hinteren Schwingen und 
vor allem Anderen die Grössenverhältnisse. Ich muss hier aber doch mittheilen, dass 
an meinen kaukasischen Exemplaren der Supraciliar-Streifen undeutlich ist, an dem 
einen der Vögel immerhin noch einen schwärzlichbraunen Ton besitzt, an zwei anderen 
aber nur verwaschen grauröthlichbraun erscheint. Kehle und Brust sind weiss. Der 
gesammte Leib und Unterleib ist bei allen Exemplaren recht intensiv weinroth, welche 
Farbe an den Weichen und unteren Schwanzdecken an Kraft gewinnt. Diese Vögel 
übertreffen A. tephronota fast um ein Viertheil. 


Lebensweise und Verbreitung. 
Was die Lebensweise dieser und der nachfolgenden Art anbelangt, so weicht sie 
in Nichts ab von derjenigen der europäischen Schwanzmeise. Gebüsche, wo möglich 


*) Demidow: Voyage etc. Tome III, pag. 190. 


144 Acredula caudata. — Acredula tephronota. 


in der Nähe von Gewässern, lieben diese Vögel vornehmlich und ziehen in ihnen in 
kleinen, zersprengten Gesellschaften auf und ab, emsig die dünneren Aeste und das 
Laubwerk besammelnd. Die Angabe Mönetries’*), soweit sie sich auf-Talysch bezieht, 
hat nur Bedeutung für A. tephronota. Dass die wirkliche A. caudata, wie Nord- 
mann**) berichtet, in Gurien und Adsharien vorkomme, bezweifle ich nicht; die Ost- 
küste des Pontus wird sicherlich die Belege für den Anschluss der Verbreitung des 
Vogels zu Südrussland liefern. Im Centraltheile Transkaukasiens, wo ich sie nur in den 
Gebieten von 1—3000' beobachtete, ist sie ungleich seltener, als die ihr nahestehende 
A. tephronota. Weiter ostwärts hin habe ich sie nirgends gesehen. 


60. Acredula tephronota Günth. typ. 


aba et var.: major Radde. 


Taf. VI.- 
Systematisches. 

Ich brachte zweiundzwanzig alte Vögel und zehn junge mit. Von diesen stammt 
der grösste Theil, und auch die Jungen, aus dem Talyscher Tieflande, neun Exemplare 
aus den Umgegenden von Tiflis. Alle alten Vögel von Lenkoran, vom Dezember bis 
März erlegt, repräsentiren typische, kleinwüchsige, kurzschwänzige A. tephronota Günth., 
wie sie uns die Abbildung Dresser's***) zeigt. Bei keinem dieser Vögelchen laufen 
die beiderseitigen, schwarzen, breiten Supraciliar-Streifen hinten am Halse zusammen, 
so dass das schmutzige Schiefergrau des Rückens sich dort ohne Vermittelung von 
Schwarz anfüst. Bei allen Exemplaren dehnt sich die weissbräunliche Längsbinde von 
der Schnabelbasis an über den Kopf fort bis unter den Nacken. Alle haben deutlich 
die mattschwarze Rehiplatte; im März sind an ihr die Spitzen der Federchen ganz ab- 
gerieben. Die Schwanzlänge dieser Exemplare ist konstant, wie die nachstehende Tabelle 
sie giebt. Von solchen Vögeln stammen die Jungen, die ‚ich mitbrachte. Die ersten 
von ihnen wurden schon am 19. /31. Mai erlegt, die meisten aber erst am 5. / 17. Juni. 
Diese Vögelchen sind fast ganz ausgewachsen. Ihre Kehle und der Oberhals sind in 
diesem Jugendkleide intensiv weinroth gefärbt, der ganze Kopf, Nacken und auch der 
Rücken, letzterer lichter, sind schwarz. Auf dem Nacken macht sich bei einigen ein 
kleiner, weissbäuchiger Flecken bemerkbar. Die Schwingen sind alle breit schmutzig 
weiss gerandet, die Schwanzfedern in Weiss und Schwarz nprmal gezeichnet. Die 
Subcaudales sind von der Farbe der Kehle; der Leib schmutzig weiss mit Weinroth-Anflug. 

An diese typischen, lenkoranischen Vögel reiht sich nun eine Suite von 9 bei 
Tiflis und an den Quellen des Schamchor geschossenen Vögeln, die etwas längere Schwänze 
haben. Diese Vögel wurden im Februar und einer am Schamchor im November 
geschossen. Sie weichen nicht allein durch die Länge des Schwanzes von der typischen 
A. lephronota ab, sondern auch dadurch, dass: 

1) das Grau des Unterrückens lebhaft in Weinroth zieht; 
2) die schwarzen Supraciliarbinden an ihren Enden am Halse sich mehr oder weniger 
schliessen ; 


*) Catalogue etc. pag. 39, Nr. 90. 
=) Demidow: Voyage etc. Tome III, pag. 191. 
==>) The birds etc. 1872, XIV. 


Acredula tephronota. 145 


3) bei einigen dieser schwarze Streifen ganz fehlt und durch einen licht braungrauen, 
weissroth überflogenen ersetzt wird; 
4) die Vermittelung der Rückenfarbe mit der des Halses durch abschattirtes Schwarz 
geschieht: 

5) der Kehlfleck undeutlich und nicht scharf umgrenzt ist: 

6) alle diese Vögel untenher heller sind. 
Da nun aber hei diesem oder jenem der Vögel die erwähnten Momente bald mehr, bald 
weniger, je zu einem oder zweien dominiren, oder bei einzelnen auch alle vorhanden 
sind, so hüte ich. mich, daraus neue Arten zu machen. Denn, will ich konsequent ver- 
fahren, so muss ich solcher Arten mindestens drei aufstellen. Die Vögelchen lebten 
familienweise zusammen, d. h. also, sie waren derselben Eltern Kinder, dem einen war 
der schwarze Supraciliar-Streifen stark, dem anderen schwach prononcirt, dem dritten 
gar nicht zu Theil geworden, seitdem er das Ei verliess; aber sie waren zusammen zur 
Welt gekommen und dieselbe warme Februarsonne hatte sie bei Tiflis beschienen und 
sie frassen auch, als sie in den Uferweiden der Kura sich herumtummelten, gewiss 
dasselbe Futter und doch waren sie nicht; schablonenmässig gemacht, sondern variirten 
individuell. Wie das aber kommt, dass derselben Eltern Kinder doch so gar verschieden 
aussehen, und woher im vorliegenden Falle die eine Meise den Nackenring geschlossen, 
die andere ihn offen habe, die eine ihre Augenbrauenzeichnung tief schwarz, die andere 
grauroth trägt, das wissen wir nicht. Wir wissen ja nicht einmal von den Hausthieren, 
die unserer Beobachtung stets zugänglich sind, warum sie gerade an einer bestimmten 
Stelle des Körpers anders gefärbt sind, als überall sonst. 

Die nachfolgende Tabelle wird auch über die Grössenverhältnisse dieser Varietät 

Auskunft geben: 


| Aered. caudata Aered. tephronota | Acred. tephronota, 

| typ- typ: var. major. 

har | Titis, Lenkoran. Tiflis. 

| M. M. M. w. M. M. 

| mm mm mm mm mm mm 
Totallänge Meise age | 2100, 1er 10501 125 
Flügelbug bis zur Spilze le en rs 58 61 60 
Schwanzlänge . . a ea ON el 68 65 S3En 82 
Schnabel auf der ee ae 5 5 5 5 5 5 
Tarsus . II. 218 16 16 15 16 16 


Lebensweise und Verbreitung. 

Diese Art lebt ganz so wie die europäische Schwanzmeise. Familienweise 
tummeln sich die zierlichen Vögelchen in den Uferweidengebüschen, sehr schweigsam, 
immer eifrig suchend und pickend, dann wieder etwas weiter wandernd, nicht sehr nahe 
beieinander, in kurzen Bogenlinien fliegend. So sah ich sie an den oben erwähnten 
Lokalitäten. Nachdem Robson*) die Art bei Konstantinopel entdeckte und Dr. Günther 


*) Vergl. Dresser, 1. c. 
19 


Eadde, Ornis caucasica. 


146 Acredula tephronota. — Aegithalus pendulinus. 


sie 1865 zuerst beschrieb, fand Blanford sie in Gilan und bei Schiras, hier im Niveau 
des Caspi, dort in 6060‘ Meereshöhe. Meine Fundorte in Lenkoran entsprechen den 
ersteren, die am Schamchor den letzteren des englischen Reisenden. Die Art geht also. 
von Kleinasien bis nach Hochpersien und ist in Transkaukasien nicht selten, zumal im 
Tiefande. Interessant wäre es, zu wissen, wie weit sie an der Südseite des Grossen 
Kaukasus gegen NW. sich verbreitet? Etwa bis Nowo-Rossisk? Da Bogdanow ihrer 
gar nicht erwähnt, so wird es wohl richtig sein, mit dem Südabhange des Grossen 
Kaukasus ihr nach Norden die Grenze zu ziehen. 


61. Aegithalus pendulinus L., 
var.: castaneus Sevz. — caspius Poelx. 
Russisch: Remes. 
'Systematisches. 

Erst in neuester Zeit: konnte ich darüber entscheiden, dass bei Tiflis nicht die 
typische Beutelmeise, wohl aber Poelzam’s Aeg. caspius — Aeg. castaneus Sevx. Vor- 
kommt. Von anderen Orten des Kaukasus besitze ich nur Nester, ebensowohl aus den 
Geröhren vom Karägas, unterhalb von Tiflis, wie auch von Lenkoran her. Bogdanow*) 
nennt den von de Filippi**) am mittleren Araxes gefundenen Aeg. pendulinus — Aeg. 
caspius Poelx., während Blanford***) denselben Vogel mit pendulinus vereinigt lässt. 
Ich glaube nicht an die artliche Selbstständigkeit der Beutelmeisenformen. Nach meinen 
Unterhaltungen in Stolp mit dem erfahrungsreichsten der deutschen Ornithologen, mit 
E. v. Homeyer, welcher die Güte hatte, mit mir alle meine fraglichen Kaukasier, vor 
Beginn des Druckes der Ornis, kritisch zu mustern, ergab es sich, dass auch er diese 
Formen als Arten nicht anerkennt. Uebrigens war Bogdanow noch im Jahre 1871 
sehr geneigt, die caspischen Vögel nur als Form von Aeg. pendulinus zu betrachten F). 
Unter den vielen Exemplaren, welche ihm in seiner und Henkel’s Sammlung von der 
unteren Wolga vorlagen, gab es solche, die genau zu Naumann's Beschreibung des 
alten Männchens passten, andere, bei denen das Braun mehr oder weniger überhand 
nahm. Die Weibchen und Jungen sind vollständig übereinstimmend mit denen euro- 
päischer Beutelmeisen. 

Mein, unweit von Tiflis, am 3. / 15. Oktober erlester Vogel ist ein Weibchen. 
Das Braun beherrscht nur den Rückenmantel, schon auf dem Nacken ist es schwach 
und verschwindet auf dem Scheitel fast ganz. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Ende September 1867 begegnete ich in den Weiden am Kura-Ufer bei Borshom 
streichenden Beutelmeisen. An der Sanga bei Eriwan brütet der Vogel in niedrigen 
Weiden; dort wurden Eier Mitte Mai gefunden. Die Nester, welche ich sah und zum 
Theile auch besitze, haben immer nur eine Oeffnung. 


*) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 9. 

**) Journal für Ornithologie, 1876, pag. 177. 
=) Eastern Persia, P. II, pag. 232. ° 

‘r) Säugethiere und Vögel der mittleren und unteren Wolga (russ.), pag. 9. 


Calamophilus barbatus. — Sturnus vulgaris. 147 


62. Calamophilus barbatus Briss. 
Russisch : Usataja-Sinixa, d. h. Bartmeise (Bogdanow). 
Systematisches. 


In der Nähe von der Station Agdshakabulskaja im hohen Rohr, am NO.-Ende 
der Mugan-Steppe unweit vom Caspi gelegen, schoss ich Ende März 1866 ein Weib- 
chen, welches sämmtliche zimmetfarbenen Töne des Gefieders bedeutend heller besitzt, 
als dies an europäischen Exemplaren der Fall ist. Bis auf Weiteres halte ich diese 
Helligkeit für individuelle Abänderung. 


- Lebensweise und Verbreitung. 


Den Unterläufen der vier .grossen Kaukasischen Flusssysteme, zumal da, wo 
grosse Geröhre und Flachufer vorhanden sind, gehört die Bartmeise als Standvogel an. 
An den Ufern der hochgelegenen Seeen auf dem Armenischen Plateau ist sie noch nicht 
nachgewiesen, doch liegen für ihr Vorkommen daselbst keine klimatischen Hindernisse 
vor, da sie in kalten Gebieten des Westens auch vorkommt und z. B. in Bessarabien 
(wo ich sie am Bug im Winter 1852 jagte) Kälten von 15—20° erträgt. De Filippi 
kennt sie aus Persien nicht. Im Talyscher Tieflande erscheint sie besonders in strengen 
Wintern und bewohnt die dann leeren, grossen Rohrbestände der sogenannten Morzi. 
Im Winter 1879—80 wurde sie dort mehrfach beobachtet, ‘aber es gelang nicht, im 
dichten Rohr sie zu erlegen. 


63. Sturnus vulgaris L. typ. 


et var.: umicolor La Marm., 
var.: purpurascens Gould, 
var.: nitens Hume — St. Humei Brooks, 
var.: Poltoratzkyi Finsch.*) 
Russisch: Skworex. 
Tatarisch : Siehirtschin. 
Grusinisch: Schroschani. 
Armenisch: Sarjak. 
Systematisches. 
Das Kolorit-Schema, welches Finsch **) uns über Sturnus vulgaris, St. indicus, 
-St. Poltoratzkyi, St. Humei — nitens und St. purpurascens giebt, genügt nicht, um 
alle meine Exemplare danach zu placiren. Namentlich sind es die Farben an den Kopt- 
seiten und auf dem Kropfe, die: sich nicht fügen wollen. Die weiterhin folgende Ueber- 
sicht giebt hierüber Auskunft. In den zahlreichen Schwärmen von Staaren, welche 
nicht selten nach Tausenden von Individuen zählen und die im Winter und Frühlinge 
vor der Paarung am Südwestufer des Caspi, ebensowohl in der Mugansteppe, wie auch 
bei Lenkoran leben, wird man viele einfarbige, selten nur matt gefärbte, viel häufiger 
brillant gefärbte Vögel sehen können, welche entweder vollkommen, oder doch mehr 
oder weniger die oben erwähnten Formen des gewöhnlichen Staares repräsentiren. Ich 


*) Bei der ersten Beschreibung (Proc. Zool. Soc. 1878, pag. 712) steht nach einer brieflichen 
Mittheilung von Dr. Finsch in Folge eines Druckfehlers fälschlich Poltaratihyi. 
**) Reise nach Westsibirien, Wissenschaftliche Ergebnisse, aus den Verhandlungen der K.K. zoo- 


logisch-botanischen Gesellschaft in Wien (1879) besonders abgedruckt, pag. 90 ff. 
g* 


148 . Sturnus vulgaris. 


will mich hier nicht auf die Kritik dieser sogenannten Arten einlassen ; die nachstehende 
tabellarisch angeordnete Aufzählung meiner Exemplare giebt ja genügende Auskunft 
über diese Formen, welche ich beim besten Willen doch nicht im Stande bin ausein- 
ander zu halten und welche auch alle, wenigstens zur Winterzeit, miteinander zusammen 
leben. Doch aber muss ich erwähnen, dass nicht allein Keyserling und Blasius*), 
sondern auch Schlegel **), dem man doch wahrlich das Zusammenziehen der Arten 
nicht zum Vorwurfe machen darf. den St. unicolor als Art nicht anerkennen. Nord- 
mann”**) thut dasselbe, obschon, wie ich gerne eingestehe, gerade Sturnus unicolor 
unter allen erwähnten Formen am weitesten sich vom typischen Staar entfernt. 
Je älter der gemeine Staar wird, um so länger und spitzfederiger wird auch sein Hals- 
Brust-Behang und sein Schopf, um so schillernder auch in der Regel sein Gefieder. 
Zumal findet das bei den Männchen statt. An alten, gewöhnlichen Staaren sind die 
Schnäbel fast ganz gelb, und in der Plastik sämmtlicher angeführten Formen giebt es 
keine stichhaltigen, festen Unterschiede, auf die hin eine artliche Trennung statthaben 
könnte. Die vielen Staare, welche im Talyscher Tieflande im November erlegt wurden, 
trugen fast alle das typische Kleid des frisch vermauserten gewöhnlichen Staares. Die 
Varietäten bilden sich mehr und mehr heraus, wenn das Kleid oberflächlich abgetragen 
wird. Dann kommt auch zum Frühjahre der Glanz des Gefieders zur Geltung, aber 
der Purpurton, der violette und grüne Ton unterliegt doch so bedeutenden Schwan- 
kungen, dass er allein wiederum nicht genügt, die Vögel als Arten zu trennen. Absichtlich 
wurden von Januar bis März wieder möglichst viele Staare erlegt. Die meisten von 
ihnen hatten das Gefieder der unteren Körperseite schon fleckenlos (namentlich ältere 
Vögel) bis auf die unteren Schwanzdecken. Die Rückenseite zeigte bei vielen Vögeln, 
und zwar wiederum bei den älteren, an den Enden einzelner Federn noch kleine, punkt- 
förmige Fleckchen. Je jünger die Vögel, um so grösser bleibt auch die helle Fleckung, 
weil diese überhaupt in der Jugend viel mächtiger entwickelt ist, als am alten Vogel. 
Das Kolorit der alten Vögel (Männchen) besitzt Anfang Februar schon den vollen Glanz 
und die ganze Intensität der Farbenpracht. Mit solchen Exemplaren zusammen wurden 
junge bunte Staare erlegt, die noch kein Jahr alt waren und auf deren Gefieder im 
schwarzen, matten Grundtone die vielen grossen, gelblichweissen Flecken standen. An- 
fang März sah ich fast nur alte, einfarbige Staare, dies waren die im Tieflande zurück- 
bleibenden, zur Brut sich anschickenden. Der grösste Theil der jüngeren Vögel war 
fortgezogen. Ich will nun nach Zeit und Gefieder in aller Kürze meine dreissig kau- 
kasischen Staare ordnen, bemerke aber, dass ausser den präparirten mir wohl noch an 
ein Hundert andere durch die Hände gingen, welche meine Ueberzeugung bekräftigen, 
nämlich: es seien Sturnus vulgaris, St. unicolor, St. nitens, St. purpurascens und St. 
Poltoratzkyi immer nur eine Staaren-Art, mit verschieden schillerndem, oder auch 
seltener glanzlosem Grundton des Gefieders, welche nur nach der Jahreszeit ihr Kleid 
veränderten und zwar vornehmlich durch Abreiben der Flecken und zum Theile auch 
durch lebhafteres Kolorit im Frühlinge. Nachweislich hat Dresser7), der uns zuletzt 


*) Die Wirbelthiere Europa’s, pag. XLVI, Nr. 159. 

**) Degland, Ornithologie europeenne, T. I, pag. 344. 
*»**) Demidow: Voyage etc. Tome III, pag. 123. 

r) The birds etc. 1874 P. XXVI, XXVI. 1880 P. LXXIIL, LXXIX. 


Sturnus vulgaris. 149 


mit diesen vermeintlichen Staararten unterhält, nur Sommervögel vor sich gehabt, die 
ihm zum Bilde und zur Beschreibung dienten. Nichtsdestoweniger sah er sich doch 
genöthigt, wenigstens die neueste dieser Arten, den von Finsch kreirten St. Poltoratzkyi 
auf Si. purpurascens zurückzuführen. Ich glaube nicht, dass man nach der Mauser 
einen einfarbigen oder fertig ausgebildeten Purpurstaar finden wird, sie werden weiss 
oder weissgelblich getüpfelt sein, wenn auch nicht so stark wie Sf. vulgaris. Ich führe 
meine Staare dem Leser nach der Jahreszeit vor: 


)) 


2) 


3) 


4) 


6) 


Q) 


8) 


9) 


4 Expl., am 13. / 25. Novbr. bei Lenkoran geschossen. Ein Weibchen, typischer St. 
vulgaris, an der Kehle und Oberbrust schon einzelne Federn ohne helle Spitzen. Zwei 
Männchen, normale St. vulgaris, jüngere Vögel. Ein Männchen, wenig ganz kleine 
Spitzflecken an den Kehlfedern, dieselben sehr stark grün-metallglänzend, tiefer 
violett, Federn der Kopfplatte grün, fast fleckenlos; Rückengefieder stark grün- 
glänzend, aber normal gesprenkelt; dieser Vogel besitzt an der Kopf- und Kehlseite 
bereits die Abzeichen angedeutet, welche dem Si. purpurascens und St. Poltoratzkyi 
zukommen sollen. 

2 Expl., am 15. / 27. Novbr. bei Lenkoran geschossen, Männchen, beide normale 
St. vulgaris, das eine mit sehr grossen, weissen, gerundeten Endflecken der Federn, 
oben sowohl, wie auch unten. Schnabel hornfarbig, an den Rändern etwas heller. 
1 Expl., am 24. Novbr. /6. Dechr. bei Lenkoran geschossen, Männchen, junger 
Vogel, obenher stark gelbbräunlich, untenher stark weiss gefleckt; die weissen 
Ränder auf den unteren Schwanzdecken bilden fast ein einfarbiges Feld, die oberen 
ein ähnliches in lichtem Gelbbraun, breite gelbbraune Einkantungen der Schwingen- 
federn, namentlich der zweiten Ordnung; Schnabel hornfarben. $ 
2 Expl., am 9. / 21. Februar bei Lenkoran geschossen, Männchen und Weibchen ; 
stark abgeriebene, weisse Flecken, die an Stirn und Scheitel bereits ganz fehlen; 
beide Vögel normale St. vulgaris; Schnabel hornfarben. 

3 Expl.. am 9. / 21. Februar bei Lenkoran erlegt, Männchen. Kopf, Hals, Brust 
und obere Bauchfläche schon rein schwarz mit schwachem, violettem Metallglanz, 
obenher noch viel gelbliche Fleckung. Eines dieser Männchen brillant metall- 
glänzend grün am ganzen Gefieder, hat noch weniger Flecken als die beiden an- 
deren. Schnabel schmutzig hellgelb, hornfarbig (ist also St. Poltoratzkyi ohne 
Violett am Kopfe). 

1 Expl., am 20. Februar /3. März bei Lenkoran geschossen, Weibchen, jüngerer 
Vogel, nur Kehle und Kopf glanzlos schwarz, sonst typischer St. vulgaris, die 
Schwingen breit blassbraun gekantet. 

3 Expl., am 27. Februar / 10. März bei Tiflis erlegt, Männchen; ganz feine gelb- 
liche Punktflecken an den Seiten und hinten auf dem Halse; passt bis auf den 
violetten Kopf gut zu St. Poltoratzkyi,; Schnabel schmutzig gelb. 

1 Expl., am 25. März /6. April bei Lenkoran geschossen, Männchen, unten und 
oben St. Poltoratzkyi, aber Kropf violett; Flecken noch auf den Bürzelfedern ; 
Schnabel gelb. 

2 Expl., am 25. März / 6. April und 30. März / 11. April bei Lenkoran erlegt, Weib- 
chen; Kopf, Hals und Kehle matt schwarz (wnicolor), sonst St. vulgaris; Schnabel 
schmutzig gelb mit hornfarbener Spitze. 


10) 1 Expl., am 31. März / 12. April bei Lenkoran erlegt» Männchen, ganz rein aus- 


150 Sturnus vulgaris. 


gefärbter St. Poltoratzkyi, aber Kropf purpurn, ohne irgend eine Fleckung, sogar 
der Bürzel einfarbig, starker Metallglanz auf dem Rücken grün; Hals, Kopf und 
Brust hoch purpurn und tief stahlblau; Schnabel gelb. 

11) 1 Expl., am 8. /20. Mai bei Derbent erlegt, Männchen. kommt dem typischen 
purpurascens am nächsten. 

12) 3 Expl., am 16. / 28. Mai, 17. / 29. Mai, 20. Mai / 2. Juni bei Lenkoran 

geschossen, zwei Männchen, ein Weibchen, vollkommen ohne Fleckung; Kolorit 

wie bei Si. Poltoratxkyi, aber matt; Kehle violett; Mantel kaum etwas glänzend, 
fast schon wie bei Sf. unicolor. Das 2. Männchen besitzt mehr Glanz, aber der 

Kropf ist violett. 

2 Expl., am 23. Juni / 5. Juli bei Ardebil erlest, Männchen, beide ganz ohne 

Fleckung; Kopf und Rücken stimmen gut zu St. Poltoratzkyi, aber unten hin 

schimmert der Vogel vorwaltend grün, erst hinten etwas violett. Die Schnäbel 

dunkler als bei 12, fast schon rein ‚hornfarben. 

14) 4 Expl., am 23. Juni /5. Juli bei Ardebil erlegt, junge Vögel im ersten Kleide, 
fliegen mit den unter 13 erwähnten, alten, einfarbigen Vögeln zusammen, sind wie 
die typischen St. vulgaris gefärbt und bereits ausgewachsen. 

15) 1 Expl., Ende Juni bei Derbent geschossen, Weibchen, typischer ‚St. unicolor ; ganz 
vertragenes Habit, kaum angedeutetes Violett, ein wenig Glanz noch hinter den 


13 


— 


Wangen. 
16) 1 Expl., am 11. / 23. Septbr. bei Tiflis geschossen, Weibchen, wechselt das erste 
Jugendkleid ; die Mauser beginnt an den Bauchseiten und auf den Schultern. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Ein grosser Theil der kaukasischen Staare überwintert in den Tiefländern und 
wird im Winter zum Strichvogel. Ihre Ankunft in höher gelegenen Gegenden hängt 
ganz vom Wetter ab. Am 3./15. Januar 1864 wurden auf dem Bazar von Tiflis 
Staare feilgeboten. Bisweilen sieht man Anfang Februar einzelne Staare, die sich in 
Tiflis gerne am frühen Morgen zum Singen auf die Ränder der Schornsteine setzen; 
1867 erschienen die ersten am 2. / 14. März, 1869 am 5. / 17., 1873 am 8. / 20., 1878 
schon am 15. / 27. Februar und 1879 am 20. Februar / 4. März in der Stadt. Bis Ende 
Oktober halten sich grosse Staarenflüge auf den Inseln der Kura, 10 Werste unterhalb 
von Tiflis auf; so sah ich deren noch am 21. Oktbr. / 2. Novbr. 1863. In recht warmen 
Wintern bleiben kleine Flüge ganz bei Tiflis, verschwinden für einige Tage, wenn es 
kälter wird, und kommen, sobald es wärmer wird, wieder zurück. Oestlich von Minge- 
tschaur beginnen die eigentlichen Winterstationen der Staare in den Niederungen der 
Kura. Die ersten wolkenförmigen, riesig grossen Flüge, welche Tausende von Vögeln 
in sich fassten, sah ich am 9. / 21. November südlich von der Arabskaja-Station. Ab- 
wärts im Tieflande der Kura und des Araxes überwintern Millionen Staare.. Gegen 
Abend schwärmen sie regelmässig -und stellen dann förmlich sich hinwälzende Wolken- 
formen am Horizonte dar. Am Tage zersprengen diese grosse Massen und gehen am 
liebsten auf die Aecker in Gesellschaft der Krähen und namentlich auf die Wiesen zu 
den Viehheerden. Sowohl auf Schafen, wie auch auf Schweinen und Rindvieh sieht 
man sie sitzen und Ungeziefer sammeln. Nicht gar so grosse Flüge leben im Talyscher 
Tiefande im Winter; dieses Gebiet ist ihnen zu dieser Jahreszeit gar zu nass. Doch 


Sturnus vulgaris. 151 


giebt es auch in der Stadt Lenkoran zahlreiche winternde Staare. Wenn das Wetter 
dann recht schön ist, so sieht man sie einzeln in den hohen Pyramiden-Pappeln von 
11 bis 4 Uhr sitzen und sehr eifrig singen. Dieser Gesang im Winter ist ausserordent- 
lich angenehm und freundlich, er hat nichts von der lärmenden Leidenschaftlichkeit der 
Melodien zur Zeit der Paarung der Vögel. Alles Schreiende fehlte den von mir gehörten 
Winterweisen der Staare. Der Vogel sitzt dann auf schwankendem Pappelzweiglein, 
hoch im Gipfel des Baumes, spreizt die Flügel und lässt sich behaglich von der Sonne 
bescheinen, wobei er leise und emsig sein Wohlergehen hinschwatzt. Das Ganze macht 
den Eindruck ungemeiner Zufriedenheit. ° Die meisten der Sänger sitzen allein; nie sah 
ich mehrere dicht beisammen, wohl aber 3—4 auf einem Baume an verschiedenen 
Plätzen. Später werden die Staaren-Männchen, nachdem die Ehe geschlossen und das 
Brutgeschäft begonnen, viel ruhiger. Ich habe sie um diese Zeit am Nachmittage ganz 
ruhig mit aufgeblähetem Gefieder in den hohen Weiden sitzen sehen, so nachdenklich 
und ernst, als ob sie sich der bevorstehenden Vaterpflichten bewusst wären. Schon 
Ende März brütet das Weibchen. Fällt im Frühlinge spät und ausnahmsweise Schnee, 
wie das z. B. am 2. / 14. März 1880 in der Mugansteppe der Fall war, so ziehen grosse 
Flüge südwärts; sie hielten sich bei Lenkoran nicht auf. Dies dauerte nur kurze Zeit. 
Als ich am 8. /20. März mich nach Belasuwar am Südrande der Mugan begab, sah ich 
Abends vor und noch lange nach Sonnenuntergang die Staarenwolken am fernen nörd- 
lichen Horizonte sich bewegen; oft gleichzeitig 4—5 ungeheuer grosse Schaaren, die 
nach vielen Tausenden von Individuen zählten. In dem lichten, gelben, reinen Farbentone 
des nordwestlichen Horizontes sieht man die enggeschlossenen Massen sich wogend hin 
und her bewegen. Wie die Tringa-Arten, so werfen sich auch die Staare plötzlich beim 
Fliegen seitwärts. Man begreift nicht, wie viele Tausende von zusammengerotteten 
Vögeln dieses Exercitium fast momentan und mit einer Akuratesse vollführen, die ohne 
Gleichen ist. Die geschultesten Soldaten können das nicht so plötzlich und so genau 
ausführen, nämlich irgend eine Schwenkung auf Kommando. Wer giebt den Vögeln das 
Zeichen zu der momentan von allen ausgeführten Bewegung? Und doch muss es hier 
ein Verständigungsmittel geben. Diese Flugübungen macht der Vogel zwar auch im 
Winter, doch will es mich dünken, dass sie dann nie so anhaltend am Morgen und 
Abend sind. Die nach und nach aus den Tiefländern des südlichen Caspı bei dem 
Beginne des Frühlings gegen Norden abziehenden Staare wiederholen die Flugevolutionen, 
bevor sie weiter nordwärts reisen, mit ganz besonderer Ausdauer und Lust. Verhältniss- 
mässig ist die Zahl der zum Brüten zurückbleibenden Staare in den Tiefländern eine 
geringe. Dies hat den Grund darin, dass der Sommer zu heiss ist und in der heissen 
Zeit sogar der Insektenreichthum ungemein schwindet. Der Staar bevorzugt gemäs- 
sigtes Klima. 

Auf dem Armenischen Hochlande begegnet man dem Staar überall im Sommer 
in den grösseren Dörfern und bei den Klöstern bis über 6500° Meereshöhe, häufig ist 
er in Duchoborien, Achalkalaki etc. Im Grossen Kaukasus steigt der Staar nicht so 
hoch in’s Gebirge, ich sah ihn nicht bei Gudaur und Kobi. Im Frühjahre findet man 
vieler Orts, wie oben schon gesagt wurde, fast nur einfarbige Staare; dergleichen 
erscheinen in milden Wintern schon am’ 15. / 27. März am südlichen Goktschai-Ufer, 
bei Nowo-Bajaset (6300°), wenn dort Alles noch im Schnee liegt. Solche dunkle Staare 
sah ich vorwaltend auch um dieselbe Zeit bei Gori und namentlich im unteren Theile 


152 Sturnus vulgaris. — Pastor roseus. 


der Suram-Ebene, bei Gorigoreb. Doch bringen diese Staare Junge aus, welche nach 
dem grauen Jugendkleid das gefleckte des typischen Vogels anlegen. Oben im Gebirge 
bei Bukuriani (Borshom) gingen am 3. / 15. April mit dem weidenden Vieh sieben 
schwarze Staare. Die Einwohner behaupteten, dass hier nur solche dunkle einfarbige 
Staare lebten, deren Junge ebenfalls dunkel grauschwarz seien. Aber hier kennt man 
den Vogel nur als Sommerbewohner und er kommt natürlich spät an. 


64. Pastor roseus L. 
Russisch: Rosowyi skworex. 
Persisch: S’ar. 
Tatarisch. Kuschung, Mohamedung, im Dagestan Swrdshik. 
Grusinisch: Tarb?. 
Armenisch: Torm. 
Systematisches. 
Die Suite meiner kaukasischen Rosenstaare (es sind 15 alte und 2 junge Exem- 
plare) wurde bei Tiflis und Lenkoran gesammelt und zwar Ende April. Es sind fast 
ausschliesslich alte Männchen, sie geben mir zu keinen Bemerkungen Veranlassung. Am 


18. / 30. Juni waren die Jungen bei Tiflis vollkommen erwachsen. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Nur jahrweise werden einzelne Lokalitäten von ungeheuren Schwärmen der 
Rosenstaare förmlich überschwemmt; sie folgen dann den Heuschrecken und sind auch 
oftmals am Platze ihrer Arbeit im 2. Jahre, bevor die Brut függe wird, falls im ersten 
Jahre die wandernden Heuschrecken zum Legen der Eier kamen. Letzteres aber findet 
nicht immer statt. Während der letzten zwanzig Jahre ist 1865 in Bezug auf das 
massenhafte Erscheinen der Rosenstaare besonders erwähnenswerth. Am 22. Mai / 3. Juni 
trafen so viele dieser schönen Vögel bei Tiflis ein, dass man wohl von Hunderttausenden 
sprechen durfte. Zumal besetzten sie auf das Dichteste die Steinufer der Kura bei dem 
Maidan und am Gefängnisse, fielen Abends in ungeheurer Menge zum Nächtigen auf die 
Felsen des Salalaki-Rückens ein, vertheilten sich am Tage in die Gärten und auf die 
Felder, wo sie die jungen Heuschrecken vernichteten und gerne auch auf die Früh- 
kirschen gingen. Sie schickten sich sehr eifrig zum Brüten, selbst mitten in der Stadt, 
wenigstens im orientalischen Theile derselben, an. Dem Vogel wird hier allgemein, 
auch von den Mohamedanern, grosse Verehrung zu Theil und man kann Unannehmlich- 
keiten haben, wenn man ihn schiesst. Erscheinen bei Tiflis im Frühlinge viele Heu- 
schrecken und folgt ihnen der sie vernichtende Vogel nicht bald, so entsendet man 
zum Ararat an die Quelle des heiligen Jacob eine Deputation, um aus ihr Wasser zu 
nehmen und dasselbe hierher zu bringen. Man geht dann der zurückkehrenden Depu- 
tation entgegen und empfängt dieselbe mit grosser kirchlicher Ceremonie. Dies soll das 
Mittel sein, die Rosenstaare zum Erscheinen zu bewegen, um ihr Werk an den 
Heuschrecken zu vollführen. Auch 1865 wurde eine solche Deputation entsendet. 
General Jermolow liess 1825, als sehr viele Heuschrecken den damals noch mit Wein- 
gärten bestandenen Stadttheil Salalaki heimsuchten und die Rosenstaare viel Arbeit 
hatten, für die Vögel .grosse Bottiche mit Wasser hinstellen, damit sie sich baden 
könnten, was sie bei ihrer schmutzigen Arbeit ausserordentlich lieben. Die Schilderungen, 
welche Betta*) aus den Umgegenden von Villafranca giebt, sind vorzüglich und fallen 


*) Brehm’s Thierleben. 5. Bd., pag. 395. 
Pag 


Pastor roseus. — Oriolus galbula. 153 


mit den von mir bei Tiflis gemachten Beobachtungen zusammen. Gleich nach vollen- 
deter Brut, wenn die Jungen gekräftigt zum ausdauernden Fluge sind, ziehen die Rosen- 
staare in kleinen Trupps ab. So viel ich beobachtete, bleiben sie im Kura-Thale 
(abwärts von Tiflis), wo ihrer namentlich im Mündungslande und am unteren Aras, in 
der Mugan und im Lenkoranischen Tieflande allsommerlich viele leben und Mitte April 
erscheinen. Merkwürdig aber ist ihr regelmässiges Eintreffen in einem etwa 10 Vögel 
starken Fluge, Ende Mai, mitten im Waldgebiete von Borshom, wo sie im Garten des 
Palais einige Tage bleiben, sehr scheu und unruhig sind und dann verschwinden. Ich 
habe sie — es waren stets alte Männchen — im Verlaufe von zwölf Jahren regelmässig dort 
beobachtet. Nordmann’s*) Angaben über das Verbleiben der Rosenstaare im Colchischen 
Tiefande bis in den Oktober kann ich nicht aus eigener Erfahrung bestätigen. Ein- 
zelne alte Männchen leben isolirt. Es sind das in der That Sonderlinge. Sie führen 
ein einsames Leben in den menschenleeren basal-alpinen Wiesen des Gebirges. Derartige 
Vögel sah ich z. B. am 9. / 21. Juni bei Gudaur, in einer Höhe von mehr als 7000° 
über dem Meere. Dieses so hohe Vorkommen des Vogels in der vertikalen Richtung 
entspricht dem mehrfach nachgewiesenen Erscheinen desselben im hohen Norden. Kleine 
Flüge vom Rosenstaar erscheinen im Frühsommer für kurze Zeit auch am Goktschai-See. 


65. Oriolus galbula L. 

Russisch: Zwolga. 5 

Persisch: S’ebs-Keba. 

Tatarisch: Ayrmy-schak und Torgejak. ’ 

Grusinisch: Bitscho-goxia, d. h. Komm’ her Gozia, nach dem Rhythmus des Rufes. 

Armenisch, im Nuchin’schen Kreise: Tut-bali, d.h. der Sauerkirschen-Vogel; im Kasach’schen 

Kreise: Mowrow, d. h. der Wächter, weil er so eifrig ruft. 
Systematisches. 
Die kaukasischen Pirole stimmen genau zu den europäischen und geben mir 

keine Veranlassung zu Bemerkungen systematischer Art. Ich besitze fünfzehn Vögel 
aus dem Kaukasus, M. und W., junge und alte Exemplare. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Der Pirol ist Sommervogel in der Zone bis zu 6000‘ und brütet überall, wo 
ausgedehnterer Gartenbau existirt. Entschieden bevorzugt der Vogel die Gärten vor 
den Wäldern, hat besonders die alten Wallnussbäume gerne und erscheint in den cas- 
pischen Tiefländern schon Mitte April. Am 12.24. und 14. / 26. April wurden in 
Lenkoran die ersten Männchen erlegt, doch schon eine Woche früher beobachtet und 
gehört. In den Dorngebüschen der heissen Zone, wo solche in undurchdringlichem 
Diekichte den Bachläufen entlang die Ufer bestehen, lebt der Pirol ebenfalls gerne, 
doch muss er in der Nähe wenigstens Gartenanlagen oder einzelne schattengebende 
Hochstämme finden, von denen her er lockt. So fand ich ihn im heissen Araxes-Thale 
bei Ordubad und im unteren Karabagh. An der Südseite des Alagös brütete der Pivol 
noch in einer Höhe von 5000‘ über dem Meere, ebenso bei Olti, an der Ostseite des 
nördlichen Taurus. Der Pirol liebt hier zu Lande auch hohe Kiefern. Im Parke von 
Manglis, wo nur solche Bäume stehen, hörte ich ihn oftmals. 


*, Demidow: Voyage etc. Tome III, pag. 328. 


Badde, Ornis caucasica. 20 


154 Oscines. 


Ordo II. 


seines, 


Allgemeine Vorbemerkungen. 


Die artenreiche Ordnung der Singvögel setzt sich in den Kaukasusländern aus 
folgenden Elementen nach den drei Hauptgruppen zusammen: 
Subordo 1. Granivorae 34 Arten und 10 Varietäten 
Subordo 2. Corides a 12 K 


Subordo 3. Insectivorae 65 „ 10) a 
121 Arten und 32 Varietäten. 


Die persische Ornis (mit Ausschluss der südpersischen Formen — Beludshistan) 
ist in dieser Ordnung folgendermaassen zusammengesetzt: 


Inge 2eNien 
anivor 
Br Hmbenzndaen lee 
29 Arten. 
Alaudidae.) 2 ae eo ATTeN? 
ks (Hierbei Calandrella pispoletta Pall. und 


©. brachydactyla Leisl. getrennt.) 
IF Motoeillidae 2 Azten! 
7 (Hierbei Motaecilla personata als 
selbstständige Art gerechnet.) 


23 Arten. 


< 


Oseines. 155 
Purdidoen en Se kdarArten: 
Oimehduen.s ea N Fe: 
Insechvoraenın Proglodyhdae man. Elan, 
Ionen ee A: 
Museicapidape en 
64 Arten. 


Im Ganzen 116 Spezies. 


Im Ganzen haben wir es also in Persien mit 116 Vogelarten dieser Ordnung zu 
thun, wobei alle diejenigen, die ich nur als Varietäten anerkenne, für jenes Gebiet nach 
der Meinung seines vorzüglichsten Forschers, W. T. Blanford, als vollgültige Spezies 
acceptirt sind. Diesen stehen im Kaukasus 121 ermittelte Arten mit 32 Varietäten 
gegenüber, welche Ziffer sich also, wenn ich meine Ansichten über die Art und Varietät 
ändern könnte, bis auf 153 Spezies steigern würde Was wir im Kaukasus namentlich 
durch den Zuwachs an mitteleuropäischen Formen an der Spezieszahl gewinnen, wird 
in Persien im Süden reichlich durch das Auftreten ostafrikanischer und indischer Formen 
ersetzt, von denen einige schon tropisch sind. 

Im Allgemeinen darf ich behaupten, dass auch die Singvögel im Kaukasus vor- 
waltend mitteleuropäische Arten sind. Ich habe trotz allen Suchens nur einen Vogel 
als neue Art erkannt, es ist dies mein Accentor ocularis und dieser wurde an der äussersten 
Grenze des Reiches am Rande von Hochpersien (Küs-jurdi) nur in einem Exemplare 
geschossen; er gehört also eigentlich dem Iranischen Hochlande an. Der Mangel der 
mediterranen Sylvien macht sich im Kaukasus sehr bemerkbar und überdies ist unser 
Land, namentlich im Sommer, überhaupt arm an Sängern. In den Wäldern des Kaukasus 
ist es entsetzlich still. Das hat seinen Grund darin, dass den Sylnien andere Wander- 
bahnen angewiesen sind, als die direkt durch Transkaukasien führenden. Namentlich 
ist es die Richtung von Arabien über Syrien und die Kleinasiatische Küste, welche sie 
bei ihren Reisen einhalten. Es behagen ihnen weder die schutzlosen Hochländer Arme- 
niens, noch Kurdistans, oder Irans und wenn sie dieselben im Frühjahre auch wirklich 
glücklich passirt hätten und weiter direkt nach Norden ziehen wollten, so starrt ihnen 
in dieser Richtung der langgezogene Gletscherkamm des Grossen Kaukasus entgegen 
und nur die verhältnissmässig schmalen Thäler der Kura und des Rion nehmen sie 
gastlich auf. Wollen sie von dort weiter wandern, so müssen sie sich zu 10— 12000‘ 
Meereshöhe erheben und da ist es, wenn die Reise auch nicht lange währt, den kleinen 
Vögeln im April-Monate gewiss zu kalt. Ich spreche über diese Verhältnisse eingehend 
in dem Kapitel über den Zug, aber ich glaube das Faktum, dass unsere Wälder fast 
ohne Lied, fast stumm, wenigstens vielerorts, daliegen, doch richtig durch die gemachten 
Andeutungen erklärt zu haben. Selbst in Europa ganz gerfleine Sänger, so die gewöhn- 
liche Gartengrasmücke, die wir in der Krimm und am Asow’schen Meere in den 
Akazienbäumen der Steppe recht oft lustig singen hören, ‚gehören hier (in Trans- 
kaukasien) zu den grössten Seltenheiten und sind- kaum als regelmässige Wanderer 
zu betrachten. 

Werfen wir nunmehr einen flüchtigen Blick auf die einzelnen Gruppen, welche 
das grosse Volk der Sänger bilden. 

20 * 


156 Oscines. 


Durch das Vorkommen der beiden Kreuzschnäbel werden wir im Kaukasus wieder 
auf bestimmte Vegetationsverhältnisse gewiesen. In diesem Falle sind es die Zapfen- 
bäume, welche unsere Aufmerksamkeit beanspruchen. Wie bei ihnen, sowohl bei Abies 
orientalis als bei Pinus sylvestris (denn Abves Nordmanniana kommt mit ihrem viel geringeren 
Verbreitungsgebiet hier nicht in Betracht) ein allmähliches Verschwinden in der Rich- 
tung NW.—SO. im gesammten Kaukasus nachweisbar ist, und wie zuletzt gegen Süden 
die Kiefer kaum die Hälfte des langgezogenen Randgebirges von Armenien erreicht, und 
endlich nur noch gleich isolirten, kleinen Inseln im Laubwalde dasteht, so verschwinden 
mit ihr auch die Kreuzschnäbel und finden schon im westlichen Theile des Trialetischen 
Gebirges ihre äusserste Verhreitungsgrenze gegen SO. 

Aus der Gruppe der Carpodacus-, Bucaneles- und Erythrospixa-Spezies, welche- 
in sich die schönst gefärbten Fringelkiden schliesst, ist zunächst ein ächter Kaukasier, 
der schon von Güldenstädt gekannte Carp. rubieillus, namhaft zu machen. Wie und 
wo er brütet, ist nicht entschieden, meiner Meinung nach hoch im Gebirge, nahe der 
Schneelinie. Das Unwetter dort oben im Winter zwingt ihn, thalabwärts zu wandern, 
aber tiefer als 6000‘ Meereshöhe habe ich ihn nie gesehen. Persien besitzt die ausge- 
zeichneten Erythrospixa-Arten, dem Kaukasus fehlen sie als Sommervögel sicherlich, 
aber der harte Winter treibt, wenigstens für kurze Zeit, einen oder den anderen Vogel 
tief abwärts in die Niederungen von Gilan und Talysch. So wurde Anfang Januar 1880 
das einzige recht alte Männchen von Erythr. rhodoptera bei Lenkoran erlegt. Die Frage 
über das Vorkommen von Acanthis linaria im Kaukasus halte ich noch nicht für ganz 
und endgültig entschieden, trotz der Beläge, die wir im speziellen Texte weiterhin 
darüber finden. Es müssen in Bezug auf diesen Vogel die Strecken Rostow-Wladikawkas 
im Winter untersucht und namentlich am unteren Kuban darauf geachtet werden, ob 
der Birkenzeisig zeitweise dort erscheint. Für letztere Lokalität glaube ich mit Sicher- 
heit die Frage über sein Vorkommen mit ja beantworten zu können. In der zierlichen 
und reizend gefärbten Metoponia pusilla besitzt der Kaukasus einen ächten Asiaten und 
zwar einen Hochgebirgsbewohner, der im Winter thalabwärts steigt. Speziell für unser 
Faunen-Gebiet lässt sich das Vögelchen noch westlich vom Elbrus als Sommervogel im 
Hochgebirge nachweisen. Bei dem gewöhnlichen Dompfaffen angelangt, stehe ich wie- 
der vor der Frage: was Art, was Varietät? Ich verweise auf die Spezialia, welche 
folgen. An mein reiches Material bin ich auch diesmal ohne Vorurtheil getreten und 
muss Alles vereinigen, was bis jetzt getrennt wurde. Das Endresultat meiner Unter- 
suchungen über die Fringilliden im Kaukasus würde etwa folgendermaassen lauten: 
Vorwaltend centraleuropäische und nordische Arten, selten die schönen Asiaten und nur 
in wenigen Spezies, von denen zwei beständig im Hochgebirge leben und nur im Winter 
tiefer gelegene Gegenden aufsuchen, eine Art, speziell den Kaukasischen Alpen und seinen 
nächstgelegenen Gebirgsländern angehörend, nämlich Montifringilla alpicola Pall., welche 
von M. nivalıs Briss. der europäischen und centralasiatischen *) Alpen artlich getrennt 
werden muss. In mancher Hinsicht sind die drei Sperlingsarten des Landes interessant; 
der Spatz, zwar noch typisch in der Masse, neigt oft schon zur indischen Form. Der 
Feldspatz ist typisch. Im Rohr und in den Jongeln lebt im Tieflande des südwestlichen 


*) Severzow führt die europäische Art für Turkestan auf, vergl. Journal für Ornithologie 1875,. 
pag. 173, Nr. 9. 


Oseines. 157 


Caspi-Ufers Passer salicicolus, ist aber, wenn nicht Zug-, so doch sicher Strichvogel, 
neuerdings wurde er als Seltenheit auch im Centraltheile Transkaukasiens nachgewiesen. 

Mit den Ammern ist es im Kaukasus schlecht bestellt. Wer diese jemals vom 
Ural an ostwärts bis zum stillen Ocean gesammelt hat, der ist hier zu Lande sehr 
enttäuscht. Zwar entschädigt uns der angenehm flötende Kappenammer für Eimberixa 
aureola und E. brunneiceps, aber mit ihm haben wir auch das Beste aller unserer 
Ammern genannt. Die Südeuropäer gehören hier zu den grössten Seltenheiten, E. ceörlus 
und E. caesia sind nur sehr vereinzelt zu finden, E. eitrinella als brütender Vogel 
erreicht in Transkaukasien sein südlichstes Vorkommen, wandert aber zum Winter 
nach Süden und zwar in recht bedeutender Zahl. E. hortulana und E. cia sind die 
weitestverbreiteten und gemeinsten ihres Geschlechtes. Von den Rohrammern waltet der 
starkschnäbelige Oynchramus intermedius Michl. vor, welchen ich aber nur als Varietät 
von (©. schoeniclus behandeln kann. 

Die Lerchen sind im Kaukasus durch 9 Arten und nicht weniger als 6 Varie- 
täten vertreten. Wollte ich im Sinne der jetzt ziemlich allgemein angenommenen 
Nomenklatur sprechen, so müsste ich von 15 Lerchenarten in unserem Lande reden. 
Viele ÖOrnithologen trennen die verschiedenen Otocorys-Formen, oder, wie man sie auch 
‚nennen könnte, -Racen, wozu ich mich niemals habe entschliessen können. Für das 
allmähliche Umsichgreifen der schwarzen Farbe am Halse liegen mir mannichfache Beläge 
aus der Suite meiner kaukasischen Alpenlerchen vor, die gelbe Färbung der Kehle hängt 
wesentlich von der Jahreszeit ab, die Länge der Pinselfedern vom Alter. Hier zu Lande 
kommt die Form O. larvata de Filippi am häufigsten vor. Auch von der gemeinen 
Haubenlerche findet man neben der typischen Form eine starkschnäbelige Varietät und 
eine andere mit hellgelbem Kleide. Im Gegensatze zu den meisten Systematikern der 
neuesten Zeit halte ich die beiden Formen der kurzzehigen Lerche, Culandrella pispoletta 
Pall. und ©. brachydactyla Leisl. artlich für nicht trennbar, da manche Vögel meiner 
transkaukasischen Suite sowohl von der einen, wie von der anderen Charaktere auf- 
weisen, worüber wiederum die Spezialia genaue Auskunft ertheilen. Für die Winter- 
saison sind die grossen Wanderungen der Lerchen besonders zu erwähnen. Die Mooren- 
lerche und die sibirische, welche niemals im Kaukasus als Sommervögel beobachtet 
wurden, erscheinen sammt der Calanderlerche in Schaaren, die nicht nach Hunderten, 
sondern nach Tausenden zählen. Das böse Wetter drängt sie dann tiefer und tiefer von 
Osten nach Süden. So lange es angeht, halten sie sich in offener Steppe und nament- 
lich auf dem salzführenden Terrain; aber wenn es doch gar zu sibirisch tobt, so sieht 
man sie plötzlich an Lokalitäten, die ihnen eigentlich gar nicht konveniren können. So 
wurden sie in den nassen Süsswasserniederungen bei Lenkoran erlegt, verliessen jedoch 
diese Gebiete sehr bald wieder. Ich halte dafür, dass diese Vögel im Sommer alle ost- 
wärts von der unteren Wolga leben und dass sie aus den Aralo-caspischen Niederungen 
und aus der Baraba im Winter zu uns kommen. Diesen grossen Schwärmen dick- 
schnäbeliger Lerchen schliessen sich der Zahl nach nicht geringere der Feldlerche an, 
die zwar in der Regel gesondert schwärmen, bisweilen aber auch mit jenen untermischt 
und in Frieden beisammen leben. 

Vom Geschlechte der Pieper kannte M. Bogdanow, welcher die letzten Nach- 
richten über sie gab, nur 4 kaukasische Arten, von diesen wird Anthus spinolelta L. — 
A. aquaticus Bechst. als fraglich hingestellt. Ich bin nun in der Lage, 7 Wiesenpieper 


158: Oseines. 


aus dem Kaukasus namhaft zu machen; sie alle gehören den europäischen Arten an, 
aber das Vorkommen von A. obscurus im Winter, der einen mehr nordwestlichen Ver- 
breitungsbezirk besitzt, bleibt immerhin auffallend. Wenn ich den Vorrath meiner 
Bachstelzen und Wiesenstelzen artlich splitternd behandeln wollte, so würde Motacilla 
alba 4 Spezies, Budytes melanocephala deren 3 geben und die Sammlung würde aus 
12 Arten bestehen. Ich erkenne davon jedoch nur 6 an, vereinige unter B. melanoce- 
phala als Varietät B. viridis und B. cinereocapilla und zähle, wenn auch noch zweifelnd, 
die südasiatische M. luxoniensis Scop. zu M. alba. Zu dieser gehört auch M. personata 
persica und M. dukhunensis. Der den Spezialibus beigefügte Conspectus meiner Exem- 
plare zeigt zur Genüge die Unhaltbarkeit artlicher Trennung, weil zwischen der typischen 
M. alba es für alle erwähnten Varietäten die nöthigen, vermittelnden Uebergangs- 
formen giebt. 

Von den eigentlichen Sängern ist die Gruppe der Rohrsänger, im engeren Sinne 
des Wortes, verhältnissmässig stark vertreten. Sie setzt sich, wenn auch nur aus 7 
(mit Einschluss von Aypolais pallida und H. caligata aus 9) Arten zusammen, welche Zahl 
weder durch die Laubsänger, noch durch die eigentlichen Sylvien erreicht wird, da jene 
nur in 5, diese in 6 Spezies bei uns vertreten sind. Die Tiefländer sind es, mit den 
rohrbestandenen Ufern der Flüsse, mit den stagnirenden Süsswassern, Schilfwäldern, mit 


Scirpus- und Juneus-Dickichten, welche die Acrocephalus-Arten am besten und zahl- 


reichsten liefern, sei es nun im Sommer, wo sie der laute Gesang am Neste verräth, 
oder während des Zuges, wo sie sich still im dichten hohen Rohre oder Schilfe aufhalten. 
Nur europäische Arten setzen diese Gruppe zusammen. Dem. Bestande der persischen 
Ornis ist sie gleichwerthig. Von der unteren Wolga sind uns ebenfalls 8 Rohrsänger 
bekannt geworden. Neu für die Ornis des Kaukasus aus dieser Gruppe und am SW.- 
Winkel des Caspi wohl ihre äusserste Verbreitungsgrenze in dieser Richtung erreichend 
ist Locustella fluviatihs. 

Mit Blanford trenne ich Addon galactodes von den Rohrsängern und zähle den 
Vogel zu der Unterfamilie der Crateropodidae,; er ist hier der einzige Vertreter derselben, 
von welcher Südpersien mehrere und eigenthümliche Arten besitzt. 

Die eigentlichen Laubvögel bieten uns 5 Repräsentanten, von denen nur Phylio- 
scopus rufus und Ph. trochilus häufig sind, alle anderen zu den Seltenheiten gehören. _Hier 
ist eine bedeutende Abnahme nicht allein der Artenzahl, sondern namentlich auch der 
Individuenzahl sehr bemerkbar, und, was von den grösseren Laubvögeln in Europa gemein 
ist, wird hier nur sehr vereinzelt gefunden. Der Zuwachs um zwei Spezies in Persien, 
Ph. Brehmi Hom. und Ph. neglectus Hume ist auch für diese Gruppe nur in Süd- 
persien erstanden, wie das die Fundorte im Texte bei Blanford erklären. Als grosse 
Seltenheit für den Kaukasus ist Ph. plumbeitarsus Swinh. zu nennen. 

Arm ist unser Faunen-Gebiet an Aypolais-Arten. Die in Schnabel- und Körper- 
grösse sehr varlirende HA. pallida Hemp. et Ehrb., nebst der ihr nahestehenden A. caligata 
Lichst. sind die allein hier vorkommenden zwei Spezies. Sie wurden bis jetzt nur im 
südöstlichen Theile von Transkaukasien gefunden. Persien besitzt, ausser den erwähnten, 
noch zwei Hypolais-Arten, aber nur aus dem Süden des Landes. 

Nur eine Goldhähnchen-Art wurde bis jetzt im Kaukasus nachgewiesen, es ist 
Regulus eristatus. Hochpersien fehlt dieser Vogel, aber im Tieflande am Caspi muss er sich 
auch in Gilan und Massenderan finden, daich ihn häufig in den Wäldern von Lenkoran antraf. 


Oscines. 159 


Von den Sylvien, deren Europa 12 Arten besitzt, hat der Kaukasus nur 6 auf- 
zuweisen. Nur eine davon, die als Spezies selbstständig dastehende und nicht mit 
S. subalpina Bp. zu vereinigende $. mystacea Menir. — S. rufescens Blanf. veprä- 
sentirt den europäischen Sylvien-Typus im Flügelschnitte. Die 5 anderen Arten sind 
die Formen des gemässigten Europas. Aus jener ersten Gruppe fehlen uns die Mittel- 
meerarten ganz, obwohl sie sich zum Theile wenigstens noch an der Westküste Klein- 
asiens finden. Auch für diese Abtheilung der Sänger erweist sich in der persischen 
Ornis die Zunahme um zwei Arten (SS. nana Hemp. et Ehrb. und S. affinis Blyih) als aus 
Südpersien stammend, einem Gebiete, welches in geographischer Hinsicht von den Hoch- 
landen Irans vollständig getrennt werden muss und sich durch eine grosse Zahl eigen- 
thümlicher Spezies auch aus der Vogelwelt bemerkbar macht. Von den mitteleuropäischen 
Sylvien fehlt dem Kaukasus S. orphea Temm., von den anderen ist S. atricapilla die 
gemeinste, ihr folgt an Zahl zunächst $S. cinerea, dann $. curruca und die Sperber- 
grasmücke und endlich nur als Seltenheit die gewöhnliche Grasmücke, S$. hortensis. 

Die kleine Gruppe der Flühvögel (Accentor) lieferte mir die einzige, als new 
erkannte Art, die ich A. ocularis, des Augenstreifens wegen, nannte. Hochpersien wird 
sie in seinen kahlen, felsigen Gebirgen häufiger besitzen. Die beiden europäischen 
Flühvögel sind im Gebirge nicht selten, die sibirischen und indischen fehlen. 

Zwei Nachtigallen singen bei uns im Buschwalde, in den Gärten und Jongeln. 
An Stelle der wirklichen, herrlich singenden Nachtigall (Daukias luseinia) ist der schlechte 
Sänger D. Hafixi Sevz. — D. Golxi Cab. getreten, welcher in den Poesien der Perser, 
trotz seiner miserablen Melodieen, in den siebenten Himmel erhoben wird. Im Central- 
theile Transkaukasiens, zumal auf den Inseln der Kura, macht ihm der Sprosser noch 
Konkurrenz; letzterer ist für Persien nicht nachgewiesen, kommt aber auf russischem 
Gebiete östlich vom Caspi noch vor. 

Von den Varietäten des Blaukehlchens kann man zur Zugzeit viele Exemplare 
erstehen und zwar werden var. coerulecula Pall. und var. Wolfk ©. L. Brehm mitein- 
ander lebend, in fast gleicher Anzahl gefunden. Die Blaukehlchen brüten in der mittleren 
Waldzone. Kommen bei diesen nun schon häufig Individuen vor, deren Braun recht 
kräftig ist, so weist ein solches Hinneigen zum Dunkelwerden der rostigen Farben das 
Rothkehlchen im Kaukasus in gleicher Weise auf. Dieses kann ich nur als eine Varietät 
erkennen und urtheile darüber nach sehr vielen Exemplaren. Diese Varietät vom 
gewöhnlichen Rothkehlchen waltet am SW.-Ufer des Caspi vor, doch findet sich mit 
ihr zusammen dort auch die typische Form, sowie denn auch andererseits die hyreanische 
Varietät von mir in den Wäldern des Oentraltheiles von Transkaukasien gefunden wurde. 
Ich nehme keinen Anstand Cossypha gutluralis Guerin unserer Ornis einzuverleiben. 
Der Vogel ist im Lura-Thale der Elburskette, von welcher die Talyscher. Gebirge nur 
die nordwestliche Fortsetzung bilden, gesammelt worden. ö 

Die Rothschwänzchen des Kaukasus werden dadurch besonders interessant, dass 
sie mit den persischen artlich am weitesten auseinander gehen. Blanford nennt 
für Persien : 

Rutieilla phoenieura L. ö 
2 rufiventris Vieill. 
e tithys ‚Scop. 
a erythronota Eversm. 


160 Oseines. 


Von ihnen wurden die drei letzteren in Südpersien gefunden. — Im Kaukasus leben: 
Rutieilla phoemieura L. 

" mesoleuca Ehrb. 

\ ochruros 8. @. Gml. 

„. erythrogastra Güld. 
Von diesen ist die letzte Art ein kaukasisch-sibirischer Vogel. R. ochruros nimmt den Platz 
der europäischen tithys ein, welche man, zumal an der Nordseite des Grossen Kaukasus wohl 
noch finden dürfte. R. mesoleuca Ehrb. und R. phoenicura L. stehen sich sehr nahe. In der 
Jugend sind diese Vögel gar nicht zu unterscheiden. 

Die beiden Steindrosseln geben zu keinen allgemeinen Bemerkungen Veranlassung. 
Dagegen erfordern die zahlreichen Saxzcolo-Arten einige Mittheilungen allgemeiner Natur; 
hier sind die Differenzen vom centraleuropäischen Bestande der Steinschmätzer schon 
ausserordentlich eklatant und, wenn auch in unserem Gebiete sich die Zahl der Saxicola- 
Arten nur auf 8 beläuft und mithin nur °/, der in Persien gefundenen, zum Theile neuen 
Arten, uns lieferte, so ist doch zu erwarten, dass die Zukunft gerade in Bezug auf diese 
Gruppe noch manches Ergänzende bieten wird. Niemand hat den Dagestan auf seine 
Sasxicola-Arten eingehend untersucht. Dort wird man sie am ehesten finden und zwar 
an der Nordseite in den zerrissenen Gebirgen des S’ulak und Kois’u. Sie werden also 
auch im geographischen Sinne der speziell europäischen Ornis zugezählt werden können. 
Deutschland besitzt nur zwei Steinschmätzer (ich schliesse Pratineola natürlich aus), 
ganz Europa nach Blasius sen. nur 5. Für den Kaukasus habe ich 8 Spezies erwiesen, 
in Persien giebt es 12, die Suite Bogdanow’s ist durch mich um 2 Arten vermehrt 
worden. Schauen wir uns die kaukasischen Steinschmätzer näher an, so ergiebt sich 
sofort, dass Sax. oenanthe die allerweiteste Verbreitung hat und zwar in beiden Rich- 
tungen, ihm folgt dann Sax. saltator, alle anderen Arten sind mehr oder weniger selten. 
Mit der Vertheilung von Schwarz und Weiss, namentlich auf den Schwanzfedern und 
oft auch am Körper, welche Vertheilung nicht selten als entscheidendes Artenkennzeichen 
gilt, hat es seine eigene Bewandtniss. Hier kommen doch sehr beträchtliche Varianten 
vor, und es hält oftmals sehr schwer, sich richtig zu orientiren. Von den persischen 
Arten wären im Kaukasus noch zu suchen: Saxicola chrysopygia de Filippi, S. morio 
Hemp. et Ehrb., S. albonigra Hume und 5. picata Blyth. Mit Ausnahme eines ein- 
zigen Exemplares der letztgenannten Art, sind alle diese Steinschmätzer von Blanford 
nur für Südpersien erwähnt worden. 

Von den beiden Wiesenschmätzern kann ich Pratincola rubetra mit Stillschweigen 
übergehen, aber über P. rubicola und P. Hemprichi Ehrb. erlaube ich mir auf die 
Spezialia hinzuweisen. Es lagen mir bei der Bearbeitung des kaukasischen Materials 
von diesem Vogel 62 Exemplare vor und ich sollte meinen, dass dies wohl genügend 
wäre, sich eine endgültige Meinung über die artliche Selbstständigkeit zu bilden. Mein 
Resultat ist ein negirendes; die var. Hemprichi waltet in Transkaukasien der Zahl nach 
vor, die normale Form ist bei uns selten. 

Die Drosseln haben erst durch das Auffinden von Turdus atrigularis Nattr. einen 
interessanten Zuwachs erhalten. Ich verdanke das Exemplar und die Mittheilung 
darüber Herın Tancr&. Es wurde nach meiner Expedition im Talyscher Tieflande 
geschossen. Im Uebrigen sind im Kaukasus nur die europäischen Drosselarten 
vertreten und von diesen ist allem der Krammetsvogel (7. pelaris) ein Zugvogel, 


Oscines. 161 


alle anderen machen die Wanderungen von Berg zu Thal und umgekehrt, wie es die 
Jahreszeit bedingt. 

Die einzige COinclus-Art im Kaukasus ist insofern merkwürdig, als sie bald 
mehr, bald weniger dem typischen C. aquaticus, oder dem (©. melanogaster, oder gar 
dem (. cashmiriensis zuneigt und genau mit keinem von den dreien übereinstimmt. 
Es werden also alle drei sicherlich nur geringfügige Abweichungen von (. aquatieus sein. 

Im weiteren Verfolge des systematischen Arrangements bin ich der Schablone 
Severzow's gefolgt, weil es mir dadurch leichter wird, später die statistischen Werthe 
zu gruppiren und gehe von Troglodytes und Bombyeilla zu den Würgern und Fliegen- 
fängern über, die den Schluss der umfangreichen Ordnung der Singvögel bilden. 

Vom Zaunkönig lässt sich nur sagen, dass er recht bedeutend in der Grösse 
varlirt. bisweilen ein wenig dunkler ist, in den Tiefländern Standvogel bleibt und, wenn 
es ihm oben im Winter zu kalt wird, thalabwärts wandert. 

Das zeitweise Erscheinen des Seidenschwanzes unter dem 39—40" nördl. Breite 
ist stets ein untrügliches Zeichen für. harte, dem Vogel bald folgende Winter. An den 
vielen Mistelschmarotzern, welche die Obstwildlinge überall besetzen, findet er, wenn 
die schleimigen Beeren reiten, reichliche Nährung. 

Fünf Zanius-Arten, bei denen sich zum L. exeubitor auch der nur als Varietät 
jetzt erkannte Z. Homeyeri zugesellt, setzen die Gruppe der Würger zusammen. Unter 
ihnen liegt ein für Transkaukasien immerhin noch seltenes Beispiel vor, dass nämlich 
hier nordafrikanisch-indische Arten ihre äusserste Verbreitungsgrenze gegen Norden 
erreichen (2. lahtora Sykes). Meine Vögel aus der Abtheilung der grauen Würger bringen 
auf’s Neue Beweise dafür bei, dass es bei den Umgrenzungen von Weiss und Schwarz 
auf den Flügeln keine mathematische Genauigkeit giebt und dass darauf hin basirte 
Arten früher oder später fallen müssen und nur als Varietäten anerkannt werden dürfen. 
Auch die hellere oder dunklere graue Farbe des Rückens unterliegt bei allen grauen 
Würgern recht bedeutenden Schwankungen. 

Die 4 Fliesenfänger Europas kommen auch im Kaukasus vor und zwar sind 
die dort selteneren hier die häufigen und umgekehrt, die dort gemeinen werden hier 
selten. So liegt mir für Butalis grisola nur ein geringes, für Muscicapa collarıs gar kein 
Material aus dem Kaukasus vor, wogegen ich von M. atricapilla 30 Stück erlegte und 
von Erythrosterna parva 19 Exemplare beschafft wurden. 

Es ergiebt sich nun aus allen diesen Mittheilungen in Bezug auf die artenreiche 
Ordnung der Singvögel Folgendes: 

1) Auf dem Kaukasischen Isthmus leben aus dieser Ordnung vorwaltend central- 
europäische Arten. 

2) Einzelne Genera sind nur durch die Arten Central-Europas vertreten. 

3) Andere Genera sind stark durch solche Asiaten der gemässigten Zone vertreten, 
welche Europa fehlen. 

4) Die nordostafrikanischen und die indischen Formen greifen nur höchst selten 
in die Komposition der kaukasischen Ornis ein und dann immer nur in einzelnen 
Individuen, welche hier die äusserste Grenze ihres Vorkommens gegen Norden 
erreichen. 


Badde, Ornis caucasica 21 


162 Öseines, — Loxia curvirostra. 


Uebersicht der Ärtenzahl aus der Ordnung der Oscinesim Kaukasus, Persien 
und Turkestan, nach Familien geordnet. 


Kaukasus. Persien. Turkestan. 
Fringilidae 23 Arten mit 8 Varietäten. 22 Arten. 29 Arten mit 2 Varietäten. 
Emberixidae 11 Arten mit 2 Varietäten. 7 Arten. 15 Arten mit 2 Varietäten. 
Alaudidae 9 Arten mit 6 Varietäten. 9 Arten. 14 Arten mit 3 Varietäten. 
(Calandrella brachydactyla (Hierbei beide Calandritis 
und pispoletta getrennt.) und Otocorys getrennt.) 
Motaeillidae 13 Arten mit 6 Varietäten. 14 Arten. 12 Arten mit 10 Varietäten. 
(Motaeilla personata getrennt.) 
Turdidae 53 Arten mit 6 Varietäten. 53 Arten. 70 Arten mit 10 Varietäten. 
(Mit Addon und (Davon 12 neue Arten.) 
Aeccentor..) 
Oinclidae 1 Art mit 2 Varietäten. 2 Arten. 3 Arten. 
Troglodytidae 1 Art. DATE. 1 Art mit 1 Varietät. 
Bombyeillidae 1 Art. T -— I Art. 
Lanüidae 5 Arten mit 2 Varietäten. 4 Arten. 9 Arten mit 4 Varietäten. 
Muscicapidae 4 Arten. 4 Arten. 3 Arten. 


(Davon eine indische.) 


121 Arten mit 32 Varietäten. 116 Arten. 157 Arten mit 32 Varietäten. 
(Von diesen viele dem Lande 
eigenthümliche und indische Arten.) 


Subordo 1. 
Granivorae. 


66. Lexia curvirostra L. 
Russisch: Alest. 
Armenisch: Chatschktux. 
Systematisches. 
Ein am 4. /16. April bei Bukuriani erlegtes Weibchen ist durchweg etwas 
dunkler und intensiver gefärbt als Wintervögel aus Schweden. Bei meinem Vogel 
schieben sich am Halse einzelne frische Federn (schon so früh) hervor. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Am 10. /22. Juli 1865 traf ich die Kreuzschnäbel in den Kiefernwäldern bei 
Abastuman (Südfronte der Achalzicho-imeretinischen Wasserscheide) häufig an.’ Diese 
Vögel sind auch Standvögel in den Kiefern-Hochbeständen der Wälder von Borshom, 
seltener aber in den tiefer gelegenen, als in den höheren, und seltener auch in den mit 
Tannen (4. orientalis) durchsetzten, als in den reinen Kiefernwaldungen. Bei dem kleinen 
Dörfchen Bukuriani findet man sie häufig. Dies Dorf liegt auf der obersten Stufe, mit 
welcher das Randgebirge bei Borshom nach Norden abstürzt, in über 5000‘ Meereshöhe. 


Loxia curvirostra. — Loxia pityopsittacus. — Carpodacus erythrinus. 163 


Die Ebene ist ausschliesslich mit Hochkiefern bestanden. Hier machten sich die Kreuz- 
schnäbel Anfang April viel zu schaffen. Zum Theile waren sie noch gerottet, besuchten 
in kleinen Schwärmen das Dörfchen, was sie im Winter beständig thun, spektakelten 
viel, setzten sich hoch in die Kronen der Kiefern und lärmten. Dies währte bis gegen 
8 Uhr früh. Dann ging es an die stille Arbeit. Selten wurde dabei der kurz ausge- 
stossene, einsilbige Ruf gehört. Die Vögelchen hielten sich meistens im Innern der 
Kiefernkronen und bissen die unreifen, geschlossenen Zapfen ab. Sie verhielten sich 
dabei so still, dass man nur das Fallen der Zapfen und das Aufschlagen derselben auf 
den Boden hörte und selten einen arbeitenden Vogel zu Gesichte bekam. Auch die 
Spitzen der Kiefernäste beissen die starken Vögelab. Wo bereits Paarung stattgefunden 
hatte. da verhielten sich die Kreuzschnäbel ausserordentlich still. In den tiefer liegen- 
den Wäldern, sogar noch bis Zagweri (etwa 3000‘) kommen sie als Brutvögel vor, aber 
immer nur im Koniferenwalde. Die Nester bauen sie hier unten im geschlossenen 
Diekichte der orientalischen Tannenbestände. Das Vorkommen der Kreuzschnäbel ist 
an die Verbreitung der Kiefer im Kaukasus geknüpft und da diese gegen SO. hin schon 
im Goktschai-Gebiete nur vereinzelt auftritt und weiterhin gegen Osten die Zapfen- 
bäume durch Laubhölzer vollkommen verdrängt werden, so lebt die Art dort auch nicht 
mehr. Weder de Filippi noch Blanford kennen sie aus Persien. Deshalb kann man 
mit Sicherheit die südöstliche Verbreitungsgrenze des gewöhnlichen Kreuzschnabels 
in das Quell-Land der Algetka, des Chram und der westlichen Quellzuflüsse der 
Akstafa verlegen. { 


67. Loxia pityopsittacus Bechst. 
Russisch: Klest sosnowik, d. h. Kiefern-Kreuzschnabel (Bogdanow). 

Nach dem Zeugnisse Nordmann’s*) ist diese Art im Gurischen Gebirge häufig 
und nistet daselbst. Ich habe sie dort im oberen Adsharien im Sommer 1874 in den 
geschlossenen Hochwäldern von Abies Nordmanniana nicht finden können, obgleich ich 
daselbst Ende Juni, d. h. nach der Brutzeit, reiste; auch bin ich ihr anderweitig im 
Kaukasus in der oberen Waldzone nirgends begegnet. 


68. Carpodacus erythrinus Pall. 
Russisch: Tschetschewixa. 
Systematisches. 

Eine Suite von dreissig kaukasischen Vögeln dieser Art liegt mir vor. Die Vögel 
wurden zum Theile während des Zuges bei und selbst in der Stadt Tiflis (Palais-Garten) 
geschossen, zum Theile aber auch an ihren Brutplätzen im Talyscher Gebirge. Unter den 
Männchen befindet sich ein junger, kaum ein Jahr alter Vogel, welchen ich am 13. / 25. Juni 
bei Tschindankale auf der Höhe des persischen Grenzgebirges in einer Höhe von mehr als 
6000’ über dem Meere erlegte. Der Vogel unterscheidet sich vom alten Weibchen durch 
etwas breitere, grünlich graue Feder-Ränder auf der gesammten oberen Körperseite.* 
Unter den vielen, alten Männchen macht sich eines dadurch besonders kenntlich, dass 
sein gesammtes rothes Gefieder merkwürdig matt erscheint und an das des Rosengimpels 


*) Demidow: Voyage etc. Tome III, pag. 188. 
20 


164 Carpodacus erythrinus. 


erinnert. Dennoch wurde das Exemplar am 24. April / 6. Mai bei Lenkoran erlegt, 
also zu einer Zeit, in welcher die Carmingimpel im vollsten Glanze ihres Hochzeits- 
kleides stehen, obschon sie zu dieser Zeit noch in kleinen Schaaren bei einander leben. 
Wahrscheinlich ist der in Rede stehende blasse Vogel ein zweijähriges Männchen. Ein- 
zelne Männchen, welche bei dem Dorfe Lyrik (Quell-Land der Lenkoranka in Talysch) 
Ende Juni erlegt wurden, beginnen am Halse die Mauser. Zu dieser Zeit ist das ver- 
tragene Prachtkleid dermaassen verstossen und abgetragen, dass es nur dürftig die 
Hals- und Brustflächen deckt. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Der Carmingimpel ist für den gesammten Kaukasus als Sommervogel in der 
gemässigten Zone sehr charakteristisch und häufig. In den heissen Niederungen wird 
man ihn nur kurze Zeit während des Zuges antreffien. Diese gemässigte Zone nimmt 
den breiten Gebirgsgürtel ein, welcher von circa 3000‘ bis zur Baumgrenze (schwankend 
6000 — 7300’ im Mittel) gelegen. Mitte Mai beginnt der herrliche Vogel seinen melodischen 
Gesang und ist dabei unglaublich fleissig. Denn den Carmingimpel hörte ich zu jeder 
Tageszeit, vom frühen Morgen bis zum späten Abend locken, wobei sich stets zwei 
Männchen antworten und dabei in der Spitze eines kleinen Baumes sitzen. Selbst bei 
Regenwetter flöten die Heissigen Sänger ihre Strophen einander zu. In der unteren 
Partie dieser 4000° breiten Zone ist an manchen Lokalitäten der Carmingimpel wohl 
ebenso häufig als Eimberixa cia. So traf ich ihn im Radscha und Letschchum-Gau, 
so flötete er Ende Juni in den Birkenwäldchen am Lapuri-Gletscher. so auch beobachtete 
ich ihn im gesammten Hochthale des Ingur. Bei den Chewsuren und Tuschen war er 
überall in der Nähe ihrer Ansiedelungen zu finden und lebte gerne mit Metoponia pusella 
in Gemeinschaft. So kamen schon frühe während der Morgendämmerung diese hübschen 
Vögel Mitte Juli 1876 in dem Dorfe Dshwari-Woseli (Tuschetien) in die Nähe der 
Wohnung des Priesters und setzten sich auf die wenigen Weiden, welche er in seinem 
Gärtchen angepflanzt hatte, gingen gelegentlich auch auf die Schieferkarniese des Daches. 
Hier sangen sie und war der Carmingimpel durchaus nicht so scheu, wie seine kleineren 
Genossen. Das gesammte Randgebirge des Anti-Kaukasus wird, mit Ausschluss _des 
Basaltheiles, ebenfalls vom Carmingimpel bewohnt und geht er auch überall gegen 
Süden auf das Armenische Hochland, wo es Gebüsche gibt. In Adsharien, an den 
Quellen des Tschoroch, in der Kura-Ebene von Ardagan, am Olti-tschai, an den Quellen 
des Frat traf ich ihn ebenso oft an, als in den Einsamkeiten des Kurdenlandes und im 
Diadin-Gau am Öberlaufe des Murad-tschai bei dem Kloster Surp-Joannes. Die herr- 
lichen Thäler der Karabagher-Provinz, am oberen Gilan-tschai und Migri-tschai wiesen 
ihn überall auf, und es ist ein herrlicher Genuss, die prachtvollen alten Männchen mitten 
in einer erstaunlich üppigen Vegetation, die oft schon basalalpinen Charakter hat, sitzen 
zu sehen und ihr schönes Lied zu hören. Mit Anfang August verstummen die fleissigen 
Sänger und verlässt dann der Carmingimpel mit der flüggen Brut die Unterhölzer, in 
‘denen die Brutplätze gelegen. Ich beobachtete ihn dann oft in hohen Wallnussbäumen, 
wo er auch gerne bei seiner Ankunft im Frühjahre haust. Die tiefstgelegene Oertlich- 
keit an der Südseite des Grossen Kaukasus, an welcher ich den Vogel brütend fand, ist 
die Poststation Ananur im Aragwa-Thale (2700). Am Kasbek ist der Carmingimpel 
nicht sehr häufig, er flötete dort am 9. / 21. Juni im Birkenbuschgehölze. 


Carpodacus erythrinus. — Carpodaeus rubicillus. 165 


Auf dem Zuge erscheint er alljährlich in Tiflis um den 15. / 27. April; die 
meisten Exemplare wurden vom 22. April / 4. Mai bis 27. April / 9. Mai erlegt. Im 
Palais-Garten halten sich dann kleine Banden auf, denen namentlich die frischen, noch 
nicht gereiften Samen der Rüstern munden. Hier wurden sie oftmals durch die jungen 
Grossfürsten erlegt. Ihr Aufenthalt in der heissen Zone hängt ganz vom Wetter ab. 
Im letzten so sehr verspäteten Frühjahre (1882) dauerte die Periode ihres Aufenthaltes 
fast einen Monat. In anderen Jahren blieben sie nur wenige Tage, aber stets noch in 
kleinen Banden und nicht singend. An der Nordseite des Grossen Kaukasus findet sich 
der Carmingimpel auch zur Sommerzeit in den tieferen Gebieten, da ihn Bogdanow”) 
aus der Terekebene erwähnt. Dieses Vorkommen schliesst sich gut an jenes aus höheren 
Breiten an, z. B. von der mittleren Wolga und aus dem Orenburgischen. 


69. Carpodacus rubicillus Güld. 
— (. eaucasicus Pall. 
Taf. VI. 
Systematisches. 


Ich habe bis jetzt nur vier alte Männchen dieses schönen Gimpels beschaffen 
können, von denen ich drei selbst am Kasbek im November 1868 erlegte; drei dieser 
Exemplare (sie waren untereinander ganz ähnlich) habe ich fortgegeben, weil der Vogel 
von den Herren Kollegen sehr gewünscht wird. Ein viertes, welches längere Zeit bei 
mir im Käfig lebte, steht vor mir. Es starb im Januar 1869 und trägt das schöne 
Kleid des alten Männchens. Je älter der Vogel, desto heller werden die silberglänzen- 
den, dreieckigen Spiegelchen der Federn, welche auf dem Kopfe, sehr scharf umgrenzt, 
blendender erscheinen, als auf der Brust. Auf dem Mittelfelde der Brust werden aber 
die carminrothen Töne am intensivsten. Das Kolorit des Rückens recht alter Männchen 
zieht mehr in’s Rothe, als in Braune. Nordmann’s **) Zweifel an der artlichen Selbst- 
' ständigkeit dieses Vogels sind vollkommen unbegründet. Wie manche andere der 
schönen Abbildungen in Dresser’s Werke, so ist auch die der in Rede stehenden Art 
zu gross gezeichnet. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Es ist mir mit diesem schönen Vogel sowohl in Sibirien, als auch im Kaukasus 
sonderbar ergangen. Ich habe seinen Sommeraufenthalt, der zweifelsohne im Hochgebirge 
sich befinden muss, nicht ermitteln können, obschon ich den grössten Theil der Hoch- 
alpen im Grossen Kaukasus ebensowohl, wie auch die isolirten Hochgebirge in Armenien 
öfters besucht habe. Bis zum Jahre 1868 erstand ein hiesiger, jetzt verstorbener, Post- 
beamter in kalten Wintern immer einige lebendige Vögel, über deren Herkunft er mir 
gegenüber aber hartnäckig schwieg. Doch durfte ich mit Sicherheit den Schluss ziehen, 
dass sie von irgend einem Orte der grossen grusinischen Heerstrasse, welche Tiflis mit 
Wladikawkas verbindet, kämen, denn diese Strasse verwaltete besagter Beamter als 
Inspektor der Posten. Als ich nun im November 1868 längere Zeit am Kasbek lebte, 


*) Säugethiere und Vögel der mittleren und unteren Wolga (russ.), pag. 68. 
**), Demidow: Voyage etc. Tome III, pag. 183, 


166 Carpodacus rubicillus. — Bucanetes githagineus. 


um.der Steinbockjagd obzuliegen, ereignete sich Folgendes: Oberhalb der Station Kasbek 
besitzt der Terek ein bedeutend erweitertes Thal, in dessen geräumiger Fläche er in 
mehrarmigem Laufe nicht gar zu wild hinstürzt. Wo nun seit langen Zeiten die Inseln 
zwischen den Terekarmen nicht zu sehr von den Frühlingswassern überfluthet werden, 
hat sich ein dauerhafter Rasen auf dem Gerölle gebildet und allerlei niedrige Sträucher, 
namentlich auch Hippophae' rhamnoides*), in 3—4‘ Höhe gedeihen hier. In diesen 
niedrigen Gebüschen lebte merkwürdiger Weise im November 1868 die schöne, grosse 
Güldenstädt'sche Rutieilla erythrogastra ziemlich häufig (ich habe später nie wieder 
den Vogel, weder im Sommer, noch im Winter dort gesehen) und ich jagte sie dort 
Nachmittags. Es fing bald stark zu schneien an, die Flocken fielen dicht und schlackig. 
Ich hatte schon mehrere Männchen von dem schönen Rothschwänzchen erlegt und eben 
ein Weibchen zum Falle gebracht, welches ich im hohen Schnee an einem Gebüsche 
suchte, als ich „schnurrrmir .....“ — hörte. Da sitzt acht Schritte vor mir der herr- 
liche Gimpel, ein altes Männchen, so dumm und still sitzt er, dass ich es gar nicht 
begreifen kann, giebt mir Zeit, halbe Ladung zu legen und ihn herunter zu schiessen. 
Nun ging es meinerseits an eifriges Suchen, aber es gelang erst am nächsten Tage, 
noch zwei alte Männchen ausfindig zu machen, diese hielten sich in der Nähe der 
Häuser bei dem dort aufgestapelien Getreide auf. Ich habe niemals wieder diesen 
schönen Vogel gesehen. Ich vermuthete, dass sie an der Nordseite des Gebirges in den 
Coniferenbeständen am Oberlaufe des Argunj brüten würden, allein ich habe sie dort 
1876 nicht gefunden und überhaupt nie im Sommer ausfindig machen können. Die 
Turjäger erzählten mir, dass im Sommer diese Gimpel hoch an zerrissenen Gebirgssteil- 
wänden leben und also die Lieblingsaufenthaltsorte der Steinböcke frequentiren. Nach- 
träglich kann ich nun noch berichten, dass auf dem Wege von der Station Kobi über 
den Kreuzberg fort zur Station Gudaur von mir einer dieser Vögel am 10. / 22. Juni 
1879 beobachtet wurde. Es war dort oben in 8000‘ Meereshöhe sehr schlechtes Wetter 
und der Gimpel flog vor dem Dreigespann immer nur auf kurze Distanzen über die 


Steinhanfen fort, welche zur Chaussderemonte fertig gemacht waren. Kleine Flüge vom 


Schneefinken begleiteten ihn. 


70. Bucanetes githagineus Lichst. 


Ich kenne den schönen Vogel nur von der Ostseite des Caspi, wo einzelne 
Pärchen Anfang Juni 1870 bei dem damals neu errichteten Lager von Krasnowodsk 
ab und zu zur Tränke kamen. Ein Irrthum liest hier nicht vor. Persien besitzt den 
Vogel in seiner südlichen Hälfte und wie aus Blanford’s**) Mittheilungen ersichtlich ist, 
auch im Systeme der Elburskette; denn der von ihm, als vielleicht artlich neu, besprochene 
Vogel ist aller Wahrscheinlichkeit nach ein recht altes Weibchen. : Ostwärts ist die Art 
auch durch Hutton in Afghanistan nachgewiesen. 


*) Auch Güldenstädt erwähnt nach Dresser (l. c. pag. 68) derselben Lieblingsnahrung, aber 
nach ihm soll der Vogel in grossen Schaaren leben, was ich niemals sah. 
**) Eastern Persia, P. II, pag. 251. 


Erythrospiza rhodoptera. — Linota cannabina. 167 


71. Erythrospiza rhodoptera Lichst. 
— sanguinea Gould. 
Systematisches. 


Am 4. /16. Januar 1850 wurde bei schlechtem Wetter auf den niedrigen Dünen 
oberhalb Lenkorans ein altes Männchen dieser prachtvollen Art erlegt. Es lebte allein 
und konnten wir trotz eifrigen Suchens auch später den Vogel nicht wieder finden. 
Unser Exemplar stimmt mit der Dresser’schen Abbildung *) vollständig überein. Ob- 
schon das Gefieder schon recht abgetragen ist, so bleibt doch noch so viel von den 
braungrauen Kanten der Federn auf der oberen Körperseite stehen, dass die Kopfplatte 
nicht ganz schwarz erscheint und ebenso die Wängen sich weniger scharf im Kolorit 
von den Halsseiten absetzen, als dies das Bild Dresser’s zeigt. Auch der seitliche, 
weisse Brustring ist bei meinem Vogel schmäler und von lichtem Braun durchsetzt. 
Nur die Spitze des Unterschnabels ist dunkel hornfarben, der ganze übrige Theil getrübt 
gelb, der Oberschnabel ein wenig dunkler, im vordersten Theile, namentlich auf dem 
Firstende blaugrau. Sehr scharf setzt sich bei meinem Exemplare der rothe, breite 
Fleck zwischen innerem Augenrande und Schnabelbasis ab und zeigt keinen schwärz- 
lichen Anfiug. Die oberen Schwanzdecken zeigen um den centralen, dunkler gefärbten, 
spitz geflammt vortretenden Theil eine breite intensiv rosa gefärbte Zone, welche von 
einer ebenso breiten, weissen umfasst wird. Iris und Füsse waren im frischen Zustande 
dunkel, letztere fast schwarz. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Aeusserst seltener Wintergast im Lenkoran’schen Tieflande und hier vereinsamt 
auf den höher gelegenen Dünen nahe vom Meere lebend. Der schöne Vogel kommt, 
vom Unwetter auf dem Iranischen Hochlande vertrieben, in die Uferzone des südlichen 
Caspi. Ohne Zweifel dürfte sich auch die zweite, nahestehende Spezies: EP. obsolela 
Lichst., welche von Blanford**) und de Filippi für Hochpersien nachgewiesen 
wurde, zeitweise im Caspischen Tieflande zeigen. Bei meiner Besteigung des Sawalan 
habe ich weder die eine, noch die andere Art als Sommervogel angetroffen. E. sanguinea 
ist ostwärts in Turkestan, westlich ebensowohl vom Iranischen, wie auch vom Arme- 
nischen Hochlande (Erzerum) und bis zum Libanon in Vorderasien nachgewiesen. Aus 
dem Grossen Kaukasus ist der Vogel noch nicht bekannt. Im Schlunde unseres Exem- 
plares fand ich die Samen verschiedener Gramineen, die auf den Dünen wachsen. 


72. Linota cannabina L. typ. 
et var.: bella Hemp. et Ehrb. 
— fringillirostris bp. 
Russisch: Repolow. 

Systematisches. 
Eine Suite von zweiundzwanzig kaukasischen Exemplaren liegt mir vor. Sie 
wurde bei Tiflis im Winter und Frühlinge, bei Lenkoran und im Talyscher Gebirge vom 
November bis in den Juni erbeutet. Aus dem westlichen Kaukasus besitze ich keine 


*) The birds ete, Part. LI. 
**) Eastern Persia, P. II, pag. 252. 


168 Linota cannabina. 


Exemplare dieser Art. Ich habe es immer nur mit 2. cannabina in der typischen Form 
und in der als Z. bella Hemp. et Ehrb. bezeichneten, welche neuerdings von 
Bogdanow*) wieder artlich getrennt, von Finsch**) aber vereinigt wurde, zu 
thun gehabt. Diese letztere Form ist in der That im Kaukasus die vorwaltende, 
doch kann ich mich darauf hin, dass die weissen Partien der Federkanten breiter sind 
und die dunklern Schaftflecken fehlen und endlich die rothen Färbungen intensiver und 
auseedehnter erscheinen, nicht zur artlichen Trennung bequemen. Es kommt sehr 
darauf an, in welcher Jahreszeit der Vogel erlegt wurde. Sehen wir uns jetzt die Suite 
meiner Hänflinge näher an. 

Ende Februar bei Tiflis erlegte Männchen des Bluthänflings tragen ein noch so 
wenig abgetragenes Gefieder, dass selbst bei älteren Vögeln das Roth der Stirnkappe 
wenig zur Geltung kommt und auf der Brust ungemein abgeschwächt erscheint. 
Jüngeren Männchen fehlt das Roth der Stirnplatte gänzlich. Nicht anders verhält es 
sich mit den Wintervögeln vom Caspi. Ein Ende December 1879 erlegtes Männchen 
(Lenkoran) besitzt die rothen Federfelder auf der Brust fast gar nicht, sie sind voll- 
ständig verdeckt. Gleiches sehe ich auch bei den Vögeln, die im Herbste und Frühwinter 
bei Tiflis erlegt wurden. Alle haben ein mattes Kolorit, die fahlgraubraunen Federränder 
auf der Rückenseite sind sehr breit, aber die dunkeln Schaftflecken markiren sich doch 
gut. Nun giebt es unter diesen Vögeln solche. deren Schaftflecken mehr in’s Rost- 
röthliche ziehen, und andere, bei denen sie mehr braunschwärzlich sind. Zumal an den 
oberen Flügeldecken sieht man das deutlich. Wenn die ersteren nun den Winter hin- 
durch leben, ihr Kleid vertragen und im März sich zur Hochzeit anschicken, so 
erscheint ihr Rückenmantel fast einfarbig dunkel zimmetfarben, Stirnkappe und Brust 
sind sehr lebhaft roth, es dehnt sich die herrliche Farbe zu den Flanken hin und ist das 
Männchen recht alt, so sind sogar einzelne Federn des unteren Rückens entweder röth- 
lich überflogen, oder sogar intensiver roth gefärbt. Es giebt nun solche Individuen mit 
breiten weissen Schwingen- und Schwanzfeder-Rändern und andere mit schmäleren. 
Im ersteren Falle steht L. bella in reinster Form vor uns. Keinesweegs aber fehlen bei 
dieser stets die dunkeln Schaftllecken im Rückengefieder. Das scheint mir bei den 
Vögeln nur eine Zeitfrage zu sein. Typische Z. bella, Ende März bei Lenkoran 
geschossen, besitzt die Flecken noch, ein Vogel vom 12./ 24. Mai, bei Tiflis erlegt, 
zeigt sie in geringerem Grade, ein im Talyscher Gebirge (Rüs-jurdi) am 14. / 26. Juni 
geschossenes Männchen trägt den Neckenlosen Mantel. Da nun die Breite der weissen 
Federkanten variabel, das Kolorit in Braun und Roth eine Frage des Alters und der 
Jahreszeit ist, so kann ich nach bester Ueberzeugung nicht trennen, sondern stehe auf 
Severzow’s”**) Standpunkt, den auch Finsch einnimmt, welche beide 2. bella nur als 
Varietät von L. cannabina betrachten. Die vermittelnden Uebergänge vom frischen 
Winterkleide (Oktober) bis zum leuchtenden Hochzeitskleide (Mai, Juni) liegen in meiner 
Suite reichlich vor. Die Weibchen geben mir zu keinen Bemerkungen Veranlassung. 
Zwei junge Vögelchen, am 15. / 27. Juni in S000' Meereshöhe ergriffen, sind nicht aus- 
gewachsen, und schieben sich bei dem einen die Steuerfedern erst hervor. 


*) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 62. 
**) Reise nach West-Sibirien. wissenschaftliche Ergebnisse, 1. c. pag. 94. 
***) Journal für Ornithologie, 1875, pag. 173. 


Linota cannabina. — Linota brevirostris. 169 


In der Grösse sind die Schwankungen im Totalwuchse bedeutend; ich ermittelte: 


typ. var. bella 

L. cannabina: jur A 
mm mm 
Totallangeny a, m eaare nu 146 122 
Flügelbug bis Spitze . . . . . . 79 79 
Schwanzlängen ee 59 57 
Schnabel auf der Firste gemessen . 10 9 
Eee a ee Een] ao) 16 


Lebensweise und Verbreitung. 

Als Sommervogel kenne ich den Bluthänfling vornehmlich nur aus dem Gebirge. 
Er brütet z. B. in den Wäldern von Abastuman (5000‘), zumal in Kiefernbeständen. 
Wald ist ihm aber keineswegs unbedingtes Bedürfniss. Auf der ganzen Strecke von 
Mleti bis zum Kasbek fand ich die Hänflinge im Sommer häufig. Im Kleinen Kaukasus 
traf ich ihn im Gebiete des Rhododendron und sogar noch oberhalb dieser Zone an. 
Man kann ihm zuversichtlich eine Breitenzone von 10000‘ in der Vertikal-Richtung 
zumessen *). Am Sawalan brütete er in den niedrigen ‚Juniperus-Gebüschen (9—10000'). 
Im Sommer ist er in den tiefer gelegenen Distrikten selten, oben häufig und wandert, 
wie alle anderen Fröngilla-Spezies, zum Winter thalabwärts. In der oberen Baumgrenzen- 
Zone des Grossen Kaukasus ist er nicht selten und brütet. Am 24. August / 5. Sep- 
tember 1864 hatten sich in der oberen Radscha, unweit von Glola (4600‘) auf den 
Lichtungen zwischen den Zapfenbäumen (Abies orientalis) die Familien bereits gerottet. 
Am zeitigsten von allen Finken, die im Gebirge brüten, steigt diese Art thalabwärts 
und begiebt sich auf die breiter werdenden Thalsohlen der Gebirgsflüsse; dort halten 
sich die Flüge schon Ende September in grossen Mengen auf den licht bestrauchten 
Inselchen (Pyrus, Orataegus etc.) zwischen den Frühlingswasser-Gerinnen auf. So 
beobachtete ich sie im Aragwa-Thale. Mitte März sind die kleinen Flüge, welche im 
Winter bei Tiflis zusammenhielten, gesprengt. Die Individuen sind dann sehr lebhaft 
und locken beständig; es geht zum Nestbau. 


73. Linota brevirostris Gould 
— L. erythropyga Bogd. 

Ich nehme diese Art nur nach dem Zeugnisse Bogdanow’s*”) auf, und zwar als 
Brutvogel an der Nordseite des Grossen Kaukasus. Von dem Armenischen Hochlande 
(Erzerum) durch Gould seit 1838 bereits bekannt ***), ist sie vielleicht nur die 
östliche, hellere Varietät von L. flavirostris, welche im Kaukasus beginnend über Nord- 
persien gegen NO. bis in die Mongolei verbreitet ist. Nach den Diagnosen zu urtheilen 
repräsentirt die in Rede stehende Art 2. flavirostris in durchweg hellerem Kleide. 


*) Blanford (Eastern Persia, P. II, pag. 248) fand ihn in der Elburs-Kette bis zu einer Höhe 
von 8000‘ über dem Meere. 
”*) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 66, Nr. 63. 
*==) Dresser, The birds etc. Parts LXXI et LXXTIL. 


5 
Badde, Ornis caucasica. 22 


170 Linota flavirostris. — Linota linaria. — Carduelis elegans. 


74. Linota flavirostris L. 


Zu wiederholten Malen wurde mir diese Art von den Vogelfängern in Tiflis in 
schneereichen Wintern lebendig gebracht, und lebten mehrere Männchen eine Zeit lang 
in Gesellschaft von Stieglitzen, Zeisigen und der schönen Metoponia pusilla in den Volieren. 
Dieses waren typische Z. flavirosiris — L. montium Gmi. Während meiner Reisen 
habe ich den Vogel indessen im Hochgebirge nicht angetroffen und sah und erlegte 
stets nur Z. canmnabina. So auch bei Kobi, wo an der steilen Felsenwand der gewöhn- 
liche Bluthänfling mit dem Schneefinken und dem Alpenflühvogel brütet. 


75. Linota linaria L. 
Russisch: Tschetschoska, auch Tschetschetschok. 


Die erste Angabe über das Vorkommen des Birkenzeisigs im Kaukasus als Alpen- 
vogels hat Mönetries*) in seinem „Catalogue raisonnd* gegeben. Pallas**) schweigt 
über das Vorkommen des Vogels in den Kaukasus-Landen, Nordmann ***) ebenfalls, 
Dresser?) kennt ihn nicht aus Kleinasien. Ich glaube mich nicht getäuscht zu haben, 
als ich ihn im Gebiete von Kars 1867 erkannte. Herr Grosmani, der mehrere Jahre 
am Goktschai-See lebte und ein kenntnissreicher Jäger ist, sagte mir, dass der Birken- 
zeisig, russisch TSchetschetschok, im Frühwinter in kleineren Schaaren bei Nowo-Bajaset 
erscheine. Er unterscheidet sehr wohl den Repolow, d. h. L. cannabina von L. linaria 
und kennt sie beide sehr gut. Neuerdings hat endlich Christoph kleine Banden von 
Leinfinken in den Umgegenden von Kasikoporan (Quell-Land des Aras) Anfang August 
beobachtet, wie er mir mittheilte. 


76. Carduelis elegans Steph. 
Russisch: Schtscheglok. 
Persisch: ‚Seöre. 
Tatarisch: Dsegalei. 
Armenisch: Karmir-Katar. 
Systematisches. 

In Allem stimmen die Kaukasier mit den deutschen Stieglitzen überein. Bei 
recht alten Männchen mischt sich Schwefelgelb in das Brust- und Bauchgefieder und das 
Weiss an den Enden der Flügelfedern, wie auch an den mittleren Schwanzfedern, nimmt 
an Umfang sehr bedeutend zu, so dass es auf den letzteren recht breite Keilbinden 
bildet. Die meisten meiner Vögel wurden im November erlegt und tragen das frische 
Kleid. Ein im Mai bei Derbent erlegtes Männchen hat das Gefieder dermassen verstossen 
und abgetragen, dass von der schwarzen Kopfplatte und dem seitwärts erweiterten 
Nackenhalbring nur noch Spuren zu erkennen sind ; auch sind die weissen Endflecken 
der Schwingen total abgerieben. 


*) Catalogue rais., pag. 42, Nr. 107. 

==) Zoogr. rosso-asiat., T. II, pag. 25. 

**=*) Demidow: Voyage etc. Tome IH, pag. 185. 
7) The birds ete. Parts LVII et LVIH, 1877. 


Carduelis elegans. — Montifringilla alpicola. 171 


Lebensweise und Verbreitung. 

Der Stieglitz gehört der heissen und gemässigten Zone im Kaukasus an, man findet 
ihn in einzelnen Paaren im Sommer noch in Höhen von 5—6500‘ über dem Meere, doch 
bevorzugt er auch im Sommer die wärmeren Gegenden. Er nimmt mit ödem Terrain, 
wenn es nur reichlich die geliebten Distelarten ernährt, vorlieb, meidet aber auf das 
entschiedenste die Salzsteppe. In den wüstenartigen Steppen jenseits des Caspi, bei 
dem Lager von Krasnowodsk tummelten sich viele Stieglitze im Juni 1870, aber nur da, 
wo sandiger Boden war. Ich suchte dort vergebens (©. orientalis Eversm. — caniceps Vig. 
In der Mugan-Steppe bearbeiteten die Stieglitze schon im Mai gesellschaftlich die reiferen 
Köpfe von Carduus marianus, bei Eriwan fanden wir ihn im Juni bei anderen Distel- 
arten ebenso eifrig beschäftigt. Er steigt im Sommer allmählich höher, weil eben unten 
die Disteln zeitiger reifen und ihm bald seine Lieblingsnahrung nicht mehr bieten. Im 
Juli 1875 traf’ich ihn am Goktschai-See, namentlich auf Brachen mit diversen Carduus- 
Arten. Bei Nowo-Bajaset gehört der Stieglitz zu den Seltenheiten, namentlich im Winter 
sieht man ihn nur vereinzelt. Im Winter ist: er bei Tiflis und auf dem ganzen Wege 
nach Osten hin die häufigste Fringilliden-Spezies, wird aber mit dem häufigeren Auftreten 
der Salzsteppen seltener gegen Osten hin. Gemein ist der Vogel im Talyscher Tieflande. 
In der mittleren Waldzone, z. B. bei Manglis, gab es Stieglitze, die in den Kronen alter 
Kiefern brüteten. In Derbent und Lenkoran bauten sie in der Stadt auf nicht sehr 
hohen Akazien. 


77. Montifringilla alpicola Pall. 
Taf. VII. 
Russisch: Gornyi Wjurok (Bogdanow). 
Systematisches. 

Zehn Exemplare liegen vor, sie stammen aus dem Grossen Kaukasus (Kobi) 
und vom Sawalan. Blanford*) trennt bereits den schon von Pallas** gut 
beschriebenen Schneefinken des Kaukasus als M. alpicola Pall. von M. nivalis Briss. 
und ich muss ihm aus folgenden Gründen beistimmen: Ich finde, dass 

1) die Schnäbel aller meiner Vögel konstant viel grösser sind, als bei M. nivalıs, 
welcher mir in Exemplaren aus der Schweiz vorliegt; 

2) keiner meiner Vögel die aschgraue Färbung des Kopfes, Halses und der Seiten 
besitzt, welche sich gegen die braune Färbung des Rückengefieders deutlich bei 
den europäischen Individuen absetzt, sondern dass die ganze obere Seite, von der 
Stirn angefangen über den Hals und Rücken fort, stets einfarbig braungrau ist. 

Da ich bis dato keine Uebergänge finden kann, so folge ich Blanford’s Bei- 
spiele. Meine Kleider repräsentiren ebensowohl die Hochzeitskleider, als auch die frisch 
vermauserten, neuen Herbstkostüme, denen natürlich die schwarze Kehle fehlt. Halte 
ich typische Männchen aus der Schweiz von M. nivalis den Kaukasiern gleichen 
Geschlechtes gegenüber, so sehe ich: 


*) Eastern Persia, Vol. II, pag. 248. 
=“) Zoogr. rosso-asiat., T. II, pag. 20. 


22 * 


172 Montifringilla alpicola. 


| M. alpicola, M. mivalis, 
Sawalan, Kobi. St. Gotthard. 

den. Konkrete | dunkel graubraun, aschgrau, heller als die 
| gleich der Rückenfarbe, Rückenfarbe. 
| oder dunkler. 

die kleinen Handwurzeldecken . | mehr weiss. weniger weiss. 

die schwarze Zone auf dem Bürzel | breiter, namentlich bei | kaum angedeutet, oder 
| alten Männchen. ganz fehlend. 


I) 
| 


In den plastischen Verhältnissen sind die Vögel bis auf die Schnäbel überein- 
stimmend, ebenso in der weissen Farbe auf Flügel und Schwanz. 


| M. alpicola Pall. | Br a 
| Kobi d 'Sawaland| Kobi Q 'Sawalan 9 Schweizd 
| mm mm mm | mm | mm 
Totallänge . . weise aest |, 163..1 109 9163 Motu 
Ho en | 112.1 2113 | ma | Sog ne 
Schwanzlänge . . . zo 7) 75 75 77 
Der Schnabel auf der Kiste, gemessen | 5 | 15 16 15 12 
Mundspalte . . . ke 17 18 14 
Höhe des Shelels, an der Wurzel | On 9 9 ® 8 
Darsusı on 20 21 21 23 
| 


Was nun noch die Farbe des Schnabels anbelangt, so scheint sie weniger von 
der Jahreszeit, als von der Mauser abzuhängen. Die alten, männlichen Vögel meiner 
Suite haben im Hochzeitskleide alle pechschwarze, wachsglänzende Schnäbel. Sie wurden 
Anfang Mai bei Kobi erlegt und tragen abgenutztes Gefieder. Ein Männchen vom 
14. / 26. Juli von derselben Lokalität, welches sich namentlich in voller Mauser am 
Kopfe befindet, zeigt die Basis des Unterschnabels bereits gelb, alles andere ist noch 
schwarz. Andere zwei Männchen, eben von da, tragen bereits das neue Kleid und 
besitzen gelbe Schnäbel, an denen nur die obere Fläche des Oberschnabels hornfarben 
ist und zur Spitze hin dunkler wird. Ein Weib vom Sawalan, Ende Juni erlest, trägt 
das abgefärbte alte Kleid und besitzt den Schnabel, wie jene zuletzt erwähnten beiden 
Männchen. Die Mauser anlangend, so vollzieht sie sich sehr rasch, aber durchaus nicht 
bei allen Individuen zu derselben Zeit. Ende Juli ist sie meistens vollendet; die Nächte 
werden kalt und der Vogel muss im August gegen die im Hochgebirge zeitig eintretenden 
Nachtfröste gesichert sein. 


Lebensweise und Verbreitung. 
Schon Pallas*) erwähnt die Häufigkeit der Schneefinken im Kaukasischen und 
Hyreanischen Hochgebirge. Ich habe den Vogel in der alpinen Zone überall gefunden 


*) Zoogr. rosso-asiat., T. II, pag. 20. 


Montifringilla alpicola. — Fringilla montifringilla. 173 


und wenn er auch im Winter um ein Weniges tiefer thalabwärts seinen Aufenthalt 
nimmt, so wird man ihn auch dann gewöhnlich höher, als die Baumgrenze gelegen ist, 
finden. Dieser Vogel wird am wenigsten von allen im Hochgebirge lebenden Arten 
durch Kälte und Schnee zum Wandern veranlasst. Es liegt mir kein einziges Beispiel 
darüber vor, dass er bis in die Flächen der breiten Thalsohlen selbst im härtesten 
Winter herabsteige. Auf dem waldlosen Hocharmenien findet er sich übrigens in tieferen 
Gebieten als im Grossen Kaukasus. Denn bei Achalkalaki und Alexandropol wintert er in 
einer Höhe von 5000’ über dem Meere. Im Grossen Kaukasus fand ich ihn im November und 
Dezember bei Gudaur, auf dem Kreuzberge und bis zur Station Kasbek. Auf der Strecke 
abwärts gegen Süden bis Mleti und gegen Norden bis Lars war er im Winter viel seltener 
und fehlt im Sommer ganz. Im Waldgebiete habe ich ilın niemals gesehen und dieses etwa 
überspringend wird er nicht in den Ebenen der Vorberge angetroffen. Die kleinen 
Gesellschaften, ii denen er lebt, setzen sich meistens aus 6—10 Individuen zusammen, 
welche sehr friedlich und phlegmatisch sind. In grosser Anzahl brütet der Schneefink 
an den spaltenreichen Steilwänden bei der Poststation Kobi, dort ist er zur Brutzeit 
nicht allein in Gesellschaft des Hausspatzen, sondern auch mit Accentor alpinus, Linota 
cannabina and mit der Steindrossel nachbarlich placirt. Es brüten durchaus nicht alle 
Individuen, denn man kann jeder Zeit bei der Passage des Kreuzberges kleine Schwärme 
von 6—12 Individuen beobachten, die auch während des Mai und Juni sich beisammen 
halten und die Halden absammeln. Bei der Besteigung des Sawalan traf ich die Schnee- 
finken noch in einer Höhe von mehr als 10000° an. Anfang November 1879 tummelten 
sie sich in einer Höhe von circa 4500'° bei dem Dorfe Slawjänka auf dem Wege nach 
Kedabeg in Gesellschaft der Alpenlerchen. 


78. Fringilla montifringilla L. 
Russisch: Wjurok. 
Systematisches. 

Auch über meine Bergfinken lässt sich nichts sagen, was sie von schwedischen 
oder deutschen Vögeln unterscheide, wenn man Alter, Geschlecht und Jahreszeit bei der 
Beurtheilung der Exemplare in Anschlag bringt. Im Januar erlegte Männchen haben 
die Spitzen des schwarzen Gefieders von Kopf und Rücken noch so wenig abgerieben, dass 
dieses mehr braun als schwarz erscheint. Ich besitze nur frische Herbst- und Früh- 
winter-Exemplare. Pallas’*) Anmerkung, dass die Kaukasier und Perser dieser Art 
ein wenig grösser seien, als die Russen, kann ich nicht bestätigen. Ich besitze deutsche 
Exemplare, die grösser erscheinen als die meinigen, was oft von der Präparation ab- 
hängt. Das mattere Kolorit lässt sich leicht nach der Jahreszeit, in welcher der Vogel 
erlegt wurde, erklären. 


Lebensweise und Verbreitung. 
Bisweilen nach tiefem Schneefalle erscheinen die Bergfinken in grossen Schwärmen 
in Transkaukasien. So lebten sie in den Ebenen des mittleren Alasan im März 1866 
und im Januar 1864 bei Tiflis in Flügen, die nach Hunderten zählten. Vereinzelt traf 
ich sie an den Quellen des Schamchor Anfang November an. Sehr auffallend war es, 


*) Zoogr. rosso-asiat., T. II, pag. 18. 


174 Fringilla montifringilla.. — Fringilla coelebs. 


dass ich den Bergfinken nirgends in der Küstenzone des westlichen Caspi-Ufers antraf. 
Blanford*) und seine Mitarbeiter haben ihn aus ihrem Gebiete ebenfalls nicht mit- 
gebracht und führten ihn nur nach dem Zeugnisse Pallas’ auf. Bogdanow **) nimmt 
ihn nach Angaben von Hohenacker, Kolenati, Kaleniczenko und Nordmann 
ebenfalls nur als Wintervogel auf und hat ihn, da er im Sommer reiste, nirgends 
gesehen. Den grössten Theil der katkasischen Hochgebirge kenne ich gut und bin ihm 
dort während des Sommers nirgends begegnet. Der Vogel brütet im Kaukasus nicht. 


79. Fringilla coelebs L. 
Russisch: Sablik. 
Armenisch: ‚Serznos. 
Systematisches. 

Alle meine Buchfinken, sechszehn kaukasische Exemplare, verglichen mit central- 
europäischen und schwedischen, stimmen vollkommen nach Alter und Geschlecht mit 
ihnen überein. Ich kann allenfalls nur erwähnen, dass die Hochzeitskleider aus dem 
Talyscher Tieflande um ein Geringes intensiver und dunkler erscheinen, als die der 
centraleuropäischen Exemplare. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Der gesammten Waldzone, vom Niveau des Pontus und Caspi bis zur Baum- 
grenze, d. h. 6000—7300° Meereshöhe, angehörend und Buchenwälder (Fagus) bevor- 
zugend. Wintert zum grossen Theile in den Ebenen der Vorberge und sucht dann 
bewohnte Orte auf, wo er in Gesellschaften gerne in den hohen Wallnussbäumen um 
die Mittagszeit ruht. So findet man den Buchfinken schon im Oktober in kleinen Banden 
in den Gärten der deutschen Kolonisten bei Tiflis und im Mudtschehid-Garten. Mit 
zunehmender Kälte und namentlich bei Schneefall treffen mehr und mehr Finken ein. 
In solchen Flügen, die sich nicht selten zu den Hausspatzen gesellen, waren 1864 die 
Weibchen viel zahlreicher, als die Männchen. Gemeinschaftlich mit Goldammern und 
Haubenlerchen besammeln die Buchfinken im Winter auch die Landstrassen. Der gänz- 
liche Mangel an Finken Ende März 1866 auf der Strecke Weges von Tiflis nach Nucha 
war sehr auffallend. Ich erkläre ihn mir dadurch, dass hier hinreichendes Krüppelgehölz 
fehlt und deshalb auch die Amsel, der Zippammer und der Häher nnr in geringer Zahl 
anzutreffen sind. Auf der Strecke Weges von. Tiflis bis jenseits Akstafa gab es überall 
Anfang November 1879 Buchfinken und oft auch im buschlosen Hügelterrain. Diese 
waren bereits aus den Wäldern des Akstafa-Gebietes thalabwärts gezogen und blieben 
im Kurathale, so weit dieses Gartenanlagen oder Reste ehemaliger Wälder besass. Nur 
breite, weite Ebenen, die absolut kein Gebüsch besitzen, meidet der Edelfink. So über- 
springt er die öden Gegenden von Baku und die Mugan und tritt sofort im Talyscher 
Tieflande massenhaft im Winter auf. Ein Theil der Vögel bleibt sehr lange in den 
Hochwäldern des Gebirges. Exemplare aus dem Quellgebiete des Schamchor, im November 
geschossen, liegen mir vor. Die Brutplätze der Finken liegen vornehmlich in den statt- 


*) Eastern Persia, P. II, pag. 247. 
**) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 62. 


Fringilla coelebs. — Metoponia pusilla. 175 


lichen Buchenwäldern, die in Colchis zwar bis zum Meeresufer, untermischt mit anderen 
Laubhölzern, herabsteigen, ihre höchste Pracht aber zwischen 4—7000‘' Meereshöhe 
erreichen. So auch in Massenderan, wo vor der Buchenzone mit ihren Finken ein 
breiter Gürtel mit der charakteristischen Parrotia sich zum Meere hindehnt. Am schönsten 
‚schlugen die Finken in den reinen Buchenhochbeständen auf dem Saguram- und Sabadur- 
Gebirge im N. von Tiflis, auf dem Wege nach Tioneti. Sie sangen dort noch Ende 
Juni; doch will es mich dünken, dass die kaukasischen Finken in Bezug auf den Gesang 
eine Race bilden und- zwar keine besonders gute. Ich finde den Schlag zwar sehr 
kräftig, allein zu kurz. In den herrlichen Wäldern Borshoms, zumal in den gemischten 
Laubholzbeständen, brüten viele Finken. In Tiflis brütet er mitten in der Stadt in 
wenigen Paaren im Palaisgarten. Ich fand ihn ferner als Brutvogel überall im Gebiete 
der Baumgrenze, so z. B. am Tschitcharo, Ende Juni 1864, wo er in Gesellschaft von 
Dompfaffen, Misteldrosseln und Carmingimpeln angetroffen wurde. In der oberen 
Radscha hatten sich die Finken am 24. August /5. September desselben Jahres bereits 
zu kleinen Banden gerottet und mieden die Koniferenwälder. Auch an Lokalitäten 
mit ungewöhnlichem Vegetationstypus fand ich Buchfinken; so belebten sie die Dickichte 
der 20—40° hohen Buxusbäumchen in der Ingurschlucht, in denen sie die einzigen 
Vögel waren. Mit zunehmender Kälte (bis — 5°) und namentlich nach tiefem Schneefalle 
wurden die Buchfinken Anfang Februar in Lenkoran die zutraulichsten Stadtvögel. 
Singdrosseln, Weindrosseln, Krammetsvögel, Staare lebten mit ihnen zusammen in der 
Nähe der Häuser. Alle diese armen Vögelchen überstanden eine arge Hungersnoth, 
waren meistens entsetzlich abgemagert (namentlich die Insektenfresser) und liessen sich 
bisweilen ohne Mühe am Boden ergreifen. Am 15. / 27. März sangen die Finken schon 
recht eifrig in Lenkoran bei schönem Wetter, aber auch hier hörte ich nur kurze und 
schlecht gesungene Strophen. Die Paarungszeit hängt sehr wesentlich vom Wetter ab. 
Ende April 1882 schlug in Borshom noch kein Fink. Um das zu erklären, muss ich 
bemerken, dass in diesem Jahre der Frühling sich um einen vollen Monat verspätete, 
und dass damals in einer Höhe von 2600’ über dem Meere die Birken kaum auszuschlagen 
begannen, während in normalen Jahren Syringa in voller Blüthe steht. Am 18. / 30. Mai 
schmetterten die Finken überall, es standen nun erst die Linden im vollen Laube da. 


80. Metoponia pusilla Pall. 
NE 


Russisch in Tiflis: Malinowka, wegen der himbeerrothen Kopfzeichnung; der Name Bog- 
danow’s: Korolkowyi Wjwrok ist mir hier niemals vorgekommen. 


Systematisches. 


Ich behandle ein Material von zwanzig kaukasischen Exemplaren dieses schönen 
Vögelchens. Die meisten davon wurden im Winter erlegt und tragen, je nach dem Alter, 
das mehr oder weniger markirte Prachtkleid. Das intensive glänzende Granatroth der Stirn 
erreicht bei den Männchen seine höchste Entwickelung im März und April. Dann auch 
sind die zarten, hellgrauen 'Federränderchen der schwarzen Hals- und Kopffedern voll- 
ständig abgerieben und ein tiefes, einförmiges Schwarz ist über diese Theile verbreitet. 
Um diese Zeit steigert sich dann auch der gelb-röthliche Ton der Flanken- und Leib- 


176 Metoponia pusilla. 


federn, was um so mehr geschieht, je älter der Vogel ist. Dresser’s*) schöne Abbildung 
repräsentirt ein Männchen im frischen Herbstkleide und nicht gar zu alt. Die Stirn- 
platten der meisten meiner Exemplare sind viel feuriger roth und keiner meiner Vögel 
hat die Bürzelbinde so breit und rein in Orange, wie sie das Bild zeigt. Einigen 
Exemplaren fehlt sie ganz, bei anderen ist sie nur angedeutet. Ich besitze auch aus 
dem Talyscher Grenzgebirge ein altes Männchen vom 15. / 27. Juni. Dasselbe ist sehr 
dürftig bekleidet und total abgeblichen, die Stirnplatte ist fuchsig geworden, das Schwarz 
fahl, nirgends deckt das Gefieder ganz. Das Kleid des Weibchens ist am Kopfe recht 
variabel, was namentlich vom Alter des Vogels abzuhängen scheint. Bei den meisten 
alten Weibchen erstreckt sich das Schwarz der Brust und des Halses bis zur Basis des 
Unterschnabels. Nur ein Exemplar, am 16./ 28. März bei Tiflis erlegt, hält die Um- 


grenzungen, wie sie die Dresser'sche Abbildung giebt, ein. Stirnplatte, Kopf und, 


Ohrengegend sind bei den meisten Weibchen schön gesättigt braun und an der Stirn 
schimmert hie und da Roth durch. > 


Lebensweise und Verbreitung. 


Als Sommer- und somit auch als Brutvogel findet man den Zwergzeisig wohl 
im gesammten Kaukasischen Hochgebirge von circa 5000‘ an aufwärts bis in die alpine 
Zone. Ich habe ihn neuerdings in Chewsurien und Tuschetien fast überall in dieser 
Zone im Sommer 1876 nachgewiesen. Bei dem Dörfchen Dshwari-Woseli war er häufig, 
bei Tschontio, dem höchsten Dorfe im Tuschen-Lande, fehlte er ebensowenig, als bei Guro 
und Ardoti im wilden Chewsurien. Auf der grusinischen Heerstrasse liegen die Brut- 
plätze an der Südseite schon bei der Station Mleti (5000). Auf dem Armenischen 
Hochlande traf ich ihn seltener an, doch brütet er sicherlich im oberen Adsharien, wo 
ich ihn zu Paaren Abends bei der Tränke beobachtete. Der Entdecker dieser zierlichen 
Art, Pallas **), giebt sie als Wintervogel für die basalalpine Zone Massenderans an und 
verweist sie für den Hochsommer in die Hochalpen. In strengen Wintern tritt auch 
diese Spezies tief thalabwärts in die wärmeren Vorberge und schwärmt in kleinen 
Trupps ganz in der Art anderer Fringilliden. So traf ich sie auch östlich von Minge- 
tschaur im Kurathale Ende Januar bei der Station Arabskaja, wo vier Exemplare erlegt 
wurden. In Tiflis fällt der zierliche Zwergzeisig nicht selten in’s Garn und wird ziem- 
lich theuer ‘(bis zu 1 Rubel das Männchen) bezahlt. Dieses singt sehr angenehm und 
lebt im Allgemeinen wie der gewöhnliche Zeisig. Die Fringilliden-Voliere des kleinen 
Museums-Gartens besitzt gewöhnlich neben dem Stieglitz, dem Berg- und Edelfinken, 
dem Grünling, auch diese Art, welche ich aber höchstens zwei Jahre erhalten kann. 
Die Hitze im Sommer ist den reizenden Vögelchen zuwider. In kleinen Stubenkäfigen 
halten sie sich noch schlechter. Aus dem Lenkoran’schen Tieflande ist mir die Art 
zur Winterzeit nicht bekannt geworden, wohl aber brütet sie im Talyscher Gebirge und 
auf dem Sawalan. 


*) The birds etc., Parts LV et LVI, Dec. 1876. 
»*) Zoogr. rosso-asiat., Vol. II, pag. 28. 


Chrysomitris spinus. 177 


81. Chrysomitris spinus L. 
Russisch: 7schish oder Tschishik. 
Tatarisch: Kain-basch. 
Armenisch: Tarinos. 
Systematisches. 

Ein Dutzend Exemplare aus dem Kaukasus liegen mir vor, sie stammen zum 
kleineren Theile aus den Umgegenden von Tiflis, zum grösseren von Lenkoran, wo sie 
namentlich im Februar recht häufig in kleinen Banden erschienen und die hohen Ellern 
an den Wasserläufen frequentirten. Die Zeisige Transkaukasiens, welche von den Vogel- 
stellern nach starkem Schneefalle in Tiflis oft zu Markte gebracht werden, stimmen 
mit deutschen und schwedischen Vögeln vollkommen überein. Mir sind unter allen 
diesen Zeisigen, deren ich wohl einige Hunderte gesehen, weder serinus typ., noch 
die ihm nahestehenden orientalis und hortulanus zu Gesichte gekommen, welche 
bekanntlich im westlichen Theile von Kleinasien leben. Bei den alten Männchen meiner 
Suite ist das Gelb der Unterseite schon Mitte Februar sehr leuchtend und zwar bei 
allen Exemplaren. Der schwarze Kehlfleck fehlt einzelnen alten Männchen vollständig, 
andere besitzen ihn nur andeutungsweise, dagegen reicht er bei wieder anderen bis auf 
die Hälfte des Halses herab. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Als ich am 30. Juni / 12. Juli 1864 nach der gefährlichen Passage des Neschka- 
Gebirges (Scheide beider Hippos-Quellen im Dadian’schen Swanien, nahe vom Lapuri- 
Gletscher gelegen) mich auf ein Firnfeld der Nordseite setzte, um in die Tiefe zu 
rutschen und diese Fahrt glücklich vollbrachte, kam ich unten am Rande dieses Feldes 
in trühlingsgrüne Weiden (eine neue Art, von Herrn v. Trautvetter*) als Salix apus 
beschrieben), und es tummelten sich dort kleine Schwärme von Zeisigen. Die Meeres- 
höhe des Platzes mochte wohl 8000’ betragen. Auch in den tiefer stehenden Birken, 
die kaum ihr Laub entwickelt hatten, traf ich Zeisige an, jedoch nicht gepaarte. 
Blanford **) weist unseren Vogel aus grosser Meereshöhe im Elburs-Gebirge nach. 
Am 14. / 26. Juli 1865 begegnete ich solchen kleinen Trupps bei der Passage des S’ekar- 
Passes, im Norden von Abastuman. Auch hier hielten sich die Vögelchen im lichten 
Birkengehölze auf und bewohnten damals nicht die tiefer stehenden Ooniferen-Hochwälder 
und Erlenbestände an den Bachufern. Dagegen fand ich in Bukuriani (5000‘) gerade 
Anfang April die Zeisige zum Theile noch geschaart, aber auch schon beim Neste, vor- 
nehmlich im Kiefernwalde, wo sie mit den Kreuzschnäbeln sich tummelten und lärmten, 
immer die Spitzen der hohen Bäume suchend. In den Laubwäldern von Talysch traf ich in 
einer Höhe von 3000° über dem Meere einzelne Zeisige ebenfalls an. Sind die Winter gelinde, 
so besuchen die Zeisige die wärmeren Gegenden gar nicht. Im Januar 1864 suchte ich sie 
vergebens in den Umgegenden von Tiflis. Harte Winter bringen sie thalabwärts, und 
werden sie dann auf frischem Schnee bei Tiflis oft gedeckt und als Stubenvögel ver- 
kauft. Meine Suite Lenkoranischer Vögel wurde im Februar gesammelt. Ich darf 


*) Vergleiche meine „Berichte über die biologisch-geographischen Untersuchungen in den Kau- 
kasusländern, 1866, Tiflis“, pag. 70 und pag. 162. 
**) Eastern Persia, P. II, pag. 247. 
Badde, Ornis caucasica. 23 


178 Chrysomitris spinus. — Chlorospiza chloris. — Pyrgita petronia. 


annehmen, dass der spät einsetzende Winter sie erst» um diese Zeit in’s Tiefland trieb ; 
denn bis dahin hatten wir den Vogel nicht gesehen. Später war er an den Rändern 
der Wälder, namentlich auf alten Ellern, welche nebst Pterocarya die Ufer bestehen,, 
häufig und sangen die Vögelchen am 1. /13. März um die Mittagszeit sehr eifrig. Nicht 
weit von ihnen thaten ein Gleiches die Stieglitze, auch in den Kronen hoher Bäume 
(Rüstern) ruhend. Hält der Winter ausnahmsweise in den tieferen Gebieten lange an, 
so verweilen die Zeisige bis Ende April daselbst. Ich besitze beide Geschlechter vom 
28. April / 10. Mai aus den Umgegenden von Tiflis und einen Vogel, der am 4. / 16. April 
bei Lenkoran erlegt wurde. Vielleicht bauen einzelne Paare ihr Nest in der heissen 
Zone, die grosse Menge aber lebt hoch im Gebirge. 


82. Chlorospiza chloris L. 
Russisch: Selenuschka. 
Systematisches. 


Eine Suite von zwanzig kaukasischen Vögeln liest mir vor. Alle meine kau-- 
kasischen Grünlinge, Männchen und Weibchen, alte und junge, weichen in keiner Hin- 
sicht wesentlich von centraleuropäischen Vögeln ab und geben mir daher keine Veran- 
lassung zu irgend einer längeren Discussion. Die dem Grünlinge nahe stehende Art: 
Chl. citrinella habe ich in meinem Gebiete nirgends gesehen. Unter meinen Vögeln 
giebt es einige, welche unbedeutend heller leuchten, so dass sie im Kolorite als var. 
chlorotica Lichst. passiren können. Die Schnabelstärken dieser Vögel aber stimmen mit 
denen der anderen und der Europäer ganz überein. Ich trenne daher nicht, obwohl 
Bogdanow*) aus dem Kaukasus nur die erwähnte Form kennt. Schon Anfang März 
wird das Kolorit des Vogels überhaupt lebhafter, zumal bei den alten Männchen. Junge 
Weibchen zeigen das hellgelbe Kolorit zuerst auf der Bauchfläche. Das sehe ich an 
Exemplaren, die noch kein Jahr alt sind, im Dezember geschossen und im April aus- 
gebrütet wurden. Bei meinen alten Weibchen waltet sogar mehr Grau auf der unteren 
Körperseite vor, als bei den Europäern. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Mit dem Bergfinken ist im Winter der Grünling bei Tiflis die gemeinste und 
oft gefangene Finkenart. Im Radscha-Gau fand ich ihn oberhalb Nikorzminda und 
Tabori als Sommervogel. Er liebte dort die bestrauchten Gebirgsabhänge. In Tiflis 
lockten die Männchen schon mit dem 16. /28. Februar, wenn es einen warmen Winter- 
gab; in der Regel hört man erst einen Monat später im Palais-Garten am Morgen 
überall den Lockton. Der Grünling ‘bevorzugt im Sommer die heisse und gemässigte 
Zone zum Brüten. Im Winter erschien er in grosser Menge bei Lenkoran. 


83. Pyrgita petronia L. 
Russisch: Kamennyi Worobei, d. h. Steinspatz. 
Systematisches. 


Von den sechszehn kaukasischen Exemplaren, welche mir vorliegen, sind zunächst 
drei alte Männchen, die am 17. /29. März und 2./14. April bei Tiflis erlegt wurden, 


*) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 62, Nr. 57. 


Pyrgita petronia. — Coccothraustes vulgaris. 179 


zu erwähnen. Ihr Kleid ist mässig vertragen und der gelbe Kehlfleck recht leuchtend 
schwefelgelb.» Bei manchen Vögeln stehen auf diesem gelben Kehlbande einzelne 
Federchen, deren Spitzen dunkelgrau gefärbt sind. Recht alte Weibchen besitzen den 
Kehlfleck fast ebenso gross und intensiv gelb wie die Männchen, andere nur andeutungs- 
weise. Die Vögel, welche Anfang September bei Tiflis erlegt wurden, haben die Mauser 
noch nicht ganz vollendet. Zumal sind die neuen Federn an der Kehle erst zum Theile 
hervorgeschoben, während überall am Körper das neue Kleid schon vollkommen ist. 
Ein junger Vogel vom 20. August /1. September ist fast ausgewachsen. Auch aus dem 
Suant-Gau im Talyscher Gebirge brachte ich eine ganze Familie dieser Art mit. Am 
14. /26. Juni waren die Jungen kaum flügge und nur °/, ausgewachsen. Die Kleider 
der Alten sind um diese Zeit ungemein abgetragen, wozu die Art des Nistens in engen 
Erdlöchern und Felsenspalten wesentlich beitragen mag. Nirgends habe ich die nahe- 
stehende P. brachydactyla Bp. in meinem Reisegebiete angetroften ; sie bewohnt die 
südlicheren Zonen Kleinasiens und Persiens. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Der Steinspatz wurde von Nordmann*) für die Ostküste des Pontus, von 
Menetries**) für das Westufer des Caspı zwischen Baku und Kuba nachgewiesen. Ich 
darf behaupten, dass er mit Ausschluss der Wald- und Alpengebiete im gesammten 
Isthmus vorkommt und seine Verbreitung südwärts bis zum Fusse des nördlichen Taurus 
erweitert. Ich kenne ferner diese Art nur als Sommervogel. Er wurde im April mehr- 
mals bei Awtschala, etwa 12 Werste nördlich von Tiflis, im Kurathale erlegt, wo er an 
ähnlichen Lokalitäten wie Merops und die Uferschwalbe in Erdlöchern nistet. Je wüster 
und kahler die Gegend und je verwitterter und höhlenreicher die lehmigen Gebirge sind, 
desto häufiger lebt in ihnen der Steinspatz. Gemein war er bei dem türkischen Dorfe 
It (Id), am ÖOstfusse des nördlichen Taurus; doch sah ich ihn auch abwärts am Araxes, 
auf der Strecke von Nachitschewan bis Ordubad. Bogdanow ***) hat ihn ebensowohl 
vom Caspi-Ufer, als auch aus dem Dagestan nachgewiesen und zwar aus dem letzteren 
sogar bis zur Schneelinie. In der Randzone des Talyscher Grenzgebirges traf ich ihn 
überall da, wo felsige, kahle Gegend war. Die alpinen Wiesen und die Waldgebiete 
meidet er. Auch den Sawalan bewohnt diese Art. 


84. Coccothraustes vulgaris Pall. 
Russisch: Dubonos. 
Systematisches. 

Es lässt sich kein einziges Moment für diese, im Kolorit und in der Plastik 
ausserordentlich feste Art auffinden, welches berechtigte, wenn auch nur von einer 
Varietät oder individuellen Abänderung zu sprechen, insoweit dies die kaukasischen Vögel 
anbelangt. Sie stimmen genau mit den mir vorliegenden deutschen Vögeln überein, welche 
ich der Güte des Grafen Hans von Berlepsch verdanke. Ich besitze 25 kaukasische 
Vögel, fast nur Männchen, die bei Tiflis, Borshom und Lenkoran erlegt wurden. 


”) Demidow: Voyage etc., Tome III, pag. 181. 
**) Catalogue raisonne, pag. 42, Nr. 102. 


**) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 61. 
23% 


180 Coccothraustes vulgaris. — Pyrrhula rubicilla. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Weit nach Süden, sowohl in Europa, wie auch in Asien, sind die Kernbeisser- 
verbreitet. In Tiflis überwintern sie, wenn es warm bleibt. Ich besitze Exemplare, die 
im Dezember 1866 erlegt: wurden, häufiger werden sie nach tiefem Schneefalle Im 
Palais-Garten leben sie dann in grosser Anzahl und in Gesellschaft der Singdrossel 
und bisweilen auch der Krammetsvögel. Sie werden im März noch häufiger und tummeln 
sich in kleinen Schaaren bis gegen das Ende des Aprilmonats, wenn die Vegetation 
bereits in vollster Entwickelung ist, in den Gärten der Stadt. Ich setze daher voraus, 
dass sie hier auch brüten. In den Wäldern Borshoms thun sie es entschieden. Gleich 
den Dompfaffen erschienen sie alljährlich in meinem Garten in einzelnen Familien mit 
den Jungen und hielten sich im dichten Gebüsche (Zonicera) auf. Anfang November 
traf ich in den Wäldern von Kedabeg einzelne Kernbeisser an. Sehr gemein wurden 
sie im Lenkoran’schen Tieflande im Januar und Februar und lebten in den Gärten des 
Städtchens. Gleich den Dompfaffen brüten die Kernbeisser vornehmlich im Gebiete der: 
oberen Waldzone und steigen, nachdem die Jungen Hügge geworden, bald thalabwärts, 
um von den hier unten früher reifenden Beeren zu profitiren. 


85. Pyrrhula rubicilla Pall. 
var.: major Brehm, 
var.: aninor ‚Schlegel, 
var.: coccinea Selys, 
var.: Cassine Baird. 
Russisch: Snegir. 
Grusinisch: Trs-tschitz, d. h. Bergvogel. 
Armenisch: Chazktik. 
Neunundzwanzig kaukasische Exemplare wurden beschafft, davon: 
15 Expl. bei Tiflis, zur Winterzeit (1400), 


6 „ bei Lenkoran, zur Winterzeit (im Niveau des Caspi), 

2 „bei Tschindankale, Mitte Juni (7000‘), 

2 „ an den Quellen des Schamchor, Anfang November (6000‘), 
2 „ in Borshom, im März (2600), 

2 „ bei Kodshori, im Winter (4000'). 


Systematisches. 

Wollte ich, auf den Standpunkt der meisten Ornithologen der Gegenwart, zumal 
derer in England und Deutschland, mich stellend, ein Artensplitterer sein, so müsste ich 
bei der Untersuchung meiner kaukasischen Dompfaffen-Suite, welche durch namhafte 
schwedische und deutsche Beiträge erweitert wird, nicht weniger als vier Arten auf- 
führen; denn vor mir stehen die vier soeben schon aufgeführten Formen von Pyrrhula 
rubieilla. Diese vier aber werden sofort auf zwei reduzirt, weil schon Gray *) P. Cassini 
nur als Varietät von P. coccinea Selys erkennt und Dresser**) wiederum P. major Brehm 
mit P. coccinea Selys als identisch bezeichnet. Den Streit über die artliche Selbst- 
ständigkeit der P. Cassini hat schliesslich Dybowski***) wohl für alle Zeiten beigelegt, 


*) Handlist of birds, T. II, pag. 99. 
**) Dresser, The birds ete., Part Ll August 1876. 
==, Journal für Ornithologie, 1874, pag. 39 f. 


Pyrrhula rubicilla. 181 


indem er über das einzige Merkmal dieser sogenannten Art (den länglichen, weissen Strich- 
Heck auf der Innenfahne der äusseren Steuerfeder) ausführlich spricht und dasselbe als 
durchaus unhaltbar erweist. 

Für mich stellt sich demnach die Frage nur: trenne ich .P. coceinea (major) 
von P. rubieilla (minor) oder nicht? Ich thue es nicht, denn meine kaukasische Suite 
besitzt zwei Vögel. die sich vortrefilich in den Grössenverhältnissen zwischen die beiden 
extremen Formen stellen. wie man aus den unten folgenden Maassen ersehen kann. 
Es ist wahr, dass das Roth der P. coceinea intensiver ist, als das des gewöhnlichen 
Dompfaffen, auch ist es wahr, dass die Schnäbel beider differiren; damit ist aber auch 
alles einigermaassen Haltbare für die Trennung erschöpft, denn der Spiegel auf dem 
Flügel varıirt bei beiden sehr, ist durchaus nicht immer bei P. major getrübt grau und 
bei P. minor fast weiss. Meine aus Hessen stammenden Dompfaffen, denen sich einige 
Schweden anreihen, sind in dieser Hinsicht sehr belehrend; aber auch dadurch werden 
diese Vögel, beides Weibchen, interessant, dass sie, obschon sie zur var. minor gehören, 
d. h. also typische Dompfaffen sind, beide den Längenfleck auf der Innenseite der 
ersten Schwanzfeder besitzen. Das eine dieser Weibchen wurde mir vom Grafen Ber- 
lepsch geschenkt, das andere von Herrn Schlüter in Halle verkauft. Auch ein Männ- 
chen der kleinschnäbligen Varietät besitzt, freilich nur schwach, den Längsstreifen. 
Unter den Exemplaren der Varietät major finde ich ihn nur bei einem Pärchen, welches 
Ende Januar bei Tiflis erlegt wurde. Unter den Talyscher Vögeln befindet sich ebenfalls 
ein Weibchen der Varietät minor mit dem weissen Streifen auf der äusseren Steuerfeder. 
Es kommt also der „Cassinische Streifen“ beiden Varietäten, aber nicht immer, zu. 
Dybowski’s Angaben über die Grössenschwankungen des weissen Strichfleckens auf 
den äusseren Steuerfedern an einem und demselben Individuum finde ich an einem alten 
Männchen meiner kaukasischen Exemplare vollkommen bestätigt. Bei diesem Vogel ist 
auf der einen Steuerfeder das Weiss auf ein Minimum, sowohl in Breite, als auch in 
Länge reduzirt, auf der entgegengesetzten dagegen um so stärker entwickelt. Dass 
nun endlich die Grösse der Varietät minor Europas keineswegs konstant sei, geht aus 
der nun folgenden Tabelle zur Genüge hervor. Ich iege mir die Suite, nach welcher ich 
messe. nach der Grösse der Individuen folgendermaassen zusammen: 


| var. major. var. minor. a var. minor. 
Pyrrhula rubieilla Pal. | Talysch. |Tiflis.| Borshom. Hessenı Kodshorni. | Hessen [Hessen Sa 
| | ; 
DM. WEM DM: W. M. | M. W. SV ER M. 
mm | mm | mm | mm mm mm | mm mm mm | mm mm 
Totallänge . . . ..| 160: | 160. | 158 | 157 | 156 | 147 | 140 [138 | 149 | 144 | 138 
Flügelbug bis Spitze | 88° | 8871 89: | :88° |, 85° |. 88 | 88 | 00 | 86 | 82 | 81 
Länge des Schwanzes. .| 70 | 73 ON AO | 70 66 12 270 | 66 62 
Länge des Tarsus . ...| 18 | 18 17 Sn oe 17 16 16 15 15 
länge des Schnabels auf | | | | 
der Firste gemessen .| 11 | 10 | ı1 105.101 9 9 SEN 209 9 s 
Länge der Mundgpae.. 3 2 2 2 ı 2eluljlu 10m oe 


Höhe des Schnabels von | 
der Stimmitte abwärts |) 


gemessen . . | 10 al all 20 10 10 10 ai 9 9 10 
Grösste Breite des ee | | | 


Bel Ton 1m. 1om|0:10: E. 1007,90 za or EL 


182 Pyrrhula rubicilla. — Passer domestieus. 


Diese Tabelle ist insofern lehrreich, als sie dem letzten der darin ausgemessenen 
Vögel, welcher zugleich im Körper der kleinste ist, doch für die Schnabelform relativ 
die kräftigsten Verhältnisse zuspricht. Wo solche Schwankungen und nachweisbare 
Uebergänge vorkommen, da kann nach dem von mir eingenommenen Standpunkte über 
den Werth der „Spezies“ kein Zweifel obwalten. 

Lebensweise und Verbreitung. 

Dresser's*) Behauptung, dass dem Osten Europas (er spricht speziell von 
Griechenland) nur die var. major zukomme, stimmt mit meinen Ergebnissen für den 
Kaukasus nicht. Meine grosswüchsigen Dompfaffen wurden zuerst im Dezember 1866 
bei Tiflis und dann im März 1868 in Borshom von mir erlegt. Alle Exemplare, welche 
ich später aus den Umgegenden von Tiflis beschaffte, gehören der var. major an. Die 
Talyscher Vögel repräsentiren beide Formen, doch major mehr als minor; die beiden hoch 
aus dem dortigen Gebirge geholten sind insofern von besonderem Interesse, als beide 
kleinwüchsige und doch dabei starkschnäbelige Vögel‘sind; das Weibchen besitzt nur 
138, das Männchen 140 mm. Totallänge. Der an den Quellen des Schamchor am 
5. /17. November erlegte Vogel ist ein junges Weibchen, welches das erste Prachtkleid 
anlegt und noch stark mausert, dieses ist wiederum die var. minor. Ich darf also nur 
behaupten, dass die var. major der Zahl nach im Kaukasus vorwaltet. 

Im Sommer traf ich die Dompfaffen 1864, Mitte Juni, am Oberlaufe des Hippos 
im Dadian’schen Swanien zwischen den Ortschaften Lentechi und Laschketi, wo sie in 
Paaren lebten und zweifelsohne brüteten; ich hörte sie dort oft locken. Ebenso erschallte 
der charakteristische, trübe, kurze Pfiff in den lichtarmen Hochwäldern Adshariens in 
einer Höhe von 5—6000' über dem Meere. Im Gebiete der Baumgrenze bis 7300‘ 
bewohnen Carmingimpel und Dompfaffen im Sommer die Einsamkeiten der Birkengehölze, 
aber sie brüten auch viel tiefer im Gebirge. Die Vögel aus dem Talyscher Gebirge 
wurden am Rande der Baumgrenze auf basalalpiner Wiese erlest; dort giebt es nirgends 
Nadelhölzer, sondern nur geschlossenen Hochwald der Rothbuche. In der zweiten Hälfte 
des August-Monats erschienen alljährlich in meinem Garten in Borshom einige Dompfaffen- 
Familien. Sie hielten sich dann wohl eine Woche lang im dichtesten Gebüsche auf 
und liebten die reifenden Beeren der Zonicera-Sträucher. Auch zu dieser Zeit kann 
man das trübe, aber kräftige, Pfeifen, etwa üt-üt-üt hören. Im März trieben sie hier 
ihr träges Wesen in den Gemüsegärten und suchten die niedrigen Obstwildlinge zum 
Ruhen auf. Sie hielten sich während starken Schneefalls mit den Drosseln, unter denen 
auch Turdus torguatus war, zusammen auf. 


86. Passer domesticus L. typ. 
et var.: cisalpinus Temm. — Italiae bp. 

var.: caucasieus Bogd. 

var.: indieus Jard. 
Russisch: Domaschni Worobei, d. h. Hausspatz. 
Persisch: Kündshisk. 
Tatarisch: Sertscheg, Torgei, Tschiptschik, Sartscha. 
Grusinisch: Begura in Imeretien, Tschiwtschawi in Kachetien, Schinauri-tschiti in Kath. 
Armenisch: Zi und Tsehntschgueh.””) 
*) The birds ete., Parts L 1876 Mai pag. 3. 
**) Bei den armenischen und bisweilen auch bei den grusinischen Namen wird die europäische Zunge 
gezwungen, ein kurzes e oder ? zwischen die Buchstaben an betreffender Stelle einzuschalten, hier vor dem n. 


Passer domesticus. 183 


Systematisches. 

Um nach peinlicher Prüfung etwas über den Hausspatz des Kaukasus in Bezug 
auf sein Kleid und seine Grössenverhältnisse sagen zu können, habe ich mir seine 
Genossen aus aller Herren Länder zusammengebettelt und muss gestehen, dass ich nichts 
Wesentliches finde, was ihn konstant vom europäischen Hausspatzen unterscheidet. Zwei 
Dutzend kaukasischer Vögel liegen mir vor, davon schliesst sich der bei weitem grössere 
Theil direkt an centraleuropäische Vögel, gleichgültig, ob sie im frischen oder abge- 
tragenen Rleide sich befinden. 

Ein Ende Juni 1866 bei Tiflis erlegtes, recht altes Männchen trägt noch das 
wenig abgenutzte Prachtkeid, welches sich bei ihm trotz der vorgerückten Jahres- 
zeit merkwürdig gut erhalten hat. Ich glaubte fast, einen frisch vermauserten 
Vogel vor mir zu haben, doch erwies die Betrachtung der Federn mit der Loupe diese 
Voraussetzung als Iırthum. Obgleich nun bei diesem Sperling die Enden der mittleren, 
oberen Flügeldecken stark abgenutzt sind, so bilden sie doch im Vereine eine breite, 
fast rein weisse Binde auf dem Flügel, wie ich das in solcher Intensität und Ausdehnung 
an keinem der mir vorliegenden Europäer, wohl aber am P. indicus sehe. Im Uebrigen 
waltet bei diesem Vogel auf der Rückenseite viel Rostbraun vor und das Schwarz der 
Brust geht sehr weit abwärts, aber nicht seitwärts, so dass von einer Fleckung der 
Weichen nicht die Rede ist. Bogdanow *) hat bereits darauf hingewiesen, dass der 
kaukasische Spatz zum indischen hinneige. Jüngere Männchen, im November 1863 bei 
Tiflis erlegt, schliessen sich vortrefflich an Passer eisalpinus Temm. — P. Italiae Bp., 
von welchem mir aus Südfrankreich vergleichbares Material vorliegt. Das Gleiche darf 
ich auch von einem Sperlingsweibchen, welches bei Smyrna **) erlegt wurde, behaupten. 
Gerade dieses letztere besitzt im Kopf- und Nackengefieder schon ziemlich viel Braun, 
welches bei meinem -Männchen geringeren Umfang hat. Eine ganze Reihe von Männchen, 
welche bei Lenkoran im März gesammelt wurden und die ein ziemlich vertragenes Kleid 
besitzen, repräsentiren den typischen P. Italiae noch besser, aber kein einziges Exemplar 
zeigt die Kopfplatte ganz braun. Die Breite des grauen Centralfeldes, welches mehr 
oder weniger in Kastanienbraun gesprenkelt erscheint, ist variabel, da die schon beider- 
seits über dem Auge und namentlich hinter demselben beginnende breite braune Zone 
verschiedene Dimensionen besitzt. Bei allen diesen Exemplaren ist das Schwarz der 
Brust tiefer abwärts und dabei stark verbreitert gezogen; doch ist von Schaftflecken 
der Tragfedern keine Rede. Diese Individuen haben alle einen etwas stärkeren Schnabel, 
der in Form und Farbe (bisweilen tief schwarz) an den von P. sahieicolus erinnert. 
Auch die „stria alba a fronte supra oculos“, welche Dresser (l. c. P. XLVI, XLVIN) zur 
Diagnose verwendet, fehlt diesen Exemplaren nicht. Sie haben von P. domestieus typ., 
Italiae, indicus und salicicolus etwas an sich. Dass dies nicht Talyscher Lokal-Abänderung 
ist, beweist ein Vogel, der hoch im Gebirge des Grossen Kaukasus am 6. /18. Mai bei 
der Poststation Kobi erlegt wurde, wo er in Gemeinschaft von Alpenkrähen und Schnee- 
finken an steiler, hoher Felsenwand brütete. Dieses etwas kleinwüchsige Individuum 
besitzt die erwähnten Kennzeichen alle auf’s Reinste prononcirt, aber die graue Kopf- 


*) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 60, Nr. 50. 
**) Hiermit sind Strickland’s Erfahrungen übereinstimmend, vergl. Nordmann in Demidow: 
Voyage etc. Tome III, pag. 180. 


184 Passer domesticus. 


platte des Hausspatzen verblieb ihm. Schaut man genau hin und legt die Federchen 
auseinander, so bemerkt man die schmalen, spitzen Keilflecken an den Schaften, welche 
an diesem Vogel braun, gewöhnlich aber matt schwarz sind. Es kann also bei weiterem 
Abstossen der Federn eine bräunliche Kopfplatte zu Stande kommen. Im Vergleiche zu 
typischem P. indieus, der mir aus dem Punjab vorliegt, sind meine ihm zuneigenden 
Vögel durchweg dunkler und schliessen sich im Gesammtkolorite besser an Exemplare, 
die aus Mähren stammen, als an die Südasiaten. Aus dem Kleinen Kaukasus liegt mir 
endlich noch ein Männchen vom 5. / 17. November von den Kupferwerken Kedabeg vor, 
welches bis auf den schmalen, schwarzen Ring um die Schnabelbasis vollkommen mit 
P. indieus übereinstimmt. Das indische Original-Exemplar trägt das Dezemberkleid. 
Die kaukasischen Weibchen finde ich durchgängig im Gesammttone ein wenig heller, 
als z. B. Central-Europäer, zumal auf der Rückenseite und dabei das Feld des Ober- 
rückens mit den dunkeln Federlängsstreifen etwas beschränkter. Uebrigens stimmen 
die Weiber von P. domesticus und P. salicicolus bis auf die Schnäbel genau überein. 
Die Maasse an den Eiern ermittelte ich: 
Grösstes Ei, Höhendurchmesser 24 mm. 
Breitendurchmesser 16 „ 
Kleinstes Ei, Höhendurchmesser 20 
Breitendurchmesser 15 „ 


Lebensweise und Verbreitung. 


Man darf durchaus nicht behaupten, dass der Hausspatz überall im Kaukasus 
vorkommt. Obgleich er vielerorts sehr gemein und sogar lästig ist, so fehlt er doch in 
anderen, jenen nahe gelegenen Gebieten ganz. Dieses findet oft mit so grosser Hart- 
näckigkeit statt, dass selbst eine sorgsam gepflegte Ansiedelung erfolglos bleibt. Ich 
führe hierfür weiter unten ein interessantes Beispiel an. Im Allgemeinen meidet er nasse 
Gegenden, selbst dann, wenn sie bewohnt sind, ebenso die Hochwälder, in denen hie 
und da kleinere Ansiedelungen stehen, bei denen Mais- und Getreidebau in geringem 
Maasse betrieben wird. Am ehesten geht er noch in die Jongeln der heissen Zone, wo 
er mit seinem Verwandten, dem P. sabcicohıs, sich zwar begegnet, aber nicht vereint 
lebt. Diese Jongeln sind nun zwar unangebaut und dehnen sich oft bedeutend weit 
aus, allein an ihren Rändern findet man doch ab und zu menschliche Ansiedelungen, 
so dass der Hausspatz hier nicht eine so primitive Existenz führt, wie sie Bogdanow*) 
von der mittleren und unteren Wolga erzählt, woselbst auf den bebuschten, menschen- 
und eulturleeren Inseln der Spatz existirt und zwar, wie der Verfasser glaubt, an den 
eigentlichen, natürlichen Plätzen seines Vorkommens, da er die Häufigkeit des Sperlings 
in der Nähe des Menschen durch seine grosse Akkommodations-Fähigkeit erklärt. In der 
Vertikalen gebührt ihm die Zone vom Meere bis zur Kulturgrenze der nordischen 
Cerealien, d. h. bis 7000° und sogar 8000‘. Als Stadt- und Dorfbewohner wird man im 
ganzen Kaukasus den Spatzen fast überall finden. Zumal ist es die heisse Zone, die 
er bewohnt, und die kältere bis zu einer Höhe von 6000' über dem Meere, da, wo der 
Gartenbau in ungeheurer Ausdehnung betrieben wird. Zu letzteren Gebieten gehören 
weite Strecken auf dem Armenischen Hochlande, so namentlich die Hochebene von 


*) Säugethiere und Vögel der unteren Wolga (russ.), pag. 105. 


Passer domesticus. 185 


Achalkalaki, der Duchoboren-Gau, das Arpatschai-Gebiet, dessen Fluss ja eben der vielen 
Gerstenkulturen wegen seinen Namen hat. Ueberall hier und an ähnlichen Plätzen, so 
auch am Goktschai-See und auf der oberen Fratstufe bei Erzerum ist der Hausspatz 
gemein, zumal. wenn grosse russische Dörfer (Molokanen und Duchoboren) vorhanden 
sind. Weniger häufig, und oft mit dem Feldspatzen zusammen, traf ich ihn bei den 
unterirdischen Wohnungen der Kurden, die gemeiniglich von einigen kleinen Feldern 
umgeben sind, wo aber im Sommer Niemand wohnt. 

Wenn nun hier auf dem Armenischen Hochlande das Vorkommen des Spatzen 
in der That mit der Kultur der Gerste in Zusammenhang zu stehen scheint, so bietet 
der Grosse Kaukasus in seinen engen, kalten Hochgebirgsthälern andere Verhältnisse für 
die Verbreitung des Vogels. Schon im Längenhochthal des Hippos sah ich ihn während 
meines längeren Aufenthaltes im Dorfe Laschketi (4100) nicht, auch keinen Feldspatzen. 
Ebensowenig traf ich ihn in den höchstgelegenen Orten des Freien-Swanien an, bei den 
Dörfern Jibiani, Murkmeri und Jubiani (7000— 7200‘) fehlten beide Arten ganz, obgleich 
hier noch ziemlich viel Gerste gebaut wird und dort bei Laschketi diese Kultur florirt. 
In den tiefer gelegenen Dörfern, so auch bei Pari, ist im Freien-Swanien der Hausspatz 
selten. Zuerst traf ich ihn in den Genossenschaften Mushali und Latali (5300‘). Da- 
gegen ist er auf dem grossen Postwege, welcher Russland mit Transkaukasien verbindet 
(Tifis-Wladikawkas), treulich dem Menschen gefolgt. Angefangen von der Ebene von 
Zilkani, an der unteren Aragwa, über die Stationen Duschet, Ananur, Pasnaur, Mleti, 
Gudaur zum Kasbek, habe ich den Spatzen überall häufig und meistens nur im 
typischen Gefieder angetroffen. Bei Kobi beliebt es ihm, in den Spalten der trachytischen 
Felswände zu brüten, doch ist die Poststation mit den herrlichen Misthaufen ganz nahe 
davon gelegen. Bei Gudaur gab es schon am 8. / 20. Juni flügge Junge. 

Nun aber kann man sich einerseits die vollständige Abwesenheit und andererseits 
die Seltenheit des Vogels an bestimmten Lokalitäten sehr gut aus geographischen Grün- 
den erklären. Vergessen wir nicht, dass die beiden erwähnten Längenhochthäler in den 
eolchischen Alpen, das des Hippos und das des Ingur, beiderseits von stark vergletscherten 
Kammketten eingeschlossen und gegen Westen hin durch mächtige, vorlagernde Gebirgs- 
ketten förmlich verriegelt sind. Dass ein Standvogel wie der Spatz sich jemals aus den 
tieferen colchischen Landen, wo er gute Existenz hat, aufmachen sollte, um über 
abschreckende Eis- und Firnfelder in kalte Gebiete mit karger Kultur zu wandern, wird 
wohl Niemand glauben. Die Sperlinge beider Längenhochthäler sind von Südwesten 
eingewandert, indem sie aufwärts den beiden Engschluchten folgten, welche der Tskenis- 
Tskalı (Hippos) und der Ingur durch die vorliegenden Gebirgsketten wuschen. Hier 
bedecken zwar Hochwälder die Gebirge, welche dem Spatzen keineswegs genehm sind, 
allein er findet in ihnen doch kleine, lokale Kulturen auf einzelnen Distanzen dieser 
beiden Engschluchten, die dem Waldgebiete abgerungen wurden. Einmal in die Längen- 
hochthäler gekommen, bleiben die Spatzen in ihren tieferen Partien, wo immerhin eine 
bescheidenere Existenz ihrer harrt, als sie solche in den colchischen Tieflanden gehabt 
hatten. Diese Existenz wird ja aber, je höher wir steigen, immer ätmlicher ; kaum ringt 
sie sich der Mensch der kargen Natur ab und wenn es daher für den Hausspatzen zunächst 
das liebe tägliche Brot war, was ihn thalabwärts fesselte, so kamen dazu auch noch sehr 
-gewichtige Familieninteressen. In einer Höhe von 7200‘ über dem Meere liegt im Mai oft 
noch Schnee und am 10—15. August fällt er meistens schon auf’s Neue. Wie steht es also 


“ 
Badde, Ornis caucasica. 2 


186 Passer doimestieus. 


in solcher Höhe mit dem Wohlbehagen der Sperlingsfamilie? Herzlich schlecht! Spätes 
Frühjahr (die Kameraden in Tiflis sind schon im Februar in voller Liebe und bauen 
sich am Palais ihre Nester), kaltes Nest zwischen den Schieferplatten der Swanenburgen 
selbst im Hochsommer, viele Nebel, selten Sonne, wenig Gesellschaft, welche die Spatzen 
ja so sehr lieben, und endlich schlechte und karge Kost. Dies sind die Verhältnisse, 
unter denen der Vogel dort oben leben müsste. Mag der Sperling immerhin wenig 
Verstand haben, was Viele meinen, ich aber verneine; jedenfalls ist er nicht dumm 
genug, sich Lebensbedingungen zu suchen, die ihm durchaus nicht behagen. Ich habe 
dafür noch mehrere andere Beweise. Der interessanteste ist nachstehender: Ihre 
Kaiserliche Hoheit die Frau Grossfürstin Olga Feodorowna hat die Spatzen gerne und 
wünschte, dass sie auch bei ihrem Sommerschlosse in Borshom leben sollten. Nun aber 
gab es dort keine Spatzen. Dieses Faktum ist anscheinend sehr sonderbar, erklärt sich 
aber leicht, wenn wir die geographischen Verhältnisse der Gegend näher in’s Auge fassen. 
“Thun wir dies: Bis zum Eintritte in die Engschlucht, welche die Kura von Azkur her 
bis zur Suram-Ebene durchrauscht, finden wir im Kura-Thale den Spatzen als gemeinen 
Vogel; zumal ergeht es ihm gerade in der Suram-Ebene ausgezeichnet gut, denn hier 
sind grosse Kulturen, grosse Dörfer, belebte Strassen, weite todte Hecken ete. Nun 
kommt mit der Engschlucht von Borshom ein geschlossenes, gebirgiges Waldgebiet, 
freilich mit einigen Lichtungen, kleinen Dörfern und geringen. Kulturen. Etwa in der 
Mitte der Strecke bis Azkur liegst in herrlicher Gebirgs- und Waldnatur das Schloss 
und der Ort mit seinen Mineralwässern. Die Getreide-Kultur ist hier auf ein Minimum 
reduzirt, dagegen existiren Gärten und die den Spatzen so sehr erwünschte Poststation 
mit den Stallungen. Trotzdem gab es bis 1875 keine Spatzen in Borshom. Ich habe 
mich stets bei dem Eintritte aus der Suram-Ebene in die Borshom-Engschlucht danach 
umgesehen, wie weit diese Vögel in sie dringen. Am Eingange lebten einzelne und drei 
Werste weiter aufwärts sah ich am 2./14. April 1875 und 4. / 16. April 1879 noch 
zwei. Auf der ersten Poststation (13 Werste die Kura aufwärts, mitten im Walde) 
fehlen sie schon. Blicken wir von Azkur im Kurathale und in dem Potzchow-Gebiete 
weiter aufwärts, so überschauen wir bei Achalzich grosse Getreidefelder, wenig Wald 
und finden sofort den Spatzen; gegen Süden aber auf den Plateauländern von Achalkalaki 
liegt sein eigentliches Eldorado, er schwelgt dort im Ueberflusse, hat gute Brutplätze im 
Städtchen und in den russischen Dörfern und ist eben nicht beschränkt genug, die uns 
entzückende Schönheit der Natur von Borshom höher zu schätzen, als sein behäbiges 
Leben dort oben im Lande der Duchoboren, oder hier unten in der Suram-Ebene. Die 
vier Spatzenpaare, welche man 1875 nach: Borshom brachte und die zehn, welche ihnen 
1877 folgten, sind fort. Von den letzteren will man mehrere in der Nähe des Palais 
todt gefunden haben, was zu glauben ich doch vorsichtig sein will. Auch tiefer im 
Gebirge, so bei dem Dörfchen Bukuriani, wo doch noch Getreidebau statthat, sah ich 
keine Hausspatzen. 

In ihrem Stadtleben in Tiflis vereinigen sich Ende Oktober unzählige Spatzen 
jeden Abend im Centrum und am belebtesten Platze der Kapitale. Diese haben sich 
nämlich gewöhnt, in den dichten und hohen Cypressen des Palais-Gartens gesellschaft- 
lich zu übernächtigen, obschon diese Bäume unmittelbar am Rande der Gartenmauer 
stehen und diese unmittelbar an der Strasse gelegen ist. Wie es einstens am Bug im 
Winter die Feldspatzen bei Sonnenuntergang machten, wenn sie in dichtgerotteten 


Passer domesticus. — Passer montanus. 187 


Schaaren in die hohen Geröhre mit grossem Spektakel zur Nachtruhe einfielen, was ich 
allabendlich sah, so treiben es in Tiflis die Hausspatzen, während der gewöhnlich nur 
kurzen Winterzeit ebenfalls jeden Abend, wobei sie lärmende Konzerte, dicht gedrängt 
in den Cypressen sitzend, bis zur Dunkelheit geben. Schon Anfang Februar werden 
diese Chöre schwächer und gegen Ende des Monats trennen sich die Pärchen. Jedoch 
brüten lange nicht alle Spatzen. Es scheint, dass dies in gewisser Hinsicht Invaliden 
sind. Solche Cölibatäre sind es, die auch im Frühsommer allabendlich sich im Palais- 
Garten versammeln und bis nach Sonnenuntergang zwitschern. Sie vertheilen sich dann 
an bestimmte Lieblingsplätze, nehmen die Ahorngipfel ein und sind in den Üypressen 
nur wenig zu finden. Ich habe ferner noch die Beobachtung gemacht, dass einzelne 
Spatzen böse Feinde der Frühlingsblumen sind, die sie total verhacken. Dies thun sie 
mit meinen (rocus-Arten, die im kleinen Museums-Garten im Februar blühen. Sie lassen 
Primeln, Oyclamen, Scillen und Galanthus unangerührt, aber sie verstümmeln leider die 
schönen Orocus, zumal die gelben, vollkommen. 

Abwärts von Tiflis im Kura-Thale nimmt der Hausspatz an Häufigkeit zu, je 
mehr man sich im Mündungslande des Flusses den grossen Ansiedelungen der Molokaner 
nähert. Er fehlt auf keiner der Poststationen, die oft isolirt in der Steppe liegen. Sehr 
grosse Banden sah ich südlick von Salian, die aber immer nur aus dem Hausspatzen 
bestanden und P. salicrcolus nicht in sich schlossen. Es gab Flüge von 4—500 Indi- 
viduen. In den Reisfeldern am unteren Kuralaufe und in Talysch macht der Hausspatz 
grossen Schaden. Auf den Kupferwerken von Kedabeg war er ebenfalls gemein und 
lebte in den dichten Dämpfen der schwefligen Säure, welche sich beständig bei dem 
Rösten der Erze entbindet. Anfang März zankten sich bei Lenkoran die Männchen 
um die Weibchen in heftigster Weise und mit grossem Lärm. Mitte März wurden die 
Nester eifrigst remontirt. 


87. Passer montanus L. 
Russisch: Polewoi Worobei, d. h. Feldspatz. 
Tatarisch: Ors, Urman-Torgei. 
Systematisches. 
Alte Vögel, bei Tifis im November erlegt, sind durchaus typisch und schliessen 
sich deutschen (Hessen) vollkommen an. Fast alle Kaukasier sind kleiner, als die 
Europäer; ich messe: 


II 
| Tiflis. Sachsen. | Hessen. 
Passer montanus : u. W m = 
mm mm mm mm r 
Totallänge . . .. le 120 115 140 135 
Flügelbug bis Spilze Sl: 69 68 20) 72 
Schwanzlänge. . . : 54 55 60 60 
Schnabel auf der ists 2 10 11 12 12 
arsu se nn | 18 18 19 19 


24 * 


188 Passer montanus. — Passer salicicolus. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Nicht selten mit dem Hausspatzen zusammenlebend, aber nicht so gemein und 
weniger die Gesellschaft des Menschen suchend. Diese Art traf ich auch überall auf 
dem Armenischen Hochlande (Helenowka, Nowo-Bajaset) in der Nähe der Dörfer an. So 
bei dem Dorfe It am Ostfusse des nördlichen Taurus und bei Erzerum auf der oberen 
Fratstufe. Auf dem Wege von Achalzich nach Abastuman war der Feldspatz recht 
häufig. Kleine Flüge von 6—10 Individuen hielten sich Anfang Juni, fern von menschlicher 
Wohnung, an den Wegen auf. Sie bestanden aus alten Vögeln, es brüten daher gar 
nicht alle Feldspatzen. Abwärts im Thale der Kura wird diese Art zwar überall, aber 
nirgends in grossen Flügen angetroffen; auch in Lenkoran ist der Vogel selten. 


88. Passer salieicolus Vieill. 
— P. salicarius Vieill. — P. hispaniolensis Temm. 
Russisch: Bolotnyi Worobei, d. h. Sumpfspatz (Bogdano w). 
Systematisches. 

Eine Suite von fünfundzwanzig Exemplaren liegt mir vor. Sie wurden bei 
Lenkoran erbeutet. Bereitwilligst halte ich für diesen Vogel das Artenrecht aufrecht, 
was ja auch Blasius*) (Vater) in seiner Anmerkung thut und worüber Alexander 
v. Homeyer**) und Dr. Carl. Bolle***) ausführlich berichtet haben. Sowohl die 
Plastik des Schnabels, als auch die Färbung des Kleides sind ungemein konstant, und 
der Umstand, dass die Weiber dieser Art und die des gewöhnlichen Sperlings sammt 
seinen Varietäten gleiches Gefieder tragen, fällt nicht in’s Gewicht, da es ja auch andere 
gute Arten giebt, die dasselbe aufweisen. Ein recht altes Männchen wurde schon Ende 
April 1866 bei Lenkoran erlegt, alle anderen datiren von Ende März und Anfang April 
1880. Diesen Vögeln kann ich einen kleinasiatischen vom 6. / 18. Juni 1876 zur Seite 
stellen. Alle diese sind fast ganz gleich gefärbt, nur prangen die meinigen im schöneren, 
wenig abgenutzten Hochzeitskleide, an welchem die tiefschwarzen Federn der Brust noch 
recht bedeutende helle Ränder haben. Die Oberseite des türkischen Vogels besitzt noch 
mehr Schwarz, als dies an den kaukasischen der Fall ist, weil eben sein Kleid mehr 
abgenutzt wurde. Untereinander verglichen weisen meine Vögel eine auffallende Gleich- 
heit im Gefieder auf. Es scheint, dass sie alle gleichen Alters sind; die vielen Exem- 
plare, welche am 7. /19. April bei Lenkoran geschossen wurden (es waren ihrer 45, 
von denen 20 präparirt werden konnten), sehen sich alle ganz gleich. Nur ein Männ- 
chen halte ich für jünger; das Schwarz der Kehle und der Brust ist bei diesem nicht 
so mächtig und die kastanienbraune Kopfplatte ist ganz fein mit Grau gesprenkelt. 
® 

Lebensweise und Verbreitung. 

Bis in die neueste Zeit hatte ich aus dem Centraltheile Transkaukasiens kein 
Exemplar dieses Vogels erhalten und glaubte daher, dass derselbe hier ganz fehle; am 
12. /24. Juni 1881 wurde aber ein altes Männchen im hohen Rohre der Kura, mehrere 

*) Die Wirbelthiere Europas, pag. XL, Anmerkung. 

**) Jourmal für Omithologie, 1862, pag. 261. 

***) Journal für Ornithologie, 1857, pag. 305. 


Passer salieicolus. — Euspiza melanocephala. 189 


Meilen stromabwärts von Tiflis, erlegt. Ob diese Art mit dem Haussperlinge und seinen 
Varietäten bisweilen zusammenlebt, bleibt noch eine offene Frage. Ich möchte dies 
bezweifeln, da Homeyer’s und Bolle’s Angaben über das Leben des Vogels auf den 
Canaren, Capverden und Balearen doch auf grosse Differenzen mit der Lebensweise des 
Spatzen hindeuten. Meinen Erfahrungen gemäss meidet die in Rede stehende Art den 
Hausspatzen. lch habe sie niemals in den Dörfern gesehen. Ich habe den Rohrspatz 
bei Lenkoran einige Tage in den Jongeln angetroffen, namentlich hielt er sich in den 
Rubus-Gebüschen und auf den höher gelegenen Dünen auf. Ich muss aber zuerst 
bemerken, dass er hier am Caspi kein Standvogel ist. Erst in den letzten Tagen des 
März erschien er und zwar nur in kleinen Banden, die einzeln versprengt sich in den 
Jongeln tummelten. Es ist eine unumstössliche Thatsache, dass dieser Vogel für Len- 
koran ein Zug- oder wenigstens ein Strichvogel ist. Vergebens suchte ich ihn im 
Winter in den Caspi-Niederungen von Salian und nördlicher an den rohrbestandenen 
Ufern grösserer Seen. Es war dort nur der Hausspatz zu finden. Bei Lenkoran zeigten 
sich grosse Schwärme am 5. / 17. April: die Leute nennen den Vogel hier „Rohrsperling“ 
und behaupten, dass er die dichtesten, hohen Rohrbestände besonders liebe, in ihnen in 
Gesellschaft übernächtige und Abends darüber seine Flugübungen ausübe; auch soll er 
dort nisten. Indessen habe ich das nicht selbst gesehen. Ebenso kann ich mit Sicher- 
heit nicht behaupten, dass die vielen unordentlichen Nester in den Sturmweiden des 
Dorfes Nikolajewka, welches 4 Meilen nördlich von Lenkoran gelegen, von dieser Art 
gebaut wurden, halte es aber für wahrscheinlich. Die dortigen Bewohner erklärten die 
Nester als dem gewöhnlichen Sperlinge gehörend; doch unterscheiden sie diesen vom 
Rohrsperling wahrscheinlich nicht. Jedenfalls wäre es sehr auffallend, wenn der gewöhn- 
liche Spatz in grosser Zahl seine Nester mitten in einem grossen russischen Dorfe auf 
Bäumen bauen sollte. Dagegen brachte man mir am 13. / 25. April ein Nest mit Eiern, 
in der Nähe von Lenkoran gefunden, und den dazu gehörenden Vogel, welcher eben 
P. salieicolus war. Dieses Nest ist viel sorgfältiger gefügt, als das des Hausspatzen, 
besteht aus Stengeln, einigen Wurzeln und Binsen und hat in den Wandungen viele 
und grobe Federn. Die sechs Eier sind ein wenig grösser als die des Haussperlings 
und haben durchweg dunkleren Fond. 

Mit Dresser*) und Bogdanow **) theile ich die Meinung, dass die von Nord- 
mann bei Pizunda beobachteten Spatzen zu dieser Art gehören; sie würde also am 
Littorale beider Meere einzelnen Lokalitäten angehören. Mit dem Fundorte Pizunda 
wäre zugleich für unser Gebiet die nordwestliche Grenze ihres Vorkommens bezeichnet; 
da sie nicht allein im Kaukasus, sondern überhaupt im Süden Russlands anderweitig 
meines Wissens nicht beobachtet worden ist. 


89. Euspiza melanocephala Scop. 
Russisch: Tschernogolowaja Owsjanka, d. h. Schwarzkopf-Ammer (Bogdanow). 
Systematisches. 


Aus dem Kaukasus liegen mir siebenundzwanzig Exemplare vor; die meisten 
sind Männchen in verschiedenen Altersstufen, welche bei Tiflis, Derbent und Lenkoran 


*) The birds ete., Parts XLVII, XLVII. 
**) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 60. 


190 Euspiza melanocephala. 


erbeutet wurden. Das Kolorit der alten Männchen hängt wesentlich von der Jahreszeit 
ab. Am intensivsten und reinsten ist das Kleid eines Männchens, welches am 10. / 22. 
Mai bei Derbent erlegt wurde, ein leuchtender prachtvoller Vogel, dessen Gefieder ver- 
hältnissmässig wenig abgetragen ist. Im Juni verschiessen die Farben, namentlich auf 
der Rückenseite, bei alten Männchen sehr stark. Das Zimmetbraun des Mantels eines 
gleichfalls bei Derbent im Juni erlegten Männchens ist stark fuchsig und zum Bürzel 
hin sogar gelb. Meine Suite der Männchen weist alle Nuancen des Kleides auf. Jüngere 
Männchen, Mitte Mai bei Tiflis erlegt, zeigen die Ränder der Kopfplattenfedern noch nicht 
verstossen, den braunen Mantel in getrübtem Farbenton und die untere Körperseite 
licht canariengelb. Das Canariengelb recht alter Weibchen ist auch im Hochzeitskostüme 
immer in Hellgrau getrübt, weil die Ränder der Federn nicht ganz verstossen werden. 
Mitte Juni sind alte Männchen bei Tiflis noch nicht in die Mauser getreten. Jüngere 
Männchen behalten die gelbbräunlichen Ränder der Kopfplattenfedern während des ganzen 
Jahres. Erst Ende Juli beginnt die Mauser. Wie bei E. aureola, so findet auch bei 
dieser Art nicht selten an der Kehle Fleckung in Weiss statt. Oft ist das Gefieder 
zwischen den Unterkieferästen weiss. 


Lebensweise und Verbreitung. 

In jeder Hinsicht entspricht, was die Lebensweise und den Gesang anbelangt, 
diese schöne Ammer der östlicher lebenden E. aureola. Sie kommt auch an der Nord- 
seite des Gebirges vor, liebt lichtbebuschtes Hügelterrain und bevorzugt die wärmere 
Zone. Ich habe sie nördlich von Wladikawkas ziemlich häufig in den Steppen, zumal 
wo diese einige Sträucher besitzen, beobachtet, wohl über hundert Werste nördlich vom 
Gebirge. Ende April trifft sie in den Umgegenden von Tidis ein und sucht, genau wie 
Pallas*) es schon berichtet, gerne die Spitzen von Paliurus aculeatus zum Sitzen auf, 
von wo das Männchen dann seinen lieblichen Gesang erschallen lässt. Nach Osten hin 
wird man sie bis in die Niederungen des westlichen Caspi-Ufers überall antreffen, wo 
Buschwald gruppenweise den Boden deckt. Im Lenkoran’schen Küstengebiete ist der 
Vogel häufig und kommt im Suant-Gau in Höhen von 5—6000° über dem Meere noch 
vor, so dass hierdurch Bogdanow’s**) Angabe korrigirt wird. Im Armenischen Rand- 
gebirge fand ich ihn an ähnlichen Lokalitäten, z. B. bei Achalzich am Schambobel, bei 
dem Safara-Kloster, wo er Anfang Mai auf blühenden Spiraeen und Loniceren sass und 
gegen Abend sehr fleissig lockte. Auch in den Einsamkeiten der Kurden-Lande, im 
Gebiete der Teufelanbeter, fand ich ihn so auf den Weidengebüschen von Kasikoporan. 
Nirgends aber traf ich den schönen Vogel in der basalalpinen Zone an. Die grossen 
Höhen, in denen Blanford***) diese und auch andere Ammerarten in Hochiran fand, 
lassen sich insotern erklären, als dort die Sommer entschieden noch heisser und trockener 
sind; als im kaukasischen Gebirge, weshalb, wie das ja auch schon auf dem kleinasia- 
tischen Oentralplateau der Fall ist, die Schneelinie, die Vegetationszonen und auch die Kul- 
turen bedeutend höher in der Vertikal-Richtung zu liegen kommen. Erwähnter Autor fand 
Euspixa melanocephala schon am 2. Mai in einer Höhe von 8000 über dem Meere in Hanaka. 


*) Zoogr. rosso-asiat., T. I, pag. #28. 
=") Die Vögel des Kaukasus (russ.), 
==>) Eastern Persia, P. II, pag. 260. 


Emberiza eirlus. — Emberiza citrinella. 191 


90. Emberiza eirlus L. 


Diese Ammer gehört zu den grössesten Seltenheiten im Kaukasus. Ich habe 
sie nur einmal bei dem Kloster Safara, unweit vom Städtchen Achalzich, angetroffen. 
Das Männchen, sofort an der dunkeln Kehle erkennbar, sang gegen Abend von dem 
Gipfel eines Gebüsches sein einfaches, nicht sehr melodisches Lied. 


91. Emberiza eitrinella L. 
Alle Ammern heissen bei den Russen: Owsjankt. 
Systematisches. 

Die Suite kaukasischer Exemplare, welche ich hier erörtere, besteht aus zwei- 
undzwanzig Individuen; ein halbes Dutzend davon wurde bei Lenkoran erlegt, die 
übrigen stammen aus den Umgegenden von Tiflis und den nahe gelegenen Gebirgen, 
wo sie alljährlich vornehmlich Wintergäste sind und um so häufiger erscheinen, als es 
kälter wird. In Bezug auf Reinheit und Intensität des Gelb der alten Männchen lassen 
sich manche Abstufungen erkennen, ebenso auch an den graubraunen Brustflecken, 
welche bald zu deutlich sich absetzendem, breitem Bande ausgebildet, bald unterbrochen 
und nur schwach vertreten sind. Hochgelbe alte Männchen, wie es solche zur Zeit des 
Brütens in Deutschland giebt, sind hier im Winter selten, ab und zu dagegen zum Frühlinge 
hin zu finden. So besitze ich einen Balg vom 1. /13. März 1879, der sich vollständig 
einem Thüringer Männchen vom Mai anschliesst. Junge Weibchen sind bisweilen den 
Weibchen von E. cinerea recht ähnlich, besitzen aber stets auf der unteren Körperseite 
einen erkennbaren gelblichen Anflug des Gefieders. Ein jüngeres Weibchen meiner Suite 
ist dermaassen an der Kehle und Brust von grauschwarzen Flecken bestanden, dass 
trotz des abgetragenen Kleides die dunklen Töne dort vollständig dominiren. Es scheint 
mir, dass solche dunkle Vögel die hier ausgebrüteten Goldammern sind. Auch bei den 
Männchen finde ich an den im September getödteten, wenn noch keine Gäste aus Norden 
eingewandert sind und wir es hier nur mit hiesiger Brut und Brutvögeln zu thun haben, 
dass die roströthlichen Tinten auf der Brust fehlen. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Nur selten bin ich der Goldammer als Brutvogel in Transkaukasien begegnet, 
das geschah z. B. bei dem Kloster Safara in einer Höhe von circa 3300' über dem 
Meere. Mit Mendtries’*) Angabe: „sur les montagnes du Caucase“ würde ich mich 
gerne einverstanden erklären, falls er von der Winterzeit spräche. Die zweite Angabe: 
„et plus commun encore ä Lenkoran“ muss ich für die Sommerzeit entschieden in 
Abrede stellen. Nun ist meines Wissens M&ne6tries im Winter nicht in Lenkoran 
gewesen, also muss hier ein Irrthum vorliegen. Es beläuft sich auch unsere ganze Aus- 
beute an Goldammern im Winter 1879—80 bei Lenkoran auf nur sechs Exemplare, so 
dass ich diese Art auch für diese Jahreszeit nur als Seltenheit dort erwähnen kann. 
Bogdanow**) bemerkt ganz richtig, dass der Vogel an der Nordseite des Grossen 
Kaukasus häufiger ist, als in Transkaukasien. Als Sommervogel ist diese Art auch 


*) Catalogue raisonne, pag. 40. 
**) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 70. 


er 


192 Emberiza citrinella. — Emberiza hortulana. 


nicht für die Türkei im Dresser’schen *) Werke erwähnt, wohl aber als häufiger Winter- 
vogel und de Filippi**) kennt sie aus Persien gar nicht; dagegen führt Blanford ***) 
sie im Juli aus einer Höhe von 8000‘ über dem Meere an, also wohl als Brutvogel, wenn 
auch sehr vereinzelten, in den Schiras-Gebirgen. Ich habe 1866 Monate lang im Früh- 
linge im Talyscher Tieflande gejagt und ebenso 1870 und 1879, doch habe ich niemals 
eine Goldammer in dieser Zeit dort gesehen. Als seltener Brutvogel bleibt sie im 
Armenischen Randgebirge, während sie an der Nordseite des Grossen Kaukasus in der 
gemässigten Zone von 3000--4500' häufiger ansässig ist. Im Winter aber nimmt diese Art 
an Zahl bedeutend.zu und zwar mit wachsender Kälte mehr und mehr. Dann wandert 
sie der grossen Heerstrasse entlang, die am Kasbek vorbei nach Georgien führt, und 
erscheint in kleinen Banden an der Südseite des Gebirges. Fällt nun hier ausnahms- 
weise viel Schnee, so rotten sich diese Banden zu grösseren Flügen zusammen, die aber 
sofort beim Fortthauen des Schnee’s wieder zersprengen. Solche Goldammerschaaren 
schwärmten gesondert, während Ernberixa cia sich mit den Bergfinken zusammenhielt. 
Im Jahre 1864 trafen viele Goldammern erst mit dem 4. /16. Januar bei Tiflis ein. 
Spätere Jahre lieferten sie mir als Wandervögel nie früher, als im November. Auf dem 
ganzen Wege von Tiflis nach Lenkoran gab es im November 1879 keine Goldammern, 
ebensowenig begegnete ich ihnen bei der Exkursion nach Kedabeg am Öberlaufe 
des Schamchor. 


92. Emberiza hortulana L. 
Russisch: Sadowaja Owsjanka, d. h. Gartenammer (Bogdanow). 
Systematisches. 

Einundzwanzig kaukasische Exemplare stehen mir zur Verfügung. Sie wurden 
bei Tiflis, bei Derbent, bei Lenkoran und im Talyscher Gebirge erlegt. Die meisten 
davon sind Männchen im Hochzeitskleide, jüngere und ältere Vögel, die Suite wird durch 
einige alte Weibchen und junge, im ersten Kleide stehende, Individuen vervollständigt. 
Mit Schweden verglichen fällt bei meinen südlichen Vögeln durchweg der reinere und 
hellere Farbenton des gesammten Gefieders in die Augen. Zumal ist das der Fall mit 
der zimmetfarbenen Bauchseite. Auch setzt: sich bei allen alten Männchen der hellgelbe 
Kehlfleck deutlich von den graugrünlichen Partien der Halsseiten und der Brust ab. 
Bei zweien, welche ich in einer Höhe von über 7000‘ über dem Meere am Küs-jurdi am 
14. / 26. Juli erlegte, ist das vorher Gesagte weniger der Fall, das Kleid derselben ist 
ungemein verstossen und die gelben Partien am Kopfe des Weibchens sind fast ganz 
verblichen, aber doch noch als gelb erkennbar. Zweijährige Vögel tragen bei beiden 
Geschlechtern am Halse und auf der Brust die dunkeln schwarzgrauen Schaftflecken. 
Namentlich sind diese bei einem am 24. Juli /5. August bei Tiflis erlegten Weibchen 
sehr stark prononcirt, obgleich der Vogel noch das alte Rleid trägt. Ein jüngerer Vogel, 
dessen Geschlecht nicht zu ermitteln war und welcher Ende April bei Lenkoran erlegt 
wurde, trägt diese Schaftflecken auf der ganzen Brust und zwar so mächtig, dass sie 
nur wenig von der graubräunlichen Grundfarbe erkennen lassen. Ausgewachsene Junge 


Journal für Ornithologie, 1576, pag. 183—1S4. 


*) Dresser, The birds ete., Part III, 1871. 
>) 
“) Eastern Persia, P. II, pag. 257. 


Emberiza hortulana. — Emberıza cia. 193 


wurden bei Tiflis am 26. Juli/”7. August gesammelt. Sie haben stets einen leichten 
gelblichen Anflug auf der Kehle und lassen sich danach am besten von jungen E. caesia 
unterscheiden. 

Nest und Eier am 12. / 24. Mai von Tiflis. Das erstere ist locker aus Stengeln 
gefügt. Ich erkenne unter den dazu verwendeten Pflanzen Helianthemmun oelandicum ; 
im Innern sehe ich kein Polster; die 5 Eier waren wenig bebrütet. Ich messe: Höhen- 
durchmesser: 20, Breitendurchmesser: 16 mm. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Der Hortulan ist zwar nicht so gemein, wie die Zippammer in den Vorbergen 
des Kaukasus, doch aber sowohl im Sommer, wie auch im Winter ein häufiger Vogel 
an passenden Lokalitäten. Diese sind nun im Winter dieselben, wie sie sich Eimberixa 
cia wählt. In der Nähe von Wegen, bebuschten Hügeln, oft steilen Schroffungen, auch 
in engen, aber sonnigen Schluchtenthälern begegnet man beiden Arten. Im Sommer 
sucht der Hortulan feuchtere höhere Gegenden mit bebuschten Wiesengründen und Ab- 
hängen auf, brütet aber auch in der Nachbarschaft von E. cia, dem aride Steilungen 
durchaus nicht zuwider sind. Im Winter trifft man bei der Passage des Grossen Kau- 
kasus an der Südseite bis zur Station Mleti überall kleine Hortulan-Banden, welche 
sich an der Nordseite mit der Oeffnung der Darial-Schlucht nach Norden bei Balta 
wieder zeigen. Zu dieser Zeit halten E. hortulana und E. cia gute Freundschaft. In 
Persien ist er noch in einer Höhe von 8000‘ über dem Meere Brutvogel, wie Blan- 
ford*) bezeugt. 


93. Emberiza cia L. 
Systematisches. 

Meine neunzehn kaukasischen Vögel wurden zum grossen Theile im Herbst und 
Winter erlest. Am 13. / 25. Juni wurde ein altes Männchen bei Tschindan-Kale an der 
persischen Grenze im Talyscher Gebirge (7000‘) geschossen. Das Kleid dieses Vogels 
ist so gleichmässig abgerieben, dass die Kopfplatte einfarbig tief schwarz erscheint. 
Nur hinter und oberhalb von dem Auge ist beiderseits der weissliche Flecken angedeutet. 
Junge Vögel, bei Betanien im Gebirge, unweit von Tiflis, Ende September erlegt, 
tragen das weiche Jugendkleid, welches bei Männchen und Weibchen auf der Kehle und 
Brust sehr stark in Schwarz gefleckt erscheint. Bei dem Männchen macht sich schon 
der graue Grundton an der erwähnten Stelle kenntlich. Im frischen Gefieder (Septbr., 
Oktbr.) alter Männchen ist der schwarze Bartstreifen nur schwach angedeutet. Die 
alten Weibchen zeigen am frischen Kleide stets die dunklen, schwärzlichen Fleckchen 
an den Enden der Hals- und Brustfedern. Die Grösse der weissen Keilbinden auf den 
äusseren Steuerfedern ist auch bei dieser Spezies recht variabel. 

Anfang Mai wurde 1870 das Nest mit drei unbebrüteten Eiern bei Tiflis 
gefunden. Ersteres ist in seiner Anlage fast gleich dem von E. hortulana, hat aber 
feineren Stengelbau und mehr Gras, Moos und kleines Blattwerk. Auch dieses Nest 
besitzt kein Polster im Innern. Die Eier finde ich ein wenig grösser, als die von 


*) Eastern Persia, Vol. II, pag. 259. 


Radde, Ornis caucasica. 25 


194 Emberiza cia. 


E. hortulana, die Fleckung meistens undeutlicher. Am stumpfen Ende einzelne, grosse, 
stark prononcirte braune Flecken. Ich messe: Höhendurchmesser 24, Breitendurch- 
messer 18 mm. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Die Zippammer ist von allen ihren Geschlechtsgenossen (mit Ausnahme von 
Cynchramus schoeniclus) die gemeinste Art im Kaukasus und bevorzugt in ihm die 
temperirte Zone, wo sie Standvogel ist. Zum Winter wandern die Zippammern aus den 
Höhen von 4—5000‘ thalabwärts, denn sie sind dann in den Vorbergen häufiger zu 
finden und schaaren sich bei eintretender Kälte und Schneefall. Gewöhnlich bleibt 
diese Ammer auch im Winter mit ihrem Weibchen vereint. Am ersten Januar 1864 
schrieb ich in mein Tagebuch: „Bis zu stärkeren Schneefällen ist E. ea die einzige 
Art bei Tiflis, rottet sich bei Schneefall und besammelt im Vereine mit dann heranziehen- 
den Bergfinken (Fringilla montifringila) die Blössen der Südseiten an den Abhängen, 
schwärmt auch gemischt mit den Banden des bissigen Bergfinken. Je tiefer der Schnee, 
um so grösser werden diese gemischten Flüge; sobald die breiteren Thalsohlen schnee- 
frei werden, sind die Banden zersprengt und die Bergfinken verschwinden.“ Sowohl 
zum Brüten, als auch zum sonstigen Aufenthaltsorte bevorzugt E. cia die trockenen, 
sonnigen, mit Krüppelholz bestandenen Steilungen der Gebirge und verhält sich an 
ihnen ungemein ruhig, immer sammelnd und zippend.. Nordmann’s Angabe*) über 
grosse Zippammerschaaren, die er Mitte Mai in Abchasien und Gurien beobachtet 
haben will, kann ich nicht deuten. Der Vogel mag in jenen warmen Gegenden um 
diese Zeit wohl schon Hügge Junge haben (obschon dies der Autor erst für den Juli 
erwähnt), doch führt er in diesem Falle um diese Zeit Familienleben. Ob die Schaaren 
von „5080“ Individuen aus alten, nicht mehr brütenden Vögeln bestanden? Ich 
glaube das nicht. Vielleicht soll anstatt Mai — März stehen! — In Bezug auf die 
Vertikal-Verbreitung kann ich angeben, dass die Vögel im Dadian’schen Swanien (Quell- 
thal des Hippos) bis oberhalb Laschketi und in der Radscha bis oberhalb Uzeri beo- 
bachtet wurden und dort auch brüten. Im Kleinen Kaukasus wird man den Vogel bis zu 
6000’ im bebuschten Gebirge überall antreffen. Bei Zagweri, unweit von Borshom, in einer 
Höhe von 3000‘ ist er Standvogel, bleibt aber immer den Waldrändern treu, ist gewisser- 
maassen Wegvogel und meidet das Dunkel der Hochwälder auf das entschiedenste. 
Bogdanow’s**) Angabe, dass die eigentliche Heimath dieses Vogels die alpine und 
basalalpine Wiese von der „Schneelinie bis zur Baumgrenze* ist, kann ich durchaus 
nicht bestätigen. Ich habe ihn in dieser Zone, welche die Höhe von 7— 10000‘ über dem 
Meere im Grossen Kaukasus einnimmt. nur sehr selten und nur im Hochsommer gesehen. 
Bis in die Gebüsche am Südabhange des Kasbek kenne ich ihn in einer Höhe von eirca 7000‘, 
aber auch hier war er im Sommer recht selten. Im Kurathale abwärts wurde ei, soweit 
Gebüsche die Niederungen bestehen, überall angetroffen und fand sich auch jenseits der 
trennenden Mugansteppe im Lenkoran’schen Gebiete, wenngleich viel seltener, als ander- 
weitig im Kaukasus und sichtlich die nassen Niederungen vermeidend. 


*) Demidow: Voyage etc., Tome III, pag. 174. 
**) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 72. 


Emberiza Huttoni. — Pmberiza caesia. 195 


94. Emberiza Huttoni Blyth 
— E. Cerrutü de Filippt. 
Systematisches. 

In seiner Anmerkung hat Hermann Schalow*) bereits auf die nahe Ver- 
wandtschaft mit Emberixa hortulana hingewiesen, indem er nach Gray E. shah Bp. = 
E. Cerrutüi de Filippi = E. Buchanani Blyth = E. Hultoni Blyth setzt und als per- 
sische Form von E. hortulana L. betrachtet. Von Derbent besitze ich einen Vogel, 
welcher eigentlich nichts weiter ist, als ein E. hortulana ohne Gelb an der Kehle. Hals 
und Kopf sind grau. Dies wäre die in Rede stehende Art. Mit einem indischen Vogel 
verglichen zeigt unser Exemplar das Braun der unteren Körperseite heller und leuch- 
tender. Dies kann man durch die Jahreszeit, in welcher der Vogel lebte, als er erlegt 
wurde, erklären. Der indische Vogel trägt das frische Herbstkleid, da er am 22. Novbr. 
geschossen wurde; mein Derbenter Vogel wurde Ende Juni getödtet und trägt ein ganz 
abgetragenes Hochzeitskleid, welches sich am Halse hie und da zu erneuern beginnt. 
Bis auf Weiteres führe ich diese Art noch als selbstständige auf. 


Lebensweise und Verbreitung. 

De Filippi entdeckte diese Art, oder, von unserem Standpunkte aus betrachtet, 
vielleicht nur diese Varietät des Hortulans bei Sardarak, also im mittleren Araxes-Thale 
vis & vis vom Kleinen Ararat. Mein Vogel lebte im Niveau des Meeres am Caspi. 
Blanford**) brachte eine bedeutende Suite aus Persien mit und fand diese Ammer am 
17. / 29. August noch in einer Höhe von 9000‘ über dem Meere in der Elburs-Kette. 


95. Emberiza caesia Cretschm. 
Systematisches. 

Gleich der Zaunammer (E. cirlus) gehört diese Art zu den seltensten Vögeln 
des Kaukasus und ist mir nur durch zwei junge Vögel, die am 26. Juli /7. August bei 
Tiflis erlegt wurden, bekannt geworden. Diese entsprechen vollkommen einem jungen 
Vogel von Smyrna und ebenso der gelungenen Abbildung, welche Dresser ***) giebt. 
Kehle und Oberbrust zeigen keine Spur der gelblichen Farbe, die auch im Jugendkleide 
den Hortulan 'von der in Rede stehenden Art unterscheiden lässt. Da die jungen Ammern, 
namentlich E. hortulana, cia und caesia einander recht ähnlich sind, so legte ich sie 
E. v. Homeyer vor, der die beiden erwähnten ebenfalls entschieden als E. caesia 
angehörend erklärte. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Das bis jetzt ermittelte östlichste Vorkommen der Graukopfammer liest an 
der asiatischen Ostseite des Mittelmeeres. Aus dem Kaukasus war der Vogel bis dahin 
nicht bekannt. 


*) Journal für Ornithologie, 1876, pag. 183. 
**) Eastern Persia, T. II, pag. 258. 
=) The birds- ete. 1871, Part. I. 


196 Crithophaga miliaria. 


96. Crithophaga miliaria L. typ. 


mi et var. minor Radde. 


Russisch: Prosjanka. 
Armenisch : Korekkerik. 
Systematisches. 

Aus dem Kaukasus liegen mir achtzehn Exemplare vor; zwei davon sind von 
besonderem Interesse, weil sie eine auffallend kleine Race repräsentiren, worüber die 
nachstehende Tabelle nähere Auskunft ertheilt. Der eine Vogel, Männchen, Ende Juli 
bei Tiflis erlegt, trägt ein ganz verstossenes und abgeblichenes Kleid; namentlich zieht 
das Kolorit der oberen Seite in’s Fuchsröthliche, so dass von der Stirne bis zum Nacken 
nur diese Färbung obwaltet. Die breiten, schwarzbraunen Flecken auf der Brust stehen 
bei diesem Exemplare so dicht, dass sie trotz ihrer Abnutzung sich meistens aneinander 
schliessen und eine nur wenig unterbrochene Bogenbinde bilden. Der Schnabel ist 
normal. Der Grösse nach reiht sich diesem Vogel zunächst ein Weibchen vom Küs-jurdi 
(Talyscher Grenzgebirge) an. Auch dieses zeigt die obere Körperseite mehr rostig 
gefärbt, als es bei den typischen Europäern der Fall ist, und auch bei ihm sind die 
schwarzen Brustflecken stärker als gewöhnlich entwickelt. Alle anderen Vögel meiner 
Suite aus dem Tieflande von Lenkoran, von Derbent und von Tiflis sind normal in der 
Grösse, aber fast alle neigen im Grundtone des Rückengefieders mehr zum Roströth- 
lichen, als zum getrübten Graubraun. Dieses ist namentlich auch bei frisch vermauserten 
Weibchen, welche im Oktober bei Betanien erlegt wurden, der Fall, so dass von einem 
Verbleichen des Gefieders im Verlaufe der Zeit in Bezug auf diese Färbung nicht gut 
die Rede sein kann. 

Ich lasse nun die Maasse folgen: 


typ. var. minor. 
Orithophaga miliaria L.: | Pommern. Tiflis. | Talysch. | Tiflis. 

M M W. M 

| mm mm mm , mm 

lotallänges.o cm an esse | 183 188 165 146 

Flügelbug bis Spitze . . . . . 103 103 98 84 - 

Schwanzlänger 7 a. 2 a9 73 70 
Schnabel auf der Firste gemessen . 14 14 12 12 
Schnabelhöhe an der Basis... | U 10 9 10 
Mundspaltes 0 2 zu 2 ee 15 14 13 
arsusi, 7, 0 De 25 25 25 23 


Lebensweise und Verbreitung. 
Die meisten Grauammern Transkaukasiens sind Standvögel. Sie vereinigen sich 
im November gerne mit Galerida eristata und besuchen gemeinschaftlich die Brachfelder und 
grossen Strassen. So fand ich sie im Dezember 1864 im unteren Aragwa-Thale. Ende 
März sondern sich die Paare und das Locken beginnt. Am 24. März /5. April 1866 


Crithophaga miliaria. — Cynchramus schoeniclus. 197 


waren schon viele Grauammern auf der Strecke Weges Tiflis-Nucha gepaart, andere 
lebten noch in Banden. Seltener als in den Vorbergen des Gebirges an der Südseite 
traf ich die Grauammer im Winter im breiten Kurathale an. Oberhalb von Mingetschaur 
sah ich im November etliche Exemplare, sie lebten gesondert am Wege und wollten von 
den vielen Haubenlerchen in ihrer Nähe damals nichts wissen. Ebenfalls selten war 
diese Art im Winter im Talyscher Tieflande, wo im März und Anfang April einige 
Exemplare geschossen wurden. Es scheint, dass der Vogel ostwärts immer seltener 
werde; nach Bogdanow’s*) und Eversmann’s Berichten ist die Grauammer an der 
unteren Wolga eine Seltenheit und dem Mittellaufe des grossen Stromes soll sie gänz- 
lich fehlen. Bis zu einer Höhe von 8000‘ über dem Meere traf ich diese Art am Fusse 
des Sawalan an. Dort befinden wir uns aber noch im Gebiete reicher Getreide-Kultur. 
Am Goktschai-See soll die Grauammer brüten (Grosmani). 


97. Cynehramus schoeniclus L. typ. 
et var.: intermedius Michl. 
Russisch: Bolotnaja Owsjanka, d. h. Sumpfammer (Bogdano w). 


Systematisches. 


Ich habe absichtlich eine grosse Suite von Rohrammern im Kaukasus gesammelt; 
sie besteht aus vierzig Individuen in allen. möglichen Kleidern, beiden Geschlechtern 
und unreifen Vögeln. Unter den kaukasischen Rohrammern befinden sich ebensowohl 
die typisch kleinwüchsigen, wie auch die von Michahelles als Emb. intermedia 
artlich getrennten. Ueber letztere habe ich mich in meiner Festlands-Ornis von Ost- 
sibirien **) genugsam ausgesprochen. Damals hielt ich noch den Gedanken fest, auch die 
Pallas’sche Art C. pyrrhuloides nach dem Beispiele von Blasius, Vater, für eine 
Varietät der gewöhnlichen Rohrammer zu halten. Dies habe ich seit jener Zeit, nament- 
lich nachdem ich mit den Vögeln der unteren Wolga bekannt wurde, aufgegeben. Die 
Astrachaner Vögel leisten in der That das Grösstmöglichste in der Schnabelplastik und 
obschon summa summarum in der Färbung unabweisbare Parallelen zwischen beiden 
Rohrammern statthaben, so bleiben sie doch gut getrennte Arten, welche durch (©. 
intermedius nicht vermittelt werden. Es fällt mir auf, dass die bei Tiflis im November 
erlegten Rohrammern vornehmlich der typischen Form angehören, während die Früh- 
lingsvögel vorwaltend dem grosswüchsigen Vogel gleichkommen. Uebrigens giebt es 
grosswüchsige Individuen mit kleinem Schnabel, so z. B. ein Männchen vom 17. / 29. 
November, welches nur 8 mm. Schnabellänge auf der Firste bei einer Totallänge von 
158 mm. besitzt. Andererseits messe ich an einem Weibchen vom 11. /23. Februar 
die Totallärge nur zu 129 mm., aber die Schnabelfirstläinge zu 11 mm. Mit einem 
Worte: Wuchs und Schnabellänge variiren dermaassen und sind so wenig konstant, 
dass an eine artliche Trennung nicht gedacht werden darf. Die Oberschnäbel der var. 
inlermedius sind zur Spitze auch etwas nach unten gebogen, leicht hakig, während sie 
bei C. schoenichıs typ. gerade verlaufen. Ein am 6. / 18. Februar 1864 erlegtes 


*) Säugethiere und Vögel der mittleren und unteren Wolga (russ.), pag. 104. 
**) Reisen im Süden von Ost-Sibirien, Bd. II, pag. 172. 


198 Cynchramus schoenielus. — Cynchramus pyrrhuloides. — Plectrophanes nivalis. 


‘Männchen hat die Federränder am dunklen Kehlflecken schon total abgenutzt und erscheint 
im ausgebildeten Hochzeitskleide. Sehr verstört im Gesichte und am Halse sieht ein 
altes Weibchen vom 19. / 31. März aus. Die Federchen sind bei diesem Vogel so stark 
verrieben, dass die Kehlplatte sich in ihrer Totalität abzeichnet und ebenso auch die 
Kopfplatte. Dieses gewiss sehr alte Weibchen steht einem zu gleicher Zeit am Chram- 
flusse erlegten Männchen im Kolorit recht nahe, nur ist das Schwarz seiner Kehle noch 
reichlich von Graubraun durchsetzt. Bei recht alten Männchen schliesst sich der fast 
weisse Nackenring vollkommen. Jüngere Vögel besitzen ihn gar nicht. Ein junges 
Männchen, im März bei Tiflis erlegt, weist nur unregelmässige, seitlich am Halse stehende. 
schwarze Flecken auf, die zwischen ihnen stehenden Kehlfederchen sind schmutzig 
gelblich grau. Die grosswüchsigen Exemplare, am 16. / 28. November bei Tiflis erlegt, 
tragen ein frisches, nicht verstossenes Kleid, an welchem Kopf und Kehle sehr wenig 
vom tiefen Schwarz des Hochzeitskleides bekunden. Diese Exemplare besitzen durch- 
schnittlich 160 mm. Totallänge, die typischen Rohrammern nur 130 bis 135; ©. pyr- 
rhuloides messe ich mit 173—176 Totallänge. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Aus den Umgegenden von Tiflis kenne ich die Rohrammer nur als Wintervogel. 
Im Oktober trifft man diese Art nur vereinzelt an; aber wenn im Januar tiefer Schnee 
fällt und einige Tage liegen bleibt, so gesellt sich auch die Rohrammer zu den Flügen 
der anderen Emberixa-Arten. Diese Banden bestehen aus Emb. cia, citrinella, Fringilla 
montifringila, denen sich einige Haubenlerchen anschliessen. Auch gesellt sich zu 
solchen Flügen eine hie und da winternde weisse Bachstelze oder Motacilla boarula ; diese 
beiden bleiben zum Theile im Winter hier. Alle diese Vögelchen tummelten sich Anfang 
Januar 1864 auf dem Hofplatze des Observatoriums bei Tiflis und machten sich in den 
Chenopodien-Beständen daselbst zu thun. In den weitgedehnten Rohrbeständen von 
Talysch lebt die Rohrammer im Winter einzeln. Am 13. /25. November wurden dort 
mehrere Exemplare erlegt. Mit zunehmender Kälte wurde der Vogel häufiger, schaarte 
sich aber nicht, sondern lebte im Rohr und in den Jongeln. Von allen Ammern ist im 
Talyscher Tieflande diese Art die häufigste, sie soll auch am Goktschai-See brüten (6300'). 


98. Cynchramus pyrrhuloides Pall. 


Ich besitze nur Exemplare von der Wolga und habe, trotz eifrigen Suchens, 
den Vogel im Kaukasus nicht gesehen, obgleich es mehr als wahrscheinlich ist, dass er 
im dichten Rohr von Lenkoran lebt und sogar brütet. Bogdanow”*) führt ihn aus 
dem Terekdelta auf und Men&tries**) erkannte ihn als neue Art (Emb. caspia), die er 
1829 bei Lenkoran gefunden. 


99. Plectrophanes nivalis L. 


Ob der Nordfuss des Grossen Kaukasus der Schneeammer für ihren Winterauf- 
enthalt in ausnahmsweise harten und schneereichen Wintern die extremste südliche 


*) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 72. 
**) Catalogue raisonne, pag. 41. 


Plectrophanes nivalis. — Melanocorypha calandra. 199 


Grenze zieht, bleibt einstweilen noch eine offene Frage. Jedenfalls bleibt diese Art, den 
Goldammern gegenüber, weit gegen Norden zurück. Auf der Strecke von Rostow bis 
Wladikawkas habe ich mich im Winter vergebens bemüht, Schneeammern zu finden. 
Auch darf ich mit Entschiedenheit behaupten, dass sie im Winter auf der grusinischen 
Heerstrasse nicht leben. Auf letzterer war ich oft und längere Zeit und sah sie niemals. 
Möglich, dass tiefer Schnee im Norden und strenger Winter sie auch über den Don nach 
Süden treiben ; allein es liegen keine Fakta meines Wissens darüber vor, dass sie zeit- 
weise in den Steppen des Kuban oder Terek erscheinen. Dass der Vogel in Europa bis 
an das Mittelmeer gehe, als seltener Gast in besonders harten Wintern selbst bis Nord- 
afrıka, berichtet Dresser *) nach sichersten Quellen. Für die Türkei und für Griechenland 
fehlen über sein Vorkommen die Hinweise. Nordmann**) und später Schatilow ***) 
erwiesen ihn für die Krimm. Ich war deshalb besonders erstaunt, als im April 1876 
mir ein altes Männchen im hellen, weissköpfigen Kleide mit der Angabe zugestellt wurde, 
der Vogel sei bei Alexandropol, also auf dem Armenischen Hochlande, erlegt. Der 
Eigenthümer verlangte den Balg zu meinem Bedauern zurück. Ich muss annehmen, 
dass in strengen Wintern, wie sie ja im Süden Russlands gewöhnlich sind, sich Schnee- 
ammern zur anatolischen Rüste begeben und bei dem dort oft plötzlich einsetzenden 
Frühling thalaufwärts wandern, wo, einmal auf dem Hochplateau angelangt, ihnen der 
volle Winter entgegenstarrt. Der Mangel des Vogels in den Thälern Transkaukasiens 
wird durch den Mangel beständigen Schnee’s im Winter erklärt. Bogdanowj) hat 
ebenfalls die Meinung, Jass das Erscheinen der Schneeammern auch in Russland vom 
Schneefalle abhängt und erst dann erfolgt, wenn fester Schnee liegt. 


Subordo 2. 
Corides 


* 


100. Melanocorypha calandra L. 
Russisch: Stepnoi Shaworonok, d. h, Steppen-Lerche. 


Systematisches. i 

Da ich von M. bimaculota Mentr. nur sehr geringes Material besitze und mit 

dem Reduziren der Arten sehr vorsichtig bin, so will ich bis auf Weiteres die beiden 
Calander-Lerchen noch getrennt aufführen, bin aber überzeugt, dass in Zukunft die 
M. bimaculala als selbstständige Spezies fallen wird. Es scheint mir, was Transkaukasien 
anbelangt, dass die hier brütenden (sie sind selten und bis jetzt nur im östlichen Theile 
gefunden) stets kleiner und rostiger, als die typischen Calander-Lerchen sind, dabei aber 
nicht immer die charakteristischen Abzeichen an den Enden der Schwanzfedern besitzen. 


*) The birds ete., Part XXI, Septbr. 1873. 

**) Demidow: Voyage etc., Tome II, pag. 177. 

***) Katalog meines ornithologischen Museums ete., Bulletin de Moscou, 1860, Nr. 4. 
‘r) Säugethiere und Vögel der mittleren und unteren. Wolga, pag. 101. 


200 Melanocorypha calandra. 


Dagegen ist die Menge der aus NO. im Winter in die caspische Küstenzone heranziehenden 
Vögel die typische M. calandra. E. v. Homeyer hat im Journal für Ornithologie *) 
über die grosse Veränderlichkeit der Calander-Lerche in Bezug auf Grösse und Kolorit 
Bericht erstattet und erwähnt bei der Aufführung der Synonymie von Alauda bimaculata 
unter anderen auch — A. calandra Rüppel — A. calandra E. v. Hom. (Vögel Ost- 
sibiriens), ein Beweis, dass selbst Meister der Sache schwankend sind im Auseinander- 
halten beider Arten. 

Die neunzehn Vögel meiner Suite, welche vom Dezember 1879 bis 1. / 13. Februar 
1880 bei der Station Arabskaja, bei Baku und Lenkoran gesammelt wurden, sind alle 
typische M. calandra, desgleichen ein Vogel vom 1. / 13. Mai, bei Derbent geschossen. 
Ein im Juni dort erlegter Vogel ist ein kleines, altes Weibchen, welches den Schwanz 
der typischen calandra und auch die weissen Endflecken der Schwingen 2. Ordnung 
besitzt; das Gefieder des Vogels zieht aber übrigens schon stark in’s Rostige. Ein ° 
kleinwüchsiges Männchen, am 1. / 13. Februar westlich von Baku erlegt, hat den Wuchs 
und die Schwingenverhältnisse der M. bimaculata, die Schwanzfarben der typischen 
calandra und das Weiss an den Spitzen der kleinen Schwingen kaum angedeutet, Kolorit 
eher rostig, als grau. Endlich besitze ich noch eine typische M. calandra aus der 
E. v. Homeyer’schen Sammlung, ohne nähere Fundangabe, dem Gefieder nach zu 
urtheilen ein Sommervogel, dessen Kleid durchweg stark in’s Rostige zieht. Die wirk- 
lich typische M. bimaculala besitze ich nur in zwei Exemplaren aus dem Kaukasus und 
bespreche diese weiter unten. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Die typische Calander-Lerche erscheint in grosser Zahl in strengen Wintern in 
Transkaukasien, jedoch verbleibt sie vornehmlich im östlichen Gebiete: wiederum ein 
Beweis dafür, dass die Zugrichtung das Gebirge in seinem Centraltheile nicht trifft. Erst 
bei der Station Arabskaja, östlich von Mingetschaur, traf ich am 24. Januar / 5. Februar 
die ersten Calander-Lerchen-Flüge an. Im Dezember fehlten sie noch. Je weiter ich 
ostwärts zog, um so häufiger wurden die Vögel. Zumal östlich von, Schemacha in dem 
Gebirge, welches waldlos ist und überall Steppentypus besitzt. Hier flog sie nicht selten 
mit M. sibirica und selbst mit Alauda arvensis zusammen. Jedoch halten sich die einmal 
zusammengehörenden Flüge strenge von einander getrennt. Dem Küstenterrain bei 
Baka, wo es im Winter sehr unwirthlich und stürmisch (N. und NO.) ist, fehlte diese 
und die sibirische Lerche ganz. Dort wurden wenige Alauda arvensis, Calandrella brachy- 
dactyla and zwei Zallula arborea erlegt. Gegen das Ende des Dezembers 1879 erschienen 
viele Calander-Lerchen bei Lenkoran, blieben dort Dünen- und Wiesenvögel, doch behagt 
ihnen und allen anderen Lerchen, zumal den Arten der Steppe, die feuchte Süsswasser- 
niederung nicht. Einzelne Calander-Lerchen beobachtete ich noch am 8. / 20. März in 
der Mugansteppe; sie lebten damals eingesprengt in den grösseren, noch gerotteten 
Zügen der Feldlerche. 


*) Journal für Ornithologie,.1873. pag. 188. 


Melanocorypha bimaculata. 201 


101. Melanocorypha bimaculata Mentr. 
Systematisches. 


Zwei Exemplare liegen aus Transkaukasien vor. Ein grösseres Material dieser 


in Transkaukasien 1850*°) von M&netries entdeckten Art, die indessen meinen 
Erfahrungen gemäss recht selten ist, wird wahrscheinlich in Grösse und Färbung noch 
manche vermittelnde Uebergänge zu M. calandra bieten. Bis jetzt liegt mir ein solches 
nicht vor. Ich deute indessen in Folgendem die Gründe, die mich zu einer Vereinigung 
veranlassen könnten, an: 


1) 


3) 


Die Stärke des Schnabels variirt an den mir vorliegenden Exemplaren, die ich ebenso- 
wohl mit einer typischen Calander-Lerche Italiens, wie mit einer indischen M. torguata 
und einer grossen Suite transkaukasischer Calander-Lerchen vergleichen kann. 
Zumal findet das statt bei dem grosswüchsigen Männchen der M. bimaculata, 
welches längere Zeit in der Gefangenschaft lebte und auch in Bezug aüf die 
Schwanz- und Flügellängen sich zwischen M. bömaculata und M. calandra typ. 
einreiht. Die unten angeführte Maasstabelle giebt hierüber Aufschluss. 

Die transkaukasische M. bimaculata ist zwar gewöhnlich bedeutend kleiner, als 
die pontische und südeuropäische M. calandra, doch grösser als M. torquata und 
bisweilen ebenso gross als M. calandra, was ebenfalls aus der Maasstabelle 
ersichtlich. 

Die Flügel- und Schwanzlängen variiren. Die Flügel erreichen bei M. torguata nicht 
nur das Schwanzende, sondern überragen dasselbe; bei der M. bimaculala reichen 
sie nicht ganz bis zum Ende; bei der Anschlussform zu M. caulandra sind sie noch 
etwas kürzer und bei der typischen M. calandra reichen sie gewöhnlich nur bis 
zur halben Schwanzlänge. 

Das Hinneigen im gesammten Rückengefieder zu röthlichbraunen Tinten giebt dem 
Kolorit der M. bimacılata den von Menetries schon erwähnten Ocker-Ton, Jist 
bei dem Penjab-Vogel (forguala), der mir vorliegt, sehr gering und schwindet bei 
der typischen M. calandra fast ganz. Die Enden der Schwingen der M. bimaculatı 
erscheinen in Röthlichbraun getrübt, sind bei M. calandra‘ weiss, während die 
indische M. forquata nur schmale, helle, bräunliche Kantungen dieser Federn 
aufweist. 

Der beiderseitige, schwarze, seitliche Halsflecken bietet kein haltbares Kennzeichen 
für artliche Trennung. Bei einem meiner Männchen aus den Umgegenden von 
Tiflis dehnt er sich zum Nacken hin in einem Nebenaste aus und fliesst mit seinem 
Nachbarflecken andererseits auf der Mitte des Halses zusammen. Bei dem zweiten, 
grosswüchsigen Männchen ist die Lunula sehr reduzirt, bei dem indischen Vogel 
ebenfalls, bei der M. calandra Südfrankreichs dehnt sie sich nach unten bis über 
die Handwurzel-Gegend aus. Auch in Bezug auf die hellen, runden Flecken an den 
Enden der Schwanzfedern finde ich Variationen. Der indische Vogel hat sie am 
hellsten und grössesten, ihm schliesst sich das kleinere meiner Männchen gut 


*) Obschon die Akademische Expedition, welcher Menetries angehörte, schon 1829 ihre Arbeiten 


an der Nordseite der Grossen Kaukasus begann, so datiren die Entdeckungen in Talysch doch erst vom 
Sommer 1830. 


Badde, Ornis caucasica. 26 


a 


202 Melanocorypha bimaculata. 


an, das grössere dagegen wiederholt die Färbung, wie sie der M. calandra typ. 
eigen ist. 
Ich lasse nun die Maasse folgen: 


| M. bimaeulata. M. torquata.| M. a 

| B 

| Transkaukasien. Indien. |, an 

(en M. M. 

| mm mm mm mm 
Totallänge. . . ER N | 187 167 163 187 
Flügelbug bis zur Ste oa alle ale) 114 116 124 

% Länge des Schwanzes . | 74 58 62 12 

Länge des Tarsus . . ae 30 24 24 28 
Länge der Mittelzehe Ahna Nasell LER | 18 17 18 17 
Länge des Nagels der Mittelzehe . | 9 7 Ga 8 
Länge des Sporns an der Hinterzehe*) . il 23 12 al 15 
Länge des Schnabels auf der Firste. . . | 15 15 16 14 
Höhe des Schnabels von der Stirn abwärts | 8 9 8 9 
Breite des Schnabels an der Stirn gemessen 6,5 6 7 6,5 

ı | 


Noch muss ich bemerken, dass de Filippi**) für Persien nur M. calandra 
namhaft macht. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Die Frage, ob in den Steppen an der Nordseite des Grossen Kaukasus M. calandra 
typ. oder M. bimaculata, oder beide zusammen wohnen, bleibt, was die Sommerzeit 
anbelangt, meinerseits unbeantwortet. Calander-Lerchen sind dort überall im Sommer 
anzutreffen. Anders verhält sich das in Transkaukasien, wo, wie es scheint, nur M. 
bimaculata und nur auf beschränkten Lokalitäten vorkommt. So fand ich diesen Vogel 
auf der Strecke Weges von Schemacha zur Mugan Ende März 1866 schon gepaart und 
brav singend, dabei ganz den Sitten der typischen Calander-Lerche folgend, nicht hoch 
steigend, mit mehr schreienden, als singenden Trillern anschlagend, und senkrecht zum 
Brutplatze herabstürzend. Ich habe aber die Calander-Lerche, oder die ihr nahestehende 
M. bimaculata nicht auf dem Armenischen Hochlande, d. h. nicht in den Höhen von 
67000‘ über dem Meere beobachtet, obgleich hier im Gesammttypus der Natur doch 
so Vieles wesentlich an die Steppen erinnert. Bei Tiflis ist der Vogel selten. Erst weit 
östlich auf dem Iranischen Hochplateau traf ich ihn im Sommer an und zwar auf 
dürftiger Steppe. In der Gefangenschaft, die der Vogel nicht lange aushält, ist er höchst 
possirlich und wahrhaft polyglott während der Brunstzeit zu nennen. Der verstorbene 
General-Lieutenant v. Bartholomäi pflegte ihn mehrmals. Ein, höchstens zwei Jahre, 
hielt er sich im geräumigen Lerchenbauer. Er ist ausserordentlich lebhaft, ohne scheu 


*) Der in der ersten Rubrik ausgemessene Vogel starb in der Gefangenschaft. 
**) Journal für Ornithologie, 1876, pag. 183. 


Melanocorypha bimaculata. — Melanocorypha tatarica. 203 


zu sein. Zumal im Frühlinge, wenn die Sonne ihn recht beschien, was er sichtlich 
liebte, war er ungemein beweglich und leistete in seinen Bewegungen und Gesängen 
Unglaubliches. Er ahmt gut nach. Er übertrifit darin den Staar. Oft schreit er ganz 
laut, kreischt, dann kommen die kräftigen Triller, dann das Miauen der Katze, endlich 
langgezogenes Pfeifen, an die Drosselstimmen erinnernd. Typische Calander-Lerchen 
an dem Neste singen ebenfalls nicht schlecht, doch habe ich bei ihnen nie eine so 
grelle und variable Stimme wahrgenommen. Hanfsamen, allein gegeben, ist dem Vogel 
nicht dienlich. Beide Exemplare des Generals gingen an Magenkrankheit und Ver- 
fettung zu Grunde. 


102. Melanocorypha tatarica Pall. 
Russisch: Tscherny Shaworonok, d. h. Schwarze Lerche. 
Systematisches. 

Am 15./ 27. Dezember 1379 wurden zwölf Exemplare der Moorenlerche bei 
Lenkoran erlest. Der starke Winter hatte sie ausnahmsweise von NO. gegen SW. in 
in die so nassen Niederungen von Talysch getrieben. Nur ein Weibchen weist meine 
Suite auf. Das Brustgefieder bei diesem am Flügelbug ist jederseits soweit abgerieben, 
dass sich hier zwei schwärzliche, grössere Flecken bemerkbar machen, während an allen 
anderen Stellen der Brust nur die dunkeln Centralflecken der einzelnen Federn hervor- 
blicken und diese überall noch die breiten, hellen, graugelben Ränder besitzen. Wenige 
meiner Männchen tragen das einfarbige, pechschwarze Kleid, wie solches im Frühlinge 
und später im Sommer üblich ist. Indessen haben einzelne doch schon die hellen 
Bauch- und Brustfeder-Ränder ganz abgerieben. Auf dem Rücken erhalten sich dieselben 
am längsten. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Pallas”*) schreibt: „In Georgia quoque frequentem observavit Güldenstaedt“, 
welche Notiz Dresser**) aufgenommen hat. Ich kann das aus eigener Erfahrung für 
Georgien nicht bestätigen und hege leise Zweifel an der Richtigkeit dieser Angabe, 
wenigstens für die speziellen grusinischen Gebiete. Den oberen Theil dieser Gegenden, 
d. h. westlich von Tiflis bis zum colchischen Wasserscheider und abwärts bis zum 
mittleren Alasanlaufe, habe ich oft, und auch im Winter, bereist, aber niemals die 
Moorenlerche zu Gesichte bekommen. Die Art gehört, soweit meine Erfahrungen reichen, 
gleich M. sibirica, nur den östlichen Steppengegenden und nur als Wintervogel an. Ende 
März schon fehlte der Vogel in der Mugansteppe. Frühere Beobachter haben ihn in den 
Steppen an der Nordseite des Grossen Kaukasus nachgewiesen, so bei Georgiewsk und 
bei Stawropol, wie Bogdanow”“*) nach Krynicki berichtet, aber wohl nur als Winter- 
vogel. Nirgends sah ich diese Art als Sommervogel im unteren Kura-Gebiete und eben- 
sowenig im Winter auf dem Wege von Tiflis nach Baku. Von grossen schwarzen 
Lerchen, welche in harten Wintern etwa die Talyscher Tieflande bevölkern könnten, 
wussten die Jäger Lenkorans bis zum letzten Jahre nichts. Am 15. / 27. Dezember, 


*) Zoogr. rosso-asiat., Vol. I, pag. 514. 
=) The birds ete., Part. LXXVI. 
==) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 77. Be 
6 ke 


204 Melanocorypha tatarica. — Melanocorypha sibirica. 


nachdem überall nordwärts viel Schnee gefallen war, erschienen aber in den Ebenen von 
Lenkoran etliche Exemplare und wurden im Ganzen 12 Stück erlegt. Diese lebten ver- 
einzelt in den Schwärmen der gemeinen Feldlerche und traf man am nächsten Tage 
schon keine mehr an. Auch später suchten wir sie vergebens. Dieses ist erklärlich. 
Keiner Lerchenart behagt das zur Winterzeit förmlich in’s Wasser versenkte Talyscher 
Tiefland, wogegen ihnen allen die trockene Mugan und namentlich die kahlen, hügeligen, 
wald- und buschlosen Gegenden im Norden derselben, deren Thäler und Mulden oft mit 
Halophyten und Chenopodien bestanden, ganz besonders lieb sind. 


103. Melanocorypha sibirica J. Fr. Gml. 
Systematisches. 
Auf der Reise nach Baku erlegte ich am 30. Januar / 11. Februar 1880 eine 
bedeutende Anzahl der weissschwingigen Lerche, von der indessen nur 5 präparirt werden 
konnten; zu ihnen gesellte sich noch ein Balg, der am 7. / 19. Februar in Lenkoran 


präparirt wurde. Die vier alten Männchen und zwei Weibchen stimmen zu den Vögeln 
von der unteren Wolga vollkommen. 


‚ Lebensweise und Verbreitung. 


Anfang der fünfziger Jahre habe ich im Winter in den Osttaurischen Steppen 
die sibirische oder weissflügelige Lerche, als in ungeheuren Schwärmen lebend, nachge- 
wiesen. Nordmann*) muss während seines Aufenthaltes im Odessa entweder den 
Vogelmarkt zur richtigen Zeit nicht besucht, oder gerade in ausnahmsweise gelinden 
Wintern dort gelebt haben, sonst könnte seine Notiz über Alauda leucoptera Pall. nicht so 
spärlich und unbestimmt ausgefallen sein. Anfang März 1852 wurde diese und die 
Berglerche in ungeheurer Zahl dort auf dem Bazar feilgeboten. Für den unteren Kuban- 
lauf und ebenso für die Salzsteppen im Delta des Terek liegen keine Beläge über den 
Winteraufenthalt der Art vor. Doch muss sie dort unbedingt in harten Wintern 
erscheinen ; hat Robson sie doch in der Türkei gefunden und Dresser”*) sie nach 
einem alten Männchen von Konstantinopel beschrieben und überdies beobachtete sie 
neuerdings Bogdanow ***) auf der Strecke von Mosdok bis Stawropol schon im August- 
Monate. Diese Angabe ist mir sehr auffällig. Es müsste sein, dass die sibirische Lerche 
in jenen Gegenden brüte, denn so frühzeitig kommt sie sicherlich nicht aus NO. dort- 
hin. Ich kenne sie eben nur als zeitweisen Wintervogel. Ich erwähne noch, dass ich 
sie in der Mugansteppe Ende März 1866 nicht mehr sah. Ebenso fand ich sie nirgends 
am unteren Kuralaufe im November. Aber Ende Januar lebte sie häufig, bald in 
grösseren Schwärmen, bald gemischt mit der Calander-Lerche, östlich von Schemacha 
und fand sich als Seltenheit mit den Feldlerchen Anfang Februar bei Lenkoran ein. 
Jene grossen Flüge beider Lerchenarten östlich von Schemacha tummelten sich auf den 
öden Hügelsteppen früh Morgens umher, waren scheu und sammelten sehr eifrig die 
schneefreien Südgehänge und Brachen ab. Nach allen meinen Erfahrungen treiben die 


*) Demidow: Voyage etc., Tome IH, pag. 170. 
**) The birds ete., Parts XXIII et XXIV, Dezember 1873. 
***) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 76. 


Dr 


= 


Melanocorypha sibirica. — Calandrella brachydactyla. 205 


kalten Winter im Centraltheile von Westsibirien die Vögel in grosser Menge gegen SW. 
in die caspi-pontischen Steppen, welche sie zeitig wieder verlassen, um in den west- 
sibirischen Ebenen zu brüten. 


104. Calandrella brachydactyla Leisl. typ. 
et var.: pespoletta Pall. 
Systematisches. 

Schon Blasius, Vater, zog ©, brachydactyla Leisl. und C. pispoletta Pall. als 
eine Art zusammen und Bonaparte's A. calandrella vereinigt Dresser ohne Weiteres mit 
4. brachydactyla Leisl. Neuerdings freilich dringt Bogdanow*) auf die Trennung 
beider und hat diese Angelegenheit auch sehr eingehend im Journal für Ornithologie **) 
besprochen. Finsch ***) theilt seine Ansichten und legt grosses Gewicht auf die Länge 
der hinteren Armschwingen. In jener Abhandlung Bogdanow’s finden wir zwei 
Aeusserungen des gelehrten Herrn Verfassers, die ich hier zunächst wörtlich wiedergebe. 
Zum Schlusse pag. 96 heisst es: „Schliesslich muss ich noch einer höchst interessanten 
„weiblichen Lerche erwähnen, welche sich im Museum der Kaiserlichen Akademie der 
„Wissenschaften befindet und von Heırn v. Middendorf am 15. April 1848 an der 
„Birjussa in Östsibirien geschossen worden ist. Nach der Form der Flügel, der Länge 
„der hinteren Schwingen und der Färbung im Allgemeinen gehört dieses Exem- 
„plar zu ©. brachydactyla, aber der Schnabel desselben ist kurz und gleicht in der 
„Form dem Schnabel der (. pispoleita, mit welcher letzteren es auch in der Form und 
„Länge des Schwanzes übereinstimmt. Es stellt dasselbe daher geradezu eine 
„Mittelform zwischen (. brachydactyla und CO. pispoletta dar. Da jedoch nur 
„ein einziges solches Exemplar vorhanden ist, so wage ich nicht irgendwelche Schlüsse 
„zu ziehen und beschränke mich nur auf die vorstehende Notiz.“ 

Ferner schliesst der Autor folgendermaassen, nachdem er die Synonymie für 
©. pispoletta Pall. — Ü. cheleensis Swinh. — C. Heinei Hom. — (0. leucophaea Severz. 
und für (€. brachydactyla Leisl. — C. longipennis Eversm. aufgeführt hat: 

„Jede dieser beiden Spezies bietet nun eine Menge geringfügiger Varia- 
„tionen dar, welche theils vom Alter, theils vom Fundorte abhängen, aber in keinem 
„Falle genügen, um die Arten weiter zu splittern.“ 

Ich stimme dem Herrn Verfasser vollkommen bei; aber gerade, weil so viele 
Variationen vorliegen und ich ebenfalls Vögel besitze, welche zum Theile (. brachydactyla 
und zum anderen Theile ©. pespoletia sind, wie sich das aus dem gleich Folgenden 
ersehen lässt, vereinige ich beide Formen zu einer Art und finde das mehr berechtigt, 
als die artliche Trennung. 

Ich will hier nun einfach aufzählen, aus welcher Jahreszeit und von welchen 
Orten meine Exemplare der kurzzehigen Lerche stammen und zu jedem Vogel eine 
kleine Notiz setzen, welche in Bezug auf die Schwingen, den Schnabel und das Kolorit 
einige Aufklärung giebt: 


*) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 75. 
**), Journal für Ornithologie, 1877, pag. RW. 
==) Reise nach Westsibirien, l. c. pag. 110. 


206 Calandrella brachydactyla. 


€. brachydactyla Leisl. 

1) Tiflis 1. /13. Mai d, typische Farbe, röthlicher als sie die Dresser’sche Ab- 
bildung zeigt; die Hinterschwinge deckt das Ende der 3. Schwungfeder:; voll- 
kommen identisch mit südfranzösischem Vogel. 

2) Tiflis 28. April /10. Mai 3, ganz ebenso, aber etwas kleiner, das Ende der 
Hinterschwinge verstossen. 

3) Tiflis 29. April/11. Mai 9%, ganz ebenso, das Ende der Hinterschwinge stark 
verstossen und kürzer als die 4. Flügelfeder. 

4) Tiflis 27. Juli/8. August, Geschlecht ?, am Halse in der Mauser, typisch in 
Farben- und Schwingenverhältnissen, Steuerfedern noch in Mauser begriffen, 
sonst frisches Kleid mit vorwaltend rostigem Tone auf der oberen Körperseite, 
Schnabel der C. pispoletta ! 

5, 6) Tiflis 24. Juni /6. Juli, 2 S, typisch in Schnabel- und Schwingenverhältnissen. 

7) Tiflis 23. Juli /4. August 3, typisch in der Färbung; aber die Hinterschwinge 
deckt nur das Ende der 5. Feder. 

8) Tiflis 29. Juli / 10. August Z, typische Färbung, aber Hinterschwinge der C. pis- 
poletta, starke Mauser. 

9) Tiflis 26. Juli /7. August, Geschlecht ?, junger Vogel im Nestkleide. 

10) Tiflis 28. April/ 10. Mai 2, typische pispoletta, aber Kleid noch etwas bräun- 
lich und Schnabel der brachydactyla, Schwingen normal. 

11, 12) Tiflis 28. April /10. Mai, 2 2, Kopf stark rothbraun, Rücken wie bei (. pispo- 
letta, Schwingen wie bei typ. pzspolelta, Schnabel wie bei brachydactyla. 


©. pispoletta Pall. 
13) Derbent 19. April / 1. Mai, Geschlecht ?, Flügel und Farbe typisch, Schnabel stark. 
14) Ardebil 20. Juni /2. Juli 2, Kopf, Bürzel, Schnabel wie bei (©. brachydactyla, 
Rücken und Schwingen wie bei (©. pispoletta. 
15) Ardebil 20. Juni/2. Juli g, typische C. pispoletia, Schnabel wie bei ©. brachydaetyla. 
Das Resultat, welches sich nunmehr aus diesen Angaben berechtigter Weise 
ziehen lässt, besteht darin, dass man die beiden, neuerdings wieder durch Dresser, 
Blanford, Severzow, Bogdanow und Finsch artlich getrennten Vögel ohne Bedenken 
als eine Spezies betrachten muss und das um so gesicherter und gewisser, als doch 
gerade bei den Lerchen im Allgemeinen die grauen und röthlichbraunen Töne des Ge- 
fieders bekanntlich ebenso variiren, wie die Körper- und Schnabelgrössen. Ich muss 
mich also denjenigen anschliessen, welche beide Arten zusammenziehen. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Dem gesammten Wüsten- und Steppenterrain der heissen Zone angehörend, 
jedoch das erstere bevorzugend. Die kurzzehige Lerche brütet in dieser Zone. So fand 
ich sie im Araxesthale aufwärts bis Sardar-abad und in den heissen Felsenmeeren am 
Südfusse des Alagös. In Hochpersien brütet sie ebenfalls. Am 25. März / 6. April 1866 
wurde sie ab und zu auf den Brachen im mittleren Alasanthale beobachtet und am 
östlichen Ende der Mugan Ende März erlest. Hier und im gesammten unteren Kura- 
Gebiete hält sie sich, so lange kein Frost einsetzt, in kleinen Banden von 6—10 Stück 
auf, deren Individuen sich aber nie enge aneinander schliessen. In den Chenopodien- 


Calandrella brachydactyla. — Otocorys alpestris. 207 


Beständen der salzigen Steppen am ÖOstende der Mugan traf ich sie im November 
am häufigsten an. Seltener war sie in den rauhen, kahlen Gebirgen von Baku 
im Winter. 


105. Otocorys alpestris L. typ. 
et var.: albigula Brandl, 
var.: penieillata Gould, 
var.: larvala de Filippi. 
Russisch: Rogaty Shaworonok, d. h. Gehörnte Lerche. 
Systematisches. 

Wiederum brachte ich eine Suite von 24 Exemplaren der Alpenlerche zusammen; 
die meisten davon stehen im frischen Rleide und wurden Ende Dezember geschossen. 
Sie repräsentiren vornehmlich die Varietät /arvata. Zwei ganz abgetragene Exemplare, 
ein Brutpaar aus der alpinen Zone des Sawalan, wurden im Juni dort. erlegt. 

Ich kann bei dem besten Willen über die verschiedenen Differenzen in Bezug 
auf die Länge der schönen Öhrenfedern, in Bezug. auf die grössere oder geringere Ver- 
breitung der schwarzen Brust- und Halszeichnung und endlich in Hinsicht auf die 
Intensität des Schwefelgelbs der Kehle und Stirn den englischen und zum Theile auch 
den deutschen Herren Ornithologen keine Konzessionen machen. Gerne will ich ihnen 
ihre „Arten“ im Sommer im Kaukasischen Hochgebirge und im Winter auch in den 
tiefer gelegenen Gebieten zeigen, ja, wenn’s glückt, sogar aus einem Fluge mehrere 
Formen zugleich erlegen. Wollen wir bei solchen „Arten“ Alles, was sie gemein mit- 
einander haben, von dem Unterscheidenden trennen, so bleibt in der That nur ein Rest 
für die Charakteristik, welcher mich lebhaft an viele Käferdiagnosen des in Gott selig 
ruhenden V. Motschulsky erinnert: „un peu plus grand, un peu plus fonc& etc. etc.“ 
Wie jenen Amara- und Harpalus-Arten, so ist es auch der schönen Berg- oder Schnee- 
lerche ergangen und man hat des würdigen Pallas’ Standpunkt diesem Vogel gegenüber 
total aufgegeben. Man lese Seite 521 des ersten Bandes der Zoographia und man wird 
leicht über die verschiedenen Otocorys-Aıten der Gray’schen Handlist of birds (T. I, 
pag. 117) fortkommen; auch über die achte Art, welche de Filippi als O. Zarvata 
beschreibt und die er selbst anzweifelt und welche von Hermann Schalow*) wenigstens 
als identisch mit O. penieillata Gould erkannt wurde. 

Vor mir steht zunächt diese Maskenlerche mit ihrem reduzirten, fast weissen 
Halsfleck, doch ziemlich bedeutender Stirnbinde und ausserordentlich langen, im Bogen 
nach innen gekehrten Ohrenfederchen, die von der Basis bis zur Spitze 30 mm Länge 
besitzen. Im Februar 1864 erlegte ich mehrere solche Exemplare bei Tiflis; sie waren, 
wie das stets geschieht, wenn ausnahmsweise harte Winter über Georgien kommen, vom 
Gebirge abwärts wandernd, in den Ebenen erschienen. Eine grosse Suite solcher Vögel 
sammelte ich ferner im Lenkoran’schen Tieflande und 'das waren die Vögel von der 
Elburskette, welche, vom Winter gezwungen, für kurze Zeit die Uferregion des Caspi 
aufsuchten. Das in Rede stehende georgische Exemplar hat die Kanten seines Brust- 
gefieders schon so weit verstossen, dass dieses in der That tief eintönig schwarz erscheint. 


*) Journal für Omithologie, 1876, pag. 183. 


208 Otocorys alpestris. 


Ein zweites Exemplar (Tiflis) mit viel kürzeren. kaum aus dem übrigen Kopfgefieder 
hervorschauenden Öhrenfederchen, zeigt alle hellen Umrandungen des schwarzen Kleides 
wohl erhalten. In Folge dessen ist die schwarze Stirnbinde gar nicht sichtbar. Die 
Gesammtgrösse dieser beiden Vögel übertrifft den normalen Wuchs der nordischen, aus 
den Ebenen stammenden, typischen O. alpestris um 1 cm. Bei recht alten Individuen 
nimmt die Kopfplatte, obere Halsseite und das Kleingefieder der oberen Flügelseite einen 
schönen, röthlichen Anflug an, der aber auch den nordischen Vögeln nicht allein zukommt, 
sondern sogar manchesmal bei ihnen noch intensiver ist. Was nun die Vögel aus dem 
Talyscher Tieflande anbelangt, so steht bei den Weibchen zwischen dem Schwarz der 
Halsseiten und dem Augen-Wangen-Felde eine schmale, trennende, weisse Zone. Keines 
der Männchen besitzt diese, das Schwarz ist bei ihnen geschlossen. Auch unter diesen 
Vögeln giebt es Individuen, deren Rückengefieder im Grundtone mehr röthlich ist, bei 
anderen wieder mehr in’s Grau fällt. Auffallend ist der starke Wuchs der meisten 
Exemplare dieser Lenkoran’schen Kollektion, doch liegen auch hier vermittelnde Ueber- 
gänge vor, wie dies die unten stehenden Maasse darthun. Bei den beiden Sommervögeln 
vom Sawalan, welche ein ungemein verstossenes Rleid tragen, sind die Kehlen und unteren 
Körperseiten rein weiss, 


| var. larvata. typ. 

Otocorys alpestris: | M van 

| N mm mm | mm 

Totallänge. . . ee 2UONE kun ae 
Flügelbug bis zur Son. 12er ll 
Schwanzlänge . . : | 90 | 3 76 
Schnabel auf der Kite gemessen | 13 | 12 ae] 
Schnabelhöhe an der Basis . . . | Du | 5 5 
Mundspalte N en | al 4 
Bängegdesslarsuspernr er DA 23 


Lebensweise und Verbreitung. 


Im gesammten Hochgebirge der Raukasusländer ist die Alpenierehe Brutvogel. 
Auf den Firnfeldern der zahlreichen Gletscher des freien Swanen-Gaues habe ich sie im 
Sommer ebenso oft (auch als O. albigula Brandt) angetroffen, wie auch am Elbrus in 
einer Höhe von 12000‘ über dem Meere. Am Kapudshieh in dem Karabagher Hoch- 
gebirge war sie in einzelnen Paaren vorhanden, ebenso am Grossen Ararat und abwärts 
von seiner Eiszone (14000‘) belebte sie die menschenleeren Hochländer der Kurden, wo 
sie namentlich die Festzca- und Stipa-Steppen in einer Höhe von mehr als 7500‘ über dem 
Meere frequentirte. In der Eiszone des Hochgebirges hat sie an Anthus aquaticus, der 
ebenfalls gerne die Firnfelder besucht, einen Kameraden. Schon im September, wenn 
die winterlichen Hochwetter das Gebirge heimsuchen, zieht sie thalabwärts, bleibt gerne 
in der Nähe der grossen Heerstrassen und Dörfer. So kann man sie von Gudaur über 
Kobi bis zur Station Kasbek in kleinen Völkern von 5—12 Individuen sehen, immer 
unruhig, aufgescheucht, den etwas klagenden, bescheidenen Pfiff hören lassend. Hier 


‘ 
fi 
x 


Otocorys alpestris. — Galerita cristata. 209 


eben habe ich gelbkehlige, bei denen das Schwarz der Halsseiten nicht mit dem Brust- 
bande vereinigt war (jüngere Vögel), in Gesellschaft der O. larvata, albigula und 
penieillata oft beobachtet und während meiner Jagden auf Steinböcke immer das 
Beobachtete bestätigen können. Im Sommer ist die var. /arvata auf dieser Strecke im 
Hochgebirge vorwaltend, wenigstens noch vor der Mauser und vor beendetem Brut- 
geschäfte. Ich sah Anfang Juni dort nur die Maskenlerche und zwar sind die Vögel 
dann am Wege selten. Sie brüten höher im Gebirge: am 9. /21. Juni fand ich sie in 
-einer Höhe von 10—11000' über dem Meere am Kasbek in der Schneeschmelze ziemlich 
häufie. Wird der Winter strenge und anhaltend, so steigt die Berglerche immer tiefer 
abwärts, sie erscheint dann im November schon (1864, 1875, 1879) in kleinen Flügen 
bei Tiflis und wie sie sich im Norden gerne den Schneeammern, die hier fehlen, zuge- 
sellt und auf den Wegen sich mit ihnen tummelt, so thut sie es hier mit den gleich- 
zeitig einwandernden Goldammern. Keineswegs aber fehlt die Berglerche der heissen 
Zone im Sommer gänzlich, sie sucht in ihr steinige, auch zum Theile mit Salzgründen 
versehene, Ebenen auf und muss auch in ihnen brüten. So habe ich sie ab und zu auf 
der Strecke von Eriwan bis Nachitschewan beobachtet und sie erreicht vor der Mauser 
an solchen Lokalitäten in der That, was die Färbung anbelangt, die allerhöchste Form 
der O. albigula. Im Araxesthale traf ich sie ferner als Sommervogel mit Calandrella brachy- 
dactyla ziemlich häufig bei Igdir. In den chaotischen Steinregionen am Südfusse des 
Alagös scheuchte ich sie auf und traf sie wenige Tage später, nachdem sie in der breiten, 
gartenreichen Kulturzone der mittleren Gebirgspartie nicht gesehen worden war, im 
alpinen Gebiete (10—12000') wieder. Ebenso auch am Bin-göl-dagh im Süden von 
Erzerum. Weiter östlich im Kleinen Kaukasus traf ich auf kahlen Höhen circa 4000’ 
über dem Meere die Berglerchen Anfang November noch nicht zu grösseren Flügen 
gerottet beisammen. In dieser Zeit sind die Vögelchen sehr scheu und lebhaft. Dem 
gesammten unteren Kuralaufe, der Mugan und dem Talyscher Tieflande fehlt die Art, 
wenn warmes Wetter anhält. Sie erscheint dort erst im Januar in kalten Wintern und 
bleibt nach meinen Beobachtungen vornehmlich in der Küstenzone des Caspi. Auf dem 
Wege von Schemacha nach Baku traf ich sie um diese Zeit nicht an, aber von Lenkoran 
bis hinein in die Mugan war sie bis’Mitte Februar häufig. Dieses sind die persischen 
Vögel, unter denen, wie ich schon erwähnte, die Form O. larvata sehr entschieden vor- 
waltet. Das vom Goktschai-Plateau (6300°) Mitte Juni gesammelte Nest ist flach, 
kunstlos, von nur geringem Umfange. Grobe Gräser bilden die Basis, verfilzte Schaf- 
wolle dient als schwaches Polster. Die 4 Eier sind auf grüngelblichem Grunde fein 
und dicht rothbräunlich punktirt. 


106. Galerita cristata L. typ.”) 
et var.: isabellina Bp., 
var.: macrorkyncha Trst. 


Russisch: Chochlaty Shaworomok, d. h. Haubenlerche. 
Armenisch: Abegadzag. 


*) Anmerkung: In Bezug auf die Haubenlerchen dürfte unser Land in Zukunft noch manchen 
interessanten Zuwachs südasiatischer Spezies liefern. Erst als ich diese Arten bei E. v. Homeyer kennen 
lernte, konnte ich zu dieser Ueberzeugung gelangen und muss eingestehen, dass ich bis dahin den Hauben- 
lerchen des Kaukasus nicht genug Aufmerksamkeit zuwendete. 

Badde, Ornis caucasica. 27 


210 Galerita cristata. 


Systematisches. 


Die Suite meiner kaukasischen Haubenlerchen setzt sich aus elf Exemplaren, 
welche bei Tiflis, Derbent, Lenkoran erlegt wurden, zusammen. Sie enthält alle drei 
Formen, nämlich: 1) die typische in Färbung und Schnabelgrösse von Tiflis, 2) die 
typische in Färbung, aber mit dem grösseren Schnabel der @. macrorhynecka von Derbent 
und Lenkoran und 3) die richtige @. isabellina Bp., bei Tiflis erlegt. 

Sowohl mit deutschen, als auch mit türkischen Exemplaren stimmen meine 
kaukasischen Vögel in der Färbung und Zeichnung des Gefieders gut überein. Die 
schwarzen Brustflecken sind bei den südlichen Haubenlerchen wohl etwas mehr pro- 
noncirt; mit dem schwedischen Exemplare verglichen findet das auch auf dem Rücken 
mit den Flecken statt. Meine Exemplare wurden meistens im November geschossen. 
Die Schnabelstärke ist bei ihnen ziemlich bedeutenden Schwankungen unterworfen, so 
dass einige die @. macrorhyncha repräsentiren, während das Kolorit nur die gewöhnliche 
Haubenlerche vorstellt. Die unten stehenden Maasse geben darüber Auskunft. Im Februar 
1870 erlegte man bei Tiflis eine isabellgelbe Haubenlerche, welche genau zur @. isa- 
bellina Bp. stimmt, die ich mich aber veranlasst sehe, nur als Varietät zu besprechen. 
Mein Vogel, ein Männchen, ist noch heller, als ihn die Dresser’sche *) Abbildung zeigt. 
Die Strichelung der Brust besitzt gar nichts Schwärzliches, sondern steht auf weiss- 
gelblichem Grunde in Hell-Zimmetbraun. Dasselbe zeigt auch die Kopf- und Schopf- 
befiederung. Die Enden der grossen Schwingen sind schmutzig weissgelb und ebenso 
die langen und breiten Schulterfedern. Die beiden äusseren Schwanzfedern sind rein 
isabellgelb, auf der Aussenfahne schmal weiss gerandet. Dann folgen drei, obenher 
schwärzlichgraue Steuerfedern mit weissgelben Enden und Aussenfahnen. Die beiden 
mittleren Schwanzfedern, etwas verkürzt und spitziger geformt, weisen wieder das 
weisslich gelbe Kolorit auf. Gerne stimme ich Tristram **) bei, welcher sie als eine 
„very distinct variety“ erkennt. Die Grössenverhältnisse sind wohl im Allgemeinen etwas 
geringer, als bei der typischen Haubenlerche und lasse ich sie hier folgen: 


var. 
\isabellina.| typ. var. macrorhyncha. 
Galerita cristata L.: | u |.w W. M 
| mm | mm mm | mm 
Totallänge: . . 200 2.2 2 ae. a wel 21601. 1 FZO za er 
Mlugelbug-bis, zur Spitze. 2 2 2027252220 221010055 Br‘ 98 
längegdesySch wanzesu a se | 57 | 72 68 66 
Länge des Schnabels auf der Firste gemessen .. , 5 | 17 ‚20 19 
BängesdersMundspalter 2, u. 2 220 2) 24 23 
Länge der Mittelzehe ohne Nagl . .....| 4 | 16 15 16 
Länge des Nagels der Mittelzehe. . . . 2... | 6 | 7 U 6 
ange, desiSporns&a . Ws, er ae er ee et 14 14 | 14 
| 


*) The birds ete., Part XIX, Juli 1873. 
*”") Ebenda pag. 2. 


Galerita eristata. — Lullula arborea 211 


Schnabel und Füsse sind an meiner Isabell-Lerche ebenfalls intensiv gelbgrau. 
Jedenfalls gehört der Vogel zu den grossen Seltenheiten hier zu Lande und ist meines 
Wissens auch anderweitig in Südrussland noch nicht gefunden worden. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Die Haubenlerche ist bei uns im Winter häufiger als im Sommer und die 
gemeinste aller Lerchen zu jener Jahreszeit, lebt aber stets nur in kleinen Banden 
zusammen. Ein Theil ist entschieden Stand- und Brutvogel. In den Ebenen oberhalb 
von Tiflis sind die Exemplare Ende März gepaart. Anfang Juni sah ich sie oft in der 
Ebene von Zilkani. Im Spätherbste und Winter, zumal, wenn letzterer exceptionell 
scharf einsetzt, wird die Haubenlerche, den grossen Strassen namentlich folgend, in den 
bewohnten, waldlosen Gegenden häufiger, bleibt aber stets nur in kleinen Tribus 
vereint. Selbst im strengsten Winter ist sie nicht selten auf dem Passe der grossen 
grusinischen Heerstrasse, so auch bei Gudaur, Kobi, Kasbek, wo sie dann mit den 
Alpenlerchen zusammen lebt. In den waldreichen Tiefländern des Rion und im Talyscher 
Gebiete ist die Haubenlerche viel seltener. Im November 1863 traf ich sie an der 
unteren Aragwa namentlich auf Brachen an; die Banden zählten 4—15 Individuen. Bis 
Mitte Oktober bleiben sie meistens in Paaren beisammen und gesellen sich zum Zipp- 
ammer, mit dem sie bei Tiflis auch die Ohenopodien-Felder besammeln. Im gesammten 
Kurathale abwärts von Tiflis waren die Haubenlerchen im November die verbreitetsten 
und relativ häufigsten Vögel, überall die Wege suchend, in zersprengten, kleinen Banden 
lebend, oft nur zu Paaren. Der schmalen Strand- und Dünenzone am Caspi im Len- 
koran’'schen fehlen sie nicht, vermeiden aber die nassen Niederungen. Auch in den 
Einsamkeiten der Umgegenden von Baku, wo sich bei den vorwaltenden, kalten N. und 
NO.-Stürmen im Winter nur wenige Vögel aufhalten, traf ich Haubenlerchen an. Am 
Goktschai-See ist sie zum Theile Standvogel, welcher z. B. im Winter das kleine Städtchen 
Neu-Bajaset aufsucht und in den Strassen daselbst lebt. Ende März 1866 traf ich sie 
schon gepaart im mittleren Alasan-Thale, wo sie sich zum Locken nicht selten auf 3—4# 
hohe Paliurus-Gebüsche setzte und den Schopf hoch hob. In der Erzo- und Tioneti- 
Ebene (Jora-System) traf ich sie im Juni an, und selbst der heissen Zone im Araxes- 
Thale fehlt sie nicht als Standvogel, sobald man in die Nähe der Dörfer kommt. 


107. Lullula arborea L. 
Russisch: Sala. 
Systematisches. 

Im Ganzen besitze ich nur acht kaukasische Vögel dieser Art. Verglichen mit 
Exemplaren aus Hessen (Graf v. Berlepsch) und aus Malaga, weisen meine Haide- 
lerchen weder in Zeichnung noch in Färbung irgend welche Unterschiede auf. Allenfalls 
markirt sich der Augen-Nackenring an einem meiner Männchen etwas weniger. Doch 
halte ich diesen Vogel für einen jüngeren. Nordmann’s*) Notiz über die Kleinwüchsig- 
keit der Baumlerche in Südrussland finde ich nur an einem Vogel, der bei Baku im 
Februar erlest wurde, bestätigt. Die übrigen Exemplare, von Tiflis stammend, entsprechen 
auch in dieser Hinsicht den mir vorliegenden europäischen Exemplaren. Vögel, die Mitte 


*) Demidow: Voyage etc., Tome II, pag. 164. 
27: 


312 Lullula arborea. — Alauda arvensis. 


März im Chramthale erlegt wurden, tragen an Brust und Hals ein sehr verstossenes 
Kleid. Nach den E. v. Homeyer vorgelesten Exemplaren schliessen sich die kauka- 
sischen Haidelerchen in Bezug auf Schnabelform und Grösse trefflich der Z. anthirostris 
Landbecki an, welche derselbe als eine Lokalform Spaniens und der süddeutschen Ge- 
birge kennt. 


» 


Lebensweise und Verbreitung. 


Diese Lerche gehört zu den selteneren Vögeln im Kaukasus und lebt nur ver- 
einzelt. Menetries”) führt sie für den Gebirgsgau Suant an, also, geographisch 
genommen, für Persien, denn die Hochländer von Suant sind ja die nordöstlichen Aus- 
dehnungen des Iranischen Plateaus. De Filippi**) kennt sie aus Persien nicht. Ich 
beobachtete sie immer nur vereinzelt im Centraltheile der transkaukasischen Gegenden 
und stammen die erwähnten Exemplare aus den hügeligsen Umgegenden von Tiflis, wo 
sie im März erlegt wurden. Abwärts von Tiflis gegen Osten findet sie sich ebenfalls 
‚nur selten; am 1./15. Februar wurden zwei Exemplare bei Baku geschossen. Sie 
setzt sich gerne zum Singen auf die Spitze eines Gebüsches. Der offenen Steppe fehlt. 
sie gänzlich. 


108. Alauda arvensis L. 
Russisch: Polewoi Shaworonol, d. h. Feldlerche. 
Tatarisch: Turgai. 
Armenisch: Artzit. 
Systematisches. 

Ich brachte zweiunddreissig kaukasische Feldlerchen zusammen; die meisten 
dieser Vögel wurden bei Tiflis im März und Oktober, und bei Lenkoran im Dezember 
und Januar erlegt. Ein Vogel im vertragenen Sommerkleide stammt von Ardebil am 
Östfusse des Sawalan, und in Baku wurden zwei Feldlerchen am 2. / 14. Februar prä- 
parirt. Diesen kaukasischen Feldlerchen kann ich eine Suite deutscher und schwedischer 
Vögel vergleichend zur Seite stellen. Etwas stärkerer Wuchs ***) und das sehr merkliche 
Schwinden der gelbbräunlichen Tinten an Halse und auf der Brust kommt vielen der 
kaukasischen Vögel zu. Dass letzteres keineswegs von der Jahreszeit und der dadurch 
bedingten Abnutzung und Verbleichung des Gefieders abhängt, sondern der Race eigen- 
thümlich ist, geht daraus hervor, dass die Farbennuancen gerade an Vögeln, die zu 
ziemlich gleicher Zeit erlegt wurden, sehr auffällig sind. Das sehe ich z. B. an meinem 
Männchen vom 2. /14. März im Vergleiche zu einem Männchen vom 3./ 15. März des 
Grafen v. Berlepsch (Witzenhausen). Am besten stimmen meine Vögel zu Sommer- 
Exemplaren (Juni) aus Pommern, doch zeigt auch bei diesen die Kehle in Gelb getrübtes 
Weiss, während sie bei den Kaukasiern heller, ja bisweilen rein weiss und dabei im 
Centraltheile fleckenlos ist. Im.Allgemeinen ist die Fleckung auf der Brust in schmaler, 
scharfer Form prononcirt, welchen Charakter fast alle den Osten bewohnenden Feld- 
lerchen besitzen. Die kaukasischen Feldlerchen messen in gerader Lage 150—185 mm. 


*) Catalogue raisonne, pag. 39. 
*=*) Viaggio in Persia, Journal für Ornithologie, 1876, pag. 182. 
»**) Worauf hin Bogdanow (Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 75) eine Subspezies mit dem 
Namen armenica begründet. 


Alauda arvensis.' 213 
im Maximum und 153 mm. im Minimum, Europäer im Mittel nur 166 mm. Uebergänge 
liegen für die Grössenverhältnisse in Menge vor, so dass ich Bogdanow’s Subspezies: 
armenica für nicht berechtiet halte. Bei allen anderen Lerchen beobachtet man ähnliche 
Varianten in der Grösse. 
Mitte April wurden bei Tiflis unbebrütete Eier gesammelt. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Es unterliegt nunmehr keinem Zweifel, dass in den Tiefländern des Kaukasus 
grosse Massen der Feldlerche überwintern und diese sich in ausnahmsweise schneereichen 
und kalten Wintern zu ungeheuren Flügen vereinigen. So traf ich sie namentlich im 
östlichen Theile Transkaukasiens im Januar und Februar an. Nach mehreren Hunderten 
zählten die Exemplare der Banden. Wo solche Massen fliegen und sehr lebhaft bei dem 
Absuchen der Steppen am frühen Morgen sind, dabei oft sich erheben und schwärmen, 
da vermischen sich die Anfangs getrennten Banden. Bei dem Niederlassen trennt sich 
dann wieder von einander das ursprünglich Zusammengehörende. Sehr oft traf ich die 
Calander-Lerche und auch Melanocorypha sibirica in den Banden der Feldlerchen. Das 
feuchte Talyscher Tiefland bewohnt die Feldlerche im Sommer nur selten, wird aber in den 
fruchtbaren Ebenen im Norden desselben gemein. Im Januar 1880 erschienen bei Len- 
koran grosse Flüge, welche sich vornehmlich auf den höher gelegenen Dünen tummelten. 
Solche geschaarte Feldlerchen bleiben zum Frühjahre merkwürdig lange beisammen. Bis 
Ende März traf ich sie so bei Kisil-agatsch und auch in der Mugan. Schon Anfang 
März erscheinen die Zuglerchen, welche sich bis zum 20 März / 1. April schon grössten- 
theils in Paare sondern. Am 24. März /5. April bis 26. März / 7. April beobachtete ich 
auf dem Wege nach Nucha ebensowohl die gepaarten, als auch die grösseren, noch 
nicht getrennten Rotten. Im April schmettern die Lerchen ihre herrlichen Lieder überall, 
wo ausgedehnte Ackerfelder gelegen. so weit und so hoch die Kultur geht. Diese 
Kulturhöhen schwanken aber im Kaukasus an ihren oberen Grenzen sehr bedeutend, sie 
erreichen nämlich 6000, ja sogar ausnahmsweise 8000° und danach variirt die Zeit 
des Erscheinens der Vögel in den oberen Regionen. In Höhen von 6—7000' über dem 
Meere ist die Feldlerche auf dem gesammten Armenischen Hochlande ein gemeiner 
Sommer- und Brutvogel (Goktschai-, Tabizkuri-, Tschaldyr-, Toporowan-Seen). In den 
Einsamkeiten der Festuca- und Stipa-Steppen auf der Erhebungsaxe des Ararat (Balyk- 
göl-See, 7400') traf ich sie nicht an, wohl aber auf den ausgedehnten Kulturebenen der 
oberen Quellstufe der Kura (Ardahan), wie auch auf der des Euphrat (Erzerum) in einer 
Höhe von 6400‘ über dem Meere. Sehr auffallend war es mir, dass ich nirgends im 
Längenhochthal des Ingur, im Lande der Freien Swanen, wo der Gersten- und Hirsebau 
(hier oben Panicum viride) bis zu einer Höhe von 7200’ über dem Meere verhältnissmässig 
stark betrieben wird, die Feldlerche antraf, wie solches in meinem Tagebuche (1864) 
notirt wurde. In den Steppen an der Nordseite des Gebirges, selbst da, wo diese auf 
weite Strecken hin unangebaut blieben, ist die Feldlerche häufiger Sommervogel, ver- 
lässt sie aber zum Winter. Die Verbreitung im Sommer in Talysch ist insofern von 
Interesse, als sie beweist, von wie zwingendem Einflusse bestimmte Naturverhältnisse 
für das Vorkommen einer Art sind. Hat man das Tiefland und die nassen Niederungen 
hinter sich, woselbst man schwerlich im Frühlinge die Lerche schlagen hören wird (ich 
spreche immer nur von der schmalen Küstenzone, die sich von Kumbaschinsk bis Astara 


214 Alauda arvensis. — Anthus campestris. 


erstreckt), und bewegt sich nun, bergan steigend, durch die Waldgebiete, so fehlt auch 
hier bis zur Höhe des Randgebirges die Lerche vollständig. Kaum hat man aber den 
Plateaurand erreicht und sieht die Ebene von Ardebil sich gegen W. und S. hindehnen, 
so hört man überall die Lerchen singen. Die Randlinie des Gebirges zieht ihr hier 
genau die Grenze ihres Vorkommens gegen Osten. In milden Wintern bleiben einzelne 
Feldlerchen hoch in Armenien, wiederholt wurden sie zu dieser Jahreszeit bei Neu- 
Bajaset gesehen. 


109. Anthus campestris L. 


Russisch nach Bogdanow: Schewrixa, welche Benennung ich hier nicht ermittelte, 
Systematisches. 

Beide verwandte Arten, nämlich Antius campestris L. und Anthus Richardi 
Vierll. bieten in den Sommerkleidern so viel Uebereinstimmendes, dass ich als das kon- 
stanteste Unterscheidungskennzeichen, nach Vergleich von 26 kaukasischen Exemplaren 
beider Spezies mit etlichen Europäern, die Länge der Hinterschwingen — welche bei 
campestris bis zur Flügelspitze reicht, bei Richardi nur etwas die 5. Schwungfeder über- 
ragt — ansehen muss. Die Länge des Sporns finde ich bei Rechardi nicht immer ent- 
scheidend. Das allgemeine Kolorit, die Fleckung der Brust, die Vertheilung der weissen 
Färbung auf den beiden seitlichen Schwanzfedern und auch die Länge des Sporns bei 
‚Richardi finde ich variabel. Im frischen Herbstkleide sind auch, ohne die Hinterschwingen 
zu beschauen, beide Spezies nicht schwer zu unterscheiden. Aber hat die Sonne im 
Verlaufe der Zeit das Gefieder, namentlich der oberen Körperseite, tüchtig gebleicht und 
sind die schwärzlichen Schaftflecken auf der Brust, mehr oder weniger während des 
Winters verstossen, so ist es manchmal schwer im Frühlinge die betreffenden Individuen 
richtig zu placiren. Ein altes Männchen des Brachpiepers von Derbent (Mai) stimmt 
genau zu den Vögeln, die ich aus der Dobrudscha und aus der Schweiz besitze. Aus- 
gewachsene junge Vögel wurden bei Tiflis am 18. / 30. Juli erlegt, sie zeichnen sich 
durch die vielen, dreieckigen, stumpfen, dunklen Flecken auf der Brust aus; ihr Rücken- 
gefieder trägt an den einzelnen Federn noch die schmalen lehmfarbenen Ränder, so dass 
sie wie beschuppt erscheinen, und die oberen Flügeldecken, sammt den Hinterschwingen 
sind alle breit rostfarben gekantet. Bei einem ebenfalls Jungen Männchen, welches Anfang 
September erlegt wurde, sind die rothbraunen Töne schon zu graugelblichen verblichen. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Sowie die Art von Bogdanow*) neuerdings für die Nordseite des Grossen 
Kaukasus, zumal in den Steppen, und auch für die Südseite bei Mszchet nachgewiesen, 
von Michalow und mir für die Randzone des Kleinen Kaukasus erwähnt ist, so ver- 
mitteln die Fundorte bei Derbent und Lenkoran den Anschluss an die Verbreitung 
dieser Art gegen Süden, wo sie durch Blanford**) im äussersten Süden (Beludshistan) 
und durch de Filippi im Norden, in der Elburskette, gefunden wurde. 


*) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 110. 
"”") Eastern Persia. Vol. II, pag. 237. 


Anthus Richardi. — Anthus spinoletta. 215 


110. Anthus Richardi Vieill. 


Systematisches. ; 

Ich habe alle meine Vögel dieser Art, deren Hinterschwingen entweder der 
fünften Schwungfeder gleichkommen, oder sie nur um ein Weniges überragen, stets aber 
weit von der Flügelspitze zurückbleiben, zusammengelegt und auf diese Weise achtzehn 
kaukasische Exemplare vor mir liegen. Die meisten von ihnen wurden Anfang April 
auf dem Zuge erlegt. Zwar zeigen von diesen viele die dunkeln, fast schwarzen, abge- 
rundeten Centralflecken im Rückengefieder, aber bei weitem nicht alle. Vögel, welche 
im Mai bei Derbent und bei Tiflis geschossen wurden, tragen ein fast gleichmässig 
lehmgraubraunes Rückenkleid. Bei diesen letzteren sind auch die Schaftflecken auf dem 
Brustgefieder nur gering vorhanden. Die auf dem Zuge bei Tiflis geschossenen Exem- 
-plare zeigen sie stark prononcirt und stehen im besten Hochzeitskleide. Zwei andere 
Vögel, am 6. / 18. bis 12. / 24. September bei Tiflis erbeutet, haben bereits das frische 
Winterkleid. E. v. Homeyer legt ganz besonderen Werth auf den Sporn und spricht 
den Brustflecken durchaus keine Bedeutung für die artliche Unterscheidung zu. Auch 
diese Art brütet hier; Ende Juli wurden zwei junge (nicht ganz ausgewachsene) Vögel 
geschossen, welche zwar gleichalten von A. campesiris ähneln, aber die Brustflecken 
viel grösser und langgezogener (nicht stumpf dreieckig) haben. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Die beiden persischen Reisenden de Filippi und Blanford kennen diese Aıt 
aus ihrem Gebiete nicht. Weiter westwärts in Kleinasien und Griechenland ist sie viel- 
fach nachgewiesen, ebenso ostwärts in den central- und südasiatischen Landen, worüber 
Dresser*) eingehend berichtet. Nordmann**) schweigt über das Vorkommen im 
Kaukasus, Bogdanow ***) vermuthet dasselbe und berichtigt den Irrthum Gloger’s 
und Blanford’s in Bezug auf A. rupestris Menetr.t), welcher sich nach den Original- 
Exemplaren als A. campestris erwiesen hat. 


111. Anthus spinoletta L. 
(A. aquaticus Bechst.) 
Systematisches. 

Zwölf kaukasische Vögel liegen mir vor. Sie wurden im März und bis Anfang April 
und dann wieder von Anfang Oktober bis Dezember bei Tiflis erlegt. Drei brachte ich 
vom Sawalan mit, wo sie am 23. Juni /5. Juli geschossen wurden. Dieses sind alte 
Männchen, die ihr Hochzeitskleid vollständig vertragen haben und namentlich an der 
Kehle und an den Halsseiten recht struppig aussehen; ihre ganze untere Seite erscheint 
fast weiss. Dagegen prangen die im März und April bei Tiflis erlegten Exemplare, 
unter denen sich auffallender Weise nur ein Weibchen befindet, im schönsten Hochzeits- 
kleide, welches namentlich bei dem zuletzt geschossenen (8. /20. April) sehr lebhaft 


*) Dresser, The birds etc., Part XX VI, März 1874. 
*) Demidow: Voyage etc., Tome IH, pag. 158. 
=) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 110. 

7) Menetries, Catalogue raisonne, pag. 37, Nr. 80. 


216 Anthus spinoletta. 


gefärbt erscheint. Der Rest meiner Suite ist vornehmlich durch Männchen im Winter- 
kleide gebildet. Die Mauser dieses Piepers im Winter ist eigenthümlich und geht sehr 
rasch vor sich. Ende November trugen die bei Tiflis erlegten Exemplare, immer nur 
Männchen, noch das reine Winterkleid, an welchem ich nur nach sorgfältigem Suchen 
und nur hei zwei Vögeln (18. /30. November) am Halse oben die ersten sich hervor- 
schiebenden Federchen des Sommerkleides finden kann. Es ist also ein sehr frühes 
Eintreten in die Mauser zum Sommerkleide dargethan. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Der Wasserpieper ist hier, wie in der Schweiz, wenigstens in der Mehrzahl nur 
insofern ein Zugvogel, als er hoch aus dem Gebirge, wo er bis in den August nahe 
den Firnfeldern weilt und auch brütet, thalabwärts in die wärmeren Ebenen der Fluss- 
läufe tritt. Nirgends aber ist er in den Ebenen im Winter geschaart und gemein, man 
findet ihn je zu zweien, bisweilen auch nur einzeln. So kommt er am unteren Chram- 
Ausse (rechts, 9 Meilen abwärts von Tiflis zur Kura,) im Winter vor und auch vereinzelt 
an der unteren Aragwa. Im Sommer traf ich ihn in der hochalpinen Zone des gesammten 
Kaukasus, häufiger aber im Grossen, als im Kleinen. So lange die Paare sich nicht 
gefunden und zum Brüten anschicken, ist der Vogel an manchen Lokalitäten im Hoch- 
gebirge recht häufig. So traf ich ihn bei der Passage des Gebirges.im Winter auf dem 
Kreuzberge in grosser Zahl. Hier nun, im Hochgebirge, ist er zwar kein glänzend ge- 
färbter, wohl aber ein durch seinen herrlichen Gesang während der Liebe und durch seine 
Beweglichkeit sehr auffallender Vogel. Auf den Swanischen Hochalpen, auf dem Dadiasch, 
am Tschitcharo, am Lakmalde habe ich ihn ebensogut beobachtet, wie am Kwawlos-mta 
in Tuschetien und am Kapudshich in Karabagh. Im Juni und Juli wird man ihn auf 
den verschmelzenden Firnfeldern oft laufen sehen, auf die sich weithin allerlei kriechende 
Insekten förmlich verirren; von diesen pickt er gelegentlich die zarteren fort. Aber es 
scheint, dass ihm auch das. rasche und gerade Hinlaufen über die Firnflächen Bedürfniss 
sei. Seine leichten Füsschen lassen im grobkörnig zusammengesinterten Schnee keine 
Spuren nach. Der Vogel erhebt sich dann, namentlich wenn es schönes Wetter mit 
Sonnenschein giebt, oft auch direkt vom nahe gelegenen Brutplatze und steigt nach Art 
der Lerchen senkrecht auf, dabei ungemein angenehm trillernd singend. So erhält er 
sich feststehend, wie ein Rüttelfalke, an einem Platze in der Luft und stösst dann schräg 
und ziemlich scharf zu Boden. Während dieses Herunterstürzens singt er sehr eifrig und 
laut. Dieses Manöver wiederholt er oftmals hintereinander, und es ist für den Beobachter 
ein wahrhafter Hochgenuss, in der blumenreichen, hochalpinen Zone, Angesichts von 
Gletschergründen und Bergzinken und in der heiligen Ruhe einer majestätischen Alpennatur 
solch ein Firnfeld mit einigen Paaren des Wasserpiepers vor sich zu haben und die Vögel 
zu sehen und zu hören. Es darf ja, um das Bild zu vervollständigen, tiefer nur noch ein 
Gemsbock jäh abwärts durch die blühenden Alpenrosen hinschiessen, oder ein aufge- 
scheuchtes Königshuhn in schwankendem Fluge über einen Abgrund setzen, um die 
herrliche Scenerie auch anderweitig zu beleben. Desgleichen sah ich am 27. Juni / 9. Juli 
1864 am Tschitcharo-Gebirge in einer Höhe von mehr als 9000’ über dem Meere. Mehr- 
mals lebte ich im Winter längere Zeit im Hochgebirge, oder ich passirte es unter 
erschwerenden Umständen, wobei ich so recht das Wesen unseres interessanten Vogels 
kennen lernen konnte. Je mehr Schnee, Firnwasser, Quellengrund und Sonnenschein, 


Anthus spinoletta. — Anthus pratensis. 917 


au 


um so behaglicher ist es ihm und um so eifriger singt er. Doch geschieht das erst, 
wenn das Frühjahr naht und mit ihm die Liebe. Nahe von der Kulminationshöhe des 
Kreuzberges, den ich Ende März 1880 mit Lebensgefahr passiren musste, gab es in 
einer Höhe von mehr als 8000° über dem Meere Hunderte von Wasserpiepern, die zum 
Theile schon gepaart lebten. Die Sonne prallte mächtig auf die blendenden Schnee- 
schründe, hinter mir fiel eine Lawine zu Thal, aber vor mir jubelten die Männchen auf's 
Eifrigste und stürzten von allen Seiten her aus der Luft auf die Schneefelder. : Denselben 
schönen Gesang hört man im Winter, schon Mitte Februar, an ganz anderen Lokalitäten. 
Bei Tiflis hält z. B. um diese Zeit der Wasserpieper sich auf dem Salalaki-Gebirge, 
gleich im Süden der Stadt, auf und führt seine Flugübungen und Sangesweisen in der 
geschilderten Manier schon mit dem 15. / 27. Februar aus. An der Baumgrenze im 
Talyscher Gebirge, unweit von Tschindan-Kale lebte der Wasserpieper auf Wiesen und 
auf Lichtungen am Rande von Buchenhochwald, nahm auch gelegentlich Platz auf den 
‘Gipfeln der Bäume, denen er hoch aus der Luft zustürzte.e Tschudi*) beschreibt die 
Sitten des Vogels in der Schweiz ausführlich, er findet den Gesang „wenig bedeutend 
‚und abwechselnd, dafür geht er fast unaufhörlich fort“. Ich sah hier niemals den Vogel 
sitzen und dabei singen. 


112. Anthus pratensis L. 


Russisch nach Bogdanow: Konok, d.h. das Pferdchen, für diese und die folgende Art; hier 
im Volke nicht benannt. 


Systematisches. 


Von den zwölf mir vorliegenden kaukasischen Exemplaren wurden acht im 
November bei Lenkoran erbeutet, drei Anfang Februar ebendaselbst und nur ein Exem- 
plar besitze ich aus den Umgegenden von Tiflis, wo es am 29. März /10. April 
geschossen wurde. Mit schwedischen Vögeln verglichen, zeigt meine Suite ein etwas 
helleres Kolorit auf der unteren Körperseite. Alle Exemplare zeigen am Rückengefieder 
den stark in’s Olivengrün ziehenden Grundton, welcher auf dem Bürzel besonders 
lebhaft erscheint. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Schon das Sammelresultat ergiebt, dass der Wiesenpieper im Kaukasus viel 
seltener ist, als sein naher Verwandter, der Baumpieper. Es könnte sogar sein, dass 
er nur zum Winter in den Tiefländern erscheint. Das oben mitgetheilte Datum (29. März) 
widerspricht dieser Annahme nicht; doch wissen wir, dass ihn Major St. John im 
-Juni bei Schiras”*) gefunden hat. Es ist also wohl wahrscheinlich, dass er auch im 
Kaukasus brütet. 


*) Das Thierleben der Alpenwelt. 1856, pag. 302. Ich muss hier noch die Bemerkung machen, 
dass ich zuerst den Vogel für Aecentor hielt, Brehm’s Hinweise und spätere eigene Erfahrung liessen 
mich das Richtige finden. 

=“) Blanford, Eastern Persia, Vol. II, pag. 236. 


Fadde, Ornis caucasica. 28 


218 Anthus arboreus. 


113. Anthus arboreus Bechst. 
— 4. trivielis L. 
Systematisches. 

Aus dem Kaukasus liegen mir dreissig Exemplare vom Baumpieper vor, diese 
wurden erbeutet: 

Tiflis, vom 20. März /1. April bis 5./17. Mai 12 Exemplare, und vom 3. /15. 
Septbr. bis 25. Septbr. / 7. Oktober 6 Exemplare. 

Lenkoran, vom 31. März / 12. April bis 4. / 16. April 3 Exemplare. 

Dorf Lyrik im Quellgebiete der Lenkoranka, 5000‘, 27. Mai / 8. Juni bis 28. Mai / 9. 
Juni 7 Exemplare. 

Küs-jurdi, persisches Grenzgebirge, 8000‘, am 14. / 26. Juni 2 Exemplare. 

Der Sporn der Hinterzehe und auch das Verhältniss der 4. Schwinge zu den 
drei ersten lassen den Vogel, abgesehen von seinem stärkeren Wuchs, allezeit sich von 
A. pralensis auf das Sicherste unterscheiden. Meine Tifliser Exemplare stimmen gut zu 
deutschen und schwedischen, den hochnordischen gegenüber (Lappland) haben sie alle 
ein lebhafteres Kolorit. Namentlich zeichnen sich hierin 3 Vögel aus dem Tieflande von 
Talysch aus. Die Baumpieper aus der Umgegend von Lyrik sind Brutvögel und tragen 
das abgeriebene, merklich hellere Sommerkleid, ebenso auch das Pärchen vom Küs-jurdi. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Nordmann*) kennt den Baumpieper aus Abchasien und Imeretien als häufigen 
Sommervogel. M&enetries”*) führt ihn bis zu einer Höhe von 8000° über dem Meere 
an, woran sich die Mittheilung Blanford’s***) über sein Vorkommen in der Elburs- 
Kette bis zu einer Höhe von 9000’ über dem Meere gut anschliesstt. Bogdanow 7) 
führt ihn ebenfalls als gemeinen Waldvogel für den ganzen Kaukasus an. Auf den 
Swanischen Alpen (Dadiasch) traf ich ihn 1864 im Sommer ebenfalls und zwar mit den 
Jungen, familienweise. In der basalalpinen Zone des gesammten Kaukasus ist der Baum- 
pieper häufiger Sommervogel und brütet. Ich habe ihn namentlich in den Carex- und 
Luzula-Gräsern angetroffen, welche streckenweise dominiren, und immer höher als die 
Baumgrenze lebten im Juli noch die Familien beisammen; zu Anfang dieses Monats 
waren die Jungen noch nicht ganz ausgewachsen und kurzschwänzig. Ende August 
fand ich die Baumpieper in weitläufig zersprengten Banden an der Südseite des Dshichi- 
- dshwari-Passes (gegen das Plateau von Achalkalaki), wo sich die Vögelchen immer im 
hohen Grase zu verstecken suchten. Als Sommervogel ermittelte ich ihn auch auf der 
Passage der südlichen Goktschai-Kette, am Murad-tapa und im Gösöldara-Thale. Die 
Ankunftszeit bei Tifis fällt auf die Mitte des März, die ersten Exemplare wurden am 
20. März /1. April erlegt. 


*) Demidow: Voyage etc., Tome III, pag. 160. 
**) Catalogue raisonne, pag. 36, Nr. 79, 
***) Bastern Persia, Vol. II, pag. 235. 

7) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 109. 


Anthus cervinus. — Anthus obseurus. — Budytes eitreolus. 219 


114. Anthus cervinus Pall. 


Systematisches. 
Nur ein Exemplar liest mir aus dem Kaukasus vor, es wurde am 28. April / 10. 
Mai bei Tiflis erlegt. Es ist ein altes Männchen und trägt das intensive Hochzeitskleid. 
Am besten schliesst sich mein Vogel an ein Exemplar von der unteren Wolga, welches 
ich E. v. Homeyer verdanke. Die hochnordischen Exemplare (Lappland), welche mir 
aus gleicher Jahreszeit vorliegen, sind an der Kehle heller gefärbt. 


Lebensweise und Verbreitung. 
Für den Kaukasus ist die Art eine Seltenheit, ich muss sie aber als brütenden 
Sommervogel betrachten, da der 10. Mai für unsere Breite als zu spät für den Zug erscheint. 
Frühere Reisende und Sammler führen Anthus cervinus für unser Gebiet nicht auf. 


115. Anthus obseurus Lath. 
— 4. rupestris Nils. 
Systematisches. 

Am 11. /23. Januar wurde bei Tiflis das einzige Exemplar dieser Art erlegt, 
welches ganz genau mit schwedischen Vögeln übereinstimmt. Ich habe einen entschieden 
alten Vogel vor mir, der in allen Farbentönen, Zeichnungen und Grössenverhältnissen 
auf ein Haar zum schwedischen Vogel passt. Ich verwechsele ihn keineswegs mit einem 
jungen Vogel von Anthus aquaticus, dessen Kleid dem des alten A. obseurus ähnlich ist 
und welcher mir ebenfalls vorliegt. Dieselbe Trübung und verwaschene Zeichnung der 
dunkeln Schaftflecken auf der Unterseite und ebenso ganz dieselben Farbentöne auf der 
oberen Seite der Schwingen haben beide Individuen (mein Vogel und ein Schwede) 
gemein. Ein wenig heller ist bei meinem Vogel das Kehlfeld, doch ist auch dieses ganz 
leicht in Grauroth überflogen. Mit dem nordindischen Anth. sordidus Rüpp.*) kann 
ich leider meinen Vogel nicht vergleichen. Blanford kennt denselben von Schiras 
und Ispahan her. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Diese Art wurde im Süden Russlands bis jetzt ebensowenig wie im Kaukasus 
beobachtet und gehört zu den grössten Seltenheiten unseres Gebietes. 


116. Budytes citreolus Pall. 
Systematisches. 

Bei Derbent wurde im Mai 1880 ein Pärchen dieser schönen Art erlegt. Die 
Vögelchen tragen ein stark abgeriebenes Kleid, das Gelb des Männchens ist bereits im 
Abnehmen. An ihm ist die schwarze Halszone breiter, als es gewöhnlich der Fall ist, 
sie erstreckt sich fast bis zum Rücken. Der Nacken bis über das Hinterhaupt zum 
Scheitel hin ist fast weisslich und erscheint, da die Federspitzchen sehr abgenutzt sind, 
grau melirt. Nach den in Stolp bei E. v. Homeyer vorgenommenen Vergleichen ergab 


*) Eastern Persia, Vol. II, pag. 237. 
28 * 


220 Budytes eitreolus. — Budytes Rayi. — Budytes flavus. 


es sich, dass meine Vögel am nächsten den Exemplaren aus dem Altai stehen, klein- 
wüchsig sind und den B. citreolordes Gould in matterer Färbung repräsentiren. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Das Auffinden dieser Art im Kaukasus bringt ihr, wenn auch nur ausnahms- 
weises, Vorkommen gegen Westen zum besseren Abschlusse. Nordmann*) hat die 
Mittheilung über das seltene Vorkommen derselben bei Taganrog und in der Krimm 
gemacht. Vom südlichen Ural und der unteren Wolga war sie bekannt. Blanford **) 
fand sie in Beludshistan. 


117. Budytes Rayi Bp. 
— DB. campestris Pall. 
Das russische Volk, wenigstens hier in Transkaukasien, unterscheidet die verschiedenen gelben 


Stelzen nicht durch besondere Namen. 


Systematisches. 

Zweiundzwanzig Exemplare, alle im schönsten Hochzeitskleide, liegen, in beiden 
Geschlechtern vertreten, mir vor; sie stammen alle von Lenkoran und wurden vom 
15. /27. März bis 2. /14. April daselbst erlegt. Auch von dieser Art ziehen die Männ- 
chen früher und gesondert von den Weibchen. Ich besitze sogar vorwaltend nur Männ- 
chen. Ueber das Kleid, welches bei dieser reizenden Stelze ungemein konstant zu sein 
scheint, kann ich nichts Ergänzendes sagen. Meine Vögel sind genau so, wie die Wolga- 
vögel, was den Farbenton anbelangt, und bedeutend intensiver gelb, als z. B. die aus 
England stammenden Exemplare; sie schliessen sich auch gut den Kirgisen an. Je älter 
das Männchen, um so reiner das Oanariengelb seines Kopfes; jüngere Männchen haben 
den grünlichen Anflug auf der Kopfplatte. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Diese Art trifit von den gelben Stelzen am spätesten ein. Vor dem 15. / 27. 
März sah ich sie nicht, die Hauptzüge passirten vom 25. März / 6. April bis 29. März / 10. 
April. Nach dem 2. / 14. April waren keine DB. Rayi mehr zu sehen. Diese Art zieht 
auf das Entschiedenste direkt dem Ufer entlang gegen Norden, um das Wolgasystem zu 
erreichen. Sie wurde bis jetzt von Niemandem im kaukasischen Gebiete nachgewiesen, 
und wenn man sie nicht gerade auf dem Zuge an der Caspiküste während der kurzen 
Zeit ihrer Durchreise bemerkt, so wird man sie schwerlich anderweitig und zu anderer 
Zeit antreften können. 


118. Budytes flavus L. 
Russisch: Sholtaja Trjasoguska, d. h. die gelbe Stelze. 
Systematisches. 


Während de Filippi ***) den Standpunkt einnimmt, die vier gelben, europäischen 
Bachstelzen unter B. flavus zu vereinigen, oder doch wenigstens den D. melanocephalus 


*) Demidow: Voyage etc., Tome III, pag. 157. 
’=*) Eastern Persia, Vol. II, pag. 235. 
***) Journal für Ornithologie, 1876, pag. 182. 


Budytes flavus. 221 


Lichst. einfach als Spielart von der typischen gelben Stelze aufführt, hält Blanford *) 
die Arten (Racen!) noch aufrecht. Ebenso trennt Severzow die schwarzköpfige Stelze 
artlich von der gelben. Ich folge ihnen darin diesmal wenigstens theilweise und habe 
dafür unter anderem namentlich einen Grund, nämlich den, dass ich die vier, Formen, 
wenn wir sie als solche betrachten, niemals alle miteinander untermischt angetroffen 
habe **). Es ist mir wohl vorgekommen, B. melanocephalus mit BD. vündıs Gml. bei- 
sammen zu finden, weshalb ich diese, da in der charakteristischen Kopffärbung überdies 
Uebergänge nachweisbar sind, artlich vereint lasse (Naumann ***) zeichnet Taf. 374 
sub 2 die Motaeilla melanocephala als altes Männchen im Herbstkleide genau so, wie meine 
viridis im Frühjahr ist), allein den typischen Budytes flavus habe ich unter den grossen 
Schwärmen von melanocephalus niemals gefunden. Dasselbe gilt auch von B. Rayi; sie 
zieht gesondert und hält sich auch so, wenn sie zufällig mit anderen gelben Stelzen 
zusammenkommt. 

Von den zweiundzwanzig Exemplaren des B. flavus wurden nur 3 im Herbste 
geschossen, alle anderen stammen aus den Ebenen von Lenkoran, wo der Vogel auch 
brütet, aber im Sommer viel seltener ist, als B. melanocephalus. Der weisse, charak- 
teristische Supereiliar-Streifen fehlt keinem meiner Exemplare, ist aber bei jungen Vögeln 
(noch nicht ganz einjährigen) auch im Frühlinge nur schwach angedeutet. In Bezug 
auf die graue Färbung des Kopfes und Nackens weist meine Suite die Uebergänge vom 
hellen, reinen Aschgrau bis zum getrübten Schiefergrau auf. Alle jungen Vögel haben 
Kopf, Hals und Rücken gleichmässig braungrau. Bei keinem einzigen meiner Vögel 
setzt sich das Weiss der Kehle so scharf gegen das Gelb des Halses ab, wie dies das 
Dresser’sche Bild zeigt. Es muss das wohl nur bei sehr alten Vögeln vorkommen, bei 
den meisten der meinigen zieht sich das Gelb bis fast zwischen die Unterkieferäste. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Ich kenne die gewöhnliche gelbe Bachstelze nur aus den Tiefländern und den 
Vorbergen des Kaukasus. In ersteren ist sie am Caspi häufiger Zugvogel im Frühlinge, 
wandert aber entschieden der Küste entlang gegen Norden, da bei Tiflis z. B. und 
anderweitig im Üentraltheile der transkaukasischen Gebiete bis jetzt nur wenige Exem- 
plare im Frühjahre erlest wurden. Wenige Vögel bleiben in den Tiefländern zum Brüten 
zurück und suchen dazu die feuchten Wiesen mit viel Juncus und Sceirpus auf. Dass 
diese Stelze auch in den Vorbergen der Südseite des Grossen Kaukasus brüten muss, 
beweist ein bei Tiflis am 27. August / 9. September erlegtes Exemplar, welches unmög- 
lich als Zugvogel betrachtet werden darf. In Persien kommt diese gelbe Stelze sehr 
selten noch in einer Höhe von 5000‘ über dem Meere vor, wie Blanford7) berichtet. 
Die ersten Flüge dieser Art kamen in Lenkoran am 15. / 27. März an. Am 25.—28. März 
war der Zug am stärksten. Ein junger Vogel wurde ausnahmsweise Mitte Dezember 
angetroffen. 


*) Eastern Persia, Vol. II, pag. 234. 
**) Doch versichert solches Blasius, Vater, in der Fortsetzung zu den Nachträgen von Nau- 
mann’s Naturgeschichte der Vögel Deutschlands, pag. 121. 
***) Ebendaselbst Taf. 374. 
‘r) Eastern Persia, Vol. II, pag. 234. 


223 Budytes melanocephalus. — Motacilla boarula. 


119. Budytes melanocephalus Lichst. Bi 
et var.: Kaleniexenkü Kryn., 
var.: viridis Gml. — cinereocapilla Savi — borealis Sund. 
Taf. X. 


Systematisches. 

Während E. v. Homeyer Budytes wiridis noch artlich trennt, vereinigt neuer- 
dings Finsch*) die gelben Stelzen, ja sogar B. Rayi, alle mit B. flavus. Ich halte 
doch dafür, dass die in Rede stehende schwarzköpfige Stelze als eigene Art bestehen kann. 

Von meinen vierundzwanzig Exemplaren derselben aus dem Kaukasus sind: 

1) Sechszehn, nur’ Männchen, gleich nach der Ankunft vom 13. / 25. bis 15. / 27. März 
bei Lenkoran erlegt, tadellose typische B. melanocephalus. Sie stehen im schönsten 
Hochzeitskleide; das Schwarz des Kopfes erstreckt sich bei einigen bis über den 
Nacken hinaus, bei einem sogar bis auf den halben Rücken; vom Superciliarstreifen 
ist bei diesen Vögeln keine Spur. 

2) Ein Männchen, am 25. März /6. April bei Lenkoran erlegt, ist B. melanocephalus 
mit Hinneigung zu viridis am Hinterhaupte und stark prononcirtem weissen 
Superciliarstreifen (Motacilla Kaleniexenköü Kryn.). 

3) Ein typisches, am 12. /24. März erlegtes Männchen von B. viridis, ein Männchen 
(2. / 14. April) von B. wöridis mit grünem Schimmer auf dem Grau des Scheitels 
und ein typisches Weibchen im Hochzeitskleide (25. März / 6. April). 

4) Ein altes Weibchen, typisch, 5. / 17. April bei Lenkoran erlegt. 

5) Drei Sommervögel im vertragenen Hochzeitskleide, davon ein typisches Männchen, 
dessen Bürzelfedern hochgelb sind, ein typisches Weibchen und ein Weibchen von 
B. virdis. 

Die Exemplare von B. viridis stimmen vollkommen zu schwedischen Vögeln. 
Mehr weiss ich nicht über diese schöne Suite zu sagen, aber es kommen von dieser 
Art interessante Albinos vor. Anfang April 1866 erlegte ich einen solchen aus einem 
grossen Fluge gewöhnlicher, schwarzköpfiger Stelzen bei Lenkoran. Schnabel und Zehen 
an diesem schönen Vogel waren fast weiss, die Kopfplatte und der Nacken in der sonst 
üblichen Umgrenzung des schwarzen Feldes waren blendend weiss, der Rücken rein 
citronengelb, einige Federn auf ihm sehr wenig mit Grauschwarz durchsetzt. 


Lebensweise und Verbreitung. 
Am frühesten von allen gelben Stelzen kommt diese Art am Caspi an. Die 
ersten Vögel sah ich am 4. / 16. März, die Hauptzüge passirten vom 15. / 27. bis 18. / 30. 
März. Viele bleiben zum Brüten hier und ziehen dazu in’s Gebirge bis in eine Höhe 
von mehr als 6000‘ über dem Meere. In der Ardebil-Ebene war der Vogel häufig und 
ebenso an den Bächen der Sawalan-Basis; am Goktschai-See brütet er ebenfalls. 


120. Motacilla boarula Penn. 
Systematisches. 
Meine kaukasischen Exemplare geben mir nicht Veranlassung, Bemerkungen 
über Abänderungen des Kleides zu machen. Jüngere Männchen zeigen im Winterkleide 


”) Reise nach Westsibirien, 1876, wissenschaftliche Ergebnisse, pag. 61. 


Motaeilla boarula. — Motacilla alba. 223 


auf der unteren Hals- und Brustseite einen nicht citronengelben, wohl aber gelbweiss- 
lichen, kaum etwas in’s Röthlichbraune ziehenden Anflug. Ich besitze den Vogel in 
einem Dutzend Exemplaren aus meinem Gebiete, welche bei Tiflis, an den Quellen des 
Schamchor und bei Lenkoran gesammelt wurden. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Beide Bachstelzen (M. alba und boarula) kommen zusammen vor und haben 
auch die gleiche Verbreitung in der Vertikalrichtung, doch ist M. boarula nirgends so 
häufig, als die weisse Bachstelze, lebt meistens in gesonderten Paaren und Familien. 
Sie und auch die weisse Bachstelze überwintern im Talyscher Tieflande, aber nicht in 
Massen. Im Sommer traf ich sie an den Wasserläufen im Gebiete der alpinen Wiese, 
doch nicht höher als S000° über dem Meere. Ihr Vorkommen an den Moränenrändern 
der Gletscherbasen, welches Bogdanow*) erwähnt, kann nur da statthaben, wo die 
Gletscher tief thalwärts sich bewegen. Diese Art gewöhnt sich ohne Zwang ungemein | 
leicht an den Menschen. Auf meinem früheren Landsitze in Borshom brütete ein Pär- 
chen alljährlich und begann schon Ende März mit dem Locken. Es hatte sein Nest 
unter dem Balkonkarniese zwischen Weinreben-Guirlanden angelegt. Mitte Juni gab es 
Hügge Junge. Die reizenden alten Vögel hatten sich ungemein an ihre Umgebung 
gewöhnt, kamen zutraulichst auf den Tisch, während der Thee genommen wurde, und 
suchten die nahen Fensternischen ab. Sind die Jungen flügge, so ist das Leben der 
Familie recht unstät. Zum Nächtigen kehrten dann diese Bachstelzen nicht mehr an 
den Brutplatz zurück, aber sie erschienen alltäglich im Garten auf Weg und Busch, um 
Insekten zu sammeln. Am 15. /27. Oktober tragen die Vögel schon das volle Winter- 
kleid. In milden Wintern verweilt diese Bachstelze recht hoch im Gebirge, man will 
sie sogar am Goktschai-See im Winter beobachtet haben, bei Tiflis ist sie nicht selten. 
Am 15. / 27. März tragen die Vögel schon das fertige Hochzeitskleid. 


121. Motacilla alba L. typ. **) 
et var.: personala persica Gould et Blanford, 
var.: lugubris Temm., 
var.: luxoniensis Scop. ? (Winterkleider), 
var.: dukhunensis Sykes. 
Taf. X. 


Russisch : Prjasoguska. 
Tatarisch: Murgiunda. 
Grusinisch: Tschaltschala. 
Armenisch: Dshripipis. 
Systematisches. 
Zwanzig Kaukasier wurden gesammelt, Sommer- und Winterkleider, junge und 
alte Vögel. Zwar repräsentiren einige Exemplare meiner kaukasischen, weissen Bach- 
stelzen die typisch europäische Form, doch aber giebt es einmal im Sommerkleide deutliche 


*) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 108. 
3 =) Ueber einige Varianten der weissen Bachstelze berichtet Dr. Altum im Journal für Ornitho- 
logie, 1865, pag. 245; so namentlich auch über die Verbindungsformen zu M. lugubris Temm. 


224 


Motacilla alba. 


Uebergänge zur M. Tugubris auct., zumal auch zur oben erwähnten M. personata persica, 
wie andererseits auch die weissflügelige M. dukhunensis, welche Bogdanow*) für 
artenberechtigt hält und von der europäischen, weissen Bachstelze trennt; ja es kommt 
vor, dass theilweise die Charaktere der var. lugubris und der var. dulkhımensis nebst 
Manchem von der M. alba typ. an einem Individuum nachweisbar sind. Im Winterhabite 
besitze ich auch M. Iuxoniensis Scop. Ich will nun solche Exemplare hier besprechen, 
indem ich wiederum meine Suite nach den Varietäten ordne, bemerke aber noch, dass 
M. huxoniensis von Gray in seiner Handlist (P. I, pag. 246, Nr. 3567) mit M. paradoxa 
L. v. Schrenck vereinigt wird. 


1) 


I) 
— 


9—11) 


a. Sommerkleider. 
Weibchen, am 17. / 29. März bei Tiflis erlest; typisches, fertiges Sommerkleid der 
M. alba; das Weissgrau der oberen Flügeldecken hält das Maass noch ein, wie 
solches vor mir liegende, deutsche Vögel besitzen. 
Männchen, am 5. /17. Mai bei Lenkoran erlegt, gleich Nr. 1 genau mit Exemplaren 
von Kassel übereinstimmend, aber das Schwarz der Kopfplatte tritt hinter dem 
Ohre ganz nahe zu dem Schwarz der Kehlenseiten, geht indessen zum Rücken 
hin nicht über den Nacken fort. Wir haben also Hinneigung zur M. personata 
Gould bei typisch europäischem Gesammttypus. 
Männchen, im März 1866 in Borshom erlegt; typisches Sommerkleid der M. alba; die 
Umrandungen der oberen Flügeldecken und die Aussenkanten der Hinterschwingen, 
breiter weiss als bei den Europäern, bilden noch nicht einen ununterbrochenen 
Spiegel auf dem Flügel. 
Männchen, am 25. März / 6. April bei Lenkoran erlegt; die weissen oberen Flügel- 
decken, noch etwas in Grau getrübt, haben bereits an Umfang gewonnen und 
bilden einen kleinen Spiegel (junges Männchen); das Schwarz der M. personala, 
es reicht über den ganzen Hals oben herunter, seitlich hinter dem Ohre noch 
schmale weisse Scheidung. 
Männchen, am 18. / 30. März bei Lenkoran erlegt; noch mehr Weiss auf dem 
Flügel: Kopflärbung zwischen M. personata und M. alba typ. die Mitte haltend. 
Männchen, am 20. März / 1. April bei Lenkoran erlegt, mausert: am Halse unten 
noch viel Weiss: Kopf der typischen alba; Flügel mit grossem, nirgends unter- 
brochenem, weissen Spiegel. 
Männchen, am 20. März /1. April bei Lenkoran erlegt, ausgebildete M. dukhumensis 
im frischen brillanten Hochzeitskleide; dabei Kopf der M. personata, jedoch das 
Schwarz oben nicht bis zum Rücken. 
Männchen, am 17. / 29. März bei Lenkoran erlegt. ausgebildete M. dukhrmensis ; 
Kopf nicht ganz personata, aber das Schwarz auf der oberen Seite über das 
vordere Dritttheil des Rückens verbreitet. 

b. Winterkleider. 
Weibchen, am 25. Novbr. /5. Dezbr. und am 28. Novbr. / 10. Dezbr. bei Tiflis 
und bei Lenkoran erlest; vollkommen typisch europäische Vögel, ganz identisch 


mit den vorliegenden deutschen Exemplaren. 


*) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 107, Nr. 154. 


Motacilla alba. 225 


12, 13) Weibchen, am 24. Novbr. / 6. Dezbr. bei Lenkoran erlest; die Umsäumungen der 
oberen Flügeldecken und Hinterschwingen etwas breiter und heller, als bei der 
typischen M. alba. 

14) Weibchen, am 28. Novbr. / 10. Dezbr. bei Lenkoran geschossen; starke Neigung 
zur M. luxoniensis, die mir in einem indischen Winterkleide (Männchen) vorliegt. 

Dieser Vogel ist ein recht alter und hat den weissen Flügelspiegel vollständig. 

Ich glaube, dass M. Iuxoniensis das Winterkleid der var. M. dukhumensis ist. 

Der mir vorliegende indische Vogel ist ein nicht so altes Männchen und hat 

den Spiegel noch nicht ganz ununterbrochen und schneeweiss. 

15, 16) Weibchen, Mitte November bei Tiflis und Lenkoran geschossen, welche am Halse 
aufwärts noch viel Schwarz besitzen und die helleren, etwas röthlichgrauen 
Umrandungen der kleinen Flügeldecken normal zeigen. 

17—20) Junge, unreife Vögel, die mir zu keinen Bemerkungen Veranlassung geben. 
Nach diesen Erörterungen bin ich nun zu der Ueberzeugung gekommen, dass 

die gemeine, weisse Bachstelze in der Mehrzahl der kaukasischen Vögel vom typischen 

Vogel, der gleichzeitig auch auf dem Isthmus lebt, abweicht; und zwar wurden die 

extremsten Formen dieser Abweichung bestimmt: 

1) durch den weissen Spiegelflecken auf dem Flügel; 
2) durch die stärkere Entwickelung des Schwarz auf dem Kopfe, Nacken und 
dessen Seiten. 

Da mir aber in meiner Suite für beide Varianten die vermittelnden Uebergänge 
vorliegen, so kann ich von selbstständigen Arten jener beiden extremen Formen nicht 
sprechen und führe sie nur als Varietäten auf. Gegen SO. hin finden wir an den Vögeln 
in Indien die bedeutendste Ausbildung des weissen Flügelspiegels, im NW. dagegen, in 
England, die grösseste Entwickelung der schwarzen Partien auf der oberen Körperseite; 
die kaukasischen Vögel vermitteln beide extreme Formen. 

Die bei Lenkoran gesammelten Nester sind niedrig gebaut und bestehen vor- 
waltend aus Haar auf einer feinen Unterlage von Gräsern. Eines davon ist stark ver- 
filzt, in einem anderen sehe ich etwas Baumwolle. Die Gelege bestehen aus 5 Eiern. 
Ein anderes Nest ist etwas höher gebaut, hat in seinen Wandungen feine Oalamagrostis- 
Gräser, Moos, einige Federn; die innere Wandung ist auch bei ihm mit Langhaar 
‚gepolstert. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Die weissen Bachstelzen überwintern zum Theile in den wärmeren Gegenden des 
Landes. Bis zu einer Höhe von 3000‘ über dem Meere kann man sie auch im Winter 
antreffen. Bei Tiflis bleiben stets einige; am 16. / 28. Oktober vernahm ich bei schönstem 
Wetter am frühen Morgen ihre Lockstimme, sie lockten bis 9 Uhr früh auch um diese 
Zeit recht eifrig. Fast schien es, als ob sie sich zum dritten Male zum Brutgeschäfte 
entschliessen wollten. Bei anhaltendem, tiefem Schneefalle (z. B. Januar 1864) wurden 
die Bachstelzen ganz zahm, kamen auf die Gallerien der Gebäude und suchten während 
des Tages die Südseiten der Wände ab, wo dann, zumal in der Sonne, allerlei Insekten 
erschienen, so auch die rothen Wanzen (Lygaeus sp.) aus den Fugen des Gemäuers 
hervorkrochen. Die Bachstelzen flatterten dann hart an den Wänden in die Höhe und 


suchten etwas im Fluge zu erhaschen. Nicht selten gesellen sich einzelne Bachstelzen 
Badde, Ornis caucasica. 


296 Motacilla alba. — Acrocephalus schoenobaenus. 


im Winter den Flügen von Emberixa cia und Fringüla monlifringilla zu, besuchen auch 
wie M. boarula die Dächer der Häuser in den Kolonien. 

In der Vertikal-Richtung habe ich die weisse Bachstelze bis zu einer Höhe von 
nahe 8000‘ über dem Meere als Sommer- und Brutvogel beobachtet und zwar nicht 
allein in der Nähe menschlicher Ansiedelungen, wie bei dem Dorfe Jibiani im Freien- 
Swanien, sondern auch an den wildesten und einsamsten Plätzen, z. B. des Hippos. 
Am 18. / 30. Juni gab es im Dadian’schen Swanien flügge Junge. Am 2. / 14. Juli fand 
ich bei Jibiani ebenfalls die Brut fast ausgewachsen. Am 21. August / 2. September 
waren die Bachstelzen im Gebirge bereits geschaart, so bei dem Dorfe Glola am oberen 
Rion und höher unterhalb des Mamisson-Passes gab es davon grosse Völker; sie tum- 
melten sich auf den basalalpinen Heuschlägen umher nnd stiegen bis zum Twuilsa- 
Gletscherfusse heran. Dieses waren die zum Abziehen bereiten Hochgebirgsbruten, welche 
ihre Geburtsstätten verlassen mussten, weil schon Mitte August kalte Nächte und frischer 
Schnee nicht ungewöhnlich sind. Die meisten der kaukasischen Bachstelzen ziehen fort 
und begnügen sich nicht damit, nur thalabwärts zu wandern. Wenn auch die Winter 
nicht immer sehr strenge und schneereich sind, so fehlt es doch für eine grössere An- 
zahl nur insektenfressender Vögel, wie es die Bachstelzen sind, an reichlicher Nahrung. 
Selbst im Talyscher Tiefande, dem allergünstigst gelegenen, von der Natur überreich 
ausgestatteten Gebiete, waren die Bachstelzen im Winter durchaus nicht häufig. Am 
Goktschai-See erscheinen die Vögel erst Anfang Mai und brüten, im September ziehen 
sie von dort alle thalabwärts. 


Subordo 3. 
Insectivorae. 


122. Acrocephalus schoenobaenus L. 
— Sylvia phragmitis Bechst. 
Russisch werden alle kleineren Rohrsänger als Kamyschewka benannt. 
Systematisches. 


Vom Schilfrohrsänger liegt mir aus dem Kaukasus folgende Vogelreihe vor: 
12 Männchen von Lenkoran, 


6 > » Tiflis, 

al 5 „  Derbent, 
7 Weibchen ,„ Lenkoran, 
4 5 „ Tilis. 


Im Ganzen 30 Exemplare. 
Alle diese Vögelchen stimmen vollkommen zu Exemplaren von der Wolga, vom 
Ural, aus Nordrussland und Deutschland überein. Dass die von M&n6tries*) bei 


Lenkoran erbeuteten zwei Vögel unzweifelhaft, trotz etwas stärkerer Schnäbel und 


kürzerer Schwänze, diese Art repräsentiren, ist sicher, wie sie denn auch Bogdanow **) 


*) Catalogue raisonne, pag. 33, Nr. 61. 
**) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 101, Nr. 136. 


Acrocephalus schoenobaenus. — Acrocephalus streperus. 227 


ohne weitere Bemerkung damit vereinigt. Um solche Grössenverhältnisse klar zu machen, 
gebe ich hier die Maasse von einem typischen schwedischen Vogel, meinem grössesten 
und meinem kleinsten Exemplare. 


| 
a Lenkoran. 
A. schoenobaenus L.: | Mm M. W. 

| mm mm I m, 
osllanger a a wlso. 130 120 
Vom Flügelbug bis zur Spitze. . . | 66 68 61 
Schwanzlangeng a la ln End 54 51 
Schnabel auf der Firste gemessen. . | 12 12,5 12 
Tarsus al v2] 21 20 

| 


Lebensweise und Verbreitung. 


Keiner der in Persien sammelnden Reisenden erwähnt den Vogel von dorther 
und aus Kleinasien kennen wir ihn nur vom westlichen Küstengebiete. Es hat den 
Anschein, dass er mit Ausnahme des Gilan’schen und Massenderan’schen Küstengebietes 
in Persien ganz fehlt. Sehr gemein war er bei Lenkoran und oberhalb Derbent und 
zwar traf ich ihn recht oft in der jungen Saat (Gerste) an, die damals (Anfang Mai) 
schon über 1‘ hoch stand. Diese Spezies kommt spät an. Vor dem 22. April /4. Mai 
wurde sie bei Tiflis nicht gesehen und die bei Lenkoran gesammelten Vögel wurden alle 
in den ersten Tagen des Mai erlegt. 


123. Acrocephalus streperus Vieill. 
— 4. arundinaceus Gml. 
Systematisches. 

Es liegen mir von dieser Art nur sechs kaukasische Vögel vor. Einer von ihnen 
wurde bei Lenkoran am 7. /19. Mai, von den anderen zwei im Mai und zwei im August 
und September und einer am 23. Juli /4. August bei Tiflis geschossen. Dass diese Art 
also hier brütet, und zwar im Centraltheile von Transkaukasien, wird durch das zuletzt 
genannte Exemplar bewiesen. Meine Vögel stimmen mit deutschen und französischen 
gut überein, besitzen obenher das Braun rostiger und nicht olivengrün schimmernd und 
sind namentlich an den Flanken (wenigstens einige) recht intensiv ockergelb gefärbt. 
Bei einem Exemplare sind die 2. und 3. Schwinge gleich lang, alle anderen haben die 
2. etwas kürzer als die 3. 


Lebensweise und Verbreitung. 
Dieser Rohrsänger war bis jetzt nur am Goktschai-See (6300‘) bei dem Molokaner 
Dorfe Helenowka von de Filippi und später von Kessler*) gefunden worden. Durch 
den Nachweis desselben ebensowohl im Talyscher Tieflande (wo er selten ist), wie auch 
als Brutvogel in den Vorbergen der Südseite des Grossen Kaukasus wird die lückenhafte 
Kenntniss über seine Verbreitung im Kaukasus wesentlich vervollständigt. 


*) Bogdanow, Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 101, Nr. 134. or 
2 


228 Acrocephalus turdoides. 


124. Acrocephalus turdoides Meyer typ. 
— A. arundinaceus Briss. 
et var.: minor Radde. 
Russisch: Trostjanoi drosd, d. h. Rohr-Drossel. 
Systematisches. 

Zu den zwölf Exemplaren, die ich aus den Rohrwäldern Lenkorans mitbrachte,. 
lege ich drei aus den Umgegenden von Tiflis, welche Anfang Mai geschossen wurden. 
Diese Vogelreihe ist insofern von besonderem Interesse, als sie zur Evidenz beweist, dass 
wir es in Lenkoran nur mit dem typischen, grosswüchsigen Rohrsänger zu thun haben, 
während die drei Exemplare von Tiflis bei gleicher Schnabelgrösse und vollkommen: 
übereinstimmendem Flügelbau sehr bedeutend kleiner sind. Ich lasse unten die Maasse 
folgen, welche das klar machen werden. Mit A. stentoreus Ehrb. haben meine klein- 
wüchsigen Exemplare nichts zu thun. Ihr Schnabel ist relativ noch etwas stärker, als 
bei Zurdoides. Die 2. Schwinge ist bei einigen meiner Exemplare, sowohl den gross- 
wüchsigen, wie auch den kleinen, ein wenig kürzer, als die dritte, bei den meisten 
Vögeln aber normal. Im Kolorit finde ich keine erheblichen Abweichungen. Alte Vögel, 
sowohl Männchen, als auch Weibchen, haben auf der Kehle die schmalen, langen, grauen 
Schaftstriche recht deutlich. Das nicht selten recht intensive lichte Ockergelb am Bauch- 
gefieder und den Flanken ist unabhängig vom Geschlechte. 

Die Maasse stelle ich folgenderweise zusammen: 


| BER i Lenkoran. Tiflis. 

A. turdoides Meyer: | tm. typ. N DOORER 
IE M. M M. 
| mm | mm | mm mm mm mm 
Totallänge . . . 2. 2... | -190.|, 198°) 31892 as | Sera ee 
Klügelbug bis zur Spitze . ... | 94 | 98779077 7% 89 90 
Schwanzlänges se er | 85 | 88 83 78 13 68 
Schnabel auf der Firste gemessen | 18 I 19) 18 18 18 18 
Schnabelhöhe an der Basis. . . | 6 6 Bam 6 6 
Tarsusgrr es Reste | see 29 28 29 28 


Hieraus ersieht man, wie bedeutend namentlich die Schwanzlängen der Vögel variiren. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Von M&ne6tries*) wurde diese Art schon 1830 im Tieflande von Talysch gefun- 
den. In den sogenannten Morzi, jenen weitgedehnten Rohrbeständen am Süsswasser, 
habe ich sie im Sommer vielfach beobachtet und erlegt. Ich glaube aber nicht, dass 
die im Suant-Gau von Mönetries beobachtete Acrocephalus-Art zu der in Rede stehen- 
den gehört. Das ganze Suant-Gebiet ist ein trockenes, nacktes, zerklüftetes Gebirgsland 


*) Catalogue raisonne, pag. 32, Nr. 59. 


Acrocephalus turdoides. — Acrocephalus palustris. 229 


von hochpersischem Typus und nicht geeignet, dem an stagnirendem Wasser im Rohr 
lebenden Vogel zum Aufenthalte zu dienen. Es scheint mir, dass, eingedenk der de 
Filippi’schen *) Angabe, bei Tauris einen grossen, dem A. Zurdoides nahe verwandten 
Rohrsänger gefunden zu haben, wir es im Talyscher Gebirge aller Wahrscheinlichkeit 
nach mit A. stenloreus zu thun haben; doch fehlen dafür noch direkte Nachweise. 
Blanford **) hat diese Angelegenheit bereits besprochen. 

In den Rohrwäldern von TLenkoran ist der typische A. turdoides sehr gemein 
und lärmt im April und Mai von allen Seiten her seine schnarrenden Weisen. Am 9. / 21. 
April kam das erste Exemplar zu Schusse. Nach einer Woche waren die Vögel schon 
alle da und sangen sehr eifrig. In Tiflis wurden am 4. / 16. Mai die ersten Vögel dieser 
Art erlegt. Einzeln beobachtete ich sie während der Zugzeit in Borshom vom 24. April / 6. 
Mai bis 26. April /8. Mai (doch hier vielleicht auch A. stentoreus). 


125. Acrocephalus palustris Bechst.***) 


Systematisches. 

Den Sumpfrohrsänger für verschiedene Lokalitäten in Transkaukasien nachzu- 
weisen, ist mir gelungen, ich besitze je fünf Exemplare von Lenkoran und von 
Tifis und zwei aus den Umgegenden von Derbent. Die Exemplare haben alle den 
charakteristischen olivengrünen Ton im Gefieder des Rückens, welcher dem Bürzel zu 
oft recht lebhaft wird. Dass der Vogel auch im Kaukasus brütet, wird durch ein Pär- 
chen dargethan, welches 12 Werst aufwärts die Kura von Tiflis, bei Awtschala am 
24. Juli /5. August erlegt wurde. Diese beiden Vögel beginnen die Mauser am Halse, 
das gesammte Kleid derselben ist ausserordentlich verblichen. Die Stärke des Schnabels 
bei dem Weibchen ist bedeutend und bringt den Vogel dem A. dumetorum Blyth — 
A. magnirostris Liljb. nahe. Die von Blanford j) über das einzige aus Persien (Schiras) 
bekannt gewordene Exemplar von A. palustris gegebenen Mittheilungen passen auf ein- 
zelne meiner Vögel mehr oder weniger, sowohl in den Farbentönen, als auch in den 
gegenseitigen Schwingenverhältnissen.. Es wird schwer sein, hier ganz unwandelbare 
Normen zu finden. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Bis dahin war diese Spezies nur von Nordmannff) und Krynicki im west- 
lichen Kaukasus an der Abchasischen Küste bei Suchum-Kale (1836) gefunden worden. 
Die Fakta, welche ich mittheile, erweitern ihr Vorkommen bis in die Tiefländer des süd- 
lichen Caspi. Ich glaube, dass das Vorkommen beider (A. palustris und turdoides), 
welche in Kleinasien selten und nur Vögel der westlichen Küste sind, hier in Trans- 
kaukasien und namentlich am Südufer des Caspi, zusammenhängt mit der Häufigkeit 
beider im unteren Wolgathale.. Von hier aus mag die Verbreitung gegen Süden statt- 


*) Journal für Ormithologie, 1876, pag. 181. 

**) Eastern Persia, Vol. II, pag. 195. 

**) Anmerkung: Ueber das Vorkommen von Salicaria aquatica Gmi. im Kaukasus liegen gar 
keine Angaben bis jetzt vor. Nordmann setzt sie mit Gloger als identisch mit $. cariceti Naum. und 
hat sie einmal bei Odessa gefunden. 

‘r) Eastern Persia, Vol. I, pag. 197. 
ty) Demidow: Voyage etc., Tome III, pag. 144, Nr. 16. 


230 Acrocephalus palustris. — Lusciniola melanopogon. — Locustella fluviatilis. 


gefunden haben bis zum Fusse der Elburs-Kette, welche von diesen Rohrsängern nicht 
überstiegen wird. Das Vorkommen von A. streperus in Südpersien lässt sich besser 
durch die Wanderstrasse Mesopotamien-Syrien erklären. A. paluıstris wurde nicht selten 
in den Saatfeldern, wo solche zahlreich bewässert werden und Kanäle nahe gelegen, 
gefunden. 


126. Lusciniola melanopogon Temm. 
Systematisches. 

Am 14. /26. März wurden zwei Exemplare (ein Pärchen) von diesem Rohr- 
sänger am Chramflusse südöstlich von Tiflis erlegt. Am 28. Septbr. / 10.Oktbr. kam er 
abermals aus den Umgegenden von Tiflis in meine Hände. Darauf beschränkt sich aber 
auch die Zahl meiner kaukasischen Exemplare. Mit Individuen von der unteren Wolga 
stimmen meine Vögel in jeder Hinsicht vollkommen überein, sind fast noch reiner weiss, 
mit Ausnahme der Flanken, auf der unteren Körperseite, besitzen sehr deutlich den 
weissen, breiten Superciliar-Streifen, das schwarze Augenband und die wenigen, breiten, 
verwaschenen, schwarzen Schaftflecken auf dem Rücken. Die südeuropäischen Exemplare 
haben durchweg dunklere obere Kopfseiten. Die Grössenverhältnisse beider Geschlechter 
weichen recht bedeutend von einander ab; ich messe: 


ji 

| Kaukasus 

II 

L. melanopogon Temm.: SEE 

| mm | mm 
Totallänge . . . El 7300 Men 
Flügelbug bis zur Se | 58 63 
Schwanzlänge . Ss 62 
Schnabel auf der her gemessen | 12 12 
Tarsus In al ze 


Lebensweise und Verbreitung. 

Neuerdings ist er vom Major St. John und Blanford *) für Persien (und zwar im 
Süden) nachgewiesen, und es vermittelt das Auffinden dieses selteneren Rohrsängers im Cen- 
traltheile des Kaukasus den Zusammenhang im Ostgebiete seiner Verbreitung. Aus Süd- 
zussland war er ebensowohl bei Odessa (Nordmann), als namentlich auch an der unteren 
Wolga erwiesen. Bogdanow”*) hat in den Sammlungen der Kaiserlichen Akademie 
der Wissenschaften zwei Exemplare entdeckt, welche von Nordmann, als bei Suchum- 
Kale erlegt, eingesendet wurden. 


127. Locustella fluviatilis M. et W. 
Systematisches. 
Der Flussrohrsänger ist eine grosse Seltenheit für den Kaukasus. Vor mir hat 
ihn Niemand auf dem Isthmus nachgewiesen. Meine beiden Vögel sind sicherlich zur 


*) Eastern Persia, Vol. II, pag. 198, Nr. 135. 
=) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 101, Nr. 137. 


Locustella fluviatilis. — Cettia Cettii. 231 


Zugzeit bei Tiflis geschossen. Der eine am 27. April /9. Mai, der andere am 19. / 31. 
August. Vollkommen stimmen beide zu einem von Blasius, Vater, früher erhaltenen 
Vogel. Das weiche und dichte Gefieder der oberen Körperseite ist von der Stirn bis zu 
den langen Schwanzdecken einfarbig tief und satt braun und so auch die grossen und 
die kleinen oberen Flügeldecken. Die gesammte untere Körperseite ist trübe graugelb- 
lich, nur mitten auf dem Leibe etwas heller, die Flankenfedern dagegen wieder mehr 
graubraun. Die Kehle und namentlich die Brust sind in der Grundfarbe am stärksten 
getrübt und in abwärts reichenden, sich dorthin verbreiternden Reihen stehen die zahl- 
reichen, dunkleren, verwaschenen Schaftstreifen. Grössenverhältnisse und Flügelschnitt, 
sowie Proportion der einzelnen Schwingen zu einander sind normal. 


Lebensweise und Verbreitung. 
In den Ebenen von Awtschala, in der Nähe der Kura,. wurden beide Vögel 
geschossen. Diese beiden Exemplare bestimmen die bis jetzt in diesen Breiten östlichst 
aufgefundene Grenze des Vorkommens dieser Art auf dem Zuge. 


128. Cettia Cettii La Marm. 
— (. sericea Nalt. 
Systematisches. 

Aus derselben Gegend, wo M&ne&tries diesen Vogel im Jahre 1850 entdeckte, 
habe ich ihn auch, aber nur in einem Exemplare, mitgebracht. Men&tries*) kennt 
den Vogel aus dem Gebirge (Suant-Gau), wo er auf den Hecken lebte und brütete. 
Mein Exemplar, Männchen, wurde am 21. Novbr. /3. Dezbr. im Rohr des Tieflandes 
erlegt. Das Gefieder ist schön frisch, lebhaft braun auf der oberen Seite. Nur die 
seitlichen Schwanzfedern sind sehr rostigroth. Den Flügelschnitt sehe ich ganz normal. 
Der Vogel, ein starkwüchsiges Männchen, besitzt folgende Maasse: 


lotallanzere rel 0Emm: 
Flügelbug bis zur Spitze . . . 66 „ 
Schwanzlängener a. Eee lodll, 
Schnabel auf der Firste gemessen 12 „ 
Parsuss u Er ES AT EHER 


Lebensweise und Verbreitung. 


Bis vor wenigen Jahren war diese Art nur von Menetries für Talysch und 
namentlich für den hoch gelegenen Theil des Suant-Gaues nachgewiesen, welcher Fundort 
sich direkt an den Blanford’s**) in der Elburskette im Norden von Teheran anschliesst. 
An der unteren Wolga ist der Vogel nicht selten. Neuerdings wurde er durch H. 
Michalowsky***) bei Achalzich gefunden. Das im Winter von mir im Tieflande 
erleste Exemplar muss ein zufällig zurückgebliebener Vogel sein. Ich darf nicht voraus- 
setzen, dass sich die Art nur thalabwärts in die Tiefländer begiebt, denn es wurde unserer- 
seits sehr eifrig, aber ganz ohne Erfolg, auf sie während des ganzen Winters gefahndet. 


*) Catalogue raisonne, pag. 33, Nr. 62. 
**) Eastern Persia, Vol. II, pag. 200, und Dresser, The birds ete., Parts XLVII u. XLVII, 1876, März, 
##*) Bogdanow, Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 102. Nr. 138. 


232 Aödon galactodes. — Phylioscopus sibilatrix. 


129. Aödon galactodes Temm. 
— Sylvia familiaris Meneir. 
Systematisches. 

Zwar hält Dresser*) die Trennung von Aödon galactodes Temm. und Aedon 
familiaris Menetries aufrecht, doch kann ich das von Mänetries**) besonders hervor- 
gehobene und auch von Blasius***) angeführte Unterscheidungskennzeichen, nämlich 
den schwarzen Fleck vor- dem Ende der Schwanzfedern (gross und quergestellt bei 
famiharis und klein, rundlich bei galactodes) nicht bestätigen. Meine beiden Vögel, am 
N.-Ende der Mugan Ende April 1866 und bei Lenkoran am 19. /31. Mai geschossen, 
stimmen vollkommen zu einem bei Aidin in Kleinasien erbeuteten und weichen beide, 
obgleich Männchen, vom Nordost-Afrikaner, der mir von Blasius, Vater, gegeben wurde, 
nur dadurch ab, dass die gesammte obere Körperseite gleichmässig mehr graubraun, als 
licht een gefärbt ist. Auch stehen die. Asiaten dem Afrikaner ein wenig an 
Grösse nach. Das zweite bei Lenkoran erlegte Exemplar hat die Schnabelspitze stark 
abwärts gekrümmt. Ich messe: 


| Afrika. | Lenkoran. 

Aedon galaclodes : | M M. M 
mm | mm mm 
Totallänge . | 156 | 150 | 150 
Flügelbug bis zur Sn 0.830 0383 8 
Schwanzlänge . . Se 2 09 ad 
Schnabel auf der Firste LO er 
TArsusı I oe en La la Di 2 26 


Lebensweise und Verbreitung. 

Nach de Filippir) findet sich dieser Sänger gleich der Frcedula elaica auf der 
ganzen Strecke von Armenien bis nach Teheran, doch ist er seltener, als die mit ihm 
lebende eben genannte Art. Ich kenne ihn nur aus der Uferzone des südwestlichen Caspi, 
wo er durchaus nicht häufig ist. Das am 19. / 31. Mai erlegte Männchen lebte im hohen 
Gebüsche am Jongel-Rande und sang ausserordentlich eifrig und sehr schön. Der 
Gesang hat noch Manches vom schnarrenden und schwatzenden Typus der Rohrsänger, 
besitzt aber auch viele reine Flötentöne und variable Melodie. 


150. Phylloscopus sibilatrix Bechst. » 
Russisch nennt man die Laubsänger: Penotschka. 
Ich darf mit Bestimmtheit behaupten, dass diese Art in Transkaukasien äusserst 
selten ist. Die Richtigkeit der Angabe M&netries’fr), dass der Vogel bei Lenkoran 


*) Dresser, The birds ete., Part XXX, Septbr. 1374. 
**) Catalogue raisonne, pag. 32, Nr. 60. 
==) Die Wirbelthiere Europas, pag. LV im Verzeichnisse. 
7) Journal für Orithologie, 1576, pag. 181. 
y) Catalogue raisonne, pag. 35, Nr. 74. 


Phylloscopus sibilatrix. — Phylloscopus rufus 233 


vorkomme, möchte ich bestreiten, oder doch wenigstens nur für die Zugzeit gelten lassen. 
Wir hätten dort sicherlich, einmal im Frühlinge zwei Monate, ein anderes Mal vom 
November bis Juni jagend, ein Exemplar erhalten, wenn der Vogel dort leben würde. 
Vielleicht hielt Meneätries einen grosswüchsigen P. trochilus für P. sibilatrix. Ich 
kenne den Waldlaubsänger nur nach einem Exemplare, welches im Walde von Manglis 
todt gefunden wurde und von Ameisen so stark angefressen war, dass es die Präparation 
nicht aushielt (Juni 1880). Von der Nordseite des Gebirges hat Bogdanow *) die Art 
aus dem Terekgebiete nachgewiesen. 


131. Phylloscopus rufus Lath. typ. 
et var.: obscurus Radde. 
Taf. XII, 2. 


Systematisches. 

Aus dem Kaukasus besitze ich vierzig Vögel dieser Art im Frühlingskleide und 
fünfzehn im frisch angelegten Herbstgefieder. Diese bedeutende Anzahl kaukasischer 
Weidensänger, sowohl bei Lenkoran, als namentlich auch in den Umgegenden von Tiflis 
und in Betanien erlegt, kann ich mit deutschen und schwedischen Vögeln vergleichen. 
Die Proportionen der Schwingen anlangend, so finde ich sie sehr konstant, nämlich 2. 
gleich 7., wie das Blasius**) angiebt. Nur bei einem von allen meinen Vögeln ist 2. 
etwas kürzer als 7. In Bezug auf das Kolorit ist zu bemerken, dass die Kaukasier die 
obere Körperseite im frischen Herbstkleide nicht immer so lebhaft in’s Olivengelb besitzen, 
als dies bei den nordischen Vögeln der Fall ist. Im Frühjahre sind viele Vögel im 
Kaukasus obenher fast rein graubraun, nur auf dem Rücken und Bürzel kommt ein 
wenig das Gelbgrün zur Geltung. Zumal ist dies der Fall mit den im März und Anfang 
April 1866 bei Lenkoran erlegten Exemplaren. Nun wurde noch ein Weibchen am 
15. / 27. März 1867 bei Tiflis erlegt, welches, wenn mir daran gelegen wäre, als eigene 
Art getauft werden müsste; allein, ich halte es nur für eine Varietät, und benenne es, 
da es sehr dunkel in seinem gesammten Gefieder und auch wenig bekannt ist, var. 
obscurus. Das Vögelchen stimmt in der gesammten Plastik vollkommen zum typischen 
P. rufus, aber das Kolorit weicht sehr 'bedeutend ab. Von der Stirn bis zum Scheitel 
ist die hier übliche, mehr oder weniger von Grau in Hellbräunlich oder mehr Gelblich 
ziehende Farbe einfach matt rauchschwarz, welche Farbe über den Scheitel hin zum 
Nacken allmählich in die gleichmässig graue Rückenfarbe übergeht. Diese nun zeigt 
überall einen matten olivengrünen Anflug, welcher auf den kleinen, oberen Flügeldecken 
etwas lebhafter erscheint und so auch die schmalen Aussenränder der Schwingen zweiter 
Ordnung bildet. Bürzel und obere Schwanzdecken: sind ebenfalls etwas heller, mehr 
grünlich als grau gefärbt. Von untenher ist der Vogel überall licht rauchgrau, nament- 
lich intensiver auf der Brust, wo das Gefieder leicht verwaschen gewellt und gewässert 
erscheint. Am Bauche wird diese Farbe heller, aber auch hier, wie an den Subcaudales, 
nicht weiss. Seitwärts, zumal an den Weichen, zieht der graue Ton ein wenig in’s 
Bräunlich-Grünliche. Die unteren Flügeldecken sind schmutzig gelb-grünlich-grau und 


*) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 103, Nr. 141. 
=“) Die Wirbelthiere Europas, pag. 185. 
Radde, Ornis caucasica. 80 


234 Phylloscopus rufus. — Phylloscopus trochilus. 


vorne am Flügelbug stehen nicht die auffallenden, gelbweissen, kurzen Deckfederchen, 
sondern russig schwarze mit trübgelblichen Spitzen. Einzelne dieser Federchen, welche. 
hart an der Handwurzel stehen, sind ganz schwarz. Die Schwanzfedern sind ebenfalls 
matt schwarz und am auffallendsten macht sich dieses Kolorit an den Enden der grossen 
Schwingen geltend, welche, obschon der Vogel Mitte März geschossen wurde, ganz 
dunkel sind. Der obere Augenstreifen ist an diesem Exemplare nur wenig prononeirt 
und hat ebenfalls eine schmutzig graue Farbe. Ich halte diesen Vogel, wie schon gesagt, 
nur für eine zum Melanismus neigende Varietät von P. rufus. Jedenfalls ist das Kolorit 
nicht durch irgend welchen mechanisch zugeführten Stoff. von Aussen erzeugt. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Von allen Laubsängern kommt P. rufus am zeitigsten an und weilt am längsten 
bei uns. Schon Anfang März, wenn die Mandeln und Pfirsiche blühen, findet man ihn 
in den Gärten von Tiflis, und, wenn auch Ende September der Zug statthat, so bleiben 
doch einzelne bis Ende November hier. Bei Lenkoran wurden die ersten Weidensänger 
schon am 22. Februar /5. März 1880 geschossen. Am stärksten war dort der Zug vom 
8. / 20. bis 15. / 27. März. In Tiflis wurden die ersten Vögel am 12, / 24. März erlegt. 
Einzelne Individuen überwintern im Talyscher Tieflande; vom Oktober bis zum Anfange 
des Dezembers (4. / 16. Dezbr.) wurden dort mehrere Exemplare gesammelt. Ein Vogel 
aus der Umgegend von Tiflis trägt die Signatur 28. Novbr. / 10. Dezbr. In der Höhe 
von circa 3500‘ über dem Meere lebten die Weidensänger noch am 12. / 24. Oktober. 


132. Phylioscopus trochilus L. 


Systematisches. 

Vom Fitis-Sänger brachte ich siebenundzwanzig kaukasische Exemplare zusammen. 
Sie wurden bei Tiflis, Derbent und namentlich bei Lenkoran erbeutet. Dort wurde das 
erste Exemplar schon am 23. März /4. April erlegt, in Tiflis am 6. /18. April. Nur 
wenige meiner kaukasischen Exemplare dieses Laubsängers tragen das Gefieder der 
unteren Körperseite so intensiv gelb, als dies im Frühlinge bei deutschen und schwe- 
dischen Exemplaren der Fall ist. Sie stimmen aber im Uebrigen vollkommen zu den 
Europäern. Das von Blasius*) gegebene Schwingenverhältniss finde ich zutreffend und 
konstant. Es giebt bei festen Grössenverhältnissen der Schwingen und normalem 
Gefieder kleinwüchsige Individuen dieser Art. Ich gebe darüber die Maasse in nach- 
stehender Tabelle: 


| ec Kaukasus. 
Phylloscopos trochilus: | M. ne W. 
mm | mm mm | mm 
Totallänge . LE | 118 118 105 105 
Flügelbug bis zur Sole. 2 a | 66 63 63 
Länge des Schwanzes . . . 2253 53 53 49 
Länge des. Schnabels auf der Firste | 9 10 10 9 
Marsu sm RR en |) 20 19 19 


*) Die Wixbelthiere Europas, pag. 185. 


Phylloscopus trochilus. — Phylloscopus tristis. — Phylloscopus plumbeitarsus. 235 


Im Unterholze wurde das kunstvolle Nest in einer Astgabel gefunden. Es ist 
verhältnissmässig fest gebaut und zum Theile mit Baumwollenfäden durchzogen, die 
Befestigung an der Gabel geschah mit Hülfe dieser Fäden im Vereine mit breiten Gras- 
blättern. Die innere Wandung ist mit roher Baumwolle tapezirt. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Der Fitis-Sänger ist bis jetzt nur von M&ne&tries*) und von mir bei Lenkoran 
gefunden worden. Nordmann**) bemerkt ausdrücklich, dass er ihn weder in Imeretien, 
noch in Gurien gesehen oder gehört habe. Professor Kessler brachte ihn vom Goktschai- 
See mit und Bogdanow ***) aus dem oberen Kuban-Gebiete. Der Fundort am Gok- 
tschai ist insofern von Interesse, als der Vogel dort in der bedeutenden Höhe von 6300’ 
über dem Meere noch am 15. / 27. bis 17. / 29. September angetroffen wurde. Im April 
belebt der Fitis-Sänger vornehmlich die blühenden Mandel- und Pfirsichbäume. In den 
Jongeln Lenkorans fand ich ihn viel seltener als P. rufus, welcher sie bevorzugt. 


153. Phylloscopus tristis Blyth. 
Systematisches. 

Ich besitze nur zwei Exemplare dieser Art aus dem Kaukasus. Sie wurden am 
14. / 26. bis 16. / 28. Oktober bei Tiflis geschossen. Wahrscheinlich waren, obschon zu 
später Zeit, die Vögel auf dem Zuge. Beide Exemplare sind vollkommen gleich gefärbt, 
sie tragen das frische Herbstkleid, welches auf der gesammten Rückenseite keine Spur 
von grünen oder gelblichen Farbentönen besitzt. Es ist dort einfach braun und wird 
zum Bürzel hin etwas heller. Auf der unteren Körperseite ist der lehmgelbe Anflug des 
weisslichen Gefieders ziemlich stark prononcirt, zumal an den Flanken. Der Superciliar- 
streifen ist nur schwach angedeutet und weissbräunlich. Allenfalls besitzen nur die 
schmalen Käntchen der Schwingen und die breiteren der Schulterfedern einen grünlichen 
Schiller; es kommt aber darauf an, wie das Licht auf sie fällt, wenn man ihn erkennen 
will. Die bei E. v. Homeyer verglichenen Exemplare aus dem Altai stimmen mit 
meinen beiden aus dem Kaukasus vollkommen überein. 


Lebensweise und Verbreitung. 
Professor Kessler?) hat aus einer Höhe von 6300‘ über dem Meere diese Art 
für Armenien (Goktschai-See) als späten Herbstvogel nachgewiesen (15. / 27. bis 17. / 29. 
Septbr.). In Südpersien hat sie Blanford ff) gefunden. 


134. Phylloscopus plumbeitarsus Swinhoe 
— P. coronatus Midd. 
Von diesem seltenen Sänger besitze ich nur ein Exemplar aus dem Kaukasus ; 
es wurde am 29. April /11. Mai bei Tiflis erlegt und ist ein altes Männchen. Das 


*) Catalogue raisonne, pag. 35, Nr. 73. 

*) Demidow: Voyage etc., Tome II, pag. 140. : 
==) Bogdanow, Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 102, Nr. 140. 
f) Ebendaselbst pag. 103, Nr. 143. 


fr) Eastern Persia, Vol. II, pag. 180, 
30* 


936 Phylloscopus plumbeitarsus. — Hypolais pallida. 


Vögelchen stimmt gut zum typischen P. coronatus Midd. und wurde bei E. v. Homeyer 
mit diesem und den verwandten, südasiatischen Formen verglichen, nämlich mit P. nitidus,, 
dessen Kolorit noch lebhafter gelbgrün erscheint und mit P. viridanus, welcher bei 
matterer Färbung genau denselben Flügelschnitt besitzt. Am Flügel ist die erste 
Schwinge verhältnissmässig stark, die 2. erreicht mit dem Ende die Spitze der 7., die 
3., 4. und 5. sind fast gleich lang und bilden die Flügelspitze, die 6. endet auf der 
Mitte des Abstandes zwischen der Flügelspitze und dem Ende der 2. Schwinge. Was 
nun aber noch an meinem Vögelchen auffällt, ist erstens der schwache Ausdruck des 
hellen Superciliarstreifens und zweitens der fast vollständige Mangel der vorderen von 
den beiden Flügelbinden. Stark ausgebildet von diesen ist nur die 2., d.h. die, welche 
der Flügelspitze am nächsten und zwar an den Enden der grossen, oberen Flügeldecken 
steht. So erscheint denn dieser Laubsänger als nur mit einer deutlichen Binde ver- 
sehen, da die 2. zwar heller im Kolorit als das umstehende Gefieder ist, aber doch 
nicht klar zum Ausdruck kommt. 


135. Hypolais pallida Hemp. et Ehrk. 


— NH. elaica Lindm. 


Systematisches. 

Am 17. / 29. und 19.,/ 31. Mai und später Anfang Juni wurde diese Art mehr- 
fach bei Lenkoran erlegt. Die beiden zuerst erwähnten Vögel erreichen die Maximal- 
Grösse und Stärke im Schnabel, die meisten übrigen besitzen etwas schwächere Schnäbel ; 
kein Exemplar, repräsentirt die typische ZH. caligata. Der mächtige Schnabel lässt 
H. pallida von caligata sofort unterscheiden. Mir liegen wenigstens aus dem Kaukasus 
keine vermittelnden Uebergänge zwischen beiden vor und deshalb halte ich eine artliche 
Trennung für berechtigt. Es scheint indessen, dass solche Uebergänge doch existiren. 
Blanford*) hat das durch eine lange Reihe von Ausmessungen ermittelt. Die indische 
Hypolais rama Sykes besitzt nämlich bisweilen die Schnabelgrösse der H. pallida und 
dabei den kleinen Wuchs der H. caligata. Wenn wir z. B. Nr. 10 seiner Tabelle für 
H. pallida nehmen, so haben wir vor uns ein Männchen von Schiras mit folgenden 


Maassen: 
Flügellängse. . . . . . 241 engl. Zoll. 
Schwanzlänge . . . . .. 2,14 = 
arsusye ro 08 N 
Schnabel 2 per 272277232016 3 


Stellen wir diesem Vogel Nr. 1 von Hypolais rama aus Indien zur Seite, so 
erhalten wir: 


Flügellänge. . . . . . 245 engl. Zoll. 
Schwanzlänge . . ... .. 21 5 
Tarsusı .. as 2 .0210:33 = 
Schnabelss ge 0,68 > 


Hieraus ergiebt sich, dass dieses Exemplar von H. rama die Schnabelgrösse und 
Flügellänge bedeutender als H. pallida Nr. 10 besitzt. Nun aber ist H. rama Sykes 


*) Bastern Persia, Vol. II, pag. 192. 


Hypolais pallida. — Hypolais caligata, 237 


schon von G. R. Gray*) mit A. caligata Lichst. identificirt worden und Dresser””) 
bestätigt diese Synonymie, so dass wir in der That die Uebergänge von der starkschnä- 
beligen A. pallida zur H. rama besitzen. Als ich meine Suite darauf hin untersuchte, 
bestimmte ich denn auch die schwachschnäbeligen Exemplare als H. caligata, wurde 
aber bei E. v. Homeyer, als wir seine Vorräthe aus dieser Gruppe verglichen, darüber 
belehrt, dass die typische H. caligata sich doch zu wesentlich von der H. pallida und 
H. rama unterscheidet, als dass man sie zusammenziehen könnte. Namentlich bleibt 
der Schnabel von A. caligata stets bedeutend kleiner und bis auf Weiteres trenne ich 
noch diese von der kleinwüchsigen und schwachschnäbeligen Varietät der H. pallda. 
Im Flügelschnitte und den Proportionen der Schwingen finden keine Differenzen statt. 
Die 2. Schwinge ist um ein Geringes kürzer als die 6. Die beiden typischen Exem- 
plare der H. pallida meiner Suite stimmen vollkommen zu den mir vorliegenden Süd- 
spaniern und Türken. Alle Vögelchen sind obenher einfarbig graugelb-fahlbräunlich, 
unten gelblich weiss, die Flanken grau überflogen. Ich lasse noch die Maasse folgen 
und füge ihnen die von H. caligata hinzu: i 


| Hypolais pallida. an 2 

| typ. var 
f | M. W. M. M. M. 
| mm mm mm mm mm 
oralen en N 192 00101870107 120 | 107 
Flügelbug bis zur Spitze . . | 58 56 63 64 55 
Schwanzlangen ne 22158 54 59 55 52 
Schnabel auf der Fürste. ... | 12 14 13 12 10 
AHarsuser, Ka ee 22 22 20 20 21 


Lebensweise und Verbreitung. 
Keiner der früheren Reisenden, mit Ausnahme de Filippi’s (Kamerly am Araxes), 
hat diese, den Osten bewohnende Spezies im Kaukasus gefunden. Ich sammelte sie nur 
bei Lenkoran, wo sie Jongelbewohner war. In Persien ist die Art häufig. 


136. Hypolais caligata Lichst. 
— Iduma salicaria Pall. 

Der Güte des Herrn Tancr& verdanke ich ein Männchen dieser Art, welches 
am 26. März /7. April bei Lenkoran geschossen wurde. Es ist dies das Exemplar, 
dessen Maasse ich bei Besprechung der vorigen Art gab. Die bedeutend geringere 
Grösse des Vogels, der viel kleinere, schlanker gebaute und dunkler gefärbte Schnabel 
lassen die typische H. caligata gut von der nahestehenden H. pallida unterscheiden. Das 
Kolorit der ersteren finde ich obenher etwas lebhafter in’s Bräunliche ziehend. 


*, Handlist of birds, Part I, pag. 209, Nr. 2967. 
*) The birds ete., Part XXX VII, 1875. 


938 Regulus eristatus. — Sylvia nisoria. 


137. Regulus cristatus Koch 
— R. flavicapillus Naum. 
Russisch: Korolok, der kleine König, welcher Name auch dem Zaunkönig zukommt. 
Systematisches. 


Jüngere und ältere Vögel beider Geschlechter liegen mir in einem Dutzend 
Exemplaren aus dem Kaukasus vor. Alle gehören dieser Art an; die zweite, R. igni- 
eapilus Brekm, hat bis jetzt Niemand hier zu Lande gefunden und auch die in Rede 
stehende ist von den meisten Reisenden wohl nur übersehen worden, so auch von den 


persischen Forschern, denn ausser v. Nordmann und Hohenacker erwähnt keiner- 


derselben. Meine Goldhähnchen stimmen vollständig mit europäischen derselben Art. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Alljährlich erschienen um den 10. / 22. Septbr. in meinem Garten in Borshom 
kleine Flüge wandernder Goldhähnchen und besammelten namentlich die hohen Tamarix- 
Gebüsche. Ab und zu begaben sie sich auch in das dichtere Zomicera-Gebüsch und 
waren durchaus gar nicht scheu. Einzelne Individuen müssen bei Tiflis überwintern. 
Im Dezember 1876 wurde ein Männchen im Palais-Garten geschossen. Im Kurathale 
weiter ostwärts überwintern die Goldhähnchen regelmässig. Ich traf sie sogar mitten 
im hochhügeligen Steppenterrain südlich von Schemacha an, wo sie bei’der einsam 
gelegenen Station Tschailinskaja in den Weidenbäumen sich tummelten. Die meisten 
meiner Goldhähnchen wurden im November und Dezember in Lenkoran geschossen, wo 
sie in den Gärten der Stadt und in den Jongeln durchaus nicht selten waren. Die 
2. Art fehlt nicht allein bei uns im Kaukasus, sie wurde auch weiter gegen Norden hin, 
an der mittleren und unteren Wolga nicht gefunden, wie dies Bogdanow*) bezeugt. 


138. Sylvia nisoria Bechst. 


Russisch nach Bogdanow: Pestrogrudka, d. h. Buntbrüstchen. 


Systematisches. 

Die vierzehn transkaukasischen Exemplare, welche mir von der Sperbergrasmücke 
vorliegen, tragen ein ziemlich abgenutztes Frühlingskleid. In Folge dessen erscheinen 
die Männchen etwas schwächer gesperbert, als die meisten nordischen Vögel, die mir 
zum Vergleiche vorliegen. Ein altes Weibchen hat die untere Seite auf Kehle, Brust 
und Bauchfläche einfarbig weiss-gelblich, nur die Flanken besitzen einige schwach an- 
gedeutete Bogenzeichnungen. Die kaukasischen Exemplare sind alle etwas kleiner. 

Am 12. /24. Mai wurde das Nest mit drei nicht bebrüteten Eiern gefunden. 
Es stand im Gebüsche nicht weit vom Wasser. Es ist derb aus Stengeln und Würzel- 
chen gebaut. hochwandig. Das Polster weist nur wenig Langhaar im zarteren Wurzel- 
gewebe auf. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Ich kenne die Sperbergrasmücke nur aus dem Kura- und Aragwa-Thale bei 
Tiflis, wo sie brütet und nicht sehr selten ist. Am 15./27. April wurde sie zuerst 


*) Säugethiere und Vögel der mittleren und unteren Wolga (russ.), pag. 84. 


Sylvia nisoria. — Sylvia curruca. — Sylvia cinerea. 239 


bemerkt. Vom Nordfusse des Gebirges hat sie Bogdanow *) nachgewiesen. In Süd- 


persien (Schiras) brütet sie in Höhen von 5000° und in Turkestan sogar bis 10000' 
über dem Meere, wie Blanford und Severzow benachrichtigen. Mir ist sie im Kau- 
kasus in solchen Höhen niemals zu Gesichte gekommen. 


139. Sylvia curruca Lath. 
Das russische Volk bezeichnet hier die kleineren Sänger gewöhnlich nur mit dem Namen: 
Ptaschka. Vogelsteller, die sie unterscheiden, giebt es hier nicht. 


Systematisches. 

Diese Art ist nicht so häufig als Sylvia cinerea. Ich besitze von ihr aus dem 
Kaukasus nur zwölf Exemplare. Es giebt auch unter diesen, wie bei der einerea merk- 
lich kleinere Individuen. Eines meiner Männchen misst in der Totallänge 113 mm. 
Das Längenverhältniss der zweiten Schwinge finde ich bei einem Exemplare nicht ganz 
konstant. Bei meinen Kaukasiern ist die 2. bisweilen gleich der 3. und 4. Schwinge 
und bilden diese drei die Spitze des verhältnissmässig kurzen Flügels. Bei deutschen 
Exemplaren ist meistens die 2. Schwinge etwas kürzer als die 3. und 4. Die dunkle 
Zeichnung von der Schnabelbasis unter dem Auge fort besitzen nur zwei meiner Vögel 
so prononceirt, als sie die Dresser’sche Zeichnung aufweist”*). Die meisten alten Männ- 
chen zeigen diese Zeichnung etwas heller. Am 26. Juli /7. August wurde bei Tiflis 
ein junger, noch nicht ganz ausgewachsener Vogel erlest. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Die Zaungrasmücke ist eine der wenigen Arten ihres Geschlechtes, welche über 
den ganzen Isthmus verbreitet sind und aus den Tiefländern bis zu den Höhen von 5000‘ 
über dem Meere vorkommen. Ich besitze sie aus dem Talyscher Tieflande, wo sie auch 
durch M&nätries nachgewiesen wurde, von Derbent, aus Lyrik, wo sie in einer Höhe 
von circa 5000‘ über dem Meere brütete und aus den Umgegenden von Tiflis. Schon 
Anfang April kommt dieser Sänger an. Am 2./ 14. April wurde er zum ersten Male 
in mehreren Exemplaren bei Lenkoran erlegt. Bogdanow***) ermittelte ihn an der 
Nordseite des Grossen Kaukasus bis zu einer Höhe von 4000° über dem Meere. 


140. Sylvia einerea Briss. typ. 
et var.: persica de Frlippi 
— iveterops Menelries — fuscipilea Severx. (jung). 
Systematisches. 

Nicht weniger als vierzig Exemplare der grauen Grasmücke brachte ich aus dem 
Kaukasus zusammen, von denen zwanzig: Weibchen und sechszehn Männchen sind. Die 
meisten wurden bei Tiflis, andere bei Lenkoran, zwei bei Derbent und zwei Brutvögel 
bei Lyrik im Talyscher Gebirge geschossen. Bogdanowf) hat nach den Original- 


*) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 103, Nr. 145. 

=) Dresser, The birds ete., Part XXXXVIII, März 1876. 
***) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 104, Nr. 148. 

f) Ebendaselbst, pag. 105, Nr. 149. 


240 Sylvia einerea. 


Exemplaren Menetries’ die Identität von S. zeterops Mentr. mit $. cinerea nachge- 
wiesen. Nordmann*) vereinigt sowohl S. veterops Mentr.**), als auch subalpina und 
passerina Temm. und conspieillata La Marm. alle mit S. cinerea Laih. Ihm ist darin aber 
Niemand ganz gefolgt. Wohl aber haben Gould und auch Blanford S. icierops Mentr. 
mit conspieillata La Marm. vereinigt und ferner hat man S. mystacea Mentr. als identisch 
mit S. subalpina Bonelli und S. passerina Temminck gehalten. Dresser***) dagegen 
trennt, und ich folge ihm diesmal ohne Bedenken. Mit deutschen und schwedischen 
Exemplaren stimmen die Kaukasier im Allgemeinen gut überein. Zumal kann ich an 


einigen am 1. /13. Mai bei Tiflis erlegten Männchen gar keine Abweichung finden. Je, 
älter der Vogel, um so gleichmässiger ist das Graubraun der oberen Körperseite. Ein‘ 


am 10. / 22. April 1866 bei Lenkoran getödtetes Weibchen besitzt die Rückenseite mehr 
bräunlich als grau. Doch besitze ich auch aus Deutschland einen solchen Vogel, welchen 
mir Blasius sen. gab. Fast alle Weibchen, welche im Frühlinge bei Tiflis erlegt 
wurden, zeigen dieses auf der Rückenseite und den Flügeln stark prononcirte, rostige 
Kolorit. Die Kaukasier sind meistens etwas kleiner. Ein am 28. Mai / 9. Juni bei Lyrik 
geschossenes Männchen trägt ein ganz verschossenes Habit, zeigt aber noch keine 
Mauserspur. Auch das am 24. Juni /6. Juli auf dem Hochlande von Ardebil geschos- 
sene Weibchen beginnt die Mauser noch nicht. $. fuscipilea Sev. ist junger Vogel von 
S. cinerea. Die Exemplare aus dem Altai, von Syrien, aus Turkestan, stimmen recht 
gut untereinander und mit den Kaukasiern überein. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Diese Grasmücke ist für den gesammten Isthmus als häufig nachgewiesen. 
Nordmannf) erwähnt ihrer aus Abchasien und Gurien (selbst in bedeutenden Höhen), 
ich fand sie bei Tiflis, wo sie auch brütet, und sie ist es, welche in den ersten Tagen 
des April, wenn es noch ziemlich winterlich in den Wäldern Borshoms aussieht, von 
mir oftmals beobachtet wurde, und zwar waren die Vögel stets sehr lebhaft, tummelten 
sich hoch in den noch winterkahlen Wallnussbäumen und sammelten eifrig an den 
Aesten. Die rostrothen Federränder der Schwingen zweiter Ordnung lassen sie leicht 
erkennen. De Filippijr) fand sie häufig im Thale der Akstafa („südlich von Delijan“), 
endlich wurde sie von M&netriesfjr) und auch von mir bei Lenkoran gesammelt. 
Auf dem Iranischen Hochlande war sie bei Ambarani in den Gärten häufig; Micha- 
lowsky wies sie für die Gegenden von Achalzich nach, Bogdanow für die Nordseite 
des Grossen Kaukasus. Ich habe den Vogel bis zu einer Höhe von 6000‘ über dem 
Meere im Suant-Gau gefunden. Die ersten Exemplare kamen am 3. / 15. April bei Tiflis 
an, am 12. /24. waren sie häufig. 


>) Demidow: Voyage etc., Tome III, pag. 149. 
»*) Catalogue raisonne, pag. 34, Nr. 68. 
==) The birds etc., Part XLIV, Oktober 1875. 
7) Demidow: Voyage etc., Tome III, pag 149. 
-rr) Joumal für Omithologie, 1876, pag. 181. 
"rr) Catalogue raisonne, pag. 34, Nr. 66. 


Sylvia hortensis. — Sylvia atricapilla. 241 


141. Sylvia hortensis Gml. 
— 8. salicaria L. 
Systematisches. 
In Transkaukasien gehört die Garten-Grasmücke zu den Seltenheiten. Ich 
‘besitze von ihr nur drei Exemplare, welche am 30. April /12. Mai, 7. /19. Mai und 
23. August /4. September bei Tiflis erlegt wurden. Bei einem dieser Vögel (Weibchen) 
ist die 2. Schwinge nicht etwas kürzer als die 3., sondern um eine Kleinigkeit länger. 
Im Uebrigen stimmen meine Vögel vollständig zu deutschen und österreichischen. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Seiner Zeit (in den fünfziger Jahren) traf ich die Gartengrasmücke sehr häufig 
in den Gärten am Asow’schen Meere (Atmamai) und in den deutschen Kolonien an der 
Malotschnaja. An der Nordseite des Grossen Kaukasus wurde sie durch Bogdanow*) 
bis zu den Höhen von 3000‘ über dem Meere für den Terek und Kuban nachgewiesen. 
Nordmann führt sie als häufig für die Ostküste des Pontus auf. Im Centraltheile 
Transkaukasiens bin ich ihr nur selten und weiter östlich gar nicht begegnet. Auch 
nördlich vom Caspi, im unteren Wolga-Gebiete, ist diese Art nach Bogdanow’s”*) 
Mittheilungen ‘die seltenere und ebenso S. nisoria; gemein sind dort S. curruca und 
S. cinerea. Dresser”**) bezweifelt aber die Richtigkeit der Angabe de Filippi'sf) 
über das Vorkommen derselben bei Tauris. 


142. Sylvia atricapilla Briss. 
Russisch nach Bogdanow: Tschernoschhapka, d. h. Schwarzhütchen. 
Systematisches. 

Die vor mir stehenden Exemplare, sowohl Männchen als auch Weibchen, im 
Ganzen zweiunddreissig kaukasische Individuen, unterscheiden sich in keiner Weise von 
europäischen, speziell deutschen und schwedischen Vögeln. Auch untereinander variiren 
die Vögelchen gar nicht. Meine Weibchen, welche Anfang April erlegt wurden, tragen 
die Kopfplatte intensiver rostroth, als die Herbstvögel des Nordens. Ein junges Männ- 
chen vom 24. Septbr. / 6. Oktbr. (Tiflis) besitzt die dunkelbraune, auf dem Hinterhaupte 
stark in Schwarz ziehende Kopfplatte. Ein Vogel (Männchen), der am 30. Juli / 11. 
August bei Tiflis geschossen wurde, steht in voller Mauser am ganzen Körper und 
wechselt auch die Schwanzfedern. 


Lebensweise und Verbreitung. 


In den Vorbergen des Grossen Kaukasus an seiner Südseite ist, wenigstens im 
Centraltheile der transkaukasischen Landschaft, die Mönchgrasmücke die häufigste und 
zugleich bestsingende Art. Ebenso auch im Talyscher Tieflande. Im Palais-Garten in 


*) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 104, Nr. 147, 

**) Säugethiere und Vögel der mittleren und unteren Wolga (russ.), pag. 80. 
#*) Dresser, The birds ete., Part LIII, September 1876. 

7) Journal für Ormithologie, 1876, pag. 181. 


Badde, Ornis caucasica. al 


242 Sylvia atricapilla. — Sylvia mystacea. 


Tiflis, wo sie auf dem Durchzuge rastet und dann auch am Tage bisweilen zu schlagen 
beginnt, erscheint sie schon in den ersten Tagen des April (3. / 15. oder 4. / 16. April). 
Einzelne Paare brüten alljährlich in der Nähe der Kura-Ufer unterhalb von Borshom. 
Am 6./18. bis 8. / 20. April 1879 begannen die Männchen dort zu schlagen. Auch 
bei Tiflis brütet diese Art. Bei Lenkoran wurde am 30. März / 11. April 1866 das erste 
Exemplar geschossen ; die meisten Vögelchen passirten dort vom 1. / 13. bis 3. / 15. April. 
Ost- und südwärts von Tiflis habe ich sie im Akstafa-Thale mehrfach gesehen und 
de Filippi*) führt sie bei Delijan (circa 5000‘) an. Auffallend ist es, dass Bogda- 
now**) die Mönchgrasmücke an der Nordseite des Grossen Kaukasus gar nicht beo- 
bachtete. Es liegen auch anderweitig aus jenen Gegenden und den daran grenzenden 
Steppen keine Beobachtungen über das Vorkommen der $. alricapilla von dort vor. 
Aber ich kann das interessante Faktum mittheilen, dass bei der Station Kobi (circa 
6500‘), also schon nach der Passage des Kammes gegen Norden, auf der grusinischen 
Heerstrasse am 6. / 18. Mai ein Weibchen erlegt wurde; der Vogel muss also hier wohl 
noch brüten. 


143. Sylvia mystacea Menetr. 


— 5. rubescens Blanf. 
1er 205 Il 


Systematisches. 

Ich muss mich Severzow’s, Dresser’s und Bogdanow’s ***) Meinung an- 
schliessen und Menetries’ S. mystacea von S. subalpina: Bon. trennen. Die drei alten 
Männchen meiner kleinen Suite stimmen untereinander überein, eines von ihnen besitzt 
die dunkle Kopfplatte im Nacken schwarz umrandet, bei den anderen beiden, wohl 
jüngeren Vögeln, geht das Schwarz der Stirn und oberen Kopfplatte allmählich in das 
rötbliche Schiefergrau des Nackens und Rückens über. Sehr deutlich ist bei diesen 
Männchen der schwarze untere Augenstreifen, welcher hinter dem ÖOhre zur Seite des 
Halses absteigt und sich mit dem Schwarz des Nackens vereinigt. Ihm entlang läuft 
der weisse Bartstreifen, welcher die schön weinrothe Kehle und untere Halsseite von 
der schwarzen Augenbinde scharf abtrennt. Das Weinroth erstreckt sich, auf der Brust 
noch intensiver werdend, und dann auf der Bauchfläche abbleichend, bis zur Schwanz- 
wurzele Die Subcaudales sind weisslich. Obenher ist der Vogel schiefergrau, bald 
etwas mehr in’s Bläuliche, bald in’s Gelbbräunliche ziehend, wie solche geringe Farben- 
nuancen auch bei S. curruca vorkommen. Alle graubraunen Schwingen, sowie die 
oberen Flügeldecken, haben kaum etwas hellere schmale Ränder. Untenher sind die. 
Decken, wie auch die Innenfahnen der Schwingen schön hell weissgelblich. Der Flügel 
ist kurz gebaut. Die erste Schwinge ist verhältnissmässig lang und breit, sie misst 
von der Basis an gemessen 12 mm, die zweite ist gleich der siebenten, die dritte und 
vierte sind gleich lang und bilden die stumpfe Flügelspitze, die fünfte ist etwas kürzer. 
Der Schwanz ist stufig gebaut. Die Eckfedern, um 9—10 mm kürzer als die mittleren, 


*) Journal für Omithologie, 1876, pag. 181. 
**) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 104. 
”*=**) Ebendaselbst, pag. 105, Nr. 150. 


Sylvia mystacea. — Accentor alpinus. 243 


sind fast rein weiss und haben nur den stumpfen, schwärzlichen Keilfleck an der Basis 
der Innenfahne. Die übrigen Schwanzfedern sind schwarz und haben an der Spitze 
einen breiten, weissen Fleck, der mit jeder nach innen folgenden Feder an Umfang 
abnimmt und an den beiden mittleren Schwanzfedern nur noch als schmaler Saum 
erscheint. Das Weibchen hat auf den ersten Blick Aehnlichkeit mit dem von S$. curruca, 
der gestufte Schwanz, die weissen Enden an den Enden der Federn desselben, lassen 
es aber leicht erkennen. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Nach M&netries*), welcher die Verwandtschaft mit $. subalpina selbst zugiebt, 
kommt der Vogel bei Salıan im Mündungslande der Kura vor. Ich brachte vier Exem- 
plare, drei Männchen und ein Weibchen, von Lenkoran mit, wo dieser schöne Sänger 
sich am Rande des Jongelgebietes aufhielt. Aus dem Kaukasus haben ihn die sonstigen 
Reisenden nicht mitgebracht. Es scheint, dass sein Verbreitungsgebiet erst im Südwest- 
winkel des Caspi beginnt und sich dann ost- und südwärts über Turkestan und Persien 
ausdehnt. Am 2. /14. April wurde das erste Pärchen bei Lenkoran geschossen. 


144. Accentor alpinus J. Fr. Gml. 
Systematisches. 

Ich sammelte bis jetzt nur sieben Exemplare vom Alpen-Flühvogel, davon sind 
sechs alte Vögel im stark vertragenen Sommerkleide (Ende Juni) und ein junger, aus- 
gewachsener, än den Felsen von Kobi am 14. / 26. Juli erlegt. Wiederum habe ich bei 
der Untersuchung dieser Alpen-Flühvögel Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass, wie im 
Allgemeinen im Kaukasus die rostigen Töne des Gefieders, so auch speziell an diesem 
Vogel an Umfang und Intensität mehr oder weniger zunehmen. So schliesst sich an 
zweien meiner Exemplare das Braun der Flanken und der Bauchseiten fast zu einem 
in der Färbung gleichmässigen Felde ab, was ich an Mittelmeer-Vögeln nicht sehe und 
überdies zeigen wiederum dieselben zwei Exemplare (M. und W.) die untere Rückenpartie 
sammt Bürzel ziemlich stark rostig angeflogen. Uebrigens stimmen die Kaukasier zu 
den Mittelmeer-Vögeln in den Grössenverhältnissen und im Gesammtkolorit gut. Auch 
der junge Vogel von Kobi besitzt das zarte Kleid, angefangen von der Brust untenher, 
bis zum Schwanze leicht fuchsiggrau und ebenso die Rückenseite 


Lebensweise und Verbreitung. 

Als Sommervogel in der alpinen Zone habe ich diese Art im Grossen Kaukasus 
ab und zu beobachtet. Sie ist aber keineswegs gemein. Nordmann**) weist sie für 
Gurien und Abchasien nach, de Filippi***) kennt sie vom Demawend. Am häufigsten 
fand ich den Alpen-Flühvogel an den senkrechten Felswänden bei der Station Kobi (6400'), 
wo am 7./ 19. Juni der Brut eifrig Nahrung durch die Alten zugetragen wurde. Hier 
brüteten acht Paare in der Nachbarschaft von Zinota alpieola, Montifringilla cannabina 


*) Catalogue raisonne, pag. 34, Nr. 69. 
=) Demidow: Voyage etc., Tome III, pag. 170. 
==) Blanford: Eastern Persia, Vol. II, pag. 202. 
31* 


244 Accentor alpinus. — Accentor modularis. — Accentor ocularis. 


und verschmäheten sogar die Gesellschaft des Hausspatzen nicht. Häufiger, als im: 
Grossen Kaukasus, traf ich diesen Flühvogel an der persischen Grenze im Talyscher- 
Gebirge. Vom Küsjurdi stammen die oben besprochenen Vögel. 


145. Accentor modularis L. 
Systematisches. 

Von der Heckenbraunelle liegt mir eine lange Suite vor, achtzehn Exemplare, 
welchen ich auch Vögel aus Deutschland und Schweden zur Seite stellen kann. Die 
meisten dieser Vögel sind im Winter vom Oktober bis Februar in verschiedenen Jahren 
geschossen, andere im März und am 6. /18. Mai bei Kobi im Gebirge. Im Talyscher 


Tieflande trafen wir im Dezember vorwaltend Weibchen an. Unter den im Winter 


oft bei Tiflis erbeuteten Vögeln befand sich nur ein Weibchen. Ich habe früher in 
Bezug auf Accentor montanellus *) bereits darauf hingewiesen, dass die Art in den Ge- 
schlechtern im Winter getrennt lebt. Meine Kaukasier stimmen zu den Europäern im 
Allgemeinen recht gut. Kleine Variationen in der Schnabel-Stärke und -Länge sind zu 
bemerken, doch nicht konstant. Auch bekunden einzelne Individuen auf der oberen 
Körperseite ein grösseres Hinneigen zum Braun, als dies bei deutschen Braunellen der 
Fall ist und zugleich erscheint das Grau auf der unteren Körperseite getrübter, dunkler 
und mit einem schwachen Stich in’s Bräunliche. Unmöglich aber reicht das hin, um 
hier einen Namen zu geben, obgleich die Differenzen in den Extremen nicht geringer 
sind als z. B. bei Erythacus rubecula L. und E. hyrcanus Blanf. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Ich bin der Braunelle auch in der basalalpinen Zone in einer Höhe von mehr 
als 7000‘ über dem Meere im Juni und Juli begegnet, doch ist sie daselbst nicht häufig. 
Im Sommer ist das Vögelchen überhaupt nicht leicht zu finden, aber es brütet wohl in 
den dichten Unterhölzern der mittleren Waldzone überall. Die heissen Gebiete meidet 
die Art im Sommer, auch da, wo sie dicht mit Dornengebüschen bestanden sind. Diese 
sucht die Braunelle nun mit besonderer Vorliebe im Winter auf und bewegt sich beson- 
ders in den todten Strauchhecken beständig am Boden und nur selten lockend. Die 
meisten Braunellen treten für die Winterzeit nur thalwärts aus dem Gebirge in die 
wärmeren Vorberge und Thäler. Im Talyscher Tieflande ist der Vogel im Winter 
Jongelbewohner. e 


146. Accentor ocularis Radde. 
Taf. XTV. 


Accentor magnitudine A. montanelli, cui affinis, sed bene distinctus: 
rostro crasso, nigro; capite profunde fusco; stria supraciliosa elongata 
alba; gula alba, (nec nigra ut in A. atrigulari); fascia oculari ad paroticum 
ducta nigerrima; dorsi plumis nigris cinereo-fusco marginatis; corpore 
subtus sordide ochraceo; hypochondriis cinereo-nigris striatis; uropygio 
caudaque fusecis. 


*) Reisen im Süden von Ost-Sibirien, T. II, pag.: 243. 
;  pag 


Accentor ocularis. 245 


Systematisches. 

Während ‚meiner Excursion in den gegen Osten abschüssigen Felsenpartien der 
Ostfronte des Küs-jurdi, Mitte Juni, wurde in einer Höhe von 8000‘ über dem Meere 
dieser Vogel, ein Männchen, erlegt. Es ist das einzige Exemplar, welches ich erhalten 
habe. Das Gefieder desselben ist recht abgenutzt und verblichen, das Kolorit ist dennoch 
stark ausgeprägt und muss natürlich im frischen Herbstkleide in den Details noch inten- 
siver erscheinen. Zunächst fällt die Stärke des Schnabels auf, der pechschwarz ist und 
vor den Nasenlöchern seitwärts die starke Anschwellung zeigt, welche für die Flüh- 
vögel charakteristisch ist. - Hier auch ist die Firste im sanften Bogen bis zur Basis 
gehoben. Die Maasse, welche unten folgen, geben Auskunft über die Grössenverhältnisse. 
Der ganze obere Kopf, von der Schnabelwurzel an bis zum Nacken, ist einfarbig tief 
erdbraun. Die Grundfarbe des Rückens und Bürzels ist ein helles Graubraun, auf 
welchem die breiten, fast schwarzen Schaftflecken der Federn stehen; diese verschwinden 
nach dem Schwanze zu mehr und mehr, so dass die Bürzelfedern und oberen Schwanz- 
decken einfarbig und etwas mehr bräunlich erscheinen. Von der seitlichen Schnabel- 
basis zieht sich über das Auge zum Nacken hin ein verhältnissmässig breiter, rein 
weisser Streifen, welcher sich ebenso scharf zum Braun des Kopfes, wie zum Schwarz 
der Augen-Wangenbinde absetzt. Diese letztere beginnt ebenfalls seitlich an der Basis 
des Schnabels, verbreitert sich rasch und bedeckt die Wangen- und Ohrengegend, ist 
in ihren Umrissen überall scharf umgrenzt und bis zum oberen Halse reichend. Die 
Kehle ist gleichfalls weiss, ein wenig in Grau getrübt. Auf der Brust setzt sich dagegen 
ein helles, etwas getrübtes Ockergelb gegen die Farbe der Kehle ziemlich scharf ab 
und verbreitet sich von dort an, allmählich heller werdend, über die ganze untere 
Körperseite. Die Flanken zeigen deutlich abgesetzte schwarzbraune Schaftflecken. Die 
unteren Schwanzdecken sind einfarbig schmutzig gelbweiss. Der gesammte Flügel 
besitzt im kleinen und grossen Gefieder die Grundfarbe des Rückens, die Ränder der 
grossen Schwingen sind etwas heller und einzelne Federchen der Handwurzel sind schmal 
weiss gekantet. Untenher zeigt der Flügel einen leichten ockergelben Anflug, zumal 
auf den Deckfedern. Der Schwanz ist einfarbig und es zieht oben das Kolorit bei ihm ein 
wenig in's Rostige. Die Füsse waren am frisch erlegten Vogel hell röthlich gelb, die 
Iris rothbraun. Die Maasse sind: 


Totallänge . . . ee N u 434 mm: 
Flügelbug bis zur Shilze I EEE IE ER ae ENTER DH UG 
Länge des Schwanzes . . . 60% 
Schnabel von der Basis bis zur Epitee Bi der Bürsten gemessen 14 „ 
Höhe des Schnabels an der Basis. . . EISEN a. Dies 
Breite des Schnabels hinter den Nasen hen I ERFEAE RIO NEAR Bi 
Länge des Tarsus . . ARE LE OEM EN RK 2 Ma 
Länge der Mittelzehe Akne Nagel. a El LOL 


Lebensweise und Verbreitung. 
Dieses Vögelchen lebte in den steilsten Felsenmeeren des erwähnten Gebirges 
an der persischen Grenze; so viel wir auch suchten, um noch mehr Exemplare zu 
schiessen, unsere Mühe war vergebens. 


246 Daulias philomela. 


147. Daulias philomela Bechst. *) 


Russisch : Solowez. 
Persisch: Bülbül. 
Tatarisch : Sanduas. 
Armenisch: Sochak. 


Systematisches. 


Ich kann die Zweifel Bogdanow’s”*) über das Vorlkaamen vom Sprosser im 
Kaukasus vollkommen beseitigen, auch ohne an Men6tries’ und Nordmann’s An- 
gaben darüber zu glauben. Ich besitze acht Exemplare aus den Umgegenden von Tiflis, 
wo sie häufiger ist als D. Hafixi. An allen meinen Sprossern ist das Verhältniss der 
Schwingen und namentlich die Grösse der ersten von ihnen konstant. Nicht minder 
beständig ist das Kolorit des Halses und der Brust, welches mehr oder weniger deutlich 
auf grauem Grunde einerseits mit dunkleren Bogenbändchen versehen ist, andererseits 
bei alten Vögeln die schwach angedeuteten, verwaschenen, dunkleren SchaftHlecken 
besitzt. Die Subcaudales sind grauweiss, oder rostgelblich und mehr oder weniger in 
Grau geflammt. Ich gebe die Maximal- und Minimal-Maasse meiner Vögel. 


ac | Deutsch- 
| Tun: land. 
Daulias phrlomela: a ee 

mm mm er mm 
Rotallänge a. N RT 145 153 
Flügelbug bis zur Se, ST near ee] RS EST 36 
Länge des Schwanzes. . . RN N dorS) 68 69 
Länge des Schnabels auf der Kirsten gemessen un 1220 rel 13 
Tarsus ae er le eeln  N de SR REEL 21 EN 2S 28 


Lebensweise und Verbreitung. 
Der Sprosser kommt in der Krimm und gewiss auch am Ostufer des Schwarzen 
Meeres ziemlich häufig vor und ist, wie man aus Vorstehendem ersehen kann, im Cen- 
traltheile der Transkaukasischen Lande an den grösseren Flussläufen nicht selten. Er 
sucht nicht immer das Dickicht bebuschter Inseln auf, sondern lebt auch im Uferbusch- 


*) Anmerkung: Es liegt über das Vorkommen der ächten Nachtigall, D. luseinia L., aus dem 
Kaukasus nur eine Mittheilung von Menetries (Catalogue raisonne, pag. 33, Nr. 63) vor, doch wird diese 
durch Blanford (Dresser, The birds ete., Part L, Mai 1876) und zwar mit vollem Rechte auf D. Hafızı 
Severx. gedeutet. Was ich in Lenkoran singen hörte und sah, war stets D. Hafixi. Ich bezweifle das 
Vorkommen von D. luseinia am Caspi, schon an der unteren Wolga fehlt der Vogel, ich glaube aber, 
dass man ihn am Ostufer des Schwarzen Meeres finden wird. Bekanntlich folgt die wirkliche Nachtigall 
westlicher der grossen Zugstrasse über die Dardanellen zur syrischen Küste und ist von Krüper, Striek- 
land, Tristram für Kleinasien und von Kotschy für Cypern nachgewiesen worden. Nordmann kennt 
sie aus der Krimm, und man wird sie gewiss wenigstens im nördlichen Theile des Ostufers vom Pontus, 
z. B. bei Nowo-Rossiisk, finden. Da der direkte Nachweis aber über ihr Vorkommen dort noch fehlt, so 
gebe ich nur diese Notiz und nehme die Art nicht in die Ornis caucasica auf. 

**) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 100, Nr. 131. 


Daulias philomela. — Daulias Hafızi. 247 


walde an bedeutenden Steilungen. In meinem Garten in Borshom, also doch in gebirgiger 
(2600), wenn auch wasserreicher Waldgegend lebte ein Sprosserpaar bis zum Jahre 
1871. Am 8. /20. April schlug das Männchen dort gewöhnlich schon eifrig. In diesem 
Gebiete ist der Vogel aber selten. Das Pärchen wurde wahrscheinlich durch die Katzen 
aus der Nachbarschaft getödtet. Ein zweites Paar lebte viele Jahre hindurch am Unter- 
laufe der Rwelka (links unterhalb von Borshom zur Kura fallend). Aber auch hier fehlt 
es seit sechs Jahren. Ab und zu schlug der Sprosser auch im dichten Gebüsche der 
oberen Suram-Ebene und im oberen Aragwa-Thale. Unterhalb von Tiflis in der gut 
bewässerten Karagas-Steppe, welche Gärten und Wälder stellenweise trägt, schlägt der 
Sprosser im Frühlinge häufig. Dem ferneren Osten fehlt der Vogel. Ich habe, trotzdem 
wir den Nachtigallen bei Lenkoran sehr eifrig nachstellten, niemals ein Exemplar von 
D. philomela dort erhalten und auch nie schlagen hören. Der Herbstzug findet spät 
statt. Noch am 27. Septbr. /9. Oktbr. wurde bei Tiflis ein Sprosser geschossen. 


148. Daulias Hafizi Severz. 
— D. Golzi Cab. 
Taf. XV. 
Taf. XXI, 5—6. 


Die Namen wie bei der vorigen Art. 


Systematisches. 
Ich sammelte vom Hafis-Sänger: 
2 Männchen aus den Umgegenden von Tiflis, 
5 ‚6 Weibchen „  Lenkoran, 
R „  Derbent, 
„ Lyrik (Talyscher Gebirge). 

An allen Micsch Vögeln finde ich zunächst die erste Schwinge konstant, sie ist 
lang und breit und überragt die Handdecken. Das Verhältniss der anderen Schwingen 
zu einander ist nicht so beständig. Es giebt unter meinen Vögeln solche, welche die 2. 
Schwinge bedeutend kürzer als die 5. und gleich der 6. haben, andere, bei denen 2. gleich 
9. ist. Die meisten zeigen 3. gleich 4., andere besitzen die 3. ein wenig kürzer als die 4. 

Ich würde nicht zögern, den Hafiz-Sänger als eine östliche Varietät der ächten 
Nachtigall zu erklären, da die Färbung des Gefieders nicht immer, und wo es geschieht, 
nur in geringer Nuancirung von dem der Nachtigall abweicht ; jedoch halte ich zwei Momente 
für die artliche Trennung entscheidend. Zunächst die bedeutendere Grösse der Vögel 
und dann den ganz verschiedenen Gesang. Das Kolorit anlangend, so giebt es in meiner 
Suite nur wenige Frühlingsvögel, welche das lebhafte Rostroth der oberen Körpertheile 
in dem Grade besitzen, wie es der D. luseinia eigen ist und sich bei ihr auch über die 
Schwingen verbreitet. Die meisten meiner Vögel sind durchweg matter gefärbt. Das 
gilt namentlich von den Derbenter Exemplaren. Freilich betheiligt sich an dieser matteren 
Rückenfarbe auch wesentlich die Zeit; die Vögel, welche Ende Mai im Gebirge und 
Mitte Juni bei Lenkoran erlegt wurden, sind obenher mehr graubraun als rostbraun. 
Die Unterseite der Kaukasier erscheint ebenfalls meistens etwas heller. Es dominirt 
auf ihr mehr ein trübes Weissgrau, wie es die Nachtigall besitzt. Bei allen meinen 
Hafız-Sängern ist endlich das Weiss der unteren Schwanzdecken kaum ein wenig in 


DD 0 © 


248 Daulias Hafızi. 


Hell-Lehmgelb getrübt, die unteren Flügeldecken mehr in Grau, als in Gelb ziehend. 
Noch ist zu bemerken, dass zwei Weibchen, bei Lyrik in einer Höhe von circa 5000° 
über dem Meere erlegt, durch geringere Grösse auffallen. Das Männchen ist normal. 
Das Kleid dieser Vögel ist (Mitte Juni) ungemein vertragen. aber der Flügelbau ist 
durchaus typisch. Auch dort sang der Vogel die Weisen des Hafiz-Sängers. 

Ich lasse die Maasse der grössten und der soeben erwähnten kleinsten Vögel 
hier folgen: 


Daulias Hafıxi Severx. D. vera. 

Lenkoran, Tiefland. Lyrik, 5000". En 
M W W. M Ww M 

mm mm | mm mm mm mm 

Totallänge a 158 160 164 149 149 
Flügelbug bis zur Sole Se | 85 83 sl 80: Ur 84 
Länge des Schwanzes . . | 81 75 75 8. 0.168 69 

Länge des Schnabels auf der Firste | | | 

gemessen | ln ee 14 14 14 
Rarsust neo Sm N 0328 287. oT | Rare 6 27 


Lebensweise und Verbreitung. 


Für den Centraltheil Transkaukasiens bis zum Caspi ist diese Art von mir überall 
nachgewiesen; in der vertikalen Richtung besucht sie noch als Brutvogel Höhen von 
5000‘ über dem Meere. Es bleibt einstweilen noch eine offene Frage, ob der Hafız- 
Sänger den westlichen Kaukasus und den Nordabhang des Gebirges überhaupt bewohnt; 
es liegen darüber gar keine Beobachtungen vor. Ich bin davon überzeugt, dass am 
unteren Kuban und am oberen Theile der Ostküste des Schwarzen Meeres der Sprosser, 
wenn nicht allein, so doch dominirend vorkommt. Bei Lenkoran hörte man die ersten 
Hafız-Sänger am 16. / 28. April. Sie lebten vornehmlich in den Gärten des Städtchens 
und im Unterholze an den Rändern des Hochwaldes. In den Jongeln traf ich sie 
nur selten an. Sie bauen auch in der Stadt, worüber ich weiter unten berichte. Im 
gesammten Tieflande von Talysch und von Gilan bis Rescht ist der Vogel gemein. 
Anfang Juni hörte ich ihn Nachts, als ich nach Rescht reiste, allerseits her schmettern. 
Recht dunkle Plätze, gewöhnlich stark mit Weidenlaub gedeckte, nicht sehr hohe Bäume 
wählt er und sitzt nie hoch. Der Gesang erinnert wohl an den der Nachtigall, lässt 
sich ihm aber, was die Güte anbetrifft, kaum vergleichen. Auch unter den Hafız-Sängern 
giebt es gute, geübte und schlechte, vielleicht junge Sänger. Diese letzteren singen 
ganz kurze Strophen, zuerst lassen sie und auch die alten, guten Sänger 4—6 Mal das 
einleitende, trübe hü, hü, hü, hü etc. in sanftem Flötentone hören. Sie beginnen damit 
ganz leise und steigern sowohl Tempo als auch Tonfülle.. Bei jungen Vögeln folgt 
dann oft nur ein rascher 5—#silbiger Wirbel. Bessere Sänger bilden ohne Unterbrechung 
4—5 Strophen, in denen aber die Schnarre vollständig fehlt. Eben dieser Mangel 
jeglichen schnarrenden Anschlages und die Strophen-Armuth lassen den Hafız-Sänger 


Daulias Hafizi. — Cyanecula suecica. 249 


sofort vom Sprosser und der Nachtigall im Gesange unterscheiden. In seinen sonstigen 
Sitten und der Lebensweise stimmt der Hafız-Sänger mit den beiden verwandten 
Nachtigallen vollkommen überein. Die Bewegungen auf dem Boden, der Lockton, das 
Sträuben des Gefieders während des eifrigen Gesanges und alles Sonstige beobachtet 
man in gleicher Weise bei allen dreien. 

Ich brachte zwei Nester von dieser Art mit, sie werden im schattigsten Dickichte 
des Unterholzes und zwar niedrig gebaut. Das Material dazu besteht bei Lenkoran 
vornehmlich aus den trockenen Blättern von Quercus castaneaefolia 0. A. Meyer. Sehr 
kunstvoll ist der obere Rand durch einen Reisstrohhalm umwunden und mit demselben 
eine ziemlich feste Schlinge hergestellt, wie dies das Bild der Tafel XV deutlich zeigt. 
Zu den inneren Wandungen wurden zartere Gräser und auch feine Wurzeln verwendet, 
ein eigentliches Polster fehlt, nur wenige Haare bemerkt man im Innern. Das Gelege 
besteht aus vier olivengraugrünen Eiern, welche denen der gewöhnlichen Nachtigall durch- 
aus ähnlich sind. 


149. Cyanecula suecica L. typ. 
et var.: caerulecula Pall., 
var.: Wolfi ©. L. Brehm. 
Russisch nach Bogdanow: Warakuschka. 
Systematisches. 

Eine grosse Suite kaukasischer Blaukehlchen liegt vor mir, die zwanzig Exem- 
plare derselben wurden sämmtlich auf dem Frühlingszuge erlegt und zwar die grössere 
Zahl am Chramflusse, der circa 7 Meilen abwärts von Tiflis von rechts her in die Kura 
fällt. Ich scheide nach dem Beispiele von Blasius, Vater, Altum und Anderen die 
drei Formen artlich nicht, sondern kann sie nur als Varietäten anerkennen. Aber Folgen- 
des ist an den kaukasischen Exemplaren zu bemerken: 

Erstens findet sich darunter kein Vogel mit ganz fleckenloser, einfach lasur- 
blauer Kehle. Ein am 20. März /1. April bei Lenkoran erbeuteter Vogel zeigt die 
braune Kehlplatte sehr schmal und leicht gedeckt von den langen, seidigen Federspitzen 
des höherstehenden Theiles vom blauen Spiegel. Bei anderen Exemplaren ist der rein 
braune Spiegel dreimal so breit, als bei dem eben erwähnten. Ein anderes Männchen, 
am 22. März /3. April bei Tiflis erlegt, wird besonders interessant, bei ihm ist das 
Rostroth der Kehle auf ein Minimum, auf einen kleinen, undeutlichen Flecken reduzirt, 
aber der schwarze Brustring steigt an den Seiten des Halses bis fast unter das Auge 
und ist sehr dunkel. 

Zweitens kommen bei uns hier eben so viele braunfleckige, als weissfleckige 
Vögelchen vor. 

Drittens besitzen einzelne der var. Wolf auf dem weissen Kehlflecken hellbräun- 
liche Federchen und andererseits besitzt ein altes Männchen von der ©. swecica typ. ein 
Paar weisse Federchen auf dem braunen Brustspiegel. 

Viertens ist das Braun ebensowohl des Kehlfleckens, als auch des Brustringes 
an einzelnen Exemplaren der var. caerulecula sehr intensiv, es geht bei einem Exemplare 
in dunkelstes Kastanienbraun über und zeigen die Spiegelfederchen schwarze Spitzen. 


Hier liegen in Bezug auf die Farbennuancen Parallelen zum hyrcanischen Rothkehlchen 
Badde, Ornis caucasica. 32 


350 Cyanecula suecica. — Erythacus rubeculus. 


vor. Bei dem erwähnten Exemplare dominirt auch ein ebenso intensives Braun auf 2% 
der Schwanzfedern, es tritt weiter zur Spitze hin vor, als es gewöhnlich sonst der Fall ist. 

Fünftens schwanken die Schnabel-Längen und -Stärken ebenfalls um ein Geringes, 
zumal den deutschen und schwedischen Vögeln gegenüber. 

Endlich, sechstens kommen beide Varietäten zusammen an und zwar nicht in 
getrennten Flügen. Ich weiss nicht, ob dieses letztere Moment anderweitig beobachtet 
wurde; für die Umgegenden von Tiflis kann ich es aus eigener Erfahrung bestätigen. 
Am 15./ 27. und 18. /50. März wurden am Chramflusse beide Varietäten, mit einander 
lebend, erlegt. Weibchen und junge Vögel liegen mir ebenfalls aus dem Kaukasus vor 
und stimmen ganz zu den Europäern. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Als Brutvogel kenne ich das Blaukehlchen nur aus der gemässigten Waldzone 
im Gebiete der Vorketten, die mehr dichtes Unterholz als Hochwald aufweisen. Gleich 
den Familien der Rothkehlchen besuchten auch die des Blaukehlchens allabendlich noch 
nach Sonnenuntergang die Wege meines Gartens in Borshom, hielten sich aber während 
des Tages im dichten Gebüsche und Stangenholze auf. Einzelne Blaukehlchen bleiben 
sehr lange Zeit hier, so noch in einer Höhe von 3000‘ über dem Meere bis Ende Sep- 
tember, die meisten ziehen schon Ende August fort. Im Frühjahre erschienen die ersten 
am 10. / 22. März bei Tiflis, vom 15. / 27. bis 20. März / 1. April waren sie häufig in 
gesprengten, kleinen Tribus anzutreffen. 


150. Erythacus rubeculus L. typ. 
et var.: hyrcanus DBlanf.*) 
Russisch nach Bogdanow: Malinowka, welcher Name hier für Metoponia pusilla gebräuchlich ist. 
Armenisch : Karmurlandsh. 
Systematisches. 

Um die Angelegenheit über das Artenrecht von Erythacus hyrcanus Blanf. ins 
Reine zu bringen, habe ich namentlich in Talysch mehr als hundert Rothkehlchen 
beschafft, von denen fünfundzwanzig präparirt wurden, denen füge ich noch ein halbes 
Dutzend Exemplare von Tiflis, Borshom und vom Chramflusse hinzu. 

Es ist meinerseits kein Eigensinn, wenn ich die neuerdings durch Blanford 
gemachte und von Bogdanow**) acceptirte Rothkehlchen-„Art“ ohne Weiteres mit 
E. rubeculus L. vereinige. Nachstehendes beweist, dass „die unterscheidenden Merk- 
male“, wenn auch bei den Kankasiern vorwaltend, doch nicht allein dominirend sind 
und dass es Individuen giebt, welche den Schnabel der var. hyrcanus und die oberen 
Steissfedern des rubeeulus typ. besitzen. Folgen wir der Diagnose Blanford’s und den 
Explikationen Bogdanow’s und besprechen dabei die einzelnen Charaktere des Vogels. 

Blanford schreibt: „E. affinis E. rubeculae sed pectore rufo saturatiore, supra- 
caudalibus ferrugineis, fronte rufa latiore et rostro longiore distinguendus.“ Richtig ist, 
dass Kehle und Brust meistens etwas intensiver gefärbt sind, auch bisweilen etwas tiefer 
abwärts das hochfuchsige Feld auf der Brust sich erstreckt, doch nur „bisweilen“. Ein 


*) Eastern Persia, Vol. II, pag. 160. Pl. XV, Fig. 1. 
**) Bogdanow, Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 98. 


Erythacus rubeculus. 251 


‘Schwede vom 7. April 1875, 8 von E. rubeculus, von Mewes erstanden, kommt einem 
"Vogel, Tiflis 17. / 29. März 1879, 3 ganz nahe, jener aber hat typischen Schnabel, dieser 
den Schnabel von var. hyrcanus. Wollte man darauf hin, dass die meisten Kaukasier 
etwas intensiver fuchsig sind, eine Art gründen, so müsste man auch die hellere Bauch- 
seite der kaukasischen Vögel berücksichtigen. Ich finde bei allen meinen Vögeln, ob sie 
nun näher dem rubeculus typ. oder dem hyrcanus stehen, die Mittelpartie der Leibesfläche 
heller (fast rein weiss) als bei den Europäern. Die äussersten Supracaudal-Federn sind 
in der That bei den Kaukasiern mehr rostroth, als olivenbraun, aber ein Gebirgsvogel, 
im März 1867 bei Borshom geschossen, besitzt diesen Charakter kaum — kaum aus- 
‚geprägter, als der oben schon erwähnte Schwede. Die Entwickelung des Fuchsroth in 
der Front-Ocular-Gegend ist bei allen Kaukasiern mächtiger und im Tone dunkler, als 
bei den Europäern; allein wir haben es hier mit schwankenden Breitengrössen von 
1—2 mm zu thun. Wenn wir dergleichen als artliches Kriterium annehmen, so wird 
* bei konsequenter Durchführung desselben aus manchen jetzt einheitlich erkannten Arten 
eine lange Reihe von Spezies gemacht werden müssen, wobei z. B. die Buntspechte am 
ergiebigsten sich erweisen würden. 
Was die Schnabelgrössen anbelangt, so mögen genaue Maasse sie erklären: 


, var. hyrcanus. typ: 
Erythacus rubeculus:: 


| 
‚ mm mm mm mm mm mm mm mm 
| 


Schnabel auf der Firste gemessen . ! 1222132 212,142 100.122 2102 012 
nendenelie 2 oe oe aa een ea eher ale 
Grösste Schnabelbreite am hinteren 

Winkel der Nasenlöcher gemessen . 


4 4 5 4 4 4,5) 5 


Es ist zur Genüge allgemein bekannt, dass von NW. gegen SO. bei den Vögeln 
verschiedenster Arten die braunen, namentlich die rostfarbenen Töne des Gefieders sich 
in besagter Richtung mehr und mehr nicht allein intensiv, sondern auch expansiv 
entwickeln. Gloger*) schrieb schon vor fünfzig Jahren: „Die verschiedenen Rostfarben 
nun, dies sind diejenigen, welche in wärmeren Klimaten, mit oder nächst den zum Ver- 
schwärzen geneigten, in höherem Grade und regelmässiger (d. h. häufiger) als alle die 
übrigen und nach allen Richtungen hin abändern, und welche hierdurch eben so sehr 
an Intensität wie an Extensität gewinnen.“ 

Ich, der ich gerade in diesen südöstlichen Gebieten lange Jahre hindurch sam- 
melte und beobachtete, habe für die Lehre Gloger’s so viele Beweise, dass ich sie im 
vollsten Maasse als richtig anerkennen muss. Ich kann in Bezug auf das Rothkehlchen 
im Kaukasus nur von einer der Zahl nach dominirenden, dunkleren Varietät, einer über- 
dies noch abändernden Form, sprechen. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Die Rothkehlchen nisten in den Unterhölzern der Laubwälder in Borshom. Am 
10. / 22. März treffen sie frühestens bei Tiflis ein. Am 20. März / 1. April waren sie an 


*) Das Abändern der Vögel durch Einfluss des Klimas, pag. 16. 
32 * 


252 Erythacus rubeculus. — Cossypha gutturalis. — Rutieilla phoenicura. 


den erwähnten Lokalitäten häufig in Borshom und sammelten fleissig am Boden in den 
dichten Hochgebüschen und Stangenhölzern. Sie sind die zeitigst erscheinenden von 
allen Sängern und singen eifrig. Schon in den ersten Tagen des August besuchten die 
Familien stets meinen Garten in Borshom, zumal Abends beim Dunkelwerden betraten 
sie die Wege und haschten in den Bordüren der Blumenbeete nach Insekten. Ueber 
ihr Vorkommen in der Vertikalrichtung liegen mir keine Beobachtungen vor. Blanford 
kennt die var. hyrcanus nur aus dem Massenderan’schen Tieflande, brachte dagegen den 
typischen rubeculus von Schiras aus einer Höhe von 4700’ über dem Meere mit. In den 
Niederungen von Lenkoran überwintern die intensiv gefärbten Rothkehlchen in grosser 
Anzahl sammt dem Zaunkönige und singen am frühen Morgen ganz in der Weise wie 
die europäischen, typisch gefärbten. Man kann sie in den Gärten und im Gebüsche zu 
jeder Tageszeit, namentlich aber am frühen Morgen und Abends antreffen. Tritt an- 
haltend schlechtes Wetter ein, namentlich tiefer Schnee, so verschwinden die Roth- 
kehlchen von den freieren Gebieten und werden Jongelbewohner. Einzelne brüten selbst 
in den Gärten der Stadt. 


151. Cossypha gutturalis Guerin. 


Dieser schöne Vogel ist zwar speziell im Kaukasus noch nicht gefunden worden, 
jedoch führt ihn Blanford*) aus dem Lura-Thale der Elburskette in einer Höhe von 
6500° über dem Meere auf, weshalb ich ihn wohl mit einigem Rechte dieser Ornis zu- 
zählen darf, da die westliche Fortsetzung jener Kette den direkten Anschluss an die 
Talyscher Gebirge im Suant-Gau hat und überdies in strengen Wintern viele Vögel von 
den Höhen des Elburs-Gebirges thalabwärts in die Tiefländer von Massenderan, Gilan 
und Talysch ziehen. Er gehört sicherlich zu den Arten, die im Januar ausnahmsweise 
bei Lenkoran vorkommen und von denen die glaubwürdigen Jäger dieses Ortes behaupten, 
dass in schneereichen Wintern solche Vögel heranziehen, die man sonst niemals sieht. 


152. Ruticilla phoenicura L. 


Russisch nach Bogdanow heissen alle Rothschwänzchen: Gorzchwostka. 


Systematisches. 
£ Vom typischen Rothschwänzchen liegen mir aus dem Kaukasus zwanzig Exem- 
plare in beiden Geschlechtern und in allen Altern und Kleidern vor. Beide Arten — 
ich halte R. mesoleuwca Ehrb. so lange als Art aufrecht, bis ich in 'Bezug auf das Weiss 
der Schwingen zweiter Ordnung keine Uebergänge zum typischen Rothschwänzchen 
nachweisen kann — kommen im Kaukasus vor und zwar urtheile ich nach den bis 
jetzt gesammelten Erfahrungen so: dass R. phoenicura typ. im Hochgebirge die vor- 
waltende Art, R. mesoleuca dagegen die mittelhohen und tiefer gelegenen Gegenden 
häufiger bewohnt. Dies wird auch durch Bogdanow’s“*) Mittheilungen bestätigt, welcher 
die europäische Rothschwanzart bis zum Passe des Grossen Kaukasus fand. Beide Arten 
schliessen sich indessen keineswegs gegen einander vollständig aus, sie kommen sogar 
in den Tiefländern, obschon selten, zusammen vor (Zugzeit am Caspi). Exemplare, 


*) Eastern Persia, Vol. II, pag. 161. 
’*) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 95, Nr. 124, 


Ruticilla phoenicura. — Ruticilla mesoleuca. 253 


Männchen sowohl als Weibchen, welche Ende März bei Tiflis und bei Lenkoran erlegt 
wurden, stimmen vollständig mit deutschen und schwedischen Vögeln überein. Das 
weisse Stirnfeld der Männchen schwankt in seiner Mächtigkeit, ist aber meistens breiter 
als bei R. mesoleuca. Ende September tragen die Vögel das frisch vermauserte Kleid. 
Wie bei dem Rothkehlchen, so sehen wir auch bei dem Rothschwänzchen und in höherem 
Grade noch bei R. mesoleuca bei vielen Exemplaren im Gefieder ein starkes Hinneigen 
zum intensiveren und extensiveren Rostroth und zwar nicht allein bei dem Hochzeits- 
kleide, sondern auch bei frischem Herbstgefieder. Ein junges Männchen, am 27. Mai / 8. 
Juni bei Tiflis geschossen, hat noch die graue Kehle, nur an der Brust markirt sich 
unten ein deutlicher, schwarzer Ring, den die noch nicht ganz verriebenen grauen Feder- 
ränder hier und da unterbrechen. Die Rostfarben bei diesem jungen Vogel sind noch 
sehr schwach. Am 15. /27. Juni 1878 wurden erwachsene, flügge Junge bei Tiflis 
erlegt. Diese gleichen vollständig denen der A. mesoleuca. In Manglis lebte unweit 
von meiner Wohnung eine Familie der R. mesoleuca, bei welcher das Männchen sehr 
viel Weiss auf dem Flügel besass, die Jungen auch von dieser Familie glichen vollständig 
denen der typischen R. phoentcura. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Es muss noch durch fernere Beobachtungen festgestellt werden, ob sich beide 
Arten in der That in der Vertikal-Richtung gegenseitig ausschliessen. Das typische 
Rothschwänzchen ist ein treuer Begleiter der kaukasischen Hochgebirgsmenschen. Wo 
er seine Burgen baute, da brütet der Vogel zwischen den lose gelegten Schieferplatten, 
verbringt aber nur die kurze Sommerzeit in der Höhe von 6—8000° über dem . Meere. 
Denn vor Anfang Mai dürfte ihn dort das erste Frühjahr kaum erwarten und mit dem 
10. / 22. August giebt es oft schon frischen Schnee und sicherlich Reif in solchen Höhen. 
Am 26. Juni /8. Juli 1864 gab es im Dadian’schen Swanien bei dem Dorfe Laschketi 
(4200°) Hügge Junge. Andere, am 14. /26. Juni in einer Höhe von mehr als 8000’ 
über dem Meere am Küs-jurdi geschossene, sind noch nicht ganz ausgewachsen. Bei 
Lyrik im Talyscher Gebirge brütet der Vogel ebenfalls. Vieler Orts im Gebirge waltet 
R. phoenicura vor, höher verdrängt ihn an manchen Lokalitäten KR. erythroprocta. Schon 
Mitte August treten die Rothschwänzchen den Zug thalabwärts an. Ich habe sie all- 
jährlich um diese Zeit in meinem Garten in Borshom häufig beobachtet und sammeln 
sie dann gegen Abend auf den Wegen die Insekten ab. 

Der erste Vogel bei Lenkoran wurde am 14./26. März, bei Tiflis am 28. 
März / 9. April beobachtet. 


153. Ruticilla mesoleuca Ehrb. 
Systematisches. 

Zehn alte Männchen liegen vor mir. Die charakteristischen weissen Federränder 
an den Aussenfahnen der Schwingen variiren bedeutend in Länge und Breite. Bei recht 
alten Männchen bilden sie einen sehr auffallenden, spitzdreieckigen Spiegel. Zwei meiner 
alten Männchen zeichnen sich durch breite, weisse Zonen auf der Stirne vor den übrigen 
aus. Schon im Jahre 1866 brachte ich ein altes Männchen dieses Vogels aus dem 
Talyscher Tiefande mit, es wurde am 30. März / 11. April bei Lenkoran erlegt. Alles, 


54 Rutieilla mesoleuca. — Rutieilla ochruros. 


was Dresser*) in seinem Artikel über R. mesoleuea berichtet, finde ich an meinen 
Vögeln bestätigt. Das Schwarz der Kehle reicht bei den meisten Kaukasiern noch tiefer 
auf die Brust herab, als es die Abbildung Dresser's zeigt und auch ein mir vorliegender 
Vogel aus dem Taurus (Silieischen) besitzt. Ebenso sind die rothgelben Töne im Ge- 
fieder einiger meiner Vögel noch dunkler als im Dresser’schen Bilde, fast schon auf 
der Brust hellkastanienbraun. Das für die Art entscheidende Weiss der Schwingen 
2. Ordnung ist mächtig und beschränkt sich nicht allein auf die Aussenfahnen, sondern 
es verbreitet sich auch als Randlinie über die Innenfahnen und lässt sich noch auf den 
Primärschwingen bis zur Einbuchtung der Aussenfahnen verfolgen. Am 29. Mai / 10. 
Juni wurde bei Lyrik im Talyscher Gebirge ein altes Männchen erlegt, bei welchem das 
Weiss fast ganz verschwand, weil es abgerieben wurde. Das Längenverhältniss der. 
3., 4. und 5. Schwinge ist nicht ganz konstant. Bei meinem kleinasiatischen Exem- 
plare sind die erwähnten Federn gleich lang, bei einigen kaukasischen ist die 5. kürzer 
als die 3. und 4., welche gleich lang sind. Dadurch erscheint bei dem Kleinasiaten der 
Flügel kürzer und stumpfer. Bei R. phoenicura ist die 5. Schwinge ebenfalls kürzer 
als die 3. und 4. Endlich das Grau der Rückenseite der Vögel anlangend, so ist es bei der 
in Rede stehenden Spezies viel dunkler, als bei R. phoenicura. Ja, ich sehe es an 
mehreren meiner Exemplare zumal im Nacken und auf dem oberen Rücken fast rein 
schwarz, so dass sich hier eine nach ‘oben und unten hin allmählich in’s Graue ver- 
ziehende dunkle Zone befindet. Bei den alten Weibchen der R. mesoleuca verliert sich 
der bräunliche Farbenton ım Grau des Rückens, wie ihn selbst alte Weibchen von R. 
phoenicura stets besitzen, fast ganz; aber im Uebrigen dürften die Vögel wohl sehr 
genau übereinstimmen. Uebrigens äussert Heuglin**) doch leise Zweifel über die 
Selbstständiekeit der Art, spricht die AR. mesoleuca aber als „konstante Form mit ab- 
weichender Lebensweise“ an. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Diese Rothschwanzart hält sich häufiger in den wärmeren Gebirgsgegenden auf, 
als die gewöhnliche. Ich fand sie ebensowohl im Kleinen, als auch im Grossen Kau- 
kasus. So ist sie z. B. bei dem Badeorte Abastuman nicht selten. Je enger sich das 
Aragwa-Thal, in dem sich die Heerstrasse nach Russland hinzieht, schliesst, desto 
häufiger wird R. mesoleuca bis zur Station Mleti, höher dagegen ist mir der gemeine 
Rothschwanz öfters zu Gesichte gekommen. Auf dem Zuge berührt auch diese Art 
die Tiefländer. Am 17. / 29. März wurde das erste Exemplar bei Lenkoran erlegt. Vom 
8./20. April stammt das erste von Tiflis. 


154. Ruticilla ochruros 3. G. Gml. 
— R. erythroprocta Gould. ***) 
Marx. 
Systematisches. 
Ich schweige über R. bithys Scop. einstweilen noch, glaube aber dieselbe bei 
Gudaur richtig erkannt zu haben. Bei einzelnen Exemplaren von R. ochruros ist das 


*) Dresser, The birds etc., Part LIV, Oktober 1876. 
**) Oyrnithologie NO.-Afrikas, Bd. I, pag. 334. 
***) G. R. Gray, Hand-list of birds ete., Part I, pag. 221, Nr. 3156. 


g. 22 


Rutieilla ochruros. 255 


Schwarz untenher so weit verbreitet, dass für das Rothbraun auf dem Unterleibe nur 
ein ganz kleiner Raum bleibt und man den Vogel ohne Weiteres für R. tithys halten 
könnte. An Stelle der typischen R. lithys tritt sowohl im Grossen, wie auch im Kleinen 
Kaukasus diese Spezies, welche in ihrem Kolorit ziemlich konstant ist, auf. Vier alte 
Männchen liegen zunächst vor mir. Das auf dem Zuge am 27. März / 8. April erlegte 
Exemplar stimmt vollkommen zu einem persischen Vogel, welchen die Kaiserl. Akademie 
der Wissenschaften die Güte hatte, mir zum Vergleich zu schicken. Das Kleid desselben 
ist noch frisch, der breite Mantel des Rückens tief schwarz, die Kopfplatte schiefergrau, 
die Stirn schwarz. Das Schwarz des Mantels zieht zum Bürzel hin nach und nach in 
Dunkelschiefergrau, auf welchem dunkle, breite Schaftflecken stehen. Die oberen 
Schwanzdecken sind brennend fuchsroth, so auch die Schwanzfedern mit Ausnahme der 
beiden mittleren, deren Innenfahnen ganz, die Aussenfahnen nur am Ende ein wenig 
und dem Schafte schmal entlang hinauf mattbraunschwarz sind. Das Fuchsroth der 
unteren Seite erstreckt sich lediglich auf die unteren Schwanzdecken und Abdomen. 
Alles Uebrige ist tief schwarz, so dass nur '/, der gesammten unteren Körperseite rost- 
roth erscheint. Dieses wohl erhaltene Männchen hat die Schwungfedern breit weisslich 
gekantet, ganz so, wie das jüngere Männchen von R. mesoleuca und wie solches auch 
der R. tılhys zukommt. Diese Zeichnung scheint ziemlich normal zu sein, denn das 
sehr abgenutzte Gefieder eines Männchens vom 14. / 26. Juni (Küs-jurdi) besitzt sie 
auch. Einem dritten Männchen aber, am 14. / 26. März bei Lenkoran erlegt, fehlt sie 
gänzlich. Noch muss ich erwähnen, dass bei einem zweiten Männchen vom Küs-jurdi 
die rostige Zone am Unterleibe sehr geringe Ausdehnung besitzt und auch nicht so 
lebhaft gefärbt ist. wie das sonst üblich. Es mischt sich hier so viel schmutziges Grau- 
gelb und Weisslichgelb in das Kolorit, dass man nicht mehr behaupten kann, der Vogel 
sei typisch, hier haben wir entschieden Hinneigen zur R. lithys. 

Junge Vögel wurden erlegt: am Küs-jurdi’14. / 26. Juni und bei Kobi im Grossen 
Kaukasus am 14. / 26. Juli. Der ganze Rücken und die untere Seite sammt Kehle und 
Kopf sind einfarbig braungrau, Abdomen und untere Schwanzdecken ockergelb. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Nur auf dem Zuge erscheint der Vogel in den Tiefländern. Als brütenden 
Sommervogel kenne ich ihn nur aus dem Gebirge. Von Mleti an der Südseite des 
Grossen Kaukakus bis zum Kasbek an der Nordseite auf der grusinischen Heerstrasse 
kann man ihn überall antreffen. Er baut sein Nest in den Felsenspalten der senkrechten 
Wand bei Kobi. Auch in den hoch gelegenen Dörfern im Lande der Tuschen, Chew- 
suren und Swanen gab es überall Familien dieser Art, die in den bis 80° hohen, aus 
Schieferplatten aufgebauten Thurmwänden ihre Nester hatten. Die Ankunft des Vogels 
in Lenkoran datirt mit dem 14. / 26. März, in Tiflis mit dem 27. März / 8. April. Ich 
will hier noch die Bemerkung machen, dass R. rufiventris Vieill., R. erythronota Eversm. 
und R. tithys typ. von Blanford (l. c. pag. 163) nur für das südliche Persien und 
zwar nur als Wintervögel nachgewiesen wurden. Die beiden ersteren dürften als Asiaten 
die Zugrichtung NO. im Frühjahre, die letztere aber die stark frequentirte über Syrien 
führende gegen NW. einschlagen. Im Kaukasus ist bis jetzt von diesen Vögeln nichts 
bekannt geworden. 


256 Ruticilla erythrogastra. — Petroeincla saxatilis. 


155. Ruticilla erythrogastra Güldst. 


Systematisches. 


Von meiner Suite, welche aus zwölf alten Vögeln bestand, habe ich jetzt nur 
noch je ein altes Männchen und ein Weibchen, die übrigen Exemplare wurden verschenkt 
und vertauscht. Ich habe bereits ausführlich über diesen schönsten aller Rothschwänze 
in meinem sibirischen Reisewerke *) berichtet, auch über sein Verhalten zur sibirischen 
R. aurorea, mit welchem der Vogel schon der enormen Grösse wegen nichts zu thun 
hat, gesprochen. Pallas**) kannte ihn nach Güldenstädt, denn die von ihm pro- 
ponirte Motacilla ceraunia ist eben die in Rede stehende Art. Er schreibt: „videtur 
tamen per australiora alpestria juga usque ad Caucasum evagari, majores equidem erant 
sibiricis, quas inde adlatas vidi. sed per omnia, in utroque sexu simillimae. Si sit distin- 
guenda poterit Ceraunia appellari.“ 

Die schön ausgefärbten alten Männchen besitzen den Spiegel auf den Schwingen 
zweiter Ordnung so umfangreich, dass nur etwa '/, der Federn, von den Spitzen 
gerechnet, schwarz bleibt. Auch betheiligen sich von der 3. an alle Schwingen der 
ersten Ordnung in ihren Basaltheilen an dieser rein weissen Färbung. Ferner werden 
Kopf und Nacken mit: zunehmendem Alter bei den Männchen immer heller und zuletzt 
fast weiss. Bei recht alten Weibchen wird das Grau der unteren Körperseite fast gleich 
der Farbe des Rückens. Meine kaukasischen Exemplare übertreffen die ostsibirischen 
noch um ein Weniges an Grösse, ich messe 6,4 bis 6,5 engl. Zoll in der Totallänge. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Ich weiss nicht, wo ich die Sommerplätze dieser schönen Art suchen soll. 
Weder in Sibirien noch im Kaukasus ist mir dieselbe jemals im Sommer zu Gesichte 
gekommen, dort erlegte ich sie im Dezember auf den Inseln des Onon, hier traf ich sie 
nur einmal oberhalb der Poststation Kasbek im erweiterten Terekthale, aber in grösserer 
Zahl beisammen. Im ärgsten Schneegestöber besammelten die Vögel die niedrigen 
Hippophae- und Rhamnus Pallasü-Gebüsche, an den ersteren wohl hie und da eine der 
schmackhaften Beeren findend. Der Vogel verhielt sich still, war nicht furchtsam und 
sass gerne auf den Spitzen solcher Gebüsche, mit Leichtigkeit konnte man sich ihm 
auf zwanzig Schritte nähern. 


156. Petrocinela saxatilis L. 
Russisch: Kamenny drosd, d. h. Steindrossel. 
Systematisches. 

Je älter die Männchen, um so breiter wird die weisse Zone auf dem Rücken, 
die sich dann auch über die grossen, oberen Flügeldecken verbreitet. Die Intensität 
des Rostrothes der Unterseite hängt ganz von der Jahreszeit ab, in welcher der Vogel 
geschossen wurde. Der Aufenthalt im sonnigen, steinigen, heissen Terrain begünstigt 
das Abbleichen des frischen Kleides ungemein. Ende Mai bei Tiflis erlegte Männchen 
prangen im reinsten Hochzeitskleide und zeigen die untere Körperseite im gesättigtsten 


*) Reisen im Süden von Ost-Sibirien, T. II, pag. 255. 
**) Zoographia, rosso-asiat., T. I, pag. 478. 


Petroeinela saxatilis. — Petrocossyphus ceyanus. 257 


Rostrothbraun. Männchen, welche Ende Juni und Mitte Juli im Suant-Gau und am 
Küs-jurdi erlegt wurden, sind untenher derart verblichen, dass nur schmutziges Fuchs- 
roth am Leibe erkennbar wird. Die jungen Vögel, welche am 14. / 26. Juni am Küs- 
jurdi geschossen wurden, sind zum Theile ausgewachsen, zum Theile nur °/, gross, 
welche letzteren jetzt erst die Schwanzfedern vorschieben. 

Das Nest, welches mir Herr Grosmani vom Goktschai-See brachte, ist ziemlich 
fach aus ganz feinen Würzelchen gebaut, am 20. Juni /2. Juli waren die Bier nur 
wenig bebrütet, eines davon ist sehr lang gezogen; das normale misst: 27 mm Höhe 
und 20 mm grösste Breite, das abweichende: 31 und 18 mm. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Je weiter nach Süden und Osten, um so häufiger wird die Steindrossel im Kau- 
kasus. In einzelnen Paaren brütet sie auf den nackten Gebirgen bei Tiflis, doch ist sie 
hier nicht häufig. Ich kenne ihr Vorkommen an der Südseite des Grossen Kaukasus in 
einer Höhe von mehr als 7300‘° über dem Meere; am 2./ 14. Juli 1864 stiess ich bei 
dem höchstgelegenen Swanendorfe Jibiani in der Nähe des riesigen Nuamquam-Gletschers 
auf ein Paar Familien der Steindrossel mit függen Jungen. Dieses Vorkommen schliesst 
sich vortrefllich an Blanford’s*) Mittheilungen an, nach denen der Vogel in einer Höhe 
von 9000’ über dem Meere im Norden von Ispahan lebt; dort liegt die Schneelinie 
höher, als im Freien-Swanien (mindestens um 3000°). Ich .bin auf allen meinen Reisen 
im Kleinen wie im Grossen Kaukasus der Steindrossel überall da begegnet, wo zerrissene 
Felsenpartien mit magerer Steppenflora und Spiraea-Gebüsch vorhanden waren. So traf 
ich sie auch oberhalb der Baumgrenze am Sekar-Passe (Rion-Kura-Wasserscheide) und 
mehrere Paare lebten in den abwärts gelegenen, durch Waldbrand abgetödteten Comi- 
feren-Beständen, wo sie mich sehr lebhaft an Turdus fuscatus Sibiriens erinnerten. Sie 
lebten hier am 14. / 26. Juli mit kleinen Banden von Turdus viscivorus zusammen und 
tummelten sich auf den zum Theile mit Zpilobium bewachsenen, sonnigen Abhängen 
herum. Am häufigsten fand ich die Steindrossel in den früher türkischen, jetzt 
russischen, armenischen Hochlanden auf dem Wege zu den südlichen Kura-Quellen, am 
nördlichen Taurus, endlich bei Kagisman, am oberen Aras (Köprikö). Dort sangen sie 
gar schön am frühen Morgen, in kleinen Familien zwischen den Spiraea-Gebüschen am 
Boden hinhüpfend, oder auf den Felskarniesen hie und da im Sonnenscheine ruhend. 
Brutplätze kenne ich von der Poststation Kobi; dort brüten mehrere Paare in den zer- 
klüfteten Steilwänden des Gebirges in Gemeinschaft mit Schneefinken etc. Am 7. / 19. 
Juni wurden die Jungen schon gefüttert. Auch bei Gudaur traf ich die Steindrossel 
an. Unweit von Neu-Bajaset am Goktschai bei Kischlak brütet die Steindrossel all- 
jährlich in mehreren Paaren. 


157. Petrocossyphus eyanus L. ı 
Russisch: Golvboi drosd, d. h. Blau-Drossel. 
Systematisches. 
Sowohl alte, als auch Jugendkleider dieses Vogels liegen mir von den Bergen 
bei Tiflis vor. Am 15. / 27. August 1876 getödtete Vögel tragen das fertige Jugendkleid 


*) Eastern Persia, Vol. I, pag. 156. 
Radde, Ornis caucasica. 33 


258 Petrocossyphus ceyanus. — Saxicola saltator. 


und sind ausgewachsen. Ein solches junges Weibchen ist grösser als ein altes Männ- 
‘chen. Alle schiefergraublauen Federn des Jugendkleides tragen (zumal auf der gesammten 
unteren Körperseite) vor der Spitze drei schmale Binden. Die mittlere von diesen ist 
schwarz, die beiden sie umrandenden sind hell gelblichgrau. Mit zunehmendem Alter: 
nehmen die Rückenfedern nicht allein an Reinheit der blaugrauen Färbung zu, sondern 
erhalten auch einen bedeutenden Glanz. So steht vor mir ein altes Männchen vom 
18. /30. März, bei Tiflis erlegt, welches am lichten blaugrauen Gefieder des Kopfes und 
der Kehle starken Seidenglanz besitzt, welcher sich an den Federrändern des Rückens- 
in noch höherem Grade bemerkbar macht. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Die Blaumerle dürfte nach meinen Erfahrungen die Höhe von 5000‘ über dem 
Meere im Kaukasus nicht überschreiten und sich an passenden Lokalitäten ebensowohl 
im Grossen wie auch im Kleinen Kaukasus finden, doch ist sie nirgends annähernd so 
‚häufig, als die Steindrossel. Zwar wurden alte Exemplare schon Ende März bei Tiflis 
erlegt, doch ist sie kein Standvogel. Vor dem 15. / 27. März habe ich bei Tiflis niemals 
eine Blaumerle beobachtet. So kennt sie auch Blanford*) aus Hochpersien nur als 
Sommervogel. 


158. Saxicola saltator Mentr. 
— isabellina Rüpp. 
Systematisches. 

Die mir vorliegende Suite kaukasischer Vögel dieser Art besteht aus zweiund- 
dreissig Exemplaren. So gross sie ist, so giebt sie mir kaum Veranlassung, etwas 
darüber zu sagen. Zwei frisch. vermauserte Vögel (Tiflis), 23. Juli/4. August und 
28. Juli /9. August, sind kaum etwas dunkler gefärbt, als die vielen Exemplare, welche 
von Ende Februar bis April im Hochzeitskleide, theils bei Lenkoran, theils bei Tiflis 
geschossen wurden. Die Bürzelfedern an meinen Exemplaren haben nicht selten einen 
gelblichen Anflug und sind meistens nicht so rein weiss, wie sie Dresser**) malt; 
wohl erst in hohem Alter werden die Steissfedern reiner weiss, in der Jugend sind es: 
nur die längsten von ihnen. Bei den meisten Individuen ist der Schnabel-Augenstreifen 
nicht sehr prononcirt, nur einige der alten Männchen besitzen ihn so ‘intensiv, wie ihn 
die Dresser’sche Abbildung zeigt. 


Lebensweise und Verbreitung. 5 

Dieser Steinschmätzer bewohnt im Kaukasus vornehmlich die heisse und die- 
Wüstenzone. Er ist aber durch Severzow ***) und Heuglin, von Ersterem im Tianschan,. 
von Letzterem in den Abyssinischen Alpen,-sogar brütend in den Höhen von 1000010500‘ 
über dem Meere gefunden worden. Bogdanow f) bestätigt das für die Nordseite des 
Grossen Kaukasus. Ein so hohes Vorkommen kenne ich nur von Sazxicola oenanthe, 


*) Eastern Persia, Vol. I, pag. 155. 
**) Dresser, The birds etc., Mai 1874. 
***) Ebendaselbst. 
+) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 91, Nr. 116. 


Saxicola saltator. — Saxicola oenanthe. 259 


'habe aber die in Rede stehende Art in meinem Reisegebiete nirgends 'in der alpinen 
Zone nachweisen können. Im Kurathale aufwärts ist S. saltator bei Gori und Achalzich 
nicht selten. Im Araxesthale wurde der Vogel von mir bis in die wüsten Gegenden 
von Kulpi und am unteren Arpatschai bis in eine Höhe von 4000’ über dem Meere 
beobachtet. In den vulkanischen Trümmergesteinen am Fusse des Alagös, wo im Hoch- 
sommer Calandrella brachydactyla lebt, wurde er auch in einzelnen Paaren angetroffen. 
Diese Art und S. oenanthe sind sehr entschieden Zugvögel;; insofern ich keine Exemplare 
im November im unteren Kurathale entdecken konnte, darf ich dies behaupten. Von allen 
‚Steinschmätzern kommt diese Art am frühesten an. Schon am 16. / 28. Februar wurden 
die ersten Exemplare bei Lenkoran erlegt, am 27. Februar / 11. März bei Tiflis. Der 
Vogel lebte im Talyscher Tieflande ausschliesslich auf den trockenen Dünen und suchte 
bei schlechtem Wetter den Schutz der Brombeersträucher auf. 


159. Saxicola oenanthe L. 
Russisch nennt man in Transkaukasien alle Steinschmätzer: Kusnex, d. h. der Schmied. 
Systematisches. 

Im Verlaufe der Zeit brachte ich vierzig kaukasische Exemplare vom gemeinen 
Steinschmätzer zusammen. Es werden in dieser Kollektion alle Kleider vertreten, vom 
frischen Herbstkleide an, in welchem beide Geschlechter sich kaum von einander unter- 
scheiden, zum frischen Hochzeitskleide und dann bis zum abgetragensten Sommerhabite. 
Auch Nestkleider liegen vor. Das frische Herbstkleid tragen die Vögel schon Mitte 
September fertige. An Männchen, die am 23. Juni /5. Juli hoch auf dem Sawalan 
geschossen wurden, ist zwar das Kleid total verbraucht, aber noch keine Spur von 
‚Mauser zu bemerken. Die grosse Anzahl von Männchen im Prachtkleide lässt mich 
‚erkennen, dass die Vertheilung von Schwarz und Weiss auf den Schwanzfedern bei dem 
‚gemeinen Steinschmätzer nicht ganz konstant ist. Meine kaukasischen alten Männchen, 
sämmtlich gleich nach der Ankunft im März 
und dann bis in den Juni erlegt, stimmen 
in dieser Hinsicht sehr gut zu kleinasiatischen. 
Sie besitzen. gegen deutsche Vögel gehalten, 
das schwarze Endband auf dem Schwanze 
etwas breiter und namentlich fällt es auf, 
dass an der Aussenfahne der Aussenfeder es 
sich sehr bedeutend hoch hinaufzieht. Diese 
Unterschiede stellen sich durch beistehende 
Zeichnung anschaulich dar. Junge Vögel 
besitzen den schwarzen Theil des Schwanzes 
breiter, als alte und stimmen in dieser Hin- 
sicht meine Schweden gut zu den Klein- 

Europa. Kaukasus asiaten, sind auch, wie diese, auf der Brust 

und Kleinasien. sehr intensiv, fast schon in Rostroth ziehend, 

gefärbt. Mit zunehmendem Alter wird das 

‘Grau der oberen Körperseite immer reiner und bläulicher, zum Bürzel. hin dunkelt es 

an den kaukasischen Vögeln mehr und mehr, so dass die mel Federn bisweilen 
* 


260 Saxicola oenanthe. — Saxicola deserti. 


fast schwarz erscheinen. Jüngere Männchen weisen immer auf der Rückenseite den hell- 
bräunlichen Ton im Grau auf und dieser wird dann zum Bürzel hin allein vorherrschend. 
Endlich muss ich bemerken, dass die am 24. März /5. April und 25. März / 6. April: 
bei Tiflis erlesten Männchen auf der gesammten unteren Körperseite, besonders aber an 
Kehle, Hals und unteren Schwanzdecken sehr intensiv isabellgelb gefärbt sind, zumal 
die recht alten Männchen. Ein solcher Vogel (4. / 16. April, Tiflis) zeigt die ganze 
untere Körperseite sammt den unteren Schwanzdecken in dieser Färbung, welche am 
Halse und auf der Brust schon in’s Lehmgelbe zieht. Auch die weisse Zone der Stirn 
varlirt in der Breite; bei einem meiner Männchen erstreckt sie sich bis fast auf die 
Mitte des Kopfes. Am 14. /26. Juni waren die Jungen (Küs-jurdi 8000‘) noch nicht 
ausgewachsen. 
Lebensweise und Verbreitung. 

Die beiden nahestehenden Steinschmätzer, S. oenanthe und S. saltator, schliessen 
sich geographisch keineswegs einander aus, doch bevorzugt der letztere, wie ich das. 
oben schon sagte, in der That die Ebenen der heissen Zone, namentlich wo sie salz- 
auswitternd sind. Im mittleren Alasan-Thale, jenseits der Brücke, leben beide Arten 
auch im Sommer beisammen, ebenso in den Umgegenden von Baku und im oberen 
Araxes-Thale von Eriwan bis Kulpi. Die geschlossene Waldzone meidet der gemeine 
Steinschmätzer. Im Thale der Jora konnte ich ihn nur bis wenig oberhalb von Tioneti 
(3500) nachweisen, doch hat dies eben seinen Grund in den Vegetationsverhältnissen. 
Wo kahle Gebirge oder steinige Ebenen in grösserer Ausdehnung vorhanden sind, wird 
man S. oenanthe auch hoch oben im Gebirge beobachten können. Der breiten grusinischen 
Heeıstrasse fehlt der Vogel im Sommer nirgends, auf dem armenischen Hochlande steigt 
er noch über die mittlere Höhe von 7000' über dem Meere, westwärts erwähnt seiner 
Dikson*) für Erzerum (6400). Im Talyscher Gebirge traf ich ihn überall oberhalb der 
Baumgrenze an und auf dem Sawalan wurde er in einer Höhe von mehr als 10000’ 
über dem Meere erlegt. Es waren das jene alten Männchen, welche sehr auffalien, weil 
keine Spur heller Kantungen am Gefieder vorhanden ist. Bei Tiflis fällt die Ankunfts- 
zeit im Frühjahre in die zweite Hälfte des März, das erste Exemplar wurde am 14. / 26. 
März erlegt; vom 22.—25. waren die Vögel häufig, aber noch nicht gepaart. Diese Zeit 
reiht sich vorzüglich an die von Krüper”*) bei Smyrna beobachtete (13. / 25. März). 
Es bestätigt sich auch für diese Art, dass die Geschlechter gesondert ziehen. Ein- 
zelne Steinschmätzer überwintern in der heissen Zone, doch nur selten und nur in 
warmen Jahren. Im Winter 1879—80 fehlten sie ebensowohl im unteren Kurathale, 
als auch im Talyscher Tieflande. Dort erschien das erste Exemplar (Männchen) am 
14. / 26. März, also fast einen Monat später als S. saltator. 


160. Saxicola deserti Rüpp. 
— 5. salina Eversm. 
Systematisches. 


Ich besitze nur ein Exemplar dieses Vogels aus den Umgegenden von Baku. 
Auf den ersten Blick kann man den Vogel leicht mit S. rufa Briss. — $. stapazina 


*) Dresser, The birds etc, August 1874, pag. 8. 
**) Ebendaselbst. 


Saxicola deserti. — Saxicola melanoleuca. 361 


auct., (nec Z.) im Herbstkleide verwechseln, doch ist man bald richtig orientirt, wenn 
das breite, schwarze, weit über die Hälfte des Totallänge einnehmende, gleichmässig 
durchgehende Band des Schwanzes in Rücksicht genommen wird und wenn man über- 
dies noch einen Blick auf die unteren Flügelseiten wirft. Bei S. rufa (S. stapazina 
auct.) sind die unteren kleinen Flügeldecken alle schwarz, bei S. deserii sind es nur die 
unmittelbar an der Handwurzel stehenden, die anderen aber weiss. Ueberdies bieten 
aber auch die oberen Seiten der Flügel sehr entscheidende artliche Differenzen. Die 
Schulterfedern und ein grosser Theil der ihnen zunächst stehenden kleinen, oberen 
Flügeldecken sind bei $. rufa schwarz, bei S. deserti besitzen sie die Rückenfarbe und 
ziehen stark in’s Zimmetbraune, ihnen schliessen sich dann die fast weissen, kleineren 
Federn auf dem Unterarm an. Aber von vorne und unten gesehen, wenigstens in ihrem 
Herbstkleide, erscheinen beide Arten fast ganz gleich. Man kann die Parallele, welche 
zwischen S. oenanthe und S. saltator besteht, auch auf S. rufa Briss. — 8. stapa- 
xina auct. und S. deserti Rüpp. durchführen, doch halte ich auch diese beiden letzteren, 
wie jene beiden ersteren, für strenge geschiedene, feste Arten. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Was die erstere anbelangt, so wird sie sich gewiss an die aller Steinschmätzer 
anschliessen. Steiniges, zerrissenes Wüstenterrain wird von dem grössten Theile der 
Sasxicola-Arten bevorzugt. Weitere Nachrichten über das Vorkommen dieser Art aus 
dem Kaukasus liegen nicht vor. Blanford*) führt sie als gemeinen Vogel für ganz 
Südpersien auf. 


161. Saxicola melanoleuca Güld. 


Systematisches. 

Vom 7. /19.—12./24. Mai wurden bei Tiflis sechs Exemplare dieses schönen 
Steinschmätzers erlegt, davon waren vier alte Männchen und zwei Weibchen. Die Vögel 
stimmen mit Exemplaren, die ich aus den Umgegenden Smyrnas erhielt, vollständig über- 
ein. Bei zwei Männchen dehnt sich die weisse Zone auf den Schwanzfedern soweit 
aus, dass die unmittelbar auf die beiden mittleren Steuerfedern folgende bei dem einen 
Vogel total weiss ist, bei dem zweiten nur schwarze Endflecken auf der Aussenfahne 
zeigt. Mit diesen Männchen wurden zwei Weibchen geschossen, deren sehr vertragenes 
Kleid obenher lehmgraugelb ist; auf der Brust sind die Federn schmutzig rostig über- 
flogen. 


Lebensweise und Verbreitung. 
Ich kenne den Vogel nur von dem erwähnten Platze und habe ihn auch nur 
in dieser Jahreszeit gefunden. Durch Herrn Michalowsky **) wissen wir, dass er im 
Sommer am Potzchow-tschai (Achalzich) vorkommt. 


*) Easteın Persia, Vol. II, pag. 148. 
**) Bogdanow, Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 92. 


252 Saxicola leucomela. 


162. Saxicola leucomela Pall. 
— 5. morio Hemp: et Ehrb. 
Tat KRT77. 
Systematisches. 

Das Museum besitzt zunächst ein schönes altes Männchen, welches am 29. März 
/10. April 1871 auf den Gebirgen bei Tiflis erlegt.wurde. Dieser Vogel stimmt genau 
mit der Abbildung, welche Dresser*) giebt. Die Vertheilung von Schwarz und Weiss 
auf den Schwanzfedern variirt auch bei dieser Spezies. Aus der Dobrudscha durch Dr. 
Rey erhaltene Exemplare stimmen vortrefflich zu meinem Vogel; das alte Weibchen hat 
mehr Schwarz am Schwanzende, als das alte Männchen. - Bei letzterem und so auch 
bei: meinem Tifliser Vogel ist die 4. Schwanzfeder, von aussen nach innen gerechnet, 
ganz: weiss, was auch bis auf einen kleinen Endfleck auf der Aussenfahne an einem 
alten Männchen aus der Dobrudscha statt hat. Dagegen zieht 
sich das Schwarz auf der Aussenfahne der äussersten Steuer- 
feder am kaukasischen Vogel bis über das untere Drittheil 
dieser Feder aufwärts, wie aus beistehender Figur zu er- 
sehen ist. 

Am 22. Juli/3. August und am 17./29. August 1879 
wurden bei Tiflis abermals zwei Vögel dieser Art geschossen, 
welche zwar auf den ersten Blick vom alten Vogel im Hoch- 
zeitskleide recht verschieden erscheinen, nichtsdestoweniger 
aber derselben Art angehören. Das Exemplar vom 17./29. 
August trägt das ausgebildete frische Kleid, bei welchem alle 
schwarzen Federn breite, lehmgelbe Ränder haben und alle 
im Sommerkleide weissen Körperpartien jetzt grauröthlich er- 
scheinen, so Stirn, Kopf und Nacken, wie auch die Brust 
sammt Leib und untere Schwanzdecken, wohin sich das Kolorit, lichter und lichter 
werdend, klärt. Nur der Bürzel und die oberen Schwanzdecken sind rein weiss. Die 
Zeichnung der Schwanzfedern finde ich an beiden Vögeln normal. Der zweite Vogel, 
ebenfalls ein Männchen, steht in voller Mauser auf der gesammten Rückenseite und 
hat dieselbe untenher schon vollendet. Bei ihm ist die helle Brust- und Bauchseite in 
lebhaftem Weinrothgelb gefärbt, oben entdrängen sich überall die jungen Federchen, 
welche jene graulehmgelbe Färbung besitzen. ; 

Am 10./22. Mai wurde bei Tiflis das Nest mit sechs wenig bebrüteten Eiern 
gefunden. Es ist in der Aussenwand aus gröberen Grasarten gefügt und innenher fest 
mit Langhaar gepolstert. Die Eier sind auf hellem, mattem blauem Grunde fein in 
Bräunlich punktirt, zumal am stumpferen Ende. 


IS 


m 


Lebensweise und Verbreitung. 

Nirgends ist diese schöne Art häufig. Ich kenne sie aber ebensowohl aus dem 
Grossen, wie auch aus dem Kleinen Kaukasus. Bei Mleti gab es am 8./20. Juni Hügge 
Junge. Bei Abastuman sah ich ein Päärchen im Mai; in Höhen von mehr als 6000° 
über dem Meere habe ich den Vogel nicht beobachtet. 


*) The birds etc., Part. XXVII, April 1874. 


De 


Saxicola leucura. — Saxicola amphileuca. — Saxicola erythraea. — Pratincola rubicola. 263 


163. Saxicola leucura J. Fr. Gml. 
— 8. cachinnans Temm. 

Nordmann *) ist der Einzige, welcher von dieser, oder vielleicht von der ganz 
nahestehenden S. Zeuwcopyga Brehm spricht und sie Bei Maran (unteres Rion-Gebiet, 
etwa 10 Meilen landeinwärts von der Mündung gelegen) antraf. Diesem Zeugnisse 
gemäss nehme ich die Spezies in die Ornis des Kaukasus auf. 


164. Saxicola amphileuca Hemp. et Ehrb. 
Ich besitze den Vogel aus dem Kaukasus nicht, habe ihn aber am mittleren 
Araxes zwischen Nachitschewan und Dshulfi gesehen und führe ihn überdies nach Bog- 
danow’s**) Angabe (bei Petrowsk) auf. Ich behalte auch den von Hemprich und 
Ehrenberg gegebenen Namen bei, weil, obschon Autoritäten wie Dresser und Blan- 
ford diese Art mit S. aurita Temm. und S. stapaxina L. identificiren, Bogdanow sie 
doch artlich trennt. 


165. Saxicola erythraea Hemp. et Ehrb. 
Systematisches. 

Ein Päärchen dieser schönen Spezies wurde westlich von Schemacha, unweit von 
der Poststation Achsu am 9. /21. November erlegt und ferner ein altes Männchen bei 
Baku am 2. /14. Februar. Dieses ist Alles, was ich bis jetzt im Kaukasus von dieser 
Art beschaffen konnte. Meine alten Männchen stimmen vortrefflich zu Nordafrikanern 
und Kleinasiaten und auch die Schwanzzeichnung ist bei ihnen ganz normal. Das 
Weibchen trägt ein frisches Winterhabit, welches ebenso einfarbig licht graubräunlich 
ist. Die oberen Schwanzdecken sind bei meinem Exemplare weiss. Die von Mene6tries 
zwar schon 1830 entdeckte, aber von ihm verkannte und als S. stapaxina erwähnte Art 
(was Bogdanow nach den Originalexemplaren berichtigt hat***), ist im Kaukasus selten. 
Südpersien besitzt sie häufiger, wie Blanford’sf) Fundorte darthun, aber es scheint, 
dass nach seiner Notiz nicht Hochpersien, sondern überhaupt nur Südpersien an. 
Sazicola-Arten reich sei. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Das erwähnte Päärchen lebte in einer wenig vertieften, leicht bestrauchten Schlucht 
und sassen Männchen und Weibchen auf der Spitze eines Pakurus-Gebüsches. 


166. Pratincola rubicola L. typ. 
et var.: Hemprichi Ehrb. 
Taf. XVII. 
Systematisches. 
Ich sammelte absichtlich sehr viele Exemplare dieses Vogels, um nochmals auf 
die Ehrenberg’sche Spezies P. Hemprichi eingehend zurückkommen zu können und 


*) Demidow: Voyage ete., Tome III, pag. 150. 
**) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 92, Nr. 119. 
***) Ebendaselbst, pag. 93. 

’r) Eastern Persia, Vol. II, pag. 150, 


264 Pratincola rubicola. 


den Beweis dafür zu liefern, wie ungemein schwankend bei den Steinschmätzern im 
Allgemeinen und bei dieser Pratincola-Art im Speziellen die Vertheilung von Schwarz 
und Weiss ist. Deshalb brachte ich aus dem Kaukasus zweiundvierzig Männchen und 
zwanzig Weibchen zusammen, die jetzt, nach Geschlecht und Jahreszeit geordnet, vor 
mir liegen. 

Ich will nun diese lange Reihe klassifiziren und zwar nach dem mehr oder 
minder entwickelten Weiss an der Schwanzwuızel, den oberen Schwanzdecken und den 
weissen Flügelflecken. Ich spreche nur von den Männchen im Hochzeitskleide. 

Expl. 

1) Nur ein Männchen ist normal, dabei die oberen Schwanzdecken rostig. . . 1 

2) Der Schwanz zeigt an der Basis kaum eine Spur von Weiss, höchstens '/, der 
Gesammtlänge; die oberen Schwanzdecken rein weiss; der Flügelspiegel normal 2 

Diese beiden Vögel passen gut zu einem indischen Exemplare der P. indiea 
bBlanf., welche identisch mit P. rubicola Sykes *) ist und welche Dresser **) 
gleich P. rubicola L. setzt. 

3) Der Schwanz besitzt an der Basis so viel Weiss, dass es eine Zone von '/, 
bis '/, der Gesammtlänge einnimmt, aber von den oberen rein weissen Schwanz- 
decken noch verdeckt wird, an einem der Vögel sind diese leicht rostig; Flügel- 

Ba spiegelenormal nee. Be}: 6 

4) Noch mehr Weiss auf der Basis alas Schwarze (bei den beiden nie Federn 
nur an der Basis), die Zone nimmt schon '/, der Totallänge des Schwanzes ein; 
Bürzel mehr oder weniger rostig; Spiegel an zwei Exemplaren sehr stark. . 6 

5) Die oberen Schwanzdecken sind kürzer als das weisse Schwanzfeld, welches 
mehr als '/, der Totallänge einnimmt; Flügelspiegel vorwaltend gross, 8 Exem- 
plare; die weisse Halsfärbung schneidet bei mehreren Vögeln tief ein; Bürzel- 
federn an den Enden leicht rostig, 5 Exemplare. . . . 15 


6) Die Hälfte des Schwanzes ist weiss, auch an den baden mittlären Schwanz: 
federn steigt das Weiss bis fast '/, der Länge von der Basis an abwäıts; 
Spiegel gross; seitlicher weisser Bogen am Halse an 4 Exemplaren fast 
geschlossen ; Bürzel weiss und rostig. . . een. © 

7) Extreme Form; °/, bis ‘/, des Schwanzes weiss; Bürzel schneeweiss; 2 
gross; Ring fast geschlossen . . . 76, 


8) Extremste Form: An dem weissen Schwanze Steht vorne an der Spice nur 
eine schwarze Binde von 8 mm Breite; Bürzel, Spiegel und Halsring weiss, 
letzterer fast geschlossen. u... u 2 za aan Eee ee 

Merkwürdig ist es nun, dass die Suite meiner Weibchen solche enorme Ab- 
weichungen in der Färbung nicht aufweist. Die meisten von ihnen sind ganz normal 
in dieser Hinsicht; bei fünf Exemplaren ist die Basis circa '/, der Gesammtlänge gelb- 
lich grauweiss gefärbt; bei keinem tritt diese helle Zone über die oberen Schwanzdecken 
hervor. Auch ein frisch vermausertes Weibchen (12. / 24. September Tiflis) ist ebenso 
gefärbt; nur drei Vögel haben weissliche Bürzel, alle anderen sind normal. 

Ich muss nun noch hinzufügen, dass bei jenen extremsten Formen der P. rubicola 
auch das Braun der Brust um ein Merkliches dunkler ist, als am typischen, europäischen 


*) Gray, Handlist of birds. Part I, pag. 228, Nr. 3283. 
’=*) Dresser, The birds etc., Part XXIII, XXIV. 


Pratincola rubicola. 265 


Vogel. Ich gebe auf meiner Tafel das treue Bild eines solchen Vogels und setze ein 
Weibchen hinzu. Noch muss ich darauf hinweisen, dass bei P. Hemprichi die unteren 
Flügeldecken nicht selten ganz schwarz sind, auch die seitlich stehenden längeren. Bei 
der typischen P. rubzcola sind die letzteren zwar nicht weiss, aber mindestens auf den 
Aussenfahnen so breit weiss gesäumt, dass die grauen, breiteren Felder der Innen- 
fahnen bei angelegtem Flügel ganz gedeckt werden. Jedenfalls waltet bei P. Hem- 
‚prichi intensives Schwarz hier vor. De Filippi*) führt P. rubieola und P. Hemprichi 
getrennt auf. Am 9./21. Mai waren die Jungen bei Derbent kaum flügge. Ich besitze 
Exemplare, die noch nicht ausgewachsen sind und sich von den Jungen der typischen rubi- 
cola durch vorwaltenden schwärzlichen Grundton auf der oberen Körperseite auszeichnen. 
Wie soll ich mich nun nach diesen Auseinandersetzungen, die auf das Genaueste 
thatsächlich begründet sind, der Art gegenüber verhalten. Soll ich die variablen äusseren 
Kennzeichen bei vollkommen übereinstimmender Plastik für berechtigt halten, artlich zu 
trennen, so muss ich, konsequenter Weise verfahrend, aus P. rubicola acht Spezies 
machen, die ich selbst nicht einmal genau auseinanderhalten kann. Deshalb ist es so 
wichtig, nicht zu urtheilen nach einem oder einigen Exemplaren, sondern nach möglichst 
erschöpfenden Suiten, weil sie allein die richtige Auskunft ertheilen. Wo die Ueber- 
gänge so klar zu Tage liegen, wie in dem vorliegenden Falle, da muss man trotz der 
riesigen Abweichung der extremsten Formen, dennoch vereinigen. Die lebendige Natur 
arbeitet nicht nach mathematischem Schema und was sich am Individuum vor vielleicht 
schon unendlich langer Zeit gelegentlich zeigte, bildete sich mehr und mehr aus und 
übertrug sich erblich auf die ferne Nachkommenschaft. Für mich aber und für Alle 
diejenigen, welche die geographischen Momente der Spezies im Auge behalten, ist es 
überdies noch viel interessanter, zu wissen, dass die vorderasiatische Zuglinie, an der 
kleinasiatischen Küste fort über den Bosporus zur Donau, vorwaltend vom typisch 
europäischen Vogel frequentirt wird; die östliche Strasse dagegen, welche ich mir 
namentlich dem Westufer des Caspi entlang vorstelle, weniger am Ostufer, vornehmlich 
von der nordafrikanischen und südasiatischen Varietät bereist wird. (Ich bezweifle den 
Zug wenigstens für viele Arten über das Hauptgebirge des Grossen Kaukasus und weise 
Seiteneinwanderungen bei den vier Flusssystemen im Kaukasus nach.) 


Lebensweise und Verbreitung. 


Auch von dieser Art treffen im Frühlinge zuerst die Männchen ein. Die meisten 
von ibnen müssen aber nach kurzer Rast das Land wieder verlassen, es steigen nur 
wenige thalaufwärts zum Brüten, denn der Vogel ist im Sommer durchaus nicht häufig. 
Das erste Exemplar erschien bei Lenkoran am 10./22. März. Es kamen nur Männchen, 
und zwar in solcher Menge, dass man, ohne zu übertreiben, hundert an einem Tage 
hätte schiessen können. Die Banden waren zersprengt und sammelten Nahrung auf 
den Dünen. Fast auf jeder Buschspitze sass ein Männchen, sofort am schwarzen Kopfe 
zu erkennen. Die Vögelchen verhielten sich ganz ruhig. Am 15./27. März wurde das 
erste Weibchen erlegt. Aber auch später blieben die Weibchen der Zahl nach den 
Männchen gegenüber in ganz auffallender Minorität. Nach meinen eigenen Anschauungen 
muss ich auf je 30 Männchen nur ein Weibchen rechnen. Ich weiss, und das erklärt 


*) Journal für Ormithologie, 1876, pag. 181. 
Badde, Ornis caucasica. 34 


266 Pratincola rubicola. — Pratincola rubetra. 


mir jenes Factum, dass die Weibchen gesondert ziehen und zwar später, entweder- 
berührten sie Lenkoran gar nicht, oder ihre späteren Züge wurden von uns nicht bemerkt. 
Der Zug dieser Art bei Tiflis datirt vom 14./26. März bis 23. März /4. April. 

Eine Frage harrt noch der Antwort. Wo bleiben die Tausende von P. rubicola 
var. Hemprichi? Wenn sie nach Russland gingen, wenn sie die Wolga berührten, so- 
würden sie von dort her lange erkannt und bekannt gemacht worden sein. Aus Süd- 
russland liegen über die var. Hemprichi gar keine Daten vor. In Astrachan und Sarepta 
gab es und giebt es noch fleissige Sammler und Händler, welche gewiss lange der- 
werthvollen Varietät nachgespürt haben würden. Es ist aber der Vogel dort nicht 
ermittelt. Ich denke, P. rubicola var. Hemprichi zieht gegen NO.; am südlichen Ural 
muss er vorkommen. In Turkestan hat Severzow*) sowohl diese, wie auch die var. 
indica nachgewiesen. Im der Höhe von 5000° bis höchstens 6000‘ liegt die Grenze für 
das Vorkommen der Art hier im Kaukasus. In Persien mag man diese noch um 2000‘ 
vergrössern. Dort steigen überhaupt alle Verbreitungslinien in der Höhenrichtung, sowohl 
für wilde, als auch für zahme Kreatur, angefangen mit dem Menschen und herab bis 
zur Kulturcerealie. Wiesengründe mit isolirtem Buschwerk liebt der Vogel besonders. 
und fliegt von der Spitze des Gebüsches, die er besonders gerne aufsucht. oftmals zum 
Boden, um ein bemerktes Insekt zu erbeuten und, nachdem es erhascht wurde, wieder 
auf den Lieblingssitz zurückzukehren. 


167. Pratincola rubetra L. 
Russisch heissen beide Pratincola-Arten: Tschekantschik. 
Systematisches. 

Exemplare aus dem caspischen Tieflande, wo diese Art selten war, und aus den 
Umgegenden von Tiflis stimmen mit Europäern und Kleinasiaten vollkommen überein. 
Frisch vermauserte Weibchen, am 21. Aug. /2. Septbr. bei Awtschala, unweit von Tiflis, 
erlegt, haben auf der Brust bisweilen rundliche schwarzgraue Schaftflecken an der Spitze- 
der Federn stehen. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Diese Art ist im Kaukasus ungleich seltener als P. rubicola, ich besitze von 
ihr nur zehn Exemplare. Im Gebirge brütete sie bei Kobi. An der Nordseite scheint 
sie häufiger als in Transkaukasien zu sein, da Bogdanow (l. c. pag. 94) sie von dort 
her in diesem Sinne bekannt macht. Ende März (24. März /5. April) tummelten sich 
diese Wiesenschmätzer noch in kleinen Schaaren auf den Brachfeldern und den Burian- 
beständen (vorjährige abgetrocknete Disteln) bei Tiflis. Einzelne waren schon gepaart 
und sangen die Männchen um dieselbe Zeit, zumal gegen Abend, angenehm von den 
Spitzen der Christdorn-Gebüsche (Paliurus). Sanfte Anhöhen mit lichtem Buschgehölze 
in der Nähe von Wiesen und womöglich auch nicht ferne von steinigen Höhen sind die 
bevorzugten Auienthaltsorte für diese Art, die ich in den Thälern überall bis zu einer Höhe 
von 5000° über dem Meere antraf. Es ist sehr auffallend, dass, so gemein, namentlich 
während der Zugzeit, P. rubicola var. Hemprichi im Talyscher Tieflande ist, so selten da- 


*) Vertikal- und Horizontalverbreitung der Thiere Turkestans (russisch) pag. 65. 


Pratincola rubetra. — Turdus mausicus. 267 


gegen diese Art an ebendenselben Plätzen sich zu derselben Zeit zeigt. Von Lenkoran her 
besitze ich kein Exemplar. Ein zweites, auffallendes Faktum ist, dass im Herbste vom 
19./31. August und 23. August / 4. Septbr. immer nur Weibchen erlegt wurden, junge und 
alte. Aus jener Zeit ist mir nur ein Männchen im fertigen Winterkleide bekannt geworden. 


168. Turdus musicus L. 
Russisch: Pewtsehi drosd, d. h. Singdrossel. 
Armenisch: Kernech. 
Systematisches. 

Zwanzig Singdrosseln liegen mir aus dem Kaukasus vor, sie wurden im März 
bei Borshom und Ende November bis Anfang März bei Lenkoran erlegt. Alle meine 
Singdrosseln, die Ende März bei Borshom geschossen wurden, sind alte Vögel und zwar 
fast alle Männchen (auf 7 Männchen kam nur ein Weibchen). Ich glaube fast, dass 
auch die Drosseln, wie ja manche andere Singvögel, im Winter geschlechtlich getrennt 
leben. Die frischen Kleider der Lenkoran’schen Vögel zeigen bei den Männchen einen 
recht lebhaften hell-ockergelben Grundton auf der Brust. Ein Männchen vom 23. De- 
cember/4. Januar besitzt diesen gelben Grundton an den Halsseiten sehr stark. Die 
zahlreiche Suite der Vögel giebt mir zu keinen sonstigen Bemerkungen in Bezug auf 
das Gefieder Veranlassung. Nur ist ein Vogel in Borshom insofern interessant, als an 
ihm eine lange, äussere Schwanzfeder stehen blieb, und alle anderen, noch nicht aus- 
gewachsenen, sich über dieselbe hinschoben, ohne ihr Ende bis auf Zollänge zu erreichen. 
Dieses Mausern des Schwanzes im März ist wohl nicht normal. Vielleicht liegt hier 
ein Extra-Unglücksfall vor, vielleicht hatte der Vogel im Winter den Schwanz eingebüsst 
und ihn so zeitig noch nicht ergänzt. 


Lebensweise und Verbreitung. 


In der Laubholz-Waldzone von 2500-7000’ ist die Singdrossel ziemlich häufiger 
Brutvogel im Kaukasus, so in den Thälern von Borshom, woselbst auch im geschlos- 
senen Kiefernhochwalde bei dem Dorfe Bukuriani die Männchen am 3. / 15. April 1879 
herrlich schlugen, während kleinere Flüge von 8—10 Exemplaren noch beisammen 
waren und den Drosselzippton hören liessen, wenn man sie aufscheuchte (5000). Vom 
November bis Ende Januar habe ich die Singdrossel höher im Gebirge nirgends bemerkt, 
auch fehlt sie dann auf dem Markte von Tiflis. In milden Wintern erscheinen die Wein- 
und Singdrosseln Mitte März in den Gärten und sind diese Banden wohl schon die 
ersten Vorzügler gegen Norden. Hier zu Lande kennt man das systematische Fangen 
der Drosseln in Dohnen nicht, wohl aber verfallen diese und die anderen Turdus-Arten, 
namentlich die Amsel, dem Gewehre und werden Marktvögel. Häufig überwintern die 
Singdrosseln im Talyscher Tiefande und werden bei schlechtem Wetter, namentlich 
bei tiefem Schneefalle, Bewohner der Stadt Lenkoran. Sie sind dann ungemein zahm, 
sehr abgemagert und fallen leicht in die Schlingen muthwilliger Knaben. Einzelne 
Singdrosseln schlugen in den Gärten des Städtchens schon Mitte Februar. Von allen 
Sängern liessen sie ihr herrliches Lied am zeitigsten hören. Mitte März sangen in den 
Gärten des kleinen Städtchens Lenkoran wohl 18—20 Singdrosseln und hatte es fast 
den Anschein, als ob der Vogel hier im Tieflande brüten wollte. 


34* 


268 Turdus iliacus, — Turdus atrigularis. — Turdus viscivorus. 


169. Turdus iliacus L. 


Systematisches. 

Die Weindrossel wurde im December, Januar und Februar wiederholentlich bei 
Lenkoran, im März bei Tiflis und Borshom geschossen. Diese Vögel stimmen genau mit 
deutschen überein. Ein am 25. December / 6. Januar. bei Lenkoran erlegtes Männchen 
zeigt verhältnissmässig viel Schwarz auf der Brust und an den Halsseiten, ein anderes 
am 9. / 21. Februar ebendaselbst getödtetes zeigt die Brustfleckung matt verwaschen. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Die Weindrossel ist ungleich seltener als die Singdrossel und im Sommer von 
mir nicht im Kaukasus angetroffen, weil sie, wie bekannt, im Norden Europas brütet. 
Auch im Talyscher Tieflande traf ich sie im Winter nur selten. Alle Exemplare be- 
fanden sich im Januar und Februar in erbärmlichem Zustande und gehen wohl manche 
bei lange anhaltendem Schnee zu Grunde. 


170. Turdus atrigularis Nattr. 
— atrogularis Temm. 
Systematisches. 
Das einzige kaukasische Exemplar dieser seltenen Art verdanke ich der Güte 
des Herrn Tancre in Anclam. Auf Grund meiner reichen ornithologischen Ausbeute im 
Talyscher Tiefande, über welche ich unter anderem auch in dem offenen Sendschreiben 
an E. v. Homeyer*) Mittheilungen machte, entsendete Herr Tancr& dorthin seinen 
Präparanten, welcher am 12. / 24. März 1882 den Vogel bei Lenkoran erlegte. Es ist 
ein nicht sehr altes Weibchen, dessen Kleid recht abgetragen erscheint. Färbung und 
Zeichnung sind normal. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Auch für den Kaukasus, so scheint es, darf diese Art nur als eine seltene und 
zufällige Erscheinung genannt werden, wie sie eine solche auch nur für ganz Europa 
ist. Nach den vorliegenden und durch Dresser**) gruppirten Thatsachen ist sie nur in 
Südpersien als Wintervogel und dann in Turkestan im Sommer und Winter als häufig 
nachgewiesen, überall sonst nur vereinzelt gefunden und zwar in Asien und von Bengalen 
hinauf bis nach Daurien und in Europa vom Mittelmeere bis zur Nordsee. Blanford***) 
erwähnt ausdrücklich, dass er und auch Major St. John diese Drossel auf dem Per- 
sischen Hochlande nicht gefunden haben. 


171. Turdus viscivorus L. 
Russisch: Drosd Derjaba. 
Systematisches. 
Die Misteldrosseln des Isthmus stimmen ganz zu den Schweden, Ungarn und 
Deutschen, die mir zum Vergleiche vorliegen. Individuell schwankt bekanntlich eben- 


*) Omithologische Briefe, gesammelt von E. F. von Homeyer. 
”*) Dresser, The birds ete., parts LIX et LX. Mai 1877. 
==) Blanford, Eastern Persia, Vol. II, pag. 159. 


Turdus viseivorus. — Turdus pilaris. 269 


sowohl die Grösse der schwarzen Tupfen, wie auch die Intensität des hellgelben An- 
Auges auf der unteren Körperseite. Ein am 24. Februar / 7. März bei Lenkoran erlegter 
Vogel (Weibchen) zeigt ebensowohl die hellgelblehmige Farbe sehr intensiv, als auch die 
schwarze Flankenzeichnung sehr gross, zumal seitlich der Bauchfläche. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Die Misteldrossel, die Ringdrossel und die Amsel verlassen den Kaukasus im 
Winter nicht, wenigstens bleibt gewiss der grössere Theil derselben hier. Doch aber 
ist die Amsel eher ein Standvogel zu nennen, als die Misteldrossel. Diese wird man 
im Sommer wohl überall im Bereiche der Baumgrenze antreffen, wo sie auch brütet 
und von wo sie nach und nach zum Winter abwärts in die Thäler steigt und sich zu 
bedeutenden Schaaren rottet. So fand ich sie Ende Januar im Jora-Thale, wo sie mit 
Flügen der Amsel lebten, bald sich von einander trennten, dann wieder vereinigten, 
niemals aber gedrängt beisammen blieben. Die hohen, einzeln stehenden Bäume auf 
den Inseln suchen die Misteldrosseln gerne zum Ruhen auf, besammeln aber gemein- 
schaftlich in locker gesprengten Gesellschaften die sonnigen Abhänge im Buschwalde. 
In sehr grosser Anzahl bestehen sie im Winter manchmal den Aragwa-Lauf und bei 
Awtschala sieht man sie in weitläufig versprengten Haufen bis zu mehreren Hunderten 
von Exemplaren. Hier sammeln sie vornehmlich die Beeren von Eleagnus angustifolia, 
als ihre Lieblingsnahrung nächst der Mistel, ab. Bis Ende Februar wird diese Art in 
Tifis oft zu Markte gebracht. An der Südseite des Grossen Kaukasus fand ich im 
Bereiche der Baumgrenze die Misteldrossel als Brutvogel, der schon vor Mitte Juli 
familienweise gerottet war, z. B. am Dadiasch, Tschitcharo und an den Quellen 
des Hippos, zu Füssen des Lapuri-Gletschers; am Lakmalde-Gebirge oberhalb Pari im 
Freien-Swanien. wo kleine Bestände von P. sylvestris stehen, stiess ich am 12. / 24. Juli 
auf fHügge Junge mit ihren Eltern. Im Kleinen Kaukasus sah ich diese Art ebensowohl 
unter dem Dshichi-Dshwari, wie auch am Sekar-Passe, ebensowohl bei Daratschitschach 
(Eriwansche Sommerfrischen), wie auch in den Karabagher Wäldern. Men6tries führt 
sie für die Talyscher Höhen als Sommervogel und als gemein auf und jedenfalls bewohnt 
sie die östlichen Fortsetzungen derselben im Massenderan’schen Waldgebiete ebenfalls. 
Doch ist ihr Vorkommen in Persien, und zwar in Südpersien, nur von St. John 
ermittelt worden. Als Wintervogel war sie bei Lenkoran die seltenste Drosselart und 
wurde erst Ende Februar, meistens nur in einzelnen Exemplaren, angetroffen. Am 
2. / 14. April 1879 scheuchte ich mehrere Exemplare im Thale der Borshomka auf. 
Diese Vögel waren bereits gepaant. 


172. Turdus pilaris L. 
Russisch: Drosd Rjabinnik. 
Systematisches. 

Alle meine kaukasischen Vögel (zehn Exemplare) sind alt, die meisten von 
ihnen an der Brust und am Halse etwas heller als Schweden und Ungarn ; der schwarze 
Flecken seitlich am Flügelbug, welcher durch die obersten Tragfedern markirt wird, 
ist durchweg stark prononcirt. Die mehr oder weniger starken Fleckungen in Pfeilform 
und Dreieckform, oder auch in mehr abgerundeter Gestalt, sind wohl variabel, doch 
scheint es, dass sich dabei in erster Reihe sexuelle Differenzen betheiligen. Die 


270 Turdus pilaris. — Turdus torquatus. 


Weibchen besitzen sie stärker und kräftiger, als die Männchen. Der lehmgelbe Fond 
der Brust varüirt. Einige Männchen meiner Suite besitzen denselben sehr stark, andere 
merklich schwach, doch hat das Geschlecht mit diesen Farbennuangen nichts zu thun. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Im Sommer bin ich nirgends, auch nicht im Bereiche der Baumgrenze, der 
Wachholderdrossel begegnet und auch andere Reisende, wie z. B. in letzter Zeit 
Bogdanow*) und Michalowsky, kennen sie nicht als Sommervogel. Sie erscheint 
aber von allen Drosseln, welche ziehen, am frühesten. Am 14../ 26. December wurde 
das erste Exemplar der Art bei Lenkoran erlegt. Um den 15. / 27. Januar treffen 
diese Vögel bei Titlis gewöhnlich ein. 1864 und 1865 traf ich sie namentlich um diese 
Zeit in den Eleagnus-Gebüschen und -Hecken und nährten sie sich damals von den 
Beeren dieses Strauches. Mit dem Ende des März wird die Wachholderdrossel auf dem 
Bazar von Tiflis selten und fehlt dann gänzlich im Sommer und Herbst. Schon Ende 
März und in den ersten Apriltagen habe ich bei meinen Gebirgstouren zwar alle anderen 
Drosseln, aber niemals Krametsvögel bemerkt, so auch vom 2. / 14. bis 5. / 17. April 
auf dem Wege von Borshom ins Gebirge nach Bukuriani. Ostwärts für das Talyscher 
Tiefland kann ich diese Art auch nur als eine der selteneren Drosselarten nennen. 
Ich brachte von dort ein halbes Dutzend Wachholderdrosseln mit. Auf dem Frühlingszuge 
berühren die Krametsvögel den Goktschai-See, sie wurden vom 4./16. bis 15./27. April 
bei Nowo-Bajaset mehrfach erlegt. 


173. Turdus torquatus L. 


Russisch nach Bogdanow: Bjelosoby drosd, d. h. Weisskröpfige Drossel. 


Systematisches. 

Ende März 1868 während anhaltenden Schneegestöbers erlegte ich eine gute 
Suite von Ringdrosseln. Diese alten Vögel stimmen mit mir vorliegenden, aus Ungarn 
stammenden, ganz gut überein: nur tragen letztere, obschon alte Männchen, die weissen 
Federränder viel breiter, obgleich sie zwei Monate später (Mai) erlegt wurden, vom 
neuen Kleide bei ihnen also auch noch nicht die Rede sein kann. Einem meiner alten 
Männchen fehlen am sehr abgenutzten Gefieder die weissen Federumrandungen schon 
vollkommen. Alle Ringdrosseln, welche ich in den ersten Apriltagen bei Bukuriani 
beobachtete, hatten das schöne Hochzeitskleid an; keine Spur weisser Federränder liess 
sich an ihnen bemerken. Bei Tiflis wurde eine Ringdrossel noch am 9./21. April 
geschossen, sie trägt das reine Hochzeitskleid. Ein Päärchen brachte ich aus einer 
Höhe von circa 10000‘ über dem Meere vom Sawalan mit; es wurde am 20. Juni / 
2. Juli geschossen. Die Kleider beider Vögel sind ungemein abgenutzt, das Weibchen 
beginnt an der Kehle die Mauser. 

Das Nest dieses Päärchens weicht von dem gewöhnlichen im alpinen Rhodo- 
dendron-Gebüsche stehenden ab, weshalb ich darüber Näheres mittheile. Es war ın 
eine Felsenspalte eingeklemmt, so dass 2 seiner Seiten scharf zusammengedrückt er- 
scheinen und es eine fast dreieckige Gestalt erhielt. Es ist ungemein fest gebaut, 


=) Bogdanow, Die Vögel des Kaukasus {russ.) pag. SO. 


Turdus torquatus. 271 


110 mm. an der Aussenwand hoch und besitzt 40 mm. innere Tiefe. Boden und 
Wandungen sind mit Hülfe von Erde (wie es scheint von den Sümpfen her) 
ungemein fest gezimmert. Von Aussen aber sieht man nur stärkere Stengel von 
Gramineen und selten etwas Moos. Das Material der inneren Wandung ist feiner, aber 
gleichartig, es fehlt ein wirkliches Polster und es wurde hier nicht geschmiert. Die 
beiden Eier waren wenig bebrütet und normal. Ich messe: Höhe 30, Breite 22 mm. 


Lebensweise und Aufenthalt. 


Die Ringdrossel gehört der alpinen Rrkododendron-Zone im gesammten Kaukasus 
an und zwar als Brutvogel und hat im Sommer, also mit dieser ihre eigenthümliche 
Verbreitung, denn Rhododendron caucasicum ist oberhalb der Baumgrenze durch die 
basalalpine Vegetationszone hindurch bis zur Basis der hochalpinen durchaus nicht 
überall zu finden, vielmehr in seinem Vorkommen sehr eigensinnig. Scharf setzt es 
an den Rämmen der Gebirge ab, die Nordgehänge in dichten, niederliegenden schwarz- 
grünen Gebüschen weithin deckend, aber nicht einen Fuss breit auf die Südseiten gehend. 
In diesen schwer zugänglichen Gebieten, wo die Königin der alpinen Gewächse in 
despotischer Exklusivität herrscht, brütet die schöne Ringdrossel im Sommer, dort brütet 
auch Teirao acatoptrieus (T. Mlocosiewicxi). Hier nun präsentirt sich uns wiederum 
eines jener etwas fremdartigen, aber herrlichen Detailbilder des Hochgebirges, welches 
einem geschickten Pinsel Ehre machen würde. Zeitiger noch als der tiefe Schnee ganz 
fortthaut und die durch ihn noch mehr niedergedrückten Alpenrosengesträuche frei 
macht, kommen die Ringdrosseln in ihrem Revier an. Unsere Vögel (Ende März in 
Borshom) waren, wie auch die Singdrosseln, schon auf dem Zuge. Ich muss das an- 
nehmen, weil man im Winter, wenigstens von December bis Februar, schwerlich Ring- 
drosseln zu Gesicht bekommt und sie wohl alle im Oktober und November fortziehen. 
Die Baumgrenze halten sie dann im April besetzt und gehen vor Mitte Mai gewiss nicht 
ans Nestmachen und vor Ende des Monats an’s Brüten. Es ist dann dort oben wunderschön; 
eine kalte, frische Luft, oft Wolkenbad; unten tragen die Birken das volle Laub, oben 
stehen vereinzelt noch hier und da ein Paar niedrige Ebereschen. An den Rändern der 
Rhododendron-Bestände, die, gleich mehr oder weniger gegliederten Kontinenten, im 
Meere der üppigen Alpenwiesen hingeworfen erscheinen, webt der herrlichste Blumenflor 
mit seinen Primeln und Ranunkeln, seinen Corydalis und Potentillen den Teppich. 
Schon entdrängen sich die dichtgestellten Blüthenstände der Alpenrosen den Spitzen 
der Aeste, alle in gleicher Höhe, alle auf dem dunkeln Grün der lederstraffen Blätter. 
Unter diesen liegt im Gewirre der hinlaufenden Wurzeln das Nest, ähnlich dem der 
Amsel, äusserlich von Moos umgeben, innerlich glattwandig und geschmiert. Aber der 
Sommer schreitet hier oben eilig vor. — Die ersten Alpenrosen blühen schon, jeder 
Morgensonnenstrahl küsst neue Kronen, die sich erschliessen ; grosse, weissgelbliche, im 
dunkeln Laubwerke hingeworfene Blumengruppen erscheinen überall und dazu eine 
heilige Ruhe. Kein Raubvogel, keine Störung, tiefer Friede! So kommen die Ringdrosseln 
im Kaukasus zur Welt. Im Kiefern-Knieholze der Alpen, Karpathen, Schwedens ist es 
wohl auch einsam, aber nicht so schön. 

Wie schon gesagt, so bin ich im gesammten Gebiete von Rhododendron cau- 
casicum dem Vogel überall im Sommer begegnet, doch war er nirgends häufig, meistens 
nur in einzelnen Paaren anzutreffen. Am Schambobell, im Süden von Achalzich, kenne 


272 Turdus torquatus. — Turdus merula. 


ich ihn aus einer Höhe von 8000° über dem Meere. Hier gab es am 9./21. Juli 1865 
flügge Junge. 

Liest im Frühjahre die Randgebirgszone des Kleinen Kaukasus noch in tiefem 
Schnee, so leben die Ringdrosseln am Fusse dieser Zone. So traf ich sie in den ersten 
Tagen des April bei Bukuriani an. Die Individuen lebten getrennt, die Männchen lockten 
noch nicht, schlugen aber beim Auffliegen ganz in der Art der Amsel (ohne Pfiff, 
sondern nur 8—10mal hintereinander schnarrend) an. Sie lebten hier in den Hochkiefern 
und vertreten überhaupt in der oberen Gebirgszone die Amsel, weshalb auch die russische 
Benennung recht treffend ist. 


174. Turdus merula L. 


Russisch: Tscherny drosd, d. h. Schwarz-Drossel. 
Tatarisch: Kara-tauch. 
Grusinisch: Schoschra. 
Armenisch: Mschaaw. 


Systematisches. 

Meine kaukasischen Amseln, ein Dutzend Exemplare, von Tiflis, Lenkoran und 
Borshom stammend, geben mir zu keinen Bemerkungen systematischer Natur Veran- 
lassung. Die hochgebauten, sehr regelmässig gewölbten Nester sind stets im Innern 
fest und glatt mit Lehm gewandet, von aussen sind sie vollständig mit Moos belegt. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Die Schwarzdrossel gehört der gesammten heissen und gemässigten Zone, wo sie 
Strauchwerk und Buschwald besitzt, bis zur Höhe von durchschnittlich 6000‘ über dem 
Meere an und wandert wohl nur aus den oberen Regionen im Winter thalabwärts. Als 
seltene Ausnahme traf ich sie im Freien-Swanien im Gebiete der Baumgrenze noch in 
einer Höhe von 7060‘ über dem Meere an. Bei dem Dorfe Jibiani pfiff sie noch An- 
fangs Juli. Die unzugänglichen Pahkurus-Gebüsche und die mit Smilax-Netzen förmlich 
überworfenen dornigen Unterhölzer der heissen Zone liebt die Amsel vornehmlich. Im 
geschlossenen Walde gefällt es ihr nicht und verbleibt sie an den Rändern desselben im 
Crataegus- und Corylus-Gehölze: so findet man sie auch in den oberen Gegenden ihres 
Verbreitungsgebietes, wo Paliurus fehlt, z. B. in den mingrelischen Hochthälern. 

Die Amseln locken noch nach Sonnenuntergang und schlagen morgens schon 
bei erster Dämmerung an. Schon am 10./22. März 1866 schlugen die Amseln sammt 
den Finken in Borshom um die Wette (Ausnahme, sehr zeitiges Frühjahr). Doch hängt 
bei beiden das Hochzeitslied vom Frühlinge ab. Es giebt späte Jahre, in denen die 
ganze Natur 4, ja sogar 5 Wochen zurückbleibt und dann verspäten sich auch beide Sänger 
mit ihren Liedern. Da es an wirklichen Sängern im kaukasischen Walde sehr fehlt, 
so gebührt der Amsel als Singvogel bei uns die erste Stelle, zumal in der heissen und 
gemässigten Zone. Sie ist auch in der That daselbst so gemein, dass zumal nach 
kurzen Nachmittags-Regenschauern im Mai, wenn es gegen Abend wieder klar wird, 
man aus dem Unterholze von überall her den herrlichen Amselschlag vernehmen kann. 
In den ersten Tagen des April 1879 und auch 1882 sangen die Amseln in Borshom 
gar nicht: erst als 1879 mit dem 6./18., 1882 mit dem 12./24. April das Wetter sich 
änderte und plötzlich sommerliche Hitze eintrat, welche die Vegetation unglaublich 


Turdus merula. — Cinclus aquaticus. 273 


rasch zur Entwickelung brachte, jubelten auch die Amseln überall. Die in Borshom 
_ gebauten Nester haben äusserlich breite, lockere Moosgeflechte, vornehmlich von zwei 
Hypnum-Arten (H. molluscum und triquelrum), die innere Wand, von feinen Wurzeln 
gefügt, ist glatt und fest mit Erde verschmiert. Man findet die Nester im Unterholze 
oft nahe bei- den Wohnungen. Schon am 2./14. Mai giebt es in frühen Jahren bei 
Tiflis Junge, die zum AÄusflattern tüchtig waren. Die Amsel ist auf den Bazaren der 
kaukasischen Städte und überhaupt bei den Eingebornen nächst der Wachtel der häufigste 
Schmuckvogel und pfeift bisweilen im Gebauer ganz ausgezeichnet schön und mit Varia- 
tionen. In grosser Zahl fand ich die Amseln im Talyscher Tieflande während des Winters. 
Mitte März verhielten sie sich daselbst noch sehr ruhig. Erst mit dem warmen Früh- 
lingswetter gegen Ende des Monats begann der Schlag. 


175. Cinclus aquaticus Bechst. typ. 
et var.: melanogaster Temm., 


var.: cashmiriensis Gould. 
Russisch: Wodjanot drosd, d. h. Wasserdrossel. 


Systematisches. 

Auch die Wasseramseln des Kaukasus bringen Beweise dafür bei, wie die in 
Farbe und Gestaltung vermittelnden Glieder mancher Vogelarten, welche von Norden 
nach Süden hin eine weite Verbreitung haben, gerade hier im Kaukasus leben. Von 
meinen 8 Wasseramseln ist keine ganz genau ©. aquaticus typ., keine auch ganz genau 
C. melanogaster und auch nicht vollkommen (. cashmiriensis. Einige Vögel zeichnen 
sich durch geringeren Wuchs aus, worüber die Tabelle Auskunft giebt. Nachdem Blan- 
ford *) zuerst seine persischen Exemplare dieser Art zuzählte, durch Dresser aber 
überzeugt wurde, dass er es mit dem Gould’schen C. cashmiriensis zu thun habe, 
kommt er schliesslich doch dazu, die Perser als O. aqualicus aufzuführen und daraus 
eine Varietät zu machen. Gewiss müssen also die Unterschiede sehr geringe und nicht 
konstante sein, sonst wäre von ihm die Art entschieden aufrecht erhalten worden. Die 
meisten meiner Exemplare stehen dieser Varietät nahe. Bei den Kaukasiern geht das 
Weiss der Brust wohl noch bisweilen um °/, Zoll tiefer abwärts, als bei dem schwedischen 
©. melanogaster, aber es hält die Grenzen des europäischen ©. aquaticus ein. Doch sind 
diese Grenzen eben schwankende, wie ja auch das Braun des Leibes bei C. aquaticus 
durchaus nicht konstant ist, weder in Bezug auf den Farbenton, noch in Bezug auf 
Ausdehnung. So liegt mir z. B. ein Vogel aus Mähren vor, der näher in dieser Hin- 
sicht dem CO. melanogaster als dem typischen ©. aquaticus steht und in diesem Falle 
die artliche Selbstständigkeit sehr bezweifeln lässt. Die meisten meiner Vögel kaben 
kein gleichmässiges Schwarz auf der unteren Körperseite. Dasselbe geht in allmählicher 
Nuancirung in ein mattes Erdbraun über, welches bald heller, bald auch schwärzlicher 
erscheint, niemals aber rostig oder fuchsig, wie bei dem typischen ©. aquaticus wird. 
Das Braun des Kopfes und Halses ist bei den meisten Exemplaren so, wie es schwe- 
dische ©. melanogaster haben, bei anderen heller, leicht gelblich. 

Die Maasse ergeben sich nachstehend: 


*) Eastern Persia, Vol. II, pag. 213. 


Badde, Ornis caucasica. 35 


274 Cinclus aquatieus. — Troglodytes parvulus. 


| N eh | cashmiriensis. 
R 5 | land. |Schweden.| Kaukasus. 

Cinclus aquaticeus : ei: u Mn M W 
mm mm | mm mm mm 
Totallänge. . . ee]. 191] 1900|2 1702 ST ee 
Flügelbug bis zur Se  : | San il 86 85 82 
Länge des Schwanzes. . . | 60 1:63 59 56 56 
Länge des Schnabels auf der Hirste) gemessen | 19 | 19 19 16 15 
arsuss. a ne are ale 27 26 25 


Lebensweise und Verbreitung. 

Eine Breitenzone von 7000‘ nimmt die Art ein, doch so, dass der Vogel im 
Sommer die höheren, im Winter auch die tieferen und wärmeren Gebiete bewohnt. 
Im ersteren Falle sind ihm klare Gebirgsbäche mit Felsenufern, bald im Walde, bald 
auch im waldlosen Gebirge gelegen, am liebsten. Im Winter geht Oinchıs thalabwärts 
steigend den grösseren Bächen entlang und bleibt dann in den Vorstufen des Gebirges 
Standvogel. Bei Frost und Schnee singen die Wasseramseln schon im December sehr 
lebhaft. Am 29. Juli / 10. August gab es bei dem Anstritte des Ingur aus seiner Eng- 
schlucht in die Mingrelischen Vorberge ausgewachsene Junge, ebenso am Mangan-Bache 
unweit des erwähnten Ortes. Wo die Gebirgsbäche gar zu rapide fallen und zu trübe 
sind, fehlt Cönchus vollständig. Dies ist der Fall in der Ingur-Engschlucht von Lacha-_ 
muli bis Chudon und ebenso an den Hippos-Quellen. Im Rionbassin kann ich ihn bis 
oberhalb Glola (4700‘) nachweisen, wo am 26. August /”7. September sich familien- 
weise die Vögel am Wasser anfhielten. An den Quellläufen des Argunj und Alasan, im 
Lande der Chewsuren und Tuschen, habe ich Cinelus nur an den seitlichen, klaren 
Zuflüssen beobachtet; den trüben Gletscherbächen fehlt er und besucht die Hauptfurchen 
der viel Detritus schleppenden Gebirgsflüsse nur bei kleinem und klarem Wasserstande. 
Zum Winter kommt er auch an die Kura bei Tiflis. Am Oberlaufe des Schamchor gab 
es recht viele Wasseramseln, wo ich deren Anfangs November in einer Höhe von 
circa 5000‘ über dem Meere erlegte.e Am Goktschai-See überwintert der Vogel an den 
einfallenden Bächen, welche nicht ganz zufrieren. 


176. Troglodytes parvulus Koch. 
Russisch hier wie Regulus: Korolok und seltener: Krapiwnik. 
Armenisch: Korekkerik. 
Systematisches. 
Meine kaukasischen Vögel stimmen vollkommen mit deutschen (Witzenhausen, 
Graf H. von Berlepsch) überein, sind aber um eine Kleinigkeit dunkler; sie wurden 
bei Lenkoran und bei Tiflis im Winter geschossen. Die Vögelchen variiren in der Grösse 
recht bedeutend, ich gebe die extremen Maasse zweier Männchen von Lenkoran: 
Totallänge . . ea N. 
Flügelbug bis zur Pte es ee Te 
länge des Schwanzes „ . . 0. nen ala 


Troglodytes parvulus. — Bombyecilla garrula. 6 275 


Länge des Schnabels auf der Firste gemessen 12 1l mm 
RaTSU SS Ne re Ne Bee le 


Lebensweise und Verbreitung. 

In der gesammten mittleren und unteren Waldzone des Kaukasus und zwar 
meistens als Standvogel lebend, ist der Zaunkönig ganz besonders bei Lenkoran, sogar 
überall im Städtchen in den Gärten häufig. In harten, schneereichen Wintern erscheint 
er in kleinen Flügen an den todten Hecken der Gärten bei Tiflis. Am liebsten baut 
der Zaunkönig sein kunstvolles Nest in der Nähe der Gebirgsbäche, in einer Höhe von 
2—3000° über dem Meere, so z. B. in Borshom und wählt dazu die Verstecke zwischen 
den Wurzeln der Bäume am Bachufer. Ende März singt der Vogel schon sehr emsig 
und ist an der Borshomka häufig. Der Gesang währt bis Sonnenuntergang. Die Jäger 
erzählten mir, dass der Zaunkönig für den Winter besondere Nester ohne Federaus- 
fütterung baue, dies soll er im Herbste thun. Andere meinen, dass er beständig baue. 
Dieses erwähnt auch Brehm *), basirt namentlich auf die Beobachtungen Boenigk’s. 
Es ist wohl möglich, dass man ihn nach der ersten Brut zum zweitenmale sich zum 
Nestbau anschicken sieht. In den schweigsamen Hochwäldern der Ingurschlucht be- 
obachtete ich ihn mehrmals bei der Chuber-Brücke an alten, morschen Buchenstämmen. 
Die Zaunkönige waren im Winter die eifrigsten Sänger in Lenkoran, oft liessen sie ihre 
reizenden Weisen mitten am Tage hören. Am frühen Morgen, zumal bei klarem, stillem, 
wenn auch kaltem Wetter, schon vor Sonnenaufgang, hörte man sie von allen Seiten her. 
Ende März machten die Vögelchen Anstalten zum Brüten in den Gärten der Stadt. 
Dem dichtesten Walde und auch den Jongeln fehlt der Vogel nicht. 


177. Bombyecilla garrula L. 
Russisch: Szevristel. 
Systematisches. 

Ein altes Männchen, bei Tiflis im Februar erlegt, trägt sowohl die rothen 
Blättchen, als auch die Einkantungen an den Enden der grossen Schwingen ganz in 
der Art alter Vögel des Nordens. Zu meiner grossen Ueberraschung wurde am 6. / 18. 
December 1879 ein Weibchen bei Lenkoran geschossen (NB. Breite 38° 45‘ 38“, Länge 
66° 31' 28°). Es ist ein altes Weibchen, dessen Hornblättchen recht gross sind. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Es sind mir aus früheren Zeiten über das Vorkommen des Seidenschwanzes in 
Transkaukasien nur zwei Fälle bekannt geworden. Im harten Winter 1863—64 erschienen 
kleine Flüge im botanischen Garten, der von allen Lokalitäten bei Tiflis am vortheil- 
haftesten in klimatischer Hinsicht in Folge seiner geschützten Lage gegen Süden gelegen 
ist. Im Februar 1872 wurde ein Exemplar bei Tiflis geschossen, welches sich im Besitze 
Sr. Kaiserl. Hoheit des Grossfürsten Nicolai Michailowitsch befindet. 

Meines Wissens ist hiermit der erste Nachweis des Vorkommens von Bombyeilla 
in den transkaukasischen Gauen geliefert. Als ich im Winter 1879—80 in Lenkoran 


*) Thierleben, 1. Aufl. 3. Band, pag. 885. x 
35 * 


276 Bombyecilla garrula. — Lanius excubitor. 


lebte,‘ um die Materialien für diese Ornis zu ergänzen, wurde dort der oben erwähnte 
Vogel am 6. / 18. December erlegt und aus Derbent erhielt ich von dem dortigen Lehrer 
der Stadtschule Herın Nikolsky die Nachricht, dass es ihm gelungen sei, ebenfalls 
zwei dieser Vögel zu schiessen. Wir konnten uns demnach wohl auf einen kalten 
Winter gefasst machen und dieser setzte denn auch, freilich erst Mitte Januar, hier ein. 
Im gesammten Norden Europas aber war der Schluss des Jahres 1879 bekanntlich sehr 
kalt und dieses hatte die Seidenschwänze wohl veranlasst, so zeitig gegen Süden zu 
wandern. Ohne Zweifel geht der Vogel auch in die Tiefländer Gilans und Massenderans 
und darf also auch der persischen Ornis zugezählt werden. 


178. Lanius excubitor L. typ. 
et var.: Homeyeri Cab. 
Taf. XVIN, 1. 


„Bei der Begründung einer Art darf jedoch die Möglichkeit einer festen Unter- 
„scheidung erwartet werden; aber hier ist dieselbe vollkommen ausgeschlossen, indem sich 
„die Spiegeltheorie ganz unhaltbar erweist.‘ 

E. v. Homeyer: die europäischen, grossen Würger, 
Journal für Ornith. 1880, pag. 151. 

Das Nachfolgende wurde 1878 von mir geschrieben, noch ehe Homeyer’s Arbeit 
erschienen war. 

Systematisches. 

Bei Gelegenheit der Besprechung des grossen Würgers und seiner östlichen und 
südöstlichen „Form“ (Cabanis selbst braucht, obgleich er artlich trennt, gerade diesen 
Ausdruck”*) kann ich nicht umhin, auch auf Z. major und das, was ich über ihn in 
meinem sibirischen Reisewerke **) sagte, zurückzukommen. 

Mein verehrter Freund Cabanis schreibt, nachdem er Pallas’, Blasius’, 
L. Brehm’s und Eversmann’s Mittheilungen über Zanius major Pall. besprochen 
hat und zu den von mir gegebenen Erörterungen gelangt, schliesslich Folgendes: 

„Wir sehen, Freund Radde hatte ein reiches Material, seine Tafel ist gut besetzt, 
„aber Alles ist zu einem Ragoüt fin verarbeitet, aus dem kein Ornithologe die ver- 
„schiedenen Spezies herausschmecken kann und gerade die europäisch-russischen Land- 


„striche sind es, in welchen für die drei Arten Z. major, L. excubitor und L. Homeyeri 


„die End- oder Anfangspunkte ihrer geographischen Verbreitung sicherlich zu suchen 
„sind. Die präcise Auseinanderhaltung der dortigen Vorkommnisse ist dringend geboten.“ 

Nun besitze ich zwar hier in Tiflis kein so reiches Material, ich sitze nicht 
vor einer so reich gedeckten Tafel, als einstens im akademischen Museum in St. Peters- 
burg, allein jenes „Ragoüt fin“, d. h. eine Anzahl von grossen, grauen Würgern aus 
Deutschland, Schweden und aus dem Kaukasus, steht vor mir und ich muss es wieder, 
obgleich ich wohl die einzelnen Stückchen mit verfeinerter Gourmandise zu finden weiss, 
doch nur als Ragoüt geniessen. Die Natur selbst hat dies Gericht so gemacht, d. h. 
die Differenzen zwischen ZL. major, excubitor und Homeyeri sind nicht beständig, nicht 


*) Cabanis, Journal für Ornithologie, 1873, Protokoll der XLIX. Monatssitzung pag. 75 et sq. 
**) Reisen im Süden von Östsibirien, Bd. I, pag. 274 ft. 


Lanius excubitor. Dein 


stichhaltig, wir können sie nicht in allen Details an den verschiedenen Individuen 
konsequent nachweisen und deshalb haben wir auch nicht das Recht, diese Vögel als 
Arten zu betrachten; sagt doch der Veteran der Ornithologen, Professor Cabanis selbst 
(l. e. pag. 76): „Uebergänge von einer Art zur anderen giebt es, beiläufig 
bemerkt, in der Natur nicht, es wären denn Bastarde“. Diese diktatorische Lehre 
werden Wenige acceptiren. Jeder unbefangene Blick in die freie Natur wird dem Auge 
die unerschöpflichsten Reihen von Formenvarianten vorführen, sowohl in Grösse und 
Zahl, wie in Habitus und Farbe. Spricht doch sogar die Mineralogie von variirenden 
Individuen, also da, wo die Bildungsgesetze einfacher sind und die Analyse absolute 
chemische Identität nachweist; hat man doch aus dem Pflanzenreiche für einzelne 
Spezies durch einfaches Ueberführen derselben aus höheren in tiefere Zonen sehr bald 
sich jene typischen alpinen in die typischen Tieflandsformen umändern sehen, und 
damit den eklatantesten Beweis für klimatische Einflüsse geliefert. Jede Berechtigung 
individueller Entwickelung, jeder Einfluss von Licht und Wärme, jede Einwirkung ver- 
änderter Lebensweise, mit einem Worte, alle Grundlagen biologischen Schaffens müssten 
verneint werden, wenn wir der Art das Variiren ohne Weiteres absprechen wollten. 
Es ist merkwürdig, dass gerade in der Zeit eines ohne Zweifel von Manchen zu weit 
getriebenen Darwinismus es andererseits ernste Forscher gibt, welche dem lebenden 
Organismus jedwede Abänderungsfähigkeit bestreiten wollen und die geringfügigsten 
Variationen viel lieber zu neuen Arten kreiren, als der schöpferischen Natur ihre Rechte 
lassen; denen Alles, was kreucht und fleugt, wie eine schematische Tabelle vorkommt, 
in die sich jedwedes Vieh geduldig als selbstständige Art zwingen lassen muss. 

Wollen wir konsequent sein! Entweder das Eine oder das Andere. Entweder 
jede Abänderung als Art hinstellen und damit für manches Genus soviel Arten, als 
Individuen vorhanden sind, schaffen, oder aber dem Individuum als lebendigem, bildendem 
Organismus sein Recht, das Abweichen, lassen und die Lebensprozesse nicht als 
mathematischen Mechanismus betrachten, somit zunächst die persönliche Variation zu- 
geben. Das Endziel, welches der letztere Standpunkt systematischer Forschung erstrebt, 
besteht darin: aus reichem Materiale von den verschiedensten Lokalitäten den durch- 
greifenden Normaltypus und die von ihm abweichenden extremsten und vermittelnden 
Formen kennen zu lernen und diese Abweichungen durch geschlossene Ketten von 
Uebergängen zu verbinden. Wo das dem Forscher gelingt, da wird sein Blick klarer. 
Er umfasst das gesammte Verbreitungsgebiet der betreffenden Art und versucht, den 
physikalischen Differenzen in demselben Rechnung tragend, nach den vorliegenden 
Beobachtungen, feste Momente, welche von bestimmendem Einflusse auf die Variation 
sind, zu ermitteln. Der andere Weg, wenn er ihm konsequent folgt, schafft ihm ein 
Chaos von Namen und Formen, in welchem er sich selbst nicht mehr zurecht findet. 
Oft schon ist es vorgekommen, dass die Autoren ihre selbstgeschaffenen Spezies nicht 
richtig erkennen konnten. 

Wir wollen nun sehen, wie es sich in dieser Hinsicht mit Z. excubitor und 
L. Homeyeri verhält, und dabei Cabanıs Wort für Wort folgen, seine Lehre an unseren 
Vögeln prüfend. 

Im Februar 1864 erlegte ich bei Tiflis einen alten, weiblichen Zanius, welcher 
dem L. Homeyeri wohl am besten entspricht. Zwei grosse, weisse Spiegel stehen auf 
dem Flügel; der erste auf den Primärschwingen, schon mit der zweiten derselben 


278 Lanius exeubitor. 


beginnend, endet mit dem Vorderrande 45 mm. vor der Flügelspitze; der zweite nimmt 
reichlich die Basalhälfte der Sekundärschwingen ein, wird aber durch die schwarzen 
Scapularfedern natürlich zum grossen Theile verdeckt. Die äussere Schwanzfeder ist 
ganz weiss, ihr Schaft ist über °/,, von der Basis an gerechnet, schwarz, dann weiss; 
die zweite Steuerfeder: Aussenfahne weiss, Innenfahne oberhalb der Mitte mit schwarzem, 
zum Rande hin nach unten verlängertem, breitem Bande, Basis weiss; dritte Steuer- 
feder: Basis und untere Hälfte der Aussenfahne weiss, eine zolllange Strecke oberhalb 
der Mitte schwarz, Innenfahne '/, der Gesammtlänge an der Spitze und Basis weiss, 
sonst schwarz; vierte Steuerfeder: Basis und schräge aufwärts zur Aussenfahne reichende 
weisse Binde, auf dieser noch über Zolllänge einnehmend, sonst schwarz; fünfte Steuer- 
feder: Basis weiss, nur eine Lunula von gleicher Farbe an der Spitze, sonst schwarz; 
Mittelsteuerfedern: nur an der Basis weiss, sonst schwarz; Superciliarstreifen schmal, 
weiss, Stirnbasis kaum etwas heller, als der obere Kopf; die oberen Schwanzdecken 
rein weiss, Bürzel etwas in Grau ziehend, doch viel heller als der Rücken; die Enden 
der Schwingen zweiter Ordnung, zumal die der inneren, breit weiss, doch nicht so 
stark wie bei Z. lahtora, der mir zum Vergleiche vorliegt; die seitlichen Rückenfedern, 
welche den tiefschwarzen Flügel zum Theile decken, ebenfalls mehr weiss als grau. 
Die untere Seite des Flügels besitzt auf kaum getrübtem, weissem Fond die schwachen, 
grauen Wellenlinien, wie solche auch älteren Weibchen von Z2. exeubitor lange ver- 
bleiben. Das Gesagte wird wohl genügen, um meinen Vogel als Z. Homeyeri zu quali- 
fiziren. Diesem nun steht von allen meinen Exemplaren ein Z. exeubilor aus Cassel!! 
(also aus dem Centrum der geographischen Verbreitung des typischen Z. exeubitor *) 
am nächsten. Auf dem Schwanze sehe ich an demselben dieselbe Vertheilung von 
Schwarz und Weiss, ja auf der zweiten Steuerfeder ist letzteres noch mehr verbreitet 
am deutschen als am kaukasischen Vogel, die oberen Schwanzdecken sind ebenfalls 
weiss, der Bürzel von Rückenfarbe, die beiden Flügelspiegel sind noch mächtiger bei 
dem Casseler Exemplar als bei dem Tifliser, die weissen Enden der Schwingen zweiter 
Ordnung halten das Maass schwedischer Exemplare von exeubitor ‚ein. Stirn und Augen- 
streifen sind kaum angedeutet. Auch dieser Vogel ist ein altes Weibchen ohne die 
grauen Wellenlinien auf der Brust. Er ist auch um ein Geringes kleiner, als die 
meisten europäischen Exemplare von Z. exewubitor und repräsentirt also einen Vogel, 
welcher Manches vom L. excubilor und Anderes wieder von ZL. Homeyeri besitzt. Ein 
dritter Vogel, im Dezember 1866 bei Tiflis erlegt, ist ein jüngeres Männchen. Die 
ganze Brustseite desselben besitzt noch die deutlichen grauen Wellenlinien. Dieses 
Exemplar stimmt nun wieder vortrefflich zu einem alten, schwedischen Männchen von 
L. excubilor, besitzt den Bürzel und die oberen Schwanzdecken wie jener aus dem 
Norden, zeigt den oberen Spiegel nur sehr wenig, weil nur die drei ersten der Schwingen 
zweiter Ordnung von der Basis her zur Spitze auf den Aussen- und Innenfahnen weiss 
sind, die vierte schon eine schwarze Aussenfahne besitzt. und lässt auch den unteren 
Spiegel auf den grossen Schwingen nur im normalen Grössenmaasse des L. exeubilor 
erscheinen. Dagegen ist namentlich hinter dem Auge der weisse Streifen deutlicher 
und die Stirnbasis namentlich, wenn auch nicht rein weiss, so doch sehr viel heller, 


”) Cabanis sagt pag. 75: L. exeubitor wird aber eigentlich als centraleuropäische Form zu 
betrachten sein, welche im Südwesten durch meridionalis und im Südosten durch L. Homeyeri ersetzt wird. 


7 


Lanius excubitor. 279 


als die Kopffarbe. Dieser Vogel stimmt also besser zum Z. excubitor typ., als 
zum L. Homeyer:. 

Ein vierter Vogel, junges Männchen, am 5. / 17. Dezember bei Tiflis erlegt, 
ist in jeder Hinsicht ein typischer Z. excubitor. Nun ist noch ein jüngeres Männchen, 
welches bei der deutschen Kolonie Elisabeththai im Februar 1871 erlest wurde, zu 
erörtern. Dieser Vogel zeigt nur einen Spiegel, weil die neun ersten Schwingen, 1—9 
incl., den Basaltheil bis etwas über die Hälfte weiss besitzen. Die zehnte Schwinge 
hat bis zur Basis schwarze Aussenfahne, auf den anderen Schwingen zweiter Ordnung 
ist das Weiss so gering an ihren Basaltheilen, dass es vollständig verdeckt wird und 
die hintersten besitzen es gar nicht. Die weissen Endumrandungen an den Schwingen 
zweiter Ordnung finde ich normal, d. h. wie bei 2. eweubitor typ. Der Bürzel hat die 
Rückenfarbe, die Schwanzdecken sind kaum ein wenig heller, aber in der Vertheilung 
von Schwarz und Weiss bieten die Schwanzfedern wiederum Abweichungen. Die 
schwarzen Partieen überschreiten sogar schon auf der äusseren Steuerfeder das bei 
L. excubitor übliche Maass, da sie auf der Innenfahne eine breite, durchgehende, mehr 
als einen Zoll fassende Binde bilden. Gerade dieser Vogel besitzt nun das Weiss der 

tirnbasis viel deutlicher, als die anderen, schon besprochenen. 

Was soll ich nun mit diesen unter sich in Bezug auf Farbenvertheilung mehr 
oder weniger variirenden Würgern anfangen? Soll ich dieses „Ragoüt“ als solches 
systematisch verspeisen? Soll ich nein sagen und behaupten, dass Lanius major — denn 
diesem steht der zuletzt besprochene Vogel näher, als dem Z. excubitor typ. — und L. 
Homeyeri hier in Transkaukasien im Winter beisammen leben, sich also die Verbreitungs- 
gebiete der drei Arten durchkreuzen, wie das ja auch bei Garrulus glandarius statt- 
haben musste, wenn man die Varietäten als feste Arten nach dem Beispiele vieler 
Ornithologen trennen wollte? Und endlich: Gewinne ich nach gewissenhaftester Unter- 
suchung wirklich die Ueberzeugung, dass in diesem, wie in so vielen anderen Fällen, 
die Vertheilung von Schwarz und Weiss in den Grössen. konstant ist? Sicherlich nicht. 
Unmöglich kann ich daraufhin allein eine Art in meinem Sinne kreiren und die von 
mir gewonnene Ueberzeugung ist die: 

Es giebt einen grossen, grauen Würger in der paläarktischen Ornis, den man 
Lanius excubilor genannt hat. Dieser variirt in Hinsicht auf die Vertheilung von 
Schwarz und Weiss auf den Flügeln und am Schwanze, von Grau und Weiss auf dem 
Bürzel und am Kopfe. Normal findet man ihn gewöhnlich im mittleren Europa; nach 
Osten und Norden hin, in Asien, ändert er in die Varietät major Pall. ab, nach Süd- 
osten hin in die Varietät Homeyeri Cab. Im Kaukasus giebt es Individuen, welche 
bald dieser bald jener Varietät nahe stehen. Dieses sind meine Resultate, die Manchem 
genehm sein werden, Anderen nicht acceptabel erscheinen mögen, weil der Gang der 
Untersuchungen und danach die gewonnenen Ueberzeugungen verschieden sind. Wer 
die Abänderung der Art überhaupt absolut in Ahrede stellt, wird in die bedenkliche 
Lage kommen, wenn er konsequent verfährt, aus jedem Individuum eine Art, wenigstens 
bei manchen Vogelarten, zu machen. 

Diese Arbeit schrieb ich im Sommer 1878. Nun habe ich nachträglich die 
Genugthuung, dass ein so tüchtiger Ornithologe wie E. v. Homeyer in Bezug auf die 
Würger ganz meinen Standpunkt einnimmt, nachdem er an L. excubitor das ungeheure 
Material von 70 Exemplaren prüfte. 


280 Lanius exeubitor, 


Erst nach Abschluss meines Manuskriptes habe ich von der schönen Arbeit des 
Herrn Modest Bogdanow *) profitiren können. Mit wahrem Bienenfleisse hat selbiger 
nach bedeutendem Material die Würger und namentlich auch die grauen Würger Russ- 
lands erörtert und hält die artliche Selbstständigkeit von Z. major Pall. — L. borealis 
Vieill. aufrecht. Meine Ansichten wurden vom Herrn Verfasser im Sinne von Cabanis 
mit Citirung seiner Worte beurtheilt. Nichtsdestoweniger ersehen wir zunächst auf 
pag. 101 und 102, dass der in Rede stehende grosse, graue Würger in drei Varietäten 
sein weites Verbreitungsgebiet bewohnt, die vom Verfasser als Z. borealis americanus, 
L. borealis sibirieus und L. borealis europaeus unterschieden werden und zwar nur nach’ 
den grauen Farbentönen der oberen Körperseite. Die Varianten in Bezug auf Doppel- 
oder Simpelspiegel giebt der Verfasser pag. 109 zu, da aber der mehr oder weniger 
entwickelte zweite Spiegel von den oberen Federn verdeckt ist und nicht gesehen wird, 
so hält Herr Bogdanow das diagnostische Merkmal des einfachen Spiegels für zulässig. 
Auch die Vertheilung vom Weiss auf den Schwanzfedern giebt der Verfasser als sehr 
variabel zu. 

Als Endresultat ergiebt sich pag. 110 Folgendes (wörtlich): 

„Der sibirische, grosse, graue Würger (L. major Pall.) ist eine in ihren Arten- 
„kennzeichen auffallend variirende Form. Die besonders scharfen und ausgeprägten 
„Merkmale dieser Art sind bedingt durch die Färbung der oberen und unteren Körper- 
„seite und den einfachen Spiegel. Die Anfänge des zweiten Spiegels (auf der Basis 
„der Schwingen zweiter Ordnung) erscheinen zwar bei manchen Individuen, doch darf 
„das nicht die artliche Vereinigung von L. major und Z. exeubitor veranlassen, selbst 
„dann nicht, wenn, wie Taczanowsky versichert, dieser zweite Spiegel 17”—20 mm 
„erreicht. (Warum nicht?) Die schmutzige, dunkelgraue Farbe des Rückens 
„mit bräunlichem Anfluge und die ebenfalls schmutzige, weisse Farbe 
„der unteren Seite mit graulichem Anfluge, mit den beständig ver- 
„bleibenden Querlinien, endlich der einfache Spiegel, geben die besten 
„Merkmale zur artlichen Unterscheidung des. sibirischen grossen Würgers vom euro- 
„päischen Z. exeubitor. Schwanzzeichnung und -Färbung, sowie die Farbe der unteren 
„Schwanzfedern geben keine Anhaltspunkte, weil sie sehr variabel sind. Schnabelform 
„und -Farbe, der Grösse des Tarsus und überhaupt allen plastischen Verhältnissen ist gar 
„keine diagnostische Bedeutung beizulegen, weil erstens die Unterschiede bei beiden 
„Arten nur geringe sind und zweitens weil diese Theile bei beiden variiren.“ 

Es bleibt also für Zanius major Pall. nur das dunklere Kolorit, denn in Bezug 
auf den zweiten Spiegel wird die Meinung unter den Autoritäten wohl sehr getheilt 
bleiben. Soweit meine Erfahrungen über die Nuancen der grauen Farbe bei den 
Würgern reichen, muss ich doch eingestehen, dass sie bei allen, auch bei L. minor, 
nicht konstant sind. Zunächst betheiligt sich an der grösseren Reinheit und Klarheit 
dieser Farbe ganz entschieden das Alter des Vogels, dann mag auch individuelle Eigen- 
thümlichkeit hier statthaben. Ich finde daher keinen Grund, der meine frühere Ueber- 
zeugung abändern könnte und halte auch heute noch Z. major Pall. für eine Varietät 
von L. excubitor. Mir zur Seite stehen Autoritäten wie Sharpe, Dresser, E. v. 
Homeyer, vielleicht auch Taczanowsky. 


*) Bogdanow, Die Würger der Russischen Fauna und ihre Verwandten, St. Petersb. 1881, in 
russ. Sprache, Edition der Kaiserl. Akademie der Wissenschaften. 


Lanius excubitor. — Lanius lahtora. 281 


In dem Abschnitte über Z. excubitor des Herrn M. Bogdanow pag. 130—142 
macht der Autor, Seite 132, auf die grosse Variabilität dieser Art, sowohl im Wuchse, 
wie auch in der Vertheilung von Schwarz und Weiss aufmerksam. Seite 134 heisst es: 
„Ausser jenen Abänderungen im Wuchse und solchen, die vom Vertragen und Abbleichen 
„der Federn herrühren, giebt es am grauen Würger viele kleine, ganz individuelle 
„Abweichungen von seinem Typus. Die Grösse der weissen Flügelspiesel und der 
„weissen Schwanzflecken unterliegen grossen Schwankungen, die Breite der weissen 
„Endbinden auf den Schwingen zweiter Ordnung variirt ebenfalls. Ueberdies weichen 
„die westlichen und die nördlichen Exemplare sehr von den östlichen ab.“ Pag. 135 
„heisst es: „Die nordischen und die westlichen Exemplare von Z. exeubitor stehen 
„dem Kolorit nach nahe dem Z. borealis europaeus, während die östlichen offenbar den 
„Uebergang zu L. Homeyeri bilden.“ Hier also giebt der Autor, welcher sich bei 
der Behandlung von Z. major dazu entschliessen musste, die Unterschiede in der Plastik 
und in der Spiegelbildung als unhaltbar für die artliche Trennung zu erklären, zu, 
dass 2. exeubitor dem L. borealis europaeus auch in der allgemeinen Koloritfärbung 
ganz nahe stehe. 

Ich glaube, dass wenn die Vertreter der einen Richtung,- welche da artlich 
trennen, wo sie selbst den Beweis von vermittelnden Uebergangsformen liefern, ihr 
Recht behaupten, es denen der anderen Richtung, welche solche variirenden, weit- 
verbreiteten Spezies als einheitliche behandeln, ebenfalls erlaubt sein wird, an ihrer 
Ueberzeugung festzuhalten und dass es nicht nöthig sei, zu kulinarischen Vergleichen 
zu greifen, um die Haltbarkeit unhaltbarer Arten zu beweisen. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Ich kenne den Vogel nur aus der Winterzeit in Transkaukasien, auch wird er 
weder von de Filippi noch von M&nötries in den betreffenden Verzeichnissen an- 
geführt. Zweifelsohne brütet er aber auch hier, wie das für das südrussische Steppen- 
gebiet nachgewiesen ist. Es scheint, dass er an der Nordseite des Grossen Kaukasus 
in den Ebenen häufiger ist. Bogdanow*) führt ihn von dort her als Sommervogel 
‚ auf. Ich traf ihn im Januar im Gebüsche auf den Inseln der Kura, doch nur vereinzelt, 
an, desgleichen auch in den Thälern der Jora und des Alasan Ende März, als ZL. collurio 
noch nicht angekommen war. Ostwärts lebte er im November immer nur vereinzelt 
und selten in den Gebüschen der Jongeln und wurde auf den Spitzen von Palhiurus 
ruhend angetroffen, so auch in den Bergen von Schemacha. Aus dem Talyscher Tief- 
lande ist mir diese Art im Winter nicht bekannt geworden. 


179. Lanius lahtora Sykes. 


Systematisches. 

Am 13. / 25. November 1879 wurde bei Lenkoran ein Würger geschossen, 
welcher ebensowohl zu einem bei W. Schlüter erstandenen nordafrikanischen Vogel, 
wie auch zu den Abbildungen und Beschreibungen Dressers**) vollkommen passt. Es 
ist dies das einzige Exemplar, welches bis jetzt im Kaukasus gefunden wurde, ein 


*) Bogdanow, Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 85. 
*) Dresser, The birds etc., Parts XI, XII, 1872. 


Badde, Ornis caucasica. 36 


283 . Lanius lahtora. — Lanius minor. 


Männchen. Mein Vogel ist obenher sehr hellgrau und ganz leicht lehmgelblich über- 
flogen, noch heller als der Afrikaner. Die gesammten Scapularfedern sind rein weiss, 
leicht in gelblich getrübt. Die Schwingen zweiter Ordnung sind alle breit weiss 
gekantet und ihre Innenfahnen ebenfalls. An den Enden der grossen Schwingen stehen 
breite weisse Kanten, die bei dem Afrikaner noch mehr ausgebildet sind, als an meinem 
Vogel. Der Flügelspiegel ist bei beiden Vögeln ganz gleich. An den Schwanzfedern 
waltet wieder bei meinem Exemplare etwas mehr Weiss vor. Die beiden seitlichen 
Steuerfedern sind bei ihm ganz weiss, der Schaft der zweiten schwarz, die folgenden 
haben successive an Grösse abnehmende Keilflecken an der Spitze, die vier mittelsten 
sind schwarz mit schmalen, weissen Endbindchen. Nun ist noch des Augenstreifens 
zu erwähnen. Er ist an meinem Vogel reduzirt, vor dem Auge kaum angedeutet, die 
Stirnbasis ist graugelblich. Das wäre Alles, wodurch er sich vom Afrikaner ein wenig 
unterscheidet. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Der Vogel lebte ganz wie Z. excubitor, bevorzugte die Spitzen der Gebüsche 
zum Sitzen. Von Nordafrika über Palästina und Südpersien bis nach Indien ist diese 
Art nachgewiesen. Unser Fundort erweitert die äusserste Polargrenze desselben bis 
unter 38'/,° nördlicher Breite. 


180. Lanius minor Gml. typ. 
et var.: obseurior Radde. 
Taf. XVII. 2. 


Systematisches. 

Die Vertheilung von Weiss und Schwarz auf den Steuerfedern unterliegt auch 
bei dem kleinen Würger recht bedeutenden Schwankungen. Die meisten Kaukasier 
besitzen die beiden äussersten Schwanzfedern ganz weiss. Ebenso ist der weisse Flügel- 
spiegel bei den kaukasischen Exemplaren stärker, als bei Central-Europäern ausgebildet. 
Uebrigens stimmen meine Vögel gut zu deutschen. Die schöne Weinfarbe der unteren 
Körperseite wird bei alten Männchen oft so intensiv, wie wir bei L. meridionalis sie 
zu sehen gewöhnt sind. Jüngere Vögel zeigen das Grau des Rückens und namentlich 
des Bürzels in Lehmgelb überflogen. Auch die Breite des schwarzen Stirnfeldes ist 
variabel. Zwei meiner Männchen besitzen sie bis zur Mitte des Kopfes. Ein Männchen 
meiner Suite, die aus 15 Exemplaren besteht, fällt durch das trübe und dunkle Gefieder 
auf. Ich habe hier einen Vogel vor mir, der den Uebergang vom ZL., minor typ. zum 
L. algeriensis Les. gut vermittelt. Die gesammte obere Seite ist trübe schiefergrau, 
unten sind nur die Kehle und die Subcaudales weiss, das Uebrige ein in Grau getrübtes 
Weinroth, einige seitliche Federn an der Brust sind schon ganz grau. Die Schwanz- 
federn sind normal wie bei L.. minor. L. algeriensis hat bekanntlich nur ein kleines 
Verbreitungsgebiet *), worüber Salvin Mittheilungen macht. Ich besitze: den typischen 
Vogel und halte meinen nur für eine Varietät von Z. minor. 


*) Dresser, The birds ete., Part XVII. 


Lanius minor. — Lanius collurio. 283 


Zum Nestbau verwendet diese Art struppige und harte Gewächse der mageren 
Steppe. Namentlich finde ich in jedem Neste zur Wandung Anthemis candidissima und 
Alyssum-Arten verwendet. Dazwischen befindet sich viele Schafwolle, im Inneren kein 
besonderes Polster, sondern nur zartere Pflanzentheile.. Die Grundfarbe der Eier zieht 
bald mehr in’s Seegrüne, bald in’s Gelbliche. Ich messe: Höhendurchmesser 26 mm, 
Breitendurchmesser 19 mm. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Nächst dem Neuntödter ist dies die gemeinste Würgerart im Kaukasus, welche 
eine vertikale Verbreitungszone von circa 5000° einnimmt, doch aber am häufigsten 
in den dicht bewachsenen, mit allerlei Dornengebüsch und Schlingpflanzen bestandenen 
Thalsohlen der heissen Zone ist. Schon am 6 / 18. April 1866 wurde das erste 
Exemplar bei Lenkoran erlegt. Im Winter wird man kaum einen Vogel dieser Art, 
selbst in den wärmsten Gegenden Transkaukasiens antreffen. 


181. Lanius collurio L. 


Russisch: Alle Neuntödter nennt man: Sorokoput. 
Armenisch: Anzech. 


Systematisches. 

Ich spreche über fünfundzwanzig kaukasische Exemplare des gewöhnlichen 
Neuntödters und so konstant im Allgemeinen das Kleid dieses Vogels ist, so muss ich 
doch einer Abweichung Erwähnung thun. Es giebt nämlich alte Männchen, bei denen 
der schöne rothbraune Mantel des Rückens und der Flügel fast ganz verschwindet. 
Bei einem meiner Vögel, am 17. / 29. Mai bei Lenkoran erlegt, ist die obere Körper- 
seite schön aschgrau und nur ungemein leicht rostig da angeflogen, wo der Mantel 
sich befindet. Nur die Scapularfedern sind matt rostig, die oberen Flügeldecken aber, 
zumal dem Unterarme entlang, mehr grau als braun. Die zwanzig alten Männchen, 
welche vor mir stehen, bieten nun die nöthigen Uebergänge in der Entwickelung des 
Mantels, aber ganz normal wird er bei keinem, d. h. so breit und lang und intensiv 
rothbraun, wie ich ihn an deutschen Exemplaren sehe. Auch bei dem Neuntödter 
schwankt die Ausdehnung des weissen Basalfeldes bei den Männchen am Schwanze 
recht bedeutend. Bei meinen kaukasischen Vögeln ist dasselbe meistens etwas grösser, 
als bei den vor mir liegenden deutschen und schwedischen Exemplaren. Die Vögel 
von Derbent schliessen sich in dieser Hinsicht, wie in Bezug auf Mantelgrösse und 
-Farbe, am besten an die Europäer an. Die wenigen Weibchen meiner Suite zeigen die- 
selben Erscheinungen, reduzirte Mantelform und -Farbe. Am 4. / 16. Juni haben die 
Nestjungen die Schwanzfedern bis zu 20 mm vorgeschoben, am 24. Juni / 6. Juli sind 
die Jungen noch nicht ganz ausgewachsen (Tiflis). Ende Juli flogen am oberen Rion, 
im Radscha-Gau, die erwachsenen Jungen mit den Alten. Am 6. /18. September tragen 
die jungen Weibchen das obenher rostrothe, schwarz gebänderte und gewellte Gefieder. 

Das Material zum Nestbau varürt sehr. Bei Tiflis besteht es vornehmlich aus 
feinen Wurzeln und Stengeln und ist hoch gebaut. Bei Lenkoran verbraucht der Vogel 
allerlei grobstengelige Pflanzen und füttert im Innern mit Gramineen. Ein Nest von 


eben dort her ist überreich mit groben Federn wilder Enten gespickt. Zwei andere, 
30,7 


284 Lanius collurio. — Lanius ruficeps. 


so scheint es, hat der Vogel nicht selbst: gebaut, sie wurden ehedem von Bachstelzen 
hergerichtet und vom Neuntödter benutzt. Ende April waren die Gelege meistens 
fertig, zu 4 Eiern, normal gefärbt. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Dies ist die gemeinste Zanius-Art, welche vom Meere an bis über 6000’ 
zu finden ist, aber mit zunehmender Höhe seltener wird. Während ich bis Oni 
den Neuntödter im oberen Rionthale und in Letschehum häufig, namentlich auch als 
Heckenvogel, antraf, notirte ich ihn für das Quellthal des Hippos, im Dadianschen und 
Freien-Swanien nur als Seltenheit. Am 18. / 30. August 1864 traf ich ihn noch im 
Thale der Choteura (links aus-der Radscha zum Rion). Am Fusse des Schambobel im 
Süden von Achalzich war der Neuntödter sehr gemein und liess sich bis zur Höhe der 
Buschwaldzone über 6000° beobachten, am Goktschai-See kommt er noch in einer Höhe 
von 6300‘ vor. Namentlich ist ihm aber die bis 3500‘ sich dehnende Zone der Paburus- 
Gebüsche genehm und er spiesst hier zu Lande vornehmlich an Rhamnus Pallasii und 
Pyrus oxyacantha seine Beute. In der Suram-Ebene fand ich Geotrupes-Leichen an 
den dort vorkommenden Schlehen (Prunus spinosa). Die persischen Reisenden *) 
erwähnen seiner als nicht sehr häufig in den Gebieten südlich vom Kaukasus, bei 
Lenkoran ist er sowohl nach M&netries**), als auch nach meinen Erfahrungen 
recht gemein. 


182. Lanius ruficeps Bechst. 


Systematisches. 


Die wenigen kaukasischen Exemplare, welche vor mir liegen, sind typisch. 
Ein Weibchen, am 24. April / 6. Mai bei Lenkoran erlegt, zeigt das Weiss der gesammten 
unteren Körperseite, des Bürzels und der Hinterschwingen stark rostig überlaufen. Ein 
Mitte Juli bei Tiflis geschossenes Männchen beginnt die Mauser. Dieses Exemplar 
beweist, dass auch bei diesem Würger das weisse Feld an der Schwanzwurzel in seiner 
Grösse sehr variiren kann, denn es erstreckt sich bei ihm bis über die Hälfte des 
Schwanzes. Bei einem am 2. / 14. Juni bei Tiflis geschossenen Männchen erstreckt 
sich die schwarze Stirnzone bis zur Mitte des Kopfes. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Obgleich Nordmann*“**) und de Filippiyf) den Vogel als häufig (Ersterer 
im Gebiete des Schwarzen Meeres, Letzterer nach Schalow’s Auszug sogar als „überall, 
am häufigsten aber im Kaukasus“) erwähnen, kann ich ihn doch nur als seltenen Vogel 
für die Vorberge des Grossen Kaukasus, im Centraltheile wenigstens, namhaft machen. 
In Lenkoran wurde er nur einmal angetroffen, Menetriesff) kennt ihn von dort her 
nicht. Zweimal wurde dieser Würger bei Tiflis erlegt; einmal beobachtete ich ihn an 


*) Journal für Ornithologie, 1876, pag. 177. 

**) Catalogue raisonne, pag. 29, Nr. 44. 

=) Demidow: Voyage etc., Tome III, pag. 114. 
r) Joumal für Ornithologie, 1876, pag. 177. 

+r) Catalogue raisonne, pag. 29. 


Lavius ruficeps. — Butalis grisola. — Erythrosterna parva, 285 


der unteren Aragwa, ein anderesmal in dem Thale des Potschow-tschai. Während 
meiner Reisen im alten Colchis, in Armenien, Karabagh sah ich ihn nirgends. Er lebt 
nur in der heissen und gemässigten Zone und kommt am spätesten von allen Würgern 
an. Hochpersien fehlt die Art, ist aber in Südpersien nach Blanford häufig. 


183. Butalis grisola L. 
Russisch: Alle Fliegenfänger heissen: Mucholowka. 
Systematisches. 

Anfangs Mai bei Tiflis erlegte Exemplare stimmen mit deutschen und schwe- 
dischen Vögeln vollkommen überein. Bei dem Dorfe Lyrik im Talyscher-Gebirge brütet 
der Vogel; am 1./13. Juni wurde dort ein Weibchen erlegt. Ich besitze auch einen 
Fliegenschnäpper dieser Art, aus den Umgegenden von Orenburg, welcher an der Brust 
feiner gestrichelt ist und auf der gesammten oberen Körperseite den graubräunlichen Ton 
des Gefieders heller besitzt. Dergleichen hat Herr Taczanowsky auch an einem 
Daurischen Steppen-Exemplar, welches Dubowsky sammelte, beobachtet *). 


Lebensweise und Verbreitung. 


Diese weitverbreitete Art brütet in den Vorbergen Transkaukasiens, sie wurde 
am 5./17. Mai bei Tiflis und in den folgenden Tagen mehrfach erlegt. Me&netries **) 
führt sie für den gesammten Kaukasus als nicht selten an. Von Blanford und de 
Filippi*** wurde sie in Hochpersien als häufig erwiesen. Bogdanowf) kennt sie 
von der Nordseite des Grossen Kaukasus. Ich habe sie bei Tiflis nicht oft gesehen, 
Sie ist hier seltener als Muscicapa luctuosa und selbst als Erythrosterna parva. Das 
Museum besitzt nur 5 Exemplare. 


184. Erythrosterna parva Bechst. 
Systematisches. 

Zwölf Männchen, sechs alte Weibchen und ein junger noch nicht ausgewachsener 
Vogel liegen mir aus dem Kaukasus vor. Ueber das sehr konstante Kleid kann ich 
von meiner Suite nichts Wesentliches mittheilen. Das alte Weibchen hat auf der Brust 
hie und da einen leichten rostigen Anflug. Die Männchen stehen im intensiven Hoch- 
zeitskleide, der junge Vogel vom 12./24. Juni, in den Wäldern von Astara (Talysch) in 
einer Höhe von circa 3000° über dem Meere erlegt, ist noch nicht ganz ausgewachsen, 
es ist ein Männchen, welches das erste Kleid trägt, dasselbe ist an der Kehle und Brust 
recht stark rostgelb. 


Lebensweise und Verbreitung. 
Ich habe diese Art während meiner Reisen viel beobachtet, sowohl auf dem 
Zuge, als auch im Sommer. NordmannTr) giebt über sie ausführliche Notizen, er kennt 
*) Dresser, The birds etc., Part XLV, November 1875. 
**) Qatalogue raisonne, pag. 29, Nr. 45. 
=) Journal für Ornithologie, 1876, pag. 177. 
7) Bogdanow, Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 83. 
if) Demidow: Voyage etc., Tome III, pag. 196. 


286 Erythrosterna parva. — Muscicapa atricapilla. 


sie als Brutvogel in den Vorbergen Abchasiens. In eben diesem Gebiete hat de 
Filippi*) ein Exemplar bei Poti erlegt und Marquis Doria fand sie sehr häufig 
bei Teheran. Am 29. März / 10. April kam zum ersten Male der kleine Fliegenfänger 
in Lenkoran an, am 2./14. April wurde er häufiger, die Exemplare von Tiflis wurden 
alle am 5./17.— 6. /18. April geschossen. Auf dem Herbstzuge bin ich dem Vögelchen 
nicht begegnet. Diese Art bevorzugt Laubwälder, auch in Talysch lebte sie im 
Buchenwalde. 


185. Muscicapa atricapilla L. 


Systematisches. 

Nach den verhängnissvollen Tagen des 2./14., 3./15., 4./16.: April 1880, in 
denen während 68 Stunden bei N. und NO. Schnee und Regen fast beständig fielen 
und die Temperatur Nachts unter Null sank, wurden mir in Lenkoran mehr als hundert 
auf dem Zuge begriffener Fliegenfänger dieser Art gebracht. Ich habe sie alle auf die 
bekannten Verhältnisse der Vertheilung von Weiss und Schwarz im Gefieder des Nackens 
und auf den Flügeln untersucht und unter ihnen zwar keine einzige typische M. albi- 
collis gefunden, wohl aber einerseits so merkwürdige Abweichungen von der typischen 
M. atricapilla, als auch sonderbare Annäherungen zur typischen M. albicollis. Ich ordne 
daher meine Suite, die aus dreissig Exemplaren besteht, nach der Vertheilung der 
weissen und schwarzen Farbe und finde Folgendes: 

1) Nur bei einem jüngeren Männchen ist das Weiss an der Basis der grossen Schwingen 
ganz verdeckt und der Vogel zeigt nur einen Spiegel auf dem Flügel. Es ist dies, 
wie gesagt, ein junges Männchen, dessen Rückengefieder noch stark in’s Schie- 
fergraue zieht; das Weiss der Stirn ist normal. 

2) Sieben Männchen haben das Weiss an der Basis der grossen Schwingen nur an- 
deutungsweise, aber doch bei normaler Flügellage mehr oder weniger sichtbar; 
einem dieser Männchen fehlt das Weiss der Stirn gänzlich, die anderen besitzen 
es in dem für M. atricapilla gültigem Maasse. 

3) Zehn andere Männchen besitzen den kleinen. weissen Spiegel an der Basis bedeutend 
gross (ich messe seine Breite bis zu 11 mm); bei vieren von ihnen schneidet die 
weisse Ringzeichnung seitwärts bis tief in den Hals, bei keinem schliesst sie sich. 
Eines dieser Männchen hat an der Stirnbasis kein Weiss, bei keinem erreicht es 
das normale Maass von M. albicollis. 

4) Bei einem alten Männchen nimmt der grosse, weisse Spiegel auf den Flügeln sehr 
überhand, der kleine an der Basis der Schwingen ist nur schwach angedeutet. 
Das Stirnweiss entspricht der typischen M. atricapilla, aber die seitliche, weisse 
Ringzeichnung schliesst sich nicht, sondern zieht sich zu beiden. Seiten des 
Rückens abwärts bis zur Flügelbasis. 

Endlich ist zu bemerken, dass auch die Vertheilung von Weiss und Schwarz 
auf den Schwanzfedern grosser Variation unterworfen ist. Es giebt Vögel, welche 
die äussere Steuerfeder ganz weiss, andere, die sie nur mit schmaler, grau- 
schwarzer Strichlinie besitzen und die normale, stumpf-dreieckige Form des 


*) Journal für Ornithologie, 1876, pag. 177. 


Muscicapa atrieapilla. — Museicapa collaris, 287 


schwarzgrauen Feldes auf der inneren Fahne der ersten Schwinge haben. Viele 
Exemplare dieser Fliegenfänger zeichnen sich durch dunkle Rückenfarbe aus. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Blanford*) und de Filippi**) haben diesen Fliegenfänger für das persische 
Hochland als häufig nachgewiesen. Nordmann***) führt ihn als sehr gemein von der 
Ostküste des Schwarzen Meeres an. Ich kenne ihn nicht aus so bedeutenden Höhen 
(7000‘) wie Blanford. Bei Achalzich am Fusse des Schambobel traf ich ihn im lichten 
Buschwalde in einer Höhe von circa 4000‘. In den Umgegenden von Tiflis, im unteren 
Aragwa-Thale, in der Suram-Ebene brütet diese Art und sitzt das Männchen gerne im 
Frühlinge auf den Paliurus-Gebüschen. Am 11./23. März trafen die ersten Exemplare 
bei Lenkoran ein. Der Hauptzug passirte aber erst vom 1./13. — 5./17. April das 
Küstengebiet und es sind wohl nur wenige Fliegenfänger, wie auch Ufer- und Rauch- 
schwalben, damals bei Lenkoran am Leben geblieben. Die Vögelchen wurden Nach- 
mittags am 4. /16. in Menge mit den Händen ergriffen. Auch von dieser Art ziehen 
die Männchen früher und gesondert von den Weibchen. 


186. Muscicapa collaris Bechst. 
— M. albieollis Temm. 


Menetries?7) führt diese Art mit einem Fragezeichen für die Ruinen von Baku 
auf. Dieser Fundort ist sehr zu bezweifeln, da diese Art ein Waldvogel ist und nach 
Nordmannjy) in alten Buchenwäldern in der Krimm brütet. In Tauris hat sie de 
. Filippirir) gefunden. Es unterliegt deshalb gar keinem Zweifel, dass sie auch im 
Kaukasus vorkommt. 


*) Dresser, The birds ete., Parts XXXV, XXXVI, Januar 1875. 
**) Joumal für Ormnithologie, 1876, pag. 177. 

==) Demidow: Voyage etc., Tome III, pag. 198. 
r) Catalogue raisonne, pag. 29, Nr. 46. 

if) Demidow: Voyage etc., Tome III, pag 198. 

tr) Journal für Ornithologie, 1876, pag. 177. 


288 Chelidones. 


Ordo IV. 


Chelidones, 


Allgemeine Vorbemerkungen. 


Auch in dieser, nur aus wenigen Geschlechtern und Arten bestehenden, Ordnung 
stellt es sich klar heraus, dass wir es im Kaukasus wesentlich nur mit centraleuropäischen 
Elementen der Ornis zu thun haben. Südeuropa, Persien, Turkestan sind an Arten 
dieser Ordnung reicher, als der Kaukasus. . Namentlich bietet dort in den zwei zuerst 
genannten Gebieten das Genus Caprimulgus mehr. Südeuropa besitzt sicher zwei, 
vielleicht drei Ziegenmelker-Arten, Persien weist deren vier auf; Severzow erwähnt 
für Turkestan zwei Spezies, von denen die eine von ihm als neu erkannt und (©. pallicus 
genannt wurde. Trotz allen Suchens habe ich aus meinem Gebiete nur zwei Ziegen- 
melker-Arten beschaffen können, den gewöhnlichen C©. europaeus und den äusserst 
seltenen C. inornatus Heugl., letzteren nur in einem Exemplare. In ihm erreicht 
wiederum ein Nordost-Afrikaner die transkaukasischen Länder. Die Gruppe der Oypselus 
hat durch das Auffinden von 0. affinis Gray einen interessanten Zuwachs erhalten, 
dagegen lieferten die Schwalben wiederum nur die vier centraleuropäischen Spezies und 
zwar ist dabei noch zu bemerken, dass Hirundo rustica je mehr östlich, um so weniger 
häufig und um so deutlicher hinneigend zur rothbäuchigen H. cahirica wird. Auch 
Chelidon urbica bietet in ihrem Vorkommen in Transkaukasien einiges Eigenthümliche. 
Ich habe sie durchaus nicht überall, dafür aber hier und da in recht bedeutenden 
Höhen und nur einmal am Meeresufer gefunden. Sie tritt hier nur in Kolonien und 
zwar sporadisch auf. 

Die Speziesanzahl, welche die Ordnung der Schwalbenvögel bildet, kommt in 
den drei Nachbarfaunen folgendermaassen zum Ausdruck: 

Kaukasus. Persien. Turkestan. 
9 Arten, 2 Varietäten. 12 Arten, 10 Arten. 
2 davon aus dem Süden. 


Hirundo rustica. 289 


187. Hirundo rustica L. 
Russisch: Zastotschka-Kosatotschka. 
Persisch: Perestuk, gilt für alle Schwalben-Arten. 
Tatarisch : Karilgatseh und Kardegnos. 
Georgisch: Merxchali, für alle Schwalben-Spezies. 
Armenisch: Zixernak, auch für die anderen Schwalben geltend. 


Systematisches. 

Einige weibliche Exemplare, bei Tiflis und bei Lenkoran geschossen, besitzen 
die Bauchseiten fast rein weis. Nordmann*) hat bei Suchum-Kale die rothbraun- 
bäuchige Varietät, von Vielen als eigene Art anerkannt (AH. cahirica Lichst.), gefunden 
und bringt Beweise für die Identität derselben mit H. rustica bei. Ich habe weiter 
östlich diese auch in Sibirien vorkommende Varietät nur einmal gefunden, wenn auch 
nicht ganz so dunkel, wie es die typische H. cahirica verlangt. Im Allgemeinen 
stimmen meine kaukasischen Exemplare vollständig zur typischen Rauchschwalbe, nur 
ein Männchen, am 12. / 14. April 1866 bei Lenkoran erlegt, zeigt die untere Körper- 
seite und namentlich die Subcaudales recht stark in Röthlichbraun gefärbt, doch findet 
solches ja auch bei recht alten, typischen Vögeln Europas statt und jedenfalls neigt 
der Farbenton in seiner Gesammtheit bei diesem Exemplare immerhin noch mehr zum 
Kleide jener, als zu dem der A. cahirica Lichst. hin. 


Lebensweise und Verbreitung. 


De Filippi hat Recht, wenn er für Persien die Rauchschwalbe „viel weniger 
häufig als in Europa“ bezeichnet. Eine sichtliche Abnahme der Art lässt sich auch 
für die transkaukasischen Länder nachweisen. Bogdanow **) führt sie als gemein 
hoch in den Bergen bis zur basalalpinen Zone an. So verstehe ich wenigstens den 
gebrauchten Ausdruck „in der Zone der Gebirgswiesen“. In der basalalpinen Zone 
des Grossen Kaukasus aber, d. h. in einer Höhe von 8--9000° über dem Meere, habe 
ich sie niemals gesehen. In den Steppen dagegen ander Nordseite des Gebirges und 
in den Vorbergen kann man sie oft im Sommer und namentlich nach der zweiten Brut, 
in der ersten Hälfte des August in langen Reihen auf den Telegrapher-Drähten sitzen 
sehen. Diese Reihen sind in Transkaukasien schon kürzer und vornehmlich nur da 
zu sehen, wo die Drähte durch weite Ebenen gezogen sind, so in der Suram-Ebene, 
oberhalb von Gori und abwärts die Kura auf der Strasse nach Baku. Die Ankunftszeit 
der Schwalben richtet sich sehr wesentlich nach dem Wetter. Das früheste Datum, 
welches ich bei Tiflis notirte, ist der 22. März / 3. April, für Borshom der 1. / 13. April. 
Doch erscheinen immer zuerst nur wenige Exemplare und verschwinden oft wieder, 
wenn kaltes Wetter einsetzt. Am 25.—26. März / 6.—7. April 1866 beobachtete ich 
kleine Schwalbenflüge an der mittleren Jora und am Alasan. Am 6. /18. April 1878 
und am 8./ 20. April 1879 kamen die meisten Schwalben bei Tiflis an, die ersten 
schon am 28. März /9. April; am 12. / 24. April bauten sie schon eifrig in der Stadt. Sie 
jagen vornehmlich im Kurathale. Die zweite Brut wird in dieser Gegend mit dem 
18. /30. August flügge und mit dem 24.—26. August / 5.—7. September ziehen die 


*) Demidow: Voyage etc., Tome II, pag. 201. 
**, Bogdanow, Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 115. 
Radde, Ornis caucasica. 37 


290 Hirundo rustica. — Chelidon urbica. 


Schwalben meistens fort, einzelne bleiben noch länger im Lande. Als ich am 18. /30. 
August 1864 in das Radscha-Gebiet (obere Rion) trat, waren hier beide Schwalbenarten 
(A. rustica und Ch. urbica) schon fortgezogen. Bei Lenkoran wurde am 12./24. März 
1880 das erste Exemplar gesehen, der Hauptzug aber fand vom 20. März/1. April — 
25. März/6. April statt. In Bezug auf die Verbreitung in der Vertikalen ist zu be- 
merken, dass H. rustica nicht so hoch im Gebirge vorkommt, als Ch. urbica, wenigstens 
ist das entschieden im Grossen Kaukasus der Fall. Auf hochgelegenen Ebenen, wie 
solche in weiter Ausdehnung in Armenien existiren, kommt die Rauchschwalbe zwar 
vor, ist aber nicht häufig. Im Aragwa-Thale fand ich sie noch häufig bis zum Orte 
Ananur (2700); einzelne Paare brüteten noch bei Passanaur (3500‘), bei Mleti 
(4900) war dagegen die Hausschwalbe die gemeinste Art und auf den dann folgenden 
Stationen der grusinischen Heerstrasse bis zum Kasbek sah ich nur sie allein. Es mag 
aber sein, dass sich an diesem Vorkommen die Lokalität betheiligt; das Thal ist schmal 
und schneidet tief und scharf in das mächtige Gebirge. Uebrigens fehlte die Rauch- 
schwalbe auch dem Hochthale des Hippos und des Ingur, dort lebte nur Oh. urbica. Im 
Kleinen Kaukasus beobachtete ich sie bei Abastuman nur selten. Auf den Kupferwerken 
von Kedabeg brütet die Rauchschwalbe, obschon oft im dichten Dampfe schwefliger 
Säure sitzend, je nachdem der Wind dem Dampfe von den Rösthaufen die Richtung 
giebt. Im Trialetischen Gebirge, an den Quellen z. B. der Algetka, ist diese Art durch- 
aus nicht häufig. Bei Manglis in eben diesem Gebiete flogen nur wenige Exemplare 
und waren am 21. August/2. Septbr. fortgezogen; auch diesmal bei sehr schlechtem 
Wetter und heftigem NW.-Winde mit Regen. Weiter gegen Süden und auch gegen 
Westen im Gebiete der armenischen Alpenseen ist der Vogel selten. Die am 14. /26. 
August 1867 am Tschaldyr beobachteten sehr unruhigen Familien mögen wohl schon 
auf dem Zuge gewesen sein. Mit circa 4500‘ dürfte die mittlere Höhe ihrer Verbreitung 
im Gebirge an der Südseite (Grosser Kaukasus) wohl begrenzt sein. Auf den Plateau- 
ländern kommt sie bedeutend höher vor, doch nirgends häufig. Es hängt das wesentlich 
davon ab, ob die Lokalitäten weit und offen gelegen sind. Blanford*) kennt die 
Rauchschwalbe aus Persien bis Zu einer Höhe von 8000° über dem Meere **). 


188. Chelidon urbica L. 
Russisch: Gorodskaja-Lastotschka, d. h. die Stadt-Schwalbe. 
Bei den andern Völkern wird sie von der vorigen Art nicht unterschieden. 


Systematisches. 

Die kaukasischen Hausschwalben, auch die aus Höhen von über 9000° über 
dem Meere, stimmen mit den europäischen genau überein. Ein Männchen von Sawalan 
hat den Schnabel ein wenig stärker, als die anderen Vögel. Ein jüngeres Männchen 
von Manglis hat Kehle, Hals und Oberbrust ziemlich stark in lichtem Röthlichgrau 
überflogen. 


*) Eastern Persia, Vol. I, pag. 215. 

**) Es ist mehr als wahrscheinlich, dass im Kaukasus auch H. rufula Temm. vorkomme. Sie 
ist aber bis dato noch nicht nachgewiesen worden. In Persien geschah das bereits und in Kleinasien, 
zumal im westlichen Küstengebiete ist der Vogel häufig. 


Chelidon urbica. 291 


Lebensweise und Verbreitung. 


Diese Art ist im Kaukasus durchaus nicht allgemein verbreitet. Selbst auf den 
Höhen ist sie mir nur sporadisch, gewissermaassen in Kolonien, vorgekommen; sie fehlt 
.den meisten tiefgelegenen, heissen Gebieten ganz. In den Mingrelischen Längenhoch- 
thälern, wenigstens in den beiden höchst gelegenen, schliessen sich die beiden Schwalben 
A. rustiea und Ch. urbica in ihrem Vorkommen gegenseitig aus. Ich beobachtete 1864 
die typische A. rustica nur bis zum Eintritte in die Engschlucht des Hippos (Tskenis- 
Tskali) bei dem Platze Muri, wo früher die Dadians im Sommer zeitweise lebten. 
Auch auf den Uferhöhen des Ladjianuri im Letschchum-Gau war die Rauchschwalbe, 
aber nicht die Hausschwalbe bei den grösseren Ansiedelungen, wenn auch nicht sehr 
häufig, anzutreffen; so bei dem grossen Dorfe Lailasch. Mit dem Eintritte in das 
Längenhochthal des Hippos beobachtete ich nur Ch. urbica und zwar brütete sie 
häufig an den Burgen der Swanen des Dorfes Laschketi (4100°). Aus dem oberen 
(freien) Swänien kenne ich sie von Pari her (4650‘). Auf der grusinischen Heerstrasse 
lebt diese Art noch in der Höhe des Passes und können wir die obere Grenze ihrer 
Vertikal-Verbreitung hier mit S000'° bestimmen. Sie war bei Kobi die einzige Schwalben- 
art; dort fehlte 7. rustica. In den südlichen Vorbergen des Grossen Kaukasus habe 
ich die Hausschwalbe nur an einzelnen bewohnten Gegenden beobachtet, an manchen 
Lokalitäten, zumal den höher gelegenen, wird sie häufiger, z. B. im unteren Ossetien. 
Ihr Vorkommen im Kleinen Kaukasus ist ebenfalls nur ein beschränktes und lokales. 
Während sie z. B. im Stabquartier Manglis vollkommen fehlt, brütet eine bedeutende 
Kolonie in dem kaum zwei Werste davon entfernten Dorfe Alt-Manglis und war hier 
am 11./23. August schon verschwunden, nachdem mehrere Tage zuvor die Vögel stets 
zusammengerottet die Spitze des Kirchthurmes, dicht gereiht, besetzt gehalten hatten. 
Aus allen meinen Beobachtungen geht aber entschieden hervor, dass sie die Tiefländer 
des Binnenlandes vollkommen meidet. Auf der ganzen Strecke von Tiflis, wo sie schon 
fehlt, bis zur Mündung der Kura habe ich keine Hausschwalben gesehen. Ebensowenig 
sah ich sie am Nordfusse des Kaukasus von Wladikawkas angefangen bis Petrowsk, 
mit Einschluss der Vorberge des Dagestan. Hier lebte überall H. rustiea typ. und zwar 
auch an manchen Orten gar nicht häufig. Merkwürdig ist es, dass die Hausschwalbe 
den schmalen Streifen bewohnt, welchen die Stadt Derbent zwischen hohen Mauern und 
gekrönt durch eine alte Citadelle einnimmt. Es ist dies die einzige Lokalität, wo 
ich sie zum Niveau des Meeres herantretend fand. Der weiteren Küstenzone des Caspi 
fehlt sie gegen Süden hin bis nach Gilan vollständig. Auch habe ich sie auf dem 
Zuge bei Lenkoran nicht erhalten, oder gesehen, dort traf ich nur A. rustiea in typischer 
und röthlicher Form und (. riparia an. Ich irre mich hierin nicht, denn ich habe, so 
oft ich die weiten Strecken im Sommer von Lenkoran via Baku oder Derbent zurück- 
legte, stets den Schwalben besondere Aufmerksamkeit zugewendet. Von der Ostküste 
des Pontus fehlen mir Beobachtungen. Im Talyscher Gebirge giebt es Brutkolonien 
von Ch. urbica. So lebt diese Art in grosser Zahl an linker Seite der Täng-Schlucht, 
gleich da, wo gegen Norden der Drich-Gau beginnt. Vom Sawalan besitze ich aus 
einer Höhe von 9000’ über dem Meere mehrere Exemplare. Auch hier ist sie Felsen- 
bewohner in Höhen, welche H. rustica meidet. Bereits der Ebene van Ardebil (4600') 


fehlt sie und über diese schweift nur, nach Insekten suchend, die andere Schwalbenart. 
BHL= 


992 Cotyle rupestris. — Cotyle riparia. 


189. Cotyle rupestris Scop. 
Russisch: Gornyi-Strishok. 
Systematisches. 

Die Felsenschwalbe liegt mir nur in wenigen Exemplaren und zwar aus der 
Umgegend von Tiflis vor, wo sie im Aragwa-Thale erlegt wurde, mithin steigt sie doch 
bis auf eine Höhe von circa 1400° über dem Meere herab in die heisse Zone. Die 
Vögel wurden Anfangs Mai geschossen und stimmen vollständig zu spanischen, die mir 
zum Vergleiche vorliegen, sind aber etwas kleiner. Sie repräsentiren im Wuchse ©. 
obsoleta Cab., aber sie tragen das typische Kleid von ©. rupestris. 

Ich lasse hier die Maasse folgen: 


Europa. Kaukasus. 

Cotyle rupestris. ir M M 

mm mm mm 

Totallänger Ba Sr 134 126 127 
Flügelbug bis zur Spitze . . . 127 125 125 
Schwanzlangeree no 56 54 52 
Schnabel auf der Firste gemessen 7 7 U 
Tarsust 22 pe seen 12 11 11 


Lebensweise und Verbreitung. 

An den Felsenwänden des Diabar-Kesselthales im Suant-Gau ist die Art häufig 
und wurde von de Filippi in der Elburs-Kette (Demawend) gefunden. An den meisten 
der hochsteilwandigen Flussläufe Hocharmeniens, so auch am Chnis-su, östlich vom 
Bin-göl-dagh und in den Barankas vom Alagös trifft man diese Schwalbe ebenfalls an. 
Von Nordmann*) wurde sie im Gurischen Küstengebirge nachgewiesen. Bei der 
Station Kobi auf der grusinischen Heerstrasse (6500‘) brüteten Felsenschwalben, doch 
nur in wenigen Paaren. Die grösste Brutkolonie fand ich am östlichen Arpatschai im 
Daralagös-Gau, unweit der heissen Quellen von Isti-su; hier mögen wohl einige Hundert 
Paare beisammen gelebt haben. Die Nester waren nahe bei einander unter Felskarniesen 
in 150-200‘ Höhe an basaltischen Steilwänden angeklebt und hatten keine regelmässige 
Form, sie waren sackartig. Ich konnte damals, da ich speziell auf Pflanzen und Insekten 


exkursirte, keinen dieser Vögel erlegen. 


190. Cotyle riparia L. 
Russisch: Beregowor-Strishok —= Ufer-Schwalbe. 
Systematisches. 


Die ganze Reihe meiner Uferschwalben, von welcher die meisten Exemplare 
vom 2./14.—4./16. April bei Lenkoran geschossen und aufgesammelt wurden, sowie 


*) Demidow: Voyage etc., Tome III, pag. 199. 


Cotyle riparia. — Cypselus apus. 293 


auch noch mehrere Weibchen, welche am 16. /28.— 19. April /1. Mai ebenda erlegt 
wurden, stimmt mit alten Vögeln aus Schweden, die mir zum Vergleiche vorliegen, 
genau überein. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Oberhalb von Tiflis im Kura-Thale giebt es bei Awtschala eine bedeutende 
Brutkolonie. An den lehmigen Steilufern der Kura bei Salian giebt es ebenfalls der- 
gleichen, ich fand die Uferschwalben auch sehr gemein in den Umgegenden von Len- 
_ koran, wo sie am höheren, rechten Ufer der Lenkoranka brüteten. In dieser Gegend 
sah ich bei Kisil-agatsch die ersten Uferschwalben schon am 6. /18. März 1866; vom 
12. /24. tummelten sich dann kleine Schaaren an den Wasserlachen der Ebene von 
Lenkoran. Im Jahre 1880 kamen die Uferschwalben viel später an und gingen sammt 
den Rauchschwalben und Muscicapa vom 3. / 15.—5. /17. April fast alle zu Grunde. 
Zu Hunderten konnte man sie im Graben am Leuchtthurme aufsammeln. Die Art 
kommt auch hoch im Gebirge vor; ich beobachtete sie am Kars-tschai; etwa mit der 
durchschnittlichen Meereshöhe der armenischen Alpenseen kann man die Grenze ihrer 
Vertikal-Verbreitung ziehen. Sie brütet noch in den Goktschai-Gegenden (6300‘) und 
erscheint daselbst frühestens zum 15. /27. April. Ich notirte den 9. / 21. Septbr. als 
Fortzugsdatum für Tiflis. 


191. Cypselus apus L. typ. 
et var.: pallidus Shelley, 
var.: unicolor Jardine. 
Russisch: ‚Strish. 
Systematisches. 

Ich finde bei dem Vergleiche der Kaukasier mit schwedischen und centraldeutschen 
Exemplaren gar keine wesentlichen Unterschiede, weder in der plastischen Anlage, noch 
konstant im Gefieder. Die Oberseite eines am 20. Juli /1. August bei Tiflis erlegten 
Weibchens ist etwas heller braungrau als es in der Regel statthat. Der Vogel trägt 
ein durchaus frisches Kleid. Dieses wäre mithin der (©. pallidus. Viele Mauersegler 
dieser Art, die ich im Kaukasus beobachtete, hatten dunkle Kehlen; ein Weibchen, am 
14./26. Juni am Küs-jurdi erlegt, repräsentirt den C. unicolor. Man kann diese Formen 
des Mauerseglers alle vereint in irgend einer grösseren Kolonie finden und alle Ueber- 
gänge in den ohnedies nur geringen Farbennuangen nachweisen. Die artliche Tren- 
nung ist daher unberechtigt. 


Lebensweise und Verbreitung. 

In der heissen Zone der gesammten kaukasischen Lande bis hinauf zu den 
Höhen von 6500‘ über dem Meere ist der Mauersegler überall da zu finden, wo kahle, 
stark zerklüftete Gebirge stehen. Namentlich lebt er auch an den Basaltheilen der 
auf dem armenischen Hochlande isolirt noch hervorgetriebenen, todten, vulkanischen Kegel; 
so am Alagös, wo ich ihn an der Nordseite bei dem Kloster Kiptschach beobachtete, 
ebenso auch in der unteren Partie des Ararat. Im Araxesthale bewohnt er auch die 
jetzt in Verfall gerathenen, aus persischer Herrschaftszeit stammenden, hohen Lehm- 
mauern, die als förmlicher Festungsschutz den Dörfern früher dienten. In den Jura- 


294 Cypselus apus. — Cypselus melba. — Cypselus affinis. 


und Kreidekalk-Gebirgen, welche der Hauptkette in Colchis vorlagern, kommen beide 
Oypselus-Arten vor, doch ist ©. melba ungleich seltener. Im Kleinen Kaukasus fand ich 
diese Art häufig bei Achalzich und Abastuman, gemein ist sie am Goktschai-See bei 
Nowo-Bajazet, woselbst nur dunkelkehlige beobachtet wurden. In der alpinen Zone des 
Grossen Kaukasus habe ich die Art nicht beobachtet, Bogdanow kennt sie aber aus 
der basalalpinen von dort her. 

In Tiflis treffen die Mauersegler verhältnissmässig spät ein, nämlich nicht vor 
dem 15./27. April und bleiben höchstens bis Ende August. Bei Lenkoran wurde das 
erste Exemplar am 5./17. April erlegt. 


192. Cypselus melba L. 
Systematisches. 
Am 8./20. Septbr. wurde bei Tiflis ein altes Weibchen dieser Art erlest. 
Damals war der Alpensegler wohl auf dem Zuge. Mein Exemplar stimmt mit Vögeln aus 
der Schweiz vollkommen überein. Ich messe: Totallänge 165, Flügelbug bis zur Spitze 
194, Länge des Schwanzes 64 in der Mitte, Schnabel auf der Firste 9 und Tarsuslänge 17 
Millimeter. 


i Lebensweise und Verbreitung. 

Ich kenne den Alpensegler nur von wenigen Lokalitäten in Trankaukasien. 
Die eine liegt im bergigen Theile Letschehums im Ladjianuri-Thale, ebenso habe ich den 
Vogel auf der Strecke Kutais-Gelathi beobachtet; eine andere Lokalität befindet sich 
am Araxes, wenn man, von Ordubad kommend, den Karabagher Gebirgsstock, welcher 
den Fluss verriegelt, auf jähen, hohen Felsen passiren muss, um zum Gilan-tschai zu 
gelangen. Am 9./21. Juni 1879, als ich im dichten Nebel, der sich oftmals in Regen 
und Schnee löste, in etwa einer Höhe von 9000° über dem Meere an der Südseite des 
Kasbek mich befand, erschienen zwei Paare dieser Segler und umflogen mich längere 
Zeit. Einige Male schossen hoch über den Kieferwäldern von Manglis diese Alpen- 
segler hin. 


193. Cypselus affinis Gray. 


— 0, abyssinieus Streub. 


Systematisches. 

‚Bei der Besteigung des Grossen Ararat am 9./21. August 1871 habe ich in 
einer Höhe von 14500' über dem Meere wiederholentlich diese Spezies beobachtet. Der 
Vogel ist als kleiner Oypselus mit auffallender, weisser Steissbinde gar nicht zu verkennen. 
Er schoss damals über die Firnfelder der Araratkuppe hin und benahm sich in jeder 
Hinsicht ganz so, wie der gemeine Mauersegler. Diese indisch-afrikanische Art wurde 
für Palästina durch Tristram *) nachgewiesen. Severzow **) führt sie, freilich mit 


*) Dresser, The birds etc., Part. XXXII. 
**) Vertikal- und Horizontal-Verbreitung der Thiere Turkestans (russisch), pag. 67, Nr. 237. 


Cypselus affinis. — Caprimulgus europaeus, — Caprimulgus inornatus. 295 


einem Fragezeichen für Turkestan auf. Im Kaukasus ist sie meines Wissens noch nicht 
beobachtet worden und dürften die Gipfelhöhen auf der Höhenaxe Armeniens die 
äusserste Verbreitungsgrenze gegen Norden dem Vogel anweisen. 


194. Caprimulgus europaeus L. 
Russisch : Kosodo?, Polunotschntk, d. h. Ziegenmelker, Mitternächtler. 


Systematisches. 


Ich habe bis jetzt im Kaukasus vornehmlich nur den europäischen Ziegenmelker 
gefunden, nur ein Exemplar meiner Suite gehört der folgenden Art an. Im Allgemeinen 
stimmen die Kleider, namentlich die des Sommers, gut zu denen der europäischen 
Exemplare, die Weibchen sind bisweilen etwas heller.- Ein am 17./29. Septbr. 1870 
bei Tiflis erlegtes altes Männchen trägt das frische Kleid, welches sich in keiner 
Hinsicht von dem des centraleuropäischen Ziegenmelkers unterscheidet. Diesem Vogel 
schliessen sich die anderen Exemplare (M.) alle gut an. Eines von ihnen hat die 
beiden weissen Kehlflecken nicht mehr ganz getrennt, sie bilden zusammen ein Band. 

Am 10./22. Mai wurden zwei Eier am Boden unweit vom Waldrande bei 
Lenkoran gefunden. Sie waren nur wenig bebrütet und in Grösse, Zeichnung und 
Farbe normal. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Ich habe den Ziegenmelker vielfach im Kaukasus beobachtet. Er wird in den 
wärmeren Gegenden kaum irgendwo in einem jüngeren Buschwalde fehlen. In Borshom 
ist er Brutvogel und betrieb allsommerlich in meinem Garten Abends seine geschickten, 
geräuschlosen Jagden auf Bombyciden und andere Nachtfalter. In den Kolonje-Gärten 
von Tiflis trifft man ihn ebenfalls im Sommer an. Bis zu 5000' im Gebirge brütet er. 
Im Tieflande von Talysch stöberte ich ihn Ende April 1866 aus den niedrigen Gebüschen 
auf, welche die Zwergdünen des Strandes bestanden und schwebte er jeden Abend im 
Sommer zwischen den in langen Reihen aufgestapelten Holzvorräthen am Meere, weil 
diese gut mit Nachtfaltern besetzt waren. 


195. Caprimulgus inornatus Heugl].*). 


Systematisches. 

Am 23. Juli/4. August wurde ein Weibchen eines Ziegenmelkers am Salzsee 
auf rechter Kuraseite, einige Werste oberhalb von Tiflis erlegt. Der Vogel fiel mir so- 
gleich durch die geringe Grösse und helle graugelbliche Färbung auf. Ich muss ihn, 
namentlich nach den im Berliner Museum angestellten Vergleichen zu der Heuglin’schen 
nordostafrikanischen Art ziehen, womit sich auch Prof. Cabanis einverstanden erklärte. 
Die unten folgenden Maasse geben Auskunft über seine Grössenverhältnisse, welche recht 
genau zu denen von Heuglin mitgetheilten stimmen. Das Kolorit ist namentlich von 
der Stirn bis zum Oberrücken sehr hell, getrübt aschgrau im Grundtone, etwas gelblich 
in der Mittelläche von Kopf und Nacken. Dieser graue Grundton wird auf dem 
Rücken selbst etwas dunkler, dagegen wieder heller auf dem Unterrücken, Bürzel, 


*) Omithologie NO.-Afrikas, etc., Bd. I, pag. 129, Nr. 94. 


296 Caprimulgus inornatus. 


den Scapularfedern und den Enden der grossen Schwingen. Die Secundär-Schwingen 
besitzen den Grundton wiederum etwas mehr gelblich. Die oberen Flügeldecken 
auf dem Unterarme sind kräftig in Schwarz gefleckt, so dass der hier rostig-_ 
gelbe Fond der Federchen sehr merklich beschränkt wird. Vor diesen dunklen 
Flecken liegt die verhältnissmässig breite, hell-weisslich-lehmgelbe Binde; die längeren, 
oberen Flügeldecken besitzen die Spitzen in ebenderselben Farbe, aber die dadurch 
gebildeten zwei Binden erscheinen nicht deutlich umgrenzt, selbst dann nicht, wenn 
die Federn gut geordnet liegen. Das Grau der oberen Körperseite zeigt viele schwarze 
Schaftstriche, die auf dem Mittelfelde vom Kopfe und Nacken breiter und der Länge 
nach zusammenhängender sind. Die Querbänderung ist obenher durchweg eine sehr 
zarte, nicht deutlich prononeirte, unten sind die Bänder zwar breiter, aber meistens 
nicht durchgehend, so dass hier keine deutliche Bänderung. sondern nur eine theilweise, 
angedeutete statthat. Dies ist namentlich auch an der Kehle der Fall, auf deren Mitte 
ein helleres Feld ohne dunklere Zeichnung steht. Die Grundfarbe der unteren Seite ist 
ein helles, getrübtes Lehmgelb, welches sich auch über die unteren Flügelfedern und 
auf die hellen Binden der Innenfahnen der grossen Schwingen verbreitet. Auch auf 
den unteren Flügeldecken ist die Bandzeichnung nicht deutlich und durchgehend aus- 
gebildet, so dass man eher von Fleckung sprechen muss. Die mittleren Schwanzfedern 
besitzen acht schwarze Querbinden, von denen aber die drei vor der Spitze stehenden 
nicht mehr durchgehen, sondern nur angedeutet sind. Die äussere Steuerfeder ist stark 
verkürzt und besitzt sammt der zweiten die helle lehmgelbe Spitze. 


Die Maasse des Vogels sind: 


Totallänger rs 2.2 vn 2 522bEmm 
Flügelbug bis zur Spitze . . . 156 „ 
Länge des Schwanzes . . . . 17 „ 
Schnabel auf der Firste gemessen Sr, 
Mundspalter 2 neue ea a 2hye 
Tarsus . . 6) 


ee 5 
Das beschriebene Exemplar ist bis jetzt das einzige in unserem Gebiete nach- 
gewiesene. 


Scansores. 297 


Ordo V. 


Scansores. 


Allgemeine Vorbemerkungen. 


Kein Vogel hängt so sehr vom Walde ab, als der Specht. Wo es keinen Wald 
giebt, da fehlt er, und wo man Baumanlagen in grösserem Umfange schafft, stellt er 
sich ein, und sei es mitten in der Steppe. Man wird also über die Spechte im Kau- 
kasus nur richtig urtheilen können, wenn man seine Wälder kennt. Zumal müssen wir 
unsere Blicke dem sogenannten Kleinen oder Anti-Kaukasus zuwenden, da selbiger 
ohne direkten Anschluss an die Elburskette mit waldlosen ariden Vorbergen östlich von 
Karabagh zur Mugan abfällt, diese sich dann zum Meere hindehnt und in einer Breite 
von 10—13 geogr. Meilen die äussersten südlichen Vorberge des Grossen Kaukasus von 
den nördlichen der Talyscher Höhen trennt. Die Wälder des eben erwähnten Gebirgs- 
Gebietes — welches wir schon östlich von Trapezunt beginnen sehen, das in immer 
mächtigerer Entwickelung die breitgespreizte Quellgabel des Tschoroch, entlang der 
Ebene von Erzerum (nördlicher Rand), umfasst, sich dann im südlichen Theile des 
Arsian-Stockes theilt und seinen Hauptzweig in der dominirenden Richtung NW.-SO. 
als steilabstürzendes Randgebirge der armenischen Plateaulandschaft entsendet — be- 
stehen im östlichen Theile nur aus Laubholzarten, im westlichen und centralen weisen 
sie auch namhafte Bestände von Nadelhölzern auf. Die Talyscher Wälder besitzen mit 
Ausnahme von Taxus- und Juniperus-Gebüsch keinen einzigen Zapfenbaum. Neun 
Spechtarten beleben diese Wälder und finden sich zum grössten Theile auch in denen 
des Grossen Kaukasus. Von ihnen sind sieben Europäer, der achte nach meiner Meinung 
nur eine Varietät von Pieus medius, welche Blanford als P. Sancti Johannis beschrieb, 
und eine Art ist den Talyscher Wäldern eigen, es ist das der von Modest Bogdanow 
kreirte P. Poelxami, in der Zeichnung ein P. major, in der Grösse ein P. syriacus und 
durch ein sehr konstantes, dunkel-chocoladenbraunes Kolorit der ganzen unteren Körper- 
seite sich artlich unterscheidend. Das Auffinden von P. leuconotus, oder vielleicht P. 
Lilfordi im Kaukasus gehört der neuesten Zeit an und geschah en Jahre 1880 in 


Eadde, Ornis caucasica. 


298 Scansores, — Upupa epops. 


den Wäldern von Manglis. Hierdurch und durch den Nachweis von P. syriacus und 
P. medius var. aus den Umgegenden von Tiflis, ist eben die Anzahl der Spechtarten 
im Kaukasus um ein Drittheil gestiegen. Bogdanow- kannte 1879 nur sechs Spechte 
und führt von ihnen P. major noch mit einem Fragezeichen auf. Nach dem Stand- 
punkte mancher Ornithologen könnte man die von mir ermittelte Artenzahl leicht ver- 
mehren, da nicht nur P. medius, sondern auch P. minor eine Varietät bietet, die ich, 
da ihr die fünfte, weisse Flügelbinde fehlt, als var. guadrifasciata benannte, und würde 
man dem Versuche Taczanowski’s beistimmen, so müsste Geeinus Saundersi endlich. 
noch als zwölfte Spechtart aufzuführen sein. 

Das Genus Sitta wird im Kaukasus nur durch zwei Arten, von denen eine die 
Varietät rupicola Blanf. aufweist, vertreten. Die geringen Unterschiede im Wuchse, 
Schnabel und Tarsen sind nicht ausreichend, um artlich zu trennen und das um so 
mehr, als hier direkter Anschluss an S. syriaca nachweisbar ist. Die sonstigen Glieder 
der Spechtvögelgruppe sind europäische Formen. Im Ganzen wird die Ordnung der 
Scansores im Kaukasus durch 15 Arten mit 4 Varietäten gebildet, von denen 9 Spechte- 
mit 3 Varietäten sind. Reich ist sie im Vergleiche zur Turkestanischen Ornis zu nennen, 
denn dort giebt es nur 2 Spechte (P. leptorhynchus Sev. und P. montanus Sev.) und im 
Ganzen nur 9 spechtartige Vögel. Dem persischen Bestande der Scansores gegenüber weist 
das Kaukasische Gebiet ein Plus von 5 Arten auf, welches ebenfalls durch die Spechte be- 
dingt wird. Den Grund für diese Erscheinung haben wir lediglich in dem Mangel von 
Wäldern in den Landen von Iran und Turan zu suchen. 

Ich lasse die übersichtliche Tabelle der Artenzahl für die drei Nachbarfaunen. 


folgen: 
Scansores. 
Kaukasus. Persien. Turkestan. 
15 Arten, 4 Varietäten. 10 Arten. 9 Arten, 1 Varietät. 


(Dabei Sitta rupicola und 
Picus St. Johannis artlich 
als selbstständig gerechnet.) 


196. Upupa epops L. 
Russisch: Udod. 
Persisch: Murg-t-Suleiman *). 
Arabisch: Hüd-Hüd. 
Tatarisch: Oedöhöt. 
Georgisch: Opopt. 
Armenisch: Opop. 

Systematisches. 


Von meinen zwanzig kaukasischen Wiedehopfen kann ich nicht viel berichten; 
der Vogel ist in Grösse und Färbung sehr konstant. Die bei Tiflis und Lenkoran Ende 


*) Deshalb so genannt, weil im Koran seiner erwähnt wird als eines Abgesandten Salomos zur“ 
Königin von Saba (Nachricht von H, A. Berge in Tiflis). 


“il 


Upupa epops. — Sitta caesia. 299 


März und im April erlesten Exemplare stimmen alle genau überein. Eine kleine Varia- 
tion lässt sich an den längsten Federn der Holle ab und zu wahrnehmen. Bei einigen, 
wahrscheinlich recht alten Vögeln, ist die vor der breiten, schwarzen Endbinde stehende, 
weisse viel mächtiger, als bei anderen. Nach unten hin ist diese Binde nicht scharf 
umgrenzt, sondern geht allmählich in die lebhafte Zimmetfarbe der Feder über. Die 
Mauser am Halse beginnt bei dem Wiedehopf schon zeitig. Ein Männchen, auffallend 
gross, hat eine Totallänge von 27 cm; Schnabel auf der Firste gemessen 52 mm. 
Vier unbebrütete Eier wurden am 4./16. Mai bei Tiflis gesammelt. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Auch der Wiedehopf gehört der ganzen heissen Zone des Kaukasus an, bevor- 
zugt aber die Steppen und Tiefländer. Seine früheste Ankunftszeit notirte ich für 
Lenkoran 1866 mit dem 6./18. März. In Tiflis erscheint er gewöhnlich mit dem 15./ 
27. März. zu derselben Zeit lockte er schon in der Ebene von S’uram (2000° über dem 
Meere). Seltener traf ich ihn auf der Strecke Tiflis-Nucha an, wo 1870 vom 24. März / 
5. April— 26. März/7. April nur wenige Exemplare beobachtet wurden. Im Jahre 
1879 wurde das erste Exemplar bei Tiflis am 26. März /7. April geschossen. Wir 
hatten damals ein spätes Frühjahr. Im Talyscher Tieflande überwintern einzelne Exem- 
plare. Ende November wurden sie wiederholentlich bei Lenkoran beobachtet. Hier 
sah ich 1580 schon am 29. Febr. /12. März die ersten Ankömmlinge, am 8. / 20. März 
wurden die Vögel häufiger, am 12. / 24. waren sie gemein. Im Colchischen Tieflande 
lebt der Vogel auf allen waldfreien Gebieten Mingreliens häufig und findet sich auch 
in den Vorketten des Gebirges, so z. B. bei Dshwari. Bei dem Kloster Nikorzminda 
(Radscha) in einer Höhe von 4000‘ über dem Meere brütet er und lebt in dem tiefer 
gelegenen Rionthale aufwärts bis Uzeri (3500), wo ich ihn am 21. August / 2. Septbr. 
noch antraf. Auch im Letschehum-Gau, am Ladjianuri wurde er beobachtet. Nirgends 
sah ich ihn aber in den beiden Längenhochthälern der Swanen. Im Araxes-Thale ver- 
folgte ich ihn aufwärts bis nach Kulpi (4200). Auf dem armenischen Hochlande ist er 
nicht sehr selten, wenn das Frühjahr zeitig erscheint, so giebt es Anfangs April am 
Goktschai-See schon Wiedehopfe. Im Grossen Kaukasus kommt er in so bedeutenden 


Höhen über dem Meere nicht vor. Bogdanow erweist ihn von dorther bis höchstens 
‚zu 5000‘. 


197. Sitta caesia M. et W. 
Russisch: Popolsen. 
Systematisches. 

Die zwanzig Kleiber aus dem Kaukasus, welche ich bis dato zusammenbrachte, 
wurden bei Tiflis, in Betanien, an den Quellen des Schamchor und bei Lenkoran 
erlegt. Nur wenige von ihnen nähern sich durch lichtere, fast weisse Kehlfarbe der 
typischen S. europaea L., die meisten sind typische S. caesia M. et W. Mit Blanford*) 
muss ich in Bezug auf die Mittheilung von M&n&tries**) übereinstimmen. Ich kenne, 
wenigstens zur Sommerzeit, S. syriaca nicht aus den Wäldern und deute das Vorkommen 


*) Eastern Persia, Vol. I, pag. 223. 
=) Catalogue raisonne, pag. 43, Nr. 112. 


300 Sitta caesia. 


einer Sitla in den Gehölzen von Lenkoran auf S. caesia M. et W. — S. europaea L., 
welche beide sich nur durch Nuancen im Kolorit der unteren Körperseite von einander 
unterscheiden. Dagegen ziehe ich ohne Bedenken die bei Baku erlegten und von 
Me&n6tries unter S. europaea aufgeführten Vögel zu $. syriaca Ehrb. = S. Neumayeri 
Michahelles. 

An den kaukasischen Exemplaren der $S. caesia finde ich nur bei einigen die 
Schnäbel kürzer, stumpfer und etwas stärker. Diese arbeiten vornehmlich im Eichen- 
walde! Aus Lenkoran liegen mir aber auch grosswüchsige und langschnäbelige Indi- 
viduen vor. Im Uebrigen stimmen die Kaukasier mit deutschen und schwedischen 
Exemplaren genau überein, nur ist das Rosthraun der unteren Schwanzdecken nicht bei 
allen so intensiv wie bei meinen Vögeln, ja es fehlt zweien Exemplaren aus dem Quell- 
gebiete des Schamchor ganz. Die untere Körperseite steht in Bezug auf Färbung den 
italienischen Vögeln, welche ich bei E. v. Homeyer sah, am nächsten. Ich gebe die- 
Maximal- und Minimal-Maasse meiner Suite: 


| ER Scham- 
Lenkoran. hör 

Sıtta caesia. Nora: TORE 
mm mm 
Totallänge. . . a ae) 130 
Flügelbug bis zur Sitzen EEE EN, 83 83 
Länge des Schwanzes. . . 45 45 
Länge des Schnabels auf der Hiretös gemessen 20 16 
EalSsusız 080, Dean eynen, een 22 16 


Ende Mai sind die Kleider ausserordentlich vertragen, doch beginnt die Mauser- 
dann noch nicht. Am 13./25. Juni waren die Jungen bei Astara schon erwachsen. 
Nordmann’s*) S. europaea, die er als häufig im Kaukasus anführt, ist sicherlich $. 
caesia M. et W. Am 7./19. Mai wurden zwei Nester in hohlen Bäumen (Lenkoran) ge- 
funden; sie sind sehr nachlässig aus Langgras gefügt und haben als einziges Polster, 
auf dem die Eier ruhen, nur grobe Entenfedern. In dem einen Neste waren 5, im an- 
deren 3 kaum bebrütete Eier. Ich messe: 

Höhendurchmesser: 22 mm 
Breitendurchmesser: 16 „ 


Lebensweise und Verbreitung. 

Diese Art ist nicht überall in den Wäldern gemein, fehlt aber weder den lichten 
Laubwäldern der Vorberge mit vorwaltend krüppeligem Eichenholze, noch auch höher 
im Gebirge den Koniferen-Beständen. So sah ich sie mehrmals am 3./15. April 1879 
bei Bukuriani, wo dieser Kleiber die Birkenstämme besonders frequentirte. Die obere 
Verbreitungsgrenze kann ich mit circa 6000‘ festsetzen.. Gemein ist die Art in den 
Talyscher Wäldern, namentlich auch in den reinen Eichenbeständen. Bei den Len- 


*) Demidow: Voyage etc., Tome II, pag. 192. 


Sitta caesia. — Sitta syriaca. 301 


koran’schen Mineralquellen, 12 Werste landeinwärts, hörte ich zuerst die gellenden 
Lockstimmen schon am 12. / 24. Februar; dieser Ruf erinnert sehr an den des Wendehalses. 


198. Sitta syriaca Ehrb. typ. 
— S. Neumayeri Michl. 


et var.: ruptcola ‚blanf. 
Russisch: Popolsen skalöstyi d. h. Felsen-Kleiber. 


Systematisches. 

Ein Dutzend dieser Vögel liegt mir vor. Das Längenverhältniss der Schwingen, 
wie es Blasius und Keyserling*) für diese Art angeben, ist nicht konstant. Bei 
mehreren Vögeln, die im Winter bei Tiflis erlegt wurden, ist die erste Schwinge ent- 
weder etwas länger oder etwas kürzer, als die Hälfte der zweiten, aber die zweite stets 
kürzer, als die siebente; die dritte übertrifft an einigen Exemplaren die sechste um ein 
Geringes, an anderen erreicht sie deren Ende nicht. Ein kleinasiatisches Exemplar hält 
in dieser Hinsicht die Norm besser ein. Dagegen ist die Färbung der Schwanzfedern 
sehr beständig und auch den hell bräunlichen Flecken am Ende der Innenfahne der 
äussersten Schwanzfeder finde ich bestätigt. In Bezug auf Schnabellänge und Schnabel- 
stärke, sowie auf die kräftigere oder schwächere Tarsenentwickelung, finden wohl kleine 
Differenzen statt: Blanford **) hat darauf hin seine Sitta rupicola begründet, die ich 
nur für eine kleinwüchsige S. syriaca halten kann, da, wie genugsam bekannt ist, der 
Wuchs im Allgemeinen, wie namentlich auch die Schnabellänge und Stärke bei S. eaesia 
ganz in denselben Grenzen varürt. Die bei Herrn E. v. Homeyer gesehenen Tur- 
kestaner sind an Grösse der typischen S. syriaca gleich, besitzen etwas mehr Schwarz 
an den unteren Halsseiten und intensiveres Braungrau auf dem Unterleibe, welches sich 
auch über die Schwanzfedern ausdehnt. 

Meine kaukasischen Vögel bieten folgende Maasse, die ich, um sie mit denen 
Blanfords vergleichen zu können, in englischen Zollen gebe: 


Sitta syriaca var.: ruptcola 
typ. Blanf. 
| n 
| Kaukasus. Kl.-Asien.| Kaukasus. 
| Mm. w. w. M. Mi 
Belangen 2 6 5,8 5,9 5,2 5 
Länge des Flügels (Bug bis Spitze) | 3 3 3 3 2,9 
Länge des Schwanzes ae ee Re, 1,8 1,9 1,9 2 
Länge des Schnabels auf der Fste . . | 0,75 0,8 0,8 0,8 0,7 
Tarsus . u ME er | 0,9 0,9 1l 0,9 1 


Man ersieht hieraus, dass die Schwingenlängen bei allen Exemplaren sehr be- 
ständig sind. 


*) Die Wirbelthiere Europas, pag. 167. 
**) Eastern Persia, P. II, pag. 225. 


302 Sitta syriaca. — Certhia familiaris. 


Eine sonderbare Missgestaltung des Schnabels zeigt ein Männchen (var.: rupi- 
cola), welches bei Tiflis erlegt wurde. Der Oberschnabel auf der Firste gemessen hat 
27 mm Länge, der Unterschnabel legt sich von rechts her im Bogen über ihn hin. 


8 
GERNE: = 
_ | 


VG. 
Ga 


Lebensweise und Verbreitung. 


Ob diese Art im Gebirge der Nordseite des Grossen Kaukasus vorkommt, bleibt 
eine offene Frage, da sie von Bogdanow*) nicht nachgewiesen wurde. Mit einiger 
Sicherheit darf man es wohl a priori wenigstens vom Dagestan behaupten. An der 
Südseite des Hauptgebirges ist sie verhältnissmässig selten. Ich fand sie ab und zu 
in Chewsurien in den Höhen von 4—6000‘. Im Kleinen Kaukasus ist der Vogel gemein, 
zumal in der heissen Zone, wo er kahle, steilwandige, zerrissene Gebirge bietet. In den 
tiefeingerissenen Steilthälern Armeniens haust diese Spechtmeise überall und macht sich 
durch den gellenden, rasch aufeinanderfolgenden Ruf sehr bemerkbar. Am gemeinsten 
fand ich sie am Südfusse des Alagös in den steilwandigen, vulkanischen Spalten und 
Barankas bis zu 7000‘ über dem Meere, ferner im östlichen Arpatschai-Thale, bei 
Achalkalaki an den senkrechten hohen Abstürzen und in den Ruinen von Ani. Der 
Vogel ist ausschliesslicher Felsenbewohner, tritt im Winter thalabwärts in die wärmeren 
Ebenen, bleibt aber stets in der Nähe des Gebirges. Bei Tiflis findet man ihn in der 
Salalaki-Schlucht während des ganzen Jahres ziemlich häufig. 


199. Certhia familiaris L. 


Russisch: Pischtschucha. 


Systematisches. 

Ein Dutzend kaukasischer Exemplare vom Baumläufer liegt mir vor. Ich weiss 
nichts Anderes von diesen Vögeln zu sagen, als dass sie mit deutschen vollständig 
übereinstimmen, in der Grösse unter sich etwas variiren und auch die bekannten 
- Differenzen in Schnabellänge und Krümmung aufweisen. Der längste Schnabel misst 
obenher 13 mm, der kleinste, weniger gekrümmte, nur 13 mm. Die Grössendifferenzen 
an den Nägeln sind nicht der Rede werth. Meine Vögel wurden geschossen: Borshom 
4./16. Oktober 3 Männchen; Betanien bei Tiflis im Gebirge 10. /22. Oktober 1 Weibchen; 
Schamchorthal 5./17. November 1 Männchen, 2 Weibchen; Lenkoran 16./28. Januar 
bis 16./28. Febıuar 2 Männchen, 3 Weibchen. 

Die in Westeuropa dominirende Certhia brachydactyla Brehm ist mir niemals 
im Kaukasus vorgekommen und scheint es, dass sie mehr als eine Form, jedenfalls 
eine jener Spezies sei, welche Anrecht auf wirklich artliche Selbstständigkeit hat. Das 


*) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 113, Nr. 168. 


Certhia familiaris. — Tichodroma muraria. 303 


konstante, dunkle Bauchgenieder, sowie die Plastik der Zehen und die Maasse des 
Schnabels haben in mir die Ueberzeugung befestigt, dass bei diesem Vogel nicht mehr 
die Rede von Varietät oder Race sein kann. Ueberdies versichert E. v. Homeyer, 
dass auch in der Stimme ganz enorme Differenzen bei beiden Arten obwalten, so dass 
er im Stande ist, sie schon nach dem Lockrufe genau zu unterscheiden. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Ich .bin dem Baumläufer zwar im gesammten Waldgebiete des Kaukasus be- 
gegnet, doch war er in der unteren Zone desselben, zumal da, wo die Wälder licht 
gebaut standen und gute Hochstämme besassen, öfters anzutreffen, als in den oberen 
Gebieten, nirgends aber war der Vogel häufig. Gegen SO. hin verschwindet die Art 
keinesweges, obgleich weder de Filippi noch Blanford sie in Persien (auch nicht im 
waldigen Massenderan) gefunden haben; auch Mene&tries kannte sie aus dem Kaukasus 
nicht. In den Wäldern von Borshom habe ich sie nur einige Male im tieferen Gebiete 
gefunden. Vom 2./14. bis 4. /16. April 1879, als ich danach dort suchte und bis über 
5000° hoch stieg, konnte ich keinen Baumläufer entdecken. Dagegen waren diese 
Vögelchen am oberen Schamchor im Laubwalde nicht selten, die Zahl der bei Lenkoran 
erlesten belief sich auf mehr als ein Dutzend, von denen aber nur 5 präparirt wurden. 
Ich fand dort den Baumläufer in Gesellschaft der Meisen und Zwergspechte, er meidet 
selbst die ältesten Riesenstämme nicht. 


200. Tiechodroma muraria L. 


Russisch: Stenolas, ist nur die Uebersetzung von Mauerkletterer, und von mir hier nicht gehört 
worden; ich folge Bogdanow. 


Systematisches. 

Die Anzahl der Mauerläufer, welche ich aus dem Kaukasus besitze, beläuft sich 
auf zehn. Die Mehrzahl derselben wurde im Winter bei Tiflis erlegt, ein Exemplar bei 
Baku und ein anderes am Küs-jurdi an der persischen Grenze. Im November trägt 
der Vogel das schön ausgefärbte Winterkleid, welches obenher, namentlich auf dem 
Kopfe, einen recht bemerkbaren gelbbräunlichen Anflug auf dem Aschgrau besitzt. Die 
Mauser macht der schöne Vogel sehr zeitig durch, das am 2./14. Februar bei Baku 
erlegte Männchen besitzt bereits mehrere schwarze Federchen auf der Kehle. Ein am 
1./13. März erlegtes Männchen (Tiflis) trägt volles Sommerhabit, ein zweites vom 
3./15. März, besitzt auf der Kehle noch einzelne abgetragene Federn des weissen 
Winterkleides, ist im Uebrigen aber auch schon fertig vermausert. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Der Mauerläufer gehört dem gesammten, gebirgigen, kahlfelsigen Gebiete in 
einer Vertikalbreite bis zu 8000‘ Meereshöhe an. Er findet sich während des Sommers 
auch in der heissen Zone, doch kenne ich ihn aus den soeben angeführten bedeutenden 
Höhen vom Kasbek, Alagös, Kapudshich ete. Er ist aber nirgends gemein, immer nur 
in einzelnen Paaren lebend, und erst im harten Winter seine Standorte hoch im Gebirge 
verlassend. So kam er im Januar 1864 bei tiefem Schneefalle in die Gärten von Tiflis 
und sammelte von den Obstbaumstämmen die Insekten ab. Uebrigens lebt er paar- 


304 Tichodroma muraria. — Geecinus viridis. 


weise auch im Sommer unmittelbar bei der Stadt, so in der Salalaki-Schlucht und 
etwas östlicher am rechten, felsigen Kura-Ufer. Auch bei Mszchet sah ich ihn wieder- 
holentlich. Zwar die Nähe von Bäumen liebend, fehlt er doch vollständig dem Walde 
und zerrissene Felsenwände sind ihm entschiedenes Bedürfniss. Am Alagös bewohnte 
er die tief eingerissenen Barankas. Anfangs November am frühen Morgen flogen diese 
schönen Vögel von den Felsen des rechten Kura-Ufers unterhalb von Tiflis in die tief 
im Thale gelegenen Gärten. Man erkennt sie sofort am Fluge, den man nicht anders 
als schwankend, fast taumelnd nennen darf. 


201. Gecinus viridis L. typ. 
et var.: Saundersi Tacx. *) 
Russisch: Selenyi djatel d. h. Grün-Specht. 
Tatarisch: Tschubar-Tuburtkan. 
Georgisch: Alle Spechte heissen. Chekakuna. 
Armenisch: Alle Spechte heissen: Zarakutkut. 


Systematisches. 


Aus sechsundzwanzig Exemplaren setzt sich die Reihe meiner kaukasischen 
Grünspechte zusammen, sie wurden vornehmlich bei Lenkoran, einige auch bei Tiflis 
und am Chramflusse geschossen. 

Ich kann mich nicht der Meinung Herrn Taczanowskis**) anschliessen, dass 
nämlich der kaukasische Grünspecht eine eigene Art sei, und bringe in Folgendem 
meine Gründe dafür bei. Ja, ich darf dem kaukasischen Grünspechte nicht einmal die 
Qualitäten einer dauerhaften Lokal-Varietät beilegen, da alles das, was ihn vom central- 
europäischen Grünspechte unterscheiden soll, nämlich die Plastik des Schnabels und 
die geringen Differenzen in der Gefiederfärbung, durchaus variabel erscheint. Die 
englischen Ormnithologen erklären den asiatisch-türkischen Grünspecht ebenfalls für 
identisch mit dem europäischen, so Elwes und Buckley **), und Mene6tries}) führt 
den kaukasischen Vogel ohne Bedenken als @. viridis auf. Es hat ja auch keinen 
Zweck, solche neue „Arten“ zu kreiren und der Autor selbst spricht in seinem Artikel 
über @G. Saundersi stets nur von der „Form“, die er dem @. Vaillanti und @. Sharpi, 
sowie dem typischen Grünspechte vergleichend zur Seite stellt. Ich will nun successive 
das von Herrn Taczanowski Mitgetheilte an meinen Exemplaren suchen und es mit 
mir vorliegenden schwedischen und deutschen Grünspechten vergleichen. 

Ein altes Männchen, am 28. April / 10. Mai 1866 in den Wäldern von Lenkoran 
erlegt, und ein altes Weibchen vom Januar 1871 (Tiflis) stehen zunächst vor mir. Wie 
sich der kleinere Wuchs bei vielen Exemplaren der kaukasischen Vögel sofort ergiebt, 
wenn man sie mit den schwedischen und deutschen vergleicht, so macht sich die Differenz * 
auch in den Schnabellängen bemerkbar, worüber die annexirte Maasstabelle Auskunft 
ertheilt. Aber in Bezug auf die Spitzenbildung des Schnabels, welcher der Autor grossen 


*) Bogdanow hat (l. c. pag. 119) bereits Picus Karelini Brandt mit P. Saundersi Tacx. ver- 
eint und beide als P. viridis erkannt. 
=) Journal für Ornithologie 1878, Heft II, pag. 349 sq. 
***) Vergl. Dresser, The birds ete., Part. XXVI. 
7) Catalogue raisonne, pag. 46. 


Gecinus viridis. 305 


und entscheidenden Werth beilegt, trifft das nicht überall zu, was er an einem Exem- 
plare aus Lagodechi sah. Es ist wahr, die Firste der Endschneide des Oberschnabels 
alter Vögel ist schwach bogig abwärts geformt und nicht so gerade meisselförmig ab- 
geschnitten, wie bei dem alten europäischen Grünspecht; doch findet das nicht bei 
allen Vögeln statt und ein junger, deutscher Vogel besitzt sie genau so, wie der kau- 
kasische und ein anderer, im Nestkleide stehender, aus Hannover stammender zeigt die 
Spitze des Oberschnabels noch viel spitziger und in dem vorderen Drittheile der First- 
linie allmählich abwärts geneigter, als das an den kaukasischen Exemplaren zu sehen 
ist. Ich sollte meinen, dass die Spitze der Schnäbel bei den Spechten bis zu einem 
gewissen Grade abhängig ist von den Holzarten, in denen sie arbeiten. Nun kann ich 
in Bezug auf den kaukasischen Grünspecht die Versicherung geben, dass er vorzugsweise 
in den lichten Eichenwäldern lebt, welche einen grossen Theil der Vorketten des Haupt- 
gebirges bedecken. Diese Bäume sind zwar Quercus robur, wenigstens in der vorwaltenden 
Zahl, haben keinen hochstrebenden Wuchs, gehen breit und knorrig in der Krone .aus- 
einander, werden oft von den Eingebornen verhackt, treiben dann neue Kronen und be- 
sitzen, zumal auf steinigem Hügelterrain mit fettem Lehmboden, sehr hartes Holz. In 
solchen Wäldern habe ich hier zu Lande den Grünspecht stets angetroffen und zwar 
häufig. Er hämmerte im trockenen Mulm; es verrotten nämlich die überstandenen 
Stämme dieser Steineichen nicht durch Fäulniss, wie das im Norden gewöhnlich geschieht, 
sondern der heisse und lange Sommer macht die trockenen, saftlosen Stellen sehr rasch 
morsch und in diesem trockenen Mulm ist die Arbeit dem Spechte nicht schwer, die 
Abnutzung der Schnabelspitze daher eine verhältnissmässig geringe. Die Deutung 
Taczanowski's, dass der spitzere Schnabel der kaukasischen Grünspechte darauf hin- 
weise, der Vogel lebe hier mehr von Ameisen und hämmere weniger, kann ich nicht 
acceptiren. Soweit ich die Wälder des Kaukasus. kenne, so fehlen ihnen die hoch- 
bauenden Ameisen, und der Grünspecht hämmert auch anderweitig weniger, als die 
Bunt- und Schwarzspechte. Eifrig habe ich ihn im Moose sammeln sehen und in den 
feuchten Lenkoran’schen Wäldern sind die windgeschützten Baumstammseiten oft 
stark und dicht überpolstert; diese Mooslager sind auch reich an schönen Landeonchylien 
und Insektenlarven etc. 

Endlich gebe ich zu, dass an zweien kaukasischen Grünspechten die Spitzen- 
hälfte der Schnäbel wohl verjüngter erscheint, doch widerspricht dem wieder ein jüngerer 
Vogel mit starkem Schnabel und es darf überhaupt nicht übersehen werden, dass die 
Schwankungen der Grössenverhältnisse des ganzen Vogels und Schnabels geringer im 
Kaukasus, als in Deutschland sind. Die bogenförmige Neigung finde ich bei dem jungen 
Vogel aus Hannover stärker prononcirt als bei irgend einem meiner kaukasischen Exemplare. 

Sehen wir jetzt zu, wie es mit den Farben des Gefieders steht. Die sichtbare 
helle Strichelung des grünen Rückengefieders ist bei jüngeren europäischen Vögeln zu 
erkennen, dem ganz alten Männchen aus Schweden, von Mewes erhalten, fehlt sie voll- 
kommen. Ich habe soeben mehrere einzelne Rückenfedern den mir vorstehenden 
Exemplaren ausgerupft und sie nebeneinander gelegt und muss bekennen, dass ich ab- 
solut keinen Unterschied wahrnehmen kann. Ebenso schliesst sich die Gesammtfarbe 
des Rückens und der Schwingen zweiter Ordnung, sowie die der kleinen Flügeldecken 
genau an das Kolorit des alten, schwedischen Grünspechtes an und bleibt hinter den 


matteren Farben des Grauspechtes weit zurück. Es ist gewiss, dass das einzige Exem- 
Radde, Ornis caucasica. 


306 Geeinus viridis. 


plar, nach welchem Herr Taczanowski seinen @. Saundersi aufstellte, alles Mitgetheilte- 
besitzt, aber es gilt das keinesweges für alle kaukasischen Grünspechte. Meine Vögel, 
auch die Weibchen, weisen im Kleingefieder nur olivengrünen Anflug, aber gar keinen 
Stich in’s Graue auf. Die Unterseite des Körpers anlangend, so stimmen auch hier 
meine Vögel mit den Europäern im Wesentlichen überein. Das Weibchen von Tiflis 
ist recht lebhaft gelbgrün, nach oben hin in Grau getrübt, nach unten hin sehr stark 
in Gelb ziehend.. Das Männchen ist lichter, mehr gelbgrau, nach oben und unten hin 
in Schmutzig-grau übergehend. 

Die Bänderung der Schwanzfedern ist nicht konstant. Während mein weib- 
licher Vogel sie besitzt, trägt das Männchen den Schwanz der spanischen Varietät, 
d. h. es besitzt die beiden mittleren Schwanzfedern stark, die beiden äusseren schwach, 
und die 3. und 4. gar nicht gebändert. Die Bürzelfedern, lebhafter gelb bei dem 
Weibchen, als bei dem Männchen, kann man bei meinen Vögeln entschieden dunkel 
eitronengelb nennen. Die Zeichnung der seitlichen Gesichtspartien stimmt vollkommen 
zu der des typischen Pieus viridis, ist bei dem im Januar bei Tiflis erlegten Weibchen 
fast ebenso tief schwarz, als bei dem schwedischen Männchen, dagegen bei dem Männchen 
im April bei Lenkoran geschossen, in der That lichter. So weicht denn auch endlich 
das Roth des Kopfes bei meinen Vögeln gar nicht von dem der europäischen Individuen ab. 

Ganz einverstanden bin ich mit dem schliesslichen Raisonnement des Herrn 
Taczanowski, er schreibt: 

„Sie (nämlich die 4 Formen des Grünspechtes: 

Gecinus vürdis L. 

55 Sharpü Saund. 

* Vaillanti Malh. 

= Saundersi Taecx.) 
„zeigen nur die sehr wichtige Thatsache, dass die drei äussersten Gegenden der Verbreitung: 
des typischen europäischen Grünspechtes durch einander sehr nahe stehende, 
nur mehr oder weniger veränderte Formen bewohnt werden.“ Wie nach 
diesem Eingeständnisse des Autors unmittelbar hinter die Diagnose des Gecinus Saun- 
dersi n. Sp. zu stehen kommt, bleibt um so unerklärlicher, als nach dieser Diagnose 
Jedermann auch den typischen Grünspecht Europas erkennen kann. 

Die Maasse meiner Vögel ergeben nachstehende Tabelle: 


n 
1 
| 
Il 


Kaukasus. Schweden: 


Gecinus viridis L. Im Iw T. 1 Te 
| mm | mm | mm | mm | mm.| mm 


290 | 310 | 310 | 290, 310 | 330 


Totallänge (Balg mit gerade gerichtetem Schnabel) - 


Flägelbug bis zur Spitze . . 2: 2.2.7. | 155: 160:| 165:| 150) 162)= 165 
Schwanzlänge in den Mittelfedern . . . : .| 102| 113| 107| 110 | 113 | 415 
Schnabellänge auf der Firste gemessen. . . .| 38/| 3838| 40) 40| 38 44 
Mundspalte Ä .| 41 431 45| 44 3 49 
Schnabelschneide vorne in der Höhe gemessen . | 1,5 2| 1,5 Ocsitz)]) 1,5 2,5 


Mittelzehe ohne Nagel . 27.222957 23.0:95 26 
Nagel der Mittelzehe gerade gemessen . 11 118 13 15 14 15 


Tarsus. .. Be 30.2.302223017229 30 


Gecinus viridis. — Geeinus canus. 307 


Am 3./15. März 1879 erhielt ich ein altes Grünspecht-Männchen ; seine vordere 
Schnabelschneide hat eine Höhe von ganzen 3 mm und es fehlen den Rückenfedern auch 
nicht die helleren Schaftstriche, was namentlich auf dem oberen Rückentheile überall 
deutlich zu sehen ist. Die Totallänge des Vogels ist 290 mm. Ein zweites altes 
Männchen aus dem Chramthale stimmt genau zum alten Schweden und besitzt 310 mm 
Totallänge; hier finden wir also auch. in der Grösse die entsprechenden Maasse des 
typischen @. verdis. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Ich deutete oben schon an, dass der Grünspecht die mit Eichen vornehmlich 
bestandenen Hügelketten, welche die letzte Vermittelung des Gebirges mit dem Tieflande 
herstellen, bewohnt. An solchen Lokalitäten fand ich ihn auch im Winter am häufigsten. 
So notirte ich ihn am Unterlaufe der Aragwa (in einer Höhe von 1500‘ über dem 
Meere) am 13./25. Novbr. 1863 als gemein, viel häufiger als der grosse Buntspecht. 
Ganz ebenso trieb er sich in Paaren überall auf dem Wege von Kutais nach Sugdidi 
umher, namentlich auf der Strecke Martwili-Sugdidi, wo eben dieses Hügelterrain in 
. regelmässigster Ausbildung gelegen, von nicht sehr hohen Steineichen licht bedeckt ist 
und unmittelbar auf dem Boden streckenweise den üppigsten Flor von Pferis aquilina (me- 
zima!) ernährt, der bis 8' Höhe erreicht. Im Massenderan’schen Tieflande trieb sich der 
Grünspecht gerne in den Wäldchen von Acacia Julibrissin umher und sammelte fleissig 
auf dem Sande seine Nahrung. Den Lichtungen der geschlossenen Hochwälder in 
Borshom fehlt er nicht, besucht auch gelegentlich die Kiefernbestände. Oben an der 
Baumgrenze sah ich ihn nicht. An den Quellen des Schamchor wurde er mehrfach 
beobachtet und ein Exemplar erbeutet. Mit etwa 6000° wird man sein Vorkommen in 
der Vertikal-Richtung abschliessen müssen. Einzeln traf ich ihn auch dem Kuralaufe 
abwärts entlang, soweit dort Gärten und zerstreut vertheilter Baumwuchs sich finden. 
Bei Lenkoran ist der Grünspecht, zumal im Winter, häufig. 


202. Gecinus canus Gml. 


Bis dato liegt mir leider noch kein kaukasisches Exemplar zur Besprechung vor. 
Lebensweise und Verbreitung. 

Nach meinen Erfahrungen gehört der Grauspecht zu den Seltenheiten in den 
Transkaukasischen Landen. Zwar führt ihn Pallas*) für Astrachan noch als gemein 
an, was Bogdanow bestätigt, aber im Kaukasus kennt ihn M&ndätries**) nur aus 
einem Garten des Lenkoran’schen Tieflandes, woselbst ich ihn auch sah. Ebenda 
beobachtete ihn in letzter Zeit Herr Maximowicz, welcher seit mehreren Jahren in 
den Umgegenden von Lenkoran jagt. Auch in den Gebieten bei Tiflis wollen ihn 
sachkundige Jäger bemerkt haben. Ich darf Nordmann’s***) Angaben, welche auch 
Dresser acceptirt, nicht bezweifeln, umsomehr glaube ich ihm, als er genau angiebt, 


*) Zoogr. rosso-asiat., T. I, pag. 409. 
**), Catalogue raisonne, pag. 46. 


) Demidow: Voyage etc., Tome II, pag. 211. 
SE 


308 Geeinus canus. — Dryocopus martius. 


dass der Grauspecht in den Wäldern Abchasiens häufig sei und sich von den Larven 
des Elater Pareyssii erınähre. Doch gestehe ich, dass ich in jenen Gegenden immer 
nur dem Grünspechte begegnet bin. 


203. Dryocopus martius L. 
Russisch: Sholna, oder Tschornyi djatel. 


Systematisches. 

Zehn Kaukasier wurden bis jetzt erworben; die meisten von ihnen, Männchen 
und Weibchen, wurden im Dezember und Januar in den Talyscher Wäldern erlegt. 
Ein am 4./16. April bei Lenkoran erlegtes altes Männchen trägt ein ungemein ver- 
blichenes und verstossenes Gefieder, namentlich obenher ist das Schwarz ganz ver- 
schossen. Fast alle Deckfedern des Flügels, zumal die am Bug stehenden, sind erdbraun 
und noch heller erscheinen die Enden der grossen Schwingen. Im Nacken und auf 
dem oberen Rücken hat sich das Kolorit gut erhalten, aber der Unterrücken ist wieder 
braun. Die mittleren Schwanzfedern sind arg abgenutzt, die eine von ihnen bis zur 
Mitte verstossen. Auch das Roth des Kopfes ist matter als gewöhnlich und endet an 
den Schopffedern in Braun. Die Grössenverhältnisse dieses Vogels stimmen vortrefflich 
zu denen sibirischer und schwedischer Exemplare. Uebrigens erwähnt Robson (in 
Dresser’s Werk) die braune Färbung bei türkischen Exemplaren und deutet sie als 
vom Alter abhängend, womit ich nicht einverstanden bin. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Der Schwarzspecht wählt die geschlossenen Hochwaldbestände zum Aufenthalte 
und ist in ihnen nirgends gemein. Er hämmert gerne niedrig und behauptet paarweise 
sehr exclusiv sein Revier. In den menschenleeren Hochwäldern des mittleren Ingur- 
laufes, da, wo der Gebirgsfluss in rapidem Falle den ihm vorliegenden Gebirgsriegel 
durchbricht, hörte ich oft den lauten Klageruf, der dem langgezogenen Miauen einer 
Katze nicht unähnlich ist. In den Wäldern am Hippos, zwischen Muri und Lentechi 
gelegen, wo die Rothbuche dominirt, traf ich mehrere Paare an. Während der Reise 
zu den Phasis-Quellen, bereits nahe an 6000° über dem Meere, oberhalb vom Dorfe 
Glola, wurden Ende August mehrere Paare beobachtet und lebten diese schon in den 
Tannenwäldern (Abies orientalis). Im Massenderan’schen Tieflande ist es Quercus castaneae- 
folia, welche der Schwarzspecht bevorzugt (weiches Holz) und höher im Gebirge von 
Talysch, bevor man in den Kessel von Diabar tritt, bewohnt er in einer Höhe von 
5—6000° über dem Meere den reinen Rothbuchenhochwald. An dem Öberlaufe des 
Schamchor sah ich ihn ebenfalls. Für die Ornis Persiens kann man ihn ohne Zweifel auf- 
führen, er kommt in den Wäldern Gilans und Massenderans sicherlich vor, aber Blan-- 
ford*) kennt ihn nicht von dorther. 


*) Blanford, Eastern Persia, Vol. II, pag. 130. 


Picus major. 309 


204. Picus major L.*). 
Tat xx. 


Russisch: Obyknowennyi-djatel, gewöhnlicher Specht. 
Die bei den Georgiern und Armeniern üblichen Namen für Spechte im Allgemeinen wurden 
bereits oben bei dem Grünspechte erwähnt. 


Systematisches. 


Die kaukasischen Exemplare des grossen Buntspechtes stimmen vollkommen 
mit denen Schwedens und Deutschlands überein, sind aber meistens auf der gesammten 
unteren Körperseite reiner weiss, als die Europäer, welche gewöhnlich schmutzig weiss 
erscheinen und unterscheiden sich dadurch auch auf den ersten Blick von dem östlich 
im Caspischen Tieflande lebenden P. Poelsami Bogd. Sowohl die schwarzen Gesichts-, 
Hals- und Brustzeichnungen, als auch die Vertheilung der Farben auf den Schwanz- 
federn sind konstant. Dagegen unterliegt die Grösse der weissen Flecken auf den 
Schwingen doch ziemlich bedeutenden Schwankungen, erreicht aber niemals das Ueber- 
gewicht über die schwarzen Binden und, was zum Unterschiede von .P. syriacus mir 
wichtig erscheint, die weisse Fleckung geht viel weiter bis zu den Spitzen der grossen 
Schwingen, so dass am P. major, sowohl bei den kaukasischen Exemplaren, wie auch 
bei einigen deutschen, die Spitze der Aussenfahne der dritten Schwinge weiss ist. Auch 
von dieser Art darf ich behaupten, dass die kaukasischen Vögel gewöhnlich etwas 
kleiner sind, als die europäischen; die grössten Exemplare der letzteren messe ich im 
Balge 250 mm, die kaukasischen Exemplare nur mit 230 mm Totallänge, überdies sind 
die Weibchen stets kleiner, als die Männchen, das kleinste meiner Weibchen misst nur 


200 mm. 


Lebensweise und Verbreitung. 


In allen Wäldern des westlichen und centralen Gebietes ist der Buntspecht 
gemein, zumal an den Rändern grösserer verrotteter Bestände. Nur aus dem Talyscher 
Tieflande besitze ich den grossen Buntspecht nicht, dort herrscht allein P. Poelsami, 
der gewissermaassen ein Buntspecht im Wuchse von P. syriacus, in der Zeichnung von 
P. major and im Kolorit selbstständig ist. Zeitweise lebt der grosse Buntspecht auch 
in den Gärten von Tiflis und sogar mitten in der Stadt im Palais-Garten, wo ausser 
Ihm auch P. medius erlegt wurde. Wo Picus major seltener ist, da wird Gecinus 
viridis um so häufiger. In Adsharien traf ich ihn noch im Bereiche der Baumgrenze 
an. Am 24. Juni /6. Juli 1864 gab es in einer Höhe von circa 5000‘ über dem Meere 
im Dadian’schen Swanien flügge Junge in den Wäldern, welche zwischen den Dörfern 
Lentechi und Latschketi gelegen. 


*) Dr. Altum schrieb am 29. Oktober 1861 (Journal für Ornithologie 1862, pag. 383) bei Ge- 
legenheit des von ihm bei Oelde erlegten P. numidieus: „Meine Vergleichung mit anderen Rothspechten 
konstatirte nur sehr geringe anderweitige Unterschiede, wıe ja überhaupt kein Individuum dem anderen 
ganz vollständig gleicht; auch das zu diesem »numidieus gehörende Weibchen war anderen weiblichen 
grossen Buntspechten gleich etc.“ — Ich glaube, es wird die Zeit kommen, in welcher P. numidieus und 
P. syriaeus doch nur als südliche und südöstliche Varietäten von P. major betrachtet werden, wenigstens 
wird ein gewisser Theil der Fachgenossen das thun. 


310 Picus Poelzami. 


205. Pieus Poelzami Bogd.*). 
Taf. XX. 


Systematisches. 


Leider kann ich diesen Specht nicht mit Preus Gouldiö Malh. oder P. Luciani 
Malh. vergleichen, da mir Original-Exemplare und auch Malherbes Werk fehlen. 
Nach Bogdanow sind beide dem P. Poelxami nahe verwandt. 

Ich spreche in diesem Artikel von nicht weniger als fünfundfünfzig alten 
Vögeln dieser Art und von fünf Jungen. Alle diese sind nun im Tieflande und Gebirge 
von Talysch gesammelt worden, mehr als hundert sind mir 1879—1880 in die Hände 
gekommen. An keiner anderen Lokalität im Kaukasus ist mir diese gute, im Kolorit 
sehr feste Art vorgekommen. Es ist gleichsam, als ob die Natur — nachdem die 
Waldzone in Transkaukasien auf viele Meilen weit vollkommen unterbrochen wurde und 
sich die Wüsteneien des unteren Araxes- und Kura-Gebietes wie ein zwingender Scheider 
zwischen die Waldgebiete von Karabagh und diejenigen von Talysch legten — es ist, 
als ob die Natur sofort einen anderen Typus schaffte, der, ohne irgend die geringsten 
Uebergangsformen aufzuweisen, in der Plastik und Zeichnung ebensowohl den P. major, 
als auch den P. syriacus der westlichen Gebiete repräsentirt, aber im Kolorit auf das 
Entschiedenste unabänderlich bleibt und von beiden stark abweicht. Um uns kurz zu 
fassen, können wir P. Poelxami Bogd. am besten so charakterisiren: Er ist ein Bunt- 
specht, der bis jetzt nur im Talyscher Gebirge und namentlich im Winter im Tieflande 
daselbst lebt, welcher die Grössenverhältnisse von P. syriacus, die Zeichnung von P. 
major besitzt und dessen ganze untere Seite vom tiefen Chocoladenbraun bis in’s fahle 
Erdbraun zieht, während die hinteren Bauchfedern und Schwanzdecken himbeerroth 
(nicht leuchtend karmin) sind. 2 

Ich habe alle meine Exemplare mit P. major verglichen und finde sie in den 
Umgrenzungen von den Zeichnungen in Schwarz und Weiss auf den Schwänzen und 
den Flügeln — fast möchte ich sagen — kongruent. Ebenso ist das der Fall am 
Halse und am Kopfe. Nie schliesst sich auf der Brust der Ring; stets trennt der 
schwarze Mundwinkel-Halsstreifen mit seinem Nackenaste das weisse Wangen-Ohrenfeld 
vom weissen Oberrückenflecken. Nur das Feld der weissen Scapulares ist bei allen 
meinen Exemplaren von P. Poelxami etwas beschränkter, als bei P. major typ. Bei 
alten Weibchen sind ausnahmsweise die obersten Scapularfedern auch chocoladenbraun. 
Nicht anders verhält es sich mit dem Roth des Hinterhauptes der Männchen. Ich darf 
da Herrn Bogdanow, welcher diese Spezies kreirte, widersprechen. Er giebt als 
Charakter (l. c.) für das alte Männchen nur einen dreieckigen, rothen Oceipital-Fleck 
an. Alle meine 20 Männchen haben da eine Binde stehen, welche von 10—30 mm 
Breite schwankt. Auch muss ich sagen, dass die Stirnbinde bei den einen, ob Männchen 
oder Weibchen, bald wie bei P. major weiss ist. bald stark braun, sogar fuchsig 
erscheint und dass ihre Breite ein wenig abändert. Ich würde kaum Bedenken haben, 
P. Poelxami mit P. major als Art zu vereinigen und für den ersteren nur den Charakter 
einer ausgezeichneten geographischen Varietät zu beanspruchen. Um dies zu können 
müsste ich Uebergänge im Kolorite der Unterseite des Körpers nachzuweisen im Stande 


*) Bogdanow, Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 121. 


Picus Poelzami. 311 


sein. Dieses aber ist mir trotz des gewiss erschöpfenden Materials unmöglich. Es giebt 
ja in Europa manche grosse Buntspechte, die untenher schon, angefangen von der 
Kehle, hell schmutzig weiss-bräunlich sind. Allein dieser trübe Farbenton ist ein ganz 
anderer, als wir ihn bei P. Poelxami sehen. Bei ihm haben wir es mit einer gesättigten 
chocoladenbraunen, ja, wie unser Bild zeigt, sogar mit einer noch tieferen, erdbraunen 
Farbe zu thun. Nun aber ist es merkwürdig, dass gerade alle meine kaukasischen 
Exemplare von P. major die untere Körperseite viel reiner weiss haben, als die Suite 
der mir vorliegenden deutschen Vögel. Es würden sich also in diesem Falle hier im 
Osten die Extreme der Färbungen nahe treten und die sie vermittelnden Uebergänge 
weit westwärts zu suchen sein. Ich habe nun nur noch zu sagen, dass das Roth am 
- Unterleibe und auf den unteren Schwanzdecken bei P. Poelxami stets viel matter als 
bei P. major ist, fast ein intensives Rosa. 
Es folgen nun die Maasse von P. major, P. syriacus und P. Poelxzami, wobei 
ich wieder die grössesten und die kleinsten Exemplare messe. 


Picus major. Picus syriacus. Picus Poelzami. 
| Deutschland | Kaukasus Kau- | Kjein-Asien Talysch 
| Euren erene) ”" | kasus. ; I: 


END nlRr 


| | 
ı mm , mm |; mm ' mm I mm mm mm I mm mm mm mm 


Totallänge . . . . 1,280, 222 | 220 | 205 | 205 | 200 | 210 | 210 215 | 200 | 200 
Flügelbug bis zur | | | | 
Spizer.: ..2.0.1382|.130..129)| 132) 125 | 125 | 128 | 128 | 122 | 117 | 120 


Länge des Schwanzes | 9 | 94 | 942285212. 80) 2 83212 851° 8920251. anle i 
Länge des Schnabels | | | 

auf der Firste. .| 2656| 35| 28| 5| 35| 25| 27| 50| 27 2325| 25 
Besuse a 2. 0.5....1.28 | 24 | 24.7 23.1031. 92| 9421, 25.1,,04., 293,| 22 


II | 
il 


| 
j 


Bei dem Dorfe Lyrik (circa 5000‘) im Talyscher Gebirge wurden am 28. Mai/ 
10. Juni vier junge Vögel erlegt. Sie sind noch nicht ausgewachsen und haben grosse 
dunkelrothe Kopfplatten, die sich bei den einen (M.?) von hinter dem Scheitel bis nicht 
ganz zur Schnabelwurzel ziehen, bei den anderen (W.?) einen viel geringeren Platz 
mitten auf dem Kopfe einnehmen. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Dieser Buntspecht steigt zum Winter ‚ganz entschieden in grosser Anzahl aus 
den Talyscher Gebirgen in die Wälder der Ebenen herab. In diesen lebt er aber auch im 
Sommer ziemlich häufig und geht hier unten schon Mitte März an das Brutgeschäft, 
wozu er hohle Bäume benutzt (Quercus castaneaefola, Carpinus, Fagus, Ulmus, ‚Ptero- 
caria ete). Im Winter ist er daselbst und sogar in der Stadt Lenkoran gemein und 
man kann ohne Mühe an einem Tage 10—15 erlegen. Nirgends ist mir anderweitig im 
Kaukasus diese Art vorgekommen, sie gehört, soweit unsere Erfahrungen reichen, nur 
dem südlichen Caspi-Ufer an und steigt dort mit den Wäldern bis circa 6000° über 
dem Meere in’s Gebirge hinauf. 


312 Picus syriacus. 


206. Picus syriacus Hempr. et Ehrb. 
— P. feliciae Malh. : 


Systematisches. 

Ich werde mit meinen ornithologischen Freunden nicht streiten über den 
Begriff der Art. Ich gebe ihnen überall da gerne nach, wo es, wenn auch mit einem 
Fragezeichen, noch möglich ist, und ich acceptire also diese von Hemprich und 
Ehrenberg, später von Cabanis geschaffene und aufrecht erhaltene Art. Ich bin 
darum in Bezug auf den kaukasischen Grünspecht nicht inkonsequent gewesen, denn, 
was die Plastik anbelangt, so liegen bei ihm ebensowenig feste Unterschiede (Schnabel) 
vor, wie auch in Bezug auf die Vertheilung und Intensität der Farben. Dieses Letztere 
aber findet bei der jetzt in Rede stehenden Art statt. Das alte Weibchen des syrischen 
Spechtes, im Januar 1871 bei Tiflis erlegt, stimmt zu Dressers Abbildung und Be- 
schreibung und reiht sich unmittelbar an ein jüngeres Weibchen, welches bei Smyrna 
erbeutet wurde; jedoch fehlt meinem alten Vogel der röthlich angeflogene Brustring, 
welcher vorne die schwarzen Schenkel der seitlichen Halszeichnung schliessen soll. 
Das Weiss der Stirne ist an meinem Vogel noch weiter hinaufreichend, als bei dem 
kleinasiatischen Exemplare, so dass es in seiner abgeplatteten oberen Bogenlinie bis 
über die Augenhöhe sich erstreckt. Der obere Augenring ist weiss, was aber auch bei 
alten Exemplaren von P. major stattfindet. Die Zügel und seitlichen Halsflanken stehen 
in reinem Weiss da, welches sich nach unten hin bedeutend verbreitert. Im Genicke 
bleibt nur ein verhältnissmässig schmaler, schwarzer Streifen stehen. Die Scapulares 
nehmen ein viel grösseres weisses Feld ein, als bei P. major. Bei jüngeren Vögeln 
aber sind diese weissen Federn derartig schwarz gebändert, dass die erste, im vorderen 
Dritttheile stehende Queerbinde am Schafte nach vorne spitz ausgezogen, und die zweite 
verdeckte nur andeutungsweise vorhanden ist. Auch in Bezug auf die Entwickelung 
der weissen Binden und Flecken der Schwingen scheint P. syriacus konstant zu sein 
und bedeutend mehr Weiss als P. major zu besitzen, dagegen bleiben aber die Enden 
der grossen Schwingen bei ihm ohne weisse Flecken. Ohne Bedenken ziehe ich, wie 
es auch Dresser thut, den de Filippischen P. Khan aus Persien zum P. syriacus. 
Bei den Schwanzfedern findet in Bezug auf die Vertheilung von den weissen und 
schwarzen Binden ein sehr beständiges Verhältniss statt. Während bei P. major die 
weissen Felder immer breiter auf den beiden äusseren Schwanzfedern werden und die 
beiden schwarzen Binden nur klein, oft nur andeutungsweise vorhanden sind, besitzt 
P. syriacus einen durchweg schwarzen Schwanz, auf dessen äusserer Feder an der 
Spitze eine am Schafte unterbrochene, weisse Fleckenbinde steht, oberhalb welcher 
sich auf der Aussenfahne noch ein weisser Flecken bemerkbar macht. An dieses soeben 
besprochene Weibchen schliesst sich vortrefflich ein anderes, welches am 25. Februar / 
9. März 1878 in den Wäldern der Karagas-Steppen (7 Meilen Kura abwärts von Tiflis) 
durch Se. Kaiserl. Hoheit den jungen Grossfürsten Nicolai Michailowitsch mit seinem 
Männchen erlegt wurde. Auch an diesen Exemplaren halten die Schwanzfedern und 
die Vertheilung der weissen Flügelflecken genau das oben schon Gesagte ein. Es 
scheint, dass bei den Weibchen das Stirnweiss höher hinauf reicht, als bei den Männchen, 
wenigstens ist das der Fall bei meinen Vögeln. Nach allen diesen Erörterungen halte 
ich die Art P. syriacus aufrecht; die Grössenverhältnisse gab ich in der Tabelle über 
P. Poelxami. 


Picus syriacus. — Picus medius. 313 


Lebensweise und Verbreitung. 

Ich kenne den Vogel nur von den Lokalitäten, wo auch P. major typ. vorkommt. 
In den Wäldern des Saguram-Stockes, im Norden von Tiflis und in den Verflachungen 
desselben zur Aragwa hin ist er anzutreffen; von dort her stammt auch das besprochene 
Weibchen. Nirgends bin ich dem Vogel im Talyscher Gebiete begegnet. Es ist schwer 
zu sagen, welche Art häufiger ist, P. major oder P. syriacus; die Jäger unterscheiden 
sie nicht. Während ich zwölf grosse Buntspechte aus dem Kaukasus besitze, habe ich 
nur vier von P. syriacus. Gelegentlich findet man ihn auch wie P. medius in der 
Stadt im Palaisgarten. 


207. Picus medius L. typ. 
et var.: Sancti Johannis Blanf. 
Taf. XIX, Fig. 3 und 4. 
Systematisches. 

Nur fünf Exemplare wurden bis jetzt und zwar bei und sogar in Tiflis, am 
Chramflusse und in Betanien, westlich von Tiflis im Gebirge, gesammelt. In jeder 
Hinsicht stimmen meine in den Umgegenden von Tiflis erlegten Vögel vollkommen mit 
deutschen und schwedischen Exemplaren überein. Bei einem Männchen vom 6./18. 
Januar 1871 sind die Schopffedern prachtvoll intensiv roth bis zu ihren Spitzen. Bei 
einem zweiten vom 28. Februar / 12. März sehe ich sie viel matter und im Genicke in 
lichtes Braun ziehend. Die weissen Decken auf den Flügeln sind an meinen zwei 
alten Männchen sehr scharf und schmal schwarz umrandet. Bei dem letzteren der er- 
wähnten Männchen folgt dem Roth des Leibes aufwärts bis fast zum Halse ein schöner, 
gelber, allmählich heller werdender Anflug, der sich zum Theile auch über die Weichen 
verbreitet. Ganz ebenso verhält sich alles dies bei einem Männchen, welches am 25. 
Februar /9. März in den Wäldern der Karagas-Steppe erlest wurde. 

Es liegt mir nun noch ein Männchen vom 12./24. März aus dem Chramthale 
vor, dieses besitzt einzelne Charaktere des Blanford’schen P. Sancti Johannis *), 
einzelne aber auch vom typischen P. medius. Mit dem Bilde und der Beschreibung des 
gelehrten Engländers verglichen, stellt sich heraus: 

1) Die Zeichnung der äusseren Schwanzfeder auf der Unterseite wie bei Sanchı Jo- 
hannis, aber auf der Aussenfahne in einmaliger, schmaler Zackung schief einen 
Zoll hinaufgehend (rectricibus extimis faseia unica alba mediocri iransversa Bifd.). 

2) Die Vertheilung von Weiss und Schwarz auf den Flügeln und dem Rücken stimmt 
gut zum Bilde Blanford’s, kommt aber auch bei P. medius typ. in gleicher 
Weise vor. 

3) Ist nicht entsprechend der Blanford’schen Abbildung der schwarze Halsstreifen 
von seiner Fortsetzung zur Brust; bei meinem Vogel ist er weder durch ein 
schmales weisses Mittelfeld getrennt, noch nach aussen hin weiss umrandet. Jene 
Art der Zeichnung ist aber für P. Saneti ‚Johannis durchaus nicht exclusiv. 
Schwedische Exemplare von P. medius besitzen sie ebenso. 

4) Das lebhafte Gelb der abdominalen Gegend scheint den kaukasischen Vögeln dieser 
Art in ihren beiden Formen in gleichem Maasse zuzukommen. 


*) Blanford, Eastern Persia, Vol. I, Titelkupfer und pag. 133. 
Badde, Ornis caucasica. 40 


314 Picus medius. — Picus leuconotus. 


5) Die Grössenverhältnisse, welche hier folgen, erweisen die von mir nur als Varietät 
gekennzeichnete Form des P. medius als nicht hinter P. Sancti Johannis zurück- 
bleibend. Ich gebe sie in englischen Zollen, um sie mit den Blanford’schen ver- 
gleichen zu können: 
Totallänge 8,75, Flügel vom Bug bis zur Spitze 4,75 (4,73—4,9 bei medius), 
Schwanzlänge 3,1 (2,86—3,2 bei medius),. Tarsus 0,8 (0,52—0,9 bei medius), 
Schnabel auf der Firste gemessen 1,0 (1—1,2 bei medius) 
Auch in den Maassen stellt sich mein Vogel zwischen P. medius typ. und 
P. Sancli Johannis. 
Da nun der deutliche Uebergang durch das Exemplar vom Chram von P. St. 
Johannis zam P. medius dargethan ist, so vereinige ich beide als nur eine Art bildend. 

Die bei Herın E. v. Homeyer untersuchten kleinasiatischen, bei Aidin ge- 
sammelten Mittelbuntspechte entsprechen vollkommen den kaukasischen und zeichnen 
sich ebenfalls durch lebhaftes Gelb auf der unteren Körperseite vom nordischen 2. 
medius aus. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Durch meine Mittheilungen wird das Verbreitungsgebiet dieser Art nach Osten 
hin bedeutend erweitert. Nordmann’s*) Anmerkung, dass es in den Wäldern Ab- 
chasiens einen dem Mittelbuntspecht nahestehenden, aber am Leibe und den unteren 
Schwanzdecken weiss und schwarz gestreiften Specht gäbe, bleibt fernerer Diskussion 
offen. Er kennt unseren Vogel mit Sicherheit nur als seltenen Gast aus der Krimm. 
Abott**) ermittelte ihn für Trabesund. Der griechischen Ornis (Macedonien) gehört 
er an, aber de Filippi kennt ihn aus Persien nicht und in Bogdanow’s Verzeichniss 
fehlt er. Der Mittelbuntspecht treibt sich im Winter im Palais-Garten mitten in der 
Stadt besuchsweise umher, er wurde dort zweimal erlegt. Niemals sah ich diesen 
Vogel in den Talyscher Wäldern. 


208. Picus leuconotus Bechst. ? 


Nur ein einziges Mal fiel mir ?. leueonotus? im Kaukasus in die Hände. Am 
5./17. August 1880 brachten Jäger (welche auf Wildtauben in Manglis an der oberen 
Algetka gejagt hatten) ein junges Männchen dieser Art, welches so übel zugerichtet 
war, dass es die Präparation nicht aushielt. Der Vogel war erwachsen und das Stirn- 
und Kopffeld mehr gelblich roth, als roth. Es ist wahrscheinlich, dass wir es hier mit 
P. Lilfordi Sharpe ei Dresser zu thun haben, weshalb ich auch leuconotus mit einem 
Fragezeichen aufführe. Es scheint mir aber, nachdem ich Gelegenheit hatte, bei meinem 
hochverehrten Freunde E. v. Homeyer Original-Exemplare des griechischen P. Lilfordi 
mit P. leuconotus aus Europa und sogar aus nordischen Gebieten zu vergleichen, dass 
die beiden sogenannten Arten mit gutem Gewissen zusammengezogen werden dürfen, 
da ein mehr oder weniger kräftiger gelber Anflug auf Brust und Bauchseite sich nicht 
selten auch bei sonst typischen P. leueonotus vortindet und das Weiss des Unterrückens 
in Umfang und Reinheit in keine festen Grenzen gebannt ist; ebendasselbe gilt von 


*) Demidow: Voyage etc., Tome III, pag. 210. 
**) Dresser, The birds ete., Part XXXVI. 


Piens leuconotus. — Pieus minor. 315 


der Bänderung des Rückens und Schwanzes. P. leuconotus ist von Niemandem bis 
jetzt im Kaukasus oder in Taurien nachgewiesen, andererseits ist der Lilford-Specht 
nur aus Griechenland bekannt. Hier müssen also zukünftige Untersuchungen das 
Richtige feststellen. 


209. Picus minor L. 
var.: quadrifasciatus Radde. 


Taf. XIX, Fig. 5. 


Systematisches. 

Will man auf den schon von Nordmann*) an abchasischen Exemplaren be- 
obachteten schwächeren Wuchs des kleinen Buntspechtes, im Vereine mit der gleich zu 
erörternden zweiten Abweichung vom Europäer, eine Art gründen, so kann man das 
gewiss mit demselben Rechte thun, als es bei P. St. Johannis geschah. Meinen sechs 
Exemplaren nämlich, welche im Januar bei Lenkoran geschossen wurden, fehlt die bei 
alten Europäern stark prononcirte 5. Binde auf dem Flügel. Vier dieser Binden, von 
der Spitze der Sekundärschwingen des Flügels zur Basis gerechnet, stehen direkt auf 
den Schwungfedern, doch wird die 4. schon zum Theil durch die grösseren, gerundeten 
Endflecken der grossen Flügeldecken versteckt. Bei dem typischen ?. minor Europas 
steht nun noch eine 5. Binde, welche obenher sehr deutlich durch die grossen weissen 
Flecken an den Enden der Unterarmfedern wird und unter diesen sogar auf den 
Schwungfedern angedeutet ist. Diese letztere fehlt allen Talyscher Exemplaren. Freilich 
stehen bei zweien Vögeln an den betreffenden Stellen des Gefieders eine oder zwei 
Andeutungen dieser weissen Flecken und man hat hier also die Spur eines Ueberganges 
zur typischen Form vor Augen. Nun muss ich auch noch erwähnen, dass die Talyscher 
Vögel die untere Körperseite etwas bräunlicher gefärbt besitzen, als die Europäer. Doch 
ist die Nuancirung bei diesen nicht so stark wie das z. B. bei P. Poelzami im Gegen- 
satze zu P. major statthat. Die Schaftflecken der Flanken finde ich auch etwas breiter 
und schwärzer, mit einem Worte: Je nach dem Standpunkte, den man als Systematiker 
einnimmt, kann man entweder eine unhaltbare Spezies aus dem kaukasischen Zwerg- 
spechte machen, oder eine ziemlich konstante Varietät ; ich entscheide mich für das Letztere. 

Die Maasse ergeben folgende Tabelle: 


| typ. |var. : quadrifaseiatus. 
Ben Lenkoran. 
Picus minor. | 
i | M M. W 
| mm mm 4 mm 
lotalläanvesgsi ee | 140 128 126 
Flügelbug bis zur Spitze 192 83 82 
Schwanzlänge . 08 55 55 
Schnabel auf der Firste gemessen I: 15 14 12 
larsuspn ns. a ae re sr 16 15 15 


*) Demidow: Voyage ete., Tome III, pag. 210. 
40* 


316 Picus minor. — Jynx torquilla. 


Lebensweise und Verbreitung. i 3 
Nach meinen Erfahrungen gehört der Zwergspecht zu den seltensten seines. 
Geschlechtes im Kaukasus, wenigstens im centralen Theile desselben. Ich bin ihm nur 
wenige Male in den gemischten Hochwäldern von Borshom begegnet. Häufiger findet 
er sich in den Talyscher Wäldern, von wo meine Exemplare stammen. Pallas schweigt 
über sein Vorkommen im Kaukasus ganz, doch fand ihn Nordmann in Abchasien 
und zwar ebenfalls kleinwüchsiger, als die typischen europäischen Exemplare. Gülden-- 
städt’s Angabe (nach Bogdanow, ]. c. pag. 123), dass diese Art bei Kulpi vorkomme, 
halte ich nicht für richtig. Von Gärten grösseren Umfanges ist in jenem wüsten, 
heissen Salzterrain nichts zu sehen und als zuverlässiges, verflogenes Individuum kann 
ich den Vogel dort auch nicht deuten, weil weit und breit bei Kulpi gar kein Wald 
steht. Wie soll der kleine Vogel, der überdies Standvogel ist, dorthin gekommen sein ? 


210. Jynx torquilla L. 
Russisch: Wertigolowka, d. h. Kopfdreher. 


Systematisches. 

Der Wendehals ist im Kaukasus nicht häufig, ich habe von ihm nur sieben 
präparirte Exemplare. Sie wurden bei Tiflis, in Borshom, im Talyscher Tieflande und 
bei dem Dorfe Lyrik (5000‘) erlegt. Es lässt sich über diese Vögel nichts sagen, wenn 
man sie mit Europäern vergleicht. Nur bei einem Männchen, am 31. März / 12. April 
bei Lenkoran geschossen, sind die gelbröthlichen Töne oben so schwach, dass der Vogel 
mehr Grau in der Grundfarbe des Gefieders besitzt. Ein anderer Vogel, welcher bei 
Tiflis am 8./20. April erlegt wurde, hat einen schönen, weissen Kehlspiegel, auf 
welchem nur wenige der gewöhnlichen Federn stehen, das ist also vielleicht der Anfang 
zu einem Albino, wie solche bei dem Wendehals nach Naumann*) vorkommen. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Als einen Bewohner der heissen Zone traf ich den Wendehals im gesammten 
Gebiete an, doch muss ich ihm in der Vertikal-Verbreitung die Grenze mit 4 bis 
höchstens 5000‘ über dem Meere ziehen. Kahle Gegenden, mit einzelnen, womöglich 
alten, Bäumen hat er gerne, belebt aber auch die stark bebuschten und von Schling- 
und Dorngewächsen durchsetzten Thalsohlen der heissen Zone, wo er in Gesellschaft 
von Lanius, Turteltauben, Blauraken und Amseln vorkommt und brütet. In die eigent- 
liche Hochwaldzone geht der Wendehals nicht gerne, doch kenne ich ihn von Borshom 
her, wo ein Männchen alljährlich Anfangs April sehr eifrig lockte. Hier bevorzugte er 
die hohen Wallnussbäume und wählte sich oben freien Sitz, von woher der bekannte 
Ruf erschallte. 


*) Naturgeschichte der Vögel Deutschlands, Bd. V, pag. 361. 


Levirostres. 317 


Ordo VI. 


Levirostres, 


Allgemeine Vorbemerkungen. 


{ Diese Ordnung, welche sich aus den Familien der Oleuliden, Alcediniden, Mero- 
piden und Coraciiden zusammensetzt, weist im Kaukasus nur fünf Spezies mit einer 
Varietät auf. Auch diese Arten sind wesentlich europäische. Die Verbreitung von 
Merops persicus ist im Kaukasus eine nur ganz schmale, das Westufer des Caspi ein- 
nehmende und bis zur unteren Wolga reichende. Unter den kaukasischen Eisvögeln 
giebt es erstens grosswüchsige Europäer, die typisch in jeder Hinsicht sind, dann 
kleinere, lebhaft kolorirte, mit schmälerem Schnabel, die also typische Alcedo bengalensis 
sind und endlich solche, die das Kleid des 4A. bengalensis und den Schnabel von 
A. ispida typ. haben. Hier bleibt also: nichts weiter übrig, als artlich zu vereinigen. 

Das Nachbargebiet Persien weist aus dieser Ordnung bedeutend mehr Arten 
auf, es besitzt zwei Kukuke, drei Eisvögel, drei Merops und zwei Coracias-Arten. 
Allein, wenn wir die Fundorte in Rücksicht nehmen, so ergiebt sich wieder das lang- 
gekannte Resultat: Südpersien stellte die vermehrenden Elemente, von dorther erhielt 
Blanford den Coceystes glandarius, den Halcyon smyrnensis, den Ceryle rudis, den 
Merops viridis und endlich Coracias indica. Keine dieser Arten kommt im Kaukasus 
vor. Von Mesopotamien angefangen, dem Unterlaufe des Euphrat entlang, dann die 
ganze persische Golfküste eingeschlossen, selbst in Höhen bis zu 4000‘ über dem Meere 
und noch weiter ostwärts nach Beludshistan hin, treten die europäischen Vogelarten 
im Sommer fast ganz zurück, zum Theile erscheinen sie dort zum Ueberwintern, und 
Südasiaten gewinnen die Oberhand. Ebensowenig als jemals aus jener Palmen-Zone 
(wenigstens in den Tiefländern) charakteristische Pfanzenformen gegen Norden zu den 
vorderasiatischen Plateau-Landschaften in allmählicher Wanderung vordrangen, eben- 
sowenig erscheint auch auf diesen Gebieten irgend ein charakteristischer, südasiatischer 
Repräsentant der leichtbeschwingten Vogelwelt. Den Turkestanern halten die Kaukasier 
an Artenzahl fast das Gleichgewicht, doch giebt es dort noch einen zweiten Kukuk 
(©. himalayanus Vig.). 


318 Levirostres. — Cuoulus canorus. 


Die Artenzahl stellt sich für die drei Nachbargebiete folgendermaassen heraus: 


Levirostres. 
Kaukasus. Persien. Turkestan. 
5 Arten, 1 Varietät. 10 Arten. 6 Arten. 


(Davon 5 nur südpersisch.) 


211. Cuculus canorus L. 
Russisch: Aukuschka. 
Tatarisch: Kukua und Kukue. 
Georgisch: G@uguli. 
Armenisch: Az. 
Systematisches. 

Meine alten Kukuke sind ausgefärbte Männchen. Sie wurden in Lenkoran 
vom 23. April/5. Mai bis 1./13. Mai geschossen. Von Tiflis besitze ich ebenfalls 
Frühlings- und Herbstvögel, unter letzteren auch einen jungen Kukuk. Die alten Vögel 
stimmen vollkommen mit europäischen (deutschen) Exemplaren überein. Verglichen mit 
einem alten Männchen der aralo-caspischen Tieflande erweist sich, dass letzteres die 
weisse Bänderung und Fleckung der unteren Schwanzfedern in auffallend geringer Ent- 
wickelung besitzt. Der junge Vogel, ein sehr‘starkwüchsiges Männchen, am 16. /28. 
September geschossen, zeigt die Grundfarbe des Rückengefieders tief schiefergrau- 
schwarz und besitzt nur wenig Rostroth in den Flecken und Bändern. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Hügelwälder mit lichtem Laubholzwalde bieten dem Kukuk die Lieblingsplätze 
zum Leben dar. Doch fehlt er dem geschlossenen Hochwalde keineswegs ganz. In 
Borshom, wo solche Wälder vorhanden sind und nur wenig beschränkte Lichtungen 
darbieten, hört man ihn alljährlich rufen. Häufig fand ich ihn an der oberen Kura, 
südlich von Achalzich, am Schambobel und östlich davon, namentlich bei dem Kloster 
Safar. Sehr gemein soll er bei Kedabeg im Schamchor-Thale sein. In Bezug auf die 
Vertikal-Verbreitung ist zu bemerken, dass der Kukuk bis zur Höhe von 7200‘ im alten Colchis 
von mir beobachtet wurde. In den grossartigen Einsamkeiten an den Quellen des Hippos 
(Tskenis-Tskali) am Fusse des Lapuri-Gletschers, im lichten Birkenwalde lockte der 
Kukuk am 27. Juni/9. Juli 1864 (7300°). Desgleichen kommt er in den kleinen, 
heiligen Hainen im kaukasischen Hochgebirge vor. Diese, bei den christlichen Berg- 
völkern sorgsamst geschonten, nicht selten höher (!) als die jetzige Baumgrenze gelegenen 
Haine, aus Zitterpappeln oder Weissbirken bestehend, oft auf weite Distanzen hin im 
Felsenreiche ganz isolirt, haben für den Kukuk grosse Anziehungskraft. So hörte ich 
ihn Anfangs Juni in einem solchen Wäldchen am Ostabhange des Kasbek und auch in 
einem anderen, auf der Strecke zwischen Kobi und Kasbek gelegenen. 


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Coracjas garrula. — Merops apiaster. 319 


212. Coracias garrula L. 
Russisch: Stwoworonka d. h. Blaukrähe. 
Tatarisch: Kykkarga. 
Armenisch: Nerkarar. 
Systematisches. 

Im Verlaufe der Zeit sind mir vierzig Blauraken aus dem Kaukasus in die 
Hände gekommen. Ein Theil davon trägt das Kleid des zweiten Jahres, welches sich 
bei beiden Geschlechtern durch vorwaltend graubräunliches Gefieder am Halse und auf 
der Brust auszeichnet. Die dritte Mauser bringt erst das ausgefärbte Prachtkleid und 
damit auch den dunklen Endfleck auf der äusseren Schwanzfeder. Am 7./19. April 
erlegte ich bei Lenkoran einen Vogel, den ich dem Aeusseren nach als Männchen an- 
sprach. Er erwies sich aber als eines jener recht alten Weibchen, welche vom Manne 
nicht zu unterscheiden sind. Die Schnabellängen differiren bei den Blauraken ganz 
ausserordentlich. Ich messe den längsten Schnabel auf der Firste.zu 340 mm bei einem 
Männchen, den kürzesten zu 250 mm ebenfalls bei einem Männchen. Ende Juli fand 
ich die Kleider ungemein vertragen. Weibchen vom 19./31. August beginnen an der 
Kehle die Mauser. Ein altes Männchen, am 10./22. August bei Lenkoran geschossen, 
wechselt das Kleid am ganzen Körper. Ein am 12./24. Mai bei Tiflis enthobenes Ge- 
lege hatte die vier Eier schon stark bebrütet. 

Lebensweise und Verbreitung. 

Der gesammten heissen Zone des Isthmus als gemeiner Sommervogel angehörend, 
kommt die Blaurake vor Mitte April dorthin nicht an. Das erste Exemplar wurde bei 
Lenkoran am 13./25. April erlegt. Sie bleibt bis höchstens Anfangs September (alten 
Styls) in den Tiefländern. Am liebsten bewohnt die Mandelkrähe weitgedehnte Ebenen, 
welche zum Theile mit Dorngebüschen (Paliurus, Crataegus, Rhamnus, Rubus und 
Smilax) bestanden sind, und belebt die Heerstrassen, wo sie vornehmlich die Telegraphen- 
drähte im Vereine mit Schwalben und Aulco tinnunculus zum Ruhen wählt. Gleich 
nachdem die Jungen ausgewachsen sind, rotten sich die einzelnen Familien zu grösseren 
Schwärmen zusammen und machen dann gemeinschaftliche Flugübungen. Solche 
Banden zählen 40—60 Individuen und sind ausserordentlich lebhaft. Bei den Flug- 
übungen bleiben zwar alle bei einander, allein jeder Vogel übt sich in seiner Art und 
von einem gewissen Rhythmus im Ganzen ist dabei nicht die Rede. Es ist ein Gaukeln 
in den Lüften, ein Spielen, sich Verfolgen, Abschwenken, Hinschiessen ete. ete, Nicht 
selten überstürzen sich die Raken dabei, nach Art der Tauben, andere lassen sich jäh 
aus der Luft herunterfallen, oder schiessen mit ganz angezogenen Flügeln schräge wie 
ein Pfeil durch dieselbe. Ende Juli sah ich solche Flugübungen zu jeder Tageszeit in 
der Suram-Ebene. Am 20. August /1. September verlassen die Blauraken die Um- 
gegenden von Tiflis. In einer Höhe von 4000‘ über dem Meere ist der Vogel schon 
selten, bei Manglis sah ich ihn nicht mehr. 


213. Merops apiaster L. 
Russisch: Schtschurka. 
Systematisches. 
Ueber die vielen alten Vögel beider Geschlechter, welche ich sammelte — es sind 
ihrer an vierzig — habe ich nichts zu sagen. Grösse, Zeichnung, Färbung sind konstant. 


390 Merops apiaster. 


Ein am 8./20. Juni 1873 bei Tiflis erlegtes junges Männchen, welches- noch 
nicht ausgewachsen ist, trägt das erste Jugendkleid, welches in der Anlage der Färbung 
dem des alten Vogels fast überall entspricht, nur sind alle Farbentöne sehr matt. Das 
schwarze Band unter dem Gelb des Halses fehlt noch, der Ohrenstreifen ist kaum an- 
gedeutet, die Stirnfedern sind nicht weisslich, sondern gelb, der ganze Oberrücken ist 
schmutzig grünbraun und bleicht zum Bürzel hin hellweisslichgrün ab. Von dem 
schönen Braun der oberen Flügeldecken ist noch nichts vorhanden, auch hier ein 
schmutziges Braungrün. Dem Jugendkleide fehlen die langen Spitzen der mittleren 
beiden Schwanzfedern. Diese sind bei meinem Vogel schmäler als die anderen, etwas 
kürzer und stumpf gerundet am Ende. 

Aus den nahe bei einander gelegenen Brutkolonien oberhalb von Lenkoran 
wurden vom gemeinen Bienenfresser am 16./28. Mai viele, wenig bebrütete Eier ge- 
nommen. Die zweite Art legt später. Die Eier beider Spezies sind nicht zu unter- 
scheiden. Ich messe: Höhendurchmesser 27 mm, Breitendurchmesser 22,5 mm. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Diese Art ist über den gesammten Isthmus, zumal im Steppen- und Tieflands- 
gebiete, verbreitet und daselbst sehr häufig. Als brütenden Sommervogel dürfte man 
ihn über 6000‘ Höhe nicht antreffen, wohl aber im Spätsommer bei seinen gesellschaft- 
lichen Emigrationen in die Hochwälder, worüber gleich mehr gesagt werden soll. Ich 
sah ihn als Brutvogel in der breiten Ebene von Oni (oberer Rion im Radscha-Gau) und 
später auch noch oberhalb Uzeri. Im Dadianschen Swanien beobachtete ich ihn bei 
Tscholuli in einer Höhe von 3300‘ über dem Meere. Im Herbste, ein Paar Wochen 
vor ihrem Fortzuge, rotten sich vielerorts die Bienenfresser zu kleinen Banden (15—30 
Exemplaren) zusammen und besuchen dann geschlossene Hochwälder. Man kann sie 
dann in einer Höhe von mehr als 5000‘ über dem Meere antreffen, so bei dem Dorfe Glola 
an den Rion-Quellen am 22. August /3. September 1864. Es geschieht das um die 
Zeit, wenn es sehr viele Wespen giebt, und ich glaube, dass diese sie anlocken. Ich 
habe jedes Jahr in Borshom die Beobachtung gemacht, dass mit dem 10. / 22. — 12. / 24. 
August dort, wo im Sommer kein Bienenfresser lebt, diese sehr rührigen Banden er- 
scheinen. Es ist das die Zeit der Wildfruchtreife, namentlich von Prunus divaricate 
Ced. und insititia L., sowie des Kernobstes und, wo in den Wäldern Dörfer gelegen, da 
ist auch Bienenzucht und spärlicher Gartenbau. Mit dem Eintreffen der Merops-Banden 
fiel bei uns in Borshom die Zeit der Belästigung durch Wespen (20. Juli bis Ende 
August) zusammen. Ich bin überzeugt, dass diese Wanderungen zum Theile durch die 
Häufigkeit jener Insekten in der Waldzone bedingt werden, aber es ist nicht zu leugnen, 
dass diese Bewegungen der Bienenfresser auch mit ihrem Fortzuge in Verbindung 
stehen. Am Tage nämlich schwärmen dann diese Vögel ganz in der Manier, wie sie es 
in den Steppen thun. Hier in Borshom besetzen sie ein Plateau mit gemischtem Laub- 
holzwalde und Hoch-Kiefern, halten sich niedrig, berühren den Boden, ruhen gemein- 
schaftlich, schwenken dann über die Kura fort zum Grossfürstlichen Garten, wo sicher 
viele Wespen an den Pflaumen sind, und treiben ihr Wesen so fort. Sinkt die Sonne 
tiefer, etwa gegen 5 Uhr, so beginnen die eigentlichen Flugübungen. Die Bienenfresser 
halten sich dann dichter beisammen, rufen beständig und steigen so hoch in die Lüfte, 
dass man sie wohl hört, aber nicht mehr sieht. Dies dauert bis Sonnenuntergang. In 


Merops apiaster. 321 


den letzten Tagen des August sind sie alle fort. Nach dem 1. /13. September wird 
man schwerlich den Bienenfresser antreffen. Ganz ebenso verhielten sich diese Vögel 
an der oberen Algetka. Bei Manglis hörte ich sie täglich vom 1. /13. August an. Oft 
umschwärmten ‚sie dort die Spitzen der hohen Kiefern und ruheten auch auf den abge- 
trockneten Aesten derselben. Trotz des schlechten, kalten und anhaltenden Regen- 
wetters Ende August 1880 blieben sie dennoch da, zeigten sich, wenn es einigermassen 
hell und sonnig war, und verschwanden am 25. August/6. September ganz. Merops 
zieht von allen Vögeln am frühesten fort und kommt auch am spätesten an. Die An- 
kunftszeit von Tiflis schwankt je nach den Jahren vom 20. April / 2. Mai — 28. 
April /10. Mai. 1867 kamen die Hauptzüge am 26. April/ 8. Mai an und hielten sich 
am liebsten in der engen, heissen Schlucht auf, die vom botanischen Garten in die tria- 
letischen Gebirge gegen Westen einschneidet. In Lenkoran erlegte ich 1866 die ersten 
Exemplare am 16. / 28. April. Dies findet in normalen Jahren statt. Das Jahr 1880 
machte davon eine sehr merkwürdige Ausnahme. Schon am 2. / 14. April wurde der 
erste Bienenfresser bei Anitino geschossen. Es war einer der früh — und zwar zu 
früh — angekommenen, denn mit dem Unwetter, welches bis zum 5. / 17. April damals 
einsetzte und über welches ich schon an verschiedenen Stellen dieses Werkes Erwähnung 
that, gingen sammt Muscicapa, Hirundo und anderen, auch die Bienenfresser zu Grunde. 
Als in Tiflis auf einen sommerheissen April 1879 es mit dem 24. April /6. Mai wieder 
recht kalt und regnerisch wurde, blieben die Bienenfresser aus und kamen erst am 5./ 
17. Mai an. Aut der ganzen Strecke gegen Osten sowohl wie gegen Westen von Tiflis, 
nach Baku und bis zum Fusse des Meskischen-Gebirges in der Suram-Ebene schwärmt 
Merops apiaster im Sommer und bevorzugt überall Steppen, ja sogar wüstenartiges 
Terrain. Ich traf ihn ungleich häufiger in den ausgedehnten Ebenen des unteren Kura- 
Laufes, als im bewaldeten Colchischen Tieflande. Wenn es in jenen menschenleeren, 
oft wüstenartigen Flachländern nur steile Lehmwände in den Einrissen des Terrains 
giebt, und der Vogel einen Aufsitz irgend welcher Art zum zeitweisen Ruhen findet, so 
lest er sicher eine Brutkolonie an. In Ermangelung von Baum und Strauch nimmt er 
mit Telegraphendraht, und, wo dieser fehlt, mit altem Brückengeländer zum Ruhen 
vorlieb. Auf der Erde selbst sitzt er nicht gerne längere Zeit. Doch aber habe ich 
nirgends im Kaukasus solche Mengen Bienenfresser gesehen, wie in den Pontischen 
und Asow’schen Steppen. Zumal am Asow’schen Meere und in den Kolonien der Men- 
noniten kommt es vor, dass während der Nachtruhe der Vögel, welche sich dicht neben- 
einander gereiht gerne auf die dünneren Aeste der Akazien setzen, diese unter ihrer 
Last brechen. 

Auf dem Gute des Baron von Kutschzenbach, Mamutly im Kleinen Kaukasus, 
erschienen am 25. August /6. September 1879 zum ersten Male (die Bienenfresser in 
grosser Zahl. Diese waren auf dem Zuge begriffen und machten trotz der Höhe von 
5000° Rast. Die Ursache davon war die reiche Bienenzucht, welche in Mamutly be- 
trieben wird. Die Bienenfresser mussten hier von den Fluglöchern der Stöcke abge- 
schossen werden, weil sie gar zu emsig ihrer Lieblingsnahrung dort nachgingen. 

Am Goktschai-See leben die Bienenfresser im Sommer bei dem Dorfe Helenowka, 
brüten aber erst tiefer im Sanga-Thale; dem Südufer des Sees fehlen sie, so z. B. bei 
Nowo-Bajaset. 

Badde, Ornis caucasica. 41 


3392 Merops apiaster. — Merops persica. 


Am 22. August /3. September 1880, 1 Uhr Nachts, zogen grosse Merops- 
Schwärme bei hellem Mondenscheine über Tiflis fort; sie lärmten dabei fortwährend; 
sie zogen direkt südlich. Ich beobachtete dies im Garten des Clubs, konnte die Vögel 
aber nicht erkennen, beständig aber hörte ich ihren so charakteristischen Lockton 
(tschur, tschur). 


214. Merops persica Pall. 


Systematisches. 

Auch diese Art ist wie alle Merops-Spezies ungemein konstant in der Färbung 
des Gefieders. Ich kann bei den mir vorliegenden fünfundzwanzig Exemplaren, von 
denen das erste schon am 18. /30. April 1866 bei Lenkoran erlegt wurde, gar keine 
Abänderungen finden. Die beiden mittleren Schwanzfedern sind oft sehr lang, pfriemen- 
förmig ausgewachsen. 

Am 1./13. Juni wurde eine grössere Anzahl Eier aus den Brutkolonien ober- 
halb Lenkorans entnommen. Diese waren noch unbebrütet. Die weisse Farbe der Eier 
von M. persica ist bei durchfallendem Lichte etwas mehr milchig und nicht in’s 
Gelbliche ziehend, wie das bei M. apiaster der Fall ist. Korn, Glätte und Form 
finde ich bei beiden Spezies identisch, die letztere variirt bisweilen um ein Geringes im 
Längendurchmesser. 


Lebensweise und Verbreitung. 


In den letzten Tagen des Aprils, gewöhnlich etwas später noch, als der gemeine 
Bienenfresser, kommt diese Art in Lenkoran in grossen Schaaren an. Zuerst sah ich 
sie dort in wenigen Exemplaren am 18./ 30. April. Doch giebt es auch in manchen 
Jahren schon sehr zeitig sogenannte Vorzügler. So wurde mit jenem oben besprochenen 
gewöhnlichen Bienenfresser bei Anitino auch ein M. persica erlegt. Die beiden Arten 
leben zwar friedlich nebeneinander, schwärmen auch wohl zusammen, ruhen aber ge- 
trennt und meiden sich auch bei dem Aufsitzen auf dem sandigen Boden. Im Frühlinge 
waren es die Raine und Wege, welche den Wiesen entlang sich gleich bei dem Molo- 
kanen-Dorfe vor Lenkoran hinziehen, und die mit einzelnen Kopfweiden hie und da 
bestanden sind, welche beide Arten vornehmlich besuchten. In seinen Sitten -gleicht 
der persische genau dem europäischen Bienenfresser. Ich kenne ihn nur aus der un- 
mittelbaren Uferzone des Caspi. Nirgends ist er mir im Innern des Isthmus vorge- 
kommen. Doch erwähnt Nordmann“) zweier Beispiele seines Vorkommens in Süd- 
russland. Menetries**) Angabe hat nur für das Mündungsland der Kura Bedeutung. 
Eversmann ***) setzt ihm im südlichen Ural bei Gurjew die Nordgrenze, Bogdanow7) 
verneint das Vorkommen dieser Art im Mündungslande der Wolga und oberhalb bis 
Sarepta. 

Oberhalb von Lenkoran gab es von beiden Merops-Arten zwei merkwürdig ge- 
legene, bedeutende Brutkolonien. Etwa auf der zehnten Werst gegen Norden vom 


*) Demidow: Voyage etc., Tome III, pag. 207. 
**) Catalogue raisonne, pag. 46, Nr. 130. 
==) Joumal für Orithologie, 1853, pag. 291. 
y) Säugethiere und Vögel der mittleren und unteren Wolga (russ.), pag. 67. 


Merops persica. — Alcedo ispida. 323 


erwähnten Städtchen ist das Uferterrain des Caspi zwischen Meer und landeinwärts 
gelegener Südwasserniederung etwas verbreitert und die sogenannten Zwergdünen sind da 
etwas höher. Sie liegen aber kaum 10—12’ über dem Meere und bestehen aus einem 
Muschelsande, der durch die ehedem ausgeworfenen Cardiaceen eine gewisse Festigkeit 
erhielt. In diesem festen Boden hatten beide Kolonien ihre Nester angelegt und zwar 
ohne Benutzung irgend welcher Steilwände, da es solche, wenn auch nur in geringer 
Abstufung, dort gar nicht gab. Die 3—4 Zoll breite Oefinung der Brutanlage bildete 
das Ende einer Röhre, die von der Oberfläche des Bodens, welcher nur sehr dürftige 
Vegetation ernährte, unter emem Winkel von circa 20° in das Erdreich ging. Mit 6‘ 
langem Stocke konnten wir das Ende derselben nicht erreichen. Bei dem Aufgraben 
dieser Nistplätze lag das kunstlose Nest in 2'/,‘ Bodentiefe im kühlen, etwas feuchten 
Muschelsande und befanden sich in jedem 6—10 Eier. Merops apiaster brütet ganz 
ebenso; die Eier waren am 1. / 135. Juni noch unbebrütet. Damals hielten sich die Be- 
wohner beider Kolonien strenge gesondert von einander. Sie schwebten hoch in der 
Luft über ihren Brutplätzen und schossen, bald Männchen, bald Weibchen, ab und zu 
jäh hinab zum Flugloche des Nestes. 


215. Alcedo ispida L. typ. 
et var.: bengalensis Gml. 
Russisch: Simorodok. 
Systematisches. 

Zwei Dutzend Eisvögel, zur Hälfte bei Tiflis, zur anderen bei Lenkoran erlegt, 
und zwar am letzteren Orte im November und December, am ersteren in den Sommer- 
monaten vom Februar bis 17. / 29. November, geben mir wiederum zu einigen Bemer- 
kungen über A. zspida typ. und A. bengalensis Gelegenheit. Nur vier Vögel meiner 
Suite stellen den A. zspida typ., wie er mir aus Südfrankreich vorliegt, in der Grösse 
dar. Die übrigen wechseln in der Gestalt und erreichen das Mininum der Maasse, 
wie es indische und sibirische Exemplare des Alcedo bengalensis, die mir vorliegen, 
besitzen. Die Kaukasier werden insofern besonders interessant, als sie im Kleide fast 
vollkommen dem typisch-europäischen Vogel gleichkommen, dagegen den Schnabel in 
Form und Länge des bengalischen Eisvogels aufweisen; wiederum ein Beleg mehr dafür, 
dass der bis dahin noch von Vielen als Spezies aufrecht gehaltene A. bengalensis in der 
That nur eine kleinwüchsige, durchweg intensiv gefärbte und mit schlankerem und 
verhältnissmässig längerem Schnabel versehene Varietät des europäischen Eisvogels ist. 
Ich besitze indessen auch Vögel, die ganz genau im Gefieder den A. bengalensis wieder- 
holen und dabei den Schnabel des typischen A. ispida haben. Mit deutschen und 
südfranzösischen Exemplaren verglichen, erweisen sich meine kaukasischen Exemplare 
im Allgemeinen kleiner, im Gefieder erreichen acht von ihnen (Männchen und Weibchen 
von Tifiis und von Lenkoran) durchaus nicht die Intensität der Färbung jener euro- 
päischen Kleider, viel weniger noch die der asiatischen Varietät. Dies gilt vornehmlich 
von der gesammten unteren Körperseite. Ein Männchen aber, am 15. / 27. September 
1876 bei Tiflis erlegt, hat die metallschimmernde in Blau ziehende Trübung auf der 
Brust. Gleiches in Bezug auf das Kolorit konstatire ich für die Rückenseite dieser 


matter und heller gefärbten Vögel; keiner von ihnen nähert sich darin dem indischen, 
41 * 


324 Alecedo ispida. 


oder gar dem Vogel vom Baikal-See. Der Letztere, welcher mir vorliegt, ist gleich 
einem indischen, mir zu Gebote stehenden, ein altes Männchen und übertrifft den süd- 
lichen Asiaten sehr bedeutend, was die Lasurbläue der Schwingen und des Rückens an- 
belangt. Alle anderen Exemplare meiner Suite entsprechen der Färbung nach dem A. 
bengalensis, variiren aber dabei im Wuchse und in der Schnabellänge. Nun aber 
kommen die Schnabellängen und Formen sehr in Betracht. Ich lasse also die Maasse 
folgen und setze ihnen auch die Längen der Mundspalten hinzu. Keiner meiner kau- 


kasischen Vögel besitzt den robusten und kurzen Schnabel des europäischen Eisvogels. 
{>} to} 


Die Schnäbel der Kaukasier sind schlank, lang ausgezogen in der Spitze und auch etwas 
schmäler in der Basis, sie übertreffen sogar bisweilen das übliche Längenmaass von 
4A. bengalensıs. 


Alcedo ispida und var.: bengalensis. 


Schnabelmaasse. 


| Kau- | .. | Sibi- 
| Europa. \kasus. Kaukasus. a an 
| ispida typ. | Zwischenformen. |v bengalensis. 


| | n Mm ] 1 r 
| mm | mm mm " mm | mm | mm mm ! mm ' mm 


Q 


o° I} 


Schnabellänge auf der Firste ge- | | | | | 

NessenW le ee 32 | 31 | 29! | 37 | 39 | 40 | 40 | 35 | 35 
Grösste Schnabelbreite unter der | | | | | | 

Stirnbefiederung gemessen . . 8| 8:53 05011 0 0 7 8 8 | 7,5 7 
Länge des Unterschnabels auf | | | | | | 

der Kiellinie gemessen . . .| 25 | 24| 23 | 32 | 31 | 30 | 33 | 30 | 31 
Mundspaltenlänge. . . . . .| 40 | 38 38 |,48,| 46.) 48) 47 | AInımto 


Nach dem Ermittelten erkenne ich also den kaukasischen Eisvogel für einen 
gewöhnlich im Gefieder typisch europäischen, in der Schnabelplastik aber meistens für 
einen bengalischen, der bisweilen, namentlich bei den kleinwüchsigen Männchen, auch 
das intensiv gefärbte Kleid des indischen Vogels trägt. Ich müsste nach dem Stand- 
punkte mancher Ornithologen emen A. longirostris oder A. macrorkymchus aufstellen, 
was ich aber, treu dem Begriffe der „Art“, wieihn Pallas, Brandt, Blasius-Vater, 
Middendorff und L. v. Schrenck mir überlieferten, nicht thue. 

Am 10./.22. Mai wurden die Eier noch unbebrütet gefunden. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Der Eisvogel gehört der Zone bis etwa zu einer Höhe von 6300’ über dem 
Meere an, ist aber im Tieflande ungleich häufiger, als im Gebirge. Man findet ihn als 
seltenen Sommervogel am SO.-Ende des Goktschai-Sees, wo er am Platze Gilli brütet, 
aber Ende Oktober thalabwärts wandert. Am 15. / 27. August war die Brut dort Hügge. 
In den wärmeren Gegenden ist er Standvogel und wandert mit der Wasseramsel nur‘ 
in strengen Wintern thalwärts. Im Caspischen Tieflande und auch in Abchasien fand 
ich ihn ebensowohl im Rohr der Süsswasserniederungen, wie auch an den schattigen 
Lokalitäten, wo hohe Pferocarien die langsam hinziehenden Fluthen der Kanäle über- 


Alcedo ispida. 325 


bauen und ein wahrhaft heiliger Friede in diesem Halbdunkel herrscht. Da ist es ein 
reizendes Bild, den Eisvogel geraden Fluges hinziehen zu sehen, dabei seinen scharf 
accentuirten Pfiff ausstossend. Im Winter ist er namentlich bei Lenkoran häufig und man 
kann ihn sogar oft hart am Wege, an den Pfützen und Gräben auf Strauchwerk oder 
Binsen und Rohr sitzen sehen. Wir hatten bis Ende December etwa ein Dutzend bei 
Lenkoran erlegt, damit aber auch die Zahl dieses Standvogels in der Nähe des Ortes 
fast erschöpft. Auch im trüben Wasser der Kura fischt er mit grosser Geduld und 
wintert regelmässig bei Tiflis. An den Giessbächen der Borshomer Wälder ist er Sommer- 
vogel. Die höchst gelegene Lokalität, an welcher ich den Eisvogel in Colchis fand 
(26. August / 7. September), lag oberhalb des Dorfes Uzeri im Radscha-Gau am Ober- 
laufe des Rion (3600). Hier brausten an ihm die chocoladenfarbenen Phasisfluthen 
tobend vorbei. Von systematischem „Fischen“ konnte dort nicht die Rede sein. Ich 
glaube auch nicht, dass er jemals junge Forellen erhascht und kleine Oyprinoiden 
dürften den hinschiessenden Gebirgsbächen wohl überhaupt fehlen. Er wird also an der- 
gleichen Orten auf zufälligen Insekten-Auswurf vornehmlich angewiesen sein. 

Vergebens fahndete ich bis jetzt auf A. rudis. Nordmann*) hat ihn zwar 
der Pontischen Fauna einverleibt, doch mit dem besonderen Bemerken, dass er ostwärts 
das Marmara-Meer nicht überschreite. Dennoch liegt das Faktum vor, dass er an der 
Wolga durch Rickbeil bei Sarepta einmal erlegt und ein zweites Mal beobachtet 
wurde, worüber Bogdanow **) berichtet. 


*) Demidow: Voyage ete., Tome III, pag. 207. 
**) Säugethiere und Vögel der mittleren und unteren Wolga (russ.), pag. 66. 


326 Columbae. — Columba livia. 


Ordo VI. 


Golumbae. 


Allgemeine Vorbemerkungen. 


Noch armseliger an Spezies-Zahl als die vorhergehende Ordnung, wenn gleich 
dafür überreich an Individuen, ist die der Tauben im Kaukasus vertreten. Wir kennen 
bis jetzt nur die vier gemeinen europäischen Arten, 

Ganz anders verhält sich das östlich und südlich vom Kaukasus. Soweit bis 
jetzt bekannt, so finden sich in Persien 9 Wildtaubenarten und ebensoviele weist 
Severzow für Turkestan nach, wobei noch zu bemerken ist, dass dort Columba pa- 
lumbus fehlt und durch die Himalaya-Form Palumbus pulchricolkis Hodg. ersetzt wird. 

Mit Ausnahme der Turteltaube sind die Wildtauben im Kaukasus sesshaft, 
brüten bis zur Baumgrenze, wo solche dichte Hochwaldbestände aufweist, und steigen 
zum Winter thalabwärts in die Ebenen. C. Zixia bleibt meistens an den Sommer- 
plätzen, während ©. oenas und ©. palumbus in grosser Zahl die Tiefländer aufsuchen. 

Die Artenzahl in den drei Nachbargebieten erweist sich folgendermaassen: 


Kaukasus. Persien. Turkestan. 


4 europäische Arten. 9 Arten. 9 Arten, 1 Varietät. 
(Davon 2 Südasiaten und (Darunter Himalaya-Spezies.) 
eine sehr zweifelhaft, Pe- 
ristera senegalensis L., nach 

Eichwald). 


216. Columba livia Briss. 
Russisch: Golub. 
h: Alle Tauben: Käbuter. 
Tatarisch: Gogartschin. 
Grusinisch: Alle Tauben: Tredti. 
Armenisch: Agawni. 


Systematisches. 
Meine Exemplare geben mir zu keinen Bemerkungen Veranlassung. 


I 
f 
i 
| 
1) 
I 


Columba livia. — Columba oenas. 327 


Lebensweise und Verbreitung. 

Nach ihrem Vorkommen müsste man diese Taube viel bezeichnender Felsen- 
als Feldtaube nennen. Im Kaukasus wenigstens wählt sie am liebsten Felsenterrain 
zum Brüten, wie solches ja auch im Gebiete des Mittelmeeres, wo sie vorwaltend 
Küstenbewohner ist, statt hat. An manchen Lokalitäten im Gebirge ist sie recht 
häufig und bewohnt die breite Zone vom Meeresufer (westliches Caspi-Littoral) bis zu 
9000. Bei meinen Exkursionen im Palänteken-Gebirge im Süden von Erzerum habe 
ich sie öfters angetroffen. Auf der unbewohnten Insel im Balyk-göl (7400), auf der 
Wasserscheide zwischen Murad-tschai (Euphrat) und Araxes gelegen, brütete sie an 
steilen nicht hohen Ufern in bedeutender Anzahl. Auf dem armenischen Hochlande ist 
diese Taube, namentlich auch am Goktschai-See, die häufigere. Im Grossen Kaukasus 
fand ich sie an den Quellen des Rion bei dem Dorfe Glola schon mit wirklichen Haus- 
tauben zusammen lebend. Unter letzteren walteten die weissen der Zahl nach vor, sie 
wurden hier aber von Niemandem gezüchtet. Im wilden Zustande lebte C. livia auch 
am Kasbek, an der Felsenwand von Kobi und im Lande der Tuschen bewohnte sie 
schon in Art der sogenannten „Feldflüchter‘ in Paaren die bewohnten Burgen der 
Tuschen *), die sich um die Tauben gar nicht kümmerten. Auch in Tiflis repräsentiren 
die meisten der herrenlosen Tauben in der Stadt, welche hier nicht gar so gemein sind, 
als in den grossen, russischen Städten, vornehmlich die typische ©. livia. Auf den 
Bodenräumen des kaukasischen Museums brüteten ihrer ehedem sehr viele, doch aus- 
schliesslich „Feldflüchter“. Im Thale der Aragwa prädominirt (©. oenas, im unteren 
Theile desselben, doch wurde schon oberhalb von Zilkanı und dann von Ananur auf- 
wärts, mit der bedeutenden Verengerung dieses Thales auch C. kivia beobachtet. Im 
Kurathale traf ich bis zum Suramthale fast immer nur C. oenas. Im wilden Zustande 
ist mir C©. Zvia dort nicht vorgekommen, die Haustaube aber findet man in jedem gru- 
sinischen Dorf. Aus dem Talyscher Tieflande kenne ich diese Art zur Winterzeit 
nicht. Hier und in der Mugan wurde immer nur (©. oenas erlegt. Dagegen traf ich 
©. liviva im Suant-Gau (Diabar-Kessel) und auf dem Sawalan an, auf letzterem wieder 
als Felsenvogel. Jedenfalls darf ich behaupten, dass in den Tieländern ©. oenas prä- 
dominirt und (©. livia als wilder Vogel in ihnen selten ist. 


217. Columba oenas Gml. 
Russisch: Klintuch. 
Georgisch: Kedani. 
Systematisches. 

Von den wilden Hohltauben, welche bei Lenkoran im Winter erlest wurden, ist 
ein Dutzend präparirt worden. Wir schossen sie im Februar und März. Alle diese 
alten Vögel und auch die bei Tiflis im September und Oktober 1871 geschossenen stimmen 
vollkommen zu deutschen. Die schwarzen Schwingenflecken sind bei manchen Individuen 
nur sehr gering. Besonders haben die Weibchen sie nur andeutungsweise. 


*) Vergl. meine Mittheilungen im Werke .‚die Chewsuren und ihr Land“ etc. 1878. Cassel bei 
Th. Fischer, pag. 294. 


328 Columba oenas. — Columba palumbus. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Die Hohltauben überwintern in Menge im mittleren Kurathale, so oberhalb von 
Gori in der bebauten Suram-Ebene; in Tiflis kommen sie während des ganzen Winters 
oft auf den Bazar. Brütend habe ich sie in den meisten hochständigen Laubholzwäldern 
angetroffen, sie bleiben aber, wie auch die Ringeltauben, am liebsten im dichtesten 
Hochbestande. In Borshom brütet diese Art nicht selten in den Wäldern der Rothbuche; 
ebenso traf ich sie im Suant-Gau bis 6000’ über dem Meere im geschlossenen Buchen- 
hochwalde brütend an. Schon Anfangs Juli rotten sich die Vögel zusammen; vom 7./19.— 
10./22. Juli 1865 beobachtete ich sie überall im oberen Kartli, die abgeernteten Felder in 
grossen Schaaren besammelnd. Besonders häufig waren sie hier bei Azkur und Achalzich. 
Nachgewiesen ist (©. oenas ebensowohl von der Scheitelfläche Hocharmeniens durch 
Dickson*) und Ross, wie auch durch Major St. John**) für Hochpersien. Beide 
Fundorte sind insofern interessant, als es dort auf weite Strecken hin gar keine Wälder 
giebt. Es fiel mir sehr auf, dass im gesammten Kurathale von Tiflis abwärts Anfangs 
November 1879 die beiden wilden Taubenarten äusserst selten zu sehen waren. Ich 
habe sie damals keinesweges übersehen, denn ich reiste ja zu speziell ormithologischen 
Zwecken. Wenige Exemplare von Ü. oenas heohachtete ich bei Mingetschaur. Die 
grossen Flüge, so scheint es, leben im Winter namentlich oberhalb von Tiflis im Kura- 
thale. Nur diese Art wurde mehrmals bei Lenkoran und in der Mugan im Winter 
geschossen. Am 9./21. März lebten die Hohltauben schon gepaart. 


218. Columba palumbus L. 
Russisch: Wjachvr. 
Tatarisch: Tschel-gogartschin. 
Armenisch: Drron. 
Systematisches. 

Sowohl alte, als auch junge Ringeltauben besitze ich aus dem Kaukasus. Sie 
wurden bei Lenkoran im Winter und bei Tiflis im Sommer erlegt. Sie stimmen voll- 
kommen zu deutschen, gleichartigen Vögeln. Ein recht altes Weibchen (Tiflis, November 
1868) zeichnet sich ebensosehr durch enorme Grösse, als auch durch die bis zwischen 
die Füsse hinreichende, sehr intensive, weinrothe Färbung aus. Ein anderes, wohl 
jüngeres Weibchen, am 3. /15. April bei Lenkoran erlegt, hat das Rothgrau der Brust 
bedeutend dunkler, als andere Vögel. 


Lebensweise und Verbreitung. 

In den Laubwäldern des gesammten Kaukasus brütet die Ringeltaube bis zu 
den Höhen von 5—6000° über dem Meere, doch bin ich ihr im Grossen Kaukasus 
nirgends im Bereiche der Baumgrenze begegnet. Dies aber findet im Talyscher Gebirge 
statt, woselbst ausschliesslich Buchenbochwald die Baumgrenze schon in einer Höhe 
von 6000‘ über dem Meere bildet. Am liebsten hat sie diese Wälder. Ich habe sie 
brütend ebensowohl im Lande der Chewsuren, an den Aragwa-Quellen, wie auch im 
alten Colchis, ebensowohl in der Suram-Ebene (auf alten Zitterpappeln und Eichen), 


*) Dresser, The birds ete., Parts. LI, LI, August 1876. 
”*) Blanford, Eastera Persia, Vol. II, pag. 269. 


Columba palumbus. — Peristera turtur. 329 


als in Talysch vor dem Eintritte in den Diabar-Kessel angetroffen. Ferner auch im 
Trialeti-Gebirge, an den Quellen: der Algetka. Auf dem Armenischen Hochlande habe 
ich die Ringeltaube nicht gesehen. De Filippi*) kennt sie aus Gilan. Aber die Zahl 
der hier brütenden Vögel ist eine nur geringe zu nennen, den grossen Mengen gegen- 
über, welche zum Winter eintreffen. Schon im Oktober besetzen die Ringeltauben in 
ungeheuren Schwärmen nicht allein die Küstengebiete des Schwarzen Meeres **), sondern 
man findet sie auch und zwar oft mit Ü. oenas zusammen in den breiteren Thalflächen 
tiefer landeinwärts. Dort und in Talysch sind es namentlich die Bucheckern, an denen 
sich die Ringeltauben mästen, hier in den Thälern gehen sie vornehmlich in die 
Wintersaaten. Im Winter kommen die Ringeltauben auch häufig auf den Markt von 
Tiflis. In Schach-agatsch, dem Sitze des Talysch-Chans, zwischen Lenkoran und Astara 
gelegen, werden im Frühwinter viele dieser Tauben mit dem Netze gedeckt. Am 16. / 
23. November brachten mir die Tataren zehn lebende Exemplare, meistens junge Vögel, 
die auf diese Weise gefangen wurden. Sie waren aber so übel zugerichtet, dass man 
sie nicht brauchen konnte. In Dshwari, bei dem Austritte des Ingur in die Mingre- 
lischen Tiefländer, erzählte mir die Fürstin Dadian ganz dasselbe, was Nordmann 
im eitirten Artikel über den Massenfang der Ringeltauben in Abchasien als Augenzeuge 
berichtet: Man deckt mit Netzen die einfallenden Schaaren im Herbste auf Lichtungen 
oft zu 30—50 Stück auf einmal und benutzt dabei einen zahmen Lockvogel. Dieser, 
so meinte die Fürstin, wäre am besten eine flügellahme Ringeltaube, welche dadurch 
geduldig und folgsam gemacht wird, dass, nachdem sie erstanden, man ihr die Augen- 
lider zunähe und kurze Zeit sie so blind halte. Sehr bald gewöhnt sich dann der 
Vogel und bleibt nach dem Oeffnen der Augenlider ganz zahm. 

Am 12./24. März waren die Ringeltauben schon gepaart, sie brüten auch im 
Talyscher Tieflande und selbst auf der Insel Sari traf,ich sie im Sommer an. Hier, wo 
nur wenige Bäume wachsen, bevorzugten sie zum Aufenthalte die dicken, niedrigen, 
sehr dicht belaubten Feigenbäume. 


219. Peristera turtur L. 
Russisch: Gorlixa. 
Georgisch: Gwriti. 
Armenisch : Tatrak. 
Systematisches. 

Es sind mir im Verlaufe der Zeit wohl einige Hundert Turteltauben im Kau- 
kasus durch die Hände gegangen. Von ihnen wurde ein Dutzend präparirt. Ich habe 
hier stets nur die typische Turteltaube gefunden. Meine Exemplare stimmen vollkommen 
mit deutschen Vögeln in Farbe und Grösse überein. Bei recht alten Männchen ver- 
schwinden die Rückenflecken ganz und die zimmetbraunen Umrandungen der oberen 
Flügeldecken werden mächtiger und intensiver. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Ich kann das Vorkommen der Turteltaube in Höhen bis zu 7000' nachweisen. 
Am 9./21. Juli 1865 traf ich sie im niedrigen Birkengehölze an der Nordseite des 


*) Journal für Ornithologie, 1876, pag. 186. 
*) Nordmann (Demidow: Voyage etc., Tome III, pag. 213), berichtet hierüber ebenfalls. 
42 


Badde, Ornis caucasica. 


330 Peristera turtur, 


Schambobel (Achalzich) in der erwähnten Höhe an. Doch ist die Turteltaube vor- 
nehmlich ein sehr gemeiner Bewohner der heissen Zone und bevorzugt in ihr die dicht- 
verwachsenen Dorngebüsche. Im Swanendorfe Pari am oberen Ingur (4650‘) war Sie 
selten, bestand aber die tieferen Gebirgsgegenden, mit Vermeidung der Hochwälder, 
namentlich die Radscha und Letschchum, häufig und wurde im Colchischen Tieflande 
gemein. Ebenso ist sie es im gesammten Kuralaufe, wo selbiger in seiner Ufervegetation 
die gewünschte Dichtigkeit besitzt und nicht weniger gemein ist sie im Talyscher und 
Massenderan’schen Tieflande. Die Turteltauben treffen spät ein, vor dem 10. / 22. April 
habe ich in Lenkoran keine beobachtet und bei Tiflis notirte ich die Ankunftszeit erst 
mit dem 19. April/1. Mai. Junge Turteltauben wurden Ende August bei Manglis, 
während des Wachtelzuges in Menge geschossen. Selbst auf dem Armenischen Hoch- 
lande lebt sie in Höhen von über 6000° und sogar da, wo es weit und breit keinen 
Wald, ja nicht einmal Gebüsch giebt. Seit mehreren Jahren lebt ein Weibchen in der 
Voliere mit Phasan und Steinhuhn zusammen. Es befinden sich in diesem grossen 
Käfig auch allerlei hübsche Fringilliden. Steinhuhn und Turteltauben sind Weibchen, 
der Phasan ist ein alter Hahn. Er musste Ende April abgesondert werden, weil er die 
Steinhenne arg verfolgte und trat. Ich glaubte, dass ohne ihn die Weiber nun Frieden 
halten würden, aber das war nicht der Fall. Floh früher die Steinhenne vor dem 
Phasan und rettete sich durch Flug zur Sitzstange, so musste jetzt die Turteltaube vor 
der Steinhenne fliehen. Beide Vögel brachten in der Gefangenschaft volle Gelege. 


Gallinaceae. 331 


Ordo VII. 


Gallinaceae. 


Allgemeine Vorbemerkungen. 


Die Hühnerarten des Kaukasus sind eigenthümlich und schön. In zwölf Arten 
sind sie vertreten, davon gehören drei zu den Sandhühnern, eine zu den Waldhühnern, 
eine zu den Phasanen, fünf zu den Feldhühnern und zwei zu den Königshühnern, 
Megaloperdix. Centraleuropäer treten vollkommen in den Hintergrund, von ihnen 
finden sich im Kaukasus nur das Feldhuhn und die Wachtel. Das Steinhuhn in den 
Uebergängen von Cneeabis saxatilis bis C©. chukar, an manchen Lokalitäten vorwaltend 
in der letzteren Form vorkommend, ist eine mediterran-asiatische Art. Das Frankolin, 
gegenwärtig wohl schon aus der Ornis des westlichen Theiles von Süd-Europa zu 
streichen und vornehmlich als Nordafrikaner und Vorderasiate zu betrachten, lebt noch 
in grosser Zahl im unteren Kura-Thale und findet seine westliche Verbreitungsgrenze in 
demselben circa 100 Werste östlich von Tiflis (man vergleiche die Karte, welche eben- 
sowohl die Verbreitung der Gallinacen im Kaukasus, als auch die vornehmlichsten 
Erscheinungen des Zuges darstellt). Die zierliche Form von Ammoperdix griseogularis 
gehört den transcaspischen Wüsten und den östlichen kahlen Elburs-Verflachungen an. 
Die beiden Pferocles-Arten sind Mittelmeerformen. von denen die eine, P. alchata, nur 
am Caspi, die andere, P. arenarius, sowohl in der heissen Zone, als auch auf dem 
Armenischen Plateau bis zu einer Höhe von: 6000° über dem Meere vorkommt. Das 
Fausthuhn, an der Westküste des Caspi nur als Gast erscheinend, bewohnt die trans- 
caspischen Wüsten. Der Phasan gehört als wilder Vogel dem Kaukasus nur bis zu 
einer Höhe von höchstens 2500° über dem Meere an und zwar in allen vier Fluss- 
thälern. Endlich aber sind die beiden hochalpinen Königshühner, der Schmuck der 
kaukasischen Gallinaceen, zu erwähnen; von ihnen ist Megaloperdix caucasica speziell dem 
Grossen Kaukasus eigen, die andere Art M. caspia Gmi. nur dem Kleinen Kaukasus, 
der Elburs-Kette und dem südlichen Taurus Kleinasiens angehörend. Beide Arten leben 
im Sommer nahe der Schneelinie und steigen im Winter bis zu Sr Höhe von 7000° 

* 


332 


Gallinaceae. 


über dem Meere herab. Die eigentlichen Waldhühner besitzen im Kaukasus und zwar 
im Gebiete der Baumgrenze nur einen Repräsentanten, welcher nichts mit den weit 
verbreiteten nordischen Tefiraonen zu thun hat, vielmehr nur dem Isthmus angehört 
und sich auch, soweit Wälder vorhanden sind, hoch oben in der Randzone des Anti- 
Es ist dies Tetrao Mlokosiewiexi. 

Bei dem Vergleiche dieses reichen und eigenthümlichen Bestandes der Gallina- 
ceen des Kaukasus zu demjenigen Persiens und Turkestans ergeben sich folgende interes- 
sante Fakta aus der tabellarischen Anordnung: 


kaukasus findet. 


Sandhühner : 


Waldhihner : 


Phasanen: 


Feldhähner : 


Königshühner : 


Summa: 


Kaukasus 


3 Arten mit Syrrhaptes. 
(2 Arten sind Mittelmeer- 
formen (Pterocles alchata 
und P. arenarius) und mit 
zweien Persiens identisch.) 


1 Art. 
(Nur dem Kaukasus an- 
gehörend.) 


1 Art. 
(Im gesammten Kaukasus, 
aber nicht über 2500° vor- 
kommend, Phasianus_ col- 
chicus.) 


5 Arten, 1 Varietät. 
1 Art. 


(Nur im unteren Kurathale, 
Attagen francolinus.) 


Fehlt. 


1 Art, 1 Varietät. 
(Caccabis saxatilis sammt 
der Varietät ©. chukar bis 

über 6000°.) 
1 Art. 


(Typisches Feldhuhn Star- 
na cinerea.) 


1 Art. 
(Caspischer \Vüstenvogel 
Ammoperdix griseogularis.) 


IEATE 
(Einziger Zugvogel unter 
den Gallinaceen, Ortygion 

eolurnix.) 


2 Arten. 
(Eine specifisch dem Gros- 
sen Kaukasus, die zweite 
spezifisch dem Kleinen 
Kaukasus angehörend, die 
sich geographisch gegen- 
seitig ausschliessen.) 


12 Arten, 1 Varietät. 


Persien. 


4ArtenohneSyrrhaptes. 
(2 davon gehören Süd- 
persien an, P. senegallus 
und P. coronatus, 2 sind 
identisch mit den im Kau- 
kasus vorkommenden Mit- 
telmeer-Arten.) 


Keine Art. 


2 Arten. 
(Dieselbe kaukasische, nur 
am Südufer des Caspi, 
Ph. colchieus. und eine 
zweite Ph. persicus Severx.) 


5 Arten, 1 Varietät. 
lRArt: 


(Dieselbe kaukasische, nur 
im südlichen Persien.) 


1 Art. 
(Ortygornis _ponticeriana, 
nur in Südpersien.) 


1 Art, 1 Varietät. 
(Dieselben.) 


Fehlt. 
(Wenigstens durch Blan- 
ford nicht nachgewiesen, 
vielleicht in der Elburskette, 

Südabhang.) 


1 Art. 
(Ebendieselbe, bis zu 7000*°.) 


1 Art. 
(Dieselbe.) 


10 .Art. 
(Megaloperdix caspia Gml.) 


12 Arten, 1 Varietät. 


Turkestan. 


3 Arten. 


(Ganz wie im Kaukasus.) 


2 Arten. 

(Den europäisch-sibirischen 
Spezies angehörend: Tetrao 
telrix und T. wrogallus.) 
1 Art. 

(In dem aralocaspischen 
Gebiete, in Turkestan und 
Centralasien vorkommend, 
Ph. mongolieus.) 


5 Arten, 2 Varietäten. 
Fehlt. 


Fehlt. 


1 Art, 1 Varietät. 
(Dieselben.) 


2 Arten. 
(Typisches und daurisches 
Feldhuhn, St. cinerea und 

barbata.) 


IvArt. 
(Dieselbe.) 


1 Art, 1 Varietät. 
(Dieselbe mit einer Varie- 
tät: Baldami Brehm.) 


1 Art. 
(M. Nigellii Jard., hima- 
layensis Gray.) 


12 Arten, 2 Varietäten. 


Pterocles arenarius. — Pterocles alchata. 333 


220. Pterocles arenarius Pall. 
Russisch: Stepnoi rjabok. 
Persisch: Söya Sinah, d. h. Schwarzbrust. 


Systematisches. } 
Die kaukasischen Vögel stimmen mit Kirgisen und Spaniern, die mir zum Ver- 
gleiche vorliegen, vollkommen überein. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Im Kurathale fällt die äusserste Grenze der Verbreitung dieser Art nach Westen 
eirca 40 Werste (6 geogr. Meilen) unterhalb von Tiflis, wo in den Steppengebieten, 
welche von Antilope subgutturosa bewohnt werden, diese Steppenhühner leben. Nament- 
lich rotten sich dieselben schon Anfangs August zu grossen Schaaren und bestehen 
dann die fruchtbaren Stellen der Karagas-Niederung. Auf der hohen Wermuthsteppe 
sind sie um diese Zeit viel seltener. Häufig traf ich dieses Sandhuhn in den Saat- 
feldern westlich von Elisabethpol, im Mai stets gepaart und im Herbste in kleinen 
Völkern fliegend. Aus dem Araxes-Thale kenne ich den Vogel aus den Wüsten ober- 
halb Sardarabad und zweifelsohne darf man ihn bis zum Einfalle des westlichen Arpa- 
tschai in den Aras aufführen, also bis in die salzreichen Gebiete von Kulpi. Am 
Nordfusse des Kleinen Ararat, in einer Höhe von 4500° über dem Meere, erlegte ich den 
Vogel im August und lebte er damals hier noch in gesonderten Paaren auf einem Ter- 
rain, welches in seiner Vegetation hochpersischen Typus besass (holzige Astragaleen- 
und Afraphazis-Arten vorwaltend). Für die transkaukasischen Lande kann ich ein Vor- 
kommen dieser Art westlich von Kulpi nicht konstatiren; hier scheint in der That der 
hohe Täkaltü und die ihm westlich folgende, mächtige Gebirgsentwickelung der „blauen 
Berge“ im Lande der Kurden und Jesiden ihr eine lokale Grenze zu setzen. Doch wissen wir 
durch Dickson*) und Ross, dass der Vogel „is very common near Erzeroom, and is 
said to breed etc.“ Vergessen wir nicht, dass die Meereshöhe von Erzerum mit 6600’ 
nicht zu hoch gegriffen ist und dass die obere Fratstufe im Mittel zu 6400‘ bestimmt 
wurde **). An diese Fundorte schliessen sich bequem jene in Hochpersien an, von 
denen Blanford***) spricht; auch dort lebt der Vogel auf dem wüstenartigen Terrain 
bis zu 6000‘ über dem Meere. Im Winter fand ich Anfangs November im Kurathale 
den Vogel nicht, er soll aber, zumal, wenn es kalt wird, sammt seinem Stammver- 
wandten oft in grosser Zahl erscheinen und besonders häufig in der Mugan sein. Bei 
Lenkoran erscheint er nur als seltener Gast und bleibt dann Strand- und Dünenvogel. 
Ich war sehr überrascht, während meiner Winterreise nach Belasuwar in der Mugan 
(im März) gar keine Pterocles-Art dort zu finden. 


221. Pterocles alchata L. 
— Pt. caspius Mentr. 
Russisch wie die vorige Art: Stepnoi. rjabok. 
Persisch: Kao-Kar. 
Tatarisch: Pachtal. 


*) Dresser, The birds etc., Part. XXXIII, Oktober 1874. 
**) Radde in Petermann’s Mittheilungen, 1875, Seite 301 #f. 
”**) Blanford, Eastern Persia, Vol. II, pag. 271. 


334 Pterocles alchata. 


Systematisches. 


Es wurden fünfundzwanzig Exemplare gesammelt, davon eines am 1. /13. De- 
zember, alle anderen am 22. März / 3. April und 23. März /4. April auf dem Zuge bei 
Lenkoran. Das erste Exemplar ist ein Weibchen, welches auf der Brust noch ziemlich 
viele Flecken des Jugendkleides im neuen Habite stehen hat. Aus der Diagnose und 
Beschreibung M&ne6tries*) geht hervor, dass er Weibchen vor sich hatte, denn die 
„gula abdomineque albis“ und „le dessous du bec et du cou, ainsi que tout le ventre, 
sont d’un blanc pur“ entscheidet nur für die Weibchen, wenigstens was die Farbe der 
Kehle anbelangt. Es ist auffallend, dass die von mir 1866 am 1. /13. April von Len- 
koran mitgebrachten Exemplare dieses Sandhuhnes nur Weibchen sind, die Hauptaus- 
beute, welche an den beiden oben erwähnten Märztagen ebenfalls bei Lenkoran gemacht 
wurde, brachte uns beide Geschlechter. Beide Male ruheten die Vögel nur kurze Zeit 
am Strande und auf den nahen Dünen des Meeres und weichen die Individuen unter 
einander so gut wie gar nicht ab, so dass die Benennung M&n&tries’ nicht einmal 
als Varietät sich rechtfertigen lässt. Ich glaube eben, dass der Autor, als er Pf. caspius 
kreirte, nur Männchen von Pf. alchata kannte und deshalb den Fehler machte, das 
Weib als Art zu behandeln. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Der schöne Vogel ist an der Westküste des Caspi. wo diese den mehr oder 
weniger ausgeprägten Wüstencharakter besitzt, sesshaft nicht häufig, erscheint daselbst 
aber bisweilen in ungeheurer Menge und geht vereinzelt und in kleinen Banden während 
des Zuges, wie aus meinem Fundorte erhellt, bis hart an die Süsswasser- und Wald- 
zone von Talysch. Viel häufiger ist er im Sommer in den transcaspischen Wüsten. 
Wie weit diese Art im Winter im unteren Araxesthale aufwärts geht und sich dann 
bei ihrer unstäten Lebensart über die Gebiete westlich von der Mugan verbreitet, kann 
ich nicht entscheiden. Es liegen mir darüber keine Beobachtungen vor, jedoch führt 
Nordmann**) ihn als gemein in den Niederungen des Äraxes auf. Wie man mir in 
Lenkoran sagte, so erschienen daselbst im Winter 1875 ungeheure Mengen für kurze 
Zeit, hielten sich aber immer nur auf den trockenen Stellen, zumal auf den Zwerg- 
dünen und am Strande auf. Auch damals müssen sie der Küste entlang und über 
Massenderan und Gilan gekommen sein. Das geschah ebenfalls Ende März 1880. Die 
Tausende von Vögeln, welche in kleineren und grösseren Trupps im eiligsten Fluge 
Lenkoran passirten, hielten aufs Schärfste die Richtung der Meeresküste ein. Erst auf 
dem halben Wege von diesem Orte zur Kumbaschin’schen Fischerei, wo sich zwischen 
Sumpf und Meer die Dünenebene verbreitert, ruheten die Vögel, waren aber ungemein 
scheu und unruhig. Wo diese Massen Vögel geblieben, kann ich gar nicht sagen. Ich 
bin später mehrmals in der Mugansteppe gewesen und auch zur Frühlingszeit, habe 
aber keine Sandhühner dort angetroffen, auch nicht auf dem salzigen Boden, im Innern, 
welcher mit Halophyten bestanden ist. Es ist indessen möglich und sogar wahrschein- 
lich, dass sich die scheuen Vögel. welche gewiss in Kolonien brüten, zu diesem Geschäfte 
in die entlegensten und im Sommer menschenleeren Gegenden zwischen Araxes und 


*) Catalogue raisonne, pag. 47, Nr. 144. 
*) Demidow: Voyage etc., Tome III, pag. 222. 


Pterocles alchata. — Syrrhaptes paradoxus. — Melagoperdix caucasica. 335 


Kura begeben. Durch de Filippi für Persien, durch Hume und Jerdon über Af- 
ehanistan nach Indien hin und durch Severzow für Turkestan, den Alatau und Thian- 
Schan *) nachgewiesen, andererseits im südlichen und westlichen Kleinasien und in 
Griechenland gefunden, runden die Fundorte im Kaukasus den Abschluss des geo- 
graphischen Verbreitungsgebietes in Asien vortheilhaft ab. 


222. Syrrhaptes paradoxus Pall. 


Russisch nach der tatarischen Benennung: Bulduruk oder Buldrjuk. 


Systematisches. 
Das Exemplar aus dem Lager von Krasnowodsk weicht in keiner Hinsicht 
vom centralasiatischen Vogel ab. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Ohne Bedenken nehme ich das Fausthuhn in die Ornis des Kaukasus auf, ob- 
gleich es erst in neuester Zeit mit Sicherheit für die schmale Küstenzone des südlichen 
Caspigebietes nachgewiesen wurde. Im physikalisch-geographischen Sinne aber wird 
man die nördlichen Zweidrittheile des Caspi sich nicht als wesentlich verschieden in 
ihren Ost- und Westhälften vorstellen können und der Unterlauf des Terek wird in 
Bezug auf die ihn umgebende Natur kaum von dem Wolga-Mündungslande zu trennen 
sein. Es ist daher keine gewagte Behauptung, das Fausthuhn dem ganzen Caspi-Ufer- 
lande, wenn auch an manchen Orten nur als zeitweisen Gast, beizuzählen. Ich besitze 
nun ein Exemplar, im Herbste 1871 vom Baron Meyendorff bei Krasnowodsk erlegt, 
nach dessen Aussage der Vogel dort sammt Ammoperdix griseogularis häufig war. Im 
Mai desselben Jahres habe ich ihn dort nicht gefunden, durfte damals aber auch nicht 
weit in die Wüsten vordringen, weil die Turkomanen die Gegend unsicher machten. 
Bei der grossen Flugfähigkeit des Vogels und seiner im Herbst und Winter auffallenden 
Unstätigkeit halte ich es für gewiss, dass er zeitweise wenigstens die Muganwüste 
und auch das Mündungsland des Terek besucht. Derselben Ansicht ist auch Bog- 
danow**). Neuerdings wurde mir nun die Nachricht, dass Herr A. Maximovicz das 
Fausthuhn in zwei Exemplaren oberhalb Lenkorans 1878 erlegte. Es liegt hier keine 
Verwechselung mit einer Pferocles-Art vor, weil von dem Jäger die kurzen, verwachsenen 
Zehen beobachtet wurden. Ebenso hat der Baron Tiezenhausen im Winter 1875 
sechs dieser Vögel bei Lenkoran angetroffen und davon zwei erlegt. Die mir seinerseits 
hingezeichnete Fussform garantirte die Richtigkeit seiner Mitheilung. Oben am Caspi 
kommt der Vogel nicht selten bei Astrachan vor und wurde auch einmal bei Sarepta 
erlest, wie Bogdanow ***) berichtet. 


223. Megaloperdix caucasica Pall. 
Taf. XXI, 1, 2. 
Russisch: Gornaja Indeika, d. h. Gebirgs-Puter. 
Georgisch und bei den Imereten: Indaure. 


*) Dresser, The birds etc. part. XXXIII Oktober 1874. 
**) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 129, Anmerkung. 
***) Säugethiere und Vögel der mittleren und unteren Wolga, pag. 122, 


336 Megaloperdix caucasica. 


Bei den Swanen: Mulkaure oder Mulkäre. 

In der oberen Radscha an den Rionquellen: Dsheruni. 
Bei den Ossen der oberen Radscha: Sim (weiches s). 
Bei Pallas: Dshumaruk. 

Bei Motschulski : Churtka. 


Systematisches. 

Ich gebe hier von dem wenig gekannten und neuerdings wohl nur von mir 
vielfach beobachteten kaukasischen Königshuhn, wie Brehm trefflich bezeichnend den 
Vogel nennt, eine eingehende Beschreibung, da eine solche in diesem Umfange nicht 
existirt. Alles, was Beziehung zur geographischen Verbreitung der Art hat, erörtere 
ich unter der Rubrik, welche von M. caspia handelt, wenigstens insofern, als ich 
die allgemeinen geographischen Gesichtspunkte dabei besonders beachte. Zum Muster 
meiner Beschreibungen sitzen mir sieben alte Vögel, vier Männchen und drei Weibchen 
vom Kasbek, von welchen die ersten beiden schon Ende December 1863 durch den 
verstorbenen Herrn Kieser in Wladikawkas mir gesendet wurden, die anderen ich aber 
im Verlaufe der Zeit todt oder lebendig vom Kasbek erhielt. Ich schrieb damals (1866) 
in mein Journal: 

Männchen und Weibchen unterscheiden sich im Gefieder auf den ersten Blick 
nicht wesentlich, weichen aber in der Grösse bedeutend ab. Der Hahn ist stärker, als 
die Henne. Der Hahn trägt einen stets stumpf abgerundeten, kurzen, harten Sporn, 
etwas unterhalb der Hälfte des Tarsus. Das Weib hat an entsprechender Stelle nur 
ein grösseres, glattes Schildfeld stehen. Bei der Henne sind sämmtliche helle Um- 
randungen und Bänderungen der Federn etwas breiter, als bei dem Hahn, dieses gilt 
auch von den dunkeln Federpartien; die Wellenbänder sind bei den Weibchen in der 
Mitte oft spitzig. In Folge dessen erscheint die Gesammtzeichnung der Henne gröber 
und besitzt nicht in gleichem Maasse die zahllosen, feinen Kritzellinien, wie solche der 
alte Hahn zeigt. Spezieller betrachtet unterscheiden sich die vor mir stehenden Indi- 
viduen beider Geschlechter wie folgt: 

Kehle und Hals sind sammt den Seiten des Halses rein weiss, welche Färbung 
nach unten hin scharf umgrenzt wird durch die schwarz und gelb gebänderten Federn, 
welche etwa in der Mitte des Halses beginnen und sich seitwärts höher hinaufziehen. 
Seitlich von der Oberschnabelbasis an über die ganze Wange und zum Öhre hin, sowie 
etwas abwärts zur Halsseite, steht ein aschgraues Feld, bei den Männchen einfarbig, 
bei den Weibchen am unteren Rande schwärzliche Federspitzen besitzend. Bei dem 
Hahne schliesst sich an diesen Wangenflecken das seitlich licht rauchgraue, breite 
Halsband und hellt sich in das Grau der Wange allmählich ab. Dieses breite Band 
reicht abwärts bis auf die gewässerte, oben schon erwähnte Brust- und untere Hals-. 
befiederung. Das Weibchen besitzt diesen Streifen nicht, an seiner Stelle sind die 
straffen Halsfedern nur schwarz zugespitzt und nehmen diese kleinen Flecken nur eine 
kleine Zone ein, erstrecken sich auch nicht bis zum queergebänderten Gefieder abwärts. 
Von der Stirne an ist die ganze obere Kopf- und Halsseite einfach aschgrau, bei dem 
Hahn in Lichtbraun ziehend und in diese Farbe an der hinteren Halswurzel ganz über- 
gehend, bei dem Weibchen weniger bräunlich und auf dem Scheitel leicht weisslich 
und schwärzlich gesprenkelt. Um nun diese Beschreibung des Kopfes zu vervollständigen, 
habe ich zu melden. dass an dem frisch erlegten Vogel Folgendes zu sehen ist: Der 


Megaloperdix caucasica. 337 


Schnabel ist nicht schwarz, sondern der Oberschnabel schmutzig hornfarben mit roth- 
gelblicher Beimischung, die Ränder desselben sind bedeutend heller und reiner gelblich, 
die Spitze ist aber wieder hornfarbig. Der Unterschnabel ist bis auf eine schmale 
Mittelläche, welche heller, schmutzig gelbröthlich. Das obere Augenlid zeigt nur-einen 
ganz schmalen Rand, der mit kleinen, weissen Federchen besetzt ist, im Uebrigen ist 
es in 1,5 Linien Breite kahl und hellgelb. Desgleichen zieht sich etwa in 1 Zoll Länge vom 
hinteren Augenwinkel eine glatte, kahle Haut bis hinter die Ohröffnung abwärts. Diese 
Haut ist nicht drüsig, wie bei den ächten Teiraonen, sondern glatt und dünn. Sie 
besitzt eine in's Pommeranzengelbe ziehende Farbe und gewinnt in ihrem vorderen 
Dritttheile die grösseste Ausdehnung. Die um die Ohröffnung stehenden Federn, 
namentlich die am vorderen Rande, sind straffer als die übrigen und bis zu 10 Linien 
verlängert. Die karunkelartige Nasenlochdecke ist aussenher platt, pommeranzengelb 
und schliesst sich mit ihrem vorderen Rande an die Wachshaut, welche vor dem Ge- 
fieder der Stirn die obere Basis des Oberschnabels auf 1',—2 Linien Breite deckt. Sie 
hat eine horngraue Farbe und besitzt einzelne, kleine Borstenfederchen, namentlich an 
der Vereinigungsstelle mit den Nasenlochdecken. 

Bei dem Männchen ist das lichte Braun auf der Rückenseite der Halswurzel 
viel intensiver, als bei dem Weibchen. In beiden Geschlechtern stimmt das Gefieder 
der Brust und des Rückens durchaus sehr überein. Jede einzelne Brustfeder zeigt bei 
dem Männchen zwei deutliche, aufeinanderfolgende, etwas schräge zum Schafte vorge- 
neigte Binden, hellgelblich-weiss-schwarz, dann schmäler gelblich-weiss-schwarz, sodann 
fein gespritzt auf grauem Grunde in Hellgelblich-weiss.. Bei dem Weibchen markiren 
sich die Binden breiter und schärfer umgrenzt ohne die feine Spritzung zur Basis hin, 
sodass die Zeichnung massiv erscheint. Dasselbe findet namentlich bei den Weibchen 
auch auf der Rückenseite statt, wo die Federn 4—5 deutlich abgesetzte, in ihren 
Rändern aber vielfach fein ausgezackte, schräge zu den Federrändern aufsteigende 
Binden besitzen (je 5 hellgelbliche und 5 grauschwarze). Das Männchen weist hin- 
gegen die feinverspritzten Tinten in Gelb und Grauschwarz kaum noch in deutlich er- 
kennbaren Bindenzeichnungen auf. 

Aehnliches wiederholt sich auch an dem gesammten sonstigen Leibesgefieder 
der Vögel. So sind die seitlichen Tragfedern des Flügels in ihren langen Schaftflecken, 
die grau und spärlich gelb gespritzt sind, bei dem Männchen mächtiger, als bei dem 
Weibchen; dahingegen trägt letzteres die von Gelblich in intensiv Kastanienbraun 
ziehenden und endlich in Schwarz umsäumten Fahnen breiter. So auch verschwinden 
bei den Hähnen die breiteren, hellen, gelblichen Umrandungen des Bauchgefieders fast 
vollständig, während sie bei den Hennen wohlerhalten erscheinen. Auf dem Rücken, 
dem Bürzel und den oberen Schwanzdecken gleicht sich in beiden Geschlechtern die 
Vertheilung der beiden Grundfarben des Gefieders besser aus. 

Die Bindenzeichnung verschwindet hier merklich und es erscheint das Kleid 
recht zart in Hellgelblich und Schwarz gesprenkelt, ab und zu noch die Binden er- 
kennen lassend. Die oberen Schwanzdecken bieten ein besonderes Interesse dar, 
nämlich insofern, als die längsten von ihnen bis zum Ende der Mittelfedern des 
Schwanzes reichen und fast ebenso steif und stark gebaut sind. Solcher Federn giebt 
es vier, sie sind oberhalb der eigentlichen Schwanzfedern inserirt und über ihnen 
dachen noch andere, kürzere, aber fast ebenso starke. Alle diese haben die Farbe der 

Badde, Ornis caucasica. 43 


338 Megaloperdix caucasica. 


eigentlichen Steissfedern, sie sind auf das Feinste in Gelb, Gelbbräunlich und Schwarz 
gesprenkelt und zeigen hier und da unterbrochene zackige Bindenzeichnungen. Eigent- 
liche Steuerfedern besitzt der Vogel 18. An der Basis sind dieselben grau, dunkeln 
der Spitze zu in Schwarz und sind von einem deutlichen, braunen Endbande umgeben; 
bei dem Weibchen sieht man vor diesen noch eine schmale, weisse Einkantung. Der 
Basaltheil der Aussenfahnen ist bei beiden Geschlechtern ebenfalls in Schwarz und 
Braungelb gesprenkelt. 

Den Flügel finde ich bei Männchen und Weibchen gleich gebaut und gefärbt. 
Wiederum besitzt das Weibchen die weissen Umkantungen der Aussenfahnen etwas 
breiter als das Männchen und das letztere die braunen Wischflecken an der Basis der 
grossen Flügeldecken mehr entwickelt und intensiver gefärbt, als das Weibchen. Ich 
zähle 10 Schwingen erster Ordnung; sie sind sammt den Schaften alle weiss und nur 
die Spitzen reichlich einen Zoll lang grauschwarz und am Rande der Aussenfahnen 
wenig in Gelbgrau gesprenkelt. Die Daumenfedern reichen bis über die Hälfte der 
Totallügellänge (vom Bug an gerechnet) herab. Auch die Schwingen zweiter Ordnung 
sind von der Basis an bis 1'/, Zoll vor der Spitze weiss, letztere grau und gelbweiss 
gespritzt. Die unteren Flügeldecken sind wie die kleinen oberen vorwaltend grau, 
überall mit den charakteristischen gelben, gezackten, oder ganz sich auflösenden Binden 
und Spritzflecken versehen. Zum Abschlusse der Beschreibung des schönen Vogels 
muss ich nun noch sagen, dass seine unteren Schwanzdecken rein weiss sind und dass 
die Befiederung des Unterschenkels, welche vorne zolllang bis auf den Tarsus tritt 
(hinten fehlt), auf das Feinste in licht Rauchgrau und schmutzig Gelblich gespritzt 
erscheint. ’ 

Nunmehr lasse ich eine Maasstabelle von drei alten Vögeln, zwei Männchen 
und einem Weibchen folgen. Da ich die zuerst oben besprochenen beiden Exemplare 
nach englischen Zollen maass, so setze ich auch die am dritten Vogel ermittelten 
Grössen in gleichem Maasse bei. 

Die drei Vögel wurden im Fleische gemessen: 


Megaloperdix caucasica Pall. vom Kasbek. 


M M. W 

Totallänge (Schnabelspitze bis a gerade aus- | | 

Destreckt2 2.0. | | 23% — 22" — 
Länge des Schnabels, Se der Hircter en A 2 13% 2 
Länge der Mundspalte. . . ee 16“ 19,0 1 
Höhe des Schnabels an der inbnchlung ar Wachshaut, | 

von der Firste senkrecht abwärts gemessen . . | Sch 1.06% 7.5 
Höhe der die Nasenlöcher verdeckenden Karunkel, die habe | 

nach oben und hinten gerichtet ist . . 2... I 2,8% 2,5. 
Breite der Augenspalte . . . > are 5 
Grösste Breite des Kopfes dee am ns Ende des! 

lnterkiefersiäs. ran. el 2 (6 
Grösster Durchmesser der Ohröfnune, er 6 44 3,8% DD 
Länge des Flügels, vom Bug bis zur Spitze, Eile erene 192421104 — 799 


Megaloperdix caucasica. 339 


| eu 
ee — 
Länge des Schwanzes, die beiden mittlern Federn . I zu gu | du gu gu 
Irangesderäussersten Schwanzteder .ı .... ur... 2... 2.25 0 520585 
kkanzexdes»Unterschenkels 1 a. nen en | 50er ro 
Länge des Laufes, hinten gemessen . . ZN R  —| 
Länge des Laufes, vorne bis zum Rande der höiabeteigenden 
Befiederung gemessen . . . 5 A a len 
Abstand des Spornes, von der Bel, an gemessen . . 10 gr” — 
Abstand der hinteren Zehe vom unteren Spornrande . . . 4,5“ 4“ 38 
vom ande. 
hänge der-mittleren Zehe ohne Nagel . . ........... | 24 au 20 — | 1°11” 
Länge der mittleren Zehe mit dem Nagel. . „2... 24. 8” | 2.6“ | 2U 4 
Länge der äusseren Zehe ohne Nagel . . .....2...... 1.1” 5“ | 17 4“ | 17 3 
Länge der äusseren Zehe mit dem Nagel . . . ....... | 110“ | 17 9“ | 17 8“ 


Am 23. Juni /5. Juli 1864 hatte ich das Glück, bei der Besteigung des Dadiasch 
nahe unter dessen Gipfelhöhe mehrere Völker des Königshuhnes aufzuscheuchen und 
wurde eines der Küchelchen dabei glücklich ergriffen. Ich sehe das für ein Glück an, 
denn der Mensch ist an den Lokalitäten, wo das Königshuhn die Brut führt, ein un- 
geschickter, plumper Geselle, mag er selbst der beste Alpensteiger sein. Die Kleinen 
aber verstehen es mit unglaublicher Schnelligkeit und Geschicklichkeit sich zu ver- 
stecken. während die Eltern auf und davon, womöglich auf ein Firnfeld, fliegen und 
sehr bald den Lockton zur abermaligen Vereinigung ertönen lassen. Am Tschitcharo 
stöberte ich auf’s Neue eine Henne mit Jungen im Felsenreiche, wo Potentilla gelida 
©. A. M. und Androsace willosa L. blühten, auf. Ich bin der Mühe überhoben, den 
Nestvogel zu besprechen; Dresser*) hat ihn sehr getreu abgebildet, nur muss auf 
-diesem Bilde der ältere Vogel ein junges Weibchen gewesen sein, weil er auffallend hell 
und gelb gefärbt ist. Ich besitze nämlich ein altes Brutweib, ebenfalls vom Kasbek, 
welches am 12. / 24. Mai dort in einer Höhe von mehr als 9000’ über dem Meere vom Neste 
(mit den Eiern, 10 an der Zahl) genommen wurde. Dieser Vogel wurde mir lebendig 
‚zugestellt, lebte aber nur vier Tage. Das arme Thier war total erschöpft, es hatte die 
Reise, circa 20 geogr. Meilen, in einem kleinen Korbe gemacht per Extra-Post; die 
Eier folgten anbei. Dieses sehr dunkel gefärbte Weibchen mit ausserordentlich abge- 
tragenem Kleide erscheint noch dunkler, als das älteste Männchen meiner Suite. Der 
fast rein schwarze Mundwinkel-Halsstreifen steigt bis zur Brust herab, von den hellen 
Endbinden der Brustfedern sind nur ganz schmale Reste nachgeblieben; ebenso ist das 
Gefieder des Kopfes obenher so stark vertragen, dass das Schwarz dominirt. Die Brüte- 
lecken bei diesem Vogel nehmen die ganze Brustfläche ein. Am frisch erlegten Vogel 
sind die Füsse licht rothgelb, die vorderen Ränder der Schilder auf den Zehen breit 
schwärzlich, die Nägel schwarz, die Iris dunkelbraun. 

Das Königshuhn, so dürfen wir mit Sicherheit annehmen, kann vor Ende April 
kaum in die Ehe treten. Die Brutzeit ist zwar durch direkte Beobachtungen nicht 


*) Dresser, The birds ete., Parts LXV, LXVI, 1878. Mais 


340 Megaloperdix caucasica. 


festgestellt, allein sie wird, wie bei den meisten Gallinaceen, nicht unter drei Wochen 
in Anspruch nehmen und, da das vorher besprochene Küchlein vom 23. Juni wohl nur 
wenige Tage alt war, so muss das betrefiende Weibchen erst Ende Mai sich zum Brüten 
gesetzt haben. Nun wolle man aber nicht vergessen, dass das Nest 12—18 Eier 
enthält und dass die Henne wahrscheinlich auch mit Unterbrechungen lest, mithin die 
Begattung vor Mitte oder Ende April nicht statthaben kann. Dies ist auch verständlich, 
wenn man in Erinnerung bringt, dass der Vogel selbst in seinen Winterstandorten nicht 
bis zur Baumgrenze herabsteigt, also etwa in Höhen von 8000’—7500‘ lebt, im Sommer 
aber bis in die Höhen von 10000‘ und darüber hinaus sich begiebt. 

Mit diesen ehedem niedergeschriebenen Vermuthungen stimmen die neuerdings 
gemachten Erfahrungen recht gut überein. Ich erhielt von der freundlichen Wirthin 
der Poststation Kasbek zweimal Eiersendungen vom Königshuhne, einmal 7, das andere 
mal 6, die ersten kamen am 12. / 24. Mai hier an, zugleich mit dem sie bebrütenden 
Weibchen und konnten nur mit Mühe in gewöhnlicher Manier, ohne Schnitt, gereinigt 
werden. Die letzten kamen Ende Mai an und konnten nur durch breiten Schnitt klar 
gemacht werden, die Embryonen waren in ihnen fast reif. — Die vollen Gelege beider 
Nester enthielten 10 und 13 Eier. Unbebrütete Eier erhielt ich am 17. / 29. April 
ebenfalls vom Kasbek. 

Das Ei des kaukasischen Königshuhnes ist verhältnissmässig klein; ich messe 
an einem 69 mm Höhenaxe und 46 mm grössesten Querdurchmesser, die Dimensionen 
variiren um ein Weniges, wie auch die Grundfarbe des Eies. Es giebt auch gedrungene 
breite Eier. Ich messe z. B. 67 mm Höhenaxe auf 56 mm Breite und andere schmale 
von 68 mm Höhe und 44 mm Breite. Das Ei ist stumpfspitzig, wenig verjüngt, doch 
keinesweges annähernd elliptisch im Längenschnitte. Der Fond ist gelbgrau oder 
bläulichgrau, schwach in’s Grünliche ziehend, und die überall stehenden Tupfflecken, 
meistens rund und am stumpfen Ende nur spärlich stehend, besitzen eine licht braune 
Farbe. Von einem Neste ist eigentlich bei dem Königshuhne nicht die Rede. Der 
Vogel wählt sich eine freiliegende Höhe, nahe den Schneefeldern, wo noch allerlei 
hochalpine Kräuter wachsen, so Sazifraga muscoides Wulf., Saxifr. exarata Viül., Po- 
tentilla gelida ©. A. M., Arenaria Iychnidea M. B., Alchemilla sericea W., Sibbaldia 
procumbens L., Androsace villosa L. ete. etc. Wo da ein überhangendes, wenn auch 
nur wenig erhöhtes Felsenstück liegt und ein Versteck geboten wird, da richtet die 
Henne den Brutplatz her, indem sie nur wenig Randbekleidung macht. Allgemein be- 
haupten die Gebirgsbewohner, dass sie mehr als 12 Eier lege; von den vom Kasbek 
erhaltenen Gelegen ging ein Theil der Eier schon während des Transportes zur Station 
zu Grunde. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Der mächtige Vogel ist ein Bewohner der hochalpinen und Eis-Zone und zwar 
nach den bis dato vorliegenden Erfahrungen und Erkundigungen, nur im Grossen 
Kaukasus. Hierüber spreche ich eingehender bei Behandlung von Megaloperdix cas- 
pia Gmi. Man wird nicht irren, wenn man das kaukasische Königshuhn nur da sucht, 
wo die Gletscher des Hochgebirges und die Firnlecken thalabwärts blinken. Je wilder, 
verworfener, schwieriger das Terrain ist, um so sicherer lebt der Vogel dort. In den 
grossartigen Einsamkeiten der kaukasischen Hochalpen, welche von der Gemse und. 


Megaloperdix caucasica. 341 


einem der kaukasischen Steinböcke (Aegoceros Pallasüi) bestanden werden, hoch über dem 
Rhododendronflor und üppiger basal-alpiner Wiese, existirt der vorsichtige Vogel um so 
sicherer, als auch das Riesen-Raubzeug, welches ihn gefährden könnte, in dieser Region 
selten oder gar nicht zu finden ist. Ich habe bereits in meinem Werke 1866 *) pag. 
60 eine eingehende Schilderung der Lebensweise des Königshuhnes gegeben und lege 
diese den nachfolgenden Mittheilungen zu Grunde. In ihrem äusseren und inneren 
Baue stehen diese Vögel den Stein- und Feldhühnern viel näher, als den Waldhühnern, 
weshalb der Gray’sche Geschlechtsname Tetraogallus **), obschon er älter, als der 
Brandt’sche, doch nicht empfehlenswerth ist. In Bezug auf die Wahl ihrer Lieblings- 
aufenthaltsorte sind die Königshühner wahrhafte Steinhühner. Hoch im Gebirge, an 
sonnigen, schneeentblösten Bergkuppen, die recht zerrissen, recht schwer zugänglich ' 
sein müssen, halten sie sich zur Sommerzeit und brüten gerne unter dem Schutze über- 
hangender Klippen und Schieferplatten. Dass sie an solchen Lokalitäten für die 
Sommerzeit feste Standvögel sind, kann man aus den vielen Exkrementen schliessen, 
die man dort findet. Diese sind hart, von der Dicke eines gewöhnlichen Sumpfrohrs 
und meistens bogenförmig gekrümmt. Nach der Aussage der Swanen, Ossen und Chew- 
suren schleppt das Weibchen nur wenige Kräuter zusammen, um den Rand des kunst- 
losen Nestes zu formen und legt bis 20 Eier. Ich weiss, dass die Megaloperdix-Arten 
monogamisch leben. Ist die Brut gefördert, so wird sie von Vater und Mutter geleitet. 
Wo ich auf junge Vögel stiess (Tschitcharo, Dadiasch, Azunta), waren beide Eltern zu- 
gegen. Bei herannahender Gefahr duckt sich die ganze Gesellschaft fest nieder und 
liegt wunderbar lange fest und still. Es ist mir passirt, dass das Königshuhn dicht 
vor den Füssen mit laut schnurrendem Fluge geradlinig auf und schräge in den Ab- 
grund davon -stiess, ohne dass ich vorher eine Ahnung von ihm hatte. Augenblicklich 
folgte der Hahn; er hatte unter einer naheliegenden Schieferklippe sich versteckt gehalten. 
Die Jungen stoben förmlich nach allen möglichen Richtungen auseinander, so dass ich, 
verblüfft, gar nicht wusste, wohin ich zuerst greifen sollte. Es waren ihrer wohl 15 
Küchel, allein sie verhielten sich so behende und rasch im chaotisch durcheinander ge- 
worfenen Klippengestein, dass ich nur mit Mühe und Noth das oben erörterte Exemplar 
erhaschte. Einmal fehlgegriffen, und das geschickte Vögelchen entkommt sicher, weil 
des Menschen plumper Fuss für dieses Hochalpenterrain doch zu ungeschickt ist. 
Geht man extra in’s Gebirge, um den Vogel zu schiessen, lässt man die Pflanzenpakete, 
die Insektenflaschen, den ganzen Apparat der Reise hübsch unten im Thale, wohin man 
etwa nach 2—3 Tagen heimkehrt, nimmt man nur die gefüllte Feldflasche, das magere 
Lawaschbrod und den Ziegenkäse mit, so will ich wetten, dass man an den von mir 
oben gekennzeichneten, hochalpinen Felsenschründen und Koppen, zumal mit gut 
suchendem Hunde, oft zum Schusse kommen wird, denn das Königshuhn ist in den 
Hochalpen des Grossen Kaukasus keinesweges selten. 


Aufgescheucht fliegen die Alten geradlinig womöglich auf die nächsten Firn- 
felder. Hier haben sie freies Sehfeld. Sie schnurren bei dem Fliegen viel lauter noch, 
als die Steinhühner, und gackern ihnen ähnlich. Sie fliegen gerade, rasch, nicht hoch 


*) Berichte über die biologisch-geographischen Untersuchungen in den Kaukasusländern etc., 
Tiflis 1866. Jetzt bei Winter in Leipzig im Vertriebe. 
**) G. R., Gray, Hand-list of birds ete., Part II, pag. 275. 


342 ; Megaloperdix caucasica. 


und wanken links und rechts, bevor sie sich niederlassen. Ich habe mehrmals wahrge- 
nommen, dass die Alten, bevor sie sich heben, die grösste Sorge um die Verstecke der 
Jungen haben. Sind diese gesichert, so laufen Mann und Weib eine Strecke mit vor- 
geneigtem Kopfe und Halse vorwärts und drücken sich auch dabei sichtlich zu Boden. 
Erst später fliegen sie eilig, gewöhnlich thalwärts, auf die nächste Firnblänke, laufen 
einige Schritte rasch noch in Folge des scharfen Fluges, kommen zur Ruhe, schlagen 
ein bis zweimal gackernd an und beginnen nun ihre raschen und geradlinigen Laufbe- 
wegungen auf dem weichen Schnee. Die Spuren ihrer Füsse werden im Sommer sehr 
bald fortgeleckt, da die Mittagssonne förmlich sengt. Das Wiegen, bevor die Vögel sich 
setzen, ist sehr charakteristisch; es scheint, als ob sie damit die Schnelligkeit des 
Fluges abschwächen wollten, um zu fussen. Sind die Jungen zum Theile schon flügge, 
so folgt den Eltern, was dazu befähigt, läuft auf den Schneeblänken in allen Richtungen 
auseinander, versteckt sich an den Rändern derselben und folgt erst später, wenn alle 
Gefahr vorbei ist, dem lauten Pfiff und gackerndem Thrillerrufe der Eltern, hebt sich und 
sucht am Standorte die versteckten Geschwister, welche nicht fliegen konnten, auf. 
Das dauert aber meistens sehr lange, denn die Königshühner sind ausserordentlich 
scheu. Am Dadiasch wartete ich eine Stunde, bevor die Alten zu den nicht fHüggen 
Jungen zurückkehrten. Auch halten sich die aufgescheuchten Vögel auf den Schnee- 
blänken ferne vom Jäger, der sie nicht einmal immer mit der Büchse erreichen kann. 

Die im Sommer untersuchten Exemplare hatten den Schlund vollgepfropft mit 
hochalpinen Potentilla-Knospen, welche entschieden das Lieblingsfutter des Vogels im 
Freileben sind. Die Eingeborenen behaupten, er fresse überhaupt allerlei Blumenknospen 
von Alpenkräutern und kurzes Gras. Letzteres fand ich in geringer Menge ebenfalls 
im Magen. Erst in neuerer Zeit habe ich aber in Erfahrung gebracht, dass der Vogel 
für den Winter Vorräthe sammelt. Als ich am 9./21. Juni 1877 zu botanischen 
Zwecken den Kasbek bestieg und mich schon über der basalalpinen Wiesenzone in 
einer Höhe von circa 10000° über dem Meere befand, bemerkte ich unter dem Karniese 
eines grossen Felsens, geschützt vor Regen und Schnee, allerlei zarte Pflanzen abge- 
pflückt und hingelest. Es waren das die Blätter von Leontodon Steveni, von einer 
Tragopogon-Art und auch die Blumen von Campanula saxifraga M. B. Alles in Allem gab 
das nur ein kleines Häufchen und ich dachte Anfangs an irgend eine industrielle Za- 
gomys-Spezies, die wir freilich aus dem Kaukasus noch nicht kennen. Allein die 
Führer, Jäger des Hochgebirges, versicherten, dass das Königshuhn sich solche Vorräthe 
für den Winter anlege, und blieben bei dieser Behauptung. Ich erkläre das häufige Zu- 
sammenleben der Rönigshühner mit dem kaukasischen Steinbocke (ebensowohl Aegoceros 
Pallasöi, als auch westlicher, namentlich in der Elbrus-Zone, Aeg. caucasicus), wie es 
nach der Aussage aller Jäger statthaben soll, eben durch die gleichartige Lieblings- 
speise beider Thiere. Denn auch diese Steinböcke äsen gerne die kurzen Potentilla- und 
Sibbaldia-Polster der hochalpinen Zone ab und beide Pflanzengeschlechter (namentlich 
Potentilla gelida ©. A. Meyer, P. alpestris Hell, P. grandiflora L., P. verna L. und 
Sibbaldia procumbens L.) stehen meistens in alten Stöcken, insulär von einander ge- 
trennt und kleine Gruppen bildend, auf den Schieferschurfen der kaukasischen Alpen. 
Alles Andere, was die Bergschützen von dem freundschaftlichen Verhältnisse des 
Vogels mit den Steinböcken erzählen, dass z. B. der Vogel den Mist des Steinbockes 


Megaloperdix caucasica. — Megaloperdix caspia. 343 


äse, dass er ifn bei herannahender Gefahr durch einen ganz besonderen Pfiff warne etec., 
gehört in das Reich poetischer Jäger-Erfindung. 

Harte, schneereiche Winter zwingen das Königshuhn thalabwärts zu wandern. 
Es liegt mir aber aus allen meinen Erkundigungen kein Faktum darüber vor, dass es 
sich bis zur Baumgrenze begäbe. Ebenso habe ich es im Sommer niemals in den 
Rhododendron-Beständen angetroffen. Im Gefangenleben ist der Vogel theilnahmslos und 
bleibt scheu. Es ist schwer, ihn durch den heissen Sommer von Tiflis zu bringen; nie 
hat bei mir ein Königshahn länger als zwei Jahre gelebt. Es hält sich bei Hirse und 
sonstigen, nicht fetten, Sämereien gut; im Sommer gab ich Salat und junge Sisymbrium- 
Pflanzen. Der Vogel trägt den Hals immer sehr kurz, pfeift nie so laut, wie im Frei- 
leben, lässt aber ein leises, abgesetztes, gackernartiges Klucken ab und zu hören und 
auch oft ein ganz leises, kurz artikulirtes Flötenpfeifen. Die erwähnten jungen Stsy- 
brium-Triebe und andere junge COrueiferen-Planzen nahmen meine Vögel gerne, bis- 
weilen auch Brodkrume; sie gewöhnten sich nicht recht und blieben scheu, bäumten 
niemals und starben gewöhnlich nach überstandenem Sommer. Doch soll z. B. in 
Derbent nach der Aussage des Generals A. Komarow ein Pärchen schon eine Reihe 
von Jahren bei einem Kaufmann leben, was bei den heissen Sommern daselbst mir 
kaum glaublich ist. 


224. Megaloperdix caspia S. G. Gml. 
— M. Raddei Brehm et Bolle, 
— M. Challayi Oustalet*). 


Taf. XXI. 
Persisch: Kabk-i-dareh. 


In Talysch: Schenakas. 
Tatarisch in Lenkoran: Ur-Käklyk. 


Systematisches. 


Die Bezeichnung Oreoteirace Cabanis mag immerhin sprachlich genommen rich- 
tiger kombinirt sein, als Megaloperdix oder Tetraogallus,; bezeichnender für den Vogel 
als die erstere der beiden zuletzt genannten ist sie nicht. Riesen- oder Königshühner 
sind die Megaloperdix-Arten, nicht vom Typus der Waldhühner, sondern von dem der 
Stein- und Feldhühner. Deshalb halte ich auch an dem Brandt’schen Gattungs- 
namen fest. Erst das Jahr 1876 hat die verschollene Gmelin’sche Art: M. caspia 
wieder zu voller Geltung gebracht. Bis dahin haben alle Forscher den Vogel mit M. 
caucasica identificirt. So bespricht Cabanis selbst im Journal 1873, pag. 63 M. cau- 
casica Pall. als M. caspia Gml. De Filippi**) verfällt in denselben Fehler und 
Blanford ***) berichtet zuerst 1876 über M. caspia, erwähnt auch meiner Mittheilungen 
über M. caucasica als besondere Art und zieht den aus der Elburskette durch de Fi- 
lippi unter M. caucasica Pall. beschriebenen Vogel zu M. caspia Gml. 


*) Journal für Ornithologie 1873, pag. 63 und 1876, pag. 217 sq. 
**), Journal für Ornithologie, 1876, pag. 187. 
*=) Eastern Persia, Vol. I, pag. 276. 


344 Megaloperdix caspia. 


Ob beide Geschlechter dieser Art gleichfarbig oder verschieden sind, kann ich 
nicht entscheiden, da ich nur ein schönes altes Männchen zuerst besass und dieses nun- 
mehr sich im Berliner Museum befindet. Ich sendete nämlich, als unerwartet der Te- 
trao Mlokosiewiexi (mein T. acatoptrieus) kreirt wurde und ich in Bezug auf die zweite 
kaukasische Megaloperdix-Art, die ich entdeckt hatte, nicht ein gleiches Schicksal er- 
fahren wollte, wie mit dem Birkhuhne, meinen Vogel an Prof. Cabanis. Den Herren 
dort in Berlin gefiel die Rarität so sehr, dass sie dieselbe für immer behielten und erst 
nach Jahr und Tag meinerseits dazu die Einwilligung gegeben wurde. Doch habe ich 
neues, wenn auch nur geringes, Material beschaffen können. 

In Hinsicht auf die Vervollständigung des Materials für diese Ornis wendete 
sich Se. Kaiserl. Hoheit der Grossfürst Nicolai Michailowitsch brieflich an die Gouver- 
neure des Landes mit dem Gesuche, im Winter von den hochalpinen Vögeln im Allge- 
meinen, speziell aber von den Königshühnern Exemplare zu beschaffen. Von dem Gou- 
verneur von Eriwan, General-Lieutenant Schalikow, kam denn auch im Januar 
1881 eine Kiste an, welche einen prachtvollen alten Hahn von M. caspia enthielt. 
Der Vogel hatte nur ein Schrotkorn im Kopfe, war vollkommen unversehrt, was um so 
auffallender, als man ihn gewöhnlich nur mit der Kugel belangen kann. Er war im 
Karabagsher-Meridiangebirge, östlich von Nachitschewan, erlegt worden. 

Diesen starkwüchsigen Hahn will ich eingehender beschreiben. Er stimmt im 
Wesentlichen sehr gut zu der auf Taf. XXII gegebenen Abbildung, welche Mützel 
mit bekannter Meisterschaft von dem in Berlin gebliebenen Vogel abkonterfeite. 

Der Kopf und Hals sind fast ebenso gefärbt und gezeichnet wie bei M. cauca- 
sica. Das Grau ist reiner, auf dem Kopfe und Nacken tief aschgrau, der seitliche 
Halsstreifen ist bei meinem Vogel intensiv blaugrau und geht ununterbrochen bis an 
die breite, graue Brustzone, zwischen sich das rein weisse Feld der Gurgel und des 
Halses einschliessend. An seinem Aussenrande entlang, den Hals herab, dehnt sich 
jederseits ein reinweisses, breites Längsband; die ganze Brust und seitwärts bis zum 
Flügelbug ist einfarbig blaugrau; die einzelnen Federn besitzen die Kanten ganz leicht 
gelblich getrüb. Am Rande der Aussenfahnen einzelner, mehr seitwärts stehender 
Federn bemerkt man einen mattschwärzlichen, nicht sehr scharf umgrenzten Flecken. 
Das Exemplar in Berlin hat deren mehr, als das vor mir stehende. Das Gefieder der 
gesammten unteren Leibespartien bis zu den unteren Schwanzdecken ist auf Dunkelgrau 
sehr fein in Schwarz und Ockergelb gesprenkelt, die gesammte Zeichnung ist hier 
feiner noch, als bei M. caucasica. Die Federn des Unterschenkels besitzen diese Zeichnung 
am undeutlichsten und erscheinen fast einfarbig grau. Die seitlich stehenden Bauch- 
federn und besonders die Flügelstützen haben auf den Aussenfahnen jene auffallenden, 
schönen, langen, gelben Streifen, bei welchen nach aussen der intensiv braune Kantenrand 
entlang läuft und sich mit etwas verwaschener Kontur im gelben Centralparallelfelde 
verliert. Trägt der Vogel sein Kleid in voller Ordnung, so bilden sich hier die schönen 
Streifen, wie sie unsere Tafel im Bilde zeigt. Die unteren Schwanzdecken sind rein 
weiss. Das Kleid der gesammten oberen Körperseite ist dem von M. caucasica in 
Färbung und Zeichnung gleich, nur durchweg viel feiner gesprenkelt. Das gilt auch 
von den grossen, oberen Schwanzdecken. deren längste fast das Ende der beiden 
Mittelfedern des Schwanzes erreichen. Ich zähle 18 Steuerfedern, die licht schwarzbraun 


Megaloperdix caspia. 345 


sind und etwas hellere Enden haben. Der Flügel ist ganz so wie bei M. caucasica 
gebaut und gefärbt. 

Ich lasse hier noch die Tabelle der Maasse folgen, welche ich, da diejenigen von 
M. caucasica schon einmal in englischen Zollen ermittelt wurden, ausnahmsweise in 
ebendemselben Maasse gebe. Der Vogel ist circa um '/, grösser und stärker als das 
kaukasische Königshuhn. 


Megaloperdix caspia Gml. = 

Totallänge . . DA a | 
Länge des Schnabels an 8 re Bemessenen Ze 1202 
HanveudersMundspaltesin san Sa re Ale DE en RE 
Höhe des Schnabels an der Einbuchtung der Wachshaut, von der Firste 

senkrecht abwärts gemessen . . a EL Nie Ten, 
Höhe der die Nasenlöcher erdeckenden Karanke) die schräge nach oben 

undahintenßgerichtet Sister ee N Re eo ad 
Breite der Augenspalte . . lee 
Grösste Breite des Kopfes (est am Daran Ende es Unterkiefer) laden 110“ 
Grösster Durchmesser der Ohröffnung . . . N a er 
Länge des Flügels, vom Flügelbug bis zur Spitze, erde gemessene... «el 
RansegdesaSchwanzessinder@Mitter van un. en 8 — 
IansenderDäaussersten? Schwanzfeder rn el. mn. lo 
Länge des Tarsus . . le ER RR 3 
Länge des Tarsus vorne bi zur Bene N re I 
Abstand des Sporns. von der Fusswurzel an gemessen . . 2.2.2.2... 17 — 
Abstand der hinteren Zehe vom unteren Spornrande . . 2. 2 22 2.2... | 9 
atsekdersmittleren Zehe ohren Nagella ee 2 3: 
eneetderamittlezenZehesmiti Nagel 0 ae ee ee 22 10% 
HangenderausserenzZzehesohner Nagele. un. san ala r% 
Biitsesderzäusseren Zehe mit, Nageliı 0 u 1. aa ee 2 — 


Die Bindehaut am Grunde der Zehen ist bei dieser Art noch mehr entwickelt 
als bei dem kaukasischen Königshuhne. 


. Lebensweise und Verbreitung. 

Der Vogel, welchen ich in Eriwan im Winter 1871 erhielt, lebte bei mir kurze 
Zeit und bielt sich ganz so, wie die kaukasische Spezies. In der Gefangenschaft war 
er sehr apathisch, schlief viel; verschmähete Nahrung und starb am dritten Tage. Im 
Freileben ist dieses stattliche Königshuhn sicherlich nicht weniger scheu, als sein nörd- 
licher Nachbar in der Eiszone des Grossen Kaukasus. Bei der Besteigung des Grossen 
Ararat fanden wir, ich und Dr. G. Sievers, erst oberhalb des Küp-göl-Sees (12000 
den Dung dieses Riesenhuhnes. Je höher wir kletterten, um so häufiger wurde er und 
lag in erstaunlicher Menge oberhalb von 13000‘ bis zum hier festliegenden Gletscher- 
rande, welche Lokalität ich zu 14500‘ bestimmte. Möge sich der in den Vegetations- | 


verhältnissen der Kaukasusländer nicht bewanderte Leser über diese enormen Ziffern 
Badde, Ornis caucasica. 


346 Megaloperdix caspia. 


nicht wundern. Sie sind ohne jegliche Uebertreibung gegeben. Es würde mich aber- 
an dieser Stelle zu weit führen, wenn ich die Bedingungen, unter denen die Schneelinie . 
und mit ihr die Verbreitung hochalpiner Phanerogamen auf dem armenischen Plateau- 
lande ausserordentlich hochrücken, hier eingehender besprechen wollte. Es fiel mir 
aber sehr auf, dass für den Sommeraufenthalt sich das caspische Königshuhn nur die 
allerhöchsten Freistellen im Eis- und Firnmeere wählt und aus der Vogelwelt nur noch 
einen Freund in dieser Höhe hier hat, nämlich Cypselus affinis. Auf den kleinen Ter- 
rassenstufen, welche westlich sowohl wie auch östlich vom Küp-göl-See gelegen, fand‘ 
ich keine Dungreste vom Vogel und doch besitzen diese Lokalitäten schon eine Höhe 
von 10—11000° über dem Meere. Während unseres mehrtägigen Aufenthaltes in der 
alpinen Zone des Grossen Ararat, haben wir den Vogel selbst nirgends zu Gesichte be- 
kommen. Ebenso erging es uns auch auf dem Kleinen Ararat und dem weit westwärts 
im Jesiden-Lande gelegenen Aschich-dade, dessen Gipfel wir ebenfalls erstrebten und 
von welchem der jetzt schon verstorbene Kurdenhäuptling Dshafar-aga wusste, dass das 
grosse Königshuhn dort vorkomme. Bei meiner Besteigung des 12000° hohen Bin-göl- 
dagh im Süden von Erzerum, jenseits der Paläntöken-Kette, habe ich nichts mehr von 
dem Vogel gehört. Es ist das die bedentendste Höhe der Wasserscheide Aras-Frat, 
aber trotz der 12000‘ über dem Meere hat sie fast überall noch gute Vegetationsnarbe 
und solche behagt dem. Königshuhne nicht. Auch liegt hier die oft frequentirte Passage 
und das behagt dem Vogel ebensowenig. Nicht anders wird es sich wohl mit dem 
Vorkommen des Vogels auf dem Alagös verhalten. Zu verschiedenen Malen, sowohl von 
der Nordseite als auch von der Südseite, bin ich auf diesem über 12000‘ hohen, vul- ° 
kanischen Konus gewesen, aber weder sah ich, noch hörte ich dort etwas von einer 
Megaloperdix-Spezies. Endlich kann ich diese Art aus dem Suant-Gaue im Lenkoran’- 
schen konstatiren, doch ist sie daselbst selten und wurde mir nur von den Gebirgs- 
höhen genannt. Erst als ich vom 14. / 26. bis 16. / 28. Juni 1880 zwei Tage lang am 
Küs-jurdi (Südseite) im wilden Gebirge exkursirte und meine Leute jagten, hatte ich 
das Glück, zwei Paare des Vogels selbst zu beobachten. Er ruft genau so wie sein 
kaukasischer Genosse und hat auch denselben Flug. Wir erfuhren durch die oben am 
Küs-jurdi im Sommer lebenden Talyscher Tataren den Aufenthaltsort dieser Vögel. Er 
liegt an der 800—1000' steil abstürzenden Ostseite, wo das Gebirge ganz unzugänglich 
ist. Es wurde meinerseits eine gute Schussprämie bewilligt, aber die Jäger kamen un- 
verrichteter Sache zurück. Ganz früh am Morgen, wenn es kaum graut, geht dieses 
Alpenhuhn auf die Aesung. Sie besteht in allerlei alpinen Pflanzen. Wir hörten das 
Gackern mehrmals, es ist dem der Steinhühner nicht unähnlich. Mein Jäger kam zum 
Schusse, aber für die Schroten war die Entfernung zu gross und der Vogel verschwand 
im unzugänglichen Felsenmeere. Auf dem Sawalan kannten die Schahsewanzen den 
Vogel ebenfalls. Den Persern ist dieses Königshuhn sehr wohl bekannt. Selbst der 
König der Könige, der Schah, unterhielt sich mit mir über dasselbe, als er das kauka-- 
sische Museum besuchte (3. / 15. Mai 1878). In neuester Zeit wurde es im pontischen 
Küstengebirge nachgewiesen und zwar durch den General Selenyi, welcher die neuen 
Grenzbestimmungen im Quelllande des Tschoroch zu leiten hatte und es auf den Ge- 
birgen des Tortum-Sees fand. 

Schliesslich will ich nun die beiden Megaloperdix-Arten in Bezug auf ihr Vor- 
kommen im Kaukasus besprechen. Was wir bis jetzt darüber wissen, berechtigt zu 


Megaloperdis caspia. 347 


-dem Schlusse, dass sich beide Spezies gegenseitig geographisch ausschliessen. Denn 
Megaloperdix caucasica Pall. ist bis jetzt nur in der und nahe bei der Eiszone des 
Grossen Kaukasus angetroffen worden, dagegen kennen wir Megaloperdix caspia nur 
von den allerhöchsten Punkten Hocharmeniens und aus der Elburs-Kette. Es ist dies, 
wie mir Prof. Cabanis selbst -sagte, auch der Vogel, welcher im Silieischen Taurus 
vorkommt, wir kennen ihn also als kleinasiatischen und iranischen Hochalpenbewohner, 
während M. caueasica das ihn im Grossen Kaukasus ersetzende Aequivalent repräsentirt. 
Bei weiterer Erörterung dieser geographischen Frage über beide Spezies sind wir zu- 
nächst gezwungen, uns die gletscherführenden Gebirgshöhen ebensowohl im Grossen 
Kaukasus, wie auch auf dem armenischen Hochlande in’s Gedächtniss zu rufen und 
dann zuzusehen, wo die Stellen gelegen, an welchen die beiden Megaloperdix-Arten 
sich zunächst treten, und ob es an solchen möglich und wahrscheinlich war, dass sie sich 
nahen konnten. Die an der Nordseite des Grossen Kaukasus weitgespreizten Quell- 
gabeln des Kuban bis zur sogenannten kleinen Laba, die grosse Laba, den Selentschuk,. 
die Marucha mit eingeschlossen, ziehen dem kaukasischen Königshuhne auf ihren Quell- 
höhen in einer Höhe von 9—10000° über dem Meere die äusserste Verbreitungsgrenze 
nach NW. hin im Hochgebirge. Ostwärts von hier wird es überall in der hochalpinen 
Zone da angetroffen, wo Schneeblinken und Firnfelder oder gar Gletscher existiren. 
Demgemäss finden wir den Vogel auf der ganzen Strecke zwischen dem Elbrus und 
Kasbek, dem Gebiete der mächtigsten Entwickelung im kaukasischen Hochgebirge, so 
in der Hauptkette des Freien Swanien und in dem fast parallel ihr folgenden südlichen 
Zuge, welcher den Ingur vom Tskenis-Tskali scheidet. Auch auf den Quellhöhen des 
Rion, am Pass-mta lebt der Vogel und in dem gesammten hochalpinen Gebiete Ossetiens. 
Oestlich vom Kashbek, wo bei verhältnissmässig geringeren Niederschlägen die Verglet- 
scherung eine geringere ist, fand ich das kaukasische Königshuhn ebensowohl im Chew- 
surischen als auch im Tuschinischen Hochgebirge. Den Bewohnern von Blo war der 
Vogel vom Tscha-uchi bekannt, die Ardoten und Gurinzen machten ihn vom Azunta 
namhaft, die Dartloer erwähnten ihn vom Kirego und Kwawlos-mta und wussten, dass 
er ostwärts auf dem Dagestanischen Bogos lebe. Im Quellgebirge des Andischen und 
Awarischen Koisu, dem südwärts ebensowohl Zuflüsse des Kachetischen Alasan, als auch 
der S’amur entspringen, ist der Vogel häufig. Ueberhaupt habe ich in Erfahrung ge- 
bracht, dass, obschon der Dagestan trotz seiner hohen Elevation keinesweges reich an 
ewigem Schnee ist, das Königshuhn dort überall recht häufig sein soll. Es hat das 
seinen Grund darin, dass diesem Theile des Grossen Kaukasus in Bezug auf Nieder- 
schläge ein noch kontinentaleres Klima zugesprochen werden muss. als dem westlicheren 
Centraltheile, wodurch die Schnee-, Vegetations- und Kulturlinien überall in ihm als 
bedeutend höher gerückt sich ermitteln. Zudem ist das Land so gut wie waldlos und 
in seinem orographischen Bau ausserordentlich zerrissen und zerstückelt. Das Alles 
konvenirt unserem Vogel. Noch weiter gegen Osten bleiben uns noch zwei Eishöhen 
zu betrachten, die des 14700‘ hohen Basar-düsi und die des über 13000‘ hohen Schach- 
dagh. Auf dem letzteren sollen ebensowohl der Tur (Aegoceros Pallasüi) als auch das Königs- 
huhn fehlen; dem ersteren werden beide zugesprochen. Die Erkundigungen, welche ich 
in Schemacha über das Vorkommen vom Tur und Königshuhn im nordwärts sich hin- 
ziehenden Hauptgebirge machte, deuten darauf hin, dass beide dort leben. Wahr- 


scheinlich ist M. caucasica im Gebiete des über 11000'° hohen Babadagh ansässig und 
44 * 


348 Megaloperdix caspia. — Caccabis saxatilis. 


zieht im Winter sammt dem Tur gegen SO. fort, wo ihm Höhen von 7—8000’ be- 
quemer sind. 

Nur an einer Stelle hängt nun an seiner Südseite dieser Grosse Kaukasus mit 
dem Kleinen (Anti-Kaukasus — Armenisches Randgebirge) direkt zusammen. Im 
äussersten Quellwinkel der Liachwa trennt sich, zugleich die höchsten Quellsprudel des 
Rion umwallend, ein gegen SSW. in seiner Hauptrichtung hinziehender, mannichfach 
geknickter und gebogener Meridianstock ab, welcher das Phasisland vom alten Kartli, 
dem jetzigen Georgien (Grusien) trennt. Er ist von jeher Klimascheider, Wasserscheider 
und Völkerscheider gewesen. Auch in unserem Falle in Bezug auf M. caucasica und 
M. caspia ist er, obgleich Gebirge verbindend, doch nicht Vermittler für die geo- 
graphische Verbreitung einiger charakteristischer Hochgebirgstbiere gewesen. Er scheidet 
hier zwar nicht von W. nach O., wie er es in Bezug auf Temperatur, Feuchtigkeit, 
Vegetation und Völker thut; aber er ist auch nicht im Stande gewesen, der einen oder 
.der anderen Megaloperdix-Art eine Strasse von N. nach S. oder umgekehrt ins Nachbar- 
gebiet zu eröfinen. Dieses letztere hat dieses Gebirge nicht thun können, weil es 
nirgends auf seiner ganzen Längenausdehnung gegen Süden hin die hochalpine Zone 
mit seinen Höhen erreicht, vielmehr fast überall im Bereiche der Baumgrenze bleibt. 
Dieses muss der Grund sein, weshalb man bis jetzt wenigstens im Grossen Kaukasus 
nur M. caucasica FPall. und auf den isolirten Vulkanen Armeniens, die bis in die 
Eiszone reichen, nur M. caspia Gml. gefunden hat. Die Thatsache erklärt sich 
einerseits aus orographischen Gründen, andererseits durch die geringe Flugfähigkeit 
(wenigstens für weitere Strecken) der in Rede stehenden Hühnerarten. Ich glaube nicht, 
dass spätere Erfahrungen meine jetzige Behauptung über die gegenseitige Ausschliessung 
beider Arten Lügen strafen werden. 

Ganz anders aber verhielt sich das ebengenannte Gebirge, welches seit alten 
Zeiten den Namen „Meskisches Gebirge“ besitzt, in Bezug auf die Verbreitung von 
Tetrao acatoptricus. Hier vermittelte es wirklich. Auf ihm lag der einzige Weg, den 
das kaukasische Birkhuhn, sei es von Süden oder von Norden her, wandern musste, um 
in das entsprechende Nachbargebiet zu gelangen. Ihm. konvenirt gerade die Zone der 
Baumgrenze und es wählt sich zum Brüten gerade die Rhododendron-Bestände. Beides 
fand der Vogel auf den Höhen des Meskischen Gebirges und wir finden ihn daher heute 
ebensowohl auf dem. Achalzicho-imeretischen Scheidegebirge, wie auch auf dem Mes- 
kischen, an den Rion- und Liachwa-Quellen, an der Baumgrenze. 


225. Caccabis saxatilis Meyer typ. 
(©. graeca Briss.) 

et var.: chukar Gray. 
Russisch: Kurotschka. 
Persisch: Kabk. 
Tatarisch: Käklik. 
Georgisch: Kakabi. 
Armenisch: Wrmnu. 

Systematisches. 

Es wurden im Verlaufe von sechszehn Jahren mehr als fünfzig Steinhühner 
präparirt. Von diesen sind den Sammlungen des Museums nur ein Dutzend verblieben. 
Der grössere Theil wurde auf Bestellung für Freunde vom Präparator geliefert, einige 
erhielt Sr. Kaiserl. Hoheit der Grossfürst Nicolai Michailowitsch., Ich habe mich nun 


Caccabis saxatilis. 349 


bemüht, nach einer grossen Suite kaukasischer Steinhühner den Chccabis chukar Gray 
als Art aufrecht zu erhalten, muss aber schliesslich davon absehen. Selbst so genau 
untersuchende und unterscheidende Ornithologen, wie die Herrn Dresser*) und Blan- 
ford **) beginnen ihre betreffenden Artikel mit den Aeusserungen über die Schwierig- 
keiten des Auseinanderhaltens der in Rede stehenden Steinhühner und Blanford spricht 
gradezu nur von „Racen“, er kommt im weiteren Verlaufe seines Raisonnements auch zu 
dem Endschlusse:: „It appears very probable, that all these forms pass into each other 
and that there is really but one species.“ Ich stimme dem vollkommen bei, aus folgenden 
Gründen: 

1) Giebt es alte Steinhähne im Kaukasus, bei denen auch das letzte, bleibende, 

unterscheidende Kennzeichen (die nicht weisse, sondern gelbe Kehle und Wangen) 
kaum die Kritik aushält. Der schwarze, an den Halsseiten herablaufende und auf 
der Oberbrust sich vollkommen schliessende Ring zeigt nur seinen Innenrand und 
namentlich nach unten hin, in der gelben, den ©. chukar charakterisirenden Farbe. 
Die Wangen dieses Vogels und seine Kehle sind fast rein weiss und zeigen kaum 
einen leisen Stich ins Gelbliche. 
Die Breite des schwarzen Halsringes schwankt bei meinen Vögeln so bedeutend, 
dass sie, zumal auf der Mitte der Brust, bei einzelnen fast unterbrochen (wie bei 
französischem ©. saxatilis typ.) erscheint, bei anderen an ebenderselben Stelle bald 
über 1 Zoll Breite einnimmt. Also auch in dieser Hinsicht herrschen keine festen 
Grenzen. 

3) Das Schwarz der Stirnbasis verschwindet, namentlich bei jüngern Vögeln, bisweilen 
fast ganz. Alte Männchen besitzen es so stark, dass es die Mitte des oberen 
Augenlides fast erreicht. 

4) Alle meine kaukasischen Exemplare stehen in Bezug auf Grösse dem typischen 
C. saxatilis aus Südfrankreich näher, als dem ebenfalls vor mir liegenden ©. chukar 
aus Cypern. Doch gebe ich zu, dass im Allgemeinen die armenischen Vögel, 
namentlich die aus dem oberen Arasthale, kleinwüchsiger sind. 

Ich messe hier vier Exemplare, nämlich den typischen (. saxatilis Frankreichs, 
das grösste und das kleinste Exemplar meiner kaukasischen Vögel (Männchen) und den 
©. chukar von Cypern aus und erhalte nachstehende Tabelle: 


2 


— 


typ. typ. var.: chukar. 
Caccabis saxatihis. ur Kaukasus, Cypern. 

M. M. M. M. 

mm mm mm mm 
Totallänge . . . ee EN RAN 350 340 300 320 
Flügelbug bis zur Spitze ER Le 179 170 170 165 
Schwanzlänge . . .: NE 90 95 86 85 
Schnabel auf der Firste gemessen . . . . 20 21 19 23 
Tarsuslänge. . EL ER SER 1: 44 50 46 44 
Mittelzehe ohne Nagel RE an ee 42 35 38 39 
Nagel der Mittelzeke . . ... a 11 11 tl 10 


*) Dresser, The birds etc., Parts XLIII und XLIV, Oktober 1875. 
ig) Blanford, Eastern De Vol. O, pag. 275. 


350 Caceabis saxatilis. 


Noch in letzter Zeit, nachdem ich Bogdanow’s*) Bemerkung „die einzige 
genaue wissenschaftliche Benennung des kaukasischen Steinhuhnes ist — Perdix chukar 
Gray“ gelesen hatte, musterte ich die vielen Steinhühner im December auf dem Markte 
und wählte von ihnen ein halbes Dutzend. Das sind grosse typische C saxatilis, aber 
mit gelber, zur Brust hin sogar bräunlicher Kehl- und Halsfärbung. Die schwarzen 
Stirn-, Augen-, Hals- und Brustbinden sind ungemein breit und treten ins Grau der 
Brust über zollbreit vor. Andere Exemplare besitzen Alles ebenso und dabei nur 
einen leichten gelblichen Anflug auf der Kehle. Die Totallänge dieser Vögel betrug 
350—360 mm. 

Die grössten Steinhühner leben hier im Bortschalinskischen Kreise an den 
Steilungen der sogenannten Bortschalinski-Schischki. Junge Vögel, im Oktober bei 
Kodshori in der Nähe von Tiflis erlegt, sind bisweilen noch nicht ganz ausgewachsen, 
doch müssen das verspätete Bruten sein. Am 15. / 27. Juli 1873 wurden ebenfalls bei 
Tiflis kleine Vögel im Nestkleide ergriffen. Die Brut wird in den Umgegenden der 
Stadt oft gestört und‘ verspätet daher bei vielen Paaren. Am 18./ 30. Juli wurden 
halberwachsene Junge gebracht; ihr Schnabel war hornfarben, das Gefieder des Halses 
stand in voller Mauser. Auf dem Rücken sieht man an diesen Exemplaren in dem 
frisch angelegten ersten, röthlichgrauen Herbstkleide noch manche gescheckte, ver- 
tragene Feder des Jugendkleides, zumal ist das der Fall an den Seiten und auf den 
Schwingen, so dass solche Vögel hier recht bunt erscheinen. Am 20. Juli/1. August 
wurden auf den Uferbergen des Gldan-Baches Bruten sehr ungleichen Alters gefunden. 
Einzelne Vögel aus ein und derselben Familie waren schon sehr gross, während andere 
ganz klein, kaum dem Ei entschlüpft waren. Das Weib legt bis 20 Eier, der Hahn 
ruft zu jeder Jahreszeit Morgens und Abends. Ein sehr hitziges Weibchen in der 
Gefangenschaft legte von Mitte Mai bis 10. Juli 22 unbefruchtete Eier. Dieselben sind 
alle kleiner als die normalen, haben matteren Glanz und mehr grauen Grundton. Aus 
einer Höhe von 6000‘ über dem Meere vom Kasbek erhielt ich Mitte Mai 8 nur wenig 
bebrütete Eier; dieselben haben starken Glanz, gelbweisslichen Grundton und stärkere 
Fleckung. = 

Ich messe: Unbefruchtete Eier in der Gefangenschaft: 

Höhendurchmesser 41 mm. 
= Breitendurchmesser 29 
Befruchtete Bier vom Kasbek: Höhendurchmesser 46 „ 
Breitendurchmesser 33 „ 


Lebensweise und Verbreitung. 

In der heissen und gemässigten Zone, wo sie felsig und waldlos ist, finden wir 
das Steinhuhn überall im Kaukasus. Am Kasbek scheuchte ich es an steilen Felsen- 
wänden in einer Höhe von mehr als 7000° über dem Meere auf. Oberhalb der Baumgrenze 
habe ich es nirgends gefunden. Am gemeinsten war es östlich von der damals (1875) 
türkischen Stadt Kagisman, wo in den zum Araxes ausmündenden Thälern, die im 
Sommer menschenleer sind, die Steinhuhnvölker, bisweilen über 20 Individuen zählend, 


vor uns in den mageren, steinigen Wiesen in unglaublicher Menge hinliefen. Die Jungen 


*) Bogdanow, Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 140. 


Caccabis saxatilis. 351 


waren damals (Ende Juli) eben nur flügge geworden. Im Sanga-Thale bei Eriwan findet 
es sich bis fast zur Höhe des Goktschai, vermeidet aber die üppigen Wiesen des Plateau 
selbst. Bei Tifis hält sich der Vogel nur noch im schwierigsten Terrain; unterhalb 
der Stadt an den steilen, zerrissenen Höhen des rechten Kura-Ufers sah ich alljährlich 
noch 2 Völker von 8 und 16 Individuen. Desgleichen lebt das Steinhuhn nahe bei der 
Stadt noch jenseits der Salalaki-Schlucht und brütet dort alljährlich an den unzugäng- 
lichsten Felsenpartien. Windgeschützte, trockene, sonnige, spärlich bebuschte, steinige 
Steilgebänge sind ihm besonders lieb. Es springt und läuft ausserordentlich rasch und 
behende, ruft lauter, aber ähnlich wie das Feldhuhn, dessen Flug es auch besitzt. In 
manchen Felsengegenden kann man Abends und Morgens das förmliche, sehr laute 
Gackern von allen Seiten her erschallen hören. Aufgescheucht gackern die Vögel lange 
noch, um sich wieder zu finden und zu sammeln. Auf den schluchtenreichen Seiten- 
höhen zwischen der Jora und dem mittleren Alasan war es sehr gemein und begann 
sich schon Ende März (1865) zu paaren. Exemplare, welche von dort her Ende Oktober 
erstanden wurden, mauserten das Kleingefieder am ganzen Körper. Dem linken Kura- 
ufer abwärts folgt das Steinhuhn bis in die letzten, lehmigen und von Regenrinnsalen 
überall durchsetzten kahlen Gebirgsausläufer. Es sind das menschenleere, sehr aride 
Gebiete, die von (anis melanotis bewobnt werden, welcher, als Aequivalent vom Fuchs, 
wohl der Hauptfeind der Steinhühner dort sein mag. Nie geht es in die nahe gelegene 
Kura-Ebene, welche vom Frankolin und Phasanen bewohnt werden. Diese beiden sind 
in ihrem Verbreitungsgebiete entschieden von dem des Steinhuhns ausgeschlossen. Aus 
den Talyscher Bergen kommt das Steinhuhn bisweilen als Geschenk lebend oder todt 
zu den Bewohnern von Lenkoran, doch sind es nur die waldlosen Gebirge der Grenze, 
in denen es lebt. 

Es scheint mir, dass von allen Perdix-Arten diese Steinhühner am leichtesten 
zu zähmen sind. In Eriwan traf ich in manchen Häusern ganze Familien, die mit den 
Menschen in den Stuben lebten, unter dem Ofen rubeten und vollständig zahm waren. 
Sie folgten dem Rufe ihrer Pflegerinnen gleich den Küchlein. Die Streitsucht der Hähne 
ist zumal bei den Mohamedanern allgemein bekannt und beliebt und lässt man die 
Vögel jetzt noch, wie einst zu Kaiser Severus*) Zeiten, kämpfen zur Belustigung des 
Volkes. 

An und für sich ist der Vogel im Freileben scheu und vorsichtig. Er lässt 
sich aber auf eine für ihn sehr verderbliche Manier leicht betrügen. “Zwar ist die Jagd 
mit der sogenansten Kabylki gesetzlich strenge verboten, doch wird sie vielerorts fast 
alltäglich ausgeübt. Der Jäger trägt einen bemalten Leinwandschirm von etwa °/, 
Quadratfaden Oberfläche, welcher im Rahmen gespannt und mit recht grellen Farben 
und unregelmässigen Zeichnungen bemalt ist. In diesem Schirm befindet sich ein Loch, 
durch welches der Jäger das Hühnervolk beobachtet und es beschiessen kann. Hinter 
diesem Schirme versteckt, beschleicht er die Vögel, sich nach ihren Bewegungen wendend. 
Die Steinhühner sind dermaassen durch den Schirm verblüfft, dass sie bei der An- 
näherung des ihnen unbekannten, grossen, bunten Gegenstandes nicht selten auf diesen 
zulaufen und dann leicht niedergemacht werden. Das Volk läuft bei solcher Gelegen- 
heit etwas auseinander; um es rasch zu vereinigen, rüttelt der Jäger am Schirm und 


*) Naumann, Naturgeschichte der Vögel Deutschlands etc., 6. Theil, pag. 555. 


352 Caccabis saxatilis. — Ammoperdix griseogularis. — Starna cinerea. 


schiesst dann erst in den Haufen. Nicht selten fallen 10 und mehr Individuen. Die 
ergiebigsten Jagden für den Markt von Tiflis werden.jetzt meistens durch abgedankte 
Soldaten, denen das Jägern den Lebensunterhalt sichert, in den Vorbergen der Jora, 
gleich links bei den Karagas-Ebenen betrieben. Die meisten Steinhühner leben dort 
nahe bei den Klöstern Johannes des Täufers und des heiligen David. Dort erlegten 
drei Jäger im Herbste 18758 mit Hülfe des Schirmes an einem Tage 130 Paare Stein- 
hühner und fast ebensoviel auch noch an den folgenden Tagen. Die Aufkäufer in Tiflis 
zahlen jetzt den Jägern 50—60 Kop. für das Paar und verkaufen es gewöhnlich mit 
1 Rbl. bis 1 Rbl. 20 Kop. Vor 20 Jahren zahlte man auf dem Markte 40—50 Kop. 
pro Paar. 


226. Ammoperdix griseogularis Brandt. 
(A. Bonhami G. R. Gray). 
Persisch: Thu. 
Systematisches. 

Ein Pärchen dieses kleinen, schönen Steinhuhnes brachte Herr Oberst v. Bara- 
now aus den Umgegenden von Krasnowodsk mit. Ich habe den Vogel dort im Sommer 
nicht gefunden, konnte mich aber 1870, bei der Gründung des Lagers von Krasnowodsk, 
nicht frei bewegen, da ein Ueberfall der Tekinzen bevorstand. Meine Vögel stimmen 
genau zu zwei Exemplaren aus Thibet, welche ich der Güte des Herrn Dresser 
verdanke. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Ich kenne den Vogel nur von der Ostküste des Caspi, doch führt ihn de Fi- 
lippi*) als häufig in den Thälern der Elburs-Kette auf. Dabei denke ich aber, dass 
dies nur von dem östlichen Theile des Gebirges gelten darf, da die Waldgebiete des 
westlichen Theiles vom Vogel sicherlich gemieden werden. Im Suant-Gau und am Sa- 
walan habe ich ihn nicht gefunden. Der Vogel nimmt die breite Zone von 7000‘ **) 
ein und ist im Winter in den östlichen caspischen Tieflanden sehr gemein. Er über- 
wintert hier, wie es scheint. Während der Expedition zum Atreck unter Oberst Mar- 
kosow, im Oktober 1872, beobachtete ihn dort Dr. G. Sievers häufig; er liefert ein 
ausgezeichnetes Wildpret. 


227. Starna cinerea Briss. 
Russisch: Kuropatka. 
Tatarisch: Busür. 
Armenisch: Kagau. 
Systematisches. 
Sowohl die Exemplare des Feldhuhnes aus Transkaukasien, als auch die Tau- 
sende dieser Vögel, welche zu Weihnachten alljährlich (bis zur Eröffnung der Eisen- 


*) Journal für Ornithologie, 1876, pag. 187. 
“") Eastern Persia, Vol. II, pag- 274, von Blanford bei Parpä, 150 engl. Meilen östlich von 
Schiras, in dieser Höhe gefunden. 


Starna cinerea. 3553 


bahnstrecke von Wladikawkas bis Rostow a./Don) nach Tiflis aus den Terek- und Ku- 
bansteppen gebracht wurden, repräsentiren durchaus das typische Feldhuhn. 

Die Gelege, welche Anfangs Mai bei Tiflis gesammelt wurden, geben mir keine 
Veranlassung zu Bemerkungen. 


Lebensweise und Verbreitung. 

De Filippi*) hat eine vortreffliche Beobachtung gemacht, wenn er schreibt: 
„Das Feldhuhn überschreitet die südlichen Berge von Armenien nicht.* Ich muss nur 
den etwas unbestimmten Ausdruck „die südlichen Berge“ rectificiren. Ohne Zweifel 
muss es heissen: das Feldhuhn überschreitet die Araxes-Murad-Scheide gegen Süden 
einerseits ebensowenig, wie andererseits westlich die Kura-Tschorok-Frat-Wasserscheide 
im nördlichen Taurus-Gebirge. Dies genauer erörtert erlaubt mir nach meinen viel- 
fachen Erkundigungen und eigenen Anschauungen, noch folgende Details mitzutheilen. 
Die mittlere Höhe von 6000° über dem Meere setzt dem Feldhuhne in Hocharmenien 
die Vertikalgrenze. Es ist hier nicht, wie das in den Steppen an der Nordseite des 
Grossen Kaukasus der Fall ist, allein dominirend, wo es das Steinhuhn vollkommen 
ausschliesst: vielmehr bewohnt es hier die besseren Wiesengründe und breiteren Ein- 
sattelungen, hat aber oft in nächster Nähe, je nach der Beschaffenheit des Terrains das 
Steinhuhn zum Nachbar. Aus dem Kleinen Kaukasus weise ich das Feldhuhn als 
häufig noch im Kurathale oberhalb von Azkur, bei Achalzich, in den Kulturebenen 
des Potschow-tschai und am Unterlaufe des Koblian-tschai nach. Ostwärts, dem Nord- 
rande des Trialetischen Gebirges folgend, überspringt es zunächst die bewaldete Eng- 
schlucht der Kura und wird erst in der Kulturebene von Suram und bei Gori gefunden. 
Den Nordabhang des Trialetischen Gebirges bewohnt es da, wo Getreidebau statthat. 
Bei Manglis und Bjellaja-Klutsch giebt es alljährlich mehrere Völker, zumal leben an 
erstgenanntem Orte diese an den Verflachungen des Kartalinischen Höhenzuges. In den 
nächsten Umgegenden von Tiflis gehört es sammt dem Steinhuhne schon zu den Selten- 
heiten, weil das Gebiet ohne die nöthige Schonung zu stark beschossen wird. Im 
Aragwa-Thale ist es oberhalb Duschet noch nachweisbar, auf den Lichtungen der 
Wälder von Ananur, die zum Theile noch beackert werden, erkundigte ich es ebenfalls, 
weiter aufwärts im Thale kannte man es nicht. Im Gebirge westlich und südlich von 
Tiflis fällt es den Jägern oft zur Beute, ist aber nirgends so gemein, wie in den Steppen 
an der Nordseite des Kaukasus. Weiterhin ostwärts notirte ich es für Rlisabethpol, 
kenne es aber vom Goktschai-Plateau (6300) nur aus den Umgegenden von Nowo- 
Bajaset. Dort lebten drei Völker und zwar im Felsengebiete, wo sie auch brüten und 
ungemein scheu sind. 

Auf dem Gute des Baron von Kutzschenbach (Mamutly) kommt das Feld- 
huhn in den tieferen Thalpartien vor, fehlt aber den Höhen der sogenannten „nassen 
Berge“. Ebenso lebt es in den Vorbergen des Antikaukasus in den Flussläufen des 
Schamchor und Dsegam; bei dem grossen Duchoboren-Dorfe Slawjanka wurde es als 
häufiges Wildpret im Herbste erkundet, welches in den Saatfeldern die Brut erzieht. 
Zum Winter wechseln viele Feldhühner von den Höhen zum Kurathale. Ueberall 
erkundigte ich dasselbe in den breiten steppenartigen Ebenen des Flusses gegen Osten 


*) Journal für Orithologie, 1876, pag. 187. 


Badde, Ornis caucasica. 45 


354 Starna cinerea. — Ortygion coturnix. 


hin, wo es auch mehrfach während der Reisen auf dem Postwege gegen Abend von 
mir angetroffen wurde. Es lebt dort ebensowohl mit dem Frankolin, wie auch mit dem 
Phasanen in den gartenartigen, bebuschten Ufergebieten, wie auch in den Brombeer- 
Jongeln, welche es besser vor den Habichten schützen, als die Artemisien der offenen 
Steppe. Vom gesammten Talyscher Tieflande ist es vollständig ausgeschlossen; den 
meisten Jägern in Lenkoran ist der Vogel überhaupt unbekannt. Vom Südrande der 
Mugan habe ich es ebenfalls nicht erkundet. Als grosse Seltenheit findet es sich aber 
an den nördlichen Ausläufern des Talyscher Gebirges. Bei dem Grenzkosakenposten 
Gerninsk wurde es mir noch genannt, aber hier ist es, wie gesagt, schon sehr selten. 
Es käme nun darauf an, über das Vorkommen des Feldhuhnes am Nordrande der Mugan 
sichere Nachrichten zu erhalten. Dass im Thale der Kura die Art, wenn auch nur selten, 
in dem salzdurchdrungenen Gebiete des Mündungslandes vorkommt, wurde mir mitgetheilt. 
An der Nordseite des Kaukasus ist es am Westufer des Caspi bei Derbent und im 
Kubinschen Kreise häufig, aber bei Baku an der Südseite fehlt es. 

Aus dem Rion-Gebiete liegt mir keine Bestätigung für das Vorkommen des 
Feldhuhns vor. In Mingrelien verneinte man auf das Entschiedenste seine Existenz, 
wahrscheinlich fehlt es der ganzen Ostküste, soweit solche Hochwald trägt. Die eigent- 
liche Heimath der Feldhühner sind die ausgedehnten Steppen am mittleren Terek und 
Kuban und die Gegenden von Stawropol. Bogdanow*) hat über sein Vorkommen 
daselbst neuerdings berichtet. Ich fand es im Tereklande besonders häufig östlich von 
Grosdno. Auch die Vorberge des Dagestan bevölkert es. In harten Wintern leidet es 
in.den Steppen, wie das auch in der Krimm vorkommt, weniger von der Rälte, als von. 
anhaltenden, tiefen Schneefällen. 


228. Ortygion coturnix L. 
Russisch: Perepelka. 
Persisch: Bildertschin. 
Tatarisch: Tschil. 
Georgisch: Macheri. 
Armenisch: Lor. 
Systematisches. 

Bis auf die abändernde Zeichnung der Kehle und ihrer seitlichen Partien 
stimmen meine transkaukasischen Wachteln, deren dreissig Exemplare gesammelt wurden, 
untereinander gut überein. Am Halse sehe ich, obschon die Individuen alle nahezu 
aus ein und derselben Zeit stammen (Juni und Juli), bald die „Mohrenwachtel“, bald 
die „Sandwachtel* vor mir. Es sind das Männchen mit rauchschwarzer oder mit 
weisser Kehle. Einer solchen Mohrenwachtel fehlt der untere kastanienbraune 
geschlossene Ring ganz und ist überhaupt von der Gegend unter dem Auge an abwärts 


hin kaum angedeutet. Dieser Vogel hat bei verhältnissmässig sehr grosser Rehlplatte 


die oberen seitlichen Bogenlinien ebenfalls nur wenig prononcirt. Bei einer Sand- 
wachtel (jüngeres Männchen) ist das rein weisse Kehlfeld nach unten hin nur durch 
wenige schmale Bogenlinien graubrauner Färbung umrandet. Die Mauser beginnt bei 
Wachteln, welche am 29. Juli / 10. August bei Tiflis geschossen wurden. 


*) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 138. 


Ortygion coturnix. 355 


Lebensweise und Verbreitung. 


Man darf zuversichtlich behaupten, dass die Wachtel in der Vertikalen so hoch 
steigt, und zwar als Brutvogel, als die Kultur der Gerste betrieben wird. Somit dürfen 
wir sie im Dagestan in einer Höhe von noch 8000‘ über dem Meere an einzelnen Lokalitäten 
erwarten. Ueberall ist der Wachtelkönig (Crex) ihr treuer Gefährte. Im Centraltheile des 
Grossen Kaukasus habe ich die Wachtel sowohl bei den Chewsuren, als auch bei den 
Tuschen und Swanen auf ihren höchst gelegenen Feldern angetroffen. Am 2./ 14. Juli 
1864 lockten die Wachteln in den Gerstensaaten, welche nur 1‘ Höhe und noch keinen 
Blüthenschaft getrieben hatten, bei dem Dorfe Jibiani (Ingur-Quellen) in einer Höhe von 7200' 
über dem Meere. Die Wachtel begann hier schon mit der allerfrühesten Morgendämmerung 
ihren lauten Schlag in den kalten Nächten, angesichts nahe liegender Gletscher. Ihr 
folgt mit einsetzender Helle im Gesange Rutieilla (erylhroprocta und phoenicura) und 
erst später und tiefer in den Thälern hört man den Amselschlag. 

Im Kleinen Kaukasus ist das Vorkommen der Wachtel ebenfalls an die Getreide- 
Kulturen gebunden. Selbst da, wo die Kurden höchst dürftig kleine Felder in der un- 
mittelbaren Nähe ihrer unterirdischen Winterwohnungen bebauen und im Sommer diese 
Plätze verlassen, um im Hochgebirge die Heerden zu weiden, ist die Wachtel überall 
anzutreffen. Dennoch bleibt es wahr, dass sie mit zunehmender Höhe an Häufigkeit 
abnimmt. Die gemässigte Zone in der Höhe von 2—5000' über dem Meere mit ihren 
reichen Kulturen verschiedener, zum Theile nordischer Cerealien bevorzugt der Vogel, 
so ist er am Nordfusse des Schambobel in 45000‘ überall im Sommer häufig und 
lockt noch Anfangs Juli. Am Goktschai-See erscheinen die Wachteln zam Brüten nicht 
vor dem 10. / 22. — 15./27. Mai. Keinesweges aber fehlt der Vogel im Sommer den 
Tiefländern ebensowohl am Pontus, wie auch am Caspi. Blanford’s*) Beobachtungen, 
dass die Brutzeiten (also auch der Lockruf) mit der Höhe über dem Meere abändern, 
finde ich im Kaukasus vollkommen bestätigt. Im Lenkoran’schen Tieflande erschienen 
1366 die Wachteln schon in den ersten Tagen des Aprils, hielten sich aber bis zum 
12./ 24. stille und schlugen dann in den Saaten und natürlichen Kleewiesen. Hier 
bleibt ein grosser Theil der Wachteln bis spät in den November hinein. Man hält es 
für ein Anzeichen eines kalten Winters, wenn die Wachteln endlich fortziehen. So 
geschah es auch 1879, in welchem Jahre schon Mitte November die Wachteln in den 
Niederungen recht selten wurden. In trockenen, warmen Jahren bleiben viele Wachteln 
ganz hier im Talyscher Tieflande. Auch in den Karagas-Niederungen halten sich viele 
Wachteln sehr lange auf. Dies hängt lediglich vom Wetter ab. Im Januar 1879 waren 
dort die Wachteln so häufig, dass man vor einem guten Hunde in wenigen Stunden 
wohl 20 Stück hatte erlegen können. In Tiflis schwankt die Ankunftszeit vom 
12. / 24. April — 27. April/9. Mai. Zu dieser Zeit kommen und halten sich die 
Hauptflüge. Doch rasten sie nur in dem Falle lange und in grosser Zahl, wenn das 
Frühjahr feucht war und in Folge dessen die Saaten und Wiesen üppig gediehen. Un- 
glaublich ist in manchen Jahren die Zahl der im Frühlinge wandernden Wachteln bei 
Tiflis. Es ist durchaus nicht selten, dass ein guter Jäger an einem Tage bis 100 Stück 
erlegt und dazu wird sicherlich noch ein Dutzend Wachtelkönige kommen. Mir sind 
Fälle bekannt, in denen in wenigen Stunden zwei Jäger 150 Wachteln erbeuteten; aber 


*) Blanford, Eastern Persia, Vol. II, pag. 278, A5* 


356 Ortygion coturnix. 


nicht in allen Jahren giebt es deren so viele. In trockenen Jahren ist der Zug nur 
unbedeutend. Ich bin der Ueberzeugung, dass bei weitem die meisten Wachteln im Kau- 
kasus Küstenzügler sind. Zwar hat Nordmann*) sie direkt in Banden das Meer 
passiren sehen, auch bin ich bei meinen Reisen auf dem Pontus schon Anfangs der 
fünfziger Jahre Zeuge von der Passage solcher kleinen Züge gewesen; nichts desto- 
weniger müssen die Hauptzüge trotz der Wälder an der Ostküste des Schwarzen 
Meeres ihren Weg nehmen. Es ist daselbst ebenso Thatsache, wie an der Südküste der 
Krimm und namentlich im Chersones, dass schon Mitte August ein förmliches Anstauen 
ungeheurer Wachtelmassen, die unglaublich fest und schwer sind, statthat. Das Er- 
schlagen der Wachteln mit Stöcken während des schwerfälligen Fluges der Vögel zu 
dieser Zeit, ist in Mingrelien durchaus kein exceptionelles Experiment, es ist eine er- 
giebige Jagdmethode. Ein russischer Jäger am Chramflusse jagt im Herbst die schweren 
Wachteln nur mit Stöcken. Er hat deren zwei, etwa eine Arschin lang, an welchen die 
Aeste auf zwei Werschock Länge stehen blieben. So bewaffnet geht er in die Wiesen. 
Die Wachtel fliegt sehr schwerfällig und langsam auf, weil sie so fett ist und selten 
fehlt der Jäger mit dem ihr nachgeworfenen Stocke den Vogel. Die Preise dieser 
fetten, förmlich im eigenen Fette schwimmenden Wachteln fallen in ergiebigen Jahren 
bis auf 5 und sogar 3 Kopeken für ein Paar (wenigstens war das bis in den fünfziger 
Jahren bei Sewastopol der Fall). Es mögen um diese Zeit wohl truppenweise die 
Wachteln abziehen, doch vermindert sich bis Mitte September ihre Zahl nicht merklich 
und auch in den höher gelegenen Gegenden bleiben einzelne Wachteln sogar zum Ueber- 
wintern, aber immer sind das Ausnahmen, aus irgend welchen Gründen konnte der be- 
treffende Vogel nicht fort. In den wärmeren Niederungen aber überwintern viel mehr. 
Dass nun die Herbstwachteln bei Tiflis zu den weit aus dem Norden hergezogenen, 
über den Grossen Kaukasus geflogenen, gehören, glaube ich nicht; ebensowenig glaube 
ich, dass im Frühlinge die Wachtelzüge über das Hauptgebirge gehen. Zwar bietet 
die Georeische Heerstrasse, welche am Ost-Fusse des Kasbek sich hinzieht, jedem 
Zugvogel eine, wenn auch enge, so doch in den Kulminationshöhen klimatisch nicht 
besonders gefährdete Strasse; zwar brütet auch in den Saatfeldern am Kasbekfusse die 
Wachtel, wie überall anderwärts im Gebirge, soweit Kulturen hinaufreichen, allein 
Niemand weiss an solchen Lokalitäten etwas von Massenansammlungen der Vögel im 
Herbste. Die schwere, fette Wachtel kann kaum anders als per Etappe ziehen und 
dazu ist das Hochgebirge Ende August schon nicht mehr geeignet, im September oft 
schon in einer Höhe von mehr 10000‘ vollständig winterlich. Ich halte die Herbstwachteln 
an der Südseite des Grossen Kaukasus, die hier nimmer so zahlreich sind, wie im beidersei- 
tigen Küstengebiete, für die im Gebirge stationirten Sommervögel mit ihrer Brut. Wenn 
einige Jäger bemerkt haben wollen, dass es in den Höhen von 6— 7000’ an der Süd- 
seite des Gebirges Ende August grössere Partien von Wachteln giebt, so sind das eben 
die sich dort oben rottenden Vögel, die gemeinsam thalabwärts wandern wollen. 
Ueberdies will man bei den Wachteln nach der Brutzeit ein allmähliches, langsames 
Wandern bergan in’s Gebirge beobachtet haben, da der Vogel den Getreideernten nach- 
gehen soll und diese natürlich mit zunehmender Höhe auch später statthaben. Es 
kann daher eine Wachtel, welche z. B. schon Mitte Mai bei Baku oder Derbent aus- 


*) Demidow: Voyage etc., Tome III, pag. 221. 


Ortygion coturnix. 357 


gebrütet wurde, Ende August im Gerstenfelde, welches eben eıst reift, in einer Höhe 
von 7— 8000‘ über dem Meere im östlichen Dagestan angetroffen werden. 

Dass nun die am Nordgestade des Pontus angesammelten Wachtelmassen in 
drei Hauptrichtungen fortziehen, scheint mir erwiesen. Die westlichen werden 
sicherlich die so stark frequentirte Dardanellen-Strasse wählen, die östlichen gehen dem 
Lande der Tscherkessen in littoraler Wanderung entlang und wohl nur der kleinere 
Theil macht sich direkt von der Südküste der Krimm nach Trapezunt oder Sinope auf 
den Weg, dabei riskirend, im Pontus zu ersaufen, wie solches gar nicht selten vor- 
kommen soll. 

Es liegen aus dem jetzt russischen Tschoroch-Thale, welches bis zu seinen süd- 
östlichen Höhen ein ununterbrochenes Waldgebiet darstellt und dabei rasch bis zu 
einer Höhe von 7000’ über dem Meere ansteigt, keine Mittheilungen über den Wachtelzug 
vor; wahrscheinlich werden solche auch niemals zu machen sein. Ich glaube nicht 
daran, dass hier eine Zugstrasse der Wachtel, über das Gebirge fort, liegt; ebensowenig, 
dass sie ostwärts irgendwo im Rionsysteme zu suchen sei. Denn überall muss der Vogel 
hier durch die Wälder hinauf zum Armenischen Hochlande steigen und auf diesem die 
breiten und hohen Wasserscheiden zwischen Kura, Aras und Euphrat foreiren, um südlich 
wandernd in das fruchtbare, warme Mesopotamien zu gelangen. 

Es scheint mir a priori viel wahrscheinlicher, dass die Wachteln aus dem Süd- 
ostwinkel der Küsten-Zone des Pontus ihre Reise westwärts der Küste entlang fortsetzen 
und später die Kleinasiatische Küstenzugzone benutzen, zum Theile auch in ihr schon 
überwintern. Dieses ist mir auch durch direkte Beobachtungen neuerdings bestätigt 
worden, da das südliche Ufer des Pontus zur Zugzeit der Wachteln deren ausser- 
ordentlich viele besitzt, welche doch nicht aus den unmittelbar dort stehenden Wäldern 
stammen können. Hier liegt in der That eine grossartige maritime Küstenwanderung 
der Vögel vor. 

Was endlich die Wachteln des weiten Kuban- und Terek-Gebietes anbelangt, 
so glaube ich, behaupten zu dürfen, dass sie (mit Ausnahme der Bewohner vom unteren 
Kubanlaufe, welche sich der pontischen Wanderrichtung anschliessen) zunächst gegen 
OSO. ziehen und später die wenigen hohen und schmäleren Höhen am Ostfusse des 
Dagestan passiren. Herr Oberst Lenz, ein bekannter Nimrod in Wladikawkas, be- 
stätigte mir meine Voraussetzung, indem er beobachtet hat, dass die Wachteln dem 
Fusse des Gebirges entlang im Herbste hinziehen, ja er hat auch die Wildgänse vor- 
nehmlich diese Richtung (WNW. nach OSO.) einhalten sehen. So wandern sicherlich 
die Wachteln des mittleren Kubanlaufes und alle des Tereksystemes, nachdem die im 
Gebirge während des Sommers lebenden sıch zu den Thälern beider Flüsse herabliessen, 
gegen OSO. durch die Tschetschna und die Verflachungen des Dagestan, um die be- 
quemen, niedrigen, östlichen Passagen zu gewinnen und dann den Caspi-Niederungen 
weiter zu folgen. Auch hier müssen wir die maritime Küstenwanderung weiterhin 
zugeben, da es unmöglich ist, dass die fetten Herbstwachteln, durch die Hochwälder 
Gilans wandernd, zum iranischen Plateau gelangen. 

Noch muss ich einer höchst originellen Fangmethode der Wachteln im Frühjahre 
bei Lenkoran erwähnen. Die Hirten verstehen es, die Vögel direkt in Schlingen zu 
treiben und auch ohne diese sie gelegentlich vom Boden aufzuheben. Sie treiben zu 
diesem Zwecke die Rinder langsam auf solche Weideplätze, die hier und da niedriges 


358 Ortygion coturnix. — Tetrao Mlokosiewiezi. 


Dorngestrüpp besitzen. Die Thiere stören die Wachteln gar nicht. Der Hirte zieht 
dann seinen langen Rock aus, nimmt zwei Stöcke und schiebt sie in die Aermel, 
bindet oben dieselben fest und hält die beiden anderen Stockenden gekreuzt auf der 
Brust, so dass sich über seinem Kopfe die steifgehaltenen Aermel gleich zweien Hörnern 
darstellen. Der Hirte bewegt sich vor und deckt den Kopf und Rücken mit den 
Schössen des Rockes. Nun hat er an einem schon vorher ersehenen Orte zwischen 
nahestehenden Jongeln Schlingen befestigt und zwar an einer stramm gezogenen Leine, 
die quer über den freien Platz gespannt wurde. Er geht sodann gleich den Ochsen 
vorwärts, wendet den Kopf rechts und links, ahmt mit einem Worte die Bewegungen 
des Rindes nach. Sein scharfes Auge hat schon lange am Rande eines Gebüsches eine 
Wachtel erspäht, vielleicht scheuchte er sie auf, sie setzte sich sehr bald wieder. Er 
kommt näher, ‚sie duckt sich fest an den Boden und es gelingt ihm bisweilen, schnell 
zugreifend sie zu erhaschen. Die meisten Wachteln aber werden langsam in die 
Schlingen getrieben. Das Ergreifen des Vogels vom Boden kommt aber auch ziemlich 
häufig vor. Ich habe solche Jagden im April 1866 bei Lenkoran täglich ausführen 
sehen und zwar mit dem besten Erfolge, 8—12 Wachteln nahm ein geübter Jäger in 
der Zeit von 8—10 Uhr früh lebendig auf. Die Wachtel ist bei den Eingeboreneu 
überall im Kaukasus, zumal bei den Mohamedanern, beliebter Stubenvogel, dem man 
aber leider fast immer einen zu kleinen, namentlich zu niedrigen Käfig giebt. 


229. Tetrao Mlokosiewiezi Tacz. 
— T. acatoptrieus Radde. 
Taf. XXIM. 
Russisch: Kawkaski Teterew oder: Teterew tschernysch. 
Persisch: Jaban-tauk. 
Tatarisch: Kara-touch — Mesexa-touch (oder tauk), d. h. Schwarzes oder Waldhuhn. 
Lesginisch: Ryexta. 
Tuschinisch: Rosxo. 
Georgisch: Kareuli-Katant, bei den Swanen: Katar, d. h. Huhn. 
Armenisch: Paitmorek, Bezeichnung überhaupt für Birkhuhn. 
Ossetisch: Kark (an den äussersten Rion-Quellen). 
Systematisches. 
Ich besitze: 
1 jungen Vogel, nicht ausgewachsen, nicht Hügge, in Spiritus, von den Swanischen 
Alpen Ende Juni 1864. 
1 Männchen und 1 Weibchen, alte Vögel von der Zalka im Kleinen Kaukasus, 
December 1869. 
1 Männchen, altes, aus dem östlichen Dagestan, Winter 1879. 
1 jungen Vogel. nicht ganz ausgewachsen, aber flügge, mit fertigem ersten Kleide, 
Juli, Borshom, Baumgrenze. 
1 Weibchen, jung, ausgewachsen, erstes Herbstkleid, Lagodechi 1880. 
1 Männchen, jüngeres, Mleti, Südfuss des Grossen Kaukasus, April 1881. 
1 Männchen, alt, Skelet, Mleti, Mai 1881. 
Unerwartet für mich erschien zuerst in den Proceedings of the Zoological Society ” 
1875, pag. 267 das kaukasische Birkhuhn vom Nestor der polnischen Ornithologen, 


Tetrao Mlokosiewiczi. 359 


Herrn Tacezanowski beschrieben und nach Herın Mlokosiewicz benannt, einem 
verabschiedeten Militair (jetzt Förster), welcher seit einigen Jahren in Lagodechi 
ansässig ist und sich mit dem Einsammeln von Naturalien, die er verwerthet, beschäftigt. 
Ich habe, nachdem mir der Artikel in den Proceedings hier vorgelegt wurde, im Journal 
für Ornithologie *) einen Brief veröffentlicht, der meinen Collegen die Ursachen klar 
macht, welche mich bestimmten, die Bearbeitung meiner ornithologischen Materialien 
bis dahin nicht in Angriff zu nehmen. Da ich nunmehr aber die Ueberzeugung ge- 
wonnen hatte, dass ornithologisches Material aus dem Kaukasus anderweitig versendet 
und bearbeitet wurde, so wollte ich mir wenigstens für die Megaloperdix-Art vom Ararat 
die Priorität sichern und sendete gleichzeitig mit meinem Artikel den betreffenden Vogel 
an Prof. Cabanis. Ich gebe weiter unten einige Mittheilungen über die Geschichte der 
Entdeckung des Vogels und will keinesweges die Vaterschaft des Herrn Taczanowski 
über dessen ersten Namen beanstanden. Von mir ist der Vogel mit dem Namen 
T. acatoptricus benannt worden, eine Bezeichnung, die ihn, dem gewöhnlichen Birkhuhne 
gegenüber, gut diagnosticirt, da dasselbe einen grossen, weissen Spiegel besitzt, welcher 
der kaukasischen Art vollständig fehlt. 

Mit grossem Fleisse hat M. Bogdanow **) Alles zusammengestellt, was wir 
vom kaukasischen Birkhuhne wissen, angefangen von den ersten Nachrichten, die Nord- 
mann über das Vorkommen der Birkhühner im Kaukasus gab, dann die meinigen und 
anderer neuerer Forscher, Marggraff's, Kessler’s, bis auf die letzten von Michalowsky. 

Durch den längst verstorbenen Ingenieur-General Kessler, den Bruder des 
Zoologen, erhielt ich im Herbste 1863 einige Mittheilungen über Birkhühner, die im 
Kuban-Gebiete, und zwar unweit von Maikop, vorkommen sollten. Der General sprach 
immer nur von diesen Vögeln als von den russischen Birkhühnern. Vom Vorkommen 
solcher im gesammten Kaukasus an der Baumgrenze und in der Frhododendron-Zone 
wusste H. Kessler nichts. Schon 1864 am 25. Juni /7. Juli gelang es mir bei der 
Besteigung des Tschitcharo im Dadianschen Swanien, auf eine Familie zu stossen und 
eines der Küchlein zu ergreifen. Es war das im Birkenwalde, welcher von etlichen 
orientalischen Tannen seitwärts an den Steilungen hie und da durchsetzt war, auch 
Acer Trautvelteri und Espen standen da. 

Diesen jungen Vogel bilde ich auf Tafel XXIII ab und füge ihm den ausge- 
wachsenen Vogel in seinem ersten Herbstkleide hinzu, nach einem Exemplar (Weibchen), 
welches bei Lagodechi im Gebirge erbeutet wurde. Schon im Nestkleide ist die Ver- 
theilung von Rothbraun und Schwarz ganz so wie im ersten fertigen Herbstkleide. 

Alten Vögeln gegenüber ist sowohl das Rothbraun, als auch das Schwarz des 
ersten, fertigen Herbstkleides matter, begrenzt sich aber gegenseitig in scharfen Linien. 
Ferner fehlen dem ersten Jugendkleide die breiten, feingesprenkelten Endbinden sowohl 
auf dem Gefieder der Brust und des Bauches, wie namentlich auf dem Rücken. In 
diesem ersten Jugendkleide sind die Läufe fast kahl. Nur hie und da drängen sich die 
straffen, fast borstenartigen Federchen auf dem Tarsus hervor. 

Ueber das gleichmässig schwarze, nicht sehr glänzende Gefieder des alten Hahnes 
muss ich bemerken, dass die oberhalb der Handwurzel stehenden, reinweissen, unteren 


*) Joumal für Ornithologie 1876, pag. 218 sq. 
**) Bogdanow, Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 129—138, Nr. 195. 


360 Tetrao Mlokosiewiezi. 


Flügeldecken an der Kante sich bei angelegtem Flügel als schmale Lunula bemerkbar 
machen, wenn das üppige Brustkleid sie nicht zudeckt. Bei jüngeren Männchen, die 
indessen schon das fertige, schwarze Kleid tragen und nicht unter zwei Jahre alt sein 
können, ist das drüsige Supraciliarfeld nur gering entwickelt. Je älter der Vogel, um 
so grösser bauscht sich dasselbe oben lappenförmig auf und um so intensiver färbt es 
sich zur Balzzeit. Ein am 3. /15. Mai 1882 oberhalb Bukuriani an der Baumgrenze 
(Borshom) während der Balze erlegtes Männchen besitzt diese Partie in eröstmögl En 
Stärke und Schönheit. 
Ich gebe nun noch die Maasse des Vogels: 


Zalka (Quellen des 
hram). 
Tetrao Mlokosiewiext. Mm mw 
mm mm 
Totallänge . . . he. 200 
Vom Flügelbug Dee zur Sales 6 225 | 205 
Länge der äusseren Schwanzfeder (setade es) a 18T 150 
Länge der mittleren Schwanzfeden . . . „2... 123 155 
Schnabel ‚auf’der Rirste gemessen. ... .. .. 22... 1022816 
Längesders Mundspalters u a u 20 20 
Länge des Tarsus  . . ee | 52 
Länge der Mittelzehe Ohne Nast. ea iD 40 
Länge der Mittelzehe mit N Nagel re 51 
| 


Lebensweise und Verbreitung. 

Es unterliegt keinem Zweifel mehr, dass Tetrao Mlokosiewiexi im gesammten 
Kaukasus und zwar ebensowohl an der Nordseite, als auch an der Südseite des Grossen 
Kaukasus, sowie im Randgebirge des Kleinen Kaukasus überall an der Baumgrenze und 
auch in der Rhododendron-Zone vorkommt. Als ich im Jahre 1863 hierher kam, theilten 
mir berühmte Jäger, so der oben erwähnte General v. Kessler und Herr Objasaninow, 
mit, dass es Birkhühner im Kaukasus gäbe; der erstere der Herren sprach sogar von 
grösseren und kleineren. Die Kosaken der Kabarda, in den Stanizen der Quellzuflüsse 
des Kuban und des Terek, so namentlich auch die Jäger in Maikop kennen den Vogel. 
Im gesammten Swanien, sowohl in dem oberen, am Quelllaufe des Ingur, wie auch in 
dem Dadianschen, am Quelllaufe des Hippos, habe ich den Vogel 1864 nachgewiesen *). 
Dort heisst es: „Ich stiess am Lakmalde (im Norden von Pari gelegenes Gebirge, welches 
in der Kammlinie gipfelt, Baumgrenze durch Pinus sylvestris gebildet in 7391‘, obere 
Rehododendron-Grenze 8918‘) auf die vom vorigen Winter zurückgebliebenen Schlingen, 
mit welchen man diese Vögel an bestimmten, künstlich hergerichteten Aesungsplätzen 
fängt. Die Art und Weise, in der man solches hier bewerkstelligt, entspricht voll- 


kommen der Methode, die bei den sibirischen Völkern gebräuchlich ist. Man befestigt 


*) Vergleiche: Radde, Berichte über die biologisch-geographischen Untersuchungen in den 
Kaukasusländern, pag. 113. 


Tetrao Mlokosiewiezi. 361 


die Pferdehaarschlingen in halbkreisförmigen Bügelhölzern, die man aus Weiden formt 
und deren beide Enden man in den Boden treibt. Im Sommer verharren die Birkhühner 
im Bereiche der Baumgrenze, wo sie ihre Brut erziehen. Sie sind im mingrelischen 
Hochgebirge zu dieser Jahreszeit zwar schwer, aber doch fast überall zu finden. Ihr 
Vorkommen am Dadiasch und Tschitcharo, sowie oberhalb Glola und an den Quellen 
des Tskenis-Tskali kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen.“ Zeitweise besucht 
-dieses Birkhuhn auch die kleinen, heiligen Haine des Gebirges, welche sich strengsten 
Schutzes erfreuen. So kannten dasselbe die Jäger von Guleti als am Kasbek im heiligen 
Wäldchen ab und zu vorkommend. Hier muss ich nun zunächst bemerken, dass in den 
Gebirgen mit vorwaltend nach Norden gekehrten Fronten, also im gesammten Kleinen 
Kaukasus, wo oberhalb der Baumgrenze die Rhododendron-Zone breit ist (während sie 
den direkt gegen Süden gekehrten Fronten vollständig fehlt) — das kaukasische Birk- 
huhn gerne in den dichten und sehr schwer zugänglichen Alpenrosen-Gestrüppen 
(immer in solchen Höhen Rhododendron caucasicum Pall) brütet und hier also zum 
Nachbarn von Turdus torgquatus wird. Zweitens muss erwähnt werden, dass nicht allein 
das Laubholz frequentirt wird, wo es durch Fagus sylvatica, Acer Trautvelieri und 
Betula alba die Baumgrenze bildet, sondern auch die Nadelhölzer an ihren höchsten 
‚Standorten vom Birkhuhne besucht werden. Zwar sind an und für sich die Lokalitäten, 
wo die Coniferen (Abies orientalis und Pinus sylvestris) die Baumgrenze bilden, nur 
sehr vereinzelt und räumlich beschränkt, doch lebte das Birkhuhn ebensowohl am Lak- 
malde, als auch oberhalb Glola an den Rion-Quellen und endlich am Tschitcharo und 
in Tuschetien an solchen Plätzen. \ 

Für den Kleinen Kaukasus ermittelte ich den Vogel westwärts von den öst- 
lichen Quellen des Tschoroch bis in die gesammten nördlichen und östlichen Goktschai- 
‘Gebirge überall hoch an der Baumgrenze und nicht selten an manchen Lokalitäten. 
Namentlich ist er südlich von Achalzich in den hochgelegenen Nebenschluchten des 
Schambobel ziemlich gemein. Ausser meinen eigenen Nachweisen kann ich hier noch 
die Mittheilungen des glaubwürdigen Herın Bekanow geben. Derselbe ein eifriger 
Jäger, welcher seit 40 Jahren im Kaukasus das edie Waidwerk treibt, sagte mir: „Ich 
jagte vor etlichen 20 Jahren oft am Schambobel, da ich in Achalzich lebte und wusste 
die Winterplätze der Birkhühner. Ich suchte sie einmal im September unten im Bereiche 
der Baumgrenze, aber da war es sehr schwer vorwärts zu kommen. Die Kräuter-Vege- 
tation war so hoch und dicht und das Terrain so schwierig, dass ich dort nicht. lange 
aushielt. Ich hob nur einen Vogel. Ich begegnete einem Hirten, der mir sagte, die 
Vögel seien alle oben im kahlen Gebirge und da fand ich sie auch in einer engen 
Felsenschlucht ohne Baumwuchs. Sie fussten an den steilen Wänden und lebten 
gemeinschaftlich, ich sah wohl an zwanzig Stück. Was mir namentlich sehr auffiel, 
das war inr Flug, ehe sie fussten. Sie flogen nicht gerade aus, wie das alle Hühner 
gewöhnlich thun, sondern erhoben sich und flogen ähnlich den Tauben gerottet und 
gewissermaassen kreisend, bis sie sich wieder niederliessen.“ Wo ich seibst das Birk- 
huhn beobachtete, flog es stets gerade aus. Unter dem Passe von Dshichi-dshwari 
(Borshom) brütet es, zieht sich in schneereichen Wintern von Ost nach West aus den 
naheliegenden Gebirgen dort hin und soll schon Ende April in dieser Höhe ganz in der 
Art der nordischen Birkhähne balzen. Nach allen bis jetzt vorliegenden Erfahrungen 


bin ich daher berechtigt, den Vogel im gesammten Kaukasus, wo er Wald trägt, für die 
Badde, Ornis caucasica. 46 


362 _ Tetrao Mlokosiewiezi, 


obere Randzone desselben in einer Höhe von 6--8000‘° über dem Meere zu verzeichnen 
und demgemäss meine Karte zu entwerfen. Nur den einen Fundort, welchen Dresser: 
nach Mlokosiewicz’ Angaben acceptirt, nämlich den Ararat, zweifle ich an. Es steht 
dort in der Einsattelung zwischen den beiden Noahsbergen in einer Höhe von 9000‘ 
über dem Meere ein lichtes Birkenwäldchen von nicht grossem Umfange. Am Boden 
ist Rubus saxatilis häufig. Ich bin in diesem Wäldchen gewesen, die Birken sind hoch- 
strauchig, 20° hoch, einzelne gesunde, höhere Stämme sind sehr selten, meistens 
wachsen mehrere aus einer Wurzel und sind stark durch die Schneedecken des Winters 
gedrückt worden. Ich habe hier kein Birkhuhn gefunden und auch nicht, weder bei 
den Kurden, noch bei den im Sommer hier stationirten Kosaken erkundet. Was mir 
gesagt wurde, bezog sich alles auf Megaloperdix. Dieses Birkenwäldchen steht gleich 
einer weithin isolirten Insel auf dem armenischen Plateau. Nur sind die Waldhühner 
strenge Standvögel und schlechte Flieger und es bleibt mir ein Räthsel, wie sie zum 
Ararat haben kommen können. Die einzige vortheilhafte Brücke, welche die in Rede 
stehende Art benutzen konnte und benutzt hat, um vom Grossen in den Kleinen Kau- 
kasus (oder umgekehrt) zu kommen, ist das Meskische Gebirge*). Hier finden wir sie 
denn auch auf rechtem, wie auf linkem Kura-Ufer hoch im Gebirge und zweifellos auch 
auf dem gesammten Rücken des Gebirges bis zu den Liachwa-Quellen. Für diesen 
Vogel wurde das waldbedeckte Gebirge wirklich der Vermittler seiner Verbreitung in 
Folge seiner geringen Höhe, welche die Baumgrenzenlinie kaum überragt. Für das 
Königshuhn dagegen wurde es in Folge seiner zu geringen Höhe, und eben deshalb, weil 
es nicht bis in die hochalpine Zone heransteigt, zum wunüberwindlichen Scheider 
zweier Arten. 

Die Waldhühner als Standvögel und schlechte Flieger sind der direkten Ver- 
mittelung durch verbindende und die Existenzbedingungen der Arten in sich schliessende 
Gebirge benöthigt, wenn sie sich von irgend einem Centrum aus verbreiten sollen. 
Dies lehrt uns in evidenter Weise auch das kaukasische Birkhuhn. Von den Bergvölkern 
fast überall gekannt, schwer zu erstehen für den Reisenden, von mir selbst, ich gestehe 
das offen, „vernachlässigt“, weil ich im Wuste von bunt durcheinander gewürfelten Be- 
schäftigungen bald hier, bald dort mehr oder weniger engagirt war — ist nunmehr der 
schöne Vogel als eigene, den Isthmus scharf charakterisirende Spezies erkannt worden. 
Und warum fehlt uns das so weit verbreitete nordische Birkhuhn? Warum haben wir es 
im Kaukasus nur mit einer so spezifischen Art zu thun? Warum fehlt der nahen 
Krimm sowohl das nordische, als auch das kaukasische Birkhuhn? Die Gründe dafür 
liegen weit entfernt, sie rechnen nicht mit geschichtlichen Faktoren, keine gewaltsame 
Vernichtung hat das gewöhnliche Birkhuhn dem Kaukasus entfremdet, wie das mit 
anderen Gallinaceen des Landes bald geschehen wird. Wir haben das Fehlen des 
gemeinen Birkhuhnes im Kaukasus in bestimmten geologischen Momenten zu suchen. 
Die tertiären und diluvialen Meere lagerten einst auf den südrussischen Ebenen. Im 
Süden von ihnen tauchten damals die Höhen des Kaukasus und der Krimm aus der 
unabsehbaren Wasserfläche hervor. Für kein Waldhuhn, ob Auerhahn oder Birkhuhn, 
ob Haselhuhn oder Schneehuhn, waren diese Wasserflächen jemals zu passiren. Deshalb 
fehlen sowohl der Krimm, wie auch dem Kaukasus die nordischen Tetraonen. Aber die- 


*) Vergl. meinen Brief an Prof. Cabanis, Journal für Ornithologie, 1876, pag. 220. 


Tetrao Mlokosiewiczi. 363 


dem letzteren angehörende, eigenthümliche Art war nicht einmal im Stande, von etwa 
den Höhen des Fischta-Gebirges, an den Quellen der Bjellaja, bis zur Südküste der 
Krimm die Strecke zu forciren und deshalb fehlt der kaukasische Vogel auch dort. 
Eben aus solchen Gründen verzeichne ich in meiner Karte Tetrao Mlokosiewiexi nicht in 
der Elburskette und schliesse den Vogel vom Ararat aus. Blanford, der Autor der 
ausführlichsten Ornis Persiens, dem man, wie solches den meisten Engländern als 
Spezialisten eigen ist, einen grossen Fleiss und unermüdliche Energie in seinen Spezial- 
liebhabereien nicht absprechen kann, hat das kaukasische Birkhuhn in der Elburskette 
nicht nachgewiesen. Ebensowenig kennt dasselbe de Filippi und auch M&netries 
schweigt darüber. Ich habe diese Talyscher Wälder mehrmals und gerade in ihrer 
oberen Waldzone eifrig studirt und niemals ein Birkhuhn dort gesehen, oder davon 
gehört. Andererseits weiss man aus Afghanistan, oder von den Gebirgen im südlichen 
Theile Kleinasiens. oder gar aus Indien auch nichts von dem Vogel, wiederum ein 
Beweis, dass ihm die aralo-caspische Wüsten-Depression nach SO. hin und die hohe, 
waldlose Plateaulandschaft nach Süden hin scharf die Grenzen seiner Verbreitung zogen. 
Es bleibt also für sein Vorkommen nur ein verhältnissmässig enges Gebiet. Vom Quell- 
gebiete des Tschoroch, dem ganzen Kleinen Kaukasus in seiner Baumgrenzen- und 
Rhododendron-Zone entlang bis in die Karabagher Gebirge hin und im Grossen Kau- 
kasus von den Quellen der Bjellaja im Fischta-Gebirge bis in das nur hie und da wald- 
führende Gebirge des Dagestan, namentlich am Bogos-Stocke und östlich im Lande der 
Kasi-Kumychen, findet sich der Vogel. 

Was aber die kleinen und grossen Birkhühner anbelangt, wie sie von Jägern 
erwähnt werden, so müssen wir mit der Entscheidung darüber noch warten. Ich glaube 
nicht, dass das nordische Birkhuhn im Kaukasus vorkommt. Möglich ist es, dass 
noch eine zweite Art existirt, wahrscheinlicher aber, dass man die kleineren Weibchen von 
den grösseren Männchen unterschied. Die Zukunft wird darüber Sicherheit geben. 

Ich gebe hier nun noch die ersten sicheren Nachrichten über die Balze der 
kaukasischen Birkhühner. Zwar war es mir nicht vergönnt, sie selbst: zu beobachten, 
aber der Beobachter war kein anderer als $e. Kaiserl. Hoheit der junge Grossfürst Nicoiai 
Michailowitsch und er hatte an seiner Seite den Fürsten Kantakusin, seinen Freund, 
und Herın Wasiljew, den Verwalter von Borshom. Am 3./ 15. Mai 1881 begab sich 
Se. Kaiserl. Hoheit in die basalalpine Zone, welche oberhalb Bukuriani sehr bald beginnt, 
wenn man die Birkenbestände passirt hat. Es ist das jetzt nicht schwer. weil eine 
gute Strasse durch die Wälder Borshoms führt, welche allmählich im Randgebirge höher 
und höher steigt und im Zra-Dzrao-Passe das Plateau erreicht, von wo sie die Richtung 
nach Achalkalakı nimmt. Es ist im Frühlinge dort oben wunderschön. Da quellen um 
diese Zeit die Blattknospen an den alten Bäumen von @uercus macranthera Fisch. et 
Mey. und es erschliessen sich die Blüthenstände von Acer Trautvetieri Med., zwei merk- 
würdige Bäume, die nicht allein dem Systematiker interessant sind, sondern auch dem 
Pflanzengeographen ein Räthsel bleiben, weil sie beide nicht selten aus der Baumgrenze 
hervortreten und als isolirte, dicke und verhältnissmässig hohe Stämme in der basal- 
alpinen Wiese stehen. Diese Wiesen beginnen dann, ihr neues blumenreiches Kleid an- 
zulegen, es blühen die Schneeglöckchen und das arm-, aber grossblumige Muscari pye- 
nanthum 0. Koch entdrängt die tiefblauen Blüthenköpfchen dem Boden. Ab und zu 


haben auch schon Gentiana pyrenaica L. oder das zarte Androsace villosa L. ihre 
46 * 


364 Tetrao Mlokosiewiezi. — Attagen francolinus. 


Kronen erschlossen. Die Birke aber, auf den äussersten Höhen ihres Vorkommens licht 
stehend, trägt ihr junges, hellgrünes Laub. Höher, dem Rande des Gebirges nahe, 
ruhen noch die Schneeblinken und langen hie und da tief abwärts, weil die Winter- 
stürme dort die Schneemassen hoch zusammen trieben. Der Art ist die Natur, welche- 
die verliebten Birkhäkne umgiebt. Im Allgemeinen benimmt sich der Vogel wie sein 
nordischer Bruder und leistet Erstaunliches und Ergötzliches in seinen Bewegungen, 
Sprüngen etc. etc. Das Kollern und Klucken, das Spreizen und Aufblähen des Gefieders, 
den hochgeworfenen, dachförmig ausgebreiteten Schwanz, das Andrücken zum Boden, 
das wahnsinnige Hin- und Herrennen und Schleifen der Flügel: Alles das sahen die 
Herren an zwei Hähnen, als sie am 3. / 15. Mai jene Strasse passirten, und unverhofft 
bei der Biegung des Weges auf einen Balzplatz stiessen und zwei verblüffte Männchen. 
antrafen, von denen seitabwärts mehrere Hennen sich befanden. Diese verhielten sich 
ruhig. Der ältere der beiden Hähne war sehr verliebt, die Reisenden befanden sich 
von ihm kaum 60 Schritte und er wurde erlegt, ebenso der jüngere Hahn. Wenn nun 
im Allgemeinen das Balzen von Tetrao Mlokosiewiexi dem des gemeinen Birkhahns gleich 
kommt, so hat es doch eine Sonderheit. Ich habe wenigstens nie gesehen oder gehört, 
dass die gewöhnlichen Birkhähne in ihrer Liebeswuth sich vollständig überschlagen 
und in 2—3‘ Höhe vom Boden Purzelbäume machen. Solches aber sahen die Reisenden. 
Ferner fällt es auf, dass mitten am hellen Tage gebalzt wurde. 

In Bezug auf die Nahrung muss ich noch bemerken, dass nirgends im Kaukasus. 
die nordischen Vaccinium-Arten und Empetrum in weithingedehnten Beständen vor- 
kommen. Ich habe Heidelbeere und Blaubeere (V. Vitis idaea und V. Myrtillus) hie 
und da hoch an der Baumgrenze und im Ahododendron-Gebiete gefunden, aber immer: 
nur verhältnissmässig selten. Wahrscheinlich behagen dem Vogel die Birkenknospen; 
dass er Ranunculus-Blumen fressen sollte, wie solches durch Herın Mlokosiewicz. 
(Bogdanow, |. c. pag. 134) behauptet wird, muss ich verneinen; es sind das wohl 
Potentillen-Blumen gewesen; die Ranunkeln sind giftig und werden von keinem Thiere 
angerührt. E 

230. Attagen francolinus L. 


Russisch: Turatseh, aus dem Persischen entstellter Namen, den auch die Georgier und Armenier- 
hier zu Lande angenommen haben. 
Persisch: Durraj. 


Systematisches. 

Es wurden im Verlaufe der Zeit dreissig Exemplare präparirt, alle diese- 
stammen aus der Herbstzeit, vom Oktober und November aus den Steppen des Kura-- 
thales in der Nähe von Schamchor. 

Blanford*) hat die Zweifel de Filippi’s**) bereits gelöst, indem er das 
südpersische Frankolinhuhn als Francolinus vulgaris Steph. bestimmte. Meinen kau- 
kasischen Exemplaren kann ich kleinasiatische zur Seite stellen. Es ist an diesen bei 
dem Vergleiche mit jenen auch nicht der geringste Unterschied zu erkennen, Männchen 
und Weibchen stimmen vollkommen überein. Ende November ist bei manchen Individuen. 


*) Eastern Persia, Vol. I, pag. 273. 
**) Joumal für Ornithologie, 1876, pag. 186. 


Attagen francolinus. 365 


das Kleid noch nicht ganz vermausert. Ich habe Männchen vom 18. / 30. November, 
welche sogar noch das grosse Gefieder erneuern und mehrere Weibchen sind zu derselben 
Zeit an der Kehle noch im Federwechsel begriffen. Gewöhnlich stehen selbst bei 
alten Männchen zwischen den Unterkieferästen und um die Mundwinkel einzelne rein 
weisse Federn. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Für das mittlere Kurathal wird die Umgegend der Poststation Dsegam, westlich 
von Elisabethpol zur jetzigen Westgrenze des schönen Vogels. Die nach Tiflis zum 
Markte gebrachten Exemplare stammen eben aus jener Gegend. Genau genommen ist 
der Unterlauf des Taus-Baches jetzt. die äusserste Verbreitungsgrenze des Frankolins 
gegen Westen hin. Sehr vereinzelt kommt es hier noch vor. Ich kann nun einige 
Angaben früherer Autoren, die über den Vogel Mittheilungen machen, rectificiren. Nach 
allem, was ich von ihm weiss, gehört er nur dem Kurathale an. Die Angaben 
Biebersteins und Kaleniczenkos*) halte ich für falsch. Ebenso habe ich niemals 
den Vogel im Araxesthale gesehen, oder etwas von ihm gehört. Wenn ihn die Jäger 
von Eriwan kennen, so kommt das daher, dass sie von dort her bisweilen zur Jagd in 
das Kurathal kommen, um das edle Wildpret zu schiessen. Was das Vorkommen des 
Frankolins auf der Strecke nach Schuscha anbelangt, so ist zu sagen, dass er sich nur 
am Unterlaufe des Terter-Baches aufhält und nirgends die heisse Zone verlässt. Endlich 
muss ich bemerken, dass A. francolinus nirgends bei Lenkoran vorkommt; die vielen 
Jäger, welche dort leben, kennen den Vogel weder aus dem Talyscher Tieflande, noch 
aus der Mugan. Wohl aber kommt er auf rechter Kuraseite von der Station Adshi- 
Kabul über Salian bis zum Dorfe Tasakent vor und zwar ziemlich häufig als Garten- 
und Jongelnbewohner. Diesen Erfahrungen gemäss trage ich das Gebiet für A. fran- 
eolinus in meine Karte ein und zwar nur als schmalen Streifen dem Kuralaufe entlang. 
Es steht uns bevor, dass die oben erwähnte Westgrenze am Taus und Dsegam sehr 
bald weiter hin nach Osten verlegt werden wird. Denn der im Freileben nicht besonders 
scheue Vogel wird unbarmherzig ebensowohl mit dem Gewehre, wie namentlich auch 
durch die Falkenjagd ausgerottet. Da der Braten des Frankolins von allen mir bekannt 
gewordenen Gallinaceen, das Haselhuhn mit eingeschlossen, der zarteste und zugleich 
saftig ist, so mordet man um so eifriger. Alljährlich begeben sich sogar von Tiflis her 
im September und Oktober Jäger ins Frankolin-Gebiet bis nach Mingetschaur und 
kehren mit 50—70 Exemplaren nach wenigen Tagen heim. Massenvernichtung, wie sie 
im Herbste 1878 durch den Gouverneur von Elisabethpol ausgeführt wurde, um eine 
genügende Zahl von Frankolins in die Küche des Erlauchtesten Thronfolgers nach 
Petersburg zu schaffen, ist um so riskanter, als es sehr fraglich ist, ob das edle Wild- 
pret frisch genug zum Verspeisen die Newastadt erreichte. Der Vogel hat hier keinen 
Schutz und findet keine Pietät. Die tatarischen Grundbesitzer schlagen ihn zu jeder 
Jahreszeit, vornehmlich aber im Herbste und Winter, meistens mit dem Hühnerhabichte. 
Diesen Umständen muss man es zuschreiben, dass das Frankolin-Huhn jetzt nicht mehr 
oberhalb des Taus-Gebietes an der Kura vorkommt. Bogdanow führt nach den An- 
gaben eines gewissen Herrn T...n Dan dem Jagdjournal des Herın Sabaneew auch 


*) Bogdanow, Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 142. 


366 Attagen francolinus. 


die Karagas-Gebiete als besonders reich an Frankolinen an. Dies ist für die Gegen- 
wart ein Irrthum. Es fehlt zwar dort nicht an den beliebten Tumarix-Gebüschen und 
jongelartigen Strauchdickichten, allein der Vogel fehlt jetzt schon und selbst der Phasan 
ist dort ebenfalls schon selten. Nicht die Natur, sondern der Mensch hat die Grenze 
dem Vogel gesetzt und schiebt sie allmählich in seiner Vernichtungssucht immer weiter 
ostwärts. Einstweilen liegt freilich noch ein Gebiet von mehreren hundert Wersten 
dem Vogel gegen Osten, der Kura entlang, gesichert vor, aber es ist unzweifelhaft, dass 
mit der Eröffnung der Tiflis-Baku-Eisenbahn auch diese Einöden vom Jäger heimgesucht 
und dem edlen Wilde der Garaus gemacht werden wird. Auch ohnedies treibt der 
Tatar seine Habichtjagden daselbst ganz rücksichtslos und fällt in wenigen Stunden 
mit dem gewöhnlichen Hühnerhabichte 10—20 Frankolins. 

In den transcaspischen Gegenden fand Dr. G. Sievers während der Expedition 
Markosows den Vogel häufig im Atrekthale, auch hier bewohnte er die Tumarix- 
Bestände. 

Im Freileben ist das Frankolin-Huhn nicht besonders scheu. Ich habe es am 
unteren Terter in jenen von Tamarix bestandenen Ebenen, in welchen hie und da ver- 
wilderte Gärten und kleine Grundstücke gelegen sind, angetroffen, und zwar auch im 
Herbste in einzelnen Paaren. Es war ein nebeliger Oktobermorgen. In der Nähe eines 
Mühlenbaches und der Mühle selbst liefen mehrere Paare im Tumarix-Gebüsche, liessen 
nahe an und flogen nur kurze Strecken gerade aus, dabei das tor-tör ausstossend. Gerne 
sucht der Vogel, wo er ungestört leben kann, die halbverwilderten Gartenanlagen, nahe 
den Ansiedelungen auf. Bei Shir-ali-chan, oberhalb Mingetschaur, hoben wir ihn aus 
den Stangenbohnen und den hohen Burianbeständen, in denen namentlich Malva Ihu- 
ringiaca bis zu 1 Faden Höhe herangeschossen war. Gleich dem Phasanen sucht er 
die dichten Jongeln, welche weite Strecken die beiderseitigen Kuraflachufer bestehen, 
auf, weil er hier Schutz vor den Habichten findet. Hier aber begegnet ihm ein anderer 
Feind, nämlich Felis cato-lynx, der diese Gebiete häufig bewohnt. Diese Jongeln werden 
von Palhurus, wilden Granaten, Eleagnus, Rhammus und 8—9' hohen Tamarix gebildet, 
welche von Rubus fruticosus und Smilax aspera ganz undurchdringlich gemacht werden. 
Kura abwärts ist das Frankolin namentlich häufig auf linkem Ufer von Mingetschaur bis 
zur Goktschai-Station, welche letztere schon weit ab von der Kura gelegen ist. An 
eben diesen Lokalitäten leben auch Phasanen und Feldhühner, die beide hier aber 
weniger häufig sind. Vom Gebirge, welches man von Ach-su bis Schemacha zu er- 
steigen hat, bleibt das Frankolin-Huhn vollständig ausgeschlossen. Dagegen sind hier 
auf den bebuschten Höhen Phasanen, Steinhühner und höher auch Feldhühner häufig. 
Auf die freie Absynthium-Steppe geht das Frankolin nur ungern, ebenso vermeidet es 
die reinen Halophyten- und Alhagi-Gebiete,. wohl aber wagt es sich-früh Morgens und 
bei Sonnenuntergang aus dem dichten Strauchwerke der Kura-Niederungen auf die 
Lichtungen. Wo es viel beunruhigt wird, bleibt es wild. Bei Störungen streckt es den 
Hals schräge nach vorne und hebt den Kopf hoch. In dieser Stellung rennt es un- 
glaublich schnell und gerade, fliegt dann auf, ganz in der Art der Feldhühner, die 
Männchen machen hohe Sprünge, nach dem Einfallen rennt es abermals weit fort. Ohne 
Hund ist der Vogel schwer zu finden und kaum zu stellen. Meistens konnten wir uns 
nur auf 120—150 Schritte ihm nähern und kamen nicht zu Schusse. In den Magen 
der Anfang November erlegten Exemplare fanden sich bei einem der Vögel fast nur die 


Attagen francolinus. — Phasianus colchicus. 367 


Blätter von Veronica agrestis, bei anderen allerlei Grasspitzen und Weintraubensamen 
nebst einigen Weizenkörnern. 

Im Gefangenleben bleibt der Vogel sehr scheu. Länger als zwei Jahre habe 
ich ihn bei Hirse und allerlei Sämereien nicht erhalten können. Gerne nimmt er Salat 
und verschiedenes Grünzeug. Man thut gut, ihm Strauchwerk zum Verstecke zu geben, 
auch wühlt er sich gerne nach Art der Hühner tief in den Sand. Mit den Phasanen 
lebte er in Frieden in derselben Voliere, bäumte niemals und gewöhnte sich nicht an 
den Wächter. 


231. Phasianus colchieus L. 
Russisch: Madsharski Petuch, d. h. Hahn von Madhar, von dem Orte Madshar an der Kuma schon 
durch Pallas gekannt — auch Fasan, welche letztere Benennung allgemein ist. 

Persisch: Kargowal und Gargaul. 

Georgisch: Chochobi. 

Armenisch: Fasian. 

Systematisches. 
Die bei Lenkoran geschossenen Phasanen hatten die Tragfedern im goldgelben 

Fond bisweilen ein wenig heller, als die bei Tiflis erhaltenen Vögel, übrigens stimmten 
sie aber vollkommen überein. Ganz alte Männchen von der Insel Sari besitzen die 
Ohrenfedern bis über einen Zoll verlängert, so dass sie fast als zweigehörnt erscheinen, 
wenn der Mann in der Aufregung das Gefieder stramm anzieht und sich diese Ohren- 
federn hoch abheben. Bei solchen alten Männchen erreichen die mittleren Schwanz- 
federn zwei Fuss Länge. Die Mauser der Männchen zieht sich bis Ende November 
hin. Zwei am 14. / 26. November in Tiflis erhaltene Männchen hatten die Mauser an 
der Brust noch nicht ganz vollendet, sogar einzelne Federspulen blutgefüllt. Ganz alte 
Männchen tragen den Sporn bis zolllang. Die Phasanen vom Alasan gelten für stärker, 
als die von Tiflis. Im Allgemeinen steht fest, dass man in stark beschossenen Ge- 
bieten natürlich die recht alten Vögel nur selten antrifft und meistens es nur mit kaum 
erwachsenen Vögeln zu thun hat. Die Insel Sarı im Caspi, auf welcher die Phasanen 
geschont werden, hat die stärksten Vögel. Den von Severzow*) als Phasianus per- 
sicus von Ph. colchicus getrennten Vogel, vom südlichen Caspi, habe ich in meinem 
Reisegebiete nicht gefunden. Die Unterschiede sollen in hellerer oberer Flügelseite und 
in engerer gebogener Brustzeichnung liegen. Die Eier messe ich: Höhenaxe 47, Breiten- 
axe 35 mm, die gelbbräunliche Fleckung ist nur gering. Am 2./14. Juni gab es bei 
Mingetschaur die ersten Phasanen-Küchlein. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Höher als im Mittel von 2500° über dem Meere wird man den Phasanen im 
gesammten Kaukasus wohl nur selten und ausnahmsweise nachweisen können, es sei 
denn, dass er sich in dem mir unbekannten im Steppengebiete gelegenen Beschtan im 
Sommer allenfalls zum Brüten noch ein wenig höher begiebt, oder an einzelnen, 
weiter unten von mir angeführten Lokalitäten, die besonders günstig gelegen sind, 
auch im Winter noch in etwas bedeutenderen Meereshöhen verbleibt. Bogdanow**) 


*) Joumal für Omithologie 1875, pag. 225. 
*#*) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 143, Nr. 200. . 


368 ; Phasianus colchieus. 


giebt die mittlere Verbreitungshöhe für den Phasan zu 1000 Meter an. Nach M&ne- 
tries*) verlässt er das Gebirge im Herbste und zieht in die Steppen zum Ueberwintern. 
Ich basire meine Höhenangabe darauf, dass mit der absoluten Erhebung der Suram- 
Ebene, also im Mittel nur 2200‘, das Vorkommen des Phasanes im Kurathale gegen- 
wärtig seinen Abschluss nach Westen findet. Oberhalb der sogenannten Engschlucht 
von Borshom ist bei Azkur und Achalzich niemals ein Phasan beobachtet worden. 
Einen zweiten Beobachtungsplatz über das Vorkommen des Phasanes an den höchst- 
gelegenen Stellen seines Vorkommens bieten die Umgegenden Nuchas (2300‘) und die 
von Schemacha. Bei dem Dorfe Iwanowka 2770‘ bei der Poststation Scharadiskaja und 
bei dem Dorfe Kusch-Engidsha (2767 und sogar 2952‘) sind Phasanen im Winter ge- 
schossen worden. In jener Ebene, welche man, um nach Nucha zu gelangen, durch- 
reisen muss und welche vom unteren Alasan und der Kura an zwei Seiten umgrenzt 
wird, ist der Vogel noch sehr häufig und brütet auch. Alle anderen Lokalitäten im 
Kurathale, an denen ich Phasanen erkundete oder sah, liegen tiefer. Das hohe Vor- 
kommen des Vogels auf dem Wege von Ach-su nach Schemacha mag sich mit durch 
die günstige Exposition dieser Gegend gegen Süden erklären lassen. Im Lenkoran’schen 
Tieflande setzen ihm die dichten Laubholzwälder, nicht aber die Meereshöhe Grenzen. 
Er meidet die ersteren sorgfältig. Dasselbe findet auch im Riongebiete, dem eigent- 
lichen Vaterlande des Vogels, dem er seinen Namen verdankt, statt. Wo hier weitere 
Lichtungen, namentlich jongelartige Strauchbestände, recht dicht verwebte, von Smelax 
und (lematis durchsetzte Unterhölzer sind, da wohnt der Phasan gerne. Den Hoch- 
wald, jetzt schon vielerorts auf die Gebirgsgehänge zurückgedrängt, meidet er; so traf 
ich ihn auch erst mit dem Austritte aus der Ingurschlucht bei dem Orte Dshwari und 
hier immer nur als Seltenheit. Am unteren Terek, Sulak und Kuban sowie in der 
Uferzone des Caspi wird er Rohrbewohner und findet sich als solcher auch im Wolga- 
delta, wo er namentlich unterhalb von Astrachan sich aufhält und nach Bogdanow **) 
auch einigemale oberhalb dieser Stadt erlest wurde. In keines der drei mingrelischen 
Längenhochthäler steigt der Phasan, sie sind durch die vorlagernden Kreidegebirge ver- 
riegelt, die beiden oberen (Swanien) auch an sich zu hoch; aber im oberen Rionthale 
giebt es viele ihm passende Lokalitäten, welche die Meereshöhe von 2400‘ nicht 
erreichen, und doch fehlt der Vogel dort ganz, weil eben die vorlagernde Gebirgskette 
das obere Thal förmlich abschliesst. In den südlichen Querthälern des Grossen Kau- 
kasus ist er oberhalb Gori in der Liachwa-Ebene bereits sehr selten, dagegen an dem 
Unterlaufe der Ksanka noch häufig. Mit dem Eintritte in die Suram-Ebene hat er sich 
gegenwärtig nur noch bei Gorigoreb in den Niederungen des dort fliessenden Baches 
als Seltenheit erhalten. In dieser Ebene war er vor 30—40 Jahren noch recht häufig, 
ist jetzt aber fast ganz ausgerottet. Gleiches gilt auch vom Rion- und Quirila-Gebiete, 
oberhalb Kutais, dort war der Phasan vor 50 Jahren im Scharopanschen Kreise so 
gemein, dass er oft mit Stöcken erschlagen werden konnte, jetzt ist er selten. Im 
Thale der Aragwa kommt er auf den Gütern des Fürsten Muchransky, unweit von 
der Station Zilkani vor und wird hier strenge geschont. In neuester Zeit soll der 
Phasan sich Aragwa aufwärts verbreitet haben, in dem unterhalb von Ananur links zur 


*) Catalogue raisonne, pag. 47, Nr. 140. 
5 pag \ 
**) Säugethiere und Vögel der mittleren und unteren Wolga (russ.), pag. 126. 


Phasianus colchicus. 369 


Aragwa einmündenden Dshiwan’schen Thale hat er sich festgesetzt, dort giebt es viele 
Hippophaö-Gebüsche. Im unteren Joralaufe erreicht er die Ebene von Tioneti nicht, 
ist aber bei Muchrawan erlegt worden. In Kachetien folgt er aufwärts dem Alasan bis 
fast zu dessen Hervortreten aus enger Schlucht und seiner Wendung gegen SO. Schon 
bei den Dörfern Matanı und Achmet wurde der Phasan, als selten vorkommend, mir 
genannt. Die Tifliser Basar-Phasanen kommen grösstentheils aus Kachetien und aus 
den Umgegenden von Sakatali und Elisabethpol, nur wenige aus Imeretien. Abwärts 
die Kura findet man ihn überall, wo jongelartige Vegetation und Gartenanlagen in 
tatarischer Manier in der Nähe des Wassers gedeihen, am liebsten bewohnt er die 
Inseln. Viele Phasanen gab es an dem Gebirge, welches man ersteigen muss, um von 
Ach-su nach Schemacha zu kommen, hier lebt der Vogel mit dem Steinhuhn an den- 
selben Lokalitäten. Diese Höhen tragen zum Theile Buschwald, zum Theile sind sie 
beackert und ernähren überall eine üppige, artenreiche Flora mit hohen Centaureen etc. 
Sie sind frei gegen Süden gekehrt und das Alles behagt dem Vogel, der in den nahen 
Thälern auch Wasser findet. So oft ich diesen Weg zurücklegte, habe ich Phasanen 
zu -Gesichte bekommen, aber fast immer auch das Gackern der Steinhühner vernommen. 
Im Araxes-Thale findet man ihn als Rohrbewohner erst östlich vom Durchbruche der 
Karabagher-Gebirge. Oberhalb desselben habe ich nichts vom Phasanen gehört, so z. B. 
bei Eriwan, Nachitschewan und Ordubad. Dagegen findet er sich von Dshewat den 
Araxes aufwärts bis zum Östfusse des erwähnten Gebirges. Die ariden Steppen oder 
gar die wasserlosen Wüstenstrecken vermeidet er ebenso wie den Hochwald. Dem- 
gemäss ist auch seine Verbreitung am Westufer des Caspi und im Araxes-Thale strich- 
weise unterbrochen und lebt er nur dann in den unfruchtbaren Steppenpartien, wenn 
Rohr in der Nähe der trägen Flussläufe steht. Während er in den Niederungen von 
Talysch aufwärts über Kumbaschinsk und in der südlichen Rand-Zone der Mugan mehr 
oder weniger häufig zu finden ist, fehlt er gegen Norden dem kahlen, heissen und zum 
Theile wasserlosen Littoral des Caspi, so auch den Umgegenden von Baku und der 
Halbinsel Apscheron. Bei Lenkoran haben ihn die Jäger fast schon ausgerottet und 
der Vogel preist dort bereits bis zu einem Rubel. In den Umgegenden Kubas und 
Derbents ist der Phasan ein häufiger Vogel und in den Niederungen des Sulak und 
Terek, wo er abermals Bewohner ausgedehnter Rohrbestände wird, ist er gemein. Auf 
der Insel Sari, südlich vom Kysyl-agatsch-Busen im Caspi gelegen, wurden vor circa 
30 Jahren durch einen Regimentskommandeur Phasanen angesiedelt und gediehen 
dort vortrefflich. Schon 1866, als ich diese Insel durchwanderte, war der Vogel dort 
durch zu starkes Abschiessen seltener geworden, doch hat ihm der Arendator dieser 
Insel später Schutz gewährt und so ist jetzt die Zahl der Phasanen auf Sari wieder 
recht bedeutend gestiegen. Hier fehlt das lästige Raubzeug, namentlich Fels 
catolynz. 

An der Nordseite des Grossen Kaukasus ist er in der Nähe der beiden Haupt- 
fAlussbetten, Terek und Kuban, vielerorts sehr gemein, überschreitet auch die niedrige, 
südliche Wasserscheide zwischen den Zuflüssen des Terek und der Kuma, da er bei 
Georgiewsk vorkommt und findet sich in der Basalzone des Beschtau. Die Kuma weist 
dem Vogel bis zum Meere die Grenze seiner Verbreitung gegen Norden an. Schon 
Pallas, welcher den Vogel nicht allein in der russischen Benennung Fasan, sondern 

B.adde, Ornis caucasica. 47 


370 Phasianus colchicus. 


auch als Madsharski Petuch, d. h. Hahn von Madshar aufführt, kannte ihn von dort 
her. Dieser Ort, ehemals eine tatarische Stadt auf linker Kuma-Seite, liest ungefähr 
unter 45° n. Br. bei 62 östl. Länge von Ferro und ist jetzt sehr unbedeutend. Zur Zeit 
der Kaiserin Katharina sendete man von dort her Wein an den Hof und nannte, da. 
man denselben dem Burgunder ähnlich fand, den Platz: Burgony-Madshari. 


Ich erbielt von Herrn Dinnik aus Stawropol vor wenigen Tagen (Mai 1883, 
als ich hier das Manuscript zum Drucke umschrieb) Nachrichten über das Vorkommen 
des Phasanen in der dortigen Gegend und lasse diese hier wörtlich folgen: „Nur in 
dem östlichen Theile des Gouvernements Stawropol leben Phasanen und zwar dem 
Kuma-Flusse entlang bis zum Caspischen Meere und südlich von der Kuma, d.h. im 
Gebiete der Edissanskischen-, der Edischkulskischen- und der Kara-Nogaier. An der- 
Kuma beginnt der Phasan bei dem Dorfe Obilnoe (unweit von Georgiewsk), ist häufig 
bei Soldato-Alexandrowsk, Priwolnoe, Prawokumsk, Pokoinoe, Wladimirowsk, Soldatskoe- 
und bis zum Meere. Hier findet man ihn bei dem Anlegeplatz Serebrjakowsk und soll 
er, wie.man sagt, sich auch im Astrachanischen Gebiete finden. Von dem Dorfe Sol- 
datskoe aus kann man den Phasanen auch in den Steppen der Triuchmenen verfolgen. 
Häufig ist er in dem ganzen Gebiete südlich von der Kuma bis zur Terekgebiet-Grenze 
in-den sumpfigen Kara-Nogaizen-Landen. Den Flusssystemen des Jegorlyk, Kalaus, 
Buiwoloi und Karamyk fehlt der Phasan ganz“. 

Endlich erhielt ich auch genaue Nachrichten über den Phasan durch den Chef 
des Schwarzen Meer-Bezirkes, Obersten Nikiforaki vom unteren Kuban und der Ost- 
küste des Schwarzen Meeres. Nach diesen ist der Phasan von Anapa bis in die 
Gegend von Adler stellenweise recht häufig, so namentlich bei Dshuba und auf den 
Gütern Se. Kaiserl. Hoheit des Grossfürsten Michail Nicolajewitschh Hier liess man ihm 
mehrere Jahre lang Schutz zu Theil werden, was die allerbesten Folgen hatte, ja zu 
Klagen veranlasste, da die vielen Phasanen dem Getreide Schaden machten. Weiterhin, 
die Küste abwärts, wird der Vogel seltener und aut der kurzen Strecke von Adler bis 
in das Gebiet von Suchum ist er nicht nachgewiesen worden. Im Kuban-Delta soll er 
sich schon unweit von Temrjuk finden und tiefer landeinwärts gemein sein. 


Nachts ist es der Uhu, welcher dem bäumenden Phasanen feindlich ist. Fuchs 
(immer hier Canis melanotus Pall) und Schakal beschleichen ihn am Boden, am Tage 
holt ihn der Edelfalke und auch Astur pahımbarius, der Hühnerhabicht. Letzterer ist 
auch der in Transkaukasien und in Gilan allein zur Jagd gebräuchliche. Er schlägt 
den Phasanen selten in der Luft, sondern verfolgt ihn nur, bis dieser geängstigt einfällt 
und sich versteckt. Dann setzt sich der Habicht auf’s nahe Gesträuch oder auf einen 
Baum. Der Jäger kommt mit dem Hunde und dieser findet den geängstigten Vogel 
sehr bald. Ist er ein altes Männchen, so hebt er sich wohl zum zweiten Male, aber 
jüngere Vögel sind so furchtsam, dass sie sich nicht rühren und sogar lebendig 
ergriffen werden können. Oft auch wacht auf dem Baume ein wilder Habicht über 
einen am Boden versteckten Phasanen und schreit dabei unaufhörlich; ein Zeichen für 
den sachkundigen Jäger, welcher dann mit dem Vorsteher leicht den Vogel hebt und 
ihn erlegt. Der grösste Feind des Phasanen aber im Freileben in Transkaukasien ist 
Felis caltolyn« (chaus), welcher die Jongeln ebenfalls bewohnt und strichweise sich 
vormehmlich von Phasanen ernährt. Diese Katze und die unverantwortliche Vernichtung: 


Phasianus colchicus. BYBI 


durch Gewehr und Falkenjagd haben den schönen Vogel in manchen Gebieten seines 
früheren Vorkommens bereits ausgerottet, in anderen ihn zur Seltenheit gemacht. Die 
Marktpreise in Tiflis steigen jetzt schon bis auf über zwei Rubel für das Paar, vor 
20 Jahren konnte man sie A 60— 80 Kop. das Paar kaufen. Das systematische Ver- 
nichten im Winter in den Steppen des mittleren Terek- und Kuban-Laufes wird auch 
dort bald den Vogel zur Seltenheit machen, um so mehr, als er hier durch schwere, 
schneereiche Winter bisweilen ohnedies hart mitgenommen wird. In früheren Jahren 
kamen nach Tiflis um die Weihnachtszeit regelmässig grosse deutsche Wagen, soge- 
nannte Furgonne, vollgeladen mit Phasanen und Feldhühnern, welche aus den Kosaken- 
'stanizen oben genannter Flusssysteme stammten und durch Massenvertilgung natürlich 
beschafft worden waren. Jetzt gehen diese Transporte per Eisenbahn nach Russland. 
Trotz der grossen Eierzahl (bei Mingetschaur waren von einer Brut 18 kleine Phasanen 
schon Ende Mai erstanden). die das Weibchen legt, wird der Vogel doch in nicht gar 
zu langer Zeit eine Seltenheit werden, vielleicht sogar ganz ausgerottet sein. 

Von allen Beeren ist die sogenannte Oblepicha der Russen (Hrppophae rhamno- 
des L.), die in Sibirien auch im menschlichen Haushalte eine bedeutende Rolle spielt, 
die Lieblingsfrucht des Vogels. Gerne nimmt er auch die Brombeeren und die ihr 
ähnlichen, in den Jongeln vornehmlich wachsenden von Rubus fruticosus, doch besteht 
seine Hauptnahrung aus kurz abgebissenen Grasspitzen. Im Freileben bäumt das 
Männchen gerne hoch (bei Lenkoran), das Weibchen folgt ihm. Im Karagas sucht der 
Vogel sich nicht sehr hohe Bäume zum Uebernächtigen auf, am liebsten, wenn sie im 
dichtesten Gebüsche stehen. Er lässt sich leicht beim Bäumen anschleichen, nur muss 
man ihm nicht das Gesicht zeigen. Es soll nicht selten sein, dass ein Männchen nicht 
in strenger Monogamie lebt. Oft hat man bei Lenkoran bei einem Hahne zwei, auch 
drei Hennen gesehen. Gleiches soll auch bisweilen bei den Steinhühnern vorkommen. 
Das eine der Weibchen ist aber die bevorzugtere und gewissermaassen die recht- 
mässige Gattin. Unter den Weibern herrscht in diesem Falle keine besondere Eifer- 
sucht; der Hahn befriedigt beide, aber er eilt stets nach der That mit der Concubine, 
die er scharf biss, zu seinem Eheweibe. Der Phasanenhahn ist zur Zeit der Balze der 
dümmste Vogel von der Welt. Er lässt sich dann mit einer gewöhnlichen Haushenne 
unglaublich anführen und sogar lebendig ergreifen. Die Jäger in Lenkoran erzählen 
darüber Folgendes: Man nimmt zur richtigen Zeit eine gewöhnliche Haushenne und 
begiebt sich mit ihr am besten an den Waldrand, wo Phasanen balzen. Der Henne 
sind die Augenlider zugenäht, damit sie nicht sehe. Man legt sie vor einen Versteck, 
z. B. vor eine dicke Eiche, vor ein Gebüsch etc. und hockt sich dahinter. Die furcht- 
same Henne sitzt still, mit einem Stöckchen reizt man sie, sie schlägt mit den Flügeln. 
Dieses Geräusch hört der Hahn und geht ihm sofort nach. Man wiederholt das 
Experiment mit der Henne und sehr bald kommt der Hahn aus dem nahen Gebüsche 
hervor, man kommt dann sehr leicht zu Schusse. Wenn im Frühlinge die Bewohner 
der Tiefländer die Dörfer verlassen und auf die Hochweiden in’s Gebirge ziehen, so 
sucht der Phasan gerne die Aschenplätze in den Dörfern auf und liebt es nach Art 
der Hühner sich in die Asche hineinzuwühlen, gewissermaassen sich in ihr zu baden. 
An solchen Stellen streut man Weizen. um ihn zu gewöhnen und später wird er dann 


mit dem Stellnetze gefangen. 
47 * 


32 Phasianus colchieus. 


Im Gefangenleben hält der Vogel sich in einigermaassen geräumigen Volieren 
vortreflich bei Hirse, Weizen und diversen, nicht öligen Sämereien. Regelmässig 
bäumt er (niedrige Querhölzer oder Astwerk einer Tanne) zum Schlafen. Ausser dem 
leisen truk-truk lassen die Hähne Anfangs Mai auch in der Gefangenschaft den lauten 
Balzton erschallen, der in Bezug auf Rauheit und Tiefe am ehesten an den Ruf der 
Cochinchina-Hähne erinnert, aber nur zweisilbig ist. Die Hähne vertragen sich im 
Gefangenleben bei mir vortrefflich, freilich sind sie ohne Henne. Sie sind viel leichter 
zu zähmen, als die Frankolins, aber so recht zutraulich werden sie doch nicht. In 
Ermangelung einer gesetzlichen Lebensgefährtin schloss sich einer meiner Phasanen 
so sehr intim an ein Steinhuhnweibchen, dass die Trennung geboten schien, da der 
Eifer des Phasanen sicher die Henne getödtet hätte. 


Grallae. 373 


Ordo IX. 


Grallae 


Allgemeine Vorbemerkungen. 


Ein flüchtiger Blick auf das Verzeichniss meiner Stelzer wird Jedermann darüber 
belehren, dass wir es auf dem Isthmus auch in dieser artenreichen Ordnung vornehmlich 
mit europäischen Spezies zu thun haben, dass die Zugzeit uns die meisten nordischen 
Arten für kurze Zeit stellt, dass ein grosser Theil von diesen in den Tiefländern, 
namentlich im südwestlichen Winkel des Caspi überwintert und dass nur als Ausnahme 
nordostafrikanische und indische Spezies die südlichsten Grenzen unseres Gebietes be- 
rühren. Wollen wir nach und nach die Unterabtheilungen und ihre Artenhestände 
mustern und die der Nachbarfaunen Asiens und Europas vergleichend zur Seite stellen! 

Aus der Unterordnung der Gallinagograllae habe ich im Kaukasus zwölf Spezies 
kennen gelernt. Die Wasserhühner kommen alle vor, die beiden kleinsten Ortygometra- 
Arten am seltensten. Diese fehlen denn auch der persischen Ornis, ich glaube aber, 
dass sie nur übersehen wurden, denn es liegt kein Grund dazu vor, zu behaupten, dass 
OÖ. Bailloni und ©. minuta dem Gilanischen Tiefande fehlen sollten, wenn wir sie, 
freilich nur selten, in nächster Nachbarschaft im Talyscher Tieflande fanden. Die 
Rallidae Blanfords für Persien sind in 7 Arten vertreten, wobei Porphyrio neglectus 
Schleg. von Porphyrio veterum S. @. Gmel. getrennt wird. Ich trenne dagegen 
Porphyrio hyacinthinus Temm. von P. veterum S. G. Gmel. axtlich und führe, obschon 
ersteres Wasserhuhn gar nicht im Kaukasus vorkommt, acht Ralliden aus meinem 
Faunengebiete auf, die beiden vorher erwähnten kleinen Ortygometra-Arten bedingen 
den Zuwachs an Arten. Turkestan besitzt im Wesentlichen ganz dieselben Elemente, 
dort aber fehlt Porphyrio, es sind also auch von dort her nur 7 Ralliden bekannt ge- 
worden. Das Verbreitungsgebiet des schönen Sultanhuhnes, wie man hier Porphyrio 
velerum nennt, ist ein durchaus beschränktes. Ich darf mit ziemlicher Gewissheit be- 
haupten, dass es an der Nordseite des Grossen Kaukasus wahrscheinlich nirgends, 
weder im Delta des Terek, noch in dem des Kuban vorkomme, es fehlen uns nämlich 
aus neuerer Zeit die Bestätigungen für das Vorkommen des Vogels von dort her, wie 


374 Grallae. 


solches von Pallas und Nordmann angegeben wird. Auch die Phasismündung 
besitzt den Vogel nicht. Ueber die Rohrdickichte der Akuscha und unteren Kura geht 
diese Art nicht hinaus und hält mit dem Königstiger genau dieselbe Grenze gegen 
Norden am Westufer des Caspi ein. Es findet sich aber wieder an der unteren Wolga. 

Die Scolopaciden im engeren Sinne des Wortes sind in Europa, im Kaukasus 
und in Persien nur in den vier gewöhnlichen Arten vertreten. Turkestan besitzt die 
südasiatische Scolopax solitaria und macht Severzow auch eine ganze Reihe von 
Varietäten der gemeinen Bekassine namhaft. Zwei Fakta über diese Vögel sind im 
Kaukasus von besonderem Interesse. Erstens: Es brüten, mit Ausnahme von Phrlolimnos 
gallinula, die drei anderen hier zu Lande und zwar die Bekassine und Doppelschnepfe 
in den Hochnmooren, in einer Höhe von 5—7000' über dem Meere gelegen, und die 
Waldschnepfe in bedeutend geringerer Höhe in den Wäldern. Zweitens: Alle, mit 
Ausnahme von Telmatias major, überwintern und zwar in Menge in dem Caspischen- 
und Rion-Tieflande und die Bekassine sogar, wenn auch nicht häufig, höher, sogar ver- 
einzelt in milden Wintern auf dem armenischen Hochlande. 

Die zweite Gruppe, "welche sich aus den Kranichen, Störchen, Reihern, 
Löffelreihern und Ibis-Arten zusammensetzt und die man mit dem gemeinsamen Namen 
der Herodionen bezeichnet, ist in unserem Gebiete sehr stark vertreten. Ich führe 18 
Arten auf und muss bemerken, dass das Vorkommen von Grus Antigone vollständig, 
das von Ibis religiosa wahrscheinlich garantirt ist. Ganz abgeschen von der Autorität 
Pallas, welcher ich stets vollsten Glauben schenke, haben meine Erkundigungen die 
Existenz beider Vögel für das Westufer des Caspi dargethan. Ich verweise in dieser 
Hinsicht auf den Spezialtext. Grus leucogeranus weise ich für Astara selbst nach. 
Persien fehlen 3 Kraniche, Blanford hat von dorther nur den gewöhnlichen grauen 
Kranich nachgewiesen, im Uebrigen sind die anderen Arten vorhanden und wir erhalten 
aus dieser Gruppe dort die Gesammt-Artenzahl zu 15 erwähnt. Aermer noch ist Tur- 
kestan, es fehlen ihm die kleinen Reiherarten gänzlich und ausserdem auch Grus An- 
tigone und der Ibis, somit schmilzt dort die Artenzahl auf 13 zusammen. Dieser Reich- 
thum unseres Gebietes an den grossen Stelzern beginnt bereits in Ost-Europa; die 
untere Donau, namentlich die Dobrudscha, besitzt bereits alle Reiherarten in Menge. 
Die Krimm ist in ihren Flusssystemen zu gering und wird von den Reihern nur wenig 
besucht. Diese lieben die Einsamkeiten grosser Stromdeltas mit. ihren Rohrsümpfen und 
unzugänglichen Brutplätzen, wie sie Kuban und Terek, Kura und das Caspische Tiefland 
besitzen. Der Rion kommt in dieser Hinsicht den anderen kaukasischen Strömen nicht 
gleich, er ist viel ärmer, zwar nicht an Arten, aber an Individuenzahl. 

In den Gattungen Otis und Oedienemus aus der grossen Unterabtheilung der 
Grallae halten sich in Bezug auf Spezieszahl die drei Gebiete: Kaukasus, Persien und 
Turkestan das Gleichgewicht. Auch die Regenpfeifer nehmen im Kaukasus nur um 
eine Art, die während des Zuges erlegt wurde, zu, im Uebrigen sind sie in allen drei 
Gebieten ganz identisch und stehen in ihnen mit 8 Arten verzeichnet. Diese 9. Art 
ist Charadrius fulvus Gml., welcher Lenkoran berührt. Hier ist noch zu bemerken, dass 
der von Blanford erwähnte Aegialites intermedius Mntr., nach dessen Original-Exemplar 
im Petersburger Museum der Kaiserl. Akademie der Wissenschaften durch Bogdanow 
untersucht, sich nur als Aeg. minor erwies. Auch die Vanellus-Arten halten sich im 
Kaukasus und in Turkestan die Wage, da es mir gelang Chettusia lexucura hier nach- 


Grallae. a) 


zuweisen. Persien fehlt auffallenderweise Chettusia gregaria. Bis zu den umfangreichen 
Gruppen der Tringa- und Totanus-Arten formt sich die Ornis der drei Gebiete folgen- 
dermaassen: 


Kaukasus. Persien. Turkestan. 
‚Strepsilas interpres L. ebenfalls. ebenfalls. 
Glareola pratincola L. ebenfalls. ebenfalls. 
Glareola Nordmanni Fisch. fehlt. fehlt. 
Cursorius europaeus Lath. ebenfalls. fehlt. 
Haematopus ostralegus L. ebenfalls. ebenfalls. 
Recurvirostra avocetta L. ebenfalls. ebenfalls. 
Hypsibates himantopus L. ebenfalls. ebenfalls. 
Phalaropus cinereus Briss. ebenfalls. ebenfalls. 
fehlt. Phalaropus fulicarius. L. fehlt. 
fehlt. Hoplopterus spinosus. L. fehlt. 
fehlt. Lobivanellus indieus. Bgd. fehlt. 
fehlt. fehlt. Faleirostra Struthersi Gould. 
fehlt. fehlt. Faleirostra Kaufmanni Sev. 
8 Arten: europäische. 10 Arten, davon 2 nur in 8 Arten, davon zwei eigen- 
Südpersien. thümlich. 


Miserabel sind in allen drei Gebieten die Tringen mit Einschluss von Caldris 
und Machetes vertreten. Es fehlen uns die nordischen und die oceanischen Strand- 
formen. Turkestan und der Kaukasus stimmen in den Arten genau überein, beide 
Gebiete besitzen ausser Machetes und Calidris nur die vier kleinen Tringa-Arten, 
nämlich 7. alpina L., T. subarguata Güld., T. minuta Leisl. und T. Temmincki Leisl. 
In Persien finden sich ebenfalls nur 6 Vögel dieser Gruppe, aber dort tritt an Stelle 
von 7. Temmincki Limicola platyrhyncha, doch nur als Wintervogel am südlichen Ufer 
des persischen Golfes. 

Auch die Totanus-Arten mit Einschluss von Actitis hypoleucos, alle nur Europäer, 
sind in den drei Ländern in gleicher Spezies-Anzahl vertreten; denn, wenngleich 
Blanford für Persien 7. glottis nicht namihaft macht und 7. fuscus nur nach Pallas 
aufführt, so unterliegt es doch nicht dem geringsten Zweifel, dass beide Spezies während 
des Zuges Massenderan besuchen, da ich sie wiederholentlich bei Lenkoran fand. In 
allen drei Gebieten finden wir nur 7 europäische Totanus-Arten. In den Gattungen 
Limosa und Numenius tritt die Ornis Turkestans bedeutend zurück gegen die 
Persiens und des Kaukasus, denn von dorther sind nur L. melanura Leisl. und N. 
arquatus L. bekannt. Persien und der Kaukasus stehen sich hier gleich stark in den 
Arten gegenüber, sie besitzen je 2 Limosa-, 2 Numenius-Arten und die kleine Terekia 
eineren. 

Summiren wir nun aus diesen Untergruppen der Grallae die numerischen 
Artenwerthe, so stellt sich heraus, dass der Kaukasus 42 Arten, Persien 41 und Tur- 
kestan 38 Arten besitzen. Die Gesammtzahl aber aller Stelzer für die betreffenden 
drei Gebiete ergiebt sich zu: 

Kaukasus. Persien. Turkestan. 


72 Arten. 67 Arten. 63 Arten. 


376 Crex pratensis. — Ortygometra porzana. 


Subordo I. 
Gallinagograllae. 


232. Crex pratensis Bechst. 
Russisch: Korostel. 
Tatarisch: Tartar. 
Georgisch: Galga. 
Systematisches. 
Die oftmals bei Tiflis, bei Lenkoran und auf der Insel Sari erlegten Exemplare 
stimmen alle genau mit Europäern überein, die gesammelten Eier dieser Art unterscheiden 
sich von denen europäischer Vögel ebenfalls nicht. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Gleich der Wachtel, mit welcher der Wachtelkönig im Frühjahre zu gleicher 
Zeit, oder doch nur wenig später ankommt, nimmt er die breite Vertikal-Zone in einer 
Höhe von O bis nahezu 8000‘ über dem Meere ein und bewohnt, wenn auch seltener, 
als in den Tiefländern, überall im Gebirge an den Grenzen der Kultur die höchst- 
gelegenen Gerstenfelder. An solchen hohen Orten lockte er noch im Juli und zwar 
auch mitten in der Nacht. So hörte ich ihn am 3. / 15. — 4. / 16. Juli 1864 bei Jibi- 
ani im Freien-Swanien in einer Höhe von 7200‘. Bei Pari und Laschketi, welche Orte 4600‘ 
und 4200‘ über dem Meere liegen, war er in den Saaten schon recht häufig, da er sich Abends 
von allen Seiten her hören liess. Nicht weniger häufig fand ich ihn an der Insel Sari 
im Caspi (Westufer), wo er von mir mehrfach erlegt wurde. Im Vergleiche zu den 
Wachteln, die auch mit trockenerem Terrain vorlieb nehmen, bevorzugt Orex die feuch- 
teren Stellen und trifft im Frühlinge gemeinlich erst nach stärkerem Regenwetter ein. 
Während des Wachtelzuges ist er ein gemeiner Basar-Vogel, sowohl im Frühlinge, als 
auch im Herbste und lobt man ihn (obgleich ausserordentlich schmalbrüstig) seines 
schmackhaften Bratens halber. Es scheint, dass der Vogel in Persien selten wird, da 
ihn de Filippi gar nicht erwähnt und Blanford*) nur von einem Exemplar spricht, 
welches wahrscheinlich bei Teheran erstanden wurde. Auf dem Goktschai-Plateau ist 
der Wachtelkönig ebenfalls schon selten, bewohnt aber das heisse Araxes-Thal ip 
grosser Zahl. 


233. Ortygometra porzana L. 


Russisch: Balotnaja Kurotschka, d. h. Sumpfhühnchen. 


Systematisches. 
Zehn Vögel dieser Art, welche im März und April bei Lenkoran und zwei 
andere, die im Mai bei Tiflis erlegt wurden, stimmen mit Europäern vollkommen überein. 


*) Blanford, Eastern Persia, Vol. II, pag. 288. 


ÖOrtygomatra porzana. — Ortygometra minuta. 377 


Lebensweise und Verbreitung. 

Bis auf die neueste Zeit war nur dieses Sumpfhuhn aus der Gruppe der Orty- 
gomelra-Arten im Kaukasus bekannt geworden und auch nur dieses wurde in Persien 
nachgewiesen. In der Krimm sind beide kleine Arten (O. minuta Pall. und O. Bail- 
doni Vieill) nicht selten. Neuerdings wurde O. minuta Pall. durch Bogdanow 
(l. e. pag. 146, Nr. 206) für den Terek bereits nachgewiesen und ich entdeckte die 3. 
Art in den Sümpfen von Lenkoran. Die ruhige Lebensweise dieser kleinen Vögel in 
den Verstecken der Carex- und Binsenstrecken des Sumpfterrains trägt dazu bei, dass 
sie leicht übersehen werden. Die hier in Rede stehende Art ist an passenden Lokali- 
täten gemein und kommt nicht selten auch in Tiflis zu Markte. Nach der Angabe der 
Jäger von Lenkoran leben die Oriygometra-Arten in den Sümpfen der Talyscher Nie- 
derung und bleiben daselbst bei gelindem Winter sesshaft. Es wurde als ein Vorzeichen 
strengen Winters 1879 angesehen, als ebensowohl die kleinen Wasserhühner, als äuch 
die Wachteln schon Mitte November fortzogen und wenig später hochnordische Arten, 
wie Bombyeilla ete., erschienen. Erst am 5./17. März wurde wieder ein Exemplar 
geschossen, dies war das erste; Ende März erschienen die Vögel häufiger und am 3. /15. 
April muss wohl der Hauptzug stattgehabt haben, weil sie sehr gemein waren. Am 
Goktschai-See kommt diese Art noch ziemlich häufig vor und brütet auch daselbst. 


234. Ortygometra minuta Pall. 
— 0. pusilla Bechst. 
—= 0. parva Scop. 


Systematisches. 

Ich besitze aus dem Kaukasus nur drei Exemplare dieser Art. Am 4. / 16. April 
wurde bei Lenkoran das erste Exemplar erlegst, ein Weibchen; es unterscheidet sich 
in keiner Weise von einem französischen Weibchen. Am 7. / 19. April erstanden wir 
ein Männchen; dieses hat nur sehr geringe, weisse Flecken auf den unteren Schwanz- 
decken. Endlich wurde ein typisches Weibchen bei Tiflis am 25. April / 7. Mai erbeutet. 


Die angegebenen Daten bezeichnen die Zugzeit des Vogels. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Von Bogdanow*) wurde diese Art für die Nordseite des Kaukasus aus der Ebene 
nachgewiesen, aber meine Fundorte im Talyscher Tieflande und bei Tiflis haben insofern ein 
besonderes Interesse, als dadurch der Anschluss an die Fundorte in Südasien einerseits und 
in Kleinasien andererseits gut vermittelt wird. Das Vorkommen bei Erzerum, welches 
Dikson und Ross konstatiren, also in Höhen von 6500‘, erlaubt den Schluss zu 
ziehen, dass dies kleine Wasserhuhn überall an den Seeen Hocharmeniens sich findet. 
Nach Herrn Grossmani’s Mittheilungen brütet diese Art am Goktschai-See. 


*) Bogdanow, Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 146, Nr. 206. 
*) Dresser, The birds etc., Parts. LXV, LXVI, 1878. 


Badde, Ornis3 caucasica. 48 


7 


378 


erlest. 
wurde. 


Ortygometra Bailloni. — Stagnicola chloropus. 


235. Ortygometra Bailloni Veill. 
— 0. pygmaea Naum. 


Systematisches. 
Am 7. /19. April wurde ein kleinwüchsiges Weibchen dieser Art bei Lenkoran 
Es ist dies das einzige Exemplar, welches bis jetzt im Kaukasus nachgewiesen 
Es stimmt mit mir vorliegenden Europäern vollständig überein. Ich gebe die- 


Maasse in Millimetern, weil der Vogel in der That auffallend klein ist. 


Weibchen. 
Totallänge  . . Re Re ln/0): 
Flügelbug bis Saite SR EN. ee el! 
Länge des Schwanzes . . ee male, 
Länge des Schnabels auf der te lo) 
Tarsusssn sn N a en ee 


Lebensweise und Verbreitung. 


Für den südlichen Ural und die Krimm bereits nachgewiesen, fehlten bis jetzt 


doch noch irgend welche Daten über das Vorkommen dieser Art in Kleinasien und im 
Kaukasus. Ich sollte meinen, dass bei gutem Absuchen sumpfiger Wiesen zur Zugzeit 
man dem Vögelchen öfter begegnen wird. 


236. Stagnicola chloropus L. 


Russisch: Balotnaja Kurixa, d. h. Sumpfhuhn. 
Georgisch: Sirinost. 


Systematisches. 
Junge und alte Vögel, welche bei Lenkoran und Tiflis erlegt wurden, sind 
=) {=} ’ oO ’ 


genau den europäischen gleich. Ein am 21. März / 2. April bei Tiflis erlegtes Männchen 
ist recht gross. Wohl finde ich an diesem im Vergleiche zum Vogel von Lenkoran 
Schnabel, Tarsus und Mittelzehe identisch, aber in der Gesammtgrösse übertrifft der 
Vogel aus Georgien jenen vom Caspi bedeutend. Ich messe den ersteren zu 310, den 
letzteren nur zu 270 mm Totallänge. 


Lebensweise und Verbreitung. 
Es ist wohl mit Sicherheit anzunehmen, obgleich dafür direkte Beobachtungen 


noch fehlen, dass das grünfüssige Wasserhuhn auch die Ufer und Sumpfstrecken der 
Armenischen Alpenseeen bewohnt und also in einer Höhe von mehr als 6000° über dem 
Meere Sommer- und Brutvogel ist*). Herr Grossmani, welcher längere Zeit in Nowo- 
Bajaset am Südufer des grossen Goktschai-Sees lebte, will es bei dem Platze Gilli am 
SO.-Ende des Sees gefunden haben. In den Tiefländern ist der Vogel an passenden 
Lokalitäten durchaus gemein und überwintert, wie das die im November und Dezember 
bei Lenkoran mehrmals erlegten Exemplare darthun. Bei Tiflis wurde das erste dieser 
Wasserhühner am 21. März / 2. April erlegt. 


Nr. 310. 


*) Blanford kennt die Art für Persien aus Höhen von 4000‘, vergl. Eastern Persia, Vol. I, pag. 288, 


Fulica atra. 379 


237. Fulica atra L. 
Persisch: Lisa, Lisucha. 
Tatarisch: Kaschkalda. 

Systematisches. 

Ich kann nur sagen, dass die kaukasischen Wasserhühner vollständig mit den 
europäischen übereinstimmen. Die vielen Eier, welche ich von Lenkoran mitbrachte, 
sind grösser, zum Theile bedeutend grösser, als die der europäischen Vögel, in der 
Färbung und Zeichnung kommen sie ihnen aber ganz gleich. Ich messe: 


Fulica atra L. 


Deutschland. Kaukasus. Talysch. 

normal. kleinstes. grösstes. 
Höhendurchmesser 49 2:54 61 
Breitendurchmesser 36 33 47 


Lebensweise und Verbreitung. 


Das Blässhuhn bewohnt an passenden Lokalitäten die breite Zone in einer 
Höhe von 0—7000' über dem Meere. In den Niederungen von Talysch ist es ausser- 
ordentlich gemein und überwintert dort zum grössten Theile. Man kann kleine Völker 
von S—15 Exemplaren beisammen sehen. Im Freileben gehen die kleinen Gesellschaften, 
nachdem sie Morgennahrung genommen, gerne auf die freien Wasserblänken und sitzen 
oft stundenlang ohne Bewegung nicht weit von einander im tiefen Wasser. Im Ge- 
fangenleben ist Fulea atra einer der bequemsten Vögel. Seit Jahren lebt bei mir ein 
solcher mit Enten, Kranichen und einem grossen, weissen Reiher in bestem Frieden. 
Mais ist ihm angenehm, aber er nascht auch gerne vom gehackten Fleisch, welches der 
Reiher bekommt und dem ebensowohl Vulpanser rutilus, wie auch Cairina moschate 
zusprechen. Auffallend ist es, dass das Blässhuhn bei den Mohamedanern von Talysch 
eine Lieblingsspeise ist. Man fängt es zu diesem Zwecke in grosser Menge auf eigen- 
thümliche Manier. Es lässt sich nämlich leicht aus gewisser Ferne vor dem Kahne 
treiben und fliegt namentlich nicht gerne auf, wenn das Fahrwasser ihm künstlich mit 
geknicktem Rohr verlegt wird. Man steckt deshalb Rohr quer über die Wasserfläche 
und knickt es etwa in 1‘ Höhe über derselben um. Die kleinen Banden, vom Kahne 
verfolgt, tauchen unter und setzen schwimmend ihre langsame Wanderung weiter fort. 
So sammeln sich ihrer oft sehr viele, welche nicht selten in der Zahl von 2—300 in 
eine vom Jäger ausersehene Bucht getrieben werden. In dieser liegt im Wasser ein 
Netz und ein zweites hält ein im Rohr versteckter Mann in Bereitschaft. Sind die 
Wasserhühner alle gedrängt beisammen, so wirft jener das Netz über sie und sie können 
sich weder durch Tauchen, noch durch Fliegen retten und werden alle zur Beute. Na- 
mentlich in Lenkoran geschätzt und zu Markte gebracht sind die fetten, von aussen 
her vom Fette rein weissen Wasserhühner, welche man, nachdem sie gerupft sind, mit 
heisser Asche sorgfältig abreibt und so hergerichtet feilbietet, sehr gesucht. Sie werden 
das Paar sogar von den Mohamedanern mit 20 Kop. bezahlt (ein enormer Preis, wenn 
man bedenkt, dass ein Paar feister wilder Stockenten ebenfalls hier am Orte nur 15—20 
Kop. kostet) und die sogenannte Fissindshan-Sauce, welche man aus ihnen bereitet, 


gilt als Leckerbissen. Diese stellt man her, indem man den Vogel in kleine Stücke 
48* 


380 Fulica atra. — Porphyrio veterum. 


zerhackt und ihn so in Butter, Zwiebeln und Nüssen lange schmoren lässt. Im Winter 
1878 stieg der Preis dieses Wildes in Lenkoran bis auf 30 Kop. Es gab damals wenig 
Geflügel, weil der Araxes aus seinem Bette getreten war und die Mugan zum grossen 
Theile unter Wasser gesetzt hatte, wohin sich die Wasservögel in ungeheurer Zahl 
begaben, weil sie dort weniger gestört wurden, als in der über alle Maassen beschossenen 
Gegend von Lenkoran. Am Goktschai-See ist der Vogel häufig, namentlich bei dem 
Orte Göll an der Mündung des Adjaman-Flüsschens. 


238. Porphyrio veterum S. G. Gml. 
Taf. XXIV und Taf. XXI 3. 4. 


Russisch: Sultanka. (Lenkoran.) 
Tatarisch: Bojachane. 


Systematisches. 


Ich brachte fünfundvierzig Exemplare des Sultanhuhnes von Lenkoran mit, 
jüngere und ältere Vögel beiderlei Geschlechtes, und es sind mir noch mehr als hundert 
in die Hände gekommen. Bei keinem dieser Vögel war die schöne, intensiv ultramarin- 
blaue Rückenfarbe auch über die oberen Flügelseiten verbreitet, wie dies die Diagnose 
und das Bild Dressers*) für P. hyacinthinus verlangen. Ich komme hierauf weiter 
unten bald zurück. Noch bevor ich das jetzt so reiche Material erbeutet hatte, nur 
nach vier Exemplaren vom Jahre 1866 urtheilend, schrieb ich 1878 Folgendes nieder: 
„Es liegt mir hier leider keine ausführliche Originalbeschreibung von P. veierum vor, 
auch besitze ich nicht den typischen P. hyacinthinus zum Vergleiche, jedoch stimmen 
meine vier Vögel aus Lenkoran nicht zu den Beschreibungen von P. hyacinthinus, die 
ich bei Temminck**) und bei Degland***) finde. Meine Vögel bilden gewisser- 
maassen das Mittelglied zwischen P. hyaeinthinus und P. smaragnotus Temm.“ 

Es wurde bis jetzt gemeinlich die vortreffliche Gmelin’sche Art, nämlich P. 
veterum, identifieirt mit: Fulca porphyrio L. = P. hyacinthinus Temm. — P. anti- 
quorum Temm. So finden wir das noch bei Gray7f) und auch Dresser bringt 
uns in dem Abschnitte über P. veterum folgende Synonymie: P. veterum 8. @. Gml. 
— Fulica porphyrio L. (nec Pallas) = P. hyacinthinus Temm. — P. antiquorum 
Bp. = P. caesius Schleg. Es ist das falsch, nur Pallasj) hat den Gmelin’schen Vogel 
unter dem Namen Fulica porphyrio als P. veterum diagnosticirt, nämlich den Charakter: 
„corpore coeruleo-virescente“ hervorgehoben, dabei aber doch nicht an eine artliche 
Trennung gedacht, weil unter den Synonymen sogleich Porphyrio auetorum folgt. Das 
caspische Sultanshuhn ist eine unwandelbare, von P. hyaeinthinus ganz verschiedene. 
Art, die ich hier nunmehr mit dem typischen Vogel, leider aber nicht mit Schlegel’s P. 
neglectus vergleichen kann. Bogdanowrfr) hat das von mir 1869 der Kaiserl. Aka- 


*) Dresser, The birds ete., Parts LV et LVI, Dezember 1876. 
**) Manuel d’ornithologie, Part II, pag. 698. 
==) Ornithologie europeenne, Tome II, pag. 278. 
r) Hand-list ete., P. II, pag. 64. 
rr) Zoogr. rosso-asiat., T. II, pag. 156. 
irrt) Bogdanow, Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 146, Nr. 208. 


Porphyrio veterum. 381 


demie der Wissenschaften in Petersburg zugestellte Exemplar als P. velerum Gml. an- 
erkannt. Gray aber l. c. zieht, freilich noch mit einem Fragezeichen, P. veterum 
Gml. zu P. neglectus Schlegl. und Blanford*), welcher P. veterum Gml. von P. 
neglectus Schlegl. getrennt aufführt, empfiehlt den ersteren zum Vergleiche mit P. hya- 
einthinus und nennt den letzteren nur als Race, deutet auch an, dass er verwandt mit 
smaragdinus sei. Hierüber zu entscheiden, bin ich hier nicht in der Lage, dagegen kann 
ich die Gmelin’sche Art, da ich auch typischen P. hyaeinthinus zur Hand habe, ein- 
gehend besprechen und muss schliesslich P. veterum als feste Art anerkennen. 

Nach Temminck heisst es: „Porphyrio hyacinthinus, doigt du milieu sans 
Yongle plus long que le tarse; tout le plumage bleu etc.“ Damit stimmt Pallas Dia- 
gnose schon nicht überein, er sagt: „corpore coeruleo-virescente“ und hatte damit 
den Gmelin’schen Vogel im Wesentlichen charakterisirtt. Alle meine Vögel zeigen: 
Kopf und Hals von grau leicht in matt hellblau ziehend; Brustfeld breit grünspanblau; 
die gesammte obere Flügelseite sammt Schulterfedern ebenso intensiv grünspanblau, 
bei den Weibchen sehr stark ins Grüne ziehend; alles andere Kleingefieder, mit Aus- 
nahme der weissen, unteren Schwanzdecken, lebhaft lasurblau, etwas in’s Violette 
ziehend. Die Färbung wird sowohl obenher, als auch unten am Körper von vorne nach 
hinten hin dunkler, erreicht aber nirgends die Indigotiefe. Die Mittelzehe ohne Nagel 
ist in der Regel etwas kürzer, als der Tarsus. Dieses Verhältniss ist nicht konstant; 
von den 45 Exemplaren haben sechs Vögel die Mittelzehe ohne Nagel gleich dem Tarsus, 
neun etwas länger, dreissig ein wenig kürzer. Ob nun hier nur konstante Farbenvariation 
vorliegt (Uebergänge fehlen) und ob die Sultanshühner vom Terek **) und von der Kuban- 
mündung***) den wirklichen P. hyacinthinus vepräsentiren, das bleibt einstweilen noch eine 
offene Frage. Es ist übrigens nicht gelungen, in neuerer Zeit an den Mündungen der 
. beiden grossen Flüsse des nördlichen Kaukasus Porphyrio nachzuweisen. Gewiss hat Bog- 
danow sich darum eifrig bemüht. Es ist fast wahrscheinlich, dass die Vögel dort gar 
nicht leben. Nordmann’s Mittheilungen vom Unterlaufe des Kuban’s sind von Nie- 
mandem bestätigt worden. Aber an der unteren Wolga existirt das Sultanshuhn, ich 
habe Exemplare von dorther gesehen und diese waren, gleich allen Vögeln aus dem 
Talyscher Tieflande, stets P. veterum Gml. 

Ich gebe nun genauer die Beschreibung meiner Vögel und lasse dann die 
Maasse folgen, denen ich die an P. hyacinthinus ermittelten zur Seite stelle. Die in 
Rede stehenden, zuerst erbeuteten vier Vögel (alle anderen entsprechen ihnen voll- 
kommen) sind entschieden alte und wurden am 17. / 29. und 30. April / 12. Mai 1866 
bei Lenkoran erlest. Mann und Weib sind wesentlich gleich gefärbt, aber bei dem 
letzteren ziehen die grünspanblauen Stellen noch mehr in’s Grüne, als bei den Männchen. 
Das Gesicht, die obere Augenpartie, die Wangen, auch die obere Kopfseite hinter der 
Stirnplatte sind im Grundtone graubläulich (bei P. hyacinthinus dagegen die Wangen 
und die vordere Halsseite sammt der Kehle schön kobaltblau, Scheitel, Hinterhals und 
Rücken schwärzlich, smalte- bis indigoblau), welche Farbe sich auch abwärts über den 
Hals hin und an seinen Seiten kenntlich macht. Dieser graue Grundton hat auf den 


*) Blanford, Eastern Persia, Vol. II, pag. 289. 
**) Pallas, Zoogr. rosso-asiat. T. II, pag. 156. 
==), Demidow: Voyage etc., Tome II, pag. 275. 


382 Porphyrio veterum. 


Wangen und abwärts vorne und an den Seiten des Halses einen zuerst leichten türkis- 
blauen Anflug, welcher abwärts am Halse immer intensiver wird und vorne auf der 
Brust ein breites recht deutlich umrandetes Feld bildet von jenem schönen Spanblau. 
Je älter der Vogel, um so reiner ist diese Farbe hier. Bei jüngeren Männchen waltet 
ein mehr in’s Grünliche ziehender Ton am Kopfe vor. Es kommt übrigens darauf an, 
in welcher Richtung man auf die Federn schaut, um zwei Nuancen dieser Farbe wahr- 
zunehmen. Sieht man vom Grunde zur Spitze, so erscheint sie entschieden von Türkis- 
bis Spanblau; sieht man direkt von oben auf die Feder, so macht sich an den Stellen, 
wo die blaue Farbe am stärksten ist, ein grüner Ton deutlich bemerkbar. Sieht man 
endlich von der Spitze zur Basis der Feder die ganze Fläche an, so erscheint sie 
dunkler blau, hat aber keinen Glanz in diesem Falle. Alles Gesagte gilt auch von der 
gesammten oberen Flügelseite und den Schulterfedern. Am Flügelbug ist das Türkis- 
blau sehr rein und zieht dann abwärts im kleinen Gefieder sowohl, wie auch auf den 
Aussenfahnen der Schwingen zweiter Ordnung stark in Spangrün, welches auch die 
gesammten Aussenfahnen der grossen Schwingen besitzen. Die Innenfahnen aller 
Schwingen sind schwarz und haben höchstens an ihren Spitzen einen getrübten stahl- 
blauen Anflug. An den besprochenen Körpertheilen ist das. Gefieder von Porphyrio 
hyacinthinus auf Flügel und Rücken, Hinterhals und Kopfplatte einfarbig dunkel 
lasur- bis indigoblau und besitzt, je nachdem wir auf dasselbe schauen. einen purpurnen, 
violetten oder schwärzlichen Anflug. Auch bei der zweiten Hauptfarbe des P. veterum. 
kommt es darauf an, in welcher Richtung man auf sie schaut. Von vorne nach hinten 
den Vogel betrachtet, erscheinen der Rücken und die seitlichen Leibesfedern in schönem 
hellen Lasur mit Glanz, welche Farbe, je weiter dem Schwanze zu, um so intensiver 
und auch etwas dunkler wird. Die Rückenseite des Halses zeigt sie nur in geringem 
Grade, diese ist vorwaltend grau, zumal findet das auch auf dem Kopfe bis zur weit- 
reichenden Stirnplatte statt. Auch auf der unteren Körperseite dunkelt das schöne 
Lasurblau nach hinten hin mehr und mehr. Schaut man auf diese Partien unter 
rechtem Winkel, so erscheint ihre Farbe als ein in Violett ziehendes, etwas mattes, 
aber dunkles Blau ohne Glanz. Die unteren Schwanzfedern sind weiss, die Steuerfedern 
schwarz mit stark prononcirtem Stahlglanze, der in’s Purpurviolette zieht. So das Ge=- 
fieder. Die Kopfplatte liest mit der Firstlinie in einer Fläche. Die Stirnplatte erstreckt 
sich nur wenig über das Auge fort, erreicht mit ihrem hinteren Ende etwa die Mitte 
des Kopfes. Ich finde bei dem Vergleiche dieser Theile mit den entsprechenden von P. 
hyacinthinus kaum erwähnenswerthe Differenzen. An dem mir vorliegenden Exemplare 
erscheint der Schnabel etwas schlanker und ist der Winkel, welchen der untere Rand 
der Stirnplatte mit der Basis des ÖOberschnabels bildet, etwas schärfer in der Linie 
geschnitten und nicht leicht abgerundet, wie ich das bei P. veterum sehe. Schnabel 
und Füsse hatten bei dem frisch erlegten Vogel die lebhaft rothe Zinnoberfarbe, in 
welcher auch die Iris erschien. 

Die Eier dieser Art wurden mir in Lenkoran Ende April gebracht. Sie sind 
sehr schwer zu finden, da sie im allerdichtesten Rohr brütet. Ich habe trotz guter 
Prämien nur 3 erhalten. Dieselben besitzen Form und Grösse der Eier von Fulica atra, 
sind rauhschalig und zeigen auf hellem, gelbgrünlichem Grundtone viele braune, bald 
deutliche, bald getrübte Flecken, welche längliche und rundliche Formen besitzen und 


Porphyrio veterum. 383 


gleichmässig, aber nicht dicht über das ganze Ei vertheilt sind. Die grössten Flecken 
halten das Maass einer Linse ein. - 
Die Maasse der Vögel ergeben nachstehende Tabelle: 


| | P. hya- 
\ Porphyrio veterum Gml. | cinthimus 
| | Temm. 

\ Talyscher Niederung. Sicilien. 
| m.|ım|w|w. 2. 

| mm | mm | mm | mm | mm 


Totallänge . . ......)420|.460| 440 | 420 | 390 
Länge des Flügels vom (Bug bis, zur Spitze, | 280 | 280 | 260 | 260 | 268 
_ Länge des Schwanzes ı 120| 112| 1083| 93|| 105 
Länge des Schnabels von der Mitte der Stirnplatten: 


basisebisgzurspitzen 2.5 au zen. Ag 17487]. 46.1746 45 
Länge der Mundspalte . . . . | 46| 45| 44|: 43 43 
Höhe des Schnabels, vom Rande der Stiraplatte an | 

WARGSBLEMESSEHW N EN 30: 7301.29 28 27 
Länge des Tarsus . . a EN SE ner 104 | 102 | 98 | 90 90 
Länge der Mittelzehe ohne Nasıl RAN 1044| 97 | 9383| 891 9 
Länge des unbefiederten Theiles vom Unterschenkel, 17.405740: 53827229 30 


Lebensweise und Verbreitung. 

Ich kenne dieses Sultans-Huhn nur aus den weitgedehnten Rohrsümpfen von 
Lenkoran, wo es Standvogel ist und zumal im Winter recht häufig angetroffen wird. 
Bei dem Städtchen selbst, wo gar zu viel geschossen wird, ist es selbstverständlich 
nicht sehr gemein. Recht häufig aber wird es in den Robrbeständen unterhalb von 
Schach-agatsch. Es ist neuerdings von Bogdanow nicht im Terek-Gebiete gefunden 
worden und bedarf die Angabe Pallas darüber immerhin noch der Bestätigung. Ebenso 
liegen uns gar keine Fakta über das Vorhandensein des Vogels an den Kuban- 
mündungen aus neuerer Zeit vor. Ebenso dumm wie Fulica ist auch das Sultanshuhn. 
Ungern verlässt es die dichtesten Rohrbestände und kann in ihnen leicht lebendig 
ergriffen werden. Es fliest gerade und niedrig und es ist nicht schwer dasselbe zu 
erlegen. Es versucht stets sich laufend zu retten und fliegt nicht gerne auf. Die 
Schritte, welche es macht, sind gross, sie haben über 1‘ Spannweite. Der Vogel hält 
auch beim Laufen den kurzen Schwanz schräge aufrecht, so dass man den weissen 
Spiegel der Subcaudales sieht. Er wippt mit diesem Schwänzchen beständig, auch wenn 
er sich sonst ganz ruhig verhält. In dieser Hinsicht benimmt sich der Vogel ganz so 
wie Ralhıs, mit dem er auch im Laufen grosse Aehnlichkeit hat. Der mächtige Schnabel 
ist Hauptwaffe; den Fuss gebraucht er oft zum Halten der Nahrung und frisst, auf 
einem Beine stehend, in Art der Papageien. Zeitweise rotten sich grosse Gesellschaften 
zusammen. Am 4./ 16. Dezember wurden an 150 Stück beisammen beobachtet, welche 
aus einem Rohrrevier in ein anderes, benachbartes übersiedelten und sehr rasch über 
die niedrigen, schmalen Wiesen hinliefen, welche beide Geröhre trennten. Sie stürzten 
förmlich, wie wahre Rennvögel, mit vorgestrecktem Halse über die freie Stelle, auf 


384 Porphyrio veterum. — Rallus aquaticus. 


welcher sie sich offenbar nicht sicher fühlten. Aufgescheucht bäumte eine Anzahl auf 
einer Weide, ein prächtiger Anblick! 

In der Gefangenschaft nimmt das Sultanshuhn leicht Samenfutter, Mais, Gerste, 
Weizen und allerlei Küchenreste an und hält sich sehr gut. Die erlegten Vögel hatten 
nicht selten Blutegel im Schlunde, bei anderen war der Magen mit kurzabgebissenen 
Spitzen verschiedener Binsen gefüllt. Meine Vögel nächtigen in der Gefangenschaft 
stets bäumend und wühlen sich am Tage tief in die Gerstenvorräthe, die ihnen in 
Schalen zum Futter hingestellt werden. 


239. Rallus aquaticus L. 
Russisch: Wocjanoi Pastuschok 
Georgisch: Zehlis-dawde. 
Systematisches. 

Auch von diesem Vogel kann ich in Bezug auf sein Kleid nichts Ergänzendes 
sagen; es ist dasselbe an allen Exemplaren durchaus gleich. . Die Grössen aber 
schwanken bedeutend und deshalb gebe ich hier die Maximal- und Minimal-Werthe in 
Millimetern von zweien meiner Vögel aus Lenkoran. 


Lenkoran. 

Rallus aquatieus L. | W, Ww. 

mm | mm 

Totallange sr. 2 2 nr ee re 250) | 220 
Blügelbus@bisszursspitzer. eu Se 16 A 
Schwanzlänser.s Sage re | 59 57 
Schnabel, auf der Firste gemessen. . . . 437240 
Farsuslänges at Wesel a ae 42 39 


Lebensweise und Verbreitung. 

Ein grosser Theil der Wasserrallen überwintert in Transkaukasien, zumal in 
seinen Tiefländern. Ich besitze ein Exemplar, welches bei Tiflis im Dezember 1868 
erlest wurde. In den Niederungen von Lenkoran waren die Wasserrallen im Winter 
häufig. Dagegen aber kenne ich aus so bedeutenden Höhen, wie Blanford*) sie aus 
der Nähe von Schiras angiebt (6000), diesen Vogel im Kaukasus nicht. An ihren 
Winterplätzen bei Lenkoran waren die Rallen, sobald sie zwischen den Gebüschen un- 
gedeckt sich bewegten, ungemein eilig. Sie lebten in kleinen Gesellschaften und 
schossen förmlich von Jongel zu Jongel hin, den kurzen Schwanz stets hebend, ruckend 
und den weissen Afterspiegel zeigend. Die Angst, im Freien ungedeckt sich zu wissen, 
ist auch sehr berechtigt; namentlich lauert Circus rufus ihnen auf. Im Schlunde eines 
dieser Räuber fand ich die Reste von zwei Wasserrallen. Zum Winter verlässt der 
Vogel die Sümpfe und begiebt sich in den Wald, wo er unter dem Laube allerlei 
Kerfe und kleine Schnecken, namentlich im Buschwalde, findet. Dort wird er mit der 
Waldschnepfe oft gehoben. Im November und Dezember hätte man bei Lenkoran mit 
Leichtigkeit 30—40 an einem Tage schiessen können. 


*) Blanford, Eastern Persia, Vol. II, pag. 288. 


Philolimnos gallinula. — Telmatias gallinago. 385 


249. Philolimnos gallinula L. 


Russisch: Garsehnep ist das abgeänderte deutsche Wort: Haarschnepfe. 
Georgisch: Tschibacha, für die 3 Bekassinen geltend. 


Systematisches. 
Auch die Haarschnepfen des Kaukasus entsprechen europäischen Vögeln gleicher 
Art vollkommen. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Die Haarschnepfe ist bei weitem nicht so häufig, als die Bekassine, sie hält sich 
auf dem Herbstzuge am längsten auf, selbst in bedeutenden Meereshöhen. Am Gok- 
tschai-See z. B. erscheint sie alljährlich Ende August und bleibt bis Anfang November. 
Sie überwintert im tieferen Gebiete an passenden Lokalitäten vereinzelt. So scheuchte 
ich sie zuerst unterhalb von Mingetschaur, unweit der Poststation Arabskaja, am 7. / 
19. November auf. Bei Lenkoran überwintert sie ebenfalls; aber auf hundert Bekassinen, 
die man dort im November heben wird, kommen 10—15 Haarschnepfen. Vielleicht 
stellt sich das Verhältniss bei der Jagd mit dem Hunde besser zu Gunsten der Haar- 
schnepfe, welche viel fester liegt, als die Bekassine, zumal beim warmen Wetter. Erst 
später, wenn Frost einsetzt, erscheinen die Haarschnepfen in Menge, während die 
Bekassinen merklich an Zahl abnehmen. Aber um die Mitte des Dezembers wurden 
sie wieder seltener und um Neujahr waren fast alle verschwunden. Die Haarschnepfen 
verweilen auch sehr lange und zahlreich in den Sümpfen oberhalb der Karagas-Steppe, 
östlich von Tiflis, wurden aber, weil sie bei den Aufkäufern von Tiflis keinen Preis 
haben, nicht geschossen und zu Markte gebracht. Die armenischen Aufkäufer bieten 
den Jägern nur 10 Kop. für das Paar, ohne Zweifel, weil sie den Vogel zur Kategorie 
der sogenannten kleinen Vögel (allerlei Aringilliden) rechnen. 


241. Telmatias gallinago L. 
Russisch: Bekas. 
Tatarisch: 7schaetirten, womit auch die vorige Art bezeichnet wird. 


Systematisches. 

Ich habe vergeblich an mehr als vierhundert Bekassinen die Schwanzfedern 
beschaut in der Hoffnung, die südasiatischen Arten, von denen einige hoch gegen 
Norden im südlichen Sibirien noch vorkommen, zu finden. Ich darf daher wohl mit 
einiger Sicherheit behaupten, dass im Kaukasus nur die europäische Bekassine lebt. 
Von dieser wurden 25 Exemplare präparirt, diese stammen von Tiflis und von Lenkoran. 
Die Herbst- und Frühjahrskleider der vor mir stehenden transkaukasischen Bekassinen 
geben mir zu keinen Bemerkungen Veranlassung. Der Wuchs ist recht variabel, 
weshalb ich abermals die Tabelle der Maasse gebe: 


Badde, Ornis caucasica. 49 


386 Telmatias gallinago. 


Lenkoran. 

Telmatias gallinago L. m " Dee 

mm mm mm mm 

Totallänge, ganz ausgestreckt . . . . . 250 250 300 310 
Blügelbussbiszzunsspitzere 120 120 128 129 
Sehwanzlange ge. . eneı ne. | 162000562 64 63 
Schnabel, auf der Firste gemessen. . . . | 68 “1 1 70 
Marsuss a... 20 2 2 35 

u) I 


Lebensweise und Verbreitung. 

Ich selbst kenne die Bekassine bei Tiflis nur als Zug- und Wintervogel und 
habe sie im Sommer im Hochgebirge des Grossen Kaukasus nirgends angetroffen. Doch 
muss ich bemerken, dass durchaus glaubwürdige Jäger mir die Mittheilung machten, 
selbst in der heissen Zone im Hochsommer einzelne Bekassinen vom Sumpfterrain 
gehoben zu haben. In den Umgegenden von Tiflis geschieht das sogar bei Awtschala. 
Dass die Bekassine Sommervogel in Höhen von mehr als 6000° über dem Meere im Kleinen 
Kaukasus ist, kann ich ebenfalls konstatiren, in solchen Höhen brütet- sie auch. Oestlich 
vom Tabizkur-See kommt sie im Sommer vor. Damit ist aber nicht gesagt, dass dort 
alle vorkommenden Bekassinen, oder gar die in der heissen Zone, brüten. Vielmehr 
sollen die letzteren immer nur einzeln vorkommen. Vielleicht sind dies die, ich möchte 
sagen, ausgedienten Vögel, welche sich nicht mehr am Familienleben betheiligen. Hieran 
schliessen sich die Mittheilungen Blanford’s*) aus Persien; er schoss am 2. Mai 
Bekassinen in Persien in einer Höhe von S000’ über dem Meere. Brutplätze sollen, wie 
man mir mittheilte, im Kleinen Kaukasus in den Sümpfen der Alpenseenränder, so am 
Tabizkur, am Toporowan und im Südostwinkel des Goktschai-Sees gelegen sein. Dass. 
die Bekassinen an der mittleren Wolga brüten, also in niedrig gelegenen, heissen 
Gegenden, ist durch Bogdanow**) festgestellt; es könnten sich dem entsprechend 
auch wohl in den Tiefländern des Kaukasus einzelne Brutpaare finden lassen. An 
vielen höher gelegenen Orten, zumal in der Nähe warmer Quellen, überwintern die 
Bekassinen. Sogar in Eriwan, wo es doch manchmal ausserordentlich kalt wird, kann 
man sie im dortigen Parke im Dezember und Januar antreffen und auch an den Kanälen, 
die zur Bewässerung der Gärten dienen, wird man sie finden. Auch in den Umgegenden 
von Tiflis halten sich einzelne Bekassinen während der Winters auf. Sehr viele über- 
wintern im Kurathale und drängen in demselben mehr und mehr nach Osten und Süden, 
je kälter es wird. Schon oberhalb Mingetschaur stiegen ab und zu Bekassinen von den 
Rändern der Bewässerungskanäle Anfangs November auf. Gemein waren sie südlich 
von Salian im Gebiete der Molokaner, wo sie auf theilweise überschwemmten Wiesen 
und durchnässten Ackerfeldern sich aufhielten und in der Gesellschaft von Kibitzen 
und Staaren lebten. Nach Schneefall stellt man in Talysch an schneefreien Plätzen, 
die man künstlich herrichtet, den Bekassinen sowohl, wie auch den Waldschnepfen 


*) Blanford, Eastern Persia, Vol. II, pag. 282. 
**) Säugethiere und Vögel der mittleren und unteren Wolga (russ.), pag. 138. 


Telmatias gallinago. — Telmatias major. 387 


Schlingen und fängt ihrer oft viele. Bis Neujahr gab es sehr viele Bekassinen bei Len- 
koran, zumal auf den alten Reisfeldern. Mitte Dezember wurden von drei Jägern in 
wenigen Stunden, ohne Hund, dort über 120 Stück erlegt. Damals waren die Bekassinen 
noch sehr fett. Später im Winter magerten sie rasch ab. Nach Neujahr wurden sie 
seltener, doch bleiben selbst bei strengen Wintern ziemlich viele in den Tiefländern am 
Caspi. Anfangs März beginnt ihre Zahl sich wieder zu mehren und steigt dann 
zusehends bis Mitte April. Nach den Mittheilungen des Herrn E. Maximowitsch 
fand der Abzug der Bekassinen gegen Norden 1878 am 23. April /5. Mai, 1879 am 
25. April /7. Mai seinen Abschluss. Es sind dies sehr späte Daten, doch können sie 
keinem Zweifel unterliegen. Bei Tiflis liest die Zeit des Fortziehens ebenfalls Ende 
April und währt sogar bis zum 3. /15. Mai. Dann giebt es während des Sommers nur 
sehr vereinzelte Exemplare an den Sumpfrändern. Im Herbste fielen in beiden Jahren 
die Bekassinen am 6. / 18. und 7. / 19. September in grosser Zahl bei Lenkoran ein. 

Es hat den Anschein, dass die Bekassinen, welche im Sommer am SO.-Ende 
des Goktschai (Gilli) brüten, jene Vögel sind, welche im Winter unten im Araxesthale 
leben. Es wird nämlich ein rechter Zug der Bekassinen an diesem See weder im 
Frühlinge, noch im Herbste beobachtet und die Vögel leben dort stets nur in geringer 
Zahl. Hier läge also eine Wanderung nur in der Vertikal-Richtung vor. 


242. Telmatias major J. Fr. Gml. 
Russisch: Dupel, auch diese Bezeichnung entstammt, wie die der Bekassine, dem Auslande, 
Tatarisch: Krschrt, wird auch für die vorige Art gebraucht. 


Systematisches. 
Es wurder zehn Exemplare präparirt. Die vielen Doppelschnepfen, welche mir 
hier in die Hände kamen, geben mir in Bezug auf ihr Kleid zu keinen Bemerkungen 
Veranlassung. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Im basalalpinen Wiesenterrain der sogenannten „Nassen Berge“ im Trialetischen 
Gebirge brütet die Doppelschnepfe. Nachweisen als Brutvogel kann ich sie östlich vom 
Tabizkur-See in den sogenannten Zizianow’schen Sümpfen. Nach den glaubwürdigen 
Mittheilungen des Hauptrentmeisters der Kaukasusländer, Herrn Bekanow, denen sich 
die des Herrn Admiral Objasianinow und des früheren Chefs des Forstwesens 
General Murawjew anschliessen, gab es ehedem grosse Brutplätze im Zalka-Gebiete 
an den Quellen des Chramflusses, wo sich in einer Höhe von mehr als 6000° über 
dem Meere Sümpfe nordischen Charakters weithin dehnten.. Die. Masse der- dort 
nistenden Bekassinen und Doppelschnepfen soll früher ganz enorm gewesen sein. 
Dieses Eldorado für die Schnepfenjagd hat sich in den letzten zwanzig Jahren sehr ver- 
ändert; daran mag einerseits die Massenvertilgung der Vögel, andererseits die auch dort 
um sich greifende Kultur die Schuld tragen. Mehrere Jahre hintereinander (Anfang der 
Fünfziger) kamen am 20. Juli/ 11. August die besagten Herrn zu jener Lokalität und 
schossen an ergiebigen Jagdtagen pro Mann 60—70 Bekassinen und Doppelschnepfen. 
Die Vögel sollen, was ich anderweitig nie gehört oder gesehen habe, nach vollendeter 


Brut, nachdem die Jungen flugfähig wurden, förmlich schwärmen. Zu Pfingsten sam- 
49 * 


388 Telmatias major. — Scolopax rusticola. 


melten die dortigen Bauernjungen grosse Mengen von Eiern beider Schnepfenarten.. 


Auch ist es Thatsache, dass am Goktschai-See, namentlich am Gilliplatze, meistens 


einzeln lebende Sommervögel, die nicht brüten, und seltener noch Brutpaare sich auf- 
halten. Von der Doppelschnepfe sind überdies auch aus Tiefländern, z. B. von der 
mittleren Wolga (Bogdanow, |. c. pag. 138) Brutplätze bekannt geworden, doch nicht 
unterhalb von Kamyschina. Die Doppelschnepfen überwintern meines Wissens nicht in 
Transkaukasien. Ihr Frühlingszug dauert unter Umständen sehr lange. Es hängt das 
vom Wetter ab. Giebt es viel Regen, so ziehen bei Tiflis und in den Umgegenden die 
Doppelschnepfen von Ende April bis Mitte Juni! Man hat auf dem Gute des General 
von Peters bei Tiflis in einer Höhe von circa 2000° über dem Meere gegen NO. noch 
am 15. /27. Juni Doppelschnepfen gehoben. In so vortheilhaften Jahren wird von den 
Vögeln fast jedweder Busch bestanden, bis hinauf in die Gebirge (Martkobi). Ist da- 
gegen das Frühjahr trocken, so vermeiden die Doppelschnepfen die heissen Gebiete ganz. 
Ihr Zug geht dann über die sogenannten „Nassen Berge“ zu den Quellen des Chram 
und zum Kurathalee Bogdanow’s*) Mittheilung, dass im Kuban- und Terekgebiete: 
die Doppelschnepfe höchst selten während des Zuges, dagegen bei Derbent gemein sei, 
bestätigt meine Voraussetzung in Bezug auf die Frequenz der westcaspischen, littoralen 
grossen Heerstrassen solcher Spezies, welche das Hochgebirge des Grossen Kaukasus 
bei ihren Reisen vermeiden. Nicht eine einzige Doppelschnepfe konnten wir zur 
Winterzeit bei Lenkoran finden. Wohl habe ich dort die Bekassine zu Hunderten vor 
mir gehabt und gewiss an hundert erlegte Waldschnepfen und Haarschnepfen gesehen, 
aber im Winter niemals eine Doppelschnepfe. Der zarte Vogel überwintert hier nicht, 
aber er erscheint alljährlich in bedeutender Zahl auf dem Zuge. 1878 geschah das am 
26. März /7. April und währte der Zug bis zum 13. /25. April. Im Jahre 1879 sah 
man die ersten Doppelschnepfen am 24. März /5. April und die letzten am 14. / 26. 
April. Im Jahre 1880 beobachtete ich sie vom 18. /30. März bis zum halben April. 

Auch der Herbstzug hat eine Dauer von 2—4 Wochen. Im Jahre 1878 
erschienen die Doppelschnepfen bei Lenkoran am 2. / 14. September und verschwanden 
schon am 14. / 26. September. Im darauf folgenden Jahre währte ihr Zug länger als 
einen Monat; sie kamen am 20. August / 1. September und flogen die letzten erst am 
22. September /4. Oktober fort. Für diese Daten ist ebenfalls Herr E. Maximowitsch 
mein Gewährsmann. Am Goktschai-See fällt der Herbstzug, welcher meistens sehr- 
stark ist, in die zweite Hälfte des Septembers. 


243. Scolopax rusticola L. 


Russisch: Waldsehnep, wiederum die etwas entstellte deutsche Benennung. 
Tatarisch: Kawalä, nach Kolenati: Gaevaelae **). 

Armenisch: Ätxar. 

Georgisch: Tskis-Katani, d. h. Waldhuhn. 


Systematisches. 


Fünfundzwanzig Vögel wurden präparirt, sie stammen von ihren Winterquar-- 
tieren bei Lenkoran und von Tiflis auf dem Zuge. Von der Waldschnepfe darf ich 


*) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 162. 
**) Kolenati, Die Bereisung Hocharmeniens etc., 1858, pag. 75. 


Scolopax rusticola. 389 


behaupten, dass die grossen, aschgrauen Flecken auf der Rückenseite bei den alten 
Männchen an Umfang und Farbenreinheit gewinnen. Ob dies im Herbstkleide ebenfalls 
statthat, lasse ich dahingestellt. Junge Männchen besitzen auch die sammetschwarzen, 
grossen Flecken des Rückens in geringerem Umfange und an manchen findet man keine 
Spur vom Aschgrau. Die Waldschnepfe kommt in zwei Grössen vor. Die kleinere 
Race schliesst keinesweges nur die jungen, letztjährigen Vögel in sich, ebensowenig 
werden die Grössendifferenzen durch die Geschlechter bedingt. Ich lasse die Maasse 
beider in beiden Geschlechtern folgen: 


| Lenkoran. 
Scolopax rusticola L. | M. W. M. W. 
| mm mm mm y mm 
oislänge wa een: a le. un. lo. 1736008 F:358: 2 3400 .1330 
Blüselbuebisszur Spitze, er. mau. 20722105192 179! 189 Alzer| 
Schwanzlanges wo Aue. ae Mu | 100 94 | 104 94 
Schnabel, auf der Firste gemessen. . . . | 80 71 71 13 
Rarsusba A ae 23 35 35 35 
l l 


Lebensweise und Verbreitung. 


In der warmen und bewaldeten Zone des Kaukasus überwintern die Wald- 
schnepfen in grosser Anzahl, doch geschieht das vornehmlich nur im Tieflande, so an der 
Küste des Schwarzen Meeres und namentlich in Talysch. In den Umgegenden von Tiflis 
in einer Höhe von mehr als 3000° über dem Meere wird man in normalen Jahren im 
November und Dezember höchstens vereinzelte Nachzügler oder abgemagerte Kranke 
antreffen. Es giebt aber auch Ausnahmen von dieser Regel. Im November 1864 notirte 
ich für Tiflis Folgendes: Die Waldschnepfen strichen Mitte November einzeln in der 
Nähe der Stadt und fielen in die Weingärten der deutschen Kolonisten ein. Später 
heisst es in meinem Tagebuche: Nach dem tiefen Schneefalle am 1. / 13. Januar 1865 
brachte man in bedeutender Anzahl Waldschnepfen zu Markte, man zahlte nur 50 Kop. 
für das Paar. Im unteren Aragwa-Thale bewohnten die Vögel die dicht mit Dorngebüsch 
bewachsenen Inseln und hielten sich den Bewässerungskanälen entlang auf. Der Vogel 
sucht zum Winter namentlich warme Quellen und windgeschützte Lokalitäten auf. 
Die Ankunftszeit im Frühlinge hängt wesentlich vom Wetter ab, der dichte Buschwald 
wird zur Ruhe gerne benutzt; wo er fehlt, da ist dem Vogel Garten recht. In den 
ersten Tagen des März liefert in begünstigten Jahren der Markt von Tiflis gewöhnlich 
die ersten Waldschnepfen. In anderen Jahren muss man bis zum 12. / 24. — 15. / 27. 
März warten. In recht frühen Jahren giebt es schon Mitte Februar Waldschnepfen, 
so 1879 am 13. / 25. Februar die ersten. Viele Waldschnepfen brüten in den Wäldern 
des Kaukasus. Nordmann*) erwies dies für die Ostküste des Schwarzen Meeres, für 
Mingrelien und Abchasien. Ich kenne Brutplätze in einer Höhe von 3—4000' über dem 
Meere aus den Wäldern von Borshom und Bjelyi-klutsch, wo man Eier und Junge 
gefunden hat. Ebenso brütet die Waldschnepfe, obwohl seltener, in den Wäldern von 


*) Demidow: Voyage etc., Tome III, pag. 254. 


390 Scolopax rusticola. 


Talysch. Sind durch diese Mittheilungen die Zweifel Bogdanow’s*) über das Brüten 
der Vögel im Kaukasus zur Genüge beseitigt, so kann ich dem noch hinzufügen, dass 
sowohl bei Kodshori (unweit von Tiflis im Gebirge) wie auch bei Bjelyi-klutsch die 
Waldschnepfen während der Balze beim Wechseln geschossen werden. Mehrfach beob- 
achtete ich sie Abends auf dem Wechsel im Walde von Borshom. Ferner habe ich 
wahrgenommen, dass die zuerst anziehenden Waldschnepfen ausnahmslos Männchen 
sind. So auch die vier Vögel des Museums, welche am 13. /25. März erlegt wurden. 
Vielleicht ziehen die Männchen einzeln oder zu wenigen vereint voraus. Dass sie erst 
später zur Balzzeit die Weibchen suchen und sich mehrere Männchen um ein Weibchen 
bewerben, ist bekannt. Bei Tiflis ist sowohl der Frühlings- als namentlich der Herbst- 
zug gut mit Waldschnepfen besetzt. Nach der Masse zu urtheilen, welche der Markt 
stellt, darf ich von einer Abnahme des edlen Wildprets nicht sprechen, wohl aber von 
ärmeren und reicheren Jahrgängen. Im Herbste 1872 waren die Waldschnepfen so 
gemein, dass man für das Paar feister Vögel nur 40 Kop. bezahlte, der gewöhnliche 
Preis ist jetzt ein Rubel. Vor jenen 20—30 Jahren war hier zu Lande Alles billig; 
man zahlte 1863 für ein Pfund Rindfleisch 2—8 Kop.; jetzt kostet es 12—-20 Kop. 

Ich theile hier noch die Zugzeiten der Waldschnepfen und ihre Dauer, wie ich 
sie bei den Jägern im Kaukasus an verschiedenen Orten erkundigte, mit. Bei Lenkoran 
erschienen die Waldschnepfen nach Herrn E. Maximowitsch’s Zeugnisse: 

1878 am 4. /16. März und im Herbste am 21. November / 3. Dezember, 

1879 am 11. /23. März und im Herbste am 2. / 14. November. 

Bei Tiflis nach dem Zeugnisse vieler Jäger ziehen die Hauptmassen vom 25. 
März / 6. April bis 10. / 22. April, Mitte März sind sie noch selten. Im Herbste ist es der 
ganze Oktober, welcher sie in manchen Jahren in unglaublicher Anzahl bringt. Mit 
dem 5./17.— 10. /22. November werden sie schon selten. Der harte Winter von 
1879—80 trieb die Waldschnepfen nach den tiefen Schneefällen (Anfangs Februar) in 
grosser Zahl in und um die Stadt Lenkoran. In jedem Garten liessen sie sich nieder 
und wurden ohne Mühe niedergemacht. Die Molokanerknaben brachten mir viele 
lebendig, entweder waren die Vögel ohne weiteres ergriffen oder in Schlingen gefangen. 
Die Zahl derselben verminderte sich bis Anfangs März der Art, dass man nur selten 
einen Vogel haben konnte. In den Wäldern der Ebene bei Waraul traf ich mehrere in 
den dichtesten Smilax- und Brombeerjongeln an. Erst am 6. / 18. März war der Busch- 
wald wieder gut mit Waldschnepfen besetzt, ja sie waren an diesem Tage häufiger als 
je im Herbste und Winter. Diese Waldschnepfen waren bereits auf dem Zuge und 
hielten sich nur kurze Zeit auf. 

Anfangs Februar 1882, als ich in Poti zu thun hatte, wurde das alte Kolchis 
von sibirischem Winter heimgesucht. Furchtbare Stürme tobten und tiefer Schnee 
deckte das gauze Land. Es erging damals den Waldschnepfen in der Phasis-Niederung 
sehr schlecht. Viele sind verhungert. Am hellen Tage wechselten sie. Ich sah sie 
oft von N. nach S. über unseren Dampfer fliegen. An Nahrung fehlte es; kamen doch 
die Spatzen und Berg- und Edelfinken an Bord unseres Schiffes, um sich vom Küchen- 
abfall zu nähren. 


*) Bogdanow., Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 162. 


® 


Grus leucogeranus. — Grus antigone. — Grus cinerea. 391 


Subordo II. 
Herodiones. 


244. Grus leucogeranus Pall. 
Russisch: Sterch und Sterk. 
Tatarisch: Kügolok. 


Systematisches 
kann ich nichts sagen, da mir kein kaukasisches Exemplar in die Hände kam. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Nur von Hörensagen kann ich das Vorkommen dieses Vogels in unserem 
Faunengebiete bestätigen. General A. W. Komarow kennt ihn von Derbent her, wo 
er längere Zeit lebte. Er gehört dem Westufer des Caspi, oder besser gesagt, dem 
ganzen nördlichen und westlichen Caspi-Ufer während des Zuges an, da Pallas*) ihn 
von der unteren Wolga kannte, Pölzam **) ihn neuerdings bei Astrachan nachwies und 
ich die sichersten Nachrichten über sein Erscheinen bei Astara (Grenzort und Grenzfluss 
zwischen Talysch (Lenkoran) und Gilan, d. h. zwischen Russland und Persien) erhielt. 
Den Molokaner Jägern ist die Benennung Sterk sehr gut bekannt. Am 4. /16. März 
1880 gab es bei erwähntem Grenzposten mehrere dieser grossen weissen Kraniche; es 
gelang aber nicht, einen derselben zu erlegen, trotz namhafter Schussprämie, die ich 
geboten hatte. 


245. Grus antigone L. 


Ich kenne den Vogel nur von der Westküste des Caspi und zwar aus den Um- 
gegenden von Derbent, welcher Fundort sich ebensogut an die Wolga-Zugstrasse, wie 
an das Gebiet des Don’s nach NW. hin schliesst, wo der Vogel ebenfalls nachgewiesen 
wurde und worüber Nordmann***) und Pallas}) berichten. Mein Gewährsmann 
ist abermals der um die Erforschung der Entomologie und Archäologie des Kaukasus 
hochverdiente General A. W. Komarow, welcher mehrere Jahre in Derbent lebte. 


246. Grus einerea Bechst. 
Russisch: Shuraul. 
Tatarisch: Tama, Turna. 
Armenisch: Krank. 
Georgisch: Zero. 


*) Zoogr. rosso-asiat., T. II, pag. 104. 

*) Bogdanow, Säugethiere und Vögel der mittleren und unteren Wolga, pag. 143. 
**) Demidow: Voyage etc., Tome III, pag. 266. 

-r) Zoogr. rosso-asiat., T. II., pag. 102. 


392 Grus cinerea Bechst. 


Systematisches. 


Mein Exemplar wurde bei Lenkoran am 2. / 14. April erlegt. Es trägt die hin- 
tersten Schwingen schön gebogen und zerschlitzt. Das Kleingefieder dieses Vogels ist 
gemischt. Es stehen noch sehr viele abgeriebene, alte Federn zumal auf dem Rücken 
zwischen den frischen. Die ersteren sind sehr verblichen und haben fast gelbliche Enden. 
Die kahle Stelle auf dem Kopfe ist nicht sehr gross und mit schwarzen Borstenhaaren 
besetzt. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Es scheint, dass der Kranich im Süden des Caspi, wenigstens auf dem Hoch- 
lande Persiens, zu den Seltenheiten gehört, da de Filippi ihn gar nicht erwähnt und 
Blanford*) sowohl, wie auch Major St. John, ihn nur als im Süden Persiens (Be- 
ludshistan) häufig erwähnen. Für den Kaukasus und Hocharmenien kann ich ihm eine 
Verbreitungszone von mehr als 6300° in der Vertikalen nachweisen und in dieser ihn 
als Brutvogel erwähnen. So brütet er z. B. am Goktschai-See in den Gilli-Sümpfen. 
In den Einsamkeiten am Ostabhange des Kanly-Gebirges, im äussersten Winkel der 
Ardahan-Ebene, wo sich die Golü-Wasser zu einer der Kuraquellen versammeln, brüten 
Kraniche in bedeutender Anzahl. Auch an der südlichen Quelle der Kura, abseits vom 
Wege nach Kars, in den Marschan-s’u-Sümpfen brüten Kraniche. Ich habe sie zur 
Sommerzeit, freilich nicht sehr häufig, auch hier und da am Südufer des Goktschai, 
sowie im Kurden-Gebiete und am Tschaldyr-See angetroffen. Es scheint, dass ihnen 
die Hochebenen Armeniens viel besser behagen, als die heissen, im Norden des Grossen 
Kaukasus gelegenen Steppen und das zerrissene Hauptgebirge, denn aus letzterem liegen 
mir keine Brutplatznachweise vor. Wohl aber kann ich mittheilen, dass der Kranich 
einer der wenigen Zugvögel ist, welcher dieses Gebirge forcirt und in mehr als 14000’ 
Höhe über seine Kämme regelmässig fortziebt. Nur selten kehren im Frühlinge beim 
Anblicke der Eiszone des Grossen Kaukasus die Kraniche, wenn sie Tiflis passirten, 
zurück und geschieht das, so tritt gewiss schlechtes Wetter ein. Ein solches Foreiren 
des Hochgebirges vollbringen nach meinen Erfahrungen und Erkundigungen nur wenige 
Vogelarten und namentlich nur solche, deren Ruhbe-Etappen sehr weit von einander 
gelegen sind. Ganz abgesehen davon, dass die Kraniche in direkter SN.- oder NS.- 
Richtung über Tiflis fort, dem Aragwa-Thale folgend, meistens in diesem Gebiete noch 
verhältnissmässig niedrig hinziehen und sich mit dem höher und höher werdenden 
Gebirge mehr und mehr heben und am Kasbek vorbei den Kaukasus passiren, so habe 
ich überdies bei den Hochgebirgsbewohnern, bis zum Elbrus hin, überall die Erkundi- 
gung gemacht, dass die Kraniche auch in dieser Eiszone des Grossen Kaukasus das 
Gebirge zweimal jährlich während der Zugzeit forciren. Zumal waren die darauf 
bezüglichen Mittheilungen sehr bestimmt und eingehend an den Rion-Quellen bei der 
Besteigung des Mamısson-Passes und des Goribolo. Aber auch an den Quellen des 
Kuban im Karatschai-Gau, unmittelbar im Norden des Elbrus, theilten mir die Be- 
wohner des Dorfes Chursuk dasselbe mit. Ich glaube auch, dass manche Anatiden, 
obgleich sie zum grössesten Theile littorale und fluviale Wanderungen machen, doch 
über den Grossen Kaukasus ziehen, weil oben an den äussersten Quellen des Rion 


*) Eastern Persia, Vol. II, pag. 287. 


Grus einerea. — Grus virgo. 393 


(Dshandshachi-tskali, an der Ostseite des Mamisson) verschiedene Süsswasser-Enten sich 
im Frühlinge niederlassen, aber dort nicht bleiben, sondern nur kurze Rast halten. 

Einzelne Kraniche überwintern in Transkaukasien und zwar noch in Höhen 
von mehr als 1000° über dem Meere. Am 25. November / 7. Dezember und auch im 
Dezember zu verschiedenen Malen wurden Kraniche vom unteren Chramlaufe auf den 
Basar von Tiflis gebracht. In der Mugan überwintern sammt den Trappen auch viele 
Kraniche. Diese verlassen diese Steppe erst, wenn die Sonne den Graswuchs im Früh- 
linge versengt hat und ziehen dann merkwürdiger Weise gegen Süden, aber ins Gebirge! 
Hier haben wir also einen Frühlingszug (Anfang Sommers) gegen Süden, bedingt durch 
Nahrungssorgen, welche mit dem Ansteigen des Gebirges durch die veränderten Vege- 
tationsbedingungen schwinden. 

Das früheste Datum, welches ich über die Züge der Kraniche bei Tiflis notirte, 
ist der 1./13. März; 1867 begannen sie am 5./ 17. März, bis zum 9. / 21. war das 
Wetter kalt und stürmisch und die Züge nur spärlich, am 10. /22. und 11. / 23. März 
bei vollständig ruhiger Luft und + 20° R. im Schatten, drängten sich die Züge in 
rascher Aufeinanderfolge. Nordmann’s*) Beobachtung, dass bei Odessa die Banden 
nicht so zahlreich als im Norden sind, kann ich von hier aus nicht bestätigen. Ich 
zählte in einzelnen Keilen mehr als 40 Individuen. Wenn plötzlich im Frühlinge das 
Wetter sich ändert und es kalt wird, so ziehen die Kraniche wieder gegen Süden zurück. 
Dieses konnte ich öfters und zuletzt noch 1879 am 3./15. März beobachten, da 
plötzlich bei schlechtem Wetter die Flüge in der Richtung NS. erschienen. Lenkoran 
passirten die Hauptzüge 1830 in der Nacht vom 12. / 24. zum 13. / 25. März und auch 
am Tage. Die Zahl war ungeheuer gross, die ersten Kraniche zeigten sich dort am 
3./ 17. und 6. / 18. März. Bei Tiflis ziehen die Kraniche nicht sehr hoch. Mehrmals sah 
ich, wie sie um die Mittagszeit die Schraubenlinien der Geier durchschnitten, welche in 
dieser Zeit allt®&lich in Menge über Tiflis kreisen. Dann kamen die Kraniche in grosse 
Bestürzung, ihre Ketten zerstoben, es wurde sehr laut geschrien und erst später ordneten 
sich die Linien in Keilform. Auch die Geier waren sichtlich überrascht. Sie schwammen 
nicht mehr in den Bogenlinien, schlugen heftig mit den Flügeln, stiegen rasch an und 
kreisten dann ruhig weiter. 

Einen Sammelplatz für Kraniche, welche sich wohl schon zum Fortziehen vor- 
bereiteten, habe ich in den Eimöden am oberen Araxes unweit von Köprikö am 8. / 20. 
August 1874 gefunden. Dort in der Ebene am rechten Araxes-Ufer standen wohl an 
150 Kraniche und lärmten. Es mögen das die Familien gewesen sein, welche in jenen 
menschenleeren Gebieten des armenischen Hochlandes ihre Brut erzogen hatten und sich 
zur Reise gegen Süden anschickten. Das Erscheinen der Kraniche am Goktschai-See 
soll sehr wesentlich vom Wetter abhängen. In späten Jahren erscheinen sie dort erst 
Mitte April. Der Hauptzug ist stark besetzt und währt vom 10./22. bis Ende 
September. 


247. Grus virgo L. 
Russisch: Stepnoi Shurawl, d. h. Steppen-Kranich. 
Georgisch: Beli-Zerö, d. h. Steppen-Kranich. 


*, Demidow: Voyage etc., Tome III, pag. 266. 
Radde, Ornis caucasica. 50 


394 Grus virgo. 


Systematisches. 

Zwei alte Männchen, Mitte April bei Lenkoran (Südrand der Mugan) erlegt, 
tragen das schönste Hochzeitsgefieder und zieht sich bei dem einen von ihnen das 
Schwarz der Stirn bis über die Augen fort zur Schädelhöhe. Bei beiden Vögeln sind 
die verlängerten und zerschlissenen weissen Öhrenfelder so stark entwickelt, dass sie 
hinten am Halse eine förmliche Haube bilden. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Auch über diesen Vogel theilen die beiden oft schon erwähnten Reisenden in 
Persien, de Filippi und Blanford, nichts mit. Es ist möglich, dass er den breiten 
Rücken Hocharmeniens. welcher vielen Pflanzen- und Thierarten entschieden die Grenze 
ihrer Verbreitung gegen Süden zieht, nicht überschreitet. Jedoch ist er für das Gebiet 
des Goktschai-Sees als seltener Sommervogel neuerdings noch nachgewiesen, daselbst 
auch auf dem Herbstzuge erlest worden (Grosmani). In der wärmeren Zone des- 
gesammten Kaukasus überall da, wo sie Ebenen, wenn auch im magersten Steppen- 
charakter, besitzt, ist der Jungfernkranich anzutreffen, nirgends aber so häufig, wie in 
den pontischen Steppen und an der Nordseite des Gebirges. Er bleibt vornehmlich in 
der heissen Zone, ist in der Suram-Ebene, also etwa in einer Höhe von 2000’ über 
dem Meere schon recht selten, kommt unterhalb von Tiflis im Kura-Thale und an den 
Unterläufen der grösseren Zuflüsse vereinzelt vor und fehlt der Mugan nicht. 

Ich kenne aus dem Gefangenleben des Vogels einige interessante Details und 
will diese hier mittheilen. Sein Freileben ist ja vielfach und sehr erschöpfend bereits: 
geschildert worden. Seit nun schon 12 Jahren lebt ein schönes Weibchen in 
meinen Volieren bei Mais und zerschnittenem Fleische recht behäbig. Während in 
früheren Jahren im Frühlinge und Herbste der Vogel wohl aufgeregt war und oft auch 
den tönenden Lockruf sehr eifrig erwiederte, welchen durchziehende Rraniche hören 
liessen, hat sich in diesem Frühjahre (1879) in der letzten Hälfte des Aprils ein wahres- 
Liebesverhältniss zwischen der „Demoiselle* und dem grossen, weissen Reiher ausgebildet. 
Alle Anstrengungen, diesen stolzen Herrn zu gewinnen, macht das geradezu verliebte 
Weibchen. Es coquettirt in fast schon gemeiner Weise mit dem Freunde, der seinerseits 
auch nicht das geringste Interesse für die Schmeichlerin an den Tag legt. Die Demoiselle 
umtanzt den Reiher in graziösester Weise, hackt auf die zufällig nahenden Enten, spreizt 
die Flügel breit aus, nimmt einen Anlauf, präsentirt sich vor dem Herrn, ruckt heftig 
mit dem Halse, umhüpft den Gleichgültigen mit den hohen und zierlichen Sprüngen 
einer Tänzerin, ruft Jaut und wird ihrer Gunstbezeigungen gar nicht müde. Der Reiher, 
obgleich stupid, reckt bei heftiger Cour doch bisweilen den Hals, wie einen Stock, hoch 
herauf und bleibt bewegungslos, belästigt aber das freundliche Weib nicht mit den 
sonst oft anderweitig ertheilten Schnabelhieben. So mühete sich alltäglich vom Morgen 
bis zum Abend der schöne Vogel um eine nicht erwiederte Liebe ab. Am 30. April / 
12. Mai legte die Demoiselle das erste Ei, am 2. / 14. Mai das zweite. Die Schale des 
ersten ist rauher, als die des zweiten und beide sind gröber gekörnt, als die normalen. 
Mit diesen Eiern beschäftigte sich der Vogel höchst liebevoll und sorgsam. Ein mur- 
melndes, leises Rufen liess sich beständig vernehmen, wenn der Vogel sich mit dem Ei 
zu schaffen machte. Diesen Ton habe ich nur zu dieser Zeit bei dem Jungfernkraniche 
vernommen. Das Ei wird mit dem Schnabel behutsam bis zu den Fusszehen geschoben 


Grus virgo. — Cieonia alba. 395 


und dann setzt sich der Vogel so hin, dass es nur vorne von der Brust bedeckt wird. 
Da die stark besetzte Voliere keine Ruhe bot und der Vogel oft gestört wurde, so 
wiederholte er das Experiment sehr oft und setzte sich immer wieder zum Brüten. 
Alles, was sich ihm nahete, wurde weggebissen und dabei die Hals- und Kopffedern 
gesträubt, auch förmlich knurrende Töne dabei ausgestossen. Da bei dem Brüten doch 
nichts gefördert werden konnte, so nahm ich die Eier fort und seit der Zeit schob der 
Vogel bisweilen allerlei kleine Steinchen mit grosser Sorgfalt mit dem Schnabel zu den 
Füssen und setzte sich für kurze Zeit darauf. Ab und zu umtanzte es auch später 
noch den dummen Reiher, der von aller an ihn verschwendeten Liebe nicht im Ge- 
ringsten gerührt wurde. 


248. Ciconia alba Briss. 
Russisch: Azst. 
Persisch und Tatarisch: Hadshi-lelek. 
Armenisch: Tarech-spilak. 


Systematisches. 

Das erste Exemplar des Museums wurde am 4. /16. April 1866 in den Klee- 
wiesen (natürlichen, durch Trrfolium incarnatum Stept. gebildeten) bei Lenkoran geschossen. 
Es ist ein Männchen. Zu diesem gesellten sich später noch 7 Exemplare aus derselben 
Gegend. Das erste Pärchen von diesen wurde schon am 2. / 14. März geschossen und 
noch früher, nämlich schon am 29. Februar / 12. März, war der Storch zuerst bemerkt 
worden. Bis zum 18./30. März waren die weissen Störche im Talyscher Tieflande 
häufig. Grössenverhätnisse und Kolorit stimmen genau zu den europäischen Störchen. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Oben an den Quellen des Murad-tschai ebensowohl, wie in der oberen Fratstufe 
bei Erzerum, also in einer Höhe von circa 6500 über dem Meere, fand ich den Storch 
viel häufiger, als in den Tiefländern Transkaukasiens. Bei dem Kloster Surp-Joannes 
im Diadin-Gau gab es mehrere Nester auf alten gekappten Weiden in den Gemüsegärten 
der Mönche. Die Vögel sammelten hier in den Wiesen der Euphratufer. In der Stadt 
Ardahan brüteten vor dem letzten Kriege mehrere Paare. Schon in dem Berichte für 
die Petermann’schen Mittheilungen über meine Reise von 1867 sagte ich darüber 
Folgendes: Fast in jedem Dorfe, sobald man in das Gebiet des Kars-tschai tritt, sieht 
man den weissen Storch. Im Kurasysteme bemerkte ich die ersten Störche in Ardahan, 
im Poskho-Thale fehlen sie gegenwärtig, doch behauptet man, dass vor der Einnahme 
Achalzich’s durch die Russen (1829) in besagter Stadt Störche gelebt hätten, die später 
weggeschossen wurden. Den Störchen in den türkischen Dörfern hatte man zwei Faden 
hohe Pfähle mitten zwischen den Erdwohnungen aufgestellt, auf denen sie die Nester 
bauten. Sie erfreuen sich auch hier des allgemeinen Schutzes. In Alexandropol giebt 
es ebenfalls weisse Störche, selten bemerkte ich mehr als ein Paar in je einem Dorte. 
In der Stadt Nowo-Bajaset am Südufer des Goktschai-Sees brütet der Storch alljährlich 
auf der Kirche. In der Suram-Ebene am mittleren Kuralaufe fehlt der Vogel, oberhalb 
von Tiflis in der Digom-Ebene habe ich ihn nur selten gesehen, aber in den Karagas- 


steppen wird er häufiger. Im unteren Chramthale nistet der weisse Storch recht häufig 
50% 


396 Ciconia alba. — Ciconia nigra. 


bei den Tataren, welche ihn heilig halten und nicht gestatten, ihn zu schiessen. Es 
giebt dort 5—7 Nester auf einem Dache der nicht sehr umfangreichen Häuser. Abwärts 
im Kurathale hatten sich, östlich von der Arabskaja-Station die Störche auf alte Pla- 
tanen zum Nisten begeben. Noch weiter östlich ist der Storch nicht selten und findet 
sich auch im Talyscher Tieflande zur Sommerzeit, doch habe ich ihn in den grossen 
Dörfern der Molokaner nicht nistend angetroffen. Beide Storcharten kommen fast zu 
gleicher Zeit an. Man sieht es den angereisten Vögeln meistens gleich an, dass sie 
auch im fernen Süden in der Nähe menschlicher Ansiedelungen leben. Ihr Habit 
ist fast immer schmutzig. Es scheint, dass die hell graubräunliche Färbung, welche 
die meisten weissen Federn besitzen, gar nicht vom Vogel beseitigt werden kann. Es 
sind das wohl angeräucherte Federn. Da die Störche meistens auf Dächern brüten, so 
dürfte der Rauch der Schornsteine sie so färben. Das Kleid, in welchem die Störche 
ankommen, ist ungemein vertragen. 


249. Ciconia nigra L. 
Russisch: Tschernyi Aist. 
Tatarisch: Kara-sialo. 
Armenisch: Tarech-sjaw. 


Systematisches. 

Es ist mir ein Dutzend Exemplare dieser Art im Kaukasus in die Hände ge- 
kommen, die meisten wurden im Talyscher Tiefande gelegentlich erlegt. Die alten 
Weibchen, welche bei Lenkoran am 2. / 14. und 3. / 15. April geschossen wurden, gaben, 
was Glanz des Gefieders anbelangt, alten Männchen nichts nach. Beide Geschlechter 
kann ich äusserlich nicht unterscheiden; das Männchen ist ein wenig grösser als das 
Weibchen. 

Lebensweise und Verbreitung. 

Nirgends ist der schwarze Storch in Transkaukasien so gemein, als in den 
Wäldern von Lenkoran in der Nähe vom Meeresufer und am Unterlaufe der Bäche. Er 
gehört fast der ganzen Waldzone an, wird aber in den höheren Partien immer seltener. 
In den Wäldern von Borshom kenne ich zwei Paare, welche ab und zu auch an der 
Kura erscheinen; höher im Kurasysteme ist er mir noch vom unteren Koblian-tschai 
bekannt und als wir (ich und Dr. Sievers) im Sommer 1874 aus den Adsharischen 
Wäldern im östlichen Quelllaufe des Tschoroch das armenische Plateau erstrebten, wurde 
ein schwarzer Storch an der Baumgrenze (hier nicht höher als 6000‘ über dem Meere) 
erlegt. An dieser Lokalität war der Vogel auf die dichten und überstandenen Urwälder 
von Abzes Nordmanniana angewiesen. Auch in diesen Höhen brütet der schwarze 
Storch; bei dem Dorfe Bukuriani in der Grossfürstlichen Domaine hat ein Paar seit 
vielen Jahren den Horst auf sehr hoher, trockener Abies orientalis. Dort kommt er 
nach der Aussage der Bauern schon zum 15. /27. März an, wenn die Höhen des Rand- 
gebirges noch im tiefen Schnee liegen. Am 3. /15. April beobachtete ich an erwähnter 
Lokalität diese Vögel. Bei Dshwari in Mingrelien gab es am 28. Juli /9. August Hügge 
Junge, welche auf alten Bäumen ruheten. Bei Sugdidi im Mingrelischen Tieflande war 
der schwarze Storch ebenso gemein, wie am unteren Rion. In einzelnen Exemplaren 
überwintert Ciconia nigra im Tieflande. Am 4. /16. December wurden noch zwei 


Ciconia nigra. — Ardea cinerea. 397 


schwarze Störche bei Lenkoran beobachtet, diese aber verschwanden später. Wahr- 
scheinlich ziehen bei zunehmender Kälte diese Störche und auch viele Reiher nicht weit 
fort und verbringen den Rest des Winters in den geschützteren Uferpartien Gilans. 
Ich kann nicht glauben, dass die Vögel im Dezember noch die Hochländer Persiens 
passiren sollten, um erst in Beludshistan zu rasten. Schon am 27. Febrmar / 16. Mai 
gab es bei Lenkoran wieder schwarze Störche. 


250. Ardea cinerea L. 
Russisch: Seraja Zapla, d. h. grauer Reiher. 
Tatarisch: Kuzk-Kaja oder Gögwach, d. h. Blaugrauer Reiher. 
Armenisch: Aragal. 
Georgisch: Tewsichlapia d. h. Fisch-Schlucker, für alle Reiher geltend. 
Systematisches. 

Es liegen fünfzehn Exemplare vor. Sie wurden vom November bis zum Mai 
bei Lenkoran erlegt. Ein Paar stammt aus den Umgegenden von Tiflis. Meine Exem- 
plare sind mehr oder weniger ausgefärbte alte Vögel im brillanten Winter- und Hoch- 
zeitskleide. Bei einem Männchen macht sich auf den Flügeldecken noch recht viel 
dunkles Schiefergrau in Fleckenform kenntlich. Der Vogel ist wohl noeh nicht sehr 
alt. Einzelne Reiher tragen auch noch im November die langen Schopffedern (16. / 28. 
November), andere mausern um diese Zeit noch. Die Mauser, welche gewöhnlich schon 
Ende August beginnt, nimmt ihren Verlauf auf dem Körper von oben nach unten. Bei 
mehreren Exemplaren zeigt die Stirn bereits fertiges, frisches Gefieder, an den Seiten 
der Brust drängen sich junge Federchen durch. Die Mauser geht nur langsam von 
Statten. 

Lebensweise und Verbreitung. 

Von allen Reiher-Arten hat der graue die grösseste Verbreitungszone in der 
Vertikalen und ist überall an passenden Lokalitäten gemein. Oft lebt er gesellschaftlich 
und bewohnt mit seines Gleichen nicht selten Brutkolonien, obwohl auch vereinzelte 
Horste gefunden werden. Auf der Insel im Balyk-göl-See, 7400° über dem Meere, fand 
ich ihn und ebenso an allen Seen des armenischen Hochlandes *). Auf jener Insel hatte 
er die Horste auf dem Boden. Grössere Reiherbrutstände, die zugleich stark von Cor- 
moranen besetzt waren, fand ich in den Urwäldern am Caspi auf dem Wege von Len- 
koran nach Astara. Hier standen die Horste beider Vögel sehr niedrig, weil die dazu 
benutzten Bäume von Zeit zu Zeit in früheren Jahren gekappt wurden. Ich habe die 
Beobachtung gemacht, dass der graue Reiher keinesweges den eigentlichen Hochwald- 
gebieten von circa 3—6000‘ über dem Meere fehlt, selbst da nicht, wo diese sehr weit 
gedehnt und geschlossen sind, das Terrain ausserordentlich zerrissen und felsig ist und 
die-Gewässer schon den Charakter ächter Gebirgsflüsse mit starkem Falle und trübem 
Wasser besitzen. So fand ich einzelne Reiher noch oberhalb von Uzeri an den Rion- 
Quellen im düstersten Gebirgswalde (19. / 31. August), so fand ich auch wenige Vögel 
2m Koblian-tschai, wiederum mitten im Walde. Dennoch aber bleibt es wahr, dass er 
vornehmlich die Ebenen und zwar die der heissen Zone mit möglichst ruhigen, grossen 
Gewässern besonders lieb hat und auch auf den hohen Ebenen der Kleinasiatischen 


*) Bogdanow (Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 166, Nr. 254) kennt ihn aus dem Hochge- 
birge des Grossen Kaukasus nicht. 


398 Ardea cinerea. — Ardea purpurea. 


Plateaulandschaft häufiger ist, als in der tiefer gelegenen Waldzone des Gebirges. Auf 
letzteren Ebenen fand ich ihn ebensowohl bei Erzerum am Frat als auch am Murad 
im Diadin-Gau, ebensowohl am Goktschai, als auch am Tschaldyr-See und endlich 
ebenso häufig in der Fläche von Ardahan, als im Kars’er Gebiete. Einzelne graue Reiher 
überwintern im Caspi-Gebiete. Bei Lenkoran halten sie sich während des Winters in 
den Wiesen und hohen Burian-Distrikten in der Nähe der Bewässerungsgräben auf, sind 
aber nicht so häufig wie die grossen weissen Reiher zu dieser Jahreszeit (November 
und Dezember). Auch ihre Zahl vermindert sich mehr und mehr, je kälter und 
stürmischer es wird. Sie wechseln dann nicht weit gegen Süden aus und besuchen 
namentlich den Golf von Enseli. Anfangs März kommen sie schon zurück und zwar 
in ziemlich gut geordneten Zügen. Am 6./ 18. März 1880 sah ich solche ziehenden 
Reihergesellschaften. In den in Keilform, mit schiefer, abgerundeter Spitze, geordneten 
Zügen gab es 9—12 Individuen. Sie flogen schwerfällig und langsam, nicht sehr hoch, 
aber selbst für die Kugel nicht zu erreichen und liessen beständig den rauhen, 
krächzenden, einsilbigen Ruf erschallen, den man sonst bei dem Vogel gar nicht oft zu 
hören bekommt. 

Grosse Brutkolonien liegen auch von dieser Art in den unzugänglichen Rohr- 
beständen d@r unteren Akuscha und Kura. Im Mai traf ich in der Bucht von Enseli 
viele, einzeln lebende, graue Reiher. Sie bestanden die angeschwemmten Treibhölzer 
in kleinen Gruppen und fischten an den seichten Schilfrändern. Hier war zu dieser 
Jahreszeit diese Art die dominirende. Am Goktschai-See brüten die grauen Reiher 
alljährlich im Rohr und bauen darin hohe Nester. Die beiden Eierformen ergeben 
folgende Maasse: 

Die grössten Eier: Höhendurchmesser: 65 mm. 
Breitendurchmesser: 42 „ 

Die kleinsten Eier: Höhendurchmesser: 59 „ 
Breitendurchmesser: 43 „ 


251. Ardea purpurea L. 
Russisch: Tschepura. 
Tatarisch: Kermesiwach d. h. Rother Reiher. 
Systematisches. 
Vom Purpurreiher wurden fünfzehn Exemplare präparirt, darunter auch Vögel 

im ersten Kleide, die im November und December bei Lenkoran erlegt worden waren. 
Für kurze Zeit zieht auch diese Art in die geschützten Tiefländer Massenderans. Mitte 
März schon kehrt sie zurück. Das dritte Lebensjahr bringt erst das volle, fertige 
Alterskleid, das erste Jugendkleid zeigt nur wenig Braun. Am 6. /18. April 1867 wurde 
bei Tiflis ein Purpurreiher erlegt, ein Männchen im Prachtkleide, welches an den oberen 
Flügeldecken noch breite, rostrothe Ränder besitzt, mithin nicht sehr alt sein kann. 
Der Vogel hält sich auch hier in meistens jungen Individuen sehr lange. Noch im 
November erhielt ich solche ganz abgeschwächte Vögel. 


Lebensweise und Verbreitung. 
In der heissen Zone ist der Purpurreiher häufig, aber meistens vereinzelt lebend. 
Ich habe ihn nur bis zu 2000‘ Meereshöhe brütend beobachtet. Aus dem Kurathale 


Ardea purpurea. — Herodias alba. .399 


ist er mir oberhalb Gori nicht bekannt geworden. Neuerdings wurde er einmal am 
Goktschai-See erlegt (Zug!). Das Faktum, welches Blanford*) mittheilt, dass nämlich 
dieser schöne Reiher in Persien sich bis zu 5000° Höhe finde, kann ich aus den Kau- 
kasusländern nicht bestätigen. Ardea purpurea meidet die Waldzone; in den ausge- 
dehnten Rohrbeständen bei Lenkoran brütet er und ist im Sommer dort gemein. Junge 
Vögel halten sich dort auch im Winter auf. Nordmanns**) kurze Mittheilungen über 
die Lebensweise des Purpurreihers sind vortrefflich und durchaus wahr. Jüngere Vögel 
sind geradezu dumm, sie besitzen keine Spur der Wachsamkeit und Vorsicht, welche, 
mit Ausnahme der Nachtreiher und Rohrdommel; alle Reiher in so hohem Grade be- 
sitzen. Auch alte Vögel lassen sich leicht beschleichen. Die Fischnahrung, so scheint 
es, ist dieser Art unumgänglich nöthig. Mein junger Purpurreiher sass in der Gefangen- 
schaft meistens theilnahmlos, mit eingezogenem Halse da und gewöhnte sich nicht recht 
an die Fleisch- und Mais-Nahrung, bei welcher der grosse, weisse Reiher vorzüglich 
gedieh. Er starb nach drei Wochen. Dieser Vogel war Ende September bei Tiflis er- 
griffen worden. ; 


252. Herodias alba L. 
Russisch: Belaja Tschepura, d. h. Weisser Reiher. 
Tatarisch: Akwach, d. h. Weisser Reiher. 


Systematisches. 

Vom grossen Silberreiher wurden fünfundzwanzig Exemplare präparirt, die 
meisten von ihnen sind Wintervögel und haben den Federschmuck nur unvollständig. 
Nur in Bezug auf allgemeine Grösse, Schnabel- und Tarsenlänge fallen mir bedeutende 
Differenzen ins Auge, weshalb ich die Extreme derselben weiter unten namhaft mache. 
An Bälgen wird mit der Zeit der Schnabel ganz gelb. Bei allen alten Vögeln ist er 
im Leben nur an der Basis gelblich und dies oft nur in geringer Ausdehnung. Im 
Laufe der Zeit erstand ich viele weisse Edelreiher, 16 ausgestopfte Exemplare stehen 
vor mir und dazu kommen noch 9 Bälge, aber ich kann mich nicht entschliessen, zwei 
Arten zu-acceptiren, obschon eben die Grössen der Vögel, der Schnäbel, der Tarsen 
und der unbefiederten Theile an den Unterschenkeln sehr variiren. Aber ein solches 
Schwanken in den Grössenverhältnissen ist ja bei den Sumpf- und auch bei den 
Schwimmvögeln nicht selten. Die Schnabelfarbe ändert mit dem Alter und ist auch 
etwas abhängig von der Jahreszeit und vom Geschlechte. Alte, Anfangs November bei 
Lenkoran erlegte Vögel besitzen fast hornfarbene Schnäbel, an denen nur die Basis des 
Öberschnabels gelb erscheint. Die Füsse sind auch bei diesen etwas purpurschimmernd 
in der schwarzen Färbung. Jüngere Vögel haben mehr Gelb am Schnabel, ganz junge 
fast rein gelbe Schnäbel. Ich halte Ardea orientalis J. E. Gray, welchen Blasius und 
Keyserling***) der südosteuropäischen Ornis zuzählen, nur für grosswüchsige A. alba 
L. Die Differenzen in der Färbung des Schnabels und der Füsse sind nicht stichhaltig 
und die Grössenverhältnisse der betreffenden Körpertheile schwanken ausserordentlich. 
Es lebt bei mir seit Jahren ein grosser, weisser Reiher, dem ich nach seinem Gefangen- 


*) Eastern Persia, Vol. I, pag. 295. 
**) Demidow, Voyage etc., Tome III, pag. 259. 
#*#) Die Wirbelthiere Europas, LXXIX, Nr. 365. 


400 Herodias alba. 


leben 8 Jahre zusprechen muss und der bereits als alter Vogel eingefangen wurde; 
dieser ist grosswüchsig, hat aber die gelbe Schnabelbasis bis über die Nasenlöcher fort 
nach vorne und grauschwarze, röthlich durchschimmernde Füsse. Nordmann*) frei- 
lich ist, nach Rüpvels Vorgange, geneigt, zwei weisse, grosse Reiherarten für Südruss- 
land anzunehmen. Ihm aber stimmt Degland**) nicht bei. 

Die Maasse ergeben folgende Tabelle: 


var. major. typiea. 


Herodies alba L. | M | w. | M. || ? gefangen. | W. | W. 


| mm | mm mm I mm mm mm mm 
| 
| 


| 
| 


Länge des Flügels vom Bug bis zur Spitze | 465 | 450 455 | 415 | 400 | 410 | 394 
Länge des Schnabels, auf der Firste gemessen | 133 | 125 | 130 | 110 | 125 | 116 100 
Mundspalte . . . . . 2. 2... 2.167 |°162) 165.) 139) 154 | 1aas> 
Länge des Tarsus 220 | 203 ug | 170| 188] 175 | 168 
Länge des unbefiederten Theiles des Unter- 

schenkels . . . ee 1258125 128. ı 107 | 122] 112 | 105 
Länge der Mittelzehe ohne Nagel 107 | 991 102| 93 | 1021 92 88 


Lebensweise und Verbreitung. 

Der grosse Silberreiher ist im Freileben viel weniger empfindlich gegen Kälte, 
als sein schöner kleiner Bruder (Garzetia garzetta). Dieses darf ich behaupten, weil fast 
alljährlich im December und Januar erlegte, grosse, weisse Reiher mir vom Chramflusse 
und aus den Niederungen der Karagas-Steppe gebracht wurden, also noch immer aus 
einer Höhe von 1200'° über dem Meere. Im Allgemeinen darf man behaupten, dass 
H. alba weniger häufig und namentlich weniger gesellschaftlich ist, als Garxetta garzella 
und dass er vornehmlich nur die heisse Zone im Kaukasus, zumal die Süsswasser- 
niederungen am Unterlaufe der vier grossen Flasssysteme des Isthmus, bewohnt. Vom 
armenischen Hochlande ber kenne ich den Vogel gar nicht, ebensowenig aus der eigent- 
lichen Waldzone, oder aus den Gebieten oberhalb derselben. In grosser Zahl überwintern 
diese schönen Reiher im Talyscher Tieflande, und zwar, solange kein Frost eintritt, halten 
sie sich 40—70 Werste oberhalb von Lenkoran in den trockenen Ebenen und bestehen, 
weitläufig vertheilt, die Burianfelder und Viehweiden. Ich zählte ihrer auf einem 
Flächenraume von kaum 7000 Quadratklaftern zweiundzwanzig Stück am 12. / 24. 
November 1879. Hier sind die Reiher vornehmlich Mäusefresser. Zu dieser Zeit sind 
sie am offenen Wasser und im Rohr nicht häufig anzutreffen, treiben sich dann gerne 
auf Viehweiden umher, besuchen alte Brachen und sind nicht besonders scheu. Wird 
es kalt und stürmisch, so ziehen sich diese Reiher nach und nach mehr südwärts, 
wandern aber nicht weit fort. Ueberrascht sie Schneesturm, so suchen sie die Rohr- 
dickichte auf, immer aber bleiben sie dem Süsswasser freu, man wird sie weder am 
Meeresufer, noch auf den Inseln des Caspi antreffen. 


*) Demidow, Voyage ete., Tome III, pag. 260. 
**) Ornithologie europeenne, T. II, pag. 139. 


D 


Herodias alba. 401 


Aus dem Gefangenleben des Vogels kann ich einige interessante Mittheilungen 
machen. Der oben schon erwähnte Vogel hat sich zwar in der Voliöre, wo er mit Grus 
virgo, Vulpanser rutilus, Cairina moschata, Fulica atra, zeitweise auch mit verschiedenen 
Süsswasser-Analiden zusammen lebte, mit Niemandem befreundet, aber auch Niemanden 
beleidigt, oder gar persönlichen Hass gegen Diesen oder Jenen an den Tag gelegt, — 
wie solches bei zusammenlebenden Vögeln oft anderweitig beobachtet wird. — Die hie 
und da auf das „kleine Volk“ ausgeübten Schnabelhiebe verletzten nicht, erhöhen, sanft 
geführt, nur die allgemeine Achtung für den imponirenden Herrn der Voliere, welcher 
in gravitätischem Gange seine Gesundheitspromenaden auf und ab macht, oder mit 
vollständig eingezogenem Halse gleichgültig gegen die gesammte Umgebung, auf einem 
Fusse ruhend, philosophischen Betrachtungen nachzuhängen scheint und sich in diesem 
Falle nur ungern stören lässt. Es liegt eine ungemeine Behaglichkeit in dieser Reiher- 
stellung, sie repräsentirt so recht die unbehelligte Ruhe einer zufriedenen Existenz. 
Gegen die fast etwas unanständigen Liebkosungen der „Demoiselle de la Numidie“, 
deren ich bereits bei Abhandlung dieses Kranichs erwähnte, blieb der Herr ganz gleich- 
gültig. Gerne bäumt mein weisser Reiher zum Schlafen. In der ersten Zeit seiner 
Gefangenschaft that er es regelmässig jeden Abend und begab sich auf die Querstangen, 
welche oben in der Voliere zum Stützen des Baues angebracht sind. Dieser Sitz be- 
hagte aber seinen Zehen nicht, denn er war breit und vierkantig. Meistens ruht er 
jetzt auf einem Fusse stehend, am Tage oft auch sich hinsetzend und auf die Fersen- 
gelenken sich stützend. Bei gehacktem Fleische, welches auch sämmtliche sonstige 
Insassen der Voliere gerne nehmen und bei Mais! (in geringem Maasse) befindet sich 
der Reiher sehr gut, an hohen Fest- und Feiertagen erhält er kleine Fische. Gerne 
bringt er die Fleischstücke zuerst ins Wasser und verfährt dann mit ihnen, als seien 
es Fische, er lässt sie sinken und erhascht sie, eilig mit dem Schabel stossend. Sehr 
oft begiebt er sich in das Bassin und steht da ruhig im Wasser, wiederum ganz gleich- 
gültig gegen seine Umgebung. Dass die grösseren Reiher sich alle gelegentlich gerne 
aufs Mausen legen und es meisterhaft verstehen, ja sogar förmlich wie die Katzen auf 
die Feldmäuse lauern, ist bekannt. Naumann*) und Brehm berichten darüber. Dass 
sie aber die Wanderratten bewältigen und verschlingen, habe ich noch nicht angeführt 
gefunden. Nun ist dieses bei meinem Gefangenen zu einer förmlichen Profession 
geworden. Leider ist Tiflis sehr stark von Ratten heimgesucht und zwar hat die 
Wanderratte (M. decumanus Pall) in manchen Stadttheilen die eigentliche Ratte (M. 
rattus L.) noch nicht ganz verdrängt (z. B. im Stadttheile Salalakiı, wo vor 10—15 
Jahren beide Spezies noch im Kampfe lagen). Mit der Dämmerung erscheinen denn 
auch in den Volieren diese unliebsamen Gäste, obschon die unterirdischen Wege, welche 
sie sich bahnen, stets sorgsam aufs Neue mit Steinen verlegt werden. Sie kommen, 
um die Reste des Futters und den Mais zu verzehren. Am Abend bleibt ihnen gegen- 
über der Reiher gleichgültig, träge, schläfrig.. Aber am frühen Morgen bewältigt ‘er 
nicht selten einen dieser unverschämten Gäste. Er steht dann förmlich auf dem An- 
stande regungslos und lässt die Ratte unbehelligt hin und her laufen, bis der für sie 
verhängnissvolle Schnabelhieb während einer Passage ausgeführt wird. Er triftt sicher- 
lich den Kopf. Verendet das Thier, so wirft er es zunächst ins Wasser und versucht 


*) Naturgeschichte der Vögel Deutschlands, Bd. 9, pag. 49. 


Badde, Ornis caucasica. 51 


402 Herodias alba. — Garzetta garzetta. 


dann, den Kopf nach unten wendend, dasselbe zu verschlingen. Dieses gelingt dem 
Reiher erst nach vieler Mühe und man muss sich über die Elasticität seines Schlundes- 
füglich wundern. Nach vielen Anstrengungen rutscht die Ratte abwärts und nun erfolgt 
die Verdauungsruhe des Reihers, welche lange anhält. Bei anhaltender Kälte von 
6—7’ R. gehen die Vögel in der Gefangenschaft zu Grunde. Man muss sie dann ins. 
Zimmer bringen. 


255. Garzetta garzetta L. 
Russisch: Tschepura-nushda. 
Systematisches. 

Auch vom kleinen Silberreiher wurden von den vielen erlegten Exemplaren 
zwanzig präparirt. Es giebt auch von dieser Art grosswüchsige und kleinere Indi- 
viduen, über die extremen Grössen giebt die Tabelle Auskunft. Bei recht alten Weibchen 
sind die Schmuckfedern wie bei den Männchen ebenfalls sehr stark entwickelt. Ein 
solcher Vogel wurde am 1. /13. April bei Lenkoran erlegt und eben als Weibchen er-- 
kannt. Im Uebrıigen geben mir meine Exemplare nicht Veranlassung zu irgend welchen 
Mittheilungen. Der Federschmuck hält sich bei ihnen länger als bei HZ. alba; die meisten 
alten Vögel, welche im November und December geschossen wurden, tragen ihn ziemlich 
vollständig. Die Maasse sind: 


Lenkoran. 


le 


Garzetta garzelta. I ee Erz: 
Maximum. | Minimum. 


mm | mm 
Totallänge-! Lunar 3 Reese 
Blügelspitzebis Bue!W . mr) ee 28H 255 
Schnabel, auf der Firste gemessen . . . | 98 | 83 
Mundspalte, Mn DIR Mk len ur au rs 
Tarsussı 22, Ben Eee.) Dr a | 1 Du ML 
Mittelzehe-ohnel Nagel ar rn a 2, | 63 

| 


Grosse Brutkolonien finden sich im Rohr der unteren Akuscha. Ich messe an 
den Eiern: Höhendurchmesser 52 mm bis 48 mm. 
Breitendurchmesser 6 „ „ 3 „ 


Lebensweise und Verbreitung. 

Der zarte Vogel gehört nur der heissen Zone an und frequentirt ebensowohl 
brakiges als auch süsses Wasser. Ein so hohes Vorkommen, wie Blanford*) es für 
Persien erweist (Ispahan, 5000‘, 6. April) ist mir für den Kaukasus nicht bekannt 
geworden. In einer Höhe von mehr als 2500‘ über dem Meere bin ich dem Vogel nir- 
gends begegnet. Ich traf ihn im Sommer immer gesellschaftlich. So erscheinen diese 
Reiher auch im Frühlinge in kleinen Gesellschaften in den ersten Tagen des Aprils bei 


*) Easteın Persia, Vol. II, pag. 296, Nr. 338. 


Garzetta garzetta. — Ardeola comata. 403 


Lenkoran, wo sie im hohen Rohr brüten und gerne mit Ardeola comata zusammen sind. 
Am Fusse des Grossen Ararat, an den flachen Lachen bei dem Dorfe Argatschi, waren 
die kleinen Silberreiher in Gesellschaft von Sichlern und Himantopus ausserordentlich 
gemein und bewohnten auch noch westlicher die Quellsümpfe der Karasu und ab und 
zu selbst die Bewässerungs-Kanäle. Es scheint, dass im wasserarmen Persien allerlei 
Sumpf- und Schwimmvögel viel höher vorkommen, als im Kaukasus. Dieses mag aber 
seine Erklärung dadurch finden, dass passende Lokalitäten für den Aufenthalt solcher 
Arten dort selten sind und dem Vogel keine grosse Wahl für den Aufenthalt bleibt, 
dass ferner die Sommertemperaturen in Persien auf dem Hochlande noch höher sind als 
bei gleichen Höhen im Kaukasus. Im Winter ist diese Art im Tieflande ungleich seltener 
als der grosse weisse Reiher. Die im November erlegten Exemplare trugen alle die 
zarten, zerschlissenen Federn am hinteren Flügel. Von Mauser war damals noch nichts 
wahrzunehmen. 


254. Ardeola comata Pall. 
Russisch: Kosmataja Zapla, d. h. Schopf-Reiher. 
Systematisches. 

Alte und zweijährige Vögel stehen vor mir. Das erste Jugendkleid besitze ich 
nur in einem weiblichen Vogel. Die Rückenfarbe der recht alten Weibchen ist immer 
viel dunkler und brauner, als die der Männchen. Doch geben solche alte weibliche 
Vögel in der mächtigen Entwickelung der zerschlissenen Federn und auch, was die 
Länge des Schopfes anbelangt, den Männchen nichts nach. Grosse Brutkolonien liegen 
im Rohr an der unteren Akuscha. Die vielen Eier, welche mir die Molokaner von dort 
brachten, weisen folgende Maasse auf: 

Höhendurchmesser, grösster 41 mm, kleinster 37 mm. 
Breitendurchmesser, 5 a0Ezr 5 Den 


Lebensweise und Verbreitung. 


Anfangs April erschienen die Rallenreiher in kleinen Gesellschaften von 6 bis 
höchstens 10 Exemplaren in den Niederungen Lenkorans und bezogen wohl ihre alten 
Brutplätze im hohen Rohr. Sie setzten sich ganz in der Art der kleinen Rohrdommel 
mehr an, als auf die dicken Rohrschafte und bieten dann fast unglaubliche Stellungen. 
Das üppige Rohr, bis 10‘ hoch, biegt sich unter ihrer Last gar nicht und so fassen sie 
es denn der Länge nach, den unteren Fuss weit ausstreckend und den oberen anziehend. 
Nicht selten gehen sie auch zum Ruhen auf Kopfweiden. Ich selbst kenne diesen 
schönen Reiher nur als littorale Art und bin ihm in den Vorbergen Transkaukasiens 
niemals begegnet, er ist aber von Herrn Grosmani als Sommervogel vom Goktschai- 
See nachgewiesen, derselbe besitzt vier Exemplare. Auf dem Herbstzuge wurde ein 
Exemplar Ende August bei Tiflis erlegt. Im Talyscher Tieflande fehlt diese Art im 
Winter fast ganz und ist auch im Sommer nicht häufig, ein junger Vogel wurde doıt 
am 30. November / 12. Dezember geschossen. Den unteren Flussläufen folgt der Rallen- 
reiher soweit aufwärts, als diese ruhiges Wasser, breite stille Niederungen und möglichst 


ziel dichten Rohrwuchs am Ufer besitzen. 
51* 


404 Ardeola minuta. — Bubuleus ibis. 


255. Ardeola minuta L. 
Russisch: Zapla- Woltschok. 


Systematisches. 
Alte und junge Vögel in beiden Geschlechtern wurden mir in der zweiten 
Hälfte des April 1866 und 1880 häufig in Lenkoran gebracht. Ein halbes Dutzend 
Vögel wurden auf dem Zuge bei Tiflis erbeutet. Die präparirten von ihnen weichen in 
keiner Hinsicht von den europäischen ab. 


Lebensweise und Verbreitung. 

In den hohen Rohrbeständen ist die kleine Rohrdommel bei Lenkoran recht 
gemein und verlässt sie selten. Im Winter fehlt sie dort aber gänzlich und ist von 
allen Reiherarten die empfindlichste gegen die Kälte. Ich fand sie daselbst erst nach 
dem 15. /27. April in kleinen Banden beisammen, so dass ich glauben muss, dass diese 
hier nicht brüten. Der Vogel zieht spät. Blanford*) aber schoss schon am 6. April 
neuen Styls zwei Weibchen in Beludshistan. Ich glaube, dass dort der Vogel über- 
wintert. Bei Tiflis findet man ihn ebenfalls erst in den letzten Tagen des Aprils und 
zwar nur vereinzelt auf dem Zuge. Zu wiederholten Malen habe ich ihn dort bei dem 
sogenannten Fuchssee aufgescheucht. Vom 4. / 16. bis 9. / 21. Mai wurden die erwähnten 
sechs Exemplare bei Tiflis erbeutet. 


256. Bubulcus ibis Hasslg. 
— Ardea Veranyi Roux 
— Ardea russata Keysl. und Blas. 
(G. R. Gray, Hand-list, part III, pag. 29.) 


Russisch: Ryshigolowaja Zapla nach Bogdanow; das Volk spricht so aber nicht, es kennt nur 
die allgemeine Benennung: Zapla. 


Systematisches. 

Bei Besprechung von Ardea comata Pall. hat Degland**) in der Anmerkung 
den Irrthum von Graf Keyserling und Blasius in Bezug auf Ardea russata berichtigt. 
Da nach jenen Autoren Ard. russata Wagl. gleich Ard. aequwinoctialis Montagu ist, so 
hat man es hier mit der Ard. bubuleus @. Cuv., d. h. mit Ard. Veranyi Roux zu thun. 
Das Vorkommen des Vogels bei Lenkoran ist bereits durch Hohenacker (vergl. Bog- 
danow, |. c. pag. 167) dargethan. Am 22. November /4. Dezember erhielt ich das 
erste sehr alte Weibchen. Es ist schneeweiss und besitzt nur einen ganz leichten hell- 
gelblichen Anflug auf den verlängerten oberen Brustfedern und dito von der Stirne zum 
Nacken hin. Am frisch geschossenen Vogel sind die unteren Zehenseiten gelbgrün, 
der Tarsus schwarz, die Basis des Unterschenkels schmutzig grüngrau, die nackte Augen- 
haut und Schnabel sind schön orangegelb. 


Lebensweise und Verbreitung. 
De Filippi“**) schreibt: Eine unermesslich grosse Anzahl dieser drei Arten 
Egretia alba, garzelta und Buphus bubulcus L.), hauptsächlich der letzteren, wateten 
*) Blanford, Eastern Persia, Vol. II, pag. 296. 


**) Degland, Ornithologie europeenne, Tom. I, pag. 142, 
**>) Jowmnal für Ornithologie, 1876, pag. 188. 


Bubuleus ibis. — Botaurus stellaris. — Scotaeus nyceticorax, 405 


umher in einem grossen Sumpfe bei Mundab*). Der Autor kennt aber von daher 
Ard. comata Pall. nicht. Nach meinen Erfahrungen ist letztere Art es, die am Caspi 
so gemein ist, doch will ich das Vorkommen von Ard. Veranyi dort nicht bestreiten, 
glaube aber, dass de Filippi an den erwähnten Lokalitäten vornehmlich Ard. comata 
gesehen hat. Als Wintervogel ist die in Rede stehende Art in dem Rohr von Lenkoran 
und auf den tieferweichten Reisfeldern selten, die beiden grösseren, weissen Reiher da- 
gegen, zumal Herodias alba, ziemlich gemein. Bei meinem Besuche des erwähnten Murdab 
habe ich kein einziges Exemplar von (diesem oder dem Rallenreiher gesehen; das lag 
aber an der Jahreszeit. Ende Mai sind diese und alle anderen Reiher an ihren Brut- 
plätzen versteckt gewesen. Damals sah ich nur alte graue Reiher und diese in ver- 
hältnissmässig geringer Zahl. Im August und September ist die beste Zeit für die 
Reiherjagden an besagten Lokalitäten. 


257. Botaurus stellaris L. 
Russisch: Wyp. 
Tatarisch: Sariwach, d. h. gelber Reiher. 
Systematisches. 
Ich finde an den vielen Exemplaren, die theils bei Lenkoran, theils in den Um- 
gegenden von Tiflis erlegt wurden, nichts Abweichendes von europäischen Vögeln. Meine 
Suite besteht aus 20 kaukasischen Rohrdommeln. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Die grosse Rohrdommel ist in den Caspischen Süsswasserniederungen gemein 
und kommt namentlich zum Ueberwintern dorthin. Diese Zeit beginnt aber erst mit 
dem Anfang Dezember und währt bis Anfang März, seltener ist sie zur Sommerzeit. In 
den ersten Tagen (5. /17.—10./22.) des April erscheint sie bei Tiflis, früher als die 
kleine Rohrdommel. Vom Armenischen Hochlande ist sie durch. Herın Grosmani 
bekannt geworden und St. John**) hat sie ebensowohl bei Schiras, als auch bei Te- 
heran geschossen. Nach beendetem Unwetter am 28. November / 10. Dezember hatten 
sich viele Rohrdommeln bei Lenkoran eingestellt, so dass wir in 3 Tagen 12 Exemplare 
erlesten. Einige von ihnen hatten im Schlunde Chrysomeliden. Bei einer wurde ein 
grosser Fisch gefunden. Sie greifen auch die Wasserratten in den Sümpfen an. 


258. Scotaeus nycticorax L. 
Russisch: Kwakıa. 
Tatarisch : Ebenfalls: Kwakwa, nach der Stimme. 
Systematisches. 
Zwanzig kaukasische Nachtreiher sind präparirt worden. Die meisten von 
ihnen wurden von Ende November bis Mitte Januar erlegt (bei Lenkoran). Einige 


*) Soll heissen Murdab, das ist der Busen von Enseli. 
**) Blanford, Eastern Persia, Vol. II, pag. 297. 


406 Scotaeus nyeticorax. — Platalea leucorodia. 


erbeuteten wir an den Brutplätzen am 16. /28. Mai in den Sümpfen an der unteren 
Akuscha. Die Suite schliesst die Kleider alter und junger Vögel in sich. Mehrere - 
Exemplare tragen das erste Kleid. In den ersten Tagen des Aprils (4. / 16.) wurde ein 
junger Vogel bei Tiflis geschossen. Er trägt das bunte Kleid mit den vielen keil- und 
thränenförmigen Flecken auf den oberen Flügeldecken. Alle Schwingen zweiter Ord- 
nung besitzen den grossen, mondförmigen Flecken an der Spitze. In ebensolchem 
Gefieder befinden sich die jungen Vögel, welche im November bei Lenkoran erlegt 
wurden. Bei den Alten ist das Dunenkleid und die Basis des grossen Gefieders nach 
vollendeter Mauser ganz eigenthümlich schön gelb gefärbt und zwar lebhaft hell erbsen- 
gelb, welches Kolorit zum Frühlinge verbleicht und fast weiss wird. Grosse Brutkolonien 
befinden sich an der unteren Akuscha im Rohr. Ich messe die Eier: 
Höhendurchmesser: grösster 48, kleinster 43 mm 
Breitendurchmesser: grösster 35, kleinster 33 mm. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Auf dem Zuge kenne ich den Nachtreiher als nur in kleinen Gesellschaften 
lebend. Er ruht gerne auf alten Bäumen und die betreffende Gesellschaft vertheilt sich 
im dickeren Geäste solcher, zum Theile schon abgestorbener Stämme. Mehr als acht 
Nachtreiher sah ich nie beisammen. In den Wäldern des Massenderan’schen Tieflandes 
brüten die Nachtreiher, im Talyscher Tieflande überwintern sie. Im November. machten 
wir dort die beste Ausbeute. Durch Herin Grosmani wurde der Vogel vom Gok- 
tschai-See nachgewiesen. 


259. Platalea leucorodia L. 
Russisch: Kolpik, Kolpixa. 
Armenisch: Käsch-chaus. 
Systematisches. 

Mein alter, zuerst erhaltener (August 1869 Tiflis), eine Zeit lang in der Ge- 
fangenschaft gehaltener Vogel, ist in elendem Zustande. Andere später erbeutete 
Exemplare stimmen zum typischen Vogel. sie wurden in den Umgegenden von Tiflis 
erlest. Im Talyscher Tiefande ist der Löffelreiher selten, das Süsswasser behagt ihm 
nicht, zwei Vögel wurden im Busen von Kisil-agatsch erlegt. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Der Löffelreiher, von welchem ich während der letzten Reise (1879—80) nur 
ein Exemplar mitbrachte, ist bei Lenkoran eine Seltenheit und auch nordwärts am 
Caspischen Meere bei weitem nicht so häufig, als an vielen Lokalitäten Südrusslands. 
Er zieht brakiges und salziges, Haches Wasser dem süssen vor. Zeitweise erscheint er 
in neuerer Zeit bei Tiflis an den Salzseen und bei Awtschala, so auch im August 1879 
in grosser Zahl, in Flügen bis zu hundert Exemplaren. Die Vögel hielten sich dort bis 
Mitte September. Wahrscheinlich sind es Frühzügler gewesen, die hier rasteten. Die 
Löffelreiher gehören zu den spät eintreffienden Zugvögeln. Vor Ende März (alt. Styl.) 
wird man sie schwerlich antreifen. Die oft weit herumschweifenden und dabei gesell- 
schaftlich lebenden Löffelreiher erscheinen bisweilen mitten im Sommer zu Hunderten 


Platalea leucorodia. — Tantalus ibis. — Plegadis faleinellus. 407 


am Goktschai-See. So im Juni und September bei Göll 1879 und 1881; sie halten 
sich dann einige Tage, ja wochenlang, auf und ziehen wieder fort. 


260. Tantalus ibis L. 


Ich bin dem Vogel im Kaukasus zwar niemals begegnet, darf aber dennoch 
dem Beispiele Bogdanow’s*), ihn von der Ormis unseres Gebietes auszuschliessen, 
nicht folgen. Ich habe dazu vornehmlich den einen Grund, dass, ganz abgesehen von 
Pallas“*) Versicherung, die doch sehr positiv das Vorkommen desselben behauptet, die 
Mohamedaner von Talysch einen Namen für den heiligen Ibis haben und den Vogel 
auch kennen. Diesen Namen aber kann ich jetzt leider nicht mittheilen, weil der 
Baron Tiesenhausen (von Lenkoran), welcher mir versprach, ihn und viele andere 
Lokalbenennungen von Vögeln bei den Talyschern zu erkundigen und mitzutheilen, mir 
das gegebene Wort trotz mehrfacher Mahnung nicht gehalten hat. Dass aber ein 
besonderer Name für diesen Vogel existirt, habe ich während meiner dortigen, gelegent- 
lichen Unterhaltung mehrfach selbst ermittelt. 


261. Plegadis faleinellus L. 
Russisch: Korawarka. 
Tatarisch: Schigitscht. 
Armenisch: Kadshaaw. 


Systematisches. 

Schon 1866 brachte ich ein altes Männchen von Lenkoran mit, es trägt das 
prachtvolle Sommerkleid. Bei meinen letzten Jagden wurden noch fünfzehn Exemplare 
geschossen und präparirt. Es befinden sich jüngere und ältere Vögel beiderlei Geschlechtes 
darunter und kann ich von ihnen nur bemerken, dass mit zunehmendem Alter der 
Metallelanz des Gefieders auf dem Kopfe und den oberen Flügelseiten immer stärker wird. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Erst Anfangs April kommt der Vogel hier (Lenkoran) an. Einige Jäger erzählten 
mir zwar, dass diese Ibis-Art in Talysch bisweilen in grosser Zahl überwintere, doch 
kann ich das nur als Ausnahme in sehr milden Wintern gelten lassen. Gewöhnlich 
sind diese Vögel schon Ende September fortgezogen. So traf ich denn auch keinen 
dort während der Winter 1866—67 und 1879-—80. Der erste Sichel-Ibis wurde am 
2./14. April erlegt, und hielten sich dann die Vögel bis zum 20. April /2. Mai in 
kleinen Trupps von 6--10 Stück in den Wiesen bei Lenkoran auf. Das Unwetter vom 
2. / 14. bis 5. / 17. April spielte ihnen arg mit. Auch von ihnen kamen durch Kälte und 
Hunger viele während dieser Zeit um. Die grossen Brutkolonien dieser Art liegen in 
den unzugänglichen Rohrbeständen der unteren Akuscha und Kura, wo sie, wie ver- 
schiedene Ardea-Spezies, Podiceps und Pelecanus, in Menge brüten. Von dorther brachte 
man am 20. Mai/1. Juni an hundert Eier von Plegadis faleinellus. Sie sind recht oval 
geformt, wenig verjüngt, einfarbig hellblau und besitzen: 


*) Bogdanow, Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 169, Anmerkung. 
**) Pallas. Zoographia rosso-asiat., T. II, pag. 165. 


408 Plegadis faleinellus. — Otis tarda. 


Höhendurchmesser von 51—58 mm. 
Breitendurchmesser „ 35—36 „ 

Viele der Eier waren schon stark bebrütet. 

Ab und zu erscheint Pl. falcinellus, namentlich im Verlaufe der letzten Jahre, 
während des Sommers für kurze Zeit auch am Goktschai-See, wo er aber niemals brütet. 
Am mittleren Araxes bevorzugt er die stets sehr nass gehaltenen Reisfelder, wo er nicht 
selten ist. 


Subordo III. 


Grallae. 


262. Otis tarda L. 
Russisch: Drofa, im Kaukasus vorwaltend: Dudak, tatarische Benennung. 
Tatarisch: Soadak und Dodach. 
Armenisch: Aros. 
Georgisch: Sawati. 
Systematisches. 
Die Museums-Exemplare geben mir keine Veranlassung zu irgend welchen Be- 
merkungen. Die Eier der Museumssammlung stammen aus den Steppen, die im Norden 
des Grossen Kaukasus gelegen. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Die Verbreitung der Trappe in den transkaukasischen Gauen wird insofern 
interessant, als sie klar darthut, wie abhängig der Vogel vom Terrain und vom Klima 
ist. Obgleich freilich bekanntlich die bevorzugtere Heimath für den Vogel die Steppen 
sind und zwar auch solche, die nicht absolut eben, sondern mit breiten, abwechselnden 
Wellenkonturen sich bildeten und spärlich Strauchwerk besitzen (Bessarabien) und obgleich 
diese Steppen vom Asowschen Meere her sich dem Ostufer des Schwarzen Meeres in seinem 
Nordwinkel direkt anschliessen, so fehlt dennoch von dort an der Südseite des Kaukasus 
überall im Küstengebiete und im gesammten alten Colchis, sowie in dem bewaldeten 
Adsharien, die Trappe vollkommen. Sie berührt meines Wissens diese Gegenden auch 
nicht bei den späten, bisweilen durch das Klima erzwungenen Wanderungen über den 
Pontus zur Anatolischen Küste, sondern fliegt über das Meer weiter westlich. Im ge- 
sammten Kura-Gebiete kommt der Vogel da vor, wo die Steppe einigermaassen üppig ist 
und angebaut wird. Bei Tiflis unweit der Salzseen liegen hier gegen Westen die 
äussersten, seltenen Brutplätze. Man hat dort wiederholentlich im Juni Trappenpaare 
beobachtet. Als Sommervogel traf ich die Trappe auf der Strecke im Gebiete des 
mittleren Alasan von Zarskiekolodzy abwärts bis in die Schirak-Steppe häufig. Anfang 
April bestanden in diesen etwas hügeligen und steinigen Gebieten sehr grosse Trappen- 
völker zumeist die Saatfelder. Auf der Strecke von Schemacha bis zur Mugan wurden 
sie ebenfalls vielfach beobachtet und waren damals (Mitte April) meistens schon gepaart. 


Otis tarda. : 409 


Im Lenkoran’schen Tieflande, zumal in den landeinwärts gelegenen, höheren und trock- 
neren Partien, brütet sie ebenfalls und überwintert namentlich in Masse abwärts von 
Salian gegen Süden; die nassen Niederungen vermeidet sie. Erst um Neujahr erscheint 
die Trappe am Ostende der Mugan in grosser Menge. Es treibt sie die Kälte im Norden 
hierher. Sie verlässt diese Gegenden erst im April und zieht dann, wie die Jäger mir 
sagten, zum Theile weiter gegen Süden in die kahlen Ausläufer des Elburs-Gebirges, 
weil dort bessere Nahrung für sie zu finden ist, wenn in der Mugan schon frühzeitig 
durch die Sonnenhitze Alles versengt wurde. Dagegen bin ich den Trappen nirgends 
auf dem Armenischen Hochlande als Sommervogel begegnet. Weder traf ich sie an den 
Quellen der Kura, noch auf der oberen Fratstufe, nicht auf der Murad-Araxes-Scheide, 
die eine Vegetation von wahren Hochsteppen besitzt, noch am Goktschai-See. Hier 
aber wurde sie als Zugvogel von Herrn Grosmani Mitte April und im September bei 
Nowo-Bajaset mehrmals beobachtet und nur auf solchen Wanderungen berührt die Trappe 
so hoch gelegene Gebiete. Diese Gegenden haben in Folge ihrer hohen Lage (6—7000‘) 
und ihres kontinentalen Klimas für die Brutzeit des Vogels wahrscheinlich zu kalte 
Nächte. In den tieferen Thalsohlen kommt sie vor, ist aber selten. Weite Strecken im 
Araxes-Thale besitzen den Wüstentypus, solche meidet sowohl Oks tarda, als auch ©. 
telrax, während O. houbara und Macqueenii sie aufsuchen. Major St. John“) kennt 
die Trappe aus Armenien, nur kann ich aus der Bemerkung — „just beyond the 
Persian frontier* — nicht erfahren, wo er sie da gesehen hat. Auf den sogenannten 
nassen Bergen ist die Trappe in den letzten Jahren häufiger geworden und zwar im 
Sommer, also wahrscheinlich auch brütend, angetroffen. Man hatte sie aber dort früher 
nicht beobachtet. Die Höhen, in denen sie beobachtet wurde, schwanken von 4—5000'. 
Auf dem Gute Mamutly des Baron von Kutzschenbach wurden sie ebenfalls einmal 
bemerkt. Vom Persischen Hochlande ist sie nicht ermittelt worden. Dresser **), 
welcher mit Bienenfleiss die bis jetzt ermittelten Fundorte ausführlich aufführt, erwähnt. 
ihrer nur aus den wärmeren Ebenen Syriens. 

Einen Beitrag für die irregulären Wanderungen der Trappen, wie solche durch 
Nordmann”“*) in den pontischen Steppen nachgewiesen wurden, kann ich auch aus 
Transkaukasien liefern. Er bringt sogar den Beweis bei für die östlichen, d. h. von O. nach 
W. stattfindenden, Einwanderungen zur Winterzeit. Wenn in den Steppen an der unteren 
Kura und am Caspi ausnahmsweise sehr schneereiche und kalte Winter einsetzen, so 
ziehen die Trappen thalaufwärts! Dies wird zunächst klimatisch bedingt. Denn 
die offenen, östlichen Steppen- und Wüstengebiete des Caspi sind sehr oft im Winter 
kälter, als die über 1000‘ höher gelegenen Landschaften, welche sich hier schon im 
bedeutend verengerten Thale der Kura befinden. Wo sollen die Trappen aus der Mugan 
und vom Unterlaufe der Kura hin, wenn Winter, wie sie im Jahre 1864—65 oder 
1879—80 statthatten, kommen? Gehen sie gegen Süden, so kommen sie in die Massen- 
deran’schen Wälder und an die Steilabstürze der Elbrus-Kette. Dieses passt ihnen 
nicht. Fliegen sie nach Norden, so kommen sie entweder zum unwirthbaren Grossen 
Kaukasus, oder, der Küste entlang ziehend, trifft sie der steifste und kälteste Nord am 


*) Blanford, Eastern Persia, Vol. II, pag. 237. 
*) Dresser, The birds etc., Part. XX, August 1873. 
=) Demidow: Voyage etc., Tome III, pag. 224. 
Badde, Ornis caucasica. 52 


410 Otis tarda. — ÖOtis houbara. — Otis tetrax. 


Caspi, dem sie gewiss sehr bald zum Opfer fallen. Nur die eigentlichen Winterplätze. 
bieten ihnen bei wenig Schnee immerhin reichliche Nahrung, wenngleich sie so gut wie 
gar keine Kulturen besitzen. Das ändert sich aber, wenn tiefer Schnee längere Zeit 
liest. Der Hunger zwingt dann zum Wandern und es bleibt kein anderer Weg, als 
der thalaufwärts, wo an geschützteren Orten, an den Südseiten des verengerten Thales 
doch hier und da der Winterweizen die Spitzen zeigt und der harte Nord nicht so un- 
ausgesetzt weht. Unter solchen, freilich exceptionellen, Bedingungen erscheinen bisweilen 
bei Tiflis im Dezember und Januar ungeheure Trappenmengen und kommen dann auch 
vielfach zu Markte. Die ermatteten Vögel lassen dann leicht zu Schusse, ja, man kann 
sie mit Stöcken und Peitschen vom Pferde aus erschlagen. Natürlich wird an ihnen 
dann der Massenmord verübt. Das Alles aber kann man noch in viel grossartigerem 
Maassstabe im alten Chersones in der Krimm bisweilen sehen. Der strenge Winter von 
1879—80 soll den Trappen daselbst zwischen Baktschi-sarai und Sewastopol sehr ver- 
hänenissvoll geworden sein. Gleiches fand während des Krieges 1854—55 dort statt. 
Bei Tiflis verschwinden im Februar nach solchen Niederlagen die überlebenden Trappen 
wieder. Auch in den Steppen an der Nordseite des Grossen Kaukasus überwintern 
viele Trappen und fliegen in langen Reihen, oder auch in gelösten Ketten oft ganz 
nahe über die Ebenen fort. 


263. Otis houbara Gmil. 
Russisch: Begunex, d. h. der Läufer (Eriwan). 
Persisch: Hobara. 

Ich kenne den Vogel nur nach den Erzählungen der Jäger Eriwans. Diese 
erlegen ihn bisweilen in den Wüsten, die sich gegen Westen bis oberhalb Sardar-abad 
hin erstrecken, überall da, wo der Boden nicht künstlich bewässert wird. Der Vogel 
wird als selten geschildert. De Filippi”) erhielt ihn bei Dshulfa (Araxes) und erklärt 
ihn für ©. houbara und nicht für die verwandte, östlich vom Caspi lebende Macqueeniü. 


264. Otis tetrax L. 
Russisch: Strepet. 
Tatarisch: Maesgaek. 
Georgisch: Sarsarak. 
Systematisches. 
Ein Dutzend Vögel im Winterkleide, welche zum Theile bei Tiflis (Chram-Ebene), 
zum Theile oberhalb von Lenkoran am Südrande der Mugan erlegt wurden, geben mir 
keine Veranlassung zu Erörterungen. Es sind das durchaus typisch gezeichnete und 


gefärbte Vögel. 


Lebensweise und Verbreitung. 
Die Richtigkeit der Angabe de Filippi’s**), welcher eine Anzahl von Zwerg- 
trappen auf einer der kleinen, sandigen Inseln im Rion (nach Hermann Schalow’s 
Bericht) gesehen haben will, muss ich bezweifeln. Die Zwergtrappe ist ein zu exclusiver 


*) Journal für Omithologie, 1876, pag. 187. 
**) Ebendaselbst. 


Otis tetrax. 411 


Steppenvogel, als dass er jemals die weitgedehnte Waldzone von Colchis berühren 
sollte, denn diese Zone beginnt schon unterhalb von Anapa und entwickelt sich zum 
Phasis hin in immer zunehmender Ausdehnung und Fülle. Als Brutvogel ist die Zwerg- 
trappe in den Umgegenden von Tiflis selten. Man will sie in der Digom-Ebene gesehen 
haben. Weiter nach Osten hin kenne ich sie als solchen aus den hochhügeligen Steppen 
im Süden von Schemacha. Am unteren Chram brütet sie nicht selten, dort fängt man 
sie im Frühlinge während der Balze mit Schlingen. Diese werden an den Stellen, an 
welchen die Männchen ihren ruckenden Ruf erschallen lassen, am Boden befestigt. 
Derselbe ist an solchen Stellen von den aufstampfenden Füssen der Männchen tennen- 
artig fest und kahl. Hier stellt man die Schlingen. Einmal ist die Zwergtrappe im 
Sommer bei Eriwan geschossen worden. Die grosse Winterstation für unzählige Zwerg- 
trappen liegt am unteren Aras in der Mugan-Steppe. Schon M&netries*) spricht von 
den grossen Massen, die sich von O. nach W. von Baku her bewegten. Dies geschah 
im Dezember. Ich halte diese Zwergtrappen für die aus dem Wolgagebiete zusammen- 
gerotteten und längst der Küste hinziehenden, welche für die kurze Winterzeit zum 
beliebten Standorte im die Mugan zogen. Als ich Ende März 1866 nach Lenkoran 
reiste, um die Basis zu den ornithologischen Sammlungen für das Museum zu legen, 
traf ich keine Zwergtrappen mehr an den äussern Rändern der Mugan an; allein an 
jedem Hause in den Dörfern der Molokaner, bis in die Stadt Lenkoran, hingen an den 
Vorbauten viele Paare halbgespaltener Zwergtrappen, welche im Winde getrocknet 
wurden, um sie gelegentlich später verspeisen zu können. Ich zählte an manchen 
Häusern 25—30 Paare. Auch dieses förmliche Anstauen von Massen der Zwerg- 
trappen in der Mugan lässt sich aus der ÖOrographie des Landes erklären. Würden 
die Vögel, welche in den nördlichen Steppen sehr lange aushalten und sich nach voll- 
endeter Mauser schon Ende August zu rotten beginnen, weiter südwärts ziehen, wenn 
sie der Winter dazu zwingt, so hätten sie sich über 7000° hohe Gebirge zu heben, um 
dann in das rauhe Klima Hochpersiens zu kommen, wo zwar kein Schnee sie belästigt, 
aber auch von ausreichender Nahrung keine Rede ist. Sie bleiben lieber in der gewöhnlich 
warmen Mugan, welche ja auch die persischen Schahschawanzen-Nomaden vom Sawa- 
lan-Gebirge mit ihren Heerden, um bequem zu überwintern, aufsuchen. Trifft sie hier 
ausnahmsweise ein harter, schneereicher Winter, so gehen viele zu Grunde, der Verlust 
an Schafen zählt in harten Wintern nach Tausenden. Der Vogel bleibt nicht am Platze. 
In solchem Falle ziehen die Zwergtrappen landeinwärts gegen Westen und besetzen 
dann im Januar den Tifliser Basar reichlich mit Wildpret. Die feuchten Niederungen 
Lenkorans meidet die Zwergtrappe, so lange es angeht, d. h. bis stärkere Fröste in der 
Mugan obwalten. Mitte November 1879 gab es nur wenige Zwergtrappen im Mugan- 
Gebiete und noch seltener waren sie oberhalb Lenkorans. Erst gegen Weihnachten 
kommen sie in Menge an. Viele Zwergtrappen sollen Nachts, bei ihrem niedrigen, 
eiligen Fluge, an den Telegraphendrähten zu Grunde gehen, indem sie sich förmlich 
das Genick oder die Flügel brechen. Nicht jedes Jahr bringt gleich grosse Mengen 
von Zwergtrappen in die Mugan. Im Winter 1878—79 lebten sie dort in unglaublicher 
Menge, im Winter 1879—80 waren sie sehr viel weniger vorhanden. Damals gab es 
dort auch nur wenige Rothhalsgänse, im letzten Winter (1879—80) „verdunkelten ihre 


*) Catalogue raisonne, pag. 48, Nr. 146. 
5h2* 


412 Otis tetrax. — Oedienemus crepitans. — Charadrius pluvialis. 


(der Rothhalsgänse) Flüge die Sonne“, wie die Bewohner von Neu-Astrachan sich aus- 
drückten. Es scheint also, dass, wenn die eine Vogelart sehr gemein im Winter in der 
Mugan wird, die andere dagegen nur in geringer Zahl auftritt — und umgekehrt! 


265. Oedienemus erepitans Temm. 
Russisch: Awvdotka oder Lüshin. 
Systematisches. 

Die Exemplare aus dem Lenkoran’schen Tieflande, acht, und von Tiflis vier, 
stimmen vollkommen zu Europäern. Bei einigen der kaukasischen Vögel sind die 
unteren Schwanzdecken recht intensiv rostroth. Ein bei Tiflis am 30. Juli / 11. August 
geschossenes Weibchen fällt durch geringen Wuchs sehr auf. Ich messe: 


Millimeter. 
Totallänge . . RT RE En 7 a moll) 
Flügelbug bis Sa a A220 
Länge des Schwanzes . . BE 20) 
Länge des Schnabels auf der Hirste a tt) 
Harsusme a a ER (RZ 


Dieser Vogel steht in voller Mauser. Ein anderes Weibchen vom 10. / 22. 
August, ebenfalls bei Tiflis erlegt, hat dieselbe noch nicht ganz vollendet. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Die mageren, feingrandigen Hügelsteppen und niedrigen Dünen am Caspi liebt 
der Vogel mehr, als die landeinwärts sich dehnenden üppigen Wiesen. Ich kenne ihn 
nur aus den Ebenen und nicht höher als etwa 3000‘ über dem Meere. Er brütet bei 
Eriwan, weiterhin gegen Westen noch oberhalb Sardar-abad im Araxes-Thale, hier 
ebenfalls im wüstenartigen Terrain. Die Art geht bis nach Süd-Persien, fehlt aber 
auch dort dem Hochlande nach Blanford’s Angaben. In den ariden Wermuthsteppen 
unterhalb von Tiflis, auf dem Wege nach dem Karajas lebt und brütet diese Art. Im 
Herbste ist der Vogel ungemein fett. Schon am 14. /26. März war er bei Lenkoran 
angelangt. Vom 20. März /1. April — 25. März /6. April, so scheint es, fand die 
Hauptpassage statt; damals war der Vogel auf den Dünen gemein. 


266. Charadrius pluvialis L. 
Russisch: Rshanka oder Sürka. 
Tatarisch: Zange. 
Armenisch: Aaradr. 
Systematisches. 

Von den zweiundzwanzig Exemplaren des Goldregenpfeifers trägt nur eines das 
volle Sommerkleid. Dieses wurde Anfangs April bei Tiflis erlegt und trägt das schöne, 
fertige Hochzeitskleid. Ein Weibchen, welches sammt vielen anderen Goldregenpfeifern 
am 21. Dezember / 2. Januar bei Lenkoran geschossen wurde, beginnt merkwürdiger- 
weise schon die Reahlnesmauser: Während bei ihm an der Kehle noch das volle 
Winterkleid steht. drängen sich überall auf dem Halse, der Brust und den Bauchseiten 
die schwarzen, frischen Federn des Sommerkleides in das abgetragene, verstossene Grau 


ken 


Charadrius pluvialis. — Charadrius fulvus. 413 


des Winterhabites. Nicht anders verhält es sich mit dem schwarz-gelben Gefieder des 
Rückens. Dieses zeitige Mausern in’s Hochzeitskleid findet bei keinem anderen Exem- 
plare meiner Regenpfeifer-Suite statt. Alle anderen Vögel tragen die noch recht frische, 
ziemlich unansehnliche Wintertracht. Ich muss also die Mauser bei dem in Rede 
stehenden Exemplare als ausnahmsweise und individuell bezeichnen. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Der Regenpfeifer erscheint im Dezember oft in grossen Banden in den Niede- 
rungen am Caspi, wo er auch von Blanford *) nachgewiesen wurde. Der erste 
Regenpfeifer wurde bei Lenkoran am 29. November / 11. Dezember erlegt. Am 20. De- 
zember /1. Januar erschienen dort grössere Mengen, die aber schon im Januar fehlten. 
Vereinzelt trifft man die Regenpfeifer auch später noch an. Am 1. / 13. Februar wurde 
bei Baku ein Vogel erlegt, welcher das gesammte untere Gefieder mit roher Naphta 
verklebt hatte. Er musste wohl in einen Petroleum-Brunnen gefallen sein, das Thier 
war bis zum Skelette abgemagert. Ich glaube nicht, dass der Vogel das Gebirge im 
Herbste im Grossen Kaukasus während des Zuges forcirt, weil er zu dieser Zeit ein 
sehr seltenes Wildpret auf dem Basar von Tiflis ist. Für die Winterzeit ist er von 
Trabesund her und namentlich bei Erzerum durch Dikson und Ross **) nachgewiesen, 
wo er noch am 5. / 17. November erlegt wurde (6500‘). Ebenso kennt ihn Herr Gros- 
mani vom Goktschai-See während des Frühlingszuges. Die späten Wanderungen der 
Regenpfeifer erklären sich nur dadurch, dass die Vögel sich sehr lange, namentlich in 
schneearmen Wintern, im Norden aufhalten. Sie gehen dann gerne auf die Brachfelder, 
wo für sie gute Nahrung zu finden ist. Alle Regenpfeifer waren überaus fett und 
gemästet. Vom 2./14. — 8. /20. April hörte ich allnächtlich das Pfeifen der durch- 
ziehenden Regenpfeifer bei Lenkoran. Sie machen im Frühlinge an diesem Platze 
nicht Halt. ’ 


267. Charadrius fulvus Gml. 


Systematisches. 

Für die Ornis des Kaukasus ist auch diese Art neu. Zwei Exemplare, beide 
Männchen, wurden am 23. Dezember /4. Januar und 31. Dezember /12. Januar bei 
Lenkoran erlegt. Kleiner Wuchs, verhältnissmässig starker Schnabel, bedeutend grössere 
gelbe Fleckung auf der Rückenseite und die graubräunliche Unterseite der Flügel 
lassen diese Art gut vom gewöhnlichen Regenpfeifer unterscheiden. Meine beiden 
Exemplare erreichen kaum die mittlere Grösse des Morinell-Regenpfeifers. Die Deck- 
federn auf dem Unterarm sind rein braungrau, alle anderen mehr grau, keine von 
ihnen weiss. Im Winterkleide verschwindet das Gelb am Halse und auf der Brust 
fast gänzlich; letztere erscheint graubräunlich mit dunkleren, verwaschenen Flecken. 

Ich gebe die Maasse beider Exemplare und stelle ihnen diejenigen von Chara- 
drius phwialis zur Seite. 


*) Blanford, Eastern Persia, Vol. II, pag. 278. 
**) Dresser, The birds etc., Part. VI, August 1871. 


414 Charadrius fulvus. — Squatarola helvetica. 


Charadrius fulvus. ER : 
Lenkoran. 
M M. M 
mm mm mm 
Totallänge . . . I LE 103 105 160 
Flügelbug bis zur Spitze N A EN: 150 145 | 174 
Schwanzlänge . . . GREMERLIT 60 60 s0 
Schnabel, auf der Firste gemessen. . . . 23 24 22 
ars u sta IE ER Bra nn a 42 . 42 43 


Lebensweise und Verbreitung. 

Dresser*) hat sehr ausführlich die weite Verbreitung dieser Art besprochen. 
In Europa gehört sie zu den Seltenheiten. Ich glaube aber, dass man sie oft nicht erkennt 
und für Oharadrius pluvialis hält. Es ist mir seiner Zeit und auch den anderen sibi- 
rischen Reisenden damit so ergangen. Nordost-Afrika besitzt die Art, Indien ebenfalls. 
Das Auffinden derselben im Kaukasus vermittelt dorthin das Gebiet der Verbreitung, 
doch müssen die Vögel im Sommer weithin gegen N. und NO. gelebt haben, da ich sie 
nur auf spätem Winterzuge, aus jenen Himmelsgegenden kommend, kenne. 


268. Squatarola helvetica Briss. 
Russisch: Rshanka-Tules. 
Systematisches. 

Aus Transkaukasien besitze ich nur zwei Exemplare dieses Vogels; das eine ist 
ein junges Männchen, am 4./16. April bei Lenkoran geschossen, welches noch keine 
Mauserspur zum Prachtkleide aufweist, Das andere wurde zur späten Zugzeit der 
Regenpfeifer am 28. Dezember / 9. Januar ebenfalls bei Lenkoran erlegt. Es ist ein 
altes Männchen, welches reines Winterhabit trägt. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Es war vorauszusehen, dass man diese Art, wenn auch nur auf dem Zuge, für 
Transkaukasien, von wo man sie bisher nicht kannte, würde nachweisen können. Wenn 
man bedenkt, dass einerseits von Grönland beginnend die Brutplätze dieser Art in der 
hocharktischen Zone beider Kontinente gelegen, dass die Beobachtung sie ebensowohl 
für Australien und Südafrika wie für Südasien und Amerika nachgewiesen hat, dass 
andererseits Lindermayer, von der Mühle, Robson und Tristram”**) den Vogel in 
Kleinasien fanden; so ist es sehr auffallend, dass keiner der Reisenden in Persien und 
nur wenige im Kaukasus bis dahin seiner Erwähnung thun. Pallas***) kannte ihn 
nur aus der arktischen Zone Sibiriens, M&ene&tries führt ihn in seinem Catalogue nicht 


*) Dresser, The birds etc., Part IX, 1871. 
**) Vergl. Dresser, The birds etc., Part VI, August 1871. 
***) Pallas, Zoogr. rosso-asiat., T. II, pag. 138. 


Squatarola helvetica. — Eudromias morinellus. — Eudromias asiaticus. 415 


auf. Nordmann*) kennt ihn nur aus den Steppen Südrusslands, de Filippi hat 
ihn nicht. gesehen und Blanford**) besitzt ihn nur aus Südpersien, fügt aber die Be- 
merkung ohne Quellenangabe zu: „Not observed elsewhere, but of course, found on 
the Caspian“. Ich glaube, dass er diese Bemerkung nach Eichwald***) gemacht hat. 
Bogdanowy) hat die Art neuerdings aus dem Terekdelta nachgewiesen. 

Alle grösseren Charadrüus-Arten berühren das Talyscher Tiefland sehr spät. 
Sie bleiben, so lange es irgend angeht, nördlicher in den Flachländern, von wo zum 
Weiterwandern sie erst tiefer Schneefall zwingt. 


269. Eudromias morinellus L. 


Systematisches. 


Ich kann die Vogelfauna des Kaukasus um drei Eudromias-Arten bereichern, 
es sind dies: E. morinellus, E. Geoffroyi und E. asiatieus. Fünfzehn Exemplare vom 
Morinellregenpfeifer wurden auf dem späten Winterzuge vom 23. Dezember /4. Januar 
bis zum 5. / 17. Januar erlegt; sechs andere auf dem Frühlingszuge am 4. / 16. April. 
Zwei junge Männchen (5. / 17. Januar) tragen das erste Jugendkleid, welches am Halse 
und namentlich auf der Brust, sowie auch am Leibe sehr getrübt in Rauchgrau ist. 
Auf dem Rücken stehen bei diesen Vögeln noch Spuren des Jugendkleides. Die im 
Dezember getödteten Vögel befinden sich alle im reinen Winterkleide. Die Frühlings- 
vögel mausern; alte Exemplare haben den schmalen schwarzen Brustring schon angelegt. 
Auf dem Leibe sind ebensowohl schwarze, als auch braune, frische Federn im ver- 
alteten Winterkleide vorhanden. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Der Morinellregenpfeifer ist im Centraltheile Transkaukasiens noch nicht 
gefunden worden. Ich kenne ihn nur als häufigen Vogel aus der Randzone der Mugan, 
wo schon Ende März 1866 kleine Völker mehrmals aufgescheucht wurden. Die grosse 
Suite meiner Kollektion wurde, wie oben schon bemerkt, Ende Dezember bei Lenkoran 
gesammelt, wo gleichzeitig mit dem gewöhnlichen Regenpfeifer viele Vögel dieser Art 
erschienen und auch wieder, wie jene, verschwanden. Das Datum des Frühlings- 
zuges mag wohl etwas schwanken. Im Mittel kann man es mit dem 1./13. April 
bezeichnen. - 


270. Eudromias asiaticus Pall. 
— E. caspius Pall. 
Russisch: Pasiynnyi-suek, d. h. Wüstenregenpfeifer. 
Systematisches. 


Ich glaube nicht, dass jemals Jemand so viele Exemplare dieses schönen Vogels 
in Händen gehabt hat, als ich vom 3. / 15. — 7. /19. April 1880 in Lenkoran. An 


*), Demidow: Voyage etc., Tome III, pag. 235. 
**) Blanford, Eastern Persia, Vol. II, pag. 278. 
***) Fauna caspio-caucasica, pag. 41. 
) Bogdanow, Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 151, Nr. 217. 


416 Eudromias asiatieus, — Eudromias Geoffroyi. 


hundert Stück haben wir fortwerfen müssen, da es unmöglich war mehr als fünfzig zu 
präpariren. Der Zug war damals in vollem Gange und das ausdauernd böse Wetter, 
welches, wie ich schon mehrmals erwähnte, verhängnissvoll für viele Vögel wurde, hatte 
uns unbezwingliche Arbeit beschafit. Es wurde bis spät in die Nacht präparirt und 
doch blieb Vieles liegen. 

Am 7./19. April 1866 wurde das erste Weibchen dieser Art bei Lenkoran 
erlest; es trägt ein abgenutztes Gefieder. Die gesammte obere Körperseite nebst der 
Kopfplatte sind einfach grau mit leichtem Stiche in’s Bräunliche. Stirn und oberer 
Augenstreifen sind rein weiss, das breite Brustband ist etwas heller, als die Rückenseite 
und nach oben und unten hin deutlich abgesetzt. Ganz ebenso sind auch die am 4. / 
16. April 1880 bei lenkoran erlegten und präparirten zwanzig Weibchen, nur dass das 
Gefieder frischer ist und bei einigen. auf der Brust einen ziemlich bedeutenden zimmet- 
braunen Anflug zeigt. Meine schönen, alten Männchen stehen alle im fertigen Hoch- 
zeitskleide. Bei den recht alten ist das dunkel zimmetbraune Brustfeld nach unten hin 
von breitem, schwarzem Ringbande eingefasst. Bei einigen wird das Brustfeld auch 
nach oben hin von einem schmalen, schwarzen Rändchen umgrenzt, gewöhnlich aber 
setzt es sich ohne dieses scharf gegen das Weiss der Kehle ab. Nur sehr schwach ist 
selbst bei ganz alten Männchen der graue Augenstreifen angedeutet. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Nur de Filippi*) führt diese Art für Enseli als Küstenvogel auf, Bogdanow **) 
hat ihn als Herbstvogel im Terekdelta nachgewiesen. Mein Fundort liegt also zwischen 
den beiden vor mir ermittelten. Am 27. März / 8. April 1880 wurde das erste Exemplar 
bei Lenkoran erlest. Ungeheure Mengen erschienen am 2. / 14. April. Die Vögel lebten 
in kleinen Rudeln zu 15—20 Exemplaren und waren ausschliesslich Strand- und 
Dünenbewohner. In ihrer Lebensweise nähern sich diese Regenpfeifer vielmehr den 
kleinen Aegialites-Aıten, als den wirklichen Oharadrius-Spezies. 


271. Eudromias Geofiroyi Wagl. 
Systematisches. 

Auch diese Art wurde im Kaukasus bis dahin nicht nachgewiesen. Vom 4./ 
16. bis 14. /26. April wurden bei Lenkoran auf den Dünen zwölf Exemplare dieser 
Art erleet. Der stärkere Schnabel, der schwarze Mundwinkel-Augen-Ohren-Streifen, 
‘das Schwarz oben an der Stirn (Männchen), die matte Zimmetfarbe der Brust, welche 
nach unten hin allmählich im Weiss des Bauchgefieders verschwindet und endlich die 
blaugrauen Füsse lassen die beiden verwandten Arten gut unterscheiden. Die Weibchen 
beider sind ähnlicher als die Männchen, doch werden zum Unterschiede von einander 
Schnabelgrösse und Fussfarbe niemals täuschen. Ich lasse die Maasse von je einem 
Männchen und einem Weibchen beider Spezies in Millimetern hier folgen. Alle meine 
Exemplare tragen das fertige Hochzeitskleid. 


*) Journal für Ornithologie, 1376, pag. 158. 
**+) Bogdanow, Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 151, Nr. 218. 


Eudromias Geoffroyi. — Aegialites curonicus. 417 


Imiaumies Geoffrogi, Eudromias asiatieus. 
ENG a a Erz 
| | mm mm | mm mm 
Totallänge . . . u ER RN gan. as] oA 01100 
Flügelbug bis zur Snitze EN FEN )\: 139 139 | 142 141 
Schwanzlänge. . . N 68 | 69 61 
Schnabel, auf der Firste gemessene 2 2050 gl 20 
larsus N ee era Ä 42 40 | 40 40 
ı 


Lebensweise und Verbreitung. 
Ich kenne die Art nur als Zugvogel im Frühlinge; sie hielt sich in der oben 
schon angegebenen Zeit auf den Dünen und am Meeresufer auf: die meisten Vögel 
waren schon gepaart. 


272. Aegialites curonicus Beseke. 
— 4A. fluwiatilis Bechst. 
— 4. minor Meyer und Wolf. 


Russisch: Retschnoi-suel, d. h. Flussregenpfeifer. 


Systematisches. 

Der grösste Theil meiner zwanzig Vögel stammt von Lenkoran, mehrere wurden 
bei Tiflis erlegt. Alle Alter sind in beiden Geschlechtern vertreten. Die Exemplare, 
welche zunächst vor mir stehen, wurden am 15. /27. Mai 1873 bei Tiflis erlegt. Sie 
stimmen genau zu Oharadrius minor (fluwviatilis) von der Insel Cypern. Der Umfang der 
schwarzen Zone auf dem Schwanze, welche sich zur Spitze hin scharf, gleich einer 
Binde, abgrenzt, nach oben hin aber heller und in Flecken verschiesst, ist variabel. 
Ich kann mich nicht der Meinung enthalten, dass Charadrius intermedius Menetr.*) nichts 
weiter ist, als ein kräftiger Aegialites fhıwiatihis oder ein schwachwüchsiger Aeg. hiaticula. 
Diese letztere Meinung hat Dresser**) angenommen, da er den Ch. intermedius ohne 
Weiteres als Synonym zu Aeg. hiaticula zieht. Aber alle meine Exemplare von Len- 
koran besitzen den Schnabel von Aeg. curonicus und die Färbung der Schwingenschafte 
durchaus typisch von demselben. So hat denn auch Bogdanow ***), wie ich jetzt 
sehe, den Vogel nach Originalexemplaren von Menötries richtig placirt. Das grösste 
Männchen von Lenkoran misst: 


Totallänge . . . ee lopaen 
Flügelbug bis zur Soitze Reha Ar. 
Schwanzlänge . . . 3 a EL ONE 
Schnabel, auf der Bir gemessenen en ld, 
larsuse Se a I ee N MAD 


*), Catalogue raisonne, pag. 53, Nr. 189. 
=) Dresser, The birds etc., Parts. XLVII und XLVII, March 1876. 
==) Bogdanow, Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 152, welchem die Originalexemplare von 
Menetries in Petersburg vorlagen, hat Charadrius intermedius endgültig auf Aegiahites minor reduzirt. 
Badde, Ornis caucasica. 


418 Aegialites euronicus. — Aegialites cantianus. — Aegialites hiaticula. 


Lebens weise und Verbreitung. 

Fast an allen unteren Bachläufen, wo solche durch die heisse Zone rinnen und 
möglichst breite Schuttufer haben, lebt und brütet der Vogel, selbst an solchen 
Lokalitäten, die im Hochsommer ganz trocken werden und weit und breit kein Wasser 
besitzen. Auf der dürren Strecke von Eriwan bis Ordubad fand ich ihn so, z. B. 
mehrere Pärchen im Alindshi-tschai-Thale. Nach meinen Beobachtungen bleiben einige 
Vögel in milden Wintern hier; wenigstens habe ich sie ab und zu auf dem Markte von 
Tiflis im Dezember angetroffen. Dagegen kam mir diese Art im Talyscher Tieflande 
während des ganzen Winters nicht zu Gesichte. Erst am 28. Februar / 12. März 1880 
wurden Exemplare erlegt und seit dieser Zeit war der Vogel an den Ufern der Lenko- 
ranka nicht selten. Er ist überhaupt viel häufiger hier zu Lande, als Aeg. cantianus, 
welcher etwas früher ankommt und gleiche Lokalitäten bewohnt. _Aeg. hiaticula habe 
ich bei Lenkoran gar nicht zu Gesichte bekommen und kenne ihn überhaupt nur vom 
Goktschai-See. Wir haben uns viele, aber vergebliche Mühe gegeben, ihn irgendwo im 
Tiefande zu finden. Er fehlt aber als Sommervogel entschieden in ihm. 


273. Aegialites cantianus Lath. 


Russisch: Morskoi-suek. 


Systematisches. 

Das Dutzend Exemplare dieser Art, welches ich sammelte, stammt vom Meeres- 
ufer von Lenkoran und namentlich von den lagunenartigen Einschnitten, mit denen der 
Caspi in die Mugan tritt, so z. B. bei Kisil-agatsch. Meine Vögel stimmen in beiden 
Geschlechtern mit Exemplaren aus der Kirgisensteppe vollkommen überein. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Vornehmlich Küstenvogel, die Lagunen und die Salzseen im Innern des Landes 
besuchend, so auch im NO. von Tiflis mehrmals an den Salzseen beobachtet. (April 
1872 und 1878.) Die ersten Vögel dieser Art wurden von mir im Meerbusen von Kisil- 
agatsch am 6. /18. März erlegt. In den darauf folgenden Tagen bis zum 14. / 26. März 
waren sie dort recht häufig. 


274. Aegialites hiaticula L. 

Russisch: Suek-Galstutschik, d. h. Halsband-Regenpfeifer. 
Diese ist unstreitig die seltenste der drei Aegialites-Arten in Transkaukasien 
und kenne ich sie nur von den hochgelegenen, armenischen Alpenseen. Dass sie im 
Talyscher Tieflande absolut fehlt, darf ich behaupten. Vom Goktschai ist sie durch 
Professor Kessler bekannt geworden. Von der Nordseite des Grossen Kaukasus erwies 
sie Bogdanow. Gegen SO. hin wird der Vogel wohl immer rarer. M&netries*) führt 
ihn nicht auf, de Filippi**) kennt ihn aus seinem Reisegebiete ebenfalls nicht und 

Blanford***) citirt ihn nur nach Gray’s Angabe. 


*) Catalogue raisonne. pag. 53. 
**) Joumal für Ornithologie, 1876, pag. 187. 
*=**) Eastern Persia, Vol. Il, pag. 280. 


Chettusia leucura. — Chettusia gregaria. 419 


275. Chettusia leucura Liehst. 


Systematisches. 

Nur ein altes Männchen besitze ich von dieser Art. Es wurde am 20. Dezem- 
ber /1. Januar, als die Goldregenpfeifer ihren Hauptzug nach Süden hatten, bei Len- 
koran erlegt. Stärkerer Schnabel, höhere gelbe Füsse, weisser Schwanz, einfarbiges, 
graugelbliches Gefieder des gesammten Oberkörpers, lassen die Art leicht erkennen. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Diese nordostafrikanisch-indische Art war bereits durch Severzow*) für Tur- 
kestan nachgewiesen. In unserem Faunen-Gebiete und überhaupt in der europäisch- 
russischen Ornis ist sie zum ersten Male gefunden. Es ist aber klar, dass der Vogel 
im Norden von Lenkoran, vielleicht am Terek, an der Kuma oder im Manytsch-Gebiete 
leben muss, denn das in Rede stehende Exemplar wanderte von Nord nach Süd. 


276. Chettusia gregaria Pall. 
Russisch: Kepluschka. 
Systematisches. 

Seit dem 18./30. März zeigte sich diese Art bei Lenkoran und währte der 
Zug bis zum 3./15. April. Im Sommer habe ich den Vogel dort niemals gesehen. 
£s wurden zwölf Exemplare präparirt. Ich muss annehmen, dass die grossen Züge 
Lenkoran nicht berühren und wohl nur ermüdete Individuen, die unbedingt der Ruhe 
bedurften, hier absetzten, denn der schöne Vogel wurde stets nur in wenigen Exem- 
plaren angetroffen, was doch nicht seiner Lebensweise entspricht. Am 23. März / 4. 
April 1876 wurde ein altes Männchen dieser schönen Kiebitzart in der Ebene der 
unteren Algetka erlest. Es waren ihrer dort fünf und diese befanden sich wohl auf 
dem Zuge. Das schöne Isabellgelb, welches sich vom Grau des Halses unmerklich nach 
oben bis unter das Auge zieht, ist bei meinem Vogel recht hell und verschwindet 
zuletzt ganz in Weiss. Im Uebrigen stimmt Alles zur Tracht des typischen Vogels. 
Auch die Exemplare von Lenkoran geben mir in Hinsicht auf ihr Gefieder keine 
Veranlassung zu Notizen. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Nirgends habe ich von dieser Art so ungeheure Massen gesehen, als seiner Zeit 
(1862) am westlichen Manytsch, wo sie schon Mitte August geschaart waren. In Trans- 
kaukasien ist der Vogel recht selten. Keiner der früheren Reisenden erwähnt ihn. 
Auch fehlt er den Hochländern, ebensowohl Kleinasiens, als auch Persiens, wie das 
Dresser**) nach den in der Literatur vorhandenen Angaben ausführlich bespricht. 
Gleichzeitig mit den beiden grossen Regenpfeifern erschienen bei Lenkoran schon Finde 
Dezember 1879 wenige Exemplare dieser Kiebitzart, von denen eines erlegt wurde. 
Auch diese Vögel wanderten damals gleich den Regenpfeifern südwärts. Die Daten über 


*) Vertikal- und Horizontal-Verhreitung der Thiere Turkestans (russisch), pag. 69, Nr. 300. 
**) Dresser, The birds ete., Part. XXXVII, March. 1875. 
53 * 


420 Chettusia gregaria. — Vanellus cristatus. 


den Zug im Frühjahr habe ich oben schon mitgetheilt. Dieser Kiebitz liebt trockenes, 
aber nicht gar zu mageres Terrain, die Ränder der Wasserpfützen, welche dem gewöhn- 
lichen Kiebitze sehr behagen, vermeidet er. Anfang Mai soll der Vogel bisweilen für 
kurze Zeit den Goktschai-See in kleinen Tribus berühren. 


277. Vanellus cristatus M. et W. 
Russisch: Pigolixa oder Tschibis. 
Tatarisch: Takarbyk oder Bibikine. 
Armenisch: Eehtürtk. 


Systematisches. 5 

Alle meine Kiebitze, deren ich fünfzehn besitze, sind Vögel im frischen Herbst- 
kleide, beiderlei Geschlechtes, jung und alt. Aus den Umgegenden von Tiflis liegen 
mir solche Herbstvögel vom Oktober vor, welche vollkommen mit europäischen Vögeln 
übereinstimmen. Das eine Männchen halte ich für sehr alt: seine Schopffedern messen 
nicht weniger als 9 cm. und die hellrostigen Endbinden auf einzelnen Federn der 
oberen Körperseite sind kaum angedeutet. Jenes Schopfmaass wird noch an Exemplaren 
von Lenkoran übertroffen. Ich brachte von dort Männchen im Winterkleide mit, welche 
12 cm. mittlere Länge der Schopffedern besitzen. Das langsamere oder raschere Ab- 
stossen der hellen Federränder auf der Brust hängt gewissermaassen auch vom Alter 
der Vögel ab; junge Individuen, welche die hellen Kantungen breiter haben, zeigen sie 
Mitte Januar noch vollkommen. Alte Männchen, die im Dezember und Anfang Januar 
bei Lenkoran geschossen wurden, haben davon keine Spur mehr. Ende Januar ist noch 
keine Spur der Vermauserung am Halse zu bemerken. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Ich darf behaupten, dass gegen SO. von den Steppen des Schwarzen Meeres 
der Kiebitz im Sommer immer seltener wird. Nirgends habe ich ihn so gemein ange- 
troffen, zumal während der Zugzeit, als am Ostufer der Krimm, wo er in der That 
auch arides Gebiet bewohnt, doch aber eifrigst die Wassertümpel besucht, welche sich 
zeitweise, besonders im Herbste, längere Zeit auf der Steppe erhalten. In Transkau- 
kasien brütet der Vogel in der heissen Zone, doch nicht häufig und nur an wenigen 
Plätzen. Alljährlich bin ich ihm ‘als Sommervogel in etlichen Paaren an der unteren 
Liachwa und in der Suram-Ebene begegnet. Desgleichen beleben auch ab und zu ein- 
zelne Paare das Ostufer des Schwarzen Meeres, dabei den Strand nicht verschmähend, 
wohl aber das Waldgebiet sorgfältig vermeidend. In beiden Flussthälern, sowohl der. 
Kura, wie auch des Aras, hält sich der Kiebitz an passenden Lokalitäten ebenfalls auf, 
wird indessen zum Sommer selten; es scheint, dass es ihm hier zu heiss ist. Am 
Fusse der beiden Ararate, wo sich die im porösen vulkanischen Gesteine durchsickernden 
Gebirgswasser in den verschiedenen Karasu-Quellen anstauen und weite Sumpfgebiete, 
ja sogar bei dem Dörfchen Argatschi einen flachen See bilden, waren Kiebitze 
im Sommer anzutrefien, obwohl Fimantopus und Recurvirostra sammt den kleineren 
Reiherarten dort häufiger lebten. Oberhalb von Lenkoran, über Kumbaschinsk fort und 
am Rande der Mugan, wo ab und zu noch Wasser stand, schoss ich im April 1868 
ebenfalls einige Kiebitze. Hier nun überwintern sehr viele dieser Vögel. Anfangs No- 


Vanellus cristatus. — Strepsilas interpres. 421 


vember belebten südlich von Salian die Ebenen, in denen die grossen und reichen 
Molokanendörfer gelegen, vorzüglich Kiebitze in Gemeinschaft mit Staaren. Südlicher, 
nahe dem Meere, wurde der Kiebitz damals viel weniger bemerkt. Im Februar ver- 
schwanden diese Vögel nach und nach aus diesen, anscheinend ihnen so sehr konve- 
nirenden Lokalitäten. Als ich vom 7. / 19. — 10. / 22. März in diesen Gegenden jagte, 
gehörten die Kiebitze schon zu den selteneren Vögeln. An ihre Stelle war überall 
Machetes pugnax getreten. Im NO. von Prischib wurden beide immer seltener und auf 
dem trockenen Boden der Mugan sah ich keinen von beiden mehr. Auf dem Armenischen 
Hochlande ist der Vogel ungleich seltener, ich kann ihn vom Goktschai-See als Sommer- 
vogel nachweisen und zwar in der Nähe der Poststation Tschubuchli, wo er ebenfalls 
in den feuchten Wiesen lebt und gewiss auch brütet; häufiger Brutvogel ist er weiter 
gegen SO. an dem See, so z. B. in der Nähe des Dorfes Basarkitschar im Gilli-Sumpfe. 
Auch für das Persische Hochland ist der Vogel nachgewiesen, obwohl nur als Seltenheit. 
Blanford*) und de Filippi**) sprechen darüber. Einzelne Kiebitze überwintern in 
den warmen Ebenen nahe von Tiflis, sie kommen ab und zu im Dezember und Januar 
auf den Basar der Stadt; 1879 im November sah ich den ersten Kiebitz bei der Station 
Arabskaja auf linker Kuraseite und von hier aus wurde er dann gegen Osten immer 
häufiger. 


278. Strepsilas interpres L. 
Russisch: Kamnescharka, d. h. Steinwälzer. 


Systematisches. 
Die im April und Anfang Mai bei Lenkoran erlegten Exemplare trugen das 
bunte Sommerkleid. Aus den transkaspischen Gebieten besitze ich Exemplare in 
Sommer- und Wintertracht. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Der fast über die ganze Erde verbreitete Steinwälzer ist für den Kaukasus eıst 
in neuerer Zeit nachgewiesen worden. Bogdanow ***) berichtet über sein Vorkommen 
am nördlichen Theile des östlichen Pontusufers. Obschon er nach Eversmann’s Zeugnisse 
gemein am Caspi (kann nur Nordufer sein) ist, so muss ich ihn für den Südwesttheil 
dieses Meeres doch nur als selteneren Vogel nennen. Auch ist er im nördlichen Persien 
nicht beobachtet worden. Bei Lenkoran gab es seit Mitte April zwei kleine Flüge von 
6 und 7 Exemplaren, welche beständig sich am Meeresstrande zu schaffen machten und 
nur selten auf die niedrigen Dünen flogen, zumal, wenn sie am Wasser gestört wurden. 
Sie liefen oft der zurücktretenden Welle nach, um irgend etwas zu erhaschen. Die 
erlegten waren ungemein fett. Sie hielten sich hier ungepaart bis Anfang Mai. 
Während des Zuges soll diese Art den Goktschai-See in Völkern von 40—50 Exemplaren 
berühren und zwar schon Ende April, wie Herr Grosmani mir sagte. Es liegt mir 
aber von dorther kein Exemplar vor und es wäre doch möglich, dass die Beobachtung 
auf eine grössere Tringa-Art Bezug haben könnte. Die Zukunft muss das entscheiden. 


*) Blanford, Eastern Persia, Vol. If, pag. 280. 
**) Journal für Ormithoiogie, 1876, pag. 188. 
==) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 154, Nr, 226. 


422 Glareola pratincola. — Glareola Nordmanni. 


279. Glareola pratincola L. 


Russisch: Terkuschke. 
Systematisches. 


Während bei Tiflis nur Glareola Nordmanni auf dem Zuge sowohl im Herbste, 
als auch im Frühlinge vorkommt, fand ich bei Lenkoran nur Glareola pratincola und 
zwar schon am 4./16. April. Meine vier Exemplare stimmen mit Europäern voll- 
kommen überein, haben auch die weissen Flecken an den Enden der hinteren Schwingen. 
Auf der unteren Seite des Flügelrandes bleiben auch bei recht alten Individuen einige 
weisse Fleckchen stehen, so namentlich am Ende der kleinen, unteren Flügeldecken und 
ebenso am Ende der Hand. 


Lebensweise und Verbreitung. 
Obgleich ich aus eigener Erfahrung weiss, dass die Brutplätze beider Glareola- 
Arten nicht getrennt von einander liegen, wie ich solches zu Anfang der fünfziger 
Jahre am faulen Meere kennen lernte, so ziehen diese Vögel doch getrennt. Das scheint 
mir daraus hervorzugehen, dass ich Glareola pratincola nur östlich am Caspi fand und 
niemals im Centraltheile Transkaukasiens, wo wiederum nur @lareola Nordmanni lebte. 
Ohne Zweifel haben früher oder später als am 4. / 16. April viele Glareolen Lenkoran 
passirt, aber wir fanden an jenem Tage nur wenige, vereinzelt lebende Exemplare. 
Der Hauptzug muss, ohne zu rasten, fortgezogen sein. Vielleicht hat er sich in der 
Mugan, oder noch nördlicher im Halophyten-Gebiete des Caspi-Ufers niedergelassen. 
Die Dünen und das ganz nahe gelegene Süsswasser von Lenkoran passen keiner 
Glareola zum längeren Aufenthalte. Entschieden darf ich behaupten, dass weder diese, 
noch die andere Art im der Mugan brütet. Ich bin ihnen dort weder im Frühlinge 
noch im Sommer begegnet. Am 12. /24. November sah ich zwei Glareola südöstlich 
von Schemacha im Thale. Welcher Art sie angehören, kann ich nicht sagen, aber sie 
beweisen, dass einzelne Glareola-Pärchen hier überwintern. Auf dem Zuge sollen beide 
Glareola-Spezies, schon von Ende März beginnend und namentlich häufig im April, den 

Goktschai-See passiren, bleiben indessen zum Brüten nicht da. 


230. Glareola Nordmanni Fisch. 


Systematisches. 

Das erste, aus den Niederungen des Chramflusses stammende Exemplar, wurde 
im Oktober geschossen; es weicht in keiner Hinsicht von Glareola melanoptera ab. 
Sieben andere Vögel wurden im Frühlinge erlegt, vier davon am 17. / 29. April und am 
27. April /9. Mai, die anderen im Mai. Nur vier Exemplare (2 Pärchen) meiner Vögel 
tragen auf der unteren Körperseite an Hals und Brust das typische Gefieder, welches 
sich durch intensives Rostgelb auszeichnet; die anderen sind sehr blass, aber doch 
alte Vögel. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Ich habe die Glareola-Arten in Transkaukasien nur selten zu Gesichte bekommen 
und nur auf dem Zuge beobachtet. Kleine Trupps lebten Ende September oberhalb 


Glareola Nordmanni. — Cursorius europaeus. — Haematopus ostralegus. 493 


von Gori, zumal an etwas salzigen Bodenstellen. Am 22. April /4. Mai 1867 wurde 
bei Tiflis diese Art lebendig gefangen und gewöhnte sich auffallend rasch an die Ge- 
fangenschaft. Schon am 3. Tage frass sie Fliegen und gehacktes Fleisch aus der Hand 
und war ganz zutraulich. Dennoch starb der Vogel sehr bald. In grossen Volieren, 
etwa in der Gesellschaft mit Kiebitzen, muss er sich wohl gut halten. Er liebt rasch 
und viel zu laufen und eignet sich nicht für das kleinere Bauer. Im Freileben bevor- 
zugt er Salzboden, mit niedrigen Halophyten spärlich besetzt, und scharrt an der Nist- 
stelle nur ein wenig die gemeiniglich etwas leimige, hellgraue Thonerde fort, wie ich 
das s. Z. (1853) am faulen Meere (Ostküste der Krimm) auf den grossen Brutkolonien 
der Glareolen sah. 

Die in Rede stehende Art erscheint bei Tiflis auffallend spät. Auch meine 
übrigen G@lareola-Exemplare tragen die Daten Ende April und Anfang Mai auf den 
Etiquetten. Begierig machten sich diese Vögel an die Heuschrecken und es waren 
ihrer viele damit beschäftigt, sie in Gesellschaft mit den Rosenstaaren zu vernichten. 
Deshalb konnte man auch nicht mehr von ihnen schiessen, weil bekanntlich dem 
Rosenstaar und jedem sonstigen Heuschreckenvertilger eine grosse Pietät seitens der | 
Bevölkerung entgegen gebracht wird und es sogar bisweilen lebensgefährlich werden 
kann, wenn man in Gegenwart Anderer, namentlich Mohamedaner, diese Vögel 
schiesst. 


281. Cursorius europaeus Lath. 

Von Nordmann*) wurde er für Abchasien (1836) bei Pizunda und von Mene- 
tries“*) vom Westufer des Caspi auf der Strecke von Baku nach Salian nachgewiesen. 
Ich bin dem Vogel noch nicht begegnet. Er wurde sowohl von de Filippi, wie auch 
von Blanford***) für Persien bis zu 6500° über dem Meere ermittelt. 


282. Haematopus ostralegus L. 

Russisch: Sorotschai nach Bogdanow. in Transkaukasien Morskaja Soroka, d. h. See-Elster, 

Tatarisch: Su-tauk. 

; Systematisches. 

Die bei Lenkoran beobachteten Austernfischer trugen das reine Sommerkleid. 
Schon 1866 wurde ein Exemplar am 4. /16. April dort erlegt. Ein junger Vogel vom 
8. /20. Juni, welcher zu gleicher Zeit mit dem alten Männchen merkwürdiger Weise 
auf einer der Kura-Inseln circa 15—20 Werste unterhalb von Tiflis geschossen wurde 
und dort ausgebrütet war, hat das erste Herbstkleid fast fertig angelegt. Nur an den 
Seiten des Halses und der Kehle steht noch das Flaumkleid und schieben sich aus 
diesem die schwarzgespitzten Federn sehr lockerer Struktur hervor. Die dominirende 
Rückenfarbe an diesem Vogel ist ein mattes Braungrau, die Spitzen aller Federn sind 
schmal rostroth gekantet. Die Tarsenbeugung ist noch unverhältnissmässig dick. 


Lebensweise und Verbreitung. 
Bei Lenkoran hielten sich 1866, immer am Meere verbleibend, zwei Paare 
Austernfischer bis in den Mai auf. Sie waren stets beisammen und in ihrer Nähe waren 


*) Demidow, Voyage etc., Tome III, pag. 230. 
**) Catalogue raisonne, pag. 52, Nr. 175, 
*#*) Blanford, Eastern Persia, Vol. II, pag. 281. 


424 Haematopus ostralegus. — Recurvirostra avocetta. 


auch beständig die schon erwähnten Strepsilas. Am 27. März / 8. April 1880 erschienen 
wieder vier Austernfischer bei Lenkoran und hielten sich in den Wiesen auf. Sie waren 
ungemein scheu und verweilten nur wenige Tage; von ihnen wurde ein altes Männchen 
erlegt. Für Transkaukasien kann ich den Austernfischer durchaus nicht als gemeinen 
Vogel anführen, wie das Bogdanow (l. c. pag. 154) im Allgemeinen für den Kaukasus 
thut. Um so interessanter ist das Faktum, welches den Austernfischer als Brutvogel 
mitten im Isthmus nachweist und zwar unmittelbar am Süsswasser. Soweit meine Er- 
fahrungen reichen, steht dieses Faktum bis jetzt isolirt da. In höheren Breiten, so 
z. B. an der mittleren Wolga, ist der Austernfischer häufiger und ebenfalls Süsswasser- 
bewohner, wie Bogdanow *) mittheil. Am Goktschai-See fand Herr Grosmani vier 
Paare, von denen zwei erlegt wurden. Zweifelsohne brütet der Vogel dort ebenfalls. 
Sie erschienen dort Ende April bereits in getrennten Paaren. 


283. Recurvirostra avocetta L. 


Russisch: Sechelokliuwka d. h. der Pfriemen-Schnäbler. 


Systematisches. 

Von den zwanzig Säblern, welche ich aus Lenkoran mitbrachte, vermausern 
einige die Kopf- und Halsfedern, diese wurden am 19. / 31. Januar erlest. Bis dahin 
war uns der Vogel dort nur einmal zu Gesichte gekommen und habe ich ihn im Sommer 
auch nicht angetroffen. Ein Avocetten-Weibchen an eben demselben Tage geschossen 
ist ein junger Vogel, kurzschnäbelig, dessen erstes Kleid zumal auf dem schwarzen 
Flügelfelde ungemein abgenutzt und verblichen ist. Die Stirn und der obere Kopf sind 
bei allen meinen Vögeln zu dieser Jahreszeit licht aschgrau und schwärzlich gemischt, 
bei einem ist die Stirne sogar fast rein weiss. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Im Thale des Araxes steigt der Sähler soweit aufwärts, als sich dort salzaus- 
witternder Boden und Lachen finden. Wenig ostwärts von den Salzbrüchen bei Kulpi 
habe ich ihn im Sommer beobachtet. Bei Argatschi am Fusse des Grossen Ararat war 
er gemein. Am Goktschai-See kommt er als Seltenheit im Sommer vor, wie die Kol- 
lektion Grosmani’s mich belehrt. Im gesammten Littorale des Caspi findet man ihn 
überall, namentlich aber da, wo die Ufer flacher und lagunenartig sind. Im Kurathale 
ist er bei Tiflis selten, geht aber bis oberhalb Gori in das Ostende der Suram-Ebene. 
Als Anfangs selteneren und nur vereinzelt lebenden Vogel kann ich ihn von Lenkoran 
für den Frühwinter anführen, wo er schon am 28. November / 10. December nach hartem 
Wetter aus NO. kommend, erlegt wurde. Seit jener Zeit aber wurden die Säbler 
dort immer häufiger. Im Januar erschienen zahlreiche Banden, die bis zu zwanzig 
Individuen zählten, und lebten unmittelbar bei der Stadt am Meeresufer und an den 
flachen Strandtümpeln. Diese Vögel verschwanden bald wieder. Wir schossen unseren 
Vorrath zunächst an den Mündungen der Lenkoranka, wo sich die kleinen Banden bis 
Mitte Februar aufhielten. Später sah ich die Säbler dann nur vereinzelt, so auch an 
den Rändern der Brakwasser von der Kisil-agatsch-Bucht am 6 /18. und 7. / 19. März. 


*) Bogdanow, Säugethiere und Vögel der mittleren und unteren Wolga (russ.), pag. 130. 


Hypsibates himantopus. — Phalaropus einereus. 425 


284. Hypsibates himantopus L. 
Russisch: Chodwlotschnuk d. h. der Stelzer, nach Bogdanow; in Transkaukasien: Soldatka. 
Systematisches. 

Ich sammelte zwanzig Exemplare; der grösste Theil wurde im Spätwinter und 
Frühlinge bei Lenkoran erlest. Am 16. /28. April 1868 wurde unweit von Tiflis an 
einem der grösseren Bittersalzseen ein Pärchen erlegt. Das Weibchen trägt noch zum 
Theile das Winterkleid. Namentlich blieb das Kleingefieder des Rückens in der Mauser 
merklich zurück; das Männchen ist darin weiter fortgeschritten. Dagegen prangt ein 
anderes Männchen, welches am 2./ 14. April 1866 bei Lenkoran erlegt wurde, im 
frischen fertigen Sommerkleide, welches, zumal auf den Flügeln, starken Glanz besitzt. 
Später ebenfalls bei Lenkoran um dieselbe Zeit geschossene Vögel befinden sich auch 
schon im fertigen Hochzeitskleide. Auch besitze ich recht alte Vögel, bei denen das 
Schwarz auf dem Kopfe und Halse selbst im Sommerkleide fast ganz fehlt. Man weiss 
Ja, dass mit zunehmendem Alter der Stelzfuss an besagten Körpertheilen immer heller wird. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Gleich der Avocette, mit welcher der Stelzfuss sehr oft zusammen lebt, wandert 
er auch weit flussaufwärts, so lange er dort Salzwasserlachen findet. Das ‚eigentliche 
Wüstenterrain mit solchen Tümpeln bevorzugt er. Ich habe ihn im Araxes-Thale bis 
zum Mündungsgebiete des westlichen Arpatschai gefunden und die oben besprochenen 
zwei Exemplare von Tiflis beweisen sein weites Vordringen gegen Westen im Kura- 
Thale. Ein so hohes Vorkommen des Vogels, wie es Blanford *) angiebt (5000), kann 
ich aus dem Kaukasus nicht mittheilen. In solchen Meereshöhen besitzen wir hier 
gewöhnlich schon gute Wiesen und wenig Sonnenbrand. Doch liegt ja das persische 
Hochland unter wesentlich anderen klimatischen Verhältnissen und bewahrt selbst noch 
in bedeutenderen Höhen vielerorts den Charakter trockener, armer Hügelsteppen. Am 
12. / 24. März 1880 wurde das erste Exemplar dieser Art bei Lenkoran erlegt. Es war 
ein Männchen im vollständigen Sommerkleide. Bis Ende April hielten sich die durch- 
wandernden Vögel am Meeresufer und auch am Rande der Süsswasserlachen. Im 
Sommer sah ich sie hier nicht. 


285. Phalaropus cinereus Briss. 
— Ph. hyperboreus L. 
Russisch: Plawuntschrk, d. h. das Schwimmerchen. 
Systematisches. 

In zehn Exemplaren besitze ich diesen Vogel; der grösste Theil wurde bei 
Lenkoran, zwei, und das sind die interessanteren, bei Tiflis erlegt. An beiden Orten 
ist der Wassertreter Sommervogel und brütet. Am liebsten wählt er Brakwasser-Seen 
zu seinem Aufenthaltsorte. In der Zeit vom 8. /20.— 11. / 23. April 1866 wurden bei 
Lenkoran mehrere Exemplare dieser Art erlegt; 1880 schoss man den ersten Vogel am 
3. / 15. April und den letzten am 235. Mai /4. Juni. Die Weibchen vom 25. April / 7. Mai 
von Tiflis und vom 23. Mai /4. Juni von Lenkoran tragen das fertige hübsche Sommer- 


*) Blanford, Eastern Persia, Vol. II, pag. 286; bei Teheran 5000‘, schon im März. 
Badde, Ornis caucasica. 54 


496 Phalaropus einereus. — Machetes pugnax. 


kleid. Ein junges Männchen, ebenfalls am 23. Mai /4. Juni bei Lenkoran erlegt, hat 
die Mauser beendet, trägt aber bei weitem mehr Grau als Braun auf der oberen Brust. 
Bis Ende April sind die Kleider an den Individuen gemischt. Im Braun des Halses 
stehen dann noch einzelne weisse Federn des Winterkleides. Nur wenige der seitlichen 
Rückenfedern haben die rostrothen Längsflecken; das alte Gefieder steht auch hier noch 
zum Theile, das neue ist aber schon einigermaassen an den Rändern abgenutzt. Das 
volle frische Winterkleid trägt nur ein Vogel, welcher am 19. August /1. September: 
am Salzsee von Tiflis erlegt wurde. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Schon Pallas*) war das Vorkommen dieses Vogels am Caspi im Frühlinge- 
bekannt. Aus der Angabe von Mäneätries””), dass er ihn im Juni ebenfalls bei 
Lenkoran erlegte, durfte man schliessen, er brüte daselbst. Die Ende März von Blan- 
ford ***) bei Teheran erlegten Vögel (5000), welche die Mauser beginnen, müssen wohl 
auf dem Zuge gewesen sein. Auf den Salzseen von Baku ist der Vogel nicht selten. 
Ich sah dort im April kleine Gesellschaften, welche selbst auf Bittersalzwasser, wo nicht 
einmal die Avocella und Himantopus lebten, ganz zufrieden existirten, mitten in der 
Halophytensteppe. Ende August erscheinen die ziehenden Schaaren, bis aus 30 Indi- 
viduen bestehend, auf dem Goktschai-See und verbleiben daselbst einige Wochen. 


286. Machetes pugnax L. 


Russisch: Tueruchtan. 
Tatarisch: Dshälät. 


Systematisches. 

Der grösste Theil der fünfundzwanzig präparirten Kampfhähne aus dem Kaukasus 
wurde bei Lenkoran geschossen, wo mit dem 15. / 27. Februar der Zug begann und 
für diese Art im Frühjahre eine längere Raststation liegt. Darüber berichte ich weiter 
unten mehr. Einzelne Kampfhähne, so scheint es, bleiben im Sommer hier. Die- 
wenigen, Ende April bei Lenkoran und auf der Insel Sari beobachteten, Vögel (Männchen) 
trugen das nicht ganz ausgebildete Hochzeitskleid. Recht alte Vögel, welche in grosser- 
Anzahl in der zweiten Hälfte des Februars in den Wiesen von Lenkoran erlegt wurden, 
besassen den Schnabel bis über die Hälfte, von der Basis her, hoch mennigroth. Von 
gleicher Farbe waren um diese Zeit die Füsse. Alle damals geschossenen Vögel waren 
Männchen. Nur eines von ihnen trug am Halse (29. Februar / 12. März) die ersten 
Federn des Hochzeitskleides, aber nur die kurzen. Vom Beginne der Kämpfe konnte 
man damals nichts wahrnehmen. Bei Vögeln, die noch kein Jahr alt sind, ist der 
Schnabel merklich kürzer und nur am Grunde finde ich die Aeste des Unterkiefers- 
schmutzig gelblich. Die Füsse solcher Vögel haben eben diese schmutzig gelbgraue- 
Farbe. Es giebt unter den Kampfhähnen im Winterkleide recht viele alte Männchen, 
deren Kopf und Hals, ja sogar letzterer hinab bis auf die Brust, entweder rein weiss 
sind, oder nur wenig in Grau melirt erscheinen. Solche alte Männchen leben meistens. 


*) Zoogr. rosso-asiat., T. II, pag. 203. 
**) Catalogue raisonne, pag. 52, Nr. 168. 
***) Blanford, Eastern Persia, Vol. I, pag. 284. 


Machetes pugnax. 427 


isolirt. Ich lasse hier noch die Maasse eines auffallend kleinen Exemplars folgen, denen 
ich die Normalverhältnisse zur Seite stelle: 


| klein normal 
Machetes pugnax. HE re 


Totallänge (gestreckte Füsse und Schnabel) |; 240 | 350 


Biugelbuo, bistzuss Spitzer. u. ea | 178 
Länge des Schwanzes 3 ehe I | 60 s0 
Schnabel, auf der Firste gemessen . . . ar 38 
Tarsus a 0: N N a NEE NUNG 50 


Lebensweise und Verbreitung. 

Auf ihrem Herbstzuge von Mitte September bis in den November werden die 
Kampfhähne ab und zu auf dem Basar von Tiflis feilgeboten. Sie tragen dann alle 
das unscheinbare Winterkleid und sind sehr fett. Jüngere Männchen aus dieser Zeit 
liegen mir vor. Die rostigen Umrandungen ihrer Rückenfedern sind dann breit und 
intensiv gefärbt. Gleich den schon erwähnten Steinwälzern und Austernfischern trieben 
sich während des April-Monats sechs Kampfhähne, die ganz friedlich miteinander lebten, 
am Strande und in den Zwergdünen oberhalb von Lenkoran umher. Auf der Insel 
Sari erleste ich um dieselbe Zeit einige. Hier dürfte der Vogel vielleicht brüten (! ?), da 
sein langes Verweilen sonst befremden müsste. Man weiss durch Bogdanow’s*) Mit- 
theilungen, dass die Kampfhähne in der Aralo-caspischen Niederung brüten, aber das 
schwarzerdige Wolgagebiet, den unteren und mittleren Lauf des Stromes, im Sommer 
nicht bewohnen. Im Frühwinter habe ich immer nur einzelne Kampfhähne bei Lenkoran 
beobachtet und ist die Art dann selten. Aber schon im Februar erscheinen sie in 
grosser Anzahl. Meistens kommen sie während des schlechtesten Wetters in Banden 
von 80 bis 200 Stücken an, halten sich dann vornehmlich in den Wiesen auf und 
sind ungemein scheu. Solche Flüge traf ich bei starkem Regenwetter am 15. / 27. Februar 
nahe bei der Stadt Lenkoran an. Diese Vögel aber liessen nicht zu Schusse kommen. “ 
Sie fliegen wie die meisten 7hönga-Arten in dichten Haufen und werfen sich oft links 
und rechts auf die Seite, so dass die ganze Schaar ab und zu förmlich aufblinkt, weil 
sie die unteren Flügelseiten zeigt. Später, schon Anfangs März, wurden die Kampf- 
hähne recht zahm. Ihre Banden hatten sich zerstreut, viele lebten gesondert. Aber 
alle diese Vögel, von denen wir wohl an hundert erlegten, waren nur Männchen. Die 
trockene Mugansteppe vermieden die Kampfhähne um diese Zeit. In den letzten März- 
tagen hatten sich die Vögel zu ungeheuren Schaaren zusammengerottet, ihre frühere 
Wildheit wieder angenommen, um die Weiterreise gegen Norden anzutreten. Seit dem 
28. März /9. April sah man in den Wiesen von Lenkoran und namentlich nördlich von 
ihnen, bei den reichen Molokaner-Dörfern am Rande der Mugan, keine Kampfhähne 
mehr. Auf dem Herbstzuge berühren die Kampfhähne von Ende August bis Mitte 
September den Goktschai-See. 


*) Bogdanow, Säugethiere und Vögel der mittleren und unteren Wolga (russ.), pag. 135. 
54 * 


428 Calidris arenaria. — Tringa alpina. 


287. Calidris arenaria L. 
Russisch: Pestschanka, d. h. etwa Sanderling, einer der auf dem Sande lebt. 


Systematisches. 

Ein am 9. / 21. Dezember bei Lenkoran erlegtes Pärchen trägt das vollständige 
helle Winterkleid, an welchem sich nur die dunkle, fast einfarbig mattschwarze Färbung 
des Flügelbugs bemerklich macht. Bis zum 12. / 24. März wurden achtzehn Exemplare 
präparirt, sie standen alle im schönen hellen Winterkleide. Von Mitte März an waren 
die Vögel verschwunden, im Sommer sah ich niemals einen am Caspi. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Nur Menetries*) führt diesen nordischen Vogel als „tres commun sur les bords 
des lacs sales, non loin de Bakou“ an. Seine Angabe ist in Blanford’s und Dresser’s 
Werke aufgenommen worden. Anderweitig ist er nunmehr auch durch mich für den 
Kaukasus nachgewiesen worden. Bei Odessa, so scheint es nach Nordmann**), ist 
er nicht selten. Er überwintert in Südpersien. Bogdanow ***), führt ihn neuerdings 
als Brutvogel an beiden kaukasischen Meeresküsten an: ob dies nach eigener Beobachtung 
geschieht? Ich kenne ihn nur als Wintervogel von Lenkoran. Vom 9. / 21. bis Ende 
Dezember wurden dort viele erlegt. im März wurden sie seltener, doch schossen wir 
noch am 12. / 24. März einen. 


2SS. Tringa alpina L.7) 
— T. cinclus Briss. 
— T. variabilis Bechst. 

Russisch: Die kleinen Tringa-Arten bezeichnet man als: Kulitschek- Worobei oder Mopskoi Shawo- 
ronok, d. h. Sperlings-Schnepfchen oder See-Lerche; die russischen Spezialnamen sind 
hier nicht gekannt. 

Systematisches. 

Dreissig Exemplare dieser Art wurden präparirt und zwar nur vom Caspi-Ufer. 
»Die meisten sind vom Dezember bis März geschossen und stehen im fertigen Winter- 
kleid. Am 27. März / 8. April 1866 während eines entsetzlichen Orkanes und bei 
grossflockigem Schneegestöber!! (ich erinnere an die Extravaganzen des Klimas der 
Caspi-Gebiete), gelang es mir, obgleich der Sturm mich sehr hinderte, unweit von der 
Fischerei von Kumbaschinsk oberhalb Lenkorans, den Strandläufern auf Schussweite 
nahe zu kommen. Alle Vögel, namentlich die verschiedenen Süsswasser-Enten, lagen 
dicht geschaart, Kopf an Kopf, in den niedrigen Binsen, und am Ufer ruheten nieder- 
gedrückt zwei Monsterflüge von dem in Rede stehenden Vogel. Von den 26 Exem- 
plaren, welche auf einen Schuss fielen, habe ich diejenigen präparirt, welche die. 
längsten und die kürzesten Schnäbel besassen. Die beiden Extreme in Bezug auf 
Schnabellänge ergeben sich: 


*) Catalogue raisonne, pag. 52, Nr. 174. 
**) Demidow, Voyage etc., Tome III, pag. 238. 
***) Bogdanow, Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 159. 
‘r) Vom mittleren und unteren Wolga-Gebiete sind ebenfalls nur die hier aufgeführten vier 
Tringa-Spezies bekannt geworden, Bogdanow, Säugethiere und Vögel der mittleren und unteren Wolga 
(russ.), pag. 136. 5 


Tringa alpina. — Tringa subarquata. 429 


W. M. 
Schnabellänge, auf der Firste gemessen . . 385 mm 31 mm. 
Tarsenlänge derselben Individuen . . . . 23, 2l „ 
Totallänge . . N SO elsanrr: 


Gerade das ee beliee Mannchen ist am grössten. Die meisten der vor 
mir liegenden Exemplare tragen noch das reine Winterkleid. Auf dem Rücken und auf 
dem Leibe stehen hier und da Reste nicht nur vom letzten Sommerkleide, sondern auch 
schon einzelne Federn des neuen Hochzeitskleides, so dass an einem Vogel Federn von 
drei Mausern vorhanden, davon die jahresalten natürlich ganz vertragen und verblichen 
sind. Ein Männchen vom 4. /16. April, bei Lenkoran erlegt, besitzt das fast fertige 
Sommerkleid. Ant der unteren Körperseite ist dasselbe ganz vollendet, das lange 
Rückengefieder ist in der Mauser begriffen. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Der Vogel ist für Südrussland, die Türkei, den Kaukasus und Persien überall 
nur als Wintervogel nachgewiesen. Wie für viele Wasservögel liegt eine seiner Haupt- 
stationen für den Winter am Südufer des Caspi. Blanford*) erwähnt seiner aus dem 
südlichen persischen Tieflande, besitzt aber auch zwei Weibchen aus einer Höhe von 
nahezu 5000‘ über dem Meere, welche im Dezember bei Schiras erlegst wurden. So oft 
ich am Strande und in den Lagunen nach diversen Tringa-Arten am Caspı suchte, 
immer fiel mir nur diese Spezies in die Hände. Es gab Anfangs März bei Lenkoran 
Völker, welche 6—800 Individuen in sich fassten und die ausserordentlich scheu, auch 
mitten am Tage die bekannten Flugübungen machten, wobei sie, wie auf ein Kommando, 
bald links, bald rechts wenden und sich schief mit dem Körper neigen, so dass man 
die Flanken sieht. Dies waren die zum Abzuge bereiten Schaaren. Diese Tringa- 
Art überwintert auch geschaart am Goktschai-See, solange dieser nicht zufriert, was 
nur ausnahmsweise geschieht. 


289. Tringa subarquata Güld. 


Für das Caspische Meer wurde diese Art bis jetzt nur von Güldenstädt und 
Pallas**) nachgewiesen und zwar nur als im Frühjahre dort durchziehend erwähnt. 
Menetries”**), führt diese Art als Pelidna cinclus Less. häufig vom Terek an. Ich 
bin ihr niemals begegnet und glaube Bogdanow’s7f) Voraussetzung, dass die Art in 
Transkaukasien überwintere, verneinen zu müssen, da ich sie trotz mehrmaligen 
längeren Aufenthaltes im Winter am Caspi niemals finden konnte. 

Es lässt sich vermuthen, dass die abwärts im Meere gelegene Insel Sarı während 
der Zugzeit von mehreren Tringa-Aıten besucht wird; das Festlandufer berühren diese 
Vögel entschieden nicht, denn wir suchten in der That peinlich ab, zumal als es galt 
ergänzendes Material für diese Ornis zu beschaffen. 


*) Eastern Persia, Vol. II,'pag. 283. 

**) Zoogr. rosso-asiat., T. II, pag. 189, Trynga Faleinella Pall. 
*%**) Catalogue raisonne, pag. 52, Nr. 167. 

r) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 159, Nr. 242. 


430 Tringa minuta. — Tringa Temmincki. — Actitis hypoleucos. — Totanus glottis. 


290. Tringa minuta Leisl. 


Ueberwintert wie. Tringa alpina am Süd- und Westufer des Caspi in grosser 
Zahl, wurde von de Filippi für Enseli, von mir für Lenkoran nachgewiesen. Zwei 
Exemplare wurden im Frühjahr bei Tiflis erlegt. 


29i. Tringa Temmincki Leisl. 


Kann ich nur nach dem Zeugnisse Bogdanow’s*) der Ornis des Kaukasus 
zuzählen. 


292. Actitis hypoleucos L. **. 
Russisch: Beregownik, d. h. einer, der am Ufer lebt. 
Systematisches. 
Ein Dutzend kaukasische Exemplare dieser Art liegen mir vor, es befinden 
sich darunter auch einige jüngere Vögel mit braungekanteten Rücken- und Flügeldecken- 
federn. Diese und auch alle alten Vögel stimmen vollkommen zu den Europäern. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Ich kenne diesen Vogel ebensowohl aus dem Caspischen Tieflande, wo er im 
Sommer nicht häufig ist, wie von den Ebenen des oberen Frat bei Erzerum, wo er 
brütet. Sein Vorkommen im Lura-Thale im Massenderan’schen Küstengebiete in einer 
Höhe von 7000‘ über dem Meere erwähnt Blanford***), ebenso hat ihn BogdanowJ) 
aus grossen Höhen von der Nordseite des Grossen Kaukasus nachgewiesen. Auch auf 
dem Zuge, Anfangs April, traf ich ihn an allen Wassern des nördlichen Dagestan sehr 
häufig an. An den Ufern des Goktschai-Sees ist er im Sommer nicht selten und soll 
sogar in einzelnen Exemplaren dort überwintern. 


293. Totanus glottis L. 
— T. canescens Gml. 
Russisch: Bolschod Ulit. 
Systematisches. 3 

Ein am 8. /20. November bei Tiflis erlegter Vogel trägt das helle Winterkleid. 
Zwei andere Exemplare, Ende Dezember bei Lenkoran geschossen, tragen ebenfalls das 
untenher überall weisse Winterkleid. Dagegen brachte mir der 22. März /3. April den 
auf dem Zuge begriffenen Vogel im frischen Sommerkleide. Ein am 9. /21. August 
geschossener ist jung, besitzt den oberen Tarsentheil noch dick und steht im fertigen 
ersten Jugendkleide. 

*") Bogdanow, Die Vögel des Kaukasus {russ.), pag. 159, Nr. 241. 

”*) Anmerkung. Limicola pygmaea ist für den Kaukasus noch nicht nachgewiesen und fehlt 
auch, soweit bis jetzt bekannt wurde, der persischen Ornis. Bogdanow (Säugethiere und Vögel der mitt- 
leren und unteren Wolga (russ.), pag. 137) führt den Vogel für das mittlere und untere Wolga-Gebiet nur 
als grosse Seltenheit auf. 


”*==*) Blanford, Eastern Persia, Vol. U, pag. 285. ” 
T) Bogdanow, Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 158, Nr. 2 


Totanus glottis. -— Totanus stagnatilis. — Totanus fuscus. 431 


Lebensweise und Verbreitung. 

Von den früheren Reisenden und auch den beiden in Persien für die Ormithologie 
thätig gewesenen Herren (de Filippi und Blanford) ist diese Art nicht nachgewiesen 
worden. Als Sommervogel kenne ich sie aus dem Kaukasus nicht. In Kleinasien und 
Griechenland weisen alle Angaben über ihr Vorkommen nur auf die Winterzeit. Es ist 
zwar das Datum, an welchem der zweite Vogel bei Tiflis geschossen wurde, sehr zeitig 
(9./ 21. August), doch giebt Naumann”) gerade für diese Art das ungemein frühe 
Eintreffen an (in der letzten Hälfte des Juli zeigen sich schon die ersten in Deutschland) 
und seinen Nachrichten zufolge bleiben einige der durchziehenden Vögel im Herbste 
sogar bis Anfang November. Niemals traf ich in den Niederungen von Lenkoran diese 
Art geschaart; meistens kamen mir nur einzelne Vögel vor. Sie lebten stets auf über- 
schwemmtem Wiesengrunde und zeichnen sich auch vor allen anderen Totanus-Arten 
dadurch aus, dass sie oft die Flügel hoch heben und die Ränder über sich aneinander- 
neigen. Es hatte den Anschein, als reckten sie sich mit Behagen aus. Gerne hat der 
Vogel die Gesellschaft ruhender Süsswasserenten. Mit Dafila acuta, Anas crecca und 
qeeerquedula trat ich ihn fast immer beisammen, doch gehört die Art in Transkaukasien 
zu den selteneren. Als Herbstvogel kommt sie auch am Tschaldyr vor. 


294. Totanus stagnatilis Bechst. 
Russisch: Prudowoi Ult, d. h. Teichwasserläufer. 


Systematisches. 


Im reinen Winterkleide liegt nur ein Männchen, am 7. / 19. Dezember bei 
Lenkoran geschossen, vor. Bei diesem sind Hals und Brust rein weiss, der ganze 
Rücken rein grau. Schon am 23. Dezember / 4. Januar gab es Vögel, bei denen die 
Mauser beginnt. Dieselbe schreitet bei einigen Individuen rascher als bei anderen 
vorwärts. Ein Weibchen vom 13. / 25. März trägt das ausgefärbte frische Hochzeitskleid; 
Männchen, die einige Tage später geschossen wurden, haben auf dem Rücken mehr 
Winter- als Sommerkleid. Das am 4. /16. Apvil erlegte Männchen trägt das fertige 
Hochzeitskleid. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Diese Art kenne ich aus den Umgegenden von Tiflis nur vom Basar, wo sie 
zu Anfang April bisweilen zum Kaufe mit allerlei Kleingeflügel, als Totanus ochropus 
und Wachteln und Staaren, zum Kaufe angeboten wird. Doch ist sie selten und fehlt 
im Winter ganz. Im Sommer traf ich sie während meiner Reisen am Tschaldyr-See 
an, doch mögen das schon Vögel auf dem Herbstzuge gewesen sein (14. / 26. August). 
Im Terek- und Kuban-Gebiete ist die Art gemein und brütet. Aus dem Lenkoran’schen 
Tieflande sind mir die Vögel im Winter nur sehr selten zu Gesichte gekommen. Am 
12. / 24. März wurde dort das erste Paar erlest. 


295. Totanus fuscus Briss. 
Russisch: Schtschegol. 


*) Naturgeschichte der Vögel Deutschlands, Theil 8, pag. 156. 


432 Totanus fuscus. — Totanus calidris. 


Systematisches. 

Dieser Vogel ist in Transkaukasien selten. Es hat den Anschein, dass von den 
Durchwandernden nur ab und zu ein müder Vogel rastet. Ich habe nur sieben 
Exemplare beschaffen können, ein Pärchen junger Vögel im trüben, grauen Winter- 
kleide am 7./ 19. September in der Karagas-Ebene unterhalb Tifis und ein zweites 
Pärchen am 6./18. Dezember bei Lenkoran erlegt; ferner ein altes Männchen im 
Uebergangskleide zum Sommerhabit, welches am 3. / 15. April bei Lenkoran geschossen 
wurde. Beide zuletzt erwähnten Daten werden die Zugzeit gut markiren. Ausserdem 
liest ein Pärchen alter Vögel im Winterkleide vor. Die Mauserzeit scheint sehr 
wesentlich vom Individuum abzuhängen. Während das Männchen des letzten Paares sie 
im Rückengefieder am 27. Dezember /8. Januar bereits beginnt, kann ich an einem 
Weibchen vom 13. /25. März davon nichts sehen. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Nach dem Zeugnisse von Pallas*) und wie das auch Blanford **) gethan, 
kann ich diese Spezies der kaukasischen Ornis als Zugvogel zuzählen. Doch sagt 
Pallas selbst, dass der Vogel nicht häufig auf dem Zuge am Caspi sei. Am Tschal- 
dyr-See beobachtete ich ihn selbst Mitte August 1867. Vielleicht waren die betreffenden 
Vögel auch schon auf dem Zuge. Bis auf die wenigen, oben besprochenen Exemplare 
im Winter- und Uebergangskleide sind mir diese Vögel nicht wieder zu Gesichte 
gekommen. Die Art gehört hier zu den selteneren ihres Geschlechtes. Auf dem Zuge 
soll Totanus fuscus für kurze Zeit Anfangs April auch den Goktschai-See berühren. 


296. Totanus calidris L. 


Russisch: Krasnonoshka, d. h. Rothfüsschen. 
Systematisches. 


Zwanzig Exemplare, alle im vollen Winterkleide und ohne Mauserspur, brachte 
ich von Lenkoran mit, wo der Vogel überwintert, aber schon Mitte Februar an Zahl 


abnimmt. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Mit Totanus vchropus ist diese Art die häufigste im Kaukasus und in Bezug 
auf ihre Vertikal-Verbreitung am höchsten vorkommend. Sie bevorzugt zwar die heisse 
Zone, wo sie auch im Littorale des Caspi an flacheren Ufern und im Innern des Landes, 
zumal an grösseren Salzseen, brütet, fehlt aber auch nicht den armenischen Alpenseen 
im Sommer. Ich habe einzelne Paare ebensowohl am Tabizkur, wie auch an den 
flachen Süsswasserseen Duchoboriens und am Chosapinskischen See beobachtet. De 
Filippi***) kennt den Vogel vom Goktschai-See, Grosmani nennt ihn mir von dort 
als Brutvogel. Gemein war die Gambette im mittleren Araxes-Thale zumal mit Reeur- 
virostra und Himantopus an den flachen Lachen von Argatschi. Auch sie fehlt der 
Wüste nicht, wo solche nur hier und da eine kleine Pfütze besitzt, und brütet daselbst. 


*) Pallas, Zoogr. rosso-asiat.. T. II, pag. 187. 
**) Blanford, Eastern Persia. Vol. II, pag. 285. 
***) Joumal für Onnithologie, 1876, pag. 188. 


Totanus calidris, — Totanus ochropus. — Totanus glareola. — Terekia cinerea. 433 


Ich fand den Vogel noch oberhalb von Sardar-abad im trostlosesten Wüstenterrain. 
Grosse Massen dieses Vogels, meistens zersprengt in Banden von 6—10 Individuen, 
hielten sich bis Anfang Februar an den Süsswasserlachen im Talyscher Tieflande auf. 
Später traf ich sie nur vereinzelt an und Mitte März gehörten sie schon zu den 
Seltenheiten. 


297. Totanus ochropus L. 
Russisch: Tsehernyseh. 


Systematisches. 

In meiner Suite von zwanzig kaukasischen Exemplaren befinden sich Sommer- 
und Wintervögel und auch ein junges Exemplar, welches das erste Herbstkleid angelegt 
hat und am 19./ 31. Juli unweit von Tiflis erlegt wurde. Alle Exemplare, im Frühlinge 
in den Umgegenden von Tiflis und von Lenkoran erlegt, sowie auch die Wintertrachten, 
stimmen mit schwedischen Vögeln dieser Art vollständig überein. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Der Vogel behauptet in seiner Vertikal-Verbreitung die breite Zone von 8000‘ 
und ist in den Einsamkeiten der basal-alpinen Zone als Brutvogel an oft nur kleinen 
Tümpeln nicht selten. So fand ich ihn im Karabagher Gebirge, oberhalb von Bitsche- 
nach und auch am Balyk-göl (7400'). 


298. Totanus glareola L. 
Russisch: Trauwnik. 
Systematisches. 

Diese Spezies liest mir nur aus den Umgegenden von Tiflis vor und zwar in 
zehn Exemplaren, von denen drei Vögel jung sind und das erste Herbstkleid tragen, 
sie wurden im August vom 4. / 16. — 20. August / 1. September erlegt. Zu derselben 
Zeit wurden auch alte Vögel im fertigen Winterkleide geschossen. Im fertigen Sommer- 
kleide erbeutete ich am 30. April/12. Mai zwei Exemplare. Bei Lenkoran ist mir 
diese Art nicht zu Gesichte gekommen. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Wie die vorige Art bis zu einer Höhe von mehr als 7000‘ über dem Meere im 
Sommer gehend und ebenso auch in den Ebenen mit Sümpfen und Süsswasserlachen 
sich aufhaltend und brütend, ist sie an den verschiedenen Karasu-Quellen in den Umge- 
bungen des Ararat nicht selten. 


299. Terekia cinerea Güld. 
Russisch: Morodunka. 


Ich habe trotz allen Suchens den Vogel in Transkaukasien niemals zu Gesichte 
bekommen. Das ist erklärlich, weil ich den Anfang des Herbstzuges bei Lenkoran nicht 


mehr beobachten konnte. Behaupten aber darf ich, dass der Vogel dort nicht über- 
Badde, Ornis caucasica. 55 


434 Terekia einerea. — Limosa melanura, 


überwintere. De Filippi*) ist in neuerer Zeit der Einzige, welcher diesen Vogel für 
das Südufer des Caspi nachweist. Er führt ihn für Enseli, also sehr nahe der russischen 
Grenze bei Astara an. Bogdanow **) ermittelte ihn im Spätherbste im Delta. 
des Terek. 


300. Limosa melanura Leisl. 
— L. aegocephala L. 
Russisch: Weretennik. 
Tatarisch : Talletit. 
Systematisches. 

Von dieser Spezies wurden dreiundzwanzig Exemplare im Winter-Uebergangs- 
und Sommerkleide präparirt; sie alle stammen vom Westufer des Caspi. Von diesen 
Vögeln sind: 

15 junge im ersten Winterkleide. Sie wurden vom 11. / 23. Dezember bis Ende. 
März bei Lenkoran und nordwärts davon bei der Station Agdshakabulsk erlegt. Keines: 
dieser Exemplare zeigte eine Spur von Mauser, auch nicht die zuletzt erlegten. Mehrere 
dieser jungen Vögel sind um die Schnabelbasis herum stark rostig kolorirt. 

2 alte Weibchen, am 27. März/ 8. April bei der Station Agdshakabulsk 
geschossen, beginnen die Mauser zum Sommerkleide auf dem Rücken. 

6 alte Männchen, vom 6. / 18. bis 27. März / 8. April bei Lenkoran erlegt. Alle 
wechseln das Kleid auf dem Rücken; das zuletzt erlegte mausert sehr stark am Halse 
und auf der Brust. Die Mauser dieser Vögel ist eine partielle, bereits, wie es scheint, 
abgeschlossene, denn nirgends sehe ich frische‘ Spulenfedern. Aber das Interessanteste 
an diesen Vögeln besteht darin, dass auch andere Horngebilde, als die Federn, sich an 
der Mauser, d. h. an dem Wechsel, betheiligen. Bei allen Ende März erlegten Exem- 
plaren löst sich die Haut auf dem Unterschenkel bis zum Fersengelenke ab. Sie ist 
zusammengeschrumpft und geplatzt, unter ihr liegt, ganz wie bei den Reptilien, die 
neue fertige Epidermalschicht. Auf dem Tarsus und den Zehen sieht man von einem 
solchen Wechsel ebensowenig wie auf dem Schnabel. Gleich unterhalb vom Fersen- 
gelenke lässt sich die alte Haut ungehindert auf der neuen, darunterliegenden, hin und 
herschieben. Ich sehe das an allen vier Exemplaren, es ist also Regel und keine Aus- 
nahme und beweist nur, wie sehr zur Zeit der Mauser am gesammten Organismus die 
Horngebilde dem Wechsel und der Umbildung unterworfen sind. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Beide Limosa-Arten, so scheint es, werden ostwärts von der Krimm als Brut- 
vögel seltener. In den im Frühjahre zum Theile überschwemmten Niederungen des 
unteren Salgiv, schon nahe der Mündung desselben in den Siwasch, habe ich seiner 
Zeit namentlich die in Rede stehende Art in ungeheurer Zahl, sich zum Brüten 
anschickend, beobachtet. Im Kaukasus bleibt nach meinen Erfahrungen diese Pfuhl- 
schnepfe ein littoraler Vogel. Grosmani besitzt ein Exemplar im Winterkleide vom 
Goktschai, welches auf dem Herbstzuge erlegt wurde. Im April berührt die Art eben- 


*) Journal für Ornithologie, 1876, pag. 188. 
**) Bogdanow, Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 156, Nr. 231. 


Limosa melanura. — Limosa rufa. — Numenius phaeopus. 435 


falls nur auf dem Zuge den hochgelegenen See. Sie brütet in den Süsswasserniede- 
rungen von Lenkoran. Das Vorkommen, welches Blanford *) namhaft macht, nämlich 
„1 2 Schiraz 4750° Dezember“, ist sehr interessant. Es überwintern ohne Zweifel die 
meisten Stelzer im Tieflande von Beludshistan und im Littorale des Persischen Goltes, 
doch liegen die äÄussersten Grenzen zu dieser Jahreszeit in der Vertikalen für diese 
ausgedehnten Winterstationen bis zu 5000‘ über dem Meere. Blanford führt auch 
noch andere Sumpfvögel aus den Umgegenden von Schiras im Dezember auf. Im Tief- 
lande von Lenkoran, wo wir im Frühwinter der Pfuhlschnepfe nicht gar zu oft begeg- 
neten, erschien sie ungemein früh. In den ersten Tagen des Februar wurden mehrere 
erlegt. Im Busen von Kisil-agatsch gab es ziemlich viele Pfuhlschnepfen, aber sie tum- 
melten sich dort im brakigen Wasser meistens einzeln und machten Anfangs März 
noch gar keine Anstalten zur Paarung. 


301. Limosa rufa Briss. 


Ich muss für diese Art dem Beispiele Blanford’s und Bogdanow's folgen, 
d. h. sie nach dem Zeugnisse von Pallas, Eichwald und Menetries”*) für den 
Kaukasus acceptiren. Die vage Notiz von M&neätries, „elle est assez rare dans la 
province du Caucase“ ist unbrauchbar, weil sie keine Zeit und keinen speziellen Fund- 
ort giebt. Eichwald kopirte Pallas***) und dieser führt sie als Frühlingszugvogel 
für den (nördlichen) Caspi an. 


302. Numenius phaeopus L. 
Russisch: Melyi Kronschnep, d. h. die kleine Kronschnepfe. 


Systematisches. 
Im April 1866 sind mir bei Lenkoran ein Dutzend Vögel dieser Art in die 
Hände gekommen, von denen vier präparirt wurden. Alle tragen ein stark verriebenes 
Winterkleid. Zeichnung und Färbung dieser und aller Numenius-Arten sind ungemein 
konstant. Diese zuerst beschaffte Suite wurde im Winter 1879 und 1880 um 20 Exem- 
plare vermehrt. Alle diese Vögel stimmen untereinander und mit Nord-Europäern voll- 
kommen überein. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Diese Art passirt sammt N. arquata im Herbste Tiflis und ist von den Brach- 
vögeln die häufigste. Bereits am 8. / 20. März sah ich ein Exemplar dieser Art in den 
Ebenen bei Prischip. Am 13./25. und 14. /26. März erschienen ihrer viele bei Len- 
koran und wurden mehrere erlest. Bis zum 25. März / 6. April nahm die Zahl der 
kleinen Brachschnepfen in den Wiesen von Lenkoran immer zu. Von diesen vielen 
Vögeln blieben einige auch noch im April dort, die meisten aber hatten Lenkoran am 
2. /14. April verlassen. Ende April wurden am Goktschai-See zwei während der 
Zugzeit erlegt. 


*) Blanford, Eastern Persia, Vol. II, pag. 283. 
**), Catalogue raisonne, pag. 5l, Nr. 162. 


”*) Zoogr. rosso-asiat., T. II, pag. 180. 
bon 


436 Numenius arquata. 


303. Numenius arquata L. 
Russisch: Bolschoi Kronschnep, d. h. die grosse Kronschnepfe. 


Systematisches. 

Vierzehn Exemplare brachte ich von dieser Art aus dem Kaukasus zusammen. 
Die meisten wurden im Winter bei Lenkoran erlegt. Ich finde sie mit nordeuropäischen 
Exemplaren ganz übereinstimmend, allenfalls sind die Rückenseiten etwas heller und 
bei den Weibchen etwas rostiger gefärbt. Bei den Männchen nimmt das weisse Feld 
des Unterrückens eine geringere Breite ein, als bei den Weibchen. Bei den meisten 
Vögeln ist das Rostgelb der oberen Körperseite stark verblichen. Ein Vogel, welcher 
im November 1863 in Tiflis zu Markte gebracht wurde, ist kleiner und besitzt auffallend 
kurzen Schnabel. Es ist dies kein junger, unausgewachsener Vogel. Sein Geschlecht 
konnte ich nicht ermitteln, aber es ist dies auch nicht Numenius lenwirostris Vieill. 
Solche kurzschnäbelige Vögel schossen wir auch bei Lenkoran. Dass die Schnabel- 
längen je nach dem Alter der Vögel sehr variabel sind, giebt Naumann*) schon an. 
Im Gefieder schliessen sich diese Vögel gut an die vor mir stehenden grossen Brach- 
vögel an und ich gebe daher hier nur eine Tabelle der Längenmaasse. 


Kaukasus. 
Numenius arquata. ET W. ? 

I mm mm mm 
Totallänge ohne Schnabel. . . - . 2.2.2.2. 380 | 430 | 370 
Blucelbuesbistzur Spitzer a | 290 295 7 2 
Schnabellänge**) (Mundspaltebis Spitzegerade gemess.) | 141 168 119 
Schnabelhöhe von der Stirn abwärts . . . 2... 17 16 016 
Grösste obere Schnabelbreite an der Basis . . . . \ı 12 13 10 
Tarsus IR DR ET REN ESTER A 82 92 77 
Mittelzeherohne Nagel. ar rs le ee 42 38 


Lebensweise und Verbreitung. 

Auch der grosse Brachvogel kommt im Herbste auf den Basar von Tiflis, so 
dass ich glauben muss, er forcire auf dem Zuge das Hauptgebirge. Er ist von Gros- 
mani im September am Goktschai-See beobachtet worden. Bei Lenkoran war er vor- 
nehmlich Strandvogel. Auf der Insel Sari fand ich ihn ebenfalls. Winternd beobachtete 
ich ihn oberhalb von Kumbatschinsk in den sumpfigen Ebenen und am südlichen Ende 
der Mugan. Es bleiben indessen doch nur wenige Kronschnepfen hier. Wir erlegten 
während des ganzen Winters kaum ein Dutzend und es halfen uns dabei die besten 
Jäger Lenkorans. Freilich ist der Vogel stets sehr scheu. Nie sah ich grosse Banden, 
meistens nur 4—8 Individuen beisammen. 


*) Naturgeschichte der Vögel Deutschlands, Bd. 8, pag. 480. 
**) Der längste Schnabel meiner Vögel misst 183 ımm. 


Palmipedes. 437 


Ordo X. 


Palmipedes. 


Allgemeine Vorbemerkungen. 


Die Unterordnung der Zamellirostres wird in den drei Nachbarfaunen folgender- 
maassen zusammengesetzt: j 


Kaukasus. Persien. Turkestan. 
Flamingo 1 1 1 
Gänse 7 3 8 
Schwäne 2 1 3 
Enten 22 19 16 
Süäger 3 1 2 


Nur europäische, im Win- Armuth an Gänsen, nur Reichthum an Gänsen mit 
ter zum Theile hochnor- europäische Arten in der neuen, eigenthümlichen Ar- 


dische Arten. ganzen Composition. ten, im Uebrigen europä- 
ische Composition. 
35 Spezies. 25 Spezies. 30 Spezies. 


Ueber die einzelnen Arten lässt sich wenig Besonderes, allgemein Interessantes, 
sagen. Ein merkliches Zurücktreten der eigentlichen Saatgänse im Kaukasus zur Zug- 
und Winterzeit ist wahrnehmbar. Vor allem aber sind die Mengen von Enten, sowohl 
der Süsswasserenten, als auch der Tauchenten, welche zur Winterung nach Talysch 
kommen, Erstaunen erregend und hier finden wir denn auch die hochnordischen Arten 
vertreten, je nach der Stärke und Dauer des Winters und darunter die Tundernbrüter 
von den Mündungen der grossen Sibirischen Ströme ebensowohl, als auch die polaren 
Schneegänse und Eisenten, weiche für kurze Zeit unter dem 39—40° n. B. auf dem 
Caspi rasten. 

Die Unterordnung der Totipalmae wird im Kaukasus durch drei Pelikane und 
zwei Cormorane gebildet. Ich habe Phalacrocorax graculus aus unserer und der Per- 
sischen Ornis ausgeschlossen, wie das auch Bogdanow gethan hat. Persien besitzt 
zwei Pelikane und dieselben Phalacrocorax-Arten, hat aber einen Zuwachs durch Sula 


438 Palmipedes. 


und Phaeton von den südlichen Küsten. Turkestan ist ärmer; die beiden Phalacrocorax- 
Spezies des Kaukasus leben dort noch, aber die Zahl der Pelikane ist schon auf eine 
Art reduzirt, nämlich auf P. onocrotalus. 


Aus der dritten Unterordnung, den Longipennae, welche durch Möwen und 
Seeschwalben und einen kleinen Sturmvogel (Puffinus anglorum) zusammengesetzt ist, 
besitzt unser Gebiet 17 Arten, nämlich: 


Kaukasus. Persien. \ Turkestan. 


Möwen 8 hl 6 
(Darunter eine Raubmöwe, 
diese und L. Hemprichi 
= nur vom persischen Golf.) 


Seeschwalben 8 9) 6 
(2 dem Kaukasus fehlende, 
vom Südufer.) 


Puffinus 1 1 fehlt. 
(Vom Südufer.) 
Im Ganzen: 17 Arten. 21 Arten. 12 Arten. 


Aus diesen Ziffern erhellt, dass Persien ausser den Caspischen Arten an seinen 
Südgrenzen den namhaftesten Zuwachs von Möwen bekommt. Turkestan, dessen 
Binnenseen von keinem grossen Umfange sind, ist auch am ärmsten an Arten und 
Persien wiederum am reichsten in Folge seiner südlichen oceanischen Meeresküste. In 
Bezug auf das Vorwalten mancher Spezies ist hier noch zu bemerken, dass für den 
Caspi, als recht charakteristischer Vogel, die prachtvolle Larus vchthyaetos genannt 
werden muss. Wie diese Art im Westen nur als seltener Gast ab und zu angetroffen 
wird, so sind hier am Binnenmeere die westlichen und nördlichen Möwen-Spezies, 
zumal die oceanischen, entweder äusserst selten, oder sie fehlen ganz. Solche Arten 
sind z. B. Larus marinus und L. fuscus, welche ich bis auf Weiteres aus unserem 
Möwenbestande ausschliesse. Endlich gewinnt Zarus argentatus ein besonderes Interesse 
dadurch, dass eine kleinere und auch wohl etwas hellere Varietät, Zarus leucophaeus 
Lichst., am Caspi der Zahl nach bei Weitem den typischen, grossen Vogel übertrifft und, 
im Falle der Mantel dieser kleinen Varietät von Z. argentatus dunkler blaugrau ist, 
wir es mit L. cachinnans Pall. zu thun haben. Diese drei in allen Fällen als Arten 
sicher zu trennen, ist unmöglich, weshalb ich sie eben vereinigte und nur als Ragen 
von L. argentatus betrachte. 

Die Bemerkungen über die letzte der Unterordnungen, Urinatores, sind nur 
kurz. Der Kaukasus besitzt fünf Podiceps- und zwei Colymbus-Arten, Persien nur vier 
Podiceps (P. cormutus fehlt) und keinen Colymbus (?). Turkestan weist dieselbe 
Anzahl von Arten der Steissfüsse auf, wie sie der Kaukasus besitzt und hat auch (. 
arcticus. Das Vorkommen des letzteren im vollen Sommerkleide unter dem 39° n. B., 
wie ich solches vom südlichen Caspi nachwies, gehört immerhin zu den exceptionellen 
Erscheinungen. 

Nach meinen Untersuchungen ergeben sich die numerischen Werthe für die 
Ordnung der Palmipedes in den drei Nachbarfaunen folgendermaassen: 


Palmipedes. — Phoenicopterus roseus. 439 


Palmipedes. 
Kaukasus. Persien. Turkestan. 
Lamellirostres 35 25 29 
Totipalmae 5 5 3 
Longipennae I 21 12 
Urinatores 7 4 6 
Im Ganzen: 64 Arten. 55 Arten. 50 Arten. 
Subordo I. 


hamellirostres. 


304. Phoenicopterus roseus Pall. 
Russisch: Araszyi Gus, d. h. Rothe Gans. _ 
Tatarisch: Gas (s weich). 
Persisch: Kaj-t-surkh. 
Armenisch: Karmörtew. 
Systematisches. 

“ Das Museum besass jahrelang nur einen alten Vogel, welcher unweit von Kum- 
baschinsk erlegt und von dem jetzt verstorbenen Herrn Kasitzky geschenkt wurde. 
Der Vogel ist ein altes Männchen und trägt das prachtvolle, ausgefärbte Kleid. Während 
des Winters 1879—80, als ich das bedeutende ergänzende Material für meine Ornis 
erstand, wurden nach und nach fünfzehn Flamingos erbeutet. In dieser Suite befinden 
sich alle möglichen Altersstufen der Vögel, angefangen vom ersten Herbstkleide, welches 
keine Spur des schönen, rothen Gefieders zeigt, bis zum höchst alten Männchen, welches 
in der unvergleichlichen Pracht seines Federschmuckes glänzt und bei welchem das 
gesammte Leibes-, Hals- und Kopfgefieder intensiv aurorarosa erscheint. Vom Februar 
bis Anfang April wurden die Flamingos oberhalb von Lenkoran auf offenem Meere er- 
lest. Ein junges Männchen, welches noch nicht ganz ausgewachsen ist, trägt das erste 
Jugendkleid, hat auf der oberen Hälfte des Halses noch das graue, zwar dichte, aber 
ausserordentlich weiche, gesprenkelte Gefieder. Auf den oberen Flügeldecken macht 
sich ein ganz leichter hellrosenrother Anflug bemerkbar, in welchem die graubräun- 
lichen Schaftflecken stehen. Der Schnabel dieses Exemplares ist von der Basis bis °/, 
seiner Länge nach vorne grünbläulich in Grau getrübt, das vordere Viertheil hornfarben 
schwärzlich. Ein älteres Männchen, dem ich das dritte Lebensjahr zuspreche, besitzt 
jene erwähnten Schaftflecken auf den grossen, oberen Flügeldecken noch überall und 
in bedeutender Ausdehnung, zeigt aber am Kopfe und Halse das bereits rein ausgefärbte 
weisse Gefieder, mit ganz leichtem Anfluge in Lachsfarbe. 


Lebensweise und Verbreitung. 
Die Jäger Lenkorans erzählten mir, dass die Flamingos nur zeitweise im Winter 
die Umgegend der Stadt besuchen und dann nicht besonders scheu sind, ja sich sogar 


440 Phoenieopterus roseus, 


in die weitläufig gebaute Stadt, welche viele Gärten und grüne Plätze besitzt, hinein- 
wagen, falls tiefer Schnee, Stürme und Kälte sie heimsuchen. Ich glaube, dass dies 
Erscheinen im Winter doch nur Nothwanderungen zuzuschreiben ist und dass die Vögel 
überhaupt in dem geschützteren Südwestwinkel des Caspi Rettung vor den oft harten 
Wintern am Nordostufer des Meeres suchen. Sie halten sich, so lange es angeht, im 
Busen von Kisil-agatsch auf, wohin sie vom nördlichen Caspi im Dezember kommen 
und in Gesellschaften von 10—40 Individuen leben, vornehmlich sich im seichten Wasser 
mit festem Muschelgrunde aufhaltend. Eine Zwischenstation auf ihrer Küstenwanderung 
nach Süden machen sie in der Nähe Bakus auf dem sogenannten rothen See und werden 
dort im November oft geschossen. Nach Bogdanow’s*), Pölzam’s und Henkel’s 
Mittheilungen kommt der Flamingo im Delta der Wolga nur im Frühlinge und nicht 
häufig vor, er brütet dort nicht. Dennoch müssen die bei Lenkoran winternden vielen 
Flamingos von Norden herkommen, da es absolut keinen Sinn hat, anzunehmen, dass 
der zarte Vogel im Winter von S. nach N. zöge. Ich erkläre mir das aber so: Der 
Flamingo meidet Süsswasser, seine Lieblingsnahrung sind die kleinen Cardiaceen, ächte 
Meeresbewohner. Er muss also, so denke ich, irgendwo am NO.-Ufer des Caspi grosse 
Brutplätze haben und von diesen zum Winter die Küstenwanderungen machen. Am 
30. November / 12. Dezember und 1. /13. Dezember 1879 zogen die ersten Flamingos 
über Lenkoran fort nach Gilan, ein Zeichen, dass es am nördlichen Caspı kalt geworden 
war. Die darauf im Busen von Kisil-agatsch angestellte Jagd ergab zuerst keine Er- 
folge. Mitte Dezember erst gelang es, diese Vögel zu schiessen. Am Besten kommt 
man dem Vogel Nachts im Boote bei. Die Aussagen aller Jäger stimmen darin überein, 
dass die Flamingos dumme Vögel seien, denen nahe zu kommen nicht sehr schwer sei. 
Sie sollen an ihren Ruheplätzen förmlich miteinander plaudern und darüber die nahende 
Gefahr nicht gewahr werden. Als ich Anfangs März (leider zu spät) mich nach Kisil- 
agatsch begab, um dort Rothhalsgänse zu jagen, hatte ich Gelegenheit, die Flamingos 
zu beobachten. Es war das kurz vor ihrer Abreise gegen Norden. Schon am 1. / 13. 
März passirten auf ihrem Zuge viele dieser schönen Vögel Lenkoran. Auch diesmal 
geschah das bei dem schlechtesten Wetter von der Welt, bei scharfem NO., den sie 
seitwärts erhielten. Sie flogen ohne Ordnung in locker gebauten Haufen, Füsse und 
Hals gerade ausgestreckt und stumm. Der Flug ist schwimmend. An verschiedenen 
Stellen des Busens von Kisil-agatsch ruheten viele Flamingos. Die Gruppen bestanden 
nicht selten aus SO—100 Individuen, die sich enge aneinander drängten und so, von 
Weitem gesehen, einer blendend weissen Mauer glichen. Mit den Pelikanen, die eben- 
falls sehr gedrängt neben einander ruhen, kann man sie nicht verwechseln, weil sie zu 
hochbeinig sind. Die schöne rothe Farbe der Flügel geht aber für die Ferne dem Auge 
verloren. Die Vögel ruhen oft halbe Tage lang an einem Orte. Bei dem Auswechseln 
fliegen sie meistens in Linienordnung und ganz nahe über dem Wasser. Diejenigen 
aber, welche fortziehen, sah ich hoch in der Luft ebenfalls in Linienordnung direkt 
gegen Norden der Küste entlang wandern. Die Feinschmecker von Baku haben, wie 
mir der Ingenieur-Oberst Burmeister daselbst erzählte, den im Altertiume berühmten 
Leckerbissen, welchen die Zunge des Vogels bietet, versucht. An dem dort gelegenen 
rothen See, welcher vielleicht seinen Namen von dem Vogel erhielt, der zeitweise häufig 


*) Bogdanow, Säugethiere und Vögel der mittleren und unteren Wolga (russ.), pag. 145. 


Phoenicopterus roseus. — Bernicla ruficollis. 441 


sein soll, werden durch die Tataren oftmals Flamingos erlegt und in der Stadt zum 
Kaufe für 25 Kop. angeboten. Man verschmäht den Braten, aber einige der erwähnten 
Feinschmecker versuchten die Zungen und fanden sie geröstet sehr gut. Ich selbst 
habe die grossen Zungen, welchen die Krümmung des Schnabels in der Form ebenfalls 
eigen ist, auch versucht. Abgekocht sind sie hoch wachsgelb und fischeln, haben in- 
dessen in Folge ihres umfangreichen Fettgewebes einen eigenthümlichen und nicht 
unangenehmen Geschmack, dem man das antike Recht in der Gastronomie auch heute 
noch zusprechen darf. Die Nahrung der Flamingos besteht ausschliesslich in kleinen 
Cardiaceen und anderen Bivalven, wie ich solches aus dem Inhalte der Magen stets 
entnahm. Bei dem Suchen seiner Nahrung gründelt der Vogel. 


305. Berniela ruficollis Pall. 
Russisch: Krasnosobaja Kasarka, d. h. die rotkkröpfige Gans. 
Systematisches. 
Das Dutzend Exemplare der Rothhalsgans, welches ich vom Kisil-agatsch-Busen am 
Caspi mitbrachte, setzt sich aus jungen und alten Vögeln beider Geschlechter zusammen. 
Erst im dritten Jahre erreicht das Kleid die volle Schönheit und Reinheit der Farben. 
Im Jugendkleide ist das dann matte Braun der Brust, namentlich seitlich und zum Rücken 
hin, stark mit mattem Schwarz untermischt. Die im Alter schwarzen Partien des 
Rückens und Bauches sind grauschwarz. Ein am 8. /20. Februar erlegtes, junges 
Männchen mausert ins zweite Kleid auf dem Rücken, einzelne schwarze, wenig glänzende, 
frische Federn stehen dort im alten Kleide. Je älter der Vogel, um so schmäler, aber 
auch um so schärfer umgrenzt wird der weisse Brust-Rückenring. Bei den Weibchen 
erstreckt sich das Schwarz des Leibes nicht soweit nach hinten, als bei den Männchen. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Ich kenne diese schönste aller Bernicla-Gänse vom gesammten südwestlichen 
Littoral des Caspi, aber nur als Wintervogel. Mitte März gab es bei Lenkoran keine 
Rothhalsgänse mehr, sie hatten bereits die weite Reise gegen NO. angetreten. Bei 
Baku kennt man diese Art allgemein, ich sah sie dort bei dem ehemaligen Vicegouver- 
neur Glinosarew, der ein grosser Vogelfreund war, in Gemeinschaft von Platalea, 
Phoenicopterus, mit Vulpanser rutilus und Tadorna (1867). Zwei Exemplare wurden 
vor Jahren nach Tiflis in den sogenannten Acclimatisationsgarten (seligen Andenkens) 
geschickt, wo sie ohne jegliche Pflege mit dem Hausgeflügel lebten und ganz zahm 
wurden. Dies ist um so auffallender, als sie im Freileben ungemein scheu und vor- 
sichtig sind. Sie weiden wie die gemeinen Gänse namentlich die jungen kurzen Gräser 
gerne ab und nehmen in der Gefangenschaft zuerst kein anderes Futter an. Später 
gewöhnen sie sich an Gerste und Weizen, doch müssen sie stets Grünfutter und zwar 
vorzüglich junge Grastriebe bekommen. L. Martin berichtet über diese Art in ihrem 
Gefangenleben bereits im Jahre 1856 *) und erwähnt der Vorliebe dieser Gans für Grün- 
futter; auch er bemerkt, wie der Vogel mit Leichtigkeit klettert. Im November 1879 
gab es bei Lenkoran noch keine Rothhalsgänse. Sie kamen erst bei einsetzender Kälte 


*) Journal für Ornithologie 1856, pag. 9. 
B.adde, Ornis caucasica. 56 


442 Bernicla rufieollis. 


und hielten sich mehr nördlich von den Süsswasserniederungen im Steppengebiete,, 
namentlich auf gut benarbten Grasplätzen auf. Zur Nacht gingen sie weit ins Meer. 
Gegen Morgen verlassen sie dasselbe und ziehen in grossen Haufen auf die Aesung. 
Bei den sogenannten Burani-Inseln, unweit von der Kisil-agatsch-Küste, im Norden 
von der Insel Sari sollen sie namentlich zum Frühjahre in grosser Menge sein. Dort 
giebt es eine dieser Inseln, die man Jörschan nennt und auf ihr sind die Lieblings- 
plätze der schönen Gans gelegen. Hier auch rotten sie sich zum Fortziehen in enge 
zusammengedrängte Haufen. Zuerst zu zwanzig bis dreissig, dann, wenn diese formirt 
sind, zu 80—100—200 und endlich vereinigen sich alle und fliegen Anfangs März fort. 
Ihr Fortziehen wird sehr wesentlich durch das Wetter bestimmt. Als ich am 5. / 17. 
März 1880 mich an die besagte Lokalität begab, fand ich dort keine einzige dieser 
Gänse mehr. Ende Februar aber hatte man daselbst ganz nahe von dem Fischer- 
etablissement auf Wiesen nach tiefem Schneefalle mehr als zwei hundert dieser schönen 
Gänse mit dem Netze auf ein Mal gedeckt. Zu diesem Zwecke reinigte man einen 
Platz von 10—15 Quadrat-Faden vom Schnee und die hungrigen Gänse kamen und 
liessen sich nieder, da weit und breit nur Schnee lag. Ein grossmaschiges, stehendes 
Netz wurde dann von versteckt sitzenden Jägern angezogen und die ganze grosse Ge- 
sellschaft gefangen. Ich kam leider für diesen Fang zu spät. Man hatte die Vögel 
alle schon zu einem Spottpreise von 5—10 Kop. verkauft, um sie zu rupfen. Was ich 
davon an lebenden Exemplaren fand, war durch die Tataren dermaassen beschnitten 
worden, dass es untauglich für die Kollektion erschien. Nicht anders erging es mir 
bei dem Molokaner Dorfe Astrachanka, woselbst seit Menschengedenken nie so viele 
Rothhalsgänse als im Winter 1879—80 erschienen waren. Zu Tausenden sollen die 
Schwärme gezählt und, wenn sie sich erhoben, nach den Worten der Leute „die Sonne 
verdunkelt“ haben. Als ich am 7. / 19. und 8. / 20. März dort war, gab es keinen einzigen 
dieser Vögel mehr. Man hatte sie dort der Art niedergemetzelt, dass selbst die 
schlechtesten Schützen an 200 Stück erlegten. Das geschah aus Löchern in der Erde, 
in denen die Jäger hockten. Alle Vögel waren nur auf ihre Federn hin ausgebeutet 
worden. Der Braten ist trocken und zähe, die meisten dieser Vögel waren ungemein 
mager. Am 8./20. Februar, als ein lange anhaltender Schneesturm aus N. wüthete, 
wurde das erste Exemplar dieser schönen Gans in der Stadt Lenkoran erlegt. Ein 
Schwarm von über 200 Exemplaren zog über den Ort hin. Tags darauf waren die 
Vögel verschwunden. Alle Mühen, den grossen Flügen auf Schussweite nahe zu kommen, 
war vergebens. Auch in der Nacht blieben die Vögel ungemein vorsichtig und flogen, 
um zu Schusse zu kommen, zu hoch. Die Tataren stellten ihre Fangnetze nach dem 
tiefen Schneefalle über einige grössere Wasserpfützen und hier fielen etliche dieser Gänse 
ein und ins Garn, die ich mit leider mehr oder weniger gekappten Flügeln erhielt. Es 
ist geradezu merkwürdig, wie diese Vögel und auch die eingefangenen wilden Schwäne 
sich vernünftig und geduldig verhalten, gleich nachdem ihnen das Unglück widerfuhr 
und sie nun gezwungen waren, mit dem verhassten Menschen, mit seinen Hunden und 
Katzen, seinen sonstigen Hausthieren in einer ihnen durchaus fremdartigen Um- 
gebung zu leben. So wild, klug und scheu sie im Freileben sind, so zahm und fügsam 
werden sie in der Gefangenschaft, wenn man sie nicht besonders ängstigt und stört. 
Die Tataren, welche sich mit dem Schwanenfange beschäftigen, decken gelegentlich 
auch diese Gänse. In der Kisil-agatsch-Bucht wurden Anfangs Februar mit einem 


Bernicla ruficollis. — Anser minutus. 443 


Schlage 60 dieser prachtvollen Vögel gedeckt; leider kam kein einziger von ihnen in 
meine Hände. Damals zahlten. die Tataren noch 15 Kop. pro Stück und verputzten 
sie zu Federn.. Diese Vogelfänger aber erzählten mir, dass sich auf solche Stellen, 
wo einmal aus einem Fluge Vögel fortgefangen wurden, sich die anderen niemals mehr 
niederlassen. Sie halten diese Gans überhaupt für den klügsten aller Vögel. Meine 
gefangenen Rothhalsgänse putzten zuerst das in Unordnung gerathene Gefieder, hoben 
mit leicht zuckender Bewegung beständig ein wenig die Flügel, zogen ruhend die Köpfe 
tief ein und bläheten das seidenweiche Kleid am Halse und am Kopfe auf; so sassen 
sie im Zimmer. Ab und zu wurde ein ganz kurzer Trompetenton hörbar; kam man 
ihnen nahe, so zischten sie. Sie besitzen aber auch den charakteristischen zweisylbigen 
Ruf der Gänse und dieser ist die Lockstimme für dieselben, wenn sie sich suchen. Ich 
hörte sie jedesmal, wenn die Vögel sich im Garten getrennt hatten und sich wieder 
finden wollten. Ihr Trieb zur Geselligkeit ist sehr gross. Nach einiger Zeit fingen 
meine Gefangenen an, die Wohnung zu untersuchen, liefen schnell und sicher durch 
die Zimmer, streckten den Hals hoch aus, aber nicht nach vorne. Ein am Fenster 
stehender Stuhl zog sie ganz besonders an. Sie machten vergeblich ein paar Versuche, 
auf seinen Sitz zu gelangen. Nachdem sie sehr bald sahen, dass dies nicht anging, 
spazierten sie weiter. Ohne jeden Widerstand liessen sie sich ergreifen. Im Garten 
weideten sie sofort und zwar nur das Gras. Ziergewächse, Rittersporn und Levkojen, 
liessen sie ganz unbeachtet, ebenso die Sternmiere und andere Unkräuter. Schon am 
zweiten Tage ihrer Gefangenschaft gingen sie von selbst zur Nacht in ihre Wohnung 
und nahmen dort auf dem ausgebreiteten Seegrase Platz. Es sind, wie schon gesagt, 
die schönsten und zahmsten Wildgänse und gewiss für die Zucht sehr geeignet. Als 
aber nach einiger Zeit der böse Kettenhund sich losriss und unbeachtet unter sie fuhr, 
war es mit ihrer Zutraulichkeit vorbei. Sie wollten durchaus nicht mehr in den Garten, 
versteckten sich unter dem Balkon und geriethen in die grösseste Angst, sobald ein 
Hund bellte. Seit nunmehr 3 Jahren leben in einer der Volieren des Museums-Gartens 
drei dieser schönen Vögel, die sich vollständig gewöhnt haben. Mais ist ihnen genehm, 
im Sommer erhalten sie Spinat, Salat. Die Mauser beginnt schon Ende Juni. 


306. Anser minutus Naum. 
— erythropus L. 


Russisch: Melaja Kasara oder Kasarka, d. h. die Zwerg-Gans. 
Tatarisch: Kas, für alle Gänse geltende Benennung. 


Systematisches. 


Von einem Dutzend Exemplaren, welche ich aus den Umgegenden von Lenkoran 
mitbrachte, kann ich nur sagen, dass in Bezug auf Grösse im Wuchse, Schnabellänge, 
Blässenandeutung und schwarze Fleckung auf der Bauchseite diese Gänse ausserordent- 
lich variiren. Ich gebe deshalb unten auch die Maasse des grössten und kleinsten 
meiner Vögel. Die Schnabelkürze und Steilheit des Abfalls der Stirn derselben an- 
langend, so zeichnet sich ein Männchen vor allen anderen Exemplaren dadurch aus. 
Ich gebe daher hier die Kontur des Schnabels bei diesem Vogel. Auf der Firste 
‚gemessen hat er nur eine Länge von 35 mm, bei einer Höhe an der Basis von 21 mm. 


56 * 


444 Anser minutus. — Anser albifrons. 


Die Maasse sind: 


M W. 
Anser minutus. 

| mm mm 

Totallanged., 2ay- ars el re na 590 500 
Hlügelbag bis zur Spitze .... -.. 2.2 ..312400 380 
Schnabel, auf der Firste gemessen. . . . | 50 42 
Mundspaltey. na nn a le | 40 
Schnabelhöhe an der Basis . . . ...|..23 25 
AUSUSG a a N ee as 65 


: Lebensweise und Verbreitung. 

Nur als winternder Vogel im südlichen Caspi-Gebiete ist mir diese Art bekannt. 
Er passirıt nach Henkels*) Angabe die untere Wolga in Menge im Frühwinter. Bis 
zum 22. November /4. Dezember 1879 gab es in den Rohrdickichten und auf den 
Reisfeldern im Lenkoran’schen noch keine Zwerggänse. Es war anhaltend schönes 
und geradezu sommerliches Wetter. Am 21. November / 3. Dezember änderte sich das. 
Von NW. gegen SO. lagen bleischwere Regenwolken. Der NO. entschied sich "bald 
und, wenn er auch bei Lenkoran nicht stark bliess, so ging die See doch sehr hoch 
und es musste eben im Caspi und in den asiatischen Steppen stark gestürmt haben. 
Am 22. November /4. Dezember fielen denn auch die ersten Zwerggänse in die Netze 
der Tataren und wurden mir, gefesselt an Flügeln und Füssen, gebracht. Von allen 
wilden Gänsen ist dies diejenige, welche dem Winter im Norden am frühesten weicht. 
Ich kenne sie aber nur vom Caspi her, im Centraltheile Transkaukasiens habe ich die 
Zwerggans nie gesehen. 


307. Anser albifrons Penn. 
Russisch: Bjelolobaja Kasarka, d. h. Weissstirn-Gans. 
Persisch: Kay, für alle Gänse geltend. 
Systematisches. 
Ein altes Weibchen mit dunkel umrandeter Stirnblässe steht vor mir. Die. 
schwarze Fleckung des Bauches ist sehr mächtig. Ein ebenfalls altes Männchen, welches 
am 1. /13. Dezember bei Lenkoran erlegt wurde, entspricht dem Weibchen vollkommen. 


*) Bogdanow, Säugethiere und Vögel der mittleren und unteren Wolga (russ.), pag. 148. 


Anser albifrons. — Anser einereus. — Anser segetum, 445 


Lebensweise und Verbreitung. 

Von den Wildgänsen, so scheint es, hält sich diese Art in dem Centraltheile 
Transkaukasiens im Winter am häufigsten auf, denn man sieht sie öfters auf dem 
Markte von Tiflis und zwar viel häufiger als Anser segelum und Anser cinereus. Bei 
Lenkoran ist sie nächst Anser minutus und cinereus die häufigste von den Graugänsen. 
In grossen Massen sah ich sie am frühen Morgen des 23. Januar /4. Februar unterhalb 
von Mingetschaur gegen NW. wechseln. Sie begaben sich vom Thale der Kura, wo 
sie genächtigt hatten, auf die Saatfelder zum Aesen. Am Goktschai-See überwintert 
diese Art ebenfalls. 


308. Anser einereus M. et W. 


Russisch: Sery& Gus d. h. Graugans. 
Tatarisch: Chas. 

Armenisch: Sag. 

Georgisch: Gareuli-bati d. h. Wildgans. 


Systematisches. 

Ein halbes Dutzend grosswüchsiger Graugänse wurde vom Dezember bis April 
(1879—80) bei Lenkoran erlegt. Im Centraltheile Transkaukasiens ist sie selten. Meine 
Exemplare besitzen die Bauchseiten bald rein weiss, dann aber auch wieder bei einem 
Vogel vom 15./27. Februar sehr stark schwarz gefleckt. Die am 5. / 17. April von 
den Burani-Inseln erstandenen Eier waren wenig bebrütet. Ich messe an ihnen: Höhen- 
durchmesser 87 mm, Breitendurchmesser 58 mm. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Zu wiederholten Malen sah ich die Graugans auf dem Markte von Tiflis, es 
geschah das im Januar- und Februar-Monate. Am 1./13. Dezember wurde das erste 
Exemplar bei Lenkoran erlegt. Diese grosse Gans ist aber daselbst viel weniger häufig 
als Anser minutus und albifrons. Am 5. / 17. April wurde ein Brutweibchen auf den 
Burani-Inseln erlegt, die Eier dieses Vogels waren höchstens acht Tage bebrütet gewesen. 
Die Graugans wird mir als brütender Vogel vom Goktschai-See durch Herrn Grosmani 
namhaft gemacht. 


309. Anser segetum J. Fr. Gml. 
- Systematisches. 
Bogdanow trennt l. c. pag. 171, Nr. 272 Anser arvensis Brehm von Anser 
segelum Gmi. Ich folge dem Beispiele von Blasius und Anderen, indem ich sie nur als 
eine Art anerkenne, was neuerdings selbst Dresser*) thut. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Ich habe zwar die Wildgänse im Oktober oftmals auf dem Zuge Tiflis passiren 
sehen und hören, doch müssen davon nur wenige im Centraltheile Transkaukasiens 
überwintern. Diese Art kommt in Tiflis selten zu Markte, vorwaltend ist hier A. albe- 
frons. Erst im Unterlaufe der Kura und den Gebieten aufwärts davon, wo in den 


*) Dresser, The birds etc., Parts LXXV et LXXVI 


446 Ansersegetum. — A. byperboreus. — Bastard von Cygnopsis eygnoides und A. einereus domesticus. 


breiten Ebenen des Thales oft sehr milde Winter obwalten, leben dann die Wildgänse 
in grosser Anzahl. Schon östlich von Elisabethpol, wenn man sich Mingetschaur nähert, 
kann man bei Sonnenaufgang unzählige Saatgänse in ganz bestimmten Wechselrichtungen 
beobachten. Am 24. Januar /5. Februar sah ich sie bei der Station Tschemachlinskaja 
in grösster Menge vor und mit Sonnenaufgang aus dem Kurathale gegen NW. ziehen. 
Die Brachen und Ackerfelder locken sie zur Aesung. Hier flogen vorwaltend Blässgänse 
und Saatgänse, Anser minutus und A. einereus sah ich nicht. Diese lebten weiter 
östlich am Caspi. Was mir aber ungemein auffiel, war, dass ich während meines 
Aufenthaltes in Lenkoran, wo doch so eifrig gesammelt wurde und mir alle Jäger so 
bereitwillig halfen, im Verlaufe von vollen sechs Monaten kein einziges Exemplar der 
Saatgans oder der nahestehenden A. arvensis beschaffen konnte. Es ist möglich, 
dass der grösste Theil dieser Art im Terekdelta bleibt. Die südwestliche Uferzone des 
Caspi berührt sie auf dem Zuge entschieden nicht und wo sollen die vielen Saatgänse 
bleiben, deren Bogdanow*) von der mittleren und unteren Wolga erwähnt und die 
mit dem Zufrieren des Stromes fortwandern? Ich kann darauf bis jetzt keine genügende 
Antwort geben. Es liegen keine Fakta darüber vor, dass die Wildgänse überhaupt an 
den Ufern Südpersiens überwintern; es mag ihnen aber vielleicht die Richtung WSW. 
von der unteren Wolga zum Winterzuge geboten sein. 


310. Anser hyperboreus Pall. 


Russisch: Bely? Gus, d. h. Weiss-Gans. 
Tatarisch: Kuba-gas, d. h. die Gans von Kuba, wo Kuba, da es im Norden von Lenkoran gelegen 
ist, gewissermassen diese Richtung, aus welcher die Gans zieht, bezeichnen soll. 


Man findet in strengen Wintern unter den vielen wilden Gänsen (Anser cinereus, 
albifrons und minutus), welche im Busen von Kisil-agatsch leben, kleine Banden der 
Schneegans, die ausserordentlich scheu sind, aber von allen Jägern eben als weisse 
Gänse mit schwarzen Schwingen mir namhaft gemacht wurden. Bei Lenkoran und bei 
Baku erfuhr ich nur den Namen dieser Vögel. Am 28. Februar / 11. März 1880 wurden 
zum letzten Male 9 Schneegänse bei den Burani-Inseln gesehen. Als ich am 5. / 17. 
März dort jagte, waren sie schon fortgezogen. Das zeitweise Erscheinen der Schneegans 
auf dem Caspi unter dem 39° n. Br. reiht sich direkt an einige Thatsachen, welche 
zur Genüge das Vorkommen hochnordischer Spezies zur Winterzeit in diesen Breiten 
darthut. Ich erinnere nur an die Häufigkeit der Rothhalsgänse in manchen Jahren, an 
das Erscheinen der Eisenten und der Seidenschwänze etc. Auch Bogdanow**) giebt 
die Möglichkeit für die Passage der Schneegänse im Wolga-Gebiete zu. 


311. Cygnopsis cygnoides Pall. 


5 A 2 als gezähmter Bastard. 
mit Anser cinereus domesticus > 


Unter den vielen Hausgänsen, welche namentlich von den russischen Ansiedlern 
(Molokanern, Duchoboren) gezüchtet werden, befinden sich ab und zu Nachkommen und 
offenbare Bastarde der soeben aufgeführten zwei Gänse-Arten. Dergleichen Vögel sah 


*), Bogdanow, Säugethiere und Vögel der mittleren und unteren Wolga (russ.), pag. 147. 
**) Ebendaselbst, pag. 148. 


Bastard von Cygnopsis eygnoides und Anser domesticus cinereus, — Cygnus musicus. 447 


ich, unverkennbar durch Schnabelform und starken Wuchs, namentlich auch durch die 
fast kropfartig entwickelte obere Halspartiesr in den russischen Dörfern westlich 
von Baku. 

Die Varietät der Hausgans mit krausen, bogig gekrümmten, stark verlängerten 
Rückenfedern ist ebenfalls nicht selten. Die Hausgans wird von den wilden Gebirgs- 
völkern nicht gezüchtet. Weder fand ich sie bei den Suanen, noch bei den Chewsuren, 
Tuschen, Pshawen und Össen, ebenso fehlt sie den Dagestan-Stämmen des Gebirges 
und bei allen Mohamedanern und Kurden; diese Völker verabscheuen die Gans. Da- 
gegen ist die Hausgans gemein bei den Völkern der Ebenen und bei den Russen auch 
im Gebirge, zumal auf den transkaukasischen Hochländern. Ebenso züchten sie die 
Grusinier und Armenier, die Juden und die Griechen. An den hochgelegenen Seen 
Armeniens, bei den dort wohnenden Molokanern und Duchoboren, fand ich die Hausgans 
viel gezüchtet und sogar dem am Balykgöl lebenden Russen war in einer Höhe von 
7400' über dem Meere ein Paar Hausgänse gefolgt. Trotz der hohen mittleren Lage 
der Ortschaften in Hocharmenien, welche von russischen Sektirern bewohnt werden, 
also von 5—6500° über dem Meere, gedeiht die Hausgans ungemein gut. Schon Mitte 
April bringt sie regelmässig die Bruten aus und beweidet mit den Jungen im Sommer 
die nahegelegenen Wiesen der Dörfer. Preise in Tiflis 60—120 Kopeken pro Stück. 


312. Cygnus musicus Bechst. 


Russisch: Zebed Klikun. 
Tatarisch: Dochdikut. 
Armenisch: Karap, womit beide Arten benannt werden. 


Systematisches. 

Acht Singschwäne wurden von den vielen mir in Lenkoran lebendig gebrachten 
präparirt und dazu kommen zwei bei Tiflis Anfangs Februar 1871 erlegte, für die 
Sammlung des kaukasischen Museums aufgestellte. Es befinden sich darunter junge 
Vögel im melirten grauen Kleide und alte schneeweisse. Viele dieser alten Vögel zeigen 
Rostgelb am Kopfe und namentlich um die Schnabelbasis. Die Umgrenzungen von 
Gelb und Schwarz am Schnabel finde ich bei allen meinen Exemplaren konstant. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Der Singschwan ist namentlich auf dem Caspischen Meere sehr gemein. Er 
überwintert dort an seichteren Küstenstellen und Buchten, so z. B. in dem grossen 
Meerbusen von Kisil-agatsch und bei Kumbaschinsk, unweit von dem Etablissement der 
Fischerei. Hier wird er überall regelrecht gejagt und gefangen, um die schönen Brust- 
felle mit ihren unvergleichlichen Flaumfedern zu erstehen. Man erbaut zu diesem 
Zwecke im flachen Wasser Rohrhütten, an welche sich die Vögel gewöhnen und in 
denen der Jäger ungesehen sie erwartet. Dieser besitzt ein Paar zahme Lockschwäne, 
welche die vorüberfliegenden für wilde halten und sich unbesorgt zu ihnen niederlassen. 
An solchen Stellen sind nun unter dem Wasser schräge gestellte Netze befestigt, welche 
zusammengezogen werden können, was geschieht, sobald die Schwäne dicht beisammen 
sind. Im Busen von Kisil-agatsch wurden am 10. /22. Januar 1880 in dieser Weise 
über achtzig Singschwäne auf einmal gedeckt. Sie haben einen mittleren Werth von 


448 Cygnus musicus. — Cygnus olor. 


1 Rbl. bis 1 Rbl. 20 Kop. pro Stück. Die Tataren essen das Fleisch, sie verwerthen die 
Federn und verkaufen die Felle mit dem Flaum, oder letzteren gesondert. 

Ungewöhnlich strenge Winter zwingen die Singschwäne landeinwärts zu ziehen; 
obschon sie dabei in immer höher gelegene Gegenden kommen, so muss ihnen der 
Aufenthalt auf offenem Meere doch zu solcher Zeit unerträglich sein. Anfangs Februar 
1871 erschienen viele Singschwäne bei Tiflis. Diese Vögel waren noch sehr kräftig, 
obgleich sie entschieden vom Caspi, also an 70 deutsche Meilen, die Kura aufwärts 
gezogen waren, wie das ausnahmsweise auch die Cormoran-Arten und sogar Larus ich- 
thyaetos thun. Sie liessen sich nur mit der Kugel erlegen. Am 17. / 29. Februar 
schoss man 8 Stück nahe bei Tiflis. Der Singschwan überwintert auch auf dem Gok- 
tschai-See und bleibt sogar dort, wenn derselbe zufriert. Unter den vielen Schwanen- 
brustfellen, welche ich im Verlaufe der Zeit sah und prüfte, befanden sich auch einige, 
die auffallend klein waren, diese mögen wohl von Oygnus Bewickii stammen. Sie 
gehörten entschieden alten Schwänen an, hatten aber kaum °/, Grösse der normalen 
Felle Den Vogel selbst habe ich indessen bis jetzt im Kaukasus nicht gesehen, wes- 
halb ich ihn auch nicht der Ornis dieses Landes zuzählen darf. 


313. Cygnus olor Gml. 
Russisch: Zebed Scehipun. 
Tatarisch: Scherikus. 


Systematisches. 


Alle meine Höckerschwäne wurden von Ende Januar an bis Ende Februar auf 
dem Meere oberhalb von Lenkoran erbeutet und zwar meistens lebendig gefangen. Es 
sind ihrer zehn, darunter verschiedene Altersstufen. Junge, noch grau gefärbte, ältere 
schon weisse mit Hachem Höcker und ganz alte, mit hohem, scheibenförmigem Höcker 
an der Basis des Schnabels. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Der Höckerschwan ist im Centraltheile Transkaukasiens eine grosse Seltenheit. 
Im Küstengebiete des Caspi kommt er bei weitem nicht so häufig vor, als der Sing- 
schwan. Ich habe ihn nur einmal bei Poti und mehrere Exemplare in Lenkoran gesehen. 
Im Terekdelta brütet er nach Bogdanow’s Angaben. Die Jäger Lenkorans, denen der 
Schwan als preiswürdiges und ergiebiges Jagdthier sehr genau bekannt ist, unterscheiden 
nichtsdestoweniger die beiden Arten nicht von einander. Ebenso ist ihnen der kleine 
Schwan, Oygnus Bewickü, nicht bekannt, sie unterscheiden nur graue und weisse 
Schwäne, d. h. junge und alte. Ein junger Vogel dieser Art lebte bei dem Friedens- 
richter, Herrn Maximowitsch in Lenkoran, ein anderer wurde unserer Kollektion am 
24. Januar /5. Februar einverleibt. Gegen Ende des Winters, etwa um die Mitte 
des Februar, wurde der Höckerschwan häufiger bei Lenkoran gefangen. Während ich diese 
Art bis dahin gar nicht erhalten hatte, bot man mir davon mehr als zwanzig Gefangene 
um diese Zeit an. Ich bin davon überzeugt, dass die in Rede stehenden Höckerschwäne 
schon auf dem Zuge waren und dass hier also zum Ueberwintern nur der Sing- 
schwan lebt. 


Cygnus olor. 449 


An jenen eingefangenen Schwänen, namentlich am Höckerschwane, habe ich 
einige Beobachtungen gemacht, die mir der Mittheilung werth scheinen. Man muss 
füglich über die grosse Klugheit der Vögel erstaunen. Derselbe Vogel, welcher den 
‚Jäger im Freileben meistens auf Büchsenschussweite nicht nahe kommen lässt, benimmt 
sich, einmal seiner Freiheit beraubt, ungemein verständig. Er thut so, als ob er schon 
Jahre lang in der Gefangenschaft gelebt hätte, nimmt sofort die gebotene Gerste an 
und ist vollständig zahm, selbst Hunden gegenüber, die ihn anbellen, lässt er bei 
gesträubtem Gefieder nur den ziehenden Ton hören. Schon am zweiten Tage der Ge- 
fangenschaft kamen Abends die Schwäne von selbst vom Wasser zum Stalle und 
machten gar keine Versuche zu entkommen. Wir hatten nach Waraul, einem Gütchen 
des Schiffscapitains Müller, mitten im Urwalde der Ebene am Wasser gelegen, vier 
Höckerschwäne gebracht. Zweien davon wurden die Flügel gekappt, den beiden an- 
deren wurden die grossen Schwingen, nahe an ihrer Basis mit dickem Bindfaden 
stramm zusammengebunden und man überliess die Vögel sich selbst auf einer im Flüss- 
chen durch Anstauung des Wassers erzeugten tiefen Stelle. Zunächst wurde eifrigst 
gebadet, geputzt, dann wurde die den Höckerschwan so sehr zierende, hohe Haltung 
der Flügel beobachtet und nun ruderten die vier Gefangenen mit hoch und schön 
gehaltenem Halse ganz gemächlich durch die Fluthen. Die auf das Ufer geworfene 
Gerste nahmen sie sofort und fürchteten den nahestehenden Beobachter gar nicht. 
Wir liessen sie einige Zeit allein. Nun wurde gemeinschaftlich das Terrain in grösster 
Ruhe untersucht. Zunächst ging es Alussabwärts. Aber dort hinderte ein 1'/, Faden 
hoher Wasserfall die Flucht. Dann ging es bachaufwärts und man musste die Eilenden 
noch zur richtigen Zeit zurücktreiben. Am ersten Abend machte es einige Mühe die 
schönen Vögel vom Wasser auf’s Trockene und in den Stall zu bringen. Später 
erschienen sie selbst alle Abende dort. Immer aber bemüheten sie sich, da ihnen 
begreiflich geworden, dass sie stromabwärts nicht entkommen konnten, gegen den Strom 
schwimmend, das Weite zu suchen. Bei allen diesen Fluchtversuchen aber waren sie 
dem Menschen gegenüber vollständig zahm. Einem der Gefangenen gelang es zu ent- 
kommen. Er musste aber zu diesem Zwecke weit Aussaufwärts eine Wehre passiren, 
also auf's Trockne gehen, dann suchte er einen Kanal auf, wohl begreifend, dass wenn 
er weiter stromaufwärts gehe, Wald und Gebirge seiner warteten, was ihm beides 
nicht passt. Aus diesem Kanale kam er dann mit der Strömung auf einem Umwege 
unterhalb des oben erwähnten Wasserfalles wieder in den. Fluss und von dort sehr 
bald in die Morzi und Geröhre. 

Auch von der ehelichen Treue und Gattenliebe der Schwäne wissen die Jäger 
sehr merkwürdige Dinge zu erzählen. Ich theile etwas darüber mit, obschon Jäger- 
geschichten oft nicht wahr sind. Im März 1874 jagten mehrere Männer bei Zarskie 
Kolodzi während mehrerer Tage. Sie erlegten von einem Schwanenpaare den einen 
Vogel. Der andere verliess die Jäger nicht, er verfolgte sie während dreier Tage, kehrte 
immer wieder an den Platz zurück, wo man ihm den geliebten Gatten genommen hatte, 
kam wieder zu den Jägern, stieg dort so hoch in die Luft, dass ihn das Auge kaum 
mehr wahrnehmen konnte und stiess dann mit unglaublicher Wucht auf die Jäger, 
sich immer wieder eilig erhebend und das so fortsetzend. Auf der Insel Sari soll ein 
zweiter Fall dieser Art mit sehr tragischem \Ausgange stattgefunden haben. Ein Schwan 


war erlegt worden und der andere verfolgte lange Zeit die Jäger. Er stiess aus grosser 
B.adde, Ornis caucasica. 57 


450 Cygnus olor. — Vulpanser tadorna. 


Höhe mit angezogenen Flügeln, gleich einer Bleimasse herabfallend, mehrmals auf die 
Jäger, welche weiter jagten. Plötzlich stürzte der Schwan wieder hoch aus der Luft 
herunter und blieb todt auf dem Erdboden liegen. Es wäre unbesonnen, hier dem 
Vogel in Folge edelster Schmerzes-Gefühle eine Selbstmordidee und die beabsichtigte: 
Ausführung derselben zuzuschreiben. Ich bin aber überzeugt, dass es auch keine 
besondere exceptionelle Zufälligkeit gewesen ist, welche dem Vogel den Tod gab. Weiss 
man doch, dass unter ganz normalen Verhältnissen, wenn gar keine gemüthlichen Er- 
regungen vorliegen, viele Hunderte, um nicht zu sagen Tausende von Vögeln auf ihren 
nächtlichen Wanderungen auf den Telegraphendrähten und an den dicken Gläsern der 
Leuchtthurmlampen zu Grunde gehen (in dunkeln Nächten). Mir scheint es, dass die 
mitgetheilte Thatsache von jenem Schwane durchaus volle Glaubwürdigkeit verdient, 
aber nicht in der Weise, dass der Tod absichtlich gesucht wurde, vielmehr deshalb 
erfolgte, weil in der bei den Vögeln sehr starken Liebeserregung und im gleichzeitigen 
Schmerze über den Verlust des Geliebten die Stossbewegung auf den Jäger so ausser- 
ordentlich heftig erfolgte und das in den Weg tretende Hinderniss so wenig beobachtet 
wurde, so dass hier ein zufälliger Selbstmord statthaben musste. Es sind mir noch 
mehrere Fälle bekannt geworden, welche die Liebe zu den Jungen bei den Schwänen 
ebenfalls bekunden. Es kommt vor, vielleicht nicht als Regel, dass alte Schwäne mit 
ihren Jungen auch noch im zweiten Jahre vereint leben und im Falle der junge, graue 
Vogel den Eltern fortgeschossen wird, die heftigste Verfolgung des Jägers durch die 
Alten erfolgt. 


314. Vulpanser tadorna L. 
Russisch: Peganka, d. h. die Scheckige. 
Tatarisch: I-kas, d. h. Hunde-Gans. 


Systematisches. 
Junge Vögel, Ende Januar bei Lenkoran erlegt, sind noch nicht vollwüchsig.. 
Ueber die Kleider meiner Exemplare weiss ich nichts mitzutheilen, sie sind bei jungen 
und alten Vögeln ganz normal. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Ich kenne die Brandente vornehmlich als Küsten- und Meeresbewohner, welcher 
zum grossen Theile auch überwintert. Im Innern des Landes halten sich nahe von 
Salzseen gewöhnlich einige Paare auf, die dort auch brüten, so bei Tiflis. Am Gok- 
tschai-See giebt es auch im Winter Brandenten und sind sie im Sommer dort häufig. 
Setzen ausnahmsweise kalte, oder gar schneereiche Winter am Caspi ein, so zieht der 
Vogel die Kura aufwärts und kommt dann im Dezember und Januar ab und zu auf 
den Markt von Tiflis. Selten nur fand ich in den Vorbergen des Hauptgebirges im 
Sommer die Brandente; auch weiss ich, dass sie zum Brüten bisweilen die Steppen tief 
landeinwärts aufsucht. So ist das der Fall in der Karagas-Steppe. Im November ist 
sie bei Lenkoran selten und meidet auf das Entschiedenste die Süsswasser-Gebiete. Die 
ersten, prachtvollen, ausgefärbten Männchen wurden am 4. /16. Dezember im Busen 
von Kisil-agatsch erlegt. Dort auch und auf den Burani-Inseln beobachtete ich die- 
Brandente Anfangs März, als sie schon gepaart lebte. 


Vulpanser rutilus. 3 


SL 
m 


315. Vulpanser rutilus Pall. 
Russisch im Kaukasus überall: Turpan. 
Tatarisch: Aat. 
Georgisch : Garieli. 
Systematisches. 

Schon Anfangs Mai beginnt die Mauser des Rleingefieders wenigstens bei meinen 
in der grossen Voliere seit Jahren lebenden Vögeln. Im Freileben kenne ich die Mauser 
dieser Art nur im Juli und August. Ende März erlegte Vögel tragen noch das volle 
Winterkleid. Mit dem Alter wird der Kopf bei beiden Geschlechtern immer heller und 
zuletzt fast rein weiss. In der Gefangenschaft aber nimmt bei allen meinen Vögeln, 
von denen einige schon zwölf Jahre leben, die intensiv rothfuchsige Farbe des Gefieders 
mehr und mehr ab und es tritt allmählich Braunschwarz auf. Ich besitze Vögel, deren 
Rücken fast ganz matt schwarz ist, andere mit breiter, schwarzer Zone auf der 
‚oberen Brust. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Obgleich vornehmlich die Meeresküsten bewohnend und zwar solche, welche 
Hache, tiefeinschneidende, lagunenartige Busen besitzen und, wenn auch nur niedrige, 
steilwandige Lehmufer hier und da haben, so geht diese Ente zum Brüten doch auch 
tief in's Land und man findet sie sogar oft in einzelnen Paaren mitten im Waldgebiete. 
Ich kenne den Vogel aus meinem gesammten Reisegebiete, aber im Sommer im Gebirge 
immer nur paarweise lebend und zum Herbste, schon im August-Monate, sich zu un- 
geheuren Schaaren am Meere rottend. Was zunächst ihr Sommerleben anbelangt, so 
habe ich sie bis zu einer Höhe von mehr als 6400° über dem Meere auf der oberen 
Fratstufe bei Erzerum *) ermittelt und auf dem östlicher gelegenen, Armenischen Hoch- 
lande überall, aber nirgends häufig gesehen, so in der Ardahan-Ebene, so an den 
Marschan-s’u-Quellen der Kura, auch hoch oben in Adsharien an der Baumgrenze. 
Auf dem Goktschai-See ist sie namentlich im Sommer gemein, brütet aber nur sehr 
vereinzelt. Im Winter steigt sie, wenn es recht kalt wird, sammt anderen Wildenten 
und Gänsen in's Araxes-Thal abwärts. Am 3./15. April 1878 fand ich ein Pärchen 
bei Bukuriani; rund herum sah es damals noch sehr winterlich aus. Die Vögel waren 
aber schon seit einer Woche angekommen und der Mann trompetete sehr eifrig. Hier 
brüten sie mitten im Walde und wahrscheinlich in einer Baumhöhle. Mit dem 20, 
März /1. April kann ich die Ankunftszeit der Fuchsente für Tiflis notiren, am 24. März / 
5. April sah ich sie an der mittleren Jora. Abwärts im Kura- und Araxes-Thale findet 
man sie ebenfalls immer in einzelnen Paaren und sie scheint wenig wählerisch in der 
Wahl ihres Aufenthaltsortes, denn man sieht sie bald in der Nähe der Kultur-Oasen, bald 
wieder im menschenleeren, wasserarmen Wüstenterrain, bald hoch auf den fetten 
Wiesen der Kurdenländer in der Nähe eines Baches, bald auch in der heissen Zone des 
unteren Araxeslaufes. Gerne benutzt sie alte Fuchs- und Dachsbaue zum Brüten, doch 
muss sie oft auch die Höhlen selbst herstellen. Ich kenne Brutplätze an hohen, verti- 
kalen Lehmwänden, wo die Vögel Nester hatten und aus den geräumigen Oeffnungen 


*) Ist in Thibet durch Dr. Henderson bis zu einer Höhe von 16000° über dem Meere beob- 


achtet worden, vergl. Dresser, The birds etc., Parts XLI et XLH, September 1875. 
Hu 


452 Vulpanser rutilus, — Cairina moschata. — Anas boschas. 


hervordogen. Hier konnten sie die Vorarbeiten irgend eines Raub- oder Nagethieres 
nicht benutzen, vielleicht aber die Stollen kleinerer Brutvögel an solchen Plätzen 
erweitern. Im Winter ist diese Ente bei Lenkoran selten. Unter den Tausenden von 
wilden Enten jedweder Art, die mir in die Hände kamen, gab es nur eine einzige 
Vulpanser rutilus. Auch dieser Vogel führt ein ungemein treues Eheleben. Schon Ende 
März findet die Paarung statt und schiesst man dann einen der Gatten fort, so verfolgt 
sicherlich der überlebende Vogel den Jäger stundenlang und trompetet dabei beständig, 
auch stösst der Verfolger auf das Eifiigste auf den Jäger. 

Im Gefangenleben halten sich diese Vögel vorzüglich und sind sehr dauerhaft. 
Meine Volieren besitzen mehrere, welche schon 12 Jahre lang darin eine behäbige Exi- 
stenz führen. Die Männchen zanken gerne miteinander, sie sind ausserordentlich eifer- 
süchtig und müssen zur Paarungszeit getrennt werden. Ich ernähre sie mit Mais, doch 
nehmen sie täglich auch etwas Fleischnahrung zu sich. 


316. Cairina moschata L. 


Systematisches. 
Das Museum besitzt ein blendendweisses Exemplar (gezüchtet). Ueber den 
Bastard von Anas boschas 8 und Cairina moschata 2, welcher als wilder Vogel erlegt: 
wurde, spreche ich weiter unten. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Ich kann mich der Ansicht von Pallas *), welcher Nordmann **, und 
Blasius***) oefolst sind, nicht anschliessen. Ich glaube nicht, dass diese Ente 
wirklich wild am Caspi, an der unteren Wolga und namentlich an der Sarpa vorkommt. 
Ich gebe aber zu, dass verwilderte Vögel dort existiren. Gray 7) führt als Vaterland 
für diese Art Britisch-Guiana und Brasilien an. 


317. Anas boschas L. 
Russisch: Kryakownaja wtka. Das Männchen: Selesen. 
Tatarisch: Kogal und Kas-urdak. 
Persisch: Murghabi. 
Armenisch: Bad. 
Georgisch: Gareuli-tchwi, d. h. Wilde Ente. 


Systematisches. 


Ueber meine sechszehn Exemplare der Stockente lässt sich nichts mittheilen. 
Es sind meistens alte Männchen, sie wurden bei Tiflis und Lenkoran geschossen. Am 
16. / 28. April waren bei Lenkoran die Gelege fertig und nur wenig bebrütet. 


*) Pallas, Zoogr. rosso-asiat., T. II, pag. 258. 
**) Demidow: Voyage etc., Tome II, pag. 290. 
***) Die Wirbelthiere Europas, LXXXV. 

‘r) Hand-list ete., P. II, pag. 85. 


. 


Anas boschas. — Bastard von Anas boschas mas. und Cairina moschata fem. 453 


Lebensweise und Verbreitung. 


Die Märzenten überwintern zum grossen Theile sammt den Krickenten in den 
Tiefändern und höher in den breiteren Thälern, doch ergeht es ihnen an letzteren Lo- 
kalitäten nicht selten sehr schlecht; zumal leiden diejenigen Vögel, welche auf dem 
Goktschai-See bleiben und erst bei grösserer Kälte ihn verlassen und in’s Araxesthal 
herabsteigen. Als ich mich im Januar 1868 nach Eriwan begab, um die Wildschafe 
und Bezoarziegen zu jagen, fand ich dort bei anhaltender Kälte von über 15° Reaum. 
und tiefem Schnee viele Märzenten dem Hungertode nahe. Bei Kanakir auf den offenen 
Stellen der Bewässerungs-Kanäle, da, wo diese bedeutenden Fall hatten, gab es viele 
dieser Vögel, die so matt waren, dass man sie mit der Hand ergreifen konnte. In 
Eriwan wurden Hunderte solcher Enten, die ganz leicht waren, weil vollkommen abge- 
magert, zum Kaufe ausgeboten. Einzelnen Krickenten war es nicht besser ergangen. 
Andere Süsswasserenten sah ich aber nicht. Die Stockenten bewohnen im Sommer 
auch die Ufer der Armenischen Seen und brüten daselbst; sie brüten ebensowohl im 
Caspischen als auch im Colchischen Tieflande wie auch in einer Höhe von mehr als 
6000° über dem Meere im Rohr und Schilfe des Tschaldyr- und Goktschai-See’s. Im 
August 1867 sah ich sie dort oftmals. In warmen Wintern giebt es bei Lenkoran 
nicht sehr viele Stockenten, es sind dann nur die Standvögel, welche man antrifft. Sie 
erscheinen aber bei zunehmender Kälte und suchen dann zur Rast das dichteste Rohr 
mit Wasserhlänken auf. Die dort im November erlegten Männchen waren ungemein 
feist. Sie gehen Abends und ganz früh Morgens vor Sonnenaufgang gleich allen Süss- 
wasserenten gerne auf die Reisfelder und die hohen Stoppeln derselben, wo sie in den 
vielen kleinen Abtheilungen solcher Felder, die oft absichtlich unter Wasser gesetzt 
werden, reichliche Nahrung finden. Im Schlunde der Anfangs Dezember erlegten Stock- 
enten (bei Lenkoran) fand ich diverse Sämereien, von denen aber nur die Hirse deutlich 
erkannt werden konnte. In Folge des strengen Winters magerten die Stockenten im 
Januar bei Lenkoran entsetzlich ab. Die Anfangs Februar feilgebotenen Vögel waren 
fast alle zum Verspeisen untauglich. Damals wurden ihrer sehr viele in Netzen gefangen 
und dieses sind die durch die Kälte herangetriebenen Vögel. Man kaufte das Paar solcher 
gerupften Vögel bester Qualität für 10—15 Kopeken, später, als der Transport des 
Wildes nach Baku stattfand. für 20—30 Kop. Seit der Mitte Februar wurden die 
Stockenten selten. Sie ziehen um diese Zeit schon nordwärts und haben dabei sehr 
oft vom Wetter viel zu leiden. Seiner Zeit berichtete ich über die grossen Niederlagen 
der Stockenten am Ostufer der Krimm, wo sie bereits auf dem Zuge von anhaltendem 
Unwetter am Siwasch überrascht wurden und zu Tausenden umkamen *). 


318. Bastard von Anas boschas mas. und Cairina moschata fem. **). 
Taf. XXV. 


Anfangs Januar 1873 wurde auf dem Chramflusse (9 Meilen unterhalb von 
Tiflis) eine Wildente erlegt, die ich als einen Bastard von Anas boschas mas. und 


*) Bulletin de la soc. des Natur. de Moscou, 1855, Nr. 1. 
”) Anmerkung. Gloger hat im Joumal für Ornithologie, 1853, pag. 409 und folgd. aus- 
führlich über die Bastarde der Wildenten- Männchen mit Weibchen von Anas boschas Bericht erstattet. 


454 Bastard von Anas boschas mas. und Cairina moschata fem. — Chauliodes strepera. 


Cairina moschata fem. richtig zu deuten glaube. Es ist das ein recht merkwürdiger 
Vogel und zwar ein Männchen. Er übertrifft an Grösse sowohl die stärksten Stockenten, 
als auch die Moschusente, kommt einer kleinen Zwerggans gleich. Am ganzen vorderen 
Körpertheile prädominirt der Vater. Das Gefieder des Rückens und der starke, keil- 
förmige und einfarbige Schwanz gehören der Mutter. Hier fehlen die aufrechtstehenden, 
gekrümmten Federn des gewöhnlichen Erpels und die Decken sowohl, wie das gesammte, 
fast schwarze Rückengefieder besitzen den tief stahlblaugrünen Glanz, wie wir ihn bei 
typischer alter Cnirina moschata sehen. Kopf und Schnabel sind wesentlich wie bei 
Anas boschas, der letztere etwas länger und schmäler; sein Nagel, eine schmale Zone 
oben und die Basis sind hornfarben, das Uebrige gelb. An der Basis fehlt jede Spur 
von Drüsengeschwülsten. Der Kopf und obere Halstheil sind einfarbig schwarzgrün, im 
Kolorit nicht so hell und leuchtend grünschillernd wie bei Anas boschas, sondern matter 
und dunkler metallglänzend wie bei Cairina moschata. Dann folgt eine breite weisse 
Halszone, der sich das braune Brustgefieder des Boschas-Männchen anschliesst. Dieses 
zieht sich, zum Leibe hin mehr und mehr in Grau übergehend, tief abwärts und man 
erkennt überall die mächtigen grau-schwärzlichen Centralfelder der einzelnen Federn, 
welche durch die braunen Federränder nicht ganz verdeckt werden. Weiter abwärts 
am Leibe folgt wieder eine weisse Zone, auch die unteren Schwanzdecken sind weiss, 
dagegen die Schenkelseiten und die seitlich stehenden Federn am Unterleibe breit und 
schwarz und weiss gewässert, viel breiter und deutlicher als dies in Grau und 
Schwärzlich bei allen Stockenten-Männchen der Fall ist. Die Schwingen erster Ord- 
nung sind weiss, der Spiegel stark metallgrün. Die Füsse sind stärker als bei .Boschas, 
aber genau nach dem Typus derselben gebildet und von pommeranzengelber Farbe. 


319. Chauliodes strepera L. 
Russisch: Serucha. 
Tatarisch: Koor-urdak, auch Kara-ördeg. 
Systematisches. 
Sechszehn Exemplare dieser Art wurden präparirt. Es liegen mir die verschie- 

denen Kleider der beiden Geschlechter in dieser Suite vor. Alte Männchen, vom 20. 
Februar / 2. März 1871 bei Tiflis, und andere, zu derselben Zeit und im März bei Len- 
koran erlegt, tragen das reine Prachtkleid, andere, am 2. / 14. April 1866 bei Lenkoran 
geschossen, befinden sich in starker Mauser zum Sommerkleide. Ein junges Männchen, 
am 20. Mai /1. Juni bei Lenkoran erbeutet, hat seitwärts auf der Brust und auf dem 
Rücken noch einzelne Federn des Jugendkleides stehen. Dem letzteren zur Seite steht 
ein Brutweibchen, welches besonders stark die Brustfedern vermausert. Ein altes 
Weibchen vom 7. / 19. November (Tiflis) besitzt das makellose Winterkleid. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Gleich den anderen Süsswasserenten überwintert auch diese Ärt an wärmeren 
Lokalitäten des Tieflandes, sie ist aber nicht sehr gemein. Zur Stockente verhält sich 
Nach ihm suchten sich stets die Männchen der verschiedenen Arten die Weibchen von Anas boschas zur 
Ehe aus. In unserem Falle prävalirt aber das Männchen der Stockente so stark, dass ich ein solches als 
Vater des Bastard annehmen muss. 


Chauliodes strepera. — Chauliodes angustirostris. — Dafila acuta. 455 


der Procentsatz im November etwa wie 1 : 50 bei Lenkoran, wo auch sie den 
Netzen und den Gewehren veıfiel. Später wurde sie häufiger und gab es namentlich 
viele alte Männchen. Diese Art brütet in den Geröhren des Talyscher Tieflandes 
nicht selten. Sie ist auch am Goktschai-See Sommervogel, wo sie wie auch Dafila 
acuta brütet. 


320. Chauliodes angustirostris Menetr. 
Russisch: Zetnaja utka, d. h. Sommerente, in Lenkoran Ak-ördeg. 


Systematisches. 


Ueber meine achtzehn Exemplare dieser Ente lässt sich nur wenig sagen. Ihr 
Kleid ist, wenn auch sehr unansehnlich, doch ausserordentlich konstant. Die beiden 
Geschlechter unterscheiden sich äusserlich nicht von einander. Mit einem spanischen 
Vogel verglichen finde ich gar keine Unterschiede. Alte Männchen zeigen den dunkeln, 
braunschwärzlichen Augenstreifen schärfer umgrenzt, intensiver gefärbt und tragen die 
verlängerten Nackenfedern schopfartig. Die grossen, helllehmgelben Flecken der Federn 
auf der oberen Körperseite sind bei jüngeren und älteren Vögeln gleich stark prononcirt 
und betheiligt sich das Geschlecht bei ihrer Gestaltung und Färbung nicht. Bog- 
danow*) hat in russischer Sprache eine ausführliche Beschreibung dieser von Mäne- 
tries**) entdeckten Entenart geliefert. Sie steht Oyanopterus quergquedulus am nächsten, 
sowohl in der Lebensart, als auch im Aeusseren durch die feine in Weiss und Grau- 
braun markirte Zeichnung des Kopfes und Halses. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Während der ganzen Zeit meines Aufenthaltes im Frühjahre 1866 in Lenkoran 
ist mir diese Art nicht zu Gesichte gekommen, obgleich die dortige Lokalbenennung 
„Sommerente“ darauf hinweist, dass sie dort brüte. Ende November erhielt ich die 
ersten Exemplare und seit jener Zeit wurden allwöchentlich ein oder zwei Exemplare 
dieser interessanten Entenart erlegt. Das währte indessen nur bis zur Mitte des Januar. 
Später wurden diese Enten selten und bis zum Mai wurde nur ein einziges Exemplar 
(am 3./ 15.) erlest. So sehr ich mich auch bemühete, Nest und Eier zu finden und 
trotz der darauf gesetzten Prämie, so habe ich doch nichts in dieser Hinsicht erreicht. 


Henkel***), hat diese Art aus den Umgegenden von Astrachan im Wolga-Delta nach- 
gewiesen. 


321. Dafila acuta L. 
Russisch: Schilochwost, d. h. Pfriemenschwanz. 
Tatarisch: Sikaedüm. j 
Systematisches. 
Meine Vögel tragen alle das schöne Hochzeitskleid. Sie wurden vom 8. / 20. 
Februar bis Mitte März bei Tiflis und die meisten im Dezember und Januar bei Len- 
koran geschossen. Es ist sehr auffallend. dass auch von der Spiessente viel mehr Männchen 


*) Bogdanow, Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 173, Nr. 280. 
**) Catalogue raisonne, pag. 58, Nr. 205. 
**) Bogdanow, Säugethiere und Vögel der mittleren und unteren Wolga (russ.), pag. 149. 


456 Dafila acuta. — Mareca penelope. 


als Weibchen am Oaspiin den Süsswasserniederungen überwintern. Auf hundert Männchen, 
welche man mir todt und lebendig vom Dezember bis Februar in Lenkoran präsentirte, 
kamen nur neun Weibchen. So besitzt denn auch das Museum unter den vierzehn 
präparirten Exemplaren nur zwei Weibchen. Die alten Männchen, welche vom Dezember 
bis Februar in Lenkoran geschossen wurden, tragen alle das schöne Prachtkleid. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Ich fand die Spiessente auch häufig im Frühlinge bei Lenkoran, wo sie zweifels- 
ohne brüte. Am 16. /28. November 1879 brachte man mir dort ein lebendes, junges 
Männchen, welches mauserte. Zu dieser Jahreszeit aber ist die Art dort noch ziemlich 
rar. Sie hält darin mit Chauliodes strepera und angustirostris gleichen Schritt, doch 
wird sie bei zunehmender Kälte immer häufiger. Seit dem Anfange des März flogen 
die Spiessenten meistens in Paaren. Nie sah ich grosse Flüge dieser Art; 6—8 Exem- 
plare, höchstens 10, vereinigen sich. Im März sonnen sich gerne zur Mittagszeit die 
Spiessenten in Gesellschaft der Löffelenten auf den zeitweise überschwemmten Wiesen 
oberhalb Kumbaschinsk. Vom Goktschai ist diese Art als brütend nachgewiesen 
(Grosmani). 


322. MHareca penelope L 
Russisch: Swyas. 
Tatarisch: Boyul. 


Systematisches. 


Die Kollektion weist achtzehn Pfeifenten auf. Mitte Februar tragen zwei alte 
Männchen, die bei Tiflis erlegt wurden, das volle Prachtkleid. Das eine von ihnen 
besitzt auf dem Rücken noch zwei Federn des letzten Sommerkleides. Ein junges 
Männchen, am 31. Dezember / 12. Januar bei Lenkoran erlegt, zeigt einzelne Federn 
des Prachtkleides auf dem Rücken; die Bürzelfedern sind bei diesem Vogel schon frisch 
in fein gesprenkeltem Grau, die oberen Schwanzdecken und fast alle Rückenfedern sind 
alt, verschossen, graubraun, mit breiten, gelbrostigen Endbinden. Die Brust besitzt 
noch die rostgelbliche Farbe des Jugendkleides. Kopf und Hals sind rostig braun und 
leicht in Schwarz gewellt, der Scheitellängsstreifen ist schmutzig weissgelb. Eine 
Anzahl älterer Männchen, welche alle bei Lenkoran zu derselben Zeit und Anfangs 
Januar geschossen wurden, tragen das makellose reine Prachtkleid. Je älter solche 
Vögel, um so reiner schwarz wird die untere Halsseite und um so lebhafter metall- 
glänzend grün der hinter dem Auge beginnende breite Halsstreifen. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Ich kenne die Pfeifente nur als Zugvogel aus dem Kaukasus und sie kommt 
nicht häufig während des Monats März auf den Basaren von Tiflis vor. Bei Lenkoran 
überwintern kleine Banden und erscheint der Vogel mit zunehmender Kälte immer 
häufiger. Erst im Dezember wurde diese Art dort gemeiner und im Februar lebte sie 
in grossen Schaaren ebensowohl auf dem Meere als auf den Süsswasser-Morzi. Oft 
geht die Pfeifente auch auf die trockene Steppe zur Aesung. Am 6. /18. und 7. / 19. 


Mareca penelope. — Cyanopterus querquedulus. — Querquedula crecca. 457 


März wurden Schwärme von 3—400 Exemplaren bei Kisil-agatsch beobachtet. Diese 
waren zur Winterreise gegen Norden bereit. Vom Goktschai wurde diese Art auf dem 
Frühlingszuge erwiesen. 


323. Cyanopterus querquedulus L. 


Russisch: Tschrrok-tres kuntschik. 


Systematisches. 

Auch von der Knäkente wurden zwanzig Exemplare präparirt. Bei recht alten 
Männchen wird der weisse obere Augenstreifen sehr breit und reicht hinten am Halse 
bis über die Hälfte hinab. Der Kehlflecken ist an solchen Exemplaren schön 
pechschwaız. 

Lebensweise und Verbreitung. 

Weniger häufig als die Krickente fand ich die Knäkente zumal in den Süss- 
wasserniederungen von Lenkoran nur im Sommer. Auf dem Markte von Tiflis ist sie 
nicht oft zu finden. Am 15. / 27. März kamen die ersten Knäkenten bei Tiflis an, am 
Chramflusse wurden am 19./31. mehrere erlegt. Ich erhielt um diese Zeit nur alte 
Männchen im schönsten Prachtkleide. Es fiel mir sehr auf, dass sich unter den vielen 
und mannichfachen Süsswasserenten, welche die Rohrbestände von Lenkoran beher- 
bergen, im November und Dezember auch nicht eine einzige Knäkente befand. Diese 
Art ist von allen Süsswasserenten am empfindlichsten gegen die Kälte. Während des 
ganzen Winters sah ich kein einziges Exemplar und doch rechnete die Anzahl der 
gefangenen und geschossenen Süsswasserenten nach Tausenden. Am 24. Februar / 7. 
März 1880 wurde das erste Männchen dieser Art bei Lenkoran erlegt. Am 4. /16. und 
5./ 17. März gab es deren schon viele. 


324. Querquedula crecea L. 

Russisch: Tschirok. 

Tatarisch: Geraep und Sirgei-urdak. 

Georgisch: Kokopa-iehwi. 

Systematisches. 
Achtzehn kaukasische Krickenten, vorwaltend alte Männchen, wurden präparirt. 

Die Exemplare des Museums wurden bei Tiflis Anfangs März und im Dezember, die 
bei weitem grössere Anzahi aber bei Lenkoran im Winter erlegt. Die Männchen vom 
März tragen das fertige Prachtkleid. Im Dezember erlegte Männchen haben ganz 
schmale graugelbe Federspitzen am braunen Halsgefieder. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Gleich der Stockente bewohnt die Krickente die breite Zone vom Meeresufer 
bis über 6300‘ über dem Meere an passenden Stellen. Ich habe sie ebensowohl an den Seen 
Hocharmeniens, wie auch an sumpfigen Stellen im Karabagher-Gebirge in einzelnen 
Paaren im Sommer angetroffen. Schon Mitte August kommen kleine Flüge selbst auf sehr 
rasch fliessenden Gewässern vor. Es sind dies Familien, welche oben im Gebirge 


gebrütet haben und die nun langsam thalabwärts ziehen, überall, wo es ihnen einiger- 
Badde, Ornis caucasica. 58 


458 Querquedula cerecea. — Rhıynchaspis elypeata. 


maassen konvenirt, eine Zeit lang ruhend und zum Winter die Tiefländer erreichend.. 
Solche Krickentenfamilien erscheinen alljährlich auf der Kura bei Borshom, mitten in 
einer grandiosen Gebirgs- und Waldnatur, wo sie mit den kleinen, schmalen Ufer- 
strecken an der reissenden Kura dann vorlieb nehmen und auf die wenigen Stillen des 
Wassers sich wagen. Jeden Abend streichen sie dann mit Sonnenuntergang thalaufwärts. 
Später als den 20. August /1. September habe ich sie aber in dieser bewaldeten Ge- 
birgsgegend nicht bemerkt. Dahingegen sah ich sie im Oktober oftmals auf den sehr 
beschränkten sandigen Kura-Ufern bei Tiflis. Manche Kriekenten bleiben sammt den 
Stockenten, zumal in gelinden Wintern, ganz hier. Dies gilt z. B. von den Gegenden 
am unteren Chramflusse und vom Karagas, welche Lokalitäten im November und De- 
zember recht viele Krickenten dem Basar von Tiflis stellen. Selten brütet der Vogel 
auf den entlegenen Hochmooren des Gebirges. Diese haben nie eine sehr grosse Aus- 
dehnung und trocknen oft im Sommer ganz aus. Oberhalb von Bitschenach, an der 
Westseite des RKarabagher-Meridian-Stockes in einer Höhe von 5500° über dem Meere, 
traf ich ein Paar Krickenten im Juni auf einem Moore an. Am Goktschai-See brütet 
sie ebenfalls und halten sich einzelne sogar während des ganzen Winters dort auf, 
wenn es nicht gar zu kalt wird. Jene Vögel im Hochmoore waren in der Einsamkeit 
des Gebirges gut gesichert während ihres Brutgeschäftes. Erst Anfangs Dezember wurde 
die Krickente im Talyscher Tieflande häufiger und fiel auch in die Stellnetze. Sie 
kommt dort entschieden später zur Winterung an als die Stockente. Wir fanden an 
den Schwimmhäuten einer dieser Enten mehrere Blutegel, die sich fest angesogen hatten. 
Im Februar stellen sich, von Süden herkommend, viele Krickenten ein. In den ersten 
Tagen des März kann man, wenn das Glück lächelt, auf Flüge von 3—400 Stück 
stossen. Vom 5. /17.— 7. /19. sah ich solche in der Gegend von Kisil-agatsch. Die 
Krickenten halten sich von der Knäckente stets getrennt, auch dann, wenn sie an son- 
nigen Tagen in den Binsen um die Mittagszeit Ruhe halten und oft in grossen Mengen. 
nahe beieinander leben. 


325. Rhynchaspis clypeata L. 


Russisch: Schörokonoska. 


Systematisches. 

Meine achtzehn Löffelenten stellen eine ausserordentlich variirende Suite vor- 
nebmlich der Männchen dar. Während die Mehrzahl der alten Männchen schon im 
Dezember das fertige Prachtkleid trägt, sind andere noch in der Mauser zu demselben 
begriffen, tragen namentlich am Halse zum Theile noch das alte Sommerkleid. Jüngere 
Männchen sind besonders an der Brust und am Halse scheckig. Das dunkle Gefieder 
des Halses hat bei diesen noch keinen Glanz. Auch von dieser Spezies wurden vor- 
nehmlich im Dezember Männchen erlest. Am 18. /30. April waren die Gelege bei 
Lenkoran voll und kaum bebrütet. 


Lebensweise und Verbreitung. 
Sie bewohnen nur Süsswasser und brüten auch in den Vorbergen an passenden 
Lokalitäten im Kaukasus. An der mittleren Jora waren die Löffelenten am 24. März/ 
5. April alle gepaart. Das Männchen ruckt mit dem Halse bei dem Schwimmen, wie 


Rhynchaspis elypeata. — ÜOiden:ia fusca. — Oidemia nigra. — Undina mersa. 459 


solches die Knäckente ebenfalls thut. Diese Art ist von allen Süsswasserenten die 
gemeinste bei Lenkoran und zwar gilt das für die Zeit vom Dezember bis Ende Februar. 
Man trifft sie dann auf Schritt und Tritt und sie ist zu dieser Zeit gemeiner als die 
Stockente. Später als diese zieht auch die Löffelente zum grossen Theile fort, man 
wird aber stets einige im Rohr finden, wo sie auf den Wasserblänken ganz unbesorgt 
umherschwimmen und im Schilfdickichte brüten. Die Löffelente berührt den Goktschai- 
See nur auf dem Frühlingszuge, fehlt aber im Sommer daselbst. 


326. Oidemia fusca L. 


Das Vorkommen dieser Art auf dem Goktschai-See im Winter, wo sie von 
de Filippi*) beobachtet wurde, kann ich bestätigen. Ich habe sie aber nur im 
harten Winter daselbst gesehen und zwar geschaart vor dem Abflusse der Sanga aus 
dem See nahe bei Gesellschaften von Fulix marila. Die Zweifel Bogdanow’s**) über 
das Vorkommen der Sammetente im Sommer auf dem See theile ich vollkommen. 
Von Oidemia nigra habe ich bis jetzt weder glaubwürdige Nachrichten erhalten können, 
noch sie selbst im Kaukasus zu Gesichte bekommen. Es ist übrigens mehr als wahr- 
scheinlich, dass die Sammetente im Winter den Caspi, wenn auch nur als Seltenheit, 
etwa in Jüngeren Thieren besucht. Als ich von Baku nach Lenkoran Anfangs Februar 
fuhr, habe ich sie aber auf dem Meere nicht gesehen, obschon eifrig danach gesucht. 
Nach den Thatsachen, die über Harelda und über Bombyeilla von Lenkoran vorliegen, 
darf man kaum daran zweifeln, dass Oidemia fusca in strengen Wintern bis unter den 
39° n. Br. sich begiebt. Sie bleibt aber dem offenen Meere treu. 


327. Oidemia nigra L. 

Es ist immer nur Pallas’***) Autorität, die mich veranlasst, auch diese Spezies 
der Caspi-Ornis wenigstens zeitweise zuzuzählen. Aus dieser Quelle schöpften eben- 
sowohl Eichwaldyr), als auch in neuester Zeit Blanfordf). Auf dem Zuge ist 
übrigens diese Ente bei Sarepta durch Rickbeil jrf) nachgewiesen worden und es 
liegt auf der Hand, dass, ob wir Frühlings- oder Herbstzug annehmen (worüber die 
näheren Angaben fehlen), der Vogel entweder südlich herkommen, oder dorthin wandern 
musste, somit seine Existenz auf dem Caspi mit Recht gefolgert werden darf. 


328. Undina mersa Pall. 
— U. leucocephala Scop. 
Russisch: Sawka. 
Systematisches. 
Von den zweiundzwanzig Exemplaren dieser Art wurde nur ein Männchen im 
Prachtkleide Anfangs März 1868 bei Tiflis auf der Kura erlegt, alle anderen Exemplare 


*) Journal für Ormithologie, 1876, pag. 189. 
**) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 177. 
==) Zoogr. rosso-asiat., T. II, pag. 248. 
7) Fauna caspio-caucasica, pag. 43. 
ir) Blanford, Eastern Persia, Vol. II, pag. 302. 
rrr) Bogdanow, Säugethiere und Vögel der mittleren und unteren NE a pag. 151. 


460 Undina mersa. — Aithyia ferina. 


stammen von Lenkoran. Der sonderbare Vogel ist ein ächter Seevogel (wenigstens hier 
zu Lande) und geht nicht gerne auf das Süsswasser. Ganz alte Männchen haben Kopf 
und Oberhals (mit Ausnahme der Scheitel-Nacken-Platte) rein weiss. Bei solchen 
Vögeln ist dann auch die Oberbrust stark fuchsig rostgelb und sehr glänzend. Bei 
einigen Exemplaren sehe ich stark rostigen Anflug im ganzen Gesichte, namentlich um 
die Schnabelwurzel. Solchen alten Männchen fehlt jede Andeutung des Mundwinkel- 
Wangenstreifens und von der Schnabelbasis zieht sich seitwärts am Kopfe ein breites, 
rein weisses Feld. Jüngere Männchen und alte Weibchen sind sich durchaus ähnlich. 
Eines meiner jungen Männchen zeigt auf den Wangen und auf dem unteren Halse viel 
schwarzes Gefieder im hellweisslichen Fond. Das feingesprenkelte Rückengefieder und 
das Kolorit des Bauches tragen alle Exemplare in nahezu gleicher Manier. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Im Centraltheile Transkaukasiens habe ich diese Ente nur sehr selten gesehen, 
doch weiss ich, dass sie auch einzeln in der Krimm überwintert und in den Caspi- 
Ufergebieten ist sie recht häufig. Namentlich sieht man sie oft auf dem Basar von 
Baku, obschon ihr Fleisch sehr schlecht ist. Sie hält sich einzeln und in kleinen 
Trupps auf den eisfreien Wasserstrecken der Flüsse auf, schwimmt und taucht ausge- 
zeichnet. Das Meer ist ihr lieber als Süsswasser. Von allen Enten zeichnet sie sich 
dadurch aus, dass sie den keilförmigen Schwanz oft spreizt und hoch in die Höhe hält. 
Sie taucht lange anhaltend und sucht sich dadurch bei der Verfolgung zu retten. 
Ungern fliegt sie auf. Alle meine Vögel wurden von Mitte Dezember bis Anfang März 
geschossen. Vom 5./17. März an kam uns Undina mersa bei Lenkoran nicht mehr 
zu Gesichte; schon Mitte Februar wurde sie selten. Nach dem schlechten Wetter vom 
22. Februar /5. März — 23. Februar /6. März erschien sie wieder und wurde mehrfach 
geschossen, dann fehlte sie gänzlich. 


329. Aithyia ferina L. 
Russisch: Arasnogolowyi Nyrok, d. h. Rothköpfige Tauchente. 
Tatarisch: Kermesibasch-geri, d. h. ebenfalls Rothkopf-Ente. 


Systematisches. 


Auch von der Tafelente wurden achtzehn Exemplare gesammelt. Im November 
bei Poti erlegte Exemplare (Männchen) haben die Mauser zum Winterkleide noch nicht 
ganz vollendet. Jüngere Männchen, am 11. / 23. Dezember bei Lenkoran erlegt, mausern 
auf Brust und Flanken, namentlich aber auf dem Unterleibe in’s erste Prachtkleid, dort 
auf der Brust die schwarzen Federn in’s schmutzige, gelbgraue Kleid schiebend, hier 
an den Weichen die zarten, feingewellten Federn hervortreibend. Der Rücken trägt 
bereits das fertige Kleid. Alte Männchen, am 1. / 13. Dezember erlegt, tragen das voll- 
endete Winterkleid, aber die schwarzen Brustfedern sind noch ziemlich breit hell 
gerandet. Ende Januar sind diese Kanten bei anderen alten Männchen vollständig 
abgerieben und der Vogel erscheint nun im reinen Hochzeitskleide Einige alte Weibchen 
der Tafelente, die Anfangs Februar geschossen wurden, zeichnen sich durch sehr inten- 
sives Rostroth auf der gesammten unteren Halsseite und um die Schnabelbasis aus. 


Aithyia ferina. — Aithyia nyroca. — Fulix cristata. 461 


Lebensweise und Verbreitung. 

In kalten Wintern kommt die Tafelente häufig in Tiflis zu Markte und zwar 
vorwaltend alte Männchen. Ende November wurden bei Lenkoran die ersten Tafelenten 
geschossen. Auch hier kamen zuerst die alten Männchen an und wurden während des 
ganzen Winters oftmals erlegt. Die Weiber sind ungleich seltener. Im Februar waren 
die Tafelenten dermaassen abgemagert, dass man viele von ihnen lebendig ergreifen 
konnte; damals lebten diese abgemagerten Vögel unmittelbar bei der Stadt auf kleinen 
Wasserpfützen in den Wiesen. Auch diese Art wird schon Mitte Februar weniger 
häufig und Anfang März sah ich sie während der Exkursionen bei Kisil-agatsch gar 
nicht mehr. Vom Goktschai-See kennt man sie nur zur Frühlingszugzeit. 


330. Aithyia nyroca Güld. 

Russisch : Beloglasyi Nyrok, d. h. Weissäugige Tauchente. 

Systematisches. 
Prächtig ausgefärbte, alte Männchen wurden im Januar 1871 und am 18. / 30. 
März 1879 bei Tiflis erlegt. Die Hauptsuite dieser schönen Art brachte ich aber von 
Lenkoran mit, nämlich zwölf Exemplare, von denen fünf Männchen und sieben Weibchen 
sind. Dieses Dntzend Vögel wurde vom 1./13. bis 8. /20. Dezember daselbst auf 
Süsswasser geschossen. Nur ein jüngeres Weibchen wird dadurch besonders interessant, 
dass es am Halse im alten, ganz abgetragenen, schmutzig graubraunen Gefieder an 
vielen Stellen frische schwarzbraune Federn trägt. Doch scheint es, dass hier die 

weitere Mauser unterbrochen wurde, da ich keine junge Federn finden kann. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Diese Tauchente ist im Innern des Landes nicht häufig. Ich kenne sie als 
Sommervogel nicht von den armenischen Seen; Grosmani fand sie auf dem Goktschai 
nur zur Zeit des Frühlingszuges, so kommt sie auch in Persien nach Blanford’s*) Mit- 
theilungen nur während des Zuges bei Ispahan in einer Höhe von 7500‘ über dem 
Meere im März vor. Sie überwintert bei Lenkoran und ist dort Ende November und 
im Dezember die häufigste von den Tauchenten, wird später aber viel seltener. Sowohl 
Fulix cristata als namentlich Glaueion elangula erscheinen dort erst später als Adthyia 
nyroca, nämlich, wenn die Kälte im Norden sie gegen Süden treibt. Wie die meisten 
Fuligula-Arten, so zieht auch die weissäugige Ente Ende Februar fort. 


331. Fulix cristata Steph. 
Russisch: Tschernet. 
Tatarisch: Dongus-giri. 
Systematisches. 


Alte und jüngere Vögel in beiden Geschlechtern liegen mir in zweiundzwanzig 
Exemplaren aus dem Kaukasus vor. Im November bei Poti erlegte alte Männchen 
tragen das schöne Prachtkleid. Ein junges Männchen, am 9. / 21. Dezember bei Len- 
koran geschossen, zeigt viele schwarze Federn, die sich aus dem alten, schmutzig 
braungrünen Gefieder des oberen Rückens und der Brust hervorschieben. Die um die 


+) Blan ford, Eastern Persia, Vol. Il, pag. 302. 


462 Fulix eristata. — Fulix marila. — Glaucion clangula. 


Mitte Januar ebenda geschossenen alten Männchen tragen das brillante, dunkle, reine 
Prachtkleid. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Diese Art ist die gemeinste der Tauchenten im Kaukasus, welche namentlich 
in strengen Wintern in grosser Zahl auf dem Markte von Tiflis und auch von Baku 
vorkommt. Auch sie, so scheint es, macht im Winter landeinwärts Wanderungen, die 
Flusssysteme aufwärts verfolgend, und die offenen Stellen frequentirend. In grosser 
Zahl ist die Reiherente im Sommer auch auf den armenischen Seen zu finden, zumal 
auf dem Goktschai, wo sie brütet und überwintert. Es mag auch sein, dass von dort- 
her diese Tauchenten im Winter in die tieferen Gebiete sich begeben. Im Talyscher 
Tieflande war der Vogel, so lange es mildes Wetter gab, selten. Am 2./ 14. Dezember 
wurde dort das erste alte Männchen erlegt und je kälter es wurde, um so häufiger 
fanden wir diese Art. Im Busen von Kisil-agatsch war sie am 5./ 17. März sehr 
gemein und überall auf dem Meere von Baku bis Lenkoran im Winter ebenfalls. Sie 
findet sich ebenso häufig auf süssem, wie auf salzigem Wasser. 


332. Fulix marila L. 
Russisch: Sorowoi Nyrok. 
Systematisches. 
Ein bei Poti im November erlegter Vogel ist ein altes ausgefärbtes Männchen 
im Prachtkleide. Unten auf der Brust schieben sich noch einzelne frische, schwarze 
Federn hervor. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Auch diese Art überwintert auf dem Goktschai-See. Sie muss im Winter sehr 
weit südlich ziehen, da Gray*) sie für Nepal erwähnt. Auf dem Meere sah ich sie in 
der Bucht von Baku. Bei Lenkoran ist sie jedenfalls im Winter sehr selten. Unter 
den Tausenden der erlegten und gefangenen Enten sah ich bis Mitte Februar keine 
einzige Bergente und auch später konnte ich sie trotz guter Schussprämien nicht 
erstehen. 


333. Glaucion clangula L. 
Russisch: Gogol. 
Systematisches. 
Mit Blasius “*) und Gray ***) vereinige ich Anas hyemalis Pall. mit Glau- 
cion clangula L. und halte die erstere für einen jungen Vogel. Ich kenne die Gründe 
nicht, welche Blanford7f) bestimmten. die erstere, wenn auch nur als zweifelhafte Art 


*) Hand-list of birds, T. III. pag. S6. 
**) Die Wirbelthiere Europas LXXXVI. 
***) Hand-list of birds, T. III, pag. 87. 


7) Blanford, Eastern Persia. Vol. II, pag. 302. 


Glaucion elangula. — Callichen rufinus. 463 


zu acceptiren. Nordmann*) hat, so scheint es, hier einen Fehler gemacht, da er 
Anas hyemalis Pall. mit Harelda glacialis identificirt und aus diesem Grunde vielleicht 
nur die Eisente auf dem Caspi vorkommend anführt. Ihm ist neuerdings Bogdanow**) 
in dieser Deutung gefolgt, der ich nicht beistimmen kann, da die Diagnose von Pallas 
auf das Weib der Eisente im Winter nicht zutreffend ist und er die Weibchen der 
Eisente überdies (pag. 279) ausführlich beschreibt. So hat denn auch Dresser (l. c. 
Part. XLV]), freilich noch mit einem Fragezeichen, die Pallas’sche Art zu Glaucion, d.h. 
zu clangula gezogen. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Ich kenne den Vogel nur aus der Winterzeit und zwar zunächst vom Goktschai- 
See, wo er selten war, sich aber durch die weissen Wangenflecken der alten Männchen 
sehr kenntlich machte Me&netries***) führt ihn für den Caspi ebenfalls an, nach 
welcher Angabe ihn auch Blanford7) für seine persische Ornis acceptirt hat. Lange 
nun wartete ich vergebens auf die Ankunft dieser Art. Endlich am 13. / 25. Dezember 
erhielt ich das erste Weibchen; sehr gemein wurden nun die Schellenten, je mehr die 
Kälte im Norden zunahm, aber es kamen nur junge Vögel und Weibchen. Von mehr 
denn hundert Exemplaren war nur eines, am 20. Januar /1. Februar erlegt, ein altes 
Männchen, dieses war das erste. Die alten Männchen erschienen erst Mitte Februar 
nach tiefem Schneefall und Frost bis zu 6° Reaum. und wurden dann täglich erlegt. 
Noch am 11./23. März erstand ich ein solches. Um diese Zeit aber waren die 
Weibchen und jungen Vögel fast alle fort. Wir sahen keine mehr während des Aufent- 
haltes in der Kisil-agatsch-Bucht. Die Zeit ihres Fortziehens fällt mit der Wanderung 
der meisten Fuligula-Arten in das letzte Drittheil des Februar. Nach tiefem Schneefall 
fand ich die Schellenten oft auf ganz kleinen, aber tiefen Wasserlachen in den Wiesen 
bei Lenkoran unmittelbar bei dem Städtchen. Sie waren damals sehr zahm und 
tauchten mit der Tafelente in solchen tiefen Löchern, die kaum einen Quadratfaden 
Oberfläche boten. Häufig findet man diese Art auch auf dem Goktschai im Winter 
und auch dort sind die alten Männchen selten. Nordmann fr) führt die Schellente 
als sehr gemein im Winter auf dem Pontus an, Bogdanowrfy) eitirt sie als ebenfalls 
häufig im Delta der Terek. 


334. Callichen rufinus Pall. 
Russisch bei Lenkoran: Chochlatyi Nyrok, d. h. Hauben-Tauchente, 


Systematisches. 


Dreissig Kolben-Enten, alte und junge, Männchen und Weibchen, wurden prä- 
parirt, von diesen wurde nur ein altes Männchen bei Tiflis im strengen Winter von 


*) Demidow, Voyage etc., Tome III, pag. 293. 
**) Bogdanow, Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 177, Nr. 292. 
***) Catalogue, raisonne, pag. 58, Nr. 202. 
+) Blanford, Eastern Persia, Vol. II, pag. 302. 
rr) Demidow, Voyage ete., Tome III, pag. 292. 
tr) Bogdanow, Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 177, Nr. 291. 


464 Callichen rufinus. — Harelda glacialis. 


1871 (im Februar) erlegt; alle anderen Exemplare erstand ich im Dezember und Januar 
1879—80 bei Lenkoran, wo die Art zu dieser Jahreszeit sehr gemein ist und man mit 

Leichtigkeit hundert Exemplare hätte beschaffen können. Je jünger die Männchen, um 
so heller und mehr grau als schwarz die Brust- und Bauchfläche. Auch ganz alte 
Männchen tragen das schwarze Gefieder der Brust breit gelbgrau gerandet. Schon 
Mitte Januar sind diese Ränder soweit abgenutzt, dass der Vogel im reinen, schönen 
Prachtkleide erscheint. Der Schopf wird mit dem Alter immer mächtiger. Der schöne 
lachsfarbene Anflug auf der unteren weissen Flügelseite verbleicht am Balge sehr bald. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Ich kenne den Vogel im Sommer nur von der Ostküste des Caspi, wo einzelne 
Paare bei Krasnowodsk sich aufhielten. Nach M&n&tries*) soll die Kolben-Ente 
sehr gemein bei Baku im Winter sein. Dies fand ich Anfangs Februar bestätigt. Bei 
Lenkoran war sie um diese Zeit ebensowohl auf dem Meere, als auch auf dem stehenden 
Süsswasser gemein. Bei stärkeren Frösten erscheint sie gegen Weihnachten bei Len- 
koran, wo sie bis dahin zwar auch, aber nur in geringer Zahl vorkam. Sie fängt sich 
dann auch gleich anderen Süsswasserenten in den gestellten Netzen beim Einfallen. 
Strenge Winter treiben auch diese Ente weit thalaufwärts, wofür das oben erwähnte 
Männchen den Beweis liefert. Ebensowohl am Chramflusse, als auch bei der Station 
Saganlug ist der Vogel öfters erlegt worden. Bei Lenkoran wurde mit den häufigeren 
Nachtfrösten diese schöne Art immer zahlreicher. Je kälter es wird, um so grösser 
werden die Schaaren und es soll Winter geben, in denen sie zu vielen Hunderten bei- 
sammen leben. Auf dem Meere ist sie gar nicht scheu. Ich fuhr am Landungsplatze 
bei Lenkoran vom Dampfer im Boote zum Ufer und die ruhenden, zum Theile schla- 
fenden Kolbenenten rühıten sich gar nicht, obschon sie in Schussweite von mir entfernt 
waren. Seit dem 20. Februar /3. März nahm ihre Zahl rasch ab und Anfangs März 
gehörte der Vogel bei Lenkoran zu den Seltenheiten. Auf dem Goktschai-See lebt die 
Kolbenente das ganze Jahr hindurch, brütet im Sommer und vereinigt sich im Winter 
zu grösseren Trupps. 


355. Harelda glacialis L. 

Auch olıne die, meiner Meinung nach, falsche Deutung von Fuligula hyemalis 
Pall. auf die Eisente, muss ich dieselbe der Ornis caucasica zuzählen, obwohl ich kein 
Exemplar des Vogels vom Caspi mitbrachte. Me&netries**) spricht von zweien 
Exemplaren, die er bei Baku erstand. Die Jäger von Lenkoran kennen die Eisente, 
wissen, dass sie stets auf offenem Meere lebt. nur in sehr kalten Wintern erscheint, 
und haben Zuen die langen, mittleren Schwanzfedern der Männchen beobachtet. Leider 
wurde im Winter 1879—S0 während der Jagden auf Flamingos weder diese hochnor- 
dische Tauchente, noch Anser hyperboreus erlegt. Bogdanow ***) schreibt über die 
Eisente Folgendes: „Ich bezweifle sehr, dass die Eisente irgendwo in diesem Gebiete 
(mittlere und untere Wolga) brüte, wie das Eversmann voraussetzt. Während des 

) Catalogue raisonne, pag. 57, Nr. 200. 


) Ebendaselbst pag. 58, Nr. 204. 
) Bogdanow, Säugethiere und Vögel der mittleren und unteren Wolga (russ.), pag. 150. 


Harelda glacialis. — Mergus serrator. — Mergus merganser. 465 


Frühlingszuges (April) zieht sie ohne sich aufzuhalten. Im Herbste erscheint sie im 
September und hält sich auf der Kama und Wolga bis zum Zufrieren der Flüsse auf“. 
Wo bleibt sie dann? Sie zieht natürlich die Wolgastrasse abwärts und kommt 
zum Caspi. 


336. Mergus serrator L. 
Russisch: Krochal. 
Systematisches. 


Ein Männchen dieses Sägers, welches im Februar 1871 erlegt wurde, trägt das 
‚Jugendkleid. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Dieser Säger ist im Kaukasus viel seltener, als die beiden anderen Arten, doch 
kenne ich ihn als Brutvogel vom Oberlaufe des Potskow-tschai in einer Höhe von circa 
3500° über dem Meere, wo ich Anfangs August 1867 eine Familie antraf. Im Winter 
wird er, aber nur selten, auf den Markt von Tiflis gebracht. Bis Mitte Dezember 
zeigte sich bei Lenkoran weder diese, noch die folgende Spezies. Vom Goktschai 
wurde er durch Grosmani nachgewiesen. 


337. Mergus merganser L. 
Russisch: Bolschoi Krochal. 
Tatarisch: Balactscha. 
Systematisches. 

Ich besitze acht kaukasische Vögel dieser Art. Zwei alte im vollen Winter- 
kleide stehende Männchen und ein jüngerer Vogel gleichen Geschlechtes, nickt weit 
von Tiflis an der Kura geschossen, stehen zunächst vor mir. Zu diesen gesellen sich 
ebenfalls alte und junge Männchen und ein altes Weibchen von Lenkoran, welche 
Mitte Februar erlegt wurden. Die jungen Männchen besitzen auf dem Rücken einzelne, 
glanzlose, schwarze Federn, die aber an der Spitze stets breit grau gerandet sind. 
Diese als Reste eines früheren ersten Prachtkleides und die Vögel für zweijährige 
Männchen im beginnenden Sommergefieder zu halten, nehme ich Anstand, da Ende 
Januar dieses Exemplar erlest wurde. Ich halte die wenigen schwarzen Federn im 
Kleingefieder des Rückens nur für zufällige Beimischung im grauen Jugendkleide des 
erwähnten Männchens. Die jungen Männchen haben unten am Halse, wo das Rothbraun 
endet, schwarze Federn in Form eines Halbringes. Meine alten Männchen tragen das 
prachtvolle ganz ausgefärbte Hochzeitskleid. 


Lebensweise und Verbreitung. 
Der grosse Säger ist im Winter, zumal in beiden Littoral-Gebieten, häufiger als 
Mergus serrator. Sein Erscheinen bei Tiflis hängt wesentlich von der Strenge des 
Winters ab. Als 1864 Ende Januar das Thermometer bis auf 15° Reaum. (20. Januar / 
1. Februar 14,8°) fiel, erschienen die grossen und die Zwergsäger unterhalb der Stadt 
an den Schleusen und auf den offen gehaltenen Wasseranstauungen in der Nähe grosser 


mechanischer Werkstätten und Mühlen. Das Gleiche geschah um dieselbe Zeit ım 
Eadde, Ornis caucasica. 59 


466 Mergus merganser. — Mergellus albellus. 


Jahre 1871 und namentlich war damals der grosse Säger ein häufiger Marktvogel. Ich 
habe aber nur Männchen im Pracht- und im Jugendkleide erhalten und besitze über-- 
haupt nur ein Weibchen aus dem Kaukasus. In Lenkoran trafen wir diese Art erst 
mit Beginn des Februar an und zwar nur auf dem Meere. Sie wurde auch noch 
Mitte März erlegt, als Sommervogel kenne ich sie nicht im Kaukasus. 


338. Mergellus albellus L. 
Russisch: Latok. 
Systematisches. 

Vom Zwergsäger habe ich zwanzig kaukasische Exemplare zusammengebracht. 
Sie stammen zum grossen Theile von Lenkoran und etliche auch aus den Umgegenden 
von Tiflis. Auch vom kleinen Säger sind mir im Winter zuerst vornehmlich nur junge 
Männchen und alte Weibchen, später dann, und viel seltener, ganz alte Männchen im 
Prachtkleide in die Hände gekommen. Solche Prachtexemplare waren Ende Februar 
1871 auf der Kura bei Tiflis nicht selten und ebenso trafen sie bei Lenkoran erst 
Ende Januar und namentlich bis Mitte Februar ein. Ueber die ganz alten Männchen 
im Prachtkleide kann ich nichts Erwähnenswerthes mittheilen, es sind das alles voll- 
ständig ausgefärbte Vögel. Ein junges Männchen (Lenkoran 15. / 27. Dezember) trägt 
am unteren Halse und auf der Brust noch das graue Gefieder, doch sind die seitlichen 
Flächen des Kopfes an der Schnabelbasis schon schwarz. Das Rückengefieder dieses 
Vogels ist glänzend grauschwarz, die schmalen, schwarzen Bogenbänder der Brust 
sind noch nicht angedeutet. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Bis Mitte April treiben sich auf der Kura stets kleine Banden dieses Sägers 
umher, doch sieht man-dann gar keine alten Männchen mehr im Winterkleide. Diese 
erscheinen nur für kurze Zeit während der härtesten Winter. Schon Mitte August 
zeigen sich an ebendenselben Orten auf der Kura Familien. Es sind das die frühesten 
Zugvögel, doch glaube ich, dass diese nur von den armenischen Seen kommen, wo 
der Vogel doch vielleicht brüten dürfte. Im Frühlinge ist er am Goktschai-See nicht 
selten und fällt während des Zuges in Völkern von 30—40 Individuen ein. Ich habe 
indessen diese Art nirgends brütend angetroffen. Im Winter begiebt sie sich, je kälter- 
es nördlich vom Caspi wird, um so mehr und mehr nach Süden, so dass sie vom De- 
zember an recht gemein wird. Bei Lenkoran wurde das erste Exemplar, ein altes 
Weibchen am 4. /16. Dezember erlegt. Hier hatte der Vogel vornehmlich die Larven 
der Wasserwanzen (Notonecta) gefressen, also auf Süsswasser gelebt. Später, namentlich 
Ende Januar und im Februar, erschienen auch viele alte Männchen. Im letzten Dritt- 
theile des Februar nahmen die Zwergsäger an Zahl sehr ab. Man sah sie Anfangs 
März bei der Jagd in den Kumbaschinskschen Sümpfen und am Meere gar nicht mehr. 


Phalacrocorax carbo. 467 


Subordo II. 


Totipalmae. 


339. Phalacrocorax carbo L. 
Russisch: Baklan. 
Tatarisch: Karabakla. 
Armenisch: Ds Knkul. 
Georgisch: Karabaklach (tat. Benennung.) 


Systematisches. 

Sommer- und Winterkleider alter und jüngerer Vögel beider Geschlechter 
besitzt das Museum in achtzehn Exemplaren. Grosse alte Männchen, vom 3. / 15. — 7./ 
19. März 1873 bei Tiflis erlegt, haben die Halsseiten fast rein weiss und ebenso das 
Feld auf der äusseren Seite des Schenkels. Diese Vögel stehen im vollen Prachtkleide. 
Mit zunehmendem Alter werden ‘diese Körperstellen am Vogel im Gefieder immer um- 
fangreicher und weisser und die zarten verlängerten Federn am Halse erreichen über 
Zolllänge. Von diesem Prachtgefieder bleiben bei alten Männchen Spuren bis in den 
Dezember. Es stehen dann noch einzelne ganz kleine, weisse Pünktchen, die Reste 
der vertragenen weissen Halsfedern des Prachtkleides, an den betreffenden Stellen im 
grünglänzenden, schwarzen Gefieder. Die jüngeren Männchen zeigen ebensowohl die 
helle Umrandung von der hinteren Augengegend beginnend und abwärts um den Kehl- 
sack gehend, als auch den Schenkelflecken nie so breit und gross als alte Vögel. Ein 
Weibchen, am 1./13. April 1866 bei Lenkoran erlegt, trägt das bunte Jugendkleid 
auf der Bauchseite, mehrere junge Männchen von ebendaher, im Dezember getödtet, 
haben dasselbe Kleid. Die Grösse der Cormorane schwankt ausserordentlich, ich messe 
in Millimetern: 


Maximal. |, Minimal. 

| mm mm 
Miotallangesese en er ee |, 650 
Rlüselbussbis@zurispitzene. u. un. 320 305 
Schnabel, auf der Firste gemessen . . . 62 58 
HRATSTSE ERNEUTE 62 60 


Lebensweise und Verbreitung. 

Einzelne Cormorane kann man auch hoch im Gebirge während der Sommeızeit 
antreffen, so gab es einige unterhalb von Koprikö auf dem Araxes, wo sich die Vögel 
die tiefen Stellen zum Tauchen auswählten und nicht selten selbst in den Strudeln der 
hinstürzenden Fluthen tauchten. Den armenischen Seen fehlen die Cormorane nicht. 
Auch im eigentlichen Waldgebiete hält sich im Sommer an den grösseren Flussläufen 
hie und da ein Cormoran auf. Die grossen Völker aber leben in förmlichen Kolonien 
besonders am Meeresufer und zwar am Caspi noch viel häufiger, als am Schwarzen 

59 


468 Phalacrocorax carbo. 


Meere. Sie sind dort Standvögel, wechseln weit hinaus und brüten gesellschaftlich 
vielerorts, ebensowohl dazu steile Felseninseln wählend, als auch auf den Bäumen 
nistend. Eine grosse Brutkolonie von Cormoranen befindet sich nahe am Meeresufer- 
nicht weit von dem Orte Schah-agatsch, wo die Nachkommen der früheren Chane von 
Talysch eine angenehme Sommerresidenz besitzen. Auch auf dem Goktschai-See giebt 
es eine aus circa hundert Paaren bestehende Brutkolonie, die im Rohr sehr hohe Nester 
gebaut hat. Diese Kolonie liest im SO.-Winkel des Sees in den Sümpfen von Gilli. 
In harten Wintern wird der Cormoran an den offenen Wassern der Kura weit land- 
einwärts recht gemein. Mehrere Exemplare des Museums wurden zu solchen Zeiten 
(Januar und Februar 1871 und 1873) erlest. An einem Tage brachte man mir zehn 
alte Cormorane, welche bei den Schleusen der Mühle des Herın Schmidt (jetzt 
Tamamschew) erlegt waren. Bei Lenkoran waren die grossen Cormorane im November 
seltener als die kleinen, von denen in zwei Tagen acht Stück erlegt wurden. Sie 
ziehen nämlich zum grossen Theile fort, obwohl ich nicht glaube, dass sie sehr weit 
wandern. Ich denke, sie begeben sich dann zum Fischen, namentlich verschiedener 
Oyprinus-Arten, die in die angestauten, seeartigen Gewässer, z. B. bei Kaladagni, und 
namentlich in die Bucht von Enseli, treten. Thatsache ist, dass sie im Januar und 
Februar immer seltener wurden und erst wieder Anfangs März in ungeheurer Zahl 
erschienen. Damals sah man die Zwergscharbe schon recht selten auf den Morzi. 
Die grossen Cormorane, welche ich bei Kumbaschinsk am frühen Morgen des 10. / 22. 
März beobachtete, zählten nach Tausenden, waren aber schon in viele kleine Trupps 
zersprengt und zum Theile auch gepaart. Die Meisten von ihnen eilten von den Ge- 
röhren nach dem Meere, man sah sie mit mässig raschem Flügelschlage sich meistens 
in Linien bewegen; 6—8 bis 20 sich folgende Individuen bildeten diese Züge, welche: 
bisweilen auch in schräger Anordnung vorwärts drangen. Zu wiederholten Malen 
fanden wir im Schlunde der grossen Cormorane Oyprinus-Arten von fast 1° Länge! 
Unglaublich ist es, wie die Vögel so grosse Fische ganz bewältigen können. Stets 
wird der Fisch, mit dem Kopfe abwärts gerichtet, verschluckt. Im Mai traf ich viele: 
Tausende von Cormoranen im Murdab (Bucht von Enseli) an und zwar wurde hier 
durch die vielen Vögel ganz systematisch gefischt. Es müssen um diese Zeit viele 
Oyprinus-Arten in die Bucht kommen. Die Cormorane hielten sich geschaart an der 
Mündung dieses grossen und überaus fischreichen Gewässers auf. Wenn ich von 6000 
— 8000 Individuen spreche, so ist das keinesweges übertrieben. Schon ganz früh am 
Morgen bei Tagesanbruch erschienen die Cormorane, ebensowohl von dem Meeresufer 
heranziehend, als auch aus dem Innern des Murdab. Sie liessen sich alle im Meere- 
vor der Mündung der Enseli-Bucht nieder und fingen nun an zu tauchen. Namentlich 
frequentirten sie die Barre, weil sie dort flaches Wasser und festen Grund vorfanden. 
Die ganze Gesellschaft avancirte während des Tauchens mehr und mehr vorwärts in 
der Bucht. Jeden Augenblick sah man auftauchende Cormorane mit dem Fische im 
Schnabel. So trieb die Gesellschaft es etwa 20 Minuten und hatte in dieser Zeit eine- 
Strecke von einer halben Meile bei ihrer eifrigen Arbeit zurückgelegt. Sodann erhoben 
sich die Vögel in einzelnen Schwärmen, kehrten zum Meere zurück und begannen aufs 
Neue ihren Fischzug. Bis gegen 9 Uhr wurde die gemeinsame Arbeit in immer 
gleicher Weise betrieben. Dann zogen die geselligen Vögel in kleinen und grösseren 
Banden davon und zwar zur Ruhe an ihre Lieblingsplätze. Diese liegen meistens am. 


Phalacrocorax carbo. — Phalacrocorax pygmaeus. 469 


Meeresufer, oft auf dem festen Sand- und Muschelstrande. Dort setzen sich die Cor- 
morane in lange enggeschlossene Reihen und verdauen. Nachmittags wird der Fang 
zum zweiten Male zwischen 3—4 Uhr begonnen und währt bis Sonnenuntergang. Im 
Mittel dürfte ein erwachsener Cormoran 4 Pfund Fisch in 24 Stunden zu seiner 
Ernährung beanspruchen. Die Bucht von Enseli muss also, wenn auch für nur 6000 
dieser Vögel den Bedarf im Frühlinge deckend, täglich 24000 Pfund Fisch liefern. Das 
ist freilich für diese Gegend nicht sehr viel, wenn man weiss, dass an guten Fang- 
tagen im April bis zu 10000, 6—8 Pfund schwere Kutume (Oyprinus cephalus Pall.) 
durch die Menschen in der Bucht von Enseli gefangen werden. Mit einem edleren 
Fische verfährt derselbe Vogel im Winter in der Bucht von Batum in gleicher Weise. 
Doch sind die Cormorane dort nicht so zahlreich. Immerhin dürften es aber doch ein 
Paar Tausend sein, die sich am jungen Kephal (Mugil cephalus) mästen. 


340. Phalacrocorax pygmaeus Pall.*) 
Russisch: Malyi Baklan. 
Tatarisch: Karabatach. 
Systematisches. 


Vierzehn Zwergscharben brachte ich heim, die meisten wurden Anfangs November 
auf den Süsswässern bei Lenkoran erlegt. Dieses sind ältere Vögel, die noch das 
Sommerkleid tragen, und zweijährige Vögel ohne die schmalen, weissen Flecken auf den 
Weichen und Schenkelfeldern. Ausserdem sehe ich in meiner Suite einen Vogel in sehr 
vertragenem Prachtkleide und einen zweiten, jüngeren, im Uebergangskleide, beide 
Männchen. Das erste dieser Männchen wurde Anfangs April bei Lenkoran erlegt, das 
zweite im Januar 1871 bei Tiflis. Dies letztere besitzt nur auf den Weichen, den 
Schenkeln und auf dem Rücken ein gut ausgefärbtes Gefieder, dem die schmalen weissen 
Keilfleckchen nicht fehlen. Der ganze Kopf und Hals, sowie Brust und Mittelfeld des 
Bauches tragen noch die erdbraunen, breit schmutzig gelblich gerandeten Federn, welche 
die Jugend des Vogels bekunden. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Die Zwergscharbe habe ich niemals in grösseren Gesellschaften beisammen 
gesehen. Meistens schwammen ihrer 6—8 und ziemlich weit getrennt von einander. 
Man findet sie auch sehr weit entfernt vom Ufer auf dem Meere und vornehmlich auf 


*) Anmerkung. Ich könnte Ph. graculus nur nach dem Zeugnisse Anderer acceptiren, glaube 
aber, dass wohl Alle die betreffenden Notizen von Pallas abgeschrieben haben **) und das Vorkommen 
dieser Art auf dem Schwarzen und Caspischen Meere thatsächlich nicht erwiesen ist. Die neueren Reisenden, 
so de Filippi und Bogdanow, erwähnen dieser Scharbe nicht. Ebenso schweigt M&netries in seinem 
Catalogue über Ph. graeulus. Blanford***) führt nur Pallas als Autorität für den Caspi an. Nord- 
mann) spricht nur vom Vorkommen des Vogels auf dem Schwarzen Meere. Endlich aber ist die An- 
gabe von Pallas sehr unbestimmt und nachweislich z. B. für den Baikalsee +f) irrthümlich. Er sagt: 
»Cum praecedente (Ph. Carbo) ubique frequentat aquas et pleraque communia.habent«. Auch weiterhin wird 
er in der Beschreibung des Caspi-Meeres nicht erwähnt. 

**) Zoogr. rosso-asiat., T. II, pag. 299. 

**) Blanford, Eastern Persia, Vol. II, pag. 298. 
7) Demidow, Voyage etc., Tome III, pag. 303. 
fr) Reisen im Süden von Ostsibirien, Bd. II, pag. 379 (Radde). 


470 Phalacrocorax pygmaeus. — Pelecanus crispus. 


dem Caspi. Mitte November war diese Art bei Lenkoran recht gemein und mauserte 
zum Theil ins Prachtkleid. Eines der Exemplare hatte sämmtliche Steuerfedern verloren 
und schoben sich bei ihm die blutgefüllien Spulen der neuen Federn erst hervor. Schon 
Mitte Februar wurde der Vogel seltener und Anfangs März sahen wir bei Kumbaschinsk 
kein einziges Exemplar. Ich bemühte mich später vergebens, um die Prachtkleider dieser 
Art in grösserer Zahl zu erstehen. Doch kommt der Vogel, wie oben schon bemerkt 
wurde, Anfangs April bei Lenkoran noch vereinzelt vor. 


341. Pelecanus cerispus Bruch. 
Russisch: Audrawaja Baba. 
Persisch: Lamber. 
Tatarisch: Autan. 
Bei den Talyschern: Angoöt. 
Armenisch: Hawalus. 
Grusinisch: Werchz. 

Systematisches. 

Alte und junge Vögel dieser Art vom Schwarzen und vom Caspischen Meere 
stehen vor mir, es sind ihrer vierzehn Exemplare. Es muss gewiss lange dauern, bevor 
die alten Vögel so schön ausgefärbt erscheinen, wie dies die Naumann’sche *) Abbildung 
zeigt. Indessen giebt es unter meinen Caspi-Exemplaren doch noch mehrere, welche 
noch heller auf dem Rücken sind und bereits dort gar kein Aschgrau, sondern reines 
Weiss zeigen, in welchem nur die feinen schwarzen Schaftlinien stehen. Bei nicht so 
sehr alten Vögeln ist das „Perlweiss“ des Oberrückens immerhin noch etwas heller als 
es Naumann malt. Die weissen, oberen Flügeldecken haben schwarze Schafte; auf 
der Brust sind die schmalen, harten, verlängerten Federn schmutzig hellgelb und stark 
glänzend. Junge Vögel, zweijährige, sind obenher ziemlich gleichförmig graubräunlich 
und haben nur wenige krause Kopffedern, die sich namentlich auf dem Hinterhaupte in 
Schopfform zu erkennen geben. Dressers**) Bild ist nach einem jüngeren Vogel gemalt 
und entbehrt der vielen gekräuselten Federn des Halses und Kopfes, die diesen Pelikan 
so vorzüglich charakterisiren. Bei ganz alten Männchen werden die Schopffedern bis 
130 mm lang und der Hals ist überall bis zum Körper mit etwas gekräuselten, langen 
Federn bedeckt. Am 3. /15. März erstand ich bei Lenkoran mehrere alte Vögel dieser 
Art, deren gesammter Kehlsack auf das Lebhafteste hoch hell zinnoberroth war. Diese 
Farbe nimmt aber, wenn man genauer hinschaut, nur die erhabenen schmalen Längs- 
streifen ein, welche zu beiden Seiten die tieferen Falten begleiten. Letztere besitzen 
eine schmutzig graugelbliche Farbe. Mit der Loupe betrachtet, erweisen sich jene in- 
tensiv mennigrothen Streifen als nahe aneinander gereihete, glatte, drüsenartige Er- 
höhungen, die, jemehr dem Unterschnabelrande genähert, um so zusammenhängender 
sind. An der Basis des Unterschnabels dehnt sich zu dieser Jahreszeit, hart bei dem 
Gefieder beginnend, ein 4 Zoll langer, über 1 Zoll breiter und nach vorne hin ver- 
schmälerter, dunkler Flecken hin. welcher die blauschwarze Farbe der Tinte besitzt. 
Am Schnabel selbst sehe ich keine besonderen Abweichungen. Unstreitig waren die 
besprochenen Vögel recht alte, zum Prachtkleide sich in dieser Tracht verfärbende, 


*) Naturgeschichte der Vögel Deutschlands. Tab. 283. 
**) Dresser, The birds etc., Parts LXXV et LXXVI. 


ee «- 


Pelecanus crispus. 471 


Exemplare. Der Nagel des Schnabels an solchen Vögeln ist wachsgelb, die breiten 
Ränder des Ober- und Unterschnabels der Länge nach, bis fast zur Basis, besitzen die- 
selbe Farbe in etwas bleicherem Tone. Alle anderen Theile sind dunkel bleigrau, zur 
Spitze hin etwas heller. Der nackte Augenring besitzt matte Pommeranzenfarbe. Die 
Iris ist fast rein weiss mit leichtem Anflug ins Rosagelb, aber sehr diaphan. Die Füsse 
und Schwimmhäute sind dunkel bleigrau, die Nägel hell hornfarbig, etwas grünlich. 
Diese Exemplare fallen durch kleineren Wuchs auf. ‘Während unserer Jagdexcursion 
zu den Burani-Inseln gab ich besonders auf die Pelikane Acht. Ich fand, dass bei 
weitem nicht alle Exemplare den hochrothen Keblsack besassen. Es gab unter den 
Flügen, die aus mehreren Hunderten von Individuen bestanden, viele mit gewöhnlich 
schmutzig gelbgrauem Kebhlsacke. \ 

Fünf Eier, welche von der unteren Akuscha am 15. / 27. Mai gesammelt wurden, 
waren schon stark bebrütet. Auch gab es damals schon Nestjunge. Ich messe an den 
Eiern: Höhendurchmesser: 90 mm. 

Breitendurchmesser: 58 „ 


Lebensweise und Verbreitung. 


Ayf dem Caspischen Meere ist diese Art die bei weitem häufigere. Ich habe 
sie dort namentlich auf der_Insel Sari, welche oberhalb von Lenkoran gelegen ist, in 
grosser Zahl beobachtet. Man kann sie aus der Ferne schon sehr gut als solche er- 
kennen, da sie, wenn auch nicht in der Grösse, so doch in der Färbung sich vom 
gewöhnlichen Pelikane unterscheiden. Die alten Vögel erscheinen immer nur hellgrau 
und weiss, niemals im schimmernden Lachsroth, wie solches den beiden anderen Pelikan- 
Arten eigen ist. Ich habe auch beobachtet, dass die Pelikan-Arten sich gesondert von 
einander halten. Ueber das Hin- und Herziehen in Ketten in stumpfer Keilform, oder 
auch in Bandform, muss ich berichten, dass die Tageszeit darauf ohne wesentlichen 
Einfluss ist; freilich sieht man die Züge am Morgen und Nachmittage häufiger als am 
Tage, dieweil die Vögel dann sich zum Fressen an passende Lokalitäten begeben. Das 
sind lache Meeresbuchten, lagunenartige Küsteneinschnitte. Diese Pelikan-Art sah ich 
nie sehr hoch beim Wechseln fliegen. Ging es zum Füttern und wurde seitens der 
Vögel keine Gefahr geahnt, so strichen sie in kaum 5—6‘ Höhe über die Insel, wichen 
erst seitwärts ab, wenn sie mich sahen, oder stiegen auch mit heftigen, raschen Flügel- 
schlägen, die Richtung nicht ändernd, steil an und kamen in diesem Falle gut zu 
Schusse. Man thut gut mit Kartätschen zu schiessen und zwar von hinten ins Gefieder 
zu treffen. Gegen Halsverwundung sind die Vögel sehr empfindlich. 

Dass P. crispus in ähnlicher Weise wie P. onocrotalus zu gewissen Zeiten 
weit landeinwärts zieht und fern von grösseren Gewässern in Ebenen ruht, sich dann 
nach und nach in Schraubenlinien erhebend, förmlich in Geiermanier kreist und bei 
dieser Gelegenheit ungemein hoch in die Luft steigt, kann ich aus eigener Anschauung 
bestätigen. Ich besitze mehrere Vögel, welche in der Nähe von Tiflis erlegt wurden. 
Im Frübjahre erscheinen namentlich jene zahlreichen Pelikanbanden in den Ebenen des 
mittleren Kuralaufes, welche, wie verirrt, einige Zeit lang verweilen, sich auch vielleicht 
von hier auf die armenischen Alpenseen begeben. Die Pelikane fehlen auf den grösseren 
derselben nicht. De Filippi*) erweist freilich noch mit einem Fragezeichen P. erispus 

*) Journal für Ornithologie, 1876, pag. 189. 


472 Pelecanus crispus. — Pelecanus onocrotalus. 


für den Goktschai. Durch Grosmani wird mir seine Existenz daselbst bestätigt, ein 
im zweiten Lebensjahre stehendes Exemplar wurde im Juni dort erlegt. Ich fand den 
Vogel Anfangs August 1867 am Tschaldyr-See (6400‘) und bin überzeugt, dass er dort 
brütet. Am 28. Oktober /9. November 1867 zogen von Westen nach Osten an 40 Peli- 
kane dieser Art über Tiflis fort. Für jene hochgelegenen Seen sind die Pelikane Zug- 
vögel. Auf dem Caspischen Meere bleiben die meisten auch im Winter und begeben 
sich nur für kurze Zeit in die südlichen Regionen. Nicht anders verhält es sich mit 
den Pelikanen des Schwarzen Meeres, über welche Nordmann *) ausführlich berichtete. 
Sie begeben sich für die verhältnissmässig kurze Zeit, in welcher es am Nordgestade 
des Pontus kalt wird, in den südöstlichen Winkel des Meeres. 

Die hiesigen Jäger und Fischer theilen übereinstimmend die Beobachtungen mit 
über den gesellschaftlich betriebenen Fischfang, den die Vögel ausüben. Sie treiben die 
Cyprinus-Arten in den Lagunen dem Lande zu, indem sie in weitem Bogen eine fisch- 
reiche Stelle einnehmen und durch heftige Flügelschläge Lärm im Wasser machen. 
Einer unserer Pelikane hatte einen Kutum (Oyprinus cephalus Pall.) im Schlunde, der 
3—4 Pfund schwer sein mochte. 


342. Pelecanus onocrotalus L. . 

Russisch: Rosowaja Baba. 

Persisch: Murge-Saefit (Pallas). 

Tatarisch : Berkasan. 

Armenisch: Kyschkar-dak. 

Systematisches. 
Ich halte die Angabe von Blasius und Keyserling**): „die Hinterzehe ohne 

Nagel 4“ ist fast so lang als der Lauf: 4'/,*, für verdruckt, jedenfalls bedarf sie einer 
Berichtigung. Vielleicht soll es heissen: die Mittelzehe. Naumann ***) schreibt: „die 
Hinterzehe 2'/, bis 2°/, Zoll, wovon etwas über '/, Zoll auf die Kralle kommt.“ Dieses 
ist richtig. An meinem jungen kaukasischen Vogel, welcher grosswüchsig ist, messe 
ich: Tarsus 5,1 Zoll, Hinterzehe ohne Nagel 2,1 Zoll. Mein Vogel ist ein noch nicht 
ganz einjähriger, am Halse noch ein weiches, flaumartiges, graubraunes Gefieder tragend. 
Der Oberrücken und Leib zeigen die fast reine, weisse Farbe. Es liegen mir von dem 
gemeinen Pelikan überhaupt nur zwei Exemplare aus dem Kaukasus vor; ausser dem 
eben besprochenen brachte ich noch ein altes Männchen, am 20. März / 1. April unweit 
von Lenkoran geschossen, mit. Ueber die Differenzen zwischen dieser Art und dem 
P. minor Ripp. spreche ich im nächsten Abschnitte. Da ich die Unterschiede in Grösse 
und Konturen der kahlen Haut im Gesichte konstant finde, so trenne ich artlich beide. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Ungleich seltener als der krausköpfige Pelikan ist der gemeine im Kaukasus, 
in der Krimm dagegen findet das Entgegengesetzte statt. Das oben erwähnte Exemplar 
wurde nach Tiflis zu Markte gebracht und halte ich es für einen jener Vögel, die weit- 

*) Demidow, Voyage etc., Tome III, pag. 297. 

**) Die Wirbelthiere Europas, pag. 234. 

**t) Naturgeschichte der Vögel Deutschlands, Bd. 11, pag. 156. 


Pelecanus onocrotalus. — Pelecanus minor. 473 


hin sich verflogen und zur Winterzeit im Innenlande der Fischerei nicht nachgehen 
können, hungern, schwach werden und dann dem Jäger leicht zur Beute fallen. In der 
Suram-Ebene habe ich zu wiederholten Malen grosse Schwärme des gemeinen Pelikans 
sich aufhalten und kreisen sehen. Dies fand im April und Anfangs Mai statt. Um 
dahin zu kommen, mussten die Vögel mit dem Suram-Passe (Meskisches Gebirge) das 
Rionsystem verlassen und in das Gebiet der mittleren Kura gelangen. Was sie hierher 
gelockt hatte, ist schwer zu sagen. Es giebt in dieser Ebene keine Seen, die Kura ist 
reissend und schmal, im Norden und Süden lagern bewaldete Gebirge. Diese bauen 
sich dort rasch zum Grossen Kaukasus heran, hier zum Armenischen Randgebirge. Die 
Vögel rasten nur kurze Zeit, bleiben ein, zwei Tage und verschwinden. Ich denke 
immer, es sind dies solche Individuen. welche sich zur Sommerzeit zu den hochgelegenen, 
armenischen Seen begeben, die dort aber nicht brüten. In jenen Schwärmen, welche 
ich in der Suram-Ebene beobachtete, gab es nur alte Vögel. Es war ein prächtiger 
Anblick, im herrlichsten Frühlingsgrün diese alten Pelikane mit ihrem lachsfarbenen 
Gefieder ruhen, oder gar unter klarem, blauen Himmel kreisen zu sehen. Ich glaube, 
es sind das Reisegesellschaften, denen die Forellen der Alpenseen besonders mundeten, 
die über das Alter des Familienlebens hinfort sind und es sich auf ihre alten Tage gut 
ergehen lassen. Früher zu erscheinen, wäre nicht rathsam, weil in einer Höhe von 
6000‘ über dem Meere Alles noch im April im Schnee liegt und erst mit dem Mai die 
Seen für die Pelikane bewohnbar werden. 


343. Pelecanus minor Rüpp. 

Russisch: Malaja Baba. 

Systematisches. 

Ich halte diese Art für eine gute, wenigstens ebenso berechtigte wie Oygnus 
minor Pall. und besitze von ihr mehrere ganz alte Exemplare (Geschlecht bei einem 
nicht anzugeben, weil nur die Haut zugesendet erhalten). Heuglin*) will von der 
artlichen Trennung nichts wissen und hält den Vogel nur für kleinwüchsigen P. ono- 
erotalus. Gray**) vereinigt P. minor Rüpp. mit P. mitratus Lichst., welcher zwar noch 
von Heuglin gesondert aufgeführt, aber doch auch als artlich selbstständig stark an- 
gezweifelt wird. Er betrachtet sie nur als südliche Race von P. onocrotalus. Dresser ***) 
folgt dem Beispiele Heuglins und bespricht pag. 4 ausführlich die Elliot’schen und 
Heuglin schen Ansichten. Zwei Momente scheinen mir indessen wesentlich genug, um 
die Trennung aufrecht zu erhalten; sie werden keinesweges durch das Kolorit bedingt, 
wie solches heutezutage von Vielen als allein maassgebend für die artliche Trennung 
betrachtet wird, sondern diese Momente finden erstens ihren Ausdruck in der Umgrenzung 
des seitlichen Kopfgefieders zur nackten Haut und zweitens in dem Grössenverhältnisse 
der hinteren Zehe. Die mehr oder weniger grosse Annäherung des seitlichen Kopfge- 
fieders zu den Unterkieferästen, wie sie Graf Keyserling und Blasiusf) erwähnen, 
finde ich schwankend und daher nicht entscheidend. Die beigefügte Abbildung wird 

*) Omithologie Nord-Ost-Afrikas, Bd. U, 2. Abth., pag. 1499. 

=“) Hand-list of birds, Part. III. pag. 130. 

*#**) Dresser, The birds ete., Parts LXXV und LXXVT. 

7) Die Wirbelthiere Europas. pag. 234. 


Badde, Ornis caucasica. 60 


474 Pelecanus minor. 


die Unterschiede in den Konturen, welche die nackten Theile des Kopfes und Halses 
im Gefieder ziehen, zur Anschauung bringen. Während hei P. onocrotalus über dem 
Auge fort die gedrückte Bogenlinie des Gefiederrandes gleichmässig fortläuft, nach hinten 
hin gerundet erscheint, schneidet sie bei P. minor mit spitzem Winkel tief hinter dem 
Auge ein, steigt zuerst konvex nach vorne auf, setzt im Winkel hoch vor dem Auge ab 
und neigt sich mit starker Konkavität abwärts zum Schnabelgrunde. ; 


Die Länge der Hinterzehe messe ich an meinen Exemplaren zu 1,7 engl. Zoll 
— 4 cm ohne Nagel, die Länge des Tarsus beläuft sich zu 4,5 engl. Zoll = 11,5 em. 
Im frischen Zustande war der Kehlsack intensiv chromgelb. Der Schnabel, welcher 
ausserordentlich schartig und rissig auf seiner breiten Rückenfläche ist, zeigt nur auf 
der hoch abgesetzten Firstfläche eine intensive violettgraue, etwas bläuliche Färbung, 
welche sich auch an den Seiten, an der Basis und auf den Basaltheilen der Unterkiefer 


Pelecanus minor. — Larus argentatus. 475 


sehr kenntlich macht. Alles Andere an ihm ist intensiv gelb und roth gefleckt und 
der spitze Haken vorne am Öberschnabel erscheint hoch roth. Die Iris alter Vögel ist 
intensiv chromgelb, sogar etwas röthlich; die nackte Gesichtshaut und die Füsse sind 
mennigroth. Ein altes Weibchen wurde am 11. /23. März bei Lenkoran erlegt. Den 
Schopf hat dieser Vogel mächtig entwickelt, die Sackfarbe ist heller, mehr citronengelb, 
die Füsse im frischen Zustande fleischfarben. Dieser Vogel hatte ein legereifes Ei, 
welches rein weiss war. Seine Maasse sind: Höhendurchmesser 86 mm, grösster Breiten- 
durchmesser 59 mm. Gleich P. crispus brütet auch diese Art auf den entlegenen Inseln 
des Caspi im Rohr. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Mitten aus dem Festlande, von den Gärten Zinandalas in Kachetien, den Fürsten 
Tschawtschawadse gehörend, erhielt ich durch den Herrn Baron A. P. Nicolai An- 
fangs Mai 1868 einen alten Vogel, welcher im schönen, schwach lachsfarbenen Hoch- 
zeitskleide steht. Vom Caspi brachte ich fünf Exemplare dieser Art mit. Sie erschienen 
dort erst am 12. / 24. Februar und zwar immer gesondert von P. erispus. Sie sind 
nächst diesem die häufigere Art, während P. onocrotalus dort zu den Seltenheiten gehört. 


Subordo III. 


Longipennae. 


344. Larus argentatus Brünn. *) typ. 
et var.: minor —= L. leucophaeus Lichst., 
var.: cachinnans Pall.**) 


Russisch: Chochotunya, d. h. die Lachende. 
Tatarisch: Ulu-Chanlan. 


Systematisches. 

Ich nehme keinen Anstand, die grosse Silbermöve mit der kleineren Caspischen 
artlich zu vereinigen, weil nicht allein im Wuchse, sondern auch im Schnabel alle ver- 
mittelnden Uebergänge mir vorliegen und ich mir nach Hunderten von Exemplaren 
meine Meinung bilden konnte. ZLarus cachinnans Pall. soll sich wesentlich nur durch 
dunkleren Mantel auszeichnen. Ein solcher Vogel liegt mir vom Caspi nur in einem 


*) Anmerkung. Es dürfte kein Fehler begangen werden, wenn ich die grosse Bürgermeister- 
möve, L. glaueus, der Caspi-Ornis zuzählte. Doch liest mir kein direkter Beweis dafür vor. Wohl aber 
haben Eversmann und auch Bogdanow (Thiere und Vögel der mittleren und unteren Wolga, pag. 153) 
junge Vögel an der unteren Wolga beobachtet. Es unterliegt daher kaum einem Zweifel, dass die Art 
wenigstens auch das Nordufer des Caspi bewohne. 

**) Blasius Vater vereinigt schon 1865, wie im Jounral für Ornithologie jenes Jahres pag. 380 
zu sehen ist, mit Larus argentatus Brünnich folgende Arten: L. leueophaeus Lichst., L. Michahellesii 
Bruch., L. argentotoides Rich., L. cachinnans Pall. und als fraglich auch L. sulifornteus Lawr. 


476 Larus argentatus. 


weiblichen, älteren Exemplare vor (11./23. März). Aber dieser Vogel ist kein sehr: 
alter. Er hat am hinteren Halse noch ziemlich viel Grau und einen noch nicht aus- 
gefärbten Schnabel. Er lebte mit der var.: leucophaeus zusammen und zeichnete sich 
von ihr eben nur durch das etwas mehr blaue Grau des Mantels aus. Neuerdings: 
haben sich denn auch Dresser und Blanford dahin ausgesprochen, dass die erwähnten 
drei Möven wohl nur Racen von Z. argentalus seien. Blanford*) vereinigt ohne 
Weiteres L. leucophaeus mit L. argentatus und führt Z. cachinnans Pall. mit der Be- 
merkung partim und mit einem vorgestellten Fragezeichen ebenfalls unter Z. argentatus 
auf. Die meisten meiner Exemplare vom Caspi gehören zu der kleinen schwach- 
schnäbeligen Varietät der Silbermöve, d. h. sie sind Z. leueophaeus Lichst. und haben 
in Bezug zur Mantelfärbung keine Beziehung zur typischen Z. cachinnans Pall. Ich 
muss zugeben, dass im Jahre 1866 wenigstens im SW.-Winkel des erwähnten Meeres, 
wo ich wohl an hundert Silbermöven erlegte, mir weder eine typische, grosswüchsige 
alte Z. argentatus L. noch eine L. cachinnans Pall. in die Hände gekommen ist. Auf 
der Insel Sari gab es eine Brutkolonie von etlichen Tausenden dieser Vögel, aber alle 
dort erlegten weichen in der Mantelfarbe nicht von ZL. argentatus typ. ab, sind dabei 
aber kleiner. Dagegen brachten wir ein Dutzend grosswüchsige Silbermöven in letzter 
Zeit aus den Umgegenden Lenkorans zusammen. Ich lasse später die Maasse von dreien 
meiner Vögel folgen und setze auch diejenigen der typischen Z. argentatus hinzu. An- 
langend die Mantelfarbe, so ist es mir eben bei aller Sorgfalt, die ich darauf verwendete, 
nicht möglich, an meinen Caspischen Vögeln eine erwähnenswerthe dunklere Nuance in - 
Blaugrau zu erkennen, nur das eine erwähnte, jüngere Exemplar besitzt diese Mantel- 
farbe von L. cachinnans. Hierbei ist noch zu bemerken, dass Severzow**) die Aralo- 
turkestanische grosse Silbermöve als ZL. cachinnans Severx. artlich aufrecht erhält, aber 
darauf hinweist, dass der Pallas’schen Art wohl nur Z. argentatus vom Caspi (also 
L. leuweophaeus) als Modell zur Beschreibung gedient habe. Die Füsse der frisch erlegten 
alten Vögel waren stets lebhaft gelb gefärbt; die Längenverhältnisse der Mittelzehen und 
Tarsen sind auch bei meiner kleinwüchsigen Varietät grossen Schwankungen ausgesetzt. 
Alles dieses würde nun am ehesten die Vögel zu Zarus cachinnans Pall. — L. leuco- 
phaeus Lichst. berechtigen. Allein auch in den Grössenverhältnissen liegt kein Hinderniss 
zur artlichen Vereinigung mit 2. argentatus. Meine Vögel stehen zwar der typischen 
L. argentatus bedeutend nach, aber Pallas***) sagt selbst, dass seine Z. cachinnans in 
zwei Grössenvarietäten vorkomme. Jedenfalls scheint es, dass die drei so nahe stehenden 
Formen, nämlich Z. argentatus typ., L. argentatus var. minor, L. cachinnans Pall. = 
L. leucophaeus Lichst. sich getrennt von einander halten, wie dies ja auch anderweitig 
vielfach beobachtet und von mir in der Sibirischen Ornis 7) erörtert wurde. 

Ich gebe die Maasse in englischen Zollen, um die Vergleichung mit Dressers ff) 
Angaben und anderen zu erleichtern. 


*) Blanford, Eastern Persia, Vol. II, pag. 290. 

**) Vertikal- und Horizontal-Verbreitung der Thiere Turkestans (russ.), pag. 70. 
***) Zoogr. rosso-asjat., T. II, pag. 319. 

7) Reisen im Süden von Ostsibirien, T. II, pag. 384. 
tr) Dresser, The birds ete., 1872, Parts XXI. 


Larus argentatus. 477 


Larus argentatus. 
var.: minor. L. argent. typ. 

L. leucophaeus. 
W. W. M. MERIEW 

engl. Zoll.'engl. Zoll.enel. Zoll.lengl. Zoll.iengl. Zoll. 
Totallänge. . . EA NNGE N 19,6 22 22 24 24,5 
Flügelbug bis zur Size ER AR EIER 16,5 16 17 17,8 17,6 
Ikangerdes,Schwanzesk. na. as uf na: 64 6:6 6,6 7,4 U) 
Länge des Tarsus . . . SI TE 2,3 2,3 2,5 3 2,8 
Länge der Mittelzehe ohne Nasele RER 2 1,9 2,5 2,2 2,3 
Länge des Schnabels, auf der Firste gemessen 2 2 2,4 | 2) 2,8 
HkanserderMundspalteg rn 2a ee 28010002.8 BI 3,2 
| I 


Die typischen Exemplare von Z. argentatus wurden einzeln am Meeresufer 
geschossen und zwar bei der Kumbaschinskischen Fischerei. Diese Form ist am Caspi 
ungleich seltener als Z. leucophaeus und habe ich sie auch niemals in grösserer Gesell- 
schaft beisammen angetroffen. 

Die grössten Eier messen: Höhendurchmesser: 75 mm. 

Breitendurchmesser: 53 „ 
Die kleinsten Eier messen: Höhendurchmesser: 64 
Breitendurchmesser: 49 


b,] 


Lebensweise und Verbreitung. 


Die grosse Silbermöve kommt am Goktschai-See vor, ist, daselbst aber nicht 
häufig und brütet in den Gilli-Sümpfen. Ungemein häufig brütete diese Art in ihrer 
kleinen Varietät auf dem Nordende der Insel Sari; die Kolonie bestand aus mehr als 
3000 Individuen und duldete keine andere Art in ihrer unmittelbaren Nähe. Am 
23. April /5. Mai 1866 gab es in den Nestern überall Eier. Zur Zeit der Wanderungen 
von Oyprinus cephalus Pall. und anderer kleinerer Arten die Lenkoranka aufwärts 
fischte diese Silbermöve sammt Sierna caspia und S. leucopareia sehr eifrig an den 
Mündungen des Flüsschens und wurde landeinwärts, soweit die Flachländer sich dehnen, 
oft mitten im Pterocaryen-Walde beobachtet. Mehrere Brutkolonien befinden sich auf 
den Burani-Inseln, woselbst ich die Völker Anfangs März schon gerottet und zum Theile 
gepaart vorfand. Doch wurden dort am 6. /18. März die Nester noch nicht erneuert. 
An einem einzigen sah ich frische Arbeit, der Rand der frisch ausgescharrten Vertiefung 
war sehr nachlässig mit trockenen, vergilbten Binsen umlegt. Am 20. Maiy/ 1. Juni 
1880 besuchte ich die Kolonie auf der Insel Sari abermals. Trotz der häufigen Störungen 
und dem vielen zwecklosen Hinmorden der Vögel, hatte sich die Zahl derselben doch 
seit meinem ersten Besuche kaum verringert. Fast alle grossen Lachmöven waren aus- 
gebrütet. Ich fand sie dort in allen möglichen Altersstufen. Sie hockten und krochen 
zwischen den Binsen herum. Die grösseren trugen schon das Gefieder des ersten Jugend- 
kleides, konnten aber nicht fliegen und bemüheten sich, laufend das Meer zu erreichen. 
Das Flaumkleid ist schmutzig gelbgrau, obenher dunkler, unten heller; auf dem Kopfe 
und Nacken stehen einzelne langgezogene, schwarze Flecken und Binden. Diese und 


4783 Larus argentatus. — Larus canus. 


alle anderen Möven sieht man bis Neujahr nur als vereinzelte Strandvögel bei Lenkoran. 
Anfangs Februar (6. / 18.) werden sie dann häufiger und der Märzmonat ist der eigent- 
liche Mövenmonat. Die Wanderungen der grossen Lachmöven erstrecken sich nicht 
sehr weit, sie suchen im Winter nur die Gilan’sche Küste auf. Gleich Z. fuseus geht 
auch diese Art dem Pfluge nach und ist dann gar nicht scheu. Wenn satt, so ruhen 
diese Vögel, dicht nebeneinander sitzend, auf trockenen Stellen der Wiesen und der 
Dünen und man kann dann mit einem Schusse zehn und mehr erlegen. Nicht selten 
hocken sie mit dem Leibe am Boden und legen dabei die Füsse nach vorne. Das 
Lachen findet unaufhörlich statt, wenn man in das Revier der Vögel, zumal zu den 
Brutplätzen kommt. Die im Winter einzeln herumirrenden verhalten sich ganz still. 
Aber schon an den Landungsplätzen der Fischereien wird viel gelacht. Zumal geschieht 
das, wenn man einen Vogel herunter schiesst und sich dann von weit und breit alle 
die anderen zusammenrotten. Einzelne Vögel beginnen dann mit zweisylbigem Rufe, 
holen tief aus und lachen jodelnd in immer höher steigenden Noten ganze Tonläufe ab, 
dabei zuletzt so sehr hoch mit der gellenden Stimme greifend, dass diese, wie bei einem 
schlechten Tenor, zuletzt überschlägt. Unbehelligt verhalten sich die Möven still. Ein 
Schuss bringt sie, auch wenn er ihnen gar nicht gilt, in die grösste Aufregung. Sie 
sind augenblicklich da und fliegen um den Jäger; fällt einer der Ihrigen, so stossen sie 
eifrig auf ihn und den Schützen, umfliegen Letzteren in immer weiter und weiter ge- 
zogenen Kreisen und ziehen endlich von dannen. Im Frühlinge sah ich diese Art oft 
sehr hoch kreisen. Sie erhebt sich dann so hoch in die Lüfte, dass man sie nur als 
kleine weisse Flecken erkennt. 


345. Larus canus L. 
Russisch: Stisya-Tscharka. 
Systematisches. 

Alte Vögel im vollen Winterkleide befinden sich im Museum mit der Angabe: 
Tiflis, Oktober 1863. Die meisten anderen, sowohl alte, als auch jüngere Vögel im 
Uebergangskleide, wurden im Dezember und Februar bei Lenkoran erlegt. Im Ver- 
gleiche zu Exemplaren von der Ostsee, sind die Schnäbel der Kaukasier ein wenig 
kürzer. 

Lebensweise und Verbreitung. 

Das gesammte Littoral beider, den Isthmus bespülenden Meere bewohnt die 
graue Sturmmöve und ebenso die Alpenseen Armeniens, sogar den hochgelegenen 
Balyk-göl .(7400%), auf der Insel Sarı brütend, aber bei weitem nicht in so grosser 
Kolonie wie Z. cachinnans. Auch am Goktschai-See in den Gilli-Sümpfen brütet diese 
Art. Im Winter begegnete ich Z. canus nur sehr vereinzelt am Caspi-Ufer. Anfangs 
Februar wurde sie häufiger und tummelte sich auf den Wiesen bei und in der Stadt 
umher. Mitte März wurde sie an solchen Plätzen seltener und hatte sich wohl schon 
zum Brüten an entlegene Orte begeben. Im Januar war diese Art an der Mündung 
des Rion die allein vorkommende und ziemlich häufig trotz des tiefsten Winters mit 


2' hohem Schnee, 


Larus tridactylus. — Larus marinus. — Chroicocephalus ichthyaötus. 479 


346. Larus tridactylus L. 


Ich kann den Vogel nur nach dem Zeugnisse Mene6tries*) der Caspi-Ornis zu- 
zählen. Jedenfalls gehört er dort zu den Seltenheiten. Auch Nordmann **) führt ihn 
für das Schwarze Meer nur als raren Wintervogel an. Bogdanow hat ihn in seinem 
Verzeichnisse nicht aufgeführt. 


347. Larus marinus L.***) 


Wir kennen die Mantelmöve vom Caspi bis jetzt nur nach Pallas’ Angaben, 
denen Eichwald 7) sowohl, als auch Blanford ff) bei Erwähnung. dieser Art folgen. 
Nordmannry) führt sie für die Ponti-Ornis nicht auf. Würde nicht der gewissenhafte 
Pallas der Gewährsmann sein, so hätte ich kein Bedenken gehabt, die Art aus der 
Caspi-Ornis zu streichen. Ich bin oft auf diesem Meere und zu sehr verschiedenen 
Jahreszeiten gewesen und habe den Vogel niemals gesehen. Die nördliche Hälfte des 
Meeres kenne ich nicht, aber es ist auffallend, dass Bogdanow die Art von dorther 
nicht kennt, da sie dem Unterlaufe der Wolga noch angehört. 


348. Chroicocephalus ichthyaötus Pall. 
Russisch: Rybak, d. h. der Fischer. 
Tatarisch: Charabalta. 
Systematisches. 

Dreiunddreissig alte, erwachsene Vögel und vier Flaumjunge liegen von dieser 
prachtvollen Möve vor mir. Nur vier davon, die weiter unten besprochen werden, 
wurden im Winter bei Tiflis erlegt. Alle übrigen stammen von Lenkoran, Kumbaschinsk 
und der Insel Sari. Die vielen Exemplare gruppiren sich nach ihrem Habite folgender- 
maassen: 


Ausgefärbtes Sommerkleid. . . . ...... 23 Exemplare. 
Im Wechsel begriffenes Winterkleed . . . 6 4 
Ausgefärbtes Winterkleid . . . 2... 4 N 


Die vier ersten Exemplare meiner Sammlung dieser Möve, welche vom 14. / 26. 
Februar bis 26. Februar / 10. März 1873 unmittelbar bei Tiflis erlegt wurden, weichen 
alle in der Färbung des Kopfgefieders von einander ab. Es sind zwei Männchen und 
zwei Weibchen. Die Vögel von Lenkoran (29 Exemplare) wurden vom Dezember bis 
Mai bei Lenkoran erlegt. Ich will die Vögel einzeln eingehender besprechen und sie 
dabei nach dem Alter und dem Kleide ordnen: 


*) Catalogue raisonne, pag. 56, Nr. 190. 
**) Demidow: Voyage ete., Tome Ill, pag. 281. 

*#=) Anmerkung. Larus fuscus ist von Nordmann (Voyage etc., pag. 280, Nr. 2) für_den 
Pontus und das südrussische Binnenland nachgewiesen. Trotz der mehr nördlichen und westlichen Ver- 
breitung dieser Art ist es doch wahrscheinlich, dass sie als Wintervogel auch auf dem Caspi hie und da 
zu findenist. Blanford (Eastern Persia, Vol. II, pag. 290, Nr. 315) hat sie für Beludshistan nachgewiesen 
und giebt sie als gemein auf dem Caspi, wahrscheinlich nach Eichwald an. Ich bin mehrere Male im 
Winter auf diesem Meere gewesen, habe aber niemals eine Häringsmöve gesehen. 

y) Fauna caspio-caucas., pag. 43. 
‘rr) Blanford, Eastern Persia, Vol. II, pag. 293. 
tr) Demidow: Voyage etc., Tome III, pag. 279 et sq. 


480 Chroicocephalus ichthyaötus. 


1) Ganz altes Männchen (18. Februar / 2. März, Tiflis). Der Kopf und Oberhals 
an diesem Vogel sind überall schon pechschwarz und ohne irgend welche Beimischung 
von Weiss, sei es auch nur an den Spitzen der einzelnen Federn; der obere und der 
untere weisse Augenrand setzen scharf ab, vereinigen sich aber nach hinten hin nicht. 
Der Schwanz ist schneeweiss und es fehlen den einzelnen Steuerfedern die schmalen, 
schwarzen Längsränder, wie sie jüngere Vögel besitzen. Auf den Schwingen nimmt das 
reine Weiss soweit überhand, dass die hinter dem weissen Mondflecken der Spitzen 
stehenden schwarzen Querbinden nur bei der dritten, vierten und fünften Schwinge 
durchgehen. Die Aussenfahne der ersten Schwinge ist nicht bis zur Spitze schwarz. 
Bei so alten Vögeln reicht das Weiss der hinteren Halsseite bis weit auf den Rücken 
und verschwindet allmählich im Silbergrau des Mantels. Der Flügelbug ist weiss. Der- 
gleichen alte Vögel habe ich aber auch im Sommer, oder doch wenigstens Ende April 
und Mai auf der Insel Sari erlegt und zwar bei dem Neste. Sie hatten zu dieser Zeit 
alle das schöne Prachtkleid an. Ich muss bemerken, dass die Zeit der Vermauserung 
der Kopf- und Halsfedern zum Sommerkleide bei diesen Vögeln zu sehr verschiedenen 
Zeiten beginnt. Während einige alte Individuen schon Mitte Dezember die Mauser 
begonnen haben, sind andere Mitte Februar damit noch nicht weiter, als jene und 
jüngere Vögel, am 11. /23. März geschossen, tragen das bunteste Uebergangskleid am 
Kopf und Halse, wogegen wiederum andere schon lange ausgefärbtes Gefieder besitzen. 
Zum 1./13. März tragen die meisten alten Vögel das frische Hochzeitskleid. 

2) Ganz altes Weibchen (14. / 26. Februar, Tiflis). Nur in der Vertheilung der 
schwarzen Farbe am Kopfe weicht der Vogel vom eben besprochenen Männchen ab. 
Dass dieses Weibchen sehr alt sei, beweist der rein weisse Schwanz, dem jegliche An- 
deutung schwarzer Längsränder nahe vor der Spitze an den Fahnen fehlt. Das matt 
schwarze Gefieder des Kopfes besitzt an den meisten Federn mehr oder weniger breite, 
weisse Spitzen und erscheint schon von der Schnabelbasis an über dem Kopfe zum 
Nacken hin dadurch in Schwarz und Weiss gescheckt. Auf den Wangen waltet reines 
Schwarz vor, an den Seiten des Halses beginnt das Weiss zu dominiren, die Kehle ist 
vom Beginn des Unterkieferwinkels an rein weiss. In der Gegend, wo die schwarze 
Zone endigen sollte, stehen überall am Halse vorne und auch an den Seiten schwärz- 
liche Flecken in rundlicher Gestalt. Sieht man die dazu gehörenden Federn an, so 
sind sie bis auf den fast thränenförmigen Flecken in der Mitte der abgerundeten Spitze 
schneeweiss. An dieses Exemplar schliessen sich Weibchen, die bei Lenkoran zuerst 
am 10./22. Dezember und Mitte Februar erlegt wurden. Solche Vögel sah ich im 
Sommer nicht. 

3) Ein jüngeres, aber im Mantel und in den Schwingen bereits vollständig aus- 
gefärbtes Weibchen (24. /26. Februar, Tiflis) besitzt an den Aussenrändern der 4. und 5. 
Schwanzfedern kurz vor der Spitze schwarze Einkantungen in Zolllänge, welche als 
letzter Rest von der in der Jugend des Vogels hier stehenden, breiten Querbinde zu 
betrachten sind. Dieser Vogel ist noch viel scheckiger in Weiss und Schwarz, als der 
eben vorher besprochene. Es stehen zwischen ganz schwarzen auch einzelne ganz 
weisse Federn. Die meisten aber haben dunkle Basis und helle, breite Spitzen. Alle 
diese Federn sind entschieden gleichen Alters und kann ich keine frisch hervordringenden 
finden, also auch von keiner jetzt statthabenden Mauser sprechen. Die Wangengegend 
ist wiederum am reinsten schwarz. die beiden Augenlinien sind ganz deutlich. Die 


Chroicocephalus ichthyaötus. 481 


Kehle, die Halsseiten sind rein schneeweiss, ohne jene sub 2 erwähnte Fleckung, nur 
zwei Federn auf der Mitte des Halses in der Gegend, wo die schwarze Zone endigen 
sollte, deuten durch ihre schwarzen Spitzen dieses an. 

4) Ein junges Männchen im Uebergangskleide (22. Februar /6. März, Tiflis) 
besitzt einen weissen Kopf, die beiden Augenlinien deutlich ausgeprägt, hinter der 
unteren in der Ohrgegend wird das Gefieder grau, vorne am Halse und auf der Kehle 
ist es schneeweiss. Das Hinterhaupt zeigt auf weissem Grunde hier und da sehr zarte 
Trübung in Grau und die ganze hintere Seite des Halses ist in Schiefergraubraun 
gefleckt, der Art, dass nach oben hin die Flecken kleiner und kleiner, nach dem Rücken 
hin aber grösser werden, oben breite weisse Einfassungen besitzen, welche zum Rücken 
hin immer schmäler werden und zuletzt ganz fehlen. Der mittlere Theil des Mantels 
und die grösseren oberen Flügeldecken sind schon blaugrau, ähnlich wie bei alten 
Vögeln, doch weniger rein und etwas in Gelblich ziehend. Dem Unterarm entlang er- 
scheint oben das kleine Gefieder ebenso wie am Flügelbug in der schiefergraubraunen 
Farbe des Jugendkleides. Die Schwingen erster Ordnung sind schwarz, nur die Ränder 
der Innenfahnen von der zweiten an schmal weiss. Eine zwei Zoll breite, schwarze 
Querbinde legt sich über die Schwanzspitze. Ebenfalls jüngere Vögel, Mitte März bei 
Lenkoran erlegt, haben im Mantel noch graubraune Federn des letzten Kleides (stehen 
im dritten Lebensjahre) und vermausern den Kopf von Weiss in Schwarz. 

Dieses sind die Mittheilungen, welche ich über die verschiedenen Kleider dieser 
Möve machen kann. Ich gebe hier noch die Maximal- und Minimal-Maasse. Die 
Männchen sind gewöhnlich stärker als die Weibchen. Doch giebt es, wie die Tabelle 
zeigt, auch grosswüchsige Weibchen. 


'Maximum.| Minimum. 
Chrovcocephalıs tchlhyaetus. RW iR W. 
| mm | mm 
Motallangen ae. ee Mean, er ae are 680 600 
Flügelbug bis zur Spitze . . . . ... 490 465 
Schwanzlängeran ea se 210 194 
Schnabel, auf der Firste gemessen. . . . 65 55 
arsusten ee 80 76 


Die Flaumjungen vom 20. Mai /1. Juni sind einfarbig weissgrau, etwas ins 
Gelbliche ziehend; keines von ihnen zeigt Federspulen zum ersten Jugendkleide. 
Die grössten Eier messen: Höhendurchmesser: 85 mm 
Breitendurchmesser: 55 
Die kleinsten Eier messen: Höhendurchmesser: 79 
Breitendurchmesser: 46 


” 
n 


” 


Lebensweise und Verbreitung. 
Die ersten meiner Exemplare wurden vom 14. / 26. Februar — 26. Februar / 10. 
März 1873 bei Tiflis an den Schleusen der mechanischen Anstalt des Herrn Schmidt 


erlegt, die dann folgende grosse Suite sammelte ich im Februar und März 1880 bei 
Radde, Ornis caucasica. . 61 


482 Chroicocephalus ichthya&tus. — Chroicocephalus ridibundus. 


Lenkoran. Dort erschienen die ersten dieser schönen Vögel am 17. /29. Februar und 
wurden dann bis zum 10./22. März recht häufig. Im Dezember war die Möve sehr 
selten. Schneereicher und anhaltender Winter hatte jene vier ersten Exemplare land- 
einwärts getrieben. Während meiner früheren Reisen am Westufer des Caspi sah ich 
den Vogel im Sommer nur selten, mehrmals auf der Insel Sari, gesondert von der dort 
gemeinen Larzus leucophaeus lebend. Auch am östlichen Ufer, in der Bucht von Kras- 
nowodsk war diese Möve im Sommer selten. Z. zichthyaötus, die schönste aller 
Möven (im Sommerkleide) bleibt meistens Strandvogel.. Ich habe sie freilich zum 
Fischen am frühen Morgen den Lenkoranka-Fluss auf- und abwärts wandernd angetroffen, 
aber niemals, wie es viele andere Möven-Spezies thun, Wiesen oder Wald besuchen 
sehen. Auf den Fischereien ist sie im Frühlinge ebenfalls anzutreffen und benimmt 
sich ganz wie die anderen Arten, aber hält sich möglichst getrennt von ihnen. So 
war sie zur Zeit des Sanderfanges (Zucioperca) an der Mündung des Kumbascha- 
Baches Ende April sehr häufig und lebte vom Abfalle, der beim Reinigen der vielen 
Fische ins Wasser geworfen wurde. 

Am 20. Mai / 2. Juni besuchte ich die grosse Brutkolonie am äussersten Nordende 
der Insel Sari, wo auf flachstem Muschelboden etwa sechszig Paare dem Brutgeschäfte 
nachgingen. Es gab dort schon Junge, die aber nicht soweit entwickelt waren, als 
die von Z. leucophaeus, deren Kolonie aus vielen Hunderten von Paaren bestand, 
tiefer landeinwärts auf höherem Boden gelegen. Die Eier von 2. ichthyaetus waren 
so stark bebrütet, dass wir nur wenige brauchen konnten, gewöhnlich liegen nur zwei 
im Neste, höchstens drei. Der Brutplatz lag so flach und so weit gegen Norden vor- 
geschoben, dass bei anhaltendem starken Nordwinde er sicher überfluthet worden wäre, 
aber zu dieser Jahreszeit ist der Caspi still. Die vorsichtigen alten Vögel erhoben sich,, 
nachdem einige erlegt waren, ausser Schussweite sehr hoch und kreisten, dabei den 
rauhen, einsylbigen Ruf ausstossend. Zu ihnen gesellte sich Sterna caspia. 


349. Chroicocephalus ridibundus L. 
Russisch: Tschaika (Allgemeiner Name für alle Möven.) 
Tatarisch: Tschagala. 
Armenisch: Woror. 
Systematisches. 
Die Suite besteht aus sechszehn Exemplaren. Ein am 26. Februar / 10. März 
1880 bei Lenkoran geschossenes Männchen trägt am Kopfe und Halse das gemischte 
Gefieder zu gleichen Theilen. Ein später am 10. / 22. März erlegtes Männchen beginnt 
die Mauser zum Sommerkleide erst am Nacken. Vögel, welche in der ersten Hälfte 
des Aprils bei Lenkoran erlegt wurden, tragen am Kopfe das fast fertige Sommerkleid. 
Nur an der unteren Halsseite stehen noch weisse Federn des Winterkleides im Schwarz. 
Ein Weibchen, am 7./19. März 1873 bei Tiflis erlegt, beginnt die Mauser am Kopfe 
zum Sommerkleide.. Am Halse stehen einzelne schwarze, frische Federn im Weiss.. 
Ein altes Männchen vom 10. /22. März (Lenkoran) trägt noch das reine Winterkleid. 
Alle anderen Exemplare, welche im November und Dezember bei Lenkoran gesammelt 
wurden, sind zum Theile alte Vögel im reinen Winterkleide, die Mehrzahl aber junge 
Vögel im Uebergangskleide, bei welchen die braungrauen oberen Flügeldecken die 


Chroicocephalus ridibundus. — Chroicocephalus minutus. — Chroieocephalus gelastes. 483 


Jugend des Individuums bekunden. Die Schnabellänge der Lachmöven ist sehr variabel. 
Auf der Firste gemessen erreicht sie bis 56 mm, so dass in diesem Falle fast die Nor- 
mallänge des Schnabels von Chroicocephalus gelastes gegeben ist. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Nach meinen Erfahrungen ist die kleine Lachmöre am Caspi im Winter gar 
nicht sehr häufig und auch im Sommer gewiss nicht so gemein, wie im südlichen 
Russland und im westlichen Europa. Sie geht oft weit landeinwärts und begnügt sich 
mit flachen Süsswasserlachen. Sie überwintert einzeln auch an den Flüssen. Es 
kommen ab und zu vom Chramflusse während der Wintermonate Lachmöven auf den 
Markt von Tiflis. Den armenischen, hochgelegenen Seen fehlt der Vogel im Sommer 
nicht und brütet dort auch. Im November und Dezember traf ich diese Art am Strande 
bei Lenkoran ab und zu an. Zu dieser Jahreszeit weilen dort sehr wenige Möven. 
Nur sehr selten wurde Chroicocephalus ichthyaetus gesehen und mehrere junge Vögel 
von Larus argentatus erlest. Bei Kumbaschinsk sah ich eben zu dieser Zeit nur ein 
Exemplar von L. canus. Dem gegenüber ist die kleine Lachmöve im Winter doch 
noch die häufigste an solchen Plätzen. Im Schlunde hatten einige Vögel damals nur 
Regenwürmer. Im Februar nahm ihre Zahl sichtlich zu. Manche der Vögel wechselten 
damals schon das Kopfgefieder, andere zeigten noch nichts von der Mauser und fast 
alle hatten schon Füsse und Schnabel intensiv lackroth gefärbt. Bei schlechtem Wetter 
tummelten sich die Lachmöven in den Strassen Lenkorans umher. 


350. Chroicocephalus minutus Pall. 


Von den Zwergmöven erschienen Mitte April auf den Wiesen bei Lenkoran 
kleine Flüge mit schon vermausertem Kopfgefieder. Diese Vögel schwebten versprengt, 
aber doch kleine zusammengehörende Gesellschaften bildend, sehr niedrig über die 
Wasserlachen hin und her. Ich machte damals eine botanische Exkursion und war 
ohne Gewehr und als ich Tags darauf meinen Jäger aussendete, fand er die Vögel nicht 
mehr an den bezeichneten Orten. Es liegt hier kein Irrthum vor. Der gerade 
geschnittene Schwanz und der kleine Wuchs lassen die Art sofort richtig erkennen. 


351. Chroicocephalus gelastes Lichst. 
— Larus tenmirostris Teman. 
— Larus columbinus Golow. 
i Systematisches. 
Von dieser Art brachte ich nur ein Exemplar, welches am 10./ 22. April bei 
Lenkoran am Strande erlest wurde, mit. Der Vogel trägt noch das weissköpfige 


Winterkleid und ist stark lachsrosa auf Brust und Bauch angeflogen. Es ist ein altes 
Männchen. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Ungleich seltener als die kleine Lachmöve ist diese Art ebensowohl an den 


Küsten des Schwarzen Meeres, wie auch auf dem Caspi von mir beobachtet worden. 
61* 


A484 Chroieocephalus gelastes. — Sylochelidon caspia. 


Seiner Zeit, Anfangs der fünfziger Jahre, habe ich den Vogel zu wiederholten Malen 
am Ostufer der Krimm geschossen. Vom Südufer Tauriens wurde er durch Schmidt 
erbeutet. Schatilow*) führt ihn sogar als dort überwinternd . an. Das weite Ver- 
breitungsgebiet dieser Art erstreckt sich vom Senegal über ganz Nordafrika, bis in’s 
südliche Ost-Asien einerseits, andererseits über das gesammte Mediterraneum, Kleinasien, 
Südrussland, den Pontus und Caspi bis nach Turkestan. Am südlichen Caspi ist der 


Vogel durchaus nicht häufig. Es fällt mir auf, dass Bogdanow**) ihn von der 


Nordseite des Kaukasus aus dem Terek-Delta nicht namhaft macht. 


352. Sylochelidon caspia Pall. 


Russisch: Tschegranva. 


Systematisches. 

Ein Dutzend alte Vögel brachte ich mit. Die am 27. März /8. April bei Len- 
koran erlegten Exemplare tragen bereits das fertige Sommerkleid. Dagegen zeigt ein 
Weibchen (12. / 24. Februar) noch viel Weiss, namentlich im Schwarz der Stirn und 
am Nacken. Im reinen Winterkleide besitze ich den Vogel gar nicht. Die meisten 
Exemplare wurden auf der Insel Sariı am 20. Mai / 1. Juni an den Brutplätzen geschossen. 
Die Maasse der Eier sind: 

Höhendurchmesser: grösster 68, kleinster 60 mm 
Breitendurchmesser:: 5 47, R 48 „ 


Lebensweise und Verbreitung. 

Gemein war der Vogel zeitweise an den Mündungen der Lenkoranka Ende März 
während des Zuges der sogenannten Kutum-Fische (Oyprinus cephalus), welchen im 
Wasser der gefrässige Seehund des Caspi folgte, während gleichzeitig in der Luft zahl- 
reiche Silbermöven und die in Rede stehenden Seeschwalben kreisten und hin und her 
zogen. Nun aber stösst keiner dieser Vögel auf die grosse Karpfen-Art, wohl aber 
findet im Wasser der Mündungen der Lenkoranka zur Zeit des Kutum-Zuges ein ganz 
besonders reges Leben statt, von welchem die Vögel profitiren. Man muss das daraus 
schliessen, dass die meisten Möven und Seeschwalben später, nach beendigstem Zuge 
des Uyprinus, sich dort nur in geringer Zahl aufhalten und sehr bald ganz verschwinden. 
Diese grösste und auch wohl schönste aller Sterna-Arten ist übrigens ausschliesslich 
ein Küstenvogel und vermeidet die Wanderungen landeinwärts. Im südlichen Theile 
des Caspi bin ich ihr überall, aber nirgends häufig, im Sommer begegnet. Ich glaube, 
dass die Brutplätze vornehmlich im Wolga-Delta gelegen sind und dass überhaupt für 
die Sommerzeit die untere Wolga und die an ihrem Mündungslande gelegenen Flach- 
ufer des Caspi am stärksten von den Stelzern und Schwimmvögeln bewohnt werden, 
die hier ungestört ihrem Brutgeschäfte nachgehen können und zum Winter eine ver- 
hältnissmässig nur kurze Emigration zu machen haben, um am Südufer des Meeres 
offenes Wasser und reichliche Nahrung in der Bucht von Enseli zu finden. Während 


des ganzen Winters ist mir nur ein einziges Exemplar der caspischen Seeschwalbe in. 


*) Bulletin de la soc. des Nat. de Moscou, 1860, Nr. 4. 
**) Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 182 et sq. 


Be - 


Sylochelidon easpia. — Gelichelidon anglica. — Actochelidon cantiaca. 485 


die Hände gekommen; es wurde am 12. /24. Februar bei Kumbaschinsk erlegt. Am 
6. /18. März fehlten diese und die anderen Sierna-Arten auf den Burani-Inseln noch 
vollständig. 

Die einzige grössere Brutkolonie fand ich am 20. Mai/1. Juni am Nordende 
der Insel Sari, wo diese Art mit Sierna hirundo, mit Larus leucophaeus und Ohroico- 
cephalus ichthyaetus gemeinsam brütete. Doch hielt sich jede Art strenge gesondert von 
der anderen; diese Seeschwalbe lebte zunächst der Silbermöve. Die Zahl der dort 
brütenden Paare der Caspischen Seeschwalbe darf ich kaum über hundert schätzen. 
Sehr kühn stiessen die Vögel auf uns, als wir uns der Kolonie näherten. Nachdem 
aber einige dabei erlegt wurden, hielten sie sich hoch in der Luft ausser Schussweite 
kreisend und schreiend auf. Ihr Ruf ist ausserordentlich rauh. Die Eier waren weniger 
bebrütet als die von Chroicocephalus ichthyaelus. 


353. Gelichelidon anglica Mont. 


Russisch: 7schernonosaja Martyschka, d. h. Schwarzschnäbelige Seeschwalbe. 


Systematisches. 

Das Ende April oberhalb von Lenkoran am Strande erlegte Exemplar trägt das 
Sommerkleid und ist ein altes Männchen. Es ist dies das einzige Exemplar, welches 
ich mitbrachte. Ich habe die Art noch einige Male auch über süssem Wasser beob- 
achtet, sie ist hier aber durchaus selten. 


Lebensweise und Verbreitung. 
Seiner Zeit fand ich diese Art häufig am Ostufer der Krimm, am Caspi ist sie 
viel seltener und nur vereinzelt lebender Strandvogel. 


354. Actochelidon cantiaca Gml. 
Systematisches. 

Mehrere Exemplare dieser Seeschwalbe, zuerst am 4. /16. und 6. /18. April 
und dann vom 19. April /1. Mai bis 24. April /6. Mai bei Lenkoran erlegt, tragen das 
fertige Sommerkleid. Die Schnabellänge variirt bei dieser Spezies sehr. Verglichen 
mit französischen Exemplaren, erweisen sich die Schnäbel meiner alten Caspi-Vögel 
bedeutend länger und in Folge dessen schlanker. Ich messe an diesen: Firstlänge 59 
mm, Mundspalte 75 mm. An einem Vogel aus Südfrankreich messe ich: Firstlänge 48 mm, 
Mundspalte 64 mm. Dieser Vogel (der meinige) trägt das ausgefärbte Winterkleid zum 
ersten Male, ist also zweijährig. Eine verstossene Feder der oberen Flügeldecken des 
Jugendkleides beweist dieses. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Mit der Caspi-Seeschwalbe tummelte sich diese Art an den Mündungen der 
Lenkoranka, doch ist sie nicht häufig. Auch auf der Insel Sari gab es einzelne Paare, 
die dort sicherlich brüten, doch giebt es keine Brutkolonien. Ich beobachtete immer 
nur einzelne Paare; so kommt die Art auch im Frühjahre an, das geschieht in den 
ersten Tagen des April-Monats. 


486 Sterna hirundo. — Sterna minuta. 


355. Sterna hirundo L. 
Russisch: Martyschka. 
Systematisches. : 

Vierundzwanzig Exemplare der gewöhnlichen Seeschwalbe bilden meine kau- 
kasische Suite dieser Art. Auch sie kenne ich nur im fertigen Sommerkleide. Blan- 
ford *) vermuthet ihr Vorkommen am Caspi auch für die Winterzeit. Doch muss ich 
dies wenigstens für die von mir besuchten Gebiete verneinen. Erst Anfangs April 
erschien sie in kleinen Flügen an den Mündungen der Lenkoranka und suchte vor- 
nehmlich die seitwärts von ihnen, dem Strande entlang, sich hinziehenden Wasserbassins 
ab. Vom 4./16. April bis Ende des Monats war sie dort gemein. Die Schnabellängen 
varjiren auch bei dieser Art. Bei Tiflis ist diese Seeschwalbe Sommervogel, wenngleich 
nicht häufig. Ein an den Salzseen erlegtes altes Weibchen (2. / 14. Juni) hat altes, 
weisses Gefieder von der Stirne bis in die Augengegend. Am 22. August / 3. September 
wurde an ebenderselben Lokalität ein junges, ausgewachsenes Männchen geschossen. 
Es trägt das fertige erste Jugendkleid vollständig ausgebildet. Die Eier ergeben fol- 
gende Maasse: Höhendurchmesser: grösster 43, kleinster 41 mm 

Breitendurchmesser: ® 33, 5 29, 


Lebensweise und Verbreitung. 

Die gemeine Seeschwalbe war bei Lenkoran nur zeitweise ziemlich häufig, im 
Allgemeinen ist sie aber nicht gemein. De Filippi”*) hat die gleiche Beobachtung 
gemacht, da er sie nicht mit einschliesst in die vier von ihm als ausserordentlich häufig 
bei Enseli beobachteten Sierna-Arten, nämlich: caspia, hybrida, leucoptera und fissipes. 
Sie geht sammt den eben genannten kleineren Arten tief landeinwärts und brütet auch 
daselbst. Sie kommt, wie Kessler nachgewiesen hat, auch hoch an den armenischen 
Seen (also im Mittel 6300‘) vor. Die Brutkolonie auf der Insel Sari lag etwas höher, 
als die von Sylochelidon .caspia und der beiden Mövenarten. Die Eier, je zu vier, lagen 
frei auf dem Boden zwischen Spergula und niedrigen Salzpflanzen. Die Kolonie mochte 
wohl aus zweihundert Paaren bestehen. Gestört zogen sämmtliche Vögel sofort davon 
und hielten sich ausser Schussweite alle beieinander auf flachem Meeresufer sitzend. 


356. Sterna minuta L. 


Russisch: Malaja Martysehka, d. h. die kleine Seeschwalbe. 


Systematisches. 

Meine Exemplare, welche vom 16. / 28. April bis Ende des Monats bei Lenkoran 
und im Mai auf der Insel Sari erlegt wurden, tragen das fertige Sommerkleid und 
stimmen vollständig mit nordeuropäischen Vögeln überein. Die Schnäbel meiner Exem- 
plare sind etwas kürzer und schwächer, als die der nordischen, welche mir zum 
Vergleiche vorliegen. 


*) Blanford, Eastern Persia, Vol. II, pag. 29. 
**) Journal für Ormithologie. 1876, pag. 189. 


Sterna minuta. — Hydrochelidon hybrida. — Hydrochelidon nigra. 487 


Lebensweise und Verbreitung. 

Auch die kleine Seeschwalbe war bei Lenkoran in der zweiten Hälfte des 
April-Monats ziemlich häufig. Sie zog in kleinen Gesellschaften von 6—8 Individuen. 
Auf der Insel Sari traf ich sie nur paarweise. Sie brütet dort, aber gleich Sierna 
cantiaca nicht in Kolonien, sondern vereinzelt. 


357. Hydrochelidon hybrida Pall. 
— Sterna leucopareia Nallr. 
Systematisches. 

Auch diese Art befindet sich in der Suite meiner Seeschwalben, welche ich aus 
den Umgegenden Lenkorans mitbrachte. Ein Weibchen, von mir am 15. / 27. April 
1866 erlegt, stimmt mit einem Sareptaner gleichen Geschlechtes auf das Genaueste 
überein. Beide Vögel tragen das Sommerkleid. Nordmann*) führt Sterna leucopareia 
Nattr. zwar auf, vereinigt sie aber nicht mit St. hybrida Pall., was neuerdings 
allgemein geschieht "*). 


Lebensweise und Verbreitung. 

Gleich den anderen verwandten kleinen Seeschwalben mit halben Schwimm- 
häuten, wählt auch diese, die grösseste unter ihnen, die Süss- und Brakwasser zu 
ihrem Aufenthalte und vermeidet das Meer. So fand de Filippi die in Rede stehende 
Art ausserordentlich häufig in dem flachen Busen von Enseli, Murdab genannt, welcher 
brakiges Wasser enthält. Bei Lenkoran sammelten kleine Flüge die Süsswasser- 
niederungen ab. 


358. Hydrochelidon nigra Briss. 
— Sterna fissipes L. 
— Sterna naevia Pall. 
Systematisches. 

Dass diese Seeschwalbe im Innern des Isthmus brütet, beweisen mehrere junge 
Vögel, welche an dem Salzsee unweit von Tiflis am 23. August / 4. September erlest 
wurden. Diese tragen das erste Jugendkleid. Auch von dieser Art, wie von den 
meisten Seeschwalben muss ich behaupten, dass sie in den grossen Deltas der beiden 
nördlichen Stromsysteme an der Nordseite des Grossen Kaukasus, dem Kuban und 
Terek, viel häufiger sind, als in den Transkaukasischen Ufergebieten. Bei Lenkoran 
waren Hydrochelidon nigra und leucoptera durchaus nicht häufig. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Nicht selten flogen einzelne Exemplare von der weissflügeligen Seeschwalbe mit 
den schwarzen zusammen. Ende April verschwanden diese Vögel ganz aus den Ebenen 
von Talysch. In einer Höhe von mehr als 6300‘ über dem Meere habe ich diese Art 
nicht gefunden. Sie ist Sommervogel am Goktschai. 


*) Demidow, Voyage etc., Tome III, pag. 278. 
**) Vergl. Blasius und Keyserling, sowie Hand-list of birds, Part III, pag. 121, Nr. 11071. 


488 Hydrochelidon fissipes. — Puffinus anglorum. — Podiceps eristatus. 


359. Hydrochelidon fissipes Pall. 
— Slierna leucoptera Meissn. el Schinz. 


Systematisches. 
Ein schönes, ausgefärbtes Pärchen von den Tifliser Salzseen wurde für das 
Museum präparirt; das Weibchen wurde am 26. April/8. Mai, das Männchen am 29. 
Mai / 10. Juni geschossen. Beide Vögel sind alt und tragen das schöne Prachtkleid. 


Lebensweise und Verbreitung. 
Diese und die schwarze Seeschwalbe ziehen zeitweise sehr weit landeinwärts 
und brüten im Innern des Isthmus. Ich beobachtete beide Arten zu wiederholten 
Malen im Mai in der Suram-Ebene an den hier und da dort vorkommenden Lachen. 


360. Puffinus anglorum Temm. 


Ich kenne diese Art nur nach dem Zeugnisse Nordmann’s für das Schwarze 
Meer und nach dem neuesten von Bogdanow*) für den Caspi. Ich selbst sah diesen 
Vogel niemals. 


Subordo IV. 


Urinatores 


361. Podiceps cristatus L. 

Russisch: Chochlatyi Nyrex. 

Tatarisch: 7schomga. 

Armenisch: Susak. 

Systematisches. 
Im Prachtkleide brachte ich die Vögel von Lenkoran mit, sie wurden Ende 

März und im April erlegt. Im Winterkleide besitze ich sie ebenfalls von dort in grosser 
Anzahl und auch aus der Umgegend von Tiflis. Diese Vögel wurden im November und 
Dezember erlegt. Die Exemplare, meistens Männchen, sind alle typisch gefärbt. Jungen 
Männchen fehlt im Winterkleide der zweiflügelige Ansatz zur Haube auf dem Kopfe 
nicht und Andeutungen dazu bemerkt man auch an den Seiten des Halses. Alte 
Männchen besitzen auch im Winter eine recht bedeutende und schwarzgrau abgesetzte 
Haube. Schon Ende März trugen die Männchen bei Lenkoran den ausgebildeten Hals- 
und Kopfschmuck des Hochzeitskleides. Ein altes Weibchen im Winterkleide (20. No- 
vember /2. Dezember) fällt dadurch auf, dass die oberen Flügeldecken alle hell rostroth 
sind und nur matte und undeutlich umgrenzte, graue Centralfelder besitzen. Ein am 
18. /30. November erlegtes junges Weibchen trägt das erste Jugendkleid mit den seit- 
lich am Halse hinziehenden, schwärzlichen Längsbinden. Die Eier dieses Steissfusses 


*) Bogdanow, Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 182, Nr. 309. 


Podiceps eristatus. — Podiceps rubricollis. 489 


variiren bedeutend in der Form. Gestreckte, an beiden Enden fast gleichgewölbte, sind 

die typischen, doch giebt es auch kurze, gedrungene, breit ausgebuchtete. Ich messe: 
Höhendurchmesser: grösster 54, kleinster 51 mm. 
Breitendurchmesser: 39) 5 36, 


Lebensweise und Verbreitung. 

Diese Taucher sind ungemein häufig an manchen Lokalitäten. Im Herbste und 
Frühjahre waren sie es bei Lenkoran, woraus ich schliesse, dass sie häufig in den 
Süsswasserniederungen dort brüten. Bei Lenkoran vermissten wir sie seit der Mitte 
Aprils; die Brutplätze, wohin sie sich begeben hatten, liegen in den unzugänglichen 
Geröhren der Akuscha und unteren Kura. Im Winter, zumal, wenn es oben am Pontus- 
Gestade recht kalt wird, ziehen sich alle Podiceps-Arten an das Südgestade und suchen 
vornehmlich den SO.-Winkel an den Rionmündungen auf. Hier wurden sie in den 
Jahren 1870—72, so lange die Mode Bedürfniss nach den Brustfellchen der Vögel hatte, 
in grosser Zahl getödtet und wurde diese Jagd zu einem ganz lukrativen Geschäfte für 
manche Jäger. Mitte November waren diese Steissfüsse bei Lenkoran nicht sehr häufig, 
nahmen aber an Zahl dort im Dezember ungemein zu. Erst Mitte Februar verminderten - 
sie sich und schon Anfangs März traf man sie nur sehr vereinzelt an. In den oben 
erwähnten Jahren belief sich die Ausbeute bei Lenkoran auf über 3000 Stück, die einen 
Werth von circa 10000 Rubeln damals als Modevögel repräsentirten. Jetzt ist das Fell 
wieder werthlos und wird nur zum Rupfen beschafft, es hat einen Werth von nur 10 
Kop. Den armenischen Seen fehlt der Vogel im Sommer nicht. Ein Exemplar im 
Prachtkleide besitzt Herr Grosmani vom Goktschai-See. In den Sümpfen von Gilli 
brütet diese Art alljährlich. 


362. Podiceps rubricollis Lath. 
— P. suberistatus Jacq. 


Systematisches. 
Am 1. /13. November 1864 wurde ein Exemplar auf dem Markte von Tiflis 
gekauft, welches noch die seitlichen Leibesfedern vermauserte. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Ich kenne diese Art vom Meere bei Baku, wo sie aber im Sommer selten war. 
Nordmann*) führt sie als recht gemein auf dem Schwarzen Meere an. Bogdanow **) 
kennt sie als sehr gemein vom Kuban und Terek her. Es ist um so auffallender, dass 
ich sie aus den Talyscher Niederungen gar nicht besitze. Sicherlich wäre uns diese 
Steissfussart zu Schusse gekommen, wenn sie sich dort aufgehalten hätte. 


*) Demidow, Voyage ete., Tome III, pag. 304. 
*) Bogdanow, Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 179, Nr. 300. 


Badde, Ormis caucasica. 62 


490 Podiceps cornutus. — Podiceps auritus. 


363. Podiceps cornutus Lath. 
= P. caspieus Gml.*) 
— P. auritus L. 


Systematisches. 

G. R. Gray vereinigt in seiner Hand-list of birds **) den Podiceps cornutus Lalh. 
und somit auch den P. caspieus Gmi. mit dem P. auritus L., worin ihm auch Blan- 
ford ***) folgte. Dagegen wird von beiden Autoren P. auritus Laith. als P. nigrieollis 
Sundev. aufgeführt. Ich behalte die älteren Namen bei. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Ich besitze den Vogel nicht, habe ihn aber auf dem Caspischen Meere beob- 
achtet. Mene6triesf), welcher den P. caspicus getrennt wissen will vom P. cornutus, 
worin ihm Niemand gefolgt ist, erwähnt diese Art als gemein bei Baku. Aus den 
Deltas des Terek und Kuban führt ihn Bogdanowfy) als äusserst häufig auf. 


364. Podiceps auritus Lath. 
— P. nigricollis Sundev. 


Systematisches. 


Ein Weibchen im Winterkleide wurde im November 1868 bei Tiflis erlegt. Der 
schwache, deutlich etwas auf der Mitte der Firste eingebuchtete Schnabel, welcher da- 
durch als nach oben gebogen erscheint, lässt die Art auch in diesem unscheinbaren 
Kleide gut erkennen. Verhältnissmässig ist der Schnabel noch schwächer, als bei 
P. minor. Dieses Exemplar besitzt an den Kopfseiten gar keine bräunlichen Federn. 
Der ganze Vorderhals ist schmutzig grau und hier und da in Weiss gesprenkelt. In 
der Sammlung des Herrn Grosmani befindet sich ein Exemplar im Winterkleide vom 
Goktschai-See. 


Lebensweise und Verbreitung. 


Es bleibt mir bis dato ein wahres Räthsel, dass ich bei Lenkoran ausser dem 
gehäubten Steissfusse und dem Zwergsteissfusse keine andere Art dieses Geschlechtes 
erbeutete. So gemein wenigstens zur Winterzeit die beiden erwähnten Arten waren, 
so fehlte es dennoch vollkommen an einer oder der anderen der drei sonstigen Spezies. 
Ich darf nicht voraussetzen, dass sie übersehen wurden. Es fällt dieser Mangel an den 
mittelgrossen Steissfussarten um so mehr auf, als sie an der Nordseite des Grossen 
Kaukasus in dem Delta des Terek und zum Theile auch auf dem Meere bis Baku 
gemein sind. 


*) Menötries, Catalogue raisonne, pag. 54, Nr. 183. 
**) ]. c. Part III, pag. 93, Nr. 10751. 
***) Blanford, Eastern Persia, Vol. II, pag. 304. 
'r) Catalogue raisonne, pag. 54, Nr. 183. 
rt) Bogdanow, Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 179, Nr. 301. 


Podiceps minor. — Colymbus arcticus. 491 


365. Podiceps minor Lath. 
Systematisches. 

Ein junger Vogel, welcher im August 1868 bei Tiflis erlegt wurde, vermausert 
die Halsfedern und legt das erste Winterhabit an. Zehn Zwergsteissfüsse wurden vom 
12./24. November bis 28. November / 10. Dezember bei Lenkoran erlegt. Wir hätten in der 
erwähnten Zeit leicht an hundert Exemplare präpariren können und darf ich annehmen, 
dass diese Vögel hier nach dem Zuge ihr Ziel erreicht hatten und zum Winter blieben. 
Gleich dem Haubensteissfusse brütet auch diese Art an der unteren Akuscha im hohen 
Rohr. Ich messe die Eier: Höhendurchmesser: 40 mm. 

Breitendurchmesser: 28 „ 


Lebensweise und Verbreitung. 

Diese Art frequentirt vornehmlich das Süsswasser, zumal die entlegenen und im 
Sommer nicht austrocknenden Plätze, sie ist im Winter bei Lenkoran die gemeinste 
Art, in zwei Tagen wurden 15 Exemplare erlegt. Die Vögel leben dann im Rohr, im 
Januar schon wurden sie seltener und später sah ich sie gar nicht mehr. 


366. Colymbus areticus L. 
Russisch: Gagara. 
Armenisch: Hoyamach. 
Systematisches. 

Der Beweis liegt vor, dass diese nordische Art auch Sommervogel unter dem 
39° n. Br. ist. Vom Caspi brachte im Mai 1870 Herr Baron von Meyendorff diese 
Colymbus-Art im Prachtkleide mit. Der schlecht gebalgte Vogel war zur Noth noch 
zu restauriren und befindet sich jetzt im Museum. Das Geschlecht desselben war nicht 
angegeben, aber der Vogel gehört zu der schon von Blasius und Keyserling*) be- 
sprochenen kleinwüchsigen Varietät, weshalb ich hier seine Maasse gebe: 


Schnabellänge auf der Firste gemessen . . 56 mm. 
Mundspaltenlangesua. 20.4 san gay: 
Rotallängen van. Bla LO 
Blügellangegss es. a er = Z20DR 
Schwanzlänge . . . . . Dee, 


Zwei alte Männchen wurden am 18. /50. November auf dem Meere bei der 
Insel Sari geschossen. Sie tragen das fertige, unscheinbare Winterkleid. 


Lebensweise und Verbreitung. 

Für die Sommerzeit ist dieser Taucher gewiss eine Seltenheit auf dem Caspi 
und glaube ich nicht, dass solche zurückgebliebene Individuen zugfähig waren. Uebrigens 
hat Nordmann **) das Vorkommen des Polartauchers im Schwarzen Meere bis tief ins 
Frühjahr bereits nachgewiesen. Im Winter dagegen ist dieser Taucher auf oflenem 
Meere nicht so selten und wurde schon Mitte November aus der Kumbaschinskischen 


*) Die Wirbelthiere Europas, XC], als Colymbus baltieus Hornschuch und Schrlling genannt. 
**) Demidow, Voyage etc., Tome III, pag. 306. 
62* 


492 Colymbus areticas. — Colymbus septentrionalis. 


Bucht mehrfach erlegt. Auffallend war es mir, dass ich ihn später niemals mehr erhielt. 
Auch während meiner Reise von Baku nach Lenkoran (4. / 16. Februar) und bei der 
Exkursion zu den Burani-Inseln (6. / 18. März) habe ich keine Colymbus-Art bemerkt. 


367. Colymbus septentrionalis L. 
Nordmann*) führt eben diese Art als häufigen Wintervogel für den Pontus 
an, Bogdanow ”*) sagt, dass sie in grosser Zahl auf dem Caspi, namentlich in seinem 
südwestlichen Theile, überwintere. Von uns wurde der Vogel dort nicht angetroffen. 


*) Demidow, Voyage etc., Tome III, pag. 305. 
**) Bogdanow, Die Vögel des Kaukasus (russ.), pag. 179, Nr. 297. 


Zur Geographie der Kaukasusländer, 
eine physiko-geographische Skizze. 


Ich deutete in der Einleitung Seite 14 u. folg. bereits darauf hin, dass der 
Vogel, wie überall, so auch im Kaukasus, in seinen Lebensverhältnissen und nament- 
lich in seinen Wanderungen ausserordentlich abhängig ist von der Gestaltung des 
Landes, in welchem er, sei es beständig, sei es nur zeitweise, lebt, und dass er es ist 
trotz seiner grossen Beweglichkeit, in der es ihm ja kein Luftathmer, auch nicht einer 
aus dem unermesslichen Reiche der beflügelten Insekten nachthun kann. Ja, gerade 
die Richtungen der streichenden und wandernden Vögel werden in unserem Gebiete 
vornehmlich bedingt: einmal durch die erzwingende Hauptrichtung der Gebirge, dann 
auch zweitens durch die Lage der geräumigen Binnenmeere und die Stellung der zu 
ihnen mündenden Hauptthäler mit ihren Flüssen. Wir werden also hier, um jene Be- 
wegungen der Vogelwelt richtig beurtheilen zu können, die geologisch-orographischen 
Elemente näher zu erörtern haben und dann unseren Blick der dadurch mitbedingten 
Hydrographie des Landes zuwenden. Es kann ein solches Gesammtbild für unseren 
Zweck nur in wenigen, aber scharfen Charakterlinien gezeichnet werden, und an diese 
mögen sich dann ergänzende Tabellen und Skizzen über die verschiedenen Gesammt- 
typen schliessen, wie sie sich nach Temperatur und Bodenbeschaffenheit in den be- 
treffenden Meereshöhen ausbildeten, um der lebenden Kreatur und namentlich dem Vogel 
zur Heimath zu werden, welche er entweder beständig in behäbigem Dasein bewohnt, 
oder zeitweise, getrieben vornehmlich von Nahrungssorgen, verlässt, um nach den 
wechselnden Jahreszeiten sie immer wieder aufs Neue zu besuchen. 

Denkt man sich in der Richtung NW.—SO. eine gerade Linie gezogen von dem 
kleinen Orte Taman (45° 13°’ n. Br., 54° 23°. Lg. v. F., 444‘ *) hoch) vis-A-vis von Kertsch ge- 
legen, nach der reichen Naphta-Stadt Baku (40° 22‘ n. Br., 67° 35‘ 6. L. v. F.) am Caspischen 
Meere, so giebt diese, indem sie die beiden etwa 150 geogr. Meilen von einander entfernt ge- 
legenen Plätze verbindet, mit einer Winkelgrösse von 28° gegen SO., die Hauptrichtung des 
kolossalen Gebirgsstockes an, den man gewöhnlich schlechtweg als Kaukasus bezeichnet, 
besser aber als Grossen Kaukasus benennen muss, da man mit letzterem Namen 
sofort den Gegensatz zu dem Anti- oder Kleinen Kaukasus in Erinnerung bringt. Denn 


*) Diese Höhe gilt dem Signalpunkte der Triangulation. Der Ort selbst liegt viel tiefer. 


494 Zur Geographie der Kaukasusländer. 


dieser Gegensatz ist es, den man sich gleich zu Anfang klar machen muss, wenn man 
eine allgemeine, naturwahre Anschauung von Transkaukasien anstrebt, die als unab- 
weisbare Grundlage aller anderen Betrachtungen erforderlich ist, welche den physischen 


Verhältnissen des Landes gelten sollen. Hier — also im Grossen Kaukasus — ein weithin 
zusammenhängendes, wenig gegliedertes Kamm- und Kettengebirge; dort — also im Anti- 
oder Kleinen Kaukasus — ein Randgebirge im Wesentlichen mit paralleler Richtung, 


dem sich unmittelbar gegen Süden Hochplateaus anschliessen. Hier, im Grossen Kau- 
kasus: schmale Wasserscheiden und Pässe, tobende Gletscher- und Wildbäche mit jähem 
Falle; dort, im Kleinen Kaukasus: Süsswasser-Seen in der Randzone, stagnirende Quellen 
auf der breiten Scheitelfiäche der Hochebenen. Hier Tiefsteppen gegen Norden, dort 
Hochsteppen gegen Süden und zwischen beiden Gebirgen zwei tiefe Thäler NW.—SO. 
(Aras und Kura). 

Mit einem Schlage wird im Süden dieses Grossen Kaukasus Alles anders, als 
es im Norden von ihm war. Die unabsehbare Steppe, welche im Manytschsysteme in 
der ponti-caspischen Depression ihre niedrigste Höhe besitzt und gegen Süden dann all- 
mählich sich hebt, findet am Nordfusse des Grossen Kaukasus eine scharf geschnittene 
Umgrenzung. Es kann dabei nicht in Betracht kommen, dass die Wirkungen der einstigen 


Thätigkeit des mächtigsten aller Vulkane an der Nordseite des Gebirges — des Elbrus 
18571‘ — in der weit gegen Norden unter wenig östlicherem Meridiane vorgeschobenen 


vulkanischen Beschtau-Gruppe klar zu Tage treten; ja, dass sie sogar als hebende 
Ursachen in den etwas westlicher und weit nördlicher gelegenen Höhenrücken Stawropols 
(2000°) sich noch nachweisen lassen. Das ganze ungeheure Gebiet, in seinem Anschlusse 
gegen Norden an die Tiefländer des Don und südlichen Russlands, trägt den ausge- 
prägten Typus der Tiefsteppen, der bis zum Fusse des Grossen Kaukasus selbst in 
Meereshöhen von 2000° (Wladikawkas) oft ganz rein erhalten blieb. Jene Beschtau- 
Gruppe mit den 5 Hauptgipfeln. deren höchster 4585‘ misst, liegt gleich einem nahe- 
gerückten Inselkomplex im Steppenmeere und die höher gegen Norden gelegenen, flacher 
und flacher werdenden, breitrückigen Stawropoler Höhen, die Scheide zwischen den 
Wassern des Kuban, der Kuma und den wasserarmen Zuflüssen des Manytsch bildend, 
erreichen selbst auf ihren Kulminationshöhen kaum 2000‘ absoluter Höhe und ver- 
schwinden nach und nach ganz. So auch steht weiter östlich das mächtig gegen Norden 
entwickelte Dagestan’sche Gebirgsland mit seinem vortretenden Fusse zur Sundsha und 
zum Unterlaufe des Terek in der Steppe, die sich vor den steilwandigen, gegen Norden 
geöffneten Schluchten, denen der reissende Sulak und zahllose dem Terek tributäre 
Bergwasser entströmen, unabsehbar hindehnt. 

Ganz anders ist das an der Südseite desselben Riesenstockes. Ihm vis-ä-vis 
stehen hier am fernen Horizonte die Contreforcen des Anti- oder Kleinen Kaukasus als 
die meistens schroffen Nord-Abstürze der weithin zusammenhängenden Hochplateaus, 
welche als iranische und armenische Massenerhebungen durch hohe aufgesetzte, mehr 
oder weniger isolirte Riesenvulkane gekrönt erscheinen und erst weit westlich von der 
lang gestreckten Ebene von Erzerum sich in dieser Richtung allmählich absenken. 
Östwärts aber fallen sie rascher ab und verschwinden mit ihren letzten Verflachungen 
im Anschlusse an die Karabagher Meridiankette in den Araxes-Kura-Niederungen. Ihre 
breiten Scheitelflächen neigen sich gegen Süden nur allmählich und dienen in ihrem 
hohen Centraltheile dem Euphratsysteme zur Wiege. Diese erwähnten schroffen Nord- 


Zur Geographie der Kaukasusländer. 495 


abstürze stehen als deutlichstes Randgebirge, mit einer durchschnittlichen Kantenhöhe 
von 6—8000' über dem Meere, dem Grossen Kaukasus, der ein wenig gegliedertes 
Kamm- und Kettengebirge ist, gegenüber. Seine Gipfelhöhen liegen im Central- 
theile überall in der Eiszone, seine Pässe hier in 8—12000' Meereshöhe. Nur an einer 
Stelle, im Meridiane von 61° (das Zwischengebirge wird von diesem durchschnitten) sind beide 
Gebirge verbunden und zwar durch den in seiner Basis granitischen Meskischen Stock. 
Dieser Stock, die Systeme des Rions (Phasis im alten Colchis) von denen der Kura 
(Cyrus in Rartalinien) trennend, zweigt sich hoch oben an der Südseite, nahe von den 
äussersten Rion- und Liachwa-Quellen im mächtigen Sikara (42° 34° 4,4“ n. Br., 61° 36° 
31.3“ ö. Länge, 12570‘) vom Grossen Kaukasus ab und erstreckt sich gegen SSW. bis zur 
Kura, welche hier aus enger Gebirgsschlucht, ım Charakter eines tobenden Gebirgs- 
flusses, hervortritt in die obere Kartalinische Ebene. Ihr rechtes Ufer bilden die jähen 
Abstürze des Kleinen Kaukasus, welche den Namen Thrialeti annehmen. Ihr linkes Ufer 
wird durch die Meskischen Ausläufer in ihrem Anschlusse an das Achalzicho-Imeretinische 
Scheidegebirge gebildet. Dieses letztere aber ist im orographischen Sinne nur die 
WO.-Fortsetzung der speziell so genannten Pontischen Uferkette, eines nahe vom Süd- 
ufer des Schwarzen Meeres hinziehenden, subordinirten, überall stark bewaldeten Ge- 
birges, welches durch das Massiv des Arsian seinen Anschluss mit dem eigentlichen 
Randgebirge findet und von da an sich mit Gipfelhöhen von 8—10000‘ direkt in west- 
östlicher Richtung erstreckt. Dagegen umfasst das eigentliche Randgebirge in weitem 
Bogen die gegen SW. breit gespreizte Quellgabel des Tschoroch. Es bildet da zugleich 
den hohen südlichen Rand der im Mittel 6100° über dem Meere gelegenen Ebene von 
Erzerum, in deren östlichem Winkel der nördliche Taurus sich ihm, von Süden kommend, 
anschliesst. In seinem weiteren Verlaufe, bei einer Hauptrichtung gegen Osten, dominirt 
dieses Randgebirge den nördlichen Saum der Ebene von Ardagan, in welcher sich die 
Gölü-Wasser zu einer der Kuraquellen vereinigen und wird dann am Ost-Ende dieser 
Ebene von den mächtig andrängenden Fluthen dieses Flusses durchbrochen. In seiner 
ferneren Hauptrichtung folgt es mit den wenig in den Gipfeln variirenden Randhöhen 
wesentlich dem Laufe des Flusses, zunächst zu seinem rechten Ufer unmittelbar steile, 
tief eingerissene Querthäler entsendend, bis mit dem Eintritte in die Suram-Ebene das 
Hauptthal der Kura sich plötzlich verbreitert und wir bis unterhalb Gori den schnee- 
und eisgekrönten Grossen Kaukasus als Ossetische Alpen gegenüber vom Kleinen Kau- 
kasus, dem Trialetischen Gebirge, meistens bewaldet aber schneefrei, stehen sehen. 
Getrennt sind beide durch die an manchen Stellen mehrere Meilen breite fruchtbare 
Ebene von Suram, welche einstens entschieden vom Wasser bedeckt war. 

Wiederum, und zwar schon wenig unterhalb von Gori, treten die letzten Ver- 
flachungen des Grossen Kaukasus den steileren Abstürzen des kleinen Kaukasus nahe. 
Bis zur Einmündung der reissenden Aragwa im Meridiane von 62° 21‘, welche direkt 
von N. gegen S. von den Südfronten des Hauptgebirges kommt und die kalten, meistens 
klaren Gebirgswasser bei dem historisch berühmten Mszchet, dem einstigen Sitze der 
georgischen Könige, mit den trüben Cyrusfluthen vereinigt — giebt es nur wenig 
Flachland und die Kulturen sind meistens auf die schmalen und hochgelegenen lehmigen 
Ufer der Kura angewiesen. Von nun an, gleichzeitig mit der etwas mehr nach SO. 
abweichenden Richtung des Flusses, bildet sich bald ein breites Hauptthal mit Flach- 
ufern. Wenn auch noch etliche Meilen unterhalb von Tiflis die stark verworfenen 


496 Zur Geographie der Kaukasusländer. 


Schieferufer des Trialeti bis unmittelbar zum Flusse treten und ein grosser Theil der 
Stadt selbst auf diesen Steilufern steht, so lassen die flacheren Absenkungen der Süd- 
seite des Grossen Kaukasus auf linkem Ufer doch viel mehr freies Land, und die Bildung 
geräumiger Ebenen nimmt weiterhin gegen Osten mehr und mehr zu. Schon wenn 
man die letzten Vorberge der Jora-Uferhöhen in dieser Richtung passirt hat, dehnen 
sich unabsehbare Flächen gegen Osten und man befindet sich hier schon, obgleich noch 
mehr als fünfzig Meilen von der Mündung, am Beginne des Unterlaufes der Kura; denn 
ihr Gefälle wird nun gleichmässig, sie hat nur noch einmal unbedeutende Terrain- 
schwierigkeiten bei Mingetschaur zu überwinden, schleicht dann im vielgewundenen 
Bette in der Hauptrichtung OSO. in dem immer breiter und breiter werdenden Thale 
fort, bis die trägen, lehmigen Fluthen, die Araswasser aufnehmend, ins Caspische Tief- 
land treten, welches am Meeresufer bekanntlich 85° unter dem Niveau des Oceans 
gelegen ist. 

Aus der breiten Sohle des unteren Kurathales, abwärts noch von Elisabethpol, 
gewinnt man an sonnigem Novembertage, zumal früh Morgens, wenn die kalte Nacht 
das wenige Wasser der Luft als Reif niederschlug und das Auge weit und frei in der 
dünnen Atmosphäre umschauen kann, den belehrendsten Ueberblick auf die Landschaft 
und kann dabei aufs Deutlichste ihren orographischen Charakter erkennen. Vom Rande 
eines undurchdringlichen Pflanzen-Massivs, welches 10—12° hoch wachsender Anuındo 
donaxz bildet und in dessen Nähe sich der niedrige Jongeltypus (Rubus fruticosus) 
gewöhnlich entwickelt, blickt das Auge zunächst gegen Süden und Westen über die 
fahlgelbe Kura-Ebene, die hier und da nur ein Gebüsch, eine Maulbeerplantage oder 
eine vereinzelt stehende Eiche trägt, welche dem kappenden Beile des Tataren nicht 
verfiel. 

Und es schweift darüber fort weiter und weiter zum Horizonte. Schon ver- 
hüllen fernlagernde Dünste den Fuss des kontinuirlichen Randgebirges, aber klarer und 
klarer tritt es in duftiger Ferne in milden, violetten Farbentönen als äusserste, hoch- 
ragende Umgrenzung des Sehfeldes hervor, noch dominirt in dieser Jahreszeit durch 
mächtige Schneespitzen in weitester südlicher Richtung. Das ist das schon oft er- 
wähnte Randgebirge in seiner östlichen Fortsetzung; wir sehen von hier aus seine 
allmählichen östlichen Abflachungen und sein endliches Verschwinden in der Ebene 
zwischen Kura und Araxes: wir sehen auch in den erwähnten dominirenden Schnee- 
gipfeln das südlich sich am Ostufer des Goktschai-Sees in mächtigem Knoten ihm an- 
schliessende Karabagher Meridian-Gebirge, welches hier gerade seine bedeutendsten 
Gipfelhöhen im Koschkar, 11085‘. und im Ginaldagh, 11298‘, besitzt und welchem für 
unseren Standpunkt das Randgebirge gleichsam vorlagernd erscheint. Seine östlichen 
Verflachungen, im Vereine mit den Ostfronten des Karabagher Gebirges, verlieren sich 
in den wenig bevölkerten, ungesunden Tiefsteppen, welche in stumpfer Keilform zwischen 
Kura und Araxes sich hinziehen und die bei Dshewat, dem Vereinigungspunkte beider 
Flüsse, nur noch 45‘ über dem Caspi, also 40’ unter dem Ocean, gelegen sind. 

Und wenn man sich wendet, dem Auge freien Jıauf gestattet gegen Norden von 
W. nach O., so überschaut man einen stattlichen Theil, ja fast die Hälfte der Südfronten 
des Grossen Kaukasus und steht gerade hier vor derjenigen Parthie dieses riesigen 
Kettengebirges, in welcher sein durchgreifender orographischer Charakter am deutlichsten 
zum Ausdrucke kommt. Das ist der Mangel vermittelnder Vorketten und die Bildung 


Zur Geographie der Kaukasusländer. 497 


von Längenthälern. _ Gerade hier fällt die Dagestanische Hauptkette gegen Süden ganz 
steil auf eine weite Strecke hin zum Thale der Kura ab. Eıst im Quellgebirge des 
wasserreichen Kachetischen Alasan und der Jora wächst die Masse auch an ihrer Süd- 
seite in die Breite, aber beide Hauptzuflüsse stürzen doch in engen Querthälern hin 
und ihre nachbarlichen Unterläufe, zwischen welche sich die im Mittel 1300° hohe 
Schirak-Steppe legt, befinden sich in vielgewundenen Betten, ganz im Charakter des 
Hauptflusses, dem sie in der Ebene zueilen. Konnte man bei dem ersten Blicke gegen 
S. und W. kein Ende für das Auge finden und verschwand dort vor dem suchenden 
Blicke in weitester Ferne das Randgebirge auf den Quellhöhen der Akstafa, so gelingt 
es ihm hier, gegen N. und W. gewendet, noch jenseits der unverkennbaren, stumpf- 
konischen Gipfelhöhe des 16545‘ hohen Kasbek, dessen westlichere Ossetische, ja sogar 
Suanische Riesennachbarn zu erspähen. 

Noch belehrender für die Gesammtauffassung transkaukasischer Bodenplastik 
ist ein allgemeiner Ueberblick des Landes von den Höhen des Randgebirges selbst. 
Aber auch dabei hängt Alles von der Klarheit des Bildes ab und diese wird bedingt 
durch die Beschaffenheit der Luft. Im Sommer wird man wohl nur äusserst selten eine 
solche weitumfassende Orientation haben, im Spätherbst und Frühwinter fast stets; dann 
ist die Atmosphäre unglaublich dünn und rein. Natürlich ist es Bedingung, ein wald- 
loses Gebiet des Randgebirges zu besteigen, um weithin Aussicht zu gewinnen. 

Als ich 1879 Anfang November mich für kurze Zeit zu den berühmten Kupfer- 
werken der Gebrüder Siemens, Kedabeg, begab, welche im Quellgebiete des Schamchor 
gelegen, da gewann ich einen solchen Ueberblick und schrieb in mein Tagebuch 
Folgendes nieder: Die Höhe an der Nordseite des Randgebirges, welche als Juchara- 
Aiplinsk benannt wurde und welche bei einer Höhe von 4000° über dem Meere das tief 
unten gegen Norden gelegene Kurabette um kaum 3500‘ überragen mag, erreichten wir 
gegen Mittag. Es war klar und die dünne, trockene Herbstluft bedingte für die Fern- 
sicht volle Deutlichkeit. Das ganze gewaltige Panorama gegen Norden lag vor unseren 
erstaunten Blicken. Mehr als die Hälfte der Südseite des imposanten Grossen Kaukasus 
überblickt man von hier. Gegen NW. hin strahlt der Kasbek mit stumpfer Eiskrone 
hoch dominirend aus der Firn- und Schneezone der Kammregion hervor. Ohne Mühe 
verfolgt das Auge die von ihm gegen NW. hinstreichenden Ossetischen Alpen und bei 
vortheilhafter Beleuchtung, wenn kein Wolkengebilde der Sonne den Weg verlegt und 
die SO.-Fronten das volle Licht auffangen, unterscheide ich im Suanischen Hochgebirge 
noch einzelne, mir wohlbekannte Partien; ja es schimmert in fernster Ferne eine Masse 
weiss auf, die, wenn ich sie nicht als dem Elbrus angehörend betrachte, ich der Ushba- 
Gruppe vindieiren muss. Und nun direkt vor mir gegen Norden! — Ich orientire mich 
rasch in den Chewsurischen Alpen, von denen der, gleich Kasbek und Elbrus, freilich 
gegen Norden vortretende Tebulos-mta nichtsdestoweniger mir immer als Centrum hier 
gilt, welchem sich die Gletscher der Kette des Tuschenlandes anschliessen. Dann folgt 
östlicher der wilde, zerrissene Dagestan, zunächst durch den isolirten Bogosstock gekenn- 
zeichnet. Ueberall liegt jetzt viel Schnee und weiter östlich schauend überblicke ich 
noch die Höhen im Norden von Schemacha. Vor diesem grossartigen Bilde zieht sich 
an der Südfronte der Kaukasischen Alpen die wohlmarkirte Baumgrenze, meistens auf 
niedrigerer Vorkette liegend, hin, die zwischen Jora und Alasan mehr in die Breite wächst 


und überall auf den Höhen stattlichen Laubwald trägt. Noch näher dem Auge treten 
Badde, Ornis caucasica. 63 


498 Zur Geographie der Kaukasusländer. 


dann zwei, den Anschluss zum Kurathale vermittelnde, nackte, sonnenverbrannte 
Terrassen entgegen, deren vordere, zum Kuralaufe steil abstürzend, hier von Tausenden 
paralleler Regenwasserrinnen zerschnitten und gefurcht erscheint und in dem sehr auf- 
fallenden Eldar-usch-Kegel immerhin noch die Höhe von 2000‘ über dem Meere erreicht. 
Nunmehr folgt, tief unter uns zu Füssen gelegen, das breite Kurathal, in Gelb und 
Grau zur Winterzeit gemalt und gekennzeichnet durch hie und da aufblinkenden 
Wasserspiegel, dem entlang ein schmaler Waldrand folgt, dessen Gedeihen in heisser 
Gegend nur durch die beständige und unmittelbare Wasserverdunstung des Flusses zu 
erklären ist und wo die Zitter- und Schwarzpappeln oft in Riesenformen sich zur Eiche 
gesellen, die alle jetzt ihr Laub noch tragen. Weiterhin vom Flusse, zumal seinem 
rechten Ufer entlang, dehnt sich ebene Steppe. Ab und zu wird ihr hellgelbes Kolorit 
durch schwärzliche Flecken unterbrochen ; dies sind die Kultur-Oasen mit den mensch- 
lichen Ansiedelungen. Ohne Mühe kann zu dieser Jahreszeit das Auge die Strassen 
und Pfade in den leeren Flächen verfolgen. Hier im Westen bewegt sich langsam eine 
Karawane, von mehr als hundert Rameelen gebildet, gegen Gandsha (Elisabethpol) ; dort 
im Osten bemerkt man in offener Steppe den Tummelplatz einer Antilopenhetze. 

So habe ich zunächst im Vorstehenden das Wesentlichste über die Ausdehnung 
des Kleinen Kaukasus und seiner Stellung zum Hauptgebirge, dem Grossen Kaukasus, 
geschildert und kehre, bevor ich von seinem Rande aus nach Süden auf sein Hochplateau 
trete, noch einmal an den letzteren selbst heran. 

Jene zuerst erwähnte Linie, welche Taman und Baku verbindet, durchschneidet 
gerade die 18571’ hohe Gipfelhöhe des Elbrus. Von ihr etwas südlich zieht sich, wenig 
geknickt in der Kammzone, das Hauptgebirge, der westliche Theil des Grossen Kau- 
kasus unter einem Winkel von 28° NW.—SO. hin. Vor seinen unscheinbaren Anfängen, 
den vielfach ausgewaschenen Lehmhügelketten im äussersten NO.-Winkel des Pontus, 
lagern die zerrissenen, lagunenreichen Alluvionen mit ihren reihenweise angeordneten 
Schlammvulkanen der Halbinsel Taman, bedeutend niedriger noch, als ihre Vis-a-vis 
der taurischen Halbinsel. Immer nahe dem Meeresufer in der erwähnten Richtung, 
steiler und höher, aber nur schmal in seiner Basis verbleibend, wächst der Gebirgsstock 
gegen SO. Nord- und südwärts entfallen ihm in engen Querthälern eine Anzahl von 
Quellen; nord- und südwärts bedecken sich seine Gehänge bald mit Wald: hier zum 
Pontus hin, ehemals von den Tscherkessenstämmen bevölkert, dort gegen Norden im 
Lande der Kabardiner in die fruchtbaren Tiefländer des unteren Kuban sich verflachend, 
dessen träger Lauf bei der Hauptstadt dieses Gebietes, Ekatherinodar, nur wenig über 
dem Meere gelegen ist und der sich von hier an immer verbreiternd bald theilt im 
geräumigen, sumpfigen Delta, wo sein Hauptarm direkt gegen Westen den Kisiltasch- 
Liman, der andere gegen Norden und Westen gerichtete Arm, durch Sümpfe irrend, 
endlich das Asow’sche Meer erreicht. 

Verfolgt man die Kammlinie des Grossen Kaukasus in diesem nord-westlichen 
Gebiete, so findet man zunächst auf ihr nicht viele Höhen über 2000‘, sie steigt in der 
Folge mehr und mehr, tritt nach und nach vom Ostufer des Schwarzen Meeres weiter 
zurück und ernährt kräftige Bachsysteme, die aber süd- und nordwärts immer noch in 
genau vertikal auf die Hauptaxe gerichteten Quellthälern ihre Wasserstrassen besitzen. 
Später, zwischen den Quellhöhen der beiden nach Norden zum Kuban abfliessenden 
bedeutenderen Wasser, dem Afips und Psekup, nehmen die Kammhöhen zu, bleiben 


Zur Geographie der Kaukasusländer. 499 


aber noch im Bereiche der Baumgrenze, und erst in dem westlichen Theile des viel 
bedeutenderen Bjellaja-Systems überragen alpine Wiesen die Waldgebiete, und schon 
liegen die Passhöhen des Gebirges dort über 6000‘, die Kulminationsgipfel aber über 
9000. Hier finden wir die ersten Anfänge der Zone des ewigen Schnees (Fischta 9538‘), 
welche dann im Centraltheile des Gebirges den äussersten Höhen bleibt. sich aber an 
den gegen Norden vortretenden drei grossen Centren ehemaliger vulkanischer Thätigkeit, 
dem Elbrus 18571‘, dem Kasbek 16545° und dem Tebulos-mta 14781‘ besonders mächtig 
entwickelt. Je grösser mit steigender Höhe und Breite des Gebirges die beständigen 
Wasserreservoirs in der Eiszone werden, um so reicher gespeist sind ihre Quellen, um so 
beständiger auch im Hochsommer ihre Niveaus. Bis in den äussersten SO.-Winkel der 
Kuban-Quellen, welche da liegen, wo schmaler 13000° hoher Eisgrat (60° 6° ö. L.) den 
Anschluss des Elbrus-Kolosses zum Hauptstocke gegen Süden vermittelt, behalten die 
Hauptwasserläufe an der Nordseite des Gebirges stets denselben Charakter. Sie stürzen 
sich alle: die Bjellaja, die grosse und kleine Laba, der Urup, Selentschuk und endlich 
der östliche Hauptlauf des Kuban, in der vorwaltenden Richtung von S. nach N. ins 
Tiefland; ja selbst fast alle bedeutenderen Quellläufe dieser Kabardinischen Flüsse fallen 
in Thälern gleicher oder annähernd gleicher Richtung. 

An der Südseite des Grossen Kaukasus wird das anders. Schon an den 
beiden unbedeutenden Msymta und Psyb-Systemen bemerken wir, obschon der Gesammt- 
lauf der Wasser doch noch vertikal der Erhebungsaxe des Grossen Kaukasus aufgesetzt 
erscheint, dass die wasserreichsten Quellen hoch in kleinen Längenthälern gelegen, die 
in spitzen Winkeln sich unmittelbar an die Südfronte des Grossen Kaukasus schliessen. 
Grossartiger noch. entwickelt sich das an den dann folgenden Abchasischen und 
Colchischen Wassern. In aufeinanderfolgender Reihe mit stets wachsender Entwickelung 
sehen wir hier die Längenhochthalbildung sich von NW. gegen SO. vollziehen, so im 
Seken-Quelllaufe des Kodor, so auch im Quelllande des Ingur, hart dem Hauptstocke 
der Suanischen Hochalpen folgend und von ihnen nahe gegen Süden eingezwängt durch 
einen gletscher- und firnführenden Parallelstock, so auch endlich am Hippos und Phasis. 
Eısterer, der moderne Tskenis-Tskali, vom riesigen Lapurigletscher kommend, nimmt 
die mittlere der drei Längenhochthalstufen im Colchischen Hochgebirge ein, die alle 
drei zueinander fast parallel stehen und deren tiefste und geräumigste vom Oberlaufe 
des Phasis (Rion) im Radscha-Gau bewässert wird. 

Vor diesen Quellläufen der genannten Colchischen Gewässer liegt ein dem 
Hauptstocke an Höhe subordinirtes Kreide- und Jura-Gebirge, welches in engen, tiefen 
Durchbrüchen von den Flüssen forcirt werden musste, damit sie ins schmale Tiefland 
treten konnten. Dieses Gebirge, welches die Hochlängenthäler mit seinen NO.-Fronten 
förmlich hermetisch verschliesst, erschwert die Verbindung mit ihnen ungemein. In 
Folge solcher, in diesem Theile des Grossen Kaukasus obwaltenden, verschiedenartigen 
orographischen Grundbedingungen an der Nord- und Südseite nahmen denn auch die 
hydrographischen Charaktere beider Gebiete je einen eigenen Typus an. Hier im Süden 
sind die Oberläufe in den Längenhochtbälern verhältnissmässig lang, die Mittellläufe 
ausserordentlich steil und enge, die Unterläufe kurz, die Deltabildungen (mit Ausnahme 
der vom Rion) nur ganz gering. Dort an der Nordseite in steilen Querthälern blieben 
die Oberläufe im Vergleiche zur Gesammtlänge des Stromes kurz; die Mittelläufe durch- 


schneiden ohne besondere Hindernisse Steppenflächen am Nordfusse des Gebirges, und 
63 * 


500 Zur Geographie der Kaukasusländer. 


die langen Unterläufe mit grossen, vorgeschobenen Delta-Anschwemmungen besitzen 
nur trägen Lauf, ihr vielgewundenes Schlangenbett windet sich hin im sumpfigen 
Tieflande. 

Wir haben nun noch weiter gegen Osten den Kamm des Grossen Kaukasus zu 
betrachten. Es ist zunächst die Strecke bis zum Kasbek, welche wir näher ins Auge 
fassen wollen. Nur eine grosse Knickung der Kammlinie, gegen Süden gerichtet, finden 
wir da. Sie umspannt vom Lapuri und Mamisson bis zum Adai-choch und Sikari im 
Bogen die äussersten Phasisquellen gegen Westen und ernährt aus ihren Gletscherhöhen 
gegen SO. die Liachwa, welche, die Bergwasser der südlichen Ossetischen Hochalpen 
aufsammelnd, in reissendem Falle in die Ebene von Gori und oberhalb von dieser Stadt 
in die Kura stürzt. Wie dieses Liachwathal, so sind auch alle anderen ostwärts folgenden 
tief geschnittene Querschluchten, die eine vertikale Stellung zur Erhebungsaxe des Ge- 
birges besitzen. Wir treten nun dem zweiten Riesen an der Nordseite des Gebirges 
näher: der 16545‘ hohe Kasbek steht vor uns. Der Kamm des Hauptgebirges, hier nur 
wenig über 8000° über dem Meere hoch. liegt von ihm südlich in vier Meilen Ent- 
fernung. Es sammeln sich da gegen Norden die kalten Quellen des Terek, direkt mit 
donnerndem Falle zur Ebene strebend, in engster Schlucht, deren ernster und ab- 
schreckend finsterer Charakter bei noch gesteigerter Neigung erst beginnt, wenn man, 
am ÖOstfusse des Riesen vorbei, in den Darial-Schlund tritt. Die schäumenden Wasser 
beruhigen sich erst bei ihrem Eintritte in die Ebene. Am Fusse der Nordseite des 
Gebirges, wo Wladikawkas 2368° über dem Meere, hart am Rande der malerischen 
Kette, eine ebenso gesunde als von der Natur auch in jeder Hinsicht reich ausgestattete 
Lage hat, nimmt das Terekthal in der Steppe eine NW.-Richtung an. Zwei unbe- 
deutende Gebirgszüge von O. nach W., die Sundsha-Terek-Ketten, zwingen dem Flusse 
diese Richtung auf, und er eilt gleichsam den zahlreichen Zuflüssen von der N.-Seite 
der Ossetischen Alpen entgegen, von denen die grössesten aber dem hohen Winkel an 
der Ostfronte des Elbrus entfallen, den wir bei Erörterung der Kuban-Quellen bereits 
kennen lernten. Diese westlichsten Zuflüsse des Terek kommen von den grössesten 
Gletschern, welche der Kaukasus überhaupt besitzt, zumal der Malka und dem Baksan, 
deren langgestreckte, vielfach zerborstene Eismeere tief thalwärts gegen SO. und ©. 
vom Elbruskegel herabflossen und die beide Flüsse reichlichst ernähren. Es folgen 
ihnen, von der Nordseite der Hauptkette selbst kommend der Tschegem, Naltschik, 
Tscherek, Ardon u. a. Die Unterläufe dieser wasserreichen, westlichen Zuflüsse des 
Terek treten nahe zu einander und nachdem sie ihre Fluthen dem Hauptflusse ver- 
einigten, nimmt dieser die Richtung WO. an und behält sie im gesammten Steppen- 
gebiete, welches er nun durchströmt, bis zu seiner Mündung. Auch hier ist der lange 
Unterlauf des Flusses mit geringem Gefälle. Mosdok liegt, obschon noch über vierzig 
Meilen vom Caspi entfernt, kaum 500‘ über dem Spiegel desselben. 

Nur wenig östlich vom Kasbek, im Meridiane von etwa 62'/,° ö. L., müssen wir wieder 
auf dem Kamme des Gebirges Halt machen und Umschau halten; denn hier ändert sich 
sein Charakter. Es recken sich mächtige Aeste vom Hauptstamme ab gegen NO. und 
weisen zwischen sich in tief zerrissenen Schluchten den Dagestanischen Wassern die 
Wege. Zwar begrüssen wir zunächst von den Archotischen und Anatorischen Höhen 
(über 10000° die Pässe) nur die subordinirten Zweige gegen NO.; aber sobald wir nun 
mehr gegen SO. uns wendend und immer den Wasserscheidehöhen treu bleibend, die 


Zur Geographie der Kaukasusländer. 501 


äussersten Quellen der Pschaw’schen Aragwa (gegen 8.) umgangen haben und gegen 
Norden die äussersten Wildbäche überblicken, steht vor uns in dieser Richtung der 
dritte vor der Hauptkette postirte Riese, das Centrum einstiger, weitwirkender vulkanischer 
Thätigkeit, welcher die hier fein lamellarisch spaltenden, dunkeln Schiefer durchbrach 
und vielfach verwarf — der 14781’ hohe Tebulos-mta. Er ist der westliche Kopf jener 
Tuschinischen Alpenkette, welche zunächst von W. nach O. sich erstreckt und die Argunj-Zu- 
flüsse von denen des Andischen Koisu trennt. Seine nächsten Nachbarn, alle vergletschert 
und firngekrönt, sind der Kirego (11000°), der hohe Katschu (14027), Kwawlos-mta und 
Diklos-mta, letztere wenig niedriger. Zwei Meilen südlich von diesen zieht der 
niedrigere Hauptkamm der eigentlichen Wasserscheide in der Hauptrichtung gegen SO. 
weiter. Aus ihm hebt sich der 11500‘ hohe Borbalo als mässig gewölbte Kuppelhöhe 
hervor, auf welcher wir für einige Augenblicke Halt machen. Wir stehen hier auf 
einem der interessantesten Punkte im gesammten Kaukasus. Wenn auch in finsterer 
Einsamkeit gelegen und selten nur im Hochsommer durch eine Tuschen-Heerde besucht, 
so bietet dennoch die Borbalohöhe ein ganz besonderes Interesse Jedem, der sich ein 
klares Bild über die orographischen und hydrographischen Verhältnisse hier im Grossen 
Kaukasus machen will. In gleich klarer Weise wie am Borbalo kommt nirgends mehr 
im Kaukasus die radiale Wasservertheilung zum Ausdrucke. Diese stumpfköpfige Gipfel- 
höhe des Hauptkammes, welche bis über 11500‘ Meereshöhe heranwuchs, entsendet 
nach allen Himmelsgegenden hin Hauptquellbäche, die sich südwärts zu den Kura- 
Wassern, nordwärts zu denen des Terek sammeln. Wir verweilen einen Augenblick 
auf der Borbalohöhe, um bei klarem Himmel das trunkene Auge in dem riesigen Ge- 
birgspanorama ungehindert schweifen zu lassen. Hier unmittelbar vor uns gegen Norden, 
gleich zu unseren Füssen, liegen die klaffenden Engschluchten, in denen die Quellen 
des Ardoti-tskali, dem Argunj tributär, gebettet sind. Freundliche Laubholzwälder 
unterbrechen dort bald das Einerlei der alpinen Wiesen, über die sich, himmelanstrebend, 
die zertrümmerten Schieferschurfe der hochalpinen Region aufbauen. Ihre Köpfe und 
Zinken geben die scharfen und zerrissenen Konturlinien überall im Mittelfelde der Land- 
schaft ab. Milder erst werden diese Linien, wenn der Blick den Horizont gegen Norden 
ins Auge fasst, wo im Gebiete der Tschetschna sich wie Längsstreifen die Ost-Westzüge 
zur Geltung bringen. Anders ist das, wenn wir das Auge gegen NW. heben. Dort 
steht der unvergleichliche Kasbekkegel in blendendem Firnglanze, von dem östlicher 
gelegenen, zerrissenen Bidara-Komplexe getrennt durch die tief einschneidende Terek- 
schlucht. Näher unserem Standpunkte reckt sich, einer Lanzenspitze vergleichbar, die 
Nadel des hohen Tscha-uchi aus seinem Massive hervor, die einzige so genrtete Form 
im Grossen Kaukasus, soweit er von hier aus übersehbar ist. In unmittelbarer Nähe 
überblickt in dieser Richtung das Auge zunächst eine schmale, beiderseits sehr steil 
abfallende Einsattelung des Kammes. Dunkle, lamellarisch spaltende Schiefer, die keinen 
Halt dem Fusse bieten, lagern an dieser Stelle; lose haften in ihnen die isolirt stehenden 
Gruppen von Cerastium multiflorum C©. A. M., und das tiefer wurzelnde Zamium tomen- 
iosum finden wir in seiner Nähe. Jenseits dieser Vertiefung strebt das Gebirge zum 
Kopfe des Botanis-tawi an; seiner Westseite entspringt die Pschaw’sche Aragwa. Zu 
unseren Füssen tief schäumen die Bergwasser des Kachetischen Alasan. Aber auch an 
ihrer Ostseite gebührt der Borbalohöhe die Mutterschaft für ein selbstständiges Wasser. 
Die Südquelle des Tuchinischen Alasan entströmt hier und eilt, die Hauptrichtung OSO. 


502 Zur Geographie der Kaukasusländer. 


einhaltend, dem nördlicheren, vom Azunta-Stocke kommendem sogenannten Perekite- 
lischen Alasan zu, um vereinigt den Kois’u zu bilden und die Wasser dem S’ulak von 
links her zuzuführen. Der Fernblick gegen Süden umfasst auch hier die sanfteren 
Höhenlinien der bewaldeten Gebirge, welche die erhitzte Ebene des Kachetischen Alasan 
umgürten. Aber die dort wärmere Atmosphäre lässt jene Linien weniger scharf er- 
scheinen und am äussersten Horizonte verschwinden sie in den graublauen Tönen der 
weitgedehnten Landschaft, welche durch das Trialetische Randgebirge ihren endlichen 
Abschluss findet. 

Von hier aus gegen Osten entwickelt sich an- der Nordseite des Gebirges gross- 
artig das Dagestan’sche Gebirgsland mit seinen vier Kois’u-Wassern (dem Andischen, 
Awarischen, Schwarzen und Kasikumük’schen), die sich zum reissenden S’ulak vereinigen 
und deren Quellen hoch an der Nordseite des schmalen Gebirgskamms vom Grossen 
Kaukasus eine Strecke von circa 20 Meilen umspannen, während in ihrem weiteren 
östlichen Verlaufe der ungegliederten Südseite eine Anzahl unbedeutender Wasser in 
jähen, schmalen Schluchten der Kura zufallen und die Ebenen des unteren Alasan und 
Nuchas bewässern helfen. 

Es bleibt uns noch übrig, einen raschen Blick auf das östliche Ende des hohen 
Gebirges zu werfen. Seine Kammhöhen sind auch hier überall bedeutend und seine 
letzten Gipfel, welche im Schach-dagh fast 14000‘, im Kisil-dagh 12250‘ Meereshöhe 
erreichen, stehen schon nahe am Caspischen Meere. Rasch fällt dann das Gebirge 
gegen SO. ab. Mit dem 66. Meridiane erreichen die Gipfelhöhen nicht über 7000‘, mit 
dem 67. Längengrade sehen wir sie auf kaum 2000' gesunken und unter 67° 59° 25“ 
ö. L. v. Ferro bei 40° 24° 29,5° n. Br. stehen wir 174 über dem Meere auf der Höhe von 
Apscheron am SO.-Ende des Grossen Kaukasus. Der nördliche Fuss aber des Dagestan 
tritt weit vor zur Terek-Ebene und sendet seine letzten nackten Joche überall hin bis 
fast zum Caspi. Nur eine schmale niedrige Uferzone bleibt da von Petrowsk an südlich 
über Derbent und Kuba frei. Sie ist auf ihren letzten, lehmigen Terrassen fruchtbar, 
schneidet bei Kuba tiefer in das Gebirge und wird vielfach durch eine Reihe kleinerer 
Gebirgsbäche bewässert. Im reissenden S’amur finden wir hier den zweiten Hauptreprä- 
sentanten der Dagestan’schen Flüsse; seine Quellen liegen weit westlich im Hochgebirge, 
gegenüber denen des Awarischen Kois’u und getrennt von denen des Schwarzen und 
Kasikumük’schen Kois’u durch ein hohes Joch, das sich oberhalb vom 11075° hohen 
Gudur-daeh vom Hauptstocke abtrennt. 

Ich lasse hier zunächst eine Reihe von Höhenbestimmungen für den Grossen 
Kaukasus folgen: 

1) Auf der Kammlinie des Grossen Kaukasus von NW. nach SO. bestimmte 
Höhen, angefangen auf Taman, beendet auf Apscheron*”). 


|Höhe in engl. Fussen 


Namen der Höhen. | N. Breite. Ö. Länge von Ferro. jüber dem Niveau des 
Schwarzen Meeres. 
Köke-oba (Schlammvulkan | 
außklaman)er ie na 0 LASSE | 540 28. 3174 334,6 
Temrjuksche Höhe . . . | AHEAD E55 a ee 243,6 


*) Meinem verehrten Freunde, Herrn General Stebnitzky, Chef der topographischen Ab- 
theilung des Generalstabes im Kaukasus, verdanke ich diese genauen Angaben. Die Gesammtzahl aller in 


Zur Geographie der Kaukasusländer. 


503 


R Höhe in engl. Fussen 
Namen der Höhen. N. Breite. O©. Länge von Ferro. jüber dem Niveau des 
Schwarzen Meeres. 
Wasürin’sche Höhe 4721352824 DaSE32 22% ST 
Gostügajew’sche Höhe u ze ED 1514,5 
Höhe von Anapa . AA 5 22,9% Has 262 3962 815,6 
Höhe von Noworossiisk . 44° 46‘ 85 552 26. 50% 1786,9 
Obere Geledshinsk-Höhe 44° 344, 55,9% bb ABI 2 1862 
Höhe von Aderbiew . AA AV 58 HOME 8104 2882 
Lysaja gora . £ A306. 56450773824 3199,6 
Schessi aneular) 43° 55° 54,6“ His lan 5284 
“ Oschten i AA NO 2% Hi 353,2 9212 
Fischta Aalen 26,65 DOE3a 582% 9538 
Bsysch. ASE532 10/6 Hu 361 292,5 6945 
Abago . aa ae Hrn 2520 724,94 10631 
BSyasgee: 43° 24° 41,4“ HEN Ag 23% 12427 
Elbrus Grestl. Höhe, (dien 
nach N. N. vortretend) : A430 2147116,5% 60776: 6,2. 18571 
Kaschtan-tau A a et BO ATE Ai 17123 
Dych-tau . A339 60° 52° 37,2“ 16927 
Adai-choch . 42% 46, 37,6“ ( 15244 
Sikari . MOSE SEE AAN ei 367 31,3% 12570 
Syrehy-borsoi Aal! Gl 562 295% 13636 
Gimaroi-choch . : AD 2 AB 1622 62 FA 15672 
Kasbek (etwas nach N. vor- 
tretend) 42° 41° 56,1% er 16545 
Tscho-ochi 42 31 56,4% 627207 4% 12109 
Tschakwis-mta (Matura). 420 73052 1,31. 620 A477 39,8% 10393 
Grosser Borbalo : 4207255 25,8% 6222 52/:7 50,3% 10809 
Kleiner Borbalo 42° 26° le 6242 533. 298HlE 10283 
Schawi-Klde. AD SEE ge ba 2197 235)2% 11314 
Sasantelis-zweri 4227 10593064 0342224730057 10192 
Asa-Klde . Aa EAG 030 822. 53% 9669 
Chubiari . A2LEERD 0,35 63.02 340.139.65 10216 
Chimrin ADD a 63° 56° 44,9% 11301 
Anzal . : AH A PA ale Hin 11742 
Chotschach . AE5oer3l: bAEER37249, 11434 
Kök-rosa . Si DASS 93197 10740 
Gudur. 41° 45 18,9% 64° 30° 46,8“ 11075 
Kamazana-dagh 41°) 35" 49,4” 642 7462 40194 11446 
Benal . 41° 20°. 42,6” 645.5500.39% 12103 
Basar-djus AR LINE bau ala 14722 
Baba-dagh 4 2172 16:27 654,,.582.27.9:3% 11934 


der Kammlinie bestimmten Höhenpunkte beläuft sich auf 95, die der gegen N. nahegelegenen bestimmten 
Gipfelhöhen auf 34, gegen Süden 49, im Dagestan 29, 


504 Zur Geographie der Kaukasusländer. 
5 Höhe in engl. Fussen 
Namen der Höhen. N. Breite. OÖ. Länge von Ferro. über dem Niveau des 
Schwarzen Meeres. 
Gümischty 40° 56‘ 52,4" 6Gosn122135 8917 
Dibrar . 405 532039,8% 66° 29° 49,1" 1292 
Gädy 40° AT’ 15" 662 7510773927 4016 
Bandurjan AOL ASTA 5 66° 56° 21,9“ 3022 
Surabin-dagh 40° 42° 21,1”. OR 0 SE 2077 
Ilchi-dagh 403°°3320:.26,9% ar he 1073 
Sukkait RR 40T 330,8“ 67.14 54“ 63,9 
Station Sumgait (nahe vom 
Caspi) . EINE BER 40° 36° 54,7 ar — 31,4 


2) Von den an der Nordseite 


unter d. Niveau des 
Schwarzen Meeres. 


des Gebirges auf seinen seitlichen Quer- 


rippen besonders vorragenden Gipfelpunkten machen wir noch folgende, 
den Ossetischen, Chewsurischen und Dagestanischen Alpen*) angehörende 


Kriu-choch 
Mat-choch 
air. x 
Sari-dagh. 
Schach-dash. 
Kisil-dagh 


3) Von den Neb 

Napra . 

Zybyschcha . 

Grosser Tschadym. 

Lachta. 

Ochatschehu. 

Rakal . 

Schoda ER: 

Syrch-Jjabert unweit vom 
Sikari; von ihm trennt 
sich nach Süden das Mes- 
kische Gebirge (Wasser- 


scheide zwischen Rion 
und Kuna). 

Germuch . 

Chorchi 


Mta-zminda . 
Masaris-mta . 
Ach-bulach .. 


namhaft: 
Ep ri 
Pa Bl 
AO ON 
4102 H153:8% 
A 
A 13ER ANGN 
enhöhen der Süds 
A 
Aa DOES. 
das 1855,58 
430 102032'54 
422 467°53,6. 
AO AH 
420,391 58,8 
AO 2 A 9X 
ADD EI OA 
AO rl 
42° 217 4924 
AD 212 4024 
AUTO EL 


| 
| 


61° 54 32,6“ 11164 
62221055252 9855 
BIT RISTHEHT 10348 
N are 12008 
65° 407°15,6% 15951 
6527 47.1 44557 12247 
eite sind zu erwähnen: 
Hau TB 7729 
58 361 7264% 8408 
582° 42: u 9319 
592207 721194 7898 
H9.37023:94 7074 
60327 362 2.62% 9157 
Hl 6238 11127 
Gy 13R50 2% 9389 
BIT A ASE 10465 
Be 8540 
ee 10094 
Ba HAT 2 3 10130 
692239; 2,6” 8090 


*) Bis zum Meridiane des Elbrus (60° 6° 6,2” ö. L.) wachsen diese Gipfelhöhen von NW. nach 
SO. bis zu über 7000’, liegen also alle im Bereiche der basal-alpinen Wiese. 


Zur Geographie der Kaukasusländer. 505 


Höhe in engl. Fussen 


Namen der Höhen. N. Breite. Ö. Länge von Ferro. über dem Niveau des 
Schwarzen Meeres. 
Nijaledashe 04 en. 40° 48° 51,4“ 66° 2° 50,4“ 6922 
Kalidjane en cat: 40° 34 36,3“ 602 53 78165 3354 
Skala) ol San 4027257 10/6: 66° 40° 23,3" 3448 
IBoyan ataraug ser le 40° 27 48,7 be a Hl 1933 
Schaban-dach 72 ee. r 40° 24 492" 67° 24 14,0 1169 
Kymakus een 40° 28° 40" O6 2831 19% 344 
Apscheron-Höhe (Gipfel) . 40°. 24° °29,6” Sr 174 
4) In dem Andischen Gebirge, der hohen Randkette des Dagestan. 
fRebulos-mtary ar 420 341 34,1 62° 58 44,8" 14781 
Katschugee ca ge 42% , 320 4,2 Ba HI Are 14027 
Tscheschos-mta. . . . . 4253072 246% 63, 162.238, 00 13422 
Donos.mta, Man sn. Sr: 490307723:92 632.214 86% 13736 
Koschkar-lam 2... ... 42 ASuET 30; 63° 44 3% 9208 
Ghanakoi-tau, ar. 422 0532.220'3% 64° 16° 10% 8743 
Salataugse sa oe 6428 2522 75:62 8227 


5) Im Dagestan. 


Babaku-dash .. ...... 41° 54° 46,6“ 64° 44 43,5" 13101 
Tschulta-dash . . . . .» A530 2A 64° 48° 54,8% 12651 
Alachun-dagh . . . .. 41° 49° 21,4“ 64° 58° 50,4 12629 
Unu-dachgese2 270.020: 41° 40° 40,3" bH2 nn HEEA0 3% 12130 
Buti-dach ru 2. 41° 48 39,4 65200372785: 9275 
Masch-dachwre ze. u A 29:50, 64° 59° 26,7“ 15174 
Gebin-Kalg u as 41° 28° 29,9" 693032:07.49 3221| IR 
Jalacheg 410 34.7 59,2% 69. 221100830:52 9831 
Kusar dach u 2.0... AL. 950 198% 6552°.105536,8; 11387 
layer oe 41° 26° 42,2” 65° 4 45,4“ 12275 
Schalbus-daches 22.2 2022, 241072197253, 227417 092 2:0. 40,5% 13614 


Ich habe nun noch einige Mittheilungen über das Armenische Hochland zu 
machen, welches bereits mehrfach bei Erörterung des Kleinen Kaukasus genannt wurde. 
Wo auch immer wir dasselbe betreten mögen, wenn wir die Randhöhe des Gebirges 
ersteigen und höher als die dort meistens um 1000‘ deprimirte Baumgrenze uns befinden 
(eirca 7000‘), im Wesentlichen tritt uns überall dasselbe Bild vor die Augen. Waldlose 
Hochebenen, oft so glatt wie ein Brett hingedehnt, öfter in breitrückigen Wellenformen 
gestaltet, reiche Weideländer bietend, auch eine ergiebige Kultur der nordischen Cerealien 
gestattend, dehnen sich da vor uns aus. Aus ihnen hervor treten, oft scharf geformt 
und isolirt — und in diesem Falle hoch —, öfters in kleineren Komplexen, aber immer 
in strenger Conus-Form, die einst thätigen Vulkane, welche in den Zwillingen der beiden 
Ararate und ihrem Vis-ä-vis gegen Norden, dem Alagös, die imponirenden Höhen von 
12—16900‘ über dem Meere erreichen. Dazu kommen in der Randzone im Mittel über 


6000° hoch gelegene Süsswasserseen, zum Theile abgeschlossene Bassins ohne Abfluss, 
Badde, Ornis caucasica. ) 


506 Zur Geographie der Kaukasusländer. 


zum Theile auch ihre Wasser dem Hauptthale des Araxes zusendend, und endlich zwischen 
dem Rande und der breitrückigen Erhebungsaxe der Ararat-Scheitelfläche das im Mittel- 
theile geräumige Araxesthal mit allmählicher Neigung von W. nach O., trotz seiner 
-Höhe im Sommer schon in der heissen Zone gelegen und im Winter heimgesucht oft 
von fast arktischer Kälte. Ich sagte, dass im Wesentlichen, von welcher Seite her auch 
immer der Fuss des Reisenden das Hochland betritt, dieser dieselben durchgreifenden 
Charaktere des Landes anschaut. So, wenn er aus den schattigen Wäldern Borshoms 
direkt gegen Süden zum 7620‘ hohen Dshichi-dshwari-Passe vordringt und jenseits des 
Kzia-Thales der Spiegel des Tabizkuri-Sees vor ihm aufleuchtet, bis zu dessen östlichem 
Ufer die vulkanische Abulkette, firngekrönt, sich hinzieht; an ihrem südlichen Ende 
findet sie ihren Abschluss im 10825‘ hohen Abul, der ebenfalls konisch gestaltet ist und 
der seinerseits plötzlich aus der Ebene von Achalkalaki (5500‘) in ihrem Ostwinkel her- 
vorwuchs. So auch, wenn der Reisende, aus dem Kura-Gebiete kommend, im malerischen 
Akstafa-Thale auf prächtiger Chaussee rasch ansteigt und oberhalb von Delijan auf 
schlangengewundener Strasse zuerst die Baumgrenze und dann die Passhöhe des Rand- 
gebirges in 7124‘ passirt und vor ihm der glatte, blaue, grandiose Spiegel des Goktschai- 
Sees in einer Höhe von 6340‘ über dem Ocean erscheint, an dessen fernem Ostufer die Kara- 
bagher Gebirge in fortlaufender Richtung gegen Süden verschleiert sich thürmen. Wenig 
weiter nach Süden zu, wenn bereits die Insel Sewanga mit ihren Klosterbauten und 
das reiche Molokanerdorf Helenowka am Ufer des Sees (6370‘) passirt wurden und die 
Strasse sich abwärts neigt. schiebt sich dann dem erstaunten Blicke gegen Süden nach 
und nach die Eiskette des Grossen Ararat in majestätischer Schönheit ins Sehfeld, und 
mit jedem Schritte weiter hin thalwärts wird dieses Landschaftsbild grossartiger und 
eigenartiger; denn die beiden Zwillingsbrüder der Ararate, an die sich für einen grossen 
Theil der Menschheit die ehrwürdige Sage der Sintfluth knüpft, wachsen plötzlich aus 
der Araxes-Ebene in regulärer, stumpfer Kegelform von 3000 (in der Ebene) bis zu 
12000, ja bis zu 16916 hervor und überragen auch um 5000 und 9000‘ die ost- und west- 
wärts sich anschliessenden Gebirgszüge, welche im eigentlichen Sinne die Wasserscheide 
zwischen den äussersten Zuflüssen des Euphrat (Murad) und denen des mittleren Araxes 
bilden. Auf dieser Erhebungsaxe der Ararate, nicht weit von der westlichen Fronte 
derselben, finden wir den grossen Alpensee, Balyk-göl, im einer Höhe von 7400‘ über dem 
Meere gelegen, dessen Wasser am Südfusse des Ararat hinströmen und dem Araxes tri- 
butär sind. In den ihn umgebenden Stpa-Hochsteppen schwärmen Banden räuberischer 
Kurden umher, und auf der einsam gelegenen, langgestreckten Insel in ihm nisten Stein- 
tauben, und Pelikane besuchen ihn zur Sommerzeit. 

Und wenn man viel weiter gegen Abend zieht und vom kleinen, asiatisch- 
industriellen Städtchen Achalzich die Richtung gegen Süden einschlägt und über den 
hohen Schambobel zur Quelle des Potschow-tschai vordringt, endlich nach mühevoller 
Reise auf die fast 6000‘ hohe Ebene von Ardagan tritt, so hat man wieder die weite 
Ebene von nordischem Typus vor sich, in der es zwar keinen tiefgründigen See giebt, wo 
sich aber die vielen Quellen im Westwinkel im Hochsumpfe sammeln und, so lange sie 
in der Ebene bleiben, nur träge im stagnirenden Sumpfe hinschleichen, bis am Rande 
derselben in den grossblasigen rothen und schwarzen Laven und Tuffen ihre langwierige 
Arbeit beginnt und sie sich dort, mit ganzer Macht andrängend, ihren Weg durch das 
Randgebirge brechen. 


Zur Geographie der Kaukasusländer. 507 


Und noch weiter westlich, da, wo die Tschoroch-Quellen umgürtet sind von 
dem höchstentwickelten Randgebirge und uns die Massive des Dumly-dagh mit dem 
davor lagernden 8000° hohen Giaur-dagh entgegenstarren, — was sehen wir da von Osten 
kommend? Die kahlen Höhenrücken der nördlichen Taurus-Kette wurden überstiegen, 
noch ist die von O. nach W. langhingestreckte Ebene von Erzerum, der Ausschau gegen 
W., verdeckt: denn wir befinden uns in einem seitlichen von der Südfronte des Rand- 
gebirges kommenden Quellbachthale der Karasu (Frat). Da, wo dieses in die Ebene 
tritt, wird der Blick frei. Alles nordisch! Ueber dem Meere sind wir hier 6000‘; langsam 
drängen sich die Frat-Wasser im vielgewundenen Bette gegen Westen. Nordische Sauer- 
gräser, Schilf, Oalamus und Butomus stehen da an den Rändern. Meilenweit geht das 
gegen Westen so hin, überall in der Fläche ausgedehnte Gersten-Kultur. Erst bei den 
heissen Quellen von Ilidsha schliesst sich die Hochebene von Erzerum mehr ab. Und 
gleich östlich von dieser wichtigen und einst hochberühmten Stadt haben wir nur den 
niedrigen Deweboini d. h. Kameelhals (6800‘) zu übersteigen, und vor unseren Augen 
dehnt sich eine zwar räumlich kleinere, aber gleichgestaltete Ebene (5500‘); sie wird 
vom oberen Aras durchströmt und hat von dem Hauptorte in ihr den Namen Hassan- 
Kale-Ebene erhalten; auch hier sind weithin berühmte Schwefelquellen. Mit einem letzten 
Blicke gegen Süden aus der Erzerum-Ebene beschliesse ich die kurze Skizze von Hoch- 
armenien; sie wird ja in diesem Umfange genügen, dem Leser dieses Werkes klar zu 
machen, dass hier im März und April, wenn Alles im tiefen Schnee liegt, der wandernde 
Vogel, zumal der zarte, kleine Insektenfresser nicht existiren kann und deshalb seine 
Reiseroute anderweitig sucht. Auch der Südrand der Ebene von Erzerum ist durch 
hohes, kahles Gebirge scharf begrenzt. Es ist die bis zu 11000‘ ansteigende Palantöken- 
Kette, die da von O. nach W. lagert. Sie wird im 10155° hohen Passe olıne grosse 
Schwierigkeiten überstiegen und bald gelangt man dann, südwärts wandernd, an den 
Nordfuss des Bingöl-dagh, der einst ein mächtiger Vulkan, jetzt an seinem Rande senk- 
recht zum todten Kratergrunde abstürzt, in seinen vorragendsten Höhen bis zu 11000‘ 
erreichend, und an dessen nordöstlichem Kraterrande unter der Steilwand sich in einer 
grossen Anzahl kleiner Schneewasser die äussersten Araxes-Wasser sammeln. 

Ich lasse hier nun zunächst das Nivellement des Araxes- und Kurathales etc. in 
englischen Fussen, in denen auch die weiter folgenden Höhen angegeben sind, folgen: 


Araxes: 

Bingöl-dagh-Höhe, grösste im Kara-Kala . . 12305°*) 
Fläche an der Nordseite, auf der sich die 

Araxes-Quellen sammeln . . . . . . . 211000: 
Hassan-Kale . . . N NR olollet 
Köprikö oder Keipikor ES ML Se tan ur 
Kagisman . . . .. 4621‘ 
Mündung des Aepa techeik in ihn Mas A 

halbsyon=Kulpersra ee 32) 
Eintritt in die Ebene bei Small Na 
Fuss des Grossen Ararat bei Aralich . . . 2733‘ 


*) Die während des letzten Krieges dort ausgeführten Triangulationsarbeiten geben dem Bingöl- 
dagh nur 10440°. Welcher Höhe? — Erzerum wurde danach nur in Höhe von 6170‘ ermittelt. Die früheren 
Messungen ergeben sich demnach als um etliche hundert Fuss zu bedeutend. 

64 * 


508 


Zur Geographie der Kaukasusländer. 


Eintritt des Araxes in die a a bei dem 
Ordubad-Posten. 


Bei der Mündung des bare n 
Austritt in die Ebene unweit der Mündung des Techereken ! 
Posten Altansky 
„ Karadulinsky. 
Dshewat (45° über dem Caspi) 


Kura: 
Südliche Kura-Quelle im Marschan-s’u, nordwestlich von Kars 
Westliche Kura-Quelle am Ostfusse des Kanly . 
Ardagan . AR DEE eure 
Chertwis . 
Azkur.. 
Borshom . ; 
Eintritt der ne in ee Su Ebene 
Gori : 
Mszchet, Mündung He ae in ei Re 
Tiflis, Fuss der grossen Brücke . 
Karagas, Eisenbahnstation. . . 
Mingetschaur (höchstens 200’, die Salon » Arabskajn 120) 
Sardobı . . ER ; s 
Dshewat (45' aber dem cn) 
Salian (19° über dem a): 
Mündung. 


Höhen auf dem Armenischen Hochlande und im Randgebirge: 


Erzerum . . 

Die Ebene des rat i im Mittel 
Palanttöken . 

Bingöl-dagh . 

Kessa-dagh . 

Molla osman 

Achbulach 

Karadasch h & 
Aschich-dache Oder Mechach- doeh : 
Alagös EEE EEE 
Takjalty . 

Kleiner Ararat .. 

Grosser Ararat. 

Kulpi . 

Kars i 

Alexandropol 

Ardagan . 


nach den neuesten \ 
“)  Teiangulations- 
‚\ Bestimmungen nur 


6170' 
5800‘ 
10615‘ 
10440‘ 
11262‘ 
9667‘ 
9051‘ 
9702° 
10723° 
13436‘ 
8409 
12840’ 
16916‘ 
3437 
6164° 
5121' 
5843‘ 


Zur Geographie der Kaukasusländer. : 509 


Erıwan, een es ee a er EN 79220 
INachitschewanf u OR ee 30T: 
Ordubadssart eb) RAR N TER En DES ANd: 

Und im Randgebirge von W. nach OÖ. im Norden von Erzerum begonnen: 
Giaur-dgh . . -. . . 9702) 355, Maralidsha-dash. . . . 8550’ | 3833 
Kodshut 0 20.200 0.22.18924; Eier Souch-bulack (Sauk) . . 8806’ Bess 
Koma ea... 9320: rr Aigtidehae 2... sales 
lezeper AI As EEE 10212 a 52 Kara-archatsch . . . . 10081‘ 
a a een FE >. Ginaldaghn.nel.un n2..10208 
Comer. 8769: DE & Koschkar (nördlich) . . 11085‘ 
an van SE22 Dyg-belakan . ... . . 114101 5 
en, EEE EN \ ass Syr-er-syrtschah. . . . 11298 = 
Sagalaslo-baschh. . . . 8l4l’! 232 Kisir daphı, u os 

Bu 8 Kjabichn. 0: 22 2 020021.2100002 225 
u Se ns E Achdaban . . . . . . 10194} &8 
Sur 2. N Salwatty . 2... . 10422 | 5 
Sotolomtammes u 7.00 9306‘ = Arashın er ld 5 
Karakaja LEE ) Ss Kapudshich ee 

oo #3 
ra eine 
Kartli-GebirgeimMittel bis 7000° = De ae u. IE 
In uchtukganeaı 22 SH 53 
Mammach. . . . . . 101% Gromawaja . . . . . 8687°) 23° 5 
Tesh-achmet . . . . . 10200' Iischilgasg Se ee re 
Pass zum Goktschai auf KyrehKis. 0.0.0... 9904. 
der Akstafa-Strasse.. . 7124‘ Saksaraneı 7 E08 238 


Hieran schliesse ich das Nivellement im zweiten transkaukasischen Hauptthale, 
im Rion- oder Phasisthale. Dasselbe haben wir zum Theile schon kennen gelernt bei 
Erörterung der drei Längenhochthäler. Es lässt sich in Bezug auf seine klimatischen 
Verhältnisse und die davon namentlich abhängigen Vegetations-Erscheinungen keinem 
der drei anderen kaukasischen grossen Flussthäler vergleichen. Förmlich eingekeilt 
gegen Norden zwischen die auf der Höhe vergletscherte Hauptkette und dem nicht so 
hohen Achalzicho-Imeretinischen Scheidegebirge gegen Süden, besitzt dieses Gebiet in 
der ersteren den beständigen Kondensator für die reichen Niederschläge, welche nicht 
allein der verdampfenden Oberfläche des Schwarzen Meeres ihren Ursprung verdanken, 
sondern auch durch die vorwaltenden Westwinde von weither herbeigeführt und an den 
Gletschern Hoch-Suaniens gefesselt werden. Daher hier und in den benachbarten Ge- 
bieten des Ingur und Kodor überall der Ueberfluss an Wasser, sowohl in Dampfform, 
wie auch schon kondensirt in den Flussläufen und Quellen und daher die üppige Vege- 
tation, welche dem ganzen Gebiete einen reichen, eigenthümlichen Habitus verleihet, wie 
solchen in gleicher Weise nur noch das südcaspische Tiefland besitzt. 
Quellhöhe des Rion am Goriboli . . . . 9300’ 
Quellhöhe des Rion am Mammisson . . 9200‘ 


510 Zur Geographie der Kaukasusländer. 


Glolaer no m ee Be eh eeehelnis 4040: 

GEDIRRE  E ee 2 A A0N, 

Oni im Radscha-Gau . . . . . 2... ....3170° (andere Messungen: 2750‘) 
Bugeuli, Eintritt in die Engschlucht . . 1300‘ (annähernd). 


Kutais, Austritt aus der Engschlucht . .  670' 


Im Hippos, Tskenis-Tskali-Thale: 


Quellesam Lapurı-Gletscher \ ma nn ee circa 3000 
Taschketi .. ar ur Be ne ER aEe „. 4100‘ 
Wentechins 2 2.1.0 18 28 enerBe a Eee ee Far Ar: 222616; 
Muenster e Apfakl sun Sa | 112 
Eintritt in dierceolchische Ebene . . Keen 3350; 
Vereinigung mit dem Rion bei Oırpiri. . ». 2 2 2 22.0. s 59 


Vom Kamme des Suram-Passes der Eisenbahn entlang: 


PonilKammhöher. ri, la ne er ee > U 
Beshatubans. na ug: aan u N En re re a ee (20, 
Marelisy. rn man BEE us a ZA AND 232 
Bjelogories 0, Var ee ce ee ee 10 
IRwArT ae RE DE A 5 7 
Adshametill.-... sn ers ee ee BE a >20, 
SONNELEdIs,. u ee en ER A 75 
Boten ey. 6‘ 


Bevor ich nun noch die nöthigen Daten über das Klima unseres Gebietes gebe, 
muss ich vom SW.-Winkel des Caspi sprechen; umsomehr ist das nöthig, weil dort die 
vornehmlichsten ornithologischen Sammlungen gemacht wurden, und auch deshalb, da 
dieses Gebiet einem ganz anderen orographischen Systeme angehört, als die bis dahin 
besprochenen beiden kaukasischen Gebirgskomplexe. Denn der hohe Südabsturz der 
Caspischen Uferkette mit seiner Verlängerung gegen NW. im Gebirge von Talysch 
befolgt zwar in seiner allgemeinen Konfiguration den Typus scharf ausgeprägten Rand- 
gebirges und schliesst sich direkt an das südlich gelegene hohe Iranische Plateau, aber 
steht nicht in unmittelbarem Konnexe mit dem Armenischen Randgebirge, dem Kleinen 
Kaukasus. Ein tief einschneidender, ehemaliger Meerbusen an der Westseite des Caspi, 
zum Theile jetzt an seinen ehemaligen Ufern ausgesüsst, in seiner Centralpartie noch 
salzdurchdrungen, trennt dieselben: — es ist die berüchtigte Mugan und ihre bis zu den 
Ostfronten der Karabagher Gebirge sich hindehnende westliche Fortsetzung, welche 
unter dem Namen Schirimkum bekannt ist. 

Russland gehört seit dem Frieden von Turkmantschai 1828 nur ein kleines 
Stückchen von dem Nordwest-Ende des mächtigen Elburs-Stockes, welcher das gesammte 
Südufer des Caspi fest umgürtet und dem sich gegen Süden das kahle Iranische Hochland 
anlagert mit seinen beiden hohen, todten Vulkanen in der Randzone, dem Sawalan (15700‘) 
im westlichern Aderbaidshan und dem Demawend (18600‘) in Taberistan; letzterer ist auf 
dem Rande selbst gelegen, ersterer landeinwärts gegen Westen gerückt und durch die 
breite Ebene von Ardebil von den Suantischen Randhöhen getrennt. Vor diesem Gürtel, 
der steil gegen Norden abstürzt und dichten Laubholzwald fast überall trägt, liegen am 


S Zur Geographie der Kaukasusländer. 511 


Meere die Massenderan’schen und Gilan’schen Tiefländer, die reichsten Provinzen Persiens 
und wenig weiter im SW.-Winkel des Meeres der Gau von Talysch, bis zur russischen 
Herrschaft ein Khanat Persiens; ohne Zweifel die reichste Gegend an der gesammten 
unendlichen Südgrenze des Zarenreiches, angefangen vom Stillen Ocean über Sibirien 
und Turkestan hin nach Kleinasien und bis zu den östlichsten Abhängen der Karpaten. 
Schreiber dieses darf das behaupten, da er den grössten Theil dieser unermesslichen 
Grenze gesehen hat. Man kann sich eine vielseitiger gebildete und üppiger ausgestattete 
Natur in diesen Breiten (38—39°) kaum vorstellen. Das flache, gleichmässig gegen 
Süden hinziehende Meeresufer wird nur durch eine schmale, wenig erhöhte, trockene 
Strecke von parallellaufenden, tiefen Süsswasser-Anstauungen getrennt, denen der Weg 
durch die Zwergdünen in’s Meer verlegt wurde. Die Oststürme warfen diese Barriere 
vom Meeresgrunde allmählich auf; sie besteht aus den Cardiaceen des Caspi, welche 
durch Sand und leichten Lehm cementirt, oft auch nur lose geschichtet wurden. Meilen- 
weit ziehen sich die stagnirenden. oft tiefen Süsswasser hin, hier sich zu seenartigen 
Bassins erweiternd, deren klarer Spiegel im Sommer nie ganz zuwächst und wo ge- 
frässige Welse den grossen Karpfen nachstellen; dort sich verschmälernd, zu beiden Seiten 
mit dichtem, hohen Rohrdickicht bestanden und im Sommer oft ganz bedeckt von 
Trapa natans, die ihr Laubwerk so dicht über die Oberfläche hinbreitet, dass selbst der 
fachste Kahn sich nicht fortbewegen kann. Solche Rohrwälder sind streckenweise 
gelichtet. Binsen bestehen dann die freieren Uferstrecken, und landeinwärts ziehen sich 
fette Wiesen, denen natürlicher Kleerasen (Trifolium tumens, T. incarnatum) in vollster 
Reinheit eigen ist. Auf den erwähnten niedrigen Dünen, die nur an wenigen Stellen 
lockeren Flugsand zeigen, eroberte sich nach und nach die undurchdringliche Jongel 
den Boden. Meistens bietet das dichte Gebüsch des stacheligen, mit den geschmei- 
digen und gebogenen Aesten in die Breite sich dehnenden Rubus fruticosus, im 
Vereine mit niedrig wachsender, aber Alles durchsetzender und fesselnder Smilaz, 
die Grundlage derselben. Wilde Granaten und Berberizen, ab und zu eine höher 
strebende Wildpflaume, ein Weissdorn oder eine Zwergrüster durchsetzen das Dickicht, 
welches nicht allein dem Fusse des Menschen und des Hundes eine unübersteigbare Grenze 
setzt, sondern in dem sogar Eber und Wildkatze nur auf bestimmten, schmalen Pfaden 
und Wildbahnen sich bewegen können. Da liegen die Zufluchtsorte für alle- kleinen 
Vögel im Winter, wenn der NO. vom Meere hereinbraust ins Tiefland und, freilich aus- 
nahmsweise, eine dicke Schneelage auf den breiten Rubus-Gebüschen liegt. Ihr breites 
Blatt erhält sich zum grössten Theile auch im Winter und so tropft allmählich das 
Schneewasser über das geschlossene Laubdach ab und im Busche bleibt es trocken, 
still und warm, so dass Rothkehlchen und Braunelle, ja sogar Bekassine und Waldschnepfe 
dort im Dunkel des Jongelbusches ruhig auf bessere Zeit warten können. 

Tiefer landeinwärts hebt sich der Boden zuerst nur sehr allmählich, überall 
vom Laubholzwalde bestanden, der sich aus eigenartigen Bäumen, wie Quercus castaneae- 
folia, Planera, Diospyros, Acer insigne, Rüstern und Ellern (ausser der gewöhnlichen 
auch Alnus cordifolia Ten.) zusammensetzt. Dazwischen ab und zu baumartige Buxus- 
Gruppen, ein reiches Unterholz namentlich an den Waldrändern, welche lichtvoller und 
deshalb auch artenreicher sind. Da stehen auch die auffallenden Parrotia-Gruppen, deren 
vielfach gewundene Stämme und Aeste, wo sie sich berührten, stets zusammenwuchsen 
und so ein grossmaschiges, irreguläres Netzwerk aufweisen, dessen derbe Wände oft 


512 Zur Geographie der Kaukasusländer. 


Arm- und Schenkeldicke erreichen. Hier auch überall die unermüdliche Arbeit von 
Smilax und Clematis, die Alles bestricken und ersticken wollen, jene hoch kletternd 
bis in die Kronen alternder Eichen und Tausende federkieldicker Absenker, gleich scharf- 
bekrallten Fäden, zum Boden senkend und diese, tiefer bleibend, in malerischen Guir- 
landen sich über die Junghölzer lagernd und sie förmlich niederdrückend. Ab und zu 
sieht man auch die eigentliche Liane dieser Wälder, Periploca graeca, welche in aus- 
gerecktem Spiralengange fest ihr Opfer umschlingt und es todt würgt. Den fremdartigen, 
schon genannten Baumgestalten gesellen sich andere, schöner gebaute, hinzu. So die 
caspische Gleditschia und namentlich Acacia julibrissin, deren feines Fiederlaubwerk 
mit sinkender Sonne dem Mimosen-Schlummer verfällt und deren schöne rosa Blumen- 
bündel fast nur aus zarten langen Staubgefässen bestehen. Den Bachläufen und 
namentlich den Bewässerungskanälen entlang wachsen dichte, hochstämmige Pierocaryen- 
Bestände, deren langausgezogene, weitläufig gestellte Fiederblätter nie volle Kronen 
bauen, so dass im Pferocaryen-Walde das lichte Himmelblau von untenher gesehen wird 
und die Strahlen der Sonne freieren Durchgang haben und auf dem Boden im üppigen 
Grün in unzähligen Lichtlecken sich zeichnen. In diesen Wäldern konnte selbst die 
barbarische, seit Menschengedenken hausende Axt der Mohamedaner nicht aufräumen. 
Freilich hat sie oft ohne Zweck vernichtet, und die unter ihrer Wucht gestürzten Riesen, 
nicht selten 120—140‘ lang, an der Basis 4—5‘ und darüber dick, starr die dicken 
Kronenäste überall hinstreckend, liegen ungenützt und faulend da. Aber im Allgemeinen 
machen diese Wälder vielerorts im Tieflande noch den Eindruck jungfräulicher Existenz ; 
in ihnen haust der Königstiger und sein noch schlankerer und beweglicherer Genosse, 
der Panther, die beide gerne Nachts dem Wildschweine auflauern, welches in dem 
sandigen Boden der Dünen die hellgelben Trüffeln suchen ging. Hier in diesem geseg- 
neten Tieflande ruht die befiederte Welt, aus hohem Norden kommend, nach langer 
Etappenreise aus. Es giebt da, zumal für die Wasservögel reichlichste Nahrung, und 
Rohr und Schilf bieten guten Schutz, auch dann noch, wenn der N. und NO. über den 
Caspi pfeifen und das asiatische Unwetter zeitweise hier sich austobt. Kommt es gar 
zu arg, so zieht man im Tieflande noch etwas weiter gegen Süden. Ist doch Gilan 
mit seiner geschützten, tief landeinwärts schneidenden Enselibucht noch besser gelegen 
und auch klimatisch noch milder; blühen dort doch die Pommeranzen im freien Lande, 
und liefert nicht weit von ihnen der Oelbaum schon reiche Ernten! Jene Wanderer 
kamen nach und nach hierher in ihr Winterquartier. Sie hielten sich, so lange es 
anging, an der unteren Wolga auf, sie lebten im Delta des Stromes, aber als es dort 
im Oktober kälter und kälter wurde, im November das Eis mehr und mehr antrieb und 
dann bald zum Stehen kam, da ging die Reise weiter der Küste entlang; man rastete, 
wo es gut war; wem es behagte, der blieb einstweilen in der Mugan, ein Theil auf 
offenem Meere, ein anderer begab sich in die Sümpfe von Talysch. Das ganze Tiefland 
bevölkerte sich übermässig stark durch Vogelschaaren. Von den nahen Gebirgen kamen 
sie fast alle herunter, um besser und bequemer im Winter zu leben. Edelfinken und 
Bekassinen, Rothkehlchen und Waldschnepfen, Phasanen und Sultanshühner werden 
Nachbaren. Wird es oben am Sawalan gar zu kalt, so steigen selbst die selteneren 
Hochgebirgsbewohner, die langohrigen Alpenlerchen und die rare Erythrospiza rhodopiera 
herab auf die Dünen: der ferne Osten aber sendete die Mohren- und Kalanderlerchen, 
die bei schlechtestem Wetter die offen daliegende Mugan verlassen und für kurze Zeit 


Zur Geographie der Kaukasusländer. 513 


Dünenvögel werden. Draussen auf dem Meere schwimmt dann die Schneegans mit der 
Eisente und am Ufer ruhen die Kolbenenten und in langen Reihen, im flacheren Wasser 
stehend, die Flamingos. 

Die Vogelbilder wechseln hier auf Schritt und Tritt. Man müsste, um sie 
erschöpfend zu schildern, einen zweiten ebenso dicken Band schreiben, als der vor- 
liegende ist. Das soll auch ein anderes Mal geschehen. Sie alle sind mir treu in der 
Seele geblieben. Niemals kann der, welcher die Natur liebt und ihre Schönheiten hier 
sah, vergessen, was er sah. Eine der anziehendsten Scenerien kann man im Frühlinge 
allstündlich im Walde der Ebene, am Flüsschen von Lenkoran, geniessen. Die klaren 
Wasser im dort breiten Bette schiessen dem Meere zu. Hier überfluthen sie eine flach- 
gewaschene Felsengruppe, theilen sich an ihren Rändern, schäumen auf, stürzen mur- 
melnd in die Tiefe, tanzen stolpernd über die Gerölle; dort in tiefer Ausbuchtung des 
schmalen, hellsandigen, glatten Ufers kamen sie fast zum Stillstehen. Am Ufer hier ein 
Pterocaryen-Hain, luftig, duftig, kein festgeschlossenes Laubdach, der blaue Himmel, die 
leuchtende Sonne ab und zu in Miniaturportion. Aber überall saftiges Grün in den 
verschiedensten Tönen, strotzend üppiger Wuchs. Farrenwedel (Pteris aquilina mazxima) , 
die 6—8' hoch sind. Auf den Pferocaryen- und Eichenstämmen andere, kleine, förmlich 
schmarotzende Farren. Am Boden webten den zartesten Rasen die niedrigen Geranien 
(G. molle und @. lucidum L.). Dann eine Lichtung. Darauf wundervolle Wallnuss- 
bäume, breitkronig, jetzt schön gelbgrün, das junge Laub wachsglänzend. Im nahen 
Busche singt der Hafiz-Sänger, Smilax-Gewebe sichert seinen Bau, da kann selbst die 
Wildkatze nicht hin, da ist er sicher — — — und nun am Ufer auf und ab, hin und 
her über dem Wasser, meistens stumm, die schönste und grösseste aller Möven im 
frischen, zarten Hochzeitskleide, mit pechschwarzem Kopfe, die caspische Fischermöve, 
Ohroteocephalus ichthyaötus, mitten im saftig grünen Hochwalde die schmale, nahrungs- 
reiche Strasse absuchend. 

Einer spätern Zeit müssen solche Schilderungen vorbehalten bleiben. Jetzt nur 
noch mitten durch die Wälder bergan! Es führt uns der Weg im persischen Grenzthale 
hinauf im Bachgerinne der Astara. Da gehen die Rosinen-Karawanen Tag ein, Tag aus, 
und deshalb ist der Pfad durch die Saumthiere so tief eingetreten. Links und rechts 
noch Hochwald, selten eine Ansiedelung, ein Paar Reisfelder, terrassenföürmig am abge- 
holzten Abhange angelegt und getheilt in Hunderte von kleinen, eingedämmten Flächen, 
welche das Wasser nicht abfliessen lassen. Schon sind Gledüschien und Mimosen nicht 
mehr zu sehen; Eiche, süsse Kastanie, Linde, Rüster und Buche bauen den Wald auf. 
Schatten überall, es geht höher und höher. Wir sind im reinen Buchenwalde; ab und 
zu schlägt ein Edelfink, es brütet der kleine gelbkehlige Fliegenschnepper hier. Sane- 
cula europaea und Cephalanthera rubra stehen hie und da am immer beschatteten Boden. 
Es will da nichts wachsen. Dicke Schichten alten braunen Laubes liegen in den 
Mulden. Die Höhe und mit ihr der Rand des Waldes und des Gebirges ist. erreicht. 
Im Tschindankala mit seinen verwitterten Ruinen haben wir bei einer Höhe von 7000‘ 
über dem Meere die Randhöhe erreicht und vor uns gegen Westen liest Hoch-Iran, 
kahl, gelblich, dürr; vor uns die breite, eingesenkte Ardebil-Ebene, und jenseits dieser 
steigt die regelmässige stumpfe Kegelgestalt des hohen Sawalan mit breiter Basis maje- 


stätisch aus dem Hochlande herauf. 
Badde, Ornis caucasica. 65 


514 Zur Geographie des Kaukasusländer. 


Dieses Randgebirge verläuft gegen NW. und später gegen Norden. Seine Ost- 
fronten stürzen alle steil ab und sind bewaldet, sein Kamm trägt die einzelnen stumpfen, 
gedrückten „Köpfe“ und üppige Alpenweiden. Im 8000‘ hohen Küs-jurdi wird seine 
grösste Höhe erreicht. Wie abgeschnitten mit der politischen Grenze zwischen zweien 
Reichen zieht sich hier auch die Scheide zwischen Wald und alpiner Wiese. Ersterer 
die Abhänge gegen Osten bestehend und stets getränkt durch die reichen Exhalationen 
des Meeres, die sich hier oben’ am Rande beständig niederschlagen. Letztere, die alpine 
Wiese, gegen Westen, aber sehr bald thalabwärts schwindend, weil in der dort trockenen 
Luft sich die Pflanzenwelt nach iranischem Typus bildete, der mit seinen stachligen 
Astragaleen- und Acantholimon-Arten zwar eigenthümlich, aber in seiner Gesammt- 
erscheinung nicht schön ist. 

Die letzten Ausläufer des Talyscher-Randgebirges verlaufen sich gegen Norden 
in die Mugan; schon bei Belasuwar liest die Ebene unabsehbar vor uns. 

Man hat in neuester Zeit den sehr dankenswerthen Versuch gemacht, das kau- 
kasische Gebiet und ganz Kleinasien nach Parallel-Höhenschichten-Linien graphisch 
darzustellen und somit ein klares Uebersichtsbild der orographischen Verhältnisse dieser 
Länder zu gewinnen. Wenn nun gleich das ermittelte Zahlenmaterial, welches einer 
solchen Arbeit zu Grunde liegen sollte, nicht für alle Lokalitäten als ein Genügendes 
bezeichnet werden darf, so litten dadurch bei jener Darstellung die durchgreifenden 
orographischen Charaktere doch nicht in dem Grade, dass das gegebene Bild der Wahrheit 
annäherungsweise nicht nahe käme. Auch diese Arbeit wurde auf Veranlassung des 
Generals J. Stebnitzky in der ihm untergeordneten topographischen Abtheilung des Kau- 
kasischen Generalstabes ausgeführt und auf ihr basirend berechnete Herr B. Statkowsky 
die Grössen der Oberflächen nach den verschiedenen Zonen. Wenn wir das ganze’ 
Areal der Kaukasusländer, mit Einschluss des Gouvernements Stawropol nach seinen 
jetzigen administrativen Umgrenzungen mit 8436 Quadrat-Meilen berechnen und diesen 
Raum gleich 100 setzen, so erhalten wir folgende Prozentgrössen für die verschie- 
denen Zonen: 


1. Unter dem Spiegel des Schwarzen Meeres gelegen (—85' ist das Niveau 2,9 %, 
des Caspi), die schmale Küstenstrecke des westlichen Caspi-Ufers ein- 
nehmend, im Terek-Delta und nördlich davon, zwischen Kuma und öst- 
lichem Manytsch-Gebiete breiter werdend, im Ganzen 2,9 °,. — Hier 
ausgedehnte Geröhre, Sümpfe, Zwergdünen, oft todte Halophyten-Strecken, 
auswitternde Salze. — Sultanshühner, Frankoline, Phasanen, alle Wasser- 
vögel und der grösste Theil der Stelzer. 


2. Von 0-—500° über dem Spiegel des Pontus, 35,5%. — Dieses 35,5 %, 
Gebiet nimmt die ganze Steppenzone im Norden des Grossen Kau- 
kasus ein, schliesst den gesammten unteren Tereklauf bis westlich 
noch von Mosdok in sich; ebenso schneidet der Lauf der Kuma noch 
oberhalb vom Dorfe Praskowoe spitz in die dann folgenden Höhen, 
nämlich in die äussersten, gegen Norden vorlagernden Absenkungen des 
dann allmählich ansteigenden Gebirges. Der untere Lauf des Kuban, 
aufwärts bis etwa Armawir, liegt ebenfalls in dieser Höhenzone. Im 
Kurathale schiebt sich dieselbe stromaufwärts in spitzulaufendem Winkel 


Zur Geographie der Kaukasusländer. 


noch westlich von dem seitwärts und höher gelegenen Elisabethpol vor; 
die Mündung der Jora liegt in ihr. Nicht anders ist das im Araxesthale, 
wo zwar die letzten Verllachungen der Ostseite des Karabagher-Gebirges 
nahe zum Flussbette treten, aber dem Wasser entlang sich doch noch 
eine schmale Strecke Landes unter einer Höhe von 500‘ über dem Meere 
hinzieht. Gleiches findet im Tieflande von Talysch und auch auf der 
Strecke von Apscheron bis Petrowsk am Caspi statt. Für den Rion ist 
dies Flachland verhältnissmässig nicht gross. Es begleitet den Unterlauf 
des Flusses, schneidet bis zur Quirila in’s Gebirge und bleibt den Unter- 
läufen der mingrelischen und abchasischen Bäche nur im beschränkten 
Umfange. — Meistens tragen diese Flächen gute Grassteppen, ergiebigen 
Ackerboden, wo Bewässerung möglich ist, Reiskultur; oft auch, zumal 
an den Unterläufen der Flüsse, bieten sie unwegsame Sümpfe, Rohr- 
wälder und dem Meere näher öde Salzpflanzengebiete. Wo Wald ist, da 
auch hochkletternde Schlingpflanzen, namentlich Smilax und Epheu. 
Eigenthümliche Baumarten, als Acacia julibrissin, Gleditschia caspia, 
Parrotia, Quercus castaneaefolia im Osten, Pterocarya, Planera, Diospyros, 
Wallnussbäume und hochstrauchende Staphyles im Osten und Westen. 
Im Unterholze viele immergrüne Gruppen, aber nur wenig Arten, sc 
Rhododendron ponticum, Prunus laurocerasus, Buxus etc. Wo Ueberfluss 
an Feuchtigkeit im Boden, da ist die natürliche Kleewiese. Jongeln 
aus Rubus fruticosus, mit Berberis und wilden Granaten durchsetzt. — 
Im waldlosen Gebiete beide Trappen, Feldhühner und Lerchen, 
letztere namentlich im Winter sammt den Staaren. Im bebuschten Theile, 
am Jongel-Rande und im Rohr Frankoline und Phasanen, im Sommer 
viele Merops, Blauraken, Turteltauben, viele Weihen, Falco cenchris. 


. Von 500—1000’ ist die Zone nicht so gross, sie deckt 10,9 °/,, ein Beweis 
für das rasche Ansteigen des Gebirges, d. h. für die eminente einstige 
Thätigkeit der vulkanischen Öentren. Diese Höhen liegen vornehmlich 
an der Nordseite als äusserste Umwallungen des Gebirgsfusses, nördlich 
von der mittleren Kuma und dem Terek. In eben diesem Niveau ver- 
schwinden gegen Norden die Talyscher Höhen zur Mugan und am Süd- 
fusse des Grossen Kaukasus wird die Alasan-Ebene und östlich von ihr 
die Strecke bis Aksu hart an der steil ansteigenden Südwand des Grossen 
Kaukasus eingenommen. — Hier reicher Weinbau, im Süden die Rebe un- 
gedeckt im Winter, an der Nordseite aber gefährdet, selbst im Niveau 
des Meeres. Gartenkulturen, Anbau südlicher Cerealien, Mais, italienische 
Hirse und Baumwolle. An der Nordseite vorwaltend noch Grassteppe. 
— Thierleben wie vorher unter Nr. 2 erwähnt. 


. Von 1000—2000': diese Zone wurde mit einem Prozentsatze von 14,3 
für unser Gebiet berechnet. Sie vermittelt an der Nordseite zwischen 
dem 58.—62. Meridiane, wo sie am mächtigsten entwickelt ist, denAnschluss 
an die höheren, zum Theile bewaldeten Gebirge und wird dort von den 


Mittelläufen der zahlreichen Zuflüsse des Kuban und Terek in engen 
65 * 


515 


10,927 


14,3 %, 


516 


Zur Geographie der Kaukasusländer. 


Thälern durchschnitten. Als schmale Randzone umzieht sie auch den 
gesammten N.- und O.-Fuss des Dagestan, dessen Höhen sehr rasch heran- 
wachsen. Gleiches findet statt dem Kleinen Kaukasus entlang. Man 
steigt dort überall in den steilen Querthälern rasch an, und es ist der in 
Rede stehende 1000° breite Gürtel nur schmal. Im Kurathale betreten 
wir erst oberhalb von Gori bedeutendere Höhen. — Kultur noch der süd- 
lichen Cerealien, Gartenbau und die Rebe frei winternd, aber nur in 
Transkaukasien. Die Wälder meistens verhackt, fast nur Laubhölzer, 
vielartiges Unterholz, sehr langsamer Wuchs desselben an den Südseiten. 
Die Weissbuche und Steineiche sowie Acer campestre vorwaltend, Paliurus 
in den fettlehmigen Ebenen. (arpinus dwinensis im Unterholze vor- 
waltend, in Gesellschaft von Crataegus, Cotoneaster, Pyrus salicifola, 
Mespilus etc. — Buntspechte und Grünspechte sowie die Meisen im lichten 
Walde. Im Buschholze Emberixa hortulana und E. cia, Lanius collurio 
und Z. minor, Turteltauben, Blauraken, Merops. Im waldlosen Theile 
Caccabis, Saxicola und Upupa. 


. Von 2000— 4000‘, mit 9,2 °/, berechnet; wichtige Kulturzone, wo genügend 


Wasser ist, am stärksten bevölkert, das ganze mittlere Araxesthal ein- 
nehmend, bis zum Fusse des Täkjälty heraufreichend. Hier in Folge von 
hohen Sommertemperaturen noch die Kultur aller südlichen Cerealien und 
Oelpflanzen möglich, die Rebe aber im Winter gedeckt. In dieser Zone 
liegt die Verbreitungsgrenze des Weinstocks in der vertikalen Richtung. 
Er übersteigt als Kulturpflanze 3600—4000’ nicht. In Colchis bei 3600‘ 
noch ungedeckt im Winter. Der grösste Theil der Längenhochthäler des 
Rion und des Ingur sind in den Thalsohlen von dieser Zone einge- 
nommen. Auch die Seitenfronten des Meskischen Gebirges und die 
gesammte Suram-Ebene liegen in dieser Zone, die dem Kurathale von 
da an in schmalem Streifen aufwärts folgt bis oberhalb von Chertwis 
und Warziche. Nur schmal ist diese Zone an der steilen Südseite des 
östlichen Grossen Kaukasus. Dagegen liegen die Gebirge der mittleren 
Jora und des Alasan mit ihren schönen Hochwäldern in ihr. Auch an 
der Nordseite des Grossen Kaukasus verhält es sich mit diesem Höhen- 
gürtel, wie mit dem vorhergehenden. Beide nehmen nur geringe Breite 
ein, weil das Gebirge sehr rasch anstrebt. Das gilt namentlich für den 
Dagestan. Im Norden vom Elbrus liegen die Beschtaugruppe und die 
Scheide zwischen Kuban-, Kuma- und Terekzuflüssen zum Theil in ihr. 
— Hier fast überall Wald. Die Coniferen treten auf, der Wald wird statt- 
lich, dicht geschlossen. Sporadisch dominiren Abies orientalis und Pinus 
sylvestris. Abies Nordmanniana ist weniger vertreten. In den Thälern 
herrliche Nussbäume und die süsse Kastanie. Die Rothbuche gewinnt 
mehr und mehr die Oberhand. Die Weissbirke und Zitterpappel in 
kleinen Gruppen. — Pieus martius im Hochwalde, der ausserordentlich vogel- 
arın ist. Buteo tachardus, Aquila naevia. Lämmergeier hier schon Standvogel, 
die Edeladler besuchsweise, an den Wasserläufen Oinclus. Im Felsenreiche 


2% 


Zur Geographie der Kaukasusländer. 517 


Tiehodroma und die Sazxicola-Arten, sowie Stein- und Blaudrosseln. 
Caccabis häufig, Sitarna wird seltener. Der Phasan fehlt schon in der 
oberen Hälfte dieser Zone. Yipera mauritanica. 


6. Von 4000—6000' besitzt das Gebiet fast die gleiche Ausdehnung wie die sub 13,4 %, 
Nr. 4 erwähnte Zone, nämlich 13,4 °/,, davon kommt die Hauptpartie 
auf den Kleinen Kaukasus, da die tieferen Gegenden des Armenischen 
Hochlandes und ein Theil seiner Hochebenen in dieser Höhe gelegen sind. 
— Wo Wald ist im Grossen Kaukasus, da herrschen Abies orienlalis und 
A. Nordmanniana vor. Die Weissbirke bildet grössere Bestände; an an- 
deren Orten, namentlich im Kleinen Kaukasus und in Talysch, stehen 
geschlossene Buchenwälder. Die Schneeschrammen langen hie und da 
bis an den oberen Rand dieser Zone. Ausgedehnte Kultur der nordischen 
Cerealien, namentlich der Gerste auf den Hochebenen. — Die Wälder sind 
todt. Loxia, Dompfaffen und Carpodacus erythrinus sind Brutvögel. 
Oypselus melba und apus an den Felsenwänden. Starna wird selten. 
Caccabis bleibt. Vipera berus. 


. Von 6000—8000° wurde die Zone mit 9,4 °/, berechnet. In diesem Ge- 94%, 
biete liest die Baumgrenze. — Nur zwischen dem Grossen und Kleinen 
Ararat, unweit von der Sardarbulach-Quelle (8700‘) steht die Weissbirke 
als Hochstrauch *). Die Baumgrenze wird entweder durch Fagus sylvatica 
in Hochstämmen oder durch die Weissbirke, viel seltener durch Pinus 
sylvestris gebildet. Keine Kniehölzer. Quercus macranthera F. et M. 
und Acer Trautvetteri Med. stehen vereinzelt und oft isolirt vorgeschoben 2 
an der Baumgrenze als starke Bäume. Höchstes Vorkommen von 
Sorbus aucuparia. Beginn der basalalpinen Wiesen. Betonica grandiflora 
Steph., Centaurea monlana L., Alchemilla vulgaris L.  Veratrum album 
stets nahe der Baumgrenze. oft grosse Strecken bedeckend. An den 
Bachufern: Primula grandis Trautv., Caltha palustris v. owyrrhyncha, 
Aconitum Iycoctonum Pall., A. variegatum L. Sonstige Pflanzen dieses 
Gebietes: Arnebia echioides Dec., Campanula collina M., Scabiosa 
caucasica M. B., Cerastium purpurascens Ad., Ranumculus caucasicus 
M. B., R. Villarsü Dee., Alsine hürsuta Fenxl., Androsace albana 
Sitev., Veronica gentianoides Vahl, Papaver monanthum T., P. ori- 
entale L., Hedysarum caucasicum M. B., Viola grandiflora L., Saxifraga 
ezarata Vill., Senecio pyroglossus Karl. el Kir., Onidium meifolium M. 
B. etc. etc. Gletscher und Firnfelder reichen thalabwärts in dieses Ge- 
biet. — Tetrao acatoptrieus sesshaft. Schneefinken und Alpenlerchen 
(Montifringilla nivicola und Phileremos alpestris var. penicillata), Accentor 
alpinus, Fregilus, Metoponia pusilla. Im Winter: Rutieilla erylhrogastra, 
Megaloperdix caucasica. Caccabis und Starna fehlen. 


-] 


*) Im Sagaulug-Gebirge, südöstlich von Kars, welches seit dem letzten Kriege zu Russland 
gehört, soll Pinus sylvestris bis über 9000° und zwar als Hochstamm vorkommen. 


518 
8. 


g. 


10. 


Zur Geographie der Kaukasusländer. 


Von 8000—10000': diese Zone wurde mit 3,1 °%, Oberfläche berechnet. 


Das Gebiet der basalalpinen Wiese und der niederliegenden Rhododen- 
dron-Gebüsche (Rh. caucasicum), sowie der hochalpinen Vegetation. 
Nur die Südseite des Grossen Kaukasus im Rionbassin macht davon eine 
Ausnahme. Dort wird mit circa 10000‘ schon die untere Schneelinie 
bestimmt, unter welcher natürlich noch die hochalpine Vegetationszone 
gelegen ist. Reiche Niederschläge und dadurch bedingte Lokalerkältung 
durch kontinuirliche Gletscher deprimiren hier die Höhengrenzen der 
Verbreitung für Kultur- und Wildpflanzen. Die Schneelinie fällt um 
1000-—2000' im Vergleiche mit den sonstigen im Kaukasus dafür be- 
stimmten Normen. Namentlich finden grosse Differenzen bei Vergleich 
mit den Messungen am Ararat statt. — Mit 7200 die Grenze der Kultur 
von Panicum viride und der Gerste in Suanien. Pflanzen dieser Zone: 
Alchemilla sericea W., Campanula Biebersteimiana R. et Sch., ©. triden- 
lata L., Veronica minuta C. A. M., V. telephüfoha Vahl, V. gentianoides 
und Myosotis sylvatica nur klein. Potentilla gelida ©. A. M., Sibbaldia 
procumbens L., Alsine aixoides Boiss., A. imbricata ©. A. M., Cerastium 
purpurascens Adam, 0. latifolium L., ©. Kasbek Part., Eunonia rolundi- 
folia ©. A. M., Arabis Hueti Trautv., Draba hispida W., D. siliguosa 
M. B., D. rigida W., Pedicularis erassirostris Bg., Lamium lomentosum 
W., Nepeta supina Stev., Saxifraga flagellaris W., S. muscoides Wulf., 
Androsace villosa L., Primula nivalıs Pall., P. auriculata Lam., P. fari- 
nosa var. algida Trautv., Gentiana pyrenaica L., Erürichium nanum, Viola 
minuta M. B., Anthemis Marschalliana Welld., Scrophularia minima M. B. 
— Megaloperdix caucasica, Fregilus, Carpodacus caucasicus, Turdus torguatus 
im Rhododendron-Gebüsche, Motacilla boarula und Saxicola oenanthe im 
Sommer. Hochalpine flache Carabus- und Nebria-Arten. Die Genera 
Pelobatus und Otiorrhynchus in eigenthümlichen Arten reich vertreten. 


Von 10000—12000°: die hochalpine Zone, mit 1 °/, berechnet. Viel Eis 
und Firn. — Am Elbrus noch vier Phanerogamen: Cerastium purpuwras- 
cens, Lamium tomenlosum, Bunonia rotundifolia und Veronica minuta. 
— Megaloperdix und Fregilus, Montifringilla nivicola und Phileremos 
alpestris var. penieillata im Sommer. 


Von 12000° bis zu den Gipfelhöhen der höchsten Punkte mit 0,5 %, 
berechnet. — Nur am Grossen Ararat in einer Höhe von 14000’ über 
dem Meere noch: Pedicularis araratica Bg. und Draba araralica Rp. — 
Megaloperdix caspia 13000' hoch. Cypselus affenis in einer Höhe von 
mehr als’15000°. Fregilus im Sommer. 


Dallay/a 


1% 


0,3 % 


Summa 100 °),. 


519 


Zur Geographie der Kaukasusländer. 


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Zur Geographie der Kaukasusländer. 


520 


Ort. Maximum Mittlere 
(Nördl. Br.; östl. Lg. von Ferro; Höhe|Januar| Febr. | März. | April.) Mai. | Juni. | Juli. | Aug. | Sept. , Okt. , Nov. | Dez. | Jahr, und |jährl. Nie- 
i in engl. Fuss.) B 3 [ Sale TE NER Zr if e Minimum.|derschläge 
! m | | @ mm 
Gudaur, an der S.-Seite des Gr. | 
Kaukasus. | | 
Br.42%28', Lg.62°8‘, Höhe 7327—5,51—8,11-1,0 22) 85 9,9) 135| 143| 98| 54 36-301 41] — = 
Krasnowodsk, Ostufer des Caspi. 
Br. 40° 2, Lg. 70° 30%. 2,7 4,1) 11,0! 15,0| 21,4! 25,9) 28,9| 29,4 24,11 18,51 10,7| 4,81 1641| — — 
Kutais, am Rion bei seinem Ein- | 
tritte in die Colchische Ebene. | | 36,0 
Br. 4217‘, Lg.60°22‘,Höhe670.| 4,6) 5,9| 8,9) 13,8| 18,7 20,8) 22,8| 24,4| 20,0| 16,7! 12,7) 6,6 14,6 —15,0 | 1496 
Lenkoran, SW.-Ufer des Caspi. | | | ones 
Br. 38° 46. Le. 66° 31‘. 2,8) 4,9| 7,5| 12,0| 18,7| 22,8| 25,4| 25,1| 20,9| 16,2| 10,7| 5,41 1441| — | 1314 
Nachitschewan, mittl. Araxesthal. | | 
Br. 39°12', Lg.63°5‘, Höhe 3015..I-0,6| 2,5! '8,4| 12,91 17,2 22,2| 27,4| 2701 — | — | — — = 
Poti, Rion-Mündung. | | | 34,4 
Br. 42° 8, Lg. 59° 20°. ı 62!) 5,7) 85| 11,6) 16,9 20,5| 22,6| 24,7| 20,0| 16,9| 13,1] 8,3 14,6] —11,5 1 1697 
Pjätigorsk, Beschtau-Gruppe. | | | | | | | | | | Lepanıne 
Br.44°2', Lg. 60°45‘, Höhe 193%. 2,8 4,4 —0,3| 9,6| 15,6| 18,5] 20,6] 21,5 15,6! 10,6| 4,71-0,1) 526 
Stawropol, nördlich auf den | | | 
Höhen der Steppe. | | | | | | | 
Br. 45° 3‘, Lg.59°38‘, Höhe1929.| 3,1141) 1,0) 78| 14,4| 18,2 20,9| 14,8) 9,7) 440,9 690 
Tiflis, mittleres Kurathal. | | | 
Br.41°42', Lg.62°29‘, Höhe 1270.) 0,5| 1,9| 6,5| 11,8| 17,5) 21,1 24,3| 19,3| 14,0] 7,6| 2,51 468,5 
Schemacha, Höhen des linken | | | | | | 
Kurathales (unterer Lauf). | | | | | | | | | 
Br. 40°37', Lg. 66°19',Höhe 2230‘. 3,3 —0,3| 6,6| 12,3] 17,3] 20,9 2351 1821| .13,01 Tag) 381 
Schuscha, östl. Karabagh. | | | | | | | | | | 
Br.39°46‘, Lg. 64°25‘,Höhe4350'.| 0,8) 12] 2,4 70| 132 1,2 | 18,9| 13,1] 98 40) m u. "| 528 
Wladikawkas, Nordfuss des Gr. | el ee | 
Kaukasus. | | | | | 
Br. 43°1‘, Lg. 62°21‘, Höhe 2368‘. 2,9 —4,01—0,1) 9,4| 15,2 174 19,2) 20,3| 14,8| 10,4| 520,1] 8,7! 1067 
| | 1812| ale BIER | 


Der Vogel-Zug. 521 


Der Vogel-Zug. 


An die im Vorhergehenden gegebenen Schilderungen des Talyscher Tieflandes 
im Südwestwinkel des Caspi schliesse ich jetzt zunächst eine lange Reihe phaenologischer 
Beobachtungen, die namentlich den Vögeln gelten und zugleich Temperaturen und Wind- 
richtungen geben. Es liegen uns leider aus den weiten kaukasischen Gebieten ähnliche, 
ausführliche Beiträge der Art nicht vor. Ueber das anderweitig von mir verwendete 
Material, welches Bezug auf die Wanderungen hat, spreche ich weiter unten. Meisten- 
theils hat es keinen Werth und ist unglaubwürdig. Hier nun also das, was ich selbst 
in Lenkoran niederschrieb. 


Phaenologische, Temperatur- und Windbeobachtungen *) in Lenkoran 
4879—1880). 


Die Grade nach Reaumur’s Scala. 


Beobachtungszeit. | Tempe- 


| 
Tag, Stun ne) | tan Windrichtung und Stärke. Bemerkungen. 
1879,November. | 
| “Mg. + 45 NW. schwach. Im Garten Alles noch blühend, in vollem 
14./26.. 2 Nm. | ++ 1225| NW. „ bewölkt.) Triebe die Tropaeolum-Arten.  Lev- 
| 9-Ab. +11. NW. ] Inder kojen, meistens einfach blühend, werden 
| Nacht 0,05" Regen. mehrjährig, haben zolldicke Stämmchen 


von 1—2‘ Höhe und darauf regel- 
| mässig gebildete Kronen. Mittags 
schwirren viele Insekten, auch Bienen 
schwärmen. Die Staare geschaart, 
aber noch wenig in dem Orte, meistens 
weit fort in der Mugan oder am 
| unteren Kuralaufe. 

7 |+ 9,75/NW. schwach, ganz | Alles Wiesenland noch üppig grün. 


| 
| 
| 
| 


bedeckter Himmel. Ebenso die Rohrbestände. 


I ee) |0S0. schwach,bezogen. 
9 az 8,25 |SO. schwach, leicht be- 


zogener Himmel, 


7 IR 65 SW. schwach, fastklar.|Im Garten blüht noch Oxalis cornieu- 
169282) 2 711510. e ie lata L. Die immergrünen Rosen, auch 
ale die Ranunkel-Rosen und zwei Remon- 

‚SO. stärk : : 

Be us eo nezogen tanten in voller Blüthe. Columba 

| palumbus in der Ebene. 

+11 SO. stärker, leicht be- | Grosse Schwärme von C. palumbus, 

| zogen. nach Tausenden zählend. Sie haben 

17.729.‘ 2 +1525|SO. stärker, fast klar. | die Buchenwälder auf den Höhen ver- 
9 I & 105 |WSW. schwach, fast lassen und bewohnen die Ebenen mit 

Kar vorwaltendem Eichenbestande. 


Ne) 


-—] 


{ 
| 


*) Die Temperaturen und Windrichtungen erhielt ich von der meteorologischen Station, welche 
in Lenkoran bei dem Leuchtthurme besteht, zu dem einer der beiden frühern Vertheidigungsthürme ein- 
gerichtet wurde. 

**) Die Zahlen bedeuten überall: 7 Uhr Morgens, 2 Uhr Nachmittags Bun. Uhr Abends. 


Radde, Ornis caucasica. 


522 Der Vogel-Zug. 
Beobach Kanes zeit u Windrichtung und Stärke. Bemerkungen. 
© - 
November. | F T., 
7 +6 SW. schwach, fast klar. Die Eichenwälder, auch ©. castaneae- 
18./30.! 2 |+1225|SO. stärker, „ „ | folia noch ganz grün, ebenso Parrotia 
| 975 |SW. persica. Die Waldzone über 3000' 
It - 2 Tri | winterkahl (Fagus). 
7? + 6 |SSO.schwach, „ „| 
Le 2 + 12 Ö. » » 2 
Dez. | 0) hi 8,25 SW. L r E | 
| 2 8,4913 W. E » »  |Zur Mittagszeit die Staare in den 
20./2 \ 2 + 13,75 |still, fast klar. Pyramiden-Pappeln sehr lebhaft und 
ur 9 -+1025|SO.schwach, leicht be- | @nhaltend singend, dicht geschaart 
| i "zogen sitzend, so dass die Aeste sich oft 
| zu biegen. Ardea stellaris ist ange- 
| | kommen, aber noch selten. 
\ 7 |+ 6 SSW. leicht be- | Die Rohrdommeln werden häufiger, 
21/3 | zogen. im Wolgadelta muss es-kälter werden 
wo 9 + 13,75 |SO. : Aa | und wohl schon Winter sein. 
9 |+ 7125|SO. stärker, fast klar. | 
\ 7 + 11,750. schwach, fast klar. | Andrang namentlich von Bekassinen 
22./4 2 |+123 |ONO. stark, bezogen. | und Zwerggänsen, die aus Norden 
RG) | 2095, 10NO teven seit (Wolga-Niederungen)kommen. Letztere 
| ee 7 Uhr ee Ei fallen in grosser Zahl in das Garn. 
ed de Nach Erstere bevorzugen die alten Reis- 
anhält i ‘, felder. Ich höre Nachts Oharadrius 
al \ pluwialis. Die Vögel ziehen bei 
\ schlechtem Wetter durch, pfeifen un- 
aufhörlich. Oydonia hält das Laubnoch. 
7 |+ 85 |NO. ziemlich stark, | Anas boschas wird sehr gemein. 
| | Regen. | 
ee |+ 8 | NW.mässig. Regen bis 
23./5. | | 3 Uhr Nm.,seit gestern 
| ist 0,14” gefallen. 
9 | +8 NNW. schwach, bezog. | 
ZA SW.schwach, fast klar. | Die erste Dafila aculta fällt ins Garn, 
24/6 \ Du een SO. stärker, „ , auch Aithyia nyroca, Anas 
4 | 9# |QUf arhur boschas in Menge, ausserordentlich 
z | a fett, vorwaltend Männchen. Wiederum 
| | neue Flüge von Anser minutus, 
| | , aber keine der anderen Wildgraugänse. 
7 |+ 45 [SW „, » » Um 6 Uhr 40 Minuten Abends sehr 
25./7 2 /+-145 |SO. 5 » „| starkes Erdbeben aus W—O.; zweimal 
a ee Sl) 0.) wellenförmige Hebung. 
AS n » 2 
26./8. 7 41775 Bei solchen Winden weiss man, dass 


7,75 |S.undSSW .stark,stoss- 


weise, sehr warm und 
trocken; dieser Wind 
wird Gärmidsh ge- 
nannt und hört plötz- 
lich um 9 Uhr auf. 


| abkühlender Gegenwind folgen muss; 
dieses trifft ein, wie die Beobachtung 
für 2 Uhr lehrt. 


Der Vogel-Zug. 


523 


Winden, 


Sonnenblumen und 


B ee Tempe Windrichtung und Stärke. Bemerkungen. 
Nov.— 2 |-+12 NNO. stark, kalt, be-| 
Dez. deckter Himmel. 
26/8. | 9 |+ 9,75\0NO. sehr stark, be- 
| zogen. Seit 3 Uhr 
Nachts Regen. 
7 + 7 |ONO. stark, Regen. |Bei dem Wetterwechsel haben sich alle 
279.! 2 |+ 45 |NW. 2 R kleinen Vögel in die dichtesten Jongeln 
| 9 |+ 3 |NW. mässig, „ Ve, 
7 |+ 35 |NW. mässig, seit 10 | Monats- und Ranunkel-Rosen in voller 
Uhr früh kein Regen, | Blüthe, Passiflora im freien Lande in 
| es ist 0,07“ Wasser | vollem Triebe, Antirrhinum, Zinmia, 
| gefallen, Nebel am| Balsaminen, Maurandien, 
28./10. | FussedesGebirges,um | Verbenen blühen im Garten, der Boden 
| 1 Uhrüberall bezogen. | ist von Oxalis corniculata stellenweise 
2 + 55 |NNW. mässig. dicht bedeckt. 
9 I+ 525|Nw. bezogen. Tropaeolum in voller Kraft und Blüthe. 


Rieinus, bis 20° hoch und bis 4“ Stam- 
mesdicke unten, steht im dunkelsten 
Grün, ebenso Arm odorum. Oydonia 
hält noch das Laub, ebenso Hlbiseus 
syriacus und zum Theile selbst Acer 
insigne. Dagegen haben die Wein- 
rebe, die Zitter- und Pyramiden-Pappel, 
die Feigen und auch Gleditschia caspia 
und Acacia (Albixia) julibrissin kein 

Laub mehr. 

Nach dem Unwetter sind heute viele 
wildeGänse,Süsswasser-Enten und 
auch Totanus- und Trönga-Schwärme 
angekommen. Doch wird bei Len- 
koran unausgesetzt soviel geschossen, 
dass die Vögel gar nicht zur Ruhe 
kommen. Selbst in der Nacht. dauert 
das fort. Man schiesst überhaupt auf 
Alles, was fliegt. Kiebitze haben 
sich jetzt in Menge eingestellt, sie 
sind aus der nahen Musan hierher 
getrieben. Als seltener Wintervogel 
wird eine Avocette erlest. Totanus 
calidris zeigt sich häufiger, so auch 
die grosse Rohrdommel. Zum ersten 
Male beobachtete ich die Bekassine 
geschaart; ich sah Flüge von 15—20 
Stück beisammen, aber schr scheu. 
Den kleinen Körnerfressern wird es 
im Tieflande zu nass, namentlich be- 
geben sich die Edelfinken zeitweise 
auf die Gebirgsabhänge in den lichten 
Wald. 

66 * 


524 Der Vogel-Zug. 


ar zeune: Windrichtung und Stärke. Bemerkungen. 
Nov.—Dez. | 
7 + 45 |NW.ziemlich stark, be- Der geringe Luftzug macht sich nur 
\ | zogen. am Meeresufer bemerkbar, tiefer land- 
29/11.” 2 |-+ 6,75 NNW. schwach, be-| einwärts ist es ganz still. Die Sing- 
| zogen. drosseln sind in die Ebene ge- 
9 |+ 675|NW. ziemlich stark, kommen. Uhauliodes angusti- 
Dhesosann "' rostris Mentr. wird jetzt erst auf- 
= gefunden, die Zwergscharbe ist 
| häufiger geworden. Die Goldregen- 
| pfeifer ziehen noch. 
| 7 + 6  |NW.schwach, bezogen. | Auch heute ıst es auf dem Lande ganz 
30./12. 2) NNO. °, e stil. Flamingos ziehen gegen 
oe es IN Wilnsseio | Süden, die Sultanshühner (Por- 
| | FIRE phyrio) sind besonders häufig an- 
zutreffen und zwar geschaart, die 
| | Krickenten ebenfalls. Bauteo 
| tachardus sucht das wildreiche Tief- 
land auf, wo ihm die krank geschossene 
| Beute der Jäger reichlichste Nahrung 
Dezember. | | | bietet. 
! 7 \+ 5  |NNW.mässig, bezogen. |Staare leben wie früher namentlich 
1/13. 2 |-+ 85 |ONO. stark, n | zur u in den Pape, Grau- 
| 825|1ONO. stark. R | gänse und Anser albifrons sowie 
19 er Sn En eenn | En Totanus in der en Mu- 
| gan. N neo ziehen südlich, 
niedrig über das Meer. Viele Rohr- 
_ | i dommeln in den Sümpfen. 
7 +5 |NW. mässig, bis 10 | Grosse Schaaren von Feldlerchen sind 
| Uhr 0,14“ Regen ge-| in der Mugan angekommen. 
| fallen. | 
es 2 + 5,75INNO. mässig. Von 2| 
2./14. | Uhr an wieder Regen; 
| es fällt bis zum Abend | 
| 0,03“. 
9 |+ 55 INW. mässig. 
\ 7 + 45 |NW. mässig, Regen. | Alles in den Jongeln versteckt. Abends 
3./15 2.7. 74,75. NW. S 3 bellen die Schakale nicht. 
ag 2724051 R | 
| | bis Mitternacht sind 
| \ 0,04“ gefallen. 
| 7 + 45 NW. mässig, bezogen. | |Auf dem Lande seit Mitternacht ganz 
4/16. 2 |+ 65 |INNW. „ > stil und kein Regen. Nur Kohl- 
' 9 |+ 575|NW. n meisen tummeln "sich am Morgen; 
| i | später wagen sich Rothkelchen und 
| | Zaun könig aus den Verstecken, sie 
| | | singen erst um 9 Uhr. Es ist gar 
El | zu nass. 
sm. 8° + 2 |SW. schwach, fast klar. in race Mast m Rieinus 
; 2 +10 ONO: » » | und Arm noch nicht verletzt. Die- 


Der Vogel-Zug. 525 
De u: Windrichtung und Stärke. Bemerkungen. 
Dez. 5./17. 9 +5 SW. schwach, fastklar.| Rothkelchen singen fleissig am 
Morgen. Mittags schwirren noch 
Noctuen. Die Wiesen erglänzen pracht- 
voll grün im Sonnenschein. Im Suant- 
Gebirge Schnee. 
\ 7 | — 0,25 |SW. schwach, fast klar, Die Sultanshühner haben sich noch 
6./18. 2 +87 180. 5 Baer mehr vereinigt. Es giebt Völker, die 
| 9 | +52 |ssw aus über hundert Individuen bestehen. 
| + Sn Panel Falco aesalon heute zum ersten Male 
| erlegt. Mot. boarula wintert hier. 
! 7” 1 +0,75 |SW. 5 » » ‚Arum frosttodt. Comvolvulus und Ipo- 
7./19. 2 +95 |ONO. mässig, „, , moed haben gelitten. Chrysanthemum 
msg +5 NW. mässie, bedeckter | Wnd Zinmia hören auf zu blühen. 
| el gegen Morgen Papaver somniferum treibt die Wurzel- 
| ne ron. blätter stark. Recinus bat keinen 
| 2 Schaden erlitten, ebenso die Rosen. 
| Viele Kernbeisser (Coceothraustes 
vulgaris) in den Gärten. 
\ 7 146 NW. mässig, Regen. 
8/20. ! 2 | +5,25 INNO. stark, 5 
| 9 | -+5,25 |NW. mässig, bedeckter 
| Himmel; bis 8 Uhr 
Abends sind 0,13“ 
| Regen gefallen. 
\ 7 |+3 \,WNW.mässig, bedeckt. 
9./21. j 2 | + 6,75 NNO. » n 
9 +4,75 |SO. schwach. a 
7 | +25 |SW. „fast klar. | Oydonia hält von allen Laubhölzern 
10./22 2 N. mässig, bezogen. das Blatt am längsten. Der Wald 
./22. 9 | 2635 |nw. mässig. Regen (namentlich Eichen) jetzt herbstlich 
R seit 5 Uhr Abends: es| }othbraun. Junge, kräftige Exemplare 
fallen bis 6.Uhr früh | Yon Acer insigne hoch belaubt. Del- 
0.03%. phinium ajacis frisch blühend. In den 
| 5 | Akazien tummeln sich Regulus eristatus. 
1. |+425 |NW. mässig, feiner|Ich beobachte die Nebelkrähen in 
\ | Regen. einzelnen Paaren, doch leben die 
11/23. 2 | +5,25 |NO. stark, es sind 0,09| meisten noch geschaant. 
| | Zoll Regen gefallen. 
g --5 NO. mässig bis 3 Uhr 
| Nachts sind 0,14” ge- 
| fallen. 
\ 7 +3,75 |NNW.schwach,bewölkt 
12/24. | 2 | +5 NNW. mässig, bewölkt. 
9 +45 |NW. £ = 
\ 7 |1+3 NW. „feinerRegen.. (Ich reise nach Titis; Herr Leder macht 
13./25.? 2 |+6,75 |NNW. , erlls a bis zum 6.18. Fe- 
naar ln nes Wa 


526 


Der Vogel-Zug. 


am 


ae a Windrichtung und Stärke. Bemerkungen. 
Dezember. 
7 +2 NW. schwach, trübe 
Nacht. 
14./26. | >) +5 SO. schwach, klar. 
9 +25 |SS0. „ # 
7 — 1,75 SW. schwach (nur am | Melanocorypha tatarica und M. 
\ Meere), fast klar. calandra hier als seltenste Gäste 
15./27.| 9 +7,75 SO. schwach. angekommen, Dünenvögel, das Tief- 
| 9 +1,75 |SW. { land ist ihnen zu nass. 
| 7 —+ 1,75 | NW. schwach, ziemlich ; 
klar. 
16/28. 2 + 6,25 |NW. stärker. bedeckter 
Himmel. 
9 -+- 2,75 |NW. schwach, be- 
deckter Himmel. 
7 +25 |INW. schwach, be-|Saatkrähen und Dohlen tummeln 
| deckter Himmel. sich in der Ebene, namentlich 
| D) +2 NW. stark. es fällt der| Waldrande. Von kleinen Vögeln nur 
17./29. | erste Schnee, erist| Edelfinken häufig. 
| kömig und thaut am 
| Boden tort. 
9 a NW. schwächer, klar. 
7 as) NW. ganz leicht, „ 
18/30. 2 5% 3,75 |NW. stärker, 5 
| 9 +2 NW. schwach, S 
\ 7 —3 WNW. ., „ | Rieimus ist im Laube I frosttodt, 
‚2 - bis dahin hatte er sich gut gehalten. 
Il : 1. Bi 2 i In der Mittagssonne ae noch 
z j % % einige Vanessen; doch Eulen fehlen 
schon ganz. 
4 7 —3 NNW. „ E 
20/1.\ 9 | 26: N ! ? 
Jan. | 9 | — 0,75 |NNW. fisch „5 | 
7 +1 INNW. schwach. Das Eis thaut heute an beschatteten 
21/2. \ 2 +95 |Istill. | Stellen nicht mehr auf. 
I 9 |-+2 |SW. schwach. | 
7 | 0925 |SW.schwach,bedeckter Nur die Küstenzone des Meeres und 
\ | | Himmel. I sind. berIE I 
a Fr SERIE here “htac, Wald ist ungemein todt. Hier un 
= N re N a da eine DISS SET eine Amsel, Kohl- 
9 | +25 INWw. starker Regen: und Blaumeisen im niedrigen Holze, 


selbst Häher selten, Rothkehlchen 
ab und zu singend. Die Jongeln bieten 
mehr Leben. Bis auf die braunen, 


| trockenen Blätter an den alten Eichen, 


welche erst im Frühlinge fallen, ist 


Der Vogel-Zug. 


eg us Windrichtung und Stärke. Bemerkungen. 
Tea | Alles kahl, an den Spitzen der Aeste 
; | junger Weiden befindet sich noch 
frosttodtes grünes Laub. Oyelamen 
coum blüht schon. 
\ U +1 | ne ee un- 
9a) 5 5 aufhörlich regnet es, in 
el, s BE HE den letzten 2dStunden 
i fiel 1,12“ Regen. 
d +0 SW. schwach, klar. Die Maskenlerchen sind vom Gebirge 
24.5. \ PD 6 NO. 5 n herunter gekommen und leben in 
I 9 +1  |wNWw. i : kleinen Schaaren auf den Dünen. 
7 —.1,25 |WSW. „ » 
25.6 \ 2 +5,75 |NNW. ziemlich stark, 
U | | klar. 
[| 9 | #0 |WNW. ziemlich stark, 
| | klar. 
\ 7 | +0 |NO. schwach, trübe. Wildgänse (Anser albifrons) 
26/7 Dr. 225 NG: 4 x ziehen gegen Süden und kehren nicht 
I 9 !+072 |no. £ R zurück, wie das oft bei recht schlechtem 
| | ; Wetter stattfindet. Vom persischen 
| Hochlande ist Erythrospixza rho- 
doptera Lichst. herabgekommen, 
Dünenbewohner, aber sehr selten. 
| 7 | 23 |SW. schwach, klar. 
27./8. 2 ,+45 |S. »„ bezogen. 
oe eissw. S 
\ 7 | — 2,75 ISW. Ssklar. Flamingos, Pelikane und Schwäne 
28./9. 92 | 552 IONO: ; e haben sich auf den flacheren Meeres- 
| ol Iwsw. _ i buchten stark geschaart. 
ae iwsw. N; 
29./10. DER} 7.250050. %- 8 
a Fee Se 
' @: 1 |sw 5 
' | 7 INNW. ziemlich stark, | 
30/11. | ee 
9 | +0,25 |SW. schwach, klar. 
| 7 | —175|NNW. , 3 
3l/12, 2 +5 |NW. stärker, , 
92 7=31,10 |WNW. schwach, „ 
1880, Januar. | | 
7? |#+0 |NNW. mässig, „ 
ına.\ 2 |+6  |NNW. stärker, leicht 
| | bewölkt. f 
9 +05 |NW. mässig, klar. | 


5928 Der Vogel-Zug. 


ne u Windrichtung und Stärke. Bemerkungen. 
Januar. x 
+1,25 |N. stärker, bedeckt, 
| 0,01” Regen. 
2/4 | 2 +3  |NNW. stärker, bedeckt. 
9 |-+-075 |NNW. mäsig, „ 
7,3 SW. schwach, klar. 
3/15. 2 |-+4%425 |NNO. mässig, fast still. | 
9 /+025 NW. klar: | 
? \+1 |INNW „ „sm 
\ | N. und NO. Gewölk. 
4./16. 2 |+5,25 INNO. mässig, klar. | 
9 EAN) | WSW.schwach, „ | 
U ISW. A ü ‚Viele Waldschnepfen haben den 
9./17. 2 +5,75 Inno. gering, , dichtern Wald verlassen, ebenso die 
a as NNW De ä Rothkehlchen. Sie leben beide 
| ann Sum: häufig jetzt in den Gärten des Ortes. 
| | Die Waldschnepfen sehr zahm, 
| | weil hungrig. 
U AI = 2 In Folge der stärkeren Nachtfröste 
Bye 762540. E bleibt im dichten Walde der Boden 
9 1-05 |sw i £ | gefroren, ist auch zum Theile von 
a | < af RL ” Schnee bedeckt, weshalb es den Vögeln, 
\ er ıSW. gering, r die ihre Nahrung im und auf dem 
une 2 +99 |NNO. mässig, „ Boden suchen, dort schwer wird zu 
I 9 | — 03 |wnw. 5 5 existiren; sie suchen die freieren und 
\ 7 |-1L5|NNW „ _ geschützteren Plätze in der Stadt auf. 
8./20 er ONO ; | So auch die Sing- und Wein- 
Vz lo rt 2 | drosseln und die Amseln. Am Tage 
5 40 |SSW. gering, „ | wird es so warm, dass’noch Insekten, 
| \ namentlich Dipteren undHymenopteren, 
| fliegen. Am$8.schwärmensogar Mücken. 
\ 7 — SW. schwach. |Das Wetter ändert sich: Stratus am 
9/21 B) 158 NNO. „, | Himmel, Abends der Mond mit Hof. 
I 9 |+3 |WNW- mässig. | 
' 7 | -+1/75 |NNO. mässig, trübe. |Die Waldschnepfen sehr matt, fliegen 
10./22 2 1 +5,75 |ONO. N 3 | nicht gerne auf, suchen sich durch 
Br Il 9 + 525 ONO ee | Laufen zu retten, man kann sie mit 
RE 7 EN ar gen. | den Händen greifen. 0,01 Zoll Regen. 
' 7 +4 NNW. frisch, » | 
11.,23 2 +3 NNW. mässig, „ 
I 9 |+25 |NW. frisch, B 
\ 7 +2 NNW. frisch, trübe. |Schnee bis 10 Uhr, thaut aber bald 
12.724. 3 +325 INNO. 3 & fort, 0,02“ Wasser. Die Woald- 
9 SEHE NNW mässıo schnepfen verhalten sich wie früher. 
\ Ü +0,75 ıNNW » bedeckt. 
13.,25 2 +35 |NNW. frisch, klar. 
1.9 977 INNWeemässie, , 


Der Vogel-Zug. 


529 


DRS Tas, Windrichtung und Stärke. Bemerkungen. 
Januar. | 
| 7 | — 3,75 |WSW. schwach, klar. 
14/26. \ 2 | -+4,75 |NNW. mässig, „ 
5985 2.095480; n 
7 Ss) NNW. schwach, klar. 
\ 2 + 425 |NNW. frisch, im S. 
15.727. 4 bewölkt. 
/ & -+ 0,25 NNW. mässig, im S. 
Schnee. 
1 — 2,5 | NW. schwach, bedeckt. 
16/28.) 2 | +4,25 |NNO. mässig, klar. 
9 ı +225 |NNW „ 2 
ET. — 225 ıNNW.: , Nachts |Feldlerchen in ungeheuren Schwär- 
\ | 2“ Schnee. men, aber ee u en hier zu 
mot $ oe 5 nass —, nur die Zwergdünen frequen- 
: wer a SSawarlı, har tirend. A Alle ann Vögel a, den 
i en 15% ü 2 Jongeln. 
a A SO: A R 
18./30.! 2 + 225 |NNO. „ bewölkt. 
| 9 |-++2:- |NNO. frisch, „ 
@ | — 0,25 |NNW. mässig, klar. 
19/%31.! 2 | +55 |NNO. > 2 
Ko NSW, f 
N 7 |—-2 |WNW.schwach, „ Die ersten von ee De 
Jan.|Kebr. | ION Eee nareissus erschliessen sich im Garten. 
20./1. : BC Be 2 Die Blumenknospen der gefüllten Nel- 
N ee u ken haben trotz der Kälte nicht gelitten. 
Die Passifloren am Balkon (gegen W.) 
| und die Citronen-Bäumchen in Kübeln 
sind ebenfalls ganz frisch im Laube. 
Veronica agrestis erschliesst einzelne 
| Blümchen in der Sonne. Die Weiden 
| | schieben die Kätzchen vor. 
\ 7 | — 4,75 |SW. schwach, klar. 
21./2. 2 | +55 | OSO. mässig, 5 
ho ln | Re 
7 — 35 |SW. E 3 
22./3. 2 ,+625 0. 5 & 
Io os m 
| a 375 |SW. x = Es ln ne 
sg sie leben namentlich im Delta des 
23/4. J 5 = ee Ä j Lenkoranka-Flüsschens. 
2 d | — 225 |SW. K = 
ZB, 2, 235580 „  Stratus. 
9 |\+5 OSO. mäss., fein.Regen. 


Badde, Ornis caucasica. 


67 


530 


Der Vogel-Zug. 


Bemerkungen. 


Im Walde viele Waldschnepfen, aber 
kleine Vögel fast gar nicht. Die 
Blüthenkätzchen von Alnus glutinosa 
und A. cordifolia sowie von Corylus 
avellana sind ausgewachsen, aber sie 
stäuben noch nicht. Die immergrünen 
Rosen am Balkon haben noch Blumen- 
knospen, die halb geöffnet sind. 


Winternde Wachteln ab und zu be- 
obachtet in den Zwergdünen. 


Auf freien Stellen im Walde blühen 


ee Sr Windrichtung und Stärke. 
Jan. / Febr. 
\ 7 +0,25 |NNW. mässig, klar. 
2s/ouı 2.1.75 NO. i £ 
9 | +15 ISO. schwach, „ 
EN SW. e 5 
26./7. 2 | +3 so. = A 
Io N ws { 
7 —+ 3,25 | NO.mässig,trübe,feiner 
\ & Regen. 
27.8.1 2 | +4 ONO. frisch, trübe, 
| feiner Regen. 
9, +2,25 NO. frisch, Schnee. 
\ 7 SER) |NNW. schwach, klar. 
28./9.! 2 + 7,25 |SO. mässig, klar, der 
| | Schnee schmilzt. 
9, +1 SO. schwach, trübe. 
el [ININIWVA A005 bedeckt. 
29./10. 27 221757 [0NO 7, 3 
9 | +1,15 |NW. mässig, 5 
\ 7 |-+1,75 |NW. schwach, 1 
2 |-+2,75 |NO. mässig, ab und zu, die Schneeglöckchen. 
30/11" | | feiner Regen. 
91+3 NW. a 
I | OU NW 
ae 2 Sp nNIWEREES O0 
eos inw oo 
es} NO. frisch, trübe, | Bei Baku Schneesturm. 
Februar \ | reenerisch. 
113. 2 |+35 |NO. frisch, trübe. 
9 1 +2,75 |NO. ,„ 3 
Keil | NO .frisch,etwasSchnee. 
2/14! 2 +2 NNO. mässig, bedeckt. 
| 9 |—0,75 |SW. schwach, klar. 
Zu 35) Sswen. 3 
3./15. 2 |-+5,5 |SO. mässig, N 
| 9 |#0 |SW. schwach, „ 
DaB lswer A 
4./16. 2 +65 [0S0. „ 5 
I 9 1 +0,75 |SO. 


n » 


Der Vogel-Zug. 


531 


ne nr Windrichtung und Stärke. Bemerkungen. 
Februar. | 
7 ,-+-125 NW. mässig, ziemlich |Ich bin von Tiflis wieder zurückgekehrt. 
| klar. | 
5./17. 2 —+- 4,75 |NO. mässig, ziemlich 
klar. 
9 +3,25 NO. mässig, ziemlich 
klar. 
| 7 +2 NNO. schwach, ziem- 
; | lich klar. 
6./18. 2 |-+6,25 a stärker, ziemlich 
klar. 
| 9 0) NW. mässig, ziemlich 
| klar. 
7 |—05 |NW. frisch, bewölkt. 
a 2 — 15 |[NNO.frsch,Regen0,11” 
| 9 |—2,75 |NNO.mässig, „ 0,02“ 
a) NW. schwach, trübe. | Schneesturm seit gestern, hält während 
8./20. 2 +05 |N.mässig,trübe,Schnee. | der ganzen Nacht an. Die Jäger 
9 225 |INNW. mässie. trübe. | Minden fast gar nichts; Alles hat sich 
2 : = in den Jongeln versteckt, wo. man 
nicht jagen kann, weil °/, vom Er- 
legten im dichten Dornengebüsche 
nicht zu finden ist. Das Laub der 
Passifloren im Garten hat sehr vom 
Froste gelitten. Erst Nachmittag lässt 
der Schneesturm nach. Es sind 5 
Zoll Schnee gefallen. Ermüdete und 
halbverhungerte Enten und Wald- 
schnepfen werden beständig ge- 
bracht, namentlich Fuligula ferina 
und rufina. Die Molokanerknaben 
fangen in Schlingen, die sie auf schnee- 
freie Stellen legen,allerlei Vögel, nament- 
lich Bekassinen, Waldschnepfen, 
Rothkehlchen und Singdrosseln. 
Alle Staare halten sich in der Nähe 
der Wohnungen auf. Grosse Züge von 
Berniclaruficollis werden beobach- 
tet; sehr unruhig, ziehen gegen Süden, 
kehren aber auch um und ziehen wieder 
gegen Norden, wissen gar nicht recht, 
wo sie bleiben sollen, denn dort im 
Süden liegt hohes, bewaldetes Gebirge 
und hier im Norden wüthet der kalte 
7 |—4,75 |NNW. mässig trübe. NW. undN. Viele Vögel kommen um. 
9/21. 2 |—2,5 |NW. mässig, 0,01“ 
Regen. 
9 |—2,5 |NW. mässig. 


67* 


532 


Der Vogel-Zug. 


en au Windrichtung und Stärke. Bemerkungen. 
Februar. 
7 —35 ıNNW. schwach, trübe, 
\ der Schnee hält sich 
a in der Stadt. 
NP | 2 | +05 |NNO. schwach, 
9 —1 NNW. mässig. 
\ 1 — 1,25 |NNW. schwach, klar. |Im Garten, Exposition gegen W., noch 
11./23. >) + 3,75 |N. mässig, AR an 8 Uhr früh —1°. Der Schnee 
72 schmilzt theilweise, der Zustand aller 
3 a 0192 SO Schwach, 2 Insektenfresser ist erbärmlich. Es sind 
viele vor Hunger und Kälte umge- 
kommen. 
\ 7 — 0,75 |SSO. schwach, klar. I Schnee thaut im Verlaufe des 
\ Tages fort. 
IE | 2 + 4,25 |SO. » 2) | Die Kohlmeisen locken eifrig. An den 
r 90: 5 5 ‚ Mandelbäumen und Eschen schwellen 
die Knospen. Acer insigne rührt sich 
| | im Safte noch nicht. 
\ { +05 ıNNW. schwach, klar.  Eyster warmer Frühlingstag. Die Sper- 
13./25. 2 —-12,75 | SO. schwach, klar. | linge kämpfen um die Weiber, es geht 
1 97 (=+105; SO! a .\ dabei ungemein lebhaft und lärmend 
| | her. Blau- und Kohlmeisen locken 
beständig. 4 Oygnus, olor ! (ob auf dem 
| Zuge nach N.?). Pyramiden-Pappeln, 
| namentlich jüngere Bäume stark im 
| | | Safte. 
en +25 | still, klar. ‚Ciconia nigra ist angekommen, aber 
14./26. 2 | +8,75 ‚NNO.schwach,bezogen. noch selten. Der erste Kranichzug 
! 9 |+35 |NNW. mässig, „ wird bemerkt. Diese Vögel-haben hier 
| | geruht und kreisen jetzt hoch, bevor 
| sie weiter wandern. Dies waren die 
| ersten Vorzügler, erst Anfang März be- 
| | ginnt der eigentliche Zug. Von W ild- 
| gänsen sehe ich immer nur Anser 
einereus hier, niemals A. segetum. So 
auch finde ich hier immer nur Corvus 
| frugilegus und niemals (©. corone. 
| 7 |+425 |NNW.mässig, bezogen. Feiner Regen schon von 10 Uhr an, 
15./97 2 |-+2,75 |NW. mässig, 0,06 Nachmittags stärker. Grosse Bewegung 
JR. : | Ree ter den Süsswasserenten, fliegen 
egen. unter den ‚ Bieg 
$ !-+05 |NW. mässig, 0,11“. | in grossen Schaaren hin und her, 


rotten sich mehr und mehr. Machetes 
| pugnax zieht in unregelmässig grup- 
| pirten Haufen an und lässt sich ın 

ungeheurer Menge in den Wiesen 
| | nieder. Die Dohlen paaren sich. 


| 


| Regen. 


Der Vogel-Zug. 533 


Beobachtungszeit. | 
Tag, Stunde, 


Februar. 


ka 
N 
Be 
[89] 
Ne) 
No EN | 


Fbr. März.| 
NEAR 0 
| 7 
19./2 2 
rag 
ua 
20./3. 
| 
21./4. 
22.5. | 


=] 


[SS EE 


oD=<ı 


DD SI 


| Windrichtung und Stärke. 


Bemerkungen. 


‚SW. schwach, trübe 
| und regnerisch. 
‚SO. mässig, desgl. 
|SO. schwach, desgl. 


still, trübe, Nebel. 
‚SO. mässig, klarer. 


|SO. schwach, bezogen. 


| 
| 
| 
| 


1so. schwach, Nebel. 


> SO. stärker, klar. 


50° , » 


‚still, klar, dann Nebel. | 
5 NO. schwach, trübe. 


INW. mässig, „ 


| ONO. mässig, trübe. 
'o. 5 klarer. 
ı NW. > trübe. 


| 
| 
| 
| 
| 
| 


OSO. mässig, trübe. 
‚So. 
|SO. 
INW. schwach, trübe 
| und nebelig. 

O0. mässig, desgl. 


SOREE: desgl. 


n 2 
= Nebel. 


Nur Männchen von Machetes, alle 
im Winterkleide, ab und zu weisse 
Exemplare. Sazxicola saltalor ist 
angekommen. Die Zeisige im Tief- 
lande stark gerottet, singen eifrig in 
den hohen Ellern. 

Machetes sehr unruhig, zieht sogar süd- 
lich, weil bei Lenkoran beständig ge- 
stört. Falco peregrinus wird seltener, 
weil er den fortwandernden Wild- 
enten nordwärts folgt. Larus echthy- 
aetus erscheint an den Mündungen der 
Lenkoranka (Fischwanderungen auf- 
wärts). Die Pfeifenten sind jetzt 
die gemeinsten von allen Arten. 

Bernicla ruficollis sehr unruhig, 
rottet sich zum Fortziehen. Grau- 
Gänse ziehen in Menge direct gegen 
N. durch. Die Avocetten sind fort, 
ebenso die meisten Machetes. In den 
Gärten beginnen die Arbeiten, man 
pflanzt die Bäume. 

Die Singdrosseln fangen an, zu 
schlagen. Die Staare beginnen ihren 
Zug nach Norden. Delphinium ajacis 
im Garten 3—4 Zoll hoch, die Wurzel- 
blätter sind ausgewachsen, die Wurzel- 
blätter von Papaver somniferum haben 
vom Froste nicht gelitten. 

Am Meeresufer finden wir gar nichts, in 
den Wiesen nur ab und zu noch 
Moachetes. Im Buschwalde nur wenige 
Waldschnepfen, fast gar keine 
Rothkehlchen. Die Knospen der 
Eschen zum Platzen. An den Syringen 
schieben sich die Blüthenknospen aus 
den Hüllen hervor, die Blattknospen 
®/, Zoll lang geschlossen, die Brenn- 
nesseln 3—4 Zoll hoch. 

Zum ersten Male Finkenschlag. Die 
Singdrosseln singen eifrig. Die 
Stieglitze und Zeisige lärmen in 
den Kronen alter Rüstern und Ellern, 
leben noch beisammen. 

Die Ebenen sind ganz leer, die kleinen 
Vögelhaben sich wiederin die Wälder der 
Vorberge vertheilt. Finken schlagen 
eifrig. In den Jongeln einige Phyl- 
lopneuste rufa. 


534 Der Vogel-Zug. 
: l 
ee Fele Windrichtung und Stärke. Bemerkungen. 
Febr./März. | 
(ne) ISO. schwach, trübe. | Aegialites curonicus zum ersten Male 
Bean er) INO. mässig, Regen, (später erst häufiger). Die Hauptzüge 
REN 101022 von Anas querquedula treffen ein. 
9 -+ 4,75 |SO. mässig, Nebel. Turdus viscivorus wird Jetzt erst 
= erbeutet. Die Süsswasserenten 
halten sich auf den Morzi, A. angu- 
stirostris wird nicht mehr angetroffen. 
| Glaueion clangula auf dem Meere. 
| Undina mersa liebt das offene Meer, 
| bei O. und NO.-Sturm Uferbewohner. 
| Im Walde blühen an geschützten Orten: 
| Viola camina, V. odorata, Oyclamen 
| coum und Primula acaulis B iberica. 
Almus (beide Arten) hat abgestäubt, 
die Blattknospen an ihnen sind '/, 
Zoll lang, die Stützhüllen fallen an 
ihnen ab. Bei Carpinus betulus sind 
die Kätzchen über 1 Zoll lang, aber 
die Brakteen noch fest anschliessend. 
Crataegus stark im Saft. Die Knospen 
; schwellen. - 
7 Sr & O0. mässig, Regen, | Pandion zeigt sich. Viele Querque- 
0,02“. dula sind angekommen. Bei Astara 
24./7. 2 +65 |SO. frisch, trübe. ist Grus leucogeranus Be 
5 |S Re 5 worden, zum ersten Male. Am Vor- 
? Te wre mittage ziehen bei sehr schlechtem 
Wetter 2 Flüge Goldregenpfeifer 
durch. Ich höre ihren Pfiff, sehe die 
Vögel aber nicht. Die Hauptzüge 
| dieser Art viel später. 
7 + 5 WNW. mässig, klar. |Wenige Staare in der Stadt und nur 
25./8. 2 + 3,25 |SO. A „| kleine Flüge draussen sind geblieben, 
so. dies sind die Brutvögel der Gegend. 
9 4 so - 
2 Die Männchen singen und klappern 
| beständig. Alle Meisen locken. In 
der Nacht wieder das Pfeifen von 
3 h Charadrius. 
N a ISW. schwach, klar Die Knospen der Weiden brechen auf. 
26.9. ı 2 +10 SO. mässig, s 
| 0) +5 ISO. schwach, trübe. 
HAIE +4  |NO. frisch, Regen, Pandion und Schwarzer Storch 
\ | ı 0,02%. sind häufig geworden. 
27./10.° 2 | + 285 |NO. frisch, trübe. 
9 | +2,75 |NW. mässig, „ 
7 | +2,75 I mässig, 0,02“ In der Nacht Kraniche durchziehend, 
28/11 \ | Regen. | lärmend. Die meisten Zugvögel halten 
a 2 | +5,75 | 080 schwach. hier nicht zum Ruhen, sie thun das 
9 |+4 |SO. schwach. erst da, wo die breite Mugan-Steppe 


4 


Beobachtungszeit. 
Tag, Stunde. 


Tempe- 
ratur. 


Der Vogel-Zug. 


Windrichtung und Stärke. 


Bemerkungen. 


Febr. / März. 


3./15. | 


Noi SEEN 


[) 


1 


1 


IS) 


+25 
+27 
+2 


+4 


ei 
+ 025 


|-03 


+ 2,75 
+2 


| 


INNO. mässig, 


SO. schwach, bezogen. 
NO. mässig, 5 
0,05“ 


Regen. 


SSO. schwach, 0,01” 
Regen. 

NNW. frisch, bezogen. 
NO. stark bezogen. 


NNW. frisch, 0,17“ 
Regen. 
NW. frisch, 
Regen. 
NNW. mässig. 


0,02“ 


NNW. schwach, be- 
zogen. 


NNW. mässig, bezogen. 


NNW. „ 0,06" 
Regen. 


| gegen N. sich dehnt. Aegealites 
ceuronmicus ist häufig geworden. 

Numenius phaeopus wird zum ersten 
Male gesehen, kleine Banden, sehr 
scheu. (tconia alba ist angekom- 
men, ebenso die ersten Wiedehopfe. 
Die Grauammern locken eifrig. 
Anthus aquaticus singt. Auf dem 
Gerölle der Lenkoranka beginnt Na- 
sturtium offieinale zu blühen. Rubes 
fruticosus hat 1 Zoll lange junge 
Blättchen. 

Haliaelos albieilla auf dem Horste. 
Der erste Milvus aler. Wander- 
und Würgfalken schon sehr selten. 
Larus canus in den Wiesen. Ma- 
chetes wieder angekommen. Sitta 
caesia lockt im Walde, wo es noch 
recht “winterlich aussieht. Nur im 
Tieflande regt sich das Pflanzenleben. 
An Parrolia sind die Antheren jetzt 
stark entwickelt, stets an den Zweigen 

| nach unten geneigt, tief blutroth. 

Banden vom schwarzen Storch 

(pis 20 Ind.). Phoenicopterus zieht 

gegen Norden, nicht geordnete Haufen, 

| schwimmender Flug. 

‚In der Nacht grosser Lärm in der Luft, 
sehr schlechtes Wetter, Schneesturm, 
namentlich pfeifen die Regenpfeifer. 
Am Morgen ist circa 'y,' Schnee ge- 
fallen. Unaufhörlich ziehen Kiebitze, 
Staare, Oharadrius pluvialis, 
Tringa-Arten und Numentius 
phaeopus gegen S. Sie können sich 
bei diesem Wetter in der Mugan nicht 
halten. Anser hyperboreus wird 
in der Bucht von Kisil-agatsch noch 
bemerkt. 

Der Strand ist gut mit Crodcocephalus 
ichthyactus und Undina mersa 
besetzt; der scharfe N. trieb sie dem Ufer 
zu. Die Kehlsäcke bei Pelecanus 
erispwus färben sich intensiv lackroth. 
Eudromias Geoffroyi und Li- 
mosa melanura angekommen, aber 
nur wenige. Einzelne Kampfhähne 
tragen schon etliche Federn des Som- 
merkleides. Von Anas querquedula 
giebt es fast nur Männchen, es scheint, 


536 


Der Vogel-Zug. 


Beobachtungszeit. 


Tag, Stunde. 


Tempe- Windrichtung und Stärke. 


März. 


4./16. 


5/17. 

6./18. 
7./19. 
8./20. 


om <-ı 


ow<ı 


DD I 


Bemerkungen. 


+++ 


age: 


ee 
NW. mässig, bezogen. 


SO, i 


75 
‚75/SO. schwach, trübe. 


1 |SW. schwach, trübe. 
s OSO. mässig, „ 
1,75/SO. schwach, „ 

| 
05 |SW. schwach, klar. 
IENOSOFE, 5 
3 SO. schwach, bezogen. 
3. |SW. schwach, bezogen. 
10 |SO. a = 
552 |S0: 5 h 
3 NO. frisch, klar. 
B) ONO. mässig, klar. 
4 


‚75|ONO. schwach, klar. 


dass die Weibchen gesondert und 
später ziehen. 

In der Nacht wieder Schnee. Die hoch- 
nordischen Arten nehmen an Zahl 
sehr ab, namentlich fehlen die alten 
Vögel, so Mergus albellus und Glau- 
cion clangula. Die erste Budytes 
melanmocephalus. 

Milvus alter wird häufiger, ebenso 
Pandion. Graue Reiher ziehen, 
nicht hoch, ungeordnet, oft krächzend 
schreiend, direkt von S.nachN. Phala- 
erocoraw carbo in grosser Menge, 
was mit den Wanderungen der Fische 
zusammenhängt; dagegen Ph. pyg- 
maeus schon seit Mitte Februar selten. 

Die grossen Silbermöven (ZLarus 
argt.v.leucophaeus), noch geschaart 
auf den Inseln im Risil-agatsch-Busen. 
machen keine Anstalten zum Brüten. 
Ortygometra pyginaeabeilenkoran. 
Wiedehopf. Im Dünensande beginnt 


Erodium oxyrhynchum zu blühen. 
\Aegialites cantianus ist da; die 
| erste Uferschwalbe, Cotyle ripa- 
ı ria ebenfalls; beide wurden gestern- 
| (6./18.) schon bemerkt. In der Mugan 
| schwärmen noch die Feldlerchen, 
unterihnen vereinzeltauch Calander- 
| Lerchen. Jetzt sind hieralle Zwerg- 
trappen und Rothhalsgänse schon 
fort. Sie zogen bereits 14 Tage früher 
davon. In manchen Jahren giebt es 
ihrer unendlich viele.  Vereinzelte 
Thurmfalken in der Mugan. 
Budytes melanvcephalus aber noch 
nicht häufig, dagegen Motacella alba 
schon mehr angekommen, ebenso Upu- 
| pa. Fringilla cannabina und car- 
dwelis noch geschaart. Ungeheure 
Schwärme von Tringa alpina am 
Meeresufer, vorwaltend, ja fast aus- 
schliesslich Männchen. Im Walde viel 
Waldschnepfen, dies sind frisch 
zugezogene Vögel, nicht so abgemagert, 
| wie die hier winternden. Roth- 
| kehlehen locken. In der Mugan 
noch ungemein todt. Nur wenige 
Blumen von Iris reticulata. 


Der Vogel-Zug. 


537 


ee Rn Windrichtung und Stärke. Bemerkungen. 
März. 
ri +5 |SO. sehwach, klar. Fast alle Staare, welche ich sehe, 
9./21. 2 a] SO. frisch, N sind schwarz, oder doch nur äusserst 
£ a NERR) wenig gesprenkelt. Die erste Mönchs- 
. Ki ns 2 grasmücke lässt sich hören. Pra- 
tincola ruwbicola vereinzelt. Das 
Rohr beginnt zu treiben. Auf den 
| Dünen fängt Ornithogalum umbellatum 
zu blühen an. 
\ 7 + 2,75 |NO. frisch, klar. Sterna minuta ist angekommen. 
10./22. BR) +35 INO. mässig, trübe. Die ersten Blumen von Leontodon ta- 
| 2) In \ raxacum an den Rändern der Gräben 
. Ne 9; Ben mach bezogen. mit Exposition gegen SW. 
7 +1 I! NW. frisch, 0,07“Regen. | Pratineola rubicola häufig, Musei- 
| 2 N 5 
Bee 2 =0loHE NIWe = 00 capa atricapilla heute zum ersten 
INW. .ı Male. COyamecula suweciea zum 
19) +05 |NW. „ Regen,Schnee ee: | 
\ 7 —+- 0,75 | NW. frisch, 0,01”Regen. | Es liegt ’/,‘ hoher Schnee. Die ersten 
12./24. 2) -+225 |NW. bezogen. Sch walben, H.rustica, Totanus 
DB NIE mäseıe stagnmatilis ist da, schon im 
U NE Sommerkleide, auch Hypsibates 
wird zum ersten Male gesehen. Ac- 
| centor modularis weilt noch in 
| den Jongeln. 
\ 7 ,+175 |NW. mässig, Nachts Es ziehen viele Kraniche (die grossen). 
13/25 | Regen. Nur wenig Waldschnepfen blieben. 
‚© 2 +55 INNW.mässig, bezogen. Ruticilla phoenicura ist ange- 
/ 9 |£ 375 INNW. schwach. klar. kommen. Totanus fuscus zieht. 
\ 7 —+ 2,75 ‚NW. mässig, klar. Seit dem 12. ziehen Thurmfalken, 
9) 2 +5,75 NO. frisch, bezogen, | zwar vereinzelt, aber doch in weit- 
0,03“ Regen. En versprengten Gesellschaften. Saxi- 
Rn SWERSCH ch > cola oenanthe angekommen. Die 
> SEEN I Blätter von Lonicera caprifolium sind 
1" lang. Phylloscopus rufus häufig. 
7 + 3,25 |SSW. mässig, klar. Budytes Rayi und B. flavus sind 
15,727. D) ug 0SO. B x da. Motacilla boarula trägt schon 
9 on ISOsecheach das fertige Hochzeitskleid. Das erste 
: ! e u Exemplar von Cireus pallidus 
erlegt. Telmatias gallinago triftt 
ein. Grosse Rohrdommeln wurden 
| wieder angetroffen. Ardea purpu- 
rea ein Exemplar. 
7 14+4 NW. schwach, klar. |Es jubeln mit vollem Schlage die 
16,,28. | 2 +85 |SO. mässig, } Singdrosseln, Rothkehlchen und 
9 45 |SO.. schwach, trübe. Finken. Dohlen sind fort. Saat- 


Radde, Ornis caucasica. 


krähen nur wenige und diese ge- 

paart. Staare und Sperlinge haben 

die Nester gebessertt. Die Eschen 

sprengten die Blüthenknospen, die im 
68 


538 


Beobachtungszeit. 
Tag, Stunde, 


Tempe- 
ratur. 


Der Vogel-Zug. 


Windrichtung und Stärke. 


Bemerkungen. 


März. 


18,50. | 


DD 


wm SI 


19,31. | 


Ne) 


März/ Apr. X 
20/1. | 2 
Is 


Ka 


6) 


0=-89:25 


Sl) 
8 
+45 


r 


+3 
+ 10,25 
—+ 6,25 


NO. schwach, bezogen. 
NNO. mässig, 0,01“ 
Regen. 


ıNW. schwach. 


NW. schwach, klar. 


OÖ. mässig % 


INW. schwach, trübe. 


NW. schwach, bezogen. 


|SO. mässig, trübe. 


SO. schwach „ 


NNW. schwach, trübe. 
SO. mässig, A 


jso.0% 5 


| gekommen. 


| Stück erlegt. 


Freien überwinterten Levkojen blühen 
an den Spitzen, die Pfirsichblüthen 
noch nicht erschlossen, Zonicera capri- 
folium hat die Blätter auseinander ge- 


| legt, in Passiflora regt sich der Saft, sie 


wirft das alte Laub ab. Pferocanya, 
Planera, Glediütschia und Acacia Ju- 
librissin noch ganz in Ruhe, ebenso 
die Feigen. Graue Reiher ziehen 
wieder. 

Im Gebirge Schnee. Totanus ochropus 
und Ruticilla mesoleuca sind an- 
Alnus hat die Blatt- 
knospen gesprengt, das junge Laub 
der immergrünen Rosen im Garten 
schon ausgebreitet. Bei dem heute 
wieder statthabenden schlechten Wet- 
ter wandert Alles wieder gegen Süden. 
Nur eine nach mehreren Tausenden 
zählende Ma chetes-Schaar zieht di- 
rekt nach NO. über das Meer. Die 
schon längere Zeit in den Ebenen von 
Lenkoran lebenden Kampfhähne 
wechseln nach S. aus, ebenso Nu- 
menius phaeopus. 

Seit gestern zieht Pierocles al- 
chata. Die ersten Chettusia gre- 
garia,;, Pterocles zieht der Küste 
entlang. Die Blüthenknospen der 
Pfirsiche platzen auf. Die Kröten 
rufen Abends viel (die ersten hörte 
ich schon 5. März). Die Frösche 


| schweigen noch. Es wird die Doppel- 


schnepfe gesehen. 

|Hirundo rustica zieht stark, Pte- 
rocles in sehr grosser Zahl immer 
die Dünen suchend und ohne Rast 
wandernd. Ungeheure Mengen von 
, Machetes ziehen am Ufer des Meeres 
| entlang gegen N. Es sind ihrer soviel, 
dass mit zwei Schüssen der Jäger 24 
Oyanecula sweciea 


wird häufiger bemerkt. Bei dem Um- 
graben der Erde im Garten findet 
man grosse nackthäutige Schnecken 
| (Limax sp.) zu hunderten beisammen, 
winternd am faulen Holze. 
Falco aesalon zieht fort nach Nor- 
den, heute werden mehrere erlegt. 
Falco subbuteo ist dagegen ange- 


Der Vogel-Zug. 


m — 


ee Temps: Windrichtung und Stärke. 
März / April. 
7 + 525 |NW. schwach, klar. 
21.2. 2 +9 OSO. mässig „ 
oo so 2 
7 + 65 |S0. schwach, bezogen. 
22./3 >) Ba ONO. mässig ,„ 
! g +65 |S0. = klar. 
\ 7 AR NNO. schwach, klar. 
2 SR) OÖ. schwach, trübe, 
23./4. regnerisch. 
| 9 +6 SO. schwach, desgl. 
7 ER SO. mässig, trübe. 
24./5. 2 | +9,75 |SO. frisch, „ 
Noel SO. mässig, „ 


539 


Bemerkungen. 


kommen. Die beiden Podiceps-Arten 
sind verschwunden, schon seit Februar 
nahm ihre Zahl sehr ab. Ob sie viel- 
leicht schon an die versteckten Brut- 
plätze zur Akuscha zogen? Saxi- 
cola oenanthe etwas häufiger. 


In der Stadt singt ein Dutzend Sing- 
drosseln, die also hier auch wohl 
brüten werden. Mit der Vegetation 
geht es jetzt rascher. Der junge 
Rasen in den Ebenen hat etwa 1 
Zoll Höhe. Die Rosen in den Gärten 
tragen schon das frische Laub, die 
Blattknospen der Weiden sind geplatzt, 
Uhnus campestris blüht. 


Nachts etwas Regen. Hypsibates 
häufig, Cheltusia gregaria noch 
Standvogel, Falco subbuteo zieht. 


Ardea purpurea häuüger. Phyllo- 
scopus rufus paart sich. Der erste 
Ibis faleinellus wird geschossen, 
erst Anfang April die Hauptzüge. Noch 
immer viele Becassinen. Passer 
salicieolus, ein Exemplar geschossen. 


Kleine Banden von Pterocles al- 
chata ziehen noch, drei grössere 
Züge vom weissen Storche, hoch 
in den Lüften, passiren Lenkoran, sie 
kreisen über der Stadt und ziehen 
weiter direkt gegen N. Viele gelbe 
Stelzen (Budytes flavus) ziehen. 
Es giebt noch nicht viele Doppel- 
schnepfen. Die Rauchschwalben 
beginnen zu bauen und zu bessern. Im 
Garten haben seit 3 Tagen Fritillaria, 
die weissen Lilien und Hemerocallis 
grosse Fortschritte gemacht, sie sind 
°/,‘ hoch, die Rosen sind fast fertig be- 
laubt, die Levkojen blühen stark. 
Die Weidenbäume erscheinen hellgrün, 
weil das Laub durchschnittlich Zoll- 
länge besitzt. Das Schilf und die 
Binsen treiben an den Rändern der 
Sümpfe. Die Jongelgebüsche, nament- 
lich Rubus fruticosus, haben 1'/, Zoll 
lange Knospen, aber meistens noch 
geschlossen. Phylloscopus Trochi- 


| Zus seit. gestern. 


68 * 


540 Der Vogel-Zug. 
Fe Zeuge: Windrichtung und Stärke. Bemerkungen. 
März / April. 

( —+ 6,75 |SO. schwach, trübe. Kraniche ziehen durch. 

95/16. | 2 | +975 |0SO. schwach, 0,02" 
r Regen. 
19 —+ 6,75 ‚SO. schwach, trübe. 

7 + 725 ‚WSW. schwach, klar. | Viele Kraniche ziehen durch. Die 
ya A ersten Exemplare von Kudromias 
26./1. i I ee N 2 astialicus. Der eıste Austern- 

2 fischer (Haematopus) wird ge- 

sehen. Das erste Froscheoncert auf 

| den Morzi, aber nur im Sonnen- 

scheine; sowie die Sonne verhüllt 

wird, schweigen alle Frösche und ver- 

ı schwinden von der Öberfläche des 

Wassers. Die Rüster hat abgestäubt. 

Carpinus betulus hat die Kätzchen 

| bis 2 Zoll lang. Ornithogalum um- 

bellatum und duftende Veilchen viel. 
Thlaspi umbellatum blüht. 

7 + 825 O0. schwach, trübe. Wiederum werden einige sehr scheue 

27.18 \ 2 KO) „ regnerisch., Haematopus beobachtet, diesmal in 
Hs: | 9 8 ‘ SD sehwach ruhe den Wiesen. Immer noch ziehen die 
5 at: : i Kraniche. Ich kann aber nicht 
sagen, ob auch Grus viryo hier 
wandert. Vespertiho pipistrellus ist er- 

wacht. 
7 +7 SO. schwach, Nebel, Miölvwus regalis sehr selten. Sylvia 
; \ in der Nacht klar. alricapilla ist häufiger geworden, 
28./9. 2 + 9,25 |SO. mässig. | Muscicapa parva angekommen. 
| 9 +65 so Das erste Exemplar von Sylvia 
ö er | mystacea Menetr. wird bemerkt. 


| den 


- noch 


Passer salicicolus wird häufiger in 
Jongeln. Viele durchziehende 
Rauchschwalben. Man beobachtet 
einige Dohlen und Krähen (Nebel) 
zusammen lebend, dies sind Vögel, 
die nicht brüten werden. Budytes 
Rayi, jetzt in Menge durchziehend, 


| ist die gemeinste Art, Budytes flavus 


beendet den Hauptzug. Die immer 
noch durchziehenden Becassinen 
sind fett, das sind nicht Reste der 
hier überwinternden Vögel. Noch 
haben die Schildkröten ihre Verstecke 
nicht verlassen. Im Wasser will das 
Rohr noch nicht wachsen, da ist es 
zu kalt. Primula weris macrocaly& 
blüht einzeln im Walde Corylus 
stäubt. In der Waldlandschaft, die 
winterlichen Typus besitzt, 


Der Vogel-Zug. 54l 


Beobachtungszeit. | Tempe- RER ER a äpk > 
Tag, Stunde‘ Sen Windrichtung und Stärke. Bemerkungen. 
März/ April. | machen sich am Rande die hellgrün 
belaubten Weiden schon mässig be- 
merkbar. Die Blüthenknospen an 


Apfelbäumen zum Platzen, kuglig 
aufgeirieben. Im Garten blühen jetzt 
die Hyacinthen, Zilum _ candidum 
und Dianthus barbatus sind °/,‘ hoch. 
| Die Sabx-Art mit hängenden Aesten 
(ob babylonica?) hat jetzt °/, Zoll 
langes Laub und schiebt die Blüthen- 
| Kätzchen vor. Pfirsichblumen immer 
noch geschlossen, dagegen Frazxinus- 
Blüthen geplatzt. Mit der Blattent- 
wickelung an den Pyramiden-Pappeln 
geht es jetzt langsam. Cydonia treibt 
die Knospen vor. An .Passiflora 
machen sich nun die Folgen des 
Frostes sehr bemerkbar. Das meiste, 
namentlich ältere Laub fällt ab. Die 
jüngeren Triebe und Ranken haben 
fast gar nicht gelitten. Lonicera capri- 
folium hat 1'/, Zoll lange Blätter. Die 
immergrünen Rosen haben in den 
letzten drei Tagen 2—4 Zoll lange 
Triebe gemacht. Im Walde viele 
| Viola canina, in der Ebene V. odo- 
rala. Fast alle Finken sind aus 
der Ebene fort, sie ziehen zum Brüten 
in die höher gelegenen Buchenbe- 
stände. Alle Kampfhähne aus der 
Ebene fort. 

= 7 +65 |SO. schwach, trübe, | Einige Wachteln. Man erwartet zum 

\ Nebel. 1./15. April den Hauptzug der 
+95 |0SO. schwach, Nebel.) Doppelschnepfen. Der Zug der 


Eu ie Waldschnepfen so gut wie be- 
2 = 6,75 |SO. mässig, trübe. endet. Auch heute Sylvia mysta- 


cea und das erste Exemplar von $. 


DD 
Ne 
—— 
fr 
Q 
DD 


eimerea. ' 

7.|+85 |0O. schwach, klar. Jynx torquilla, vereinzelt auch in 

30,11.) 2 |-+11,75|0SO. mässig, bewölkt. den Jongeln. Fast alle Pratincola 
) ee SO. mässig rubicola sind fort, dagegen nun ein- 

RER 2 zelne P. rubetra,;, Phylloscopus 


rufus gepaart, singt eifrig, aber 
schlecht. Limosa melanura häufig in 
den Sümpfen, lockt, schickt sich zum 
Brüten an. Rhynmchaspis elypeata 
jetzt die gemeinste Süsswasserente, 
ausser ihr noch Sto cck-,‚Krick-,Knäk- 
und Spiessenten auf den Morzi. 
Glaueion elangwla, auch die Jungen 


542 Der Vogel-Zug. 


re Zee “ | Windrichtung und Stärke. Bemerkungen. 
März / April. sind fort. Fuligula eristata selten. 


Der Zug der Stelzen beendet. Cyn- 
chramus schoenieclus trägt das aus- 
gefärbte Hochzeitskleid. Wieder einige 
Eudromias asiaticus. Nur wenige 
Falco subbuteo, die zum Brüten 
bleiben, noch 8 Machetes gesehen. 
Die Nebelkrähen haben die Nester 
fertig. Die Frösche quaken wenig. 
Es giebt noch keine Landschildkröten. 
Auf den Dünen jetzt überall Ornitho- 
galım. lm Wasser blüht in Menge 
Ranuneulus aquatilis. Leontodon tara- 
xacum nur an gut exponirten Stellen. 
Auf leichtem Boden blühen Zrodium 
oxyrhynchum, Draba sp.? — Thlaspr 
umbellatum. Letzteres schon mit 
Schötchen. In den Jongeln treiben 
im Dorn mächtig allerlei Zathyrus- 
und Vicia-Arten. Das Typha-Schilf 
schon 1‘ hoch, das Rohr noch todt. 
Iris Güldenstadtiana '/,‘ hoch, die 
Rleewiesen bauen sich kräftig auf. 
Prumus divaricata treibt Laub- und 
Blüthenknospen. Rubus fruticosus 
| hat 2 Zoll lange Triebe gemacht. 

71+9 |INNW. frisch, trübe. |Schon heute um 4 Uhr Nachmittags 
9 +10, |ONO. mässig, reg- | trotz des schlechten Wetters höre ich 


31/12. ' nerisch. Merops apiaster schreien, sehe aber 

e Io re die Vögel in der Luft nicht. Es ist 

> Bude ID Den lol | das ganz ausnahmsweise früh. Oket- 

| | | tusia gregaria hält sich noch auf. 

April. 7 |+5  |S0. schwach, trübe. |Totanus fuscus im Sommerkleide 

ao © 2 I+109 SO. schwach, klarer. zieht durch. Im alten dichten Rohr 

1./13. 9 | +725 |SO. mässie. bezogen. | ngt schon recht fleissig Acredula 
‚a IDVU. asSsS1g, 8 . 


phragmitis. Auch heute Merops 
in der Luft. Cotyle riparia in 
| Menge durchziehend. Sylvia cinerea 
| singt dHeissig. Ortygometra por- 
zana ist jetzt häufig. Die ersten 6 
| | Exemplare von Pastor roseus werden 
| gesehen (sehr früh!l),. Die Nebel- 
| krähen brüten, das erste Gelege 
| wird gebracht. Eudromias mori- 
nellus ist in wenigen Exemplaren 
angekommen. Prunus divaricata fängt 
| | an zu blühen, die ersten Pfirsich- 
| | blüthen brechen auf. Am Waldrande 
| blühen sSeilla Hohenackeri, Allkum 
paradoxınn, Nonnea obtusifolia und 


Der Vogel-Zug. 


543 


ne zeupe: Windrichtung und Stärke. Bemerkungen. 
ag, i : 
April. sogar schon einige Exemplare von 
Fehynchocorys Elephas; an feuchten 
Stellen Nasturtium offieinale. Nur 
die Elleın haben die jungen Blätter 
aufgeklappt, an den anderen Wald- 
bäumen sind sie noch geschlossen. 
7 1+70 NO. schwach, ganz be- | Eudromias morinellus abermals 
\ Is | zogen. gesehen. 
2/14. 2 + 3,75 |NO. frisch, regnerisch. 
| g +3 ,0NO. stark » 
7 |, +2,25 |NO. stark, Schnee. |Der erste Oypselus apus, todt, wird 
3/15 \ 2 +15 |NNO. mässig, 0,12” gebracht. Seit gestern früh 9 Uhr 
FE | Wasser. a rn: aus a 
Tea NINOS mässio: egen und urm, gegen en 
- a Schnee; auch heute von 9 Uhr früh 
Schneesturm, um 11 Uhr ruhiger, der 
Schnee hält an, grossflockig. Hohe 
Brandung am Meeresufer, im Walde 
saust es in den Bäumen. Nachts 
Sturm. 
7 +0,25 NW. mässig, bezogen. | Es liegt '/, Fuss hoch Schnee, von 8 
4,16. | 2 +0,75 NW. „1,10“Wasser., Uhr an schneit es wieder, sehr gross- 
| 9 +075 |NW. „008% 5 Hockig. Alle Rauch- und Ufer- 
i schwalben sind umgekommen, 
man kann sie zu Hunderten im 


Graben am Leuchtthurme finden, des- 
gleichen ist Muscicapa luctuosa 
zum grössten Theile ein Opfer des 
schlechien Wetters geworden. 

Selbst grössere Stelzer als Hudro- 
mias morimellus und E. astatieus, 
sowie Becassinen, Waldschnepfen 
und auch Wiedehopfe sind so er- 
mattet von Hunger und von der Kälte, 
dass man sie mit der Hand ergreifen 
kann. Ueber Nacht stürmen eine 
Menge kleiner Vögel an die Fenster- 
scheiben unserer Wohnung, ein Theil 
rettet sich in die Häuser. Auch 
Körnerfresser leiden sehr. Fringilla 
eoelebs stirbt. Die Sperlinge 
lassen sich gar nicht sehen. Die 
Staare halten sich seit dem 3. ver- 


steckt. Ooccothraustes wird mehr- 
mals lebendig ergriffen. Die Sing- 
drosseln schweigen. Phoenico- 


plerus ist vom offenen Meere auf die 
Morzi ins Rohr gewandert. Trotz 
alle dem ist Glareola pratlincola 


Der Vogel-Zug. 


Bemerkungen. 


——— 


544 
Beobachtungszeit. | Tempe- ne 5 ne 
Tag, Slnnae- ee Windrichtung und Stärke. 
Apnil. 
+1 INW. schwach, trübe. 
5/7. 2 | +6,75 |NNW. schwach; klar. 
+35 SW. schwach 

7 35 |SSW. schwach, klar. 

6./18. 2 +95 

+6,23 


angekommen, ebenso Sierna an- 
gleca und St. hirundo, viele 
Morinell-Regenpfeifer. 

Trotz dieser Wetterverhältnisse unter 
dem 39° n. Br. sind die mir heute 
gebrachten 5 Eier von Anser cime- 
reus schon stark bebrütet. Larus 
argentatus-leucophaeus bessert die 
Nester in ihren Brutkolonien. 

Weiter zur Mugan hin hat das Un- 
wetter noch mehr Opfer gefordert. 
Man hat dort Ibis faleinellus und 
Numenius phaeopus mit den 
Händen gegriffen und viele auch todt 
gefunden. Die kleinen Vögelchen 
setzen sich auf die Hausthiere, um 
sich zu erwärmen. Aus dem Vor- 
hause der Poststation Kumbaschinsk 
wurden 34 todte Rauchschwalben 
entfernt. Die Kampfhähne, welche 
früher in den Wiesen bei Lenkoran 
lebten, hielten sich nun dicht ge- 
schaart in der Mugan auf. Man darf 
ihre Zahl wohl auf 100,000 veran- 
schlagen, sie zogen nun ganz fort. 
Ibis falcinellus suchte Schutz in 
den Jongeln, man sah dort ein Volk 
von 70 Stück, die meisten waren 
ganz ermüdet, konnten nicht fliegen, 
wankten und liessen sich ergreifen. 
Es liegt 1’ hoch Schnee, überall schau- 
felt man ihn von den flachen Dächern 
fort. Die Schakale räumen die vielen 
erfrorenen Vögel fort. Jetzt erst ist 
Passer salicicolus in den Jongeln 
gemein, heute werden 24 Stück da- 
von erlegt. Ardeola comala zuerst 
gesehen. 

Es zeigen sich wieder einzelne Rauch- 
schwalben (wohl neue Ankömm- 
linge). Die Edelfinken sind wieder 
in die Ebene gekommen, weil im 
Gebirge der Schnee noch tiefer liegt. 
Oriygomelra minuta ist ange- 
kommen. Doppelschnepfen, sehr 
fette, jetzt in Menge, auch Be- 
cassinen ziehen noch. Platalea, 
von der einige schon Ende März ge- 
sehen wurden, wird häufiger. Finken 


Der Vogel-Zug. 


Beobachtungszeit. | Tempe- 


Tag, Stunde. ratur. 


Windrichtung und Stärke. 


Bemerkungey 


- 


April. 
7 —+ 5,25 |SSW. schwach, klar. 
7./19. 2 |+11 |SO. mässig, = 
9| +7 so. “ 5 
7 |+ 625 ‚SSO. mässig, klar. 
8./20. 2 | +10,25|SO. frisch, x 
9 | + 6,75 |SO. mäsig, „ 


Radde, Ornis caucasica. 


und Grünlinge tragen ungemein 
intensiv gefärbte Hochzeitskleider. 
Die Blätter an Prunus divaricata sind 
®/, Zoll lang, so dass nächst den 
Weiden diese sich merklich frühlings- 
grün hervorheben. Vom Ibis faler- 
nellus werden fast nur Männchen 
bis jetzt beschafft. Die Schakale, 
welche die Vogelleichen fortfrassen 
und jetzt keine mehr finden, machen 
Abends grossen Spektakel bei der 
Stadt. 

In den Wiesen, wo sich bis dahin viele 
Möven, so Zarus canus, leucophaeus 
und Chroicocephalus ridibundus 
aufhielten, jetzt keine mehr. Wohl 
treibt sich Zeucophaeus den Ge- 
wässern entlang hoch über den Gipfeln 
der Bäume noch umher und lacht, 
doch sind die meisten schon zu den 
Brutkolonien auf die Insel Sari ge- 
zogen. Pandion brütend, beständig 
von den Horsten zum Meere wech- 
selnd, füttert schon, schleppt Beute 
zum Neste. Heute Kampf zwischen 
Pandion und Agutila clanga beob- 
achtet, der Adler hat keinen Erfolg 
bei dem Abjagen der Beute des Fisch- 
aar. Dagegen nimmt Milvus ater 
der Krähe leicht ihren Raub ab, sie 
lässt ihn fallen. 

Exkursion in den Wald, ungemein viel 
gestautes Schneewasser in der Ebene. 
Zwar treibt es jetzt mächtig, doch ist 
der Frühling diesmal sehr verspätet, 
in normalen Jahren entwickelt sich 


die Vegetation um 3—4 Wochen 
früher. So gab es 1879 am 8. /20. 


April schon die beliebten, unreifen, 
halb ausgewachsenen Pflaumen von 
Prunus divaricata für die Küche, jetzt 
blühete diese Art erst. 

Ich notirte heute im Walde Folgendes: 
Die Amsel singt eifrig, man hört die 
Singdrosseln nicht, sie brüten höher 
im Gebirge ; der schnarrende Lockruf 
der Fliegenfänger lässt sich oft- 
mals hören, ich beobachtete Mus ei- 
capa parva. Phylloscopus rufus 
sehr gemein, P.trochilus vielseltener, 


69 


546 Der Vogel-Zug. 
er Temne “ | Windrichtung und Stärke. Bemerkungen. 


April. 


beide namentlich im Unterholze auf 
und unter dem alten Laube nach In- 
sekten suchend. Die Finken sind 
wieder in’s Gebirge gewandert, dagegen 


| die Zeisige und Stieglitze ge- 


paart. Nur wenige Stelzen und 
Motacilla in der Ebene, zum Theile 
wohl schon auf den Nestern. Auch 


| heute auf dem Wege zum Gebirge 


in der Ebene gar keine Rauch- 
schwalben beobachtet; die kleinen 
Völker der jetzt noch beisammen- 
lebenden Staare sind rein schwarz 
ohne weisse Fleckung, das sind alte 


| Vögel, die nicht mehr brüten. Auch 


viele Saatkrähen brüten nicht, 
solche sehe ich heute hoch in der 
Luft kreisend und spielend, dabei 
viel schreiend. Die Kiebitze sind 


| alle fort. Numenius phaeopus und 


Limosa melanura gepaart. Ibis 
faleinellus zieht in Haufen von 
20—30 Exemplaren über die Kronen 
der Waldbäume fort, schweigend, oft 


| auch zum Meeresufer abwendend. 
| Parrotia und Carpinus belulus, sowie 


Fraxinus stäuben stark. An Acer 
insigne brechen die langen Blatt- 
knospen auf und zwar die tiefer ge- 
stellten an den Bäumen zuerst. ZLi- 
gustrum und Crataegus besitzen das 
Laub halb ausgewachsen. Die Wedel 


| von -Pferis agqwilina entringen sich 


dem Boden, sind '),—1‘ hoch. An 


| Arum orientale ist das Blatt ausge- 


wachsen, die Blüthenscheide treibt 
hervor. Viola canina im Walde vor- 
waltend weiss blühend. Veronica 
agrestis, Geranium molle und Stellaria 
media blühen und bilden kleine 
Rasenplätze an den Waldrändern. 
Oyclamen ist verblüht.  Sambucus 
Ebulus treibt mächtig (bis 1‘ hoch), 
die Blätter legen sich daran aus. 
Chelidonium majus im Buschwalde 
bis 1'/,‘ hoch. Vanessa CO. Album 
und Rhod. KRhamni fliegen in 
frischen Exemplaren. Ab und zu 
lässt sich der Ruf eines Laubfrosches 
hören. Ich finde noch keine Land- 


Der Vogel-Zug. 


547 


ne | nn Windrichtung und Stärke. Bemerkungen. 

April. schildkröte, aber in den Gräben viele 
| Emys huıtaria. Typha jetzt 1'/,‘' hoch, 
das Rohr im Wasser noch todt. 

| 7 + 5,5 |SO. schwach, Nebel. |Acrocephalus turdoides ist ange- 
91. 2 Is). SulYo) mässig, trübe. kommen. Ruticilla mesoleuca ist 
21. 5 +65 'so, i : jetzt häufig. 
' 7 7 SO. schwach, trübe. |Ich trete meine 2. Dienstreise nach 
10/22. ! 2 | + 11,75 080. Tiflis, diesmal über Baku und Derbent, 
| De so nass “ an. Herr Leder notirt weiter. Von 
5 Ir 5 2 seinen Aufzeichnungen gebe ich Fol- 
| gendes: 
7 |#+7 NO. mässig, bezogen. | Jetzt erst blühen die Pfirsichbäumchen. 
11./23. 2 + 9,755 0. A £ Ueberall Prunus divaricata in voller 
ea: SO. schwach, , Dur 
|! 7 |+ 775 |NW. mässig, bezogen.\Ardeola comata wird häufiger. 
12.724. ! 2 |+11 |nnw. „ Regen. Euspixza melanocephala ist an- 
ar: + 6,75 \NO. ” 001 gekommen. 
| Regen. 
\ an SSW. mässig, bezogen. 
13/25. ! 2 |+ 95 SO. frisch, regnerisch. 
9 | + 725 |SO. mässig, : 
aa 82 j0s0., , ; 
426: Zi ıSO. frisch, a 
9 |#+3  |0.mässig, 0,05“ Regen. 
7 185 'SO. mässig, regnerisch. Kukuk und Blaurake sind ange- 
15/27. 2 |+11 |s0. £ kommen. Viele Merops apiaster, 
) Oo Schach aber noch nicht M. persica. Apfel- 
| [2 2 und Birnenbäume beginnen die Blüthen 
| | zu öffnen. 
0 2852 ONOFmassign 
16/28. | 2 |+ 1235 |SO. > trübe: 
| 9 |+ 925 |SO. schwach, „ 
I a 00. » 
17.29. 2 | go 11,5 080. ” ” 
| 9 | + 925 |SO. mässig, a 
| 7 +9 |SO. schwach, Nebel. |Die Frösche Abends sehr lebhaft, 
18/30. ! 2 | +12,25 SO. mässig, klarer. grosses Concert. Merops persica 
| g | + 9,75 SO. schwach, Nebel. ist in Menge angekommen. 
lee ut so. > Vespertihio pipistrellus jetzt sehr gemein. 
a 2 | +.11 |SO, 5 { Der Kukuk ruft eifrig. Caprimul- 
U Dee ässi gus europaeus ist angekommen, 
2 | Da Oanussnpklerer. Abends in der Stadt über den Dächern 


Insekten fangend. Acer insigne be- 
I) 


J 


548 Der Vogel-Zug. 
ee Baus, Windrichtung und Stärke. Bemerkungen. 
April/ Mai. laubt sich rascher. Die Waldbäume 
aber noch immer im Wintertypus. 
7 +10 SO. schwach, klar. Endlich besseres Wetter. Parus 
20/2. 2 |-+11,75 SO. mässig, h major hrütet. Das Männchen trägt 
9 | + 9%[|8s0 dem brütenden Weibchen Asseln zu 
FI RER R 2 und theilt mit ihm die Nahrung. 
7 —+135 SO. schwach, trockene 
\ | Nebel in der Ferne 
21/3. \ auf dem Lande. 
/ 2 |# 145 |SO. mässig. 
9 |+135 |S0. , 
\ 7 |+10 |SO. schwach, trübe. |Kukuk ruft eifrig. 
92/4. 2 | + 12 |OSO.mässig,regnerisch 
9° -2°975.80.° x 
| 7 | + 875 INNO. schwach, 0,06“ 
Ara \ | Regen. 
23./5. 4 9 + 10,5 | NNO.schwach,bezogen. 
ga) INNO. mässig, 
7 | ekehti) INO. mässig, bezogen, 
$ \ | 0,04" Regen. 
24/6. 2 +1 ‚2D| | INNO. mässig, desgl. 
| 92-298 2:0. ” N 
\ de202005 sw. mässig, bezogen. Die Tiefländer stehen wieder fast ganz 
57.2 +12 SO. k = | unter Wasser, keine Wege, man kann 
9 + 10,5 |SO. schwach, „ | nur reiten. 
7 Zeh) so. schwach, bezogen, 
\ | Regen. 
26./8. { 2 +11,25| SO. schwach, 0,02“ 
| Regen. 
97710 INN Wschwachtbezosen]| 
\ 7? |+11,5 ıNNW. mässig, bezogen. Grosse Schwärme vom Rosenstaare 
27./9. 2 | +1525 SO. h e sind angekommen, bis zu 1000 Exem- 
4 | Is ß 3 B n 
oo 075|S plare in einem Fluge, sie halten sich 
2 | nr Oxkonmach, ” selbst im Städtchen auf; sie rasten 
| nur 2 Tage, ziehen in’s Innere an 
| die Stellen mit Heuschreckenbrut. 
| 7 )+125 |SO. schwach, Regen Um 10 Uhr Vormittags Erdbeben, 2 
28./10 | 170,127 Stösse in der Richtung W.-O. 
E 2 |+18 |SO. schwach, trübe. 
9 ,+11,75|80. “ 5 
\ Ü + 10, 75 080. schwach, Nebel. ‚Pastor roseus zieht fort. Viele 
29./11. 9 +13, |O0SO. mässig, bezogen.) Merops tummeln sich in der Stadt. 
9 => 1105 | so trübe Die Laubfrösche schreien eifrig. 
| ’ | . n ö 


Der Vogel-Zug. 


549 


Dez ng Windrichtung und Stärke, Bemerkungen, 
April/Mai. 
7 + 11,25| NNW. mässig, Nebel. |Die Pirole pfeifen eifrig, sind aber 
2 2 |+135 |0. schwach, klar. schon seit 2 Wochen bemerkt worden. 
Ger 92712513251 0S0: 2 mässiıg, 0,0L“ 
| Regen. 
Mai. | 7 !+135|sw. mässig, klar. Kukuk lockt eifrig. Kampf am Neste 
Ins. | 2 + 145 |0S0. „ e eines Edelfinken mit einem Kukuk. 
de9: 9 +1335|s0 i 6 Uhr , Pas Finkenmännchen greift muthig 
| Gewitter. 0.01“Regen. An und zwingt den Kukuk davon zu 
| a Er fliegen; ob Weibchen, welches legen 
| will? Es wurden verregnete Nester 
von Amseln mit vollen Gelegen ge- 
bracht. Das Laub der Waldbäume 
| ist nun gut entwickelt, selbst die 
Eichen besitzen es halbausgewachsen. 
In den sumpfigen Ebenen blühen 
jetzt Ranunculus lomatocarpus und 
R. ophioglossifolius und  Myosotis 
| sparsıflora. 
| 7 +14 |SW. schwach, klar. 
2 16,50: 
2./14. | ” » 
a a al So „im 
| ı Gebirge starke Ge- 
| witter. 
\ 7 +1 ıSSO. schwach, klar. 
319: 2 | +16, |SO. mässig, 4 
| 9a |+1575|ss0. , : 
7 \+14,75 SW. schwach, klar. Es sind wieder Rosenstaare in 
a) a le SO. mässig. kleinen Schwärmen angezogen. 
1: | 9 | +1325[SO. frisch, bringt Ne- 
bel vom Meere. 
\ @ 14,25 NNW. mässig, trockene | Eier von Podiceps eristatus, unbe- 
sr. Nebel in der Ferne. | brütet. 
De: 2 | +19,75 NNW. schwach. 
972-2215 2 UNIW. 5 
\ 7 +15 |NW. schwach, klar. Arten-Armuth zu jetziger Jahreszeit 
6./18. 2 |+185 |SO. mässig, = an Vögeln, aber Reichthum an Indi- 
! HISOH|NW < viduen derselben Art, macht sich 
. a cum u, jetzt sehr bemerkbar. Dasselbe gilt 
| auch für die Flora des Tieflandes. 
\ 7.16, istllaklar: Orataegus penlagyna blüht jetzt. 
7./19 2 |+ 19 |SO.schwach, Gewitter- 
i | | wolken in W. 
9 | + 14,25|SO. mässig. 
I 


550 Der Vogel-Zug. 
ee us Windrichtung und Stärke. Bemerkungen. 
Mai. 
7 + 15,25| SO. schwach, klar. Die Landschildkröten sind alle aufer- 
8./20. 2 + 18,75 | SO. mässig, N standen. Pseudopus ist häufig. Die 
Hafissänger schlagen eifrig. Alte 
| 9 |+15 180. schwach, „ Pelikane, die nicht mehr brüten, 
kreisen oft hoch über dem Festlande. 
Die Gebirgsbäche haben nur wenig 
Wasser, die Schneeschmelze - in den 
Suant’schen Gebirgen ist beendet. 
1 —+- 15,25 | NO. schwach, klar. 
9./21. 2 |+19 .|SO. x B; 
9.|+15 |SS0O. „ R 
7 ,-+165 |SW. schwach, klar. Mespilhıs germanica blüht. 
10./22. 2 |+17,75| SO. mässig, bezogen. 
9 /-+-15,25|SO. schwach, „ 
7 I-+ 16 |ONO. schwach, klar. 
11/23. ! 2 |-+ 18 |SO. mässig, . 
Io 1 ; 
7 |+ 16 ıNNW. mässig, klar. 
2 |+19 |NNW. frisch, 1 Uhr 
12./24 Gewitter. 
9 + 13,5 |ONO. mässig, Regen | 
| im Gebirge. 
. \ 7 |-+ 14,25 SO. mässig, bewölkt. |Der Meeresstrand ohne Vögel. Alles 
13/25. ı 2 |-F15,75/0S0. „ | hat sich zum Brüten aufgemacht. 
| 9 |+ 1375 so A Die Wachteln locken eifrig. Die 
BIN | 2 2 weissen Akazien belauben sich rasch. 
7” |-+11,755/|NNW. schwach, 0,01“ 
. ) | | Regen. j 
14./26. 2 | 14,75)SO. mässig, klar. 
oe er 13 So s 
| 7 + 13,25,SO. mässig, klar. Cydonia blüht. Mimosa (Acacıa oder 
15/27. | 2 |+16 |SO. frisch, „ Albixia) Julibrissin hat die Blatt- 
Es om anr| a knospen gesprengt. Js Pseudacorus 
JR 1231 20 asia, beginnt in den Sümpfen zu blühen. 
\ 7 |+14 |SO. schwach. Die Eier von Merops apiaster, 
16/28. | 2 |+16. |SO. mässig. welche wir aus den unterirdischen 
/28. AR 14.75 so > Bauen nehmen, sind unbebrütet. 
- = RER Merops persica hat noch nicht 
| | gelegt. 
| 7 +15 Still, klar. Die jungen Sperlinge werden flügge. 
17./29 2 + 16,5 so. mässig, klar. Die Stieglitze brüten noch (auf 
[28 Io DR 15 SO. frisch. Akazien.. Die Akazien stehen in 


voller Blüthe. 


Der Vogel-Zug. 551 


a | Ber Windrichtung und Stärke. Bemerkungen. 
Mai. 
i 7 )+15,25|SO. mässig, klar. Weite Strecken auf den Morzi sind 
18./30 \ De Tan SON = von den Blättern der Trapa natans 
a | 9% | 4.4475|80. schwach so dicht besetzt, dass man nur mit 
’ 4 I) 
| 


Mühe den Kahn durchbringt. Die 
Rohrsänger schmettern von allen 
Seiten. Potamogelon pectinatus streckt 
die Blüthenknospen über dem Wasser- 
spiegel hervor. Auf den trockenen 
Dünen schon Sonnenbrand. Acer 
= insigne hat abgeblüht. 


Mit diesem Tage hören die regelmässigen Beobachtungen auf und ich notirte 
nur ab und zu das Beobachtete.. Aus dem Niedergeschriebenen erwähne ich hier: 

Mit dem 20. Mai/1. Juni beginnt die heisse Zeit; in diesem Jahre ist, wie 
man ja aus den vorstehenden Beobachtungen zur Genüge ersehen kann, das Frühjahr 
ausserordentlich verspätet. Zumal gilt das für die unmittelbare Küstenzone des Caspi. 
Als ich Mitte April die Reise von Baku nach Derbent im Wagen machte und von da 
den Fuss des nördlichen Dagestan passirte, um in die Steppen und nach Wladikawkas 
zu gelangen, konnte ich mich vielfach davon überzeugen, dass im Innern des Landes 
die Vegetation viel weiter fortgeschritten war, als im Küstengebiete. Die um diese Zeit 
dort vorwaltenden N.-, NW.-, NO.-Winde erkälten die Küstenzone, sie sind ja auch die 
Ursache so grossartiger Niederlagen der kleineren Zugvögel, wie wir sie in den ersten 
Tagen des Aprils alten Styls dort kennen lernten. In normalen Jahren dürfte sich bei 
Lenkoran die Vegetation um 3, in sehr günstigen im Tieflande um volle fünf Wochen 
früher entwickeln. Auf die Zugzeiten wird das aber keinen wesentlichen Einfluss 
ausüben. 

21. Mai /2. Juni. Im Neste des Hafissängers werden 5 stark bebrütete Eier 
gefunden. Auf der Insel Sari werden am 22. Mai/3. Juni die grossen Brutkolonien von Zarus 
leucophaeus, Chroicocephalus ichthyaetus, Sterna hirundo und Sylochelidon 
caspia besucht. Es giebt dort nur sehr wenig spät gelegte, unbebrütete Eier. Nur 
St. hirundo macht davon eine Ausnahme; die Eier der anderen Arten sind so stark 
bebrütet und an vielen die Schalen schon so mürbe, dass man sie nicht für die Samm- 
lung herrichten kann. Die Möven haben schon viele halb ausgewachsene Junge. 

25. Mai/6. Juni. Die jungen Elstern sind flügge. 


ee Amp | Windrichtung und Stärke. Bemerkungen. 
Juni. | 
2 |-+ 15,5 |0SO.schwach, bezogen. | Die Staare fliegen bereits mit den 
7 |+ 20 |SO. mässig, 0,02“| Jungen und besammeln die Wiesen. 
1./13 | Regen. Im Jongelgebüsche singt sehr eifrig 
9 I+ 16.35 SO. schwach, klar. Aedon galaetodes. Auf den Ge- 


Beobachtungszeit. | Tempe- 
e. ratur. 


552 

Tag, Stund 
Juni. 
7 
2 

4./16. 
/ 9 
(ad 
6./18. \ 2 
19 


+ 185 
+ 23 
+ 18 


Der Vogel-Zug. 


Windrichtung und Stärke. 


Bemerkungen. 


Still, klar. 


SO. mässig, bezogen. 


ONO. mässig, 
Regen. 


NW. mässig. 
SO. gering. 
SO. mässig. 


0,01” | 


röllen der Lenkoranka läuft Aegialites 
curonicus mit den Jungen. Pan- 
dion hat ebenfalls ausgewachsene 
Junge. Daulias Hafixi singt 
noch immer sehr eifrig, sogar zur 
Mittagszeit. 

Sambucus Ebuhıs 4 hoch, setzt die 
Blüthen an, wechselt mit ebenso 
hohen Wedeln von Pferis aqwlina. 
Crataegus und Mespilus abgeblüht. 
Vitis und Palurus in Blüthe, ebenso 
Ligustrum vulgare und Rhamnus 
Frangula. Acacia Julibrissin hat die 
ersten Blatttriebe vollständig ent- 
wickelt. Melia Axederach blüht. Jetzt 
schon die ersten Blumen an Althaea 
feifolia, Echium  altissimum und 
Cichorium Intybus, also schon Hoch- 
sommer und Herbstpflanzen. Die 
Centaureen (©. solstitialis und iberica) 
noch ohne Blumen. 


Die flacheren Ränder der Morzi jetzt 
ganz bewachsen. Gar keine Vögel 
auf dem Wasser. Alles ist an den 
Brutplätzen. Ab und zu nur ein 
grauer Reiher. Wo im Winter am 
Waldrande unzählige Enten lärmten, 
wächst jetzt der Reis in künstlich er- 
zeugtem Sumpfe. Die Gerste ist 
stark im Reifen begriffen, der Waizen 
wird schon gelblich. In den Gemüse- 
gärten haben die Kürbisse schon bis 
10 Blätter gemacht, von denen die 
grössesten 2—3fache Handfläche be- 
sitzen. Die Sonnenblumen sind 3‘ 
hoch. Es giebt die ersten Gurken aus 


| freiem Lande. Die Granaten blühen. 


Von den Brutkolonien an der Akuscha, 
deren dichte Rohrbestände schwer zu- 
gänglich sind, bringt man die Eier 
von: Pelecanus erispus stark be- 
brütet (es giebt dort schon Junge), 
Ardea egretta, comata, minulta; 
Platalea leucorodia, Ibis falci- 
nellus, Podiceps ceristatus und 


| P. minor, alle diese sind mehr oder 


weniger bebrütet und nur der kleinere 
Theil davon ist für die Sammlung 
verwendbar. Am wenigsten bebrütet 


Der Vogel-Zug. 553 


B ee up Windrichtung und Stärke. Bemerkungen. 
3 ie l 
2 N 


sind die Eier vom Sichler und dem 
| Löffelreiher. Die Hafissänger 
hören auf zu schlagen, die Weibchen 
| kommen nun zum Vorscheine. (ora- 
cias hat noch keine Mauserspur. 


Ich gruppire nun alle Fakta über den Zug in den Kaukasusländern und notire 
auch für dieselben Arten die Ankunftsdaten aus den nördlicher gelegenen Tiefländern ; 
so namentlich von der unteren und mittleren Wolga, vom Asow’schen Meere und aus 
der Krimm. Die Beobachtungen von Lenkoran und Tiflis machte ich selbst. In Derbent 
erfuhr ich einige Ankunftszeiten durch Herrn Nikolsky. Die zuverlässigsten Beobach- 
tungen sendete Herr Dinnik aus Stawropol ein. Die Isepiptesen von Middendorff’s 
lieferten mir Material aus Südrussland, der Krimm, der unteren Wolga etc. Modest 
Bogdanow’s Notizen wurden für die mittlere und untere Wolga seinem oft citirten 
Werke (Vögel und Säugethiere der mittleren und unteren Wolga) entnommen. Sodann 
lagen mir noch mehrere kleine Notizbücher, namentlich vom unteren Kuban, vor. Die 
frühere Gesellschaft der Freunde der Naturwissenschaften und des Alpenclubs (eine von 
den im Vorworte zu diesem Werke charakterisirten Gesellschaften, die sich vernünftiger 
Weise in neuester Zeit auf mein Anrathen der kaukasischen Abtheilung der Kais. 
Russ. Geographischen Gesellschaft einverleibt hat) versendete 1879 an die Lehrer, 
Förster etc. im kaukasischen Gebiete Notizbücher mit einer Reihe von Fragen und 
darunter auch solche über die Ankunft, den Durchzug und den Abzug vieler Vögel. 
Es sind mir über ein Dutzend dieser Bücher pro 1880 übergeben worden und ich habe 
mich leider sehr bald davon überzeugen müssen, dass nur wenige von ihnen gewissen- 
haft gemachte Beobachtungen verzeichnet besitzen, das Meiste ist ganz unbrauchbar. 
Hier ein paar Beispiele solcher nichtswürdigen Notizen: 

Herr Iwan Kotscherow beobachtete im Eiskischen-Kreise (den Ort giebt er 
nicht näher an) und schreibt: 

Auf dem Meere rührt sich das Eis am 20. II. /1. IV., es verschwindet am 
4. / 16. IV. — In demselben Buche finden wir: 

Passer domesticus kommt an: 3./15. III, zieht durch 12. / 24. IV. (bis jetzt 
das einzige Beispiel, nach welchem der Hausspatz ein Zugvogel ist!) ; 

Sturnus vulgaris kommt: 25. III. /6. IV., zieht durch 28. 111./9. IV., hat Junge 25. V./6.Vl. 
Orvolus galbula a 110, 722 JE 193 /aRe a a Ne 
Caprimulgus europ. , 87/201, 7, RER 2182/23 0EV% 
Merops apiaster a LIU, 20 /LZIVEN I EALENWASR NL 
Cuculus canorus es ION 7, Lore DELe nee, DENKE MAL 
Peristera turtur x 19/2, R ANNE 3 2321VE DV: 


= 
Badde, Ornis caucasica. i0) 


554 Der Vogel-Zug. 


In dieser Art ist das ganze Büchlein kalligraphisch zusammengeschmiert, es ist 
“Alles gelogen. — 

Ein anderer Herr, welcher im Dorfe Pokoinoje (Stawrop. Gouv.) beobachtete 
und Paradiew heisst, will gesehen haben, dass dort Merops apiaster im Februar an-- 
kommt und im Mai Junge hat. Fast alle Beobachter führen P. martius als Zugvogel 
auf, selbst mitten in der Steppe; solche verwechseln auch das Feldhuhn mit dem Stein- 
huhn. Ich habe aus einem solchen Materiale nur mit der grössten Vorsicht gewählt 
und das Meiste ganz wegwerfen müssen. 

Aus manchen Notizen geht deutlich hervor, dass der Beobachter keinen richtigen 
Begriff von der Art hatte, die er zu beobachten glaubte; so notirt Herr Achmylow 
(Stanitza llinskaja, Kuban), dass dort Gypaetos barbatus am 20. Februar angekommen, 
am 20. Mai Junge gehabt und am 10. Oktober fortgezogen sei. Ganz unbrauchbar 
sind auch die Angaben des Herrn Kononenko von Taman; nach diesem Autor sind 
bei dem Aufgange des Eises auf dem Meere am 22. III. , 3. IV. schon Turteltauben und 
Merops angekommen. Die Notizen aus der Staniza Barsukowskaja (Lehrer Donzow) 
haben keinen Werth. Bombyceilla garrula soll dort am 20. IV. /2. V. angekommen, im 
Mai Junge haben und im September fortgezogen sein. Nicht anders verhält es sich 
mit den Angaben für die Staniza Grigoripoliskaja (Kuban, Lehrer Shiwilo), dort sollen 
die Rauchschwalben schon am 21. Februar angekommen sein! 

Ich erwähne absichtlich ausführlicher diese gewissenlos hingeschriebenen Mit- 
theilungen, weil es von höchstem Interesse wäre, aus dem Tieflande des Kuban genaue 
Notizen zu erhalten. Diese würden, da dort gerade viele Beobachtungsorte gewählt 
wurden und die obwaltenden Naturverhältnisse wenig abwechselnde sind, sich leicht 
durch Vergleich kontroliren lassen und somit feste Mittelwerthe geben. So aber bleibt 
das Meiste unklar. 

Gute Beobachtungen machte Herr Browtschenko in der Staniza Kanewskaja, 
unweit vom Asow’schen Meere im Riskischen Kreise gelegen. Ebenso sind des Herrn 
Förster Karaschtschew aus der Umgegend von Grosnyi (Sundsha-Terek) und ebenso 
die Aufzeichnungen des Herrn Nikitin aus Nachitschewan (mittleres Araxesthal 39° 
12°, 3000‘ über dem Meere), sowie auch die von 1880 und 1883 aus dem Dorfe Koilasar im 
Araxesthale südlich von Eriwan in einer Höhe von circa 3000‘ über dem Meere datiren- 
den des Herrn Eiwasow. Endlich noch muss ich die Mittheilungen des Herrn 
Sagorsky als wirklich ermittelte Fakta anerkennen; sie stammen vom Orte Krugloles- 
kaja, südöstlich von Stawropol und nördlich von Georgiewsk in einer Höhe von etwa 
1200‘ über dem Meere gelegen; sie sind in der Rubrik für Stawropol angeführt. Ich 
setzte in den Rubriken die Anfangsbuchstaben der Beobachtungsorte, wo es nöthig ist, 
bei. Noch sei bemerkt, dass ich die Notizen über die Wolga bis Rasan benutzte, 
obwohl die hohe Breite des Ortes (56°) nichts mehr mit unseren Beobachtungsbreiten 
zu thun hat. Es liegen leider (mir hier wenigstens) keine genaueren Beobachtungen 
von der unteren Wolga, namentlich von Astrachan vor. Würde man solche namentlich 
für den Herbstzug besitzen, so müsste sich das allmähliche Wandern stromabwärts 
deutlich ergeben, die meisten Wasservögel würden vom Eise getrieben immer mehr 
südlich vorrücken. Auch von den Notizen des Herrn Psalti, die er bei Taganrog 1879 
machte, konnte ich profitiren (aus der russischen Zeitschrift: Natur und Jagd 1880, pag. 
311); sie sind in der Rubrik „Asow’sches Meer“ verzeichnet. Was nun noch den Zug am 


Der Vogel-Zug. 555 


Goktschai-See, an dessen südwestlichem Ufer Herr Grosmani lebte und von dort her 
mir Mittheilungen machte, anbelangt, so ist darüber im Allgemeinen zu sagen, dass 
überhaupt an diesem grössten der Armenischen Alpenseen (6300) der Zug nur schwach 
stattfindet und dass es meistens nur die in grossen Etappen ziehenden Wanderer sind, 
so die Anatiden und Stelzer, welche hier anhalten und von denen man wohl am ehesten 
behaupten darf, dass sie das Hochplateau foreiren und es nicht umgehen. Einige 
‚Stelzer, und gerade solche. die nachweislich in den östlichen und westlichen Tiefändern 
regelmässig und in Masse wandern, gehören zu den grössten Seltenheiten am Goktschai, 
so z. B. Limosa melanura, Hypsibates und die Avocetten. Andere wiederum wurden 
nie im Frühjahre, dagegen häufig auf dem Herbstzuge beobachtet, das gilt namentlich 
von Numenius arquatus und Machetes pugnax. Die Züge des letztern sollen schon Ende 
August beginnen und bis in die 2. Hälfte des Oktober anhalten. Hier, so scheint es, 
liegt für die Herbstwanderungen eine andere Richtung vor, als wie für die Frühlings- 
Emigration, da Niemand die Kampfhähne im Herbste und Frühwinter aus den Tief- 
ländern kennt. Ohne allen Zweifel finden am Goktschai-See auch Einwanderungen aus 
dem Araxes-Thale zur Höhe im Frühlinge und umgekehrt von der Höhe zur Tiefe im 
Herbste statt. Herr Grosmani notirt z. B. die Ankunft der Rauch- und Uferschwalbe 
für Nowo-Bajaset mit dem 8. / 20. — 15. /27. Mai*); so spät findet in diesen Breiten 
(40° 21‘) kein Schwalbenzug mehr statt; wohl aber leben beide Schwalben im nahe 
gelegenen Araxes-Thale schon seit dem 5. /17. — 12. /24. März. Es liegt auf der 
Hand, dass jene Schwalben in Nowo-Bajaset aus dem Hauptthale kamen. Andererseits 
erlegen die Jäger von Eriwan nach anhaltend schlechtem Wetter, namentlich nach 
starker Kälte und Schneesturm, die abgemagerten Wildenten vom Goktschai in der 
Nähe der Stadt und, als ich im Januar 1868 dort weilte, konnte man dergleichen ver- 
hungerte und ermattete Enten zu Hunderten an den tiefer gelegenen Bewässerungs- 
Kanälen und auf dem Bazar der Stadt sehen. 

Die meisten Angaben des Herın Grosmani über den Zug am Goktschai-See 
enthalten keine genauen Tages-Daten. Gewöhnlich notirte er nur mit den Ausdrücken 
„in der ersten Hälfte oder Mitte, Ende des Monats“. Nichtsdestoweniger kann man 
nachweisen, dass der Frühlingszug in dieser Höhe über dem Meere (6300°) sich bedeutend 
verspätet. Wenn wir z. B. die überall am besten beobachteten Arten darauf hin be- 
trachten, so ergiebt sich für: 


Goktschai. Mittlerer Araxes. Mittlere Kura. 
Sturnus vulgaris 2.Hälfte II /Anfang IV. 14./26. 11.—1./13. 11. 15./27. 1.—8./20. 11. 
Upupa epops Anfang \. 5,/14.—13./25. TI. 15./27. II. 


Orlygion eoturnmix 15./27.1V.—25.1V./7. V. 30.I111./11.1V.—12./24.IV. 29.111./10.1V.—Mitte/ 
Ende IV. In späten 

Jahren sogar bis Ende 

IV./Anfang \. 

Es sind für uns im vorliegenden Falle namentlich die Ziffern aus dem mittlern 
Araxes-Thale wichtig. Es finden da, verglichen mit dem Goktschai-See, Differenzen von 
2—3 Wochen statt trotz der nahen Lage beider Lokalitäten, welche aber durch eine 
hohe, kahle, während der Zugzeit in Schnee gehüllte Gebirgskette geschieden werden. 


*) Es wäre möglich, dass hier nicht Hirundo rustiea, sondern H. wrbiea gemeint sei, es steht 
einfach Schwalbe geschrieben. 
202 


556 Der Vogel-Zug. 


Die in den Thälern frühzeitig eingewanderten Arten leben in ihnen so lange, bis der 
Frühling auch in die höher gelegenen Gebirge zieht und in diesem Falle, wo der 
Unterschied der Höhe zwischen dem Goktschai-See und der mittleren Araxesstufe circa. 
3300° beträgt, wird diese Periode mit 2—3 Wochen begrenzt. Die Erfahrung wider- 
spricht dem nicht, denn wir finden dort unten nur zu Anfang ihres Eintreffens immer 
viele Individuen der eingewanderten Arten beisammen und später immer weniger, bis 
die Paarung die Banden aufgelöst hat, wir sie dann unten im Thale nur in geringer 
Zahl, dafür aber oben im Gebirge auch finden. Sie sind dann über das ganze Gebiet 
verbreitet. Wäre dem nicht so, d. h. fände eine allmähliche Emigration in der Vertikalen 
von unten nach oben im Frühlinge nicht statt, so müssten wir für die Sommerbewohner 
der hohen Gebirge spätere Extra-Wanderzeiten annehmen und diese würden für manche 
Arten und für die höchsten Punkte ihres Vorkommens im Kaukasus um volle zwei 
Monate und sogar noch mehr von den Wanderzeiten in den Tiefländern getrennt sein. 

Wenn wir die Notizen des Herrn Grosmani für eben diese drei Arten aus 
der Herbstzeit uns ansehen, so erscheint uns die Differenz der Wanderzeiten in den 
Tiefländern geringer. 

Sturnus vulgaris zieht fort: Goktschai-See Mitte/ Ende IX., mittlerer Araxes 
21. IX./2. X.—13./25. X. Von der mittleren Kura ziehen die Staare nach und nach 
thalabwärts oft erst Ende Oktober. 

Die Staarenschwärme — das kann Jedermann hier zu Lande beobachten — wachsen 
im Herbste tagtäglich und erst, wenn sie nach Tausenden von Individuen zählen, 
brechen sie auf. Diese allmählich heranwachsenden Staarenvölker nehmen nach und 
nach die heranwandernden Gebirgsbewohner und ihre Jungen mit auf und ziehen dann 
östlich in die Tiefländer des Caspi zum Ueberwintern. Wann das geschieht, das hängt 
sehr wesentlich vom Wetter ab. So lange es Nahrung giebt, die Sonne scheint und 
die Insektenwelt nicht ganz zur Ruhe ging, bleiben sie. Von Tifiis aus beginnt das 
Fortziehen thalabwärts oft schon Ende September; aber diese Vögel ziehen nicht weit 
fort, schon etliche 7 Meilen abwärts rasten sie in den Karagas-Steppen im Oktober 
und ihre Bestände vergrössern sich noch mehr. Im November geht es dann langsam 
weiter gegen Osten in’s Mündungsland der Kura und in die südlich davon gelegene 
Mugansteppe, wo sie bleiben. 

Dass die Zeit, welche der Vogel im Frühjahre braucht, um aus dem Hauptthale 
auf die Höhen zu seinen Brutplätzen zu gelangen, grösser ist, als die im Herbste zu 
seiner Rückwanderung in’s Thal nöthige, erklärt sich durch klimatische Verhältnisse. 
Gerade die in Rede stehenden zwei Flussläufe, Kura und Araxes, liegen im Bereiche 
stark prononeirten kontinentalen Klimas*). Während in beiden Hauptthälern das Früh- 
jahr auffallend kurz ist und sehr rasch sommerliche Hitze und Trockenheit obwaltet, 
liegen die entfernteren Thalwandhöhen von 6000° und darüber noch im Schnee und je 
nachdem dieser im Winter mehr oder weniger fiel, verzögert sich. oder beschleunigt 
sich dort das Frühjahr und dem entsprechend auch die Ankunft der Zugvögel. Anders 
ist das im Herbste. Die Periode desselben dehnt sich weiter aus — immer dieselbe 
leuchtende, wärmende Sonne und der wolkenlose, klar hellblaue Himmel, immer die 


*) Die Kura partieipirt nur in ihrem westlichen Quellgebiete und in dem kurzen oberen Theile 
des Mittellaufes bis zu der Ebene von Suram an den pontischen Niederschlägen — der Araxes gar nicht.. 


Der Vogel-Zug. 557 


dünne, reine Luft und das schönste Wetter. Deshalb bleibt der Vogel lange in bedeu- 
tenden Höhen und das um so mehr, als er nur die kurze Reise in’s nahe Hauptthal 
zu machen braucht, um in seiner Existenz wieder gut gesichert zu sein. 

Ich habe nun noch einige Worte über drei Beobachtungen zu sagen, welche 
hoch im Gebirge im Kuban-Gebiete, am NW.-Fusse des Elbrus im Aul Utsch-Kulan 
durch den Lehrer Herrn Aleinikow 1880 gemacht worden sind. Dieser Platz ist nach 
meiner Messung *) 4670‘ über dem Meere gelegen, aber wir haben es an ihm mit 
mächtiger Lokalerkältung zu thun, welche der nahegelegene, vergletscherte Elbrus be- 
dingt. Dass dem so ist, geht aus der Messung hervor, welche mich die äusserste 
Kulturgrenze der Gerste in einer Höhe von nur 5453° ermitteln liess (während dieselbe 
sogar in Hochswanien an der Süd-Seite des Grossen Kaukasus trotz der dort fast kon- 
tinuirlich fortlaufenden Eiszone des Hochgebirges noch eine Höhe von etwa 7000' über 
dem Meere überschreitet). Ungeachtet dessen liegt in den Aufzeichnungen des Herrn 
Aleinikow nichts Unwahrscheinliches. Er schreibt: 

Alauda arvensis 20. Il. /1. IV, 
Hirundo rustica 10. / 22. IV, 
Upupa epops 25. IV./7. N. 

Für die Feldlerche stimmt das gut zu den Mittheilungen über ihr Erscheinen 
am Goktschai, Ende Ill. (22. 111./3. IV.). Aber ungleich früher erscheint die Rauch- 
schwalbe und der Wiedehopf hier an der Nordseite des Grossen Kaukasus, als auf dem 
Armenischen Hochlande. Ich wüsste wohl eine Erklärung dafür, aber die Anzahl der 
vorliegenden korrespondirenden Beobachtungen ist zu gering, um sie als voll begründet 
hinzuschreiben. Ich meine nämlich, dass das Asow’sche Meer und auch die unteren 
Kuban-Gegenden und ihr Gebirge den Zugvogel aus SW. d. h. von der Syrisch-Klein- 
asiatischen Wanderstrasse, oder besser gesagt Wanderrichtung erhalten. Dies zugegeben, 
so läge für Hörundo rustica nichs Ungewöhnliches in dem zeitigen Erscheinen in Utsch- 
Kulan, denn wir lesen vom unteren Kuban die Daten vom 28. II. / 9. IV. — 17. / 29. IV. in 
der nun nachfolgenden Tabelle und für Upupa epops den 3. /15. IV. für das Tiefland ab. 

Bevor ich das Niedergeschriebene nach Kassel absendete, wurde ich noch durch 
meinen Freund Th. v. Köppen von Petersburg her auf einige Angaben aufmerksam 
gemacht, welche im Jahrgange 1882 in dem erwähnten russischen Journal „Natur und 
Jagd“ gedruckt sind. Ich notire diese _Zugdaten, welche von Wladikawkas und von 
Astrachan stammen und deren Beobachter sich nicht nennen, in den Rubriken für Terek 
und Wolga und setze die Anfangsbuchstaben der Flüsse hinzu. 


*) Vergl. meine »Berichte über die biologisch-geographischen Untersuchungen in den Kaukasus- 
ländern« pag. 187. 


558 Zusammenstellung der Zugdaten. 


Zusammenstellung 


der in den Kaukasusländern bis jetzt ermittelten Zugdaten, mit Hinzuziehung der 
Beobachtungen, welche über den Zug aus den nördlicheren südrussischen Breiten 
vorliegen. 


Ich befolge die Anordnung, wie sie bei Aufzählung der Spezies, S. 21 et sq. vorliegt. Im 
systematischen Theile gab ich meistens nur die Daten für den Hauptzug der betreffenden 
Arten an. 

Die Monate sind mit römischen Zahlen, das Datum nach altem und darunter nach neuem 
Style gedruckt. 


Ort der Beobachtung. 
2 Tiefland | Tiflis, | Mittleres | Derbent, | Mittlere | Mittlerer | Mittlerer Asow- 
Namen der Art. von mittl. Araxes- , westl. und | und und ıStawropol| Meer 
Talysch, \Kura-Thal) Thal*) Küste des} untere | unterer | unterer 1900°. und 
Lenkoran.| 1300’. 3000". | Caspi. Wolga. | Terek. Kuban. Kıimm. 
Falco subbuteo . . . - 20.22.01. . .. Ei 3 RE ars Ne As Ke Messe ct ae = IV 
1.-3. IV. E 
Cerchneis tinnuneulus. .| 12. 10.-15. re lel’ce 11-191 7.0 23T] 
a. b | 5. Bm. 4.IV. = 55, LK. = un 
V. Kan. 
Ii5- 51. pr. | | Kasan. 
|Ausnahme: | | | | 


tinnumculoides . hält mit dem Thurmfalken gleiche Zugzeit ein, oder kommt wenig später an. 


P: andion haliaetos | 24. II. | | | | 
(BEZRITTE | | | | 
15.2 0, IIT. | | | | 
117. 11.-1. | | 
IV. 
Aguila pennata . . . .»\| “ 10.-18. 17 
22.-30. 
Buieo vulgaris . -» . - er | 27. I. 
| 8. IV. 
| Borshom. | 
tachardus. . .» .» | Ende II. 2 | 
| Anf. IV. 14.-16. 
Milvus regalis . . . .| 8. II. 
9.IV. 


*) Die Beobachtungen wurden im Dorfe Koilasar, südlich von Eriwan in der Araxes-Ebene gelegen, gemacht. 
Dies Dorf ist nicht mit Kalasar, welches nördlicher am Fusse des Gebirges liegt, zu verwechseln. 


Zusammenstellung der Zugdaten. 


Namen der Art. 


Milvus ater 


Strigiceps cineraceus . 
5 Cyaneus , 


Es Swainsoni . 


Sturnus vulgaris 


Oriolus galbula . 


Carpodacus erythrinus 


Fringilla coelebs , 


Tiefland 
von 
Talysch, 
Lenkoran. 


1.-24. II. 


13. I11.-5. 


10% 


wintert 
Ende II. 
mehr, 
15. 
57. 1008 
22.1I1I-4.IV 
3.-16. IV. 


Hauptzug. 
wintert 


wintert 


. 115.-27. IV. 


27.IV.-9.V 
wintert 


zum Theil.| 


Mittleres 


Ort der Beobachtung. 


Derbent, 
westl. 


Küste des 


Caspi. 


5. 
17. 1. 


wintert 


‘ bisweilen, 


Anf. II. 
viele. 


. 110.-15. 


Mittlere 
und 
untere 
Wolga. 


2.37. 


7 


Kasan. 


ld: 
j3, Ka. 


IV.® 


Mittlerer 
und 
unterer 
Terek, 


Mittlerer 
und 
unterer 
Kuban. 


22. II. 
3mlyz 
Kan. 


Ende IV.|. 


Anf, V. 


59, 11. 


„Ostküste 


Asow. 


560 Zusammenstellung der Zugdaten. 
Ort der Beobachtung. 
Tiefland | Tiflis, | Mittleres | Derbent, | Mittlere | Mittlerer | Mittlerer Asow- 
Namen der Art. von mitt. | Araxes- | westl. und und und ‚Stawropol! Meer 
Talysch, |Kura-Thal| Thal Küste des) untere unterer | unterer 1900'. und 
Lenkoran.| 1300. 3000'. Caspi. | Wolga. | Terek. Kuban. Krimm. 
Pyrgita petronia. 14. In 
En: | 
Passer salicicolus | 23. II. 
4. IV. 
Buspixa melanocephala . | 12... | 25. x 15. 
32 IV. 7. IV. 37 IV. 
Alauda arvensis . . | wintert | wintert 19. ULN wintert [12-End.TIT.|Mitt.IIT. 8. In Kö IM 
17. 1 viel um. 26° 140.-15. 07 22 I2- |End.in. | 20, To 
29. 17. 122.111. ,, , 122.-27. °| Hift. IV. Kan. A.M. 
ausNorden mehr 3. jv Okt mehr. 
Anthus campestris . Anf. IV. 
„  Rechardi. 4 v 
Tee 
„»  Ppratensis wintert | 29. III. 
1001V | 
„ arboreus . .15.-23. III. 
1 27.111-4.1V x 
„. aquabieus wintert | wintert I v.g1 
UT 9R 
3. 
VEE82 
15. x 
10. 
55 IV. 83 
Budytes citreolus . Ende IV’? 
sehr spät. 
„ Rayi. Day 
DTa 1a 
25.-29. 111. 
6.-10. IV. 
Hauptzüge| 
Nlarus 1 . ‚Erste Hlft. 
| 97. II. | IV. 
25.-28. ILL 
[ 6.-9. IV.| 
Hauptzüge| 
ai | 2 
melanocephalus . | = In ! zu 78 
hs.as. | 25. 11 
I.- | Zeh Sg 
27.30. Gain 
Hauptzüge 8 2 
15. IV. 82 
| 24. II. 
| Den 
Motaeilla alba | wintert | wintert |. ., wintert | 2.9. [77 15.-30.118.|. . 10: 117.78 
8. up | ZH. | 35. jr, 1427. \er.r.-11. Per 
[MO 0 an IIIV: | De IV. Gr. 12. 111.79 
mehr mehr | mehr | BR 
| | | 133 
| | 5. Sl 
| | SOSE 
| Ta; 
Acrocephalus schoenobaenus| 1. iv 22. IV. 
IE A Ey 


Zusammenstellung der Zugdaten. 


Ort der Beobachtung. 


5. Tiefland | Tiflis, | Mittleres | Derbent, | Mittlere | Mittlerer | Mittlerer Asow. 
Namen der Art. von mitti. Araxes- westl. und und und Stawropol| Meer 
Talysch, |Kura-Thal' Thal |Küste des) untere | unterer | unterer | 1900’. und 
Lenkoran.| 1300’. 3000. Caspi. Wolga. | Terek. Kuban. Kıimm 
Aerocephalus streperus % v| 
19 | 
turdoides 9, 124.-26. LV.| 
IR a 6-8. V. 
Ä Borshom. 
Lusciniola melanopogon . 1a h 
STE II. 
Locustella fluwiatilis | 2 IV. 
I RER NE 
Phylloscopus rufus . 22. II. 12, In 
SELTE | or 
S.-15. | 
20.7. 
Hauptzüge. | 
trochilus . 23. III 6. 15 
m SE TV, JE 
Ze De 
Hypolais caligata 26. III. zw. 
DE ZIVE ; 
Sylvia eurruca . 2. 
IE IV. 
einerea 29. III. | 3.-10. 
eu 10. Iv. 5.2 1V 
atricapilla . 9.-30. 11I.| 3.-4. 
21. 111.-11 5-10. 
IV. 
ae 
EN? 
Hauptzüge, 
»  mystaceu . - 129.11.-2.1V. 
ee 10.-14. IV. 8 A 1 " 1 
aulias philomela . : br .118.-28.1V. |. 5. . x. 1 
AT — IV. ee IV. EL IV. Kr.) 
RU 30.17. -10. 7 2. oe 
orshom. N = IV.Ab. 
Hafızi Ende Ill. 
# ; i Mitte IV. 
'yanecula suecica . ll 10. oe 
PER Ill. 55, I. 52, IV, 
15.-20.111. 
27.UL-LIV. 
Hauptzug. 
Erythaeus rubecula. wintert | 10. u. | .|  Eıste 
RES Hälfte IV. 
Rutieilla phoenieura . 14, ın 28. III. 
26 game 
7 mesoleuca . 17. Sa 
59 111. 50. IV. 
” ochruros . 14, Iran, 
56: II. 8. 
Petrocossyphus eyamıs I: | 15. tm 
21. : 
Saxteola saltator 16. U 27.11.-20.11. 
28. “ ILAL-LIV. 


Badde, Ornis caucasica. 


71 


562 


Zusammenstellung der Zugdaten. 


— 6 6 ea aa > 


Ort der Beobachtung. 


Tiefland | Tiflıs, | Mittleres | Derbent, | Mittlere | Mittlerer | Mittlerer Asow. 
Namen der Art. von mittl. | Araxes- | westl. und und und |Stawropol! Meer 
Talysch, |Kura-Thal Thal Küste des; untere unterer | unterer 1900. und 
Lenkoran.| 1300’. 3000’. Caspi. Wolga. | Terek. Kuban. Krimm. 
Seele venanthe . | 14. _- 14. 
56, II. 56, II. | 
| 122.-25.IL.|. An | ’ 5. 
3.-6. IV. Mitte 1V- m 
Hauptzüge. Kr. 
| 20. IIT., | 
EIN | | 
9 leucomela . 29. II. | | 
| | 10.IV. | 
Pratincola rubicola. . 10-23. IL) 14. IH 
2211.-41V| 8. 
n rubetra . - 30.11. | 24. III. 
| UEOTVE || THy | | 
Turdus musteus . . | wintert. IR . 25.10.-5.1V.|: „20. IIE. 80 
6. IV. -17. Pong 
W. 2% m. sı 
25 
ala 
5, 83 
» tliacus wintert. SB An EVEN 
SER: | Mitte IV. In 
pilaris Belle An 
% Ep 81 
| 6. 
1 | | ig II. 83 
=) merula | wintert. wintert. | 20.II. 83, wintert. |. 5 Sm RE 
| au | \20. 
| Koil. | % 7 
| | 119, II. 78 
| | | 124. ID. 9 
| | Sa 
| | | | 29:8 
S | | | | | SI; 
| | ul, 9 
| 5, 82 
| | am 83 
Lanius minor 210: | | | IR: Aue 
|78 IL. | | 59, IV. 
Erythrosterna parva . 129.11.-2.1V| 5.-6. | | 
10..14.1v.117..18.1°° | | 
Muscicapa atricapilla. . | 11- ıı | | | 
(BI | | 
le ala teen A6EBZUEVE | | 
ERS EN || | | 
8-17.) | BV.-AV. 
| Hauptzüge. | | | A in 5 x 
Hirundo rustica . „112: | 22.202, 12. als . 21.1V.-5.V. 22.-30. ID. | 8-15. IV. 20. I „| 2 x 
Er En av. all 3-17. 9-11. 1.90.27? |1 I. 2 2 - 
120225. 18.1.0 18: [Ab Ks. Gr. | Abinsk. 128. IH. „. 31.1. 
ee: is, IV.Bs: jm.Nch. 2. II. =: Iu.g ® Iy. 79. DW e 
Hauptzüge.| 17. 8.-15.,. | Guwjew. . IV.= |25. I... |18. 
| In; I Sn-07. V- (erfrieren) 17, yo. = 200 
Kachetien.| Goktschai 29. I my 83 Tag. 
| 6300%. Elisabetk. 113, 1V- 
| 28.1. 
| NOV 


Zusammenstellung der Zugdaten. 563 
Ort der Beobachtung. 
3 Tiefland Tiflis, Mittleres | Derbent, | Mittlere | Mittlerer | Mittlerer Asow., 
Namen der Art. von mitt. | Araxes- | westl. und und und |Stawropol| Meer 
Talysch, ‚Kura-Thal Thal |Küste des) untere unterer | unterer 1900. und 
Lenkoran.) 1300. 3000’. Caspi. Wolga. , Terek. Kuban. Krimm. 
Chelidon urbiea. . . . | fehlt. fehlt ee 200 82:210! Iv 23.1V.-6.V. Gleichzeit. 
14.-22. | 5.-18.v. | mit 
rustica. 
Cotyle riparia . . . .| 6.-12. 77 en S.-15. 7 2 NEndesIVe | 
18.-24. 20827, | Anf. V. 
1566. Goktschai 
3.4. 6300°. 
Te 
1SS0. 
kommen um.) 
Oypselus aus . .» . .| 2-5. Als), —— 
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Gapsimulgusteuropaeus 2 |. 2 elle Bee alu. REES en ae, Sale | ZONEN 
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| 25. IV. Pronk zu früh! |7,y. Ola; 1V.K 
NV. spät. 2. 11. 
| Nach. 25. IV. 1a, V: 8255 1V.As. 
| spät. ZEV Saale sa, 
| TV. 83 51T 
Gorartskgorrile: are 20223 lVe 2210 205DV, ee ll Endesßve na . \26.1V. 
oma wars: 2. V. Anf. V. a 
‚13. Gr. 
55, 1V. 80. 
Merops wpiaster WET NE | 2 - 5 \ N PEndeziv: 8 19. IV. U.yKr 
ea ee: Antara 200 eo 
!sehr früh,) verspätet. Gr. Kan. |6. „| spät. 
| 15 —- V, 82, 
| IV, 18 
27. N- 
| normal 
Merops persica ... . .| 18 25. IV. 
au a 
Peristera turtur . 10. 19:19. 59 er BEndesIVel. ae. | ZRTVE SIE 
EN Br re: Anf. V. mV) man on 
Nach. Ilinsk. 23. IV. go.,,spit- 
Eva 1 2DAV? 
| A ee || ZEN. 
om > 
= v. 82. 
83 


ls 


564 


Zusammenstellung der Zugdaten. 


Namen der Art. 


Ort der Beobachtung. 


Mittlerer 
und 
unterer 
Kuban. 


Pierocles alehata 


Ortygion coturniv . 


Orex pratensis 


Ortygometra porxana . 


minuta . 
Bailloni . 


Stagnieola chloropus . 


Rallus aquatieus 


Telmatias gallinago 


Tiefland | Tiflis, | Derbent, | Mittlere | Mittlerer 
von mittl. | westl. und und 
Talysch, |Kura-Thal Küste des untere unterer 
Lenkoran. | 1300‘. Caspi. Wolga. | Terek. 
. [12.-22. III. 
29.10.-3.1V | 
- [29.11.-3.1V|12.-27. TV.|30. III. il v Ende IV. | Mitte IV. 
10.-15. IV.|26.1V.-9.V. 1320 WAnEVAE N BATREEVE 
Ks. Grosn. 
| 
. ‚kommt mitder Wach- . 20. IV. 
tel, oder auch wenige, 3. V, 
Tage später an. Ks. 
HL S331VE. 15: 
17.11.-15. | 37V. 
IV. 
EZ: 
I urn | 
ee | -| 
. | wintert. | 21. III. | 
| | 201y2 | | 
| wintert. |. © | 
| 
wintert |. el 
[u. kommt: 17. Il. ‚1I.-6. IV. 35H 
[IIL.-23.1V.| Idie ersten. LV.-18.1V. an 
SEAT 5. 1854, 
EN ne N, < “ 
| viele. 119, ° 
| | viele. 
ei 


27.111. 


27. IV. 


OV2 
As.! 


* spätes 


Ende. 


Bin u 


Zusammenstellung der Zugdaten. 565 
Ort der Beobachtung. 
& Tiefland | Tiflis, | Mittleres | Derbent, | Mittlere | Mittlerer | Mittlerer | Asow. 
Namen der Art. von mittl. Araxes- westl. und und und [Stawropol| Meer 
Talysch, |Kura-Thal| Thal [Küste des) untere | unterer | unterer 1900. und 
Lenkoran. | 1300‘. 3000‘. Caspi. Wolga. | Terek. Kuban.  Krimm, 
Telmatias major *) . . 126.111-13.1V|. Se 10! A lo 20. IH, 
7.-.8.1V: 53.07. 73.11. ma os 
1878. MitteIV.| Kislar 26. III. Tag. 
24-14. IV bis 1854. 7. 
5.-26. IV. Anf. V. |4. 6.4 
"1870. dieHaupt-/7g, 1Y- W- nen: 
18.11:15.1V zuen: 25. III. 
30.11. - 27.| 6 m.el- 
IV. 1880. 21. IT. 82 
ET 
24. II. 
HaLva = 
Philolimnos gallinula . wintert. ; m el 3 2 Rs nn Im. 
| En a 
| 
18. 
SM 
30, IT. SO 
17. 
55, II. 81 
214111555 
En 
DI. 83 
} A ö 6. 
Scolopas rusticola . 2 23 oo \13.1.-5. 11.) . . Ende 111. 10.- 13 .\ 8. ai DüE 
men; bis ln 
11. 117.7; IU. 1878. Mitte IV.| w. IS a; 
2352 29. 19,216; 17. mr. a. \20.-24.m so 
wintert |24.-27. 29. 1.-5. IV. 23. Il. 80 
auch in | 1879. Ww. AT 
Menge. 13, 
5, 181 
10. \ 
55, Hl. 53 
Grus leucogeranus . B 24.11.-4.11.| 5 Hua IE 
7.- 16.1. AI EyE 
21. 
1793. 
- c 5 i 6. 
einerea . BL 00 „alas. (77, | Auf. IV. 10-15, Sm 78 
TI. 5; 111.67 Sa-6W.| 18... Mike IV. 2227. ENG, | ul, 
12-13. 77 10-1. or Koil. bis i Sn Gros. Kan. _. 9| As. 
24.25. 122.28, ' a ne u ne 
Hauptzüge. | Hauptzüge. n ee 2 kenet les 
Bee, on Bar 3. le, 
viele. 5. ‚0 | 17. 
57, I. 83 55, TI. 
7.2411! Kr. 
10.01-5.1V. 8. 
Kr. 5, 
} 
Kr. 


*) Herr Peakok macht über diese Art mir Mittheilungen über ihr Vorkommen auf dem armenischen Hoch- 


lande, er traf sie in Menge: Ardagan 


19.-30. 


ver Kae V 


25 


566 Zusammenstellung der Zugdaten. 


Ort der Beobachtung. 
R Tiefland Tiflis, | Mittleres | Derbent, | Mittlere | Mittlerer | Mittlerer Asow. 
Name der Arten. von mitt]. Araxes | westl. und und und |Stawropol | Meer 
Talysch, Kura-Thall Thal Küste des| untere unterer | unterer 1900’ und 
Lenkoran.| 1300. | 3000”. Caspi. ı Wolga. ı Terek. Kuban. Krimm. 
Grcomiaralbar 2 2. 29T. a RER a en alle behsollo or 6 || & 
DM 80. 79. II. Nekealen: 51. IV. 
2.-18. IT Nach. As. 
14.90. m 
Hauptzüge. z 27. 
As. 
er nigra 2. . . |14.-27. II) 18. lee lo nr ollar oo 0 & 
56.11.1011 27.1” 16.1V- 
[2. „_. .. |Bukuriani Tag 
ia IV. die (5000".) 
meisten. 
Ardea einerea . . . .|6.-16. a N a oil nr oliaien ia.o & m 
18.8. 18. 
Kan. 
= purpurea . .» . \15.-23. Ill. 
127.11.-4.1V 
Garzetta garzetta . . | 1. Iv 
1a 
Ardeola € Ve -5 
rdeola comata 3. 5._1y, 
15.-17. 
mil n 5 5 " 
a Iv. 27.1V. | 
27. 9EVE 
Bolanmussstellarisin .  |swintertuln. 10 ee Al ee 8 
| >51 £ 30,1 31. 
21. III. 
E: ABIıVE = 
Scotaeus nycticorax® . . | wintert, RE el: 
1 35,17. 
Plegadis faleinellus . . 23.111.-2.1V Kr. 
4.-14. IV. 
Olisteroe 2 ne» fehlt. wintertänrungeheurer|w- u... le ve a |! 
| Menge am Unterlaufe 31. 111.79. 
beider Flüsse in den | rs 
Steppen, wohin sie is - 80. 
schon Anfangs Ok- 5 
tober kommt. —-IV. 81. 
ia 
Oedienemus erepitans . . | 1 fr | | 
| 26. | 
20.-25. IH. | 
| IE 
|Hauptzug. | 
Charadmuspluvialas .2. 2 | swintert, | u. al le . Ende IV. 
kommt | Anf. V. 
mehr 18. 
ll. - 30, IV. 
ERZIELTE 
Basar 
1-0. 
Hauptzüge.| 


Zusammenstellung der Zugdaten. 


567 


Ort der Beobachtung. 


Tiefland | Tiflis, | Mittleres | Derbent, | Mittlere | Mittlerer | Mittlerer Asow. 
Namen der Art. von mittl. | Araxes- | westl. und und und °|Stawropol| Meer 
Talysch, ‚Kura-Thall Thal |Küste des) untere unterer | unterer 1900. und 
Lenkoran.' 1300'. 3000‘, Caspi. Wolga. | Terek. Kuban. Krimm, 
Squatarola helvetica er Iv Anf. V. 
Ic Mitte V, 
Eudromias morinellus 1.- 4. Iv 
1321665 
asiatieus , 26. III. 
ae 
7. 
Io 
Hauptzüge. 
= Geofroyi . . | 4-14. 
16.20. 
Aegialites euronicus . 123.-28. II. 
3 cantianus . 6. 
TS 11]. 
Chettusia gregaria . . ‚18.11.-3.1V| 23. II. 
30.1-151V, 4 IV, 
Vanellus erisiatus . wintert, 26.0. |Endelll.| 3. 19.111. 
STE. any | 15 m. ®: 
3 Kislar. e 
en II. 55, II. 81 
Ende II. 14. III. 82 
Mitte IT 26. 
1774. 6. 111.83 
Strepsilas interpres . .| Mitte Im IS 
Ende 2 5, Kr. 
Glareola pratincola 4. 
——-IV. 
16. 16 
»  Nordmanni = S 
= Iy. Pad [ep 1 
Haemotopus ostralegus 27.11.-4.1V 14 y, 83 
8.-16. 1V .. 
Recurvirostra avocetta 23.1. 
REnE E 
Hypsibates himantopus = Hr. 5 IV. 
Phalaropus cinereus ah 
50.3, 
Machetes pugnas re 
\ Ende III. 
127.11.-Anf. 
I NE 
Actitis hypoleucos IEA26: . . | Anf. IV. 
16-18". Mitte IV, 
a2 IV 
Totanus glottis 22. IH: 2. 
SEINE 
‚  stognatilis . e ge > Anf. IV. 
P% FL 16.| Mitte IV. 


568 Zusammenstellung der Zugdaten. 


Ort der Beobachtung. 
e Tiefland | Tiflis, | Mittleres | Derbent, | Mittlere | Mittlerer | Mittlerer Asow. 
Namen der Ant. von mittl. Araxes-  westl. und und und ıStawropol! Meer 
Talysch, |Kura-Thall Thal Küste des) untere unterer | unterer | 1900. und 
Lenkoran.| 1300‘. 3000'. Caspi. Wolga. | Terek. Kuban. Krimm. 
Totanus fuseus . . . . |13.11.-1.1V 
25.11.- 13. 
IV. 
4 ochropus . . . | 17. 
u pP 59. II. 
D ezenle eeense Bellen Brenlielieito vorsellae a su ll 
51V: 
Limosa melanıra . . . | 3.27. 11. 
15.111.-8.1V 
wintert 
auch. 
\umenius phaeopus . .| 29. II. 5. ee ee 26811165) 
12.11. mt i TA: 
_8.-25. IH. 24. III. 
20.11.-6.1V 51V. 3% 
ng. 
Anserremereus.. = : eleba ..|.te 2 22216... 120: EIVE| 922220017: 80 
10.-28. M. 12IV.-IVG ARTE 
Ueberhaupt Ueberhaupt Kan. 
GraueWild- GraueWild- 
gänse. gänse. 
Oygmus or... | nel ef | 20. | 2a, 
1ApIT: 4. IM. S. II, 
Ende II. Kisl. 
Mitte II. 
Dafila acuta . es kallsillle 24. III. 
20.1.-27.11 SuLV 
Kas. 
13.-14. 
35.26." 
Astrachan. 
Mareca penelepe . . .| 6.- en en elek | DA SUTE 
18.-19. DR: 
Kas 
Cyanopterus querquedulus 23.15.11. » 1 0. len. EU 7, 
6.-17.11. Halver 
(Onergueulaserecen, | Endollii u ce vll neo keulles gen ee DAT  REe 008 5 
Be ST. bien 
ae | Kisl. 
an Rn | oe = ee aerellac Slcısr a nlle eo 2:0, 
Gelichelidon angliea 16. IN 50, HL Kr. 
Actochelidon cantiaca . . | 4-6. y| | 
116.-18. | | 
minute . » ..) 10. | | | | 
55, U. | | 


Die Süsswasserenten fangen mit dem Beginn des Februar im Allgemeinen den Zug gegen Norden an, derselbe wähıt 
mehr als einen Monat. 


*) Heır Dinning führt in einem Verzeichnisse Numenius tenuirostris auf; diese Art ist weder von M. 
Bogdanow, noch von mir für unser Gebiet nachgewiesen worden, doch ist es mehr als wahrscheinlich, dass sie in 
demselben vorkomme. Am faulen Meere habe ich sie Anfang der fünfziger Jahre erlegt. 


nr rn: > 


Zusammenstellung der Zugdaten. 569 
Ueber den Herbstzug stelle ich aus den Kaukasusländern folgende Daten zusammen: 
Ort der Beobachtung. 
Br Tiefland Tiflis, Mittleres | Derbent, | Mittlere | Mittlerer | Mittlerer | Asow 
Namen der Art. von mitti. | Araxes- | westl. und und und |Stawropol| Meer 
Talysch, |Kura-Thal Thal Küste des) untere unterer | unterer 1900’. und 
[Lenkoran.| 1300'. 3000. Caspi. Wolga. | Terek. Kuban. \ Krimm. 
- 
Falco peregrinus . \kommt mit! 
‚den Wild- | 
enten und 
wintert mit, 
ihnen. 
18. 9. 
30.5. 
IV. 
Falco subbuteo . I LOFIST IE 13 
30° | Da 
Kr. 
Falco aesalon . Desgl. vom 
| 6. 9. 
messen 
IV. 

Cerchneis tinnuneulus 5 . ziehtO-W..|. All ek x ; 20. IX. Ende IX, 
geht so aus lor-2 lg DR Anf. X 
dem Kura- Kan. Ka 
ins Rion- ; 

Thal. 
8. 
Agurla pennata . Anf. IX. 
Mitte IX. 
Archibuteo lagopus . Anf. XI. Mitte. 
Mitte XT. Ende”: 
Buteo ferox . |Ende VIIL. | 
i Mitte IX. 

Milwus at . . . . zieht eben-| - IX. 3:x 
sou.zu glei- 20:7; 
cher Zeit Kan 
wie Cerch- 
neis lin- 

3 nunculus. | _ 
Sturnus vulgaris wintert. | wintert |15.-30.IX.|. 15. 14-17. 23... 
meistens |27. IX.-12. 27. 26.-29. 4. XI. 
oder zieht, X,1880. Kan AS. 
doch nur /21.IX. -13. 4. 
thalab- | X. Tas 
wärts ins 2.25. x Kr. 
Tiefland. |1883. Koil 
Alauda arvensis : 15. IX.- 9 14. 
5 5, 8 
Anthus Richardi | a) Kan. 
18.2. ° 
arboreus 25. IX, 
ZEN | 
Motaeilla alba | 1215: 
BR 
Aecrocephalus schoenobvenus . 6 
| CH VIM. 
Luseiniola melanopogon . 28. 1X. Kas 
107BX | 


Baadde, Ornis caucasica. 


72 


Zusammenstellung der Zugdaten. 


Ort der Beobachtung. 
Tiefland | Tiflis, | Mittleres | Derbent, | Mittlere | Mittierer | Mittlerer Asow, 
Namen der Art, von mittl. | Araxes- | westl. und und und |[Stawropol| Meer 
Talysch, |Kura-Thall Thal Küste des) untere unterer | unterer 1900‘, und 
Lenkoran. | 1300'. 3000, Caspi. 'Wolga. | Terek. Kuban. Krimm. 
= 
Locustella fluwiatilis . .) 19. IL. | 
Eee | 
Phylloscopus trochilus . A u: Ale | | 
| | 127.-29. 
| | Goktschai- | 
ö | See. j | 
5 tristis 14-16. 5 6300°. 
126.-28. "| 
Sylvia atricapilla ZASTREE | 
GER 
Daulias philomela . 27. RX. 
IERE 
COyanecula sueciea . Se . |EndeVIII. 
Pe 
| bis 18, X. 
Sazxiecola oenanthe . e Bade VIIL g Ex. 
bis ;g: IX. > 
Pratincola rubetra . . 119.-23.V11L|. ebenso. 
31. Vlll. -4. 
IX. 
Hirundo rustica . 24.-26.V11.125.-30.V1l| . 8.-10. . 10 | 30.1X. 
S-7IX. SIR 53T ee 56. IX. s0. Ds 
Tiflis. 1880. Ausnahme an, spät. | 3, 6. 
21. VII | 28. VIII. einzelne 13. x. 82! es 
3X: I9.IX. dis 1 x Ausnahme. | sehr spät. 
Manglis. | 1883. 22. sm 
4000°. | Kailasar. MT 
Chelidon urbica . ala 1.-10. . .& 
sa a 3.2.8 BE 
Cotyle rıparıa . Ende VII. £ Ax kr 
- . Ne [KR Anf. IX. 16. 
Upupa epops . . | Ende XI.| Ende IX. 38, VII.-6.|. li { 16. 
Mitte XIL| Mitte X.| IX. 3. 
9.-18. IX. As. 
us Ab N Kai. 
weulus canorus 18: Bee ae .113.-20.vıl| - Ankolx 
28. 55. VIIL-. Mitte IX 
ID Kan 
5) 
Coracias garrula 20. VII. iz IX. 
AS) 
Merops apiaster . 22. VII. . ‚Ende VII. 1.- 6. 
3. X. Anf. IX, 13.-18. 
P Kan. a Kr- 
eristera turtur . Ende VII 0 alla IX 
| 11. en 
| bis 52 IX. Br a Kr. 
b | | ker 
Ortygion coturnix . | -10.-15.% : i September - 25.IX. | 20. IX. 17. vr. 
| PRIERT Aa bis 182:8 2. X. |29. mag. 
1880. | | Oktober. Kan. |Hauptzug. 228. . 
16.x 4 ARTE 
128. "T6. 27. VII. 
| X, | 8. IX. 
1883. 3 
| -——IX.Kr. 
| 15. 


Zusammenstellung der Zugdaten. 571 
Ort der Beobachtung. 
C | Tiefland Tiflis, | Mittleres | Derbent, | Mittlere | Mittlerer | Mittlerer | | Asow. 
Namen der Art. | von mittl. Araxes- | westl. und und und |Stawropol Meer 
Talysch, |Kura-Thal| Thal [Küste des untere unterer | unterer 1900'. und 
|Lenkoran. | 1300. | 3000’. Caspi. Wolga. | Terek. Kuban. Krimm. 
Orex pratensis . AnEIX.-X. 
Mtt.IX.-X. 
Philolimnos gallinula . wintert. 20. IX.-15 X. Kı. 
X. 
PDENBR 
Telmatias gallinago E 6 x : xX.-15.X1. X.-XT. 
18-19] bis Ende Kr, 
beginnt | RU | | 
derDurch-, | 
zug, viele 
wintern. 
jor 2-14. | .| EndeV III. 
Major . 8.7 | . 
eo. vis ANE x 
1878. Mitt.) 
20. VII. | 
wc | | 
bis 22.1X. 
se 
1879. 
Seolopax rustieola . 21. XI. SEE: .| Mitte IX.| . 131X2X1 0 
2 7 £ nA BZ nee? RE ToNG 
3. XI. et Ende IX. SIX.-14. 14 X 
1878. . | XI h 
2, 1879. Tas, die 
ERST 12.0 
| 1879. Br 
2 wintert. XL 1880. Haupt: 
3.1X.-23.X. Bus 
| m. 8 
15. IX. -4. 
| X1. 1881. 
| | 5.IX.-10.X 
| | 17. IX.-22.| 
| X. 1882. 
Grus eineren , | 210° .| Ende IX. |, 1, 5, 
2, Mitte X. Bu x 
| unse SEX] Kom | As 
| |" Mitte X. BRETTEN | i 
| am Gok- 
| tschai-See. 
| | 6300'. 
| | 4. 
| I | 
‚die ersten. ! 
| see) 
| 50; vm. | 
am oberen | 
| Araxes 
|  ver- 
Ardeola comata . Sie 12, | au 
| za | | 
Vanellus eristatus . 2s ee | Anf. 14. Sr 
| | une X. oe 
Pholaropus einereus . .\. 19. VII. | | j 
a : | | | | | 
Totanus ‚Ss olie IR k: 5. 
otanus glottis | 2 | a IX. 
| | 27. 


as 


572 Zusammenstellung der Zugdaten. 


Ort der Beobachtung. 
& Tiefland | Tiflis, | Mittleres | Derbent, | Mittlere | Mittlerer | Mittlerer Asow. 
Name der Arten. | von mittl. Araxes | westl. und und und Stawropol Meer 
Talysch, |Kura-Thal Thal Küste des) untere | unterer | unterer 1900‘. und 
Lenkoran.| 1300’. 3000‘. | Caspi. Wolga. Terek. Kuban. Krimm.. 
I 1 I 
Totanus fuscus . z x. | | 
a laneola Eee .'4.-20.VIIT.|. | . ‚Ende VIII. 
|16. vn. -) | bis 4. IX. 
Naar 11.-16. IX. 
Hydrochelidon nigra . . |. . - . 23. VDI. | | 
| ERDE | | 


Der Zug der Wildgänse hängt wesentlich vom Zufrieren der Gewässer ab, er beginnt schon im Oktober; je- 
kälter es wird im Wolgagebiete, um so mehr Wildgänse kommen zum südwestlichen Winkel des Caspi, doch nehmen 
hierher vomehmlich die Zwerg- und Blässengänse (Anser minutus und A. albifrons), sowie Bernicla ruficollis ihren. 
Weg. Ich kenne aus der Küstenzone des Caspi keine Saatgans. 


Sehen wir uns die Reihe dieser Zugbeobachtungen eingehender an, so fällt es 
zunächst ins Auge, dass die Zahl der durchziehenden Wandervögel eine verhältniss- 
mässig sehr geringe ist, die Zahl aber der im Tieflande überwinternden eine enorm 
grosse genannt werden darf. Das erklärt sich leicht. In den Breiten, welche die Kau- 
kasusländer einnehmen. und bei der Gesammtkonfiguration des grossen Landes über- 
wintern sehr viele solche Vogelarten im Tieflande, welche im Sommer im Gebirge leben, 
dort brüten und das Land nie verlassen. Die Wanderungen gewisser Arten in solcher 
kurzen vertikalen Richtung entsprechen dann dem in ebenen Ländern regelmässig aus 
weitem Norden her statthabenden Zuge in der horizontalen Richtung. So giebt es 
denn im Kaukasus Zugvögel verschiedener Kategorien und zwar solche, welche nur auf 
der Durchreise kurze Zeit rasten; solche, die zwar im Sommer hier leben, denen aber 
im Winter selbst die wärmsten Gebiete des Tieflandes nicht konveniren; ferner solche, 
die nur aus dem Norden kommend bis hierher ziehen und mit den aus dem Gebirge 
herabsteigenden Arten gemeinsam in den Tiefländern überwintern und endlich noch 
folgen dann die eigentlichen Standvögel, bei denen man wieder fest sesshafte von solchen 
unterscheiden muss, die im Tieflande zwar sesshaft, von den Höhen, wo sie ebenfalls 
brüten, aber im Winter herabziehen. Nach diesen vier Kategorien will ich nun die 
Vogelarten nennen: 


1. Nur auf der Durchreise rastende Arten. 


Agua pennala | Eudromias asiaticus | Machetes pugnax 

Buteo vulgaris | Eudromias Geoffroyi | Tringa subarquata 

Milvus regalis | ‚Strepsilas interpres Limosa rufa 

Grus leucogeranus | Oursorius europaeus | Chroicocephalus minutus. 
I 


Grus antigone | 


Diese Zahl ist sehr gering. Es wäre überdies vielleicht noch möglich, Brutplätze 
von den drei erwähnten Raubvögeln und vielleicht auch von der Zwergmöve zu finden. 
Bis jetzt kennt man sie hier aber nicht. 


Zusammenstellung der Zugdaten. 


573 


2. Brutvögel, die im Winter fortziehen. 


Falco subbuteo * 
Erythropus vesperlinus 
Cerchneis cenchris 
” linnunculus * 
Biuteo ferox 
Pernis apivorus 
Milvus ater * 
Strigiceps cineraceus 
Pastor roseus 
Oriolus galbula 
Carpodasus erylhrinus 
Pyrgita petronia 
Passer salieieolus 
Euspixa melanocephala 
Emberixa cirlus 
5 caesid 
Melanocorypha bimaculata 
Anthus Richardi 
cemwinus 
„ obscurus 
Budytes citreolus 
ee ranyı 
Aecrocephalus schoenobaenus 
” sireperus 
H lurdoides 
4 ‚palusiris 
Lusciniola fluviatilis 
Locustella melanopogon 
Aedon galaclodes 
Phylloscopus sibilatrix 


ne rufus * 
” trochtlus 
% inıstis 
N plumbeitarsus 
Hypolais pallida 
> caligata 


Sylvia wisoria 
» eurruca 
„ einerea 
„ hortensis 


Sylvia atricapilla 

„» myslacea 
Accentor ocularts 
Daulias philomela 

„ . Hafizw 
Oyanecula sıecica 
Cossypha gutturalis 
Ruticilla phoenieura 
mesoleuca 

® ochrunos 
Petrocincla saxatilıs 
Petrocossyphus eyanııs 
Sazxicola saltalor 


2 


5 oenanthe 

s desertt 

u melanoleuca 

3 leucomela 

Re leucura 

r amphileuca 

Pratincola rubicola 

5 rubelra 


Turdus alrigularis 
Lanius minor 
„ eollunio 
„ ruficeps 
Butalis grisola 
Erythrosterna parıa 
Museicapa atricapilla 

er collaris 
Hirundo rustiea 
Chelidon urbica 
Cotyle riparia 
Oypselus apus 

5 melba 

affinis 
Caprimulgus europaeus 

es inornalus 

Upupa epops 
Jynz torguilla 
Ouculus camorıs 


Coracias garrula 
Merops apiaster 
35 persica 
Peristera turtur 
Ortygion coturniw * 
Crex pratensis 
Ortygometra porzana 
2 minute 
a Bailloni 
Stagnicola chloropus 
Telmatias major 
Grus cinerea 
„  virgo 
Ciconia alba 
Nina 
Ardeola mimuta 
Plegadis falcinellus ” 
Oedienemus_ crepitans 
Aegialites curondcus 
> canlianus 
5; hratieula 
Chettusia gregaria 
Glareola Nordmannt 
Haematopus ostralegus 
Hypsibates himantopus 
Aectitis hypoleucos 
Totanus stagnatilis * 
».... glareola 
Terekia einerea 
Nimentus phaeopus 
COyanopterus querquediulus 
Mergus serrator 
Gelichelidon anglica ? 
Actochelidon cantiaca 
Sterna hirundo 
„. minuta 
Hydrochelidon hybrida 
5 nigra 
» fessipes 
Podiceps rubricollis 


Von diesen 120 Arten bleiben 7 in warmen Wintern, wenn auch nur in geringer 
Anzahl oder gar nur in einzelnen Exemplaren hier (Lenkoran). Diese 7 Arten wurden 
mit einem * bezeichnet. Ob @elichelidon ganz fortzieht, scheint mir fraglich; vielleicht 
geht sie nur weiter südlich in die geschützte Bucht von Enseli. 


574 


Zusammenstellung der Zugdaten. 


3. Brutvögel des Gebirges, die im Tieflande überwintern und sich den 
gleichen Arten, die aus dem Norden heranziehen, sowie anderen nor- 
dischen, hier nicht brütenden Arten vereinigen oder anschliessen. 


Die grossen Geier und selbst der Lämmergeier begeben sich oft für längere Zeit 
der Kälte, sondern der Nahrung wegen, ich führe 'sie 


im Winter ins Tiefand, nicht 
daher unter dieser Rubrik auf. 


Vulbur einereus 
Gyps fulwus 
Neophron percnopterus 
Gypaelos barbatus 
Falco peregrimus 
*  ,.  subbuleo 
„ aesalon 
ELsüken 
Cerchneis Tınnumenlus 
Pandion haliaetos 
Haliaetos albieilla 
Agwla clanga 
„  orientalis ? 
Archibuteo lagopıs 
Buteo tachardus 
* MWilvus ater 
Astur nmisus 
„ brevipes 
„» palumbarius 
Circus aeruginosus | 
Sirigtceps cyaneus 
Swainsoni 


” 


Aegolus otus 
= brach yotus 
Syrnium aluco 
Athene noctua | 
Ephialtes scops | 
Corvus coraz | 
cornin 
> monedula 
corone 
3; fraugilegus 
Garrulus glandarius 
Parus major 
phaenofus 
palustris 


“) Pleetrophanes nivalis, äusserst selten im Winter auf dem 


von Westen kommt. 


Poecile Brandti ? 

» lugubris ? 
Acredula caudata 

= tephronola 
Aegithalus pendulimus 
Sturmus vulgaris 
Erythrospixa rhodoptera 
Linota cannabina 

„» flavirostris 
Acanthis linaria ? 
Carduelis elegans 
Fringilla montifringilla 

5 coelebs 
Metoponia pusilla 
Chrysomitris spinus 
Chlorospixa chloris 
Ooccothraustes vulgaris 
Pyrrhula rubieilla 
Emberixa. citrinella 
horlulana 
cia 

5 Hauttoni ? 
Drithophaga miliaria 
Oynchramus schoenichıs 

5; pyrrhuloides *) 
Melanocorypha calandra 
tatarica 
ss sibirica 

Calandrella brachydacliyla 
Otocorys alpestris 
Galerida erisiata 
Lullula arborea 
Alauda arvensis 
Anthus campestiris 

55 spinoletta 


„ 


„ 


„ 


pratensts 


Anthus arboreus 
Budytes flavus 
n melanocephalns 
Motaeilla alba 
35 boarula 
Celtia Cettii 
* Phylloscopus rufus 
Regulus eristatus 
Accentor modularis 
Erythacus rubeculus 
Turdus musieus 
55 ihacus 


5, VISCIWOTUS 

». . pllaris 

” torguatus 
merula 


„ 
Troglodytes parvulus 
Bombyeilla garmıla 
Lanius excubitor 

„  lahltora 
Sitta syriaca 
Tichodroma murarıa 

y PETEYI PR beide ent- 
Gecinus viridis hehe Ei 
Prceus Poelzami. \ Dre zum 

ni f inter. 
\  Alcedo ıspida 


Columba oenas 


„» palumbus 
Pterocles arenamus 
> alchata 


Syrrhaptes paradosus 
\ "Ortygion coturnix 
"Ortygometra porzana 
Fulica atra 
 Rallus aquaticus 
Philolimnos gallimula 
Scolopax rustieola 


Armenischen Hochlande, wohin er 


Ardea cinerea 
„. purpures 
Herodias alba 
Garzetla garzetta 
Ardeola comata 
Bolaurus stellaris 
Scotaeus nyclicorax 
Platalea leucorodia 
*Plegadis falcinellus 
Otis tarda 
„  letrax 
Charadrius pluvialis 
5 Fulvus 
Eudromias morinellus 
Chettusia leucura 
Vanellus cristatus 
Glareola pratincola 
Recurvirostra avocella 
Phalaropus cinereus 
Calidris arenaria 
Tringa alpina 
, minuta 
» Temmineki 
Totanus glottis 
3 stagnatilis 
De fuscus 


* 


Zusammenstellung der Zugdaten. 


Totanus cahidris 

5 ochropus 
Limosa melanura@ 
Numenius arguatus 
Phoenicopterus roseus 
Berniclo ruficollis 
Anser minutus 

„ albifrons 

„.  segetum 

„ kuyperboreus 
Oygneus musieus 

40107; 
Vulpanser ladorna 

3 rutela 

Anas boschas 

„.  sirepera 
Chanliodes angustirosiris 
Dafila acuta 
Mareca penelope 
Querquedula crecca 
Rhynchaspis clypeata 
Oidemia fusca 

3 nigra 
Undina mersa 
Adthyia ferina 


“ 


Adhyia nyroca 
Fulix eristata 

„. maria 
Glaucion clangula 
Callichen rufinus 
Harelda glacialis 
Mergus merganser 

s albellus 
Phalacrocorax carbo 

3 Pygmaeus 
Pelecanus cerispus 
n onocrotalus 
= minor 

Larus argentatus 

„.  canus 

„» tridactylus 

»  marinus 
Chroicocephalus ichthyaetus 

“ ridibundus 
5 ‚gelastes 

Sylochelidon caspia 
Podiceps eristatus 


r minor 
Colymbus arcticus 
55 septentrionalis. 


Nur zehn von diesen Arten findet man bei Lenkoran im Winter nicht, nämlich 
Aguila orienlalis, Poecile Brandti und lugubris, Linota flavirostris, Acanthns linaria, 
Emberiza Huttoni, Oynchramus pyrrhuloides (wohl noch zu finden), Pierocles arenarius, 
Otis tarda und auch Sylochelidon caspia, die wohl aber nur wenig weiter gegen Süden 


sich finden dürfte. 


Die mit einem vorgestellten * bezeichneten Arten finden sich nur ausnahms- 
weise und nur in wenigen Exemplaren in warmen Wintern bei Lenkoran. 


4. Standvögel. 


Die mit einem * bezeichneten Arten sind fest sesshaft, die mit einem j bezeich- 
neten sind im Gebirge zwar Standvögel, schweifen aber, zumal im Winter oft thalwärts, 


für längere Zeit umher. 


Die mit einem — bezeichneten Arten sind Standvögel im Tiet- 


lande und vereinigen sich mit den aus dem Gebirge zum Winter dorthin wandernden. 


Vultur einereus 7 

Gyps fulvus 7 

Neophron perenopterus — 

Gypaeios barbatus 7 

Falco peregrinus7- sehr selten 
„ subbuleo — sehr selten 


Falco saker 7 sehr selten 
Cerchneis tinnunculus — 
wenig 
Pandion haliaelos — wenig 
Haliaetos albierlla — F 
5 leucoryphus — 


Agquila ümperialis 7 
„.. chrysaetos 7 
„  ddanga — 
„.  orientalis ? 
„. .naevin. ” 
Biiteo tachardus — 


576 


Astur nisus — 

»  brevipes — 

»  palumbarius — 
Circus aeruginosts — 
Bubo maximus * 
Aegohius otus —- 

3, brachyotts — 
Syrnium alıco — 
Athene noctua — 
Glaucidium passerinum 
Ephialtes scops — 
Corvus corax 7 

ne rcovonerr- 

2». cormie Ten 

».. frugilegus F — 

„ > monedhla — selten 
Pyrrhocoraz alpinus * 
Fregilus graculus 7 
Pica caudala " 

Garrulus glandarius — 
Parus major — 
».  phaenolus — 
„mpalusinis —- 


* 


Oyanistes eoeruleus — 
Lophophanes eristatus 
Acredula caudata — 

Fr tephronola — 
Aegithalus pendulinus — 
Oalamophilus barbatus * 
Sturnus vulgaris — 
Loxia curvirostra ® 

„. pühyopsillacus 
Carduelis elegans — 
Montifringilla nivicola 
Fringilla coelebs — 
Ohlorospixa chloris — 
Passer domestieus ” 

„ montanus * 
Emberixa horlulana — 

Cla — 


23 


% 


* 


Zusammenstellung der Zugdaten. 


Crithophaga miliaria — 
Oynehramus schoenichus — 
F pyrrhulordes * 
Melanocorypha calandra — 
wenige 
Galerida eristala — 
Alauda arvensis — 
Reguhus eristatus — 
Accentor alpinus 7 
Rutieilla erythogastra® hoch 
Saxieola erythraea — selten, 
vielleicht nur ausnahms- 
weise 
Turdus musicus — wenig 
KR — 
Oinelus aquaticus — 
Troglodytes parvuhıs — 
Sitla caesia — 
I SUTIOLON un 
Certhia familiarıs -— 
Tichodroma muraria — 
Gecinus viridis — 
3 canus ® 
Dryocopus marlius 
Picus major " — 
„ . Poelzamı — 
syriacus ” 


* 


”„ 
„. medius * 


leuconotus 
MUNOr — 
Alcedo ispida — 
Columba lvia * 
Megaloperdi.n enucasica * 

= caspra * 
Caccabis saxralilis * 
Ammoperdix griseo-gularıs ® 
Starna cinerea * 
Tetrao acatoptricus 
Attagen francolinus * 


* 


* 


! 


Phasianus colchieus * 
Fuhca atra — 
Porphyrio veterum * 
Rallus aqualieus —- 
Ardea einerea — 
»  Purpurea — 
Herodias alba — 
Garzetta ganzetta — 
Ardeola comata — 
Bubuleus ibis — 
Botaurus slellaris — 
Scotaeus nyeticoras — 
Plegadis faleinellus — 
Otis tarda — 
„ houbara — 
Vanelhıs ceristatus — 
Numenius argualus — wenig 
Anser cinereus — wenig 
Vrulpanser tadorna — 
= runla — 
Anas boschas — 
Chanuliodes strepera — 
Dafila acuta — 
Querquedula crecca — 
Rhynchaspis elypeata — 
Fulix cristata — 
Callichen rufinus 
Phalacrocerax carbo — 
” Pygmaeus — 
Pelecamıs crispus — 
5 onocrotalus — 
5 MINOr — 
Larus argentalus — 
„  canus — 
Chrotcocephalıs ichlhyastus— 
u ridibundus — 
Sylochelidon caspia — 
Podiceps ceristatus — 
Colymbus arctieus — wenig. 


Von diesen 132 Spezies sind nur 29 für immer fest gebannt an den Ort ihrer 
Geburt. und selbst von diesen kann man das auch in den meisten Fällen nur bedingungs- 


weise behaupten. 


Porphyrio sind in der That die allein ganz fest sesshaften Vögel. 


Sperling und Uhu, die Hühnervögel alle, die Loxien, allenfalls noch 


Alles andere bewegt 


EN 


Zusammenstellung der Zugdaten. 577 


sich doch mehr oder weniger. Selbst die Elster sucht zum Winter von der alpinen 

Weide, wo sie am Waldrande im Sommer einsam lebte, das im nahen Thale gelegene 

Dorf auf, und Alpenkrähe und Flühvogel treibt wenigstens für kurze Zeit der Schnee- 

‚sturm im Hochgebirge thalabwärts. 

Nunmehr wollen wir die Ankunftszeiten der Arten von den verschiedenen 
Lokalitäten vergleichen. Ganz abgesehen davon, dass wir nach dem vorliegenden doch 
nur geringen Material nur vorsichtig in den Schlussfolgerungen sein müssen und dass 
überdies in den verschiedenen Jahren die Ankunftsdaten je nach dem Wetter sich etwas 
verschieben könnten, so glaube ich doch behaupten zu dürfen, dass im Durchschnitte 
der Centraltheil Transkaukasiens im Frühlinge seine Zugvögel um 2—3 Wochen später 
erhält, als die südliche Westküste des Caspi, und namentlich später als die Nordufer 
des Schwarzen Meeres, obschon sie bedeutend nördlicher gelegen sind. Freilich wider- 
spricht gleich die erste Notiz über Oerchneis tinmunculus dieser Behauptung. die darum 
aber doch für die anderen Arten wahr bleibt. Der Thurmfalke (und auch der Röthel- 
und Abendfalke) zieht für Tiflis aller Wahrscheinlichkeit nach im Frühlinge nicht von 
OÖ. nach W. oder gar von S. nach N., sondern von W. nach OÖ. Für den Herbst habe 
ich sein Fortwandern von O. nach W. durch direkte Beobachtung am 8. / 20. September 
nachgewiesen und ich bin davon überzeugt, dass die Thurmfalken im Rion- und mitt- 
leren Kurathale aus W. ankommen. Dort findet der Zug im Allgemeinen früher statt 
und zwar je mehr westlich, um so zeitiger, wie das aus den späteren Mittheilungen 
ersichtlich ist. 

Um das vorher Behauptete nachzuweisen, nämlich die Verspätung im Central- 
theile von Transkaukasien, mache ich aus der Tabelle über den Frühlingszug folgende 
Auszüge über den Unterschied in den Ankunftszeiten: 

Lenkoran. Tiflis. 

Breite 38° 46‘, Meereshöhe 29 über dem Caspi. Breite 41° 42‘, Meereshöhe 1300° über dem Ocean. 
Breiten-Unterschied : 2° 56‘, nicht ganz 45 geogr. Meilen; 
direkte Entfernung circa 100 geographische Meilen; 

Längenunterschied 4” 2. 


Milwus ater, erster Vogel . . . 28 Tage Unterschied. 
Hauptzugges = 00 20075% n 
Strigiceps Swainsont, erster Vogel 12 ,„ 5 
Motocilla alba, Hauptzug . . . 12 , 5 
Aecrocephalus schoenobaenus . . 21 , x 
3 Tundovdes a lu B (in einer Meereshöhe von 
2600‘ bei Borshom). 
IERYJUDSCOpUSERUTUSE ee 20 n Tiflis. 
B2 TROCH US es = 
SUwiokemeren lo = 
Muballophoenieura a... 147, 5 
3 mesoleuease oe 5 
e DER SE ee = 
Sastcola saltator, der erste. . . 11 , = 
5 = demleiztere a2 er s 
IEnatuneolo nubico a on > 
Eryihrosiena pyawa . .». ... 8, R 


Badde, Ornis caucasica. 73 


578 Zusammenstellung der Zugdaten. 


Hirundo rusttea . . . . . . 10 Tage Unterschied. 

ONIRENS ATS SE on ae 2 

UBUDOReDODS DW ö 

Voraciasugarnulan oe “ 

INLELONS AO INSteT N ee ae ame a Ausnahme. 

53 = er 4 normal. 

TEN ISTONGRTUNLUNN Ra BEL 4 

KOLEUGUOTUN COLL ES EEE: A 

Ortygomelra minula”ı reale ” 

(CReitUSUnNgTeganIe ee Re ERBE DEE " 

Hypsibates himantopus . . . . 35! „ M Schlechter Flieger, der oft: 
auf kleinen Distanzen 
ruht. 

Votanuskstagnofihs na c 20 3 


Oyanecula suecica kommt hier. wie überall, recht zeitig an. Die Daten für diese 
Art wollen sich, wenigstens für die frühesten Ankömmlinge, meiner Behauptung nicht 
fügen. Es wäre aber auch möglich, dass einzelne Exemplare vom Blaukehlchen im 
Lenkoran’schen Tiefande überwintern. Auch bei Saricola oenanthe kommen die ersten 
Vögel gleichzeitig in Lenkoran und Tiflis an, die Hauptzüge an letzterem Orte aber 
8—9 Tage später. Pralincola rubetra fügt sich nicht. Es liegt hier für die Beobach- 
tung von Lenkoran kein Fehler vor, da wir durch die vielen Vögel von Pratincola ru- 
bicola besonders angeregt wurden, auch die zweite Art zu finden, was aber erst geschah, 
als der Zug von P. rubicola schon vollendet und der grösste Theil dieser Art schon 
weiter gewandert war. 

Scolopax rusticola lässt sich nicht gut kontroliren, weil viele Waldschnepfen im 
Tieflande überwintern und man nur nach der grösseren Anzahl und ihrer verhältniss- 
mässig besseren Ernährung darauf schliessen kann, dass es frisch angezogene Vögel 
seien, mit denen man es zu thun hat. 

Grus einerea zieht direkt, er forcirt ebensowohl die armenischen, winterlich 
daliegenden Hochländer, als auch die noch viel höheren Pässe des Grossen Kaukasus. 

Ich schliesse nun aus den vorliegenden Zahlenwerthen, dass die Zugvögel, 
welche Tiflis berühren, nicht von S. nach N., sondern zuerst dem westlichen Caspiufer 
entlang und dann im Kurathale O.—W. aufwärts ziehen. Da die Breitenunterschiede 
zwischen Lenkoran und Tiflis nicht ganz 3°, die von der Scheitelaxe Hocharmeniens. 
(Ararat) bis Tiflis nur 2° betragen, so müssten die Zugvögel, gesetzt den Fall, dass sie 
die Passage über das Plateau nicht fürchteten und sich dorthin, von Süden kommend, 
bereits begeben hätten, viel früher bei Tiflis erscheinen, als es der Fall ist. Um so 
sicherer müsste das stattfinden, als der Zug über die Scheitelfläche Kleinasiens, wo um 
diese Zeit tiefer Winter liegt, nur mit grosser Eile ausgeführt werden könnte, da dort 
von Rast im tiefen Schnee bei grosser Kälte doch nicht die Rede sein kann. Bei der 
mehr als dreifach so langen Wanderrichtung im Thale der Kura und eingedenk des 
Umstandes, dass die Reisenden hier thalaufwärts steigen, also mit der Höhe auch Thier- 
und Pflanzenleben weniger entwickelt vorfinden, als im Tieflande. (mit Ausnahme eines 
nur schmalen Küstenstreifens, der durch die N. und NO.-Winde besonders erkältet wird), 
wird die statthabende Verzögerung leicht begreiflich. Wir haben aber überdies gerade 
aus dem Kurathale direkte Beweise für die ost-westliche Einwanderung. 


Zusammenstellung der Zugdaten. 579 


Seite 100 dieses Werkes gebe ich Nachricht vom Milan, den ich am 23. März/ 
4. April— 24. März/5. April in grosser Zahl dort so wandernd antraf. Andererseits 
wird dieselbe Richtung mitten im Winter unter bestimmten klimatischen Verhältnissen 
sogar von grossen Seevögeln eingeschlagen. Wird es dort am Caspi gar zu unge- 
heuerlich, liegt anhaltend Schnee, friert es stark und tobt dazu der Nord, so wandern 
selbst Chroicocephalus ichthyaötus, die Cormorane, Mergus merganser und albelhıs und 
auch die Haubensteissfüsse die Kura weit thalaufwärts und kommen zu den offenen 
Wassern an den Schleusen von Tiflis. 

Aber auch die Armuth der Transkaukasischen Wälder, namentlich an den wirk- 
lichen Sängern, wird durch diese seitlich abgezweigte fluviale Wanderstrasse erklärt. 
Der grosse Weg, die Heerstrasse, geht der Westküste des Caspi entlang zur Wolga. 

Ich würde also meine Schlussfolgerung über den Frühlingszug für den Central- 
theil von Transkaukasien etwa folgendermaassen ausdrücken: Die durchnittliche 
Verspätung von vierzehn Tagen und darüber in dieser Gegend im Ver- 
gleiche zu den Ankunftszeiten im Talyscher Tieflande wird bedingt 
durch die langsame fluviale Einwanderung von OÖ. nach W. thalaufwärts. 
Eine Zugrichtung von S. nach N. über das Armenischen Hochland ist 
nicht vorhanden. 

Trotz der wenigen Beobachtungen, welche aus dem mittleren Araxesthale (in 
der mittleren Höhe von 3000° über dem Meere) vorliegen, darf ich doch behaupten, dass 
die Ankunftszeiten daselbst Tiflis gegenüber etwas zeitiger, dem Caspischen Tieflande 
gegenüber nur wenig später erfolgen. Der Weg dorthin ist ein bedeutend kürzerer und 
es giebt nur ein Hinderniss zu überwinden, nämlich den Durchbruch des Araxes durch 
das Karabagher Gebirge (13—14 Meilen Distanz). Für einen guten Flieger, der über- 
dies noch die Nähe des Wassers sucht, ist das eine Kleinigkeit und so sehen wir denn 
auch die Ankunftszeit der Schwalbe bei Koilasar mit dem gleichen Datum notirt, wie in 
Lenkoran; ja in Nachitschewan, welches nur wenig östlicher gelegen, sah man in dem- 
selben Jahre (1880) die erste Schwalbe schon 7 Tage früher. Schlechte Flieger, wie 
z. B. die Wachteln, brauchen längere Zeit für die Passage des durchbrochenen Gebirgs- 
riegels und kommen durchschnittlich etwas später an. 

Dagegen sind die Unterschiede zwischen den Ankunftszeiten unten im Araxesthale 
und oben auf dem im Mittel von mehr als 6000’ über dem Meere gelegenen Armenischen 
Hochlande, trotz der unmittelbaren Nähe desselben, ausserordentlich grosse. Es stellt 
sich bei Vergleich derselben heraus, dass sie für die Körnerfresser geringer sind, als für 
die Insektenfresser. Die Ankunftszeit der Schwalbe am Goktschai-See und in Talysch 
wird durch einen Zeitraum von fast zwei Monaten getrennt!! — Diese hochgelegenen 
Gebiete, schon westlich von Erzerum bis östlich vom Alagös und Ararat, liegen in 
der kältesten Zone von Vorderasien, bei trockener, grosser sommerlicher Hitze in den 
Thälern, wird ihnen fast arktische Kälte im Winter zu Theil und auch im Sommer ist 
es auf dem Plateau Nachts empfindlich kalt. Tournefort berichtet von Erzerum 
(6100), dass das Wasser, in welchem er Pflanzen im Juni frisch erhalten wollte, am 
Morgen gefroren gewesen sei. Unter solchen Umständen muss das Brutgeschäft zarter 
Insektenfresser gefährdet werden. 

In diesem späten Erscheinen der Zugvögel auf dem Armenischen Hochlande 


haben wir wieder den direkten Beweis dafür, dass die nördlich von ihm gelegenen 
das: 


580 Zusammenstellung der Zugdaten. 


Hauptthäler aus den östlichen Tiefländern den wandernden Vogel erhalten, der von 
ihnen aus in’s Gebirge aufwärts steigt. 

Zu den frommen Wünschen, welche ich und mit mir gewiss alle Ornithologen 
hegen, gehört namentlich auch der, für das Araxes-Gebiet ein paar gewissenhafte Beob- 
achter zu besitzen. Am besten wäre es, wenn in Eırzerum, Kars, Ardagan und am 
Goktschai-See, etwa in Nowo-Bajaset, genau die Ankunftszeiten notirt würden und im 
Thale des Araxes etwa in Kulpi, Eriwan und Nachitschewan Parallelbeobachtungen 
stattfänden. 

Ich habe schliesslich noch die Zahlen von der Nordseite des Grossen Kaukasus 
zu prüfen. Leider sind die Beobachtungen in der westlichen Küstenzone des Caspi 
bis jetzt sehr vernachlässigt. Von Baku wissen wir nichts in dieser Hinsicht, aber ich 
glaube nicht, dass die Zugvögel, namentlich die Sänger, hier längere Ruhe halten. 
Die ganze Umgegend dieser zwar reichen, aber nur einseitig von der Natur beschenkten 
Naphthastadt, ist nicht einladend, weder für den Menschen noch für den Vogel. Wo ist 
da die Wiese und der Bach? Wo ist das Gebüsch oder gar der Baum? Selbst die 
Grassteppe verschwand. Niedriges, zerrissenes Gebirge und Thalweitung, Alles kahl, 
lehmig, sandig, dürr, salzig, leer. — Da sputet sich der Wandervogel. Allenfalls hält 
ein Trupp wandernder Avocetten oder Löffelreiher an, um an den Rändern der Bitter- 
salzseen zu rasten. Alles Andere flieht solche Einöden. Nördlicher kommt es bald 
besser; schon die Uferstrecken im Kubinschen Kreise sind einladend zum Halten, und 
bei Derbent ist Alles schön und vielseitig gestaltet, dazu ausgedehnter Garten- und Ge- 
treidebau, herrliches Gebüsch, frühlingsgrüne Matten und süsses Wasser. Hier muss 
beobachtet werden und dann nördlich weiter im Delta der Wolga, wo der Hauptweg 
für den Wandervogel gegen N. und NO. liegt. 

Die Unterschiede der Ankunftszeiten zwischen Derbent und Lenkoran werden 
nicht gross sein. Es liegt ja am Meeresufer kein Hinderniss zum Ueberwinden vor und 
die trennenden Halophyten-Steppen vom Mündungslande der Kura bis oberhalb Baku 
müssen rasch durchwandert werden. Wir sehen das auch durch die wenigen Notizen, 
welche ich von Derbent beschaffen konnte, bestätigt. Wir finden da nur Differenzen 
von 3—D Tagen. Von dort geht die Reise weiter. Die Bevölkerung der Dagestan’schen 
Hauptthäler und des Terek geschieht sicherlich wieder durch Auviale Einwanderung 
aufwärts und der Rest der vielen Reisenden zieht weiter gegen Norden in das Mün- 
dungsland des Riesenstromes, welcher ja auch im Herbste den weit aus den nordischen 
Tundern Westsibiriens heranziehenden Wandervögeln stets zur breiten, stark frequen- 
tirten Strasse dient und im Frühjahr bei aufgehendem Wasser ihnen wieder den Weg 
weist. Zumal gilt das von allen Schwimmvögeln und Stelzern. 

Es ist nöthig, bei der Betrachtung der Zugzeiten an der Nordseite des Grossen 
Kaukasus auch einige Daten zum Vergleiche aus den westlichen Steppengegenden zu 
erwähnen. Diese erhalten die Wandervögel von jener zweiten sehr stark besuchten 
Heerstrasse, die am besten mit dem Namen der syrisch-kleinasiatisch-pontischen 
benannt wird und die im Nil-Thale ihren Anfang nimmt. Auf ihr giebt es keine 
besonderen Hindernisse zu überwinden und deshalb erscheinen gewöhnlich (in normalen 
Jahren) die meisten Zugvögel am Nordgestade des Pontus früher als ostwärts, oder 
doch zu gleicher Zeit, obschon volle 8 Breitengrade zwischen jenen Gebieten und dem 
Südufer des Caspi sich hindehnen. Auch ist es sehr wahrscheinlich, dass das Asow’sche- 


Zusammenstellung der Zugdaten. 581 


Meer und die von ihm östlich landeinwärts gelegenen Gegenden mit Einschluss des 
unteren Kubanlandes die Zugvögel von dieser Heerstrasse erhalten und gar nichts mehr 
mit den Wanderungen auf der Caspi-Wolga-Strasse zu thun haben. Sehen wir spe- 
zieller zu, wie es sich damit verhält. Ich gebe die ausführlichen Beobachtungen von 
Odessa, wie sie in den Isepiptesen, meistens auf von Nordmann’s Mittheilungen basirt, 
niedergelegt sind. 


Odessa 46'/,° n. Br. Dnjester-Mündung 46°. 
MeSHmmuswulgoriseen. 232 AZ HE Maar ara er. 4./16. II. 
2) Oröolus galbula. . .3./15.IV.! früh. 22.1V./4.V. 19. IV. 
TREND ka nV15R2 RV 29:DV. /RdalV: 
3) Alauda arvensis . .18.11./2.11. 2./14.1]. 24.11./7. 11. 
22.11./8. II. 14./26.11. :9./21. 11. 
A)eMotaeillonalba 3. 9-,/äx, 11221547270. 11.070719. THE. 


5) Sazwieola oenanthe . . 23.111./4.1V. 30. 11./11.IV. 29.11. 
/10.1V. 23. II./4.IV. 14. /26. 11. 
6) Hirundo rustica . .2%.111./8.IV. 1./13.IV. 24.111./5.IV. 
2./14.IV. 29.111./10.1V. 30.11. /11. 
IV. 28.111./9.1V. 9./21.1V. 30.111./11. 
DV 228111549, IV2e23 1, 112/212 IV 


7) Upupa epops . . .12./24.1V. 6./18.1V. 20.11./1.IV. 
1072221 211 DV 13./ 25. II, 
8) Cueulus canorus . . 30. IN./1t. IV. 10./22. IV. 


9) Ortygion coturnix. .1./13. IV. 31. I1./12. IV. 
10) Scolopax. rusticola . . 9./ 21.11. 6./18.I1. 23.111. /4.IV.! 

spät. 19./31.IH. 14./26.11I. 21.111. 

/2.1V.! 4./16.111. 20.11./3.111.! früh. 
eiieGrusiiemerea 2er 1017/2321002164/728.,112 115/723. 11. 6./18. M. 

Zu diesen an elf Arten gemachten Beobachtungen gebe ich nun die erläuterndern 
Anmerkungen. 

1. Sturnus vulgaris. Für Stawropol, 45° 3‘, 1900° Meereshöhe, sind die Unter- 
schiede der Ankunftszeit im Vergleiche zu Odessa kaum zu erweisen. Dagegen sind sie 
ziemlich bedeutend dem Tieflande des Kuban gegenüber. Es wäre möglich, dass dieses 
letztere als Küstengebiet des oft zufrierenden Asow’schen Meeres im Frühlinge stärker 
erkältet wäre. Es ergiebt sich das auch, wenn man die mittleren Monatstemperaturen 
für April und Mai, z. B. für Eisk und Ekatherinodar, vergleicht. Sogar Wladikawkas 
bat trotz der 2300‘ Meereshöhe den April wärmer als Eisk. Sicher ist auch, dass die 
Ankunft der Staare, welche wenige Breitengrade südlicher im Tieflande in grosser Zahl 
überwintern, vom Wetter daselbst wesentlich abhängt. 

2. Oriolus galbula. Trotz der 8 Breitengrade Unterschied zwischen Lenkoran 
und Odessa erscheint der Pirol an beiden Orten fast zu gleicher Zeit. Die ÖOdessaer 
Vögel folgen der syrisch-kleinasiatischen, wenig behinderten Strasse. Für Stawropol ist 
nach den vorliegenden Ziffern die Verspätung ganz normal, wenn wir auch das Ein- 
wandern dorthin von W. nach ©. acceptiren, wozu ich für diese Art weniger geneigt 
bin, als für manche andere. Da sich nämlich die Beobachtungen von Derbent, Grosnyi 
und Stawropol vortrefflich aneinander reihen, so dürfte der Zug sich in dieser Richtung 
(0.—W.) vollziehen. 


582 Zusammenstellung der Zugdaten. 


3. Alauda arvensis. Die Feldlerchen Odessas kommen bedeutend früher an, als 
die am Caspi und in Transkaukasien. Von den 6 Beobachtungen von Odessa schliesst 
sich nur eine den am Kuban, Terek und in Transkaukasien gemachten an. Jene ziehen 
dort unbehindert, vornehmlich der Küste entlang; diese müssen das Gebirge umgehen, 
deshalb die Verspätung. 

4. Bei Motacilla alba sind die Differenzen zwischen Odessa und Stawropol nicht 
sehr bedeutend, aber immerhin kommt die weisse Bachstelze dort (Odessa) 5 Tage früher 
an. Die Ankunftszeiten vom mittleren Terek und Stawropol liegen nahe, aber Staw- 
ropol hat seine Bachstelzen trotz der bedeutenderen Höhe doch früher als Grosnyi. 
Ob sie doch nicht aus SW. d. h. auf der pontisch-kleinasiatischen Strasse wandern? 

5. Saxicola oenanthe kommt bei Odessa sehr regelmässig an, und es fallen die An- 
kunftszeiten von dort gut mit den Hauptzügen bei Tiflis zusammen, trotz der 5 Breiten- 
grade Unterschied und trotz der 1300' Meereshöhe von Tiflis. Hier liegt also für Trans- _ 
kaukasien wieder relativ eine Verspätung vor, welche durch das langsame Heraufwandern 
im Kurathale erklärt wird. 

6. Hirundo rustica. Die mittlere Ankunftszeit der Rauchschwalbe ist für das 
ganze Gebiet, trotz der Unterschiede von 8 Breitengraden, nahezu die gleiche! Lenkoran 
passirten die Hauptzüge vom 20. 111. /1. IV. bis 25. 111./6.1V. Die meisten für Odessa er- 
mittelten Ziffern fallen nur 3—5 Tage später. Zwischen diesen reihen sich die sonstigen 
Beobachtungen sowohl aus Transkaukasien, wie auch von der Nordseite des Grossen 
Kaukasus bequem ein. Stawropol und Odessa stimmen ebenfalls vortrefflich und die 
zwei späten mit einem ? vermerkten Angaben vom untern Kuban halte ich um so eher 
für fehlerhaft, als in demselben Jalıre (1880) in nahegelegenen anderen Stanizen am 
unteren Kuban die normale Ankunftszeit ermittelt wurde. 

7—8. Upupa epops und Onuculıs canorıs. Bei dem Wiedehopf und Kukuk 
widersprechen sich auffallender Weise die Beobachtungen. Während der Wiedehopf 
in Transkaukasien in den ersten Märztagen erscheint und am 15./27. III. schon in 
Höhen von 2—3000° über dem Meere lebt, erscheint er bei Odessa erst Ende Il. und 
Anfang IV. Dahingegen lassen die, freilich nur wenigen, vorliegenden Beobachtungen 
über die Ankunft des Kukuks darüber keinen Zweifel, dass er westlich im Steppen- 
gebiete bedeutend früher erscheint, als östlich im Gebirgslande. Es liegen da trennende 
Zeitintervalle von 2 Wochen vor, namentlich für Stawropol und Odessa, welche Orte 
doch nur etwas mehr als einen Breitengrad Differenz in der Lage haben. Es spricht 
das auch wieder für meine Behauptung, dass nämlich die weiten Steppen an der 
Nordseite des Grossen Kaukasus durch seitlich (von OÖ. und von W.) ein- 
wandernde Vögel für den Sommer bevölkert werden und dass ferner die 
syrisch-kleinasiatisch-pontische Zugrichtung eine freiere und schnellere 
Bewegung dem wandernden Vogel gestattet. als die caspisch-wolga’sche, 
wenigstens in ihrem südlichen Theile. 

9. Ortygion colurnix. So bin ich auch davon überzeugt, dass die Wachteln 
am unteren Kuban von W. und SW. einwandern, wie sie auch im Herbste zuerst nach 
W. ziehen und dann die Küstenwanderung am Schwarzen Meere antreten. Das bestätigt 
sich auch aus den vorliegenden Zahlenwerthen für das Frühjahr. Stawropol hat seine 
Frühlingswachteln zeitiger, als z. B. Tiflis, und sogar bisweilen zeitiger als das noch 
südlichere und im Niveau des Caspı gelegene Lenkoran. Die Lenkoran’schen Wachteln 


Zusammenstellung der Zugdaten. 583 


können wir ganz gut nach den vorliegenden Ziffern auf der Reise über Derbent zum 
mittleren Terek verfolgen. Die Daten stimmen da, von den letzten Märztagen bis zu 
Mitte April wird da der Wachtelzug vollbracht. Stawropol beginnt zeitiger damit, 
schon mit dem 14./26. März hat man dort die Ankunft der Wachtel notirt, der Zug 
hält dann einen vollen Monat an. Es mag auch hier vorkommen, dass in der unmittel- 
baren Küstenzone des Asow’schen Meeres das rauhere Klima (nicht selten ist noch Eis 
auf dem Meere) die Vögel nicht ruhen lässt und dass die ersten Ankömmlinge es vor- 
ziehen, weiter landeinwärts zu wandern. Dafür sprechen die verhältnissmässig späten 
Daten vom Asow’schen Meere, wo wir erst mit dem 27. 11. /8. IV. bis 27. IV./9. V. 
den Wachtelzug umgrenzt finden. 

Ich bringe hier das in Erinnerung, was ich am Schlusse der Einleitung Seite 
15 et sq., sowie in dem Spezialabschnitte über die Wachtel, bereits erwähnte. 

Von allen Zugvögeln ist die Wachtel der für die Beobachtung bequemste und 
ergiebigste. Das hat seinen Grund darin, dass 1) der Vogel langsam zieht, zumal im 
Herbste, wenn er ungemein feist ist; 2) dass er in seinem Gesammtleben sehr wesentlich 
an die Kulturen, namentlich an den Getreidebau des Menschen gebunden ist und 3) dass 
er als vorzügliches Wildpret eifrig gesucht, mithin auch häufig, zumal von Jägern 
beobachtet werden kann. Die Wachtel führt im Kaukasus jedwede Art der Emigration 
aus, d. h. in der Horizontalen hin und zurück, in der Vertikalen auf und ab. Ihre 
langewährenden Küstenwanderungen an beiden Meeren, welche massiger noch im Herbste 
als im Frühlinge regelmässig statthaben, bestätigen auf das Klarste den maritimen 
Küstenweg, den die Vögel als den bequemsten, gefahrlosesten, wenn auch weitesten, 
wählen. Ihr weites Heraufsteigen im Gebirge bis zu den äussersten Grenzen einer spär- 
lichen Gersten- und Hirsecultur (Panicum vwiride), sogar im Dagestan bis zu 8000‘, 
bestätigt ebenfalls die Vorraussetzung einer langsamen Einwanderung von den Tiefen 
zu den Höhen. Erst wenn die Saatfelder dort oben nach langem Winter schneefrei 
werden und frisch grün daliegen, die Triebe schon '/,' Höhe haben, kommt die Wachtel 
in solchen Höhen an. Das geschieht aber nicht leicht vor Anfang bis Mitte Juni. In 
solcher Zeit Wachtelzüge aus dem fernen Süden zu proponiren, wäre absurd. Die 
Wachteln, welche zum geliebten, altgewöhnten Brutplatze ins Hochgebirge ziehen, kamen 
mit den Massenzügen Mitte April unten in den Hauptthälern an und wanderten all- 
mählich höher und höher. Kurz ist ihr Aufenthalt dort oben im Vergleiche zu der 
Zeit, welche andere Wachteln im Tieflande verleben ; zwei, höchstens zwei und einen halben 
Monat bleibt die Wachtel im Sommer an ihren höchsten Brutplätzen im Gebirge. Sie 
muss Mitte August wieder zurück und auch diese Reise führt sie langsam aus und 
kommt nach und nach aus den Gerstenfeldern der Höhe in die Mais-, Sorghum- und 
Reisfelder der Tiefe. Hier nun gesellen sich mehr und mehr ihresgleichen zusammen, 
die Völker wachsen und wachsen, bis bei dem schönsten Herbstwetter, meistens wohl 
Nachts, die Reise per Etappe in den Hauptthälern geschieht und die Vögel früh am 
Morgen in die traubenschweren Weingärten, die vergilbten Maisfelder und in die 
trockeneren, fruchtreifen Reissaaten einfallen, um Ruhe und Nahrung zu finden. So 
gelangen die Wachteln an die Meeresküsten und folgen ihnen weiter, selbst dann, wenn 
sie abweichend von der direkten Richtung zu ihrem Reiseziele, dem fernen Süden, 
grosse Umwege von W. nach OÖ. oder umgekehrt von O. nach W. machen müssen. Wo 
das nicht geschieht und sie sich entschliessen, quer über die weiten Wasserflächen zu 


584 Zusammenstellung der Zugdaten. 


Hiegen, da riskiren sie ihr Leben. Unbehagliche Uferstrecken, z. B. solche mit Salz- 
boden, wo die Vegetationsnarbe fehlt und nur isolirte Gruppen saftiger Halophyten 
stehen, werden so rasch wie möglich durchwandert, ebenso die Sümpfe. Wo in trockenerer 
Steppe oder Wiese der Heuschlag unberührt blieb, fallen die Vögel ein. Fehlt ihnen 
das, so bleiben sie auf den schmalen Dünen und suchen Schutz am Rande der Jongeln. 
So geht es Jahr ein Jahr aus; je nach den günstigeren allgemeinen Lebensbedingungen, 
nach ergiebiger Brut etc. sind die Wachtelmassen bedeutender oder geringer auf dem 
Zuge. Es giebt gute und schlechte Wachteljahre; oftmals kommen unglaublich viele 
Wachteln auf diesen Küstenwegen während der Reise zusammen und wandern, durchaus 
den bequemsten Weg suchend, langsam weiter. 

10. ‚Scolopax rusticola. Die Waldschnepfe hält bei Odessa und Stawropol fast 
ganz gleiche Zeiten der Ankunft ein. Das pro 1878 notirte frühe Eintreffen der Vögel 
bei Tiflis fällt gegen die aus demselben Jahre stammende Notiz über den Zug bei 
Lenkoran sehr auf. Ich möchte zur Erklärung sagen, dass es in Lenkoran schwer ist, 
genau zu wissen, ob man es mit wirklich neu angekommenen Waldschnepfen zu thun 
hat. In warmen Wintern bleiben viele ganz da und man kann sich dann leicht 
täuschen. Die Beobachtung von Tiflis halte ich aufrecht, obgleich sie eine sehr frühe 
Anzugszeit giebt. 

11. Grus cinerea. Auch bei den direkt ziehenden und den hohen Kaukasus 
forcirenden grauen Kranichen fällt die Ankunft und der Durchzug gewöhnlich viel 
früher westlich, als östlich. Schon Mitte Februar ziehen bei Odessa die Kraniche. 
Fast einen vollen Monat später werden sie bei Stawropol gesehen. Nur vom mittleren 
Araxes liest ein Datum vom 12./24. II. vor, welches sich dem frühesten von Odessa 
11./23. Februar anpasst. Andererseits aber giebt es auch Jahre, in denen bei Odessa die 
Kraniche um einen vollen Monat später kommen, als in anderen die frühesten. Da 
sind es denn die bisweilen statthabenden, ausnahmsweise späten Winter in den süd- 
russischen Steppen, welche die Reise verzögern. Im Kaukasus wird eine solche Aus- 
nahme in den Tiefländern zur Regel im Gebirge. Der im Süden später aufbrechende 
Kranich, welcher diesen direkten Weg von S. nach N. über das Gebirge wählt, muss unter 
allen Umständen bei der Passage über Hocharmenien in einer Höhe von 8000‘ über 
dem Meere sich bewegen und beim Foreiren der Pässe des Grossen Kaukasus sogar 
sich bis zu einer Höhe von 10 und 12000‘ über dem Meere erheben, um an der Nord- 
seite in die Steppen zu gelangen. Oft schreckt er vor dieser Passage im Reiche des 
Schnees und Eises zurück und kehrt um; das habe ich mehrfach nördlich von Tiflis in 
der Digom-Ebene beobachtet. 

Hier will ich nun noch die Mittheilung machen, dass, anlangend die Wanderungen 
gerade über den Grossen Kaukasus, wir keinesweges ganz ohne direkte Beobachtungen 
geblieben sind. Was ich selbst darüber weiss, ist begründet auf Erkundigungen, die 
ich bei den Bewohnern des Hochgebirges während meiner Reisen im Sommer und 
während der Jagden im Winter machte. Man müsste, um ganz genau selbst zu sehen 
und Nachts zu hören, im März und April an irgend einem Passe des Kammes beständig 
bleiben. Das ist aber viel leichter gewünscht und gesagt, als gethan. Es giebt für 
diese Jahreszeit überhaupt nur eine Stelle im ganzen Grossen Kaukasus, wo man das 
ausführen könnte. Das ist die Passage auf der grossen Grusinischen Heerstrasse, welche 
im Kreuzberge 8015‘ zwischen Gudaur an der Südseite und Kobi an der Nordseite 


Zusammenstellung der Zugdaten. 585 


gelegen ist. Ich bin da mehrmals zu Anfang des April gewesen, wenn unten in den 
Thälern und im Tieflande der Zug im vollsten Gange ist, aber ich habe da keine Zug- 
vögel gesehen. Es gab immer nur die kaukasischen Schneefinken, die Alpenlerchen 
(langöhrige vornehmlich), wenige Flühvögel und recht viele, laut im Sonnenscheine 
über den blendenden Schneefeldern jubelnde Wasserpieper. Diese sind die zeitigsten 
Vögelchen, welche von unten, wo sie überwintern und schon im Februar zu singen 
beginnen, nach oben ins Gebirge wandern, wo sie brüten wollen. Doch aber haben 
wir in dem Obersten Fürsten Kasbek, unmittelbar am Ostfusse des zweitgrössesten 
kaukasischen Bergriesen, einen glaubwürdigen Beobachter. Die Fürsten Kasbek sind 
dort unmittelbar bei der Poststation in einer Höhe von 5670° über dem Meere von jeher 
ansässig, und der jetzt dort lebende Oberst hat mehrfach Alles bestätigt, was ich ihm 
über meine Ansichten und Beobachtungen über den Zug sagte. 

Es ist wiederum nur der graue Kranich, welcher diese Strasse direkt von 8. 
nach N. passirt, wie solches ja auch die Suanen und Ossen westlich und die Chew- 
suren und Tuschen östlich vom Kasbek für die kaukasischen Alpen bezeugen. Als 
grosse Seltenheit soll es vorkommen, dass eine Wildgans sich .ermüdet auf die schnee- 
bedeckten Felder am Östfusse des Kasbek niederlässt. Sie wird dann von den Be- 
wohnern des Dorfes wie ein „Wunder“ (wörtlich) betrachtet; nie fallen grössere Schwärme 
von Wildgänsen hier ein. Dies sind die Worte des Fürsten Kasbek. Die jahrweise sehr 
vielen Wildgänse, und zwar vorwaltend Anser alböfrons, welche etliche Meilen östlich von 
Tiflis, in manchen Wintern z. B. in den Karagas-Niederungen erscheinen, kommen im 
Kurathale aus dem Mündungslande des Flusses aufwärts gezogen. Das sind die 
nordischen Westsibirier, welche den Wolga-Caspi-Weg wanderten und die Wintersaaten 
im Kurathale abäsen. 

Andere Hinweise über den Zug der Vögel am Ostende des Grossen Kaukasus 
finden sich an zwei Stellen in der russischen Literatur. In dem Bande V (1858) der 
Naturwissenschaftlichen Nachrichten, welche in russischer Sprache von der Gesellschaft 
der Naturforscher in Moskau publicirt wurden, ist Seite 813 u. fig. über den Reise- 
weg der Vögel ein von einem Herın N. K, gezeichneter Artikel publicirt. Dort heisst es 
wörtlich, dass die „Trappen und alles kleine Zeug“ sich direkt längs dem Meeresufer 
beim Zuge halten, dass die Zwergtrappen dort oft gleich Heuschrecken in unglaublicher 
Menge hinziehen und dass sogar die Kraniche und Gänse sammt Trappen in der Haupt- 
richtung so lange dem Gebirge folgen, oder ihm im spitzen Winkel entgegensteuern, 
bis dessen Höhen geringer werden und dem Vogel die Passage ermöglichen. Es folgt 
sodann die ausführliche Beschreibung der Trappenjagd von den Mauern Derbents aus, 
die Vögel ziehen hier den engen Weg zwischen dem Meere und den ganz nahe von 
ihm ansteigenden Höhen und werden in diesem Engpasse in Menge erlegt. Auch aus 
dem „W. W. Sch.“ gezeichneten Artikel des russischen Journals „Natur und Jagd“ pro 
1878. T. U. pag. 54 u. fig. wird von dem Zuge der Trappen und Zwergtrappen bei 
Derbent gesprochen und trage ich die dort notirten Daten über den Frühlingszug in 
die Rubrik „Derbent“ mit ein. 


Zum Schlusse habe ich hier nur noch wenige Worte zu sagen. Ich will mich 
keinesweges an dem erbitterten Kampfe, welcher zwischen E. v. Homeyer und Palmen 
der Zugstrassen wegen seit ein Paar Jahren ausgebrochen ist, betheiligen; derselbe hätte 


Badde, Ornis caucasica. 74 


586 Zusammenstellung der Zugdaten. 


wohl beiderseits in einer milderen Form geführt werden können. Allein Vieles, was 
Palmen und vor ihm schon Wallace und namentlich v. Middendorff in dieser Hin- 
sicht aufstellten, muss ich wenigstens für den Kaukasus unbedingt als richtig 
anerkennen und es somit auch unterschreiben. 

In diesem Gebiete, vielleicht deutlicher als irgendwo auf der Erde, finden sich 
durch schärfsten und unvermittelten Gegensatz in der Territorialbildung die Wander- 
richtungen der Zugvögel diktatorisch erzwungen. Wäre der Grosse Kaukasus nur halb 
so hoch und halb so lang, als er ist; hätte er bedeutendere vermittelnde Vorketten mit 
mässig ansteigenden Thalbildungen — es wäre dann Alles anders. Pflanzen und Thiere, 
jene langsamer, diese rascher hätten dann andere Wanderwege gefunden und niemals 
wären im Alterthume schon die Scythischen Steppenvölker im Norden von den damals 
mächtigen Plateau-Bewohnern- im Süden getrennt gewesen; ja auch die schwere, achtzig 
Jahre währende Arbeit der Russen im 19. Jahrhundert hätte viel weniger Opfer und 
Mühe erfordert. Aber das riesige Gebirge schaffte Allen diese Schwierigkeiten und die 
Richtung seiner Erhebungsaxe erzwang auch die Richtung der Bewegungen. Sogar die 
erstaunlichen Hülfsmittel der gegenwärtigen Technik auf dem Gebiete der Wegebauten 
schrecken davor zurück. Man baut die Eisenbahnen um das Gebirge herum von der 
Nordseite zur Südseite des Grossen Kaukasus, nicht über oder durch dasselbe. So 
nöthigt denn auch dieselbe Erhebungsaxe den wandernden Vogel, die Tiefländer zu 
suchen, die Ufer der beiden Meere zu erreichen und von da aus die breiten Thäler zu 
bevölkern, oder ihre Sommerinsassen im Herbste wieder dorthin zu dirigiren. Es ist 
daher auch von Middendorff’s Vergleich der Zugrichtungen und Verzweigungen, an- 
gefangen von den grossen Winterstationen und beendet an den Brutplätzen, mit 
grossen, sich vielfach verzweigenden Baumgestalten, durchaus passend für die Kaukasus- 
länder. Nur geschieht das mit dem Unterschiede, dass die Riesenäste solcher Stämme 
in unserem Lande nicht in der Horizontalebene wie im fernen Norden, sondern auf den 
Seitenflächen und Thalwänden des nahen Gebirges gelegen sind. Solch’ ein Stamm 
wächst meiner Meinung nach im Beludshistan’schen Tieflande allwinterlich. Er ist 
stark und reckt sich nicht etwa über das Iranische Hochland, sondern über das weniger 
hohe westliche Afghanistan gegen Norden, bis er im Atrekthale den ersten mächtigen 
Zweig westwärts entsendet, welcher die ganze Süd- und Westküste des Caspi deckt. 
Im Südwestwinkel des Meeres steht ihm ein Nebenstamm gleicher Art zur Seite und 
vereinigt sein Gezweig mit jenem, er wächst in der grossen Winterstation von Gilan 
und Talysch. Beide Stämme dehnen sich weiter gegen Norden und geben zunächst 
grosse Zweige ab in’s Kura- und Araxesthal, dann zum Terek. Ihre äussersten Zweig- 
lein aber mit den verheissenden Blüthenknospen (den Nestern der Weitgereisten): 
erreichen im Sommer die Tundern des Eismeeres im flachen Mündungslande des Obj, 
wo Rothhalsgänse und Regenpfeifer die Jungen aufziehen, um mit ihnen den altge- 
wohnten Weg schon früh im Herbste wieder zu wählen und die weite Reise auf's 
Neue anzutreten. 

Der westlicher gelegene Nil-Syrisch-Kleinasiatisch-Pontische Stamm giebt seine 
Aeste auch westlicher ab, bevölkert das Nordgestade des Schwarzen Meeres, die Krimm 
und wahrscheinlich auch das Ostufer desselben Meeres und die im Norden davon gele- 
genen Tiefländer des Kuban und des Asow’schen Meeres. 


Zusammenstellung der Zugdaten. 587 


Dort in der Afghanisch-Caspischen Richtung wird auch aller Wahrscheinlichkeit 
nach zu urtheilen jener von mir noch nicht gefundene „Schlussstein“ für den Zug der 
Wachteln liegen, von welchem ich Seite 18 sprach. Dort möge in baldiger Zukunft 
das bestätigt werden, was ich jetzt noch als bescheidene Hypothese aufstelle. Ohne 
Zweifel wird durch die Sicherung des Atrek-Thales und neuerdings durch den Anschluss 
von Merw an Russland dem Reisenden überhaupt und so auch dem beobachtenden 
Ornithologen wiederum ein bis dahin gefährdetes Gebiet eröffnet, dessen Erforschung 
wohl schon in nächster Zukunft ernstlich in Angriff genommen werden dürfte. 


74 * 


588 Nachtrag. 


Erster Nachtrag zur Ornis caucasica. 


Zwischen der Sammelzeit in Lenkoran (1879—1880) und dem Erscheinen des 
Werkes liegt eine Zeitperiode von vier Jahren. In dieser wurden noch einige Spezies 
erbeutet, welche der Verfasser nicht zur richtigen Zeit und am richtigen Platze ein- 
schalten konnte, da sie ihm erst im Frühjahre 1884 zu Gesichte kamen, als die be- 
treffenden Abschnitte der Ornis bereits gesetzt waren. 

Herr Edmund Reitter in Mödling bei Wien hatte die Güte, mir einen Theil 
der von Herrn Hans Leder eingesendeten Vögel zu zeigen und das mir Nöthige davon 
gütigst zu geben. Aus dieser Sammlung mache ich Folgendes namhaft: 


1. Hypolais polyglotta Vieill. (hinter Nr. 134 einzuschalten) 
— Ficedula hypolais Keys. et Blas. 


Ein Männchen dieser im Osten höchst seltenen Art wurde am 21. Mai / 2. Juni 
1882 bei Lenkoran erlegt. Es ist das nicht Hypolais ieterina Vieill., sondern typische 
polyglotta. (Schwingenverhältnisse.) Das Kleid ist recht gut erhalten. 


2. Locustella naevia Bodd. (hinter Nr. 127 einzuschalten) 
— (alamoherpe locustella Penn. 


Am 22. Mai/3. Juni 1880 habe ich auf der Insel Sarı im hohen, dichten Rohr, 
welches die central gelegene, unzugängliche Süsswasserlache umsteht, den Heuschrecken- 
sänger frühmorgens mehrmals singen gehört und darüber eine Notiz in meinem Tage- 
buche gemacht. Es fehlt mir aber bis jetzt ein Belegstück für diese Art aus dem 
Kaukasus. Indessen ist der Gesang derselben so charakteristisch, dass ich nicht Anstand 
nehme, sie hier nachträglich in den Bestand der Ornis caucasica aufzunehmen. 

Somit würden wir in unserem Gebiete es auf 

369 Arten mit 66 Varietäten 
gebracht haben. 

Ferner ist Folgendes noch als Ergänzung zu geben: 

1. Zusatz zu Nr. 56. Poecile lugubris Nattr. Zwei Männchen; eines 
davon ein tadelloses Stück vom 19. Mai /1. Juni 1882 ist typische P. lugubris, das 
andere in ziemlich defectem Zustande, ebenfalls vom Mai, besitzt mehr in’s Braune 
ziehende Kopf- und Nackenfarbe und stärkeren Schnabel, dabei aber tief herabreichenden 
schwarzen Kehlflecken. Auf der Etikette dieses Vogels liest man P. Brandti von mir 
unbekannter Hand, auf der anderen Seite von Homeyer's: P. sibiricus var. Bei 


Nachtrag. 589 


beiden Vögelchen dehnt sich das matte Braunschwarz des Nackens bis zwischen die 
Schultern zum Rücken hin. Blanford kennt den Vogel bereits aus den Tiefländern 
von Massenderan. 

2. Zusatz zu Nr. 61. Aegithalus pendulinus L. Das am 28. April / 10. 
Mai 1882 bei Lenkoran erlegte Weibchen steht der typischen Beutelmeise ungleich 
näher, als der caspischen Varietät. Es schliesst sich vortrefflich an Exemplare vom 
Altai an. Das Grau reicht bis auf den oberen Rücken hinauf, und es setzt sich der 
braune Mantel hier nicht scharf ab. 

3. Zusatz zu Nr. 114. Anthus cervinus Pall. Ein Männchen im schönen 
Hochzeitskleide wurde am 28. April /10. Mai 1882 bei Lenkoran erlegt. Der Vogel 
ist starkwüchsig; ich messe 150 mm. Totallänge. 

4. Zusatz zu Nr. 125. Acrocephalus streperus Vieill. Wurde wiederum 
am 8./20. Mai 1882 in einem weiblichen Exemplar erlest. 

5. Zusatz zu Nr. 126. Lusciniola melanopogon Temm. Ein Weibchen 
wurde am 6./18. Mai 1882 bei Lenkoran erlegt. Der Augenstreifen ist bei ihm nur 
schwach angedeutet, dagegen die seitlichen Partien der Kopfplatte sehr dunkel, fast rein 
schwarz, gefärbt. 

6. Zusatz zu Nr. 128. Cettia Cettii La Marm. Es hat fast den Anschein, 
dass diese Art, wenn auch selten, im Tieflande von Talysch überwintert; am 20. Dezb. 
1882 /1. Januar 1883 wurde bei Lenkoran ein Vogel erlegt. 

7. Zusatz zu Nr. 131. Phylloscopus rufus Lath. Der als P. Brehmi Hom. 
bestimmte Vogel ist nur P. rufus, dessen Gefieder auf der Rückenseite kaum ein wenig 
mehr matt bräunlich ist, als bei dem typischen Vogel. Im Flügelschnitt giebt es absolut 
keine Differenzen. 


590 Bemerkungen zu der Karte. 


Bemerkungen zu der Karte. 


Ich hatte zu diesem Werke zuerst zwei Karten entworfen. Die eine von ihnen, 
einen Zoll — 40 Werste, enthielt Alles verzeichnet, was ich über die Verbreitung der 
Gallinaceen im Lande in Erfahrung gebracht hatte; die andere, noch etwas kleinere, 
dagegen Alles, was über die Zugrichtungen ermittelt wurde. Bei dem bedeutend 
grösseren Maassstabe der ersteren dieser beiden Karten im Vergleiche zu dem der vor- 
liegenden stellte sich das Vorkommen der Hühnervögel sehr klar dem Auge dar, doch 
konnte ich es dem Herrn Verleger kaum zumuthen, eine so grosse Karte mit voller 
Terrainzeichnung allein für diesen Zweck herstellen zu lassen. Ich strebte also danach, 
aus beiden Karten eine zu machen. In Hinsicht auf die im Kapitel über den Zug 
gegebenen Facta findet der Leser davon Folgendes auf dieser Karte verzeichnet: 

1) Die beiden Hauptküstenwege, welche ich als Oaspi-Wolga-Richtung mit ihrem 
Beginne im Tieflande von Beludshistan und mit ihren äussersten Enden für einige 
Arten in den westsibirischen Tundern annehme und die syrisch-kleinasiatisch- 
pontische Richtung mit ihrer Wurzel am Nil und ihren weithin zerschlissenen 
Enden ebenfalls in der nordischen Tundra am Eismeere. 

2) Die speziellen Küstenwanderungen der Wachteln, beginnend im Norden des Ge- 
birges aus den Steppen des Kuban gegen W. und SW. und aus denen des Terek 
gegen OÖ. und SO. und dann den entsprechenden beiden Meeresküsten folgend. 

3) Die gefährlichste Zugrichtung, von dem Südufer der Krimm direkt nach Klein- 
asien, welche oft den Wanderern das Leben kostet. 

4) Das Wandern von Milvus ater im Frühlinge direkt von O. nach W. im unteren 
Kurathale und das Wandern von Oerchneis tinnunculus im Herbste ebenfalls von O. 
nach W. im mittleren Kura- und Rionthale. Endlich 

5) das Vordringen hochnordischer Arten von Wasservögeln im Winter gegen Süden 
auf dem Caspi. 

Die sesshaften Hühnervögel anlangend, so wollen wir sie den Arten nach, an- 
knüpfend an den Text des Werkes, eingehender besprechen. 

1. Megaloperdix caspia (hellblau). Nur auf den höchsten, isolirten Gipfeln des 
Armenischen Hochlandes und im Randgebirge, so im Quellgebirge des Tschoroch und 
an der Grenze von Talysch östlich vom Sawalan, sowie auf beiden Araraten (Alagös 
und Bin-göl-dagh fraglich), auf dem Aschich-dade und im Karabagher Meridian-Stocke 
(Kapudshich). 

2. Megaloperdix caucasica (zinnoberroth). Der hochalpinen und Eiszone nur 
des Grossen Kaukasus und seinen beiderseitigen Nebenjochen angehörend, westlich vom 
Elbrus begonnen bis zum Basardüsü. Im Winter um einige tausend Fuss niedriger 


Bemerkungen zu der Karte. 591 


lebend, im Sommer bis zu 12000' steigend und brütend. Namentlich häufiger im 
Dagestan. Dem Kleinen Kaukasus und Armenischen Hochlande vollkommen fehlend. 

3. Caccabis saxatilis (hellgrün). Die hellgrünen zusammenhängenden Partieen 
auf der Karte sollen nur solche Lokalitäten veranschaulichen, an denen ich diese Art 
am häufigsten traf. Der Text giebt darüber genugsam Erklärung. Dürfen wir von der 
Häufigkeit einer Art an gewissen Orten in einem grossen Lande Rückschlüsse auf das 
Centrum ihrer Verbreitung machen, so läge dieses für Caccabis oben am Araxes und an 
der Kura. Es sei bemerkt, dass die im Texte erwähnten „Wiesen“ zwar üppigen Gras- 
wuchs besassen, aber überall mit Steingrus und grösseren Felsenstücken wie beworfen 
erschienen. Die fette Wiese behagt dem Vogel nicht. Uebrigens giebt es auch bei dem 
Steinhuhn, wie bei allen Gallinaceen, gute und schlechte Jahrgänge, je nachdem die 
Bruten ausfielen, die vornehmlich wieder von der Stärke des Frostes und des Schnee- 
falles im Winter abhängig sind, da für Phasanen, Frankoline, Feldhühner und Stein- 
hühner andauernde Kälte bei tiefem Schnee sehr verderblich wirken. 

4. Starna cinerea (kastanienbraun). Ich habe das südlichste Vorkommen des 
Feldhuhns auf dem Grenzgebirge von Suant in die Karte getragen. Als in früheren 
Jahren, bevor die Eisenbahn bis Wladikawkas eröffnet war, im Winter ganze Fuhren 
voll Feldhühner nach Tiflis kamen, erfuhr ich durch die Händler, dass diese vornehmlich 
aus dem Stawropol’schen Gebiete stammten. Dort ist der Vogel für unser Gebiet am 
häufigsten. An dem mit einem * bezeichneten Orte, etwas südwestlich von Schemacha, 
wo man von Aksu bergan steigt, kommen Feldhühner, Phasanen und Steinhühner zu- 
sammen vor. 

5. Atlagen francolinus (rosa). Hier muss ich einen kleinen Zusatz zu dem 
Abschnitte über diese Art im Texte machen. Als ich im letzten Herbste Se. Kaiserl. 
Hoheit den Grossfürsten Nicolai Michailowitsch zur Frankolinjagd begleitete (oberhalb von 
Sardob an der unteren Kura), erfuhr ich durch die im Winter in diesen Ebenen wohnenden 
Tataren, dass am Ostfusse der Karabagher Gebirge bis zum Araxes in der That der 
Vogel sich findet. Später zog mein verehrter Freund, Herr E. Weidenbaum, darüber 
eingehendere Nachrichten ein. Diese bestätigen, dass im Kurathale der Vogel am 
häufigsten zwischen Mingetschaur und Sardob ist, von da ab seltener wird, doch noch 
ab und zu bei Adshikabul und Dshewat zu finden ist und dann ganz fehlt. Damit 
stimmt eine zweite neueste Nachricht, nach welcher erst 100 Werst von Salian strom- 
aufwärts das Frankolinhuhn zu finden ist. Es ist möglich, dass an der unteren Kura 
der Winter von 1882—83 die dort selteneren Vögel ganz vernichtete. Grossen Schaden 
hat er auch da angerichtet, wo die Frankolinhühner bis dahin recht häufig waren. In 
dieser Weise wären die zuerst im Texte gegebenen Nachrichten nach den neuesten 
Daten zu berichtigen, und demgemäss habe ich sie auch in die Karte eingetragen, mit 
dem Bewusstsein, dass wohl schon in wenigen Jahren der jetzt stellenweise noch recht 
häufige Vogel ganz fehlen oder zur Seltenheit geworden sein wird. 

6. Phasianus colchieus (guttigelb). Ich glaube, dass die Karte trotz ihres kleinen 
Maassstabes das Nöthige veranschaulicht. Die Intensität der guttigelben Farbe soll die 
grössere oder geringere Häufigkeit des Vogels andeuten. Für Transkaukasien erhielt 
der Text genaue Angaben; nur brachte ich neuerdings noch in Erfahrung. dass von 
Salian abwärts, namentlich im Rohr, unweit vom Caspi, der Vogel recht häufig vor- 
komme, wie solches Herr Talischet, der dort lebte, mich versicherte. Die neuerdings 


592 Bemerkungen zu der Karte. 


durch Herrn Dinnik in Stawropol und Herrn Nikiforaki aus Noworossiisk erhaltenen 
Mittheilungen über das Vorkommen des Phasans in dortiger Gegend mögen hier folgen: 

Herr Dinnik schreibt: „Die Phasanen leben nur im östlichen Theile des Stawro- 
pol’schen Gouvernements, der Kuma entlang bis zum Caspischen Meere und südlich von 
der Kuma in dem Gebiete der Edissan’schen und Edischkul’schen Nogaier und der Kara- 
Nogaier. Der Kuma entlang kommen sie zuerst bei dem Dorfe Obilnoe vor, werden 
dann häufig bei Soldato-Alexandrowskoe, bei Priwolnoe, Prawokumskoe, Pokoinoe, 
Wladimirowskoe, Soldatskoe und dann bis zum Meere. Hier kommen sie noch bei der 
Haltestelle Serebrjiakowsk vor und verbreiten sich, wie man behauptet, weiter ins 
Astrachan’sche Gebiet. In der Gegend von Soldatskoe dringen sie auch in die Truch- 
menensteppe vor. Von der Kuma südlich sind die Phasanen häufig im sumpfigen Lande 
der Kara-Nogaier bis ins Terek-Gebiet. In den Fluss- und Bachgebieten des Jegorlyk, 
Kalaus, Buiwoloi und Karamyk kommt der Phasan nicht vor.“ 

Schon Pallas kannte den Vogel von der Kuma, er führt ihn sogar als „Mad- 
sharischen Hahn“ auf, nämlich nach der Lokalität, welche auf linkem Ufer etwas ab- 
wärts von dem Dorfe Pokoinoe gelegen ist und Madshary heisst. : 

Herr Oberst Nikiforaki, der Chef des Schwarzenmeer-Gebietes, gab mir Nach- 
richt über das Vorkommen des Phasans vom unteren Kuban und der Ostküste des 
Pontus. Nach diesen ist der Vogel von Anapa bis in die Gegend von Adler stellenweise 
recht häufig, so namentlich bei Dshubi und auf dem Besitzthume Sr. Kaiserl. Hoheit des 
Grossfürsten Michail Nicolajewitsch. Hier liess man ihm mehrere Jahre lang strengen 
Schutz zu Theil werden, was die allerbesten Folgen hatte, ja sogar zu Klagen veran- 
lasste, da die vielen Phasanen dem Getreide Schaden machten. Weiter hin, die Küste 
abwärts, wird der Vogel seltener, und auf der kurzen Strecke von Adler bis in das 
Suchum’sche Gebiet ist er nicht nachgewiesen worden. Im Kubandelta soll er sich 
schon unweit von Temruk finden und tiefer landeinwärts gemein sein. 

7. Tetrao acotoptrieus (violet). Was ich bis jetzt über das Vorkommen des kau- 
kasischen Birkhuhnes ermitteln konnte, ist in die Karte getragen. Es wird sich in 
Zukunft gewiss erweisen, dass dieser Vogel überall, wo es Wald giebt und wo dieser 
sich bis in die Höhen der Baumgrenze hindehnt, an dieser Grenze lebt. Aber häufig 
ist er nirgends. Zur Brut tritt er gerne höher in die basalalpinen Rhododendronbestände. 

Die beiden Pterocles-Arten sind da notirt, wo ich sie antraf. Auch für Zoxia 
eurvirostra gab ich die bis jetzt am weitesten nach Osten gelegene und ermittelte 
Grenze an. 

Als der erste Versuch, ein Bild über die Verbreitung der Gallinaceen im Kau- 
kasus zu geben, möge meine Karte betrachtet und beurtheilt werden. Manches wird 
sich daran durch fernere Beobachtungen noch vervollständigen und verbessern lassen, 
zumal wenn es gestattet sein wird, einen grösseren Maassstab für die Karte zu verwenden. 


lan, I, h 


U. Kader ad nal pina: Irlıst. Anst u Ih. Fischer Cassel 


Buteo tachardus Bree. l.var. rufus R. 
et 2. var. fusco-ater R. 


Tat. N. 


D. Kadde ad nat, pinz. 


Artist Anst ı Th. Fischen Cassel 


Buteo tachardıs. Bree. Varietäten. 


Taf. Il 


drtist. Anst vw Th. Fischer Cassel 


7 nat. pin. 


> 
Te ac 


da 


207 


(r ka 


(ircus aeruginosus L.var. unicolor Radde. 


Taf. N. 


O.Kadde ad nat pin: e Artist. Anst vu Th. Fischer Cassel. 


Garrulus glandarius L.1.typ.et 2.3.var. hyrcanus. 


Taf. V. 


U Kadde ad nal.pinz Artist. Inst u Th. Fischer Cassel. 


Garrulus glandarius L.Varietäten. 


Taf. VL: 


Artist Anst u Th. Fischen Cassel. 


G Radde ad nat.pinz: 


Acredula tephronota Günth. I.var. major R.2.1yp. 9. Juv. 


IERBENWITE 


0 Kadde ad nat pinz. Artist Anst vw Ih. Fischer Casse! 


Carpodacus rubieillus (ld. 


Taf. VII. 


GKadde ad nat pinz. Artist. Anst vw Th. Fischer Cassel. 


Montifringilla alpicola Pall. 2.8 ad. 1. M.nivalis (Schweiz) 


2 


SE 


Taf. RX. 


(r Kadde ad nal pina Irtist. Anst,u Th. Fischer Cassel 


I-4. Passer domesticus typ. et vart. \5.P. salicicolus Vieill. 
6.7. Metoponia. pusilla Pall. 5 9 ad. 


Taf.X. 


( Badde ad nat pinz: Artist Anst w Th. Fischer Cassel. 


(rithophaga miliaria L. 1. var.minor R.et 2 typ 


Taf. XL. 


Artist Anst w Th. Fischer Cassel. 


G. Kadde ad nat pinx. 


Budytes melanocephalus Lichst. Albino. 


adde ad nat pin. 


Taf. XI. 


IrlistAnst. u Th. Fischer Cassel 


Motacilla alba L.und Varietäten. 


Taf. XII. 


Artist. Anst.w Th. Fischer Cassel. 


G Kadde ad nat,pinz. 


1.Sylvia mystacea Mentr. 
2. Phylloscopus rufus Lath.v. obscurus.R. 


Taf X. 


Artist. Anst u Th. Fischer Cassel. 


Accentor ocularis R. 


Taf. XV. 


(. Kadde 


IrlistAnst v Th. Fi 


AR SE l. 


Daulias Hafizi Severz. 


J 


ae 
(Fr hadde ad nal ypinz 


ı:ochruros 8.G. ml.o. 


ill 


Rutie 


Taf. XV. 


G.Kadde ad nat pinz. 


Artist. Anst v Th. Fischen Cassel 


Pratincola rubicola L. var. Hemprichi Ehrb. 


+0 


Taf. XV. 


( Badde ad nat,pinz. Irlistl.Anst. u Th. Fischen Cassel 


1. Lanius exeubitor L,var. Homeveri (ab. 2. L. minor Gmlvar. obscuriorR. 


Taf. X. 


Artist. Anst x Th. Fischer Cassel 


G.Badde ad nat,pinz. 


1.Picus maior L. 2.P syriacus Hemp.et Ehrb. 3.P. St. Johannis Blfd 4. D.medius L. 
.) j 


5. PB minor v. quadrifasciatus R. 


Artist Anst vu Th. Fischer Cassdl 


G Radde ad nat.pinz. 


Picus Poelzami Bogd. 9 9. 


Taf. XXL 


GKadde ad natpin. Artist Anst u Th. Fischer Cassel. 


1.2. Megaloperdix caucasiens Pall. 3.4 Porphyrio veferum.s.&.Gml. 
5.6.Daulias Hafizi Severz. 7 Saxicola lencomela. Pall. 


6 Mützel ad nat pinz. ArlistAnst ı Th. Fischer Cassel 


Megaloperdix caspia $. &. @ml. 
(M.Raddei, Brehm et Bolle.) 


San 


Ye 

Den 
Tea 

Ang 


DE un 
ELTA 
BI al Kae Co 


Taf. XXI. 


 Kadde ad nal pin Artist. Anst 1: T’h. Fischer: Cassı 


Tetrao Mlokosiwiezi Taca.=T. acatoptrieus R. juv. 


PS UMAD}oA OlaAydıo,] 


PS) L2YDSL] YLI ISUN ISIN und ou pp oppay 1) 


> Ener 
re MAL 


— se 
DENE 


AXX IM 


PS) YDSL] Y 2 1SUIS1)) 


-. nn ni EEE EEE — _ — 


6 PINSOHWOD PIPIDSOU BULdIR,) X 2 B40} SPIDSOA SRUY 


rund on pp sppnyy 1) 


AXX TEL 


— 
—— — — 


Karte zur Erklärung der 
ZUG-RICHTUNGEN in KAURASUS-GEBIETE 
und über die 


VERBREITUNG der GALLINACHEN. 
entworfen von 


D* G.RADDE. 


Erklärung der Zeichen. 


BEE Prasianus colehicus L. 
BEE (uccabis saxatilis Meyer 
BES Tetrao acatoptricus R. 


BE ttagen, franeolinus L 

BEE Starna cinerea Br. NS 

EEE Aeyaloperdias caspia Gmel. 02 

EEE Wcyaloperdix caucasica Pall. S 
a7 


tarna dominirt 


IE Raccabis fehlt überall 


{ 


ler 
u, | 4 


Artist. Anst.v-Th.Fischer, Cassel. 


De une 


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